(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich OCR 06"

Wurzbach0 6 . txt 
Biographisches Lexikon 
des 

Kaiserthums Oesterreich, 
enthaltend 

die Qbensskizzen derjenigen Personen > welche seit 1750 in den osterreichischen 
Rwlllaltdertt gelebt und gewirkt haben. 
Von 

v r . Constant von Wurzbach. 
Sechster Theil. 

(Huadagni — Habsdurg (Agnes — Ludwig) . 
Mien. 

Aus der kaiscrlich-koniglich en Hof- und Staatsdruckerei . 
18K0.^ 

Wit Vorbehalt der Uebersttzung in fremde apmchen und Verwahrung gegm 
unrechlmastigm Nachdruck.^ 
Vorwort . 

M i t dem vorliegenden Bande ist das „Biographische Lexikon des 
Kaiserthums Oesterreich" in den Verlag der kaiserlichen Hof- und 
Staatsdruckerei iibergegangen . Die Vollendung des Lexikons 
durch den Druck ist sonach als gesichert zu betrachten. I n der Anlage 
des Werkes habe ich nichts geandert und nur den Wunschen nach 
thunlichster Vollstandigkeit , welche von mehreren Gonnern meiner 
Arbeit geauBert worden, mit Hinblick auf den im Titel angegebenen 
Zeitraum entsprochen. Ich bin bisher in meiner Arbeit 

bloB auf mich angewiesen geblieben; meine wiederholten Auf f orderungen, 
mir biographische Details einzusenden, blieben unberiicksichtiget , 
was mich jedoch nicht irre machte, mein Werk riistig 

f ort zuset zen . Wenn ich also im Allgemeinen von einer Unterstiit zung 
des groBen Publikums, welches bei solchen Werken in anderen 
Landern sozusagen Mitarbeiter zu sein pflegt, nichts zu erzahlen 
weiB, so muB ich doch — urn nicht undankbar zu sein — Jene 
bezeichnen, die mich wesentlich, geistig und materiell, in meiner 
Arbeit gefordert. Vorerst muB ich der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaf ten meinen tief gef iihlten Dank aussprechen fur die 
Unterstutzung, die sie auch diesem sechsten Vande zugesagt; ohne 
die Unterstiit zung dieses kaiserlichen Institutes ware ich kaum in der 
Lage, mein Werk f ortzusetzen, fur welches ich, ungeachtet dieser 
Munisicenz, seit allem Anbeginne manche Opfer gebracht und noch? 
IV 

fortwahrend bringe; ich habe dieselben — wie groB sie sein mochten 
— nie gescheut, da es sich urn die Ausfiihrung eines nutzlichen 
patriotischen und fur den Kaiserstaat neuen Werkes handelt. Den 
weitern Dank schulde ich der auslandischen Kritik. Die inlandische 
hat mein Werk Mit wenigen Ausnahmen — darunter die „Katholische 
Literatur-" , die „Wiener" und „Gratzer Zeitung", welche drei 
Blatter dasselbe ausfiihrlich und in hohem Grade wohlwollend 
beurtheilten — todt geschwiegen. Es ist wenig ermuthigend fur einen 
Autor, wenn seine Arbeit, die im Auslande der ehrenvollsten Aufnahme 
sich erfreut, in der Heimath unberucksichtigt bleibt. Es leiden 
Autor und Publikum darunter; Ersterem kann es nicht gleichgiltig 
sein, ob sein Werk in den Handen Vieler oder Weniger sich befinde; 
in dieser Hinsicht ist jeder Schrif tsteller Kaufmann, in dessen Intereffe 
es liegen muB, groBtmoglichen Absatz seiner Waare zu erzielen. 
Das letztere aber, das Publikum, wird gehindert, thatigen Antheil 
an einem Werke zu nehmen, das auf jeder Seite von ihm, namlich 
von den denkwiirdigsten Reprasentanten desselben, nach den verschiedensten 
Richtungen hin, Nachricht gibt . Hingegen hat die 

Kritik des Auslandes in dessen besten Blattern wiederholt AnlaB 
genommen, auf meine Arbeit aufmerksam zu machen. Manner, 
deren Name in der Kritik vollwichtig ist, haben von ihr in so 
anerkennender Weise gesprochen, daB dieB nicht wenig meinen 
Muth zur Fortsetzung gesteigert hat und ich gern meine Sorgfalt 
verdoppelt habe, urn das Gute, das man meiner Arbeit nachsagte, 
zu verdienen. 

Seite 1 



Wurzbach0 6 . txt 
Wenn mein Werk in Berucksichtigung der Wiinsche competenter 
Manner an Umfang zunimmt, so kann mir dieB nicht zur Last 
gelegt werden, da nicht ich es bin, der die Menschen denkwiirdig 
macht, oder Beruhmtheiten decretirt, denn fur jeden der in mein 
Werk Auf genommenen sprechen deutlich die angefuhrten Quellen. 
Da aber dieses Werk eben zum ersten Male den ganzen Kaiser-? 
staat umfaflt, so war es nicht moglich, bei aller KenntniB des 
Details, vorhinein den ganzen Umfang desselben zu berechnen, 
und urn so weniger, als das Werk ursprunglich den Bestandtheil 
eines Sammelwerkes bildete, in welchen fernerhin es einzureihen 
noch jedem Besitzer desselben freisteht, wahrend es jetzt ein ganz 
selbststandiges Werk bildet. Was die innere Einrichtung des 
Werkes, mit Bezug auf das Materiale selbst betrifft, so wurde 
auch hierin nichts geandert und ich beziehe mich betreffs desselben 
auf das, in den friiheren Vorreden bereits Gesagte. Nur beziiglich 
der alphabetischen Ordnung ist sowohl fur die friiheren Bande, als 
insbesondere fur diesen eine Aufklarung zu geben; dieselbe ist von 
der genauen Schreibart der einzelnen Namen abhangig; so geschieht 
es, daB Namen, obwohl sie mit demselben Laute ins Gehor fallen, 
von einander getrennt sind, wie z. B. Haager und Hager, Haan 
und Hahn, Haase und Hase. Doch sind in dei. Negel Ruckweise 
gegeben. Die Umlaute a 6 ii. sind so betrachtet, als wiirden die 
Namen mit 26 06 ne geschrieben, und es ist also der Buchstabe 0, 
wenn er auch nur durch die Striche iiber dem a und 11 angedeutet 
wird, in der alphabetischen Folge so beriicksichtigt , als ware er 
ausgeschrieben . Auch erlaubt sich der Verfasser hier zu bemerken, 
daB er mit der Einfiihrung der Columnentitel, welche das Suchen 
wesentlich erleichtern, mehrfachen Wiinschen entsprochen habe, daB 
ferner betreffs des Papiers und der typographischen Ausstattung 
an die bei Erscheinen des ersten Bandes gegebenen Versprechungen 
strenge sich werde gehalten und daB die folgenden Bande, wie 
schon dieser, mit dem Register zusammen, voile dreiBig Druckbogen 
umfassen werden. 

Was diesen sechsten Band insbesondere betrifft, so muB auf 
den Artikel Habsburg ausdriicklich hingewiesen werden. I n 
anderen Werken erscheinen die einzelnen Glieder einer Fiirstenf amilie 
nach ihren Taufnamen, und sind die Alb rechte unter A ,£ 
VI 

die Friedriche unter ? u. s. w. eingereiht. Ich habe es vorgezogen, 
das gesammte erlauchte Herrscherhaus unter das Schlagwort 
des Geschlechtsnamens Habsburg und Habsburg- 
Lothringen zusammenzuf assen . Unter diesem Hauptschlagworte 
folgen die einzelnen Glieder des erlauchten Herrscherhauses in 
alphabetischer Reihe ihrer Namen, und zwar zuerst die Trager Eines 
Namens, wie Albrecht, Anna, Anton, Claudia u. s. w., 
alsdann die Trager der Doppelnamen, wie Anna Gleonora, 
Anna Katharina, Claudia Felieitas, Franz Karl 
u. s. w. Die vielen anderen Namen, welche in der Taufe oft 
gegeben werden, schlieBen sich an den eigentlich gebrauchten in 
kleinerer Schrift an. Die fernere Unterordnung in diesem Alphabet 
ist chronologisch, und zwar nach den Todesjahren. Nur in diesem 
Artikel wurde, in Betreff der Schrift, von dem bisher befolgten 
Systeme abgewichen. Es erscheinen die Lebensskizzen Aller, und 
also auch Derjenigen, welche in die Periode vor 1750 fallen, mit 
groBerer Schrift gedruckt . Eine Erlauterung oder gar Recht f ertigung 
dieser Ausnahme ist wohl uberfliissig. Den Quellen-Apparat mit 
einem Reichthume auszustatten, wodurch der Artikel Habsburg 
sich zu einer Fundgrube fur den historischen Forscher gestalten soil, 
war meine angelegentlichste Sorge. Wo aber die Aufzahlung aller 
Quellen nicht thunlich schien — insbesondere weil ich fremde 
Autorrechte nicht verletzen durfte und wollte — dort verwies ich 
auf jene Werke, welche sie enthalten. Jedenfalls ist der Artikel 
Habsburg der compendioseste meines Lexikons; er enthalt auf 
dem Umfange mehrerer Bogen ein massenhaftes Materiale, und 

Seite 2 



Wurzbach0 6 . txt 
schon in diesem Bande allein, welcher nur bis zum Namen Ludwig 
reicht, die Lebensskizzen von 180 Habsburg ern. Zur Erleichterung 
der Uebersicht werden diesem und dem folgenden Bande die 
genealogischen Tafeln H.— N beigegeben. Diesem Bande liegen 
bei die Tafeln ' s — 0, welche die Genealogie des Hauses Habs-^ 
VII 

burg vor Rudolph Grafen von Habsburg, deutschem Kaiser, 
enthalten, dann die Tafel 1 A der deutschen Kaiser aus deM Hause 
Habsburg, die Tafel U lolix "ustna nuds, und die Wappentafeln 
g, do. Dem folgenden Bande werden die genealogischen 
Tafeln N— 6- des Hauses Habsburg von Rudolph bis auf 
Karl VI., die Tafel H des Hauses Habsburg-3othringen, 
I der Habsburger in Spanien, T des Hauses Este, und die 
zwei Gruft-Tafeln N und 0, die Uebersicht der, in der Gruft bei 
den Kapuzinern in Wien beigesetzten Glieder des erlauchten Kaiser- 
Hauses enthaltend, beigegeben. 

Zum Schliisse sei mir noch eine Bemerkung erlaubt. I n einer 
Besprechung meines Lexikons und spater auch meines „Schillerbuches " , 
wurde insbesondere auf meine amtliche Stellung als 
forderndes Moment meiner literarischen Arbeiten hingewiesen. Ich 
sehe mich nun veranlaBt, da hier eine irrige Ansicht vorwaltet, 
derselben einfach zu widersprechen . Meine Stellung, der ich mit 
Leib und Seele angehore, hindert mich vielmehr, die Herausgabe 
meines Lexikons in jener Weise zu beschleunigen, wie es von vielen 
Seiten gewiinscht wird. Als Vorsteher der administrativen 
Bibliothek im kaiserlichen Ministerium des Innern, habeich mit 
den Legislaturen aller Staaten des Continents und in neuester 
Zeit, da die Bibliothek iibersiedeln muBte, mit der Wiederauf stellung 
und Umsignirung derselben vollauf zu thun. I n welchem 
fordernden Verhaltnisse aber diese Arbeiten mit meinem Lexikon und 
meinem Schillerbuche stehen sollen, ist mir nicht klar. Friiher, bis 
1839, hatte ich zudem noch die Jahresberichte iiber den geistigen 
Fortschritt der osterreichischen Monarchie zu erstatten, und das 
Centralblatt der osterreichischen Bibliographie zu redigiren, zwei 
Arbeiten, die mich seit 1832 taglich 10 Stunden und auch mehr an 
meine Beruf sgeschaf te fesselten, so daB ich nur in der Nacht an 
meinem Lexikon arbeiten konnte. Sollten aber vielleicht die literari-^ 
vm 

schen Behelfe, die m einer Bibliothek vorhanden zu sein pflegen, 
damit gemeint sein, so muB ich bemerken, daB den vorherrschenden 
Inhalt der administrativen Bibliothek im kaiserlichen Ministerium 
des Innern Gescheswerke und Kammerverhandlungen bilden, und 
der literar-geschichtliche Apparat derselben so geringfiigig ist, daB er 
auch nicht den bescheidensten Anf orderungen, die in dieser Hinsicht 
gestellt werden konnten, geniigen wiirde. Also auch in dieser 
.letzteren Beziehung ist die biographisch-literarische Ausbeute, die 
ich meiner amtlichen Stellung verdanke, viel zu unerheblich, urn 
zu obiger Ansicht zu berechtigen. Ich muBte diesen Punct beriihren, 
einerseits urn einen Irrthum zu beseitigen, andererseits urn nicht 
mein Verdienst als Herausgeber und Verfasser des Lexikons schmalern 
zu lassen, indem man es in irgend eine Beziehung zu meinem 
Dienste bringt . 

Habe ich im Eingange iiber die groBe Theilnahmslosigkeit 
des Publikums und mit Recht geklagt, so kann ich doch nicht umhin, 
einer Ausnahme zu gedenken und dem Herrn k. k. Ingenieur« 

Assistenten Heinrich Grave , welcher mir von Zeit zu Zeit, namentlich 
iiber denkwiirdige Personen der Steiermark, schatzbare Nachweise 
mit liebenswiirdiger Unermiidlichkeit zusendet, meinen verbindlichsten 
Dank zu sagen. 
Wien im September 1860. 
Dr. T. v. Wnybach.^ 
GuadagM, Cajetan (Sanger, geb, 
zu 3 odi urn 1728, gest. zuPadua 1797) . 
Sein Meister im Gesange ist nicht bekannt . 

Seite 3 



Wurzbach0 6 . txt 
Schon im Alter von 22 Jahren trat er 
offentlich auf und sang im Theater zu 
Parma. 1734 kam er nach Paris, sang 
daselbst im Oonosrt sxiritu.01 und vor 
dem Hofe zu Versailles mit groBem 
Erfolge. I n seine Heimat zuriickgekehrt , 
trat er in der Partie des Telemach in 
Gluck ' s gleichnamiger Oper auf, welche 
G. fur Guadagni geschrieben hatte. 
Die Meisterschaf t , mit welcher G. den Telemach 
gesungen, veranlaBte iiber Gluck ' s 
Verwendung seine Berufung nach Wien, 
wo er 1766 den Orpheus in Gluck ' s 
gleichnamiger Oper mit groBem Erfolge 
sang. Im Jahre 1767 trat er in London, 
dann in Venedig auf und feierte in letzterer 
Stadt solche Triumphe, daB man ihn zum 
Ritter vonSanMarco ernannte. 1772 
folgte, er der verwitweten Churfurstin 
Marie Antonie von Sachsen nach 
Miinchen, wo er in dieDienste des Churfiirsten 
Max Joseph trat. 1776 begab er 
sich nach Berlin und erwarb sich daselbst 
Friedrich's I I . Gunst . Spater kehrte er 
in sein Vaterland zuriick und war Sanger 
in der Kirche San Antonio zu Padua. 
Daselbst starb er auch im Alter von 72 
Jahren. G. war ein dramatischer Sanger 
von hoher Begabung und gait zu seiner 
Zeit fur den ersten Kunstsanger. Das 
Verlangen, ihn zu horen, war allgemein 
sehr groB, aber auch seine Forderungen 
waren sehr hoch. Er hatte sich durch seine 
v. W u r ; bach, bioar. Lexikon. V I . 
Kunst ein bedeutendes Vermogen erworben. 
Mit seiner zunehmenden Beruhmtheit 
stieg zugleich sein Dunkel und Eigensinn, 
der am Hofe des Herzogs P h i 1 i pp von 
Parma den Hohepunct erreichte. Der 
Herzog, der einst franzosische Prinzen zu 
Besuche hatte, wollte dieselben durch 
Guadagni ' s Gesang iiberraschen. Der 
Sanger brachte allerlei Ausfliichte vor 
und war nicht zu bewegen, von seinem 
Eigensinn zu lassen. Endlich lieB Herzog 
Philipp den hochmuthigen Sanger in ' s 
GefangniB fiihren, mehrere Tage fasten 
und dann erst etwas genieBen, sobald er 
vor einem als Officier gekleideten Gaste 
ein Lied gesungen hatte. Zuletzt stellte es 
sich heraus, daB G., der vor Prinzen 
nicht hatte singen wollen, vor dem leibhaften 
Scharf richter , der als Officier verkleidet 
war, den ganzen Zauber seiner 
Kunst entfaltet hatte. Darauf muBte er 
Parma fur immer verlassen. Von seiner 
Uneigenniitzigkeit , Freigebigkeit , aber auch 
von seiner Prunksucht erzahlt man sich 
manche lustige Geschichte. 

Zeitung fur die elegante Welt 1822. Nr. 149. — 
Forke ! ' s Almanach fur Deutschland auf'slahr 
1783, S. 160. - Crame r (KarlFriedr . ) , Ma< 
gazin der Musik (Hamburg, 8«.) Jahrg. I , S. 
439; Jahrg. I I . S. 376. - Gerber (Ernst 

Seite 4 



Wurzbach0 6 . txt 
Ludw. ) , Histcr . ' biogr . Lexikon der Tonkiinstler 
(Leipzig 179U, Breitkopf, gr. 8°.) Theil I. Sp . 
556. — G afincr (F. S. Dr.) . Universal-Leri 
kon der Tonkunst . Neue Hand-Ausgabe in einem 
Bande (Stuttgart 1849, Franz Kohler. Lex. 8".) 
2 . 38»; A nach diesem gest. 1790) . — Universal' 
Lericon der Tonkunst. Angefangen uon Dr. I u 1 . 
Tchladebach, fortgcs. uon Eduard Berns-? 
Guadllgm Guadanyi 

d o r f (Dresden, Schaefer, gr. 8<>.) M . I I , S. 
261 snach diesem und den andern Quellen gest. 
1797 A . — A ouveils Vio3ra.xkis Fanarais . .. 
xai- Noelsr, VS. XXII, sF. 284. - "sti's, 
NiaFraxdis uuivs^slls asZ Uusieisus. — 
Nntr' aots (I'ai'is, KI . I A ol.) kuitioms Aiiuss 
A r. 240. 

Guadagni, Johann Franz ( A r z i , 
geb . zu Brescia in der ersten Halfte 
des 18. Jahrhunderts , gest. ebenda im 

1 . 4784) . Hatte als Arzt sich einen 
groBen Ruf erworben. Als Fachschrift» 
steller war er gleichfalls thatig und auBer 
mehreren Abhandlungen, welche in der 
„RNooolta. 02 . iOF6ria. 112 . " sich befinden, 
schrieb er auch das Werk: „ 

1856) 

os 167. 

Gulldllgnini, Johann Baptist (Theo. 

log, geb. zu Eseno im Brescianischen 

1722, gest. zuCividatein Val-Camonica 

2 t . Marz 1806) . Studirte die Theologie 
und trat in den geistlichen Stand. 
Anfanglich trieb er philosophische Stu« 
dien, spater aber wandte er sich ganz der 
theologischen Wissenschaft zu und zahlte 
zu den gelehrtesten Theologen seiner Zeit. 
Einer der eifrigsten Gegner des Ianstnis« 
mus, bekampfte er denselben bei jeder 
Gelegenheit. AuBer mehreren dogma> 
tischen und ascetischen Schriften gab er 
heraus: „ A s ani/Mw F>a? ' 6i?/a? ' n ' M o?'/- 
ia 1782) . - „F, /6s<r ck ' 

6N«") 2 V 

1790) . „2)«6 A 6 A 67-6 

1809) . Er starb als Pfarrer zu Cividate 
im hohen Alter von 84 Jahren. 
ai-oi A rsts ai Liviaats in Vui A awanica 
(?aaua 1808, 8«.). - A ioi-Q A Is itaUano 
(212ilH2a 1808, 8».) A r . Z01: ' ws oti' s ia Sella 
vita s as A U LclitU ai (3. <3 ua a a F n i u i " 
sder Aufsatz ist von Ioh.Labus) . — D«, !e?o?o 
A 611>o' s a? ) lo A I A a. Oaauta asiia. Ksxnddlioa. ai 
Vsns2ia. (VtzusaiK 1856, 8<>.) A xxy A a. 167. 
i , Joseph Graf (Schriftf teller , 
geb. zuRudabanyaim Bor« 
soder Comitate 16. Oct. 1723, gest. zu 
S k a 1 i t z 21. Dec. 1801). Entstammt 
einer vornehmen Familie und ist ein 
Enkel des Marquis Alexander di Guad 
a g n i , der als kaiserl. General unter 
Leopold I. in den Grafenstand erhoben 
wurde. Die unteren Schulen besuchte er zu 
Erlau, den philosophischen Curs horte er 
in Tyrnau, wo er auch das Baccalaureat 

Seite 5 



Wurzbach0 6 . txt 
erhielt. 19 Jahre alt. trat er in das I n - 
f anterie-Regiment S z i r m a y als Fah» 
nenjunker und focht mit demselben gegen 
die PreuBen in Schlesien, gegen die Fran« 
zosen und Spanier in Bohmen und Ita« 
lim. 1747, als die ungarischen Truppen 
die Provence besetzten, wurde G. von 
den Franzosen gefangen, nach Toulon 
gebracht, aber schon einen Monat spater 
ausgelost. Beim Ruckziige der Armee 
wurde er bei Gelegenheit der Einnahme 
der Var»Brucke verwundet. Nach seiner 
Herstellung kam er in ' s Lager bei Genua 
und riickte zum Hauptmann vor, 1732 
trat er zur Cavallerie ilber, machte den 
sieben jahrigen Krieg mit und war bis 
1773 General geworden. 1783 trat er 
als General der Cavallerie in den Ruhe« 
stand und lebte auf seiner Besitzung zu 
Skalitz der Ruhe und den Wissenschaf ten . 
I n diese Zeit, also bereits in ' s vor» 
geriickte Alter, fallen seine schriftstellerischen 
Arbeiten. Aufier seiner Weltgeschichte : 

(Ott 1796—98), deren Vollendung sein 

Tod unterbrach, und welche Johann K i s 

fortsetzte, gab er mehrere poetische Werke 

heraus, von denen mehrere zu seiner Zeit 

ihm einen grofien Ruf bereiteten, u. ' z.¥ 

Ouadilnyi 3 Guaita 

saHtt") d. i. Reise eines Dorfnotars nach 

Ofen (Prefiburg 1790, neue Ausg. 1807, 

1822) . - „ 

d. i. satyrisch-kritische Beschreibung des 

Ofner Reichstages (Leipzig jHrefiburg' 1 

1791), welches witzvolle Gedicht aufierordentliche 

Sensation erregte. — „F A ss- 

Hfii A o A / i i 6 "oko?6<HM6N6ts?s") d. i. 

Hollenfahrt eines Dorfnotars (Basel 

1792).- A ' s tt' s si' s ottt' s tsna/.- N) le?> 

to?"a", d. i. Betrachtungen, Krankheit, 

Tod und Testament eines Dorfnotars 

(Prefiburg 1796, neue Ausg. 1822) . — 

siH . . .«, d. i. Ge» 

schichte des Paul R o n t 6 und Grafen 

Moriz Benyowsky (Prefiburg 1793, 

neue Ausg. 1816) . Der ungarische Lite« 

ratur ' Historiker Franz T o 1 d y sagt iiber 

G. : „Guadanyi, ein Schiller der Franzosen, 

ist der erste unter den ungarischen 

Dichtern, der komische Gegenstande vorfiihrt. 

Die Ofner Reise, der Tod und die 

Hollenfahrt eines Dorfnotars sind Schriften, 

die zu ihrer Zeit grofie Wirkung 

hervorbrachten und sich bis jetzt noch 

(1828) in den Handen Vieler erhalten 
haben. Er ist erf indungsreich und recht 
komisch, meist aber, besonders in seiner 
Beschreibung des Ofner Neichstages von 
1790, satyrisch. Streng zijchtigt er die 
Lacherlichkeiten und Siinden seines Zeit« 
alters; bis zur Erbitterung, die Sucht 
Fremdem zu huldigen und die Selbstentaufierung 
der Nationalitat . Es mangelt 
ihm aber an der Feinheit und dem Witz 

Seite 6 



Wurzbach0 6 . txt 
der Franzosen; und oft wird er, besonders 
in seinen, der niedern Volksclaffe so beliebten 
Abenteuern des Grafen Moriz 
Beny owsky und seines treuen Gefahr» 
ten Paul R o n t 6 , breit, ja wasserig. 
Seine Sprache ist uncorrect, unedel; sein 
Vers ohne Wohlklang. Er bediente sich 
einer der Letzten, der zrinyi'schen Stanze; 
im Benyowsky, den Episteln u. s. w., der 
von Bessenyei eingefuhrten Form." Graf 
Guadanyi war zweimal vermalt, zuerst 
1732, zum andern Mai 1783. Heiter im 
Leben und gesellig, bewies er eine unermiidele 
Thatigkeit. Er hatte das 60. 3e» 
bensjahr iiberschritten, als er daS Gebiet 
der Literatur zum ersten Male (1787) betrat. 
Er starb nach kurzer Krankheit im 
Alter von 76 Jahren. 

(Pesth 1833, Heckenast, gr. 8».) Sa. I , 8. 535 
l"nach diesem gest. 2 1 . Dez. 1801) . — T o 1 d y 

(Franz), Handbuch der ungar. Poesie. I n Ver« 
bindung mit Julius Fenyery herausg. von 

(Pesth u. Wien 1828, Kilian u. Gerold, 

gr. 8".) Bd. I, S. XI. VIII, S. 234 ftach diesem 

gest. 21. Dec. 1801) . — A HF A ar irolc arokuxoi 

6s slstra"ai. Niso FM"tsineQ? 40 aro2- 

kspxsl (Pesthl838 .Heckenast, kl. 4«.Mr. XXVI, 

8. 109 lnach diesem gest. 1. Dec. 1801, daselbst 

sein Portrait) . — NlaF"ar irok. Hlstr"'s- 

Danl'sll'a "6"-66/, d. i . Ungarische Schrift« 

steller. Sammlung von Lebensbeschreibungen . 

Von Jakob Ferenczy und Joseph Danielik 

(Pesth 1856, Gustau Emich) S. 179 "nach die« 
sem gest. I. Dez. 1801) . — VaSui-na"i u"LzlF 

(Pesth. 4«.) 1857. Nr. 36 (vom 6. Sept.) "mit 
Portrat im Holzschnitt ) . - Fa?><5fl', Xolt mnnk: 
li (Komorn 1802, 8«.) Vierte Auflage, 2. Bd. 
S. 47. - Hll?lH«e?ttl ' , I m 3. Bande seines 
historischen Lexikons.— Oesterr . Militar<Konoer . 
sations ' Lexikon (Wien, in Kommisston bei Karl 
Gerold. gr. 8«.) VS. I I , S. 809 Erscheint daselbst 
mit der italienischen Schreibart: <?ua- 
<5<2F?11 von A / i ) . - Oesterr. National ' Ency ' 
klopadie, herausg. von Czikann und Graf« 
fer (Wien 1833. 80.) Bd. I I , S. 436 "nach 
diesem gest. 21. Dez. 1801) . — portrat. Aufier 
den bereits angefiihrten befindet sich eines vor 
dem ersten Bande seiner Weltgeschichte . 
Guaita, Carlo de (dramatischer 
Dichter, geb . in einem Dorfe am Co» 
mersee 1813, gest. in W i e n urn den 
21. Marz 1846). Sohn adeliger Eltern, 
erhielt im Elternhause eine sorgfaltige^ 
Guaitll Gualllndris 

Erziehung und ging dann nachPavia, wo 
er das erste Jahr der Rechte horte. Da er 
sich in politische Umtriebe verwickelt hatte 
und fliichten muBte, folgte er seinem unwiderstehlichen 
Drange die Welt zu sehen, 

bereiste die Schweiz-, Frankreich, die pyrenaische 
Halbinsel, besuchte die Azoren, lebte 
einige Zeit in Madeira, ging dann nach 
England, Irland, Schottland und iiber 
Neapel, Rom und Florenz in seine Heimat 

Seite 7 



Wurzbach0 6 . txt 
zuriick, und langte 1838 in Verona an, 
wohin sein Vater, osterreichischer Beamter, 
aus der Lombardei versetzt worden 
war. I n Verona arbeitete er einige Zeit 
in der Kanzlei eines Notars; aber diese 
Arbeit erdruckte seinen poetischen Flug; 
ein Freund erbarmte sich dieses Pegasus 
im Joche und rief ihn zu fich nach Mailand. 
Eben begriindete Johann Bapt . 

B o 1 z a (s. d. Bd. I I , S. 33) das literarische 
Journal „Avista Viermoso" 
(1838) in Wien, und es gelang dem 
Freunde, G. die Stelle eines Mitarbeiters 
bei diesem Blatte zu verschaffen. Er kam 
nun nach Wien, wo er seinen bleibenden 
Aufenthalt nahm und dieses nur einmal 
noch verlieB, als er eine Reise nach St. 
Petersburg unternahm. G. war ein fleifli« 
ger Mitarbeiter der „KiviLtaVieimose" . 
Nachdem das Blatt zu erscheinen aufgehort, 
erhielt er sich vom Unterrichtertheilen, 
verlor aber die Lectionen, als man 
Spuren des Irrsinns an ihm bemerkte; 
nun war er allein, verlassen und in der 
grofien Kaiserstadt ohne Freund, der ihn 
unterstiltzen konnte. Da er des Nothigsten, 
dessen er zum Leben brauchte, entbehren 
muBte, steigerte sich sein Irrsinn 
und er wurde eines Tages in das allgemeine 
Krankenhaus gebracht, in wel« 
chem er im Marz 1846 im Alter von 
33 Jahren im Wahnsinn starb. G. 
war Poet, im Leben und in seinen 
Schriften. Unter dem bescheidenen Titel: 
2'" (Mailandl842) erschienen 
seine Gedichte, seinem Freunde dem 
Bildhauer Marchesi gewidmet . AuBer« 
dem waren mehrere seiner poetischen 
Arbeiten in Almanachen und Journalen 
abgedruckt, so z. B. eine Uebersetzung der 
Sonette auf Venedig von P 1 a t e n im 
Mailander Journal: I^a ?a.ina; eine 
komische Operette: „ A 
in der obenerwahnten 

N686", welche sonst noch viele Artikel 
seiner Feder enthalt . Seine Dramen: 
") eine Ueber» 

setzung von Lamartine ' s „Tod des 
Sokrates" und ein grofieres historisches 
Gedicht, dessen Titel jedoch dem Herausgeber 
dieses Lexikons nicht bekannt ist, 
blieben ungedruckt . Die zwei erstgenannten ' 
Dramen wurden in Italien auf mehreren 
Biihnen mit Beifall gegeben. I n die Zeit 
seines Aufenthaltes in Mailand fallt auch 
das Erscheinen der historischen Erzahlung 
„/saos A a, ci '".?-?' aFo?zM" . Ludwig Aug. 
F r a n k 1 widmet ihm in den „Sonntagsblattern" 
einen ergreifenden Nekrolog. 

Nr. 2. ''Biographische Notiz mit 4 noch ungedruckten 
Sonetten G.'s A . — I A n, l'ouiclo. (Venediger 
Journal, kl. Fol.) Redakteur P. Perego. 
1858. Nr. 37. - Fr an kl (Ludwig August), 
Sonntagsblatter 1846, Nr. 13: „Nekrolog 

Seite 8 



Wurzbach0 6 . txt 
uon 3. A. Frankl . " — Die Familie, uon der 
G u a i t a abstammt, scheint mit der Frankfurter 
und rheinpreuBischcn Adelsfamilie der G u a i t a 
verwandt zu sein. Wenigstens ist letzteres ein 
mailandischeo Adelogeschlecht , da5 im I . 1678 
nach Frankfurt a. M. iibersiedelte . ''Die Wappen 
der deutschen f reiherrlichen und adeligen Fami» 
lien (Leipzig, Weigel 1886, 8«.) Bd. I N , 
S 183. ) 

GllllllMdris , Angelo ( N a t u r forscher, 
geb . zu P a d u a 1730, gest. zu 
Mantua 43. Dec. 1788). Studirte die 
Medicin, erwarb die medicinische Doctorwurde 
und widmete sich der arztlichen 
Praris. Zugleich wirkte er als provisori-^ 
Gualdi Gnaltieri 

scher Professor der Chemie und Botanik 
an der Universitat in Padua. Er schrieb 
auch Einiges, u. z. : 
. 4788) - und 

besorgte eine italienische Uebersetzung von 
Scopoli 's „Z>2'w6A»?'K M'TiST-aVas" . 
Ein friiher Tod — er starb im Alter von 
38 Jahren — unterbrach die wissenschaf tliche 
Thatigkeit, welche er als tiichtiger 
Arzt, Naturf orscher und Naturphilosoph 
zu entfalten begonnen hatte. 

dNca, AI Vsn62i2. (VsnVa.13 1856, A 2, ra, tOvicti) 
>VV2na. 8.33.-Poggendorff(I. (5. 
Biographisch «Literarisches Handworterbuch zur 
Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 
1859, I . Ambr. Barch, Ler. 8«.) Sp . 968. - 
Gradmonument . Seine Freunde setzten ihm in 
der St. Bamabaskirche zu Mantua einen Denk' 
siein mit folgender Inschrift: „H.UFSI0 <3ua.- 
lanai-is I^iiilosoxlio ot HIsaioo I>2i,2viu.o, 
Lcri^tiLciUu «laro, as rsdus i»raoL6i ' tiin 
F6oi-Fici5 g-xnei K12 , u, tu2 , ui6 oxtims insrito, 
molliin LU3.vitats 6t ! >i ' a . o2tQ, Qt la, aomi loris- 
<iuo Heesptioijiino, inim,atui-6 vita /uncto 
VIII id. Decemd. MOOci'-XXXVIII aniici 
st coNeS'-u 11106iit, i38iin, i pO«U6rN!it dLU0IN6- 
rsnti in paeo ciui vix. aunos XXXVIII. 
IN6N5 .V. 6. . II . " 
Gualdi, Antonio W a 1 e r , geb. in 
der Lombardei) . ZeitgenoB. Bildete fich 
an der Mailander Kunst-Akademie aus 
und wendete sich vorzugsweise der Historien- 
Malerei zu. UeberdieB malt er auch 
Altarbilder und Portrate. Er halt sich 
seit Jahren in Mailand auf. Nur selten 
erscheinen seine Arbeiten — die gewohn« 
lich gleich in Privatbesitz iibergehen — 
in den offentlichen Kunstausstellungen . 
I n der Mailander Kunstausstellung des 
Jahres 1832 befand sich sein Gemalde: 
„Nie Gante Ohristi"; — in der Ausstellung 
1833 sein „Michael Angelu Nmnarlltti". Es 
stellt den Moment vor, wieBuonarotti 
den Plan der Festung, welche Alexander 
Medicisin Florenz errichten will und 
den ihm Alexander V i t e 1 1 i iiberbringt, 
verwirst. Das Bild ward von der Aka> 
demie der bildenden Kiinste in Mailand 

Seite 9 



Wurzbach0 6 . txt 
angekauft und ist von Gan d i n i mittel» 
maBig in Stahl gestochen; — in der 
Ausstellung 1833: „Fra Filippo Vppi vnb 
Durrsia Neati" — und „Nie uier AbrnZalter " ; 

— in der Ausstellung von 1837: 

Nie Flucht des Frau; Nouellll", historisches 

Bild; — „Ms iBebet der Anschnld" . Cor» 

recte Zeichnung, frisches Colorit zeichnet 

die Arbeiten dieses Kijnstlers aus, denen 

manchmal mehr Leben und etwas mehr 

Wahrheit zu wunschen ware. 

".Idurll. N5p02i2ions ai dsllk »rti in Hiiiauo 

s6 alrrs oiita a' Italic . . (Hiilano, (^naHoiii, 

KI. 4".) .4.2110 XIV (1832) 8. 156. -Dasselbe: 

"nno XV (1833) I . 431. - Dasselbe: "uuo 

XVI (1854) s. 99. 

Gualtieri, Alessandro ( P f a r r e r und 

landwirthschaf tlicher Schriftsteller 

geb . zu V e r o n a 13. Juni 1730, gest. 

zuManerba 24. Dec. 1831) . Erhielt 

die erste Erziehung im Jesuiten-Colle« 

gium seiner Vaterstadt, spater wurde er 

Zogling des bischof lichen Seminars. 1774 

erhielt er die h. Weihen. Bischof Moros 

i n i berief ihn dann in ' s Seminar, 

urn an demselben philosophische Wissenschaften 

und Mathematik zu lehren. Die 

lockenden Aussichten zur Erlangung von 

Kirchenwurden reizten ihn nicht; 1789 

ubernahm er die Pfarre zu Manerba und 

lebte daselbst der Seelsorge seiner Ge» 

meinde bis an seinen Tod, der ihn im 

Alter von 81 Jahren derselben entriB. 

I n dieser Stellung erwarb er sich durch 

seine vaterliche Giite und sein schones 

Beispiel einen so ehrenvollen Namen, daB 

er allenthalben als ''loaeiioai ?Hrroclii" 

aufgestellt wurde. Er trug den 

Fahigeren im Pf arrsprengel unentgeltlich 

Sprachwissenschaf t , Literatur und Philo« 

sophie vor. Auf seine Kosten lieB er die^ 

Guarana 6 Euarana 

Pfarrkirche von Manerba ausbauen und 

versah sie mit reichen und kostbaren Kir 

chengerathen . Obwohl er sich viel mit 

literarischen Arbeiten beschaf tigte, so ver 

offentlichte er doch nur weniges, u. z. ein 

F/o^o des General-Vicars Angelo Ste 

fani; — ferner die Abhandlungen : „ A 

— und 

Diese Abhandlungen sind in den Archiven 

der Athmeen von Sala und Brescia niedergelegt , 

deren Mitglied er war. 

1 ' anno aecHasm 

1833, Mo. Vettoni, 8«.) 8.134: 

Guarana auch Varana, Jacob 

(Maler, geb. zu Verona 23. October 

1727, gest. ebenda 18. April 1808). Obgleich 

in Verona geboren, nannte er sich 

doch selbst einen Venetianer und wurde 

von Zanetti, Longhi und Moschini 

als solcher angesehen. Friih zeigte er 

Anlagen zur Kunst, ging in die Schule 

des Sebastian Ricci und wurde spater 

Seite 10 



WurzbachO 6 . txt 
Zogling des Giamb. Tiepolo. Zugleich 
studirte er fleiflig die groBen venetianischen 
Meister und die der andern italienischen 
Schulen, unter denen ihm vor Allem 
Carlo Cignani zusagte. Er malte 
ebensowohl Fresken als Oelbilder, welche 
allgemeine Anerkennung fanden. Eine 
Einladung als Professor an der Kunst» 
Akademie zu Kopenhagen schlug er aus; 
einem Rufe nach Warschau zu folgen, wo 
er die Fresken in einer der dortigen Kir« 
chen malen sollte, hinderte ihn der eben 
ausgebrochene Krieg, und eimn zweiten 
an den kaiserlichen Hof von St. Peters» 
burg vereitelte der eben erfolgte Tod des 
Czar Peter. So geschah es denn, daB 
er Venedig nie verlieB, ausgenommen 
einmal, als er den Auftrag ausfuhrte, 
die groBe Kuppel der St. Vitaliskirche in 
Ravenna mit seinen Freskmzu schmucken, 
was ihm vortrefflich gelang. Von seinen 
in Venedig ausgefuhrten Fresken und 
Oelgemalden sind zu nennen: Die im 
Bankettsaale des Patriarchen . Palaf tes; 
sie stellen die Tugenden und andere sim« 
bolische Figuren vor; — im Dogen-Pa» 
laste in der sogenannten Chiesetta, d. i. 
der Capelle', in welcher der Doge mit 
seinem Nathe taglich der Messe beiwohnte, 
die ein eigens dazu bestimmter 
Dogen-Caplan las, die Decke; sie stellt 
vor den h. Marcus in Wolken nebst vielen 
anderen Figuren; — die Decken im 
groften und kleinen Redoutensaale, in 
jenem den Triumph des Bachus, in die« 
sem die Gottinnen des Gluckes und Ungluckes; 

— in der St. Martinskirche die 

Decke mit der Apotheose des h. Martin; 

— in der St. Paulskirche das Delgemalde 
auf dem dritten linken Seiten» 

altar : „Nci5 Nn ' j Jesu, angebetet uml iirm h. 
Andmig Mnznga und Franz von Fales" (im 

I . 1802); - in der St. Thomaskirche 

die Fresken im Mittelschif f e : Das Martyrerthum 

des h. Thomas; — andere 

Werke seines Pinsels enthalten die Kir» 

chen S. Pantaleon, Jacob dall'Orio, St. 

Matthaus, der Palast Rezzonico u.dgl.m. 

Fur den Hof von St. Petersburg vollen« 

dete er das „Gptrr ApliMmenz". Guarana 

arbeitete auch mehrere Blatter 

mit der Radirnadel nach eigener Erfindung, 

u. z.: „Ner barmlirrzige Famaritn" 

II Z. 7t/2 L. ; Vr. 14 Z. ) ; - 

„Jupiter miti III";— „Nachuz nilt> Arintnie". 

— „N112 Urtheil beZ Paris"; - „Arphqr 
nnt, Flora"; — „Ilphenz nnb Irethnoa"; — 
„Herknlrs nnd Nejamra". Die genannten 
Blatter sammtlich in gr. Folio. Auch 
gab er ein grofieres Kupferwerk heraus 
unter dem Titel: „? 

Guarana Vuardr 

M" (Venedig 

1792, gr. Folio, 42 Kupfertafeln und 

Seite 11 



Wurzbach0 6 . txt 
42 Blatter gest. Text) IMert, Bibl. 3er. 
Nr. 9011". Dasselbe fand aber eine 
wenig gunstige Aufnahme, da der von 
Andern ausgefuhrte Stich seiner Zeichnungen 
nicht gelungen, der Text des 
Werkes aber von zahlreichen Fehlern eni> 
entstellt ift. Nach seinen Werken haben 

Bartolozzi, F. Berrardiu. A. gestochen; 
auf dem von Bartolozzi gestochenen 
Plaf ondstiicke : Diana mit andern 
Gottheiten, heiBt er Varana. G. war 
Mitglied der Akademien von Venedig, 
Florenz und Bologna. G. starb im hohen 
Alter von 82 Jahren, indem er bis in die 
letzten Jahre thatig war und noch mit 
74 Jahren Altarbilder ausfuhrte. — 
Vincenz (Maler, geb . in Venedig 
urn 1730, gest. ebenda 1813), sein Sohn 
und Schliler, malte gleich dem Vater 
Fresken und in Oel. Auch seine Arbeiten 
befinden sich zum groBten Theile in den 
Palasten und Kirchen Venedigs ' in letzteren 
u. z. in der Kirche des S t . Christoph 
und Michael in der linksstehenden Capelle 
die Wandfreske: eine Scene aus dem 
Leben des h. Romuald; — in der St. 
Thomaskirche am ersten Altar rechts: die 
HH. Hieronymus Emiliani, Cajetan und 
Ludwig Gonzaga. Obwohl seine Arbeiten 
tadellos sind, so erreichte er doch nicht den 
Ruf und die Bedeutung seines Vaters. 
Ueber Jacob: Danc?o?o <6i>o?amc' s , I^a (tla.- 
Huta. dsila li^Fudblica . 61 Vsus^ia, sVsusaig 

1835, N^rkto-vick) 8. 438 snach diesem geb. zu 
Verona 28. Oct. 1727. gest. 18. April 1808). - 
V6QS2ia, s asUs liiois asUa, I A aguna, (VeneaiF 

1836, Vri26"el 16".) 8. 101. Ia8, 165, 
236. 485, 488, 490. - NouvsNs Lioxi-'-bie 
zsnsrals... xar Hoslsr (pari«, Diciot, 

3r. 8".) La. XXII Daselbst wird dieser Kiinstler 

auf 3i». 313 als Guarana und wieder auf 

8z>. 328 als Guarnana aufgeftihrt; als G u a - 

rana ist er in Venedig 1716, als Guarnana 

zu Verona 1720 geboren und 1807 gestorben. 

Die iibrigen Mittheilungen sind im Ganzen 

identisch) . — N a g 1 e r (G. K. D r . ) , Neues 

Allgemeines Kunstler»Lerikon (Miinchen 1837, 

Fleischmann, 8<>.) Bd. V, S . 411 snach diesem 

geb. 1716, gest. 1770^. — Ueber Mincenz: 

Dllncko?c> 5<31>o?an»o) . Am angez.Orte. S.439. 

— Fanottc» AA >a?lc:eHe?o A . Am angez. Orte. S. 

488. 671. 

Guardi, Francesco (Maler, geb. 

zu Venedig 1712, gest. 1793) . Gin 

Schiiler und Nachahmer Canaletto's, 

malte er gleich ihm Prospecte und Ansich« 

ten der groBen Dogenstadt mit seltenem 

Erfolge. Seine Bilder zeichnen sich durch 

Naturwahrheit und Farbenf rische aus, 

stehen aber in der Genauigkeit der Ver« 

haltniffe und iiberhaupt, was die eigent« 

lich kiinstlerische Seite betrifft, jenen seines 

Meisters nach; sie sind sehr gesucht 

von seinen eigenen Landsleuten und von 

Seite 12 



Wurzbach0 6 . txt 
Fremden, insbesondere Englandern. Nicht 
selten werden seine Arbeiten mit jenen 
vonCanaletto verwechselt. Sogeschah 
es denn, daB sieben Gemalde von 
G u a r d i , welche das Louvre>Museum 
zu Paris besitzt, in den Catalogen lan» 
gere Zeit als Bilder Canaletto's verzeichnet 
standen und als solche auch von 
Brustolon gestochen wurden. I n der 
Gallerte Lochis befinden sich folgende 
Bilder von ihm: „Ansicht der Aialtabrnckl" ; 
— „Nie Insel Flln (Owrgia"; — „Ner Sanit 
Ntarcnz-Plllt z in Venedig", eines seiner Meisterwerke 
A in Oel auf Leinwand; 15. Me> 
tres 0'62; Lr. 0-26 A , — „Ansicht uan 
Vrnedig mit der Nriicke", auch eines seiner 
schonsten Bilder A H. Metres 0-19; Vr . 
0'13 A ; — „AnZicht tier Vanlidugane uan Vene- 
Ug" A U.0-27; Vr.0'42 A . Guardi starb 
im hohen Alter von 81 Jahren. Valesi 
hat viele architektonische Blatter nach ihm 
gestochen .£ 
Guarienii Ouarneri 
8toria A ittoriol». acUa 

It2.Ua (?i8a 1817, 16«.) VS. 111,8. 286. - 
La A waooteea. s la Villa I A ooliiL aUa (Urocstra, 
ai A Io A 2c> xrLLao LLi-Zauio cou uoti2io 
diosrafiode ao A ii A utori aei <Hna.ari (Lei — 
FHinc) 1858, A i A ograaa "atali, A r. 8".) 8seonaa 
Nai A ione, 8. 38 u. 207. — Oanckc A o 
A Vl>o A amo) A I A a Oaauta aslia. lisxlib- 
I»Uoa ai Vsn62ia (VouoaiF 1835, Naratoviod, 
8 A .) 8. 440. - Nonveiis Vio3rai» A 6 
goner A Io . . . Vkr Ilosker (I?3,ria 1838, I'lrmW 
viaot, 3r. 80.) VS. XXIII, 6i>. 316. - 
Nagler (G. K. Di-.) . Ncues Allgemeines 
Kiinstler-Lexikon (Miinchen. Fleisch mann . 8".) 
Bd. V, S. 411. 

Guarienti, Peter (Maler, geb . nach 
Einigen in Verona, nach Andern in 
Venedig urn das I . 1700, gest. in 
Dresden urn das I . 4738 (nach H o 6- 
/s r: A'ouvelio MoZrApdio) , urn das 
I . 1763 (nach Nagler) . Ein Schiiler 
von B. Falcieri und I . M. Crespi, 
studirte dann steiBig die Meisterwerke der 
verschiedenen italienischen Schulen und 
bildete sich zuletzt auf Reisen aus . Der 
prachtliebende Friedrich August III. 
ernannte ihn zum Director der Dresdener 
Bilder-Gallerie . Ein genauer Kenner der 
Kunstgeschichte, in welcher er sich auf Reisen 
durch den Augenschein vervollkommnete, 
unternahm er es. Orlanoi ' s „ A .66sescia A ' 
o A ' ttc??-ic : o" zu erganzen', er verof f entlichte 
diese Arbeit unter dem Titel: 

<3z'«nils tt A,AA 6sesc?« A 6<f<?. s/!<?. (Vene» 
dig 1733, Pasquali) durch den Druck. 
G. K. Nagler bemerkt aber von dieser 
neuen vermehrten Ausgabe: „daB sie noch 
unsicherer ist, als die erste". 

A <H,!2i A «i'<?! A .6i. A , stoi'w A Ittul ' i A ll, >,luUa 
Italic». (?i32.1817, Nic. A axui'io, 16".) 1 A 6. V, 
Z. 196. - 5»ailc?o?a A Sl>o?amo A , I. a (7aduta 

Seite 13 



Wurzbach0 6 . txt 
"x'-snalLQ A A 29. - Nagler (G. K. I)i-.). 
Neues Allgemeines Kunstler-Lexikon (Munchen, 
Flcischmann) Vd.V, S. 411. - Osz/'l A ? t / A , 
Vito as' pittori koloFneui iion aLacritts 
NLlik», V'olLinll. pittrios ( 8 . mn 176!», KI . 4<1.) E 
232. - ?V?o-21, 0i2ionario. - A '«a A n A , 
A Ismm'io originali 6i lioNo A Vrti. 
Guarinom, Girolamo (Schrif tsteller , 
geb . in der Provinz Bergamo in der 
ersten Halfte des vorigen Jahrhunderts , 
gest. urn das I . 1770) . Trat nach been« 
deten Studien in den geistlichen Stand 
und widmete sich dem Lehrfache. I n Bel> 
gamo an der sogenannten aauoik». cl A iia 
Mskriooraia. trug er. durch 28 Jahre 
schone Literatur und griechische Sprache 
vor-, dann verlieh ihm der Bischof Redet 
t i die Pfarrei von Scanzo. Mehrere 

seiner griechischen, lateinischen und italienischen 
Gedichte erschienen — meist an« 
laBlich festlicher Gelegenheiten — zerstreut 
gedruckt, einige seiner Oden und Canzonen 
nahm Mazzoleni in seine Sammlung: 
«Ii.im6 on68tL" auf; selbststandig 
gab er heraus: „Oanss e'w ?oc?s cos?' HH . 
L61-F9.IN0 1759) ; - 
" (ebenda 1760), ein didaktisches 
Gedicht in 3 Gesangen. Viele 
literarische Arbeiten in Vers und Prosa 
blieben in Handschrift. 
vlioa 

cc: 8. 19«. 

Guurneri, Joseph (Geigenmachor , 
geb. zu Cremona urn das I . ltt!)0, 
gest. nach 1739) . Der SproB einer durch 
den Bau ihrer Instrumente beruhmten 
Familie. Schon Peter Andreas (geb. 
ebenda urn 1630, gest. 1680) war ein 
Schiiler des beruhmten Amati und ver — 
fertigte treffliche Instrumente. Seine 
besten fallen in die Zeit von 1662 bis 
1680. — Sein Sohn Peter (geb. ebenda 
urn 1670, gest. zu Mantua urn 1720) 
lernte die Profession seines Vaters, verlieB 
aber urn das I . 1700 seine Vaterstadt 
und begriindete ein eigenes Geschaft zu 
Mantua. Seine besten Instrumente fallen 
in die Zeit von 1700—1717; sie sind 
nicht fo vorzuglich wie die seines Vaters, 
werden aber dennoch mit 400—600 st.^ 
Guasco 9 Guasco 

bezahlt. — Der obige, Joseph, ein Neffe 
des Peter Andreas, brachte den Ruf 
dieser Geigen-Familie zu eigentlichen 
Ehren. Er war ein Schiiler des beriihrn« 
ten Stradivari und hatte durch 
fleiBiges Studium der Tonlehre und ein 
fein gebildetes Gehor es dahin gebracht, 
daB seine Instrumente, wenngleich sie 
nicht die Tref f lichkeit jener seines Meisters 
erreichen, dennoch zu den besten ihrer 
Art gehoren. Seine Violinen, die von 
Kennern leicht erkannt werden, charak» 
terisiren sich durch die fast geraden und 

Seite 14 



Wurzbach0 6 . txt 
schlecht geschnittenen A ; sein Modell ist 
in der Regel viel kleiner als das von 
Stradivari, die Wolbung ist weniger 
erhaben, hingegen die Tiefe viel starker. 
Der Ton seiner Instrumente ist klangvoll, 
hat aber doch nicht jene Rundung 
und jenen Schmelz, der den Violinen 
Stradivari ' s eigen ist. Der Preis 
einer Guarneri, je nachdem sie gut erhalten 
ist, steht zwischen 800-1200 fl. 
A '6i/s, IjioFra.MiL uuivsrLsiio ass klusioisus. 

— GaBner (F. S. Or.), Universal>Lerikon 
der Tonkunst . Neue Herausgabe in Einem 

Bande (Stuttgart 1849. Kohler. 3er. 8".) S.383. 

— Unwersal-Iexicon der Tonkunst. Angefangen 
uon Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von 
Eduard Bernsdorf (Dresden, Schafer, gr. 8«.) 
Vo . I I , S. 263. - Gerber (ErnstLudwig) . 

Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkiinstler 

(Leipzig 1818. Kuhncl. gr. 8".) Bd. I I , 
2p. 426. — NouvsUo dio^la^Iiis Fuuorkls 

. . . xar I I o s t e r (?ln'i3, Diaot, Fi-. 8«.) La. 

i>. 328. 

Guasco, Franz Graf (Feldzeugmeister 

und GroBkreuz des Mar . Theresien- 

Ordens . geb . 1711, gest. zuKonigsb 

er g 23. Marz 1763) . Entstammt einer 

alten Piemonteser-Familie . Diente zuerst 

in der russischen Armee und machte mit 

derselben mehrere Feldztige mit; 1732 

trat er als General-Major — er zahlte 

damals 31 Jahre — in die osterreichische 

Armee. Ungewohnliche militarische Kenntnifse 

erwarben ihm das Vertrauen der 

grofien Kaiserin, die ihm beim Ausbruch 

des sieben jahrigen Krieges die wichtige 

Stelle eines General-Quartiermeifters 

iibertrug. Bei Kollin, Breslau und 

Moys zeichnete G. sich aus, cr fuhrte 

immer an der Spitze der Grenadiere die 

Angriffe aus; wichtige Dienste leistete er 

ferner bei der Belagerung von Schweidnitz. 

Fur seine Verdienste riickte er im 

Janner 1738 zum Feldmarschall-3ieutenant 

vor und erhielt in der funften Pro» 

motion (23. Janner 1760) das Ritter» 

kreuz des Mar. Theresien-Ordens . 1769 

leitete er mit besonderem Geschick die 

Unterhandlungen wegen Nebergabe Dres« 

dens, welche wenige Stunden vor dem 

Eintreffen des Entsat zheeres unter Konig 

Friedrich I I . abgeschlossen wurde. Als 

nun Friedrich 1760 Dresden belagerte, 

verstarkte G. die Garnison mit 10.000 

Mann, in Folge dessen die Belagerung 

aufgehoben werden muBte. 1761 ver« 

eitelte er die Versuche der Preufien, das 

Reichsheer nach Franken zuriickzudrangen . 

1762 erwarb er sich das GroBkreuz des 

Mar. Theresien» Ordens durch die beriihmte 

Vertheidigung von Schweid» 

nitz. 63 Tage trotzte er alien Angriffen 

des koniglichen Gegners. Erst als alle 

seine Mittel erschopft waren und die 

Seite 15 



Wurzbach0 6 . txt 
I a u e r nicker Schanze in Folge einer in 
deren Pulvermagazin gefallenen Granate 

(9. October) mit 203 Mann in die Luft 

flog und der Sturm nicht mehr auf gehal ' 

ten werden konnte, ergab sich G. kriegs» 

gefangen und wurde nach Konigsberg 

gebracht . 8000 Mann hatte F r i ed r i c h 1 1 . 

fur die Einnahme dieses Platzes geopfert, 

a r ia Theresia sandte dem Helden 

in die Kriegsgef angenschaf t das GroBkreuz 

ihres Ordens und ernannte ihn zum 

Feldzeugmeister . Wenige Tage friiher, als 

die Freigebung der osterreichischen Kriegs«? 

Guasco Giinther 

gefangenen erfolgte, traf ihn bei der Tafel 

in Konigsberg der Schlag, dem unmittel. 

barer Tod folgte. G. zahlte 82 Jahre. 

Seine feierliche Bestattung fand zu 

Konigsberg in der dortigen katholischen 

Kirche statt und sein Adjutant Haupt» 

mann Ferrari setzte ihm eine schone 

Grabschrif t . 

s <7a5M (Baron) , Geschichte der groBten Heer« 

fiihrer neuerer Zeiten (Frankenthal 1789, Gegel, 

8«.) Bd. X I I , S. 187 u. f. -Reilly (Franz 

Ioh. Ios. von), Skizzirte Biographien der beriihmtesten 

Feldherren Oesterreichs u. s. w. (Wien 

1813, Kunst« und Industrie ' Comptoir, kl. 4".) 

S. 373. — Oesterr. Militar ' Konversations ' Leri ' 

kon. Herausg. vonl . Hirtenfeld (Wien, in 

Kommission bei Gerold. gr. 8».) Bd. I I , S. 810. 

— Hirtenfeld (I.) . DerMilitarMar . Theresien< 

Orden (Wien 1836. Staatsdruckerei, gr.8».) 

S. 90, 157, 1728, 1730. 

Guasco, Peter Alexander Graf (Feldzeug 

meifter und Ritter des Mar. TherefieN ' Ordens, 

geb . 4714, gest. zu Prag 

1780) . Bruder des Vorigen; trat 4742 

in kaiserliche Dienste. 1732 ward er Oberst 

bei Wied-Inf anterie Nr. 28. Bei Ko 1 1 i n 

commandirte er die Grenadiere und wirkte 

durch sein Beispiel auf diese Truppe, 

ebenso bei Moys (7. Sept. 1737); bei 

der Belagerung von Schweidnitz waren 

seine Verfiigungen in den Tranchoen 

von entscheidendem Nutzen. Bei Breslau 

(22. Nov.) vereitelte eine gut durch» 

dachte und gliicklich ausgefiihrte Bewe» 

gung die gef ahrdrohende Absicht des Feindes. 

Am 22. Janner 1758 riickte er zum 

General . Ma jor vor, kam zur Reichsarmee 

und setzte das zum Waffenplatze fur diese 

Armee bestimmte E r f u r t in kiirzester Zeit 

in Vertheidigungsstand. Da es jedoch 

nicht hinreichend mit Truppen besetzt war, 

muflte er es beim Anriicken der PreuBen 

am 28. Februar denselben gegen freien 

Abzug ubergeben; aber schon wenige 

Tage spater (4. Marz) lieferte er dem 

Feinde das siegreiche Treffen zwischen 

Frauenwalde und Glashiitte . 

I n der fiinften Promotion (23. Janner 

1760) erhielt er als Anerkennung fur 

seine Waffmthaten das Ritterkreuz des 

Seite 16 



Wurzbach0 6 . txt 
Mar. Theresim-Ordens , nachdem er schon 
Ende 1739 zum Feldmarschall-Lieutenant 
ernannt worden war. 4771 riickte er zum 
Feldzeugmeister vor, erhielt wahrend des 
bairischen Erbf olgekrieges dasCommando 
von Prag und traf fur alle Falle ent« 
sprechende Vertheidigungsanstalten . I n 
dieser Stellung ereilte ihn der Tod im 
66. Jahre. 

Oesterr. Militar ' Konuersations-Lerikon . Herausg. 
von I . Hirtenfeld (Wien. in Kommission bei 
Gerold. gr. 8<>.) Bd. I I , S. 810. - Hirten» 
f e Id ( I . ) , der Militar-Mar. Theresien-Orden 
(Wien 1836. Staatsdructerei, gr. 8°.) S. 110. 
1729. — Neber einen dritten Bruder der Odengenannten, 
Qctavian, siehe: ''Noii-esas 
l' A .oaaeuns aos InsoriMoiis tarns XI^V 
( I»ariL, 4« . ) . 

Giinderode, siehe: Gi'mtherode, Karl. 
Gunther, Anton (Philosoph . Schrif tsteller , 
geb . zu Lindenau im Leit« 
meritzer Kreise Bohmens 17. Nov. 1783) . 
Besuchte das Gymnasium zu Zeitmeritz, 
horte Philosophie und Rechte zu Prag 
und studirte, nachdem er einige Jahre 
als Erzieher in einem furstlichen Hause 
verlebt, 1818 und 1819 die Theologie zu 
Raab in Ungarn. 1820 erhielt er die h. 
Weihen. Seitdem lebte er von seiner 
Pension als Erzieher in Wien der Lite» 
ratur und Wissenschaf t . Einige Jahre 
hindurch versah er unentgeltlich das Amt 
eines Vice ' Directors der philosophischen 
Studien an der Wiener Hochschule. 1843 
ehrte ihn die Prager Universitat durch 
Verleihung des Diploms der Philosoph!« 
schen und theologischen Doctorswurde, 
letztere hatte er tiberdieB schon einige 
Jahre friiher von der Miinchener Uni» 
versitat erhalten. Obwohl G.'s philo» 
sophische Arbeiten die Denker seit einerf 
Gunther Gunther 

Reihe von Jahren beschaf tigten, ja in 
wissenschaf tlichen Kreisen Gegenstand der 
Discussion, welche ihm Anhanger und 
Gegner erwarb, bildeten (vergl. unten 
in den Quellen: I I . und III.) , die 
allgemeine Aufmerksamkeit richtete sich 
doch erst in den letzten Jahren auf die> 
selben, durch das Schicksal, das sie von 
Seite der Kirche traf. Die in Rom au 
gestellte OonFreF^tio inaioiL hatte G.'s 
Schriften — in Folge eines Verbotes des 
Bischofs von Trier, Arnoldi, an seinem 
Seminar nach der G. 'schen Philosophie 
vorzutragen — der Revision unterworfen 
und alle als „unkirchlich" verworfen. Ein 
Decret des Ianto IMoio, datirt: A s 
V) ai6 8. A Anuarii 1837 (verof f entlicht 
17. Februar d. I.), belegt neun Schriften 
G. 's mit dem Bann. Am 20. Februar 
1837 wurde dieses Decret an den Kirchthoren 
Roms angeheftet ' in einer Nach. 
schrift zum achten Werke, welches das 

Seite 17 



Wurzbach0 6 . txt 
Decret aufzahlt, zur Lydia, steht aber: 
ati3 Iitt61i3 aa 8 I . D. A. 
!>?. IX. sub aio 10 . A ekrua . A 
, religiose ao iHucla^ilitSl 36 
t " . Mehr noch als in katholischen 
Staaten machte in protestantischen die 
Sache Aufsehen, und eine Stimme aus 
PreuBen liefi sich vernehmen: „Die Sache 
konnte in der That, Rom gegeniiber, fur 
bedenklich erachtet werden, wenn mau 
Grund hatte, auf Seite der Freunde und 
Schiller G.'s, dieser deutschen Phalanx 
fur katholische Wissenschaf t , die Neigung 
zum activen Widerstand vorauszusehen . 
Es wiirde dann eine geistige Bewegung, 
mit katholischer Gesinnung und katho- ! 
lischer Denkmacht, entstehen, deren Tragweite 
auf dem kirchlichen Boden nicht so 
leicht abzusehen ware, wahrend Ronge 
nur ein Strohfeuer anziindete, welches im 
katholischen Lager bald erlosch" (Allgem. 
Zeitung 1837, S. 332) . Das geschah aber 
nicht und mit der Verof f entlichung des 
Decretes der Congregation und der Unter» 
werfung von Seite G. 's war die Sache 
abgethan. G.'s Schriften sind: „Vorschule 
M spernliitiuen Gheologie des Ghristenthnms " . 

1 n Briefen, 2. Aufl. (Wien 1828); - 
„Peregrin's Gastmahl. Gine Idylle in eilt Octauen 
aus dem deutschen wissenschaftlichen Volksleben, 
mit Beitragen znr Oharakteristik euro- 

Mscher Philosophie in alterer nnd neuerer Aeit" 

(Wien 1830, Mech.Congr., gr.8"., nebst 
Tit. Ausg. 1830, Braumuller) A — „Sudnnd 
Nordlichter am Horizonte speculatiurr Gheologir. 
Fragment eines evangelischen Vriekmchsels" 

(ebd. 1832, gr. 8"., nebst Tit. Ausg. 

1830, ebd.); - m i t I . H. Papst zugleich: 

„Januskopte kiir Philosophie nnll Ohealagie" 

(ebd. "-833, Wallishauf f er, gr. 8<>.); - 

„Ner letzte Sqinboliker. Gine durch die sqmbolischen 

TVerKe I.I. Muhler'sl und F. 0. 

A ur's neranlasste Schrikt, in Vliesen" (ebd. 

1834, gr. 8".); - „ 2Hona:s a H A A A e ' s . 

r OrllnZiigurntion der A srlsunIichKeits-PllNthrismen 

neuester Seit" (ebd. 1833, gr. 8«.); 

— „Nie ?u81e-Meu8 in der deutschen Philosophie 

gegenwartiger A eit" (Wien 1833, Beck, gr. 

.); — mit I.E. Veith zusammen: 

A dia", uhilllsaphisches Taschenbuch als Zeitenstiick 

p A. Nuge ' Z „Akaaemie". 3 Jahrgange, 

2 Jahrgange in 2Abthlgn. (Wien 

1849 bis 18 A 32, Braumuller. 8°.). Die 
vorgenannten Schriften wurden von den 
!n den Quellen angefiihrten Mannern der 
Kirche gepruft; das ErgebniB dieser Prtiung 
war die bereits erwahnte Verdatn« 
mung. Die Munchener k. Akademie der 
Wissenschaf ten hat den tiefen Denker zu 
rem Mitgliede ernannt; fruher schon 
hatte er einen Ruf an die Munchener 
Hochschule abgelehnt. 

. Zur Biographie. Brockhaus, Conversations* 
Lerikon. 10. Aufl. Bd. V I I , S. 317 snach 

Seite 18 



Wurzbach0 6 . txt 
diesem geb . 1785) . — Oesterr. National ' Encn» 
klopadie, hcrausg. von Czikann u. Graffc 
(Wien 1833) Bd. I I , S. 440.^ 
Gunther 12 Gunther 

II. Literatur der Polemik und Verurtheilung der 
Viinther ' scheu Philosophie. Wgcm. (Augsburger) 
Zeitung 1854. Beilage zu Nr. 189: „Anton 
Gunther und die Verhandlungen iiber seine Philosophie". 
von einem katholischen Gortesgelehrten . 

— Dieselbe 1837. Beilage zu Nr. 42 und 43: 
„Der Ausgang derGiinther ' schen Angelegenheit " . 

— Dieselbe Nr. 39: Schreiben aus Norn vom 

20. Februar. Wortlaut des papstl. Dekrets vom 

17. Februar 1837 A unterschrieben stehen: Hieronymus 

Kard. De Andrea, Fr. Angelus Vin» 

ttntius Modena oi-a. ?r'lia. Kundgemacht 

ward es von Aloisius Serafini und Philip» 

pus ssani. Es werden darin alle Schriften 

G. 's aufgezahlt; nach der achten: Z y d i a , 

steht folgender Satz: A u e t o r aatis litteris aa 

88. D. A . I»wm VI' .IX 2Ub Sis 10. "odruarii, 

in A enus, reliFioss ao lan^adiliter 56 

liub A eeit" A . — Allgem. (Augsburger) Zeitung 

1837. Nr. 55, S. 868 Mittheilung, daB G. den 

Beschliissen des romischen Officiums sich unter» 

worftn habe) . — Dieselbe 1837, S. 532 '"iiber 

die Stimmung, welche die Verurtheilung von 

G.'s Schriften im Protestant. Deutschland her« 

vorbrachte) . — Beilage zur Augsburger Post« 

zeitung 1833, Nr. 193: „Zur G. 'schen Philosophie. 

Worte des Friedens".— Beilage zur Augsburger 

Postzeitung 1837, Nr. 95 u. f.: „Die 

Censur der Schriften Gunther 's". — Dieselbe, 

Nr. 62.- „ I n Sachen Gunther's". - Die> 

selbe, Nr. 253: „Ein papstliches Breve in 

Sachen Gunther's, gerichtet an den hochw. 

Herrn Furstbischof von Breslau" . — Abendblatt 

zur Neuen Miinchener Zeitung 1837, Nr. 213 

(7. Sept.) : „Papst Pius I X . iiber Giinthe r's 

Schriften". — Konigl. privil. Berlinische Zeitung 

von Staats« und gelehrten Sachen 1837, 

Nr. 62: „Die Verurtheilung der Gunther '« 

schen Philosophie". — Neue PreuBische (Kreuz-) 

Zeitung (Berlin 1837, gr. Fol.) Beilage zu Nr. 

57: „Die Verurtheilung der Gunther ' schen 

Philosophie" soer Aufsatz ist — nach einer 

Redaktions-Anmerkung — von einem Katholi» 

ken. Uebrigens ist dieser Artikel anstandig, im 

Gegensatze zu der traurigen Gewohnheit dieses 

Blattes, osterreichische Autoren mit dem ganzen 

Geifer seiner gemeinen Gesinnung und Parteiunduldsamkeit 

zu besudeln) . — Salzburger Kir» 

chenblatt 1833 (II. Jahrg.) Nr. 1: „Dr. Anton 

Gunther und Dr. I . P. Oischinger. Von 

einem Auslander" . — Katholische Blatter aus 

Linz 1857, S. 82: A Korrespondenz aus Rom, 

die Verurtheilung der G. 'schen Philosophie betref f end A .— 

Oesterreichische Zeitung (Wien, Fol.) 

1857. Nr. 99. - Presse (Wiener polit. Blatt) 

1856, Nr. 292 sfiihrt die Namen der Geistlichen 

auf, welche G. 's Schriften und System zu 

priifen und zu richten hatten. Es sind folgende: 

IZuttaoni (AlaFiLtor Zaori?al5til ) , 112- 

okimurro, 

Seite 19 



e m e n s . 






Braumiiller) . 






die 






: „Die 






u 1 a t i v e 


n S y - 




s ch e n S t 


a n dpun 


kte 



Wurzbach0 6 . txt 
Ho I?Srrg, ri 

t 

e , 6i31i, sniitli, Dorsili, 

I>orroQ0, Iruiiot, und I'lir. A In den 

bisher angefiihrten Zeitungsauf sat zen wird der 

Stand der G. 'schen Frage im Allgemeinen be> 

leuchtet; auBerdem erschienen aber auch selbststandige 

Schriften fur und wider G. und seine 

Ansicht.) — F u r G. schrieben: Dr. I . B. 

B a 1 t z e r : „Neue theologische Briefe 

an Dr. Anton Giinther. Ein Gericht 

fur seine Anklager". I. Serie (Breslau 

1833. Aderholz) . Di-. Baltzer ist Professor der 

dogm. Theologie zu Breslau und hat sich gleichfalls 

unter daS Dekret der Index-Kongregation, 

welches G.'s Schriften verdammt, unbedingt 

unterworfen svergl. Verordnungen des furstbischof lichen 

Gencral-Vikariats-Amtes zu Breslau 

1857 . Nr. 90 I I und 93); - Dr. P. 

Knoodt : „Giinther und C 1 

Offene Briefe. I." (Wien 1853. 

Vertheidigung Giinther ' s gegen 

Angriffe des D r . Clemens. — Gegen 

Giinther: Pat. IldefonsSorg 

Unhaltbarkeitdesspek 

stems der Giintheria ' ner , nachgewiesen 

vomkirchlich-dogmati 

aus" (Grat zl85i, DamianundSorgc) . 

— Dr. Ioh. Nep . Paul Oischinger: „Die 

Giinther 'sche Philosophie. M i t Riicksicht 

auf die Geschichte und das 

System der Philosophie, sowie auf 

diechristliche Religiond arge stellt und 

gewiirdigt" (Schasshausen 1852, Hurtcr) . 

Oischinger zahlt zu den entschiedensten Gegnern 

der G. 'schen Ansichten. Wie er aber von 

katholischer Seite iiber die Art und Weise seines 

Verhaltens in dieser Frage zunlckgl ' wil ' f t ' li wird, 

dariiber vergl. „Salzburgcr Kirchmblatt" 1853. 

Nr. 1 (6. Janner) : „Di-. Anton G ii n t h e r 

und Dr. I . P. Oischinge r. Von einem Auslander" . 

— Dr. F. I . Clemens : „Die 

spekulative Theologie A. Giinther ' s 

und die katholisch eKirchenl ehre" (Koln 

1853, Bachem, 8<>.) . Wahrend Oischinger 

versuchte, die Giinther 'sche Philosophie 

eben wieder durch die Philosophie, d. i. im 

Wege „philosophischer Priifung" zu widerlegen, 

schlagt Clemens einen andern Weg ein 

und stellt G. 's Ansichten einfach mit dem kirchȣ 

Giinther Giinther 

lichen Dogma zusammen. I n der Philosophie 

gibt eS bekanntlich aufier der Vernunft keine 

entscheidende Autoritat, daher eine triftige iiberzeugende 

Beweisf iihrung gegen G. nicht zu 

erwarten sein wird. Ein anderes Resultat steht 

zu erwarten, wenn der von Clemens eingeschlagene 

Weg befolgt wird. Clemens verwirft 

an G., daB er von den Kirchenvatern und 

Scholastikern aussagt, sie seien in der Philosophie 

heidnisch, d. h. platonisch oder aristotelisch 

gewesen und es miisse eine christliche Philosophie 

an die Stelle ihrer Begriffe treten, denn 

mit dieser Verwerfung verwerfe er zugleich das 

Seite 20 



Wurzbach0 6 . txt 
kirchliche Dogma. Ferner wird geradezu als 
unkatholisch verworfen, wenn G. die Philosophie 
als selbststandia der Kirchenlehre nebenordnet, 
Glaube und Wissenschaft als zwei ebenbiirtige 
Schwestern betrachtet; wenn er im Nomanismus 
die „kirchliche Autoritat ohne freie Wissenschaft" 
ebenso einseitig findet, wie die protestantische 
„freie Wissenschaft ohne Auktoritat" ; wenn 
er gar uberhaupt Protestantismus und Katholicismus 
als zwei gleich einseitige Extreme ansieht, 
die in einem hohern dritten sich zu einigen haben. 
Dann stellt Clemens die Bestimmungen der 
Kirche und die Hauptlehren G.'s einander gegeniiber 
und weist auf die Abweichung der letzteren 
von ersterer hin. — Clemens lieB der obigen 
Schrift, nachdem B a 1 h er fur G. eingestanden 
war, noch eine zweite folgen: „Die Abweichung 
der Giinther ' schen Spekulation 
von der katholischen Kirchen lehre, 
bewiesen durch den Herrn Domkapit 
u 1 a r und Professor Dr. Balher in 
seiner Schrift : „Neue theologische 
BriefeanDr . Anton Giinther u. s. w." 
Eine R e p 1 i k " (Koln 1853, Bachem, K« . ) . 
HI. Wesen und Geschichte derV. 'schen Philosophie. 
Schon in I I . wurde auf einige Momente der 
Giinther ' schen Philosophie hingewiesen, hier 
folgt nunmehr eine gedrangte Darstellung ihres 
wesentlichenlnhalts und ihrer geschichtlichen Enb 
Wickelung. Vor Allem suchte G. seine Svecu> 
lation mit dem katholischen Dogma in Einklang 
zu bringen. Vor zwei Decennien machte in der 
katholischen Theologie eine ahnliche Angelegen 
hcit viel von sich reden, namlich der gleichfalls 
mit dem Bann belegte Hermesianis m u 6. 
I m Gegensatze zu G. hatte H erm e s den soge 
nannten supra-natissalistischen Rationalismus 
in der katholischen Theologie zu vertreten gesucht 
und „im Gegensatz dco Auctorilats-Glaubens . 
der nicht iiber den Zweifel zu erheben vermoge 
die Bewahrung der katholischen Kirchenlehre 
in der absoluten Nothigung der 

Vernunft durch Beweise gefunden"; er hatte auf 
den Grundlagen derspcculativen Kritik Kant's 
seine Wissenschaft der Dogmatik auf gebaut . I m 
Gegensatz zu dieser rationalistischen Nich» 
tung erscheint G. als Reprasentant des „specu» 
lativen Katholicismus" und gehort in den Kreis 
der katholisch »theologischen Nomantiker, 
deren Haupt Franz Baader ist. Wo Hermes 
auf Kant zuriickgreift , liegt G ii n t h er'n Jacob 
B 6 h m e nahe . G.'sCreationstheorie 
kann geradezu als Versuch angesehen werden, die 
Vohme'sche Weltanschauung auf die Form 
des Begriffes zuriickzufiihren . Ein Blick auf die 
(in der Biographie angefiihrten) Titel von G.'s 
Werken, als „Peregrin's Gastmahl". „Siidund 
Nordlichter am Horizont der spekulativen 
Theologie", „Ianuskopfe fur Philosophie und 
Theologie", rechtf ertigen die Einreihung G.'s 
unter die spekulativen Romantiker, zu denen neben 
Baader auch noch SaintMartin, Sengl 
e r , Staudenmayer Windischmann, 
Go rres, T r o r 1 e r zahlen und welche parallel, 

Seite 21 



Wurzbach0 6 . txt 
wie Hermes das Eindringen der Kantischen 

Philosophie in die katholische Wissenscharf t dargestellt 
hat, ebenso entschieden die Beriihrung 
des Schelling ' schen — ja auch Hegel 'schen 
— Systems mit dem Katholicismus reprasen« 
tiren. Wahrend die auflerhalb derKirche stehende 
Philosophie (Hillebrand) G.'n vorwirft: „die 
Folgerichtigkeit der philosophischen Gedankenent- 
Wickelung preisgegeben zu haben an die scho« 
lastische Tendenz, das katholische Dogma mit 
speculatiuen Ideen in Einklang zu bringen", 
bricht die orthodoxe Kirche iiber diese speculative 
„Glaubensphilosophie" unbedingt den Stab, 
und G. ist durch seine zwischen Philosophie und 
Theologie vermittelnde Stellung zwischen zwei 
Feurr gerathen. Was die Darstellung seines 
Systems betrifft, so hat G. dasselbe mehr in 
einzelnen Ziigen gelegentlich seiner Polemik, als 
in methodisch geordneter und zusammenhangender 
Auf stellung entwickelt. Gegen den Heg el ' ° 
schen Pantheismus ankampfend kniipft es wie» 
der an den Carre finnischen Dualismus an, 
den es aber in neuer Gestaltung hinstellt, und 
zwar in voller Beriicksichtigung des ganzen Ver« 
laufs der neuern Philosophie, sowie der DenkentwickelutMn 
des Mittelalters und der ersten 

christlichen Zeit. Ein geistvoller Kritiker hat 
anlafilich einer eingehenden Priifung der G. 'schen 
Schriften ihn den „philosophischen Abraham von 
Santa Clara" genannt, bei dem sich der Humor 
entwickele aus jenem Kampf zwischen den 
Schranken des mittelalterlichen Glaubens und 
der modernen Geistesf reiheit , und aus dem un-? 
Giinther Giinther 

bewufiten Gefiihl, daB er auf dem Boden des 
Katholicismus ein ewig Unentschiedener bleiben 
werde. G. 's Philosophie — obwohl er selbst zu 
der kleinen Zahl der Vertreter der deutschen 
Philosophie in Oesterreich gehort — hat mehr 
auBerhalb Oesterreich ' s , namentlich in PreuBen, 
Platz gegriffen. Interessant ist die geschichtliche 
Entwickelung der G. 'schen Zehre, deren Aus 
gangspunkt einstweilen das Verdammungs 
urtheil der Inder»Congregation, die hier mit 
der Machtvollkommenheit eines Concils auftrat, 
bildet. Als G. die Ergebnisse seines Denkens in 
seiner „Vorschule zur speculatioen Theologie.. A 
niederlegte, wurde das Werk von den katho 
lischen Theologen sehr giinstig aufgenommen. 
Zwei Freunde, Dr. mea. Ioh. Heinr. Pabst 
und der beriihmte Homilet Dr. Ioh. Eman . 
V e i t h . forderten G. 's Bestrebungen . Ersterer 
stellte in seiner Schrift: „Der Mensch und seine 
Geschichte", die G. 'schen Grundsahe biindig und 
geordnet zusammen; fuhrte in einer zweiten: 
„Adam und Christus. Zur Theorie der Ehe" 
die G. 'sche Naturlehre aus, und gab mit G. 
zugleich die „Ianuskopfe" heraus. Der Zweite, 
Dr. V e i t h , einer der ersten Kanzelredner unse> 
rer Zeit-, brachte in seinen Predigten die G.'sche 
Speculation dem VerstandniB seiner zahlreichen 
Zuhorer nahe und wirkte in noch weiteren 
Kreisen durch Herausgabe seiner Vortrage. Auch 
andere Freunde noch waren fur die Verbreitung 

Seite 22 



Wurzbach0 6 . txt 
von G. 's Lehren thatig so z. B. Dr. Hock, 
nunmehriger Sectionschef im Finanzministerium. 
Was einerseits den Mangel einer wohlgef ormten 
Darstellung in G.'s Schriften fuhlbar machte, 
ward anderseits durch seinen humorvollen Vor« 
trag, mit welchem er oft an Jean Paul erin< 
nerte. ersetzt. Giinther, auf dem betretenen 
Wege f ortwandelnd, begann nun die herrschenden 
Philosopheme zu sichten. Gegen jene Wissenschaft» 
lichen Bestrebungen, die entweder das Christen» 
thum als straflichen Widerstand gegen den Ver» 
stand bekampften, oder aber urn dessen Ehre zu 
retten, neue Begriffe und Deutungen den Offen» 
banmgen desselben unterschoben, waren seine 
Angriffe zunachst gerichtet. Mit Einigen der 
Betheiligten, wie z. B. mit I . H. Fichte, licB 
sich G. in ernste offene Erorterungen ein; Andere, 
wie Rosenkranz, fertigten ihn als „Clero« 
traten und Philosophen der romischen Curie" 
ab . Wie wenig er das letztere war, hat der 
Ausgang bewiesen. DieB Alles lieB man ge< 
schehen. Als G. aber, in dem begonnenen Geiste 
fortfahrend als selbstverstandlich nachwies daB 
die Kirchenvater , unbeschadet ihres Ansehens fur 
den Glauben nicht immer gliicklich philosophir» 
ten. insoferne sie das Christenthum mittelst 
antikhcidnischer Ideen zu begreifen suchten, da 
rief er die Opposition gegen sich auf. Die 
einfach Glaubigen fiihlten sich durch den Angriff 
auf Autoritaten beirrt, auf welche sie unbedingt 
schwuren; die Gelehrten fiihlten sich verletzt, 
indem ihnen plotzlich Jemand ihr Denken als 
nichtchnstlich beweisen wollte und sogar bewies. 
Die frommen Epikuraer, die gottseligen Sensualisten, 
die modernen Liebhaber der Scholastik, 
alle standen sie mit einem Male gegen ihn auf 
den Beinen. Auch trug die Art und Weise, wie 
der in der Weisheit und Gedankenf orschung 
ergraute Theolog junge Professoren und Dilet ' 
tanten unbarmherzig meisterte, das ihrige bei, 
den Widerstand gegen ihn aufzurufen. Mattes , 
Oischinger, Volkmuth, Frings eroffneten 
gegen G. eine — erfolglose — Polemik; 
andererseits wieder wirkten junge Denker an den 
Hochschulen zu Tubingen, Bonn, Breslau und 
Prag und an andern im Geiste ihres Meisters. 
Da trat im Jahre 4852 ein Wendepunkt ein. 
Bischof Arnoldiin Trier hatte verboten, an 
seinem Seminar die G.'sche Philosophie vor« 
zutragen. Zugleich wurde in Rom die Untersuchung 
der G.'schen Lehre eingeleitet. Nun 
erhoben sich G.'s Gegner. Professor Dierin< 
g e r . Prioatdocent Clemens in Bonn, 
Oischinger in Munch en, Denzinger, Z6g« 
ling des deutschen Collegs in Rom, nachmals 
Professor in Wiirzburg, bekampften riistig G.'S 
Lehren. Andere wieder traten zu Gunsten derselben 
auf: wie Professor Baltzer in Breslau, 
Professor Knoodt in Bonn, Abt Gang auf 
in Augsburg; von den Journalen standen 
„Sion" und die „Wiener Kirchenzeitung" fur 
ihn ein. G. selbst — damals krank darniederliegend 
— betheiligte sich an dieser Zeloten- 
Intrigue nicht Zugleich nahmen hohe Kirchen» 

Seite 23 



Wurzbach0 6 . txt 
fiirsten Partei fur G. darunter der osterreichische 
Nuntius ViH16 I> r o I u . Doch dieB Alles half 
nichts. Eine Erklarung, welche G. selbst an den 
heiligen Vater sandte, wurde in Rom „wunder» 
bar schon" befunden, aber G. '6 Lehre wurde ver» 
dammt . Man gab sich einige Zeit der Hoffnung 
eineo giinstigen Erfolges hin. Domcapitular 
Baltzer und Abt Gang auf wurden nach 
Rom bcschieden. G.'s Gegner, selbst Oischinger 
und Danzinger, geriethen untereinander 
in Fehde; aber in Frankreich und in Italien standen 
nun neue Gegner gegen G. auf; der „Hnivorl," 
brachte einen Artikel gegen ihn, und in Italien 
wurde G. formlich fur einen Atheisten erklart. 
Vielleicht wiirde Alles dieB nicht vermocht 
haben, der Sache die Wendung zu geben, die^ 
Viinther Giintherode 

stattfand; aber die Gesellschaft Jesu trat mit 
Entschiedenheit gegen seine Lehre auf. Pater 
Kleutgen wies in einer Schrift zur Rechtf ertigung 
der mittelalterlichen Philosophie die 
neue Forschung in indirecter Weise zuriick. Die 
„OivMaOattoUoa" bezeichnete in einem Artikel: 
„ I I ttiobsrtikniLino" , G.'s Bemiihen, ein VerstandniB 
der Mysterien des Christenthums zu 
gewinnen — ohne seinen Namen zu nennen — 
fur verwegenen glaubensgef ahrlichen Rationalismus . 
I n Deutschland selbst, namentlich in 
Baiern, faBte man den Protest gegen die neue 
Lehre ganz deutlich und klar in Worten, und der 
in Baiern eingefiihrte Katechismus des Pater 
a« N k r b s 8 . ,7. warnt vor dem Eindringen 
irrthumlicher , den Glaubensschat z gefahrdender 
Philosopheme, als welches das G.'sche aus« 
drucklich bezeichnet wird. So weit waren die 
Sachen gediehen, als von Rom aus die ganze 
Angelegenheit mit der schon mitgetheilten Ver» 
dammung der G.'schen Philosophie geendigt 
ward und G. selbst durch rechtzeitige Unterwer» 
fung unter dieses Urtheil alien weiteren Folgen 
desselben die Spitze abbrach. So steht im 
Augenblicke die Angelegenheit stille; ob sie aber 
geendet ist, wird doch erst die Zukunft lehren. — 
Die neueste deutsche Literaturgeschichte, die theils 
mit den literarischen Zustanden in Oesterreich 
wenig vertraut ist. theils sie vornehm ignorirt, 
hat G. 's Wirken denn doch nicht ganz 
iibersehen. Nudolph Gottschall in seinem 
Werke: „Die deutsche Nationalliteratur in der 
ersten Halfte des neunzehnten Jahrhunderts " 
(Breslau 1853, Trewendt und Gramer) Bd. I I , 
S. 2t, charakterisirt G.'n f olgendermaBen : „Mit 
groBerer Energie (als T r o x 1 e r , Hermes, 
Sengleru. A.) tritt Weltpriester Glinther 
in Wien als ein Selbstdenker des Katholicismus 
auf, indem er seine Gedanken oft in der humoristischcn 
Weise eines Abraham a, Laut«. 
Olai-a. zu burlesken Spriingen abrichtet. 
Dieser Humor geht aus dem ungliicklichen 
Zwiespalte zwischen dem mittelalterlichen Glauben 
und dem modernen Gedanken hervor, aus 
dem Gefiihle, daB er auf dem Boden des 
Katholicismus ewig unentschieden bleiben muB . 
Seine Angriffe auf die Zwingherrschaf t des 

Seite 24 



Wurzbach0 6 . txt 
logischen Begriffs sind von groBer Entschiedenheit 
und Keckheit. Das eigene System Gun. 
ther's ist vollkommen dualistisch: es stellt 
einen auBerweltlichen Gott und eine auBergottliche 
Welt sich gegeniiber. Die UnfaBbarkeit 
der Idee Gottes fur das menschliche Denken ist 
die Vorausset zung dieser ganzen katholischen 
Glaubens-Philosovhie deren frische, jeanpaulisirende 
Form indeB einen eigenthiimlichen 
Neiz hat". 

Giinther, Franz Seraphin, siehe: 
Gi'llltherr, Franz Seraphin. S. 16. 
Gi ' llltherode, Karl Freiherr von (theol. 
Schrif tsteller , geb . zuFontefonto 
im Mailandischen 1740, gest. gegen Ende 
Okt . 1793). Sein Vater war kaif. Oberst. 
Der Sohn trat 1738 - 18 Jahre alt 
— in den Serviten-Orden zu Innsbruck; 
wurde 1766 Lehrer der Rhetorik, Logik 
und Metaphysik in seinem Kloster; nach 
Aufhebung des Ordens der Gesellschaft 
Jesu. 1773, offentlicher Lehrer der Logik 
und Metaphysik, und 1774 der Dog« 
matik und polemischen Theologie an der 
Hochschule zu Innsbruck. Wegen seiner 
Schrift: „ <7<2nH'<F«z s/M" 6"«s " A wurde 
er von seinen Ordensobern des Lehr« 
amtes entseht und in dem 4 Stunden 
von Innsbruck entfernten Kloster Maria 
Waldrast gefangen gehalten. Nachdem 
er freigegeben worden, erhielt er 4779 
das Lehramt der Kirchengeschichte zu 
Innsbruck und zugleich die theologische 
Doctorwurde. 1781 begab er sich nach 
Wien, nahm sich auf der Reise den Ser» 
vitenbart ab und trug ihn in seiner 
Tasche mit herum, weBhalb er nach seiner 
Riickkehr in einen Procefi verwickelt 
ward, den jedoch die Hofstelle 1733 zu 
seinen Gunsten entschied. I m namlichen 
Jahre wurde er auch vor eine Commission 
gestellt, vor welcher er sich iiber mehrere 
Puncte seiner Lehre, betreffend die unbe« 
fleckte EmpfangniB Maria, den Bilder» 
dienst, die Concilien, den Papst, die 
Lehren vom AblaB, von der Ohrenbeichte, 
vom Fegefeuer, die Mittel zur Heiligung 
durch BuBe, Fasten u. dgl . m., vertheidi« 
gen sollte. G. hielt seine Ansichten aufrecht, 
die Vertheidigungsschrif t wurde 
den Acten beigelegt und nach Wien geschickt. 
Nun wurde G. seines Lehramtes? 
Giintherode Oiintherr 

verlustig und nach Gradiska iibersetzt, 
Auf der Reise nach seinem neuen Bestiiw 
mungsorte kam er nach Wien; daselbst 
lernte ihn der Fiirst Efterhazy kennen, 
fand an ihm Gefallen und ernannte ihn 
zu seinem Bibliothekar . Mit Gestattung 
seines Klosters nahm er diese Stelle an, 
aber nicht lange sollte G. seines Gliickes 
sich freuen; er wurde von einem seiner 
erbitterten Feinde als ein dem Kloster 
heimlich entsprungener Fliichtling der 

Seite 25 



Wurzbach0 6 . txt 
Polizei in Wien denuncirt und verfolgt. 
Obwohl ihm sein Macen, der Fiirst, urn 
ihn zu retten, Eisenstadt in Ungarn zum 
kiinftigen Aufenthalt anwies, so erreichte 
ihn dennoch auch dort sein Verfolger; 
auf Befehl der ungarischen Hofkanzlei 
wurde er (im August 4794) f estgenommen 
und als Arrestant zu den Serviten nach 
Wien gebracht . G. fand Wege, sich direct 
an den Kaiser zu wenden; er klagte wegen 
ungerechter Miflhandlung, und der Monarch 
drang auf die strengste Untersuchung 
der Angelegenheit , welche im September 
1793 damit endete, daB G. unschuldig 
erklart wurde. Er kehrte nun auf das 
Esterhazy ' sche SchloB nach Eisenstadt 
zuruck; genoB aber nicht lange mehr den 
Triumph seiner Ehrenrettung, denn bald 
darauf machte ein SchlagfiuB seinem 
Leben im Alter von 43 Jahren ein Ende . 
G. gab folgende Schriften heraus: 
„Geschichte meines Vartes"; — „F?iH?H«i/o 

(Innsbruck 1774, 

si Ms/« (ebd. 1774, 8".); - „ 

(ebd. 1776, 80.) ; - 
i//e6M« (ebd. 1777, 8«.); - 
«»s" (ebd. 1777) ; - 

(ebd. 1777) ; - „ 

«'" (ebd. 1781, 

8o.) . Auch ist er der Verfasser der 

anonym erschienenen Schriften: „Fanstin'5 

Briete" '"Salzburg'- j 1788, Mayr, 8 " . ) ; 

— „Na5 romische Gesetzbuch", 3 Theile 
(Frankfurt und Leipzig Wien' 1 1787, 

Volke, und die Forts. Karlsruhe 1787); 

— „Nie romische Neligianskasse; ein Anhang 

zmn romischen Gesetzbuch oder die in Gentschland 

nach zn wenig bekannten Griinusatze des romischeu 

M i r s ; ms papstlichen Nullen gezagen" 

3 Theile ( I . T H 1 . Karlsruhe Wien'j 1787, 

2. und 3. Theil ebd. 1788, 8«.). 

Meusel (Johann Georg) , Das gelehrte Teutschland 

oder Lexikon der jet ztlebenden teutschen 

Schrif tsteller (Lemgo 4783, Meyer'sche Buchhandlung, 

so.) Vierte verm, und uerb. Ausgabe. 

B d . I , S. 626. - Meusel (Johann Georg) 

Lexikon der vom Jahr 1730 bis 4800 verstorbenen 

teutschen Schriftsteller (Leipzig 1802, Gerhard 

Fleischer. 8° . ) Bd. I V , S. 467. — Oesterreichische 

Biedermanns-Chronik . Ein Gegenstuck 

zum Fantasten« und Prediger-Almanach (ohne 

Ang. d. 0. u. I . ) S. 80 Erscheint daselbst als 

Giinderode. Die 17 Punkte seiner Lehre, die 

oberwahntm Punkte betreffend, werden daselbst 

ausfiihrlich mitgetheilt) . — Neue allgemeine 

deutsche Bibliothek. Bd. 24, Intelligenzblatt 

Nr. 21) , S. 162 u. f . 

Giintherr, Franz Seraph. (Kupf erstecher , 

geb . zu Salzburg 1787) . 

Bildete sich in Augsburg fur die Kunst 

aus, wo er 1802—4807 bei dem Kupf ersiecher 

Joseph Gleich lernte. Dann 

kehrte er in seine Vaterstadt zuruck und 

lebte daselbst der Kunst. Reisen zu seiner 

Seite 26 



Wurzbach0 6 . txt 
ferneren Ausbildung scheint er, wie 
Pillwein schreibt, nicht gemacht und 
liberhaupt bleibend in seiner Heimat gear» 
beitet zu haben. Von seinen grofieren 
Blattern sind bekannt : „Ansichten non Nrrchnntl 
dem U6mg25ee"; — „Prospekte 
Iin.cn", nach den Zeichnungen von 
R u n k ; - „Nns Nild des Pllp5te5 Pin5 VII."; 
— „V115 h. Grnb zn Jerusalem" und „Nie 
unterirdische Kirche zn Bethlehem", diese zweif 
Gun^burg 

Blatter zu der bei D u y 1 e in Sahburg ' 
erschienenen Lebens» und Leidensgeschichte 
des Heilands; — ferner stach er auBer 
vielen Karten und Schriften mehrere 
Blatter von den durch den Miinchener 
Professor Thiersch gemachten Entdeckungen 
romischer Alterthiimer auf den Lagerfeldern 
bei Salzburg. 

Pillwein (Benedikt) . Biographische Schilderungen 
oder Lexikon SalZburgischer , theils verstorbener , 
theils lebender Kiinstler u. s. w. (Salzburg 
1821, Mayr, kl. 8".) S. 73. - N a g 1 c r 
(G. K.), Neues Allgem. Kiinstler-Lexikon . Bd. 
V, S. 422 u. f. A'lchrt mehrere Kiinstler dieses 
Namens mit verschiedener Schreibart, auch einen 
Guendter, Franz Ignaz, u. A. auf, welche 
in Wien ihre kiinstlerische Ausbildung genossen 
haben, durch Geburt aber dem Baierlande angehoren; 
des obigen Franz Seraphin G u nt 
h e r r geschieht keine Erwahnung. A 
Giinzburg, Johann Franz (Dichter, 
geb . zuBrodyin Galizien 10. December 
1803, gest. zu W i e n 27. Juli 4838). 
Sohn israelitischer Eltern; als Knabe von 
7 Jahren verlor er den Vater, die Mutter 
setzte seine Erziehung fort. Seiner entschiedenen 
Neigung fur die Malerkunst 
folgend, ging er, trotz volliger Mittel« 
losigkeit, nach Wien. wo er 1823 — 
17 Jahre alt — im Herbst ankam und 
als Schiiler auf der Akademie in die 
Landschafts schule aufgenommen wurde. 
Von Unterrichtertheilen fristete er, unter 
Kampfen und Entbehrung, sein Dasein. 
So vergingen Jahre in Arbeit, Miihe und 
Entsagung. Schon winkte ihm das Ziel, 
das er lange ersehnt, da iiberkam ihn 
plotzlich ein beunruhigender Zustand. 
Beim Malen verwechselte er die Farben. 
Dunkle Puncte flirrten vor seinen Augen . 
Die Aerzte erklarten diese Erscheinungen 
fur einen bereits so gefahrlichen Zustand 
des Sehorgans, daB er, urn volliger 
Blindheit zu entgehen, der Kunst entsagen 
muBte . Wofiir er Jahre gerungen, das 
vernichtete ein Moment; ein neuer Lebens 
v. W u r z b a 6) . biogr, Lexikon, V 1 . 
plan muBte entworfen werden. Nicht mehr 
jung genug, urn ein sogenanntes Brotstudium 
beginnen zu konnen, benutzte er 
die erworbenen Kenntnisse der italienischen, 
ranzofischen und englischen Sprache, half 
durch fleifiige Lecture seiner asthetischen 

Seite 27 



Wurzbach0 6 . txt 
und historischen Bildung nach und begann 
von Neuem Unterricht zu ertheilen. Sein 
poetisches Gemuth fand im Kampfe 
solcher Verhaltnisse genug Nahrung; in 
arbeitsf reien Stunden dichtete er oder 
schrieb Erzahlungen. Seine Gedichte, 
liber hundert an der Zahl, erschienen in 
Wiener Blattern jener Tage, vornehmlich 
in dcr W i r t h aue r'schen „Wiener Zeit« 
schrift". Eine Sammlung derselben ist 
bisher nicht vorhanden. Aufier einer Oper, 
kleineren Aufsatzen in Prosa, wie „Aebewohl", 
„dieGhriine" , „ I M e " , restectirenden 
Inhaltes und in der genannten „Wiener 
Zeitschrift" abgedruckt, und einer deutschen 
Uebersetzung der „Deglie" von Tasso, 
schrieb er 13 Novellen: „Nie Blatternarben" 
(auch in ' s Polnische iibersetzt), „Ner Irzt", 
eine „Szene am Hydrier", alle drei im schon 
genannten Blatte abgedruckt; „Nie schwarze 
Einymnurnng" sin der Theater-Zeitung) ; 
„Minna ' Z letzte DbenZjalirr" , „(i5ine erste 
Nebe", „Nrci Maler", „Nie Znn5treitelin" , 
„Nie Erscheinung" , „Nie Graber der Webe", 
„Nie Preisnllnelle" , und „Ner Harun Aztorga", 
die letzten acht noch ungedruckt . G.'s 
von Kindheit an schwachliche Gesundheit 
mufite unter der anstrengenden Lebensweise, 
die er fiihrte, nothwendig leiden. 
Aber bis wenige Tage vor seinem Tode 
kam er seinen Verbindlichkeiten gewissen» 
haft nach. I n den Armen eines seiner 
Freunde hauchte er seine Seele aus . Auf 
seinem Schreibtische lag das letzte Gedicht, 
das er — in der Vorahnung seines TodeS 
— geschrieben; es fuhrt die Ueberschrif t : 
„Ner Dbrnsmuue", und ist in dem von 
L. A. F r a n k 1 geschriebenen Nekrologe 
2^ 

Guerard Gmrra 

mitgetheilt. G. ist unter den Poeten kein 
Stern erster GroBe, aber seine Gedichte, 
meist nur Selbsterlebtes schildernd und 
ref lectirend, tragen das Geprage der 
Wahrheit an.sich, die in einschmeichelnder 
Form ausgesprochen ist. An Stoff lieB 
es das Schicksal, das ihn schwer heim» 
gesucht, nicht fehlen. Balladen und Romanzen 
hat er keine gedichtet, daher er 
auch — einer der besten osterreichischen 
Poeten — im „ Oesterreich ischen Balladen» 
buch" von 3. Bowitsch und A. Gigl 

nicht aufgefiihrt erscheint. Seine novellistischen 
Aufsatze beurkunden einen durch 
Lecture vielfach gebildeten Geschmack und 
sind in anziehender Form abgefaBt. Ueber 
seine Leistungen als Maler ist wenig 
bekannt . Eine Portrat»Zeichnung von 
ihm befand sich in der Wiener Kunstausstellung 
des I . 1823; eine groBe Zeich» 
nung — einen Kopf iiber LebensgroBe in 
Crayon-Manier — besitzt sein Freund 
3. A. Frankl. G< war 35 Jahre alt, 
als er starb. 

Seite 28 



Wurzbach0 6 . txt 
Wiener Zeitschrift fur Kunst, Literatur, Theater und 
Mode, herausg. von Witthauer, 1838, Nr. 
112 (18. Nov.): „Nekrolog" von L. A. F r a n k 1 . 
l^Die Buchstaben seines Vornamens I . F., welche 
auch vor seinen Nekrologen stehen, sind im 
Katalog der Wiener Ausstellung erganzt und 
bedeuten J o h a n n Franz.' 1 — Neuer Nekrolog 
der Deutschen (Weimar, Fr. Voigt, 8<>.) Jahrg. 
XVI, Theils, S. ?11, Nr. 248. 
Guerarll de la Trainse, Johann 
Chevalier (militarischer Schrif tsteller , 
geb . zu Dusseldorf 1777) . Trat, 
16 Jahre alt (3. Mai 1793), als Cadet 
in das Kiirassier ' Regiment Zeschwitz 
ein. I.Februar 1797 ward er Lieutenant, 
1.781 Oberlieutenant im Regimente, aus 
welchem er nach deffm Reduction in das 
2. Kurassier-Regiment iibersetzt wurde . 
Am 28. Mai 1809 ruckte er zum Rittmeister 
vor; in Folge erhaltener Wunden 
muflte er aber schon 1811 (1. Juni) in dm 
Ruhestand treten. Er zog sich nach Guns 
zuriick, wo er im Jahr 1832 noch lebte. 
Als Fachschriststeller verof f entlichte er zwei 
Werke, u. z.: „GnruZIllpWc der Kriegskunst ; n 
Aaniie . Glmente des Griztes, des Oharakters, 
der Wissenschaf t , ker Handlung zum Kriege und im 
Kriege" (Wien 183!, Sollinger, gr. 8".) 
und „Grganlln der Kriegskunst" (ebd. 1838) . 
Oesterr. Militar«Konversations ' Lexikon, red. und 
herausg. vonl . Hirtenf eld (Wien 1530 u.f.. 
Ler. 8«.) Bd. I I , S. 821. 
Guerillot, Amanzia (Malerin, in 
Mailand ansaBig) . Zeitgenossin . Ueber 
die Lebensverhaltnif f e dieser Klinstle.rin, 
die in Mailand lebt, malt, ist nichts 
bekannt . Die Kiinstler - Lexiken von 
Nagler und Fr. Miiller kennen ihren 
Namen nicht . I n der Mailander Aus« 
stellung 1832 waren von ihr zu sehen 
eine „Bchncelllndschlckt im Sonnenschein" und 
ein „SllllnenantgllllF" , von welchen der Be« 
richterstatter schreibt: „ V s poesia. in. 
in HU6116 
Z. tinto. 

asi oielo 36nt6 ai inHnioi-lr" . Ein Jahr 
friiher zeigte die August-AnsstMmg des 
eben begriindeten „6sterreichischen Kunst« 
Vereines" ein Oelbild dieser Kiinstlerin: 
NcrlnMpalnst in Mailand" (80fi.m Silb.). 
eiumo a'arti itaUn.UV (Mla.^o, Vone^iu. a 
Vsrana., Nipainonti Oarpano, 4<>.) A .uuo V I 

(4883) 8. 123. - Nechenschaf to-Vericht dc6 
leitenden Komito's des osterr. (neuen) Kunst« 
Vereines in Wien iiber das Verwaltungs-Iahr 
1350/51 (Gedr. bei Karl Gewld u. Sohn. 4».) 
S. 14 des Verzeichnissco der ausgestellten Bilder 

(Monat August) . 

Guerra auch Qucrra, Joseph 

(Maler, geb. in Venedig zu Anfang 
des 18. Jahrhunderts , gest. zu Rom 
1761) . Ein Schiiler des beriihmten 
Solimena, der gute Arbeiten lieferte. 
Er malte grofle historische Bilder fur 

Seite 29 



Wurzbach0 6 . txt 
Kirchen und Kloster. Dann begab er sich 
nach Neapel, wo er die Antiken-Gemalde,^ 
Wuerra Guerrieri 

welche aus Pompeji und Herkulanum 
ausgegraben wurden, copirte. Da gerieth 
er auf die absonderliche Idee, diese Copien 
fur Originale zu verkaufen; durck diesen 
Betrug, der bald aufkam und bekannt 
gemacht wurde, compromittirte er seinen 
Kunstlerruf . Spater begab er sich nach 
Rom, wo er auch starb. 

M u 1 1 e r (Fr.), Die Kiinstler aller Zeiten und 
Volker (Stuttgart. Ebner, gr. 8«.) Bd. I I , S . 
313. — N a g 1 e r (G. K. vi-.), Neues Allaem. 
Kiinstler .Lerikon (Miinchen 1837, 8".) Bd. V, 
S 433. — F u s s 1 i , Allaem. HUmstler-Lexikon 
(Stuttgart 183? u. f., Ebner. gr. 8".) Bd. I I , 
S. 31S. — Aufier obigen Kiinstlern gibt es 
noch mehrere Gelehrte und Schrif tsteller dieses 
Namens, darunter: Guerra, Aloiso (Schrif tsteller , 
geb . zu P a d u a 1712, gest. ebd. 1793) . 
Lehrte das kanonische Recht an der Hochschule 
zu Padua und ist, wie 0. Dandoloin den 
unten bezeichneten Werken angibt, Herausgeber 
und Erlauterer umf angreicher Werke aus dem 
Gebiete der Theologie und des Kirchenrechtes; 
die Titel derselben fiihrt jedoch D a n d o 1 o nicht 
an. A 0ancioio A !x?7«)no) , I^a Oa,auta< aoUa. 
15oi»uI ) hliLH ai Vouo-ia. (Vsuo-ia 1857, Na- 
1-a.taviok) '"VbnaieO 33.) — Guerra auch 

Querra, Anton (Balletmeister, geb. gegen 
Ende des vorigen Jahrhunderts , gest. z u D o r nbach 
bei Wien 19. Juli 1846) . War mehrere 
Jahre hindurch Balletmeister am Hof opcrntheatcr 
nachst dem Karntnerthore und hatte 
mehrere tiichtige Schiiler seines Faches gebildet, 
u. A. Fraulein Crachart und den Tanzer 
( 5 a m p i 1 i . Aua) hat er viele, zu ihrer Zeit 
beliebte Ballete verfaflt, u. A. im I . 1844 das 
Ballet: „Fortuna und der Stern" , wozu 
die Musik Capellmeisier N e u 1 i n g componirt 
hat. '"Theater-Zeitung, herausgegeben von Ad. 
V a u e r 1 e , 1846. S . 699. - F r a n k 1 (L. A.), 
Sonntagsblatter (Wien, s".) Ill . Jahrg. 1844, 
S. 95!.)— Guerra, Johann Anton (Tonsetze 
r) . Urn die Mitte des vorigen Jahrhunderts 
sang er in Prag auf dem graflich S p o r k'schen 
Theater in der uon ihm selbst comvonirten Oper 
„0i'la,uao 5urioLo" die Rolle des Serpillo. 
Zu einer zweiten Oper.- „I"a, I'ii'iuinia oa,i>ti- 
"ata", schrieb er die Recitative, wie dieB aus 
der Vorrede erhellet: „Va i ksoitutivi Lono 
cloi 8iF. (rio. Antonio Ouerra ai u,omll". 
Wie lange er in Prag geblieben, ist nicht bekannt. 
'"Dlabacz (Gottfried Johann) , Allgemeines 
historisches Kunstler-Lexikon fur Bohmen (Prag 
1815, Haase. kl. 4°.) Bd. I , Sp . 311.) - 
G u o r r a , Ludwig (Archaolog, geb. zu 
Asolo in der Provinz Treviso) . Lebte noch 1506 
als Canonirus in seiner Geburtsstadt . Er verof f entlichte 
zwei Werke: „ A suualaFiu. c A ono- 
I0310H aLiHIonkioki lioiuaui" (Veueals 1806, 
8autwi) und „Diluei<la . 2ioQ0 asi ularmi, 
wacri^ioni sco. Lee. soopoi-ti nsila oitta, ai 

Seite 30 



Wurzbach0 6 . txt 
"2010". A Da?le/o A o A 6i>o7a?tto>> . 31m angez. 
Orte. A .p A euaico 8. 30.) — Guerra, Markus 

(Dichter, geb . in Udine) . Von diesem 

erschien 1786 in Venedig eine Tragodie im 

Drucke, betitelt: „Osrauno o Lsreuico", welche 

beifallig auf genommen und wiederholt gegeben 

wurde. A Oa?zc?<??o A 61>o?amo' s . Am angez. 

Orte. H. i>V6iiaie<5 8.68.) -Guerra, Thomas 

(Franziskaner-Monch, geb. zu Castel 
Nuovo in Dalmatien) . Lebte im vorigen 
Jahrhunderte und war einer der beruhmtesten 
KanZelredner seiner Zeit. Mehrere seiner Predig' 
ten erschienen gedruckt, die vorzuglichsten sind 
jene, in welchen er die sieben Todsunden als A 
Thema behandelt. '"UudioA iii Oitt5 vseodia 
LimsoQS. Di-iollario biosrakeo ae A U uomini 
MuLtri asila, valma A ia s A isu u. 2ara 
1836, K. I A so A uer u. LattHi-a, 8") 8. 175.) 
Guerrieri, Joseph (philosophischer 

und theologischer Schriftsteller, geb. 
zu Crema 4. September 1700, gest. 
zu Piacenza i . Februar 1783) . Nach 
beendeten theologischen Studien betrieb 
er neben seinem Berufe Musik. Mathematik, 
Mechanik, in welch' letzterer er 
besonders sinnreiche Constructionen erfand. 
Ein theologischer Streit, in den er sich 
1737 verwickelt hatte, verleidete ihm den 
ferneren Aufenthalt in seinem Geburts» 
orte, den er 1742 mit Piacenza ver» 
tauschte, wo er bis an sein Lebensende, 
das ihn im hohen Alter von 83 Jahren 
erreichte, zubrachte. I m Drucke erschien 
von ihm das umfangreiche Werk: 
/scks e?-/5i A n«) 6 Bande (1749-1734) 
und unter den Auspickn der Erzherzogin 
MariaBeatricevonCste : „ 
moi'w/s n ' i ' sti ' a A a . " , 4 Bande 
1781 s 1782, 6a.l6A22i) 8".).? 
Vuerrmr 20 Giirtler 

KNea ai Veus-ia. (VensaiF 1637, A a . ratovied, 
8«.) A xenaics 8. 228. 
Guerrini, Jacob (Maler, geb. zu 
Cremona 1718, gest. ebenda 1793) . 
Uebte friihzeitig die Kunst aus und malte 
fur das Oratorium des h. Hieronymus 
m seiner Vaterstadt ein Altarbild: „Nie 
GnttMptnng des h. Johannes"; — fur die 
Kirche deS h. Augustin ebenda: „Nie 
Begegnung des h. Joachim mit tier h. Anna" 
und „Maria im <Vempil"< Andere Bilder 
seines Pinsels befinden sich in der Kirche 
des h. Quirico und der h. Julie 
ebenda, in der Kirche des h. Franciscus 
in Mailand und an andern Orten. 
G.'s Arbeiten, meistens Historienbilder 
und Altarblatter , sind in Italien geschatzt. 
Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Kiinst' 
ler-Lexikon (Munchen, 8".) Bd. V, S. 43S. - 
Miiller (Fr.) . Die Kiinstler aller Zeiten und 
Volker (Stuttgart 1837, Ebner. gr. 8".) Bd. I I , 
S. 315. - NouvONo NioFi-axkis F6nsi- A 6 

.. . xublieo sous la airectiou ao 21. Is I)?. 
Hoolsr (?ari3 4850 u. f., ?irin. Olaot 

Seite 31 



Wurzbach0 6 . txt 
krorea, zr. 8«.) Na . XXII, Sx. 461. - 
A asse??!, (3uiaa ai Oreniona. — 5i>ova?io, 
ftuiaa ai Klilano. 
Giirtler, Anton Bernhard von 

(Bischof, geb . zu Falkenau im Leitmeritzer 
Kreise Bohmens, nach Einigen 
1726, nach Andern 1729, gest. in Norn 
1791) . Sein Vater handelte mit Glas 
und Leinwand; der Sohn besuchte in 
seiner Jugend das Jesuiten»Collegium 
zu Gitschin, wo er zuerst als Sanger, 
spater als Waldhornist verwendet wurde. 
Nach beendeten Humanitatsclassen ging 
er nach Prag, wo er im St. Wenzel- 
Seminar als Musikus Aufnahme fand. 
Hier horte er Philosophie, Theologie, 
erhielt die h. Weihen und die theologische 
Doctorswurde . Nach kurzer Dienstleistung 
in der Seelsorge kam er als Dom« 
Herr zu St. Stephan in Wien, erwarb 
sich das Vertrauen des Erzbischofs, der 
ilm der Kaiserin Maria Theresia 
empfahl, und die ihn nun ihrer Tochter 
MariaCarolina, nachmaligen Konigin 
von Neapel, als Gewif f ensrath bei 
ihrer Abreise zum koniglichen Gemahl 
Ferdinand IV. beider Sicilien nach 
Neapel mitgab. Auf diesem Posten wur» 
den G. mannigfache Ehren zu Theil; G. 
wurde Bischof von Siena, Abt in Galdo, 
schliefllich erhielt er nock die Abtei Madoksa 
in Ungarn und ein Canonicat zu 
Leitmeritz in Bohmen. Ein groBer Freund 
und Verehrer der Tonkunst, die er seit 
seiner friihesten Jugend selbst ausiibte, 
war er ein Macen Aller, die dieser Kunst 
huldigten, und unterstiitzte auf das Frei« 
gebigste bohmische Kiinstler, welche nach 
Italien kamen. Seines Geburtsortes und 
seiner Freunde aus den Tagen der Armuth 
dachte er auch noch in den Tagen des 
Glanzes. Die Kirche seines Geburtsortes 
Falkenau, die auf seine Veranlassung 
gebaut wurde, schmuckte er 1790 mit 
Statuen und kostbaren Gemalden und 
widmete ihr ein reiches Kirchenornat . 
Sein reiches Einkommen verwendete er 
bei Lebzeiten zum groBen Theile zu wohl ' 
thatigen Zwecken, indem er insbesondere 
die armen Bewohner seines Geburtsortes 
unterstiitzte, denen er auch nach seinem 
Tode das ganze Vermogen vermachte. 
G. war auch ein gewandter Zeichner und 
nahm wahrend seines Aufenthaltes in 
Italien die schonsten Gegenden dieses 
Landes auf. Auf seiner Heimreise wurde 
er plotzlich in Venedig von einem Nebel 
befallen, dem er bald erlag. 

Dlabacz (Gottfried Johann) , Allgemeines hist»' 
risches Kiinstler-Lexikon fur Bohmen und zum 
Theil auch fur Mahren und Schlesien (Prag 
4813, Haaft. kl. 40.) Vd. I , Sp . «13. - 
Kuuitsch (Michael), Biographie merkwurdiger 
Manner der osterr. Monarchie (Grah 1805, 

Seite 32 



Wurzbach0 6 . txt 
Gebr. Tanzer, kl. 8".) Bdchn. I I , S. 28. '"Die 
Angaben dieses Werkes weichen von denen in 
Dlabacz ' 6 Kiinstler-Lexikon mehrfach ab . 
Kuni tsch nmnt ihn Joseph, D 1 a b a r z^ 
GueBmann 21 Guefimann 

AntonBernhard; bei Kunitsch ist er 
Bischof von Siena (was wohl das richtigere 
sein diirfte), bei Dablacz ist er Bischof von 
Tyen ( ? ) ; Kunitsch lafit ihn auf seiner 
Riickreise aus Neapel zu Venedig, Dablacz 
bereits zu Rom, ersterer im Alter uon 63, letzterer 
in dem von 62 Jahren, gestorben sein.) 
GueBmann auch GuBlNIMN, Franz 
(Astronom und Priester der Gesellschaft 
Jesu, geb . zuWolkersdorfin 
Niederosterreich 30. September 1741, gest. 
zuSeitenstctten 28. Januar 1806) . 
Trat 1737, 16Jahre alt, in denOrden der 
Gesellschaft Jesu und erhielt nach been« 
deten Studien die philosophische Doctors« 
wiirde. 1773 nahm er gemeinschaf tlich 
mit Freiherrn von Metzburg unter des 
Abbo 3iesganig Leitung die Vermessung 
des von Oesterreich kiirzlich erworbenen 
Galizien und Lodomerien vor. Von der 
durch den Iesuiten>General erhaltenen 
ErlaubniB, nach China zu gehen, scheint 
er keinen Gebrauch gemacht zu haben. 
Nach Aufhebung des Ordens begab er 
sich als Weltpriester nach Lemberg, lehrte 
daselbst die Physik und seit 1737 die 
Experimentalphysik an der Wiener Hochschule. 
Bei Restaurirung der theresiani« 
schen Ritter-Akademie im Jahre 1791, 
erhielt er an ihr den Lehrerposten des» 
selben Gegenstandes, den er bis 1802 
bekleidete. Seit 1776 besorgte er auch 
die Rechnungen fur die A pkemsriaeL 
ALtronomioaS) welche Maximilian Hell 
herausgab, und war nach seiner Ueber« 
setzung nach Wien auch einer der Adjuncten 
der Wiener Sternwarte. Neben diesen 
wif senschaf tlichenBeschaf tigungen oblag er 
aber auch mit allem Eifer seinem Berufe 
und hielt nicht nur ofter die Exercitien 
seines Ordensstiftes zu Wien, sondern 
auch Misstonen auf dem Lande . Nur 
dieser sein Berufseifer ist Ursache, daB er 
die Wissenschaft nicht mit mehr Arbeiten 
bereicherte, als er gethan. 1803 ging er 
nach Seitenstetten, urn in der reichen 
Bibliothek des dortigen Benedictiner« 
Ordens Materiale zu finden zu einer 
zweiten Ausgabe seiner „Beitrage zur 
Bestimmung des Alters unserer Erde". 
Daselbst wurde er von einer Krankheit 
befallen, der er, 63 Jahre alt, erlag. 
Seine Schriften sind: „Neitrage pr NeZtimmnng 
des Alters unserer Grde". 2Thle. (Wien 
1782/83. Gerold, gr. 8".). Der erste 
Theil enthalt die historischen Beitrage zur 
Bestimmung der Epoche des menschlichen 
Geschlechtes , der zweite die physischen 
Beitrage zur Bestimmung des Alters 

Seite 33 



WurzbachO 6 . txt 
unserer Erde; — „ /N/N q /N/N anum Z/Hz- 
61'«ntt??i" (Wien 1783, Heubner, mit 
K. K. 80.); — „Griphlln und Justin) ader 
lluin Indenthum; mit einer Vorrede an Muses 
Ntendelssuhn" (ebenda 1783, Schaumburg, 
8".) ', — „Nachricht unn der Vorrichtung bei 
Fernrohren zur VmirKung ungemeiner Verdrosserung" 

(Wien 1788, ebd., 8".); - „Neber 
die alten Chirrkreise inAegnMn" (Wien 1801, 
Beck, 8o.); — „Ueber Steinregen" (Wien 
1803, Tendler, mit 1 Taf., gr. 4°.); - 
„Ueber die Berechnung der Kuineten-Nnhilln" 

(Wien 1803, Tendier, 8".); - „Ueber die 
bisherigen Versuche und derselben Berechnung in 
Hinsicht ant die Chearie des Ztasses und Widerswgses 
tiiissiger Uarurr" (Wien und Leipzig 
1303, Weidmann, mit 1 Taf., gr. 4".). 
Auch gab er eine periodische Schrift 
heraus unter dem Titel: „Geistliche Unter- 
Haltungen kiir die Feiertage und Zbende" 

(Wien 1793-1798, 8".), sie erschien alle 

14 Tage, es sind im Ganzen 4 Bande . 

Eine interessante Uebersicht von G uBm 

ann ' s Ansichten — die er, der Erste, in 

seinem „I' s ito' s ii' s lAoiuin" niedergelegt 

hat, die aber dann von Andern als die 

ihrigen angenommen und ausgegeben 

oder erfolglos bekampft und angegriffen 

worden — enthalt das „Intelligenzblatt " 

Nr. 17 der „Annalen der Literatur und? 

Gugel 22 Gugg 

Nnn2t in den osterreichischen Ztllllwl" , 1803. 

Der unterschriebenen Chiffer F. G. nach 

mochte er selbst diese interessante, jedoch 

rein objectiv gehaltene Zusammenstellung 

der wissenschaf tlichen Siege, die er erfochten, 

gearbeitet haben. 

Annalen der Literatur und Kunst in den osterreichischen 

Staaten (Wien. Degen, 4<>.) I I . Jahrg. 

(1803) Intelligenzblatt Nr. 17, Sp . 134 »aselbst 
auch eine Kritik seiner Ansichten) . — 
Meusel ( I . G.), Das gelehrte Teutschland 
Bd. XI, S. 718 ''mit der irrigen Angabe, daft 
er in Wien geboren seH. — Poagendorff 

( I . C.), Biographisch-literarisches Handworter« 
buch zur Geschichte der eracten Wissenschaf ten 

(Leipzig 1859, Ioh. Ambr. Barth. gr. 8".) Sp . 

9 / V 8 

, 1836, Nlockit 

Fr. 8".) 8. 112. — Handschristliche erganzende 

und berichtigende Mittheilungen des Herrn Hofrathes 

Haidinger und Custos Fitzinger. 

Gugel, siehe: Gugl, Matthaus . S.26 

" '"in den Quellens. 

Gugg, Franz Xaver (Techniker und 

Maschinenb auer, ' geb . zu Salzburg 

2. Mai 1788, gest. ebenda zu Anfang des 

Jahres 1837) . Von seinem Vater, Kunst, 

und GlockengieBer in Salzburg, erhielt 

er seine erste Bildung; urn sich zu vervollkommnen, 

besuchte er das Ausland und 

lernte zu Constanz, StraBburg und andern 

Orten. Dann kehrte er in seine Heimat 

zuriick und lebte daselbst als Kunst- und 

Seite 34 



WurzbachO 6 . txt 
GlockengieBer . Die Kirchengelaute zu 
Saalfelden, Teisendorf, Haag im Hausruckviertel, 
zu Morzg bei Sahburg und 

bei der h. Dreif altigkeit in Salzburg selbst 
sind sein Werk. Reinheit und Starke des 
Tones, anhaltende Schwingung und 
richtige Harmonie zeichnen seine Arbeiten 
aus . AuBerdem verfertigte G. andere 
mechanische und technische Vorrichtungen, 
als: MaBstabe aller Art, elektrische Lampen, 
neue Distanzmesser, neue P ap in'sche 
Topfe, Pressen neuer Art u. dgl . m. M i t 
dem Lyceal-Prof ef f or Michael Buchn er 
in Salzburg (geb. 1783, gest. 12. Nov. 
1319) verfertigte und verbesserte er das 
Newmann ' f che Geblase (1. Febr. 1818), 
eine eigene Dampfmaschine, iiber welche 
er zugleich mit Buchner das Schriftchen 
herausgab: „Neue uerdrSZerte NamptiunZchme" 
(Salzburg 1818, Duyle) . Auch sonst 
noch machte er sich durch Verbesserung 
anderer niitzlicher Vorrichtungen bekannt . 
Diese unermudliche Thatigkeit in den 
mannigf altigsten technischen Fachern, begleitet 
von gliicklichen Erfolgen, richtete 
die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf 
ihn. 1838 erhielt er einen Ruf nach 
Wien zur Maschinendirection der Kaiser 
Ferdinands«Wasserleitung, und wenige 
Monate spater einen zweiten als Mechaniker 
und Adjunct des Maschinendirectors 
der Kaiser Ferdinands-Nordbahn . Diesen 
letzteren nahm er an und iibersiedelte im 
Herbst 1838 nach Wien. Schon 1840 
wurde G. Maschinendirector . Als solcher 
wirkte er wesentlich mit beim Baue der 
ersten in Oesterreich verfertigten Locomo« 
tive „Austria", fuhrte in den Maschinen 
und Werkstatten wesentliche mechanische 
Verbesserungen ein und beforderte durch 
mehrere gliickliche Erfindungen die Sicherheit, 
Precision und Einfachheit des Betriebes. 
1344 vertauschte G. aus Fami» 
lienriicksichten den Dienst der Nordbahn 
mit dem Staatsdienste . Mit Wehmuth 
sahen ihn seine friiheren Untergebenen, 
die ihn durch festliche Erinnerungsgaben 
— kunstvoller silberner Pokal vom Beamten- 
Personale — , eine silbervergoldete 
Dose von den Arbeitern — ehrten, aus 
ihrem Verbande scheiden. I m Staatsdienste 
leitete G. das Maschinenwesen 
beim Vorriicken der siidlichen Staats« 
bahn; wurde 1846 provisorischer , 1830 
wirklicher Inspector der Staatseisenbahnen, 
und iiberhaupt alien wichtigen Berathungen 
in diesem Fache beigezogen.^ 
Guggenberger 23 Guggenberger 
4884 trat er in den Ruhestand. Seinem 
Lieblingswunsche zufolge, seine letzten 
Tage in der Heimat zu beschlieBen, kehrte 
er noch im Herbste 1834 in dieselbe 
zuriick, und starb daselbst im Alter von 
69 Jahren. Der Wissensdrang, der ihn 

Seite 35 



Wurzbach0 6 . txt 
friih zum tuchtigen Meister gemacht, ver 
liefi ihn sein ganzes Leben hindurch nicht, 
und immer stand er mit dem Fortschritte 
der Zeit in seinem Fache auf gleicher 
Hone . Als er im hohen Alter in seine 
Heimat zuriickkehrte, nahm ihn seine 
Vaterstadt, der er wahrend seines sech 
zehnjahrigen Auftnthaltes in Wien eingedenk 
geblieben, in den Gemeinderath 
auf. G. liegt auf dem Friedhofe zu St. 
Peter in Salzburg begraben. 

Salzburger Landes-Zeitung 4857, Nr. 36 und 37.- 
„Nekrolog" . — Pillwein (Benedikt), Biographische 
Schilderungen oder Lexikon Salz« 

burgischer, theils verstorbener , theils lebender 
Kiinstler u. s. w. (Salzburg 1821, Mayr'sche 
Buchhandlung, kl. 8«.) S. 72. — Von seiner 
mannigf altigen technischen Geschicklichkeu, namentlich 
aus friiherer Zeit, melden der „Kameral- 
Korrespondent zu Erlangen" —der „Munchener 
Anzeiger fur Kunst- und Gewerbef leiB " — die 
„Zeitung fur die elegante Welt" — alle aus den 
Iahrm 1818-1820. 

Guggenberger , Ignaz Martin (militarischer 
Schriftsteller, geb . zu I a « 
gerndorf 23. Februar 1800) . Der 
Sohn eines Kaufmanns, erhielt im 
Elternhause eine gute Erziehung und 
4813 von den schlesischen Landstanden 
einen Stiftplatz in der Militar-Akademie . 
1820 verlieB G. die Anstalt als Lieutenant 
und wurde im Regimente Kaiser 'lager 
zu Innsbruck eingetheilt. 1831 wurde 
er Oberlieutenant , 5834 Hauptmann 
zweiter Classe, kam 1837 in das Infan« 
terie-Regiment Erzherzog LudwigNr . 8, 
und riickte 1838 zum Hauptmann erster 
Classe vor. Ein Sturz auf den Kopf, 
den er bei einer Reise erlitt, hatte eine 
Gehirnerschutterung zu Folge, an der alle 
Heilungsversuche scheiterten, und die ihn 
zwang 1841 in den Ruhestand zu treten. 
Seit 1849 taucht G.'s Name ofter und 
bei verschiedenen Gelegenheiten auf. I n 
diesem Jahr organisirte er in Steiermark 
ein 6000 Mann starkes Landesauf gebot 
gegen die 60 Meilen lange ungarische 
Grenze und befehligte es bis November 
dieses Jahres. Als unmittelbar darauf 
die Typhus ' Epidemie ausbrach, trat er 
an die Spitze der zu ihrer Hintanhaltung 
auf gestellten Sanitatscommission, und 
gelang es seinen und des Handelsmannes 
F. E. Settele rastlosen Bemuhungen, 
der weiteren Verbreitung der Epidemie 
Schranken zu setzen. Bei seinem unermiid» 
lichen Streben, sich selbst zu unterrichten 
und die gewonnenen Kenntnisse zu verbrei» 
ten, wobei sein Sinn immer die praktische 
Seite einer Sache herauskehrte, entwickelte 
er eine mannigf altige Thatigkeit. 
Schon 1823 hatte er den Forstlehrcurs 
in Maria-Brunn gehort, 1826 kam er 
als Lehrer in die Cadetenschule des 

Seite 36 



Wurzbach0 6 . txt 
Jager-Regiments , in welchem er Officier 
war. I n dieser Zeit, in welcher gute 
Militar-Lehrbiicher mangelten, arbeitete 
er an einer Militar-Geographie, die in 
Folge der Ungunst der Zeitverhaltnif se 
n dm DreiBiger-Icchren ungedruckt blieb. 
1833 wurde er Director der genannten 
Cadetenschule und 1843 Professor an der 
Neustadter Militar-Akademie, jedoch trat 
hm bei seinen Vortragen das durch jenen 
Sturz entstandene Gehirnleiden storend 
ntgegen. Nichts destoweniger fallen in 
die Zeit vor und nach jenem Ereigniss 
mehrere Facharbeiten, und zwar: „Ner 
NanernVllgrn als Sanfte, oder die moglichst 
chmerzenZtrrie FartbchMnng der Arnnken, inseZllndkre 
der Verwundeten, mm 
mittelst der nen ertnndenen 
Innsbruck 1832, mit3Taf<, 12".,2.Aufl. 
ebd. 1835, mit 4 Taf., gr. 8".); - „Ner? 
Guggenberger Guggenberger 

FelddienZt der drei ucrlmndeimi Waffen: Inlanterie, 
Nanllllerie und Artillerie, lnr Gttpere der K. K. 
osterreichischen Zrmee", I.Bd. (2.Aufl. Wien 
1834, Heubner, mit Tab. u. Planen, 12 A .) A 

— „Nas Inkanterir-Vlltllilllln ant Rrieglidnner . 
oder Gedanken iiber die einfachste und schnellste 
Ausbildung eines nenerrichteten Inkanterie-Nataillaus 
tiir Dienst nnd Uampk" (ebd. 4837, mit 
6Kupfertaf., gr. 42".); — „Nenrs Granspnrt- 
Zizstem p r leichten Vebrmindnng der HindermsZe 

uua SchVimgl^eiten an ( A isrnbahuen, 
Stra5Sen und Vegrn und liri Veschiffnng drr 
Flusse", 1. Abthlg (als Manuscr. gedr.) . 

(2 unv. Abdr. Gratz 1843, mit Abbild., 

gr. 8".). Aufier diesen selbststandig verof f entlichten 

Werken erschienen mehrere 

militarische Aufsatze in Zeitschrif ten und 

zwar in der „Oesterreichischen Militar» 

Zeitschrif t " : „Gwa5 iiber leichte Crnppln" 

(1829) ; — „Militarische Zuauergangr" 

(1841, Dec. -Heft); - „Vlfehl nnd Ans- 
Rhrnng" (1842, Oct. -Heft, und in der 
„Darmstadter Militar-Zeitung" 1843, 
7. Heft); — „Gtnias iiber Zuldaten-Nildnng" 

(1343, 7. Heft); — „Neber Schonung i>er 
Ztreitkrutt" (1843. 10. Heft); - in der 
„Darmstadter allgem. Militar-Zeitung": 
„NMitiir 'GrllNSMt ant Gisenbahnrn" (1846, 
Nr . 36—60); — im „Soldatenf reund" 
und in dessen Forts, der „Militar-Zeitung" : 
„Eine wirksnmeNanlllltlutte" sl349); 

— „MMuer. Chema" (Oesterr. Soldatenf reund 
V I . Icchrg.1833, Nr . 91 , 92 , 93 ) ; 

— /Vllnderbibliothrken" (ebd. VII. Jahrg. 
1834, Nr. 38); — „Schluchten nnd Nelagerungen : 
Schlacht an der Mim; der Gag nun 

Inlulman; der Nampk urn Selia5tMl" (Militar- 
Zeitung VIII. Jahrg. 1835); - 
„ Aerensillnen liber Wclden'2 Arieg in Italien 
38^3 nnd 15N; Mlllen'5 CpiZllden: Ans meinem 
Aben; Panitss Militar-Vrirke rinea Versturbl:' 
neu"; u. m. a.; — ferner erschienen in 
verschiedenen wissenschaf tlichen Organen, 

Seite 37 



Wurzbach0 6 . txt 
aber auch in Sonderabdrucken folgende 
Schriften: „Studien nach der Natnr. I . Im 
Wasser" (Wien 1833 , Gerold, gr. 3"., 
24 S.); — „Stndieu mch der Natur. Murr- 
Lchnmllmnngrn und deren Verhutung" (Wien 
18 3 6, . I . G. Heubner. 1. Heft, 8"., 27 
S.); — A Nas Masarrgrbiet des MenBnnes. 
Gine hl'Mralllgische Zkq;e" (Wien, Auer, 10. 
Heft) ; — „Ueber eine praktisch bequeme gengraphische 
Massrinheit als genauer Ghrilmerth 
der geugraphischrn Meile, waZ der transasische 
Meter nicht ist" (ebd. 1839, Auer, kl . 4".); 

— „Thal511hlenbildung nin Ueaullldstriner Zre 
bei (5isruer; in Zteimnllck" ; — „Ueber Vnssrr- 
und UuttZtanungrn" (die letzten vier Vortrage 
wurden von G. in der geographischen 
Gesellschaft 1338—4860 gehalten und 

sind auch in den Schriften derselben abgedruckt ) ; 

— „Vemntachte Hohen- uud VieteMratMng 
iilM nntl mit Muatrktkn tiir 

Karten und Plane jeder Art nnd jedes Mass- 
Stabes" (ebd. 4".), diesen Vortrag hielt 
G. in einer der Versammlungen der 
geologischen Neichsanstalt . Neben dieser 
literarischen Thatigkeit widmet G., seit 
seinem Austritte aus der Activitat, verschiedenen 
mitunter groBartigen Bestrebungen 
seine unausgesetzte Thatigkeit, 
als den Verbesserungen in der Heizung 
und Trocknung (1831); einer allgemem 
anwendbaren Herstellung der StraBen 
und Wege durch Pressung; einer billigen 
FluBregulirung durch das Wasser selbst; 
der Herstellung des Eisenbahn-Oberbaues 
ohne Holz; einer billigen Eisenanwendiing 
auf Briicken-. Schiff- und Hauser 
bau (4832); einer verbesserten Benutzung 
der Gasflamme zur verstarkten und schat A 
tenlosen Beleuchtung des unter dem Licht» 
trager befindlichen Raumes (1833) — 
und in letzterer Zeit „einer neuen Luftung 
(Ventilation) ohne alle Zugluft im Auf enthaltsraume 
der Menschen und Thiere. 

Anwendbar fur die groflten und kleinsten 
Raume, auch im Wagen und auf Schiffen^ 
Gugger 

und zur Austrocknung feuchter Oertlichketten" . 
Alle diese Ideen erortert G, 
in einzelnen Druckschrif ten . Friiher in 
Gratz lebend, hat G. seit 1852 seinen 
bleibenden Aufenthalt in Wien genommen. 
Er ist Mitglied der k. k. geographischen 
Gesellschaft in Wien und widmet als 
solches besondere Aufmerksamkeit der 
Wienf luBregulirung . 

Oesterr. Militar-Konversations-Lerikon . Hrrauog. 
von I . Hirtenfe Id (Wien 1850 u. f., Selbst 
verlag. gr. 8".) Vd. I I , S. 82 1. 
Gugger, Colestin (Fiirst-Abt zu St. 
Gallen, geb . zu Feldkirch in Vorarlberg 
im Anfange des 18. Jahrhunderts , 
gest. 23. Febr. 1767) . Ein SproB der 
von dem Erzherzoge Ferdinand Karl 
am 31. Mai 1631 geadelten Familie 

Seite 38 



Wurzbach0 6 . txt 
Gugger uon Staudach. Colestin trat in 
das furstliche Benedictiner-Stif t St. 
Gallen und seine Kenntnisse und Energie 
erwarben ihm in solchem Grade das Vertrauen 
seiner Klosterbriider , daB sie ihn 
1740 zum Fiirst «Abte wahlten. Die 
Unruhen, welche urn das Jahr 1703 in 
der Grafschaft Toggenburg unter dem 
Landvolke ausgebrochen waren, hatten 
fur das Stift St. Gallen sehr nachtheilige 
Folgen. Sie hatten iiber ein 
halbes Jahrhundert gedauert und dauerten 
noch fort, als Colestin schon Abt 
geworden; seiner Thatkraft gelang ihre 
vollige Unterdriickung und im I . 1749 
die Beseitigung des mehrmals hundert jahrigen 
Streites zwischen dem Stifte St. 
Gallen und Hern bischof lichen Ordinariate 
in Constanz, betreffend die Visitationsund 
Dispensationsrechte . Das Stift St. 
Gallen aber kam unter seiner Regierung 
5ur hochsten Bliithe seit seinem Bestande. 
Zur Tilgung einer Schuldenlast , die seit 
400 Jahren das Stift beschwerte, entwarf 
er einen Plan, tilgte mit jedem Jahre 
34.000 f 1 . , kaufte viele neue und vor» 
theilhafte Besitzungen und verwendete 
iiberdieB 40.000 f 1 . zu frommen und 
wohlthatigen Stiftungen. I m Markte 
Rorschach baute er 1746 das prachtige 
Kornhaus mit einem Aufwande von 
37.000 St., und zur volligen Herstellung 
der baufalligen Stiftskirche verwendete 
er in den Jahren 1739—4766 die 
Summe von 437.929 f 1 . Als er starb 
war das Stift nicht nur ohne Schulden, 
sondern der Barvorrath in der Stiftscasse 
betrug noch 300.000 f 1 . 

Vorarlberg, aus den Papieren des in Bre« 
gmz verstorbenen Franz Ios. Weizenegge r. 
I n 3 Abthlgn., bearb. und herausg. von M. 
Me rkle. Praft'kt des Gymnasiums zu Feldkirch 
(Innsbruck 1839, Verl. der Wagner 'schen Buch» 
Handlung) Abthlg. I , S. 94. 
Ollggi, Karl Anton Marchese de 
(General-Major, geb . zu Barce A 
lona 1706, gest. zu Cremona 1780) . 
Entstammt einer Mailander Patrizier- 
Familie. War bei Beginn des osterreichischen 
Erbf olgekrieges Fahnrich im Infan» 
terie-Reginient Vasquez Nr. 48. Durch 
die damaligen kriegerischen Verhaltnisse 
begiinstigt riickte er am 3. Marz 4746 
zum Hauptmann, im Marz 1733 zum 
Major und bereits 1738 zum Obersten 
vor. Den Erbf olgekrieg machte er in 
Italien mit und 1737 that er sich bei der 
Belagerung von Schweidnitz mit seinem 
Bataillon hervor. I n den Jahren 4738 
und 1739 stand er mit dem Regimente bei 
der Hauptarmes und zeichnete sich 1760 
bei der Belagerung von Dresden aus; 
nicht minder im Treffen bei Strehlen, 
wo er mit seinem Regimente groBen 

Seite 39 



Wurzbach0 6 . txt 
Ruhm erntete. Im October kam er mit 
demselben als Verstarkung nach Dresden, 
stand 1761 in der Hauptarmee. 1762 
n Sachsen; that sich wieder im Treffen 
an der Mulde, und im September bei 
den verschiedenen Bewegungen der Reichsarmee 
und namentlich beim Angriff^ 
V i g 1 26 Euglielmi 

auf die feindlichen Verschanzungen bei 
Pretschendorf hervor. Nach dem Huberts» 
burger Frieden kam er mit seinem Regiments 
nach Cremona, wo er am 1. Febr. 
1770 zum General ' Ma jor ernannt wurde. 
G. erreichte ein Alter von 74 Jahren. 
Oesterr. Militar<Konvelsations-Lerikon, herausg. 
von Hirtcnfeld und Dr. Meynert (Wien 
J852 u. f.. gr. so.) Bd. I I , S. 611 "daselbst 
wird er hurch ein Versehen ganz aufier der 
alphabetischen Ordnung aufgefiihrt). 
Gugl, Matthaus (Musiker, Dom 
Organist zu Salzburg) . Ueber die 
naheren Lebensumstande dieses Mannes 
ist nichts bekannt . Er ist Verfasser des 
seiner Zeit sehr geschatzten Werkes: 
d. i. Kurzer und grundlicher Unterricht, 
den GeneralpaB oder die Partitur nach 
''den Regeln recht und wohl schlagen zu 
lernen" (Sahburg 1749; eine zweite 
Auflage desselben erschien zu Augsburg 
1747, eine dritte ebenda 1777) . Gafimann 
und Schladebach bemerken, 
daB er auch als Componist sehr beliebt 
gewesen sei; die Frage Benedict P i 1 1« 
wein's aber, ob die sechs Vwlinquartetten, 
Op. 1, welche zu Paris gestochen 
worden, sein Werk sind, beantwortet sich 
durch Gerber's Lexikon, welches zwei 
Gugl auffiihrt, Matthaus (der obige) und 
Georg, welch' letzteren er ausdriicklich als 
den Compositeur der genannten Quar« 
tetten bezeichnet. 

Pillwein (Benedikt) . Biographische Schilderungen 
oder Lexikon Salz burgisch er. theils verstorbener , 
theils lebender Kunstler. . . (Salzburg 
182 1 , Mayr'sche Buchhandlung, kl. 5".) S. 73. 

— Gerber (Ernst Ludwig) . Neues historischbiographisches 
Lexikon der Tonkiinstler (Leipzig 

1812. A. Kuhnel, gr. 8°.) Theil I I , Sp . 430. - 
Lipowsky, Baierisches Tonkiinstler . Lexikon . 
S. 106. — Universal* Lexikon der Tonkunst . 
Angefangen von Dr. Julius Schladebach. 
fortges. von Eduard B e r n s dorf (Dresden 
1855 u. f.. Scharfer, gr. 8«.) Bd. I I , S. 267. 

— Gafimann (F. S. Vi-.), Universal-Lcxikon 
der Tonkunst. Neue Hand-Ausgabe in Einem 
Bande (Stuttgart 1849, Franz Kohler, Lex. 8».) 
S. 386. — Becker (Carl Ferdinand) . Sysw 
malisch-chronologische Darstellung der musikalischen 
Literatur (Leipzig 1836, Rob. Friese, 4".) 

Sp. 412, Nachtrag Sp . 103. - Ob mit 
obigem Matthaus Gugl verwandt sind die 
drei Briider Tonkiinstler Gugel swohl schrei« 
ben sie sich etwas verschieden von jenein, doch 
das will bei Namen dieser Art nicht viel bedew 

Seite 40 



Wurzbach0 6 . txt 
ten' 1 , ist nicht bekannt . Sie scheinen alle drei 
Oesterreicher zu sein, wenigstens erhielten sie 
ihre musikalische Ausbildung bei ihrem Oheim, 
Namens S c h o 1 1 , in Wien. Der alteste war 
ein beruhmter Klarinettist ; die zwei jungeren, 
Joseph (geb. urn 1770) und Heinrich (geb. 
1780), waren zwci der groBten Waldhornisten 
Deutschlands . Urn Geld zu erwerben, schickte 
sie ihr Vater bald auf Kunstreisen. 1795 kamen 
die letzten zwei nach Hildburghausen, wo sie als 
Kammermusici angestellt wurden, aber 1805 ob 
einer ihnen widerf ahrenen Krankung '"sie wurden 
einer Weigerung wegen, auf einem Hofballe zu 
spielen, in Arrest gesteckt) ihren Abschied nahmen. 
Nun trennten sich die Briider. Joseph ging 
nach St. Petersburg und wurde erster Hornist 
am kais. Theaterorchrster; Heinrich begab sich 
nach Paris und man horte seitdem nichts von 
ihm. Ihr Spiel, namentlich im Duett, war so 
ausgezeichnet , daB viele beruhmte Tonsetzcr ihnen 
ihre Compositionen widmeten. Auch sind sie die 
Erfinder der bekannten Sordinen, die sie spater 
mit einer Klappe versahen, wodurch die feinsten 
Nuancirungen des Klanges moglich wurden. 
A Vergl. Ernst Ludwig Gerber: Neues historisch 

— biographisches Lexikon der Tonkunstler 
(Leipzig 1812, A. Kuhnel, gr. 8".) Bd. I I , Sp . 
429. — I . Meyer, Das groBe Conoersations , 
Lexikon (Hildburghausen, Bibliogr. Institut) 

Bd. XIV, S. 304.) 

Guglielmi, Eugen (Maler, geb. zu 
Asiago im Veneti (mischen 18. Marz 
1809, gest. 10. Mai 4846). Zeigte 
friih Anlage zur Kunst, in welcher ihn 
ein Freund des Hauses forderte. 1828 

— 19 Jahre alt — kam er auf die 

Kunst ' Akademie nach Venedig und bildete 

sich in derselben aus . Bald zog er mit 

seinen Arbeiten die Aufmerksamkeit der 

Kenner auf sich. Schon riistete er sich, 

urn einer Einladung des Erzbischofs von 

Tharon zu folgen, zu riner Reise nach? 

Gugl-ielmi ' 27 Guglielmi 

der ewigen Stadt, nach deren unverganglichen 

Werken der Kunst seine Kunst ' 

lerfeele langst sich sehnte. Aber nicht war 

es ihm gegonnt, Rom zu sehen. Von 

schwachlicher Gesundheit iiberhaupt und 

immer leidend, erlag er dem Tode 

im Alter von 37 Jahren. Aufier vielen 

Portraten seiner Freunde, Verwandten 

und Gonner, zahlreichen kleineren Arbeiten 

in Acquarell, mit der Feder und 

einigen Lithographien, malte er mehrere 

groBe Oelbilder, u. z.: die „ M - Philipp 

nnd Untmig"; — „Nen h. NirallM5", im Auf« 

trage des Mons . Nicolaus Scarabello; 

— „Nie h. Gu2tllchia . " , fur die St. Peters« 
kirche inPadua; — „Nie h. Philamena", fur 
die Kirche zu Pieve; — „Nie unbeuecktc 
Mutter Gllttes", im Auftrage seines Gon» 
ners Macoppe, leider unvollendet; — 

die „h. Nlargarethii uun Omtunu", im Auf» 
trage eines Herrn B i a g i o in Lendinara. 

Seite 41 



Wurzbach0 6 . txt 

— Zwei groBere mythologische 
Gemalde fuhrte er aus auf Stuck im 
Hause Sal om zu Padua. Auch behandelte 
er in einem Oelgemalde eine Scene 

aus Thomas Moore's Gedicht : Die 

Liebe der Engel. Guglielmi ' s Arbeiten 

— leider wenig bekannt — werden 

von Kennern als ausgezeichnet in Farbe, 

Zeichnung und Gruppirung gepriesen. 

Niorunls NuFANGO . A .nuo il>44, 1?A,5C. 18. - 

Ho?'<?«io 5<3<26i. A i HILuioi-is luuiidri anticiie 

6 r6o<?.u.ti (?il.a.li8. 1836, I "ex. 8".) Loris I, 

s. 136. 

Gllglielmi, Ludwig ( B i s c h o f von 

Verona, geb . zu Lissa in Dalmatien 

13. Aug. 1803, gest. in Z a ra 29. Sept. 

1832) . Schon im Alter von 7 Jahren 

gewann er durch seinen frommen Sinn 

die Liebe seiner Umgebung. Der Pfarrer 

von Lissa, Jacob Borcovich, nahm sich 

des Knaben an, leitete seine Erziehung, 

und mit 12 Jahren (1813) legte G. das 

geistliche Gewand an. Nun besuchte er 

die Diocesanschule zu Leffina, wo er seiner 

ausgezeichneten Kenntnisse und seines 

wiirdigen Betragens wegen als Prafect 

der Cleriker fungirte. 1821 kam er in 

das theologische Seminar nach Wien, 

war auch da zwei Jahre Seminar-Praf ect , 

besuchte 1823 und 1826 den hoheren 

Curs und erhielt im lehtern Jahre die 

heiligen Weihen. Nachdem er noch die 

theologische Doctorswiirde erlangt hatte, 

folgte er im Februar 1827 einem Rufe 

des Erzbischofs Novak, urn am erz» 

bischof lichen Seminar zu Verona Kirchen« 

geschichte und kanonisches Recht vorzu« 

tragen. Als urn diese Zeit sein ehemaliger 

Gonner und Erzieher Borcovich, 

Pfarrer von Liffa, starb, berief der Bischof 

von Liffa, Johann Scacoz, den jungen 

Professor aus Verona auf die erledigte 

Pfarre. 1828 lehrte er die obgenannten 

Facher in Zara. 13 Jahre bekleidete G. 

diesen Posten und supplirte ein Jahr 

hindurch den Spiritual des Central« 

Seminars. G. wirkte wahrend dieser 

Periode seines LebenS nicht durch Schrif» 

ten, aber durch sein Beispiel. Von dem 

Gestchtspuncte ausgehend, daB im Leben 

des Priesters das segensvolle Leben der 

Kirche selbst sich abspiegele, und daB in 

der Person des Dieners der Kirche die 

Kirche geliebt und verehrt werde, unter» 

liefi er nichts zur Heiligung seiner Seele 

und gait im Horsaal, auf der Kanzel und 

im Beichtstuhl als ein wahres Muster 

kirchlicher Tugenden. Bis nach Rom zu 

Sr. Heiligkeit dem Papst Gregor XVI. 

gelangte der Ruf seines Wirkens, und der 

. Vater ernannte G. zum Bischof von 

Scutari. Mit schwerem Herzen vertauschte 

G. den heimatlichen Boden mit 

dem unwirthlichen im muselmannischen 

Seite 42 



Wurzbach0 6 . txt 
Lande . April 1840 begab er sich erst nach 
Wien, wo er von dem papstlichen Nuntius 
Ludwig Fiirsten A 1 t i e r i consecrirt? 
Vuglielmi 28 Gugl.iel.mi 
ward, und dann auf seinen Posten. Am 
10. August 1840 hielt er seinen festlichen 
Einzug in Scutari. Zugleich mit seiner 
Diocese administrirte er jene von Pulati. 
Sein segensreiches Wirken auf diesem 
Posten, in einem Lande, wo jedem seiner 
SchritteHindernif f e begegneten, gehort der 
Kirchengeschichte an. Neue Pfarren und 
Schulen wurden errichtet und die vorhandenen 
verbessert; alle Uebelstande, welche 
seit einer Reihe von Jahren sich entwickelt 
hatten, allmalig beseitigt; das bischofliche 
Seminar und die Kongregation derPropa» 
ganda ward bedeutend vergroBert, urn 
daraus den priesterlichen Nachwuchs fur 
alleDiocesen Albaniens bestellen zu konnen. 
Er wendete alles an zur Veredlung der 
Sitten, zur Beseitigung der dort ublichen 
Blutrache; er ubte das Schiedsrichteramt 
nicht bios fur seine Gemeinde aus, son' 1 
dern vermittelte selbst bei den turkischen 
Behorden. Sein Haus war ein Asyl 
der von turkischer Rache Verfolgten und 
er half mit seinen Mitteln ebenso den 
Tiirken wie den Christen. Der Gouver» 
mur von Scutari, A b d i Pascha, hielt 
den Kirchenf iirsten so in Ehren, daB er 
ihn bei wichtigen Anlassen stets urn Rath 
und seine Vermittlung bat. I n einem 
solchen Falle umarmte einmal der Pascha 
den Bischof, faBte das Kreuz an deffm 
Brust und rief zu den umstehenden Muselmannern : 
„ A .aoratL HU63ta orooe A aaoratolg. 
6 non vi xentirots". Diese 
Stimmung war aber der Pforte nicht 
angenehm. An Abdi Pascha 's Stelle 
kam Osman Scheriff als Pascha und 
nun anderten sich die Verhaltnisse . Gug 
1 i e 1 m i hatte sich im September 1842 
nach Rom begeben und daselbst vom h. 
Vater die Gestattung erhalten, in Scutari 
ein Jesuiten' Hospiz zu errichten. Die 
Priester dieses Ordens, die G. schon das 
Jahr zuvor in seine Diocese berufen hatte, 
sollten die Leitung des niedern Unterrichts 
besorgen. DieB gab den AnstoB zum Aus. 
bruche der Gewaltthaten, welche mit der 
Ausweisung des Bischofs und der Zerstorung 
des Jesuiten-Hospizes endeten. 
Die Priester des Ordens hatten im 
Gebaude des osterreichischen Consuls Zuflucht 
gefunden. Osman Scheriff 
begiinstigte heimlich alle diese Gewalt« 
thaten, indem er die Schuldigen unbe« 
straft lieB. Guglielmi erhielt von 
diesen Vorfallen und von seiner und der 
Jesuiten (am 29. Janner 4843 decretirten) 
Ausweisung Nachricht nach Rom, 
wo der h. Vater den vielverdienten 
Priester zum Hauspralaten und Assisten« 

Seite 43 



Wurzbach0 6 . txt 
ten des apostolischen Stuhles ernannt 
hatte. Nichts destoweniger eilte G. in 
seine Diocese zuriick, aber nach Scutari 
zu kommen, gelang ihm nicht . Die 
Tiirken iibten alle Gewalt auS, und alle 
von Rom und Wien unternommenen Ver« 
suche, die Angelegenheiten auszugleichen, 
blieben erfolglos. I m Castel Lastua 
hatte G., bis die Streitigkeiten beigelegt 
wiirden, seinen Bischofssitz auf geschlagen . 
Spater ging er nach Budua, und 1843 
bis 1846 leitete er von Cattaro aus sein 
Bisthum. Nach einer 1847 nach Wien 
zur Beilegung dieser Wirren unternom« 
menen Reise schlug er in Zara seinen 
Bischofssitz auf, und wahrend er Alles 
anwendete, urn die Vereinigung mit 
seiner Gemeinde zu ermoglichen, wurde 
ihm das Erzbisthum Durazzo verliehen. 
G. aber lehnte diese Wiirde ab, immer 
noch die Beilegung der Wirren in seinem 
vorigen Bisthume erhoffend. Indessen 
bestellte er den Bischof von Alessi, 
Mons . Top ich, zum Verweser seines 
Bisthumes in Scutari. I m Jahre 1881 
unternahm er im Auftrage des Papstes 
Pius IX. eine Mission in die Walachei, 
welche er gliicklich vollfuhrte. Da endlich^ 
29 Guicciardi 

die im Orient ausgebrochenen Wirren 
eine Beilegung der Angelegenheit in 
Scutari kaum erwarten liefien, ernannte 
Kaiser Franz Joseph am 27. Mai 
4832 G. zum Bischof von Verona, 
war es nicht bestimmt, diese neue Wiirde 
anzutreten. Schon war der Tag der 
, Abreise von Zara (20. September) festgesetzt, 
als G. plotzlich einige Tage friiher 
(16. September) von einem Unwohlsein 
befallen wurde, welches einen todtlichen 
Ausgang nahm. Die am 2?. September 
erfolgte papstliche Praconisation seiner 
Ernennung zum Bischof von Verona 
langte erst einige Tage nach seinem Tode 
an. I m vollsten Mannesalter — G. 
zahlte 49 Jahre — entriB ihn der Tod 
dem Staate und der Kirche, denen er 
durch sein Beispiel und ein unermudetes 
Wirken, zu Ehren beider, noch groBe 
Dienste zu leisten berufen schien. Papst 
Pius IX. hatte G. als Zeichen besonderer 
Huld Kappchen und Caputze von 
violetter Farbe zu tragen gestattet, eine 
Auszeichnung, welcher in friiherer Zeit 
nur der Patriarch von Venedig und Erzbischof 
von Udine sich zu erfreuen hatten. 
V65C0V0 ai Verona (Verona 1833, A .ntouio 
li ' i-isioi ' io, Si'. 8".). — I'oglio uta^iiUo ai 
Verona. 29. unci 30. klar- 1853. 
Guglieuzi, Johann Paul (Astronom, 
geb . zu V e r o n a (wann?), gest. ebenda 
1750) . Entstammt einer veronesischen 
Adelsfamilie und trieb mit Eifer physikalische 
und astronomische Studien. AuBer 

Seite 44 



Wurzbach0 6 . txt 
mehreren Abhandlungen in der „kaogab 
er heraus : 
1744, 80. ) . 

Poggendorf ( I . C), Viographisch-liierarischcs 
Handworterbuch zur Geschichte der eracten Wis« 
senschaften (Leipzig 1839, Ioh. Ambr. Barth. 
Lex. 80.) Sp. 975. — NonvsIIs Viosi-ax^iL 
BttNlli'kle . . . VudU6o . . . 2U lu, viroation as 
N. lo Or. Hoslsr (pai-18 1830 u. f., I A 'i-miu 
Diaot li'oi-es, 3r. 8°.) La. I 1 , sx. 494. - 
Gilicciardi, Diego Graf ( S t a a t s - 
mann, geb . imVeltlinin der zweiten 
Halfte des vorigen Jahrhunderts . gest. (?) . 
Entstammt einer vornehmen Familie, 
welche ihre Besitzungen im Alpihale Veli> 
lin im Lombardischen hat. I n den Bewegungen 
Oberitaliens , welche, eine Folge 
der f ranzosischen Revolution, in den 
Jahren 1797-4814 stattfanden, spielte 
er eine bedeutende Rolle. Er gehorte zu 
der Partei, welche Alles anwendete, urn 
die Vereinigung seines Heimatlandes 
mit der cisalpinischen Republik durchzu« 
fuhren. Sein kaltbliitiger und entschlossener 
Charakter, mit dem er tiefen Blick 
und Kenntnisse verband, wurde von 
Napoleon erkannt; er berief ihn in 
den Staatsrath und verlieh ihm zuletzt 
die Stelle eines General-Directors der 
Polizei. Die Art und Weise, wie G. dieses 
Amt handhabte, bildet in der Geschichte 
der Administration eine Epoche . Niemand 
wurde seiner politischen Meinungen wegen 
verfolgt; sobald G. von politischen Um» 
trieben KenntniB bekam, war seine Sorge 
dahin gerichtet, sie zu vereiteln; die Folge 
davon war, daB iiberall Ruhe herrschte 
und man der schiitzenden Hand, die aller 
Orten thatig war und sich niemals fuhlbar 
machte, gar nicht gewahr wurde. Guicc 
i a r d i trat immer vermittelnd ein und 
versuchte es, die Parteien zu versohnen. 
Die Vorschlage, welche er dem Vice» 
konige machte, tragen sammtlich das Ge> 
prage nachsichtiger Duldung an sich, und 
die strengsten stiitzten sich auf das Gesetz 
und das Recht; aber die f ranzosischen 
Rathe, den Geist der Italiener nicht^ 
Euicciardi 30 Euillemard 

kennend, und in ihrer Wohldienerei kaiserlicher 
als der Kaiser selbst, wuBten G. zu 
verdachtigen und er wurde seines Postens 
entsetzt; diesen aber erhielt ein junger 
Mann aus dem Richterstande, durch 
dessen Ehrgeiz wieder das alte Wunder 
einer Metamorphose zu Stande kam, 
namlich die Umwandlung des gliihendsten 
Republikanismus in den begeistert» 
sten Royalismus. Guicciardi wurde 
in den berathenden Senat eingetheilt, 
welchem Korper alle jene Manner einver» 
leibt wurden, deren EinfluB dem Kaiser 
Unruhe machte. Friiher bereits wurde G. 
von dem Kaiser mit dem Grafentitel und 

Seite 45 



Wurzbach0 6 . txt 
dem Commandeurkreuze des Ordens der 
eisernen Krone belohnt. I m Jahre 1814 
war G. Kanzler des Senats. Guio 
ciardi ist auch Verfasser der Schrift: 
) ; wovon 

auch eine franzosische Uebersetzung besteht: 
4822, , 8" . ) . 

ioFi'a.xkis dos Iiornmss viva.nt8 (?ari8 1817, 
MiokQiia, 8«.) Nii . 111,8. 337. - Graf 
Diego diirfte wohl zu der Familie der Grafen 
von Guic ciardi gehoren, welche urspriing» 
lich aus Modeua stammen, dann sich im Mai« 
landischen ausbreiteten und in der ersten Halfte 
des 18. Jahrhunderts nach Oesterreich kamen. 
Mehrere SproBm derselben bekleideten hohe 
Wiirden und Ehrenstellcn im osterreichischen 
Heere. Ein PhilippG. (geb. 17. August 1704, 
gest. zuCremona) warFelomarschall-Lieutenant; 

— ein .Karl Graf G. bekleidete denselben 
Posten. Der Grafenstand kam zu Ende des 
vorigen Jahrhunderts in die Familie. Das 

Wappen ist Roth und Gold, sechsmal quer getheilter 

Schild mit Schildeshaupt . I m blauen 

Schiloeohaupte drei (1 und 2) vorwsirtssehende, 

geflugelte goldene Engelskopfe. Ueber jedem 

dieser Kopfe und unter dem obern schwebt ein 

goldener, sechsmahliger Stern.' Den Schild 

bedeckt die Grafenkronc. 

Guido ab Angelis, siehe: Nicht, 

Guido . 

Gllillemard. Anton (Medailleur 

zu Prag) . Lebte zu Anfang dieses Jahrhunderts 

in der Eigenschaft eines Medailleurs 

und Munz-Obergraveurs am k. k. 

Miinzamte zu Prag. Er arbeitete Vieles 

im Verein mit Franz Stuckert, einem 

Zoglinge der Wiener Kunstakademie, und 

gab mit demselben in den Jahren 1803 

bis- 1803 eine Reihe von Denkmiinzen 

heraus, und zwar: „Ant das bei Pmg im 

September 13W gehaltene Aebnngslager" , die 

Kopfseite zeigt das Portrait des Kaisers 

Franz II.;— „Znt das nenr Alchrliundrrt" , 

auf der Reversseite die Portrate 

Joseph's, Katharina ' s und Fried- 

rich's; — die „Frnnenluli-Medaille" , mit 

dem Sch iller'schen Spruche: Ehret die 

Frauen u. s. w.', — die „Frcnnuschakts- 

Medaille"; — die „Ualinuer-Nleoaille" , die 

letzten drei auf der Kopf« und Reversseite 

mit allegorischen und symbolischen Dar» 

stellungen; — die „Mazart-Medaillr" , auf 

der Kopsseite Mozart ' s Portrait mit der 

Umschrift: „Wolfgang Gottlieb Mozart, 

geboren 1736, gestorben 17!)1"; auf der 

Neversseite Euterpe, die Leyer schlagend, 

der Genius der Musik, die Doppelftote 

blasend, mit der Umschrift: „Herrscher 

der Seelen durch melodische Denkkraft"; 

— die „Pllthnl-Mrdmlle" , zu Geschenken 
bei Taufen, Firmungen; — eine groBere 
und eine kleinere „Imnnlnngg-Mednille" ; — 
eine „Mudllllrtl, 2chatt2-Mrllnille /N ; - die 
„Vamnntillm-Nlednillr " , zur Betheilung an 

Seite 46 



Wurzbach0 6 . txt 
die Forderer der Vaccination — und die 
„IllllMnrs-Medaille" , zur Belohnung in 
katholischen Volksschulen . Von jeder 
dieser Medaillen wurden Exemplare in 
Silber und Kupfer, erstere je nach ihrer 
GroBe zu 2, 3, 4 f i . , letztere ohne Unterschied 
zu 30 kr. , verkauft . Ferner ist von 
ihm bekannt eine Medaille auf den Erz«? 
Guldener 31 Gullia 

herzog Karl. Es ist die diesem Heldenprinzen 
zu Ehren gepragte Friedens« 
medaille. Auf der Vorderseite steht Erz> 
herzog K a r 1 im romischen Costume; die 
Riickseite stellt eine Landschaft vor mit 
dem bohmischen Wappen im Vorder» 
griinde . Eine Taube bringt den Oelzweig 
vom Himmel herab. Auch davon gibt eS 
Exemplare in Silber. Nagler gedenkt 
ferner einer 1733 auf Maria Antoinette 
gelegentlich ihrer Wahl zur Dau« 
phine gepragten Medaille, die von einem 
G uillemar d gearbeitet ist, und fragt, 
ob diese und die obigen Medaillen nicht 
von Einem und demselben Kunstler herrlihren? 
Auch gedenkt Nagler an anderer 
Stelle eines Malers Guillemard, 
der 4802 zu Prag arbeitete und dessen 
Kunst Anerkennung fand; ist dieser Maler 
der obige Medailleur, oder ein Sohn oder 
Verwandter desselben? 

Annalen der Literatur uud Kunst in den Oesterrei» 
chischen Staaten (Wien. bei Anton Doll, 4".) 
I V . Jahrg. 5805. Intelligenzblatt Monat Mai 
Sp . 231 und August Sp, . 93. — Schwaldopler , 
Historisches Taschenbuch. Mit beson» 
derer Hinsicht auf die osterreichischen Staaten 

(Wien, Doll, 8«.) Jahrg. I I (1802), S. 212. 
— Nagler (G. K. D r . ) , Neues allgemeines 
Kiinstler-Lexikon (Miinchen 1833 u. f., Fleisch« 
mann, gr. 8".) Bd. V, S. 446. 
Guldener von Lobes, Vincenz Eduard 

(Arzt, geb . zu Pilsen in Bohmen 

1763, gest. zu Wien 30. Marz 1827). 

Studirte zu Prag, widmete sich der 

Arzneiwif senschaf t und erhielt an der 

dortigen Hochschule die Doctorswiirde . 

Er lebte nun langere Zeit zu Prag als 

praktischer Arzt, kam 4802 nach Wien, 

wurde Regierungsrath und 1814 Proto» 

medicus, als welcher er starb. Von ihm 

erschienen, auBer einigen Abhandlungen ! 

in Fach-Zeitschrif ten, folgende Werkes 

„Nillbuchtungrn iidrr die Nrahr" (Prag 1793, ! 

zweite A u f 1 . ebd. 1793); -„Plrnci ! '2! 

Krankengeschichten, an5 dem K ' atrinischrn mit' 1 

Anmerkungen" (ebd. 1793); — auch setzte 

er die von Ferro begonnene „Sammlung 

der Sllnit ' ats-Vcrllrdnnngen lm da°l Orzherzagthnm 

Oesterreich unter der Gnns" vom III.— 

V. Theile (Wien 1824/23, 8".) fort; sie 

enthalten die Verordnungen der Jahre 

1807 bis Ende 1824. Nach seinem Tode 

setzten diese Sammlung Heinrich von 

Bohme und Dr. Ioh. Ios. Knolz 

Seite 47 



Wurzbach0 6 . txt 
fort . 

Oesterreichische National-Encyklopadie, herausg. 
von Czikann und Graffer (Wien 1833 u. f., 
8°.) Bd. I I , S. 440. - Meyer ( I . ) , Das 
grofie Conversations ' oerikon .. . (Hildburghau» 
sen, Bibliogr. Institut gr. 8".) Bd. XIV, S. 
345 Inach diesem und Kaiser's Bucher-Lexikon 
heiBt er Edmund und nicht Eduards . 
Gullia, Mathias (beruhmter Zwerg, 
geb . bei Trieft 1814) . Von wohlgef ormten 
Eltern geboren, erregte dieser 
Zwerg im I . 4836 in Paris die allge« 
meine Aufmerksamkeit , nicht allein durch 
seine iiberraschende Kleinheit, als auch 
durch die vollkommene Proportion aller 
seiner Korpertheile . Als er, 22 Jahre 
alt, von der koniglichen Akademie der 
Wissenschaf ten untersucht worden, maB er 
2 Schuh 10 Zoll, welche GroBe er mit 
5 Jahren erreicht und seitdem nicht mehr 
iiberschritten hatte. Sonst war er gut 
unterrichtet , sprach mehrere Sprachen, 
konnte lesen, schreiben, rechnen, spielte 
Billard, ritt und schoB vortref f lich . Er 
hatte sich in Italien, Deutschland und 
Frankreich sehen lassen und wurde als 
ein vollkommen normales Naturwesm, 
das nur vergessen hatte zu wachsen, von 
Alt und Jung bewundert. Die fran> 
zofische Akademie hatte beschlossen, ihn 
malen zu lassen. 1836 war er daran, 
sich zu verheirathen . Seine Braut hiefl 
Nosa Padovani, war aus Venedig 
und nur urn einen Zoll groBer, als er. 
Was aus diesem Zwergen-Paar gewor« 
den, ist nicht bekannt.^ 
Emnp 32 Gump 

— Die Posaune, herausg. von Georg Harrys, 
4836, Nr. 141, S . 562. 
GumP auch Glllllpp (Kijnstlerf amilie, 
aus Tirol gebilrtig) . Einzelne SproBen 
lebten noch urn die Mitte des vorigen 
Jahrhunderts . Sie waren ruhmlich 
bekannte Zeichner, Architekten und Maler. 
Die Stammvater waren Christoph und 
Elias, zwei Briider, ersterer (1600 geb., 
1672 gest.), im Dienste des Erzherzogs 
Ferdinand von Tirol, Ingenieur 
und Hofbaumeister zu Innsbruck. Er 
baute ein 300 Schuh langes Turnier« 
haus, und zeichnete den Entwurf zum 
Brunnen mit den Statuen im Hofgarten. 
Seine vier Sonne: Johann Mattin, 
Johann Baptist, Anton und Iran), waren 
alle Zeichner, Maler und Kupf erstecher . 
Johann Martin (geb. 7. Nov. 1643), 
der alteste, folgte 1672 dem Vater in der 
Bedienstung. Er zeichnete die alte Karte 
von Tirol, welche sein Bruder Johann 
Baptist (1674) in Kupfer gestochen 
hat. — Johann Baptist^ 1 Civil, und 
Kriegsbaumeister , stand anfanglich 
in Diensten des bairischen Hofes unter 
Max Emanuel, dessen Belagerungen 

Seite 48 



Wurzbach0 6 . txt 
und Schlachten er gezeichnet, und 
Wening gestochen hat. I n letzterer Zeit 
war er kais. Rath und Oberingenieur der 
Festung Constanz. — Von dem dritten 
Bruder, Anton, ist eine von K i 1 i a n 
gestochene Zeichnung bekannt, vorstellend 
die Heiligen Johann Evang. und Chri« 
stoph, mit der Unterschrif t : «7 . "ntanius 
HumpL, aeiin. A nno 1684. Wahrscheinlich 
ist dieser Anton identisch mit 
dem von Dr. Nagler angefuhrten 
Johann Anton (geb.um 1630, gest.1720) . 
welcher churf iirstlich bairischer Hof- und 
Kammermaler war, mehrere Altarbilder 
gemalt und die churfurstlichen Schloffer 
mit seinen Arbeiten geschmiickt hat; unter 
Anderem ist der schone Arabesken-Plaf ond 
zu SchleiBheim, 1702 gemalt, sein Werk. 
DaB er aus Tirol stammte, besagt die 
Aufschrift eines Blattes, das einen Kata« 
falk in der Miinchener Theatinerkirche 
vorstellt und „von I o h . Anton Gumpp, 
einem Tiroler, entworfen" war. Nach 
LipowSky's bairischem Kiinstler-Lexikon 
ware er schon 1716 gestorben. Nagler 
aber berichtigt diese Angabe nach archi» 
valischen Urkunden auf das Jahr 1720. 

— Der vierte Bruder, Iran) , starb friih 
(urn 166b') im Alter von 24 Jahren zu 

Florenz. Er war M a 1 e r und bildete sich 

in Italien in Correggio's und Guido 

Reni ' s Schule. Von dem altesten, 

Johann Martin I., stammen zwei Sonne: 

Johann Martin 1 1 . (geb. 26. Juli 1686). 

kais. Ingenieur-Major, der in Prag 

lebte und daselbst mehrere kostbare f ortisicatorische 

Plane entworfen hat. Mit 

dem Innsbrucker Maler Johann Ferdi» 

nand Schor entwarf er auch die Vorstellung 

des heiligen Grabes in der 

Stiftskirche zu Wilten. — Sein Bruder 

Georg Anton (nach Nagler urn 1670, 

nach Staffler22. October 1682 geb. . 

urn 1730 gest.) war Baumeister, bil. 

dete sich in Italien aus und wurde nach 

seiner Riickkehr vom Kaiser zum Hofvau- 

Meister ernannt. Das Landhaus, das 

Gymnasialgebaude, die Spitalkirche zu 

Innsbruck sind nach seinen Planen gebaut . 

— Andere Kiinstler dieses Namens, 

und wie es den Anschein hat, sammtlich 

SproBen dieser Tiroler Familie, haben 

in Baiern gearbeitet, namentlich in 

Munchen; jedoch sind die Daten verwor« 

ren und selbst in Betreff der Angefuhrten 

nicht ubereinstimmend. 

Staffler ( JohannJakob) , Das deutsche Tirol 

und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen 

Bemerkungen (Innsbruck 1847, Felician Rauch, 

8".) B d . I , S. 4«4. - Tirolisches Kunstler« 

Lexikon (Innsbruck 4830. Felician Rauch, 8".)¥ 

Gundy 3 3 Gundy 

S. 7 9 - 8 i . - Nagler (G. K.), Neues allge' 1 

meines Kiinstler-Lexikon (Munchen 4837, E. A. 

Seite 49 



Wurzbach0 6 . txt 
Fleischmann, 8°.) Bd. V, S. 431-4. ">3 Erscheint 
daselbst mit einem Doppel-U. — Meyer (I .> 
Das groBe Conversations - Lexikon (Hildburge 
hausen. Bibliogr. Institut, gr. 8".) Bd. XIV, 
S. 363. — Oesterreichische National-Cncyklo 
padie, herausg. von Czikann und G r a f f e r 
(Wien 1833, Friedr. Beck, 8».) Bd. I I , S. 441. 
— Johann Martini. Gumpp hinterlieB 
seinen Sohnen das SchloB Fergen stein im Obev 
innthale als landcsfurstliche Pfandschaft, und 
scheint auch den Adelstand mit dem Pradikate 
von Fergenstein erworben ; u haben. Vordem 
hatte sich diese Familie Gumpp von Fran- 
kenau geschrieben. 
Gundulic, siehe: Gondola. 
Gundy, Betty (Sangerin, geb . 
zu C a r 1 s ruhe urn das Jahr 1826) . 
1st die Tochter des Kammermusikus 
Neuther in Karlsruhe und zog als 
neunjahriges Kind bei Gelegenheit eines 
Kinderconcertes die Aufmerksamkeit des 
Fiirsten von Fiirstenberg auf sich, der 
die Kosten ihrer Ausbildung ubernahm. 
13 Jahre alt, betrat sie die Biihne, genoB 
zugleich den Unterricht der Sangerin 
Sabine He i ne f e t t er und ward in 
Wien, wohin ihr Vater iiberf iedelte, von 
Johann Gentiluomo zur Kiinstlerin 
ausgebildet. Letzteres Moment, daB sie 
ihre eigentliche Kunstbildung in Oesterreichs 
Hauptstadt erhielt, raumt ihr eine 
Stelle in diesem Werke ein. Unter 
mehreren Antragen nahm sie den von 
Frankfurt a. M. an, wo sie unter Men« 
delssohn's Anleitung sich besonders 
vervollkommnete; dann vermalte sie sich 
mit dem Baritonisten Gundy, mit 
welchem sie 1846 eine Kunstreise antrat, 
auf der sie die ersten deutschen Biihnen: 
Wien, Hamburg, Breslau. Miinchen, 
Prag, Coin u. A., dann auch Paris 
und London besuchte und iiberall mit 
glanzendem Erfolge sang. I n hochtragischen 
Partien leistete sie Vortref f liches . 
Ihr Repertoir ist iibrigens sehr 
v. WurZbach, biogr. Lexikon. VI. 
groB . Sie zahlt in demselben die Partien 
des Fidelio, Romeo, der Valentine, 
Donna Anna, der Norma, Rezia, Koni» 
gin der Nacht und Isabella, Lucretia, 
Susanne, Prinzessin von Navarra, der 
Rosine im „Barbier" und der Agathe im 
„Freischut z " . I n den letzteren Jahren 
singt sie an dem vereinigten Theater in 
Pesth, wo ihr Mann seit 1837 die Direction 
f uhrt . I n jiingster Zeit verlautete, 
daB sie mit ihrem Manne nack Wien 
iibersiedeln und letzterer die Leitung des 
Iosephstadter Theaters ubernehmenwerde . 
Doch wurde diesen Geriichten in den 
Wiener Blattern (Ostdeutsche Post und 
Presse, December 4839) auf das Bestimmteste 
widersprochen . 
Gallerie denkwiirdiger Personlichkeiten der Gegenwart 

Seite 50 



Wurzbach0 6 . txt 
Nach Originalzeichnungen, Gemalden, 
Statuen und Medaillen (Leipzig, I.I. Weber, 
Fol. Ii85a) ) S. tS8 und auf Taf. 168 ihr Por» 
trat. — Illustrirte Zeitung, herausg. von I . I 
Weber (Leipzig, Fol.) 1854 . 12 . Aug . , Nr. 380 
smit dem in Holz geschnittenen Portrate der 
Kunstlerin' 1 . — Portrait. Aufier den bereits aw 
gefuhrten Holzschnitt-Portraten der Kunstlerin 
besteht ein Stahlstich mit der Unterschrif t : Betty 
Gundy. Ohne Angabe des Zeichners und 
Stechers 4». Beilage der (Leipziger) Allgemei' 
nen Moden-Zeitung . 

Gundy, Michael (theolog. Schrift« 
steller, geb . zuKaposvarim Somo» 
gyer Comitate am 42. October 4803) . 
Er studirte zu Kaposva.r, Raab und die 
Theologie in Fiiufkirchen. 1829 erhielt 
er die heiligen Weihen, trat dann in die 
Seelsorge und wurde 1842 Pfarrer in 
Bakonya. Zugleich beschaftigte er sich auch 
mit theologischen Arbeiten; so hat er in 
Predigten eine summarische Glaubens» 
und Sittenlehre der katholischen Kirche 
in 8 Banden vollendet; doch kam die 
Herausgabe dieses Werkes nicht zu 
Stande. I m hohern Auftrage schrieb er 
eine Abhandlung iiber das Fegefeuer, 
welche im Drucke erschien. I n den 
3^ 

Gunesch 34 Gunesch 

Jahren vor der Revolution verof f entlichte 
er viele Artikel zur Vertheidigung der 
Kirche und des Clerus in Zeitungen, und 
selbststandig gab er heraus: „' s a' s i' s vii' s - 
s A " , d. i. Geistliches Privilegium (1843) 
— und » 5M^ at ' s a' s -' s ' H) va A is a 
A Mo/z'ns?n«6 eis )boi3a A 07)2 A 2/", d. i. 
Der Umgestalter der Welt oder Katholi» 
cismus und Republik (1849) . Dieses 
letztere Werk, theologisch» polemischen 
Inhaltes, hatte einen eigenen Erfolg. 
Ein friiherer Gegner des Verfassers, dem 
Adel angehorig, uberschickte ihm 300 St. 
mit dem Bemerken, fur diese Summe 
100 Exemplare des genannten Werkes 
unter Manner weltlichen Standes zu vertheilen 
, damit es in moglichst weiten 
Kreisen bekannt werde. Auch jetzt noch 
schreibt er fur die Tagespresse Artikel in 
der bezeichneten Richtung. 

kotst, d.i. Ungarische Schrif tsteller . Sammlung 
von Lebensbeschreibungen . Zweiter, den ersten 
erganzender Band. Von Joseph Danielik 
(Pesth 1838, Ios. Gyurian, 8".) S. 96. 
Gunesch, Andreas I. (k. k. Cons 

istorialrath und Prediger, ge> 
biirtig aus Mediasch in Ungarn) . 
Zeitgenosse. Die Illustrirte Zeitung, 
Anfangs 1849, und nach dieser die 
unten bezeichnete Quelle berichten das 
Folgende: „Am 2. Januar 184 9 feierte 
die evangelische Gemeinde Augsburg ischer 
Confesston in Wien das Fest der Ein« 
weihung ihrer neuerbauten Kirche. Ohne 

Seite 51 



Wurzbach0 6 . txt 
fremde Unterstiitzung war dieser Bau aus 
den Liebesgaben der Gemeindeglieder 
hervorgegangen . Die Pfleger dieses Christ, 
lichen Sinnes, welche die Herzen mit 
Glaubenswarme, mit freudiger Opf erwilligkeit 
und thatkraf tiger Liebe erfullten, 
die drei Geistlichen namlich, welche durch 
die schone Gabe der Rede, die Treue des 
Berufes und das gegebene edle Beispiel 
im Glauben und Leben die groBten Ver» 
dienste urn Griindung dieser Statte des 
Herrn sich erworben, und ihm nicht bios 
einen Tempel von Stein errichteten, son« 
dern die unsichtbare Kirche im Innern 
der Glaubigen lebendig erhielten, verdienen 
es wohl, vom deutschen Volke 
gekannt zu werden, daher wir nicht 
versaumten, ihre Bildnisse in unsere 
„Gallerie" (siehe die Quellen) aufzu» 
nehmen. Es sind dies Ernst Paur, 
Superintendent und erster Prediger, 
Andreas Gunesch, k. k. Consistorial» 
rath und zweiter Prediger, und Gustav 
Porubsky, dritter Prediger, ein Lands« 
mann des Ersten. 

Gallerie denkwiirdiger Personlichkeiten der Gegen» 
wart. Nach Originalzeichnungen, Gemalden, 
Statuen und Medaillen (Leipzig, I.I. Weber, 
Fol.) Sp. 129 des Textes und Taf. X X X I I 1 , 
daselbst sein Portrat zugleich mit jenem von 
Ernst Paur und Gustau Porubsky.— 
Noch ist hier Zu gedenken eines siebenburgischen 
Gelehrten, auch Andreas I I . Gunesch (geb. 
zu Hermannstadt 1648, gest. ebd. 27. Der. 
i?03) . Ob der obige Andreas G. in directer 
Linie von diesem Andreas G. abstammt, oder ob 
Beide nur mit einander verwandt sind, ist nicht 
bekannt . Jener altere reiste 1«1»9 nach Deutsche 
land, urn sich auf fremden Universitaten in der 
theologischen Wissenschaft auszubilden. I m I . 
1674 kehrte er in sein Vaterland zuriick, erhielt 
1680 die Pfarre zu Pcterodorf u. d. Walde, 
kam 168:; nach Kellnecf und 17N2 nach Mtillenbach. 
Nuf einem Besuche in Hermannstadt 
erkrankte und starb cr im Alter von 8:» Jahren. 
St ' i u e r t zahlt vu>l> handschrif tliche Arbeiten 
dieses Gelehrten auf, von dmcn mehrere imm?r 
noch Beachtung vrrdimrn diirften. Leider gibt 
er nicht an, wo sich diese Manuskripte aufbewahrt 
befinden. (5s find folgende: „ D a s sehnliche 
H.erlangen eines Christen", oinr 
am !>. October 1696 gehaltene Leichenrede auf 
Daniel F em g er, Stadtpfarrer zu Miillenbach- 
— „V'iaLL 8u,xonum in 'Iran 8 A 1- 
v a n i a " (1697), worin der Verfasser die Ehrr 
der Siebenbiirger Sachsen gegen mannigfache 
Anschuldigungen in Schutz nehmend, ihre unverbriichliche 
Treue gegen ihre rechtmaftigen Beherrscher 
aus der Geschichte seit dem Tode de6 
Konigs L u d w i g bei Moh6c nachweist; — ¥ 
Gnng ' 1 Gung ' 1, 

ruin, ''ranZ^IvAQi a. 6" (1697), dieses 
Manuscript enthalt Zusatze zu der Siebenbiirgr 
schen Geschichte des Kanzlers Johann B e t h 1 e n 

Seite 52 



C h 


r o n i 


A a " 


(1? 


■0<>) 


6 


tu 1 


ca, 


6 , 


lluunica 


.V. 


1702 


et 


17 03« 


; — 


. , Or 



Wurzbach0 6 . txt 
und eine Fortsetzung der Geschichte von 1663— 
1689;— „Vorstel lung des 17. sk^cuij 
derer Sachen, so sich i n Siebenbiirgen 
zugetragen", eine Fortsetzung des Siebenburgischen 
Wtirgengels vom Jahre 1600; — 

Oo7nme m o r a t i o /'".c: t a r n in (I'api 
1 a r i u m , I^astai ' urn 8 2 n, 5 2 v. A i-o 
(1697) ;— „Kleinwinzige Medwischer 

— „lik«anticiu 
Ostl^ouFod 
. , OrHtio aeliLlUiu 
A »u A liaa.rum eo rrupt ol i 8 6t in sael 
i ii " . Wergl. Johann Seivert ' s „Nachrichten 
von Siebenburgischen Gelehrten und ihren 
Schriften" (Presburg 1785, Weber und Kora« 
binski, 8«.) S. 127 u. f.) 
GilNss'l, Joseph (Compositeur, 
geb . zu Zsambok im Pesther Comitate 
Ungarns 4. Dec. 1810) . Sohn eines 
Strumpfwirkers . Der Schullehrer des 
Geburtsortes war auch Gu n g ' Is erster 
Musiklehrer. Die Eltern bestimmten den 
Knaben dem Schulfache und, 13 Jahre 
alt, fungivte G. als Schulgehilfe in 
einigen urn Zs^mbttk gelegenen Dorfern, 
spater in Pesth bei der Franzens-Vorf tadtschule . 
I n Ofen, wahrend er das 
Lehrer-Examen ablegte, erhielt er von 
dem dortigen K.6A6N8 okori Saemann 
Unterricht im Generalbasse . Das Schullehrerleben 
behagte aber dem lebhaften 
Junglinge nicht; am 2. April 1828 
trat er in das 3. Feld-Artillerie-ReZiment 
zu Pesth als Kanonier ein. 7 Jahre 
diente er im Regimente, ohne Zeit oder 
Gelegenheit zu haben, sich der Musik zu 
widmen. 1833 erbat er sich die Versetzung 
in das 4. Feld« Artillerie «Regiment zu 
Gratz und am t 7 . J u 1 i 4833 trat er als 
Hautboist beim Musikcorps ein. Als der 
Kapellmeister dieses Musikcorps seinen 
Abschied nahm, erhielt G u n g ' 1 diese 
Stelle und diente bis zum 26. April 1843 
als Kapellmeister im 4. Artillerie-Regi« 
mmte zu Gratz. Er war der Erste, der 
in Gratz Orchef termusik — Saiteninstrumente 
— fur offentliche Wergniagungsorte 
benutzend, einflihrte. Schon als 
Hautboist nannte man ihn allgemein den 
„Gratzer StrauB". Nachdem G. seine 
Capelltneisterstelle in Gratz niedergelegt , 
bildete er eine Capelle von steirischen 
Musikern und unternahm eine Kunstreise 
durch Oberosterreich, Baiern nach Frankfurt 
a. M. Von Frankfurt folgte er einem 
Rufe nach Berlin, wo er im October 
1843 seine Concerte begann. Daselbst 
wurde er bald der Liebling des Publikums. 
AuBer einer 184 6 unternommenen 
Kunstreise nach Wien, Pefth und 
dann nach dem Norden Deutschlands, 
blieb er bis 4848 in Berlin. I m October 
desselben Jahres begab er sich nach 
Amerika'. trat auf in New»Iork, Boston, 

Seite 53 



Wurzbach0 6 . txt 
Philadelphia, Baltimore und wurde von 
der Regierung zur Inaugurationsf eier des 
Prasidenten Taylor engagirt. Uebri< 
gens war sein Zug in Amerika nicht von 
jenem Erfolge begleitet, den er erwartet 
hatte; er kehrte auch schon im Juni 1849 
nach Berlin zuriick mid blieb dort bis 
Mitte 1830. Die Zarsko jeselo-Eisenbahngesellschaft 
in St. Petersburg engagirte 
ihn durch 6 Sommer (4830-4833); im 
Winter spielte er in Moskau. I n der 
letzten Zeit befand er sich in Wien. G. 
nicht nur ein trefflicher Orchester« 
Director, sondern auch ein beliebter Com« 
positmr. namentlich von Tanzmusik. 
Seine Capelle, 50 Mann stark, und zwar: 
4 Contrabasse, 16 Violinen und eine dem 
entsprechende Besetzung, spielt Tanze, 
3 *^ 
Gung' 1 

Marsche, Potpourri's, aber auch Symphonien 
von Haydn, Beethoven, 
Mendelssohn, Mozart. Ein besonderes 
Verdienst erwarb sich G. dadurch, 
daB er durch sein trefflich geschultes 
Orchester jiingern Instrumental-Componisten 
Gelegenheit bot zur offentlichen 
Auffuhrung ihrer Werke; was insbesondere 
in Berlin ofter der Fall war. 
Von seinen Kompositionen erschien bisher 
das 127. Opus im Stich. Das erste Oxus 
gab er in Berlin 1841 bei Bock und 
Bote unter dem Titel: „GrZter Augurmarsch" , 
heraus. Seither erschienen in 
diesem Verlage viele seiner Marsche, 
Polka's, Quadrillen u. dgl . m. Mehrere 
seiner Marsche wurden im preuBischen 
Heere zu Armeemarschen benutzt. AuBer« 
dem weisen seine Kompositionen Ver» 
lagSorte in Ruflland, England, Italien, 
Deutschland, Amerika und Australien auf. 
Von seinen zahlreichen Kompositionen 
nennen wir: „Ungarischer Ageunermarsch" , 

Oy. 9; „Mschirds-PMa", Ox. 11;- 

„Alpeaklange . Stemsche Ganze", Op. 13; — 

„Oam-AllillMlltim. TNaher", Ox. 23; - 

„Nrirgrrs Tust . Festmarsch", Ox. 26, in der 

preuBischen Armee allgemein verbreitet, 

und beliebt; — „Ntnrlieder ahne Nurte. 

Steirische Wndler", Op. 28; — „Ften.rrr's 

Heinmeh. Marsch", Op. 38; — „Parademarsch" , 

Op. 31;— „Wiedersehen . Mcher", 

Op. 32; - „Grasien-PMu", p . 6 1 ; - 

„Mte-Quadrille" , Op. 6 2;— „Gsmanenmarsch 

nach turkischen Melodien", p . 7 6 ; — 

„Griinme ant dem Ocean. Walzer", Op. 80; 

— „Immortellen M Erinnerung an I . StransZ", 

Op. 82; — „Klange unm Nelamare. Walzer", 

Op. 89; — „Zllphia Katharina, ader t>ie Grassinrstin- 

ckuall rille", Op. 93; — „Griunernng 

an Petechat. Walzer". Op. 96; — „Mraldacknadrille" , 

Op. 97; - „F7s«7-s c?s / a /N > 

iasis", p . 98; — „Rlange ans der W?inwiit. 

Fteirische <Vanze" A Op. 100; — 

Seite 54 



Wurzbach0 6 . txt 
„Manen-TValzer", Op. 102; - „<Vanz- 
Perlen. Walzer", Op. 111. Viele dieser 
Kompositionen sind fur das ganze 
Orchester arrangirt. — Mit ihm nicht 
zu verwechseln ist sein Neffe J o h a n n 
(geb. in Ungarn 1819), auch ein talentvoller 
Tanzcomponist . Trat 1843 eben» 
falls in Berlin mit einem gut eingerichte» 
ten Orchester auf, und ging von da nach 
Petersburg (1843), spater nach Wien. 
Gallerie denkwiirdiger Personlichkeiten der Gegen» 
wart. Nach Originalzeichnungen, Gemalden, 
Statuen und Medaillen (Leipzig, I.I. Weber, 
Fol. »855 u. f.)) Sp. 118 und auf Blatt 123 
sein Portrait. — Illustrirte Zeitung 1847, im 
Oktober 'Maselbst sein in Holz geschnittenes Portraits. 

— Universal«Lexikon der Tonkunst . Angefangen 
von Dr. I u 1 . Sch ladebach, fortges. 

von Eduard Bernsdorf (Dresden /s 856), 

R. Schaefer, gr. 8".) Bd. I I , S. 282. - 

Meyer ( I . ) , Das groBe Conversations . Lexikon 

(Hildburghausen 1849, Bibliogr. Institut, 8<>.) 
Bd. XIV, S. 368 und Supplement . Band III 

(1633), S. 1236. 

Gunz, Simon (Mathematiker , 

geb. zu Augsburg 1743, gest. zu P r a g 

1 t . Janner 1824) . Sohn israelitischer 

Eltern, und wurde zum Rabbiner gebil» 

det, welches Amt Vater und GroBvater 

in seinem Geburtsorte versehen hatten. 

Zu Frankfurt a. M. und in Fiirth studirte 

er den Talmud; in ersterer Stadt — 20 

Jahre alt — erlernte er auch die deutsche 

Sprache . 1767 begab er sich nach Berlin, 

wo er wissenschaf tliche und Sprachen» 

Studien betrieb; schon damals wahlte er 

Mathematik zum Lieblingsgegenf temde . 

1782 wurde er Zehrer der Mathematik 

an der israelitischen Hauptschule in Prag. 

Auf diesem Posten entwickelte er eine 

grofte schriftstellerische Thatigkeit in seinem 

Fache. Er gab folgende Schriften heraus: 

„Praktische Nemerknngrn nnb DurZchliige znr 

Verlie55ernng des Uehrtachs liir angehende Hangund 

schnllchrer" (Prag 1792); — „Handbuch 

tnr Kaufleute, enthaltend allgemeine Schlussel,^ 

Vun) 37 Vurk 

vermittelst oeren man ben Varalbetrag eines 

Wiener Gentners oder Ptnndes in Mener Ovurs 

zeder varkammenden Zlrt . . A berechnen Kaun" 

(ebenda 1792); — „Vechaltnisstabellen des 
niederoZteneichischen Gewichts, nassen und trockenen 
Nasses, der Glle, Klafter, gegen das altbohmische 
und umgekehrt. . . " (ebd. 1793); 

— „Theoretisch-praktisches Aechnenbnch tiir 
Dhrer und Lernende". 2Theile (Prag 1802; 

— 2. Aufl. 3 Theile 1308; - 5. Aufl. 
4816; - 6. Aufl. 1832). der 3. Theil 

auch unter dem Titel: „Praktischer Vntrrricht 
in Ncrcchnungen auslandischer Waaren nder 
Waarenklllknllltillnen" (ebd. 1808; 6. Aufl. 
1832); — „Gaurs- und Mchsrltabellen ..." 
(Wien i807); — „Elementar-Ghen-rie der 
parallelen Geraden" (Gratz 1818, mit2Taf.), 

Seite 55 



Wurzbach0 6 . txt 
auch als „Veitrage zur reinen, ungewandten und 
technischen Mathematik" , 1. Heft; — „Ner 
fertige Zlrbitrageur; ein Handbuch fur Nauquiers 
und Nanueute..." (Neue Aufl. Prag 1818); 

— „Uelkenlirecher ' s Taschenbuch, tiir die osterreichischen 
Staaten bearbeitet" (ebenda 1813; 

2. Aufl. 1818 und noch spater) ; — 

„Nechenschlusoel, ader ausserst Kurze allgemeine 

Aechnenregelu, vermittelst deren der Uaralbetrag 

in Gulden 0. M . eines Wiener Zentners uder 

Pfundes ... in rinem Amsterdamer, Hamburger, 

Uandllnrr und Frankfurter Preiscaurante ohne 

Feder ansah bias mit 1 ad er 2 Zittern zu berechnen 

sei" (ebenda 1818); — „Tunelle zur 

schnellen Uebersicht, urn viel der jedesmalige 

A tand der 5perrentigen Obligationen in Silbermunze 

nach dem jedesmaligen Oeldcllurse in 3V.A5. 

betrage" (Prag 1818); — „Ner Nassier, 

ein Taschenbuch tiir Nanqnicrs und Kauf leute . . . " 

(ebd. 1818); — „Antangsgrunde der Meichnngslehrr 
ader Zllgenannteu Algebra ..." 

(Prag 1826), Gunz's Ruf als Mathematiker 
war so ausgebreitet , daB selbst 
Auslander ihre Sonne nach Prag schickten 
und bei ihm Privatunterricht nehmen 
lieBen. Sein Sohn sagte sich vom Glauben 
des Vaters los und erhielt die Pro> 
feffur der hohern Mathematik am Lyceum 
zu Linz . 

Neuer Nekrolog der Deutschen. Herausgegeben von 
Friedrich August Schmidt (Ilmenau 1826, 
Voigt) Zweiter Jahrgang 1824. Zweites Heft, 
S. 1038. — Jiidisches Athenaum. Gallerie 
beriihmter Manner jijdischer Abstammung und 
jiidischen Glaubens (Grimma und Leipzig 1851, 
Verlags«Comptoir , 8«.) S . 63. — Oesterreichische 
National-Encyklopadie . Herausg. von 
Czikann und G r a f f e r (Wien 1833, 8«.) 
Bd. I I , S . 441. — Gunz war ein Sonderling, 
aber voll Geist; sein Unterricht und seine 
Schriften, deren einige viele Auflagen erlebten, 
halfen ihm sein Vermogen vermehren, aber steigerten 
auch die Liebe zum Gelde und die Aengst» 
lichkeit urn dasselbe im iibertriebenen MaBe. 
Auffallend war in Gesichtsziigen und aufierer 
Erscheinung seine Aehnlichkeit mit Voltaire . 
Schlagfertig und scharf waren oft seine Ant» 

- worten. Einst am Neujahrstage befragt, was er 
sich fur das kommende Jahr wiinsche, entgegnete 
er: „DaB die Juden alle nach Jerusalem . zogen 
und die Christen vor Freude dariiber sich zu Tode 
lachten, dann ware ich Beide los". — Als man 
ihn bereden wollte, gleich seinem Sohne den 
Glauben zu wechseln, entgegnete er: „Ich kann 
diesen Schritt deflhalb nicht thun, weil man, 
nach dem Alter des Taufscheines urtheilend, 
mich fur den Sohn meines Sohnes halten 

wurde". — Wenn ein jijdischer Zogling seinen 
Unterricht nicht schnell genug erfaBte, pflegte er 
zu sagen: „Ich glaube gar, Dein Vater ist ein 
Christ". Als er, 81 Jahre alt, zu Prag starb, 
lautete sein letztes BekenntniB : „Mose ist nicht 
gestogen (gestiegen auf den Sinai) und Jesus 
nicht geflogen". 

Seite 56 



Wurzbach0 6 . txt 
Gurk, Eduard M a 1 e r , geb . in 
Wien 1802, gest. in Jerusalem 
31. Marz 1841) . Schon sein Vater, der 
an der fiirstlich Tflterh azy'schen Biblio« 
thek und Gallerie angestellt war, war 
ein nicht unbegabter Kunstler. Sein 
bedeutendes mechanisches Talent hatte 
des Fursten Aufmerksamkeit auf sich gelenkt; 
durch den eigenen Genius geleitet, 
baute er auf Kosten des Fursten ein 
grofies Spiel «Orgelwerk, mit welchem 
eine Reise zu unternehmen und es zur 
Schau zu stellen, sein Macen ihm grofi>«£ 
Gurk 38 Gurlitt 

miithig erlaubte. I n Begleitung seines 
Sohnes Eduard reiste Vater G. durch 
ganz Europa, besuchte Schweden, Danemark, 
Holland, Frankreich, England und 
legte mit dem Erlos dieser Kunstreist den 
Grund zu seinein bedeutenden Vermogen. 
Zu gleicher Zeit bildete er sein Malertalent 
aus und war bedacht, es auch bei 
seinem Sohne, wo es sich in nicht gerin« 
ger Bedeutung zeigte, zu pflegen. I n 
England machten sich Vater und Sohn 
die, namentlich durch des letztern Werke, 
so beliebt gewordene Art der Aquarell- 
Malerei eigen. Als sie nach Wien zuriickgekehrt 
waren, besuchte der Sohn die 
Akademie der bildenden Kiinste. Bald 
erregten seine Arbeiten die allgemeine 
Aufmerksamkeit, sie wurden gesucht und 
gut bezahlt. Se. Majestat der Kaiser 
Franz und der damalige Kronprinz 
Ferdinand gaben dem Kunstler Auftrage, 
zugleich ward ihm die Ehre zu 
Theil, den Allerhochsten Hof auf Seinen 
Reisen zu begleiten, und die interessanten 
Gegenden, welche auf diesen Reisen berijhrt 
wurden, sowie die denkwiirdigsten Momente 
derselben, durch seine Kunst zu 
verherrlichen . So wurde G. Augenzeuge 
der Kronungsf eierlichkeiten in Prag und 
Mailand, welche er mit kiinstlerischer 
Vollendung ausfilhrte. Die zahlreichen 
Kunstblatter dieser Reisen befinden sich 
alle im Besitze des kaiserlichen Hofes. 
Auch erschien von ihm: „GritinmmgslMW 
W die. Kronung des Grzhrrjllg5 Arnnprinzru 
Ferdinand znm Wnig nun Ungarn, nach ijrr 
Mtnr gezeichnet" (30 B 1 . col. in Fol.. zus . 
86 st. 24 kr.) . Gurk wurde nun in Anei> 
kennung seiner kunstlerischen Leistungen 
zum Hof kammermaler ernannt. I m I . 
1840 erhielt er die ErlaubniB zu einer 
Reise nach Palastina und Syrien, urn 
fur den Hof eine Reihe von Darstellun' 
gen der schenswiirdigsten Ansichten jener 
Lander auszufiihren. I m September 
1840 verlieB er Wien, und aus Beyrut 
vom 46. Marz 1841 ist sein neunter 
und letzter Brief von diesem Kunstaus« 
stuge datirt. Zwei Wochen spater war 
er einem typhosen Fieber erlegen, von 

Seite 57 



Wurzbach0 6 . txt 

dem er unmittelbar nach seiner Ankunft 

in Jerusalem befallen worden. G. hatte 

noch nicht das 40. Jahr erreicht. I n 

den letzten Jahren seines Lebens war 

er nicht ganz von Kranklichkeit frei, ins« 

besondere litt er an Augenschwache, so 

daB er oft selbst Erblindung befiirchtete. 

Haben ihm seine Kunstleistungen ein blei» 

b end es Andenken in der Kunstgeschichte 

gesichert, im Herzen der Menschheit setzte 

er sich durch sein Vermachtnifl auch ein 

schones Denkmal. Er verfiigte, dafl sein 

Vermogen — namlich zwei Hauser in 

Penzing bei Wien (Nr. 113 und 192), 

sein bares Vermogen und das aus dem 

Verkauf seiner Gallerie zu losende Ertrag» 

niB — zur Stiftung eines Versorgungs« 

Hauses in Penzing fur alte und unver» 

mogende Bewohner dieses Ortes ver« 

wendet werde. Aufier den unten in den 

Quellen naher bezeichneten Briefen hat 

er in der „Theater-Zeitung" auch mehrere 

andere Aufsatze kunstlerischen Inhalts 

verof f entlicht . 

Theater»Zcitung, herausg. von Molph Vauerle, 

1841, Nr. 139: „Nekrolog" oon F. C. Weid' 

mann . — Dieselbe. Nr. 212, 217, 227, 22», 

229, 220, 232, 242, 260. 26t, 272, 273. 276, 

278. 290, 292, 293: Erster dio neunter (letzter) 

Brief uon seiner Reise nach Tirol, Italien, Palastina 

und Syrien. I n Nr. 212 in einer Anmer A 

kung bio graphische Erganzungen. — M ii 1 1 e r 
(Fr.) . Die Kiinstler aller Zeiten und Volker 
(Stuttgart. Ebner u.Seubert, 1886 u. f., gr.8".) 

Bd. I I , S. 324. - Naqler (G. K. Di ' . ) . 

Neues allgemeines Hunstlcr-Lerikon (Monchei:. 

Fleischmann, 8») Bd. V, S. 4!i4. 

Gurlitt, Ludwig (Landschaf tsmaler , 

geb. zuAltona8 .Marzl8I2) . 

Sein Talent bildete sich anfanglich bei^ 

Gurlitt 39 Gurlitt 

seinem Vater aus, der, ohne jemals 

zeichnen gelernt zu haben, die seltene 

Gabe besaft, seine Erzahlungen, womit 

er die Kinder belustigte, durch bildliche 

Darstellungen zu veranschaulichen . Unter 

solchen Umstanden entwickelte sich in ihm 

sehr friih die Neigung fur's Zeichnen, und 

von Seite der Eltern unterblieb nichts, 

das schone Talent des Knaben zu entwickeln. 

Den ersten Unterricht im Zeichnen 

leitete Hr. Gensler in Hamburg, deffen 

vortref f liche Methode auch die besten 

Friichte trug. 16 Jahre alt, trat Gur« 

1 i t t in die Malerschule des Malers I . 

Bendixen in Hamburg, in welcher vier 

Jahre zu bleiben er sich verpflichten 

muBte. Wahrend dieser vier Jahre muftte 

G. seinem Lehrer viel bei der Dekorationsmalerei 

behilflich sein; diese Beschaf tigung, 

fur den werdenden Kiinstler sehr 

qualvoll, gereichte seinen Eltern, die 

darin einen sichern Broterwerb fur die 

Zukunft gewahrten, zu groBer Beruhi« 

Seite 58 



Wurzbach0 6 . txt 
gung. Unter solchen Umstanden sah G. 
sehnsiichtig dem Augenblicke entgegen, 
der ihn der gegen seinen Lehrer eingegangenen 
Verbindlichkeit entband. Bendiren's 
Versprechen, ihm nach vollendeter 
Lehrzeit zu einem Stipendium zu 
verhelfen, blieb erfolglos; von den Eltern 
glaubte er keine weitere Hilfe ansprechen 
zu durfen; so beschloB er demnach, sich 
auf's Portratmalen zu verlegen. G. portratirte 
und sparte und hatte in einiger 
Zeit 400 Thaler zuriickgelegt . Nun trat 
er seine FuBreise nach Kiel an, und von 
da ging's nach Kopenhagen und weiter 
nach Norwegen, wozu Dahl ' s und 
Morgenstern ' s Bilder und Stef f ens ' 
Romane mit ihrer meisterhaf ten Schilderung 
der nordischen Natur wesentlich 
beigetragen hatten. Begeisterung fur die 
Kunst lieB ihn manche Entbehrung ver» 
gessen. I n Norwegen iibte die gewaltige 
Natur ihre Eindriicke auf unsern jungen 
Kiinstler, und schon die erste Schopfung 
war eine so bedeutende, daB das in Ko> 
penhagen ausgestellte Bild Gur 1 i t t ' s , 
welches eine norwegische Gegend vor« 
stellte, von dem Grafen Raczynski ge» 
kauft wurde, in dessen Gallerte zu Berlin 
es sich noch befindet. G. kehrte nunmehr 
nach Kiel zuriick und durch Vermittlung 
des Professors 3und gelang es ihm, 
Eintritt in die Gypsschule der Akademie 
und spater in die Modellschule zu erhal« 
ten, wo er im ersten Winter schon die 
silberne Preismedaille «erhielt. Bald aber 
gewann die Liebe zur Natur die Ober« 
Hand; er malte Landschaf ten, die Natur 
in ihren innigsten und finnigsten Heim« 
lichkeitm belauschend. Dabei wirkte die 
naturalistische Richtung, der man in Ko« 
penhagen huldigte, so machtig auf G. ein, 
daB er alles bisher gelernte mehr Conventionelle 
formlich zu vergessen sich be» 
miihte und fast angstlich an die Natur sich 
hielt. Unter solchen Studien brachte G. 
mehrere Jahre in Danemark, Norwegen 
und Schweden zu, an der GroBartigkeit der 
dortigen Natur seinen Kiinstlergeist labend 
und sie bleibend in seine Seele aufneh» 
mend. Im Mai 4837 vermalte sich Gurl 
i t t zum ersten Male, begab sich mit 
seiner Gattin nach Miinchen und von 
dort nach Oberitalien. Nach zwei Jahren 
entriB ihm der Tod feine Frau, und G. 
verlieB in tiefem Schmerze das Land der 
Kunst und reiste nach Kopenhagen zuriick, 
urn im Kreise der Familie seiner dahin« 
geschiedenen Frau arbeit f ordernde Ruhe 
zu erstreben. Vier Jahre lebte G. nun in 
Kopenhagen, und seine in dieser Periode 
gelieferten meisterhaften Arbeiten bewirk« 
ten seine Aufnahme als Mitglied in die 
konigliche Akademie. Von Kopenhagen 
begab sich G. nach Diisseldorf, vermalte 

Seite 59 



Wurzbach0 6 . txt 
sich daselbst zum zweiten Male und reiste? 
Gurlitt Gurlitt < 

zum zweiten Male mit seiner Gattin nach 
Italien, dieses Mai iiber Genua nach 
Neapel. Mit dieser zweiten Reise beginnen 
Gurlitt ' s Studien des Siidens . Von 
Neapel reiste er im Winter nach Rom, 
urn dort von einem neuen Verluste, wie 
bei jener ersten Reise nach Italien getroffen 
zu werden, denn der Tod raubte ihm 
auch feine zweite Gattin, nachdem sie ihm 
einen Sohn geboren hatte. Bis zum 
Herbste 1846 verweilte der Kiinstler in 
Italien, abwechselnd in Rom, Neapel 
und auf den fmlischen Inseln. Endo 
1846 reiste er nach Deutschland zuriick 
und brachte den Winter 1346/47 in 
Berlin zu. Als er im Friihjahr 1847 
erst seine Vaterstadt Altona und spater 
Kopenhagen besuchte, ward der Kiinstler 
in Anerkennung seines Talentes von 
Konig ChristianVIII . zum Ritter 
des Dannebrog»Ordens ernannt. Noch 
in diesem Jahre reiste er nach Berlin, 
urn Elisabeth Lewald, die Schwester 
der beruhmten Schrif tstellerin Fanny 
Lewald. nunmehr vermalten S t a h r , 
als Gattin in sein Haus zu fiihren. Mit 
ihr unternahm er eine neue Studienreise 
nach Oberitalien. I m Jahre 1848 verlor 
G. seinen koniglichen Gonner und Macen 
ChristianVIII . und zog sich wahrend 
des bewegten politischen Lebens in land« 
liche Einsamkeit zuriick. Er hatte sich zu 
diesem Behufe eine kleine Besitzung in 
Neschwitz in Sachsen gekauf t . Nach drei» 
jahrigem Landauf enthalte iibersiedelte G. 
1881, der noch zuvor eine Studienreise 
nach Dalmatien gemacht, nach Wien. 
Seit dieser Zeit lebt er, einzelne Kunst« 
reisen ausgenommen, ununterbrochen in 
der Residenz seiner Kunst und seiner 
Familie. I m Sommer 1833 unternahm 
er, dieses Mai allein, eine neue Studien« 
reise nach Italien, wohin er, urn die 
Pariser Industrie» und Kunstausstellung 
zu besuchen, den Weg iiber Paris nahm, 
im Winter 1888 eine Reise nach Grie« 
chenland. Gurlitt ' s groBere Bilder 
befanden oder befinden sich noch in der 
Privatgallerie des Konigs Christian 
VIII. von Danemark, es sind darunter 
vier groBe danische Charakterlandschaf ten 

(1840,1841); in der koniglichen Gallerte 
zu Kopenhagen, darunter zwei groBe 
Landschaften aus Iiitland (1840) und 
„Strand bri Nullen" . Ein groBes Bild, eine 
reizende Partie des Comersees vorstellend 

(1848), ist im Besitze der Gallerie des 
Konigs von Hannover. Fur die jetzt verwitwete 
Kaiserin von NuBland malte er 
nebst mehreren kleineren Bildern ein 
groBes: „Palermo mit dem Monte Pellegrina 
van santa Maria bell' Oesn" (1848). I n 

Seite 60 



Wurzbach0 6 . txt 
Privatsammlungen einzelner Kunstfreunde 
in Hamburg, Altona, Kopenhagen, Pa» 
lermo u. s. w. sind manche der herrlichsten 
Bilder dieses Kunstlers versteckt. Ich lasse 
hier noch ein Verzeichnis seiner Bilder 
folgen, welche wahrend des zehnjahrigen 
Aufenthaltes Gurlitt ' sin Wien in den 
of f entlichen Kunstausstellungen zu sehen 
waren. I n den Ausstellungen des (neuen) 
osterreichischen Kunstvereines : 1851: 
„Kloster bei Giuitrlla im salmm Gebirge" 

(200 Friedrichsd'or) ; - 1852: „Orlrn 

am Muhlenbach", holsteinische Landschaft 

(273fi.); ~~ „AU5 dem Albaner Gebirge", mit 
dem Blick auf die pontinischen Siimpfe 
und das Volskergebirge (2000 f 1 . ) ; — 
„P115ilisipll bei Neapel" (630fi.); - „Grnzaull 
am Nemi-Zee bei Norn (300 St.); — 1853: 
„Nurca di Oatlara, da5 F'urt San Giounnni und 
die montenegrinischen Nrrgr", im Besitze der 
Frau Erzherzogin Sophie (700 St.); — 
Ncr Haken von (9rauu211 in Nalmatirn" 

(200 f i . ) ; — „Fart Precirra", der auBerste 
Posten im Suden Oesterreichs (230 f i . ) ; 

- „Strand bei Aagn511" (330 f i . ) ; - 
„Strand bei Mlsingiir am Snnde mit tm Zchwr-? 
Gurlitt Gurlitt 

tuschen Kiiste und dem Schlaft Urnnruburg 
(630 fi.); — „Mndschlllt in der Nahe der 
Mnebnrger Mde" (300 f 1 . ) ; - 1854: 
„PuHtll Plllutll, Rnine rines SchlllS5r5 des 
Nonlgg Mathias Ooruinus im Nakun A rr 
Walde. GllgeZllnbrnch" (300 f 1 . ) ; - „Nie 
Nucht ulln Ntegline in der Vllrca di Gattara" 
(200 fl.); - 1855: „Ischia"; - „Ans 
dem Rlbnuer Gebirge bei Vrlletri" (630fl.); — 
„Iu5 dem Babiner Gebirge". I. Rosate, in 
der Feme ein Theil des Albaner Gebirges, 
der romischen Campagna und des Meeres. 
Eigenthum des Hamburger Senators 
Ienisch (1000 f 1 . ) ;- 1856: „Nie (51be 
bei Altonn, M Zeit der Gbke" (630 fl.); - 
„HrrbZtnlllrgen nnZ der romischen Oampagiill" 
(300 St.); - „S°rrrnta" (230 ft.); - 
„Partie ant Oapri" (230 fl.); - „Ner Grun- 
Hachrr bei Ueichmau. Im Herbst" (300 St.); 

— „Eingang in das Mllenthal mit dem Schneeberge" 
(330 St.); — 1857: „Ins dem Fabincr 

Gebirge". I I . (800 St.); - „Norra di 
Clltwll, bei G115tel nuonll" (630 St.); - 
„Sudliche Orenze ulln Hlllmatien, bei I A astna. 
Gemitterlllndachakt" (130 St.); — „Nnchrn am 
WllZsrr". holsteinische Landschaft (600 fl.); 

— „Herbswbrnd imZabiner Gebirge" (800 St.) ', 

- 1858: „Nie kleine Marine Ulln <5iipn" 

(300 St.); — „HardailgerFillru in Narmegen" 
(700 St.); — in der akademischen Ausstellung 
bei St. Anna 1838 : „Partie bei 
Palermo" (600 st . ) . Von seinem letzten 
Kunstausstuge nach Griechenland hat er 
eine reiche Mappe mitgebracht . Nach seiner 
Riickkehr malte er einen Cyclus grie» 
chischer Landschaften fur Baron S i n a 
und die „Mroplllis uon Ithrn" fur Se. 

Seite 61 



Wurzbach0 6 . txt 
Majestat den Konig von Wiirttemberg. 
G u r 1 i t t hat auch einige Blatter radirt. 
I m „Wiener Kiinstler-Album" befindet 
sich eine von ihm selbst radirte Land» 
schaft. Auch erschien von ihm 1837 in 
der literarisch . artistischen Anstalt (Zamarski 
in Wien) eine „Funaschattoschnle . " 
Ende 1859 iibersiedelte er — indem seine 
Familie vorausging, er hingegen bis 
December in Wien blieb — nach Deutschland 
, und zwar auf eine in Coburg 
oder doch in dessen nachster Nahe angekaufte 
kleine Besitzung. Als Kiinstler 
zahlt G. zu den Koryphaen der Gegenwart 
im Landschaf tsf ache . Er hat die 
Reize des Nordens und Siidens belauscht 
und gibt sie mit aller Wahrheit und 
allem Zauber in seinen Bildern wieder. 
I n ihm offenbart sich eine eigenthumliche 
Mischung des Naturalismus und der 
stylistischen Richtung, und indem er die 
Natur gerade so malt, wie er sie in sich 
aufnimmt, so sind seine Bilder zugleich 
Copim der Natur und Ideale seiner 
Kiinstlerseele . Eigenthumlich geht er auch 
vor, wenn er ein Bild, das sehr gefallt, 
fur jemanden copiren soil. Beide Bilder, 
Original und Copie, stellen nur ein und 
dieselbe Gegend vor, aber jedes ist verschieden 
und sonach die Copie in ihrer. 
Art ein Original. I n seinem Widerwillen 
gegen jede Knechtschaft wird ihm 
die sclavische Nachahmung, Nachzeichnung 
seines eigenen Bildes, unmoglich. Ohne 
in eine Manie zu verfallen, tragt jedes 
seiner Werke so augenscheinlich den 
Stempel seines Genius, daB es auf den 
ersten Blick als sein Werk zu erkennen ist. 
Illustnrte Zeitung, herausg. von I.I. Weber 
(Leipzig, Fol.) 1866, Nr. 638 (9. Februar) : 
Biographische Skizze (von Dr. Wurzbach) 
''mit dem sehr ahnlichen Portrait in Holzschnitt 
und einer Copie des beruhmten Bildes: „R osate 
imSabiner Gebirge". Die Portrat» 
Zeichnung des Holzschnittes ist von dem bekannten 
Wiener Portratmaler Krieh iiber gearbeitet A . 

— M ii 1 1 e r von Konigswinter (Wolf, 
gang), Diisseldorfer Kiinstler aus den letzten fiinf 
und zwanzig Jahren. Kunstgeschichtliche Briefe 
von (Leipzig 1834, Rud. Weigel, 8».) S . 333. 

— M ii 1 1 e r (§r.), Die Kiinstler aller Zeiten 
und Volker (Ttuttgart, Ebner und Seubert, 

gr. 8«.) Bd. I I , S. 324. - Brockhaus ' Con . 
versations-Lexikon ( w . Aufl.) Bd. V I I , S . 319. ¥ 
Gusmann GuB 

— Ausstellungs-Kataloge des (neuen) Oesterr, 
Kunst-Vereins : 1852: Janner Nr. 59; Februar 
Nr. 47; Juni Nr . 22; August Nr. 37; Septem« 
ber 31r. 8; — 1853: Janner Nr. 3; Februar 8; 
April 10, 32; Mai 11; October 15, 26; November 
24; - 1854: Janner 4; Marz 63; April 

14; Ortober 12; - 1855: Marz 4; April 4; 

Mai 39; October 19; - 1856: Janner 37; 

Februar 18; Marz 10, 56; November 127; December 

Seite 62 



Wurzbach0 6 . txt 
19, 4 1;- 1857: Janner 33; Februar 1; 
Mai 5, 28; November 1; December 53; — 
1858: Februar 37; April 45. 48. - Portrait. 
AuBer dem oben erwahnten, einzig ahnlichen 
Bilde des Kiinstlers in Holzschnitt, besteht noch 
ein Stahlstich, ohne Angabe des Zeichners und 
Stechers, mit dem Facsimile seiner Unterschrif t : 
Louis Gurlitt; wenig ahnlich. Es bildet eine 
Beilage der „Allgemeinen (Leipziger) Moden- 
Zeitung" . Herausa, vonvi-. Aug. Diezmann. 
Gusmann, Franz, mit dem Klosternamen 
Julius (philosophischer Schrift» 
steller, geb . zu Wien 4. Oct. 4702, 
gest. wann?) . Sohn eines Kaufmannes. 
Besuchte die Schulen in Wien und trat 
1721, 19 Jahre alt, in das Stift der 
regulirten Chorherren des h. Augustin 
zu Vorau in Steiermark. I n Gratz horte 
er die Theologie und 1723 empfing er 
die h. Weihen. Vorerst widmete er sich 
der Seelsorge, dann bekam er die Aufsicht 
iiber die Stif tsbibliothek und ver« 
fertigte in den 6 Jahren dieses Amtes 
den Katalog der Manuscripte. Von 1742 
bis 1731 bekleidete er das Hofmeisteramt 
zu Gratz und war Novizenmeister der 
Chorherren, welche in Gratz den Studien 
oblagen. 1751 bekam er das Decanat 
im Stifte und wirkte auf diesem Posten 
23 Jahre, zugleich war er Conf istorial« 
rath des Furstbischof s von Seckau. Am 
8. September 1778 feierte er zu St. 
Stephan in Wien die goldene Iubelmeffe 
seines fiinf zig jahrigen Priesteramtes . Als 
philosophischer und theologischer Schrift, 
steller verof f entlichte er mehrere Werke: 
". Vol. 3 (Gratz 
1736-1761) ; - „ 

ens«. Vol. 2 (Neustadt 17.., 8".); - 
z'" (Gratz 
1770) ; - cis 
2 part62. (Gratz 

1786, 8«.). Bezuglich seines philosophischen 
Werkes bemerkt de Luca: „Da er 
zu Gratz die Philosophie studirte, konnte 
er sich nicht bequemen, ein Freund der 
peripatetischen Weltweisheit zu werden, 
und da er in der Folge eine so groBe 
Anzahl ihrer Anhanger fand, die noch 
dabey die widersinnigsten Meynungen 
herumtrugen und verbreiteten, sieng er 
an, dawider zu schreiben, vertadigte (sie) 
eben zu dieser Zeit die eingefuhrte neue 
philosophische Lehrart, welche als eine 
Neuerung ihre Widersacher hatte". 
Meusel (Johann Georg) , Lexikon der vom Jahre 
1730 bis 1800 verstorbenen teutschen Schrif tsteller 
(Leipzig 1802 u. f., Fleischer, 8«.) Bd. I V , 
5 . 483. — (De Luca), Das gelehrte Oesterreich. 
Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen'sche 
Schriften, 8".) Vd. I , Stuck 1. S . 16. - Der 
„Geschichte und Erinnerungs-Kalender " (Wien, 
Sollinger, 4«.) vom I . 1830, S. 8a, gibt den 
6. August 1732 als G. 's Todestag an. Das ist 

Seite 63 



Wurzbach0 6 . txt 
unrichtig, denn am 8. Sept. 1775 feierte er noch 
das 30jahrige Jubelfest seines Pricstcramtes . 
Vielleicht ist es 1782. 
Gusmann, siehe auch: GuchlllllMl, 
, S. 21. 

GuB, Karl (Alterthiimler , geb . 
zu Briir in Bohmen urn 1738, gest. 
wann?) . War eines Scharf richters Sohn 
und sah sich nach den Vorurtheilen 
damaliger Zeit — man schrieb 1770 — 
von jedem anstandigen NahrungSzweige, 
vom Studium ausgeschlof f en und mit 
Gewalt auf die Verfolgung der vaterlichen 
Laufbahn gedrangt . Erst funfzehn^ 
GuB 

Jahre alt, vollzog er die erste Hinrichtung 
und dann mehrere an verschiedenen Orten 
an dem Tode verfallenen Verbrechern. 
Neunzehn Jahre alt, erhielt er von der 
Stadt Eger das Bestallungs . Decret als 
wirklicher Scharf richter mit 34 fl. Gehalt, 
freier Wohnung, sechs Strich Korndeputat 
und den Hinrichtungssporteln . Da 
letztere doch nur einige Mai im Jahre 
abfielen, so warf sich GuB auf arztliche 
Behandlung kranker Menschen und 
Thiere. Die graduirten Manner legten 
ihm dabei manches HinderniB in den 
Weg; dafur lachelte ihm die Liebe. Er 
hatte ein hiibsches Madchen aus guter 
Familie so gliicklich behandelt, daB sich 
dasselbe aus purer Dankbarkeit in den 
von Person ganz stattlichen Scharf richter 
verliebte und sich von ikm, da die Familie 
natiirlich nichts von einer Verbindung 
mit einem Scharf richter wissen wollte, 
entfiihren lieB. Aber kaum hatte er gehet« 
rathet, so brachen die Existenzbedingungen 
unter ihm zusammen. Kaiser Joseph 
hob die Todesstrafe auf — und die 
Scharf richter wurden iiberflussig. Jetzt 
warf er sich ausschlieBlich auf die Behandlung 
von Kranken und cultivirte nebenbei 
als Lieblingsbeschaf tigung das Sammeln 
alter Miinzen. Er lieB sich oft als einziges 
Honorar, das er beanspruchte, von 
einem durch seine Bemuhungen genesenen 
Kranken die Nachweisung geben, wo 
Jemand im Besitze alter Miinzen sei. 
Diesen suchte er dann heim und handelte 
die Schatze von ihm ein. Daneben nahm 
er auck altc Gewehre, Schwerter, Lanzen, 
Gerathe, Kruge, kurz Alles, dessen er 
habhaft werden konnte. Seine Munzsammlungen 
waren von den Schwertern 

garnirt, mit denen er die Hinrichtungen 
vollzogen hatte. DreiBig Jahre sammelte 
der unermiidliche Mann und machte 
wahrend dieser Zeit recht interessante 
und vornehme Bekanntschaf ten, da sich 
sein Ruf immer mehr ausbreitete und 
auch das Ausbliihen des nur eine Stunde 
von Gger entfernten Badeortes Fran» 
zensbad eine immer mehr steigende 

Seite 64 



Wurzbach0 6 . txt 
Zahl von vornehmen Fremden nach 
Eger lockte. Mit Stolz erzahlte GuB, 
daB Goethe mit einer beruhmten 
Opernsangerin bei ihm ein Friihstiick ein« 
genommen. Als GuB alt wurde, sah er 
sich nach einem Platzchen urn, wo er 
sich selbst und seine Sammlungen ruhig 
betten mochte, da ihn der Gedanke qualte, 
daB die letzteren nach seinem Tode zer» 
splittert werden konnten. Seine Samm» 
lungen waren inzwischen auch so ange« 
wachsen, daB die Miinzen allein an reellem 
Metallgehalt und abgesehen vom nunns» 
malischen Werthe einen Betrag von 
12.000 Gulden in Zwanzigern leprasen» 
tirten. Der durch seinen Briefwechsel mit 
Goethe bekannt gewordene Magistrats» 
rath Griiner aus Eger, Vater des 
osterreichischen Consuls in Leipzig, nahm 
sich der Sache an und bestimmte den 
Staatskanzler Fiirsten Metternich, die 
Sammlungen fur das SchloB K6nigs» 
wart zu requiriren. Man stellte dem 
Premierminister von Oesterreich vor, daB 
er doch fuglich nicht mit einem Scharf» 
richter unterhandeln konne . Aber Fiirst 
Metternich gab den Bescheid, „daB 
dies nichts zur Sache thue, G. sei ein 
allgemein geachteter wissenschaftlich ge> 
bildeter Mann, mit dem zu verkehren 
Niemanden zur Unehre gereiche." GuB 
erwarb sich nun das Egerer Biirgerrecht 
und trat dem Fiirsten Metternich seine 
Sammlungen gegen eine Leibrente von 
300 fi. und die Custosstelle im Schlosse 
Komgswart ab, wo er bis zu seinem 
Tode der treue Hiiter seiner Schatze blieb. 
I m Auslande circuliren ganz fabelhafte 
Sagen iiber G. So erzahlte man, daB^ 
Gussago Gustermann 

G. Scharf richter wurde, weil sein Vater 
ein Mai im Zorn ihn zum Henker geschickt 
habe . Den Sohn habe aus Krankung die 
fixe Idee erfaBt, das Zorneswort des 
Vaters buchstablich wahr zu machen. Er 
ging hin und wurde — Henker! 

Allgemeine Theater-Zeitung . herausg. von Adolph 
Bau erle (Wien, Folio) 1857, Nr. 56. 
Gussago, Jacob (biograph. Schrift- 
steller, geb . in der Provinz Brescia 
in der zweiten Halfte des vorigen Jahrhunderts 
. gest. wann?) . Trat in den 
Orden der Minoriten und verof f entlichte 
mehrere literarisch ' biographische Werke, 
u . z . : „H/smon ' s 
1702, mit Portr., 8".); - 
1804, 

8". ) ; - „H A, si' 
H' M/a)-/" (Vrescia. 1808) 
sfehlt in Oettinger's Vidli 
; — und in der 
(Okiari 1824, 8".) gibt er 

Nachricht iiber jene Schrif tsteller , welche 
in dem unweit Brescia gelegenen Chiari 

Seite 65 



Wurzbach0 6 . txt 
geboren wurden. Er scheint bejahrt ge . 
storben zu sein, denn sein letztes Werk 
erschien noch im I . 1824. 

Nica. ai V6U62ia (VsneaiF 1837) H^penuios 
8. 168. 

Gustav Prinz von Wasa, siehe: 
Wasa, Gustav Prinz von. 
Gusterumnn, Anton Wilh. (Rechtsg 
elehrter, geb . in Wien urn das 
Jahr 1760. gest. ebenda 24. Janner 
1823) . Swdirte in Wien und brachte sich 
durch Unterrichtertheilen fort, Johann 
Heinr. van der Heyden, Professor 
des Staats« und Lehenrechtes an der 
Wiener Hochschule, verwendete ihn acht 
Jahre als Repetenten seines Faches. 
Dieses und das Kirchenrecht trug er auch 
bei der galiz. Abtheilung der kais. Leib» 
garde unentgeltlich vor. 1796 erhielt er 
aus letzterem Gegenstande die Correpeti» 
torsstelle an der Theresianischen Ritterakademie 
und, als 1797 eine selbststandige 
Lehrkanzel dieses Faches begriindet ward, 
wurde sie ihm zu Theil. 1803 hatte er 
auch das Censoramt im Gebiete der 
Rechtswissenschaf t und Geschichte zu iiber. 
nehmen. Alle diese Stellen bekleidete er 
bis an seinen Tod, der ihn im Alter von 
63 Jahren erreichte. Er gab nachstehende 
Werke heraus: „Nes M w 5 Cichtan Mangien 
Wissenschaft der Gesetzgebung . Zw5 dem 
Italienische» iibersetzt. I . Gheil" (Wien 1784, 
8".); — „Kurze Geschichte PrenZZens mit 
Trkunden nni> Anmerkungen" (Wien 1786); 
— „Versuch eines ulllkt'aMgrn osterreichischen 
swlltsrechts" . I. Theil (ebd. 1793), nicht 
mehr erschienen; — „GeZterreichizchrZ Airchenrecht 
in den deutschen, ungarischen nnd galizischen 
Grbswllten" . 3 Theile (Wien 1812, 
gr . 8<>.); — „Ausbildung der Verfassung des 
Konigreichs TnMn" . 2 Bde . (Wien 18 11, 
Doll); — „Fllrinularbuch zu praktischen und 
gerichtlichen Ausatzen in den K. k. Staaten" . 
2 Theile (Wien 1812); — „Ungarisches 
Zwtsrecht". I. Vd. (Wien 1818); - 

„ Gesterreichische Prilllltrechtssiraiis , enthaltend 
das gerichtliche Verfahren in biirgerlichen Rechtssachen 
und den InstizgeschiittLZtql" . 3 Bande 
(2. Aufl. 1803, 3. Ausg. in 2 Banden 
1823) . 

Geschichte- und Vrinnerungo ' Kalcnder (Wien. Solinger, 
4°.) 1828, S. 9 Munterm 24. Janner). - 
Oesterr. National-Encyklopadie von G r a f f c r 
und Cz ikcinn (Wien 1833, Selbstverlag) Bd. 
I I , S. 442. - Mcusel (Ioh. Georg) , Zweiter 
Nachtrag zu der vierten Ausgabe des gelehrten 
Teutschlands (Lemgo 1787, Meyer'sche Buch ' 
Handlung) S.113 A nach diesem und nach Graffer 
ist er der Verfasser der „Kurzen Geschichte 
PreuBens" — nach Kayser's Bucher<Lexikon^ 
Guftinyi Gutmann 

Bd. I I , S. 462. ist eS ein zweiter, Namens 
Franz Gustermann A . 
Gustinyi auch Gllsztinlii, Johann 

Seite 66 



Wurzbach0 6 . txt 

(Bischof von Neutra, geb . im Arvaer 

Comitate 1718, gest. zu Mocsonok 

1777) . Betrat die geistliche Laufbahn 

und wurde in das Erlauer Seminar auf» 

genommen. Durch seine Geistesgaben 

lenkte er die Aufmerksamkeit des Bischofs 

von Erlau, Gabriel Anton Grafen von 

Erd 6 d i , und seines Nachfolgers, Franz 

Grafen Barkoczy de Szala (Bd. 

S. 439), auf sich. Alsbald wurde er zum 

Domherrn in Erlau und zum Pralaten 

der konigl. Tafel ernannt. Als Erzbischof 

Barkoczy in Erlau das Lyceum fur 

den jungen Clerus errichtete, leistete ihm 

G. hilfreiche Hand. I m Jahre 4766 

ernannte ihn Kaiserin M a r ia Theresia 

zum Bischof von Neutra, zum Oberge« 

span des Neutraer Comitates und zum 

geheimen Rathe. Auf dem Berge Kovcsd 

nachst Neutra lieB er fur den damals 

entstandenen, jedoch vom Papste nicht 

genehmigten Orden der Nazarener ein 

Gebaude errichten. Fur Kirchen, Schulen, 

Geistliche, Gelehrte, Waisen und Kranke 

bewies er stets groBe Freigebigkeit . Als 

der reformirte Prediger zu Koros, Siephan 

Helmeczi, das Werk „IFH88AF 

d. i. Der Schild der Wahrheit 

Utrsoli A 1743) herausgab, 

entgegnete ihm Gusziinyi mit dem 

Werke: „ AHvo'ssA H/anna/a . . .", d.i. 

Das Manna deS Heils (Vrian 1739, 

A oi.) . Helmeczi's Schrift, welche G. 

im eben benannten Werke bekampft, handelt 

von dem Sacrament des h. Abend» 

mahles und behauptet: in seiner ursprunglichen 

Einsetzung werde es von der 

helvetischen Confession gefeiert. Als G. 

seine bischofliche Wiirde antrat, verof f entlichte 

er noch einen Hirtenbrief, der ein« 

fach als „LpiZtota" (Tyrnau 1766) im 

Drucke erschien, und Regeln, Pflichten 

und die eigentliche Weise des Priesteramtes 

erortert . 

Hl>os A <3amus A , Oratic» els Ikuaidus »7 . <3u 8 2» 

t i n A i , 6xi2<:oM A iti-ieusis oto. (?o2on.t777, 

?ol.). A In Oettinger's VidIio3ra.Mo dio- 

TraZkicins (LrULLbi 1854, A . A . 8tisuo2, 

I A ex. 8<>.) erscheint er irrig als iLtvau. A — 

C-Vien 1776, A nt. I.o6 A v6, 8«.) La. I I , 8. 49 
und 8. 92 lim Artikel: HelinLt"' 1 . - KIa> 
d. i. Ungarische Schrif tsteller . Sammlung von 
Lebensbeschreibungen . Von Jakob Ferenczy 
und Joseph D a n i e 1 ik (Pesth 1836, Gustav 
Cmich) S. 169 Erscheint da als 6- A 22 t s u A i A . 
— (D e Luca) , Das gelehrte Oesterreich. Ein 
Versuch (Wien 1776, Ghelen'sche Schriften, 8«.) 
Bd. I , Stuck 1 , S. 163. - .VaF? A vii? A . 
5211i-ui3 , A liiii tadla A al, d. i. Ungarns Familien 
mit Wappen und Stammtafeln, herausg. von 
I . Nagy (Pesth 1859, Rath, gr. 8") Bd. IV, 
S. 438. 

Gllszalewicz , Johann (ruthenischer 
Dichter, geb. zu Pauszawka in 

Seite 67 



Wurzbach0 6 . txt 
Galizien 10. Dec. 1823). Widmete 
sich dem geistlichen Stande, und erhielt 
die Weihen als Priester der griechisch. 
katholischen Kirche. Er trat das Lehramt 
an, und wurde supplirender Lehrer der 
ruthenischen Sprache und Religion am 
zweiten Lemberger Gymnasium. Selbst» 
standiges hat er bisher noch nicht im 
Drucke erscheinen lafsm, aber zahlreiche 
Gedichte in ruthenischer Sprache gab er in 
Zeitschrif ten seines Vaterlandes heraus. 
Truska (Heliodor) , Oesterr. Friihlings«Aldmu 
1834 (Wien, Braumiiller, kl. 4») s3 oder 4 
Eremplare dieses zur Vermalungsf rier Ihrer 
Majestaten des Kaisers Franz Joseph und 
der Kaiserin Elisabeth herausgegebenen 
Festbuches enthalten biographische Notizen der 
Dichter, deren Beitrage das „Fruhlings-Album" 
enthalt . Einem solchen sind die obigen Daten 
entnommen A . 

Gutmann, Alexander (Maler, geb . 
in PreBburg und lebte im vorigen? 
Gutmann Gutrath 

Jahrhundert) . B a 1 1 u s in dem unten 
bezeichneten Werke gibt nichts Naheres 
iiber ihn an, als das Folgende: „ G . hielt 
sich eine Zeit lang in Dresden auf, wo 
er das Gliick hatte, bei Franz Palko 

(gest. 1760) seine Kunst griindlicher zu 

erlernen. Er schrankte sich iibrigens nur 

auf Historienmalerei ein." AuBerdem 

gedenken dieses Kijnstlers weder Nagler 

noch M u 1 1 e r , denn iiber den Irrthum 

des Letztern, anlaBlich eines Kijnstlers 

gleichen Namens, siehe unten die Quellen. 

B a 1 1 u s (Paul v.), PreBburg und seine Umgebungen 

(PreBburg 4823. 31. Schwaiger und I . 

Landes. 8".) S.183. - Hr. M u 1 1 e r ' 6 „Kunstler 

aller Zeiten und Volker" (Stuttgart t827 

u. f., Ebner, gr. 8<>.) Bd. I 1 , S. 327, gedenkt 

noch eines Kijnstlers, Namens Johann Caspar 

G u t t m a n , der von 16N9 bis t685 in 

Prag und Brunn gearbeitet. M u 1 1 e r gibt als 

Quelle Dlab arg's „Kijnstler-Lexikon" an. 

Das ist Alles unrichtig. D 1 a b a cz fuhrt einen 

Kiinstler mit Namen Guttmann gar nicht 

auf; und der von M u 1 1 e r genannte ist identisch 

mit dem von Dlabacz unter dem Namen 

Johann Caspar Guttwein auf gef uhrten . ) 

Gutmann, Heinrich Karl, Pseudonym 

filr Glatz, Jacob, siehe diesen Artikel 

Band V, S. 209. 

GutUlllllll, Jacob, siehe: Outtmailll. 

Gutowsli, Adalbert W a 1 e r , gcb . 

zu A S A cz bei oder in Krakau selbst 

1733, gest. in Krakau urn 1812) . Ein 

Schiiler des Malers M o 1 i t o r , der ein 

schones Talent besaB. Er malte Portrate 

in Oel und fiihrte auch einige Fresken, 

u. A. jene in der Kirche zu Iedrzejow 

aus . I n der Kirche zu Niepolomice befinden 

sich zu beiden Seiten des Hoch« 

altares zwei groBe Oelgemalde, beide 

1804 von ihm gemalt . Das eine Bild 

Seite 68 



Wurzbach0 6 . txt 
stellt vor die „Gr5chichte der tthntanZend 
Martyrer", das zweite die „Grundung der 
Kirche jn Tliepalumirl" . Idee und Ausfuhrung 
beider Bilder werden von Kennern 
belobt. Die Portrate der Familie 
Konopka, im Jahre 1784 gemalt, 
welche sich zu Modlnice im Krakauer 
Gebiete befinden, sind gleichfalls sein 
Werk. I m Kampfe urn den Gewinn des 
taglichen Brotes war es ihm nicht moglich, 
sein Talent zum Durchbruch zu bringen 
und zu jener Bedeutung zu erheben, 
deren es unter gijnstigen Verhaltnissen 
sich erfreut haben wiirde. 

t832, d. i. Haus-Kalender auf das Jahr 1832, 
von A. Galyzowski (Warschau) S. 26.— 
palakicd Marios ode^ck n Police ol-iaat^e ! : , 
d. i. Worterbuch der polnischen oder in Polen 
sefthaft gewesenen Maler (Warschau 18N0 u. f, 
Orgelbrand, Ler. 5".) Bd. I, S. 1 9 1 . 
Glltllltl), Odilo von (gelehrter Vened 
i c t i n e r , geb . zu Salzburg 1665, 
gest. zu Seewalchen im Hausruckviertel 
14. April 1731) . Entstammt einer 
alten und vornehmen Salzburger Familie, 
jener der Alten-Gutratl) . Gr trat in den 
Bemdictiner-Orden, wurde Conveutual 
des Stiftes zu Michelbmern, spater 
Novizenmeister , Subprim und Prior 
daselbst imd zuletzt Administrator in 
Seewalchen, wo er aucl) im 66. Jahre 
seines Alters und im 46. seines Priesterf tandeo 
verschied. Er beschaftigte sich mit 
mathematischen und geographischen Stu' 1 
dien und gab heraus eine 
nilt» »chr Irichtr Iilwritiuiig ; in 
(Salzburg 1713, Mayer, mit Titelk. und 
2 Karten) . Die eine der zwei in diesem 
Werke enthaltenen Karten steltt das 
„Erzstift Salzburg sammt den angren' 1 
zenden Orten", die zweite den „Pfarrumfang 
des Klosters Michelbeuern" vor. 
G.'s Karte behauptete lange Zeit hindurch 
eine groBe Bertihmtheit; die Vorziige, 
welche sie vor der alten Karte des 
Marcus Setznagel (1820—1390) voraus 
hatte, erwarben ihr diese. Erst 
Vierthaler wies die Unrichtigkeiten^ 
Gutrath 47 Gutsmann 

derselben nach, ohne ijbrigens die Ver» 
dienste des gelehrten Moriches zu schmalern. 
Koch-Sternfeld berichtet auch 
von einer Karte der Strafien von Salz» 
burg bis Neuotting mit den cumulativen 
Antheilen BaiernS auf Salzburgischem 
Territorium, welche Gutrath entworfen 
haben soil. 

Pillwein (Benedikt ) , Biographische Schilderun« 
gen oder Lexikon Salzburgischer , theils verstorbener , 
theils lebender Kijnstler. . . (Salzburg 
1821. Mayer'sche Buchhandlung, kl. 8°.) S. 74. 
— Vierthalrr (Fr. Mich.) . Wanderungen 
durch Salzburg (Wien 161N) S . 21, 23-25. 
— Intclligenzblatt uon Salzburg. vom I . 1800, 

Seite 69 



Wurzbach0 6 . txt 
S. 612—616. — Einem Chuno Gutrath 
schreibt die Sage das Werk der sogenannten 
Almleitung durch den Felsen des Monchsberges 
in die Stadt Salzburg zu, welche er unter dem 
Erzbischof Arno (Salzburgs letzter Bischof und 
erster Erzbischof 793-821) ausgefuhrt haben 
soil. A Pillwein am angez. Orte. S. 74.) 
Glltrath, Rupert (gelehrter Bened 

i c t i n e r , geb . zu Salzburg 13. Dec. 
1723. gest. 2 1 . Nov. 1778). Ueber den 
Lebensgang dieses gelehrten Moriches ist 
nichts bekannt . Er war ein fruchtbarer 
Schrif tsteller und gab folgende Werke 
heraus: „ Ol'cliT'l'oa / c A s Ii/«Vi) Ho/ ) / ! ? ' tt 
" (Salzburg 1733) ; 

(ebd. 1733) ; - 

(ebd. 1733) ; - 

(ebd. 1733, 4". ) ; - 
1733, 4-. ) ; - „ 
" (ebenda 

(ebd. 1733, 4". ) ; - 

A w " (ebd. 1763, 4". ) ; - 

(ebd. 1763, 4". ) ; - 

1772, 4 A .); 

61" (ebd. 

A a" (ebd. 1773, 4". ) ; - 

" (ebd. 1774, 4«. ) ; - „ 

??lz" (ebd. 1777, 4<>. ) . - 

Seine bei der tausend jahrigen Jubelfeier 

der Benedictiner-Abtei zu Kremsmunster 

(1777) gehaltene Rede befindet sich in 

der gedruckten Beschreibung dieses Festes. 

Nach seinem Tode erschienen im Drucke: 

s". 2 Bande (Salz« 

burg 1784, gr. 8".) — und „Oakowss 

— ao 

(ebd. 1783, gr. 8<>. ) . 

Meusel (Ioh. Georg) , Lexikon der vom Jahr 
1730 bis 1800 verstorbenen teutschen Schrift ' 
steller (Leipzig 1802 u. f.. G. Fleischer, 8«.) Bd. 
IV, S. 48.1. 

Glltsmann, Oswald (Sprachfor» 
scher, geb. zu Grafenstein in Karnten 
4. August 1727, gest. zu Klagen» 
f u r t 1790) . Beendete zu Krems die 
Humanitatsclassen und trat im October 
1743 bei St. Anna in Wien in den Orden 
der Gesellschaft Jesu. Nach zuriickgeleg. 
tern Noviziat wurde er kopetenL Kuinknioruiu 
zu Leoben in Steiermark, lehrte 
in den Grammatikalclassen zu Grah drei 
Jahre, und wurde Prafect in der Theref innischen 
Ritterakademie . Nachdem er sich 
der dritten Ordenspriif ung zu Neusohl 
unterzogen hatte, wurde er 1764 A lik-Lion 
«,riu8 und Op6rar5u8 Vin6iou8. Nach 
Aufhebung des Ordens der Gesellschaft 
Jesu verblieb er als k. k. Missionar zu 
Klagenfurt, wo er auch im Alter von 
63 Jahren starb. Er gab folgende 
sprachliche Werke heraus: „Mindische 
Sprachlehre" (Klagenfurt 1777, Kleinmayr, 
8".) ', — „Grundliche Anleitung, die 
mndiZche «Sprache in Kurzer Aeit nnil auk die 

Seite 70 



Wurzbach0 6 . txt 
leichtste Art van Selbsten zn erlernen, nebst 
Verzeichnis windischer Stiimmworter" (verb.? 
Vutftedt Guttmann 

und verm. Aufl. Cilly 1786, Ienko, und 
vierte verb. Aufl. Klagenfurt 1799, Klein 
mayr) ; — „ Deutsch-MndiSches Mrterbnch, 
mit einer Fammlnng der nerdentschtin mndischrn 
Slammmurter und einiger norziiglichirrn abStamwenden 
Mrter" (Klagenfurt 1789) . UeberdieB 
verof f entlichte er anonym in windi» 
scher Sprache Predigten bei K 1 e in mayr 
in Klagenfurt (1770) . 

Annalen der Literatur und Kunst in den osterreichischen 
Staaten (Wien, I . V. Degen. 4".) 
I I . Jahrg. (!8(13) t. Bd. Intelligenzblatt Nr. 8 

(Marz) Sp. 63. - Hio A ?« A «/o/iann . Ve A . A ) , 
8oriVtortz3 krovweiao A uatlilicaO soc A oau. 

( A 'i6ii 1836, I.6X. 8".) 8. 114. - Oesterreich. 
National-Encyklopadie, herausg. von G r a f f er 
u. Czikann (Wien 1833. 8".) Bo. I I , S. 443. 
Olltstedt, Freiherr von, siehe: Vent- 
Heim-Steinf urth, Friedrich Wilhelm Belgicus, 
Fiirst zu. Bd. I , S. 283 A im Arti» 
kel selbst ) . 

Glitt, Bernhard (Schrif tsteller , 
geb . zu P o t s d am 11. Februar 1812, 
gest. zu P r a g 23. Marz 1849) . Studirte 
in Prag die Medicin, widmete sich dann 
daselbst der Belletristik und war mehrere 
Jahre Mitredacteur der „Bohemia" und 
kurze Zeit der „Deutschen Zeitung aus 
Bohmen" . G. war ein feiner und geist» 
voller Kritiker, besonders auf den Gebieten 
der Musik und Dramaturgie. Seine 
musikalischen Kritiken erschienen in der 
„Bobemia", anfanglich mit der Chisfer 
V, spater unterzeichnete er mit feinem 
vollen Namen. Auch schrieb er mehrere 
Novellen, die wohl gedruckt, aber nicht 
gesammelt sind, und ein nicht gewohnliches 
Talent verrathen. Der Tod raffte 
ihn in der vollen Manneskraft — im 
Alter von 37 Jahren — hin. Es war 
dieB fur die deutsch-literarischen Kreise 
Prags ein Verlust. 

Bohemia, herausg. von Franz K 1 u t schal 1849, 
Nr. 78 u. 81.- „Bernhard G u t t als Musiker", 
von A. W. Ambros seine mit pietatvoller 
Liebe geschriebene artistische Skizze iiber das 
Wirken G. 's als musikalischen Kritikers) . Einige 
Nummern spater sein Nekrolog. — Meyer ( I . ) , 
Das groBe Conversations-Lerikon (Hiloburghau» 
sen, Bibliogr. Institut, gr.8«.) Suppl . Vd. Hi, 
S. 4238. 

GuttllllMU, Jacob (Bildhauers 
geb. zu A r a d 181tj. Der Sohn a r t z 
israelitischer Eltern. Verlor friih — mit' 
6 Jahren — seine Mutter. Der V a t e r s 
gab den Sohn zu einem Bijchsenmacher-? A 
in die Lehre. Von 1824-1827 diente') 
G. unter seinem christlichen Meister, dessen 
wie seiner Gesellen Liebe der fleiBige 
anstellige Knabe sich bald erwarb. Bereits 
unter dieser Beschaf tigung zeigte sich 

Seite 71 



Wurzbach0 6 . txt 
das Talent des Junglings. Gravirungen 
auf den Buchsenlauf en, oft mit den 
unpassendsten Instrumenten ausgefuhrt, 
verriethen seine bildnerische Begabung. 
1827 f reigesprochen, ging er mit seinem 
altern Bruder, der das Schneiderhand ' 
werk seines Vaters erlernt hatte, auf 
Wanderung. So arbeitete er 6 Jahre 
in den grofieren Stadten Ungarns : Pesth, 
Gran, PreBburg u. a< 1833 ging er 
nach Wien. Unter der handwerksmaBigen 
Beschaf tigung war seine friihere Neigung 
zum Graviren eingeschlummert . Eines 
Tages in Wien mit einem alten Buchsen» 
lauf beschaftigt, stellte sich dieser unter 
der Hand des putzenden Gesellen alsbald 
als ein Meisterstiick der Gravirkunst 
heraus. Seine alte Neigung erwachte 
und alle seine freie Zeit widmete er nur 
der neuen ihm liebgewordenen Beschafti» 
gung. Ohne Lehrer, schritt er durch 
eigenen FleiB vom Leichten zum Schwie« 
rigern fort. Seine Arbeiten erweckten 
die Aufmerksamkeit des Meisters, der ibn 
alsbald ausschlieBlich zu Gravirungen 
verwendete. Da diese Beschaf tigung als 
freie Kunst keinem Zunftzwange unter» 
liegt, iibte er dieselbe alsbald auf eigene 
Rechnung aus, und 4834 war G. als 
selbststandiger Graveur in Wien gekannt^ 
Guttmann Guttmann 

und gesucht. Im Jahre 1837 erweckte 
in der Kunstausstellung eine kunstvoll 
gravirte Biichse die Aufmerksamkeit des 
Staatskanzlers Fiirsten Metternich. 
Der Meister, der die Biichse ausgestellt, 
erklarte nun, daB der Lauf wohl sein 
eigenes, die Gravirung desselben aber 
ein Werk des jiidischen Graveurs Jacob 
Guttmann sei. Eine Audienz beim 
Fiirsten hatte nun den Erfolg, daB G. 
ein jahrliches Stipendium von 200 St. 
unter der Bedingung erhielt, daB er als 
ordentlicher Zogling die Akademie der 
bildenden Kiinste besuche. Schon im 
2. Semester des ersten Jahres gewann 
G. in zwei verschiedenen A Abtheilungen 
die Preise. Die gekronten Arbeiten waren 
ein „PrM dez NniZers Janpli I I . " , in 
Wachs bosfirt, und ein „Metastagw", in 
Stahlstich gearbeitet. Da er aber unter 
diesen Kunststudien alien Erwerb aufzugeben 
genothigt war, so lebte G. in 
kiimmerlichen Verhaltnissen, welche zu 
decken die 200 st . Stipendium nicht aus» 
reichten. Aber Thatkraft und die Kunst 
zu entbehren fiihrten G. an ' s sehnlich 
erstrebte Ziel. Nach dreijahrigem Besuch 
der Kunstakademie und anderthalb jah» 
rigem des kaiserlichen Antikencabinets , 
etablirte er sich 1843 in Wien als Bildhauer. 
Eine 1844 vollendete Bronzef tatuette 
des Bankiers Freiherrn Salomon 
Rothschild, die G. einem Portrate 

Seite 72 



Wurzbach0 6 . txt 
nachgearbeitet , richtete Rothschild's 
Aufmerksamkeit auf den jungen vielversprechenden 
Kiinstler, der nun von seinem 
Macen 1000 st . jahrliches Stipendium 
erhielt, urn sich in seiner Kunst aus» 
zubilden. G. reiste nach Italien und 
arbeitete in Rom, wo er durch seine 
Kunst bald hochstehende Freunde gewann . 
Der osterreichische Gesandte in Rom, Graf 
EBterhazy, erwirkte dem Kiinstler 1330 
die Moglichkeit, den h. Vater in einigen 
v. Wurzbach, biogr. Lexikon. V I . 
der von ihm ertheilten Audienzen nachzubilden . 
Die Ausfuhrung in Marmor 

gelang G. vortref f lich . Nach Aussprachen 
von Personen, welche den h. Vater von 
Angesicht gesehen, ist Guttmann's 
Biiste das beste plastische Portrait des 
h. Vaters. G. hielt sich noch einige Zeit 
in Rom auf, dann aber abwechselnd 
in Paris und London. Plotzlich urn die 
Mitte des Jahres 4837 verlautete es: 
G. sei in Paris wahnsinnig geworden. 
I n der That bestatigte sich diese Nachricht, 
der alsbald die weitere folgte, daB 
G. in ' s Bicetre gebracht worden sei. 
AuBer den genannten Arbeiten, namlich 
der Bronzestatuette des Freiherrn Anselm 
Rothschild, und der Marmorbuste 
P ius IX., sind von ihm bekannt : Das 
Grabdenkmal des Rabbi Aron Chorin, 
mit dessen Portrait, auf Bestellung des 
Arader israelitischen Iugendvereines ; — 
der „Nlumenspendrr " , Statue in carrarischem 
Marmor; — die Biiste eincr italie« 
nischen Dichterin mit der Inschrift; 
„Ramadan 1830«; — die Biiste von 
„M. G. Saphir" —und das Gyvs« 
modell von „Adolph Bauerle" (beide 
1844), letzteres das einzige ahnliche Bild 
dieses letzten Wieners, von dem viele 
Portrate, aber nicht ein gelungenes, vor« 
Handen sind. AuBerdem hat G. viele Portratbusten 
vollendet. Ueber die Ursache 
seines plotzlich ausgebrochenen Wahn« 
sinns — 0. zahlte damals 46 Jahre — 
wie iiber seinen gegenwartigen Zustand 
ist nichts Naheres bekannt. 

Wiener Kirchen-Zeitung, herausg. uon Sebastian 
B r u n n er 1836, Nr. 44. S. 348. — Wanderer 

(Wiener polit. Blatt, Fol.) 1837. Nr. 157: 
„Bildhauer Guttmann" .— Rheinische Blatter 
fur Unterhaltung und gemeinnut ziges Wirken 

(Mainz, 4«.) 1857, Nr. 255: „Papst Pius IX. 
und der jiidische Bildhauer Guttmann" . — 
Reich (Ignaz), Loek-Ni. Ehrentempel verdienter 
ungarischer Israeliten (Pestl) 1836, kl. 4«.) 
S. 22. - Werth ei mrr (Joseph) Jahrbuch 
4^ 

Guyon 8 9 

fur Israeliten 3618 (1857-1838) (Wien 1837, 
Sommer, kl. 8° . ) Neue Folge, vierter Jahrgang, 
S. 87. - Frankl (L. A.), Sonntagsblatter 

(gr. 8°.) 1844 (III. Jahrg.) S. 1143. 

Seite 73 



Wurzbach0 6 . txt 
G111M, Nina, geborne R o u 1 a n d 

(Schriftstellerin, geb . in W i e n urn 
das Jahr 4813, gest. in A 1 g i e r im 
Marz 1842) . Die Tochter eines Borsen- 
Sensals in Wien. Sie erhielt eine sorgfaltige 
Erziehung und zeigte friih ein 
schones poetisches Talent. Noch als junges 
Madchen hatte sie aus der polnischen 
und schwedischen Geschichte den Stoff 
zu ihrem Romane „Patktil" geschopft, und 
mit diesem Werke zu ungewohnlichen 
Erwartungen berechtigt. Spater erschien 
ihr poetisches Werk: „Migrier" (Wien 
1832) . Eine Herausgabe dieser Dich« 
tungen hatte sie gar nicht beabsichtigt , 
sondern sie wollte nur den „Empsindun« 
gen ihres Herzens Worte leihen"; spater 
auf Zureden ihrer Freunde entschloB sie 
sich zur Verof f entlichung der Gedichte, 
urn ihre Empfindungen jenen Seelen mit« 
zutheilen, „die stumm bleiben am FuBe 
der Gottheit". I m Jahre 1832, als die 
erste Nawrf orscher . Versammlung in Wien 
zusammentrat , lernte sie der franzosische 
Arzt Dr. Guyon kennen; sie vermalte 
sich und iibersiedelte mit ihm nach Algier, 
wo ihm die Sanitatspf lege dieser 
neuen Colonie anvertraut war. Be« 
reitS 10 Jahre hatte sie in ihrer neuen 
Heimat zugebracht und eben zum zweiten 
Male die Gefahren eines Wochen» 
betteS gliicklich iiberstanden, als ein in 
jenen Gegenden iiberhaupt seltenes Na> 
turereigniB ihren Tod herbeif iihrte . Ein 
Gewitter von beispielloser Heftigkeit, so 
daB die altesten dortigen Bewohner sich 
an ein ahnliches nicht zu erinnern wuBten, 
hatte die noch schwache Kranke so tief 
erschreckt, daB eine von gefahrlichen 
Nerven anfallen begleitete Krise eintrat 
welcher die Krafte der Wochnerin nicht 
gewachsen waren, und in Folge welcher 
sie in der Bliithe ihrer Jahre starb. Ihr 
Wirken in der neuen Heimat war segens» 
voll; an der Verpflanzung des Ordens 
der barmherzigen Schwestern nach Algier 
hatte sie selbst wesentlichen Antheil. Ihr 
Biograph Friedrich Witthauer theilt 
auch ein f ranzosisches Gedicht, betitelt: 
„Dtr sosn?« c?s (7Ha' s <i", mit, welches 
von ihr verfaBt ist und in der Algier 'schen 
Zeitschrift: ^klidar" abgedruckt war. 
Es ist bemerkenswerth, daB sie, von 
Geburt eine Deutsche und mit der franzo« 
fischen Sprache nur unvollkommen ver» 
traut, dennoch eben in ihr so gliicklich 
ihre Gefuhle auszudriicken verstand, wie 
es dieses Gedicht beweist. 

Wiener Zeitschrist fur Kunst, Literatur, Theater 
und Mode. Herausa, von Friedr. Witthauer 
1842, Nr. 121. - Frankl (L. A.), Sonntags» 
blatter 1842, S. 448: „Nina Guyon". 
Guyon, Richard Esquire, nachmals 
Kurschid Pascha (Revolutions-Ge . 

Seite 74 



Wurzbach0 6 . txt 
neral der ungarischen Armee im Jahre 
1848, geb. zu B a t h in England 4812, 
gest. inStambul 12. October 1856) . 
Abkommling einer alten, im 17. Jahr« 
hundert aus Frankreich nach England 
ausgewanderten Familie. Er selbst ist 
nach den meisten Quellen Sohn eines 
englischen Vice-AdmiralS, nach Andern 

(Wanderer 4836. Nr. 312) eines Post« 

capitanS in der britischen Marine. 1828 

— 16 Jahre alt — trat er in die britische 

Legion in Portugal ein und machte seinen 

ersten Feldzug gegen Don Miguel mit . 

Nach Auflosung der Legion trat er 1832 

in die osterreichische Armee. Nachdem er 

mehrere Jahre in einem Huszaren«Regi« 

mente gedient, Oberlieutenant und Adjutant 

des Generals S p 1 e n y i geworden, 

nahm er seinen Abschied, vermalte sich 

1839 mit der Tochter seines Generals? 

Guyon Guyon 

und lebte zuriickgezogen auf einem kleinen 

Edelhofe. Spater pachtete er das Came» 

ralgut Csata unweit Gran und war in 

den aristokratischen Kreisen als tollkuhner 

Reiter und Sports mann ersten Ranges 

bekannt . Die Marzbewegung des Jahres 

4848 und das Anriicken des Banus riB 

ihn aus seiner landlichen Beschaf tigung, 

und er trat in die Reihen der ungarischen 

Revolutions-Armee . Erst bei Tyrnau 

(23. Dec. 1848) taucht sein Name auf. 
General Simunich riickte gegen die 
Stadt an, welche gar keine Vertheidi» 
gungsanstalten getroffen hatte, bis 
Guyon einzog, Barrikaden errichtete, 
worauf stch ein morderischer Kampf entspann, 
der mit G. 's Riickzug endigte, 
nachdem er den dritten Theil seine Leute 
verloren. I n der Schwechater Affaire 
fiihrte G., die Tricolore in der Hand, 
sein Regiment zum Sturm auf Manns« 
worth. Bei Komorn (20. April 1849) 
fiihrte G. das Wagestiick aus, mit einem 
Haufen Huszaren durch das Belage» 
rungscorps in die hartbedrangte Festung 
zu dringen, und der BesaBung Nachricht 
von Gocgei's Anmarsch zu bringen. 
Einige Tage spater, als sich namlich am 
26. April zwischen den Kaiserlichen und 
den llngarn der Kampf bei Acs entspann, 
machte G., an der Spitze von 4 Batail» 
Ions, einen Ausfall aus Komorn und 
trug wesentlich dazu bei, daB die Kaiser» 
lichen die Fortsetzung des Gefechtes abbrachen. 
G. riickte nun zum General vor 
und begab stch nach P ercze l'S Abberufung 
von der Siidarmee an die Grenze 
der Bacska. Dort behauptete er in dem 
morderischen Treffen bei Hegyes (13. auf 
den 14. Juli) seine Position, warf Vorrathe 
und Munition in die Festung Peter» 
wardein und hauste, wie seine Gegner 
erzahlen, morderisch unter den Raizen der 

Seite 75 



Wurzbach0 6 . txt 
dortigen Gegend. Beim Angriffe, den er 
am 24. Juli auf Mosorin wagte, wurde 
er von dem Serbengeneral Knioanin 
zuriickgeworf en . Bei Szorog vereinigte 
G. sein Corps mit denen von Mesza« 
ros, Dembinski und Desewffy, 
disponirte spater auf Kossuth's Rath 
die italienische und polnische Legion nach 
Orsova, wodurch er Kossuth's und 
seiner Anhanger Flucht auf tiirkischen 
Boden deckte. Er selbst suchte Zuflucht 
auf turkischem Gebiete und fand, ohne 
zum Islam iibertreten zu muffen, glan« 
zende Aufnahme in der tiirkischen Armee, 
in welcher er den Namen Kurschid 
Pascha annahm. Als tiirkischer General 
commandirte er einige Jahre in Damas» 
kus, dann in Aleppo, wo er 1830 den 
Aufstand der alttiirkischen Partei gegen 
die Pforte unterdriickte . Zuletzt wurde er 
zum Chef des Generalstabes bei der Armee 
des Kaukasus ernannt. An seiner Seite 
kampften mehrere ungarische und pol» 
nische Ofsiciere, deren einige den Islam 
angenommen hatten: Guyon ' s Schwa» 
ger Splenyi (Haider A 1 i Pascha) , 
der polnische Oberst Bystrzanowski 
(Aslon Pascha), Graf Branicki, 
Stein, Kmety (Ismail Pascha) 
u. A. Doch dieser Haufen ungarischer 
und polnischer Fliichtlinge war mehr 
geeignet, die Verwirrung zu erhohen, als 
der Sache, urn die es sich handelte, zu 
niitzen. G.'s herrisches Benehmen machte 
ihn iiberdieB unbeliebt, er wurde ab» 
berufen und durch den englischen Oberst 
Williams ersetzt. Guyon, ein Mann 
der That, aber nichts weniger als ein 
Feldherrntalent , zeichnete sich nur durch 
personliche Kiihnheit aus, mit welcher er 
eine wahrhaft englische Kaltbliitigkeit 
verband. I n der Tiirkei traten seinem 
Wirken zwei wesentliche Hindernisse entgegen, 
er war Auslander und Christ, 

welch' letzterer Umstand die Eifersucht der^ 
OuyOtt 82 Guznncs 

tiirkischen Befehlshaber erweckte, gege' 
deren schlimme Folgen ihn nur seine eng 
tische Abstammung schiitzte. Nach dem 
biographischen Werke: „Die Manner der 
Zeit", ware Kurschid Pascha gegen< 
wartig General«Gouverneur von Beyrut . 
fur Phonizien und Palastina. Das ist 
aber irrig, denn er starb am 12. October 
1886 zu Constantinopel im Alter von 
44 Jahren, und wurde nach anglikani» 
schern Ritus auf dem protestantischen 
Kirchhofe zu Pera begraben. 

Sieger (Fr. Dr.), Erganzungs-Conuersations 
Lexikon, auch Erganzungsblatter (Leipzig und 
Meifien, gr. 8°.) Bd. I X , S. 539. - Zu 
Geschichte des ungarischen Freiheitskampf er 
Authentische Berichte (Leipzig, Arnold' sche Buch» 
Handlung. 5881, 8".) Bd. I , S. 216-224. - 

Seite 76 



Wurzbach0 6 . txt 
L cvitschnigg (Heinrich Ritter v.) . Kossuth 
und seine Banncrschaft . Silhouetten aus dem 
Nachmarz in Ungarn (Pesth 1830, Gustau 
Heckenast. 8".) Bd. I , S. 90 "auf Seite 93 seine 
facsimilirte Unterschrif t . Leo itschnigg charak' 
tcrisirt ihn f olgendermaflen : „wagehalsiger Reiter, 
daher Kediicncz der Dollmany's, d. i. Liebling 
der Huszarm. ein Damjanich in kleiner Ausgabe 
mit englischem Phlegma, wie dieser prachtig, 
wenn er fremde Disposition erhalten, gleich 
wiithig im Gliicke wie auf der Retraitc. Seine 
Rolle: Soldatengliick . Seine Parole: Vsttsi- lw 
au otksr Urns!") . — Manner der Zeit. Bi 
graphisches Lexikon der Gegenwart (Leipzig 1839, 
Carl B. Lorck. 4».) Sp . 419 u. 922 snach diesem 
geboren 1813" j. — Unsere Zeit. Jahrbuch zum 
Conversations ' Lexikon (Leipzig 1857, F. A. Brockhaus, 
gr. 8°.) Bd. I , S. 413. -Pierer's 
Nniversal-Lexikon. Vierte Aufl., I V . Bd. S. 131. 
— Wanderer (Wiener polit. Blatt 1836, Nr. 512 
l"nach diesem ware er 1836 gestorben) . — I 1 1 u - 
strirter Kalender (Prag. K. Bellmann. 4".) Jahr' 
gang I , 1856, S. 65. — Brockhaus' Conversations> 
3exikon (lO.Aufl. ) Bd. VII, S.336. 
Meyer ( I . ) , Das groBe Conversations-Lexikon 
(Hildburghausen . Bibliogr. Instiwt, gr. 8° . ) III . 
Supftl.Bd. S.1241. - ZzitsT-soe", RlH-pesni 
LlovnioLlc (?i-»,F 1830) La. I , 8. 545. - 
Oesterreichischer Volksbote, herausg. von Adolph 
Bauerle. 1849, Nr. 274.'- Portrat. Ein 
solches besteht in Miniatur-Format (320.) Stahlstich 
mit der Unterschrif t : (-sn. <5u.?on. 

1 G u y o n ist im Mantel aufrecht stehend, halbseitig 
und rechtssehend dargestellt . ) 
Guzmcs, Isidor (theolog. Schrif tsteller , 
geb . zu Vamos.Csalad im 
Oedmburger Comitate 7. April 1786, 
gest. i . Sept. 4839) . Den ersten Unterricht 
ertheilte ihm der Bruder seiner Mut» 
ter, Joseph Buday, und die Schriften 
eines vaterlandischen Poeten, des Franz 
Faludi (IV. Bd. S.14Y, die er bereits 
alB Knabe las, aufierten nebst der ihn 
umgebenden Natur nachhaltige Wirkung 
auf seine Seele. Die Elemente der latei» 
nischen Sprache lernte er in der Schule 
von Alsu-Lendva, dann besuchte er die 
Schulen in Guns, Steinamanger , die 
Humanitatsclaf sen in Oedenburg, wo 
Paul Horvath sein Lehrer war. Am 
28. October 1803 trat er in den Orden 
der Benedictiner , aber schon im folgenden 
Jahre wieder aus, urn sich der Oekonomie 
zu widmen. Reuig kehrte er aber am 
10. November 1806 in den Kreis der 
Bruder, die er verlassen, zurijck. 1808 
horte er in Raab die Physik, 1809 und 
1810 ertheilte er selbst Unterricht an der 
Naaber Mittelschule . 1812 wurde er zur 
Vollendung des theologischen Studiums 
nach Pesth geschickt. Hier lernte er die 
Klassiker der Deutschen und die vaterlandische 
Literatur kennen. 1814 bildete 
er mit mehreren Freunden einen wissen» 

Seite 77 



Wurzbach0 6 . txt 
schaftlichen Verein, der sich mit litera« 
'ischen Arbeiten, theils in Original, 
Heils in Uebersetzung, beschaf tigte; jedoch 
) ero ' f f entlichte der Verein nur zwei 
Nomane, von deren einer st!it6U82) ein 
Originalwerk des Guzmics war. Auch 
at er in dieser Zeit mit Franz P ap von 
Bilke ein Lustspiel geschrieben und hatte 
Antheil am „NeruAeti?lutacku8 " , d. i. 
stational-Plutarch, und an der Neber- 
'etzung des Hiibner'schen Lexikons . 
Nachdem er noch die theologische Doctors* 
wiirde erlangt, kehrte er in das Kloster 
am Pannonberge zuriick und trug daselbst^ 
Gverin 

die Dogmatik vor. I n feinen MuBestunden 
beschaftigte er sich mit literari 
schen Arbeiten. Aufier zahlreichen, in den 
Zeitschrif ten Ungarns zerstreuten kleineren 
Artikeln hat er auch langere Abhand 
lungen geschrieben, von denen die im 
8. Bande der AA uHoiri 

tsuian A ") d. i. wissenschaf tliche Sammlungen 
1822, erschienene „ 

", d. i. Ueber den dreifachen EinfluB 
der Sprache: durch Erweckung des 
menschlichen, nationalen und patriotischen 
Gefuhles im Menschen, das groBte Aufsehen 
erregt hat. Seine selbstf tandigen 
Werke sind: „ 

d. i. Ueber die Religionseinheit der 
Christen: Briefe an den Vertheidiger 
der evang. christl. Toleranz (Pesth 1822); 
s " , d. i. Die Glaubenslehre der 
kath. Kirche; an die ungarischen Protestanten 
(Pesth 1822) ; - „ 
Ha", d. i. Priifung 

der Idee der Religionsvereinigung 
und der zwischen den rom. kath. und 
Protest. Christen bestehenden Union (Raab 
1824); 5 A /260 A 7 A 062? ?N<H? ' a A V6nMe" ) 
d. i. Bruchstiicke des Theokritos, in Hera, 
metern (Raab 1824); - „ 

?eisa", d. i. Zweite Priifung der zwischen 
den rom. kath. und Protest. Christen 
bestehenden Union (Raab 1826); — 
" , 4 Bande 

(Raab 1823 und 1829) . Seine von 
der Akademie gekronte Uebersetzung des 
Oedipus von Sophokles und der Iphi« 
genia von Euripides zeigen, wie er es 
verstand, den Geist der hellenischen 
Sprache der seines eigenen Volkes anzu» 
eignen. Zu bedauern ist, daB seine Ueber« 
setzung des Anakreon verloren gegangen. 
Am 17. November 1830 ernannte ihn 
die ungar. Akademie zum Provinzial« 
Mitglied der philologischen Section, 1838 
zu ihrem Ehrenmitglieds . Von 1832 bis 
an seinen Tod (1839) redigirte er das 
„VF7KH2I tar«, d. i. Das Kirchen-Magazin, 
und begann damit eine neue Epoche 
in der kirchlichen Literatur Ungarns. 
1832 wurde er zum Abten von Bakony« 

Seite 78 



Wurzbach0 6 . txt 
bal ernannt. Daselbst lieB er fur 130 
Kinder ein Wohnhaus bauen, und die« 
selben in den fur ihr Alter entsprechenden 
Gegenstanden unterrichten, durch per» 
sonliche Aufsicht und Vertheilung von 
Pramien, die er selbst vornahm, forderte 
er diese seine Schopfung, und noch 
1837 griindete er eine Musik- und Sing« 
schule. Der Tod, der ihn im Alter von 
63 Jahren, zu friih der Kirche, der 
Wissenschaft und seiner Gemeinde, entriB, 
unterbrach auch die Vollendung seines 
Werkes: ,,".2 6?-H6?ese v i A jfo>i56N6i2' 
sa", d. i. Geschichtliche Beschreibung 
der moralischen Welt, an dem er seit 
vielen Jahren gearbeitet hatte. 
d. i. Ungarische Schrif tsteller . Sammlung von 
Lebensbeschreibungen . Von Jakob Ferenczy 
und Joseph D a n i e 1 ik (Pesth 1856. Gustav 
Emich) S. 166. - KI2.35-HI- 82. A 6 (Pesther 
polit. Blatt. Folio) I I I . A k r x . (1837) Nr. 93: 
^Ou^Niclj Isiaar d2 . /s c»n'M6ii 2i»6t., 8. m. 
Gverin, Franz W a 1 e r , geb . zu 
Kopr in Istrien 1824) . Zeigte in friiher 
Jugend Anlage zur Kunst und wurde 
auf Anregung des bekannten Kunst«^ 
Oyalogi Gyarmathy 
umHkt2ik2.il HU302I2 . VSULKII1 
forschers Dr. Kandler an die Kunstakademie 
nach Venedig geschickt, wo er 
seine Ausbildung erhielt. Dann begab 
er sich nach Rom, wo er ungewohnliche 
Fortschritte machte und schon 1842 — 
als er also erst 21 Jahre zahlte — 
mehrere Bilder auf die Ausstellung nach 
Trieft schickte, welche allgemeine Anerkennung 
fanden. Im Jahre 1830 ging 
G. nach Brtissel, wo er sich bleibend 
niederlieB . 

uls LliLLtwo HaZ, Nr. 19 u. 20. 
1838, 

gi, Johann (Schrif tsteller 
und Priester der Gesellschaft Jesu, geb. 
zu Gyongyos 6. Janner 1686, gest. 
zu Ofen 29. Mai 1761). Trat, 16 Jahre 
alt — 1701 — in den Orden der Gesellschaft 
Jesu, vollendete die Philosophie 
zu Tyrnau, lehrte dann selbst drei Jahre 
hindurch in Guns, und Ein Jahr in 
Klausenburg. Auf seinen Wunsch des 
Lehramtes enthoben, widmete er sich dem 
Predigeramte und bekleidete dasselbe 
durch 34 Jahre in Ungarn und Siebenbiirgen, 
und wurde seiner schonen, in der 
Landessprache gehaltenen Kanzelreden 
wegen der ungarische Cicero genannt . 
I n Tyrnau und Klausenburg war er in 

der Zwischenzeit 4 Jahre hindurch Gymnasialdirector . 
Bei zunehmender K6rper« 

schwache trat er in den Ruhestand, war 
aber 9 Jahre lang der Beichtiger seiner 
Ordensbriider . Zuletzt iibersiedelte er 
nach Ofen, wo er auch im Alter von 
73 Jahren starb. Er hat in lateinischer 

Seite 79 



Wurzbach0 6 . txt 
und ungarischer Sprache geschrie< 
ben. Die Schriften in ersterer, theils 
Reden, theils epische und elegische Dich« 
tungen, zahlt Stoeger in dem unten 
bezeichneten Werke auf; aus ihnen ist besonders 
anzufiihren: „ 
«'" (Tyrnau 173 0) -und 
o?nnnna 7 A " (Kaschau 

1733) . Die Zahl seiner Abhandlungen 
in ungarischer Sprache erhebt sich nach 
Danielik auf 54, sie enthalten neben 
Vortragen iiber verschiedene Gegenstande 
auch Leichenreden und Predigten. Im 
vorgeriickten Alter, als seine eigene 
schopf erische Kraft erlahmt war, unter« 
nahm er es, die Predigten seines Ordens» 
bruders Stephan Csete, 1611 an der 
Zahl, zu ordnen. Er theilte sie in 36 
Bande ab und gab dann einen: 

. . . " in ungarischer Neberse» 

hung (Kaschau 1754 und nicht, wie Stoe» 

ger angibt, 1630, Fol.) heraus. 

uaLwm 6vkou?v6i VII ku26t 1857/58, d. i. 

Jahresberichte des rom. kath. Gymnasiums zu 

Klausenburg. VII. Bericht Daselbst seine aus. 

fiihrliche Lebensskizze S. li— 18. als Todesjahr 

wird 1734 angegeben". — H1NFM? ir6k. 

63 2)ani6?«'K A »256/, d. i. Ungarische 

Schrif tsteller . Sammlung von Lebensbeschreibungen . 

Von Jakob Ferenczy und 

Joseph Danielik (Pesth 1826, Gustav 

Emich) S. 171. - H)7-ci«z,l A ? A i u A , Memoria 

RrmFki ' oruiu ot I ' iovincikliuiu seriytis 

saitis notoruin ( A Visu, A 02. I A 6 A vo, 8<>.) 

VS. I I , 6.53. - 

( A Visn 1836) 8. 113. 
Gyarmathl), Chyrsostomus Johann 

(theolog. Schriftsteller, geb . zu Kis- 
Gorbo im Zalaer Comitate 27. Janner 
1810) . Die Elementarschulen besuchte er 
zu St. Gr6t und IHszberony, die Humanitatsclaf f en 
zu Erlau, Philosophie und 

Rechte horte er in Pesth. Unter die Vesz» 
primer Cleriker aufgenommen, studirte 
er die Theologie im Pesther Central« 
Seminar und betrat als ein Mitglied 
der dortigen ungarischen Schule die lite« 
rarische Laufbahn mit einer Abhandlung^ 
Oyannathy Gyarmathy 

iiber die urspriingliche Siinde, welche in 
der Sammelschrif t : „Arbeiten deS Pesther 
Seminars" (III. Band), abgedruckt ist. 
1837 wurde er zum Priester geweiht ' 
nun trat er in die Seelsorge zuerst in der 
Pfarre Merny und bald darauf in Atala; 
in dieser Zeit unterzog er sich den stren« 
gen Priifungen und erhielt am 30. Sep> 
tember 4834 die theologische Doctors* 
wiirde . Nachdem er 14 Monate lang 
Caplan gewesen, wurde er zum Inspe» 
ctor und Assistenten fur das Pesther Cew 
tral ' Seminar ernannt; seit 1836 Bibliothekar 
des Seminariums, organisirte er 
diese von theologischem Standpuncte aus 

Seite 80 



Wurzbach0 6 . txt 
wichtige Bibliothek nach wif f enschastlichen 
Fachern. 1333 ubernahm G. in Pesth 
die Herausgabe des ungarischen Kirchen 
blatteS: „Ug A ar aioii", d. i. Ungar. 
Sion, und fuhrte es zwei Jahre; auch 
iibersetzte er aus dem Italienischen das 
Leben der Heiligen und gab es unter 
dem Titel: A a A s-6a?- A «, d. i. Religionsf reund 
(Pefthl844), heraus. Bevor 
er 1843 als Pfarrer nach SomlyH . Msir . 
hely iibersiedelte, verof f entlichte er noch 
fein Werk: „Z A 6s A assnn muss A a?' s 
61'ss/e 2>cks?w6H", d. i. Gemeinnijt ziges 
Kunstworterbuch und Amtsstylif tik . Als 
Pfarrer schrieb er auBer einigen kleineren 
Abhandlungen auch das Werk: 
DaS Reich Gottes oder kirchliche Staats» 
lehre, 2 Bande (Pesth 1838) . Gedruckt 
wurden serner mehrere seiner Predigten, 
") d. I. 

Altar der Verehrung, der Mutter der 
Ungarn errichtet . . . (Pesth 1836); " - 
d. i. Kirchlicher Aufruf in der 
Angelegenheit der barmherzigen Schwe» 
stern (Pesth 1842); - „ A 'eles /ia2tt/ 
s/ A " A d. i. Der vor» 

treffliche Patriot zur Zeit des Friedens 
und des Krieges (I>ari2. 1846) . Viele 
seiner Abhandlungen stehen in den reli» 
giosen Zeitschriften seines Vaterlandes 
gedruckt, unter diesen ist anzufuhren: 
„Z' s HHNk6>tAisi2 ' n . 7/om. osa5ok" , d. i. 
kirchengeschichtliche Forschungen, in der 
Zeitschrift: ,,K A IiFo" (1834,1. Semester), 
irok. H 

d. i. Ungarische Schrif tsteller . Sammlung von 
Lebensbeschreibungen . Von Jakob Ferenczy 
und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gustav 
Emich) S. i74. 

Gyarmathy, Michael von (Major, 
geb . zu Debreczin 13. Janner 1718, 
gest. in Hannover 13. Janner 1771) . 
Entstammt einem ungarischen Adelsge« 
schlechte. Friih zeigte er groBe Neigung 
zu den Waffen und trat 1730, 13 Jahre 
alt, in ein kais. Huszaren-Regiment . Als 
dieses Regiment den Hollandern uberlas» 
sen wurde, nahm er hollandische Dienste, 
wurde aber, da Frieden geschloffen ward, 
alsbald als Lieutenant pensionirt. Sein 
kriegerisches Wesen fand aber an dieser 
Ruhe kein Gefallen; mit mehreren sei« 
ner Cameraden, 3uckner, Ostales, 
Brinky, trat er in ein Hannover ' sches 
HuszarM ' Regiment und wurde 17. Dec, 
1787 Rittmeister im namlichen Corps, 
welches Luckner als Major befehligte. 
Nun fuhrte G. eine Reihe von Thaten 
aus, welche seinen Namen bald gefiirchtet 
machten. I n der Nacht vom 11. auf den 
12. Juli iiberfiel er mit Luckner zugleich 
m Dorfe Holzhausen bei Minden ein 
f ranzosisches Carabiniers-Regiment , das 
er Oberst Graf Dessalles anfiihrte, 

Seite 81 



Wurzbach0 6 . txt 
und nahm den Oberst sammt 168 Mann 
gefangen. Am 20. Juli hieb er bei dem 
Dorfe Lade mit einer Abtheilung von 
300 Huszaren in ein f ranzosisches Corps 
3000 Mann ein, zerstreute es und 
machte einen Ofsicier nebst 30 Mann zu? 
Gyarmathy 8 6 Vyarmathi 
Gefangenen. Innerhalb 7 Tagen hatte 
er 10 Scharmutzel mit dem Feinde, 
iiberall siegend und Schrecken, wo er 
erschien, verbreitend. 1789 wurde er 
wirklicher Rittmeister. Als solcher iiber« 
fiel er mit seinen Huszaren bei Ober» 
und Niedei ' Weimar eine feindliche, 
1300 Mann starke Abtheilung, warf sie 
in kiirzester Zeit zuriick, machte 200 Mann 
nieder, 300 zu Gefangenen und erbeutete 
eine Kanone . Am 3. August 1760 riickte 
er fur seine Verdienste zum Major vor. 
Im Winter 1761 fuhrte er im Hannover ' schen 
und Thiiringen ' schen bei W erkshausen, 
Gottingen, Nordheim 

und an andern Orten eine Reihe von 
siegreichen Angriffen aus, denen der bald 
darauf erfolgte Friede ein Ziel sehte. 
Als 1763 das Luckner'sche Huszarm- 
Regiment, in welchem G. Major war, 
entlassen wurde, blieb G., wahrend Luckner 
aus VerdruB dariiber franzosische 
Dienste nahm, in Hannover' er erfreute 
sich der Gnade des Konigs bis an seinen 
Tod, der ihn an seinem 87. Geburtstage 
erreichte. G. hatte in mehr als 30 
Gefechten siegreich gekampft und viele 
hundert Feinde mit eigener Hand erlegt. 
Der Wandsbecker Bote Claudius feierte 
den Helden in einem langeren Gedichte: 
„Klaglied eines alten lucknerischen Hufta« 
ren bey dem Begrabnisse des Majors 
von Gyarmathy zu Hannover den 
16. Januar 1771". Dieses Gedicht, ob« 
gleich ein Klagelied, erzahlt mehrere der 
Thaten G. 's in ganz lustigen Reimen. 
Dasselbe, wie eine gereimte Grabschrift 
auf den Helden, theilt das unten in der 
Quelle angefiihrte Werk von H. G. 
Hoff mit. 

Hoff (H. G.), Kurze Biographien oder Lebens, 
abrisse merkwiirdiger und beriihmter Personen 
neuerer Zeiten von unterschiedlichen Nazionen 
und allerley Standen (Brunn t?82, Neumann, 
8".) Bd. I, S. 339. - A 
oi'52ck3 o8alaaa.i dinier6kks5 ss 1 
2251 tablakka.l, d. i. Ungarns Familien mit 
Wappen und Stammtafeln (Pesth 1836 u. f., 
Mth, 8°.) Bd. IV, S. 463. 
GIMMllthi, Samuel (Arzt und 
Sprachf orscher , geb . zu Klausenbiirg 
lo. Juli 4781, gest. ebenda im 
April 1830) . Besuchte die Schulen in 
seiner Vaterstadt, begab sich 1763 nach 
Enyed und spater nach Zilah. Maria 
Theresia hatte in Wien fur Studirende 
der Medicin eine Stiftung ms, Leben 

Seite 82 



Wurzbach0 6 . txt 
gerufen A G. begab sich sofort 1776 nach 
Wien, urn Medicin zu studiren, und fand 
Aufnahme in der sogenannten Gold» 
berg'schen Stiftung. 1782 erhielt er 
das Diplom und unternahm, obwohl er 
arm war, eine wissenschaf tliche Reise nach 
Deutschland. Nach seiner Riickkehr trat 
er in Preflburg als Erzieher der Gra« 
fen Paul und Gedeon Raday ein. 1784 
iibersiedelte er nach Pesth und nach der 
Unterdriickung der Hara'schen Unruhen 
nach Siebenbiirgen . 1787 wahlte ihn 
das Hunyader Comitat zu seinem Comitatsarzre . 
Aus AnlaB eines von Deinetrius 
Gorog fur die beste ungarische 
Sprachlehre ausgeschriebenen Preises von 
59 Ducaten, ging er 'an die Arbeit, 
und verof f entlichte dieselbe unter dem 
Titel: „HlaFz/a?- n' s 6Nles' s ", d. i. 
Nngarischer Sprachmeister (Klaufenburg 
1784), auch deutsch: „Kritische Grammatik 
der nnglinachrn Sprache", 2 Theile (Klausen» 
burg 1794) . 1793 begab er sich in Gesellschaft 
des Grafen Alerius Bethlen 
wieder nach Deutschland, brachte zwei 
Jahre in Gottingen zu, und trat mit den 
dortigen Professoren in f reundschaf tlichen 
Verkehr, den er auch nach seiner Riickkehr 
in einem wissenschaf tlichen Briefwechsel 
aufrecht hielt. Nachdem er das Werk:^ 
Gynowski Gyongyosy 
(Gottingen 1799), verof« 

fentlicht hatte, ernannte ihn die dortige 
gelehrte Gesellschaft zu ihrem Mitgliede. 
1800 wurde er als Professor nach Zilah 
berufen und bekleidete diese Stelle neun 
Jahre. Eine lebenslangliche Pension, 
welche er von dem Grafen Gregor 
Bethlen genoB, setzte ihn in die Lage, 
neben seinem Berufe als Arzt Wissenschaf t , 
lichen Sprachstudien obzuliegen. Aufier 
den zwei angefiihrten Werken verof f entlichte 
er noch eine ungarische Nebersetzung 
von Campe ' s Robinson, und ein W6r> 
terbuch, in welchem viele d'en magyarischen 
ahnliche fremde Worter verzeichnet 
stehen (Wien 1816) . G. starb im hohen 
Alter von 79 Jahren. 
ir 6k . 

d. i. Ungarische Schrif tsteller . Sammlunn von 
Lebensbeschreibungen . Von Jakob Ferenczy 
und Joseph Danielik (Pesth 1836, Gustav 
Emich) S. 172 '"nach dieser geb . in Klausenburg' 1 . 
— Oesterreich. National-Encyklovadie, 
herausg. von Czi kann und G r a f f er (Wien 
1833, 8<>.) Bd. I I , S. 443 snach dieser geb. zu 
Zilah in Siebenbiirgens . — Alerius H o r a n y i 
in seiner: „Nsinoria HuuFaroi-mn, st I>5ovineialiura 
soi'IMg notorliin, ( A Viyn 1776) 
Na . I I , g. 83, gedenkt noch eines Nicolaus 
Gyarmathi , aus Helmecz gebiirtig, Pastor 
H. C., welcher auf das Werk des Bischofs von 
Veszprim, Andreas Monoszloi : „vs iuvaoatiouo 
st V6n . sratioii6 sHnotoi'Um" A eine 

Seite 83 



Wurzbach0 6 . txt 
Gegenschrift (Oo'bi-Ocsw 1598, 4<>.) erscheinen 
lieB, die dann von dem beruhmten Peter 
Pazmann bekampft wurde. — Mehrerer Familien 
Namens Gy a rm athy gedenkt Nagy 
Ivan in seinem Werke.- HlaZ^ai-oi ' ssaF osaia 
(?6Ltli 1838 u. f., Kloi». Latti, 3?. 8<>.) Sa. IV, 
8. 463 u. f. 

GIMwski, Joseph. Dieses Kunstlers 
geschah schon im V. Bande dieses Leri« 
kons, S. 187, ohne Angabe seines Taufnamens 
und unter der Schreibart: Gi« 
nowsky, Erwahnung. Er erscheint 
unter dieser, der obigen und der folgen» 
den: GynowSky. Als Nachtrag zudem 
dort Gesagten fuhren wir noch an, daB 
Bilder dieses Kunstlers in den Ausstel. 
lungen zu Wien 1838—1345 zu sehen 
waren, u. z.: „OhristnMnach einem Miniatm- 
GemMe" (Ausst. 1828); „Gin WMHase"; 

— „Gine Auerhenne"; — „Federmild"; 

— „Gin Jager, einen Felsen erklimnilnd" ; 

— „Ner Neubrnnnen in Karlsbad"; — 

„Studien nach der Natur nn3 drr nmdern Vruhl' 1 
kei Wildling";— „Amei Jager llni dem An> 
Ztllnde"; — „NaZ Nienrnchoplen" ; — „Mittagsmalll 
eines Zogers" (alle in der Ausstellung 
1834); — „Gin schater,,; — „Joseph und 
Pntiphllr'Z M n " ; - „Knsicht der rathen Wand 
im Ghlllhnt bei Keichennu"; — „Nie getauschte 
Grmartnng"; — „Gine heimkehrendeMahderin" ; 

— „Gmten-Partie . Nach der Natur"; — 
„Resiphohner-Illgit" ; — „Madchen reizt den 
Hund, ihm einen Hasen geigend"; — „Ner 
Halzknecht als AaubSchtih" ; — ^Gingang in 
das NitterschloZs A u Uaienburg"; die ange» 
fiihrten Bilder sind sammtlich in Oel 
gemalt (Ausst. 1833); — „Jagdtreiber mit 
einem Fuchse" ; — „IaMreiber mit einem 
Aehbllck"; - „SchtllSZ ank der staatshe 
Vllidhoten an der Abbs"; — „Gin 

tangrr" ; — „Feldjaga des Kaiserlichen Hnkrs bei 
1 i i " ; - „Gin Naner" (Ausst. 1836); - 
„Haselhuhner" ; — „Gegend bei Prag mit der 
Ansicht der Farber- und schuhen-Inseln" ; — 
„Ner ergriffene Mlbschnhl^ ; — „Gin Hnnd" 

(alle vier in der Ausst. 1844); — „Nie 
h. GliSllbeth nach dem Gade ihres Gemals, ihren 
lischatlichen Oheim urn Schutz bittend" (Aus» 
stellung 1843) . Auch find viele Portrate 
dieses Kunstlers vorhanden. 

F r a n kl (L. A.)> Sonntagsblatter 1848 (IV. 
Jahrg.) S. 304. — Kataloge der Wiener Aus> 
stellungen in den Jahren 1834, 1835 und 1836. 
Gyongyosy de Peteny, Paul I. 

(Arzt, geb . zu Kaschau in Ungarn 
26. April 1707, verfiel gegen Ende 
1769 in solche Schwermuth, daB alsbald 
derselben sein Tod folgte) . Sein Vater? 
Vyongyojy 88 Gyongyosy 

Paul war Doctor der Theologie, Predi» 
ger der helvetischen Gemeinde in Kaschau, 
und, als er 4724 das Vaterland verlieB, 
in Frankfurt a. .L) . Professor der Theo« 
logie, welchen Posten er 16 Jahre beklei» 

Seite 84 



Wurzbach0 6 . txt 
dete. Der Sohn studirte anfanglich zu 
Debreczin, spater berief ihn der Vater zu 
sich und leitete selbst dessen Ausbildung 
in den Sprachen und Wissenschaf ten . 
Dann schickte er ihn zur Fortsetzung sei» 
ner Studien nach Leyden, wo er unter 
Schultens in den orientalischen Spra» 
chen sich ausbildete, zugleich aber nach 
beendeten medicinischen Studien die arzt« 
liche Doctorswurde erhielt. Ueber Ver- 
Wendung des Leibarztes der russischen 
Kaiserin Elisabeth, Boerhave, er« 
hielt er einen Ruf nach St. Petersburg, 
wo er zuerst im Seespitale daselbst, spater 
als Arzt im See»CadetencorpS angestellt 
wurde. 1766 nahm ihn die Kaiserin 
unter ihre Leibarzte auf, und in dieser 
Stellung verblieb er, bis er dem zer» 
storenden Einfliisse einer tiefen Melan» 
cholie im Alter von etwa 63 Jahren 
erlag. G. besaB eine umfassende Bildung, 
in Sprachen; namentlich in den orientn» 
lischen und classischen bewegte er sich mit 
Leichtigkeit ; noch ist ein Gedicht in latei' 
nischer Sprache von ihm vorhanden, das 
er an seinen Freund, 0. Szathmari, 
richtete, als dieser die Dissertation: „1)6 
U6U salis in saoris iLrasiitarum. HusHUs 
u^steriik" (Utrsokt 1734) heraus» 
gab, und worin er mit Leichtigkeit deS 
Styls Eleganz des Ausdrucks verbindet. 
I m Drucke gab er heraus: 
1748, 

asrov 1733, 4".), wiedergedruckt zu 
Lausanne 1760 und in die „vi8Mw> 
tion63 NHlIorianHy aa NstoriAin inordoruin 
« (VS. V I I , A r. 233, 8. 141) 
auf genommen; — „(No A sa AHs A o A nl 
s A b itssssT'a 6 A 6Hso?les mMa A ' " (Frank* 
furt a. 0. 1730, 4".). - Gyongyosy, 
Paul II., siehe den Folgenden. 
Gyongyosy, Paul III. siehe in den 
Quellen . 
st 

i-, 8».) Osnwria xriina 

8.60. - So A anz, !' A .?62?!tts), Hlsmoi'ia Nun- 
Farorum et ?i»oviQoia . liuin soriML saitis 
notormn ( A Visn 4776) Vcl. 11,8. 60. - 
( D e L u c a ) , Das gelehrte Oesterreich. Ein 
Versuch (Wien, Ghelen'sche Schriften. 1776) 
Ersten Bandes erstes Stuck, S. 163 A erscheint 
daselbst als Gyongy6schy A . — Denkmiinzen. 
Gyongyosy zu Ehren wurden zwei Den5 
munzen gepragt . Die eine zu Leyden uon dem 
ungarischen Medailleur St . P i i 1 d i , die Zweite 
von C. F. Fritsch zu Amsterdam. Die erste 
von St . P a 1 d i , aus dem I . 1744, zeigt auf 
der Kopfseite G. 's Ebenbild und hat folgende 
Aufschrift: 8io oonios 8io orq. zerit, 
kovst > A lso Niirrlra: lusaicas iu Vsotors oon» 
aiclit a.rt68 > NsUaaa oum I A atio oumciue 
orisnts e A i t . > 8i valet auFurwin, gi oon- 
A 'sotui'«, iuturi I MranaHI aotos amp A H td,«».- 
t. A Oit'L as sals 8eli6t3 va.n, aisn 

Seite 85 



Wurzbach0 6 . txt 
Holt, s 'Waar op ' t Na . - 
vsrtdsugt mot roobt mag 

do^sn, s vi<2 aoor 2M "vsrvuur uNar Iioo- 
Fsr 66rtra,V «usit s Dis suivrs Illailcurlas 
6ii kHlli' vouasrda, !», ! ' vorma A su I 1 u volls 
lcrg.Ft bS2it: as "6112a, ms "rtlasu/ > Tot's 
"I2U8 ervirrsu <5os3t ooklol sn luistsr "b". s 
Die zweite, von C. F. Fritsch zu Amsterdam 
1733 gepragte, zeigt G. in russischer Tracht, in 
das vor ihm often liegende Buch schreibt er mit 
der Feder in seiner Hand: A ' Y ' YN ' i M 
?53.iin. 119. v. 1. Darunter steht: VkuwL 
<"7623' s 6L8i N ?stt A sn Asa. voet . > Nkws 
OaLsovias in HunFg.rikl 2.2 1707. 
d.. t. UsaianL. > t3 A 6Q37655iu3 insalaHL in 
psotors oouaiHit 2,rtss, A Nbula.cl». ou.ni I A atio? 
VMgyofy 8 9 Gyongyosy 
h, Paul I I . (Propst, geb . 
zu Darma in Ungarn 20. Juli 1779, 
gest. 16. Marz 1837) . Sohn adeliger 
Eltern, derselben Familie angehorend, 
aus welcher der beruhmte ungarische 
Dichter Stephan I. (siehe unten in 
den Quellen) stammt. Das Gymnasium 
besuchte er zu Ungv A r und beendete es 
1797, horte dann in Pesth die Philosophie 
und die Rechte und trat — 28 
Jahre alt — in den Orden der Pramon 
stratenser, dessen Restauration erst 1802 
wieder stattgef unden hatte. Am 25. Dec. 
1806 erhielt er die h. Weihen. 1808 
wurde er Director des Gymnasiums zu 
Keszthely, iibte aber zugleich das Predl 
geramt aus; spater, als Georg Gras 
Festetics (s. d. Band IV, S. 2U9) auf 
eigene Kosten ein Gymnasium zu Tolna 
errichtete, trug er an demselben die 
Geschichte vor; von 1812—1813 war er 
Canonicus in Csorna, und am 20. August 
1816 ernannte ihn Kaiser Franz zum 
Propst daselbst. Diese Wiirde bekleidete 
er bis an seinen Tod. Im Jahre des« 
selben las er noch seine goldene (d. i. 
f iinf zig jahrige) Messe. Sein Leben war 
eine Reihe von Wohlthaten und erhe« 
benden Handlungen. Die Kirchen und 
Humanitatsanstalten seiner Propstei, zur 
Zeit als er dieselbe ubernahm dem Ruin 
verfallen, stellte er wieder her und letztere 
traten in eine segensvolle Wirksamkeit, 
wie nie zuvor. I n CSorna selbst begriin« 
dete G. eine Bibliothek von 10.000 Banden, 
ein archaologisches Museum, fur 
welches er fleiBig sammelte und Alles 
selbst ordnete; fur die beiden unter seiner 
Leitung stehenden Gymnasien schaffte er 
aus eigenen Mitteln Alles an Biichern, 
Instrumenten und sonstigen Bediirfnissen 
bei, was den Unterricht fordern konnte. 
Als er kurz darauf nach der f iinf zig jahri« 
gen Jubelfeier seines Priesteramtes — 
78 Jahre alt — starb, folgte tiefe Trauer 
dem allgemein hochgeachteten Priester» 
greise, welcher ein unermudeter Wohl» 

Seite 86 



Wurzbach0 6 . txt 
thater der Gegend war und seine bedeu« 
tenden Einnahmen nur zu guten und 
niitzlichen Werken verwendet hatte. 
s, d. i. Sonntagszeitung (Pesth, 
4o.) 1857, Nr. 13, S. 104 (daselbst sein wohl< 
getroffenes Portrait) . — K 1 a A r 8 A 'to (Pesther 
polit. Blatt. Fol.) 1837 (III. Iahrg) Nr. 1 

(im Feuilleton biographische Skizze von Deine» 
ter Laky) . — Aufier den zwei bisher angefuhr« 
ten Gyongyosy Paul I . und I I . gibt es noch 
mehrere denkwiirdige Personen dieses Namens, 
Dichter. Schrif tsteller , Theologen u. s. w., die 
nun in alphabetischer Ordnung ihrer Tauftiamen 
folgen. Gyongyosi, Gregor (gelehrter Monch, 
gest. 1320) . Studirte die Theologie, erhielt die 
Doctorswurde und wurde in Folge seiner Gelehrsamkeit 
und Frommigkeit im Jahre 1518 

General des Ordens der Paulaner, dem er ange« 
horte; diese Wurde aber, da er schon hoch in 
Jahren war, bekleidete er nur durch zwei Jahre. 
Zugeschrieben werden ihm nachstehende Werke.- 
raiuis sxiialo 5tNo 
— „Npitoma, sivs 

broviloyuig, , in guidus onmiuni 
RoliFio8oru . m prolsotns 6t xroksotnum. 
aaiuiuioula ot ae Is otuuni 
autiaota assoribuntur" ; — «8erinonsL 
ao 8. ?. ?aullo" - und A Oom» 
iusutg.riiis iu kutiHuas eonstitu.» 
tiouss oraluis 3. I>au2i". j' s o?-a?lH' s 
1" A . ?sXl«H) . Am angez. Orte. 8.55.) — Ghongyosy, 
Johann I . (ungarischer Dichter, geb . 
zu Kraszna 4. Nov. 1741. gest. 15. Marz 
1813) . Sohn eines reformirten Geistlichen; 
widmete sich gleichfalls dem geistlichen Stande 
und wurde zu Uj-Torda in Siebenbiirgen Pastor. 
Durch seine leichtf lieftenden Gedichte erwarb er 
sich einen Namen. Sie erschienen unter dem 
Titel: „6?6'u.F?6g5 A anos m a A a r 
vsrLsi, kiaata 822.02va? 3 anaor", 
d . i . Ungarische Gedichte des Johann Gyon« 
gyosy, herausgegeben von Alexander Szacs< 
uay (Wien 1790, 2. Aufl. Pesth 1802). - Auch 
hat er aus dem Englischen frei libersetzt: «T sva. 
168aFi'2,", d. i. Reise des Christen in die 
gliickselige Ewigkeit (Klausenburg 1782) . Auch 
mehrere seiner Leichenpredigten sind im Drucke 
erschienen, A a n , ' « A A - s s / ) , N 1 A a r irok. 
u?. 21a,8oaik, a A ylZot^ 
Oyongyosy 60 GyottHyosy 
t, d.i. Ungarische Schrif tsteller . 
Sammlung von Lebensbeschreibungen . Zweiter, 
den ersten erganzender Band (Pesth 1838, Ios. 
Gyarmath. 8<>.) S. 97. — Vaterlandische Blatter 

(Wien) Jahrg. 1818, S. 200.) - Gyongyosy 
von Petony, Johann I I . (ungarischer 
Dichter, geb. zu Nagy-Karoly in der 
Szathmarer Gespanschaft Ungarns 1824) . Von 
ihm erschien das Gedicht : «H . t i a t a i A .i-xlia 
oioiao'bol vlaHata 
uF A 6s A A auos", d.i. 

Der junge A rpad in der Hohle von Mazama, 
eine Original-Sage aus der ungarischen Vorzeit, 
im Drucke. 

Seite 87 



Wurzbach0 6 . txt 
kotst, d. i. Ungarische Schrif tsteller . 
Sammlung von Lebensbeschreibungen . Zweiter, 
den ersten erganzender Band (Pesth 1858, Ios. 
Gyarmath, 8".) S. 97.) - Ghonghofi, I o - 
hann Chrysostomus , genannt Fazekas (Franz 
iscaner-M6n ch, geb . in Ungarn zu Anfang 
des 16. Jahrhunderts , gest. ebd. 17. Juli 1675) . 
Cr ist Verfasser des asketischen Werkes : „ V s i- 
Am angez. Orte. 8. 56.) — Gyongyost de 
P e t e n h , Paul I . und Paul I I . lsiehe die 
besonderen Artikel S. 37 u. 39) .— Gyongyosy 
de P e t S n y , Paul III. (gelehrter protestaw 
tischer T h e o 1 o g , geb. in Ungarn 1668, gest. 
1743) . Besuchte die Schulen in seinem Vaterlande 
und ging dann nach England, wo er 
die theologische Doctorswiirde und 1698 ein 
protestantisches Kirchenamt erhielt. Nachdem 
er in seine Heimat zuriickgekehrt , lebte er 
in Kaschau, wo aber seines Bleibens nicht 
lange war. Die Veranlassung, welche ihn 
nothigte, der Heimat den Riicken zu kehren und 
sich unter den Schutz Wilhelms , Konig von 
Preufien, zu stellen, der ihm eine theologische 
Lehrkanzel in Frankfurt a. 0. ilbertrug, war 
eine Gegenschrift auf ein von dem Erlauer Erzbischofe, 
Gabriel Erd ody, herausgegebenes 
Werk des Jesuiten Samuel T i m o n , worin die 
Protestanten angegriffen waren. Der Titel dieser 
Gegenschrift ist: Altars z»a.oi8, pro 
tuillulum oxusouli 
HU,o HUkLi ' itlii ' : anxosLitl'i' 
HlasiLtratus , Doiuiuus cHt 
in aitions ZNg . rbtinersllg . si 
vsl contra xaenis 60L » . nt 
aa 
in 

?« (Lassl 1722, 4«.). Aufier 
dieser Schrift gab er noch heraus: 
uL" (1736, 8". ) ; - M 
s st iQiHuitatis" ; 
eug« (1742, 8<>.). A a?-a A 

Nlsiuoria UnuFaroruin sto. eto. H , 8. 56; 
fiihrt uberdiefi mehrere seiner theologischen 
Abhandlungen auf.) — Gyonghofl , Stephan 
I . (ungarischer D i c h t e r , geb. urn 
das Jahr 1620, gest. im September 1704) . 
Seine ausgezeichnete Bildung erwarb ihm die 
Zuneigung des Grafen Franz Wessel6nyi, 
nachmaligen Reichspalatins, der ihn, da er 
kaum etwas iiber 20 Jahre alt war, an seinen 
Hof berief und zum Kammer junker ernannte. 
G. verherrlichte nun in einem Gedichte: »N a r 8- 
8kl tar22ikoao Nuran A i V6QU3" 

(erste Ausg. icaaokau 1664), die Grafin Maria 
Szscsi und ihren Gemal, seinen Gonner, den 
Grafen Wessel«5nyi. Die Grafin Szscsi, 
wie bekannt, vertheidigte namlich die Festung 
Murany gegen die Koniglichen, spielte aber, in 
Liebe fur den General derselben, Wesselanyi, 
ergliihend, nach einer an ihm vollzogenen schweren 
Versuchung, die Festung in seine Hande und 
wurde seine Gattin. Diesen Stoff behandelte G. 
im Gedichte. Die Grafin beschenkte fur diese 
Huldigung den Dichter mit dem Dorfe Bubaluska, 

Seite 88 



Wurzbach0 6 . txt 
welches spater (1695) Stephan Kohary, 
als zu seinen Gutern gehorig, von Gyongyosi 
urn eine ansehnliche Kaufsumme erstand. 1653 
verlieB G. den Hof seines Macens Wesse« 
1 « n y i , vermalte sich und trat als Gerichtstaf el ' 
Beisitzer der Gomorer Gespanschaft in ' s offentliche 
Leben. 1681 ging er als Deputirter auf 
den Reichstag nach Oedenburg. 1686 wurde er 
von den Gomorer Standen, nachdem er schon 
1683, aber vergeblich, zum ersten Vicegespan 
vorgeschlagen worden war, zu dieser Wiirde 
erwahlt und 1687 neuerdings auf den Reichstag, 
dieBmal nach PreBburg, abgesandt. Kranklichkeit 
halber entsagte er 1688 seinem Amte, unterzog 
sich aber auf dringendes Bitten der Stande 
neuerdings demselben, es bis an seinen Tod 
bekleidend, der ihn im Alter von 84 Jahren dem 
Staate entriB. Aufier dem obigen Gedichte 
schrieb G. noch folgende: jj^klinodia . Nun- 
32.riu.6, 2.2 2.2, 2.' M8.3N. L^aikoitk- 
l«.Q81i3 A u kOklsrBo, «2 abban g.' 
karao 8 Friktnsk 822' s 2' s 2 Nialol"HMo 
6.0 N A iUV A A." (erste Ausg. I A su . t 8ok2 , u 
1695, 8".); dieses Gedicht schrieb er nach der 
Wahl Paul EBterhazy's zum Palatin, und 
indem er darin den damaligen Zustand seines? 
Gyongyosy Gyorffy 

Vaterlandes beschreibt, empfiehlt er es EBter« 
hilzy's machtigem Schutze; — A <52gg. 
L2orn" (Ksut8oli2u 1690, 12».), ein Kranz 
geistlicher Lieder, dem Grafen Stephan Kohar 
gewidmet; — groBes Aussehen erregte: A o r a 
d<51 msFsi6inO<lstt?liOLilix" (zuerst 
I A 6Ut5okau. 1693, dann Ooasnburs 1748, V 
1763, I A i2U3Liidui-3i7 68 ) , ein episches Gedicht, 
oder wie Franz T o 1 d y es nennt, vielmehr ein« 
Biologie, in der er in 4 Biichern und 30 Gesangen 
den Grafen Kemsny verherrlicht ; — 
la.it Icsru,i5ti 

(0oa611d. 1734, uucla, 1751 u. 1772); Kupido, 
ein beschreibendes Gedicht in 4 Gesangen, worin 
allegorische Figuren auftreten, mit didaktischer 
Tendenz; — sein letztes Werk war: 
sisti-L ko-atott Okariklig.« 
5ellau. 1700, Vuag.1733, 1763), ein versificir« 
ter Roman in 13 Biichern, nach Nslioclors 
'".stkioMa. Gyongyosi ' s Nuhm verdunkelte 
den aller seiner Vorganger, sein Name 
biirgte schon fur die Tref f lichkeit eines Werkes. 
So erklaren sich die vielen Auflagen seiner cige- 
. nen Schriften und der Umstand, daB ihm auch 
fremde zugeschrieben wurden. Eine Gesammt- 
Ausgabe seiner Werke, von Professor A. Dugo< 
nics (Bd. I I I , S. 387), nach alten Handschrif ten 
und Ausgaben gesichtet, mit seiner Biographie, 
seinem und Wosselsnyi's Portrate und 
einem literarischen Commentar versehen, erschien 
unter folgendem Titel: „H' s 6nF' s 6siIst- 
DuFonivL kiaaaLg.". 2 Vas . (I>ros8tmrF 
u. ?e5tk 1796, I A nasror) . Ungeachtet dieser 
Beliebtheit zu seiner Zeit, ist G. heute ver< 
gessen und nur mehr von literar» historischer 
Bedeutung. — 
U, d. i. Handbuch der ungarischen 

Seite 89 



WurzbachO 6 . txt 
Sprache und Literatur seit der Schlacht bei 
Mohacs bis auf die neueste Zeit (Pesth isSS, 
Heckenast, gr. 8«.) Bd. I , S . 2iitt. — Handbuch 
der ungarischen Poesie. I n Verbindung mit 
Julius Fenysry herausgegeben von Franz 
T o 1 d y (Pcsth u. Wien 1828, Kilian u. Gerold, 
«" . ) Bd. I , S. 78. (In der dieses Werk einleitenden 
Geschichte der ungarischen Poesie charak» 
terisirt Toldy den Dichter Gyongyosi 

(S. XXXII) f olgendermafien : „G. erregte durch 
seine epischen Gedichte allgemeinen, ubertriebe« 
nen und andauernden Enthusiasmus . Fruchtbar 
wie kein ungarischer Dichter vor und lange nach 
ihm gab rr den Lcsewstigm interessante Gegen' 1 
stande, in leichtftieBenden Versen, leichtgeniefibar , 
in Fiille. Er war ein Schiiler der Romer, jedoch 
statt ihren Geist aufzufassen, begniigte er sich 
mit ihren Floskeln; ihre Mythologie war sein 
Steckenpf erd, so daB uns beinahe auf jedem 
Blatte fremde Namen entgegen treten, durch 
welche er seine Schilderungen zu heben glaubte. 
An eine consequente und nationale Charakter» 
zeichnung ist bei ihm selten zu denken: er 
schwimmt meist auf der Oberflache, Beschreibungen 
liebt er, ist auch hierin oft gliicklich, oft 
wieder nur geziert, breit beinahe immer. Gyon« 
gyosi ist der alteste sentimentale Dichter der 
Ungarn. Daft er die schonsten Verse unter den 
alten Dichtern hatte, daB Sprache und Diction 
durch ihn bedeutende Fortschritte machten, ist 
nicht zu laugnen, und diesem Vorzuge ist wohl 
grofttentheils der Beifall zuzuschreiben, den 
er bei seinem Erscheinen fand." — Ho?-anz,l 
<X?sHi'tt«). Am angez. Orte. VS. I I , 8 . 62 

(ganz unzureichende Notizen, unter Andern folgende 
Ansicht: „Huauwm ''lasso Italia, Vol> 
tairio Hallia, OMio ttsrnikuia, 
lscto Sl^onF) ' OLio Luo asbet 
— Vasarnapi uMs, d. i. Tcmntagszeitung 
1888, Nr. 7 (daselbst Biographie nebst Portrait) . 
n7 40 a 

IlookeuaLt, KI . 4<>.) 6. 146 (daselbst auch sein 
Portrait). — Ocsterreichische NationabEncyllo» 
padie, herausg. von Czi kann und Gr affer 

(Wien 1835) Bd. I I , S.446. - 

.1, d. i. Ungarns Familien 

mit Wappen und Stammtafeln, herausg. von 

I . Nagy (?68tk 1836 u. f.. katk Nor., 8<>.) 

Va. I V , 8. 470.) - Gyongyosi, Stephan I I . 

(Schriftsteller, geb . in Ungarn, lebte im 

17. Jahrhundert) . Erhielt seine erste Ausbildung 

im Vatcrlande und zwar zu Debreczin, besuchte 

dann die Hochschulen in England und Hoi 

land, begab sich zuletzt in die Schweiz, wo er 

das Werk: jj^anotatiorioL 0.u.a.eci2,m 

in eSQtNN AlliNgU . 2 . Ii2t2 . P52.IIU03 

soruinyns aootriuain mo lklViu, " 

( 1 i F u r i 1687) herausgab, dem er einige aus 

dem Englischen in ' s Lateinische iibersetzte Gebete 

beifugte. A //u) -<i>»/ ' ' M/e^lUH). Olm angez. 

Orte. 8. 62.) 

Gyorffy, Iulms (ungar. Schrift, 

steller, geb. zu Vesprim 30. Nov. 

1833) . Sohn katholischer Eltern, wurde 

Seite 90 



Wurzbach0 6 . txt 
zu Hause erzogen, und erst als er die^ 
Gyrowetz 62 Eyroweh 

Rechte studirte, besuchte er, und zwar in 
Pesth 1832, offentlich die Universitat. 
Friih zeigte er groBe Neigung zur Poesie. 
Unter der Leitung des Johann Garay 
(Bd. IV) S. 37) trat er in der Literatur 
auf. Nebst einigen asthetischen Mhandlungen 
und Novellen gab er zwei Sammlungen 
von Gedichten heraus, die erste 
unter dem Titel: „Hom A >a A ", d. i. 
Ruinenblumen (Pesth 1834), die zweite 
unterdem Titel: »' s a' s H«, d. i. Veilchen 
(ebd. 1833) . Mehrere seiner Lieder sind 
auch in ' S Deutsche iibersetzt. 
ii?. Nasoaik, 2.2 eisat 

katot, d. i . Ungarische Schrif tsteller . Sammlung 
von Lebensbeschreibungen . Zweiter, den ersten 
erganzender Band (Pesth 1888, Ios. Gyarmath. 
8«.) S. 98. — Danielit gedenkt auch noch 
ebenda eines Joseph G y 6 r f f y , der Advocat 
in Veszprim war und folgende Schriften heraus« 
gegeben hat A „ N N p r a torF<5 v i r a B , iuolsn 
2. V. 82U2 Nlarianak tosantad. 
i. Sonnenblume, in welcher die EmpfangniB 
und die sieben Feiertage der h. Jungfrau 
Maria enthalten sind (4791,142 S. 8<>.); ferner 
auS dem Lateinischen die Ilebersttzung: „151i- 
«, d.i. Die unterirdische Reise des Nikolaus 
K 1 i m i u s (PreBburg 1783, 433 S.8«.). 
h, Adalbert (Compositeur, 
geb . in bohmisch Budweis 19. Februar 
1763, gest. in Wien 19. Marz 1830). 
Sein Vater war Chorregent in Budweis 
und von ihm erhielt Adalbert, der in 
friihester Kindheit eine groBe Neigung fur 
die Musik zeigte, den ersten Unterricht in 
derselben. Der Knabe lernte singen, die 
Violine spielen und trug alsbald offentlich 
Concerte vor, die allgemein gefielen. 
Spater nahm er Unterricht im Orgelspiel 
und bei dem Organisten H epanorsky 
im GeneralbaB, spielte aber meistens 
mehr nach seinem merkwurdig entwickel» 
ten Gehor als nach erlernten Regeln. Zugleich 
mit dieser musikalischen Entwicke« 
lung ging der Unterricht in der Schule 
vorwarts. Tr besuchte das Plansten« 
Gymnasium in Budweis und zahlte zu 
den ausgezeichnetsten Schiilern. Als Gym» 
nasialschiiler componirte er bereits, u. z. 
Litaneien, Salve Regina, Hymnen, Anti« 
phonen u.dgl.m. Die Ferienzeit brachte 
er ofter in G munden zu, wo sein alterer 
Bruder I o h ann als Biirgermeister lebte 
und sich in dieser Stelle urn die Stadt 
zur Zeit der f ranzosischen Invasion groBe 
Verdienste erwarb. Unter andern rettete 
er die Stadtcajse mit dem Betrage von 
300.000 St., welche sonst eine Beute des 
Feindes geworden ware. I n Gmunden 
wurde damals viel und gute Musik ge« 
macht und in den Quartetten, welche 
stattfanden, spielte er selbst die erste Vio. 

Seite 91 



Wurzbach0 6 . txt 
line. Die Compositionen aus jener Zeit 
kamen dann durch einen reisenden Kauf« 
mann nach Spanien und wurden dort 
sehr hochgeschat zt . Nach beendetem Gym« 
nasium ging G., urn seine Studien fort« 
zusehen, nach Prag, wo er theils von der 
kleinen Unterstut zung, welche ihm die Eltern 
gewahrten, theils vom Unterrichtertheilen 
lebte. I n den Muflestunden componirte 
er, u. z. fur die k . k . Artillerie, Menuetten, 
Walzer, welche offentlich vorgetragen sehr 
gefielen und Jahre lang Lieblingsstucke 
der Prager blieben, auch dirigirte er in 
Privatconcerten das Orchester. Bei dem 
bliihenden Zustande, in welchem damals 
sowohl die Orchester« als Kirchen-Musik 
in Prag war, blieb dieB nicht ohne 
Einwirkung auf G. Eine langwierige 
Krankheit unterbrach seine juridischen 
Studien, welche er aus Mangel an Mit» 
teln nie wieder aufnehmen konnte. Da 
nahm er bei dem Grafen Funfkirchen, 
der ein groBer Musikfreund war, Dienste 
als Secretar, und da sammtliche Beamte 
des Grafen musikkundig sein mufiten und 
ein formliches Orchester bildeten, begann^ 
GyroweH 63 

G. fur Blechinstrumente zu componiren 
und vollendete in jener Zeit mehrere 
Symphonien . Den Winter brachte G. 
mit dem Grafen in Brunn zu, wo in 
jener Zeit Wenzel M u 1 1 e r als Theater 
Kapellmeister sich aufhielt. Auch in 
Briinn stand damals die Musik in Bliithe 
und Graf Troyer mit seinen beiden 
Sohnen, alle drei selbst aufBlasinstru 
mmten Virtuosen, hielten einen besuchten 
musikalischen Salon. Von Briinn ging 
G. nach Wien, wo er im Hause des Hof' 
rathes von KaeB, des ersten Musikfreuw 
des und Dilettanten Wiens in jener Zeit, 
liebevolle Aufnahme fand und in dessen 
Salon Joseph Haydn, Mozart, Dit< 
tersdorf, Hoffmeister, Albrechtsberg 
er, Iarnovichi, Musiker wie sie 
von solcher Bedeutung keine Zeit wieder 
vereinigte, beisammen fand. Mit Mo 
zart befreundete sich G. und Mozart 
war es auch, der in einem der Concerte, 
welche er damals auf der Mehlgrube 
gab, eine Symphonie von Gyrowetz 
vortrug, welche allgemeinen Beifall erhielt. 
G. zahlte damals 18 Jahre. Auch Wien 
hatte damals musikalische Macens in 
den Reihen der hochsten Gesellschaf t; die 
Fiirf tenSchwarzenberg, EBterhazy, 
GrassalkovicS, Graf Batthyani, 
welche eigene Orchester hielten, brachten 
urn hohe Preise Original ' Compositionen 
an sich und darunter befanden sich auch 
Arbeiten von Gyroweh. Die Aussicht, 
als Orchester«Director bei dem Fiirsten 
Schwarzenberg unterzukommen, zer« 
schlug sich durch Intrigue; hingegen fand 

Seite 92 



Wurzbach0 6 . txt 
G. durch Verwendung der Grafin Breuner 
den Secretarsposten bei dem Mon> 
signore Fursten Ruspoli in Rom. I n 
Venedig, im Salon der Grafin, wurde G. 
dem Fursten Ruspoli vorgestellt und 
als dessen Secretar und Violinlehrer aufgenommen. 
Mit dem Fursten durchreiste 
er nun ganz Italien, ging iiber Ferrara, 
Padua, Vicenza, Bologna, Pisa, Livomo, 
Lucca nach Florenz, wo sie langer ver» 
weilten; dann ging es iiber Siena nach 
Rom, wo der Fiirst eigentlich seflhaft 
war. I n Rom lernte G. den Dichter 
Goethe kennen und verkehrte viel mit 
ihm; von musikalischen GroBen kam er 
mit B o r o n i , Anfossi, Bianchi in 
Beriihrung. Hier componirte er auch 
6 Quartetten, welche nachmals ohne sein 
Wissen beilmbeault in Paris gesto« 
chen erschienen. Von Sehnsucht gerne« 
ben, Neapel kennen zu lernen, trat G. 
auS dem Dienste deS Fursten Ruspoli 
und ging nach Neapel. Dort lernte er 
Paisiello kennen, kam im Salon des 
osterreichischen Gesandten Baron Thu« 
gut, dessen Legationsrath Hadrava 
Concerte veranstaltete, wieder mitGoethe 
zusammen, nahm bei Kapellmeister S a 1 a 
Unterricht im Contrapunct, trug in mehreren 
Salons von Privaten, u. a. in 
jenem des englischen Gesandten Lord 
Hamilton, feine Quartetten und an» 
dere Symphonien vor, und schrieb im 
Auftrage des Konigs fur denselben 
6 Quartetten, wofiir er ihn mit 200 Un» 
zen Gold belohnte. Nach fast ''jahrigem 
Aufenthalte in Neapel begab er sich iiber 
Rom und Florenz nach Mailand. Dort 
fand er im Hause des Grafen Wilczek 
freundliche Aufnahme, aber auch die italiemschen 
GroBen, die 3itta, Castiglioni, 
Anguissola, Sannazar 

u. A. offneten ihm ihre Salons; er lernte 
Zingarelli und Minoja kennen, defi>« 
gleichen den Kammer-Virtuosen des Erz« 
Herzogs Ferdinand, den beriihmten 
Compositeur Wenzel Pichet, von dem 
Paganini die ersten Elemente in der 
Violine gelernt hatte. Nach mehrmonat« 
lichem Aufenthalte in Mailand reiste G. 
iiber Genua nach Frankreich, wo die^ 
Gywwch 

Revolution ausgebrochen war und ihm, 
als er in Marseille landete, eine Cocarde 
als ReisepaB diente. Es war Juli 4789. 
G. war damals 26 Jahre alt. Ueber 
Lyon, wo er in einem Musikladen seine 
Compositionen hoch riihmen horte, die 
ohne sein Wissen nach Paris geschickt und 
dort gestochen worden waren, reiste er 
nach Paris, wo er, als er sich als Com« 
positeur Gyrowetz zu erkennen gab, im 
Hause des Verlegers Imbeault die 
gastlichste Aufnahme fand und die ehrenvollsten 

Seite 93 



Wurzbach0 6 . txt 
Antrage zu Compositionen erhielt, 
welche er auch — darauf angewiesen — 
annahm. Daselbst erfuhr er auch, daB 
ein Lieblingsf tuck der Pariser, welches 
in alien Theatern und Concerten als 
Haydn's Compofition gespielt wurde, 
sein eigenes Werk war. Ein Virtuos 
Namens Tost hatte sie mit 2 anderen 
Symphonien als Haydn's Werke verkauft. 
I n den Wirren der Revolution, 
unbekummert urn die politischen Greuel 
jener Zeit, lebte G. in Paris der Musik 
und Komposition und verlieB es erst 
gegen Ende des Jahres 4789, urn nach 
London zu reisen. Tort traf er mit einem 
Bekannten aus Rom zusammen, namlich 
mit dem Kiinstler Iarnovichi, der ihn 
sofort dem Prinzen von W a 1 1 i s , dama' 1 
ligen Kronprinzen, vorstellte. Wie uberall 
so auch da fand G. die ehrenvollste Auf. 
nahme . Der Herzog von Cumb erland, 
ein groBer Musikfreund, wurde sein 
Gonner; er lernte H aydn, und bei ihm 
die groBten Musiker seiner Zeit, Dussek, 
Cramer, Ianovich, Grosdell. 
Clementi u. A. kennen und war er es, 
welcher Haydn — der zwar durch seine 
Compositionen in England schon popular 
war, als er aber in Person erschien, 
durch sein bereits vorgeriicktes Alter, da 
man ihn fur bedeutend jiinger gehalten, 
den englischen Enthusiasmus abkiihlte — 
jene ausgezeichnete Aufnahme erwirkte, 
die er verdiente. Auch in London, wie 
fruher in Paris, componirte G. steiBig 
und erhielt den Auftrag, fur das neu zu 
erbauende Odeon eine italienische Oper 
liber den Tert „8 6rairg . iui3 " zu componiren. 
Der Brand des neuen Theaters, in 
welchem sich die Partitur der Oper be« 
fand, die bereits einstudirt war, vernich« 
tete dieses Tonwerk. Kranklichkeit machte 
in ihm nun die Sehnsucht noch lebhafter, 
die Heimat, die er feit 7 Jahren nicht ge« 
sehen, zu besuchen. Auf Umwegen, veranlafit 
durch die Kriegswirren jener Zeit, 
gelangte er iiber Brussel, wo er Napoleon, 
der damals noch Capitan war. 
kennen lernte, und iiber Paris, da er von 
Belgien aus die deutsche Grenze nicht 
tiberschreiten konnte, nach Deutschland; 
ging nach Berlin, wo er Reichard, 
Righini, Dupont kennen lernte, von 
da nach Dresden, wo er mit CapellmeisterNaumann 
bekannt wurde, und end« 
lich iiber Prag, von wo er auf einige 
Zeit seinen Geburtsort Budweis besuchte, 
nach Wien (11. Marz 1793) . I n Wien 
trieb er nun ausschlieBlich Musik; seine 
Compositionen, die sehr beliebt waren, 
wurden bei Artaria, Mollo, Has« 
linger und Mecherti verlegt. Die 
musikliebende Aristokratie schenkte dem ge« 
nialen Kiinstler ihre Huld, und so kam 

Seite 94 



Wurzbach0 6 . txt 
es, daB Graf S ickingen, der an ihm 
Gefallen fand, ihm antrug, in sein Ge« 
sandtschastspersonal einzutreten, als er 
zum auBerordentlichen Gesandten bei der 
k. k. Hauptarmee ernannt worden. G. 
trat als Concipist ein, folgte dem Gra» 
fen, als dieser die Bestimmung nach 
Miinchen erhielt, dahin und von da 
nach Schwet zingen . Als aber die 3au< 
nen des Grafen nachgerade schwer zu 
ertragen waren, verlieB ihn G. und kehrte 
nach Wien zuriick, wo er sich mit der^ 
Gyroweh Gyrometz 

Composition beschaf tigte, und der Unter« 
bringung im Staatsdienst entgegensah. 
I n dieser Zwischenzeit trug ihm Baron 
B r a u n , welcher damals Director der 
k. k. Hoftheater war, die Kapellmeisters« 
stelle in denselben an. G. nahm sie an, 
mit sehr vortheilhaf ten Bedingungen, deren 
eine lautete: nach zehn jahrigerDienst» 
leistung sollte er einen lebenslanglichen 
Gehalt von 2000 St. C. M. erhalten. 
Als die zehn Jahre voriiber waren, sollte 
die Bedingung erfiillt werden, aber man 
vertrostete ihn auf eine spatere Zeit, wenn 
die Theatercaffe minder erschopft sein 
wiirde . I m Vertrag war die Erschopfung 
dieser Caffe nicht als Motiv der Nichterf iillung 
obiger Bedingung bezeichnet 
worden. Der obige Zeitpunct schien nie 
eingetreten zu sein, denn nach 23jahriger 
Dienstzeit wurde G. — mit 300 fl. — 
penfionirt, war also auf die schmerzlichste 
Weise getauscht, und nur die Gnade des 
Kaisers Ferdinand, die ihm huldvoll 
eine Unterstiitzung aus der Cabinetscasse 
gewahrte, schiitzte ihn einigermaBen vor 
Mangel. So lebte G. den Rest seines Le« 
bens kummerlich, aber munter, froh ge« 
launt, jovial, gefallig, wohlwollend gegen 
fremde Kunstgenossen und treu seiner 
Kunst bis an sein Lebensende, das ihn 
im Alter von 87 Jahren erreichte. I m 
Alter von 84 Jahren hatte er die neunzehnte 
Kirchenmefse in componirt, die 
in mehreren Kirchen mit Beifall vernom« 
men wurde. Es war ein reiches Leben, 
das G. gehabt, und hatte er Auf zeichnungen 
iiber dasselbe gefiihrt, es waren ge» i 
wiB sehr inhaltsreiche Memoiren geworden. 
Das Wenige, was er niedergeschrieben, 
obgleich sehr f ragmentarisch und 
liickenhaft, ist interessant. G. erlebte, 
18 Jahre alt, den 7. October 1780 in 
Paris, 83 Jahre alt, den 6. October 
4848 in Wien. Am 17. Mai 1848 er« 
v. Wiirz dach, biogr. Lexikon. V I . 
schien das Gedicht : „Nie Presse tret" von 
ihm in Musik gesetzt. G. war so durch 
und durch Musiker, daB er wahrend der 
Revolutionswirren in Paris von den 
politischen Agitationen ganz unberiihrt 
blieb und nur seiner Kunst lebte. Auf 

Seite 95 



Wurzbach0 6 . txt 
dem groBen Kirchhofe in Wahring, wo 
Weigl, der Dichter der „Schweizerf amilie" , 
E i b e 1 , der Kirchencomponist , 
Beethoven, Schubert und Sey« 

fried den letzten Schlaf schlafen, liegt 
auch G. begraben. Ueber seine zahlreichen 
Compositionen siehe die Quellen. 

I. Llebersicht der Compositionen Wyroweh ' s . Die 
Zahl derselben ist sehr bedeutend und lafit sich nicht 
mit Bestimmtheit angeben. Dlabaczin seinem 
Kunstler-Lexikon (1816) zahlt deren 128 auf; 
Lannoy, 20 Jahre spater, in Pietznigg's 
„Mittheilungen aus Wien" (1833) bereits 243, 
bis kurz vor seinem Tode mochten sie ein halbes 
Tausend stark iiberschritten haben. Lannoy 
theilt seine Compositionen nach zwei Lebensperioden 
ab; in die erste, vom achten bis zum 
zwolften Lebensjahre, fallen mehrere Serenaden, 
Menuette und Walzer, Salve Regina und einige 
Hymnen fur die Kirche, Ein Concert fur das 
Fortepiano in T , Ein Concert fur das Basset' 
Horn, einige Concertantstiicke und mehrere Partien 
fur Harmoniemusik . I n die zweite, von 
seinem zwolften Lebensjahre an, in welchem er 
bereits die erste Symphonie geschrieben, fallen 
nahe an 50 Symphonien, 24 Trios fur 2 Vio» 

linen und Violoncell, 44 Quartetten fur Streichinstrumente, 
3 Quintetten, 12 Serenaden mit 

ganzem Orchester, 36 Sonaten fur das Fortepiano, 
12 Noctumen, 4 Concertant " Symphonien 
fur verschiedene Instrumente in Orchester« 
begleitung, Entreacts zu „Wilhelm Tell", zu 
„Heinrich Reufi von Plauen" . zu den „Kreuzherren 
in Egypten", und 36 italienische und deutsche 
Canzonetten. Deutsche groBere p e r n : 
„aLlico", die erste, welche G. fur das kais. Hof' 
theater comvonirte; — „Agnes Sorel" , 1808 
'"uergl. dariiber Reichard's vertraute Briefe 
Bd. I I , S. 6 und 33); — „Ida. die BiiBende", 
in 3 Acten, Text von Holbein;— „Emerike"; 

— „Der Augenarzt"; — „Robert oder die 
Priifung", welche sich des Beifalls Beethoven's 
erfreute; — „Helene"; — „Mirina", 

1807, Melodram in 3 Acten, Text von Hol< 

bein; — „Felix und Adele", Op. in 3 Aufz., 

3^ 

Eyroweh Gyrowetz 

Text von Frau v. Weissenthurn . Deutsche 

kleinere Opern.- „Der betrogene Betruger" 

svergl. dariiber: Annalen der Literatur des In< 

und Auslandes 1810, Marzheft, S. 537); - 

„Der dreizehnte Mantel"; — „Der blinde 

Harfner"; — „Der Sammtrock"; — „Winterquartier 

in Amerika"; — „Gemahl von Ungefahr",- 

— „Das zugemauerte Fenster"; — „Die 
Iunggesellenwirthschaf t" ; — „Aladno oder das 
Nothwendige" ; — „Das Standchen"; — „Die 
Pagen des Herzogs von Vendome" ftergl. 
dariiber die schon erwahnten „Annalen" 1808, 
Octoberheft, S. 170 u. f.) . — GroBere italienische 
Opern : die schon erwahnte, fur 

London comvonirte, deren Partitur jedoch vor 

der Auffiihrung verbrannte: „Feinii-kmicko" ; 

^11 iiuto 8tl> . ni51ao" , fiir Mailand, und daselbst 

Seite 96 



Wurzbach0 6 . txt 
am 5. August 1818 zum ersten Male gegeben und 
nacheinander 30 Mai wiederholt; — »H.ao 
s I'eaerico«, fur Nien. — B al lete. GroBere 
Ballete componirte G. 23, aufierdem mehrere 
kleinere und Divertissements, darunter sind zu 
nennen: „Harlekin als Papagey" A vergl. dariiber 
die mehr erwahnten „Annalen" Jahrg. 1808, 
Septemberhef t , S. 132); — „Hochzeit der 
Thetis"; — „Das Urtheil des Paris"; — 
„Gustav Adolf", von Muzzarelli; — "Hamlet"; 

— „Wilhelm Tell"; - „Lodoiska"; - „I.H 
leiQML LN coloi'u A ; — „Alte und neue Welt"; 

— „Die Heirath aus Verstand"; — „Das 
Schweizer Milchmadchen" ; — „Fee und Ritter". 

— Kirchenmusik : 19 grofle Messen, 

die 19. in D im Alter von 84 Jahren; — 1 A 

DeuiQ ia,ua2.iuu5; —mehrere Offertorien und 

Graduale; — 2 Vsui Laueto ^iritu^;— 

1 groBe Vesper cie I A ata. — Aufierdem viele 

Duetten, Terzetten, Finale, Ouvertilren, Marsche, 

Anetten u. dgl . m. Auch componirte er cinm 

grofien Theil der Landwehrlieder „Collin'6". 

I I . <3ur Biographie. Biographie des Adalbert 

Gyrowetz (Wien 1848. Mchitaristen-Buchdruckerei . 

gr. 8«.) . '"Diese Lcbenoskizze hat Gyrowetz 

iiber Anregung des Dichters Lndw. Ang. 

Fr an kl selbst niedergeschrieben . Von Lctzterm 

erschien auch bald nach seinem Tode in der 

„Ostdeutschen Post" ein Feuilleton-Artikel, in 

welchem er die naheren Umstande erzahlt, wie er 

G. zu dieser Autobiographie bewogen hat.' 1 — 

F r a n k 1 (L. A.), Sonntagsblattrr (Wien, 

gr. 8».) 1848, Nr. vom 0. Februar, S.60 u. f. - 

Dlavacz (Gottfried Johann) . Allgemeines 

historisches Kiinstler-Lexikon fur Bohmen und 

zum Theile fur Mahren und Schlesien (Prag 

1813. Haase. kl. 4".) Bd. I , Ep . 322-332 M t 

das Jahr 1767 unrichtig als sein Geburtsjahr 

an. Enthalt das VerzeichniB von 128 Compositionen 

dieses Meisters). — Meusel ( I . G.), 

Kiinstler-Lexikon vom Jahre 1808, Bd. I , S. 

323 u.f. — Allgemeine Theaterzeitung, herausg. 

von Ad. B a u e r 1 e (Wien, kl. Fol.) 43, Jahrg. 

(1850) Nr. 70. S. 279: „Nekrolog" . - „Ost, 
deutsche Post" (Wiener polit. Blatt, Fol.) 18U0 
in einer der Marznummern. '"Dieser in mehreren 
Blattern nachgedruckte Aufsah ist von Ludwig 
August Frankl.' 1 — Pietznigg (Franz), 
Mittheilungen aus Wim. Jahrg. 1833, April- 
Heft. S. 46: Lebensskizze von Lannoy. -> 
N i e h 1 (W. H ) . Musikalische Charakterkopfe 

(Stuttgart 1853, Cotta, 8».) ''wurdigt ihn im 
Capitel: „G6ttlichePhiMr" . S, 195-217 A .- 
GaBner (F. S. Dr.), Universal ' Lexikon der 
Tonkunst . Neue Handausgabc in Einem Bande 

(Stuttgart 1849, Franz Kohler, Lex. 8".) S. 391. 

— Uniuersal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen 
von Dr. Julius Schlad edach, fortgesetzt von 
Eduard Bernodorf (Dresden, R. Schafer's 
Verlag, Lex. 8«.) Bd. I I , S. 284 Daselbst ist 
der 13. August 1849 irrig als sein Todestag an-, 
gegeben) .—Schilling (G.), Das musika« 
tische Europa... (Speyer 1842, F. (5. Neidhard) 
S. 133. — Gerber (Ernst Ludwig), Neues 

Seite 97 



Wurzbach0 6 . txt 
historisch ' biographisches Lexikon der Tonkiinstlcr 

(Leipzig 1812, A. Kuhnel, gr. 8«.) Bd. I I , Sp . 

4^0. — Hirsch (Iiudolph), Gallerie lebender 

Tondichter. Biographisch-kritischer Beitrag (Guns 

1836, C. Neichard, kl. 8«.) S. 41. - Brock' 

haus ' Conuersatwns-Lexikon (U) . Aufl.) Bd. 

V I I , S. 342. - NouvuUo Diosra' s liio A (.'nui'alo. 

. . "»«.r I)i'. I 1 o A 1 o i ' (I?a,i'i8, l>'irmin 

Diaot ti'oroa, gr. 8«.) Du . XXII, 8 A . 989. - 

Ocsterr. National «Encyklopadie, hrrausg. von 

Czikann und G r a ff e r (Wim 1833, ««.) Bd. 

I I , S. 447. — Meyer ( I . ) , Das groBe Convcrsations- 

Lexikon. . . (Hildourghausm, Bibliogr . 

Institut, gr. 80.) Bd. XIV, S. 497. - Derselbe. 

III. Supplmimt-Band, S. 1243. 

III. "Urtheile iiber V. als Coinpositeur . Der gcist« 

reiche Culturhistoriker W. H. N i e hi charakk'- 

risirt Gyrowetz: „Was hat denn G. gcschrk' 

ben? Ganze Dutzende von Symphonien, ganze 

Dutzende von Quartetten und Quintetten, Dutzende 

von Liederspielm und welter aber nichts. 

Er beschrankte sich auf einen engen Kreis, hicr 

war er zu Hause, hier fijhlte er sich sicher, hicr 

ward er erstaunlich productiv. Unsere Musiker 

produciren in Allem Etwas; Gyrowetz in 

Wenigem Vieles. Er war kein sonderlicher Techniker, 

er hat oft groBe Schnitzer gemacht, weil 

er durchschnittlich etwas leichtfertig gewesen ist, 

aber trotzdem mussen wir die Sicherheit und? 

Gyrowetz 67 Gyulay 

Selbstgewiftheit bewundern, mit welcher er so 

leicht und leichtfertig zu arbeiten weiB. I n seiner 

oberf lachlichen Technik war er durch die Concen, 

trirung seines Talentes so ganz und gar Herr 

und Meister, daB er nicht nur sich selbst, sondern 

auch die Kritik betriigen konnte, denn seine 

Technik nimmt sich dadurch — in einiger End 

fernung — ganz wie eine solide aus . Der Verfall 

und die Verflachung der Wiener Tonschule 

hatten in ihm bereits begonnen und doch wuftte 

er noch den alten EinfluB seiner Vorbilder in 

Deutschland und im Auslande zu bewahren. 

So machtig war die bewegende Kraft welche 

Haydn dem deutschen Instrmnentalsatzc ein 

gepflanzt, und doch war diese bewegende Kraft 

ein so einfaches kleines Ding gewesen. Auch 

Kalk brenn er, welcher Gyrowetz nur um 

wenige Wochen im Tode vorausgegangen, gehorte 

zu den aufiersten Auslaufern und zu den 

Verfiachern der Wiener Tonschule." — Schlade« 

b ach ' s„Universal-Lerikon" schreibtubcrG . : „Die 

Beliebtheit, deren sich seine Sachen zu ihrer Zeit 

erfreuten, ist freilich jetzt geschwunden und kein 

Mensch bekummert sich mehr um diesen letzten 

Auslaufer der Wiener Tonschule (!), wie man G. 

wohl nennen kann. Seine auf Haydn fuBende 

Manier ist leicht, gefallig, gewandt und einganglich; 

in Form und Inhalt verzichtet er auf alle 

Bedeutsamkeit und Tiefe, und in seinen spateren 

Sachen ist er handwerksmaBig trocken und schablonenhaf t 

geworden, sowie seine urspriingliche 

Naivitat in Philistrositat umgeschlagen ist." — 

GaBncr schreibt: „G. war in seiner Bluthezeit 

ein ebenso fertiger Clavier- als Violinspieler ; 

Seite 98 



Wurzbach0 6 . txt 
kannte die Natur aller Nlasinstrumente, und uer> 
stand somit auch zweckmaBig und effektreich fur 
dieselben zu sehen. G. muB (er lebte damals 
noch, als G afiner das Folgende schrieb) in 
dem BewuBtsein dessen, was er fur die musikalische 
Welt gethan, ganz eigenthumliche Empfindungen 
haben, wenn er fich, der noch Ilcbrige 
aus einer schonen Zeit, in dem groBen Wien am 
Abende seines Lebens fast der Diirftigkeit preisgegeben 
sieht. Er ist ein (damals noch) lebendes 
Denkmal, „wie wenig die Welt zu Lebzeiten 
Derer, denen sie nach ihrem Tode Denkmale scht, 
an eine Bethatigung der Dankbarkeit denkt, so 
lange sie den zu Ehrenden selbst noch niitzen 
konnte ! " 

IV. Portrate. Blatt in gr. 8«. Mansfcld 2c. 1793. 
Vor seinem III. Quartette. 0?. 6 (Wien. bei 
Artaria) . — Unterschrif t : Facsimile des Na< 
mens: Aoalbcrt Gyrowetz. M. Biscniuo 

(lith.), gedr. bei I.Hoefelich (8«., Wien) ''findet 

sich auch vor seiner Autobiographies — LithovonKriehuber 

(Wien, Spina, Fol.) 

fieses und das vorige sind sehr ahnlich' 1 . 

G1M) , Alexander (Ingenieur, 

geb . zu Tarjan im Komomer Comitate 

1793) . Er studirte zu PreBburg, Nagy-Ko» 

ros, Debreczin und ging dann nach Pesth, 

wo er im technischen Fache sich ausbildete. 

1823 wurde er Ingenieur. AuBer zahl« 

reichen kleineren mathematischen Arbeiten 

schrieb er: „ A ./ck6'66 ama?i/ns 6?6?nsi") 

d. i. Elemente der hohern Analyse (Ofen 

1836-1840); - „ A sas A s a F"a- 

' s 666/z Ho'Zil Aitsn^o' a' s ci/i/' s o' s d. i. 

Abhandlung iiber die zwischen Pesth' 

Ofen zu erbauende stehende Briicke (Pesth 

1832) . Die ungarische Akademie erwahlte 

ihn 1832 zu ihrem ordentlichen Mit» 

gliede fur die mathematische Abtheilung. 

irok . '"iLti ' H 

d. i. Ungarische Schrif tsteller . Sammlung von 

Lebensbeschreibungen . Von Jakob Ferenczy 

und Ios. Danielik (Pesth 1856. Gustav 

Emich, 80.) S. 174. 

GMllty von Maros-Nsmeth und 

Nadaska, Albert Graf (Feldmarschall- 

Lieutenant und Ritter des Mar. Theresien- 

Ordens, geb. zu Ofen 12. Sept. 

1766, gest. zu Pesth 27. April 1833). 

Sohn des Grafen Samuel (I.) (s. d.) . 

Trat im Mai 1784 als Lieutenant in 

das HuszareN ' Re ' giment Kaiser Nr. t, 

wurde im October 1787 Oberlieutenant 

im Inf anterie-Negiment Alvintzy Nr. 

19, bald darauf zweiter Rittmeister bei 

den Sz ekler Huszaren, und bei dem 

1788 mit der Pforte ausgebrochenen 

Kriege gab er bereits Proben seines Mu» 

thes. Am 26. August d. I . hatten die 

Tiirken, 6000 M. stark, die Verschan, 

zungen im Torzburger (nicht wie er in 

Meyer's groBem Conversations ' Lericon 

heiBt : Storzburger) Passe angegriffen, die 

Schanzen erobert und den Riickzug des 

Seite 99 



Wurzbach0 6 . txt 
Corps gefahrdet. Gyulay, der sich bei 

Gyulay 

dem zur Deckung der Grenze unter dem 
Feldmarschall-Lieutenant F a b r i s aufge> 
stellten Armee-Corps befand, warf sich 
mit 3 Ziigen Huszaren dem Feinde ent> 
gegen, hielt die verfolg enden Tiirken meh> 
rere Stunden auf, nahm ihnen die gemachte 
Beute an Geschiitz und Menschen 
ab und deckte den Riickzug der iibrigen 
Truppen. I m Februar 1789 riickte er im 
Regimente seines Vaters Nr. 32 zum 
Hauptmann vor, zeichnete sich im Feld 
zuge dieses Jahres, bei der Hauptarmee 
unter Loudon befindlich, bei dem 
Sturme auf B e 1 g r a d (30. Sept.) aus, 
indem er freiwillig mit seiner Compagnie 
durch die Pallisaden eindrang, die Tiirken 
aus dem Graben vertrieb und bis in 
die Stadt verfolgte. G. wurde nun in 
der 19. Promotion (21. December 1789) 
mit dem Ritterkreuze des Maria Theres. 
Ordens belohnt. Im Feldzuge 1793 
fiihrte G. nach der Schlacht bei Neer« 
winden einen nachtlichen Ueberfall auf 
die feindliche Nachhut aus, nahm dem 
Feinde mehrere Geschiitze ab, machte 
mehrere hundert Gefangene und besetzte 
die Stadt T i r 1 em ont . I m Mai 1793 
wurde er Major im ' Donnel ' schm 
Freicorps, wohnte den Belagerungen von 
Valenciennes (Juni) , IeQuesnoy 
(August) und den Streif ziigen des Bellegarde ' schen 
Corps gegen Ca stellet, 

Beauvais, St. Quent in und Cambray 
bei. Im I . 1794 zeichnete er sich 
aus bei dem Angriffe auf Vaur 
(17. April), im Treffen bei Tournay 
(10. Mai); im I . 1797. in der Brigade 
des Generals GrafdeBrieg eingetheilt, 
erstiirmte er (19. April) das Dorf Lein 
und SchloB Braunfels . Noch im 
April d. I . wurde er 2. Oberstlieutenant 
im Regimente seines Vaters, im Marz 
d. f. erster Oberstlieutenant bei Kaiser- 
Huszaren und bald darauf Oberst im 
8 Gyulay 

neu errichteten ungarischen Infanterie» 
Regimente Nr. 48. I m 1.1799 machte 
G. den Feldzug in Italien mit, that sich 
hervor in den Gefechten bei Verona 
(26. Marz), wo er 18 Stunden dem weit 
iiberlegenen Feinde unerschiitterlichen Widerstand 
entgegenstellte, und in der Schlacht 
bei Magnano (3. April), wo er auch 
schwer am Kopfe verwundet wurde und 
trepanirt werden muBte. Fur sein aus» 
gezeichnetes Verhalten wurde er Mitglied 
der Elisabeth Theresien-Stiftung. Es war 
dieB der erste Fall der Aufnahme in die» 
selbe eines Obersten im activen Dienste, 
da nur im Felde dienstuntauglich gewordene 
Officiere darauf Anspruch haben; 

Seite 100 



Wurzbach0 6 . txt 
auch ernannte ihn die Stadt Verona aus 
Dankbarkeit zum Veroneser Edelmann. 
Die Einkiinfte der Elisabeth Theresten» 
Stiftung vertheilte er von 1813 bis au 
seinen Tod an vier mit mehreren Kindern 
belastete und dienstuntauglich gewordene 
Officiere, nach deren Tode aber an ihre 
Witwen und Kinder. I m I . 1800 wurde 
G. General-Major, und trat seiner ge» 
schwachten Gesundheit wegen in den 
Ruhestand; aber schon im namlichen 
Jahre bei Errichtung der ungarischen In» 
surrection wurde er Districts-General 
jenseits der TheiB; trat 1803 wieder in 
die active Armee ein, wurde Feldmar« 
schall ' Lieutenant , ubernahm 1809 das 
Commando des 8. Armee>Corps in Ita» 
lien, hatte wesentlichen Antheil am 
iege bei Fontana fredda (17. April) 
und schlug die Franzosen auf dem Monte 
Cerroni (30. April), so die Gefahren 
hemmend, welche die osterreichische Ar» 
mee durch M u r a t's Manovers bedrohten. 
Als die Siege der Franzosen in Deutsch» 
land die Oesterreicher zur Raumung-Ita« 
lens zwangen, behauptete er noch seine 
Ztellung bei T a r v i s durch 2 Tage (16. 
u. 17. Mai 1809) gegen die wiederholten^ 
Gyulay 69 Vyulay 

Angriffe des iiberlegenen Feindes, rettete 
die Magazine und bewerkstelligte bei St. 
Gotthard in Ungarn (2. Juni) die Ver« 
einigung seiner Division mit der Armee 
des Erzherzogs Johann. Am 7. Fe> 
bruar 1810 erhielt er die Inhaberf telle 
des Inf anterie-Regiments Nr. 21, ging 
1811 in Pension, trat jedoch zweimal 
noch, aber immer auf kurze Zeit in Acti> 
vitat, im I . 1813 und 1813; beidesmai 
das Commando einer Division im Re> 
serve-Corps ubernehmend. Von 1816 bis 
an seinen 1833, im Alter von 69 Iah 
ren, erfolgten Tod, lebte er in ununter> 
brochenem Ruhestand. 

Oesterr. Militar-Zeitschrif t (Wien, 8".) Jahrg. 1836. 
Bd. IV.— Hirtenfeld(I. ) , Der Militar 
Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder 
(Wien 1857, Staatsdruckerei, 4".) S. 277 und 
1733. — Oesterr. Militar ' Konversations-Lerikon . 
HerauZg. von I . Hirtenfeld (Wien 1830, 
gr. 8".) La. I I , S. 838. - Meyer ( I . ) , Das 
groBe Conversations«Lexikon (Hildburghausen, 
Bibliographisches Institut, gr. 8".) Bd. XIV, 
S. 499 lgibt das Jahr 1768 als Geburts-, 1836 
(27. April) als Todesjahr an A . — Genealogie 
des Hauses Wi)ulan. Die Gyulay sind ein 
altes, aus Siebenbiirgen stammendes Geschlecht 
und seit dem 17. Jahrhundert in Oesterreich bekannt . 
Es weist eine Reihe von Namen auf, 
welche in der osterreichischen Kriegsgeschichte 
glanzen. Nach Lehohky (H. 16!) reicht der 
Ursprung dieses Geschlechtes auf die Zeiten des 
Konigs Salomon (1063—1073) zuriick, wo 
ein Q t t o G. die Wiirde eines Palatins beklei' 

Seite 101 



Wurzbach0 6 . txt 
dete. Der Freiherrnstand kam nach Lehotzky 
1732, nach Nagy bereits 1694 in die Familie, 
welche 1704 den Grafenstand erhielt. Indem 
wir mit Franz (I.) (1631) anheben, pflanzte 
sich das Gejchlecht f olgendermaBen fort; sein 
Sohn ist: Stephan (I.) (1662); von dessen 
Sohnen, Stephan (II.) und Franz (II.), 
wurde letzterer 1694 Freiherr, 1701 (nach 
Kneschke 1704) Graf. Er war zwei Mai vermalt; 
zuerst mit Alara NaraKoM und dann 
mit Maria Aap^j. Seine beiden Sonne, Graf 
Franz (III.) und Graf Stephan (III.), 
griindeten die zwei noch bliihenden Linien, der 
erstere die altere, der zweite die jiingere. 
Aeltere Linie (katholisch) . Von Graf Franz 

(III. ) aus der Ehe mit Maria B a M stammt 

Graf Samuel (I.) (s. d. S. 81); aus dessen 

Ehe mit Anna Vorneniisza Graf Ignaz (s. d. 

S. 77), Graf Samuel (II.) und Graf 

Albert (s. d. S. 67). Der Aelteste, Graf 

Ignaz und der Jiingste, Graf Albert , pflanzten 

ihr Geschlecht fort. Aus der Ehe des Graf en 

Ignaz mit Julia Baronesse Edelsyeim stammt 

Graf Franz (VI.) (s. d. S. 70). Aus der Ehe 

des Grafen Albert mit Iutta Grasin W A nants 

(gest. 1824) stammen 3 Sonne: Graf Samuel 

(III.) (geb. 19. April 1803). vermalt (seit 12. 
Nov. 1838) mit Hermine von hoffenegg (nach 
Kneschke), von tzoffmeister (nach Nagy und 
dem genealogischen Taschenbuche der graflichen 
Hauser fur 1859); Graf Albert (geb. 1805) 
und Graf Ludwig (gest. 1843) . Graf Samuel 

(III.), der gegenwartig das Haupt der alteren 
Linie ist, hat einen Sohn, den Grafen Ignaz 
Franz (geb. 24. Dec. 1839) . Jiingere Linie 

(reformirt). Franz (IH.), Bruder des Grafen 

Stephan (III.), pflanzte dieselbe fort. Graf 

Stephan war mit Iudilh Banffu vermalt. 

Aus dieser Ehe stammen 3 Sonne und 1 Tochter. ' 

Graf Franz (VI.), vermalt mitAarolina Graf in 

Haller; Graf Joseph, vermalt mit Nana 

Freiin I o M ; Graf Ladislaus (gest.) und 

Grafin Katharina, oermalt mit Gabriel 

Alvinczy . Graf Joseph pflanzte das Geschlecht 

fort. Er hatte eine Tochter: Grafin 

Katharina, vermalt mit Adam Graf Beth« 

1 e n , und zwei Sonne.- Graf Stephan, ver» 

malt mit Aora Grafin Banssh, und Graf Franz, 

vermalt mit ousanna Aalsund' 1 . Ein Sohn 

dieser zwei ist Graf Ludwig (geb. 1800), das 

gegenwartige Haupt der jiingeren Linie. Seine 

drei Schwestern sind: Karolina, vermalt mit 

Peter Freiherrn von F r i m o n t ; Franziska, 

Witwe des Grafen G eorg Vas vonCzege, 

und Grafin Constanze, vermalt mit Ladis» 

laus Graf Kunn von Osdola. A .Va A ?/ 

68 I6821ii-M22a5i tadililckkl, d. i. Die Familien 

Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 

1859, Mor. Rath. gr. 8".) Bd. I V , S 478. - 

Kneschke (ErnstHeinrich Dr.) . Deutsche Gra< 

fenhauser der Gegenwart (Leipzig 1834, 0. 

Weigel) Bd. I I I , S. 136. — Historischcheral» 

disches Handbuch der graflichen Hauser (Gotha 

1856, 32«.) S. 289 und 1112.'" - Wappen. 

Seite 102 



Wurzbach0 6 . txt 
Geoierteter Schild mit zwischen dem 3. und 4. 
Felde eingepf ropf ter Spitze und Hcrzschild. I m 
goldenen Herzschild die Chiffer <U. V I . Feld 1 : 
in Roth ein auf griinem Boden einwarts schreitender 
gekronter goldener Lowe, in linker Vor« 
derpranke einen blanken Sabel mit goldenem^ 
Gyulay 

Griffe schwingend, in der rechten einen griinen 
Kranz abwarts haltend; 2: in Blau ein auf 
griinen: Boden einwarts schreitender gekronter 
goldener Lowe, in der rechten Vorderpranke ein 
goldenes Doppelkreuz emporhaltend, mit der 
linken ein silbernes Viertelrad, dessen Rundung 
links gekehrt, erfassend; 3: in Blau auf einem 
steilen, griinen gekronten Berge ein vorwartssehender 
geharnischter Ritter, der in jeder Hand 
einen goldenen, an der Krone des Berges befestigten 
Flugel halt; 4: in Roth auf silbernen 
Wellen eine schwimmende, gekronte mannliche 
Sirene mit silbernem, in die Hohe geschlagenen 
und einmal gewundenen Fischschwanze, mit in 
die Seite gestemmter Linkm, mit der Rechten 
eine in die Hohe sich windende goldene Schlange 
emporhaltend. I n der zwischen 3 und 4 eingc« 
pfropften goldenen Spitze ist eine griine, in den 
Schwanz sich beiBende Schlange. Den Schild 
bedeckt die Grafenkrone, auf derselben erheben 
sich drei gekronte Helme, der rechte tragt den 
goldenen Lowm des 2. Feldes mit Kreuz und 
Viertelrad; der mittlere den Ritter des 3. Feldes 
mit den Fliigeln, der linke den goldenen Lowen 
des ersten Feldes mit Sabel und Kreuz. Bei 
Kneschke ist der Ritter des 3. Feldes und de 
mittleren Helmes mit dem halben Leibe aus der 
Krone heroorwachsend dargestellt, bei N agy am 
angezeigten Orte ( S . i!>6) steht der Ritter in 
ganzer Figur auf Kroue und Helm und halt mit 
seinen ausgestreckten Handen die Flugel . Enden . — 
Ganz verschieden von der vorstehenden Beschrei» 
bung des Wappens, welche den Abbildungen in 
Nagy und Kneschke entspricht, ist jene des 
„Gothaischen genealogischen Taschenbuches der 
graflichen Hauser fur !839", S, 328. Nach die« 
sem ist der Hauptschild auch quadrirt, das Mittelschild 
aber zeigt in Silber einm doppolge« 
schwanzten gekronten Lowen in naturlicher Farbe; 
in den Vordcrpranken halt er einen blanken 
Stahlhelm, mit goldenen Beschlagen, rothem 
Futter und drei schwarzen StrauBfedern zwischen 
einem offenen schwarzen Fluge rechts uor sich 
hin. i und 4 in Blau ein rothgekleideter freier 
Arm mit abwarts gebogenem Ellenbogen, der 
in der einwarts gewendeten Faust einen blanken 
Sabel schwingt; 2 und 3 in Roth auf einem 
natiirlichen spitzen Felsen eine einwarts gewendete 
silberweiBe Taube mit erhobenen Fliigeln, 
welche auf ihrem rechten FuIJe steht und einen 
Oelzweig im Schnabel halt. Der mit der 
Grafenkrone bedeckte Helm tragt den Lowen 
des Mittelf eldes . Diefl diirfte wohl das Wappen 
einer andern Familie Namens G y u 1 a i sein, 
deren Nagy mehrere aufzahlt, jenes der Gyu< 
7t) Gyulay 
lay von Maros-Nsmeth und Nadaska 

Seite 103 



Wurzbach0 6 . txt 
ist das erstbeschriebene . Schildhalter : Diese 
sind bei Nagy zwei auswarts sehende Windspiele 
mit hervorstehender rother Zunge, mit 
beiden vorderen Pranken den Schild haltend; 
nach dem genealogischen Taschenbuche zwei auswarts 
sehende goldene Lowen. 
G1M1111) von Maros-Nemeth und 
Nadaska, Franz (VI.) Graf (Feldzeug. 
meister, Ritter des goldenen Vliefies, 
geb . zu Pesth 1. September 1798) . 
Sohn des Grafen Ignaz (s. d.)< Der 
Graf Franz erhielt im 16. Lebensjahre 
eine Unterlieutenants-Stelle im Infanterie- 
Regimente des Vaters Nr. 60, kam 
dann zu den Huszaren, ward im Sep. 
tember 1827 Major bei Kaiser-Uhlanen, 
riickte bald darauf zum Obersten im 
19. Inf anterieregimente und 1837 zum 
Generalmajor und Brigadier in St. Pol» 
ten vor. Einige Jahre darauf nach Wien 
iibersetzt, verlieh ihm Se. Majestat der 
Kaiser im Jahre 1843 das 33. Infanterie- 
Regiment, 1846 die Feldmarschall» 
Lieutenants-Wiirde, worauf er als Divisionar 
und Militar-Commandant nach 
Triest bestimmt wurde. Hier war es, wo 
Graf Gyulai im I . 1848 im entscheidenden 
Augenblicke, als eS gait, von der 
Marine zu retten was zu retten war, sich 
aus eigenem Antriebe an die Spitze der« 
selben stellte, die unverlaBlichen italienischen 
Officiere und Mannschaften entlieB 
und nicht nur die in den verschiedenen 
Stationen Dalmatiens befindlichen Kriegs» 
schiffe in Sicherheit brachte, sondern auch 
die bereits auf der Fahrt nach Venedig 
begriffenen Schiffe, sowie nicht minder, 
durch zweckmaBige Einleitungen bei den 
Gesandtschaf ten, die auBerhalb des adriatischen 
Meeres stationirten Fahrzeuge rettete. 
Dann lieB er fur Triest, Pola, Pirano 
und andere wichtige Kustenpuncte 
die Vertheidigungs . Anstalten treffen, 
sicherte die vom Aufruhr bedrohte Grenze? 
Eyulay 71 

und bereitete die Offensive vor, welch, 
nach Anlangen der Verstarkungen aus 
dem Inlande der Feldzeugmeister Graf 
Nugent am 17. April 1848 ergreifer 
konnte. Seiner Energie gelang es, ein« 
Ruderf lottille schlagfertig auszuriisten, 
welche die Unternehmungen der Land armel 
an der Kiiste bestens unterstiitzte . Am 
23. Mai erschien die piemontesische Flott« 
vor Trieft; da waren aber durch Feldmarschall . 
Lieutmant Gyulai die Anstalten 
so kraftig ins Leben gerufen, daB dei 
Feind den Angriff aufgab und 2 A Mi> 
glien vom Leuchtthurme Anker warf 
ingleichen wurde eine versuchte Uebev 
rumplung der entfernt gelegenen Batterie 
bei S. Barcola vereitelt. Zum letzten Male 
allarmirte der Feind Triest am 8. Juni; 
da er aber Gyulai fur alle Falle wohl 

Seite 104 



Wurzbach0 6 . txt 
geriistet f and, zog er endlich am 4 . Juli 
ganz aus dem Gesichtskreise der Stadt, 
und nach der Schlacht bei Custozza auch 
aus dem adriatischen Meere. Se. Majestat 
belohnte den Grafen Gyulai mit dem 
Commandeurkreuz des Stephans»Ordms, 
dem spater das GroBkreuz des Leopold« 
Ordens folgte; die dankbare Stadt aber 
ernannte ihn zu ihrem Ehrenbiirger. Zu 
Anfang Juni 1849 erhielt Graf Gyulai 
die Leitung des Kriegsmimsteriums, wo 
er groBe Energie entwickelte und seiner 
Stellung mit ganzer Hingebung oblag. 
Bei der Einnahme von Raab befand er 
sich im Gefolge des Kaisers; nach Wien 
zuriickgekehrt , eilte er im August 4849 
nach dem ungliicklichen Treffen bei Acs 
sofort vor Komorn, urn an Ort und 
Stelle die erf orderlichen Anstalten zu 
treffen. Dann machte er eine langere 
Inspicirungsreise durch den groflten Theil 
des Kaiserstaates und legte seine Berichte 
Allerhochsten Orts zur Maflnahme vor. 
Im Juli 1830 wurde Graf Gyulai der 
Stelle eines Kriegsministers enthoben, 
Eyulay 

und mit dem Commando des 3. Corps 
in Mailand betraut. Hier traf ihn die 
Ernennung zum Feldzeugmeister , welcher 
dann die Verleihung des Ordens vom 
goldenen VlieBe folgte. Nach des groBen 
Feldmarschalls Radetzky Riicktritt ubernahm 
Gyulai das Commando der 

zweiten Armee. Mit der Nap o leon'schen 
Ansprache an den osterreichischen Gesand« 
ten in Paris, am Neujahrstage 1839, war 
fur diese Armee der Augenblick erschienen, 
sich marschfertig zu halten. Am 28. April 
erschien das Manifest des Kaisers „An 
seine Volker", und am 29. folgte dem 
Worte die That: das osterreichische Heer, 
von Gyulai angefiihrt, iiberschritt den 
Tessin. Am 2. Mai stand die Haupt« 
macht, 120.000 Mann stark, in der 
Hohe von Candiaund Cairo. Am 
3. und 6. Mai war die Armee ungehin« 
dert bis Voghera und Tor ton a vor« 
gedrungen, indefl der Feind sich mit seinem 
linken Flugel an ' s Gebirge, mit dem 
rechten an den Po lehnte, so die strategisch 
wichtige Dora Bait ea-Linie 
inne hatte und feine Hauptmacht unter 
den Kanonen von Alefsandria sammelte. 
Das osterreichische Hauptquartier wech. 
elte indessen mehrere Male seine Stelle, 
befand sich am 7. Mai inMortara, 
am 9. in Vercelli und ging dann wieer 
auf Mortara zuriick. Bis zum 

20. Mai kam es nur zu kleinen aber bluigen 
Gefechten. Mittlerweile hatten aber 
ie Franzosen ihre Auf stellung vollendet. 
Das 4. Corps (Niel), der aufierste linke 
Flugel, stand an der Dora Baltea, urn 
Turin zu decken; das 1. Corps (Ba rauay) 

Seite 105 



Wurzbach0 6 . txt 
in Aqui, Gavi, Novi; das 
. Corps (Canroberr) bei Alessanria; 
die Garde unter Regnault de 
Saint Jean d'Angely zwischen Ge« 
ua und Alessandria; das 2. Corps 
M acMahon) bei Valenz a. Die sar>? 
Gyulay 72 Gyltlay 

dinische Division Castelborgo stand 
ebenda. Die Divisionen Cialdini und 
Garibaldi zwischen Casale undFrassinetto; 
die Division Fanti in Alessandria, 
die Division Cucchiari bei 
Novi, die Division Dur and o in Casale. 
Die Vorpof tenlinie stieB rechts an 
Voghera, links ans Gebirge. Oester» 
reichischer Seits sollte Feldmarschall-Lieutmant 
Graf Stadion Starke und Stellung 
des feindlichen rechten Fliigels erforschen. 
Mit 3 Brigaden des 8. und 1 
Brigade des 9. Corps, zu denen noch 
Feldmarschall-Lieutenant Urban mit 4 
Brigade seines fliegenden Corps stieB, 
ging Graf Stadion an die Ausfiih» 
rung. 16 Bataillons, 6 Schwadronen, 
16 Geschiitze, ungefahr 13.000 Mann im 
Ganzen, betrug sein Corps. Am 20. Mai 
begann die Vorriickung. Bei Montebello 
kam es zum ZusammenstoBe mit 

dem dreimal starkeren Feinde. Die Oesterreicher 
wichen, nach blutigem Kampfe der 
starken Uebermacht. Der amtliche Bericht 
gibt an: an Getodteten: 294 Mann, 
20 Pferde; an Verwundeten: 718 Mann, 
10 Pferde-, an VermiBten: 283 Mann. 
Die Regimenter Erzherzog Carl, Dom 
Miguel, Rofibach, Culoz, das 3. 
Jager . Bataillon und Haller-Husza . 
ren hatten wahre Wunder der Tapferkeit 
verrichtet. Nach dem Treffen bei Monte« 
bello verlegte Gyulai sein Hauptquar» 
tier von Mortara nach Garlasco, 
somit naher an den Tessin. Indessen 
sielen am linken Poufer harte Kampfe 
zwischen Feldmarschall-Lieutenant Urban 
und Garibaldi vor, welch' letzterer 
sogleich nach dem Treffen bei Monte, 
bello die Sesia bei Romagnano 
iiberschritt, am 21. Mai in Arona, am 
22. auf osterreichischem Boden bei Sesto 
Calendo. und am 23. Abends mit 
seinen 3—6000 Mann Freischaarm in 
Varese eintraf. Die. Hauptarmee des 
Feindes nahm nun folgende bereits vorgeschobene 
Stellung ein: das 1. Corps war 
zu Alessandria, das 2. in Voghera, 
das 3. beiderseits derBormida liber 
Sale und Caftelnuovo, das 4. urn 
Casale. Die Sarden bewachten Va> 
lenza, Frassinetto, Casale und die 
Sesia-Linie. Unvermuthet brach dann 
das 2. Corps von Voghera auf. General- 
Lieutenant Niel iibersetzte mit dem 
4 . Corps von Casale nach Vercelli, 
wo der Kaiser Napoleonlll. selbst sein 

Seite 106 



Wurzbach0 6 . txt 
Hauptquartier aufschlug, und mit einem 
Male, jedoch zu spat, stellte es sich heraus, 
daB der Schwerpunct der feindlichen 
Armee nicht am rechten Poufer. wie 
man vermuthet hatte, sondern auf der 
StraBe von Turin nach Mailand zu 
suchen sei. Die blutigen Gefechte bei Pa» 
lestro, Rivoltella, Vinzagliaund 
Confienza waren nur das Vorspiel 

der von der f ranzosischen Armee durch geschickte 
Tauschung des osterreichischen 
Feldherrn vorbereiteten Invasion der 
Lombardie. Die Kampfe an der Sesia 
dauerten die letzten Tage des Mai ununterbrochen 
fort: 2t . Mai bei Borgo> 
Vercelli, am 23. Mai bei Candia, 
am 34. bei Paleftro, wo der Verlust 
der Oesterreicher an Todten: 13 Ofsiciere, 
813 Mann; an Verwundeten: 
24 Officiere, 878 Mann; an VermiBten: 
6 Officiere, 674 Mann, also jenen von 
Montebello iiberstieg. Aber nun erst 
erkannte der Feldherr, daB die Bewegungen 
des Feindes nicht dem Po und Pavia, 
sondern dem obern Tessin und Mailand 
galten. Der Ernst der Situation 
trat in erschreckender Weise hervor; schon 
umfaBte der Feind in weitem Bogen von 
den Alpen und Lago maggiore den 
rechten Fliigel des osterreichischen Heeres. 
Graf Gyulai gab nun seine Stellung^ 
Gyulay 73 Gyulay 

auf, riickte aber nicht aufMortara und 
Novara vor, sondern suchte die Linie 
des Tess in zu gewinnen. DaB dieser Riickzug 
nicht vollstandig gelungen, erhellt aus 
der Zahl der am 4 . Juni in die Schlacht 
gefiihrten Truppen, von denen 3 ganze 
Armee-Corps, somit iiber 60.000 Mann 
fehlten. Die Aufstellung der Oesterreicher 
hinter dem Tessin war folgende: Eine 
Division des 4. Corps bei T u r b i g o, im 
Ganzen bios eine Brigade von hochstens 
4000 Mann; ein Theil des 1. und 4 Di 
Vision des 2. Corps in und urn Ma 
genta; 1 Division des 7. Corps in 
Corbetta, 1 in Castellazzo und 
Casterno. Das 3. Armee-Corps lagerte 
bei Abbiategrasso, eine Fortsetzung 
des Marsches nach Mailand erwartend; 
das 3. u. 8. befanden sich noch auf dem 
Anmarsch vonBinasco, das 9. stand 
bei Pavia . Also eine Vereinigung der 
Streitkrafte war weder erzielt, noch fur 
den 4 . Juni an eine Schlacht gedacht 
worden. Indessen iiberschritt Mac Mahon 
bei T u r b i g o den Tessin, und 
umging faciisch die Oesterreicher rechts, 
auf nur unbedeutenden Widerstand sto« 
Bend; ferner wendeten sich die Franzosen 
mit ihrem linken Fliigel von Novara 
iiber Galliate . So geschah es denn, 
daB amScblachttage von M a genta von 
430.000 Mann, welche kampfbereit in 

Seite 107 



Wurzbach0 6 . txt 
Italien standen, nur 70.000 Mann (das 
1 . , 2 . , 3 . und7 . Armee-Corps ) gegen einen 
Feind von mindestens 120.000 Mann 
theilnahmen. Die Schlacht am 4. und 3. 
Juni beiMagenta wurde geschlagen. 
Die Schlacht selbst hatte der Gegner nicht 
gewonnen. Zahlt sie Frankreich auch 
unter seinen Siegen auf, in der Kriegs» 
geschichte Oesterreichs steht sie da als 
ein Ehrentag der osterreichischen 
Armee vom Off icier abwarts. Der Ver> 
luft der Oesterreicher betrug an Todten: 
63 Officiere. 1302 Mann; an Verwundeten 
218 Offieiere, darunter 4 Gene« 
rale, dann 4 ! 30 Mann; an VermiBten 
ungefahr dieselbe Zahl. Am 3. Vormittags 
zwang die Uebermacht des Feindes 
den nochmals auf genommenen Kampf 
abzubrechen. Man legte von vielen Seiten 
den Verlust dieser Schlacht lediglich 
dem Feldherrn zur Last; andere wieder 
halten den Feldherrn mehr fur ungluck» 
lich als fur kurzsichtig, und die „allge< 
meine Militarzeitung" vom 6. August 
1839 nennt die Schlacht von Magenta 
ein „Werk des Zufalls". Es bleibt der 
Geschichte iiberlassen, den Schleier zu 
liiften, der iiber dieser Verkettung von 
MiBgeschick und verfehlten Planen schwebt. 
Auf den ersten Blick aber stellt sich die 
Thatsache klar hin, daB der Feldherr 
kein strategisches Genie war, und einer 
Reihe geiibter Strategen, die erst im 
Krimfeldzuge mit Lorbeern sich bedeckt 
hatten, gegeniiber stand. Der franzosische 
Kaiser selbst wurde bei Magenta durch 
Mac Mahon von einem schlimmen 
Loose gerettet. Wie wenig die Franzosen 
selbst sich als Sieger betrachteten, 
beweist die Thatsache, daB sie den Riick» 
zug bereits antraten, denn am 4. Juni 
Nachmittags und Abends war die StraBe 
von Tessin bis N o v a r r a mit fran» 
zosischen Truppen aller Art bedeckt, 
welche in westlicher Richtung zu ent« 
kommen trachteten. Nach der Schlacht 
von Magenta legte G y u 1 a i das 
Armee-Commando nieder. Thatsachlich 
war nach derselben der rechte 6sterrei« 
chische Fliigel von den Franco>Sardcn 
umgangen, und standen diese bereits 
M a i 1 a n d naher als die Oesterreicher. 
Letztere konnten sich nur mehr auf die 
Neserven zuriickziehen, die sich als eine 
zweite Armee an der Etsch und dem 
g 1 i o gesammelt hatten. Aber die Lom>? 
Gyulay Vyulay 

bardei, mit Pavia, Piacenza und 
Pizzighettone war aufgegeben. Die 
osterreichische Armee ging iiber Lodi, 
Codogna und Cremona hinter Chiese 
zuriick, indeB der Feind ihr auf dem 
FuBe folgte. Feldmarschall ' ' Lieutenant 
Urban bestand bei seinem Riickziige 

Seite 108 



Wurzbach0 6 . txt 
hinter die Adda nach Vaprio bei Castene» 
dole ein blutiges Gefecht. Benedek, 
dieser allgeliebte Feldherr und Ritter ohne 
Furcht und Tadel, bildete mit feinem 
Corps die Nachhut und bestand bei 
Melegnano (8. Juni) mit 2 Brigaden 
gegen zwei feindliche Armee-Corfts der 
Generale Baraguay und Mac Matz 
on einen Kampf, in welchem Wunder 
der Tapferkeit verrichtet wurden. Der 
Verlust der Oesterreicher an diesem Tage 
betrug an Todten: 4 General, 7 Officiere, 
112 Mann; an Verwundeten: 
130fficiere, 234 Mann; an VermiB, 
ten: 142 Mann; jener der Gegner be> 
trug 69 Officiere und 800 Mann an 
Todten und Verwundeten. Am Mincio 
vereinigte sich nun die erste und zweite 
Armee . Die Rolle des Graf en Gy u 1 a i 
war zu Ende; der Kaiser, welcher in den 
letzten Maitagen selbst nach Italien geeilt 
war, ubernahm am 18. Juni personlich 
den Oberbefehl. Die osterreichische Armee 
nahm die Aufstellung zwischen Chiese 
und Mincio; das 7 . und 8 . Corps 
hielten Lonato und Desenzano. der 
Rest stand entlang der Chiese und 
des Mincio bis gegen Mantua. I n 
Montecchiaro, Calcinato und 
Ponte San Marco standen die Vorposten. 
Der Feind hielt die M e 1 1 a nebst 
Brescia bescht, und dehnte sich abwarts 
des g 1 i o bis Ostiano aus . 
Die sardinische Armee, dann das 1. und 
2. franzosische Corps nebst den Garden 
— im Ganzen 120.000 Mann — standen 
dem osterreichischen rechten Fliigel 
gegeniiber, das 3. franzosische Corps bei 
Manerbio, das 4. beiAsola. 3000 
Freischarler bewachten imVeltlin die 
Passe bei Nauders und das Stilfser- 
Joch. So standen sich 140.000 Oesterreicher 
und 180.000 Franco-Sarden ge< 
geniiber. Am 20. Juni wurde das 

osterreichisch-kaiserliche Hauptquartier nach 
Villafranca, am 23. nach Valeg. 
g i o verlegt. Am 23. Juni iiberschritten 
102 Linien-Inf anterie-Bataillone, 12 Ia« 
ger-, 10 Grenz — , im Ganzen 124Batail« 
Ions und etwa 60 Schwadronen Oester« 
reicher in 4 Colonnen den Mincio, 
besetzten mit dem rechten Fliigel die H6» 
hen zwischen Cavriana und Pozzo» 
lengo, und standen am Abend in einer 
Stellung vonGiudizzole, Cavriana, 
Solferino bis gegen Lonato. Am 
24. sollte der linke Fliigel, von G o i t o 
her, bis Giudizzole und Castel 
Goffredo vorgehen; auch sollte an 
diesem Tage der Aufmarsch in die Ge« 
f echtstellung geschehen. Aber die Franzosen, 
durch Verrath, der iiberhaupt in 
diesem Feldzuge eine groBe und eingreifende 
Rolle spielte, und durch Godard's 

Seite 109 



Wurzbach0 6 . txt 
Luftballon von alien Bewegungen der 
Oesterreicher genau unterrichtet , trafen 
denselben entsprechend ihre Anstalten, 
und ergriffen ihrerseits die Offensive in 
einem Zeitpunct, da die Oesterreicher 
noch nicht ihre ganze Gef echtstellung 
eingenommen hatten. Den osterreichischen 
rechten Flugel commandirte nun der 
General der Cavallerie Graf Schlik, 
der anGyulai ' s Stelle das ' Commando 
der 2. Armee ubernommen hatte; den 
linken Flugel der Feldzeugmeister Graf 
Wimpffen. Der kaiserliche Kriegsherr 
befehligte das Centrum. Am 24. Juni 
Friih begann der Kampf. Das 3. Corps 
unter Graf S t a d i o n vertheidigte S o 1 - 
ferino und Cavriana mit beispieb^ 
Gyulay Oyulay 

losem Heldenmuth. Die Franzosen erkannten 
sich bereits fur besiegt und db 
Befehle zu ihrem Riickziige waren urn 
2 Uhr Nachmittags schon ertheilt; dil 
Division des Heldenprinzen Alexander 
von Hessen vom 7. Corps fochi 
im Centrum bei Cavriana, von halb 
10 Uhr Friih bis 6 Uhr Abends im heftigsten 
Kugelregen und deckte, verein 
mit der Reiter . Division Mensdorf, 
den angetretenen Riickzug', das 8. Corps 
hielt Pozzo len g o bis 10 Uhr Abends 
das 3. Corps bis zur selben Stunde 
auch V o 1 t a ; erst unter dem Schutze 
der Nacht wurde der Riickzug ausge< 
f iihrt . Am 24. Abends waren die Haupt, 
quartiere der 1. und 2. Armee wieder in 
Goito und Valeggio, also dort, wo 
sie vor Angriff der Of f ensiv«Bewegung 
sich befunden hatten. Am Morgen des 
23. concentrirte sich die 1. Armee ganzlich 
hinter dem Mincio, und sprengte 
am Vormittag die Briicke von Goito, 
die 2. Armee verblieb vorerst noch in 
ihrer Aufstellung, ihr' 1 Hauptquartier 
wurde am 23. Abends auf Villafranca 
zuriickverlegt . Die Verluste auf 
beiden Seiten waren ungeheuer. „Ein 
Schlachten war's und keine Schlacht zu 
nennen." Von Oesterreichern hatten das 
1., 3., 5., 7., 8.. 9. und 11. Corps 
und die Eavallerie-Reserve-Division an 
der Schlacht theilgenommen . Die Verluste 
derselben betrugen an Todten, Verwundeten 
und VermiBten: 4 Generale, 
630 Stabs- und Oberof f iciere, 19.311 
Mann, 891 Pferde, 13 Geschiitze, davon 
6 demontirt, und 1. Fahne. Die feindliche 
Armee hatte, nach dem „Moniteur", 
eingebiiflt: 936 Offiziere, 17.323 Mann. 
Wie dieser Tag sich entschieden hatte, 
wenn die Franzosen der ihnen verrathe» 
nen Offensive der Oesterreicher nicht zuvorgekommen 
waren, und wmn die 

Reiter-Division Zedtwitz, statt unthatig 
zu bleiben, mit ihren 4 Cavallerie-Regi ' 

Seite 110 



Wurzbach0 6 . txt 
mentern in den Kampf eingegriffen hatte, 
ist nicht schwer zu bestimmen. Die Regi» 
menter Hessen, Culoz, Belgien, 
Grueber, Erzherzog Stephan und 
Khevenhiiller , an deffm Spitze sein 
Oberst Fiirst Windischgrat z gefallen, 
als die Bravsten der Braven, hatten 
Wunder der Tapferkeit am Iohannis» 
tage des Jahres 1839 verrichtet. 
Mit der Schlacht von Solferino schlofl 
eigentlich die kurze, aber blutige Kriegstragodie . 
I n 36 Tagen - vom 20. Mai 
bis 24. Juni — waren die Verluste auf 
beiden Seiten ungeheuer; auf jener der 
Oesterreicher , soweit dies zu ermitteln ist, 
1103 Officiere, 33.844 Mann; aufSeite 
der Franzosen 922 Officiere, 33.608 
Mann, nach den eben nicht zu genauen 
Angaben des „Moniteur" . Die Belage« 
rung von Peschiera durch die Pie» 
montesen begann, Maniua wurde mog« 
lichst isolirt, vor Venedig kreuzte eine 
Cscadre, die nur noch eine Verstarkung 
erwartete . Garibaldi trieb in den Tha» 
lern der Ad da und des Oglio sein Un« 
wesen. Die Lage der Dinge fur Oesterreich 
bekam allmalig ein sehr ernstes Aussehen. 
Plotzlich trat ein Umschwung der Verhaltnisse 
ein. Den Schleier iiber die Ursachen 

wird die spatere Geschichte dieser verhangniBvollen 
Tage liiften. Vom Kaiser 
Napoleon gingen die ersten Antrage zu 
einer Verstandigung mit Oesterreich aus . 
Am 7. Juli wurde die bis zum 16. August 
festgesetzte Waffenruhe abgeschlossen . 
Die indessen von Napoleon mit dem 
Feldmarschall-^Lieutenant Prinzen von 
Hessen eingeleiteten Verhandlungen hat' 
ten die personliche Zusammenkunf t beider 
Kaiser am 11. Juli bei Villafranca 

zu Folge; Tags darauf wurden die Frielenspraliminarien 
zwischen Oesterreich und? 
Gyulay 76 

Frankreich unterzeichnet , und der vom 
42. Juli datirte kaiserliche Armeebefehl 
enthielt die merkwurdigen Worte, welche 
jeder Oesterreicher fur die Zukunft im 
GedachtniB behalten moge : „ohne 
Bundesgenossen weiche ich n ur 
den ungiinstigen Verhaltnissen 

der Politik" . Der eigentliche FriedensschluB 
erfolgte zu Z u r i c h am 10. November 
1839. Oesterreich besitzt jedenfalls 
durch dieMincio«Linie mitMantu 
a und Peschiera eine solche Offen« 
sivstellung, daB bei einem kunftigen Kriege 
gegen Sardinien der Erfolg nicht zweifel« 
haft werden diirfte. Den ganzen kurzen 
Feldzug hindurch focht die osterreichische 
Armee mit einem weit iiberlegenen Feinde. 
Das dynamische Verhaltnifl in jedem grofieren 
Gefechtsacte stellt sich: bei Monte» 
bello wie 8:3, bei Palestro wie 4:1, 
bei Magenta wie 9 : 7 und ebenso etwa 

Seite 111 



Wurzbach0 6 . txt 
auch bei Solferino. Die Hauptfehler, 
welche dem Feldherrn zur Last gelegt 
werden konnen, sind: daB er die Aufstellung 
des osterreichischen Heeres zu weit 
ausgedehnt hatte, wodurch schwankende 
Entschliisse und Unsicherheit im Handeln 
erfolgten; daB er immer seine Operationen 
nach der Idee richtete, der Feind 
werde mit seiner Hauptkraft am rechten 
P o ufer agiren, und deBhalb den 6ster« 
reichischen rechten Flugel genug zu ver« 
sichern unterlieB; daB der Ruckzug hinter 
den Tessin nicht in fest geschlossenen 
Massen erfolgte, und also am 4. Juni eine 
Vereinigung der gesamrnten kampffahi« 
gen Krafte in unverantwortlicher Weist 
vereitelt wurde, und endlich, daB die Aufstellung 
eines festen Lagers beiMailand 
unterlassen worden war. Als nach der 
Schlacht bei Magenta GrafGhulai 
das Armee-Commando niederlegte, ver« 
lautete es allgemein, daB er als einfacher 
Oberst mit seinem unterhabenden Reg> 
mente am ferneren Kampfe theilzunehmen 
beschlossen habe . Ob dieB geschehen, ist 
nicht bekannt . Der Graf lebte dann 
einige Zeit in Baden bei W i e n , und 
die letzten Nachrichten melden, daB er 
seinen Aufenthalt in Gratz genommen 
habe. Unsere Aufgabe war es, die That« 
fachen zu erzahlen, alles Uebrige muB der 
spateren Geschichte vorbehalten bleiben. 
Der Graf G. war mit einer Grasin Wra« 
tislaw-Mitrovio verheirathet , die er 
nach vierjahriger Ehe im I . 1831 durch 
den Tod verlor. Was den Charakter des 
Feldherrn betrifft, so bemerkt einer seiner 
Biographen: „Graf G. besitzt einen viel 
humaneren Charakter als seine Proklamationen, 
und der Ruf des blutigen und 
unmenschlichen Soldaten, der ihm vor« 
ausging und von feindlicher Seite beige« 
legt wurde, hat sich als vollig ungegrun« 
det erwiesen . " 

Vergleiche die Genealogie der Familie im Artikel: 
Albert Graf G y u 1 a i (in den Quellen) , wo der 
Nachweis gegeben ist, wamm der Obige Franz 
der V I . ist. — Strack (Joseph), Die Generale 
der osterreichischen Armeo (Wien 1881), Beck) 
S. 417—443. — Unsere Zeit. Jahrbuch»zum 
Conversations-Lerikon (Leipzig 1839, Brockhaus, 
8«.) Bd. Ill, S. U93 ftieser nicht panegyrische 
Artikel enthalt auch Nachrichten iiber die Grafen 
Albert und I g n a z.) — (Leipziger) Illustrirte 
Zeitung, herauog. von I.I. Weber. 1859, 
Bd. XXXII, S. 318 »uit Portrat auf S . 316). 
— Manner der Zeit. Biographisches Lerikon der 
Gegenwart (Leipzig 1889, Carl B. Lorck. 4«.) S. 
466 u. 928. — Ueber Land und Meer. Allgem. 
illustr. Zeitung, herausg. von X. W. Hacklander, 
1839 (Probemmuner ) . Nr. 26 mit Nr.27: Oester« 
reichs Heerfiihrer. ''Beginnt die Reihe derselben 
mit GYula y. Ein Portrat in trefflichem Holz< 
schnitte illustrirt die Lebensskizze . ) — 71, ' tts?-H6s? ' < 

Seite 112 



Wurzbach0 6 . txt 
7, Iv A sLni siavui A slc (?ra,3 1830, 16".) 
Na . I , 8. 647. — Beilage zur Allgemeinen 

(Leipziger, von Aug. Diezmann herausgege« 
benen) Modenzeitung 1839. Nr. 26. S.104. - 
Oesterr. Militar-Konversations-Lerikon . Herausa, 
vonl . Hirten feld (Wien 1850 u. f., gr. 8«.) 
Bd. I I , S. 842 lnach diesem geb . 1799). - 
Wiener (amtliche) Zeitung 1849. Nr. 134 M - 
nennung zum Kriegsminister ) . — Triester Zei-^ 
Gyulay 7? 

tung 1839. Nr. 106. - Presse 1889. Nr. 112 
— Neuigkeiten (Briinner polit. Blatt) 1859. 
Nr. 107 (vom 8. Mai). — Tetschner Anze 
1859 (IV. Jahrg.) Nr. 19. - Portrate. Aufie, 
den bereits angegebenen Illustrationen : 1 
Pfeiffer 22. Fol. - 2) Lithogr. von E5 
Kaiser (Wien. Paterno. Fol.) . — 3) Lithogr. von 
Kriehuber (Wien. Neumann. Fol. u. 4".). 
4) Lithogr. ohne Angabe des Zeichners (Wien, 
Forster,4".) . — Zur Literatur der Geschichte des 
Fel^uges im Friihlinge 1859 in Vderitalicii 
1 A 2. oknixkFUo u' ItkNo atz I3a9. ( ! Iiiouic A UL 
60 la Fuerrs pa.r lo Laron, as Va, A auoo ur 
a A xoie z»g.r or<lrs aS> 1' Nui^sr^ui' u, 1' ai'Mk 
a'ltaUe (?ari2 1839, A m A ot) 2 Bande . l A Ob 
gleich der Partei-Standpunct dieser Darstcllunz 
auf jeder Seite hervorleuchtet , so ist sie doch 
sehr wichtig, interessant und reich an Details, 
die nur dem Eingeweihten zu wissen moglich 
sind.) — I A a oamxkFua a' Italia aol 1839 
211.noou.rt oliia,inn,to aa.ll' Iin A srators I A 
A axoloons 2,11'HliuatA ii'ItaUa. I>iti2. 
au2ioQo ttaii^na, coii tavoiL. ?2.rts 16 2 

(VouL A j«. 1839, Ooecw'ni) 8".) j A Ueberset zung 

des Vorigen A . — i'SHti-o aeUa Ousri'a. 

Lcri A iouL atorica gtatiLtioa. ta A oFraiicll. 

Fiunta.vi un ax A Lnaico oonoernLuto Is u 

vi parto. <uori>LU3 . tli, aa 

eea. (I A -Iost, Colorado (tiolin, 18 A 9/60) . - 

Illustrirter Kriegsschauplat z (Wien 1859, Leop. 

Sommer, 8».) . '"Auf 20 Hefte berechnet, endet 

das Werk mit dem 3. Hefte, und gibt auf 56 

Seiten eine klar geschriebene, anschauliche Dar« 

stellung des ganzen Feldzuges auf Grundlage 

der Detailberichte . Die guten Holzschnittportrate 

vonGyulay, HeB und S c h 1 i k eroffnen jeden 

neuen Bogens — Militar-Zeitung. Herausg.uon 

I . H i r t e nfeld (Wien. 4».) 1859, Nr. 62-70.- 

„AbnU der Knegoereignisse, in Oberitalien, uon 

der Invasion der Oestcrreicher in Piemont (29. 

April) bis zum Ruckziige derselben hinter die 

Adda und den Mincio (15. Juni) 1859." sin 

Nr. 62 des genannten Blattes wird W. Niist w 

als Verfasser dieses Abrisses bezeichnet, jedoch 

diese Angabe in Nr. 70 widerruf en . A — Niist w 

(W.), Der italienische Krieg 1859, pclitisch<mili . 
tarisch beschrieben (Zurich 1839, SchelthoB). 
l A Eine der besten und zuverlassigsten Schriften 
iiber diesen Krieg.) — Skizze des Feldzuges 
1859 in Italien. Von einem siiddeutschen Offtcier. 
Dritte Auflage (Wien 1339, Cml Gewld'6 
Sohn, 8<>.) . sEine musterhafte, mit Ruhe, Unbe» 
fangenheit und grofier Klarheit gegebene Dar» 
stellung dieses Kriegsdrama ' s . ) — Kassay 

Seite 113 



Wurzbach0 6 . txt 
(A. V.), Die Schlacht von Montebello am 21). 
Mai 1859 (Wien 1859, kl. 8".). - Napowoiiiiv 
,111. xolitiic' 1 A e!io 2. valLauz'llk V s ' 
Q' s n' s ' Liiio voku. Vi6n,l '"iuarioli 
A ovodraiiLic) ' (v I>?k2o 1859, 
'"Lkabok, 8<>.) . — Unsere Zeit. Jahrbuch zum 
Conversationo-Fenkon (Leipzig i85 9, BrockhQus, 
gr. 8°.) Bd. I I I , S. 529 und 593: „Der Krieg 
in Italien." — Unsere Tage . Erganzungsblatter 
zu alien Conversations-3erikons (Braunschweig 
1359. Wcstermann. gr. 8«.) S. 103.- „Die 
Taktik des Feldzuges 1859 in Italien." — 
Die reiche, nicht militarische Libell-Iirerawr , 
welche diesem Kriege voranging und ihn deglei« 
tete, siehe in den Quellen zu dem Artikel: 
Hiibner. — Militarische Miszellen, Anekdoten 
und Humoresken aus den Feldziigen der k. k. 
osterreichischen Armee gegen die Franco-Sarden 
im Jahre 1859 (Wserin 1839, im Selbstverlage 
von A. P. Stmadel u. Comp., Olinijtz, Druck 
von Franz Slcnvik. kl. 8<>.) ''enthalt verschiedene 
Ziige und Schlachtenvorf alle dieserKriegsepoche, 
wie sie zerstreut in den Journalen gestanden' 1 . — 
Der Unwille und die Entriistung gegen die Napoleonischen 
Umtriebe riefen auch zahlreiche poetische 
Aufrufe in Oesterreich und Siiddeutschland 
hervor. Wir nennen von ersteren.- „Vin deut» 
sches Lied. Ein Zeitgedicht uon Mar Waldstein" 
(Nienl859, Hugel); — „Gegen Napoleon. 
I n Catilinam. Ein Kranz geharnischter 
Sonette von Eduard Mautner" (Wien 1859, 
Wallishausser ' sche Buchhandlung sIos.Klemn A , 
kl . 6».); — „Oesterreichs Kriegsvolker 1859. 
Von I . B. I . " (Wien, Ueberreuter, gr. 8".); — 
„FeldstrauBchen fur die Wiener Freiwilligen, ge« 
bunden uon einein Wiener" (Wien, Druck von 
M.Lell, 8«.); - „Studenienruf " (Wien 1859, 
I , B. Wallishausser. gr. 8«.) . — Aufterdem 
erschienen viele Predigten, Reden, einzelne Auft 
rufe und Gedichte. 
GjMllllj von Maros - Nemcth und 
Nlldllskll, Ignaz Graf (Feldzeug, 
meister, Ritter des goldenen Vliefies, 
Commandeur des Mar. Theresien-Ordens 
uud Hof kriegsraths-Prasident, 
geb . zu Hermannstadt 11. Sept. 1763, 
gest. zu Wien 11. November 1831) . 
Sohn des Grafen Samuel (I.), Bruder? 
Gyulay 78 Eyulay 

des Grafen Albert (s. d.) und Vater 
des Grafen Franz (s. d. vorigen S.) . 
Trat, 18 Jahre alt (1781), in das Re — 
giment seines Vaters. Indem er die 
unteren Of f iciersgrade rasch durchmachte, 
war er schon 1788 Major im 2. Banal- 
Grenz-Inf anterie-Regimente . Mit demselben 
machte er 1789 dm Feldzug gegen 
die Tiirken mit, und that sich bei 
mehreren Anlassen riihmlich hervor. 1790 
wurde erOberstlieutenant und erhielt das 
Commando des bisherigen Vukassovich ' schen 
Freicorps. Mit demselben 
zeichnete er sich bei dem Sturme auf 
Czettin (20. Iulil790) aus, wo er auch 

Seite 114 



Wurzbach0 6 . txt 
verwundet wurde. Im I . 17 93 commandirte 
er ein ungarisches Freicorps, 
und riickte mit demselben zur Rheinarmee 
ab, welche unter Wurmser's 
Commando stand. I n diesem Feldzuge 
hatte G. an der Erstiirmung der Weifienburger 
Linie (13. October) rlihmlichen 
Antheil; im nachsten Jahre zeichnete 
er sich bei Schwegenheim aus, 
wo er den Feind zuruckwarf. Am 
12. Juli 1794 belohnte der Monarch 
den tapfern 31jahrigen Oberstlieutenant 
mit dem Ritterkreuze des Maria TheresieN ' Ordens . 
Im weiteren Verlaufe des 
Feldzugs stand G. in dem 10.000 Mann 
starken, aus Oesterreichern und Reichstruppen 
gebildeten Freicorps, welches 
das unter dem Commando des Erbprinzen 
von Hohenlohe stehende preuflische 
Armeecorps verstarkte. Unter dem 
Befehle Bliicher's hatte er an dem 
Siege bei Kaiserslautern (20. Sept.) 
glanzenden Antheil. Im April 1798 
wurde er Oberst im Inf anterieregimente 
Nr. 31, behielt jedoch das Commando 
des Freicorps, das er bisher so ruhmlich 
gefiihrt, bei. Als Ende Mai 1796 
More au den Rhein uberschritten hatte, 
ubernahm G. die Vorposten, bestand 
eine Reihe hitziger Gefechte, und zeich, 
nete sich in jenem vom 6. Juli bei 
Haslach besonders aus. G.war es nun, 
welcher den Auftrag erhielt, die Verbin» 
dung zwischen der osterreichischen Hauptarmee 
und dem Corps des Feldmarschall« 
LieutenantsFrohlich zu unterhalten. Als 
das Frohlich ' sche Corps zur Deckung 
Tirols sich an dessen Grenzen aufstellte, 
ubernahm G. das Commando der Vorhut . 
Als in Innsbruck die Berathung 
stattfand, wie man Tirol vertheidigen 
wolle, folgte G. dem Feldmarschall»Lieutenant 
Frohlich dahin, und war er 
es, der das vom General Wurmser 
an den Erzherzog Karl gerichtete Schrei» 
ben dem Letzteren iiberbrachte. Dieses 
Schreiben schilderte wahrheitsgemafi die 
Lage des osterreichischen Heeres in Italien. 
G. mit dm Verhaltnissen vollkom« 
men vertraut, konnte erganzen und er> 
lautern, wo die Schilderung liickenhaft 
oder unklar erschien. Nach Ausfuhrung 
dieser Sendung kehrte G. zum Froh« 
lich'schen Corps zuriick, und ubernahm 
wieder den Befehl der am linken Lech» 
ufer stehenden Vorhut. Hier that sich 
G. bei dem allgemeinen Angriffe hervor, 
der bei Kempten (am 17. September) 
stattfand; bei der gegen Menningen 
vorgenommenen Necognoscirung (am 
22. September), behauptete er in dem 
Kampfe zwischen diesem Orte und M6« 
ringen mit kaum 1200 Mann gegen 
dm weit iiberlegenen 6000 Mann star« 

Seite 115 



Wurzbach0 6 . txt 
km Feind das Schlachtf eld. Ein Sturz 
vom Pferde machte ihn fur einige Wo» 
chen kampf unf ahig . Wieder hergestellt, 
ubernahm er das Commando des Ne» 
giments Nr. 3t, dessen Oberst er bereits 
seit 7. April 1793 war. 16. Mai 1797 
riickte G. zum General-Major vor, und 
ward bei der, unter dem Namen Reichscontingmt 
zwischen dem Lech und der£ 
79 Gyulay 

Isar auf gestellten Armee eingetheilt. 
Der Friede von Campo Formio 

(17. Oct. 1797) machte nunmehr alien 
Kampfen ein Ende . Als im I . 1799 
der Krieg von neuem entbrannte, stellte 
Erzherzog Karl sich der feindlichen 
Armee entgegen, welche unter Iour° 
dan den Rhein pafsirte, und zwischen 
dem Main und Neckar unter Berna 
dotte ein Observationscorps aufgestellt 
hatte. In der Schlacht bei Ost er ach 

(21. Marz 1799) befand sich G. mit 
seiner Brigade bei der Avantgarde der 
osterreichischen Armee. Bei dieser Gele 
genheit nahm er den Ort Ettingho 
fen mit Sturm, und gab im Kampfe 
noch viele Beweise heroischen Muthes. 
Ebenso in der Schlacht bei Stockach 

(23. Marz d.I.) . Bei dem Briickenkopfe 
vonAlt«Breisach (am22 . Iuni) , iiberf iel 
er eine feindliche Abtheilung, beste» 
hend aus 3 Inf anterie-Bataillons und 
1 Cavallene-Negiment , vertrieb sie aus 
ihren Stellungen, jagte sie in den Brii° 
ckenkopf zuriick, sprengte mehrere in den 
Rhein und machte iiber 80 Gefangene. 
Nun wurde G. mit der Organisirung 
des Landsturms im Breisgau beauftragt 
, die er wahrend des Waffenstill» 
standeS auch ausfiihrte. Als im Marz 
1800 die Feindseligkeiten ausbrachen, 
hielt G. das feindliche Armeekorps, 
30.000 Mann stark, welches von StraBbiirg 
und Breisach gegen die Oester« 
reicher vorriickte, am 26. April von weiterem 
Vordringen ab, und wich erst den 
immer von neuen Verstarkungen unterstiit zten 
feindlichen Massen. Nach den 
Ereignissen von Engen und Stockach 

(Z.Mai) undMoskirch (3. Mai) ret" 
tete er die Magazine bei Donau» 
eschingen, bestand am 24. Mai ein 
sehr gliickliches Gefecht in der Nahe von 
Giinzburg, iibersiel einige Wochen 
spater die Franzosen bei Krumbach, 
zersprengte die daselbst stehende feindliche 
Division des Generals Decan, 
und machte 8 Officiere mit 148 Mann 
zu Gefangenen. Bei dem nun erfolgenden 
Riickzuge der Oesterreicher vor der 
Armee Moreau's, bestand G., mit 
dem Fiirsten Rosenberg die Nachhut 
bildend, unablassige Kampfe, und gab 
mehrfache Proben seines Muthes und 

Seite 116 



Wurzbach0 6 . txt 
seltener Geistesgegenwart; namentlich 
zwischen Neresheim und Nordlingen 

(23. Juni), und beim Ruckziige auf 
Bopfingen. Mit dem 13. Juli d. I . 
trat Waf f enstillstand ein. Fur die vielen 
Proben von Tapferkeit, verbunden mit 
hoher Klugheit und Energie, erhielt G. 
am 11. October d. I . (in der 63. Promotion) 
das Commandeurkreuz des Mar. 
Theresien-Ordens . Ein paar Wochen spater 

(29. Oct.) riickte er zum Feldmar» 

schall ' Lieutenant vor. Nach Wiederauf» 

nahme der Feindseligkeiten (am 27. Nov.) 

that sich G. bei Hohenlinden (3. December) 

hervor, wurde aber durch einen 

Unfall kampf unf ahig . Gegen Ende 1800 

wurde G. dem Neservecorps des Fiir« 

sten Liechtenstein zugetheilt. Endlich 

setzte der Friede von Liineville (9. Fe« 

bruar 1801) alien Kampfen ein Ende. 

Im April d. I . wurde G. Inhaber des 

Regiments Nr. 60, und kam nach dem 

Friedensschlusse alsDivisionar nach Pesth. 

Als im August 1803 der Krieg neuerdings 

ausbrach, focht G. in Deutschland 

unter Erzherzog Ferdinand, und 

zeichnete sich in den Treffen von Haslach 

und Thalfingen aus . Im April 

1806 ernannte ihn Kaisir Franz zum 

Banus von Croatien, Dalmatien und 

Slavonien. Als 1803 der Krieg wieder 

begann. befehligte G. das 9. Armee» 

corps, das zugleich mit dem 8. unter 

des Erzherzogs Johann Oberbefehl in^ 

Gyulay Gyulay 

Italien und Tirol stand. Beim Uebergange 

liber den Tagliamento fand 

die vom Feinde gedrangte Armee keine 

Briicke vor und begann zu stocken. G., an 

der Spitze einer Compagnie des Inf anterieregiments 

Alvinczy, sprang in 

den schon sehr angeschwollenen Strom, 

erreichte gliicklich, zwar nicht ohne Ver« 

lust, das jenseitige Ufer, und traf nun 

in kiirzester Frist Anstalten, dafi die 

Briicken fur den Uebergang der Armee 

geschlagen wurden. Nach diesen Ereignissen 

erhielt G. den Oberbefehl zur 

Vertheidigung Krams . Er begab sich 

nun (24. Mai 1809) selbst nach Agram, 

organisirte die Insurrektion, und traf 

alle Anstalten, urn eine Vereinigung der 

vom Siiden durch Kram und Steier» 

mark vorriickenden, mit der iiber den 

Semmering postirten f ranzosischen Hauptarmee 

zu vereiteln. Jedoch schon am 

12. Juli wurde der Waf f enstillstand geschloffen, 

in Folge dessen er sich mit sei« 

nem Corps nach Csakathurn begeben 

mufite, wo er so lange blieb, bis der 

Friede zu Wien (14. October 1809) den 

erschopften Volkern Oesterreichs die Ruhe 

wiedergab. Dielahre hindurch bis 1813 

war G. als Banus thatig, im letztern 

Seite 117 



Wurzbach0 6 . txt 
Jahre — am 26. Juni zum Fcldzeug» 
meister ernannt — erhielt'er beim Aus« 
bruch des Krieges das Commando iiber 
das 3. Armeecorps des Hauptheeres welches 
Fiirst Schwarzenberg befehligte. 
Inder SchlachtbeiDresden (26. Aug.) 
bildete er die Reserve der iiber den 
P laueri ' schenGrund vorriickenden ofter« 
reichischen Truppen, verlor, als sie in ' s 
Gefecht gezogen wurden, em Pferd unterm 
Leibe und erhielt eine Starke Con« 
tusion. I n der Schlacht bei Leipzig 
hatte er am ersten Schlachttage (16. Oct.) 
den Befehl, mit seinen Truppen die 
Verbindung zwischen den Schwarzenberg ' schen 
und Bliicher ' schen Corps 
zu unterhalten; das von den Franzosen 
besetzte Dorf Linden au ihnen zu entrei« 
Ben, konnte ihm ungeachtet wiederholter 
Angriffe und eines Verlustes von 2000 
Todten und Verwundeten nicht gelingen. 
Am 2. Schlachttage (17. Oct.) unter» 
nahm G. mehrere Scheinangrif f e auf 
Lindenau, urn die Aufmerksamkeit der 
Franzosen von anderen Dispositionen der 
Verbundeten abzulenken, welche am 3. 
Schlachttage den Ausgang des Kampfes 
entscheiden sollten. An diesem end« 
lich (18. October) erhielt er Befehl, 
der geschlagenen feindlichen Armee auf 
ihrem Riickziige wo moglich zuvorzukommen . 
Bei Kosen kam es nun zum Zu« 
sammenstofie, in dem er den Franzosen 
den Uebergang iiber die S a a 1 e streitig 
machte. Noch den folgenden Tag war er 
mit Ausfiihrung dieses Befehles beschaf« 
tigt, und machte dabei iiber 1000 Gefangene. 
I m weiteren Verlaufe der Verfolgung 
des Feindes nahm G. am 9. November 
das zum Schuhe von Mainzbef estigte 
Dorf Hoch heim mit Sturm, 
wobei er 600 Gefangene machte und 4 
Geschiitze erbeutete. Am 21. December 
iiberschritt er den Rhein, zwang auf 
feindlichem Gebiete die kleine Festung 
Langec (18. Juni) zur Kapitulation; 
schlug bei Bar sur Aube (24. Janner) 
die Franzosen, kampfte (1. Febr.) in der 
Schlacht von Vrienne, erstiirmte die 
Briicke iiber die Aube, und nahm nach 
blutigem Kampfe mit der 12.000 Mann 
starken, von M o r t i e r befehligten Garde, 
das Dorf Dieuville . Den folgenden 
Tag (2. Febr.) gelang ihm die Einnahme 
von Lesmont. Fur diese Reihe von 
Waffenthaten erhielt er von seinem Kaiser 
das GroBkreuz des Leopold-Ordens , von 
RuBland, Baiern und PreuBen GroBkreuze 
ihrer Orden. Noch bestand er bei? 
81 Gyulay 

La F e r t a an der Aube (28. Febr.) ein 
groBeres siegreiches Gefecht, und besetzte 
dann mit seinen Truppen das Departement 
de la C6te d'or. Als im Jahre 

Seite 118 



Wurzbach0 6 . txt 
1813 nach dem Wiedererscheinen Napo» 
le on ' s der Kampf von Neuem begann, 
fiihrte G. das Generalkommando in 
Oesterreich. I m folgenden Jahre kehrte 
er auf seinen fruheren Posten als Banus 
zuriick, wo er bis 1823 blieb, in diesem 
Jahre das Generalkommando in Bohmen 
ubernehmend, und spater dem Rufe 
auf den gleichen Posten nach Wien folgend. 
Am 7. October 1830 berief ihn 

Kaiser Franz zum Prasidenten des Hof kriegsrathes . 
Kurz vorher erhielt er das 
goldene Vliefl und das GroBkrmz des 
St. Stephan « Ordens . Als Banus, 
welche Wiirde er beibehielt, wirkte er auch 
noch auf dem ungarischen Landtage. 
Aber schon im folgenden Jahre entriJJ ihn 
der Tod im Alter von 68 Jahren dem 
Vaterlande, dem er 50 Jahre treue 
Dienste geleistet und die schonsten Beweise 
des Heldenmuthes und staatsmannischer 
Weisheit gegeben hatte. 

Oesterr. Militar-Zeitschrif t , hcransg. von Schels 
(Wien, 8".) 1833, Heft I , S. 57. - Hirtenf 
e 1 d ( I . ) , der Militar-Maria TheresiewOrden 
und seine Mitglieder (Wien 1837, Staatsdrucke« 
rci, 4«.) S. 439, 364, 1737 u. 1742. - Neuer 
Nekrolog der Deutschen. IX.Iahrg. 1331 (Ilmenau 
1833) I I . Bd. Nr. 428. S. 1150, und X. 
Jahrg. 1832 (Ilmenau 1834) I I . Bd. Nr. 376, 
S. 880. — Oesterr. Milit<WKonversations«Lexikon . 
Herausa. vonl .Hirtenfeld (Wien 1830 
u. f.) Bd. I I , S. 839. - Oesterr. National- 
Encyklopadie, herausg. von Czikann und 
G r a f f er (Wien 1838. 8".) Bd. I I , S.449. - 
Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und 
Literatur. I n uier Banden (Leipzig 1833, F. A. 
Brockhaus, 8".) Bd. I I , S . 182 smit der unrichtigen 
Schreibart: G i u 1 a y und dem unrichtigen 
Geburts jahre 1763), — Sziillosy (Johann 
Nepomuk) , Tagebuch gefeyerter Helden 

und wichtiger kriegerischer Ereignisse der neuesten 
Zeit. . . (Fiinfkirchen in Ungarn 1337, gr. 8".) 
S. 363. — NouveUo Lioxi^xkis F A uarals 
v. Wurzbach, biogr. Lexikon. V I . 
. . . xudUso xar NIKI . ?irmiu. V i a ot lroros 
saus lg. aireoUou, as KI . Is Dr. H o s 1 s r 
(I»ki-i3 1850 u. f., Diaot, Fi>. 8».) VS. XXII, 
8x. 991. — Portrate. 1) Unterschrif t : Ignaz 
Graf Gyulay. Banus von Croatien, Comman« 
dirender General in Bohmen, k. k. General' 
Feldzeugmeister . A. Machek gez. u. gedr. A. 
Gar eis lith. (Prag, bei C. W. Endres, 8".) 
sauch als Titelbild vor Rittersberg ' s histo« 
rischem Militar-Almanach des 16., 17., 18. u. 19. 
Jahrhunderts (Prag 1825)). 2) C.Pfeiffer 
8c. (Fol. ) . 
von Maros-Nsmeth und 

Nadllskll, Samuel (I.) Graf (Feldmarschall- 
Lieutenant und Ritter des 
Maria Theresien-Ordens , geb . zu Na« 
daska im Tornaer Comitate Ungarns 
im Jahre 1719, gest. zuBlutrathin 
Siebenbiirgen 24. April 1802) . Ware 

Seite 119 



Wurzbach0 6 . txt 
nach Hirtenfeld' s „Oesterr. Militar« 
Konversations-Lexikon" und „Militar. 
Maria Theresien-Orden" Sohn des 1739 
als Feldmacschall ' Lieutenant gestorbenen 
Grafen Stephan (III.) , nach Nagy ' s 
Geschlecbtstaf el aber sfiehe die Quellen 
zu Gyulai Albert' 1 die uns jedensfalls 
zuverlassiger erscheint, ein Sohn des 
Grafen Franz (III.) aus seiner Ehe mit 
Nana Batlffij. Beim Beginne des 6ster« 
reichischen Erbf olgekrieges — 22 Jahre 
alt — trat er in die kaiserliche Armee 
und war schon 1732 Major. Zu Anfang 
des 7jahrigen Krieges Oberstlieutenant , 
that er sich bei der Erpedition auf Berl 
i n hervor und wurde 1739 Oberst. Bei 
Meissen, Maxen, T o r g a u und im 
Feldzuge des Jahres 1762 erscheint sein 
Name unter den Helden des Tages. Bei 
Te plitz (2. August 1762) erfocht er 
sich das Ritterkreuz des Mar. Theresien« 
Ordens . Der preuBische General Seidlitz 
setzte Alles daran, die im Riicken der 
Oesterreichs befindlichen Anhohen urn 
Teplitz mit seinen Truppen zu besetzen 
und dadurch die Ocsterreicher von Teplitz 
abzuschneiden . Zwei preuBische Bataillone 
6^ 

82 Gyulay 

machten bereits alle moglichen Anstrengungen, 
urn dieses Vorhaben auszufiih» 

ren; da sprengt der General Pellegrini 
vor die Fronte des Regiments, welches 
G. commandirte und rief: „Von Euch 
hangt das Heil des heutigen Tages und 
der gliickliche Ausgang dieser Affaire 
ab . " Oberst Gyulai riickte nun im 
Sturm auf die bezeichnete Anhohe los . 
Mit dem Sabel in der Hand attaquirten 
die Grenadier» Compagnien Alvinczy 
und Ale mann den Feind, der bald geworfen 
die Hohen verlassen muBte. Nock 
zweimal versuchte der Feind mit Verstar« 
kungen die friihere Position wieder zu gewinnen, 
aber das Regiment hielt Stand 
und behauptete, was es gewonnen. Spa« 
ter im Gefechte bei Munchenfrei (27. 
Septemher) , bei dem Angrif fe auf die 
preuBischen Verschanzungen bei Freiberg 
(14. und 13. October) that sich 
Oberst G. mit seinem Negimente wieder 
hervor; bereits durch den Leib geschossen, 
behielt er dennoch das Commando so 
lange, bis die Affaire zu Ende war, 
worauf er unter den Schmerzen seiner 
Wunde zusammenbrach . I n der 9. Promotion 
(21. November 1763) erhielt er 
fur seine Waffenthaten das Ritterkreuz 
des Mar. Theresien-Ordens . Nach dem 
Hubertsburger Frieden kam G. mit 
seinem Regimemenach Hermannstadt : 
1767 riickte er zum General>Ma jor vor 
und wurde 28. Marz 1773 Inhaber des 
Inf anterieregiments Nr. 31. Am 6 . Ian. 

Seite 120 



Wurzbach0 6 . txt 
1777 wurde er Feldmarschall-Lieutenant 
und spater Commandant der Festung 
Karlsburg, als welcher er im hohen 
Alter von 83 Jahren starb. Seine beiden 
Sonne Albert (s. d. S.67) und I g n a z 

(s. d. S. 77) erbten die Tugenden des 
Vaters und zahlen mit demselben zu den 
Heroen der Kriegsgeschichte Oesterreichs . 

Hirtenfeld(I. vi-.) . Der Militar-Mar. Theresia- 
Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, 
Staatsdruckerei, kl. 4".) S . 190 und 1731. - 
Oesterr. Militar-Konoersat . Lerikon. Herausg. 
vonl . Hirtenfeld (Wien 1850 u. f., gr. 8<>.) 
Bd. I I , S . 838. — Aufier den bisher angefuhr« 
tm Gliedern dieser Familie: Graf Albert 

(S. 67), Graf Franz ( S . 70), Graf I g n a z 

(S. 77) und Graf Samuel ( S . 81), deren 
Wirken in die Periode 1750—1830 u. f., d . i . 
jenen Zeitraum fallt, den sich dieses Lexikon als 
Grenze gesteckt hat. sind noch mehrere andere 
denkwiirdige SproBen dieser Familie zu erwahnen, 
und zwar ein PhilippGyulay, I>rag. 
1)05. A .Fi-isnLis und Gesandter zu Venedig zu 
Anfang des 16. Jahrhunderts; — Wolfgang, 
gleichfalls im 10. Iahrht., Bischof zu Agram; — 
Paul, Secretar des polnischen Konigs Ste< 
phan B a t h o r y , durch sein tragisches Schick« 
sal denkwiirdig. Kaspar Bekes, welcher nach 
der Krone von Siebenbiirgen strebte, lieB den 
wif f ensdurstigen Jiingling ausbilden und schickte 
ihn nach Italien, wo er die Universitaten in 
Padua und Bologna besuchte. Treu an seinem 
Macen haltend, dessen Arzt und zugleich Ver- 
Walter er war, ward er in dessen Handel uer» 
wickelt, in der Festung Fogaras belagert und 
mufite sich zuletzt ergeben. StephanVathory 
begnadigte ihn und als er die Talente seines 
Gegners kennen gelernt, ernannte er ihn zu 
seinem Sekretar und zum Kanzler von Siebenbiirgen, 
welche Wiirde er auch bei Stephan's 
Nachfolger, Christoph und Sigismund 
B a t h o r y . beibehielt. Seinen Feinden gelang es 
jedoch, ihn bei Sigismund zu verdachtigen . 
Der leichtglaubige Fiirst liefl sich von seiner Leidenschaft 
hinreiBen und gab Befehl, G y u 1 a i 
zu ermorden, was Mich geschah, indem Kriegs' 
leute in seine Behausung zu Apati eindrangen 
und diesen grausamen Auftrag (1687) an ihm 
unerbittlich vollstreckten . Wahrend seines Aufenthaltes 
in Polen, an der Seite seines Konigs 
beschrieb er des Letzteren Zug gegen die Russen 
in dem Werke: „(. 'oiuinonta.i'iu2 roruw, 
2 8 tQ 1> QH 11 o li, LFo U,6,V0!'3U3 III 2, - 
Fnninkloticoviko Onooin L <I 5 ta, ru, IN 
2. 2IVI.XXX" (OlauaiaVoli 1381, 4".). - 
Eine zweite Schrift Desselben ist ein an Georg 
SibrikimI . 1«8!> gerichteter Brief, welcher 
70 Jahre spater von Michael Turkovits aus 
Tsevreg aus dem Lateinischen in ' s Ungarische 
unter dem Titel: „I ' auataitiikori. o. 

(HoQiillii s p e a n i u m" iiberseht und ( IlorinQniistkat, 
1663,40.) verof f entlicht wurde. Diese 
Schrift wurde so hoch gehalten, daB die GruBfiirsten 
von Siedenbiirgen befiihlen, so oft sie^ 

Seite 121 



Wurzbach0 6 . txt 
Vyular 83 Gyulai 

fur Warasdin einen Statthalter ernannten, dem 
Ncuernannten dieselbe vorzulesen, damit er sie 
gleichsam als Verwaltungsnorm anzusehen und 
nach ihr sich zu verhalten habe . s//o?>u?!?/i 
vinciaUnin Leriptis saitis notorniu CWisn 
4776, I/o'-L) 80.) VS. I I , 8 . 64 . - AouvsUs 
Min Diaot ti'6r<23 , sona la, airoctiou, aa 
HI. leOr. Hoelsr (?ai-iL, 8".) VS. XXII, 
8p. 990. — Schuler uon 3 i b 1 o y (Fricdr.), 
Kurzer Uebcrblick der Literaturgeschichte Sieben« 
biirgens von der altesten Zeit bis zu Ende des 
vorigen Jahrhunderts (Hermannstadt 1837, Clo» 
siuS. 8«.) S. 42. - I A s A 7-5«tt /s te'7ia?' s , 
Lnceincta. insaieorum 6t L'i-a.n- 
81, I'ratt- 

Gyulai, Paul (ungarischer Dichter 
und Kritiker, geb . zu Klausenburg 
1826) . Sohn eines koniglichen Beamten. 
Die untern Schulen beendete er 1846; 
dann studirte er die Nechte und einige 
Zeit hindurch Theologie, urn das evangelische 
Priesteramt — er ist calvimscher 
Confession — auszuiiben. Nun iibernahm 
er eine Erzieherstelle in Siebenbiirgen, 
betheiligte sich dann an der Redaction 
des ^i-aoi^i Niraao", d. i. Siebenbiirgischer 
Anzeiger. Graf Dominik Teleki 
ernannte ihn zu seinem Secretar, in 
welcher Stellung ihm MuBe blieb zu 
poetischen Schopfungen. 1833 lieB er 
sich in Pesth nieder und beschaftigte sich 
ausschlieBlich mit der Literatur. Seine 
Kritiken erregten bald die allgemeine 
Aufmerksamkeit , und Gyulai ' s Feder 
ward beliebt und gesucht. I n der stehen« 
den Rubrik: „>3<2ch) z>o< A mi ' sssm/s") d.i. 
belletr. Revue der Vuaa^eLti llirlap) 
d. i. Pesth-Ofner Zeitung, geiBelte er 
schonungslos die schongeistigen Arbeiten 
seiner Landsleute, welche mit jedem Tage 
an Zahl, aber auch an Gehalt abnehmen. 
Schon in seinen Studien jahren verof f entlichte 
G. in einigen Blattern Gedichte 
und Novellen. Seit 1830 begegnet man 
seinem Namen sehr hausig in den guten 
Zeitschrif ten seines Vaterlandes. Von 
seinen Novellen, von denen jedoch bisher 
keine Sammlung erschienen ist, sind zunennen: 
,,.4 e ' sn sn'ne A ", d. i. Der alte 
Schauspieler-, — „ A am A "', — „I' s siso 
MQF?/t5?- Homi/«i5") d. i . Der erste unga» 
rische Komiker; — „ ? a ? A /s/Vatt", d. i. 
Stephan Varju. Seit 1833 leitet er mit 
Albert Pakh die Redaction der ,,82691. 
i-oaailQi lapok", d. i. Belletristische Blatter. 
AuBer zahlreichen Gedichten theilte 
er darin seine Novelle: „ IFl/s2s?-ii A >- 
oensil", d. i. Eine einfache Begebenheit, 
und das Gedicht „F A ciosi", mit, die so 
Wie seine im „Da A, ar Uu2ouin", d. i. 
Ungarisches Museum, verof f entlichte kri« 
tische Abhandlung: « A sM /s A ?-az iio7 — 
/es^stttnHli, d.i. ?etaii und unsere lyrische 

Seite 122 



Wurzbach0 6 . txt 
Poesie, groBes Aufsehen erregten. Selbst» 
standig gab er bisher in Gemeinschaft 
mit Karl Szasz die Liedersammlung : 
„A A m2 6?i FA«'n,6/b", d. i. Nationalf arben 
(Klausenburg 1848) heraus. Auch hat 
er sich an der Redaction des „Iljaddkori 
iLmeretoil tara" , d. i. Conversations- 
Lexikon der neueren Zeit, und des belle« 
tristischen Blattes: , llol^lutar " , d. i. 
Damm» Courier, betheiligt. I n letzter 
Zeit nahm er an die Stelle eines Begleiters 
auf der dreijahrigen Reise durch Euro« 
pa, welche Leopold Graf Nadasdy 
'einen Sohn zur Vollendung seiner Aus« 
bildung machen laBt . 

d. i. Ungarische Schrif tsteller . Sammlung von 
Lebenabeschreidungm. Von Jakob Ferenczy 
und Ios. Danielik (Pesth 183ti. Gust. Emich) 
S. 1?4. — Wurzbach von Tannenberg 

(Konstantin) , Bibliographisch-statistische Ueber' 
ficht der Literatur des osterreich. Kaiserstaates 
(Wien, Staaisdruckerci, gr. t>«.) Zwe it e rBe' 
richt (185 1) S. 430, Marg. 14.054; -dritter 
Bericht (1855) S. 131. Marg. 2073; S. 132^ 
Gyurich Gyurikovits 

Marg. 5083. 61 17; S. 22t, Marg. 6680; S. 
1074, Marg. 35.246. - Kertbeny (C. M.), 
Album hundert ungarischer Dichter. I n eigenen 
und fremden Ueberset zungen herausgegeben 
(Dresden, Pesth 1854, Rob. Schafer, Herm. 
Gcibel, 16".) S. 500 A bezeichnet ihn als einen 
der bedeutendsten Lyriker der Neuzeit, dessen 
Zukunft vielversprechend sei^j. — Pottrnt. Unter« 
schrift seitwarts Facsimile seines Namens: 
GyulM Pal (lithogr. B a r a b a s 1823, kl. 8".). 
Gljurich, Michael (k. k. Oberst, geb . 
zularoranyim Bezirke des 2. Banal 
, Grenz-Regiments 1791, gest. zu B e 1 1 o 
/ var 10. December 1852) . Besuchte die 
5 Normal- und Geometrieschule zu Petrinia, 
wurde 1807 — 16 Jahre alt — als 
Gemeiner affentirt und riickte 1809 zum 
Corporal und Feldwebel vor. I n diesem 
Jahre machte er auch den Feldzug mit 
gegen die Franzosen in Ungarn und 
Steiermark, und kam in die Operations» 
kanzlet des Generalstabchef s, Feldmar« 
schall-Lieutenants Baron Zach. Als die 
croatische Militargrenze von den Franzosen 
besetzt ward, kam G. mit dem 
Grenadier - Hauptmann Thodorowich 
1810 als Sergentmajor nach Paris und 
machte 1812 den Zug mit der groBen 
Armee Napoleon's nach RuBland mit. 
I n der Schlacht bei Borisow — im 
Corps des Marschalls Oudinot — 
erkampfte er sich den Ossiciersgrad, den 
er auf dem Schlachtf elde erhielt. Als er 
spater kriegsgef angen wurde, kam er 
nach Astrachan, wo er bis zu seiner 1814 
erfolgten Rantionirung verblieb. Nach 
seiner Heimkehr in ' s Vaterland, Anfangs 
Janner 1813, wurde G. als Ofsicier in 
das 1. Banal-Regiment aufgenommen, 

Seite 123 



Wurzbach0 6 . txt 
1821 Oberlieutenant im zweiten, und 
entwickelte bei einigen Streif commanden 
auf Rauber Umsicht und Energie. 1831 
riickte er zum Haupt mann, 1846 zum 
Major vor. Wie in der Zwischenzeit , so 
auch wieder im Jahre 1848 kam er nach 
Italien, cernirte mit dem Liccaner 1. Bataillone 
Palmanova und machte in 
der Brigade des General-Majors Graf 
ClaM'Gallas die Schlacht bei Cu» 
stozza mit, wo sein Name unter den 
Braven des Tages erscheint. Als der 
Feldzug gegen P i e m o n t eroffnet ward, 
blieb er mit seinem Bataillone als Besatzung 
der Citadelle inMailand, und 
nach der siegreichen Schlacht von Nov 
ar ra zog er gegen die Schaaren Gari» 
b a 1 d i ' s aus und erfreute sich giinstiger 
Erfolge gegen die Freischarler . Fur sein 
tapferes Verhalten belohnte ihn sein 
Kaiser mit dem Orden der eisernen Krone 
dritter Classe. I m Friihling 1849 zum 
Oberstlieutenant befordert, kehrte er in 
seine Heimat zuriick, wurde 1830 Oberst 
und Commandant des 8. Grenz-Infan» 
terie»Regiments , jedoch schon drei Jahre 
spater erreichte ihn im Alter von 61 
Jahren der Tod. Sein Sohn Constan« 
tin— gegenwartig Major im Infanterie- 
Regimente Erzherzog Albrecht Nr. 44 
— erhielt fur sein braves Verhalten bei 
der Vertheidigung der Festung Karls» 
burg das Militar-Verdienstkreuz . 

Hirtenfeld(I.) . Oesterreich ischer Militar-Kalcn ' 
der fur das Jahr 1854 (Wien. a".) V. Jahrg. 
S. 1U7. 

Gyurich und GIM'ics, siehe unter 
G 1 M i t s , Anton. S. 8s. 
GIM'ikuVits, Georg von (Statisti< 
ker und Topograph, geb . zu Iva« 
nocz in der Trentschiner Gespanschaft 
Ungarns 12. J u 1 i 1783, gest. 2o. Janner 
1848) . Stammt aus dem alten adeligen 
Geschlechte G y u r i k a , das schon im 13. 
Jahrhunderte beriihmt war, in der 
Trentschiner Gespanschaft, ab . Sein 
Vater war Paul von Gyurikovits, ' 
die Mutter Elisabeth, geb. Pete« 
nady. Nach der ersten im vaterlichen 
Hause, dann 1790 in Neustadtl an der 
Waag, und 1792 in Nemes Podhragy^ 
Gyunkovits 

genoffenen Erziehung, schickten ihn di 
Aeltern in die protestantische Schule nach 
Trentschin, von da begab er sich 1798 
nach Modern, und im September 1797 
bezog er das protestantische Lyceum A.C. 
zu Preflburg, wo er sich auch die deutsch 
Sprache eigen machte. Nach Vollendunc 
eines zweijahrigen Curies kam er 1791 
nach Nagy-Koros , urn sich in dem dor> 
tigen reformirten Collegium in der ungarischen 
Landessprache mehr Fertigkeit zu 
erwerben. I m September des Jahres 

Seite 124 



Wurzbach0 6 . txt 
1800 kehrte er wieder nach PreBburg zu 
ruck und studirte in dem protestantischer 
Lyceum, und 1801/2 in der koniglichen 
Akademie daselbst unter Paul vonHaj 
n ik. Nun widmete sich G< der okonomi 
schen Praxis bei seinem Anverwandten 
dem Giiter-Praf ecten des Grafen Franz 
Zichy zu PuBta ' Fodemes , mit dem er 
mehrere Reisen in Ungarns Gespanschaf» 
ten unternahm. Dort kniipfte sich auch 
seine Freundschaft mit dem beriihmten 
Botaniker, Grafen Franz W a 1 d st ein, 
den er auf seinen wissenschaf tlichen Rei 
sen oft begleitete. 1803 begab er sich in 
die juridische Praxis nach PreBburg zu 
dem beriihmten Advocaten und Fiscal, 
Paul von Scultety, und da erwachte 
in ihm auch die Neigung und Liebe zur 
Forschung der vaterlandischen Geschichte 
und Diplomatik, durch den gelehrten 
Stemmatographen Andreas von Lehotzky 
rege gemacht und genahrt . Nun f olgte 
G. einem Rufe der Grafin Barbara 
verwitweten EBterhazy, gebornen Castiglioni, 
auf ihre Herrschaft Durda, 

wo er 2 Jahre, und nachher in der Mezolaker 
Herrschaft zu Papa, 1 Jahr zubrachte. 
Gegen Ende 1808 stellte ihn 
Graf Franz Zichy d. a. als Kastner zu 
PreBburg an, welches Amt er bis zum 
Tode des Grafen verwaltete. I m Jahre 
1812 (27. Juli) wurde er vom Grafen 
8 GyurikovitH 

Leopold P a 1 f f y , Administrator der 
Obergespans. Wiirde, zum Stuhlgeschwornen 
des PreBburger Comitates ernannt, 
und bei der General ' Congregation 
in Eid genommen. Bald darauf wurde 
er von den Comitats-Standen zur Ueber» 
gabe der Sr. Majestat auf dem Reichs« 
tage an Friichten freiwillig bewilligten 
Subsidien von Seite des PreBburger Co« 
mitats bestellt. Als im I . 1813 vom 
PreBburger-Comitat 3400 Arbeiter zur 
Erbauung eines Briickenkopf es vor Prefi» 
burg, und zur Anlegung mehrerer Ver« 
schanzungen in den Auen gefordert wur« 
den, ward G. die Zeitung der Arbeiter 
anvertraut. 1818 wurde G. einhellig zum 
Senator von PreBburg erwahlt, und beim 
Tavernicalstuhle zu Ofen (dem Appella« 
tionsgericht der k. freien Stadte) verwen« A 
det . 4823 wurde er Beisitzer der PreB. 
burger Gerichtswf el . Seine MuBestunden 
widmete er dem Studium derVaterlands« 
kiinde, fur welche er einen Schatz auser» 
lesener Sammlungen im geschichtlichen, 
antiquarischen, diplomatischen, heraldischen, 
genealogischen, statistischen und 
topographischen Fache gesammelt hatte, 
welche von ihm dem Propste Georg von 
zu seinem Oodex 6.ip!c>ui. Hun» 
cool. 6t eirS. (in 27 Bon.) zur 
Beniitzung mitgetheilt wurden. G.'s Ar» 

Seite 125 



Wurzbach0 6 . txt 
beiten befinden sich in den Journalen zerstreut, 
in deutschen und ungarischen, u. 
A . im „Hesperus", als diHer zu Prag er» 

'chien: „Zuwart aut die Frage iiber die 

Nachricht der van Orlles in Ungarn, NUHmrn und 

irbenknrgen geMtrten A lehrten CellLchaf t " 

Jahrgang 1818, Va . XXI;— „Vmchtinng 

der Zngabe in dcr Grschichtc dtt ungarischen 

Aeicheg, u°n Ich. Chr. u. Engrl, iiber den Elltl 

eldm.-' 1 . Fcrtl. Ankert IZpermant" 

XXII. Bd.) ', — „Menschenf reundliche Grundrrzchaiten 

in Ungarn in dem MiBjahre M6" 

tzd.) - — „Ibncihme der VylkLmrnge im Nihii-^ 

Oyurik.ovits 86 Gyurikovits 

rer Gamitat im Jahre U8N" (ebd.); - „ M M - 

kerung des mttlern Splnaker Oomitats im Jahre 

:sn" (XXIII. Bd. ) ; — „Nenulkerung der 
Nekrscher nnd Urassnaer Gomitate im I . '"tsN" 
sebd.) - — „Veispiele uon sehr hohem Menschenalter 
in Ungarn" (ebd.); — „Amentdeckte ramische 
Alterthumer ;n Steinamanger (Fabaria) " 

(XXIV. Bd.) ', — «<Inius der Prachtausgabe 
der Mei historischen Merke des Herrn n. Knebel" 

(ebd.); — „ Situationsplan nnd Beschreibung 
urn Pressburg" (ebd.); — „Wichtige Verbisserung 
auf der Fiirst Jas . Palffq'schen Herrschaft 
Nlasenstein in Ungarn" (XXV. B d . ) ; — 
„Topographische Beschreibung des Marktf leckens 
A orndortin Ungarn" (XXVI. Bd.);- „Nie 
Mezolaker Herrschaft im Vessprimer il^omitat" 

(ebd.); — „Nie hessische Golouie sn Nlasus in 
Nngarn" (XXVIII.Bd.);— „Versunkener 
Mgel bei Kots" (ebd.); — „NieUniuersiM A u 
Pressburg unter Mathias <5oroinus" (ebd.); — 
„Verbrauch des gallischen Maizes in Obernngarn. 
Flacheninhalt der Pnssta NanKnta. Nrmulirrmg 
der Festungswerke inKaab" (ebd.); — „Ueber 
das Gemalde am Aathhanse A u Pressbnrg" 

(ebd.); — „Uebersicht der Valksmenge des 
PresZbnrger Comitats" (XXIX. Bd.); - 
„Niplllmatische Beweise, dass die Familien- 
Wappen in Ungarn uiel alteren Ursprungs seien, 
als seit Konigs Bigmund Nrgiernng oder dem 
Gllnstumer <511nnlium" (ebd.); — „Hantige 
Znsiedlnng der Zn- nnd Auslander in Pressburg" 

(eb.); — in der zu Pesth ausgegebenen 
ungarischen wissenschaf tlichen Monats« 
schrift: „i ' uaoikai^oL A ijftEin6n A " : 
„VeschreibnngderMesolakerHerrschllf t " ( Jahrg . 
4820); - „Nell'Mernng und Vlllksmlngr des 
Pressbnrger Ollmitats" (Jahrg. 1821); — 
„Van dem Geschlechte Ohuracjn, uan Chnrarz 
Zzrnt Mihali;" (1822) . Die deutsche Uebersetzung 
im Jahrg. 1823 des „Archives" 

(s. unten) . — „Biographie, Werke und Sammlungen 
nan Biichern nnd Handschrif ten des 
Mraths nnd k. k. Hafbibliathekars in Wien, 
Idam Kollar GNen uan Kerestenu A " (1823); 

— „Ansknhrliche Geschichte des Mersburger 
Schlosses im Pressbnrger Gamitat" (1824); 

— „Van dem Urspriinge des Namens nnd den 
historisch denkwiirdigen Alterthumern des primlegirten 
Marktf leckens Papa im VeSMimrr Gomitat" 

(ebd.); — „Swei merkwurdige Urkunden, 

Seite 126 



Wurzbach0 6 . txt 
die konigliche freie Stadt Stuhlmeisseuburg betreffend" 

(1823); — „Kritische Abhandlung, 

dass unter dem uan Jarnandes ermahnten Fluss 

Nallill oder Pallia die heutige Giprl, ungarisch 

und lateinisch Ipsiolya imRellgrader- und Hantrr- 

<5amitat jn verstehen sei." — InHormahr ' s 

„Archiv fur Geschichte, Statistik, Literatur 

und Kunst": „Nie Aahl der Hauser 

in Pressburg in drei verschiedenen Zeitraumen" 

(Jahrg. 1823, Nr. 32 und 3 3) ; - „Ve- 
Schreibung des k. K. Dlst-, Haf-und Jagdschlosses 
Nieder-Wriden in Oesterreich" (ebd. Nr. 37); 

— „Zlelteste diplomatische Spur uon der k. K. 
Post Wischen Ungarn uud Oesterreich" (ebd. 

Nr . 38); — „Stellung der Mannschaft nun 
der Stadt Aressbnrg im A. "533 jum Feldzuge 
gegen die Gurken" (ebd. N r . 4 3 ) ; — „Ner 
Friedenstrartat geschlossen ;u Ofen im I . MA2 
zwischen dem Konig Wladislam I . und der 
Konigin Glisabeth" (ebd. N r . 36 und 37); 
„Ansgegrabene Glephantenknochen und A ahne in 
der Gegend mn Cn,rnau in Ungarn" (ebd. 
Nr . 61); — „Bemerkungen p der Niographie 
dr5 Graten Fran' 1 Adam TVnldstein" (ebd. 
Nr . 64); — „Verlornes Merk des Hrztrs 
Prorapins Nonamns ans drin XVII. Iahrhuntiert , 
die Naturgeschichte uon Ungarn betreffend" 
(ebd. Nr. 7 8) ; — „Nie Zoojahrigrn Nusten 
beiGrautmaiinsdorf " (ebd.); — „Nie zu Pressbnrg 
gekronten Konige und Koniginnen Ungarns . " 

— I n A. Schmidl ' s „Oesterreichische 
Blatter fur Literatur, Kunst, Geschichte 
u. s. w. Jahrg. 1347: „Nns Cagebnch liber 

die im I . "538 uon der K. K. Irmee uorgmominrne 
Belagerung von Ofen" (Nr. 19 1 und 192); 

— „Abraham Hoscmnnn'Z Kais. Historiographen 

I . ' ebensnmst ' ande, Merke u. s. w." (Nr. 218); 

— „Niogrophie des Hus"aren-chbristen Aohann? 
Oyurikovits 87 Wyurinka 

Lft.ls Gdlm van SMieLNli, nus deszen eigen 
handigen Mtaten geigen" (Nr. 283-289) . 

— Selbf tstandig gab er heraus: « 

slk amol""avom' as 6? 0>c»all/as" (Pesth 
4344) . "Vergl. darijber A. Schmidl ' s 
„Oesterr. Blatter" 1848 Nr. 46 und 4 7 ^ j . 

— Seine in Handschrift befindlichen Ar 
betten, welche nicht weniger als 33 dicke 
Foliobande umfassen, enthalten: „Geagraziliie 
nntl (Seschichte des Armaer> ComitutZ"; 

— "ZlnatOhrliche Neschreibnng des Grentachiner- 
GllmitlltZ"; - „<Vellgrnsit ! 15che nnd hi 
Beschreibung t>e5 Mexelbur 
„Glipligraphische Neschreibnng unt> 

des im De5Mi !ner- (511tnitllt liegenden beriihmten 

nng nnd tBeZchichte 

deZ privilegirtenMurlvtBeckena "llpa in dem Ve5jprimer 

Gllmitut"; — „Historische und yragrat 

1 1 t Z " ; — „(5ine Zummlung mn ausgesnchtln 

Arlmndrn liir Angarns Ocagraphie im Mittclalter 

und zur Kriti51hen Nelenchtnng der vaterlandischen 

Geschichte und Altertumskunde" ; — A 

; — „Kritische Mhllndlvng uon den 

Gbergespauen des A lresoburger 15amitiit5 nnd 

den Sch ! . 115S-GliMnen von Pressbnrg'" — 

Seite 127 



Wurzbach0 6 . txt 
„EenelllagischrNednrtmmn und Anbellen beruhmter 
ungarischer, theils lwch lebender, theils Zchlln 
erloschener ndeliger Familien" ; — „Gnsillgraphisch- 
pittureske Uebersicht des in der Presstmryer 
Gespnnschlltt Sich hinziehenden 
Gebirge?";— Oupllgrllsihi 
Zchreibung des Mingekirgesin dem 
i5oniitut"', — „Taullgruphisch-ph Al i6che und 
unal^tisihe Ve5chrriknng aller Mineralquellen in 
dem PreZSbtirgcr-Cllmttat . " Seiner wissenschaf tlichen 
Verdienste wegen hat ihn die 
ungarische Akademie am 9. Marz 1832 
zu ihrein correspondirenden Mitgliede er« 
nannt . Was mit seiner reichhaltigen und 
sehr werthvollen Bibliothek, die er besaB, 
geschehen, ist dem Herausgeber dieses 
Lexikons nicht bekannt . 

Ne5xsi-u6 (literar. Blatt in Prag) Jahrg. i820, 
Bd. XXV, S. 113. - Bd. XXVIII, Heft t, 
S. 7 der Beilage. — ?uaoinavio8 6 A t s - 
insu A (eine gelehrte magyarische Monatsschrif t 
zu Pesth) Jahrg. 1319. Bd. X I , Heft 116, S. 
827. — Archiv fur Geschichte. Statistik, Literatur 
und Kunst, herausg. von H o r m a y r (Wien, 
40.) Jahrg. XVI (1825). Nr. 106.- Beytrage 
zum gelehrten Oesterreich. XI A IX. Georg von 
Gyurikovits. . . von Dr. Rumy A nach 
diesem geb . 12. Juli 1783) . — Oesterr. Natio< 
nal ' Encyklovadie, herausg. von Czikann und 
G r a f f e r (Wien 1835) Bd. I I , S. 4S2 A mit 
derselben Geburtsangabe wie das „Archiv" . Auch 
wird ihm in diesem Werke das Adelspradicat 
Edler vonIvan6tz beigelegt; jedoch ist dieB ein 
Irrthum, sein Geburtsort heifit Ivanocz, und in 
Ungarn pflegt man sehr hausig zur besseren 
Kenntlich machung und Vermeidung von Ver< 
wechSlungen bei gleichnamigen Personen den Geburtsort 
dem Namen beizusetzen A . — A 2372? 
ii-6k. Nlstr A 2-3; 'ii A t6ra6uv. 67AMK A «7-e «- 
a' 1 !, /a<' s a5 ss Da?!l e A, l'' s /o A «e/, d. i. Unga» 
rische Schrif tsteller . Sammlung von Lebensbe« 
schreibungen . Von Jakob Ferenczy und Ios. 
Danielik (Pesth 1856. Gust. Emich) S. 175 
ftach diesen geb. 12. Juli 1780. gest. 25. Janner 
d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und 
Stammtafeln (Pesth. Mor. Rath. gr. 8".) Bd. 
I V , S. 473 A nach diesem geb. 12. Juli 1783). 
Oyurinkll, Anton (Schriftsteller, 
geb. zu Waizen 17. April 1824) . Die 
Schulen besuchte er in seiner Vaterstadt 
und in Schemmtz. 1841 trat er in ' s 
Waizner theologische Seminar, wurde 
ein eifriges Mitglied, Bibliothekar und 
Vorstand des daselbst entstandenen unga« 
rischen Vereines und trug mit seinen 
Arbeiten zweimal den Preis davon . 1847 
erhielt er die h. Weihen. Neben den 
Pflichten seines Berufes ist er auch als 
Schriftsteller thatig. Schon 1345 erschien 
! sein Gedicht zu Ehren des Grafen Franz 
Nadasdy, Erzbischofs von Kalocsa; 
ferner betheiligte er sich an der von I o h . 
E r d 6 1 y i begonnenen Sammlung unga-? 
Gyurits Gyurits 

Seite 128 



Wurzbach0 6 . txt 
rischer Volkslieder und Sagen, und 
schrieb eine Geschichte der Stadt Waizen, 
welche er in der von Emerich Vahot 
redigirten Zeitschrift: „UaF A -65 Vras- 
I A orL A a A kopekbon«, d. i. Ungarn und 
Siebenbiirgen in Bildern, verof fentlichte . 
Von seinen iibrigen Arbeiten sind noch 
anzufuhren in den „Osiuaai la A ok", 
d. i. Familienblatter : „ A onsifa A nw A o A 
06??-0Ma 65 6S1)6?6?6 A A 5 Z - 6 A A " A d. 1 . 
Erstiirmung und Einnahme Constan« 
tinopels im Jahre 1433; — „ A 4 sssn? 
> A 6?-6s A HiaHa?a") d. i. Der Sieg des hei« 
ligen Kreuzes. Eine historische Skizze; — 
„Zatao?'?/ M' A os«, d. i. Nikolaus Ba< 
thory. I n neuerer Zeit ist er bestandiger 
Mitarbeiter des „Tatk. A axlap", d. i. 
kath. Volksblatt, in welchem er bereits 
eine groBe Anzahl von Original-Novellen 
zur Forderung religiosen Gefuhles und 
wahrer Sittlichkeit in den untern Volks» 
clafsen verof fentlicht hat. 

A 6tst, d. i. Ungarische Schrif tsteller . Sammlung 
von Lebensbeschreibungen . Zweiter, den ersten 
erganzender Band (Pesth 4837, Gyarmath) S.99. 
Gyurits, Anton (Schrif tsteller , 
geb . zu Steinamanger in Ungarn 
23. Mai 1819). Besuchte die Schulen 
in seiner Vaterstadt, ging 1834- nach 
Pesth, horte daselbst die Rechte, besuchte 
zugleich die Vortrage tiber Diplomatik 
des beruhmten Stephan Horv A th und 
betrieb auch das Studium der deut . 
schen und f ranzosischen Sprache. Dann 
trat er in GroBwardein in Dienste, 
ubernahm aber zugleich die Stelle eines 
Erziehers bei dem Sohne des Grafen Karl 
Kornis. Nachdem er letztere Stelle nach 
einigen Jahren niedergelegt , wurde er 
Notar der konigl. Tafel in Pesth, arbeitete' 
seit dieser Zeit bis zur Eroffnung des- 
Landtages von 1847 in der Kanzlei des 
Schiedsrichters Johann Kelemen und 
erwarb sich auch in dieser Zeit das Advocaten- 
Diplom. Behufs seiner Beschafti« 
gung auf dem PreBburger Landtage von 
1843/44 ersann er eine leichte Methode 
des Schnellschreibens und trat mit feinen 
Ansichten dariiber in der Schrift: „ A . 
", d. i. Ueber das Schnellschreiben 
in theoretischer und praktischer Beziehung, 
zum erstenmale in die Oef f entlichkeit . 
Dann lieB er noch eine Bearbeitung von 
A oventio A - HInsNoteoknik unter dem 
Titel: „Sm?sas A an« (Pesth 1846), 
erscheinen. Seit dem Landtage von 184? 
verlegte er sich insbesondere auf die 
Stenographie . Nach der Revolution gab 
er Mehreres, theils Original, theils iiber» 
setzt, im Drucke heraus; u. z.: „ 
d. i. Flucht nach Debreczin zu Anfang 
des Jahres 1849 (Pesth 1830), es ist 
diefi eine humoristisch-historische Schil» 
derung dieser denkwurdigen Thatsache; 

Seite 129 



Wurzbach0 6 . txt 
- „ A z>F?7 FasswT-z Ha A ae", d. i. Die 
Vuoolioa Virgil ' s (Pesth 1831); - 
„ s A > A 7 A snsiss", d. i. Die Aeneis von 
V i r g i 1 . I. und I I . Buch (Pesth 1831) . 
AnlaBlich dieser Uebersetzung wurde G. 
angegriffen, erwiderte aber den Angriff 
mit der Verteidigungsschrif t : „ . A N6a 
A 3 AA FssNsn", d. i. Kritik und Partei« 
geist; — ferner gab er heraus: „Soma 
65 2 A ?-stto" i d. i. Rom und Loretto. 
Aus dem Franzosischen (Pesth 1831); — 
d. i. Der Anacharsis aus dem 13. Jahrhundert 
(ebd. 1832), ein Charakterbild 
aus dem Mittelalter nach Wilhelm Walter; 

rr 

d. i. Der Mensch und die Schopfung oder 
die Theorie der Endursachen im Universum, 
nach 3. M. Desdouits (ebd. 1833); 
, d. i.? 
Gyurrts Gyiirky 

Geschichte der Kreuzziige. Aus dem Deut 
schen (ebd. 1883); - „Z6'm'H es 
" A d. i. Kurze und 

zuversichtliche Antworten auf die meist» 
verbreiteten Einwiirfe gegen die Religion. 
Aus dem Franzosischen (ebd. 1833); — 
d. i. Der an der Gesellschaft nagende 
Wurm (Erlau 1882) . Aufierdem hat er 
zahlreiche Ueberset zungen und einige Kritiken 
in der „K A liFia") in den Denkblattern 
des Johann Danielik und in 
den „Osa-Iadi laxok", d. i. Familienblatter, 
verof f entlicht ; im „ N a A a r Nirla A 
p") d. i. Ungarische Zeitung, erschien 
seine Kritik iiber die orientalische Reise 
I e r n e y ' s . Von der ungarischen Ueber» 
setzung der Weltgeschichte des Casar 
Cantu, welche der S t , Stephansvecein 
herausgibt, besorgt G. das Alterthum. 
Seit dem Jahre 183 1. war G. auch 
einige Zeit bei und fur den „Verein zur 
Verbreitung guter und wohlfeiler Bucher" 
thatig und dessen Secretar. Eine Kritik seines 
Styls nennt denselben klar, leicht stie« 
Bend und rein ungarisch. DaB er denselben 
zum Gegenstande seiner eindringlichen Stu> 
dien macht, beweist eine in letzter Zeit er« 
schienene Schrift, welche er unter dem T'< 
tel: „ A 4 Nla A a?- Hsi2/ssl>H5 ssaoa A ««'") 
d. i. Die Regeln der ungarischen Rechtschreibung 
(Pesth 1838), herausgab. 

MsaiHa, d . i . Die Gegenwart (Pesth 1858, 
G. Heckenast, Lex. 8".) S. 174. - A 2 3 7 A 
T'snesz/ «/« A .ao A sDa A l'eil, ' A c/o A se/, d. i. 
Ungarische Schrif tsteller . Sammlung von Lebens« 
beschreibungen . Von Jakob Ferenczy und Ios. 
Danielik (Pesth 1856, Gust. Emich) S. 177. 
Gyurits, Michael, siehe: Gyurich, 
Michael. S. 84. 

Ghiirkl), Anton (landwirtschaf tlicher 
Schrif tsteller , geb . zuFelsoszeleny 
im Honter Comitate im Jahre 1818) . 
Den ersten Unterricht erhielt er im Eltern« 
hause, dann besuchte er das Gymnasium 

Seite 130 



Wurzbach0 6 . txt 
in Lava und zuletzt eine Privatanstalt 
in Arad. Bei seiner groBen Neigung zur 
Landwirthschaf t begann er schon in 36va 
auf der furstlichen Herrschaft praktische 
und theoretische Studien in der Agricul« 
tur. Plotzlich im Jahre 1834 — im 
Alter von 16 Jahren — trat er in das 
3. Huszaren-Regiment , aber schon nach 
zwei Jahren wieder aus und widmete 
sich nun zu Hause ausschlieBlich der Agrimltur. 
Er diente nun im Comitate 12 
Jahre hindurch als Vice-Notar, Stuhl, 
richter und Ober>Notar, zugleich war er 
Agent des ungarischen Landwirthschaf ts- 
Vereines, Stifter und Secretar des 
Honter Filial > Vereines. Zuletzt iibersiedelte 
er nach Pesth, wo er als land« 
wirthschastlicher Schrif tsteller thatig ist. 
Viele semer Artikel stehen in den zahlrei« 
chen landwirtschaf tlichen Blattern seines 
Vaterlandes abgedruckt . Auch gab er 
folgende selbststandige Werke heraus: „ A 
") d. i. Ueber Commaf sation, 
Einrichtung und Cultivirung 
des commaff. Besitzthumes (Pesth 1833); 
T/vs") d. i. Das 

Buch der Winzer (Pesth 1836) ' — »e7H6- 
) d. i. Dienstbotenf reund (Gyarmat 
1836) . I n letzterer Zeit (seit 1837) 
arbeitet er an einem landwirtschaf tlichen 
Kunf tworterbuch . Auch begann er im 
I . 1837 die Herausgabe einer Zeitschrift 
unter dem Titel: „HsM6'sss// /ussosk", 
d. i. Hefte fur Rebenzucht, von welcher 
bereits mehrere Hefte erschienen sind. 
kotst, d . i . Ungarische Schrif tsteller . Samm» 
lung von Lebensbeschreibungen . Zweiter, den 
ersten erganzender Band (Pesth ls57, Oyar« 
math) S. 99.^ 
H. 

Haag, Nicolaus Freiherr (General« 
Major und Ritter des Mar. Theresien» 
Ordens, geb . zu Mannheim 4744, 
gest. zu T y r n a u 40. Janner 4784) . 
Trat 4739 in ' s Kiirassier-Regiment H ohenzollern, 
wurde 16. Marz 4747 

Rittmeister, im sieben jahrigen Kriege 
Major, am 27. Juli 4760 Oberstlieute . 
nant, 4767 Oberst und 4. Dec. 4773 
General ' Ma jor . Bei verschiedenen Gelegenheiten 
gab er schone Proben seines 
Muthes und seltener Umsicht dem Feinde 
gegeniiber. So machte er sich schon bemerkbar 
bei Frauenberg (4742), bei 
der Belagerung von Prag, und in den 
Schlachten von Rocoux (4746) und 
Lawfeld (1747); bei Domstadtl 
(30. Juni 4738) zeichnete er sich ganz 
besonders aus, ebenso bei K o s d o r f , wo 
er die Avantgarde fiihrte. Bei Haupt« 
mannsdorf aber (2. Juli 4762) 
erkampfte er sich das Maria Theresien» 
Kreuz. An der Spitze seiner Escadron 
attaquirte er die feindliche Reiterei mit 

Seite 131 



Wurzbach0 6 . txt 
gliicklichem Erfolge und hielt der vorriickenden 
feindlichen Infanterie so lange Stand, 
bis das Corps des Generals Brentano 
ein langes DeMe gliicklich passirt hatte. 
Noch sollte er den Riickzug der Arriere« 
garde decken; schon war diese von der 
feindlichen Reiterei, eben derselben, welche 
Haag in allem Anbeginn zuriickgeworf en 
und die sich wieder gesammelt und erholt 
hatte, heftig bedrangt; da ruckte H. mit 
seiner Truppe gegen sie vor; sie gab nun, 
als sie seiner ansichtig ward, jede weitere 
Verfolgung auf und lieB die Arrieregarde 
und ihn selbst mit seiner Reiterei den 
Hohlweg unbeanstandet Passiren. Bei 
dieser Gelegenheit erhielt H. eine schwere 
Wunde . I n der 9. Promotion (24. Nov. 
4763) wurde H. fur diese That mit dem 
Ritterkreuze des Maria Theresien«Ordens 
ausgezeichnet . I m Jahre 4764 erhielt 
er auf Grundlage dieser Ordensverlei» 
hung die Freiherrnwurde, im Jahre 4779 
wurde ihm noch die Inhaberstelle des 
Kiirassier - Regiments Nr. 3 verliehen. 
Drei Jahre spater starb er zu Tyrnau im 
Alter von 67 Jahren. 

Oesterr. Militar ' Konversation6<Lerikon (Wien 1832, 
gr.8o.) Bd. Ill, S. 1. -Hirtenfeld(I 
Der Militar-Maria Theresien-Oroen und seine 
Mitglieder (Wien 5857, Staatsdruckerei, 4".) 
S. 189 und 1731. — Freiherrnstands-Diplom 
vom. 10. Marz 1784. — Wappen. Ein vier» 
getheilter Schild, in dessen vorderem obern und 
hinterem untern silbernen Felde ein doppelter 
schwarzer Adler mit ausgebreiteten Fittigen und 
vorgestreckten Klauen; im hinteren obern und 
vorderen untern rothen Felde ein rechtsschreitender 
Lowe mit auf gesperrtem Nachen, ausgeschla» 
gener Zunge und iiber sich gewundenem Schweife, 
in seiner rechten Pranke einen blofien Degen 
haltend. Das goldene Herzschildlein zeigt einen 
linksgehenden, mit drei sechseckigen goldenen 
Sternen belegten blauen Balken 
Hanger von Altensteig, Franz Frei- 
Herr von (Staatsmann, geb . zu 
Wien 1780, gest. zu Strii. bei Venedig 
in der Nacht vom 31. Juli auf den 
I . August 1816) . Sohn des Freiherrn 
FranzAlois (s. unten in den Quellen: 
II. die ausgezeichnetsten Glieder 
der Familie Haager, Nr. 3) aus? 
91 

dessen Ehe mit Marianne Grafin von 
Schlik. Wurde in der theresianische 
Ritter-Akademie gebildet, trat aber 1783 
gleich seinein Bruder Johann (s. d, 
in den Quellen Nr. 6) in das Kiirassier* 
Regiment Caramelli, wurde Lieutenant, 
durch einen Sturz vom Pferde 
jedoch gehindert weiter zu dienen. Er 
widmete sich nun dem Staatsdienste, 
wurde 1786 Kreiscommif sar snicht wie 
die „Zeitgenossen" berichten: Kriegscommif sar ) , 
1793 Kreishauptmann des Vier. 

Seite 132 



Wurzbach0 6 . txt 
tels unter dem Wienerwalde, am 28. Oct. 
1802 wirklicher Regierungsrath bei der 
damals errichteten Hof commission in 
Wohlf eilheits-Angelegenheiten und 23. 
April 1803 wirklicher Hofrath bei der 
obersten Polizei- und Censur-Hof stelle, 
im Sommer 1308 Vizeprasident und 
im Marz 1813 wirklicher President der 
obersten Polizei' und Censur«Hof stelle . 
I n alien diesen Dienstverhaltnissen beur» 
kiindete er Energie, Umsicht und seltene 
Geschaf tskenntniB ' , schon bei der von 
Kaiser Joseph I I . eifrig betriebenen 
Steuerregulirung zog er die Aufmerk« 
samkeit dieses Monarchen auf sich; wah» 
rend seiner Amtsleitung als Kreishaupt» 
mann sah er in seinem Kreise zweimal 
(1797 und 1800) den grofiten Theil der 
Hauptarmee, das freiwillige Aufgebot und 
die ungarische Insurrektion; er leitete 
personlich die Verschanzungen am Sem» 
mering und am Wienerberge; spater als 
Hofrath wurde er in den Kreis gesendet, 
den er friiher geleitet, urn die Wunden 
zu heilen, welche der Krieg daselbst ge> 
schlagen; als Viceprasident der Polizei- 
Hofstelle im Jahre 1809 wirkte er auf 
Geist und Stimmung des Volkes, als 
die Landwehr zusammentrat ; und als 
President derselben Stelle hinterlieB er 
nach einer nur dreijahrigen Function ein 
gesegnetes Andenken in alien Schichten 
der Bevolkerung, erwarb sich durch milde 
Handhabung des gehassigen Amtes der 
Censur allenthalben Sympathien, und die 
„Zeitgenossen" , ein im Auslande heraus» 
gegebenes geachtetes Organ, hielten dem 
dem Dahingeschiedenen eine bemerkenswerthe 
3obrede. Schon am 1. October 
1797 wurde H. k. k. Kammerer, im 
Februar 1809 geheimer Rath und am 
21. Juni 1856— also wenige Wochen 
vor seinem Tode, der ihn im Alter von 
36 Jahren der Gesellschaft und dem 
Staate entriB — ehrte und belohnte ihn 
Kaiser Franz durch das GroBkreuz des 
Leopold «Ordens. 

Ueber Franz Freiherr Haager von Mensteig: 
Zeitgenossen (Leipzig 1820, Brockhaus, gr. 80.) 
Erste Reihe. Bd. I I , S. 107 u. 169. - Vater« 
landische Blatter, redigirt von Franz Sar< 
to r i (Wien 1817) S. 300 u. 304. - Oesterr. 
National-Encyklopadie, herausg. von Graffer 
und Czikann (Wien 1833 u.f.) Bd. I I , S. 
436 ftach dieser ist er 1730 geboren; nach den 
„Zeitgenossen" ging er aber aus der, 20. Sept. 
1733 mit Marianne Grasin Schlik ge< 
schlossenen Ehe des Feldmarschall-Lieutenants 
FranzAlois Freihcrrn von Haager hervor; 
konnte also eine eheliche Geburt erst 1734 statt« 
gefunden Habens . — A ouvHHs VioFra.pbis 
gsn^lHlL . . . xudliss par UH1. firmlnDi- 
clot IrorsL, Laus Ik aiieotion as 21. Is Dr. 
Hosksi- (?ari2 1832, I A sx. 8<>.) Da. XXIII, 

Seite 133 



WurzbachO 6 . txt 
8x. 3 snach dieser fallt seine Geburt gar erst 
um das Jahr 1?63; als Todestag wird der 
31. Juli 1816 angegeben; die wechselnde Angabe 
des 31. Juli und 1. August als Haager's 
Todestag beruht auf dem Umstande, daB sein 
Tod in der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 
erfolgte. Der Todesort wird falsch Isra statt 
Strll bei Venedig genannt . Auch erscheint er 
daselbst unrichtig als ein Sohn des Freiherrn 
OttoSigmund Hager, statt des Franz 
Alois) . — I. Genealogie der Familie Saager. 
Die Haager erscheinen unter verschiedener 
Schreibart bald als Hager von Alensteig. 
dann von A 1 e n t steig; hier wird die allgemein 
iibliche Haager von Altensteig ange> 

nommen und f estgehalten . Die Familienuberlief erungen, 
durch geschichtliche Forschungen der 
Wahrscheinlichkeit nahe gebracht, bezeichnen 
einen Haag er als Morder oder doch als Theil«^ 
Zaager 92 Zaager 

nehmer an dem 1248 an Herzog t t o I I . von 
Meran begangenen Morde. Diesen Eberhard 
H a a ger (siehe unten: I I . Ausgezeichnete 
Glieder der Familie Hanger, Nr. 1) halt die 
Familie fur ihren Stammvater; urkundlich 
erscheint schon 1262 ein Q t t o Hager als 
Besitzer eines Gutes zu Offtering; eine genea« 
logische Folge der einzelnen Familienglieder ist 
jedoch erst seit der Mitte des 14. Jahrhunderts 
nachweisbar. V e i t Haag er (1357) hatte aus 
seiner Ehe mit Christinn Ennenltt 3 Sonne: 
lpankraz, Stephan, Martin, Hanns 
und Wolfgang. Die letzteren zwei erbten 
von ihren Oheimen Heinrich und Johann von 
Geyl 1 e rn das Geyllem'sche Wappen, welches 
die Haag er noch heute fiihren (siehe weiter 
unten: III. Wappen der Haager); HannsH. 
nahm die Halfte der Herrschaft Altensteig, oder 
wie sie damals genannt wurde.- Allentsteig, 
welche aber spater an seinen Bruder Wolfgang 
siel. Wolfgang hatte aus seiner Ehe 
mit Anna von Lappiz einen Sohn: Thomas; 
Thomas war mit Christine von ftuelach oer< 
malt. Thomas' (gest. 1432) Sohn Sigismund 
(I.) pflanzte die Familie fort. Sigis< 
mund (I.) (siehe unten I I . die ausgezeichneten 
Mitglieder der Familie Haager, Nr. 12) war 
zweimal vermalt, zuerst mit Dorothea von 
Hohenwarth, zum andern Male mit Elisabeth 
von pottenbrunn. Aus beiden Ehen hatte er 
17 Sonne und 7 Tochter, also 24 Kinder. Von 
Sigismund' s (I.) Sohnen traten 3 in den 
Vordergrund: Weit, Sebastian (I.) (s. Nr. 10) 
und Wolf (s. Nr. 14); Sebastian pflanzte 
den Mannsstamm fort. Aus zwei Ehen, der 
ersten mit Christine von Eibensieiner , der zweiten 
mit Anna von Eimenkrl, hatte er 15 Kinder, u. 
z. 3 Sonne. 12 Tochter. Einer dieser Sonne. 
Georg (s. Nr. 4), trat zum Protestantismus 
iiber. Aus stiner Ehe mit hcdw'lg von 51cger 
hatte er wohl 2 Kinder, welche jedoch vor ihm 
starben. Der zweite Sohn Sebastians: S i - 
gismund (II.) (s. Nr. 13), pflanzte das Geschlecht 
fort; in drci Ehen: mit Julia Grasin 

Seite 134 



Wurzbach0 6 . txt 
Althann, Nana Freiin von Eck, und Anna 
5usanna Herrin von HohenecB, erzeugte er 21 
Kinder; darunter den unglucklichen Sebastian 
Giinther (s. Nr. 11), und Hanns Seifried 

(s. Nr. 5) . Der Zweig Sebastian 

Gtinther's erlosch bald; seine beiden Sonne 

Franz Sigmund und Sebastian (III.) 

starben im Laufe des sieben jahrigen Krieges, und 

die einzige Tochter Eva Julie vermalte sich 

(1622) mit iiacob Franz Freiherrn von Herber« 
siein. Hanns Seifried (s. Nr. 5), der erste 
Freiherr (seit 12. Janner ltt71) . pflanzte das 
Geschlecht fort. Zweimal vermalt, zuerst mit 
Uaria Nagdalena Freiin von Aainach, zum 
andern Male mit Anna Valharina Aolnpok von 
Vllsdorf, hatte er nur aus der letztern Ehe zwei 
Sonne: Otto Sigmund und OttoMaxi- 
m i 1 i a n . Der letztere starb im Feldlager zu 
Of enunvermalt (1694); der erstere aber, Otto 
Sigmund (s. Nr. 9), war gleichfalls zweimal 
vermalt, zuerst mit Nnria Aatharina Barbara 
Freiin von Vedt und dann mit Naria Franzisca 
Veatri.r Grafin Antzinner. Von beiden Frauen 
hatte er 11 Kinder, darunter: Maria Domin 
i k a , vermalt (1745) mit Cundaker Koscph 
Grafen von Thurheim, welche somit die UrgroB« 
mutier des jetzt noch bliihenden Geschlechtes der 
Grafen von T h u r h e im ist; ferner: Maria 
Karolina Magdalena (s. Nr. 8) und den 
Sohn Franz Alois (s. Nr. 3) . Dieser letztere 
hatte aus einer zweimaligen Ehe, u. z. zuerst mit 
Varia Anna Grasin von 5a) lill und zum andern 
Male mit Naria Eleonore Grasin von Traut» 
mannsdorf, 2 Sonne: Franz (s. Nr. 2) und 
Johann (s. Nr. 6), und 2 Tochter: Dominika 

(gest. 1827) und Elisabeth (gest. 1837), 
beide kais. Stiftsdamm. Franz starb kinder« 
los; Johann uermalte sich als Gmcral mit 
Naria Magdalena von Hll'<?ss' s , aus welchem die 
letzte ihres Geschlechtes abstammt.- Julia 
Maria Ghristina, bekannter unter dem 
Namen: Qldof rcdi-Haagcr (s. Nr. 7) . 
sDer gelehrte Bibliothekar der (Men ' ienser-Abtei 
Lilienfeld: Chrysostomus H ant Haler, lie» 
fert in seinem handschrif tlichen Nachlasse die alte« 
sten quellengemaflen Nachrichten iiber die Familie 
der Haager, welche spater WiBgrillin seinem 
„Schauplatz des landsass. nirderiisterr . Adels..." 
zum groBen Theile benutzt hat. — Sonst uer< 
gleiche iiber die Familie Haager: M a i 1 a t h 

(Ioh. Graf), „Das Geschlecht dl?r Freiherrn 
Hager von und zu Altensteig", in der Gedichte» 
sammlung der Grafin Oldof redi»Haager : 
„Moos", S. lia-15 6. -Wiflgrill(Zr.K.). 
Schauplatz des landsassMN nirdcrusterreichischcn 
Adels vom Herrn« und Ritterstande . . . (Wien 
1794 u. f.. 40.) Vd. I V . - Ho he neck ( I . G. 
A. Freiherr von), Genealogische und historische 
Beschreibung der liibl. Herren Stande des (5rz« 
herzogthums Oesterreich ob der Enns (Passau 
und Regensburg 1727) im Artikel: Hager. — 
Oesterr. National-Encyklopadie, herausg. von 
Graffer und Czikann. Bd. I I , S.434.) - 
1 1 . Ausgezeichnete Glieder der Familie Saager 

Seite 135 



Wurzbach0 6 . txt 
von ZUtenstcig. I n alphabetischer Folge 
ihrer Taufnamen. 1. Eberhard H. lebte im 13.? 
Oaag« 93 
Jahrhundert; ihn bezeichnet die Sage als Mordei 

t t o I I . , Herzogs von Meran (1248) . Di, 
Familie der Haag er erkennt selbst in ihm der 
Stammvater ihres Geschlechtes . Schon iir 
Jahre 1228 hatte er mit Kaiser Friedrich I I 
Hohen st a u f e n den Kreuzzug nach Palestine 
unternolnmen und wurde nach seiner Riickkehl 
Prinzenhofmeister bei t t o I. von Meran. Als 
Eberhard seinen Zogling t t o I I . mit der 
„schonen Hagerm" Buhlschaft treiben sah, ja ihn 
sogar mit ihr im Bade iiberraschte, ermordete 

er ihn. Dieses EreigniB hat sich in einem alten 
Liede erhalten. "Vergl. : Ios. Graf M a i 1 a t h 
Das Geschlecht der Freiherm Hager, in der 
Gedichtsammlung „Moos" der Grafin Juli, 
Oldofredi, Hager (Wien 1833, Staats« 
druckerei, 32«.) S. 1!6. — Das thatenreichc 
Leben dieses Ritters wurde von Oi-. Falkner 
novellistisch behandelt in der „Theater-Zeitung 
Ad. Vauerle ' s 1847, Nr. 78-103.- „Der erste 
der Hager".' 1 — 2. Franz Freiherr, President 
der obersten Polizei- und Censur-Hof stelle A siehe 
den selbststandigen Artikel S . 90^. — 3. Franz 
Alois Freiherr (Feldmarschall-Lieutenant, geb . 
13. Sept. 1722, gest. 26. Dec. 1812). Widmete 
sich dem Militarstande, focht noch in den letzten 
Feldziigcn des groflen Eugen am Rhein, dann 
in jenen in Ungarn, welche mit dein Belgrader 
Frieden geschlossen wurden. I m 7 jahrigenKriege 
war er schon Oberstlieutenant und General-Adjutant; 
bei Lobositz 17a6 zeichnete er sich aus, 
wurde schwer verwundet und trat als Oberst 
aus dem activen Dienste. 1738 ernannte ihn 
Maria Theresia zum General ' Ma jor und 
Festungs-Commandanten von Olmutz. 1792 
riickte er zum Feldmarschall-Lieutenant vor, 
wurde darauf Erzieher (Ajo) der fiinf jiingsten 
Briider des Kaisers Franz.- Anton, I o h a n n , 
L u d w i g , Rainer und Rudolph, und 
erhielt 1808 bei der Stiftung des Leopold« 
Ordens das GroBkreuz desselben. Er starb, 91 
Jahre alt, nachdem er 34 Jahre Soldat gewesen, 
und noch die Feier erlebte, welche die Prinzen, 
deren Ajo er war, im September 1812 zu sei' 
nem 91. Geburtstage im Prater veranstalteten . 
'"Vergleiche iiber ihn: Oestorr. Militar-Konnersations- 
Lerikon (Wien 1832 u. f.. gr. 8".) Bd. 

1 I I , S. 21 snach diesem geb. 171v) . — Graf 
Mailath.Am bez. Orte. S. 141 (schreibt 
unter Anderem S. 144: „rr starb . . . nachdem er 

seit 34 Jahren k. k. Feldmarschall-Lieutenant gewesen' 

soil wohl heiBen „Soldat" gewesen, denn 

Franz Alois wurde 1.792 Feldmarschall-Lieutenant, 

war also, als er starb, 20 Jahre in dieser 

Charge) . A — 4. Georg. Ein Enkel deo Sebastian 

und von dem es urkundlich dargethan 

ist, daB er, dem Beispiele vieler edlen Geschlechter 

folgend, der Reformation sich anschloB und 

Protestant wurde. Durch Heirath mit des Gregor 

von 5teger einziger Tochter Hedwig erwarb 

die Familie Haag er die Besitzung S t . Veit 

Seite 136 



Wurzbach0 6 . txt 
im obern Miihlviertel nachst Linz, welche nach 
seinem und seiner Gemal'm Tode — da auch 
ihre Kinder vor ihnen gestorben waren — nach 
langem Rechtsstreite mit den Verwandten, durch 
Vergleich an Georg 's Oheim, Sigismund 
(II.)(s.d.Nr.l3),gelangte. "Vergl.: M a i 1 a t h . 
bez. Orte. S. 128.) — 3. Hanns Seifried 
(geb. 1610, gest. 1687) . Sohn Sigismuno ' s 
(II.) (s. d. Nr.13) aus seiner dritten Ehe mit 
Anna Susanna Herrin von Hoheneck, und 
Stiefbruder des enthaupteten Sebastian 
Gunth er(s.d. Nr. 11) . Hanns Seifried ergriff 
den Waf f endienst , diente alsFelohauvtmann 
bis 1643 in verschiedenen Feldziigen, war 1636 
Verordneter des Ritterstandes im Lande ob der 
Enns, trat zur katholischen Religion iiber und 
wurde von Kaiser Leop o Id I . am 12. Janner 
1671 in den Freiherrnstand erhoben. Gr war 
zweimal vermalt (siehe oben I. Genealogie) 
und starb im Alter von 78 Jahren. Er liegt 
begraben zu St. Veit im obern Miihlviertel 
nachst Linz, einem Familiengute der Hager, 
welches seit Sebastian Hager durch dessen 
Schwiegervater Gregor von S t e g er an die 
Hager kam. sVergl. : M a i 1 a t h . Am bez. 
Orte. S. 137.) — 6. Johann Freiherr (Feld< 
marschall-Lieutenant , geb. 1761, gest. zu Temes' 
var 2i>. October 1822) . Der altere Sohn des 
Freiherrn Franz Alois (s. d. oben), widmete 
sich gleichfalls, wie vor ihm so viele Haag er, 
dem Dienste der Waffen, machte die Feldziige 
des f ranzosischen Reoolutions ' Krieges mit und 
wurde General ' Aojutant des Erzherzogs Karl. 
1809 stand H. bereits als General bei dem Heere 
in Innerosterreich, fochtbei Pordcnone undSal.'ile, 
und gerieth bei San Salvador und Campana in 
franzosische Gef angenschaf t . Nach erfolatem Fne< 
densschlusseriickte er zumFeldmarschall-Lieutenant 
vor und kam als Dioisionar nach Temesvar. 
Sein Vater Franz Alois (s. ob . Nr. 3) hatte 
die Freude bei dein Festmahle, welcheS iin Sep» 
tember 1812 zu seinem 91. Geburtstage die 
Prinzen, deren Ajo er war, veranstalteten, seinen 
eigenen Sohn in gleicher Charge als Feldmar» 
schall-Limtenant bei sich zu sehen. Er war mit 
Warn! Nmidnll'im von I M M vermalt. Aus 
dieser Ghe stammt eine einzige Tochter: Julie, 
nachmalige Grafin Oldofredi, als Dichterin 
bekannter unter dem Doppelnamen: Oldoȣ 
Haager Zaager 

fredi ' Haager (siehe die Folgende) . Mit dem 
Freiherrn Johann, der 61 Jahre alt starb und 
in der Domkirche zu Temesvar bestattet liegt, 
erlosch der Mannsstamm des alten Geschlechtes 
der Hager. A Vergl. : M a i 1 a t h . Am bez. 
Orte. S. 150.) — 7. Julie wie Sie sich 
selbst schreibt: Qldof redi-Haager Julie 
Grafin (geb. zu Debreczin 8. Februar 1813) . 
Tochter des Feldmarschall . Lieutencmts Johann 
Freiherrn von H a ag er (s. d. Vor.), verlor, acht 
Jahre alt, ihren Vater, ihre Erziehung leitete 
nunmehr die Mutter. Als sie 17 Jahre zahlte, 
war sie (1830) mit ihrer Mutter zugleich Braut . 
Julie heirathete den k. k. Officier Hieronu.mu5 

Seite 137 



Wurzbach0 6 . txt 
Grafen Vldoftedi; die Mutter den Freiherrn 
cadislaus polmanitzkl j . Nach einem dreijahrigen 
Aufenthalte in der Residenz kam sie mit ihrem 
Gemal in ' s Bannt, spater nach Siebenbiirgen, 
1842 nach Galizien, wo sie bis 1851 verblieb, 
in welcher Zeit ihr Gemal zum k. k. Major vorriickte. 
Gegenwartig ist derselbe Oberst des I n - 
f anterie-Negimcnts Freiherr von Bianchi Nr. 
33. Graf in Julie beschaftigte sich friihzeitig 
mit poetischen Arbeiten. Die Erkrankung ihres 
Gatten bald nach ihrer Vermalung, welche an 
dritthalb Jahre dauerte, und die durch die 
Pflege desselben veranlafiten Nachtwachen kehr« 
ten den Sinn der fur das Schone empf anglichen 
tief fiihlenden Frau nach innen und eo sprach sich 
ihr Gemiith in jenen Arbeiten aus, welche von 
Zeit zu Zeit in die Oef f entlichkeit traten, u. z. als 
„Bluthen des Gefuhls" (Pesth 1839); - 
„Neue Gedichte" (Pesth 1843), von Karoline 
Pichler eingeleitet ; — „Dornen" (Breslau 
1848, Trewendt) ; - „Gelbe Blatter" (Wien 
1831) und „Moos . Vermischte Gedichte" 

(Wien 1833, 32°.). Seit 1853 hat Grafin 

Julie, einzelne Gedichte ausgenommen, welche 

in Zeitschrif ten abgedruckt waren, nichts verof f entlicht . 

I m Jahre 1832 wurde sie durch Ernennung 

zur SternkreuZ ' Ordensdame ausgezeichnet . 

l^Vergl..- Der Phonix. Zeitschrift fur Literatur, 

Kunst, Geschichte u. s. w. Herausg. von Z iw 

gerle (Innsbruck, 4<>.) Jahrg.III (1852). Nr. 1 .- 

„Julie Grasin Oldof redi-Hager " . — Literarische 

Blatter. Beilage des „Gesellschafters von Gubitz" 

1840. Nr. 23. - Graf Mail 5th. Am 

mehrerw. Orte. S. 132. — Portrait. Facsimile 

der Unterschrif t : "nlie Kr. OlaoQ-Eai Ha^ei-. 

Ioh. Brey er 1853 (gez.), 32"., auch vor ihren 

Gedichten: Moos.) — 8. MariaKarolina 

Magdalena (geb. 21.Juli 1701, gest. 12. Ian. 

1793) . Tochter des Freiherrn OttoSigmund 

(s. d.), Hofdame der Kaiserin Maria Theresia, 
spater Obersthofmeisterin der alteren 
Erzherzoginen . 1746 vermalte sie sich mit Johann 
Wilhelm Fiirsten von Traulson, mit welchem das 
fiirstliche Geschlecht der T r a u t son erlosch. 
Das 1763 erkaufte SchloB und Gut Neudenstein 
und Grafendorf an der Bielach (V. o> W. W.) 
schenkte sie spater ihrem Bruder Franz Alois 
Freiherrn Haager von A. Sie erreichte das 
hohe Alter von 92 Jahren. M a i 1 a t h . Am bez. 
Orte. S. 139.) - 9. Q t t o Sigmund (gest. 
1738) . Sohn des Hanns Seifried von H. 
aus dessen zweiter Ehe mit Anna Katharina 
Kolnpek von Ottsdorf. Er war im Jahre 1707 
Verordneter des Herrenstandes in der Landschaft 
Oesterreich ob der Enns und der letzte kais. 
Burggraf der Hofburg zu Wim. Er war zwei' 
mal vermalt, u. z. (seit 1694) mit Varia Aalljn. 
rinn Barbara Freiin von Gebt (gest. 18. Sept. 
1706) , das zweite Mal (seit 1707) mit Maria 
Veula Grafin von Aatzianer, welche im hohen 
Alter von 90 Jahren (1738) starb. t t o S i g . 
mund war in seiner Vermogensgcbarung nicht 
glticklich; durch verungluckte Pachtungen schma« 
lerte er nicht nur den Familienbesit z , da er (1731) 

Seite 138 



Wurzbach0 6 . txt 
St . V e i t verkaufen muBte, sondern er muBte 
auch ein Gleiches thun mit den Giitern Biberbach 
und W eyer, die ihm seine zweite Gemalin 
zugebracht . Er blieb nunmehr noch auf den 
Besitz, gmannt : Dorf an der Gnns, beschrankt. 
' sVergl..- Mail arh. Am bez. Orte. S. 137.) - 
10. Sebastian (geb. 1494, gest. 9. Nov. 1395). 
Gin Sohn des Sigismund (I.), der schon 
unter N i k 1 a s Graf S a 1 m in der Schlacht 
von P a v i a kampfte, von Kaiser K a r 1 V . 
selbst zum Ritter geschlagen ward, dann (1327) 
als kais. Feloobristcr den ungarischen Gcgenkonig 
JohannZapolya verjagen half und mit 
seinem Bruder Wolf unter den Vertheidigern 
Wiens bei der ersten tiirkischen Belagerung (1529) 
mitkampfte. Spater focht er in Italien unter 
Leyva im schmalkaldischen Kriege gegen den 
Churfursten von Sachsen; in dm Jahren 1539 
bis 1542 war er Verordneter des Ritterstandcs 
fur Oesterreich unter der Enns und zuletzt Nath 
des Kaisers Ferdinand I. Sebastian 
pflanzte den Mannsstamm seines Hauses fort 
(uergl. oben I . Genealogie) . Sebastian 
hatte aus zwei Ehen 15 Kinder. Wrrgl. : M a i - 
1 1 1 t h . Am bez. Orte. S. 126. A - 11. Sebastian 
Giinther (Stadthauptmann von Wien, 

wurde 162U als Rebell gegen den Kaiser enthauptet) . 
Ein Sohn S i g in und's (II.) aus 

dessen erster Ehe mit Julie Grafin A 1 t h a n n . 
Gr war ein fester Anhanger der protestantischen 
Lehre, Hof kriegsrat ! ) , Landeoobristlieutcnant 
unter der Enns und Platzobrist in Wien. Mit-? 
98 Sauger 

glied der protestantischen stande Oesterreichs, 
erklarte er mit jenen Bohmens, nach des Kaisers 
M a t h i a s Tode, die Abdankungsacte des Erzherzogs 
Albrecht fur ungiltig und leistete hej 
tigen Widerstand gegen die Nachf olgerechte Fer« 
dinand' sll . Haager soil auch unter jenen 
Standen sich befunden haben, die (1619) m 
Ferdinand 's I I . Gemach gedrungen sind und 
ihn zur Unterschrift der Conf oderationsacte der 
Oesterreicher mit den Bohmen haben zwingen 
wollen. I n Folge dessen wurde er 1620 im kais. 
Feldlager jenseits der Donau hingerichtet; sein 
Gut Wezdorf nebst den darauf liegenden Capitalien 
confiscirt und seine Witwe Engelourg uon 
Vera fur ihre und ihrer Kinder Anspriiche (1623) 
mit Tausend Gulden entschadigt. A Kouv 
VioFraxdis FuQtti-ale etc. Am angez. Orte. 
8x. 3. -Mailiith.Am bez. Orte. S . 13 
- 12. Sigmund ( I . ) (gest. 28. Febr. 1321). 
Sohn des Thomas Haager von Arnodt und 
Porau aus deffen Ehe mit Christine von 
Puelach. Dieser Sigmund ist die erste uv 
kundlich f estgestellte hervorragende Personlichkeit 
der Haag er. 1492 belehnte ihn Kaiser 

Friedrich IV. mit dem Schlosse zu Mattersdorf. 
1499 kaufte er von Sigmund Pue> 
lach er die Halfte der Stadt und Herrschaft 
Altensteig (oder wie sie damals hieB : Allcnd 
steig) urn 600 Pfund Pfennige, von welcher Zeit 
die Haag er sich nach diesem Schlosse nennen. 
1490 war er kais. Landeshauptmann des Donauschlusscllandes 

Seite 139 



Wurzbach0 6 . txt 
zu Krems, 1302—1 617 mederosterr. 
Landuntermarschall, und fiihrte als solcher 
den Vorsitz auf dem Landtage zu Krems am 
Michaelstage 1508. Aus seiner zweimaligen 
Ehe (s. oben I . Genealogie) hatte er 24 Kinder. 
l^Vergl.: Mailath.Am bez. Orte. S. 122. 
— Konvois VioFi-axkio s<wsi-2i6 etc. Va . 

XXIII, 8i>.2' s - 13. Sigmund(II.) (Oberst, 
geb . 15. Februar 1347, gest. 1610) . Sohn Seb 
asti an s (s. d. oben) aus deffen zweiter Ehe 
mit Anna von Ennenkl. Seiner Wildheit 
wegen kam er zur Bandigung nach Bohmen zu 
einem Verwandten der Familie, zu dem Ritter 
S t i b o r Odravsky. Daselbst ward er erzogen, 
aber sein wilder Geist hielt ihn nicht 
lange; als Volontar kampfte er in mehreren 
Fehden der Dynasten jener Zeit, u. z. bei dein 
kuhnen Prueschenk in Oesterreich, bei New 
zel von. Schwamberg in Bohmen, bei 
Gunther Grafen zu S ch w arzburg in Sachsen. 
Spater kampfte er unter Alba gegen den 
Prinzen von r a n i e n und in den Feldziigen 
der Jahre 1578 und 1579 in den Niederlanden . 
Nachdem er aber dann in die Dienste des bedrangten 
r a n i e n getreten, lieB ihn Konig 

PhilippII . fur vogelfrei erklaren. Als Oranien 
durch Meuchelmord gefallen, ging Sigis« 
mund (II.) nach England, Schottland, Irland, 
diente zu Schiffe, und focht unter Hov ard bei 
Cadir. Dann bereiste er Frankreich, Italien, die 
nordischen Lander und kehrte endlich nach Oesterreich 
zuruck, wo er Frau und Kinder in Trauerkleidung 
fand, da sie ihn Alle fur todt gehalten. 
Nun nahm er kaiserliche Dienste und focht gegen 
die Tiirken, 1390 und 1591 war er Eomman« 
dant in Kaschau, 1394 kais. Feldhauptmann in 
Ungarisch-Altenburg (Ov6r) , wurde Oberst und 
zuletzt Oberf eldhauptmann in Ungarn. Endlich 
verlieB er die kais. Dienste und zog sich auf die 
Herrschaft Altensteig, welche aus der Stadt, dem 
Schlosse und 16 Dorfern bestand, zuruck, erwarb 
durch einen Vergleich nach Georg's von H. 
Tode St. Veit bei Linz, unterzeichnete nebst 
seinem ungliicklichen Sohne SebastianGiiN" 
ther 1608 das BiindniB der protestantischen 
Stande zu Horn, und wurde 1609 Deputirter der 
Evangelischen im Lande ob der Enns . Sigis» 
mund starb im Alter von 63 Iabren. I n drei 
Ehen (s. die Genealogie) erzeugte er 21 Kinder. 
Von diesem S i g m u n d (II.) stammt das be> 
kannte Spriichwort : Wo 1 i e g t der Hund 
begraben? Er hatte namlich einen treuen 
Hund, der ihm auf einer seiner Fahrten in den 
Niederlanden das Leben gerettet hatte. Diesem 
lieB er aus Dankbarkeit an der Gartenmauer 
des SchloBbrauhauseS zu St. Veit ein Denkmal 
setzen mit der Inschrift: Mein' Herrn hab ' ich 
mit Treu gewacht, I Trumb ist mir dieser Siain 
gemacht; I Delfin ward ich von ihm benannt I 
Allhier lig ich verschart im Sani > Die Zeit so 
ich im Leben war > Seind gewesen 17 Jahr. I 
Dieser Grabstein stand noch 1821, in welchem 
Jahre nach einer Feuersbrunst die Mauer zusammenfiel 
und der Stein verschwand. Die Frage 

Seite 140 



Wurzbach0 6 . txt 
der Neugierde nach diesem Hundegrabe hat sich 
als Redensart im Volksmunde erhalten. Das 
abenteuerliche Leben dieses fahrenden Ritters 
Sigismund, welches er selbst ausfiihrlich 
beschrieben hat, wurde uon dem Verfasser der 
„Vernsteinhere" , Pastor Meinhold, in einem 
Roman bearbeitet, in welchem er die Geschicke 
Sigismund ' s und Sebastian's (seines 
Vaters) zusammenvcrwebt und in einen Le» 
oenslauf gedrangt hat. Vergl. die folg. Quellen. 
Wiogrill (§r. K.) . Schauplatz des landsassi' 
gen niederostcrr . Adels vom Herrn- und Ritterstande 
. . . (Wien 1794, 4".) Bd. IV.- Oesterr. 
Militar ' Konvcrsations ' Lerikon, herauog. von I . 
Hirtenfeld (Wiml852u . f . ) B d . 1 1 i , S.20,^ 
Haagleitner 96 Haan 

angez. Orte. Na . XXIII, 89. 3 ''nach dieser 
gest. t617' s . — Meinhold (Wilhelm) , Der 
getreue Ritter oder Sigismund Hager von und 
zu Altensteig und die Reformation . . . (1852) . 
Ein Seitenstiick zu desselben Verfassers „Bernin 
mehreren an die Grafin 1 d fredi«Haa° 
g er gerichteten Briefen heftige Vorwiirfe gegen 
Luther und die Reformation zu Papier Zu 
bringen und zu zeigen, daB er es mit der 
Kirchengeschichte nicht immer genau nimmt . — 
Hormayr, Vaterlandisches Taschenbuch fur 
1828, S. 19 u. f.'-j - 14. Wolf oder auch 
Wolfgang (gest. im October 1329) . Ein 
Sohn Sigismund' s (I.) und Bruder 
Sebastian's, mit welchem zugleich er sich 
unter den Vertheidigern Wiens beider ersten 
tiirkischen Belagerung (1329) befand und daselbst 
bei dem Ausfalle in der Nacht vom 
5. auf den 6. October den Tod der Ehre fand. 
W a i 1 a t h . Am angez. Orte. S. 127. A — 
III. Wappen der Haager. Das ursprungliche 
Wappen derHaager ist ein auf steigender weifier 
Wolf im schwarzen Felde. Ein solches fiihrte 
ein Conrad Haager und ist dasselbe auf 

der altesten Hager 'schen Urkunde, die noch vorhanden 
ist, aus dem Jahre 1230 nachzuweisen . 

(WiB grill, Schauplatz des landsassigm niederosterr . 
Adels, S. 29.) Spater (urn 1390) 
erbten Hanns und WolfgangH., zwei 
Sonne V e i t Haager 's aus dessen Ehe mit 
Christine Ennenkl, von ihren Oheimen 
Heinrich und Johann von Geyllern das 
G e y 1 1 e r ' sche Wappen: einen iiber's Kreuz 
in Roth und Gelb getheilten Schild, welches die 
Hager fortan statt des friiheren als Stammwappen 
fiihrten und iiber 100 Jahre spater, 

1492, von Kaiser Friedrich IV. bestatiget 
erhielten . 

ftaager, siehe auch: Hager. 
Haagleituer, Caspar (Geistlicher, 
geb . in Tirol) . Lebte zu Anfang dieses 
Jahrhunderts in seinem Berufe zu H pfgarten 
im Brirenthale und stellte die 
Behauptung auf, daB Niemand verbun» 
den sei, die unter der Herrschaft des 
f ranzosischen Kaisers eingesetzten und vom 
Papste nicht bestatigten Priester anzu> 
erkennen. Er wurde deBhalb eingekerkert , 

Seite 141 



Wurzbach0 6 . txt 
aber beim Ausbruche des Aufstandes 
unter Andreas Hof er wieder in Freiheit 
gesetzt. Diese Meinung Haagleitner ' s 
fand Anhanger und in dem Bauern Man« 
hard (genannt Manzl) einen eifrigen 
Verbreiter. Gemeinschaf tlich und abwech. 
selnd mit seinem Weibe predigte nun 
Manhard, weihete Glocken und ver» 
richtete sonstige religiose Ceremonien nach 
Haag 1 e i tn er's Beispiel. So hatte sich 
nach und nach die Secte der Manhar» 
ter (falsch Mainhardianer ) gebildet, die, 
obwohl stets schwach. doch bis in die 
neuesten Zeiten sich erhalten hat. Alois 
F 1 i r (s. d. IV, 267) hat iiber dieselbe 
die interessante Monographie: „Die Man» 
harter. Ein Beitrag zur Geschichte Tirols 
im 19. Jahrhundert" (Innsbruck 1832), 
verof f entlicht . 

Meyer (I.), Das groBe Conversations-Lexikon 
(Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr.8«.) Bd. 
XIV, S. 503. 

H111M, Edmund Freiherr von (M aj o r, 
geb . zu Diendorf in Niederosterreich 
1809, gest. zuMailand 30. Juni 
1859) . Schielt seine militarische Aus« 
bildung im Erziehungshause des Infanterie- 
Regiments Erzherzog Karl Nr. 3, 
spater in derCadeteN ' Compagnie . lo.No» 
vember 1823, 16 Jahre alt, trat er in 
dieses Regiment ein, wnrde am 1». April 
1831 Fahnrich, riickte stufenweise im 
Regimente zum Hauptmann vor und 
wurde am 12. December 1833 Major 
m Inf anterie-Regimente Kaiser Nr. 1. 
Schon als Hauptmann im italienischen 
Feldzuge des I . 1848 und 1849 machte 
er sich bemerkbar bei der BeschieBung von 
Ndine, bei der Cernirnng von Treviso, 
bei der BeschieBung von Vicenza, im 
Gefechte beiGoito, in der Schlacht bei 
Custozza, in jener bei Novara, im 
Gefechte bei Bologna 8. Mai 1849, bei 
der BeschieBung von Ancona und bei 
der Cernirung von Venedig. Als Comȣ 
Haan 9? Saan 

mandant einer detachirten Colonne be 
der Einnahme Mailands ward ihm 
die offentliche Belobung. I n der Schlach 
bei Magenta (4. Juni 1859) erwarb 
er sich fur sein ausgezeichnetes Verhalten 
das Ritterkreuz des Leopold-Ordens 
aber an den in dieser Schlacht erhaltenen 
Wunden starb er auch bald darauf zu 
Mailand im Alter von 30 Jahren. 

Militar-Zeitung (Fortsetzung des Oesterr. Soldatcnf reundes) 
1859, Nr. 58: „Den Manen der 
Gefallenen. XII". 
Haan, Johann Nepomuk (Benedictiner , 
geb. zu Brunn 1690, gest. 
im Stifte Raygern 1. Juni 1744) . 
Trat nach beendeten Humanitatsclaf f en 
1711 in ' s Benedictiner-Stif t Raygern in 
Mahren. Dort wurde er nacheinander 

Seite 142 



Wurzbach0 6 . txt 
Aufseher zu Schwaykirchm, Subprior 
und endlich Novizenmeister , in spateren 
Jahren beschaftigte er sich mit Diploma 
tik und wurde nach Brunn zu kommen 
ersucht, urn das reiche Archiv der Kathe» 
dralkirche zu ordnen und zu beschreiben. 
Als Frucht dieser Arbeit befindet sich in 
der Stif tsbibliothek zu Raygern das folgende 
Werk: „ 
>3. 

welches einen 

noch benutzbaren Beitrag zur Kirchenge» 
schichte Mahrens bildet. 

Hormayr (Ios. Freih. ) , Archiv fur Geschichte, 
Statistik. . . (Wien, 4«.) Jahrg. 1823. S . 512: 
„Gelehrte Mitglieder der Benedictincr - Abtei 
Raygern in Mahren", von Gregor W o 1 n y . 
Haan, Ludwig August (Pastor, geb . 
zu Samsonhaza 13. August 1818) . 
Sohn eines protestantischen Geistlichen, 
besuchte die niedern Schulen zu Csaba 
im Bekeser Comitate, dem groBten Dorfe 
Ungarns, vielleicht der Welt (23.000 
v. WurZbach biogr, Lexikon. V I . 
Einw.), das Gymnasium in Mezo-Beronyi, 
die philosophischen Jahrgange in 
Eperies. Nach funfjahrigem Aufenthalte 
daselbst begab er sich 1841 nach Deutschland, 
urn an den dortigen Hochschulen 
seine Studien zu beenden; er ging zuerst 
nach Jena, wo er die Kollegien von 
Reinhold, Appelt, Luden, Baum« 
garten-Crusius ; dann nach Berlin, wo 
er jene von Schelling, Marheineke, 
Twesten, Michelet, Beneke und 
Cibulski besuchte. I n seine Heimath 
zuriickgekehrt , wurde er im Juni 1843 
in das Priesteramt seiner Kirche eingekleidet 
und besorgte 6 Jahre hindurch zu 
Schemnitz den Schulunterricht ; im Jahre 
1848 wurde er Pastor zu Nagy-Lak und 
1833 folgte er seinem (am 12. September 
1833 verstorbenen) Vater in der Paftorstelle 
zu Csaba, welche er noch beklei» 
det . Er gab folgende Schriften heraus: 
s5<3s <?<5K6K?6>i/n6?6i") d. i. Geschichte 
von Csaba im Bekeser Comitate (1843); 
anlaBlich der 3t)jahrigen Jubelfeier der 
protestantischen Kirche zu Nagy>3ak, mit 
Daniel Zayacz vereint, die Schrift: „<) 
eis ?(/ AttFlMHna/o ?6><5o?ls?sL ' " ) d. i. Ge« 
chichte von Alt- und Neu-Nagy-Lak ( 1833 ) . 
und bei Gelegenheit der dritten Sacularier 
der Universitat Jena im Jahre 1838 
das Werkchen: 
, 8 " . ) . 
1838 A 

s. 167 j^gibt in der von ihm selbst verfaliten 
Festschrift Nachricht iiber sein Leben) . — Bibliographisches 
Centralorgan fur das Kaiserthum 

Oesterreich (Wicn 1859, 4«, ) Jahrg. I , S. 347. 
Marg. 3366. 

Haau, Mathias Wilhelm von 
Staatsmann, geb. zu Wien 27. 

Seite 143 



Wurzbach0 6 . txt 
ltovembcr 1737, gest. ebd. 10. December 
816) . Entstammt einer alten adeligen 
7^ 
98 

Familie (s. d. Quellen) , widmete sich dem 
Studium der Rechte und trat in den 
Staatsdienst . Erst 38 Jahre alt, war er 
bereits Hofrath b'ei der obersten Justiz 
stelle und nahm an den von Kaiser 

Joseph I I . in ' s Leben gerufenen Justizref ormen 
wesentlichen Antheil. Kaiser 
Franz I I . ernannte ihn 1792 zum 
Vizeprasidenten des niederof terreichischen 
Appellationsgerichtes , 1793 zum obersten 
Landrichter und Prasidenten des niederosterreichischen 
Landrechtes. 1797 wurde 

er Viceprasident der damals noch vereinigten 
Hof commission in politischen 
und Iustizgeset zstchen und 1809 President, 
welche Stelle er bis an seinen Tod 
bekleidete, der ihn im 80. Jahre dem 
Staate entriB. Friiher schon (1779) 
wurde H. zugleich mit feinen drei Briidern 
in den erblichen Ritterstand, er selbst 
aber zur geheimen Rathswiirde erhoben 
und mit dem GroBkreuze des St. Ste« 

phan» Ordens ausgezeichnet . Als Fachschriststeller 
leistete er folgende Arbeiten: 
„Ueber die Garwr" (Wien 1776); — „Zw 
Ztrlligi 'Nhkuch tin Mstgulizien" (1796), 
welches Grundlage und Vorlaufer des 
Crimmalgeset zbuches der osterreichischen 
Staaten des Jahres 1303 wurde. Ferner 
wurde unter seinem Einstufle das allge. 
meine biirgerliche Gesetzbuch fur 1811 
vollendet, dieses Musterwerk juridischer 
Weisheit, welches die spatere Zeit nicht 
vervollkommnet hat; kurz vor seinem Tode 
hat er ein neues Wechselrecht zur Geneh. 
migung vorgelegt, welches jedoch erst 
1818 — also nach seinem Tode — in 
Rechtskraft getreten ist. — Auch ga5 er 
mit Sonnenfels vereint viel friiher 
f chon heraus : 
Mis« ( A Vien. 1737, 4" . ) . 

Museum fur Gesehkunde und Rechtspflege in den 
Oesterreichischen Staaten. Bd. H I , S. 312— 
322. — Ersch und Grub er, Allgem. Encyklopadie 
der Wissenschaf ten und Kiinste (Leipzig, 
40.) Section I I , Theil 1, S . 11. - Oesterreich. 
National-Encyklopaoie, herausg. von G r a f f e r 
und Czikann (Wien 1835, 8".) Bd. I I , S. 
437. — Meyer ( I . ) , Das groBe Conversationo- 
Lexikon (Hildburghausen, Bidliogr. Institut, 
gr. 8".) Bd. XIV, S. 504. - Die Familie der 
Haan stammt ursprunglich aus dem ElsaB; 
ein Michael H. hatte schon 1666 uon Kaiser 
Max I I . einen adeligen Wappenbrief erhalten; 
ein MathiasWilhelm von H. iibersiedelte 
1664 nach Wien und lebte daselbst als Arzt. 
Sein Sohn J o h a n n Georg trat in osterrei' 
chische Staatsdienste und wurde Hofrath der 
obersten Iustizstelle . Dessen vier Sonne aus der 
Ehe mit Fraulein von Kces: MathiasWil- 

Seite 144 



Wurzbach0 6 . txt 
helm (s. d. Obigen) , Leopold, Joseph und 
I g n a z , erhielten 1779 die erbliche Ritterwurde. 
Leopold (geb. zu Wien 14. November 
1742, gest. 2. Marz 1828), auch im Staatsdienste 
thatig, anfanglich (1777) Hofrath bei der sieben« 
burgischen, dann (1782) bei der vereinigten galizischen 
und Cameral-Hof stelle, wurde 1796 tar' 
frei in den Freihermstand erhoben. 1807 zog er 
sich in den Ruhestand Zuriick und erhielt noch 
bei dieser Gelegenheit dat, Ghrenburgerrecht der 
Stadt Wien. Aus dieser Familie scheint auch 
der bereits erwahnte Major Gdmnnd Freiherr 
von Haan (s. S . W) abzustammen. A Ueber 
Leopold vergl. die Oesterr. National-Eneyklopadie, 
I I , 4!»8, und den „Neuen Nekrolog der 
Deutschen" (Ilmenau, Voigt, kl. 8".) Jahrg. V I 
(1828), Theil 1, S. 11>1, Nr. !19. - Freihermstands ' Diplom 
vom 9. November 1796. Seit 

seiner Erhebung in den Freihermstand fiihrt er 
folgendes Wappen. Ein blauer Schild; darin 
steht auf einem silbernen schragrechto schwebenden 
Pfeile ein goldener Hahn mit rothem Kamm 
und Lappchen, in natiirlicher Gestalt. ,/S 
Hllltit, Wenzel (Schrif tsteller , 
geb. zu Gratz 30. April 176!!. gest. 
wann?) . Sein Vater Andreas Leo» 
p o 1 d (siehe die Quellen) war Arzt. 
Der Sohn studirte in Gratz. betrieb besonders 
fleiBig Aesthetik und classische 
Sprachen, erhielt die philosophische 
Doctorswurde und wurde dann Professor 
der Aesthetik und classischen Literatur an 
der Lemberger Hochschule. Als 1807 die 
Lemberger Hochschule zu einem Lyceum 
herabgesetzt ward, kam H. in gleicher^ 
99 

Eigenschaft an die Krakauer Universitat, 
spater aber wieder nach Lemberg zuriick, 
wo er sich insbesondere auf das Studium 
der polnischen Literatur verlegte. An 
dieser Hochschule hatte er auch die ver° 
schiedenen akademischen Wiirden des 
Decans und Directors der philosophischen 
Studien und des Rectors der Hochschule 
bekleidet; zugleich war H. Bucherrevisor 
f iirOstgalizien . Am 28. Juni 1811 
ehrte die Stadt Lemberg H. durch Ver» 
leihung ihres Ehrenbiirgerrechtes . Ha an 
gab folgende schongeistige Schriften — 
die weder Kay ser's Biicherlerikon, noch 
E n s 1 i n ' s und Engelmann's Bibliothek 
der schonen Wissenschaf ten auffiihren 
— heraus: „Gedichte", 2 Bandchen; — 
„Xenllkrat. Gedicht in 7 MtlMnngrn" (3. Aufl. 
1787); „Mert der Zlbmtrmer" (Wien 
und Leipzig 1794, Al . Doll, 8o.); - 
„Kriegslieder " in Reichardt's „Revo» 
lutions ' Almanach" (Gottingen 1797). — 
Auch begann er bereits die Herausgabe 
einer Sammlung seiner poetischen und 
prosaischen, gwBtentheils noch ungedruckten 
Aufsahe, wovon die „Gmilinge, der Muse 
nrnMt" (Zemberg und Breslau 1807, 
M. G. Korn,> 8o.) erschienen sind. Das 

Seite 145 



Wurzbach0 6 . txt 
Ganze sollte 8 Bande umfassen. Wie 
viele erschienen find, ist nicht bekannt, 
vielleicht hat der Tod deren Vollendung 
unterbrochen . Auch hat H. mehrere pol» 
nische Werke m's Deutsche, ja sogar 
deutsche, unter diesen K 1 e i st ' s „Fruhling", 
in ' s Polnische ubersetzt; wirklich erschien 
in Lemberg 1802 bei Filler eine pol» 
nische Uebersetzung des Kleist'schen 
„Fruhlings", welche eben so treu als flie« 
Bend ist; als Ueberscher desselben fuhrt 
aber Bentkowski in seiner polnischen 
Literaturgeschichte ( I , 397) einen Jan 
Stoezkiewicz an. 

Winklern ( I . B. v.), Biographische und lite« 
rarische Nachrichten von den Schrif tstellern und 
Kiinstlern, welche in dein Herzogthume Steier 
mark geboren sind (Gratz 1840, 8v.) . — Steier« 
markische Zeitschrift. Redigirt von vi>. G. F. 
Schreiner. Dr. Alb. v. Muchar, A. 
Schro tter (Gratz, 8".) Neue Folge. Siebenter 
Jahrg. (1842). Heft I , S. 106. - Annalen der 
Literatur und Kunst des In- und Auslandes 
(Wien, Doll, 8°.) Jahrg. 1810, Bd. I V , S. 353. 

— Schmidt (Adolph) , Oesterreich. Blatter fur 
Literatur. Kunst u. s. w. (Wien. 4".) Jahrg. I I 
(1845). S . 903: „Beruhmte Manner von Gratz 

in Steiermark", von Dr. Nud. Puff, welcher 

Aufsah einige Jahre spater in einem stcinschcn 

Kalender wieder abgedruckt war. — Aufier den 

bisher Genannten: Edmund, Johann Nepomuk, 

Ludwig August, Leopold, M a - 

thias Wilhelm und Wenzel Haan, sind 

noch einige Manner dieses Namens anzufiihren, 

u. z..- Andreas Leopold (Arzt, gest. 1763). 

Vater des obigen Wenzel, welcher das Werkchen 

herausgab: „I' s inoll' s s, in A u.o asmoiiLtratui ' 

< A u.oa nou 5olnni vsF6> 

tadilia, anillialia st mi^sralia 

mongti-uo siwxlioi pancis ' s oi>i5 

xossiut solvi, vslum stiani sxtra. 

ata VurisLima. ot 52,Iia. SL26ntiaIiH 

sauLi« (''Visii 1766, 8".) . - Ignaz H. 

(Priester der Gesellschaft Jesu, geb . zu Steyer 

in Oesterreich ob der Enns 17. J u 1 i ^80. gest. 

29. August 1761) . welcher 9 Jahre, abwechselnd 

in Wien, Gratz nnd Linz. und dann 16 Jahre 

ununterbrochen in Wien das Predigramt aus» 

tibte; in Wien war er Hofprediger der Kaiserin 

Nmalie Wilhelmine; zuletzt war er Prafect 

im Theresianum. Seine Fasten- und Festtagspredigten 

und gottesf iirchtigen Betrachtungen auf 

alle Sonn« und Festtage im Jahre erschienen in 

mehreren Banden gedruckt, in Wien 174t bei 

Prasser und in Augsburg 1764 bei Rieger in Folio. 

HUtltliaoas 8oa. A ssu CiVion u. NsF6U81>NlF 

1866, Lex' 1 8».) 6. 116.) — Johann Christoph 

Joseph H., der im Jahre 1670 die 

Medicin studirte, zugleich aber mehrere Blatter 

nach Karl Skreta in Kupfer stach. Dlabacz 

zahlt drei Blatter von ihm auf: ein „Portrat 

des beriihmten Arztes Johann Wenzel 

Do broeusky deNigro p onte" (4".); 

— „Das Leiden Christi" (4«.) — und 

Seite 146 



Wurzbach0 6 . txt 
„Cosmos undDa m ia n" . als Titelblatt zu 
einer von C. W. Friz 1670 gehaltenen latein. 
Ncde . A D1 a b a cz (Gottfr. Ioh.) , Allgemeines 
historisches Kunstler-Lexikon fur Bohmen (Prag 
1818. 4".) Bd. I , Sp. 531. - Nagler (G. 
K. D r . ) , Neues allgemeines Kiinstler-Lerikon^ 
Oaan 100 Ha anen 

(Mijnchen, Fleischmann, 8".) Bd. V, S. 477.) 
— Ulrich H. (geb. in Wien und Wiens erster 
Buchdrucker) , der urn die Mitte des 43. Jahrhunderts 
in Wien druckte und durch ein auf den 
Burgermeister Holzer gedrucktes Pasquill, 
welches am 20. August 1462 an alien Kirchthuren 
Wiens angeklebt war, sich in bittere Handel 
verwickelte, in Folge deren ihm der Pobel seine 
Pressen und alles Werkzeug zerschlug. Erst 
Kaiser Friedrich I V . nahm sich des Meisters 
an, der ihm spater nach Korneuburg und dann 
nach Neustadt folgte, bis er den Antrag des 
paps tlichenNuntius Tor quemada, nachRom 
zu gehen, annahm und sich im Friihjahre 1403 
dahin verfugte. Papst Aeneas Sylvius 
nahm den Buchdrucker Ha an huldvollst auf; 
dieser aber druckte in Rom die Meditationen des 
Cardinals Torauemada, das erste in Italien 
gedruckte Buch, welchem des Bischofs I . N. 
Campanus Commentanen zu dem Psalter 

(1470) folgte. 1472 verband sich H. mit seinem 
Gehilfen SimonNiklasdelucca . Kai< 
ser Friedrich IV., als er im November 14sss 
Rom besuchte, zeichnete den Buchdrucker Ha an 
dadurch aus, daB er den Buchdruckern ein 
Privilegium verlieh, das sie dem Adel und 
dem Gelehrten stande gleich stellte, und ihnen den 
Degen zu tragen gestattete. sH o r m a y r (Ios. 
Freih.), Wiens Geschichte und seine Denkwurdigkeiten 

(Wien 1823, 8°>) I . Jahrg., 10. Hrft, 

S. 93. — Gutenberg. Zeitschrift fur Typographen, 

hcrausg. von Au er (Wien 1888, 

gr. 40. ) Jahrg. I (1825) . ) 

Baan, siehe auch: Hahn. 

Halmen, Georg van (Landsch afts« 

maler, geb. zu Utrecht 4807) . Gehort 

einer beriihmten belgischen Malerfamilie 

an. Sein Vater Caspar van H. war 

selbst Maler, sein Bruder Remy (s. d. 

Folgenden) ist gleichfalls Landschafter, 

eine seiner Schwestern, Elisa, verehelichte 

Kiers (gest. 4845), war Genre», die 

zweite, Adrienne , welche in Amsterdam 

lebt, ist Blumenmalerm. Den ersten Unter» 

richt in der Kunst erhielt br von seinem 

Vater. Seinem Hange, die Welt zu 

sehen, folgend, reiste er zu kunstlerischen 

Zwecken und kam urn 1840 nach Wien, 

wo er seither bleibenden Aufenthalt nahm 

und von da aus er, ausschlieBlich der 

Kunst lebend, nur kleinerer Ausfliige 

zum Studium der Natur nach Ungarn 

und Deutschland macht . Er ist seit 1833 

Mitglied der koniglichen Akademie der 

bildenden Kiinste zu Amsterdam. Er malt 

Kirchen- und Gesellschaf tsstilcke, hausig 

im Lampen» und Kerzenlichte, welche von 

Seite 147 



Wurzbach0 6 . txt 
Kunstf reunden sehr gesucht werden. Auch 
in Sepia und Federzeichnung hat er 
Vorziigliches geleistet. Fr. M u 1 1 e r im 
unten bezeichneten Werke nennt eine: 
„Abendschule" und eine „Nanrnchrrberge" 
seine Hauptwerke. I n der Belvedere» 
Gallerie zu Wien befindet sich das Oelbild: 
„Ncr Ztille Ibend" : Die Frau sitzt 
beim offenen Fenster, durch das der 
Mond scheint, an der Wiege ihres Kindes, 
es einschlaf ernd. Auf dem Tische daneben 
steht ein brennendes Licht (Leinw.430 f 1 . , 
H. 2' 1 A " , Lr. 2' 2"). -In der 
Ausstellung zu Wien 1844 befand sich 
ein Landschaf tsbild: „Oegrnd u«m Frankfurt 
n . N . " ; — in der Wiener Ausstellung 
bei St. Anna 1330 war eine „UMschiitt 
ans Nclgirn" (130 fl.) zu sehen. 
Besonders fleiBig aber beschickte er die 
Ausstellungen des „neuen osterreichischen 
Kunstvereines " , in denselben waren zu 
ehen: 1851: „Mlandichc schnlr bri Nrr A nirllmchtnng" 

(Eigenth. des Herrn von Bre° 
villier) ;— „Ulostechallr mit Staffage" 

(Eigenth. deS Herrn I . Kober) ; — 
„Nlondabrnd" (80 fl., vom Vereine zur 
Verlos, angek.); — „Mondnacht" (130 ft., 
angek. von Furst Salm) ; — 1852: 
„Mandabend am Sanal" (200 St.); — „Gingang 
einer Kirche" (230 St.); — „Markt bei 
Nacht" (300 fl.); - „WaldlnnoZchntt" ; - 
Rirchrichalle" (120 fi.); — „Partie mi2 
dem NnkuNtzerValde" (1500 fi.); - 1853: 
ein" (330 fi.); - „PllllandiZchr 

(300 St.); - „Vaterlicher 

Unterricht" (600 fi.); — „Halt uur einem hullandichm 
MrtlHcniil". Nachtstuck (400 fi.);? 
Hamen Haanen 
Partie ans dem A."; — 
„Zllte hllNandische Kirche bei AbeMeleuchtnng" 

(600 fl.); - 1857: „MlandiZcheZ Himmn 
bei Sllnnenkelenchtnng" (400 St.); — „Gin 
MannAMpt" (280 f 1 . ) . I m Privatbesit ze 
befinden sich noch und sind im Jahre 
4 84? gemalt : „MNandische HnnsUm mit 
einkllllendem Allnnenlicht" ; — ss Gichenmalo bei 
in Mgarn" (H. 4', Lr. 3'); - 
nach dem Regen"; — „Nie Dame 
mit de5 KnnZtlers Ski^enbnch" . Georg van 
Haanen ' s Bilder zeichnen sich durch 
ein tiefes Studium der Lichteffecte aus; 
Bilder, Situationen, denen an und fur 
sich nichts Poetisches innewohnt, erhalten 
dadurch einen fesselnden Zauber, den er 
durch die Meisterschaf t in der Technik 
noch steigert . 

Fr an k 1 (Ludn. Aug.), Sonntagsblattcr (Wien, 
gr. 8«.) Jahrg. I (1842), S. 339; Jahrg. I I 

(1843), S. 478; Jahrg. Ill (1844), S. 164, 

163.— M u 1 1 e r (Fr.), Die Kiinstler aller Zeiten 

und Volker (Stuttgart, Ebner, gr. 8o.) Bd. 

H, S. 329. - /mms) '26s?, Do Ii<2V6N2 sn'Woi'- 

ksn aiir IloUkna. on Vlk3.ni. XunstZcliilaoi ' Z 

u. s. w. — Krafft (Mr. ) , Die moderne 

Seite 148 



Wurzbach0 6 . txt 
Schule der k. k. Gemalde-Gallcric (imBelucdcrc) 

(Wien 1857, A. Pichlcr'6 Witwe, 8".) S. 13. - 
Schmidl (Adolph) , Oestcrr. Blatter fur Lite, 
ratur, Kunst u. s. w. (Wien, 4°.) Jahrg. IV 

(1847), S. 296. - Die Ausstcllungs-Katalogc 

des (neuen) ostcrr. Kunstuereines : 1852: Janner 

Nr. 18; Februar 10; Marz 16; Mai 64; 

Juni 24, 57; October 4; - 1853: Janner Nr. 

36; Februar 34, 33; August 26; September 16; 

December 40; — 1854: October Nr. 66; — 

1850: November Nr. 116; — 1857: Janner 

Nr. 2 1 ; September t i ; - 1858: Mai Nr. 34; 

October 31. 

Halmen, Remyvan (Landschaf ts ' 

maler, geb . zu Oosterhout in der 

Provinz Nordbrabant 8. Janner 1842) . 

Der jiingere Bruder Geor g's (f. d. Vor.) . 

Kam in seiner ersten Jugend nach Utrecht 

und ward von seinem Vater im Malen 

unterrichtet . Anfanglich zeigte er wenig 

Lust dazu, erst das eifrige Bitten seines 

Vaters bewog ihn, die Akademie der 

Kunste in Utrecht zu besuchen; aber auch 

das steigerte nicht seinen Sinn fur die 

Kunst. Nun sandte ihn sein Vater nach 

Hilversum, einem zwischen Utrecht und 

Amsterdam gelegenen Dorfe, wo mehrere 

tiichtige Landschaftsmaler sich aufhielten, 

malten und Schiiler unterrichteten . Dort 

unter der Leitung des beriihmten Thier» 

malers Jan von Ravenszwang 

entwickelte sich sein Sinn fur die Land» 

schaf tsmalerei . Remy zahlte damals 16 

Jahre . Fiinf Jahre lang oblag er eifrig 

seinen Studien und nicht selten iiberraschte 

ihn die tiefe Nacht bei denselben. Die 

Lust fremde Lander zu sehen, trieb ihn 

nun auf Reisen. Vorerst brachte er noch 

Ein ein halb Jahre bei seinen Eltern in 

Amsterdam zu, wohin diese mittlerweile 

iiberfiedelt waren, dann begab er sich an 

den Rhein; ein halbjahriger Aufenthalt 

an den reizenden Ufern desselben machten 

ihm deutsche Sitte und deutsches Leben 

angenehm, er verlangerte seinen Aufenthalt 

und verweilte 2 Jahre in Frankfurt 

a. M. In der Zwischenzeit machte er mit 

seinem friiheren Lehrer Ravenszwang 

einen Kunstausstug in die Schweiz und 

brachte von demselben eine reiche Mappe 

tiichtiger Studien mit. Nun begab er sich 

nach Miinchen, wo er ein halbes Jahr 

nach Stuttgart, wo er eben so lange zu« 

brachte. I m Jahre 1837 kam er nach 

Wien, nicht entschlossen seinen bleibenden 

Aufenthalt daselbst zu nehmen; doch 

immer wieder verlangerte er denselben, 

ihn nur durch Studienreisen nach Frankreich 

, I t a 1 i e n , Deutschland, in seine 

Heimath, nach Steiermark und Ungarn 

unterbrechend. I m Jahre 1842 vermalte 

er sich mit einer Wienenn. Emilie von 

Mayer und scheint nun Wien zur 

zweiten Heimath erwahlt zu haben, denn 

Seite 149 



Wurzbach0 6 . txt 
noch gegenwartig lebt er daselbst der 
Kunst . I m Jahre 1848 ernannte ihn die? 
Haanen 

konigl. Akademie der bildenden Kunste 
zu Amsterdam zu ihrem Mitgliede und 
das Jahr darauf zeichnete Se. Majestat 
der Konig der Niederlande den Kunstler 
durch das Ritterkreuz des Ordens von 
der Gichenkrone aus . Seine ersten Bilder 
( Jugendarbeiten) befinden sich fast alle 
in Holland; seine in Deutschland vollendeten 
sind in den Gallerten von Frankfurt, 
Caffel, Berlin und Karlsruhe und 
in vielen Privatsammlungen . Erst die 
Arbeiten von der Zeit seines Aufenthaltes 
in Wien konnen hier namhaft gemacht 
werden; sie waren in den verschiedenen 
Wiener Ausstellungen, regelmafiig aber 
in jenen des (neuen) „6sterreichischen 
Kunstvereines " ausgestellt ; in der Aus« 
stellung bei St. Anna, 1840: „Mimdiche 
Tanb5chatt bei NllMclruchtnng" und eine 
„Mnterlandschattl"; —1845: gleichfalls 
eine „MnterlandZchatt I I " ; — in den Ausstellungen 
des ofterr. Kunstvereines, 1850: 
„VasZertall bei NluMelenchtnng" (90 fl<, im 
Besitze des Grafen Dionys Festetics); 

— „Summerlandschatt I " (79 f 1 . ) ; - 1851: 
„Eingang in eine Kirche M Mntel5M" 
(200fl.); - „MnwlllndZchllttlll" (600fl., 
im Besitze der Frau Amalie Klein, geb . 
von Henikftein) ; — 1852: „Summerlandschaktll" 

(300 fl.); - „MuterlandIchatt 

I V bei MeMilrnchtung" (700 f i . ) ; - 

„Nlllnbnllcht" (150 f i . ) ; - „Allnallandschatt" 

(200 St.); - 1854: „NMentie un Mnter" 

(1200 fl.); - „AllndZchlltt M Eichen" 

(300 fl.); - 1855: „Partie uns dem Oben- 
Walde im Mnter" (800 f i . ) ; - „Valblandschutt 
im Zllmnm" (1200 fl.); - 1856: 
„Partie bei WeioZkirchen in Mahren" (700 f i . ) ; 

— „N3alt>Mtie ans bem Nakanyer Naltle im 
Mnw" (1600 fl., Eigenthum des Herrn 

von Schey) ; - „KirchenMe" (285 f i . ) ; 

— „M5tMli5che UantiZchntt" (300 f i . ) ; - 
„Partie nns den Karpathen im Sommer" 
(800 fl.) ; -1858: 

Ha anen 

. ) ; - „Fllmmerland5chllttIV" (600fi. ) ; 

„Gebir8Zlnnd5chllktmit3V115Zertllll"; - „Gegend 

ans den Narpathen" (1200 fl.); — „Nrnndting 

an der trnnsllZiZchen Unste" (230 fl.); 

— „AnsichtemrFMrlcs" (70 fi.); — „M11 ' andisches 
Zntomnr" (123 fi.); - 1859: 
„Waldlandschatt nach dem Negrn" (1000 St.); 

— „Abendlandschatt " (300 fi.) . In der 
deutschen allgemeinen und historischen 
Ausstellung zu Miinchen 1838 waren 
nebst ein Paar der oben genannten, im 
Privatbesche befindlichen Bilder, auch 3 
seiner eigenen Nadirungen (Landschaf tsbilder ) 
ausgestellt, deren mehrere in die 

Suite des „Wiener Kunstler-Albums" 
gehoren. Remy van H. 's Bilder beur« 

Seite 150 



Wurzbach0 6 . txt 
kiinden groBe Virtuositat der Technik; 
mit besonderer Vorliebe malt er Winterbilder , 
weBhalb ihn auch der Volkswitz 
ur Unterscheidung von seinem altern 
Bruder G e o r g den „Schnee van 
Haanen" nennt . Wie schon die den 
Bildern beigesetzten sehr wechselnden Preise 
errathen lassen, ist die Ausfuhrung seiner 
Arbeiten gleichfalls wechselnd, eine Erschei' 
nung, aus der ubergroBen Fruchtbarkeit 
dieses Kunstlers erklart. Uebrigens verrathen 
seine Bilder tiefes Studium der 
Natur, die er so in sich auf genommen 
zu haben scheint, daB er mehr aus dem 
GedachtniB, als nach der Wirklichkeit zu 
malen scheint, was seinen Arbeiten den 
Typus einer Manier, die fast in Mono» 
tonie ausartet, auf driickt . Nebrigens ist 
van H aanen der Erste, der die Winter, 
landschaft, die in Wien vor ihm fast unbekannt 
war, hierorts bekannt und beliebt 
gemacht hat. Bilder seines Pinsels diirfen 
in einer gut bestellten Sammlung nicht 
f ehlen . 

Frankl (L. A.), Die Sonntagsblatter (Wien, 
gr. so.) Jahrg. V I (1847), Kunstblatt Nr. 7: 
„Nemy van Haanen. Biografie" ''nach diesen 
geb . a. Janner 1812 A . — Dieselben, Jahrg. Ill 
(1844), S . 166. - Dieselben, Jahrg. ? 
403 Haas 

Kunstblatt Nr. 27, S . 642. - Perger (R. 
von) Die Kunstschatze Wiens in Stahlstich nebst 
erlauterndem Text (Trieft 1834, lit. artist. Abthlg 
des osterr. Lloyd. 4".) S . 299 '"nach diesen geb. 
13. Janner 1812. Daselbst auch eine Wintw 
landschaft in Stahlstich nachgebildet , welche sich 
in der Sammlung Galoagniin Wien befindeH. 

- Die Ausstellungs-Kataloge des (neuen) 
6st-rr. Kunstvereines : 1852: Marz Nr. 8; Iun, 
14; Juli 3; Dctober 7, 24; December 10 ; - 
1853: October 19; - 1854: Janner 9; August 
11; - 1855: Marz 30; April 30; October 8H; 

- 1850: Janner 16; Marz 27; April 9; Mai 
3; Juni 34; November 63; December 7; — 
1857: Juli 38; Oct. und Nov. 2 ; - 1858: 
Februar 19, 28. 43; April 32, 34; Mai 39; 
Juni 3; September 18, 24, 23; October 1, 37; 

- 1859: Janner 42; Marz 8. - Katalog der 
deutschen allgem. Munchener Ausstellung 1838, 
Nr. 231, 232, 878, 1612-1614. - Professor 

Eitelbergerin seiner Besprechung der Kunstausstellung 
im Jahre 1846 ''Sonntagsblatter 

1846, Kunstblatt Nr. 27, S. 642) beurtheilt 
Nemy van Haanen ' s Bilder wie f olgt : „ I n 
einen ahnlichen Fehler (wie Rottmann, bei 
dem das Gefiihl fur eine andere Naturstimmung 
die Seele des Kunstlers iiberwuchert) verfallt 
auch N emy van Haanen. Auch bei ihm ist 
das Talent des Machens groBer als das fur 
Natur, der geschickte Kiinstler groBer als der 
empfindende. Die (Komposition ist immer nach 
ein und demselben Gesichtspunkte, wie man 
einm Knauel Zwirn nach derselben Richtung zu 
immer ab- und aufwickelt. I m Winter sind die 

Seite 151 



Wurzbach0 6 . txt 
Landschaften eben so verschieden als im Sommer, 
haben denselben Reichthum von Stimmung, 
von Beleuchtung und Gruvpirung, aber von 
all' der Verschiedenheit bemerkt man bei van 
Ha anen Nichts; jedes feine Gefuhl geht 
unter in der Gcschicklichkeit des Machwerkes, 
diese einseitige Geschicklichkeit wird nun auch 
zur Manie im Vortrage von Einzelnheiten, die 
Hand folgt willig der eingewohnten Richtung 
und kann die Verschiedenheit nicht mehr darstellen, 
die das Auge in der Natur wahrnimmt . " 
Haar, Joseph Waler, geb . in Lemberg 
gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, 
gest. ebenda 1838) . H. ertheilte 

Unterricht im Zeichnen, was seinen Lebensunterhalt 
bildete, auch malte er treffliche 
Miniatur-Portrate; Bilder in Oel zu 
malen war ihm, da er mit seiner Kunst 
nach Brot ging, nur selten gegonnt . 
I n der Dominicanerkirche zu Lemberg 
befindet sich in der rechts gelegenen St. 
Antonius-Capetle ein Altarbild in Oel 
von H.: „Ner h. Anwnins mit dem MoZer", 
1837 gemalt . Das Bild, welches iibn» 
gens schon bedeutend gelitten hat, wird 
von Kennern gelobt. Andere Bilder 
befinden sich zerstreut im Besitze von 
Privaten . 

OoaHaok ao 6a,2Lt A I^vonskisH, d. i. Beilage 
zur Lemberger Zeitung 1852, Nr. 38 A in der von 
Felician I^obeski verfafiten Beschreibung 
der Bilder in den Kirchen Lembergs' 1 . — 
VoiLkicK, d. i. Lexikon der polnischen Maler 
(Warschau 1830 u. f., Lex. 8<>.) Bd. I , S . 192; 
Bd. I I I , S. 224. 
Baas, Johann Christoph (Maler, 
geb. zu Reute in Tirol, lebte in der 
zweiten Halfte des vorigen Jahrhunderts) . 
War der Sohn eines unbemittelten Kauf« 
mannes, verlor friihzeitig den Vater, 
fand aber wohlthatige Freunde, die sich 
seiner annahmen, ihn unterstiit zten und in 
die Lage setzten, Italien zu besuchen; er 
war ein Schliler des Malers Franz Anton 
Zeiler, deffen Styl, namentlich Colorit, 
in mehreren, vorzugsweise alteren Bildern 
erkennbar ist. Fur die Kirchen und Capellm 
der Umgebung seines Geburtsortes 
hat er mehrere Arbeiten geliefert, unter 
Andern sind die Freskomalereien in der 
Capelle zu Krekelmoos nachst Reute sein 
Werk. Die Zeit seines Todes, wie seiner 
Geburt ist nicht bekannt . 

Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Kunst« 
ler-Iexikon (Miinchen, Fleischmann, 8«.) Bd. V, 
S. 451. — Tirolischcs Kunstler»Lexikon (Inns' 
bruck 1830) S. 82. 
Haas, Ignaz (Musiker, geb. zu 
Koniggratz urn die Mitte des vorigen 
Jahrhunderts, gest. ebenda 1798) . War 
Musikdirektor und Organist an der Kathe« 
dralkirche zu Koniggratz. Er gait allge« 
raein fur einen tuchtigen Contrapunctif ten; 
hat mehrere Zoglinge in seiner Kunst^ 

Seite 152 



Wurzbach0 6 . txt 
104 
vortrefflich ausgebildet und auch einiges 

— namentlich Kirchenmusiken — componirt. 
Gerber halt ihn auch fur den Verfafser 
der: „ A a A aMon?" sox»? A A ,A ?2HM) 2 A s 

?'n A -D«?- A H ' A . M) A a?-l!" und der 
„Marsche tm Mmer Fmchure tiir Klauier" . 
Dlabacz (Gottfried Johann) , Allgemeines histo» 
risches Kiinstler A Lexikon fur Bohmen und zum 
Theil auch fur Mahren und Schlesien (Prag 
1815, Haase, 4<1.) Bd. I , Sp . 532 Ebenda 
gedenkt Dlabacz auch eines Franz Haas 
(geb. in Bohmen a. Juni 1733, gest. zu Klein« 
dzikow 23. Dec. 1787), der als Chorregens an 
der St. Iacobskirche in Prag wirkte; er war 
Minorit und Prediger. Zuletzt kam er nach 
Prag, wo er nur mit Musik sich beschaftigte und 
Leute in ihr ausbildete) . — Gerber (Ernst 
Ludwig) , Neues historisch-biographisches Lexikon 
der Tonkunstler (Leipzig 1812) Bd. I I , Sp.436. 

— Meyer ( I . ) , Das groBe Conversations«Leri< 
kon (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8".) 
Bd. XIV, S. S29. 

Haas, Michael (Schulrath und 

theologischer Schrif tsteller , geb. zu 

Pinkafo im Eisenburger Comitate am 

8. April 1840) . Besuchte Anfangs die 

Schule in seinem Geburtsorte, welche 

unter der Zeitung des Pfarrers Joseph 

Wein hofer stand, dann in Steinamanger , 

Funfkirchen und Wien, wo er sich 

die philosophische Doctorswurde erwarb. 

1834 wurde er zum Priester geweiht, 

trat in die Seelsorge und war Caplan 

zu Ozora, Dunafoldva.r und Funfkirchen, 

bis ihn Ignaz Szepessy, Bischof von 

Funfkirchen, 1837 als Professor der 

Geschichte an das Lyceum zu Funfkirchen 

berief. 1846 wahlte ihn die Stadt Funfkirchen 

zu ihrem Pfarrer; daselbst blieb 

er bis 1833, in welchem Jahre er zum 

Schulrath des Pesther Bezirkes und zum 

Probst ernannt wurde. Schon als Seminarist 

in Wien arbeitete er fur das von 

Joseph M a r t o n redigirte Blatt . I n 

Funfkirchen gab er im Vereine mit Anton 

P e i t 1 e r die Predigten Szepessy's 

heraus; ferner schrieb er: „ 

") d. i. Die Beschreibung von 

Baranya; — in deutscher Sprache: 

„Oruenkbnch der Stadt Fnntkirchm" ; — meh. 

rere Predigten und Gelegenheitswerke 

fur ungarische und deutsche Zeitungen, 

insbesondere fur die „RoliFio" wissenschaftliche 

Abhandlungen, und beschaftigte 

sich mit der Herausgabe der Werke seines 

ehemaligen Lehrers Weinhofer. 

d. i. Ungarische Schrif tsteller . Sammlung von 

Lebensbeschreibungen . Von Jakob Fercnczy 

und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gustav 

Emich) S. 178. 

Haas, Philipp ( Industrieller, geb. 

zu Gumpendorf in Wien 7. Juni 1791) . 

Der Sohn eines unbemittelten — aber 

Seite 153 



Wurzbach0 6 . txt 
nicht armen — Webers, der aus Paffau 
in Baiem stammt, und in der Fremde 
sein Brot suchen muBte. Der Sohn wurde 
in friiher Kindheit beim Webestuhle ver« 
wendet, muBte jedoch auch, u. z. bis zum 
zwolften Jahre, die Gumpendorf er Schule, 
dann die Manuf actur-Zeichnenschule bei 
St. Anna besuchen. M i t 16 Jahren muBte 
er den Schulbesuch aufgeben, und sich ganz 
dem Webegeschaf te widmen. Nun hatte der 
Sohn eine schwere Aufgabe zu bestehen, 
der Vater, ein Mann alten Schlages, der 
es immer mit den Alten hielt; der Sohn, 
den es vorwarts drangte, der lebendigen 
Geistes das Unhaltbare des bisherigen 
Schlendrians erfaBte, standen sich als 
Vertreter zweier Perioden, zweier entgegengeset zten 
Systeme gegeniiber. Wahrend 
der Vater sich von alien seinen Gewerbe« 
genossen iiberholen lieB, sann der vor» 
wartsschreitende Geist des Sohnes auf 
ittel, den Vater zur Ueberzeugung zu 
bringen, daB es in der alten Weise nim« 
mermehr gehe . Er unterlieB nichts urn 
sich selbst weiter zu bilden, so besuchte 
P h i 1 i p p den Sonntags-Unterricht iiber 
Mechanik und Physik auf der Universitat , ? 
108 Haas 

was ihn in seinem Geschafte sehr forderte. 
M t neunzehn Jahren bewarb er sich 
urn den Preis in der Manuf actur-Zeich 
nungsschule; der zweite Preis wurde ihm 
in Aussicht gestellt, sich aber urn den ersten 
zu bewerben, ihn vom Director der Anstalt 
selbst abgerathen, da er in einem sehr 
geschickten Collegen einen unbesiegbaren 
Nebenbuhler habe . P h i 1 i p p aber lieB 
sich's nicht ausreden, er warb urn den ersten 
Preis, und erhielt ihn auch. Urn das 
Geld des ersten Preises kaufte P h i 1 i p p 
Wolle, welche er nun in einen damals 
neuen Stoff verarbeitete, und in sechs 
Wochen waren aus den 60 St. 360 St. 
erarbeitet. Damit beginnt sein selbststandi 
ges Wirken. Es schien nun eine beffere 
Zeit fur den jungen Industriellen eintreten 
zu wollen, als der Tod des Vaters 
und dessen ungeschickt abgefafites Testament 
den Ruin des ohnehin kleinen Vermogens 
herbeif iihrten . Jedoch die Energie 
des jungen Mannes lieB ihn sich aus 
den mifllichsten Umstanden herausarbeiten, 
wozu ihm ein Madchen behilflich war, das 
anfanglich im Hause arbeitete, spater aber 
seine Frau wurde, deren erf inderischer 
Geist, rastlose Thatigkeit und vollige 
Hingebung zum Geschafte wesentlich bei» 
trugen zu dem Flor, in welchem das Haus 
gegenwartig steht. Von entscheidendem 
Einfliisse waren in dieser Zeit zwei Ereig» 
niffe. Nachdem H. es. bis auf 60 Stiihle 
gebracht, qualte er sich mit Versuchen ab, 
in den sogenannten glatten Organtinen 
mit dem Auslande concurriren zu konnen. 

Seite 154 



Wurzbach0 6 . txt 
Da brachte ihm der Besuch eines Jugendf reundes, 
der in Paris arbeiten gesehen 
hatte, mit Einemmale Licht; es hing an 
demRegulator , den er schon Tags darauf 
fertig hatte, und nun ging die Arbeit von 
Statten. Das Zweite war die Nachahmung 
der gleichfalls aus dem Auslande 
gekommenen Linons, namlich, was die 
Steift und Klarheit desselben betrifft. 
Nach vielen vergeblichen Versuchen gelang 
es ihm eine Mischung zu Stande zu 
bringen, und nach weiteren Miihen auch, 
diese Mischung, was Anfangs sehr schwer 
ging. auf den Stoff aufzutragen. Der 
Erfolg war em ungeheurer und lohnender. 
So mit Besiegung aller Hindernisse, die 
sich ihm oft genug in den Weg stellten, 
durch steiBiges Studium der neuen Erfindungen, 
durch stetes Vorwartsschreiten 
hob sich das Geschaft vom Jahre 1810, 
wo esPhilipp mit seinem Gewinne so 
zu sagen begriindet, und nur mit wenigen 
Webeftiihlen zu thun hatte, zu einer Fa» 
brikation, die heut in funf verschiedenen 
Etablissements ausgebreitet ist, u. z. in 
Gumpendorf, von wo auch die oberste 
Geschaf tsleitung stattf indet ; zu Eber« 
gassing, wo sich die auf 12.000 Spin» 
deln eingerichtete Baumwollenspinnerei 
befindet; zuMitternd orf, welches zwar 
im Jahre 1836 abgebrannt ist, aber nun« 
<mehr neu aufgebaut wird; zuHlinsko 
in Bohmen, und seit 183 6zuBradf ord 
in England. I n diesen funf Anstalten 
werden Jahr ein Jahr aus iiber 1009 
Arbeiter verwendet. Die Arbeiten, welche 
aus diesen Fabriken hervorgehen, sind Tep« 
Pichstoffe aller Art, von dem kostbarsten 
Wandteppich bis zum einfachen Lauftep» 
pich, Damast in Seide und in Wolle, 
Utrechter Sammt, Deckenstof f e, Tapeten 
in verschiedenen Stossen. Die Erfolge, 
welche Philipp Haas erreicht hat, sind 
die sprechenden Beweise der Bedeutenheit 
seiner Industrien. Schon in den Jahren 
1839 u. 1843 erhielt H. in Wien goldene, 
1844 in Berlin die silberne Preismedaille, 

1830 bei der deutschen Indusir . -Ausf tllg . 
in Dresden in Anerkennung seiner ausge» 
sischen Civil-Verdienstordens , bei der groBen 
Industrie-Ausstellung zu London im I ,£ 

106 

1831 die sogenannte „ 

bei der allgemeinen Ausstellung zu Miin> 

chen im 1.1334 die groBe Medaille, und 

in der Pariser Ausstellung 1833 in zwei 

verschiedenen Classen Preismedaillen erster 

Classe. Seit dem Jahre 1830 hat Philipp 

Haas in seine Firma seine beiden Sonne 

Robert und Eduard, welche im Geiste 

des Vaters das Geschaft rnitleitm, aufgenommen, 

und sie fiihrt nunmehr dieBezeichnung : 

Philipp Haas und Sonne. Welche 

bedeutende Stellung diese Firma in der 

Seite 155 



Wurzbach0 6 . txt 
osterreichischen Industrie einnimmt, dafur 
bieten mehrfache Belege die Urtheile der 
Preisrichter in der Pariser Welt-Ausstellung, 
welche im Auszuge in den Quellen 
mitgetheilt werden. 

Bericht iiber die allgemeine Agricultur- und Industrie- 
Ausstellung zu Paris im Jahre 1833. 
Herausgegeben unter der Redaction (anfanglich 
von No v ak) spater von Dr. Eberhard I o n a k 

(Wien 1837/38, Staatsdruckcrei, 80 . ) XX. Classe: 

Schafwoll-Industrie, S. Ill hvird gemeldet, 

daB das grofle, ruhmlichst bekannte Fabrikshaus 

P h i 1 i p p Haas L? Sonne in Wien, auf der 

Ausstellung in Paris glanzend vertreten war) ; 

—XXI. Classe: Seiden-Industrie, S. 68 u. 70 

l^wird das Etablissement Haas als solches bezeichnet, 

welches der osterreichischen Industrie zur 

Ehre gereicht. „Die Damaste von Wolle und 

Seide sind die Specialitat des Etablissements, 

das darin den f ranzosischen Erzeugnissen nichts 

nachsteht." Haasund Sonne erhielten in dieser 

Classe die Medaille erster Classe); — X X I I I : 

Classe: Teppiche, Wirkwaaren, Stickereien, Spitzen. 

S.17,18 Daselbst heiBt's: „Oesterreich war 

in dieser Classe durch seine groBte und beste Teppichf abrik, 

Philipp Haas und Sonne in Wien, 

vertreten. Die Leistungen des Fabrikshauses 

Haas und Sonne sind bekannt und zeichnen 

sich durch eine aufmerksame und corrccte Ausfuhrung, 

durch schone Muster, feurige frische 

Farben und durch ein sehr gelungenes Colorit 

aus . Der Gesammtef f ect der Ha a s 'schen Teppiche 

erschien giinstiger als der der Berliner 

Fabrikate, es war mehr Sorgsamkeit in der 

Fabrikation zu erkennen." I n dieser Classe erhielt 

Philipp Haas und Sonne die Medaille erster 

Classe) . — Xotieo Lur 1'NxVioiWion asZ 

s st 

Lis Z. Vionus; lithographirter Separat-Abdruck 

aus dem Oatkloguo oliioisi as I 'Nxi>o2itioQ 

nnivsi'Lsiis a I'a.ris 1838, No. 1333 et 1432. 

— Presse vom 22. Juli 1835: „Die osterrei. 

chische Industrie auf der Pariser Welt>Ausstel ' 

lung" .XVI swird die Bedeutenheit dieses Fabrikhauses 

und seiner Leistungen gewiirdigt und 

bemerkt, daB die Fabrikation der Mobeldamaste 

in Oesterreich zuerst von Philipp Haas eingefuhrt 

worden und vordem jener Artikel in Oesterreich 

vollig unbekannt gewesen) . — Systema» 

tische Darstellung der neuesten Fortschritte in den 

Gewerben und Manufakturen u. s. w. Von St. 

Ritter v. Keess und W. C. Blumenbach 

(Wien 1829, Carl Gerold) I. Bd. A Interessant 

sind die folgenden, aus dieser Darstellung genommenen 

Daten, die Mittheilungen eines anerkanntenFachmannes 

iiber einen ostcrr. Industriezweig 

vor 30 Jahren, und zwar S. 320: „Der 

Webermeister Philipp Haas in Wien erhielt 

den 12. Mai 1822 ein funfjahriges ausschl . Privi ' 

legium auf die Erfindung, mittelst einer an dem 

Webestuhle anzubringenden Maschine bei alien 

Baumwollgewcben, vorzuglich aber bei feinen 

und diinnen Zeugen, z. B. beim Vapcur, Organdin : > . ' . , 

sowohl glatten als fa?onnirten, die 

Seite 156 



Wurzbach0 6 . txt 
moglichst vollkommene Gleichheit und beliebige 
Dichtheit zu erzwccken, ohne daB in dieser Hinsicht 
nur das Mindeste von der Willkuhr und 
Geschicklichkeit des Webers allein abhinge. Dieser 
Regulator besteht darin, daB bei jedem 
Schlage die Walze sich dreht und das Gewebe 
gerade urn jenen Theil vorruckt, als der SchuB 
betragt"; — ferner S. 312: „Philipp Haas 
erhielt schon den 8. December 1823 ein funfjahriges 
ausschl. Privilegium auf die Erfindung, 
den sogenannten englischen Spitzengrund oder 
Vobbinct so zu erzeugen, daB er dem echt englischen 
sowohl rucksichtlich des Gewebes und 
daher der Haltbarkeit im Waschen, als auch riick« 
sichtlich der Feinheit gleichkommt . Ein zweites 
funfjahriges Privilegium erhielt er den 14. April 

1826 auf die Erfindung eine mechanische Vor< 
richtung an den Spit zenmaschinen anzubringen, 
welche zum Aufwinden der Faden bestimmt ist 
und bei der Erzeugung des Bobbinets ihre An« 
Wendung f indet . Haas und Kammcrzell 
haben nach mehrjahrigen kostspieligen Bemuhungen 
wirklich Bobbinet-Maschinm, ganz nach den 
englischen Principien eingerichtet , zu Stande 
gebracht, welche ziemlich feinen, ellenbreiten 
Bobbinct, und zwar taglich l'/,2-"2 Ellen ver» 
fertigen"; — S.4 99: „Der Webermeister Philipp 
Haas in Wien erhielt den 12. December 

1827 ein zweijahriges ausschl. Privilegium auf? 
107 

die Erfindung, Bander von alien Gattungen 

und Farben, mit gehorigen Leisten verschen, auf 

dem gewohnlichen Webestuhle in beliebiger 

Anzahl und Breite auf einmal, nicht sowohl aus 

Seide, als vielmehr aus Baumwolle zu erzeugen. 

. . . Man will sogar glauben, daB diese 

Methode, die Bander aus breiten gewebten Zew 

gen zu verfertigen, oieursprungliche gewesensei . " A j 

Haas von VilgM, Franz (General 

Major und Hippolog, geb . zu Wien 

1790, gest. ebenda 9. Februar 1838). 

Trat, 13 Jahre alt, in ' s Inf anterie-Negiment 

Hoch- und Deutschmeister Nr. 4, 

wurde aber sogleich in ' s Kiirasster-Regi 

ment Nr. 3 iibersetzt. Am 6. Mai 1809 

wurde er Lieutenant, am 1, Mai 1814 

Oberlieutenant , am 7. Marz 1820 zum 

Nhlanen-Regimente Nr. 1. iibersetzt, am 

11. October 1823 zweiter Rittmeister im 

HuszareN ' Regimente Nr. 10, am 14. Aug. 

1834 zweiter Major, am 26. December 

1833 Oberstlieutenant und am 2. Juli 

1838 zweiter Oberst. Im Jahre 1844 

trat er in den Pensionsstand, aber 1881 

riickte er zum General-Major vor, wurde 

Sectionschef im Kriegsministerium und 

Inspector des Thierarzenei«Institutes und 

am 21. Februar 1837 Vorstand der 

3. Abtheilung im Armee ° Obercommando . 

H. war ein ausgezeichneter Hippolog 

und besitzt urn Bildung tiichtiger und 

correcter Reiter in der osterreichischen 

Armee groBe Verdienste. Als das iiber 

Rad etzky's Antrag im Jahre 1811 in 

Seite 157 



Wurzbach0 6 . txt 
Wiener Neustadt errichtete Equitations» 
Institut 1822 als entbehrlich aufgelost 
wurde, 1836 aber als Central-Equita» 
tions - Institut in Salzburg neu in ' s 
Leben trat, wurde Haas Commandant 
desselben und wirkte allda von 1836— 
1844. I n dieser Zeit gingen 120 Schiiler 
aus diesem Institute hervor und verpflanzten 
die vortreff lichen Grundsatze 
des ausgezeichneten Lehrers in der ganzen 
Armee . Der auch als Fachschrif tsteller 
anerkannte Hippolog Oberst NHdosy 
von Nados ist ein Schiiler des Verf torbenen . 
Haas hat in Handschrift eine 
Abhandlung „Neber MkoeSchlag nnd Amtomie 
de°i MW" hinterlassen, deffm Verof f entlichung 
in Aussicht gestellt wurde. 
Im October 1833 wurde er — mit dem 
Predicate von Bilgen — geadelt. 
Seit 19. Mai 1839 war er Diit Anna 
Freiin von Stipsics vermalt. Er starb 
plotzlich im Alter von 68 Jahren. 

Militar-Zeitung, herausg. von I . Hirtenfeld 
(Wien, 4°.) 1858, Nr. 23.- „Nekrolog" . - Adels, 
diplom vom 28. December 1338. — Wappen. 
Ein von blauer, Silber, rother und griiner 
Farbe gevierteter Schild. I m obern rechten 
Quartiere ein silberner Lowe mit ausgeschlagener 
rother Zunge und mit den hinteren Pranken auf 
der Theilung des Schildes schreitend. I m obern 
linken Quartiere eine schragrechts gestellte, rothe 
Standarte, an schwarzem Schafte mit goldenem 
Knopfe, aus dem eine eiserne Lanzenspitze her» 
vorgeht . I m untern rechten Quartiere ragt aus 
dem linken Seitenrande eine natiirliche Wolke, 
aus welcher ein geharnischter , mit goldenen 
Spangen geschmiickter Arm hervorgestreckt ist, 
in der blofien Faust ein blankes Schwert an 
goldenem Griffe zum Streiche erhebend. Das 
untere linke Quartier durchzieht quer ein natiir» 
licher FluB . 

Haas von Langenfeld - Pfalzheim, 
Iosepha (geb. 1782, gest. in Wien 
29. November 1846) . Diese als Sonder» 
ling und unter dem Namen: „Die alte 
Degenklinge" — weil sie eine solche stets 
an ihrer Seite trug — bekannte Frau hat 
ein segensvolles Andenken hinterlassen. 
Schon im Jahre 4844 hatte sie bei dem 
kon. bamschen Landgerichte Burglengen» 
feld eine Heirathsausstattungs ' Stiftung 
12 arme Madchen aus der Pfalz mit 
dem erheblichen Ausstattungsbetrage von 
800 st. Reichswahrung fur Jede begrun« 
det; fur dieselbe 120 ofterr. Bankactien 
deponirt, sich aber bei Lebzeiten den Frucht« 
genuB vorbehalten. I n ihrem Testamente 
verfiigte sie ferner, daB abermals 27 Pfal«^ 
Haas 408 

zerinm sich dieser Wohlthat Jahr fur Jahr 
zu erfreuen haben. Armuth, Sittlichkeit , 
katholische Religionund die Verpf lichtung, 
sich an Landleute aus Oesterreich ob der 
Enns zu verehelichen, sind die Bedingungen 

Seite 158 



Wurzbach0 6 . txt 
fur die Bewerberinen . Im ahnlichen 
Sinne errichtete sie eine Stiftung fur 
Niederosterreich, und iibertrug das VerleihungsuBcht 
an den jeweiligen Pralaten 
von Klosterneuburg . Zu diesen Stiftungen 
wies sie — nach Abzug bedeutender 
Legate — weitere 60 Stuck Bankactien 
und 142.000 fi. in 3percentigen Metal» 
liques an, und bat die nieder- und ober» 
osterreichische Regierung, dann die pfal« 
zische politische Behorde, fur moglichst gute 
Capitalisirung Sorge zu tragen, urn aus 
dem Ueberschuffe der Interessen immer 
neue Stiftungen griinden zu konnen. Ihre 
Diamanten hatte sie zum Schmucke fur 
die Krone einer Mutter Gottes auf eine 
Fahne fur die Modlinger Kirche, welche 
aus ihrem Nachlasse anzuschaffen war, 
bestimmt. Fur ihr Grabesdenkmal hatte sie 
die Summe von 1000 St. angeordnet . Alle 
diese Stiftungen gewinnen aber erst wahre 
Bedeutung, wenn man etwas Naheres 
iiber ihre Lebensweise erfahrt. Sie wohnte 
in Gaudenzdorf bei Wien, in einer armlichen 
Behausung, gonnte sich die Woche 
iiber nur ein Pfund Fleisch, warmte sich, 
urn Holz zu sparen, die Briihe am Talglichte 
oder an einem Holzspan; lag in der 
Nacht auf einem verfaulten Strohsacke, 
und tagiiber bewachte sie, eine alte Degenklinge 
in der Hand, ihren Schatz, auf dem 
sie saB. Die Polsterhiilst ihres Schlaf sef f els 
war mit den Werthpapieren, welche 
ihre reiche Habe bildeten, ausgefiillt. Was 
ihren Anzug betrifft, so erstickte sie buch. 
stablich unter Schmutz und Unrath. Eine 
merkwiirdige Vereinigung von Gegensatzen, 
diese abnorme Lebensweise und die« 
ses himmlische Herz, diese zu einem fast 
Grauen erregenden Grade gesteigerte Ab< 
kargung und diese sinnige Sorge jugendliches 
Gliick zu begriinden ! Sie starb im 
Alter von 64 Jahren. 

F r a n k 1 (L. A.), Sonntagsblatter (Wien, gr.8".) 
4846, S. t t 7 9 : „Zur Menschengeschichte unserer 
Tage". — Wiener Courier (ein polit. Blatt) 
4867, Nr. 276: „Die alte Degenklinge". 
Haas von Marten!), Stephan 
(Oberst und Ritter des Mar. Theresien- 
Ordens, geb . zu Preflburg 1771, gest. 
zu Topusko in Croatien 26. September 
1833). Sohn des Huszaren-Rittmeisters 
Georg Stephan Haas v. M., trat 
30. Janner 1789 als Cadet in ' s Infanterie- 
Regiment Nr. 33, wurde baldFahn» 
rich, im September 1793 Unter-, 1797 
Oberlieutenant , am 1. Februar 1809 
Hauptmann, 8. November 1813 Major 
im Peterwardeiner Grenz-Regimente; im 
Mai 1821 Oberstlieutenant im Brooder 
Grenz«Regimente, aber noch im Novem» 
ber desselben Jahres zum Infanterie- 
Regimente Nr. 37 eingetheilt, und trat 
am 1. Mai 1834 mit Oberstenscharakter 

Seite 159 



Wurzbach0 6 . txt 
in den Ruhestand. Schon in Italien 1799 
und 1803 machte er sich durch kluges und 
herzhaftes Benehmen vor dem Feinde 
bemerkbar. Im Jahre 1809 erwarb er 
sich durch eine Reihe tapferer Thaten das 
Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens . 
Am 13. April, in der Schlacht beiSacile, 
vereitelte er durch Klugheit und Tapfer« 
keit eine feindliche Diversion; am 30. hielt 
er mit seiner Division den stiirmenden 
Feind bei Foscarinetta so lange auf, 
bis Oberst Volckmann Zeit gewann, 
seine Truppen zu railliren und dem Feinde 
entgegen zu fuhren. Im Mai vollfuhrte er 
in Tirol die Organisirung des Landsturmes, 
und iibernahm die Vertheidigung 
von Ampezzo; das Gefecht am Cal« 
varienberge bei Klagenfurt am 6. 
Juni hatte seine Entschlossenheit entschie« 
den; als plotzlich eine Starke Abtheilung^ 
Baase 109 

feindlicher Cavallerie gegen unsere Ab 
ttzeilungen, bei welchen sich 3 Geschutz 
befanden, heransprengten, verlor H. keinen 
Augenblick die Fassung, liefi Swrm 
schlagen, und riickte mit seiner kleinen 
Abtheilung von 69 Mann den iiberlegenen 
Reitern entgegen, welche durch einig, 
gut angebrachte Gewehrsalven zum Ruckziige 
genothiget wurden. 4813 focht H< 
bei Dresden und Leipzig, und wurde in 
Folge seiner Bravour Stabsof f izier; 1813 
im siidlichen Frankreich gegen Murat . I m 
Jahre 1833 suchte er Heilung seiner Lei 
den in den Badern von Topusko, aber 
daselbst starb er im Alter von 64 Jahren. 

Hirtenfeld(I.), Der Militar-Maria Theresicn- 
Orden (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4".) 
S. 1006. 1747. - Oesterr. Militar-Konversa 
tions-Lexikon, hcrausg. von Hirtenfeld und 
Dr. Meynert (Wien 1830 u. f.) Bd. Ill, 
S. 2. — Adelstands < Diplom vom 21. Ma, 
1774. l^Schon Stephan's Vater: Georg 
Stephan, wurde 1774 in den Adelstand erhoben.) 
— Wappen. Ein blauer Schild; darin 
auf griinem Grunde ein auf rechtstehcnder , rechts 
gewendeter goldener Lowe mit offenem Rachen, 
ciusgeschlagcncr Zunge, iiber sich gewundenem 
Schweife und in der rechten Vorderpranke drei 
mit den Spitzen iiber sich gekehrte silberne Pfeile 
haltend. 

tzaase, Adolph Theodor (Superintendent 
in Lemberg, geb . zu P i r n a in 
Sachsen im Jahre 1803) . Brachte sowohl 
seine Jugend als die ersten Jahre des beginnenden 
Mannesalters in seinem Vaterlande 
zu. Er widmete sich dem geistlichen 
Berufe und war bereits Pastor einer 
Landgemeinde in der Nahe von Dresden, 
als er, erst 31 Jahre alt, zum Oberhirten 
der protestantischen Kirche Galiziens 1834 
berufen wurde. Er nahm diese Stelle an 
und blieb ihr treu, ungeachtet lockender 
Aussichten in der eigenen Heimath. Unter 

Seite 160 



Wurzbach0 6 . txt 
den bestehenden Verhaltnissen, namlich 
denen einer nur geduldeten Kirche, entwickelt 
H. eine urn so segensvollere Wirksamkeit , 
als er, jeder dogmatischen Bef angmheitf remd, 
die gedeihliche Entwickelung 
seiner Kirche durch lobenswerthe Toleranz 
fordert, und sich durch noch so weit ab» 
weichende Glaubensrichtungen nicht beirren 
laflt. Den Hohepunct seines bisherigen 
Wirkens bildet die Ginfuhrung des 
neuen Gesangbuches , das im Jahre 1839 
in die Gemeinden versendet worden. 
H. ist ein Redner" von ungewohnlichem 
Werthe; das Wort steht ihm in einem 
MaBe zu Gebote, wie es nur selten vorkommt 
, und mit der Fiille und Angemes» 
senheit verbindet sich auch wahre Tiefe 
des Gedankens . H. genieBt das voile Vertrauen 
der Negierung, die den wiirdigen 
Priester ehrt und vor nicht langer Zeit 
durch das Ritterkreuz des Franz Joseph- 
Ordens ausgezeichnet hat. Die Lemberger 
St adt commune hat ihn in den Kreis ihrer 
Reprasentanten berufen. Die Feier seiner 
23jahrigen Wirksamkeit als Superintendenten 
der Protestanten Galiziens, welche 
im Anfange des Jahres 1839 in Lemberg 
festlich begangen, und von der Mehrzahl 
der Seelsorger der im Lande zerstreuten 
Gemeinden beschickt worden war, wurde 
beniitzt zur Stiftung eines Prediger-Wit« 
wenfondes, deffen Statuten sogleich bera» 
ihen und genehmiget worden sind, und die 
noch im namlichen Jahre zur Erinnerung 
an das Fest in ' s Leben treten sollte. Der 
theologischen Farbung nach gehort H. 
der mittleren Richtung der evangelischen 
Kircke an, und diirften seine christlichen 
Anschauungen mit denen eines U 1 1 m a n n 
und Nihsch in nachster Verwandtschaf t 
stehen. Die „illustrirte Zeitung" nahm 
die Gelegenheit seiner 25jahrigen Jubelfeier 
wahr, urn ein treues Gemalde seines 
erhebenden Wirkens den weitesten Kreisen 
orzuf iihren . 
Illustrirte Zeitung, hrrausg. von I.I. Weber 

(Leipzig Fol) 4839. Nr.820 (19.Marz) S.186 
u. 188 sein wohlqetrof f enes Portrait in Holzschn.^ 
Baase 

Hallst, Gottlieb (Industrielle Firma 
eines Prager Buchdrucker- und Buch- 
Handlungs-Geschaf tes ) . Dieselbe wird unter 
dieser alteren Bezeichnung mit dem 
Beisatze: Sonne, seit 1831 von den vier 
Briidern Gottlieb/Ludwigs Andreas und 
NudolPh fortgefuhrt. Der erste Begriinder 
dieses Geschaftes ist ihr Vater Gottlieb 

(Buchdrucker, geb . in Halberstadt 1763, 
gest. 1824) . Er erlernte die Buchdruckerkunst . 
arbeitete an verschiedenen Orten, 
und kam nach Prag, wo er Factor in 
einer Buchdruckerei wurde, und ein kleines 
Geschaft mit Neujahrs- und Namensf estbilleten 
begriindete. Im Jahre 1800 

Seite 161 



Wurzbach0 6 . txt 
heirathete er die Tochter des Buchhandlers 
Widtmann, und wurde dadurch in 
den Stand gesetzt, eine Buchdruckerei mit 
2 Pressen zu kaufen. Nach und nach ver« 
band er mit derselben eine Papierhand' 
lung, eine Steindruckerei und Schrif tgieBerei, 
und hatte seine Buchdruckerei von 
2 auf 18 Pressen vermehrt. Nach seinem 
Tode ubernahmen die zwei altesten Sonne 
Ludwig (geb. 1801) und Andreas 
(geb. 1804) das Geschaft; spater vereinigten 
sich mit ihnen die zwei jiingeren 
Briider: Gottlieb (geb. 1809), der bei 
Krause das Buchhandelsgeschaft er« 
lernte und es bald selbst iibernahm, und 
Rudolph (geb. 1811), welcher die Rechte 
studirt hatte. Seit 1831 besteht die Gesellschaft 
dieser vier Briider, unter der schon 
von den zwei alteren gefuhrten Firma: 
Gottlieb Haase Sonne, und gehort 
dieses Geschaft zu den bedeutendsten des 
osterreichischen Kaistrstaates . Es zerfallt 
in 3 Abtheilungen : i) die Buchdru« 
cker ei, mit welcher ein Verlag von mehr 
als 800 Artikeln fur Aemter und Kaufleute 
verbunden ist; sie waren die ersten, 
die den Congrevedruck (Druck mit mehreren 
Farben) in Oesterreich einfuhrten; 
2) die Schrift- und Stereotyp. 
Haast 

gieBerei; reich an Polytypen, einen 
groBen Theil der Buchdruckereien in 
Oesterreich, in den angrenzenden tiirkischen 
Provinzen, in Krakau und in Polen 
damit versorgend; in der Stereotypie 
werden nach einem neuen sehr vereinf achten 
Verfahren, Flatten von ungewohnlicher 
GroBe gegossen; 3) die Verlags-» 
und Sortiments-Buchhandlung; 
eine der bedeutendsten Oesterreichs; sie 
sind die Pachter der amtlichen Prager 
Zeitung; 4) die Maschinen-Papier» 
fabrik im Dorfe Wran, welche taglich 
40 Centner Papier liefert; und 3) die 
Papierhandlung, welche nicht allein 
die Erzeugnisse der eigenen Fabrik, sondern 
auch die der meisten Fabriken und 
Miihlen Bohmens in den Handel bringt . 
Das Geschaft besitzt Commanditen in 
Wien, Linz, Lemberg, und beschaftigt an 
700 Personen, die in eigenen Localitaten 
arbeiten. Bemerkenswerth erscheint es, 
daB diese Firma die groBe Welt-Industrie- 
Ausstellung in Paris im Jahre 1833 mit 
keinem ihrer Erzeugnisse beschickt hat. 
Meyer ( I . ) , Das aroBe Convcrsations«Le, rikon 
(Hildburghauscn . Bibliogr. Institut, gr. »" . ) Bd. 
XIV, S. 629, Nr. tt, 7. «, !>, 11). - Bericht 
liber die allgemeine Aarimltur- und Industrie- 
Ausstellunst zu Paris im Jahre 181i!>. Herausa. 
unter der Redaction von Di-. Eberhard I o n a k 
(Wien 18U7/U8. Staatodruckerci, nr. 8".) Bd. I , 
Zehnte Classe, S . Mi. — Oesterr. National- (§ncy ' 
klopadie, herauog. von Czikann und Gr affer 

Seite 162 



Wurzbach0 6 . txt 

(Wien 18311, 8».) Bd. I 1 , S. 4!59 und Bd. 
V I , Supftl. S . 468. 
Haase, Karl (Landschaftmaler 
in Trieft) . ZeitgenoB. Ueber den Bil» 
dungsgang und das Leben dieses Kunst» 
lers ist dem Herausgeber dieses Lericons 
nichts bekannt . Seit mehreren Jahren ist 
Haase m Trieft ansaBig, und macht von 
Zeit zu Zeit Ausfliige nach Unter-Italien, 
aus Rom und Neapel immer eine reiche 
Mappe von Skizzen mitbringend, die er, 
riickgekehrt, in Gemalden verarbeitet , ? 
H aaser 111 Maser 

deren die Triester Journale ofter ruh 
mende Erwahnung machen. I n den 
Wiener Kunstausstellungen waren erst in 
den letzten Jahren etliche Bilder dieses 
Meisters zu sehen, und zwar in jenen des 

(neuen) osterr. Kunstvereines 1856, Marz 

„Srem bei einer GZteria" (1300 Fr.) und 

1858, Februar: „Scene linZ dem italienischen 

Nlltmnleben" (300 St.). Der „Ossftrvator 

tri68tino" berichtete seiner Zeit von meh 

reren anderen Bildern und nannte eine 

„Ansicht deS <5ampa Vimmn"; — eine „An- 

Sicht Nllms WM Pllnte mlllle"; - „Gunli beim 

Sllnnenmterglmg" A — „Partie ans oen Illillnerbergen" ;- 

„Nrr Pasilipp"; ' N — „Nie 

Oapri"; — „Nie blane Gratte"; — „Ner 

Gempel MnPaestnm" u.V. a. Haase malt 

auch Marinen und Scenen aus dem ita 

lienischen Volksleben. I m Jahre 4838 

meldete der obeng. „OgLervatore" , daB 

Haase in Trieft eine Maler- und Zeichnungsschule 

fur Damen eroffnet habe, 

welche sich wachsenden Zuspruchs erfreut. 

Uebrigens muB der Kiinstler noch jung 

sein, da jener Artikel ihn einen 

nennt . 

(polit. Journal Triests) 

8, Nr . 

xittoro Ilao.Lo". — Ausstellungo-Kataloge des 

osterr. Kunstvereines 18U6, Marz Nr. 39 und 18. '!8 

Februar Nr . 67 . 

Haaser von Greifenfeld, Martin 

(Haupt mann, geb . zu Brandenberg 

im Unterinnthale Tirols urn das 1.1.680, 

gest. urn 4730) . Hatte die Baukunst stu» 

dirt. Als aber im Jahre 1703 die Franzo» 

sen und Baiern das untere Innthal mit 

Waffengewalt sich angeeignet hatten, sam» 

melte H aaser heimlich und auf seine 

Kosten 2000 Bauern aus dieser Gegend, 

bewaffnete sie, und uberfiel unvorgesehen 

die Festung Nattenberg, welche er auf 

solche Art in seine Gewalt bekam, und 

gegen den Feind so lange behauptete, bis 

kaiserliche Truppen erschienen, und den 

Ort besetzten. Zu derselben Zeit iibersiel 

er einen feindlichen Transport, der groBe 

Vorrathe von Getreide fur die Truppen 

fiihrte, und nahm ihm dieselben ab . Dann 

zog er mit seiner Landwehr vor die 

Festung Kufstein, brachte den Truppen 

Seite 163 



Wurzbach0 6 . txt 
die abgenommenm Mundvorrathe und, 
iiberall die Gegend durchstreif end und den 
Feind vertreibend, befreite er viele Ortschaften 
von Brandungliick, mit dem sie 
bedroht warm. Jedoch sein eigenes Haus 
konnte er nicht retten, dasselbe hatte 
der Feind in Brand gesteckt und gepliin« 
dert. Haaser hatte dadurch bedeutenden 
Schaden erlitten. Zu diesen Verdiensten 
als Landesvertheidiger gesellt sich ein 
nicht geringeres durch seine zweckmafiigen 
Wasserbauten, unter denen vor alien ein 
von ihm entworfener und ausgefuhrter Ca> 
nal bemerkenswerth ist, auf welchem liber 
Berg und Thai grofle Massen Holz zur 
Salzpfanne geschwemmt wurden, und dem 
Aerar dadurch die bedeutende Grsparung 
von 200.000 ft. erzielt worden ist; auch 
wurden dadurch die benachbarten Waldungen 
geschont, und der. Betrieb der 
Salzsiedereien wesentlich gefordert. I n 
Anerkennung dieser Verdienste wurde er 
schon friiher zum Hauptmanne einer Com« 
pagnie Tiroler Landmiliz ernannt, iiber» 
dieB aber im Jahre 1724 in den osterreichischen 
Adelstand, mit dem Pradicat 
von Greifenfeld erhoben. 

Staffier (Johann Jacob) , Das deutsche Tirol 
und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen 
Bemerkungen (Innsbruck 1847. Fel. Rauch, 8".) 
Bd. I, S. 782. - Adelstands-Diplom vom 14. 
Marz 1724. — Wappen. Quadrirter Schild, 
1 und 4 in Schwarz rechtsgekehrter goldener 
Greif mit goldenem Adlerfluge und roth auf geschlagener 
Zunge; 2 und 3 in Noth ein im 
Laufe begriffener silberner Haase. Auf dem 
Schilde ein offener gekronter Helm, aus dessen 
Krone der Greif von 1 und 4, in den Pranken 
eine Partisane haltend, hervorsteigt . Die Helmȣ 
Zabel 112 Haberem 

decken sind rechts: Schwarz und Gold, links: 
Roth und Silber. 

Kabel a Sancto Fortnnato, Aichard 
(Piarist, geb . zu Briick an der Leitha 
28. November 1729, gest. zu Raab in 
Ungarn 24. November 1800) . Trat in 
den Orden der frommen Schulen, war 
mehrere Jahre Lehrer der Philosophie 
und Geschichte an der savoyischen Ritter- 
Akademie in Wien, dann Provinzial 
seines Ordens in der osterreichischen 
Provinz und Theologus des Raaber 
Bischofs Joseph Fengler. H. gab mehrere 
Schriften im Drucke heraus, u. z.: 

„Nrde van dem lj3inlln5Zi> der Geschichtenlehre in 
der Mdllng der Menschen nnd Mrgrr" (Wien 
1764, 4 0.); — „Granenede ant Ihre Kaiserliche 
MlljesM Ntarien IllZephrn, Herzogin mn 
Nllyrn" (ebd. 1767); - „sittenlehre mit 
biblischen Bildern znm Gebrauche in den iwmmm 
schnlen" (ebd. 1773, 8".) . Mehrere andere 
Reden sind ohne seinen Namen erschienen. 
Er starb im hohen Alter von 71 Jahren. 
Annalen der Literatur und Kunst in den osterreichischen 

Seite 164 



Wurzbach0 6 . txt 
Staaten (Wien 1803, Degen, 4".) Jahrg. 
I I (1803), Intelligcnzblatt, October, Sp . 233. 

— Mensel (Ioh. Georg) , Das gelehrte Teutschland 
(Lemgo i783. Meyer 'sche Buchhandl . . 8».) 

Vierte verm, und Verb. Ausgabe, Bd. I I , S. ». 

— (De 3uca) , Das gelehrte Oesterreich (Wien 
1776, Ghelen'sche Druckerei. 8«) Ersten Bandes 
1. Stuck, S. 164. — Dc Luca in seinem gelehrten 
Oesterreich I . Bandes 2. Stuck, S. 368, 
gedenkt noch einer Anna und rincs Ignaz 

Habel (beide Schauspieler des Theaters zu 
Linz; erstere geb . zu PrcBburg 1744; letzterer 
geb . zu Olmutz 1738), beide traten im Schau« 
spiele auf, sangen aber auch in Operetten und 
zahlten zu den begabteren und beliebten Darstellern 
ihrer Zeit. — Ferner sind noch zu nennen: 
Gduard Habel (ein osterr. Poet), uon 
dem folgende Werke erschienen sind: „ I o h ann 
Hasil von Nepomuk. Grofles Gedicht 

in2Abtheilungen" (Wien 1829, Adolph, 
gr . 3°.), davon besteht auch eine Prachtausgabo; 

— „Der heilige Hain. Gedicht" (ebd.); 

— „Der Karthauser" (Leipzig 1846, Brock» 
haus), waches den Friedlander behandelt . Auch 
gab er „Fragmente aus B r i e f e n eines 
Reisenden" (Wien 1836, Gerold, 8<>.) heraus. 

Der Verfasser ist, wenn wir nicht irren, Privatsecretar 
Sr. kais. Hoheit des weil. Erzherzogs 
Johann . sFrankl: Sonntagsdlatter 1847. 
Wicncrbotc S. 24.) — und Johann Habel 

(k. k. Rath, Director der Postanstalt, geb. zu 
Aubele in Mahren 16. Juli 1738, gest . zu Wien 
24. Marz 1815), welcher urn die Vervollkommnung 
des Postwesens der Monarchie durch Studium 
fremder Einrichtungen und Anwendung 
des Entsprechenden auf das heimische Institut 
sich wesentliche Verdienste erworben hat. H. 
schwang sich dadurch zum Direttor der fahrenden 
Postanstalt empor und erhielt in Anerkennung 
seiner Verdienste taxfrei den kais. Rathstitel. 
A Erneuerte vaterlandische Blatter, herausg. von 
I)i-. Franz S a r t o r i (Wien, Straufi, 4".) S. 
213: „Nekrolog" . ) 
Haberein von Anufeld, Franz Freiherr 

(Oberstlieutenant und Maria 

Theresien-Ordensritter , geb. zu Prag 

1772, gest. zuFiume7 . Dec . 1833). Trat, 

18 Jahre alt, 1790 in ' s Inf anterie-Regiment 

Ulrich Kinsky Nr . 36 als Cadet 

ein, und war schon in zwei Monaten (1. 

April) Fahnrich. I n den Feldziigen gegen 

Frankreich wurde er Oberlieutenant , im 

italienischen Feldzuge 1799 schwer verwundet, 

muBte er 1. Mai 1801) in den 

Ruhestand treten. Als er hergestellt war, 

trat er in das Bataillon Desfours der 

Erzherzog 5k a rl-Legion wieder ein, wurde 

in kurzer Zeit Capitan, nach Auflosung 

des Bataillous zu seinem friiheren 

Regimente iiberseht, am 1. October 1813 

Major, und im Inf anterie-Regimente 

Nr. 06 eingetheilt, aber seiner Wunden 

wegen mufite er am 1. Mai 1814 in den 

Ruhestand treten. Jedoch noch im namlichen 

Seite 165 



Wurzbach0 6 . txt 
Icihre im September iibernahm er 
die Plat zma jorsstelle zu Bergamo, spater 
zu Pavia, kam im August 1821 zum boh» 
mischen Grenzcordon, trat 1. Februar 
1824 mit Oberstlieutenants ' Charakter 
neuerdings in den Ruhestand, denselben 
am 4. Juni 1827 als Plat zcommandant 
zu Fiume wieder verlassend. Aufier den^ 
Haberkorn 

schon erwahnten Feldziigen machte H, 
jenen vom Jahre 1809 in Deutschland 
mit, focht bei Aspern, wo er mit der 
Fahne und der Mitteldivision seines Negi 
ments in dem Augenblicke vorriickte, als 
mehrere osterreichische Bataillons von dem 
Feinde geworfen wurden. Die standhafte 
Vertheidigung seiner Stellung vereitelte 
das weitere Vordringen des Feindes. Be 
Wagram befehligte er das Bataillon, 
eilte am 8. Juli, ohne den Auftrag dazu 
erhalten zu haben, an den Ruflbach, und 
hielt hier gegen die andringende sachsische 
Infanterie rnit groBer Bravour Stand; 
am folgenden Tage aber bei Ad erklaa, 
als die dort postirten Inf anterie-Massen 
zum Theil schon in Unordnung geriethen, 
stellte sich H. im verheerenden Kartab 
scheN'Feuer vor die Mitte des Bataillons, 
sprang der Erste in einen tiefen Grabon, 
der das Dorf umschlofi, mit feinem Bei» 
spiele das ganze Bataillon aufmunternd, 
so daB jeder es dem Anfiihrer gleich zu 
thun strebte; ein furchtbares Handge« 
menge entstand, und Aderklaa wurde 
mit Hilfe der herbeigeeilten Grenadier- 
Bataillons Scovour, Pute ani und 
Brzezinsky dem Feinde wieder entrissen. 
Spater focht H. mit gleicher Tapferkeit 
noch bei Znaim. Fur diese 
Waffenthaten wurde H. mit dem Ritter» 
kreuze des Maria Theresien-Ordens aus» 
gezeichnet, und in Folge dessen im Jahre 
1813 in den Freiherrn»Stand erhoben. 
Als H. starb zahlte er 68 Jahre. 

Hirtenfeld(I.), Der MilitarMaria Theresien- 
Orden und seine Mitglieder (Wien 1837, Staats' 
druckerei, 4o.) S. 1036,1747. - Oesterr. Milita!> 
Konversations-2erikon, herausg. uon Hir-» 
tenfeld und Dr. Meynert (Wien 1850 u.f.) 

Bd. I I I , S. 5. — Taschenbuch fur die vaterlandische 
Geschichte, herausg. von Freiherr v. 
Hormayr (Wien, bei Anton Doll, 16".) Jahrg. 
Ill (1813), S. 124 (im Artikel: Oestcrreichische 
Kriegsscenm von I . W. R i edler) . — Frei« 
Herrnstands-Diplom vom 28. September 181 !5. 
v. Wurzbach, biogr. Lexikon. V I . 
— Wappen. Der Lange nach gespaltener Schild, 
im rechten blauen Felde ein silberner Hirsch im 
Sprunge, im linken silbernen Felde ein blauer 
Balken, in welchem ein geharnischter Arm einen 
goldenen Stab halt, oberhalb ein blauer Stern. 
Den Schild deckt die Freiherrnkrone, auf dcrseb 
ben ein in ' s Visir gestellter gekronter Helm, aus 
dessen Krone ein geharnischter, auf den Ellenbogen 

Seite 166 



Wurzbach0 6 . txt 
gestiitzter Arm hervorwachst . 
Haberkorn von Habersfeld, Joseph 

(Priester der Gesellschaft Jesu, geb . zu 
Konigswartin Bohmen 23. December 
1734, gest. zuBreslau 26. Mai 
1803). Trat am 27. October 1783 in 
den Orden der Jesuiten "nicht wie es bei 
B a u r heiBt 1733, wornach er einjahrig 
der Gesellschaft hatte beitreten muff en' 1 . 
Als spater die schlesische Provinz von 
Bohmen abgesondert wurde, blieb er in 
Schlesien, wurde Professor der Qekonomie 
und Aesthetik an der Universitat zu 
Breslau, dann Mitglied des kon. Schul, 
institutes in Schlesien, 1784 Professor 
der Dogmatik, zuletzt wurde ihm die ein» 
tragliche Pfarre Wartenberg in Schlesien 
verliehen. H. gab mehrere Werke heraus, 
und zwar: „Predigten ant alle Sunntage des 
ganzen Jahres". 1. und 2. Jahrg. (Breslau 
1776, 3. Aufl. 1780); - dieselben, 3. 
biso. Jahrg. (ebd. 1779-1783,2. Aufi. 
1780); — „KllHaliache Reden uan den Geheim- 
Nissen des leidenden Heilandes". 2 Jahrgange 

(ebd. 1777. 3. Aufl. 1780), davon er. 

'chien eine lateinische Uebersetzung (Augs« 

burg 1784) und eine polnische (Kalisch 

1781, kon. Druckerei), welche der Jesuit 

Lorenz von Dunin besorgte; beide Ihrgge. 

in 4 Bden. — „Neden iiber die vornehmsten 

Gegenstande deo Leidens Jesu Ohristi" (ebd. 

1. Aufi. 1780); — „Predigten mt alle Festtage 

des Jahres" 4. Ihrgge. (ebd. 1776— 

1779. Der 1. und 2. Jahrg. wiederholt 

aufgelegt) . Auch davon erschien eine latei' 

nische Uebersetzung (Augsburg 1784); — 

„Nie Nandmirrhschatt mit ihren Fehlern nnd Vererrungen" 

(ebd. 1780 u< 2. Aufi. 1783).? 
Haderte Haderte 

Haberkorn war ein vortref f licher Kanzelredmr 
und seine Predigten waren zu 

seiner Zeit sehr gesucht. Er starb im Alter 
von 69 Jahren. 

Pelzel (Franz Martin), Bohmische, mahrische und 
schlesifche Gelehrte und Schrif tsteller aus dem 
Orden der Jesuiten (Prag 1786, 8°.) S. 269. - 
Meusel (Ioh. Georg) , Das gelehrte Teutschland 

(3emgo 1783, Meyer, 8".) Vierte Ausgabe, 
Bd. I I , S. 6; 1. Nachtrag S. 233; 2. Nachtrag 
S. 114. - B a u r (Samuel), Allgem. 
histor. biographisch-literarisches Handworterbuch 
aller merkwurdigen Personen, die im ersten Iahrzehend 
des neunzehnten Jahrhunderts gestorben 
sind (Ulm 1816, Stettini, gr.8<>.) Bd. I , Sp . 833. 

— Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopadie 
der Wissenschaf ten und Kiinste (Leipzig. 4«.) 
I I . Section, Bd. I , S. 42. - Meyer (I.), 

Das groBe Conversations-Lexikon (Hildburghausen, 
Bibliogr. Institut, gr.8°.) Bd. XIV, S. 533. 
Beutko^ski (PsUx) , Natoi^a literakiem 
oFto22ou' s ok, d. i. Geschichte der polnischen 
Literawr (Warschau und Wilna 1814 
Zawadzki u. Conip. s.), 23a. 11,8. 384. 

— H. scheint, wenn nicht ein Sohn, doch in 

Seite 167 



Wurzbach0 6 . txt 
gerader Linie ein Abkommling Zu sein des am 
16. Marz 1715 in den bohmischen Adelstand 
erhobenen Kaufmannes Johann Adam Ha» 
berkorn (auch Aberkorn) . 
Haberle, Karl Konstantin (Meteor olog, 
geb . zu E r f u r t am 14. Februar 
4764, ermordet von Raubern zu Pesth 
am 1. Juni 1832) . Besuchte die Schulen 
seiner Vaterstadt, und horte seit 1783 an 
mehreren Hochschulen Deutschlands die 
Naturwissenschaf ten . Nun ward er Lehrer 
im Wichmann ' schen Erziehungsinstitute zu 
Celle im Liineburg ' schen, dann im Hause 
eineSMeuBischen Edelmannes, und machte 
mit seinen Zoglingen Reisen in die 
Schweiz und nach Frankreich. I m Jahre 
1805 erhielt er zu Erfurt die philosophische 
Doctorswurde und beschaftigte sich 
dort mit wissenschaf tlichen Arbeiten; ging 
aber, durch feindliche Invasion zweimal 
aus seiner Vaterstadt vertrieben, 1813 iiber 
Mahren nach Ofen. Daselbst wurde er 
1817 zum ordentlichen Professor der Botanik 
an der Pesther Universitat ernannt, 
und ihm 1821 das Diplom eines Doctors 
der Medicin verliehen. Diese Stelle beklei» 
dete H. bis an seinen gewaltsam herbei« 
gefiihrten Tod, da Raubmorder in der 
Nacht vom letzten Mai auf den ersten Juni 
1832 in seine Wohnung einbrachen, und 
ihn, wahrscheinlich wahrend er im tiefen 
Schlafe versunken lag, erwiirgten. I n die 
Zeit, wahrend er zu Erfurt privatisirte, 
fallt eine groBe Anzahl wissenschaf tlicher, 
im Drucke erschienener Arbeiten; diese 
sind in chronologischer Folge: „Mine Ge> 
danken iiber Orsirhung, nls Ontwmt zn einer mn> 
siech Men Erziehungsanstalt " (Erfurt 1796), 
diese Schrift gab H. anonym heraus; — 
„Neubllchtnngen iiber die Gestalt der Grund- llder 
Keimkristalle des schorlartigen NernM, nnd dessen 
iibrige onMognostische Verhaltnisse" (Erfurt 
1803); — „Veitrage zu einer allgemeinen Ginleitung 
in das Studium der Mineralogie . . . " 

(Weimar 1806), urspriinglich als Anmer» 

kungen und Zusatze zu A. G. I o h . Karl 

B atsch's: „ Einleitung zum Studium der 

allgemeinen Naturgeschichte . 1. Abthlg."; 

— „Nas Gewiichsreich oder charakteristische Ne- 

Schreibung uller zur Seit bekannten Gewachse". 

1. Abthlg. (Weimar 1806); - N a s Mmralreich 

oder char. Neschrribnng nller Mineralkorper" . 

1. und 2. Abthlg. (ebd. 1806), die» 

ses und das vorige Werk sind Commen» 

tare zu den Bertuch ' schen Tafeln der 

allgemeinen Naturgeschichte; — 

tnngen iiber das Gntstehen der ihlmna 

ker8., Zll wie des Uoluliuz <le8111ion8 ?ol8., nnd iiber 

die Gestalt dieser Schmammarten in den Perioden 

ihrer Gnwickelnng" (Erfurt 1806); — „Gharakteristischr 

Darstellung der gemeinniit zigsten, 5» 

wie der am iittesten umkommenden Mineralien . . . " 

(Weimar 1806, mit K. T . 8".); - 

„Uleine Vitterungsan^tgen tiir Niirger nnd Aandmann 

Seite 168 



Wurzbach0 6 . txt 
und jede Haushaltung fur das Jahr 1A0" 

(Weimar 1810, 12".); — „Meteorologische 
Hette tiir Beobachtung nnd Nutersnchnngen znrf 
Haberle Haberler 
VegriindMg der MNernngsIchre" Heft 1—3 

(Weimar 1810-4812, mit 7 K. K. gr. 

4".), daraus besonders abgedruckt : „Mneralllgisch- 

utttellralllgische Nellbaihtungen" (ebd 

1811); — „Acker Miternnglbemttieilnng nn ! 

GrZpahnng lluer 5U3tuhrliche Uebersicht 

N115 biZhrr p r wisZenZchattlichen Negrundnng 

Meteoralllgie geZchahe, nnb.nuch batiir A n thnn 

ist" (Weimar 1811); — „Nenes gellcentri 

sches Planetarium als ein metcmlllllgiZches 

stelllltllrinm. . . Mit einem dazu gehorigen Inztrnmente" 

(ebd. 1811); — Schema zum Gintra 

gen der taglichen metellrulagischen Neablichtungen" 

(ebd. 1811) ; — „MetellwIngischeI Ahrbnch 
zur Netardernng grundlicher Keuntuisse von Allem, 
was aut Witterung nnd sammtliche NukterSchrimm 
gen GiniinZs hat" (ebd. 1312, mit K. K.) A 
auch unter dem T i t e 1 : „MetemalllgisuM 
Jahrbuch kur das Jahr llsU"; — „Mtearolllgisches 
Jahrbuch zm Vetorderung grundlicher 
KenntnisZ «an Hllem' 1 mas ouk Mttnung und 
Vnkterschrinnng GiMZZ hat". 1 . Jahrgang 

(ebd. 1810, mit 14 K. K. gr. 8".). Die 
erste Hauptabtheilung enthalt die theore A 
tische, die zweite die practische Witrerungslehre . 
— Metrmalllgische Aphorismen zur Grlernung 
WlS5enschllMcher Mtternngsbenrtheilnng" 

(ebd. 1812) . I n Gehlen's „Iouv 

nal" schrieb er mit B u c h o 1 z : „Ueber den 
Magnesit" (VIII, 1809) - und „Neber 
den dichten VitterkM" (IX, 1810); - in 
Schweigger's „Journal": „Ueber den 
achten ungarischen Alaunstein" (XXI, 1817);— 
„Beschreibung einer ueuen Art Nrannkllhle" 

(ebd.); — auch enthalten Andre ' s 

„Hesperus" und die „neuen Physik. Ab« 

Handlungen der Akad. zu Erfurt" (1808) 

mehrere seiner Aufsatze. Sein bei Lebzei' 

ten verfaBtes Testament — H. war un» 

verehelicht — verfiigte u. A . , daB seine 

reiche Bibliothek nebst den Handschrif ten 

in das Eigenthum der Universitat, zum 

grofiern Theile in jenes der Leseanstalt 

der medicinischen Facultat zu Pesth iiberzugehen 

habe . Ferner bestimmte er den 

Rest seines Vermogens zu Gradualstipendien 

fur ausgezeichnete und sittliche Can» 

didaten der Arzneikunde. H. war Mitglied 

von neun gelehrten Gesellschaf ten . Als er 

den gewaltsamen Tod starb, zahlte er 68 

Jahre . 

Innsbrucker medicinische Zeitung 4832, Beilage 

Nr. 87. — Neuer Nekrolog der Deutschen (II- 

menau, Voigt, kl. 8° . ) Zehnter Jahrg., 1832, S. 

443. — Poggendorff ( I . C.), Biographisch, 

literarisches Handworterbuch zur Geschichte der 

eracten Wissenschaf ten (Leipzig 1859, Ioh. Ambr. 

Barth, 3er. 8«.) Sp . 983. - Meusel (Ioh. 

Georg) , Das gelehrte Teutschland snach diesem 

geb . 1 . Februar 1764^. — Meyer (I.), Das 

Seite 169 



Wurzbach0 6 . txt 
groBe Conversations-Lexikon (Hildburghausen, 
Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XIV, S. 533. 
Baberler, Anton Ritter von (Burgermeister 
von Brunn, geb . daselbst 
am 7. Janner 1796) . Entstammt einer 
geachteten Biirgersf amilie, welche seit 
mehr denn einem Jahrhundert in Brunn 
lebt . Der GroBvater Leopold H. (gest. 
1773) war im Jahre 1731 Stadthauptmcmn 
liber eine Compagnie, im Jahre 
1764 Primator, dann Stuckhauptmann . 
Er hinterlieB 14 Kinder, darunter 9 
Sohne. Von diesen war Franz Xaver 
H. churf iirstlicher Caplan und starb als 
Beichtvater der Prinzessin Auguste von 
Sachsen im Jahre 1789; ein zweiter, 
I g n a z , war Weltpriester in Dresden 
m sogenannten deutschen Hause; ein 
dritter trat in den Mmoriten«Orden, 
wurde Missionar in Amerika (Lima) , 
iiber seinen Tod gelangte keine Nachricht 
in seine Heimath. Der jiingste, Joseph 
(geb. 4. Februar 1732, gest. 27. April 
1834), war Arzt, seit 1793 Stadtphysi. 
kus von Brunn und Hausarzt des bischof« 
Ichen Alumneums . Sein Sohn ist der 
gegenwartige Burgermeister Briinns, der 
ben genannte Anton. Dieser beendete 
ie philosophischen Studien in Brunn, 
) ' orte 1813—1816 die Rechte, widmete^ 
116 Habermann 

sich dem Staatsdienste und trat am 27. 
Sept. 1316 bei dem mahrisch-schlesischen 
Landrechte ein; er wurde am 8. Marz 1829 
mahrisch ' schlesischer Landrath, am 23. 
Marz 1836 Appellationsrath, 13. Janner 
1830 Oberlandesgerichtsrath und 
am 11. Februar 1834 erster Rath des 

neu organisirten mahr. schles. Oberlandesgerichtes . 
I n der Zwischenzeit von 1837 
bis 1831 fungirte H. auch bei anderen 
Aemtern und Commissionen . Als sich 
in Brunn der groBe GemeindeausschuB 
constituirte, berief ihn das Vertrauen 
seiner Mitbiirger in denselben und dann 
durch Wahl an die Spitze der neu gebil« 
deten groBen Gemeinde als deren ersten 
Burgermeister. Am 19. Juni 1831 
wurde diese Wahl Allerhochsten Orts 
genehmiget . I n dieser Stellung entwickelt 
H. eine segensvolle Wirksamkeit; ins» 
besondere sind es die humanistischen 
Anstalten Briinns, denen er seine Theil» 
nahme und Sorgfalt durch thatiges Ein» 
greifen in ihren Geschaf tsgang oder durch 
Beischaffung der nothigen Mittel zuwen« 
det . Im Arbeiter»Nnterstiit zungs . 
Comito — denn Brunn ist eine bedeutende 
Fabrikstadt — fiihrte H. vom 
4. Juli 1843 bis Ende September 1849, 
also in der drangvollsten Zeitepoche fur 
die Arbeiter, Casse und Rechnung. Als 

Leiter betheiligt er sich bei dem mahrischschlesischen 
Schutzverein und der R et« 

Seite 170 



Wurzbach0 6 . txt 
tungsanftalt fur verwahrloste 
Kinder, ist unterstiit zendes Mitglied des 
Kinderspitales bei St. C y r i 1 1 und 
Methud und Curator des Vereines 
zur Unterstiit zung der Waisen und 
Witwen bei Todesfallen der Be amt 
en. Mit H. beginnt fur die Geschichte der 
Commune Briinns ein neuer Zeitabschnitt , 
denn nach Jahrhunderten ihres Bestehens 
ist sie, erst seit H. ihr Biirgermeister ist, mit 
alien ihren Theilen zu einer Gemeinde 
vereiniget worden A Im Jahre 1883 
wurde H. in Anerkennung seines huma» 
nistischen Wirkens und seiner Verdienste 
urn die Comnmne von Sr. Majestat die 
Ritterstandswurde verliehen. 

Neuigkeiten (Briinner Blatt) 1855, Nr. 40. - Rit» 
terstands-Diplom vom 27. November 1854. — 
Wappen. Ein von Schwarz und Gold quer ge< 
theilter Schild, worin auf einem, aus dem FuB« 
rande sich erhebenden schwarzen Dreiberge ein 
aufgerichtet schreitender Lowe in gewechselten 
Tincturen, mit ausgeschlagener rother Zunge und 
in der rechten Vorderpranke eine goldene Hafer. 
staude vor sich tragend, zu schen ist. Auf dem 
Schilde ruhen zwei gekronte Turnierhelme . Aus 
der Krone des rechten Helmes wachst ein golde» 
ner, roth bezungter Lowe, in der linken Vorder» 
pranke die goldene Haferstaude vor sich haltend, 
nach innen gekehrt, hervor. Die Krone des linken 
Helmes tragt einen geschlossenen schwarzen, mit 
einem goldenen Sterne belegten Adlerflug. 
HaberUllliM, Franz Iohannl. (Tonkiinstler , 
geb . zu Konigswart in B6h» 

men 1706, gest. zu E g er 7. April 1783) . 
Besuchte dieHumanitatsclassen inKlattau 
und horte die Philosophie in Prag, wo 
er die Magisterwiirde erhielt. Fruhzeitig 
trieb er Musik, reiste, urn die italienische 
Musik kennen zu lernen, nach Italien, und 
nahm Unterricht bei den beruhmtesten 
Meistern in Rom, Neapel und anderen 
Stadten. Nun begab er sich nach Spanien 
und Frankreich, und trat 1731 als Capell« 
meifter in des Prinzen Cond 6 Dienste. 
Nach dessen Tode wurde H. in Florenz in 
gleicher Eigenschaft bei der groBherzoglichen 
Capelle angestellt. Als der GroBherzog 
starb, kehrte er in seine Heimath zu« 
ruck. Urn diese Zeit fand die Kronung 
Maria Theresias zur Konigin von B6h» 
men Statt. Aus diesem Anlasse gaben ihm 
die Altstadter Jesuiten den Auftrag, fur 
sie eine Oper zu schreiben. H. entsprach 
dieser Aufgabe in so trefflicher Weise, daB 
der hohe Adel Bohmens und Andere, 
welche tiichtige, musikalische Ausbildung 
wiinschten, ihn zum Meister wahlten. So^ 
Hllbennann Habermann 

legte H. mit den Grund zu jener herrli 
chen musikalischen Epoche, in welcher Prag 
lange Zeit nur an Wien eine Nebenbuh 
lerin besaB, dieses aber — nachdem die 
musikalischenZustandeWien ' s in den trau« 

Seite 171 



Wurzbach0 6 . txt 
rigsten Verfall gerathen — heute schon 
iiberflugelt hat. Hab er mann hat — 
ohne die vielen Cavaliere zu nennen, denen 
er Liebe fur die Musik und musikalischen 
Geschmack einfloBte — Schiller gebildet" 
wie den Capellmeister Franz Joseph 
Dussek (siehe Bd. Ill, Seite 398 im 
Texte), die Tonsetzer Mysliwec^ek und 
Cajetan V o g e 1 . Nun wurde H. Chorregens 
an der Theatiner«, 1780 an der Maltheserkirche 
in Prag, und folgte 1773 einem 
Rufe nach Eger als Musikdirektor an der 
Decanatkirche mit ansehnlichem Gehalte. 
Noch 10 Jahre, bis an seinen Tod, der 
ihn im Alter von 77 Jahren erreichte, 
wirkte er auf diesem Posten. Der groBere 
Theil von H's. Kompositionen, u. z. Sonaten, 
Symphonien, Messen, Litaneien, 
Salve Regina, Regina Coeli, Alma, Mise« 
rere, Stabat Mater ist in Manusnipt 
vorhanden. Darunter das grofie Oratorium: 
» (7o?iV6? ' 61'o /s 666' s 0' s 6") in der 
Minoritenkirche St. Jacob in Prag auf» 
gefuhrt; — ein zweites: 

?-«, welches er selbst 1734 als Chorregent 
in der Maltheserkirche zu Prag 
dirigirte. I m Druck erschienen: 
(Prag 1746, Fol.) -und 

A « (ebd. 1747, Fol.) . Seine Compositionen, 
von Kennern anerkannt, beur« 
kiinden ihn als einen besonders tilchtigen 
Meister im Contrapuncte . Franz Johann 
besaB auch Brijder und einen Sohn, 
sammtlich tiichtige Musiker. Naheres liber 
dieselben unten in den Quellen. 
Der obige Franz Johann Habermann besaB 
zwei Brijder, Anton und Karl, und einen 
Sohn Franz Johann (H.), alle drei Musiker. 
Anton (geb. zu Konigswart 4704, gest. zu 
Prag 14. Janner 178?) war Tonseher, Bafitrombonist 
und trefflicher Violinspieler , er com» 
ponirte viel Kirchenmusik und fur sein Instrument, 
das er meisterhaft blies. I n seinen letzteren 
Jahren beschaftigte er sich viel mit dem Studium 
der Astronomie.— Karl (geb. zu Konigswart 
1712, gest. 4. Marz 1766) . der jiingste Bruder 
des Franz Johann (I) . und Anton, spielte 
so vortrefflich die Posaune, daB ihr in der weltlichen 
wie in der kirchlichen Capelle ein Platz 
eingeraumt wird. Er componirte auch Messen 
und Offertorien. — Franz Johann (II.) 
(geb. zu Prag 1750, gest. wann?), Sohn des 
Franz Johann (I.) besuchte die Schulen in 
Prag und horte daselbst die Philosophie. Den 
musikalischen Unterricht erhielt er von seinen: 
Vater, der ihn zum tilchtigen Contrapunctisten 
und Organisten heranbildete . Als der Vater im 
Jahre 1783 starb, folgte ihm der Sohn in der 
Stelle des Chorregenten an der Decanatkirche 
zu Eger, welche er noch zu Anfang dieses Jahr» 
Hunderts bekleidete. Er hat auch Messen, Ossertorien, 
Gradualien u. m. A. componirt. Meber 
Franz Johann (I.) und zum Theile auch 
iiberAnton, Karl und Franz Iohann(H.) 

Seite 172 



Wurzbach0 6 . txt 
(liber letztere drei ausf uhrlicher nur inDlabacz) 
vergl.: Dlabacz (Gottfr. Ioh.) , Allgem. histor. 
Kunstler-Lexikon fur Bohmen und zum Theile 
auch fur Mahren und Schlesien (Prag 1813, 
Gottl. Haase, 4".) Bd. I , Sp . 533. - Oesterr. 
National-Encyklopadie, herausg. von Graffer 
und Czikann (Wien 1335. Selbstverlag, 8".) 
Bd. I I , S. 439. — Rieggcr, Statistik von 
Bohmen, Heft X I I , S. 234. - NniversabLexi ' 
kon der Tonkunst . Angefangen von Dr. Julius 
Schladebach, fortgesetzt von Eduard Berns« 
o orf (Dresden, Schafer, gr. so.) Bd.II> S.289. 
— GaBner (F. S . Dr.), Universal . Lerikon der 
Tonkunst. Neue Handausgabe in Einem Bande 
(Stuttgart 1849, Frz. Kohler, schm. 4".) S. 393 
smit sehr diirftigen Angaben und dem irrigen 
Sterbejahre 1785) . — Gerber (Ernst Ludw.) . 
Historisch>biogravhisches Lexikon der Tonkiinstler 
(Leipzig 1790. Breitkopf, gr.8«.) Bd. I , Sp.368 
sonach diesem heiBt er J o h a n n und ist 1712 zu 
Prag geboren) . — Desselben: Neues hist. bio< 
graphisches Lexik, der Tonkiinstl. (Leipzig 1812, 
Kuhncl) Bd. I I , Sp. 459.) 
Hab ermann, Karl von (Oberstlieu« 
tenant, geb . in Prag urn die Mitte des 
vorigen Jahrhunderts , gest. urn 1812) . 
Studirte in Prag und erhielt unter Einem? 
Habermann 118 Habrich 
von Karl Wolf, nachmaligem Director 
der Teiner Hauptschule Zeichnenunterricht . 
Nach Beendung des philosophischen 
Curses trat er in das erste Artillerie-Regimmt 
zu Prag als Cadet ein, kam dann 
nach Wien in ' s Bombardiercorps , riickte 
wahrend deS Tiirkenkrieges zum Fahnrich 
im RegimenteA 1 v i n czy vor. und wohnte 
dem Sturme auf Belgrad bei. Ob seiner 
Geschicklichkeit im Zeichnen wurde er 
dem General« Quartiermeisterstabe anfanglich 
zugetheilt, spater in denselben 
iibersetzt. Auf diesem Posten leistete er 
sowohl Dienste in den Feldziigen jener 
Zeit, wie spater im Frieden in Mappi» 
rungsarbeiten, indem er Karten von 
Venedig und eims Theiles von Bohmen 
entwarf. I m Jahre 1809 war er Oberstlieutenant 
im General-Quartiermeisterstabe . 
Noch als Studirender unternahm 
er mit seinem Bruder I g n a z (s. in den 
Quellen) und mit mehreren Schulf reunden 
eine Kunstreise durch Bohmen, nahm eine 
groBere Zahl alter Schlosser auf, welche 
er mit ihrer Beschreibung herauszugeben 
beschloB. I n der That sind auch funfzig 
Blatter Ansichten aus neun Kreifen 
vollendet worden, welche Dlabacz auch 
einzeln aufzahlt; in Kupfer gestochen von 
B e r g er erschien aber 1804 nur das 
Blatt : „NerNerg MileSchanmit drmschlllZIe" . 
Dlabacz (Gottfried Ioh.), Allgem. historisches 
Kunstler-Lexikon fur Bohmen . . . (Prag 1813, 
Gottl. Haase. 4".) Bd. I , S. 33«. - Nagler 
(G. K. D r . ) . Neues allgem. Kiinstler . Lexikon 
(Mijnchen, Fleischmann, 8°.) Bd. V. S. 482. - 

Seite 173 



Wurzbach0 6 . txt 
DIabacz und Nagler gedenken noch zweier 
Kiinstler des Namens Habermann, u. z. 
Beide eines I g n a z , Bruder des Obigen, der 
ein gewandter Zeichner war und mit seinem 
Bruder Karl zugleich mehrere jener Schloffer 
Bohmens aufnahm, deren oben Erwahnung ge» 
schehen ist. Ignaz ging spater nach Wien, 
wo er die Medicin studirte; gab aber nach der 
Hand dieses Studium auf und trat in den Orden 
der regularen Chorherren zu Klosterneuburg, wo 
er den Klosternamen A q u i 1 i n annahm, 1809 
Pfarrer war. ein paar Jahre spater aber starb. 
— Nagler aber fiihrt noch einen Franz von 
Haber mann, Schlachtenmaler in Wien, auf 
welche Angabe die Wiener Ausstellungs-Kata» 
loge der Jahre 1828 und 1833 bestatigen; denn 
im erlern Jahre waren von ihm ausgestellt eine 
„Huszaren «Patrouille, welche bei 
einem Iager-Piket Halt macht" — und 
„Plankelnde Huszaren"; — im letztern: 
„Die SchlachtvonsurAube" . I n spateren 
Ausstellungen erscheinen seine Bilder nicht mehr. 
Halicher, Sebastian (Bildhauer, geb . 
zu Haid, Landgericht Nauders in Tirol, im 
ersten Iahrzehend dieses Jahrhunderts ) . 
Zeigte in friiher Jugend eine groBe Be» 
gabung fur die Kunst, insbesondere fur 
plastische Arbeiten. Lange Zeit arbeitete 
er ohne Lehrmeister, bis er aufmerksam 
gemacht wurde, sich urn ein landschaf tliches 
Stipendium zu bewerben. Diesem Rathe 
folgend, bat er 4828 urn ein solches; 
als Beweis seiner Fahigkeit zur Bild« 
Hauerei legte er ein in Holz geschnitztes 
Basrelief vor, welches die inwendige An» 
ficht der Hofkirche zu Innsbruck vorstellt, 
und mit ungewohnlichem Fleifie gearbeitet 
ist. Ob seine Bitte erfiillt und dem stre« 
benden Kiinstler dadurch Gelegenheit ge» 
boten worden, sein schones Talent kunst« 
gemaB zu entwickeln, dariiber ist nichts 
Naheres bekannt . Seine niedlichen Arbeiten, 
Crucifixe, Figuren, Basreliefs u. dgl . 
m., finden sich hie und da zerstreut im 
Privatbesit ze vor. 

Tirolischcs Kiinstler-Zcrikon oder: Kurze Leoensbe« 
schreibung jener Kiinstler, welche gcborne Tiroler 
warm, oder eine langere Zeit in Tirol sich auf» 
gehalten haben. Von einem Verehrer der Kiinste 
(Jacob von Iemmen) . (Innsbruck 1830, Fol. 
Rauch) S. 83. - Nagler (G. K. I)r.), 
Neues allgemeines Kunstler»Lerikon, oder Nach' 
richten von dem Leben und dem Wirken der 
Maler, Bildhauer u. s. w. (Miinchen, E. A. 
Fleischmann 1837, 8.), Bd. V, S . 483. 
Habrich, Alexius (gelehrter Benedictiner , 
geb. zu Busan in Mahren 

26. Juli 1736, gest. 27. Marz 1794). Trat 
nach beendeten philosophischen Studien^ 
Haksburg 119 Habsburg 

in das mahrische Benedictiner-Stif t Ray» 
gern, und legte am 1 . Janner 1738 das 
Ordensgeliibde ab . 1766 vertrat er die 
Chorregensstelle an der Kirche des Stiftes, 

Seite 174 



Wurzbach0 6 . txt 
weil er selbst ein tuchtiger Musiker war, 
und auch rnehreres componirt hatte. Bei 
seiner Neigung fur die Wissenschaf ten be» 
trieb er unter Leitung seines gelehrten 
Abtes Bonaventura Fitter das Studium 
der Diplomatik und Geschichte. Durch 
feine musikalischen Kenntnisse hatte er 
einen GaBmann, Diwisch, B r i r i , 
Paster Witz, durch seine historischen Forschungen 
einen Dobner, Dobrowsky, 

C e r r o n i , Pelzet, Wokaun u. A. zu 
Freunden gewonnen, und unterhielt mit 
ihnen einen kritisch - literarischen Brief» 
Wechsel. Er starb als Prior seines Ordens 
im Alter von 38 Jahren. Auf Cerroni's 
Zureden gab er aus den Originalquellen 
und Handschrif ten des Stiftes Raygein 
heraus: ^u^a A /m A svH Hlo A av A as" 
(Lrunn 1781); auch war er ein thatiger 
Mitarb eiter anPitter ' s : „ Non astioon. 
Oesterr. National ' Encyklopadie von Czikann 
und Graffer. Bd. I I , S . 460. - Dlabacz 
(Gottfried Ioh.), Allgem. historisches Kiinstler« 
Lexikon fur Bohmen ... (Prag 1813, Haase, 4°.) 
Bd. I , Sp . 538 j^nach diesem starb er im November 
1794) . 

Bllbslurg, das erlauchte Fiirstengeschlecht , 
geaoawgie. Es ist von alien 

europaischen Fiirstenhausern das wichtigste, 
sowohl durch die Menge edler und 
gewaltiger Personlichkeiten, die es in die 
Geschichte gestellt, als durch den Ein« 
fiuB, den es auf die Geschicke eines 
groBen Theiles der Volker Europa's 
geiibt hat. Von einer bescheidenen Hausmacht 
hat es im Laufe der Jahrhun» 

derte sich zur Weltmacht empor geschwungen, 
und durch Thatkraft, Heirathen 
und Erbschaften einen Kranz von 
Kronen erworben, wie ihn kein zweites 
Fiirstenhaus aufzuweisen hat. Unter sei« 
nem Aar versammelt es drei groBe Vol. 
kerfamilien: Germanen, Slaven, Roma« 
nen, den in der Mitte Europa's fur sich 
allein dastehenden Volks stamm der Magyaren 
und noch sonst Volker des indi» 
schen, semitischen, kaukasischen und tata» 
rifchen Stammes, welche alle zusammen 
einen gewaltigen Ring bilden, und durch 
ihre Lage in der Mitte Europa's nach 
alien Seiten dieses Welttheiles ihre Ge> 
schichte mit jener der nachsten und entfernteren 
Nachbaren verflechten. Die fol» 
gende Darstellung kann nur die Ergebniffe 
langst abgeschlossener Forschungen 
enthalten, und dem Zwecke und Charakter 
dieses Lexikons getreu, dieselben in ein 
gedrangtes Bild zusammenf assen . Sie 
weicht nur in dem Einen von dem bis» 
herigen Plane dieses Werkes ab, daB darin 
auf die Tage des Ursprunges dieses Fii> 
stengeschlechtes zuriickgegangen, und fich 
nicht auf den Zeitraum eines Iahrhun« 
derts, wie es des Lexikons Titel andeutet, 

Seite 175 



Wurzbach0 6 . txt 
beschrankt, sondern iiber alle Jahrhunderte 
ausgedehnt wird, in denen die Habslmrger 
in der Geschichte auftraten. Jedoch 
auch hier wird wieder der chronologische 
und bibliographische Quellennachweis als 
Hauptzweck f estgehalten; denn die Ge« 
schichte eines Furstengeschlechtes, iiber 
welches ganze Bibliotheken geschrieben 
wurden, wie es die folgende Darstellung 
beweist, laflt sich nicht in den Rahmen 
weniger Seiten eines Handbuches bannen, 
dessen Hauptaufgabe darin besteht, kurze, 
jedoch f estgestellte Daten zu geben, oder 
die Quellen anzudeuten, welche reicheres 
Materiale fur den Forscher enthalten. — 
Der Ursprung des Geschlechtes der Habsburger 
— so weit er urkundlich darge» 
than ist, reicht in das siebente Iahrhun» 
dert zuriick. Ethiko, urn 666 Herzog des£ 
Habsburg 120 Habsburg 
Elsafies, wird als Stammvater dieses 
Geschlechtes bezeichnet. Ethiko selbst soil 
nach Schopflin von den alten Guelfen 
abstammen. Sein Sohn Ethiko H. besaB 
bereits ausgedehnte Besitzungen im 
Elsaft, Breisgau und in der Ortenau. 
Dieses Gebiet, anfanglich unter frankischer 
Oberhoheit stehend, und zu Austrafien gehorig, 
erscheint schon im siebenten Jahr 
hundert selbststandig unter eigenen Herzogen. 
Ethiko (gest. 690) besaB eine 
blindgeborne Tochter Odilia, welche in 
der Taufe sehend geworden sein soil. Nach 
dem Namen seiner Tochter und fur die» 
selbe stiftete Ethiko im hohen Alter 
neben seiner Veste Hohenburg das gleich» 
namige Frauenkloster . I n den mitEthiko 
beginnenden Geschlechts-Registern bis in 
die Mitte des zehnten Jahrhunderts er» 
scheinen bei den einzelnen Geschichtsf orschern 
viele Abweichungen, welche in Einklang 
zu bringen der Wissenschaft bisher 
nicht gelingen wollte. Jeder derselben, 
Eccard. Herrgott , Schopflin stellt 
seine Genealogie nach Urkunden her; da 
Schopflin aber nebst den Urkunden 
seiner Vorganger noch viele andere benutzen 
konnte, welche den beiden anderen 
nicht bekannt gewesen, so hat er die groftte 
Wahrscheinlichkeitf iir sich. Ethiko hinter« 
lieB zwei Sonne: Adclbert und Ethiko II.; 
ein dritter, Hugo I., welcher vor dem 
Vater starb, ist Stammvater eines graf» 
lichen Geschlechtes im ElsaB, das schon 
urn die Mitte des achten Jahrhunderts 
verschwindet . Von Adelbert werden 
dieHabsburger undZahringer , von 
Eth ik o 1 1 . dieHerzogevon3oth ringen 
abgeleitet. Adelbert wurde von Konig 
Theodorich III. noch bei Lebzeiten 
Ethiko 's I. zum Graf en des untern 
Elsafles oder Nordgaues ernannt. Nach 
seines Vaters Tode folgte er als Herzog A 
des ElsaBes, und erscheint als Stifter! 

Seite 176 



Wurzbach0 6 . txt 
mehrerer Kloster. Er starb zwischen 720 — 
723. Er hinterlieB drei Sohne: Uuitf tidl . , 
Masdi Eberhardi und fiinf Tochter: 
Eugenia, Aebtissin zuHohenberg; ANala, 
Aebtissin zu St. Stephan; Gundelindis A 
Aebtissin zu Niedermunster , Kntgarais 
und Savina. Kntfrid pflanzt das Ge« 
schlecht fort. Die Descendenz Maso's 
und Eberhard's verschwindet bereits 
in ihren Sohnen. L u i t f r id folgt dem 
Vater als Herzog und stirbt urn 780. Mit 
ihm hort die herzogliche Wiirde im ElsaB 
auf; das Land behielt den Namen eines 
Herzogthums, seine Fiirsten werden aber 
nunmehr nur Graf en genannt . Man 
bringt die Aufhebung dieser Wiirde mit 
der Abschaffung der Alemanischen Herzoge 
iiberhaupt in Einklang, und findet den 
Grund dazu in dem Systeme der Karo» 
Unger, die Groflen zu schwachen, wozu 
ihnen auch als eines der Mittel die Be« 
raubung ihrer Titel diente. Auf Luit . ' 
f r i d 1 . , den letzten Herzog aus Ethiko's 
Hause, folgte sein Sohn Kuitsrid II. als 
Graf vom ElsaB; dieser starb urn 800, 
mit Hinterlassung zweier Sohne: Ucutard 
und Hugo I I . und einer Tochter KMa, 
Aebtissin von St. Stephan. Leutard — 
gest. urn 830 — hatte einen Sohn, den 
beriihmten Gerhard von RoMon, Grafen 
von Paris. Graf Hugo II.— gest. 837— 
pflanzte das Geschlecht fort; er hatte drei 
Sohne: Ktitsrid III., Adclard und Hugo, 
und zwei Tochter: Ermmgarow' 1 Gemalin 
des Kaisers Lothar II., und Adelheid. 
Hugo starb als Knabe, Adelard wahr» 
scheinlich kinderlos; Graf Luitfridlll 
gest. 864, hinterlieB zwei Sohne: Hugo 
III., welcher urn 880 kinderlos starb, 
und Kuidsrid IV., welcher seinem Vater 
n den Besitzungen folgte. Luitfrid IV. 
hatte drei Sohne: Hunfrid' 1 Graf im 
Nordgau, Lmtfria V., Graf im Sund» 
gau, und Hugo IV., Graf zu Egisheim.^ 
Zabsburg Habsburg 

L u i t f r id V. nahm923 an dem Kampfi 
Theil, in welchem das Land gegen den Ein» 
fall der Nngarn vertheidigt wurde. Von 
seinen zwei Sohnen: Auitfrid VI. und Guntram A 
folgte ihm der Erstere und erschein 
noch im Jahre 977 in einer Urkunde . Mi 
seinem Sohne Uuitf rid VII., Grafen im 
Sundgau und Nordgau, verschwindet der 
Name Luitfrid ganz, und Schopf» 
1 i n vermuthet, er sei der einzige mann 
liche Nachkomme Luitfrid 's VI. ge> 
wesen. Der Umstand, daB Enkel seines 
Oheims Guntr am als Besitzer der Giiter 
und wahrscheinlich auch der Grafschaft 
nach dem Jahre 1000 erscheinen, bestarkt 
Schopflin in seiner Ansicht. Von dw 
sem Guntr am, mit dem Beinamen der 
Reiche, zweitem Sohne Luitfrid' s V. 
und Bruder Luitfrid'sVI., laBt sich 

Seite 177 



Wurzbach0 6 . txt 
nun das Habsburgische Geschlecht mit 
Gewiftheit ableiten. Die bisher dargb 
stellte Periode macht nur auf Wahrfcheiw 
lichkeit Anspruch. ''Vergleiche zur leichteren 
Uebersicht die Stammtafel A — 
Mit Guntram beginnen die 
I ' uu . aa . tionis Nonkstsrii 
welche eine Hauptquelle zur Geschichte 
der Habsburger bilden, und in Verbin» 
dung mit Urkunden helleres Licht liber 
dieselbe verbreiten. Guntram war ein 
gewaltiger Herr; er hatte der Schlacht bei 
Merseburg beigewohnt, und spater, wahrscheinlich 
durch Theilnahme an der Auflehnung 
des Herzogs Ludolph gegen 

seinen Vater Kaiser t t o 1 . (933und984) . 
sich die Reichsacht und den Verlust seiner 
Besitzungen im Breisgau und im ElsaB 
zugezogen. Nur die Altenburg bei 
Windisch, welche im burgundischen 
Konigreiche lag, blieb ihm, und durch die 
Giiter zu Wolen an der ReuB ver» 
mehrte er sein Befitzthum. Dasselbe ver» 
mehrte auch sein Sohn Kanzelmus nach 
Anderen Uantoldus, gest. 990. Kanzelinus 
hatte sechs Sonne: Wernher I., 
Bischof von StraBburg, gest. 1028; Nadeboto, 
Graf im Klekgau (Klettgau) , gest. 
1027; Nudolph 1., Janzelinus A Birctilo 
oder Berchtold, Graf im Breisgau und 
Stammvater derZahringer , und Gebehard. 
Andiese kamen auch die Stammguter, 
Lehen und Grafschaft Sundgau von Luitf 
r id VII., dem letzten Grafen von Sundgau. 
Das Dunkel, welches iiber den S6h« 
nen des Kanzelinus zum Theil noch 
nicht aufgehellt ist, bezieht stch nicht auf 
Radeboto und Rudolphl., die als 
seine Sonne festgestellt find; ob aber 
Wernher es auch ist, an dessen Seite noch 
ein Bruder Lanzelinus genannt wird, 
ist ungewiB . Wernherl. ist Erbauer der 
Stif tskircheinStraBburg, und erscheint 
mit Radeboto 's Gemalin Ida auch als 
Stifter des KlostersMuri, dessen Schirm- 
Vogte seither die Habsburger geblieben 
find. Radeboto und Rudolph aber 
sind die Stifter des Klosters Othmarsheim. 
Von Radeboto stammen drei 
Sonne: Mo I., Adelbert I. und Wernher 
II., und eine Tochter Richenza, Gemalin 
Ulrich Grafen zu LanMrg. Wernher 
II., gest. 1096, pflanzt den Stamm 
fort, denn Otto wurde 1046 von einem 
Edelmanne ermordet, Adlbert I. fiel 
bei Hiiningen und nur Wernher H. 
erscheint als Graf von Habsburg und 
Schirmvogt des Klosters M u r i in einer 
Urkunde von wahrscheinlich 1094. W ernher 
I I . ist im Kriege zwischen Kaiser 
Heinrich IV. und dem Gegenkonig Ruolph 
eifriger Anhanger des Letztern. 
1064 lieB er das Kloster Muri weihen, 
und die Sorgfalt urn das Gotteshaus erwarb 

Seite 178 



Wurzbach0 6 . txt 
ihm den Beinamen des Frommen. 
Er hatte zwei Sonne: M a II., gest. 1111, 
und Adclbert II., gest. 1140 wahrschein, 
ich kinderlos, und eine Tochter Mda, 
Gemalin eines Grafen zu? 
Habsburg 122 Hadsbnrg 

Otto I I . hatte einen Sohn Wernher M. 
und eine TochterAdelheid) vermalt an einen 
Edlen von hnMlBMg. Wornher III., 
gest. urn daS Jahr 1163, und sein Sohn 
Adelbert 111. folgte ihm. Adelbert III., 
genannt der Re i ch e, war Menschenf reund« 
lich, mild, wohlthatig gegen Ungliickliche, 
und ein tapferer, groBherziger Krieger. Er 
focht in zwei Kreuzziigen: 1187—1.491 
und 1196—1198; nahm in den Fehden 
der GroBen im burgundischen Helvetien 
gegen BerchtoldV. von Zahringen fur 
diesen Partei; legte Stadtchen und Burg 
Waldshut am Zusammenf lufl der Aar 
und des Rheins an; vermehrte den 
habsburgischen Besitz im heutigen Can» 
ton Ziirch durch seine Heirath mit 
Ida von sisMlldoxf; erhielt vom Kaiser 
Friedrich I. die Grafschaft im Ziirch' 
gau . Adalbert nennt sich auch der 
Erste Landgraf im ElsaB; jedoch 
zogen die spateren Habsburger den Titel 
der Grafen von Habsburg jenem 
der Landgrafen im ElsaB vor; Adalbert 
III. hatte zwei Schwestern: Gertrud, 
vermalt mit Theodoxich Grafen 
von Miimpelgard, und Nicheuza' 1 vermalt 
mit Ludwig Grafen vonpfirt. Adalb ert's 
III. (gest. 1199), Sohn Nudolph II. 
folgte dem Vater; seine Tochter, deren 
Name nicht bekannt ist, war Gemalin 
eines Grafen von Lemingm. Rudolphll. 
vergroBerte die Hausmacht urn ein Ansehnliches . 
Die Unterwaldner wahlten ihn 
zum Schirmherrn auf mehrere Jahre; 
Kaiser Otto IV. ernannte ihn 1209 zum 
Landvogt iiber die drei Lande Uri, 
SchwyzundUnterwalden, dochgin» 
gen 1231 diese drei Lande in den unmit« 
telbaren Schutz des Reiches iiber. Als 
Otto, Pfalzgraf in Burgund, Kaiser 
Friedrich's I. Sohn, im Jahre 1200 
gestorben war, erhielt Rudolph die 
Grasschaft im Aar gau und die Schirm« 
vogtei iiber das Stift Seckin gen, wel« 
chem das Land Glaris unterworfen, und 
womit der Besitz der Herrschaft Laufen» 
burg verbunden war. 1207 erscheint 
Rudolph als Besitzer von Laufen« 
burg; die Kastvogtei iiber das Kloster 
Murbach im ElsaB, welchem auch der 
Miinster zu Luzern und verschiedene 
Rechte iiber die Stadt selbst angehorten, 
hatte er geerbt. Rudolph I I . hatte den 
Beinamen Placidus, und hiefl zum 
Unterschiede von seinem zweiten Sohne 
Rudolph III. auch der Aeltere; auch 
fiigte Rudolph II., der erste, seinem 

Seite 179 



Wurzbach0 6 . txt 
Titel die Formel von „Gottes Gnaden" 
bei, welche dann sein Sohn Albert gleich, 
falls annahm, und die zuerst in einer 
Urkunde des Jahres 1227 erscheint. 
Rudolph I I . hatte drei Sonne: Adalbert IV. , 
den oben erwahnten Rudolph 111., 
Wcrnhcr IV., und zwei Tochter: HeiltiVig, 
Gemalin tzm'mcmn's Grafen von H-oburg, 
und Gertrud, Gemalin Ludwig's Grafen 
von HMn'g, eines Bruders des Vorgenannten . 
Wernher IV. scheint vor 
seinem Vater gestorben zu sein. Die 
zwei alteren Briider: Adalbert IV. 
der Weise, und Rudolph III. der 
Schweigsame, theilten sich nach ihres 
Vaters Tode (1233) in die Erbschaf t . Die 
Landgraf schaf t im Elsafl blieb beiden 
Bruderngemeinschaf tlich, wurde aber dann 
nur auf die Nachkommen des altern 
Albert IV. vererbt; ferner erhielt 
Albert die im Aargau erworbenen 
Giiter, dieGraf schaf t im Aargau und 
dieAllodimim ElsaB. Nudolph III. 
hingegen erscheint als Besitzer von Lau» 
fenburg, Waldshut, Neu-Habsbiirg 
am Vierwaldstattersee und der 
Besitzungen im Klekgau. '"Vergleiche 
Stammtafel V.' 1 Mit Adalbert IV. 

und Rud o lp h I H . theilt sich der Habsburgische 
Mannsftamm in zwei Aeste.^ 
Habsburg 123 Zabsburg 

I. Der attere oder HauMamm, dessen 
Griinder Ad albert IV. ist, pflanzt 
sich bis urn die Mitte des 18. Iahrhuw 
derts fort, im Mannsstamme mit Kaift 
Karl V I . im Jahre 1740 erloschend 

II. Der zimgere oder Ha6aburg-L 

f en6urgische, von R u d o lp h IV. begriin» 

det, erlischt zum Theil schon im Anfang! 

des 13. Jahrhunderts , zum Theil dauert 

er unter verandertem Namen noch fort. 

I . Der altere oder Haugtstamm. tn 

Hauses Ha.656u.rg. 

''Vergleiche Stammtafel N — A 

Adelbert (abgekiirzt Albert) hatte 

drei Sonne und zwei, nach Anderen drei 

Tochter; die Sonne sind: Nudalph IV., 

als deutscher Kaiser RudolphI . ; Adelbert 

V., Domherr zu Basel und StraB« 

burg; und Hartmann, von dem keine 

Nachkommenschaf t erwahnt wird. Die 

Tochter sind: Elisabeth, Gemalin des 

Burggrafen von Mmberg; Kunigunde A 

Gemalin eines Edlen von Mffeuberg, in 

zweiter Ehe eines Edlen von Ochstnftin; 

die dritte ist nach Einigen Klosterfrau 

gewesen. Hier folgt nun mit Hinweisung 

auf die sechs, die Uebersicht der Abstammung 

erleichternden Stammtafeln 

N— X) nur die chronologische Reihe 

der Habsburgischen Regenten in Oesterreich, 

von denen jene, welche zugleich 

deutsche Kaiser gewesen, durch einen 

Stern (*) bezeichnet sind. ''Siehe auch 

Seite 180 



Wurzbach0 6 . txt 
die Stammtafel 1 A Aber alle geschichtlich 
d entwiirdigen Habsbur« 

ger beiderlei Geschlechts und auch die an« 
geheiratheten Furftinen des Auslandes 
erscheinen in der spater folgenden alphabetischen 
Namenreihe. Die genealogische 
Auf einanderf olge der Haupter des 
Hauptstammes , jener der 6sterreichi« 
fchen und f teirisch-tirolischen, dann 
der spanischen Nebenlinien, endlich des 
an dieGegenwart reichenden Habsburg. 
Lothring en ' schenRegentenstammes ist: 
*Rudalph IV. (geb. 1218, gest. 1291), 
Landgraf im ElsaB, als deutscher Kaiser 
(1273) Rudolph I. >Mehe diesen und 
jeden der folgenden im Alphabet der 
Namens 

"Albrecht I. (geb. 1248, gest. 1308), 
sein altester Sohn; deutscher Kaiser 1298. 
Triedrich I. der Schone, Albrecht 
I. zweiter Sohn (geb. 1291, gest. 1330), 
zum romischen Kaiser gewahlt 1314. 
Albrecht 1 1 . der Weise, auch der 
Lahme (geb. 1298, gest. 1338), Albrecht 
des I. vierter Sohn, des Vorigen 
Bruder . 

Nudolph IV. der Stifter (geb. 1339, 
gest. 1363), nach dessen Tode theilten 
sich die zwei jiingeren Bruder, Al» 
brecht III. und Leopold IH. dreimal 
(1364, 1363, 1373) in die Erblande 
und bildeten in Folge der letzten 

Theilung (1373) Ersterer A . die osterreichische, 
Letzterer V. die steirisch« 
tirolische Linie. 

. Die osterreichische Linie (Oesterreich) . 
Albrecht III. mit dem Zopfe, Albrecht 
I I . drittgebomer Sohn (geb. 
1349, gest. 1393) 

Albrecht IV. das Weltwunder, nach 
Anderen der Geduldige (geb. 1377, gest. 
1404), des Vorigen Sohn. 
"Albrecht V., des Vorigen Sohn 
b. 1397, gest. 1439), wird 1437 
Konig von Ungarn, 1438 Konig von 
Bohmen, 1438 deutscher Kaiser, als 
solcher Albrecht I I . 
Kadislaus PostHumus (geb. 1440, 

gest. 1437) . mit ihm erlischt die osterreichische 
Linie des Habsburgischen Hau» 
ses. Die Lande fallen an die fteirischi 
ro tische oder wie sie ofter heiBt 
Leopoldinische Linie. ? 
Habsburg 124 Habsburg 

v. Die steirisch-iirolische Linie (Steiermark, 
Tirol u. f. w.). A S. Stammtafel A 
Leopold III. der Gerechte oder der 
Biedere (geb. 1349, gefallen bei Sempach 
1386) . 

Wilhelm der Ehrgeizige (gest. 1406), 
des Vorigen Sohn. 

Leopold IV. der Dicke (geb. 1371, 
gest. 1411), des Vorigen Bruder. Nach 
dessen Tode theilte sich diese Linie wieder 

Seite 181 



Wurzbach0 6 . txt 
in zwei Seitenlinien (1411) : a) die 
tirolische, b) die steirische Linie. 
2) Die tirslische Linie. 
Iriedrich IV. mit der leeren Tasche 
(geb. 1382, gest. 1439), der Tirol, 
Schwaben, Elsafl und Helvetien erhielt. 
Sigmund I. (geb. 1427, gest. 1496), 
sein Sohn; mit ihm erlischt die tirolische 
Seitenlinie, die Lander fallen an Kaiser 
Marimilian I . 
b) Die fteirische Linie. 
Ernst der Eiserne (geb. 1377, gest. 
1424), erhielt in der Theilung Steiermark, 
Karnthen, Krain. 

* Iriedrich V. (geb. 1418, gest. 
1493), bald als deutscher Kaiser 
Friedrich IV., bald der I I I . , je nach« 
dem Friedrich der Schone als Kaiser 
angenommen wird oder nicht; vererbt 
alle osterreichischen Srblander vereint auf 
seinen Sohn Maximilian. 
"Maximilian I. (geb. 1489, gest. 
1319), deutscher Kaiser 1308. 
"Karl V. (geb. 1300, gest. 1538), 
deutscher Kaiser 1819. Stifter der 
habsburgischm Dynastie in Spanien: 
K a r 1 I . (als deutscher Kaiser Karl V.); 
Philipp I I . (gest. 1898); PhilippIII . 
(gest. 1621); Philipp IV. (gest. 1668); 
Karl I I . (gest. 1700), mit welchem 
die spanische Linie des Hauses Habsburg 
nach 184jahriger Dauer erlischt. j^Siehe 
Stammtafel A 

"Ferdinand I., Bruder Karls V., 
nach deffen Resignation 1836 deutscher 
Kaiser (geb. 1303, gest. 1864). Er theilt 
das Reich unter drei Sonne: «) MaxnniliaNi 
B) Jerdmand und «?) Karl. 
Maximiliam erhalt die Kaiserwurde; 
Ferdinand Tirol und die Vorlande; 
Karl Steiermark, Krain, Karnthen, Gorz. 
"Maximilian I I . (geb. 1827, gest. 
1876), deutscher Kaiser 1364. 
"Rudolph II., des Vorigen altester 
Sohn (geb. 1382, gest. 1612), deutscher 
Kaiser 1376. 

"Mathias, des Vorigen Bruder 
(geb. 1837, gest. 1619), deutscher Kaiser 
1612. 

"Jerdmand II. (geb. 1878, gest. 
1637), deutscher Kaiser 1619. Sohn 
Karl ' s , welchem in der erwahnten 
Theilung des Kaisers Ferdinand I., 
Steiermark u. f. w. zufiel. 
"Jerdmand III. (geb. 1608, gest. 
1637), deutscher Kaiser 1637. Sohn 
des Vorigen. 

"Kopold I. (geb. 1640, gest. 1703), 
zweitgeborner Sohn des Vorigen, deut» 
scher Kaiser 1688. 

"Joseph I. (geb. 1678, gest. 1711), 
altester Sohn des Vorigen, deutscher 
Kaiser 1703. 
"Karl VI. (geb. 1683, gest. 1740), 

Seite 182 



Wurzbach0 6 . txt 
Bruder des Vorigen, deutscher Kaiser 
1711. Mit Karl VI. stirbt 1740 der 
Habsburgische MannS stamm der 
deutschen Linie aus . 
Bei der oberwahnten, von Ferdi» 
nand I. vorgenommenen Theilung des 
Reiches fiel, wie gesagt, auf «) Maximilian 
die Kaiserwurde. j3) Von F er« 
dinand, welcher Tirol und die Vorlande 
erhalten hatte, kam ersteres, weil 
den Kindern aus seiner Ehe mit der 
Augsburger Patrizierstochter sthilippme 
welser kein Erbrecht zugestanden ward? 
Hllbsburg 128 Sabsbnrg 

ihnen jedoch spater (11. Februar 1363 
und 30. Marz 1870) die Vorlande ge> 
geben wurden, an seinen Neffen Kaiser 
Rudolphll . <?) Karl, welchemSteier 
mark, Karnthen, KrainundGorzzugef alien 
war, hatte sechs Sonne, von welchen der 
zweitalteste Ferdinand, spater deutscherKai 
ser und unter dem Namen der Katholische 
bekannt ist, dann Max Ernst, deutscher 
Hochmeister, Karl und Leopold, welch 
letzterer anfanglich Bischof zu Palsau 

(1397), dann zu StraBburg (1607), spater 

Tirol, und nachdem Karl von Burgau, 

des Erzherzogs Ferdinand von Tirol 

und der Philippine Welser Sohn, 

gestorben, auch die Vorlande erhielt; sein 

Sohn Icrdmand Karl folgte ihm, und als 

er 1662 starb, dessen Bruder Sigrsnmnd 

Franz, erst Bischof von Briren, Gurk, 

Augsburg und Trient, mit dessen Tode 

1663 diese jiingere tirolische Linie erlischt 

und Ferdinand I I . wieder Herr von 

Gesammt ' Oesterreich wird. 

Haosburg - Lothringen. ''Vergleiche 

Stammtafel 11. A 

Nach dem Aussterben des Habsburgischen 

Mannsstamms mit Kaiser K a r 1 V I . 

geht 1740 die Regierung der gesammten 

osterreichischen Erbstaaten an seine Tochter 

Maria Theresia (geb. 1717, gest. 1780) 

liber. Zur Sicherung ihrer Rechte und 

Festigung alter Erbf olgerechte errichtete 

K a r 1 VI . die pragmatische Sanction. 

Noch vor seinem Tode wurde Maria 

Theresia 1736 mit Franz Stephan, Her« 

zog von Lothringen, dann GroBherzog von 

Toscana, vermalt. Es folgen sich nun: 

"Iranz I. Stephan (geb. 1708, gest. 

1763), 1743 deutscher Kaiser. 

"Joseph II., des Vorigen Sohn 

(geb. 1741, gest. 1790) . 

sKopold II., Josephs I I . Bruder 

(geb. 1747, gest. 1792) . 

"Iranz I I . als deutscher Kaiser, der 

I. als Kaiser von Oesterreich (geb. 1763, 

gest. 1833) . 

Jerdmand I. (geb. 1793), Kaiser von 

Oesterreich, entsagte zu Gunsten seines 

Neffen am 2. December 1848 dem Throne. 

Iranz Joseph I., Kaiser von Oesterreich 

Seite 183 



Wurzbach0 6 . txt 
(geb. 18. August 1830) am 2. December 
1848 Kaiser von Oesterreich. 
II. Der jiingere 6tamm dos Hauses 
Habsburg k) der grasen Habsourg zu 
Lausendurg altere Niiio. '"Vergleiche 
Stammtaf el . A 

Rudolph III.. Graf zu Habsburg 
und Landgraf im ElsaB, Bruder Adel« 
berts IV. und Oheim des nachmaligen 
Kaiser Rudolph I. (IV.) A vergleiche 
Stammtafel V. A , ist der Stifter dieser 
Linie. Den Namen fiihrt sie von der 
Burg und Stadt Laufenburg am Rhein, 
die ein Lehm des Stiftes Seckingen war, 
und mit der Vogtei iiber die Stadt 
Seckingen war Rudolph III. belehnt. 
Aber weder er noch seine Nachkommen 
nennen sich Grafen von Laufenburg, 
fondern erscheinen als Grafen von Habs» 
burg, von Kyburg, von Rapperswyl. 
Nudolph III. (in der Laufenburg' ' 
schen Linie I.) war Vogt von Schwyz 
und Nnterwalden ob dem Wald, verlor 
aber diese Vogtei, da er im Kampfe des 
Kaisers Friedrich I I . mit dem Papste 
Innocenz IV., des Letztern Partei 
ergriffen hatte, und aus gleichem Grunde 
die ihm von der Kastvogtei des Klosters 
Murten verliehene Gewalt iiber 3uzem. 
Noch mehr litt Rudolph durch 
>ie Fehde mit Graf Rudolph IV. 
Kaiser Rudolph I.), welche dieser mit 
seinem Oheim ob der Theilung zwischen 
Vater und Onkel begonnen hatte; in 
welcher jedoch Rudolph III. (I.) von 
seinem Vetter G o t t f r i ed von Laufen»? 
Habsdurg 126 Zabsburg 
burg wirksam unterstiitzt wurde. Ru 
dolph III. war mit Gertrud von Aegens 
oerg vermalt, die ihm auf der Vefte 
Laufenburg fiinf, nach Anderen sechs 
Sonne gebar: Werner, Gottsried I., 
Nudolph' 1 in der ganzen Geschlechtsf olge 
der V., in der Laufenburg ' schen Linie 
der II., Dtto, Eberhard und Hartmann. 
Werner starb kinderlos 1283; Gottfried, 
gest. 1271, pflanzte das Geschlecht 
der Iaufenburger fort; Rudolph war 
Bischof zu Constanz und starb 1293; 
Otto's Todesjahr ist nicht bekannt; 
Eberhard starb 1284; Hartmann 
ist ungewiB . Gottfried war auch Verwalter 
der Kyburg' schm Besitzungen 
im burgundischen Helvetien fur den 
minder jahrigen Grafen Hartmann 
von Kyburg. Gottfrieds Bruder 
Eberhard vermalte sich mit Anna von 
VjjBurg und wird Stammvater des Hauses 
Kyburg, oder wie es gewohnlich zum 
Unterschiede der Grafen von Laufenburg. 
die sich auch Grafen von Kyburg 
nannten, hieB : der zweiten Grafen 
von Kyburg. Gottfried I. hatte 
zwei Sonne: Rudolph III. (VI.) und 

Seite 184 



Wurzbach0 6 . txt 
Gottsried II. Dieser letztere ist der 
Stammvater des Hauses Fielding in 
England. sVergl.: Miiller (Johann 
von) , Gesch. der schweiz. Eidgenos ' 
sensch., Buch I , A . 16, Note 335. A 
Ersterer, Rudolph III., vermehrte 
seinen Besitz durch die Heirath Elisa« 
betyen ' s Graf in von Aapperswgl, verwit« 
weten Grafin von Honberg. Elisabeth 
war die Schwester Rudolph's, 
des letzten Graf en von Rapperswyl. 
Nach dessen Tod 1284 theilte Grafin 
Elisabeth ihr Erbe unter ihre zwei 
Sonne: Werner, Graf en Honberg 

(gest. 1314) . aus ihrer ersten, und 
Johann I.i Graf en von Havsourg, 
aus ihrer zweiten Ehe . Als spater die 
Familie der Honberg (1330) erlosch, 
fiel das reiche Honberg' sche Erbe den 
Habsburg ° Lauf enburgern anheim. Io» 
hann I., Graf von Habsburg, Landgraf 
im Klekgau, Graf von Rappers' 
wyl, war mit Agnes, Tochter Simons 
Landgrafen im Mder«Elsasi, vermalt; 
in den Fehden mit den Ziirchern und 
Diethelm Graf von Toggenburg 
fand er 1337 den Tod. Er hatte drei 
Sonne und eine Tochter. Erstere find: 
Johann II. i Rudolph IV. (VII.) und 
Gottsried III., und letztere: Agnes, 
Stiftsdame zu Serbingen. Durch Fehden 
und Wirren verfiel diese Lime. Johann, 
gest. 1380, und Gottfried, gest. 
1375, mufiten zum Theil ihre Giiter 
verkaufen und Rudolph, gest. 1383, 
erscheint in dem untergeordneten Ver» 
haltniffe eines osterreichischen Vogtes 
in den obern Landen. I o h ann II. hatte 
einen Sohn: Johann III., welcher 1398 
kinderlos starb. Mit Rudolph's IV. 

(VII.), Sohn Johann IV., auch der 

Jiingere genannt, erlosch (1408) der 

Mannsstamm und mit seiner Tochter 

Ursula, Gemalin des Grafen Hermann 

von 5ufz, das ganze Geschlecht. Das 

Klekgau blieb den Grafen von Sulz 

und ging bei ihrem Erloschen, 1687, 

durch die alteste Tochter des letzten 

Grafen an die Fiirsten von Schwar» 

zenberg iiber. A Vergl. Stammtafel . A 

I I . li) Der Irafen Habsburg zu Lauf enburgMgere 

Linie, auch genannt: 

die zweiten Hrafen von Ayourg. 

''Vergleiche Stammtafel . A 

EberhardI . . der vierte Sohn des 

Grafen Rudolph III., von der Laufen» 

burgischen Linie I, vermalte sich mit Anna 

vonKyburgi einer Tochter Hartm, ann ' S 

Grafen von Kyburg (gest. 1263), welche 

ihrem Gatten die Kyburg 'schm Erb»^ 

Habsburg 127 Zabsburg 

guter mitbrachte, wozu die Stadte Thun 

und Burgdorf im burgundischen Helvetien 

gehorten, und ist, wie schon bemerkt 

Seite 185 



Wurzbach0 6 . txt 
worden, Stammvater der zweiten Grafen 
von Kyburg; Eberhard I. nannte sich 
selbst einen Grafen von Habsburg und 
war Landvogt im Zurichgau. Er starb 
1284. Von seinen zwei Sohnen ist nur 
der Name des altern bekannt, der Hartmann 
I. hiefl . Die Schwester desselben, 
Margarethe warGemalinDietrich ' s Grafen 
von Cleve. Hartmannl. starb 1304, 
und hinterlieB zwei Sohne: Hartmannil, 
und Eberhard II., welche beide noch un« 
mundig waren, als ihr Vater starb, und 
deren Vormundschaft lllr i ch von Thor» 
berg fiihrte. Die Geschichte dieser zwei 
Bruder tragt ganz noch das Geprage 
jener wilden Zeit, welcher schon ein halbes 
Jahrhundert friiher ihr Ahnherr 
Kaiser Nudolph in den deutschen Lan> 
dern zum groBten Theil ein Ende gemacht 
hatte. Sie selbst befehdeten sich unaufhorlich, 
und Hart mann siel 1322 im 
Kampfe einer solchen Fehde. Eber» 
hard I I . hatte sich mit Bercljla Grafin 
von Bucyegk vermalt. I n den Fehden des 
Adels gegen Bern spielte er eine Haupt» 
rolle. Er fiihrte den Namen eines Gra> 
fen von Kyburg, mit welchem er den 
eines Landgrafen von Burgundien ver« 
band; jedoch legte er 1346 letzteres Lehen 
zuriick, und erst sein Sohn Hartmann 111. 
wurde von Oesterreich wieder damit be» 
lehnt . Als Eberhard urn 1363 starb, 
hinterlieB er vier Sohne: Hartmann HI., 
Berchtold I., Eberhard HI. und Johann . 
Von den zwei letzten war EberhardlH. 
Propf t zuSolothurn, I o h annesPropst 
zu StraBburg; Berchtold scheint kin» 
derlos gestorben zu sein, und Hart» 
mann III. versuchte den durch Krieg und 
andere Ursachen gesunkenen Glanz des 
.Hauses wieder zu heben. I n den Kampfen 
der Republik Florenz erschien auch 
er mit seinen Mannen. Mit Anna Grasin 
von Nudau vermalt, erbte er, als Anna's 
Bruder Rud olph von I n g e 1 r am von 
Coucy in einem Kampfe erschossen 
wurde, Nydau, Buren und einen Theil 
der Herrschaft Aarberg. Hartmanniil. 
starb 1377. Von seinen vier Sohnen: 
Rudolph, Hartnmnn IV., Berchtaid II. 
und Ego, warm Hartmann und 
Berchtold Ritter des deutschen Ordens, 
und starben als solche; Rud o lph, in dieser 
Linie I., in der Gesammtf amilie VHI., 
der alteste, focht anfanglich in den italienischen 
Kriegen, spater in den Kriegen mit 
Bern und Solothurn, in welchen jedoch 
die Macht der Kyburger geschwacht wurde. 
Als Rudo lph 1383 starb, warm seine 
Bruder genothiget, Burgdorf an die Berner 
zu verkaufen; Ripp, in der Nahe Solothurns, 
welches Rud olph noch von 
dem Grafen von Thier stein kauflich er» 
worben hatte, an Oesterreich zu verpfan« 

Seite 186 



Wurzbach0 6 . txt 
den, so daB ihnen nebst einigen anderen 
kleinen Besitzungen nur noch Landshut, 
und das landgrastiche Amt in Burgun« 
dien geblieben waren. Aber auch dieser 
Rest des Bef chthumes ging in den Wech» 
selfallen der Zeitereignisse dahin, und 
Graf Ego, der letzte seines Stammes, 
Rud olph's jiingster Bruder, zog in die 
Champagne, wo seine Gemalin, aus dem 
Geschlechte von Rappoltstein, einige 
Giiter besaB. Als er starb, erlosch mit ihm 
das Geschlecht der zweiten Grafen von 
Kyburg. "Vergleiche Stammtafel v. A > 
I. Zur Literatur der Geschichte des Ursprungs des 
Hauses Sabsburg bis ans Kaiser Nudolph I. 
und der sammtlichen Habsburger. slm Folgenden 
werden nur die allgemeinen Quellen und 
von diesen bei der Fiille des Materiales insbesondere 
die wi6) tigsten alteren Quellenwerke angegeben 
werden. Bei neueren Werken ist wesentlich 
das Moment ihrer Wichtigkeit und ihres histori' 
schen Werthes maBgebend, der mit Gewissenhaf tigkeit 
beriicksichtigt und wobei das Unbrauchbare als^ 
Habsburg 128 Habsburg 

solches bezeichnet wird. I m Uebrigen wird auf die 
reiche Literatur Nr. 1—138 im weiter unten 
angefuhrten Werke von Schmit v. T a v e r a : 
Bibliographie zur Geschichte des osterr. Kaiserstaates , 
gewiesen. Die Literatur iiber die einzelnenHabsburger 
wird bei jeder betreffenden Bio> 

graphie mitgetheilt . ) — Allgemeine Quellen: 
Binder (W. Prof. Dr.) . Neue Untersuchungen 
iiber die Urgeschichte des Hauses 

Habsburg, im „Archiv fur Geschichte, Genealogie. 
Diplomat«. . . " (Stuttgart 1846). - 
. U8HU.6 asmouLtratas . . . (I "Mae 
1721, A . A rleai-. <316ait50 A iii . , I'oi., mit 
A . X . ) Enthalt die A .ota KurOU8i3. und andere 
wichtige Urkunden; ist gegen Vignier ' s OriF. 
tamil. A .iskt. gerichtet. Eccard wurde dafiir in 
den Adelstand erhoben A . — Fugger (Hanns Ja« 
cob von) , Spiegel der Ehren des ErzHauses 
Oesterreich, durch Sigm. von Bircken (Niirw 
berg 1668, Fol., mit vielen K. K. kl. Fol.). l A In 
solchem Grade epitomirt, interpolirt und modernisirt, 
daB es der Urschrift nicht mehr ahnlich 
sieht. I n Wien. Dresden, Miinchen und der 
Schweiz finden sich schone und mit vielen Gemalden 
gezierte Mss. des gcmzenWerkes . Vergl. 
Gotze: Merkwiirdig!, der Dresdner Bibl. I , 
23. — Canzler's und Mei Bner's Quartalschrif t 
Jahrg. I , Stuck 3, S . 24; Jahrg. Ill, 
Stuck 7, S . 33 not. — A r e t i n : Beitrage zur 
Literatur Theil I , Abthlg.4. S.49 u. f . ; Mthlg. 
5. S . 92; Theil H I in den Zusahen. - Z a p f : 
literarische Reise, S. 46. Mochte doch dieser 
schatzbare Chronist vollstandig und in seiner 
alterthumlichen, nichts weniger als ungenieBbaren 
Gestalt unter uns auftreten konnen (Ebert, 
Bibl. Lexikon Nr. 7996).) - A ss?> 5Ku- 
Hienus A , A Q0UM1112 Nlureusis aLQuaawL 
et aa loeuni 5uum i-estitutus, ssu aeta 
lllnaationis Vrineixalis W0Q2 . 5t . A luronLiI 
asnuo OXkiuinata st auotori Luo 2,cl811ri- 

Seite 187 



Wurzbach0 6 . txt 
Vto ("ridni-si LrisB. 1735, 4°.) sgegen die 
welter unten genannte Schrift von dem Abte 
Fridolin Kopp gerichtet". — A e 
i-Fio2,6 6to. (ViuaohonQs 1737 
et 1738, I'ol.) 2 Theile in 3 Banden. Dazu 
gehoren: klounmkmta, ausUZtas aomus A .u- 

— t om . I I , 1 » . 1 , 2 : 

i 1732/33) - toin. I I I , p. 

1, 2: 

A t . A srbsitrliu eai 

— tarn . IV, x . 1 , 2 : 
1773) 

1772) Zusammen 7 Bande, mit vielen K. K. Fol. 

— Herzog (Johann Ferdinand), Ahnen Sr. 
Majestat des gegenwartig regierenden Kaisers 
von Oesterreich, Ferdinand I., in 33 Stammtafeln 

(Wien 1839. gr. Quer-Fol. . 21 Bogen) . 

l^Vergl. wegen des Nachweises der Unrichtigkeiten 

die Anzeige von 3. Fiirst edler im „Zu» 

schauer" von S. Ebers berg 1839, Bd. Ill, 

S. 839. A — Hormayr (Joseph Freih. von), 

Oesterreich : scher Plutarch oder Leben und Bildnisse 

aller Regenten und der beruhmtesten Feldherren, 

Staatsmanner, Gelehrten und Kijnstler 

(Wien 1807-1814. 30.) XX Theile sim Buch« 
Handel bereits vergriffen, ein wortlicher Abdruck 
ist enthalten in der „Austria. osterr. Universal« 
Kalender" (Wien. bei Klang. gr. 8") X I V— 
XVII. Jahrgang (1833-1836); die erste Ab» 
theilung des Plutarch enthalt die Biographien 
der Regenten, die zweite jene der Feldherren, 
Staatsmanner, Gelehrten und Kiinstlers. — 
Hiidner (Johann) , Genealogische Tabellen, 
nebst denen darzu gehorigen genealogischen Fra» 
gen zur Erlauterung der politischen Historie, mit 
sonocrbahrem FleiBe zusammen getragen und 
vom Anfange bis auf diesen Tag continuirt. 

(Leipzig 1719, I . Fr. Gleditsch' Sohn, Querckl. 
Fol.), Bd. I-IV. auch Leipzig 1736-1769 und 
die Supplemente dazu I— VI (von Sophie. 
Konigin von Danemark) , Kopenhagen 1822—25, 
, Vinot 
contra 
), 

gr . Fol. , 6 Hefte. - 75 
aioiao aatoi-um KQn- (m 
rsv. a. p. Kla.rqua.rH 
aiploin. A uKU8t . saut. Na.I)51). 

oto. ete. ("lonaolii I A Iui'0Q8i8 1730, Text 320 
Seiten und die A .ota. tunaa.tioni3 98 Seiten 4«. 
mit 2 K. K.). - X o A 5 A >lAott A , Ni>i2tolH 
arnioi aa a.uiieuin Lui>or A raotouLa clenuaations 
anou A mi A lursnsiZ (n. I. ot a. sl733) 
10 8. 40.) . s A Eme uorlaufige sehr heftige Antwort 
Kopp ' s auf das oben angegebene Werk von 
aatus; vergl. auch unten I . B. W i e land.) 

— Da21«H A >Vo?/La?l<? A A Ooinmentg. rioi 'Uln. 

iQ Koiion . loFill . ili A . Uiitriaoairi libri cluo . . . 
sas per 80. A orinum ot I A io. N A isao» 
1564, I'oi.) . IMird durch die spateren 
Forschungen von Herrgott , Kopp, Eccard 
geradezu iiberf liissig. ) — Lichn wski (E. M., 
Furst), Geschichte des Hauses Habsburg; 8 Theile 
(Wien 1836-1844. Schaumburg <K- Comp., 

Seite 188 



Wurzbach0 6 . txt 
gr . 8 . , mit K. K. ) . -? 
Habsburg 429 Habsburg 

in Qottkriao auos Xlsuig . nQi2 , o Vral>.-vO N i 1 - 
assaraaO eo^ugis OaroU A la A ni LNdZistentos 
sxdibons . 0. A 7. Vsn. 8g,c. «lndil. 8. 
! ?auli in v A IIy H,g.van,twa. Oarwtni2.o 1816 
I>ua. A 6 i ) s r (lci A snkurt 1350, 
i>. 4 " . ) . — i- i F i n s s Hlursusis Mona,- 
torii in llsiveMa Ora. . 8. N. Leu, I.c,t2. luNAI . - 
ouis cuui bi-svi tiilli-ouioo soouU unaooimi, 
rgii (?ari8ii5) 1618, 4". auch 1625 und 
1027,4°.) z A die erste Ausgabe ist ungemein seitens 
lozill. sersnias. A .ustrias « . rolii<lu< : uni aeallata 
ex vstULtissiina, illu5triu,m comitum 
Ila . ' b8 ' bur3 6v8wiu . xro5a,x>i2. (8. 1. et k. ilia. 
lOoustan- 1594 A , 4«.) . j A Von demselben Ioh. 
Rasch erschien schon friiher in deutscher Sprache: 
,.UauL2 0L3t 6rreioli . Vou HQ^untkt, ur- 
Qraken vc>u A .Itsudui-F uua Habsdui A u. 8. 
>v." ( Ii, oi ' 5oiilz . oii Hm No6,sn5so, dsi I A eo A . 
straub v. A s. (1348) und gehdrt dazu: „(3ouncl, 
Habsi ' ' 

ol . ) . A — Roepell (Richard), Die Graf en 
von Habsburg. Abhandlung iiber Genealogie 
und Befitzthum dieses Geschlechts bis zur Thron, 
dcsteigung Rudolph ' sim Jahre 1273 (Halle 
1832. Schwetschke. 8".) A uon der Universitat in 
Halle gekrdnte Schrift) . — Soo A eT 
('ai-owrn V. gsstarum sOenixanti 1592, A Bri> 
eo! . , A ol. —auch Ha-1.1709 NenFsr 4.) u. deutsch 
von Cr. Dietz von Weidenberg (Augsburg 
1621, Schuttes, Fol.) A vergl. dariiber: Ebert, 
Bibliograph. Lexikon Nr. 19363 A . — Schmit 
Ritter v. Taoera (Carl v r . ) , Bibliographie 
zur Geschichte des osterreichischen Kaiserstaates 
(Wien 18S8 , L. W. Seidel, gr. 3«.). A Von 
dieser tiichtigen, fur Jeden, der iiber Oesterreichs 
Geschichte die reichen Quellen kennen lernen 
will, unerlafllichen bibliographischen Arbeit, der 
wir aus ganzem Herzen den Fortgang und die 
Vollendung, aber auch v i e 1 weniger Druck« 
fehler wiinschen, sind bisher zwei Hefte erschienen, 
von denen das Heft I die Geschichte des Hauses 
Habsburg bis zum Tode Maximilian's, 
Heft I I die Geschichte Karl ' s V . und Ferdi« 
na nd's I . umf aBt . Provisorische Namenregister 
erleichtern ungemein die Beniitzung beider Hefte» 
wovon das erste die Quellennummern 1—1032, 
das zweite 1033—2449 in chronologischer Folge 
v. Wurzbach, biogr. Lexikon. V I . 
die einzelnen Fiirsten aus dem Hause Habsburg 
auf f iihrt . Urn das Werk nicht immer mit dem 
ganzen Titel citiren zu muffen, wird sich in 
spateren Fallen folgender Abkiirzung: „Schmit 
von TaVera, Bibliographie zur Geschichte 
Oesterreichs", der die betreffenden Quellennummern 
beigefiigt sind, bedient werden.) — 
as xrima s . 6oiuu8 
in 

(I"da,oi LUiuxt . st t"i». 8. ?. Na A i- Q. Okr. 
1680 anno A emonas oona. 2803, Pol.) A enthalt 
20 verschiedene Ansichten iiber den Ursprung 
des Hauses Habsburg nebst deren Kritik; wegen 
des reichen Materiales brauchbar A . — Ickoex»/- 

Seite 189 



Wurzbach0 6 . txt 
gia, in dessen „ A Isatig. Nlu5ti-2, tl> . " (Oolinal 
1761) Da. I , 8.753 u. VS. 11,8. 460 A bespricht 
die alteren Werke von V i g n i e r , Eccard. 
Herrgottu. A.).- I'He A Ai A Domwi? A 
Ori A o st <3 6Q62 , Iogia . 3wrio2i55imoluui oo> 
mituN, iio HadLonrF, mo22.Ltyrii A Iu.rbN8i5, 
oi-aiuis 8. Vsuealoti in Hslveti», lunaHtorum 
oto. (OonLtHnt. 1631, auch Muri 1702, 

80.). A Dasselbe spater u. d. Tit.: Domwi> 

CU5 HIursQsis: Oi'iBo et t3sQb2 . ! oBia, ooml» 
win as Ua.b2our3 (Vratisl. 1713, 8<>.) . A — 
A 'sillTts l A o A . Fa?t. A , VwaioiHb viuaioiHrum 
I' s o' s V' s ' s ' s uiu s.2 V A a A as etiain acto» 
ruiQ KIurouLium aavsrLUL a. i>. NuLtonuui 
User NioUotkse. 8. VIa§. Kgoi-Q' s t' s s (Klo- 
Q3,eo Nnrenai "luri 1760, 4". und ebd. 1763, 
4".) . A Nur die erste Ausgabe ist unverstiimmelt , 
kam nie in den Handel und wurde gleich Anfangs 
verfolgt, daher sie hochst selten ist. Die durch 
Cartons ersetzten Stellen siehe: H a 1 1 e r , Bibl. 
der Schweiz.' Gesch. I I . 1919, 488-495.) - 
Oesterreichische Blatter fur Literatur und Kunst 
(Beilage zur amtlichen Wiener Zeitung) 1832 
Nr. 49 und 32; 1853, Nr. 2, 3,4 u. 5: „Habs« 
burgische Denkmale in Schwaben und am 
Rhein". - Dieselben, Jahrg. 1884. Nr.49u. 21. 
„Zwei habsburgische Denkmaler" und „Zwei 
habsdurgische Geschichtschreiber . P. Herrgott 
und Pr. I . E. Kopp" A beide Aufsatze auf 
Grundlage der neuesten urkundlichen Forschun» 
gen) . 

1 I . Portrate, StammschleB , M u n M , Wrust . 
«Portrate. Sacken (Ed. Freih. von Dr.), 

Die k. k. Ambraser-Sammlung beschrieben . . 

2 Thle. (Wien 1855 u. 1856, Braumuller 8.) 
A enthalt reichhaltige Mittheilungen iiber Por< 
9^ 

Habsburg 130 Habsdurg 

trate einzelner Habsburgers —Oesterreichische 

Zeitung A vorm. „Zloyd'" s Wien Fol. 1856, 

Nr. 480: „Ueber die Bildnisse des Allerh. 

Kaiserhauses im k. k. Belvedere". Von A. N. v. 

Perger. — Von den zahlreichen bilolich-genea« 

logischen Darstellungen des Kaiserhauses sind 

erwahnenswerth : „Genealogische Darstellung 

des osterreichischen Regentenhauses . Gezeichnet 

u. lithogr. von Hasselw andrer. (Wien, Pa< 

terno. gr. Qu . 4«., Royal 'Fol.) — Oesterreich ' s 

Regenten. Tableau mit Einfassung und Wappen. 

Lithogr. v o n I . N. Geiger. (Wien, Neumann 

Qu . Fol.)" Die bedeutenderen Portrate einzelner 

Habsburger werden bei den Biographien der 

Betreffenden in den Quellen angefuhrt. — 

Miinzen. Liebenau (H. v. Dr.), Die alteste 

Habsburgische Mlinze 1002—1014, im „Notizen« 

blatt der k. Akademie der Wiss." Bd. I I , S . 190. 

A Vergl. Petersburger Zeitschrift fur Miinz«, 

Siegel« und Wappenkunde . I V , 107.- „Ansicht 

Dr. B. ii. Koehnc iiber diese Miinze". A — 

StammschloB. Denkmalerdes HausesHabsbiirg 

in der Schweiz. Erstes Heft, Die Veste Habsburg 

im Aargau. Untersucht und beschrieben von 

G . H . K r i e g von Hoch f e 1 d e n , bad. GM. 

(Ziirch 4857, Meyer und Zeller. 4«.) . Sonderabdruck 

Seite 190 



Wurzbach0 6 . txt 
aus den „Mittheilungen der antiquari« 
schen Gesellschaft in Ziirch" . Bd. X I , Heft 6. 
S. 105— 136b. A Diese sehr interessante und reich 
illustrirte Abhandlung enthalt eine Abbildung 
der Burg, den GrundriB und Durchschnitt der 
Habsburg, ein Situationskartchen, 9 in den Text 
gedruckte Abbildungen einzelner Bauwerke und 
ein f acsimilirtes Blatt mit dem Titel: „Contra« 
factur des furstlichen Hauses Habsburg, wie es 
noch diserZeittinwasen ( 1 620 ) . " A -Segesser 

(Ios. PI.) . Die Ueberreste der neuen Habsburg 
am Luzerner-See, geogr., histor. und architektonisch 
erortert, im „Gcschichtf reund der funf Orte". 
XII, 182-195. - Gruft. <36,-56,-i ' s H5a>- 
ilNUHt), Ds ti-1 IQlila, ti3 Habadurso-' s UZtrin . - 
eoruui Irlulli^uin soi-um A us oouiuFuin oa,cl2,- 
veridue ex secluiiin. catdsarM L^aileouLi 6t 
monastsrio koLni^voiHsuLi in Hoivsti«. aa 
eonaltoriuni novum, 8 . Llat>ii In iiilva nixra 

(1?7I>. 8- ViH5i2ni5 1772, 5ol . , mit K.K.). - 
Die Kaisergruft bei den P. P. Kapuzinern in 
Wien. Ein historisch-chronologisches VerzeichniB 
aller daselbst ruhenden hochsten Personen bis auf 
die heutige Zeit. Von einem Priester aus dem 
Kapuziner-Orden (Wien 1857, Anton Schweiger. 
31S.. eine spatere Aufl. ebd. 1859.29 S. 8«.). 
I^Die Zahl der in der Gruft Beigesetzten betragt 
96. Die letzte Leiche (bis April 1860) ist 
die der Erzherzogin Maria Anna, Tochter 
Sr. Majestat des Kaisers Franz . geb . 8. Juni 
1804. gest. 28. Dec. 1858. Seit M a t h i a s 
und Anna, den Stiftern der Kaisergruft 

(1622), ruhen — mit Ausnahme des Kaisers 
Ferd in a n d I I . — alle Regenten hier. Kaiser 
Ferdinandll . ist zu Gratz im eigenen prachtigen 
Mausoleum beigesetzt . A — K 1 i e b er (Karl), 
Die Fiirsten-Gruf t des allerdurchlauchtigsten 
Kaiserhauses Habsburg und Habsburg-Lothringen 

(Wien 1856, Auer. Lex. 8".. mit 1 Lith.). 
— Schimmer (Karl August), Die Ruhestatten 
der osterreichischen Fiirsten aus dem Babenberg'- 
schen, Habsburg ' schen und Habsburg-Lothringen ' schcn 
Stamme (Wien 1841, auf Kosten des 
Verfassers, bei I . P. Sollinger, 8".) . — 
H o r m a y r (Ios. Freih. v.), Wien, seine Geschicke 
und seine Denkwiirdigkeiten (Wien 1823, 
Frz. Harter, 8«.) I I . Jahrg. 1. Bd. 2. Heft. 
"Dieses und das friihere (1.) Heft enthalten 
die Beschreibung des Stephansdoms , das zweite, 
S. 17—40, berichtet iiber die daselbst befindlichen 
Fiirstengraber . ) A Abendblatt der Wiener 
Zeitung 1836. Nr. 25 u. f.: „Das Herz 
Konig Rudolph's I . und die Habsburger- 
Gruft zu Tuln, von v i ' . Hermann Meyner 
t" "erschien auch spater besonders gedruckt 
unter obigem Titel (Wien 1856, Wallishausser ) . 
Diese Schrift war Gegenstand einer 

heftigen Controverse, welche zwischen dem Verfasser 
und dem im geh. Haus-, Hof- und Staats« 
archiiie angestellten, bereits verstorbenen HeB in 
den „Oesterr. Blattern fur Literatur und Kunst" 
1856 gefiihrt wurde A . — Abendblatt der Wiener 
Zeitung 1856, Nr. 142: „Nachtrag zu den letzten 
Schicksalen der Habsburger Gruft zu Tuln und 

Seite 191 



Wurzbach0 6 . txt 
ihrer Reliquien, von I)i>. Hcrm. Meyncrt " 
A Erganzung eines Aufsatzes in den „Oesterr. 
Blattern fur Literatur und Kunst" 1856. Nr. 26 A . 
— Hormayr, Archio fur Geographie, Historie, 
Staats' und Kriegskunst. (Wien, StrauB 
4".) Iahrgg. I X (1818). Nr. 69-74, S. 27<) 
u. f.: „Die Gruft der Habsburger zu St. Paul 
in Karnthen" von Leop. S cheichen berger. 
— Wiener Kirchcnzeitung, herausg. uon Seb, 
B r u n n er, 1856, Nr. 35, S. 433: „St. Paul. 
Bcncdictinerstif t im Lavantthale Karnthen A Be< 
richtigung eines Artikels in Nr. 52 desselben 
Blattes, betreffend die in der Gruft zu S t . Paul 
ruhenden Glieder des Habsburgischen Hauses. 
Daselbst sind 13 Habsburger beigeset zt A . — Unser 
Planet (Leipz. Unterhaltunasblatt , 4«.) 1836. 
S. 979 und 983: „Das Grabmal der Habsburger 
in der Klosterkirche zu Konigsf eloen" 
A eine ausfiihrliche Beschreibung der Gruft, der 
in ihr enthaltenen Sarge mit Angabe ihrer^ 
Habsburg 13! Habsburg 

Maaflen und Auf schriften A . — Wiener Iahl 
biicher der Literatur 1827, Bd. 36, 
zeige-Blatt: „Die Familiengruft der Herzog, 
von Lothringen" . — Auch sind einzelne Fc 
milienglieder des Hauses Habsburg zu Secka' 
in Steiermark und in Wiener Neustadt bl 
graben . 

III. Titel und Wappen. Es ist althergebracht , 
Uebung, daB bei Gelegenheit eines Thronwechsels 
in der Allerhochsten Person des Monarchei 
in Oesterreich eine erneuerte Sanctionirung dei 
Allerh. Titel und Wappen stattfinde. Die letzt« 
Feststellung Beider fand im Jahre 1836 bei de : 
Thronbesteigung S r . Majestat des Kaisers Ferd 
i n and Statt. Seit der Zeit sind nur di, 
nothigsten Erganzungen vorgenommen, und da 
noch kein Ma jestatssiegel mit dem grofien Wappen 
festgesetzt ward, sich des bisherigen Siegels mi 
dem mittlern Wappen bedient worden. Die im 
Jahre 1849 begonnene Regulirung der Titel und 
Wappen nach Maftgabe der veranderten innern 
Gestaltung des Reiches kann erst mit Been« 
dung der Staatseinrichtungen geschlossen werden. 
Was also hier unten mitgetheilt wird, 
stiitzt sich auf die Angaben des seit Jahrhunderten 
Bestehenden, wobei die eventuellen Aenderungen 
nur angedeutet werden. H, ) Titel. Es 

gibt drei Titel: den vollen, mittleren und 
engen, und drei Wappen: das groBe, mittlere 
und kleine, t . Der voile Wdajestats- 
Titel, der gegenwartig noch nicht festgestellt 
ist, wiirde nach Mafigabe des bisher gebrauchten, 
und der borgekommenen Veranderungen folgende 
Momente enthalten A die eigentlichen Ver> 
anderungen sind, u. z. die Zusatze durch fette 
Schrift, die veranderte Stellung durch * kennt ' 
lich gemacht) und etwa lauten-. „Kaiser von 
Oesterreich; Konig von Ungarn, Bohmen, der 
Lombardie und Venedigs, von Dalmatien, Croa» 
tien, Slawonien, Galizien und Lodomerien; 
Konig von Illyrien und Jerusalem; Erzherzog 
von Oesterreich; GroBherzog von Toskana und 
Krakau; Herzog von Lothringen, Steyer, Karn« 

Seite 192 



Wurzbach0 6 . txt 
then, Krain und * Salzburg; GroBfurst von 
Siebenbtirgen; Markgraf von Mahren; Herzog 
von Ober» und Nieder-Schlesien und der * Bukowina, 
von Modena, Parma, Piaccnza und 

Guastalla, von Auschwitz und Zator, von Teschen, 
Friaul, Ragusa und Zara; gefursteter Graf von 
Habsburg und Kybmg, von Tirol, Gorz und 
Gradiska; * GroBwojwod der serbischen Wo j wodschaf t; 
Furst von*Trient und Briren; Mark» 

graf von Ober- und Nieder->3ausitz und in Istrien; 
Graf von Hohenembs, Felokirch, Bregenz, Son«, 
nenberg und V 1 u d e n z ; Her« der Wditttargrenzlande, 
des Temeser Banates, von Trieft, 
Cattaro, Fiume und auf der windischen Mark." 
I n vorstehender Aufzahlung ist die Aufeinander» 
folge der einzelnen Titel nach der hierarchischen Bedeutung 
geordnet . Neu hinzugeftigt sind: Herr 
der Militargrenzlande, von Fimne und Graf 
von Bludenz. Der Titel: GroBwojwod der serbischen 
Wo jwodschaf t , ist vor den Ftirstentitel 
von Trient und Briren, und die Titel von Salzburg 
und Bukowina sind an entsprechender 
Stelle eingereiht worden. — 2 . Der mittlere 
Titel : „Kaiser von Oesterreich; Konig von 
Ungarn, Bohmen, der 2omvardie und Venedigs, 
von Dalmatien, Croatien, Slawonien, Galizien 
und Lodomerien; Erzherzog von Oesterreich, 
GroBherzog von Krakau; Herzog von Lothringen, 
Steyer, Kamthen, Krain und Salzburg; 
GroBfurst von Siebenbtirgen; Markgraf von 
Mahren; Herzog von Schlesien und der Buko» 
wina; gefursteter Graf von Habsburg, von Tirol 
und Vorarlberg, von Gorz und Gradiska; GroB ' 
wojwod der serbischen Wojwodschaf t; Markgraf 
in Istrien; Herr der Militargrenzlande, des Temeser 
Banates und von Trieft". I n dieser Form 
enthalt der mittlere Titel die Aufzahlung aller 
administrativen Pestandtheile der Monarchie mit 
Hinzuftigung der dynastisch-genealogischen Titeln 
vonHabsburgundLothringen .—3 .Derkleine 
Titel : „Kaiser von Oesterreich; Konig von 
Ungarn, Bohmen, der Lombardie und Venedigs, 
von Dalmatien, Croatien, Slawonien, Galizien 
und Lodamerien; Erzherzog von Oesterreich". I n 
diesem entfallt Illyrien als nicht mehr bestehen» 
des Kronland und kommen neu hinzu: Dal» 
matien, Croaiien und Slawonien, die vordem 
im Titel von Ungarn mitbegriffen waren. — 
L) Wappen. Gleichwie es drei Titel gibt, so 
bestehen auch drei Abstufungendes Wappens : 
das gro B e, gebraucht in Fallen, m denen sich deS 
vollen Titels bedient wird, das mittlere und 
das kleine, analog dem vorigen dann angewen» 
det, wenn der mittlere und engere Titel genom« 
inen werden. Auch von dem Wappen gilt 
dasselbe, was von dem Titel gilt; das groBe 
Wappen ist noch nicht f estgestellt ; zur leichteren 
Versinnlichung werden in der Wappentafel a) 
das annoch bestehende alte groBe Wappen, in 
b) und c) das groBe und mittlere, wie sie sich bei 
einer bevorstehenden Aenderung gestalten dtirf« 
ten, dargestellt. Die wesentlichen Theile des 
Wappens, namlich die Felder an und fur 
sich, bleiben in der Regel dieselben, die Drd. 

Seite 193 



Wurzbach0 6 . txt 
nung jedoch kann Aenderungen erfahren. Mit 
dem Hinblick auf die, seit dem letzten Regie» 
9*^ 

132 Habsburg 

rungswechsel nothwendig gewordenen Acnde< A 
rungen folgt hier die Beschreibung des groBen 
Wappens, und wird zur Vergleichung auf die 
Abbildung des cmnoch bestehenden in a.) und auf 
die allfalligm Veranderungen in b) gewiesen. 
Das groBe Wappen M)e, Figur d; wo 
im Texte bei den Namen des in Klammern gc< 
druckten Landes ein Stern * beigefiigt ist, so 
sind damit eventuelle Aenderungen (Besserungen 
oder Mehrungen) d eo Wappens angedeutet A : Ein 
Hauptschild auf der Brust eines zweikopfigen 
Adlers in einem goldenen Riickenschilde . Der 
Haupischild dreifach langs und eben so oft quer, 
also inneun Hauptvierungen getheilt, mit einem 
Herzschildin der mittelsten Vierung und einem 
Schild es fufte. I m dreifach langsgrtheilten 
Herzschilde, das eigentliche Wappen der regieren« 
den Dynastie Habsburg -Lothringen, 
u. z. im mittleren Schilde das osterrci' 
chische Wappen: ein silberner Querbalken im 
rochen Felde; zur Rechten das Geschlechts ' 
wappen von Habsburg: ein rother, blau 
gekronter und bemahnter Lowe im goldenen 
Felde, und zur Linken das loihringen ' sche 
Stammwappcn . - ein rechter, rother, mit drei 
gestummelten silbernen Adlern hintereinander 
belegter Schragcbalkcn im goldenen Felde. Jede 
Hauptuierung, mir Ausnahme der mittleren unten, 
ist gevieriet und davon jede der obern, so wie der 
seitwartigen unten mit einem Mittelschilde ver» 
sehen. Obere Hauptvierung rechts: Der 
Mittelschilo, auf dem die ungarische Konigskrone 
ruht, langs getheilt, zur Rechten von Noth 
und Silber, achtsach quer gestreift, und zur L in« 
ken im rothen Felde ein silbernes Patriarchen« 
kreuz, aus einer goldenen, auf einem griinen 
Dreiberge ruhenden Krone heruorwachsend (Un< 
garn) ; — oben rechts im rothen Felde ein 
geharnischter Arm mit iiber sich geschwungenem 
Sabel, aus der Theilung hervorgehend (Ram a) ; 
— 1 i n k s im silbernen Felde ein natiirlicher 
Eberkopf mit einem roth befiederten Pfeile im 
Rachen, aus dem linken Unterwinkel hervor» 
sehend (Servien) ; — unten rechts im 
goldenen Felde ein schwarzer Lowe, in den Oberwinkeln 
von einem abnehmenden rothen Monde 
und einem rothm Sterne begleitet (Cuma» 
nien) ; — links im rothen Felde drei liber 
einander laufende silberne Windhunde mit goldenen 
Halsbandern (Bulgarien) .— Obere 
Hauptuierung links : ImMittelsch ilde, 
welchen die bohmische Konigskrone ziert, ein 
gekronter doppelschwanziger silberner Lowe im 
rothen Felde (Bohmen) ; — oben rechts 
im blauen Felde ein von Gold und Roth geschachteter 
gekronter Adler (Mahren) ; — links 
im goldenen Felde ein gekronter schwarzer Adler 
mit einer silbernen Kleeblattsichrl, aus der ein 
silbernes Kreuzchcn heworgeht . auf der Brust 
(Ober-und Niedcrschlesien) ; — unten 

Seite 194 



Wurzbach0 6 . txt 
rechts im blauen Felde ein silberner Adler 

(Teschen) ; —links quer getheilt, oben das 
goldene Feld quer durchzogen von einer goldenen, 
schwarz ausgefugten Mauer mit drei Zinnen, 
unten im silbernen Felde ein rother Ochs mit 
weiBem Bauche, auf griinem Boden schreitend 

(Ober. und N ieder<L au sitz) . — Untere 
Hauptvierung rcchtS: Der Mittel» 
schild mit darauf ruhender eiserner Krone langs 
getheilt, zur Rechten im silbernen Felde eine 
sechsmal gekrummte blaue Schlange mit einem 
Kinde, dessen Arme ausgestreckt sind, im Nachen 

(Lombardie) ; — zur Linken im blauen 
Felde der gefliigelte goldene Marmslowe 
mit dem Heiligenscheine, auf griinem Boden, 
vorwarts gewandt, ruhend und ein offenes Buch 
mit der Aufschrift: pu . x tidi A in'co Nv . , in den 
Vorderpranken haltend (Venedig) ; — oben 
rechts im goldenen Felde fiinf rothe Kugeln in 
den Kreis gestellt und von einem runden, mit 
drei silbernen Lilien bezeichneten blauen Schild« 
lein uberstiegen (Toskana) ; — 1 i n k s im 
blauen Felde ein gekronter silberner Aoler (M o< 
dena) ; — unten rechts im goldenen Felde 
sechs blaue Lilien, drei iiber zwei und einer gc» 
stellt (Parma und P i a c enza) ; — 1 i n k s 
durchzieht das silberne Feld ein rothes, von vier 
gegengekehrten schwarzen Adlern begleitetes 

TaMkreuz (Guastalla) .— UntereH auptuierung 
links : I m blauen Mit telschilde 
mit einer goldenen Biigclkrone drei offene gol» 
dene Kronen, zwei iiber einer acscht (G al i« 
zien) ; — oben rechts das blaue Feld mit 
zwei von Silber und Roth, je in zwei Reihen 
gewiirfelten Querbalken durchzogen (Lodo m e» 
r ie n) ; — 1 i n k s im rothen Felde ein gekronter 
silberner Adler mit goldenen Kleeblattstengeln 
auf den Flugeln (*K rakau) ; —unten rechts 
im silbernen Felde ein blauer Adler (Ausch« 
witz); — 1 i n k s im blauen Felde ein silberner 
Adler (Z a t o r) . — OberemittlereHaupt> 
Vierung: Der M i t t e 1 schild, mit dem Erz» 
Herzogshute geziert, langs getheilt; zur Rechten 
im blauen Felde fiinf goldene Adler, je zwei gegen 
und iiber einander ober einem gestellt (Oe st erreich 
unter der Enns); — zur Linken 

langs getheilt, rechts im goldenen Felde ein 
schwarzer Adler, 1 i n k s im rothen Felde zwei 
silberne Pfahle (Oesterreich ob der Enns); 
— oben rechts im griinen Felde ein silberner,^ 
Habsburg 133 Habsburg 
aus Nachen und Ohren Feuer spriihender Panther 

(Steyer) ; — links nach der Lang? 
getheilt, zur Rechten im goldenen Felde drei 
vorwarts sehende schwarze Lowen iiber einander 
gestellt, zur Linken ein silberner Querbalken 
im rothen Felde (Karnthen) ; —unten 
rechts im goldenen Felde ein gekronter blauer 
Adler mit einem von Gold und Roth geschach« 
teten aufrechten Halbmonde auf der Brust 

(Krain) ; — links nach der Lange getheilt, 
zur Rechten im goldenen Felde ein schwarzer 
Lowe, zur Linken ein silberner Querbalken im 
rothen Felde (Salzburg) . — Mittlere 

Seite 195 



Wurzbach0 6 . txt 
Hauptuierung rechts: b e n z u r Rechten 
drei gekronte goldene Leopardenkopf e, zwei 
liber einen vorwarts gestellt (Dalmatien) ; — 
zur Linken von Silber und Noth gewiirfelt 

(Croatien) ;— unten rechts lanft zwischen 

zwei, das blaue Feld quer durchf lieflenden sil> 

bernen Stromen iiber griinen Boden ein naturlicher 

Marder, ober dem Strome von einem 

goldenen Sterne liberstiegen (Slawonien) ; 

—links ein gevn'rtetes Quartier, darin oben 

rechts im silbernen Felde drei blaue rechte 

Schragebalkcn (Ragusa) ; — 1 i n k s im silber» 

nen Felde ein geharnischter Reiter mit auf gepf lanzter 

Lanze ( Z a r a ) ; — untenrechts im silbernen 

Felde ein rother Lowe (Cattaro) ; — links 

im rothen Felde ein schwarzer gekronter Doppel« 

adler, mit der liniin Klaue auf einer im linken 

Unterwinkel zwischen Felsen gelehnten Urne fuBend, 

aus der ein Strom hervorstromt (F iume) . — 

MittlereHauptvierung links.- Oben 

zurRechten dreifach quer getheilt. I m obern 

blauen Felde ein heruorwachsender schwarzer 

Adler, in den Oberwinkcln von einer goldenen 

Sonne und einem silbernen wachsenden Halb' 

monde begleitet; immittlern goldenen Felde 

sieben rothe Burgrn in. zwei Querrcihen vier 

und drei gestellt; unten im silbernen Felde ein 

zuriicksehender naturlicher Rabe mit einem rothen 

Kreuze im Schnabel, auf einer goldenen Krone, 

welche auf einem griinen Hiigel aufliegt, stehend 

(«Siebenbtirgen) ; —zur Linken im blauen 
Felde ein naturlicher Auerochsenkopf , vorwarts 
gestellt und oben von drei goldenen Sternen in 
derRundung begleitet ( "Buk o w i n a ) ; — unten 
rechts quer getheilt, oben das von Silber und 
Noth langs getheilte Feld, durchzogen von einem 
Kreuze in gewechselten Tincturen, welches von 
vier Feuereisen ebenfalls gewechselter Tinctur 
begleitet ist («serbische Woiwodschaft ) — 
unten von Roth und Silber langs getheilt und 
durchzogen von einem geflutheten Querbalken in 
gewechselten Tincturen (*TemeserBanat) ; — 
1 i n k s im goldenen Felde eine gelbe, mit dem 
k. k. Adler bezeichnete und mit einer spihenweisen 
Einfassung von Gold, Schwarz, Silber und 
Roth versehene Regimentsf ahne, auf ihrem Pfahlweise 
gestellten Fahnenstocke nach links verbreitet 

(*Militargrenze) . — Mittlere Haupt- 
Vierung unten.- Quer getheilt. ObenlangS 
gespalten; zur Rechten im silbernen Felde ein 
gekronter rother Adler mit einem griinen Kranzchen 
auf dein Kopfe und silbernen Kleestengeln 
auf den Fliigeln ( * T i ro 1 ) ; — zur Linken ge» 
viertet. oben zur Rechten schragrechts getheilt, 
oben in Blciu ein gekronter goldener Lowe auswarts 
steigend, unten von Silber und Noth 
sechsfach schraglinks gestreift (Gorz) . — zur 
Linken ein silbernes Ankerkreuz im von Gold 
und Blau quergetheilten Felde (G rad i s k a) . - 
unten zur Rechten im blauen Felde eine 

goldene Ziege mit rothen Hornern (Istrien) , — 
zur Linken quer getheilt, oben im goldenen 
Felde ein schwarzer gekronter Doppeladler, 
unten im rothen, von einem silbernen Querbalken 

Seite 196 



Wurzbach0 6 . txt 
durchzogenen Felde, geht aus dem FuBrande 
eine lilienf ormige goldene Lanzenspitze 
pfahlweise hervor (Trieft) ; — u nten dreifach 
langs gespalten. Zur Rechten quer getheilt, 
oben im silbernen Felde ein gekronter schwarzer 
Adler mit silbernen Kleestengeln auf den Fliigeln 

( T r i e n t ) , — unten im rothen Frlde ein 
schreitendes silbernes Lamm mit einem goldenen 
Scheine urn den zuriickgewandten Kopf, mit dem 
linken VorderfuBe eine Kirchenfahne von Silber» 
stoff, bezeichnet mit einem rothen Kreuze, tragend 

(Brircn) , — in der M i t t e im silbernen Frlde 
eine rothe Kirchenfahne an drei goldenen Ringen 

(Vorarlberg) ,— zur Linken quer getheilt, 

oben im blauen Felde ein gekronter goldener 

Adler ( F r i a u 1 ) , — unten im silbernen Felde 

ein schwarzer rotheingef aBter Hut mit zwei von 

einem herabhangenden, iiber einander gekreuzten 

Bandern sammt Quasten (winoischeMar k) . 

— Der SchildesfuB sechsfach langs getheilt. 

Von der Rechten erstes Quartier im silbernen 

Felde ein goldenes Kriickenkreuz, von vier golde« 

ncn Kceuzchen begleitet (Jerusalem) ; — 

zweites: im blauen Felde ein goldenes Ruder» 

schiff alterthumlicher Bauart (Illyricn) ; — 

drittes : im rothen Felde ein goldenes gezinntes 

Castell mit schwarzer Thorossnung (Castilien) ; 

— viertes : im goldenen Felde vier rothe 

Pfahle (A argau) ; — funftes : iin rothen 

Felde ein rechter, goldener Schragebalken . von 

zwei auf springenden goldenen Lowen begleitet 

( K y b u r g ) ; — .sechstes: im silbernen Felde 

ein schwarzes, silbern eingefaBtes Tat zenkreuz , £ 

134 Sabsimrg 

durchzogen im Herzen mit einem goldenen Schildlein, 

worin ein schwarzer Adler, auf jedem Kreuzbalken 

mit einer goldenen Lilie belegt (deutscher 

Orden) . — Den Hauptschild zieren die 

Insigniender k. k. osterreichischen Orden; 

namlich das goldene Vliefl, der Maria Theresien- 

Orden, der St. Stephan-Orden, der Leopold- 

Orden, der Orden der eisernen Krone und der 

Franz Joseph-Orden . Der doppelkopsige R eichs< 

adl er ist golden bewehrt, mit ausgeschlagenen 

rothen Zungen und tragt auf jedem seiner Kopfe 

eine goldene Bugelkrone; dann in der rechten 

Klaueden Reichsscepter mit dem Staatsschwerte, 

inder linken den Reichsapfel. Auf dem Hauptrande 

des Rlickenschildes ruht die osterreichische Kaiser« 

krone mit auswarts flatternden Bandern. Die 

S c h i 1 d Halter sind zwei goldene, an ihrem 

Obertheile schwarze Greife mit ausgeschlagenen 

rothen Zungen, aufeiner bronzirten Arabeskentaf el 

einwarts gestellt. I n der vorstehenden Beschreibung 

und Zusammenstellung des Wappens erscheinen 

das Wappen von Ungarn als Mittelschild 

des Quartiers der Wappen von Rama, Servien, 

Cumanien und Bulgarien; die Wappen von 

Dalmatien, Croatien, Slawonien, so wie jenes 

von Siebenburgen, auf denen es friiher ruhte, 

die ersten drei in die mittlere rechte, das letzte in 

die mittlere linke Vierung verlegt. Dem Quartiere 

mit dem Wappen Galiziens ist jenes von 

Krakau beigefiigt. Das Quartier mit dem Wappen 

Seite 197 



Wurzbach0 6 . txt 
von Nieder- und Oberosterreich als Mittelschild 
behielt nur die Wappenschilde der historisch 
und geographisch naher stehenden Herzogthiimer 
Steier, Karnthen, Krain und Salzburg. I m 
untern mittlern Quartiere steht nur das Wappen 
von Tirol, seiner Bestandtheile und Nachbarlander ; 
und die Ehren- und Erinnerungswappen, 
welche sich vordem theils in der mittlern 
linken, theils in der obern mittlern Hauptvicrung 
vertheilt befanden, sind nun mit dem Protectoratswappen 
des deutschen Ordens in den SchildesfuB 
verlegt. Die Figuren a und b der beigefugten 
Wappentafel, von denen 2, das annochbestehende . 
seit 1836 nicht veranderte groBeStaats. 
wappen, v aber die Gruppirung der einzelnen 
Wappenbestandtheile zeigt, wie sie durch die seitherigen 
Veranderungen nochwendig geworden, 
werden die ganze Beschreibung des Wappens 
urn so leichter versinnlichen, als je die einzelnen 
Wappen selbst im Wesentlichen unverandert 
geblieben und nur in ihrer Stellung eine entsprechende 
Aenderung stattgef unden hat. Wie sich 
analog den Aenderungen im groBen Wappen 
jene des mittlern gestalten wiirden, wird aus 
der Abbildung ersichtlich gemacht, und wird, 
da die Felder sich gleich bleiben und diese schon 
im groBen Wappen beschrieben sind, jede Beschreibung 
desselben uberfliissig. — Das mittlere 
annoch bestehende Wappen zeigt den kaiserlichen 
Doppeladler mit ausgebreiteten Fliigeln, 
mit Scepter, Schwert und Reichsapfel und der 
Kaiserkrone, auf des Adlers Brust liegt das 
genealogische Wappen des Allerdurchlauchtigsten 
Kaiserhauses , mit den Insignien der sechs osterreichischen 
Orden geziert. Das Gesieder des 
Adlers ist zu beiden Seiten des genealogischen 
Wappens mit 11 Nebenschilden belegt. Rechts 
oben mit jenem von Alt- und Neu-Ungarn, dann 
von der Lombardie und Venedig, von Illyrien. 
von Siebenbiirgen, Mahren und Schlesien, links 
oben mit dem von Bohmen, dann unterhalb von 
Galizien, Oesterreich unter der Enns, Salzburg, 
Stcicrmark und Karnthen, und von Tirol. Jedes 
dieser Wappen ist mit der entsprechenden Krone 
oder dem Herzogs« und Fiirstenhute bedeckt . — 
Das kleine Wappen, wie es jetzt besteht, 
zeigt den schon beschriebenen kaiserlichen Adler 
mit dem genealogischen Mittelschilde und den 
Ordensinsignien, die It Nebenschilde des noch 
bestehenden mittlern Wappens fehlen. — 
Die Legende der als Siegel gebrauchten 
Wappen. Das Wappen an und fur sich 
hat keine Legende, Umschrift; sobald es aber als 
Stempel oder Siegel verwendet wird, wird ihm 
eine solche, die wieder ihre Abstufungen hat, beigefugt. 
Das groBe, mittlere und kleine 
Wappen hat jedes eine Legende in lateinischer 
Sprache, in welcher dem Namen des 
jeweiligen Regenten, im groBen eine groBere 
Menge der Namen drr Landerbestandtheilc, im 
mittlern eine entsprechend kiirzere, im kleinen 
dem Namen des Regenten nur der Beisatz: vei, 
Fratia. A ustriaa Im^oi-atoi- ora. ata., beigefugt 
sind. Bei einer vorzunehmenden Regulirung 

Seite 198 



Wurzbach0 6 . txt 
des Wappens wiirde wahrscheinlich das kleine 
Wappen unverandert beibehalten werden, hingegen 
das mittlere Staatswappen anstatt der 
bisherigen Gestalt mit den umgehangten i 1 
Nebenwavpcn, die dem groBen Wappen entsprechendere, 
eines Brustschildes, erhalten, 
worauf die Wappen aller Kronlander, welche 
eigene Vcrwaltungsgebiete bilden A wie etwa 
der Entwurf sie enthalt), im Einklange mit 
dem mittlern Titel ersichtlich gemacht wurden; 
jedoch sind die einzelnen Verwaltungsgebiete 
Ungarns nur durch das Wappen Ungarns 

vertreten, und jenes des Triester Verwaltungsgebietes 
enthalt die Wappen seiner historischen 
Bestandtheile . - Istrien, Gorz, Gradiska und 
Tricst .? 

Habsburg 138 Habsburg 

Zur Literatur des Wappens, der Titel, Insignien 
und sonstigen mit der Majestat des Kaisers 
verbundenen Soheits-Vechte und Momente, 
als: Volkshnmne, Crbamter, Landessarben, 
Trden u. dgl . m. Als amtliche und halbamtliche 
Quellen sind anzufuhren: Das Hofdecret 
vom2 9 . 0ctoberl7 90 , inder Sammlung derGc» 
setze des Kaisers Leopoldll. : Bd. I , S. 119; 
Hofdecret vom 1. August 1804. in der Sammlung 
der Gesetze des Kaisers Franz I. (II.) : 
Vd. 22, S . 7 1 ; Hofdecret vom 13. December 
1804, ebenda Bd. 23, S. 163- Hofdecret vom 
6. August 4806, ebenda Bd. 27, S. 10. - 
Schrotter (Ferd. Dr.), Abhandlungen aus 
dem osterreichischen Staatsrechte (Wien 1762— 
1766, I . P. Kraus, 8".) 3 Theile, I . Theil: Von 
den Freiheitsbrief en des durchlauchtigsten Erz« 
Hauses von Oesterreich; I I . Theil: Von den 
Titeln und Neichserzamtern des durchlauchtigsten 
ErzHauses Oesterreich; III. Theil: Von 
den Erbhuldigungen und Kleinodien der Erzherzoge 
von Oesterreich; I V . Theil: Von den vorzuglichen 
Rechten, welche den durchlauchtigsten 
Erzherzogen mit und neben der Landeshoheit 
gebiihren; V. Theil: Von der Erbf olgsordnung, 
wie auch Vormundschaft der durchlauchtigsten 
Erzherzoge Hedem dieser 5 Bande sind die betreffenden 
Urkunden beigefiigt) . — Hormayr 
(Ioh. Freih. v.), Abhandlungen aus dem osterr. 
Staatsrechte als Fortsetzung des Schrott er'- 
schen Werkes: Ueber Minder jahrigkeit , Vormundschaft 
und GroB jahrigkeit im osterreichischen 
Kaiserstaate und Kaiserhause (Wien 1803, 
Doll, 8".) . Uebrigens ist die Literatur iiber obige 
Momente sehr reich, und in Anbetracht des heraldischen 
Bombastes, den man dabei mit in 
den Kauf nehmen muB, nicht eben erquick« 
lich. Hier wird nun auf eine neuere, ihrem 
Inhalte nach wenig gewiirdigte Quelle hingewiesen 
, welche reiches und verlaBliches Ma« 
teriale enthalt, auf die „Austria, osterreichischer 
Universal - Kalender" (Wien, Klang 
gr. 8v.) an dem seit einer Reihe von Jahren 
der k. k. geh. Haus-. Hof- und Staats»Archi< 
var I . P. Kalten baeck, spater dann der 
unermudete Wiener Antiquarius Schim m er 
gearbeitet; dieses Jahrbuch enthalt zahlreiche 

Seite 199 



Wurzbach0 6 . txt 
Abhandlungen uber diese Gegenstande, welche 
fur Jeden, der in die Lage kommen kann, sie zu 
suchen und zu benutzen, als erste Quellen aus ' 
reichen werden. Hier eine gedrangte Uebersicht 
des Hieher Gehorenden: Austria 1842 enthalt 
in der unpagimrten Beilage nach Seite I A VI 
die „Beschreibung des groBen, mittlern und kleinen 
Wappens" als Erklarung des Titelkupf ers , 
worauf das kleine Wappen, die 11 Nebenschilde 
des mittlern Wappens und die kaiserlichen Flag, 
gen abgebildet sind. — Ferner enthalt dieser 
Jahrgang, Seite 19—23, die „Reihenfolge der 
romisch-deutschen Konige und Kaiser von 800 an 
bis 1806", nach Namen, Geburtsjahr, Tag und 
Ort, Regierungsantritt , Sterbejahr, «Tag und 
-Ort, BegrabniBorr und Wahlspruch; — S. Z0 
und 31 die „Uebersicht jener Familien, welche 
Landeserbamter besitzen" und „Ungarns Erbobergespanf chaf ten" ; 

— S. 32 die „Landesamter 

mit Nennung ihrer damaligen (1842) 

Wurdentrager" ; — S. 37—41 die „damalige 

politische Eintheilung der osterreichischen Monarchie" 

— und S . 32—92 ein „VerzeichniB sammtlicher 
Erzdisthumer , Bisthijmer, Titularbisthumer , 
General < Vicariate, Provsteien, Stifte, 

Kloster, Hospicien, Superintendenturen und Damenstif te" . 

- Austria 1843. Seite 8-16: 

„Die Erbamter in Oesterreich; historische Uebersicht"; 

- S. 17-40: „Die (22) Landes. 

Patrone Oesterreichs (und ihre Legenden)"; — 

S. 61—94: „Die osterreichischen Orden und 

Ehrenzeichen" (mitAbbildgn . ) A siche auch Austria 

1831 und 1838). - Austria 1844. Als 

Titelblatt die fur die Tincturen der Wappentafel 

Oesterreichs wichtige „Tafel mit den Landes» 

farben der einzelnen Provinzen des Kaiserstaa« 

tes". I m Farbendrucke von Blasius Hofel. 

Erklarung dazu auf S. I^XIV. — Austria 

1847: Nach Seite XOVI die „historische B i 1 , 

dung der osterreichischen Monarchie (die Hausgrundgeset ze) " , 

auf einer Placattabelle, — und 

die „Stammtafel des allerdurchlauchtigsten Hauses 

Oesterreich", u. z. Oesterreich-Habsburg, 

Oesterreich, Spanien, Oesterreich»Deutschland. 

Oesterreich-Lothringen (auf der Rijckseite der 

vorigen Tabelle); — S. XOVI I : „Die Provinzialverf assungen 

der osterreich. Monarchie" — 

und S . OVII-iijXXX: Die „Geschichtliche Dar< 

stellung und Beschreibung sammtlicher Reichskleinodien" , 

sowohl jener der einzelnen Kronlander 

als des Reichsganzen, welch' letztere auf 

dem Titelkupfer des Kalenders abgebildet sind. 

-Austria 1848. Seite X I I I : „Titel und 

Wappen Sr. Majestat des Kaisers Ferdinand 

I.", und als Erganzung und Berichtigung 

des in der Austria 1842 Mitgetheilten . S.XOIV 

bis XOVIII-. Die „Heraldische Beschreibung 

des groBen, mittlern und kleinen Wappens", 

welcher S. XOIX— OXXVI die sehr anregend 

geschriebene historische nur in C ' inzelnheiten 

zu berichtigende Darstellung: „Das k. k. 

osterreichische Wappen von Dr. I g n . Schiner" 

beigegeben ist. — Austria 1849 enthalt? 

Habsburg 136 Habsburg — Agnes 

Seite 200 



Wurzbach0 6 . txt 
Seite I. XVII-I. XXVIII: „Die pragmatische 
Sanction". - Austria 1851. Seite I . X I X : 
„Statuten und Abbildung (auf dem Titelkupfer) 
des Franz Joseph-Ordens , der Militar-Dienst zeichen 
und des Militar-Verdimstkreuzes" . — 
Austria 1854. S. 260: „Die Auffindung der 
ungarischenKron ' Insignien" ; — S . 262: „Kron- 
Insignien ' Ceremoniale in Prsth und Ofen"; — 
S. 263: „Kron-Insignien-Ceremoniale in Wien"; 

— S. 263: „Kron . Insignien-Protokoll in Pesth 
und Ofen". - Austria 1836. S. 334: „Die 

osterreichische Volkshymne in den in der osterreichischen 
Monarchie ublichen Landessprachen . " 

- Austria 1858. S . 234-24?: „DerMilitar- 
Maria Theresien« Orden" (mit Abbildung des 
Ordens) . ) 

Raiser und Raisennen, Erzherzoge 

und Erzherzogmen aus dem Hause 

Haosliurg . 

Der einleitende genealogische Artikel Habsburg und 

die denselben erlauternden genealogischen Tabellen 

' s — 61 geben ein deutliches Bild der chronologischen 

Folge der einzelnen Familienglieder 

des erlauchten Kaiserhauses . Der Nachstliegende 

praktische Zweck dieses Werkes laBt den Herausgeber 

in der nun folgenden naheren Darstellung 

fur diealphabetischeOrdnung sich entscheiden. 

Es folgen demnach die einzelnen Namen in 

alphabetischer Ordnung, u. z. zuerst die Trager 

eines Namens wie Albrecht, Anton, Anna, 

Claudia u. s. w., dann die Trager der Doppel« 

namen, wie: Anna Eleonore, Anna Katharina, 

Claudia Felicitas, Franz Karl, Maria Theresia 

u. s. w., in der alphabetischen Folge der zweiten. 

Die vielen anderen Namen, welche in der 

Taufe oft gegeben zu werden pflegen, schliefien 

sich an den eigentlich gebrauchten in kleinerer 

Schrift an. Die Unterordnung in diesem Alphabet 

der Namen ist wieder die chronologische, 

u. z. nach den Todesjahren. Jene 

kais. kon. Prinzen und Prinzessinen, welche in der 

Kindheit oder sonst in jungen Jahren gestor» 

ben sind, erscheinen in diesen: Alphabet 

nicht,- jedoch werden sie bei den betreffenden 

Eltern unter den Kindern derselben aufgezahlt. 

Vei jedem Familiengliede wird Geburts» und 

Sterbejahr, die Zeit der Vermalung durch Pro» 

curation und in Person, und der Stand der 

Familie angegeben. Bei historisch-merkwurdigen 

Familiengliedern folgt den angegebenen Daten 

eine chronologische Darstellung der f estgestellten 

historischen Lebcnsmomente und dann die 

Literatur. Vei Jenen, iiber welche eine sehr reiche 

Literatur vorhanden ist, werden die wichtigsten 

selbststandigen Werke in alphabetischer Ordnung 

aufgezahlt und genau die Quelle bezeichnet, wo 

noch weitere Angaben zu finden sind. 

1. Adelheid Franzisca Maria Rainera 

Elisabetha Clotilde, Erzherzogin von 

Oesterreich, Tochter des Erzherzogs Rai« 

ner undMariaElisabethens , konigl. 

Prinzessin von Savoyen-Carignan, 

geb . am 3. Juni 1822, vermalt am 

12. April! 842 mit Victor Emanuel, 

Seite 201 



Wurzbach0 6 . txt 
damals Erbprinz, nunmehr Konig von 
Sardinien (geb. 14. Marz 1820), gest. 
zu Turin am 20. Janner 1833. Aus dieser 
Ehe stammen folgende Kinder: Prin» 
zessin Clotilde, geb. 2. Marz 1843, 
vermalt seit 30. Janner 1839 an Prinz 
Joseph Napoleon; — Prinz Humbert, 
Kronprinz. Prinz von Piemont, 
geb. 44. Marz 1844; — Prinz Amadeus, 
Herzog von Aosta. geb. 30. Mai 
1843; — Prinz Otto Eugen, Herzog 
von Montferrat. geb. 11. Juli 184«; 
— Prinzessin MariaPia, geb. 16. October 
1847. 

* * 

2. Agnes von Burgund, Kaiserin 

(nach Anderen soil sie Elisabeth geheiBen 
haben) , Gemalin des Kaisers Rudolph 
I., Tochter Otto's IV., Grafen 
von Burgund, geb. 1270, beriihmt durch 
ihre groBe Schonheit. Am 3. Februar 
1284, 14 Jahre alt, dem Wjahrigen Kai« 
ser Rudolph I. vermalt, seit 13. Juli 
1291 Witwe, als welche sie. 22 Jahre alt, 
nach Burgund zuriickkehrte, wo sie auch 
starb . 

Hiibner (Ioh.), Genealogische Tabellen, ncbst 
denen darzu gehorigen genealogischen Fragen. 

(Leipzig 1719, I . Friedr. Glcditsch sel. Sohn. 
kl. Qu. Fol.) Ka. I , Tab. 125. - Fugger, 
Spiegel der Ehren deo Erzhauseii Oesterreich 

(Nurnberg 16a«, Fol.) S. 121», 843.^ 
Hadsburg — Agnes 137 Hadsburg — Albrecht 

3. Agnes von Bohmen, Tochter 
Ottokar's Konigs von Bohmen, ver» 
malt im Jahre 4278 mit Rudolph, 
zweitgebornem Sohne des Kaisers Ru> 
dolph I., nachmaligem Herzoge von 
Schwaben. Sie gebar ihm nur einen 
Sohn, den ungliicklichen Johannes 
Parricida, auch PostHumus genannt, 
weil er nach des Vaters Tode (1289) 

zur Welt kam, denselben, der seinen 
Oheim, den Kaiser Albrecht I. am 

I. Mai 1308 in Gemeinschaft mit anderen 
Edelleuten ermordet hat. Agnes 

starb viel friiher (1296), als ihr Sohn 
diese Unthat veriibt hatte (1308) . 

Hiibner .Amangez . Orte . Bd. I, Tab. 123u. 1<)6. 

* * 

4. Agnes von Oesterreich, Chur» 
furstin von Sachsen, Tochter des Kaisers 
Rudolph I. und seiner ersten Gemalin 
Gertrude Grafin von Hohenberg, 

vermalt im Jahre 1273 mit Albertll . 
Churfursten von Sachsen, wurde 1298 
Witwe und starb zu Wirtenberg den 

II. October 1322, wo sie auch begraben 
liegt . 

Hiibner. Am angcz. Orte. Bd. I, Tab. 125. 
3. Agnes, Konigin von Ungarn (geb. 
1280, gest. 1364, nach Anderen 1334). 
Tochter des Kaisers Albrecht I. und 
der Elisabeth von Karnthen, zur 

Seite 202 



Wurzbach0 6 . txt 
Gemalin des Romers Friedrich della 
Colonna bestimmt, den zum Gemal 
anzunehmen sie sich weigerte; im Jahre 
1296 in Gratz dem Ungarkonige An« 
d r e a s HI . vermalt; nach deffen 
Tode von den Standen schlecht behandelt, 
bis sie ihr Vater mit Heeres« 
macht wegfuhrte. Nach dessen Ermor» 
dung (1308) hielt sie mit ihrer Mutter 
strenges Gericht iiber die Morder, die 
sie nebst vielen Anderen, die der Theilnahme 
verdachtig erschienen, hinrichten 
lieB. Auch bewog sie ihre Briider Friedrich 
und Leopold zu einem Zuge in 
die Schweiz. An der Stelle, wo der 
Mord geschah, lieB sie mit ihrer Mutter 
Elisabeth das Frauenkloster Konigsfelden 
errichten, in welchem sie nun 
selbst ia strengen geistlichen Uebungen 
lebte und 1334, nach Hiibner 1364, 
starb. Devise: S t r a d a fuhrt als ihr 
Sinnbild an: Mond und Sonne neben« 
einander im Strahlenglanze, mit dem 
Smnspruch: „Ne wis ornai-l' s nach Anderen: 
„Netuis ornari"; von denen 

jedoch Ersterer der richtige sein diirfte. 
Aebli ( I . W. 3.), Blicke in ' s Leben der Konigin 
Agnes von Ungarn (Aarau 1841, 4".) . — > 
Fugger, Spiegel der Ehren des Erzhauses 
Oesterreich, durch Signmnd von Bircken. 
(Nurnberg 1668. kl. Fol.) S. 2 t j , 227, 24«. 
372. — Allgemeines historisches Lerikon (Leipzig 
bei Thorn. Friischen's sel. Erben, Fol.) . 3. Aufl., 
Sa. I , S. 69. 
* 5 * 

6. Agnes von Oesterreich, Herzogin 
von Schlesien, Tochter Leopold's I. 

des Glorreichen, vermalte sich 1338 mir 

Boleslaus IV., Herzog zu Schweidnitz 

in Schlesien, und wurde 1368 Witwe . 

Vor seinem Tode ernannte er sie zur 

Regentin seiner Provinzen, welche Wiirde 

sie bis zu ihrem, am 2. Februar 1392 

zu Schweidnih erfolgten Tode behauptete. 

Daselbst liegt sie in der Minoritenkirche 

begraben . 

Hiibner. Am angez. Orte. Bd. r, Tab. t25. 

7. Albrecht I., deutscher Kaiser (geb. 
1248; ermordet bei Bruck im Aargau am 
1. Mai 1303), Sohn des Kaisers Rudolph 
I. und der Grasin Gertrude 

von Hoheuberg. — Gemalm und Vinder: 
Elisabeth, Tochter Meinhard' s, Grafen 
von Tirol und Gorz, Herzogs in 
Karnthen, Mutter von 21 Kindern; sechs 
Sonne und fiinf Tochter iiberlebten ihren 
Vater, die iibrigen starben in der Kindheit.^ 
Habsburg — Albrecht 138 Habsburg — Albrecht 
Dieerstermsmd: Rudolph, Friedrich 
III. der Schone, Leopold I. der 
Glorreiche, Albrecht !! . derWeise 
(auch der Lahme), Heinrich der 
Freundliche, Otto der Frohliche. 

Seite 203 



Wurzbach0 6 . txt 
Von letzteren ist insbesondere bemerkenswerth 
AgneS (s . Nr . 3) . — 
viotoria nesoit"- und 
wichtigere Qbmsmomente : Wurde 1273 
Landgraf im Ober-ElsaB; 1282 Herzog 
der osterreichischen Lande; wahrend feiner 
Regierung waren grofle Unruhen in 
Steiermark, in Salzburg, Wien selbst im 
Ausstande; angegriffen von den Ungarn, 
schlug er diese zuerst in Mertensdorf 
und zersprengte dann die Rebellen in 
Steiermark und in Oesterreich; 1292 
erscheint er mit groBer Pracht in Opsien» 
heim, urn fick von Adolph von Nassau, 
der am 10. Mai 1292 zum Konig 
der Deutschen gewahlt worden war, beleh« 
nen zu lassen; am 23. Juni 1298 an 
Adolph 's Stelle von den Churfursten 
zum deutschen Konige gewahlt, schlug er 
urn die Krone Deutschlands am 2. Juli 
1298 die Schlacht am Hasenbuhel, 
in welcher Adolph erschlagen ward 
und Albrecht siegte. Am 23. Juli 1298 
ward er zu Aachen gekront; da sich Zweifel 
iiber die Absichten seiner Fehde mit 
Adolph erhoben, und es hieB, er habe 
nach der Kaiserkrone getrachtet, ordnete 
er eine neue Wahl an und auch aus dieser, 
am 9. August 1298 , ging er als Kaiser 
hervor. Als er 1308 in die Schweiz zog, 
urn einen Aufstand zu unterdriicken, den 
die planmaBigen Unmenschlichkeiten der 
Landvogte verursacht hatten, wurde er 
am 1. Mai 1308 von seinem Neffen 
Johann von Schwaben, dem er 
die Herausgabe des Antheiles an seinem 
Erbe und Lehen verweigert hatte, bei 
Briick im Aargau ermordet. Konrad von 
Tegerfeld, Rudolph von Wart, 
Walter von Eschenbach und Rudolph 
von B a lm waren die Theilnehmer 
anlohann's Greuelthat, welche von 
Albrecht ' s Gemalin Elisabeth und 
Tochter Agnes furchterlich gerachtwurde . 
Musti-awL (Himoviu.O 1619, 40.). -Geissel 
(Ioh.), Die Schlacht am Hasenbuhel (2. Juli 
1289) und das Konigskreuz bei Gollheim (Speier 
1833, 8«.). — Gutermann (Friedr.), Aufstand 
Steiermarko im Jahre 1292. Episode aus der 
Geschichte des Herzogs und nachmaligen Konigs 
Albrechtl . (Franks. a.M. 1846, Herrmann, 
4<>.). — Kurz (FranzSeraph . ) , Oesterreich unter 
den Konigen OttokarundAlbrechtl . (Linz 
1316, Haslinger, 80.) 2 Theile. — A amoae/le?- 
5/ A l?i/>F) , DiZZsrtatio Ki8torjco Hui-iaic«. as 
im^sratoi-is A . Idortil. sxpsaittons in 
HoUnnaiam suLaspta lmuo 1300 . . . ("u- 
FU8t.Viu.asl. 1738, 4".; NatiLd. 1800, 8«.). 

— Schmit Ritter uonTavera (CarlDr.), Bi> 
bliographie zur Geschichte des osterreichischen 
Kaiserstaates (Wien 1858, 8<>.) Nr. 342-381. 

— i A lAcs < A 7o/i,. Osc»?'<7 A so' s sc/l' s , Ilioma. 
Huris VU'" S I yuoa A .Idortu.5I. IiuHu» 
uomini5 intor impsra . toi ' SZ logitimo A o? 

Seite 204 



Wurzbach0 6 . txt 

omnia, inoao rox Loinluioruin luorit slootus 

(QiMao 1733, 4".). — Unter den kleineren Auf« 

satzen iiber Albrecht I. siehe: H r m a y r l 

„Plutarch" oder den Abdruck desselben in der 

„Austria, osterr. Universal ' Kalender" fur 1853, 

S. 65—70. — Zeitschrift des Vereins in 

Mainz I , 1, S.26: „K6nig Albrecht ' s 

Feldzug im Erzstift Mainz". — Vaoler Bei. 

trage zur vaterlandischen Geschichte. 1830, 

Bd. IV, S. 133-194: „Das Verhaltnifi 

Herzog Johann ' s zu Konig Albrecht und 

die Ursache des KonigSmordes" . — Franz Regis 

Crauer und A. G. MciBne r haben die Un — 

that Johann ' s von Schwaben dramatisch, 

Schiller im „Tell" in einer Episode, Johann 

Schon, Fick und M. Fischet in Gedichten 

behandelt . 
* * 

8. Albrecht I I . der Lahme, auch 
genannt der Weise, Herzog von Oesterreich 

(geb. am 12. December 1293, gest. 

zu Wien am 20. Juli 1338) Sohn 

Albrecht ' s I., Bruder Friedrich's 

des Schonen. Gemalin-. Johanna,^ 

Habsburg — Albrecht 139 Habsourg — Albrecht 

Erbtochter Ulrich's, letzten Grafen zu 

P f y r t , geb. zu Basel 1300, gest. zu 

Wien am 13. November 1331. Rinder- 

Rudolph IV. der Sinnreiche; Fried« 

rich 111. der Freigebige; Leopold III. 

der Gerechte; Albrecht III. mit dem 

Zopf e; Agnes , GemalinHeinrich ' sll . , 

Herzog zu I a u e r in Schlesien (gest. 

1336), und Margaretha, Gemalin 

Mainhard' sIV. , Grafen von Tirol 

(gest. 1363), und nach dessen Tode Johann 
Heinrich's, Markgrafen in Mah» 
ren. U)aM'N!»H: Nm das Sinnbild eines 
StelzfuBes die Umschrift: „ot kio vii-urn 
kFit" (wie Fugger sie treffend iibersetzt: 
Auch dieser kann 
Stehn als ein Mann) . 

Hewonagellde Lefiensmommle : Kurze Zeit 
nach seines Bruders Friedrich ' s 
Tode (23. Marz 1330), brachten ihm 
Meuchelmorder an der Tafel Gift bei, 
wovon auch seines Bruders Otto 
Gemalin, Elisabeth von Bayern, 
genossen hatte. Letztere starb daran, wah« 
rend Albrecht I I . gerettet wurde, aber 
zeitlebens an Handen und Fiiflen gelahmt 
blieb, woher sein Beiname der Lahme. 
Sein Scharfsinn und seine Gelehrsamkeit 
gaben ihm den Beinamen des Weisen. 
Ein Krieg wider Bayern, im Bunde mit 
Bohmen unternommen, urn Bayerns unrechtmafiige 
Anspriiche auf das Land ob 
der Enns zuriickzuweisen, schloB mit dem 
Frieden zu Hagen au (August 1330); 
eine Fehde mit Johann von Bohmen 
endete im November 1332. Mit dem Luzernerbunde 
schlofi er einen Landfrieden. 
Aber nicht lange wahrte derselbe. Zuerst 
ward der Kern des Aargauischen Adels 

Seite 205 



Wurzbach0 6 . txt 
von den Bernern unter Rudolph von 
Erlach bei Laupen (21. Juni 1339) 
erschlagen; dann folgte die Zurcher 
Mordnacht (23. Februar 1330), so 
dafiAlbrechtmit vielen Fiirsten, Grafen 
und Herren gegen Ziirch zog, und es 
dreimal, immer mit wechselndem Gliicke, 
belagerte. Walter von S t a d i o n , der 
in Glarus Landvogt war, fiel im Kampfe 
fur seinen Herrn auf dem Rutifeld bei 
Nafels. Der Ausgang dieses Kampfes 
hatte die Verstarkung des eidgenossischen 
Bundes durch Glarus und Zug zur 
Folge. Erst im Jahre 1335 (am 23. Juli) 
vermittelte Kaiser Karl IV. (von Bohmen) 
zu Regensburg einen Stillstand der 
unauf horlichen blutigen Kampfe. Segensvoll 
waltete A. in den Erblanden. Die 
Steiermarker haben von ihm d as noch heute 
wichtige „Bergbuchel" und die Verdeut, 
schung (1339) der Rudolphinischen 
Landhandf este von 1277; die Karnth. 
ner ihre landhandf este und Nechte, den 
steiermarkischen nachgebildet , erhalten. Die 
blutig verfolgten Juden beschutzte er; als 
das ihm feindlich gesinnte Basel (18. Oct. 
1336) von einem Erdbeben ganzlich zerstort 
ward, und es in Alb recht ' s Macht lag, 
sich der Stadt zu bemachtigen, erwiederte 
er Jenen, die es forderten: „Da sei Gott 
fur, daB ich die Betriibten noch mehr be« 
triibe, und die angstige, die Gottes Hand 
schon schwer getroffen hat. Wir wollen 
ihnen vielmehr helfen, die Stadt wieder 
aufbauen, alsdann konnen wir mit Ehren 
hinziehen, und mit ihnen rechten", und 
Albrecht half ihnen. Von seiner Gemalin 
Johanna erhielt er nach vorange« 
gangener 15jahriger Unf ruchtbarkeit nach' 
einander drei Sonne. 

6. 372—383: „Oki-onioon A . I k o r t i auois 
n A ino Q3 . rttiU81a . nc» OeranicouLi" . — Kurz 

(Fran; Ser. ) , Oesterreich unterHerzog Albrecht 
dem Lahmen (Linz 1 8 i 9 . 8".). - 6i6Z,e7-e?- 
Vientiiz (I A iMas 1725, V'oi.). - Schmit 
Ritter von T a v e r a (Carl Dr.), Bibliographie 
zur Geschichte des osterreichischen Kaiserstaates^ 
Habstmrg — Albrecht 140 Habslmrg — Albrecht 

(Wien 1838. 8".) Nr. 416-433. - Unter den 

kleineren Aufsatzen liber Albrecht I I . siehe: 

H ormayr's „Plutarch" Bd. I I oder den Abdruck 

desselben in der „Austria, osterr. Universal- 

Kalender" fur !833, S. 83-86. - Die Zurcher 

Mordnacht behandelte Ad. Weisser in 

einer Volksgeschichte (1886); I . I .Altdorf 

fer in einem Schauspiele (1781) und I . K. 

Ziegler in einem Gedichte (1730) . — Parirat. 

Gest. vonHyrtl (Wien, Schaumburg, 8".) . 
* * 

Albrecht II., Kaiser, stehe: Albrecht V. 
9. Albrecht III. von Oesterreich, mit 
dem Zopfe (geb. zu Wien 9. September 
1349, gest. 29. August 1393). Sohn Albrecht 
I I . des Weisen oder des Lahmen, 

Seite 206 



Wurzbach0 6 . txt 
und Johanna's, der Erbtochter Ulrich'S, 
letzten Grafen zu Pfyrt. Gemalmen-. 

1) Elisabeth, Tochter des Kaisers 
Karl IV., welche 1373 kinderlos starb. 

2) Beatrix, Tochter Friedrich's IV. 
von Zollern, Burggrafen von Nurn» 
berg, aus deren Haaren er — nach 
Hormayr — einen Zopf getragen 
haben soil, daher ihm der obige Bei« 
name ward. Rinder: Ein einziger Sohn, 
Albrecht IV., genannt das Weltwun» 
der. — Wahlspruch. Sem Sinnbild war ein 
Globus mit dem Wahlspruche: , M aanon 
aaapioitur" . — Wichtigere 1> 

e: Als sein BmderRudolph 

IV. 1366 ohne Erben gestorben war, 

folgte ihm Albrecht I I I . in der Regierung; 

Albrecht erhielt namlich in der 

nach Nudolph's Tode beschlossenen 

Theilung Ober» und Niederosterreich, 

Leopold aber die iibrigen Lander mit 

EinschluB von Tirol. So wurde Alb ert 

III., als der Stifter der Albertmischen 

oder osterreichischen, Leopold als jener 

der Leopoldmischen oder tirolisch . steierischen 

Linie angesehen, die in der Folge 

den Stamm allein f ortpf lanzte . Die 

Gewerbef reiheit , welche Rudolph ertheilt 

hatte, schaffte U. wieder ab, und 

bestatigte 1368 das alte Recht der Laubenherren 

(Niederlager ) . Im namlichen 

Jahre erlieB A. eine neue zweckmaBige 

WeingarteN ' Ordnung; und 1369 das Ver« 

bot der Einfuhr aller fremden Weine. Die 

von Rudolph gestiftete Universitat er« 

weiterte er; 1377 unternahm er mit vielen 

seiner Edlen den ruhmreichen Zug 

gegen die heidnischen PreuBen; 1391 

erlieB er eine Satzung iiber Gleichheit 

der Rechte und Lasten. 1392 vollendete 

er seine Lieblingsschopf ung, das SchloB 

zu Larenburg, wo er Teich, Garten und 

Menagerie angelegt hatte. An diesem 

seinem Lieblingsauf enthalte starb er auch in 

der Vollkraft seines Lebens — 47 Jahre 

alt. 

!-. IV, t61- 

314: , . A I d 6 r t i I I I . et I.sopolai li-atruin 

anenm H.uatliao okkrtuIariuiQ' 1 . uLtrikcum 

vki-ii Fsnsris monumsnta a,. 1379—4380 

sxln-ata co ! npi6ot 6N8" . — Kurz (Friedrich) , 

Oesterreich unter Herzog Albrecht dem Drit. 

ten. 2 Theile (Linz 1827, Haolinger, 8".). - 

Berichte des osterr. Werth ilms ' Vereines , 1836, 

Bd. I : „Bildnisse osterreichischer Herzoge und 

Herzoginm, von E. B i r k " . — Hormayr 's 

„Archiv" 1822, Nr . 444: „Herzog Albrecht ' s 

III. von Oesterreich Kreuzzug gegen die heid« 

nischen PreuBen" . — Schmit Nit. v. Ta v era 

(Carl v i - . ) , Bibliographie zur Geschichte des 
osterreichischen Kaiserstaatcs (Wien 1858, 8° . ) 
Nr. 444-449. - Portrat. Gest . von H y r t 1 

(Wien, Schaumburg, 8".) . 
* * 

Seite 207 



Wurzbach0 6 . txt 
io. Albrecht IV. dasWeltwunder, 
nach Anderen auch derGeduldige (geb. 
zu Wien 20. Sept. 1377. gest. 23. August 
1404), der einzige Sohn Albrecht III. 
mitdem Zopfe. GemaNlt : Johann a.Tochter 
Albrecht 's, Herzogs von Bayern. 

- Vindcr: Albrecht V., als deutscher 
Kaiser Albrecht II., der einzige Sohn. 
Wahlspruch: ?a.uil.tini) unter dem Smnbilde 
eines in ein Bret gebohrten Nagel» 
bohrers. — Wichtigere 5eoett5Momente : Be» 
suchte das heilige Land, und kam im^ 

- Albrecht 441 Habs burg — Albrecht 
Friihling 4396 gliicklich in Syrien an. 
Brachte von seiner Fahrt viele Selten, 
heiten und Kostbarkeiten mit, daher 
obiger Beiname. LieB nach seiner Ruck, 
kehr am Ausbau des groBen Thurmes 

am Stephansdome fleiflig arbeiten, der 
schon unter seinem Bruder RudolphlV . 
begonnen worden war. I n der FehdeP r o 
c^fts von M a h r e n mit seinem Bruder 
I o d o k urn den Besitz von Znaim, in 
welcher des Letzteren Raubschaaren das 
nordliche Oesterreich arg verwiisteten, zog 
A. mit einem machtigen Heere vor Znaim, 
und schlofl es ein, doch der plotzliche, in 
Folge beigebrachten Giftes eingetretene 
Tod unterbrach d ie Fortsetzung der Feind 
seligkeiten. Albrecht besaB sehr groBe 
Fertigkeit in mechanischen Arbeiten, und 
ein hervorstechender Charakterzug an ihm 
war die groBe Frommigkeit; er hielt sich 
oft bei den Karthausern in Mauerbach 
auf, sang mit ihnen, und hielt mit ihnen 
Betstunden . 

Kurz (Franz Scr.), Oesterreich unter Herzog 
Albrecht IV., nebst einer Uebersicht des Zu« 
standes Oesterreichs wahrend des vierzehnten 
Jahrhunderts . 2 Bande (Linz 1830, 8".). - 

- Schmit Ritter von T a v e r a (Carl Dr.) . 

Bibliographie zur Geschichte des osterreichischen 

Kaiscrstaates (Wien 4838. 8".) Nr. 430-433. 
* * 

1 i . Albrecht V. als Herzog von 

Oesterreich — der I I . in der Reihe der 

Kaiser — (geb. zu Wien am 19. August 

1397, nach Anderen 20. September 1337 

oder 1. Janner 1399; gest. zu Langen« 

dorf (NeBmil) in Ungarn am 27. October 

1439) . Sohn Albrecht IV. Erzher, 

zogs von Oesterreich und Johanna's 

von Bayern. Gemalm: seit 1422 Elisabeth, 

Erbtochter Kaiser Sigmund's, 

vom Haust Luxemburg, Konigs von Un . 

garn und Bohmen, durch welche Heirath 

Albrecht V. Konig von Ungarn und 

Bohmen wurde. Rinder.- Georg, in der 

Kindheit gestorben; Anna, des Churfursten 

Wilhelm zu Sachsen Gemalin; 

Elisabeth, vermalt an Kasimir, 

Konig von Polen, einige Zeit auch Titular- 

Konig vonBohmen, undLadislaus , 

erst vier Monate nach des Vaters Tode 

Seite 208 



Wurzbach0 6 . txt 
geboren, deBhalb Po stHumus. 
spnlch: „.VmiauL optiina. vitas 
sio." — wichtigere Lefiensmomenle: Stand 
vom siebenten Jahre unter Vormund' 

schaft seiner Oheime, Wilhelmdes Ehrgeizigen, 
Leopold IV. des Dicken und 
Ernst des Eisernen. Nach Leopold's 
plot zlichem Tode hielt A 1 b re cht V., vier» 
zehnlahre alt, in Wien seinen f e jtliobenTin . 
zug; wurde am 13. October 1411 vom Kai» 
serS i g m u nd wegen „ Nothdurft des Lan« 
des" fur volljahrig erklart. Unter seiner 
Regierung fand 1429 die grofle Judenverf olgung 
in Oesterreich Statt, welche 
grauenvoll endete. 1422 hielt er mit 
Kaiser Sigmund ' s Tochter das pracht> 
voile Beilager. Kaiser Sigmund trat 
ihm noch bei Lebzeiten das Markgrafenthum 
Mahren ab, und erklarte ihn zu 
seinem Nachfolger in Ungarn und Bot)« 
men. Wahrend seiner Regierung entftan' 
den die hussitischen Wirren, deren Greueln 
erst die Schlacht bei Bohmisch »Brod 

(30. Mai 1434) ein Ziel steckte. Nach 

Sigmund ' s Tode wurde A. am 1. Jan« 

ner 1438 zum Konige von Ungarn, und 

bald darnach von Bohmen gekront, und 

am 18. Marz 1438 zum deutschen Kaiser 

gewahlt, bei welcher Gelegenheit zum 

ersten Male die beruhmt gewordenen funf 

Vocale, .4..N. I.O.II., mit der Deutung: 

eotuL) Imperator, 0ptimii5, 

) auftauchten, welche spater so vielfaltige 

und sinnreiche Deutungen erhielten 

A vergleiche Petrus Lambecius in 

seinem Werke: „Diarium. Lkori itinsnL 

, welcher nicht weniger denn 

360 verschiedene Deutungen dieser funf£ 

Habsburg — Albrecht 142 Habsdurg — Albrecht 

Selbstlaute mittheilt". Schon im nachsten 

Jahre starb Albrechtim schonsten Man« 

nesalter . 

Notizenblatt zum Archiv fur Kunde osterreich. Ge< 

schichte, i833: „Urkunden und Briefe zur Geschichte 

Herzogs A 1 b r e ch t V. von 1411-1437" 

von Chmel. — Sit zungsberichte der k. Akademie 

der Wissenschaften 1849, I I , S. 12-48: 

„Urkunden und Actenstiicke zur Geschichte Kaiser 

Albrecht 's I I . aus der Zeit 1413-1419" von 

Chmel. — Kurz (Franz), Oesterreich unter 

Kaiser Albrecht dem Zweiten. 2 Bde . (Wien 

1333, Kupfer und Singer, 8".) . — Wacker« 

b a r t h (Ios. u>), Parallele zwischen Leopold 

I I . und Albrecht I I . (Leipzig 1793, s".). - 

d s r t i I I . Komknorum, Hu A arias s 

nnas ro^lL, /.ustrias aueia, ste. sta. A arg I 

(I . il>5iH61770, 4«. ) . - S ch m itRitter vonTa« 
vera (Carl Dr.), Bibliographie zur Geschichte 
des osterreich. Kaiserstaates (Wien 1838, gr. 8".) 
Nr. 434—479. — Hormayr, „Oesterreich . 
Plutarch", Bd. I V , oder dessen Wiederabdruck 
in der „Austria, osterr. Universal-Kalender fur 
das 1.1834. S. 14-24. - Portrat. Gestochen 
von H y r t 1 (Wien, Schaumburg, 8° . ) . 

Seite 209 



Wurzbach0 6 . txt 

* 

12. AlbrechtVI . derVersch Wender, 
Herzog von Oesterreich (geb. zu Inns» 
briick 18. December 1418, gest. 2., n. A. 
3. Dec. 1463) . zweiter Sohn des Herzogs 
Ernst des Eisernen. Gemaliui Mechtild, 
Tochter des Pfalzgrafen Ludwig IV. 
und Witwe des Herzogs Ludwig von 
Wurttemberg, mit welcher er sich 1432 ver» 
malte. Nach feinem Tode, da sie kinder« 
los war, begab sie sich zu ihrer Verwandten 
nach Heidelberg, wo sie am 21. Dec. 
1482 starb. Seine Devise bestand aus zwei 
Handen, die mit Stein und Stahl Feuer 
schlagen, und dem wahlspruch: „NxiUt 
quoa aklituit". — Einzelne Lebmsmomente : 
A. zahlte erst 16 Jahre, als fein Vater 
starb (1424) . Unzufrieden mit der Thei» 
lung, fiel er in Krain (1442) em, bela« 
gerte Laibach, muBte aber unverrichteter 
Dinge wieder abziehen. Er warf nun auf 
feinen Bruder Friedrich todtlichen HaB . 
Als nach Ja dis laus PostHumus Tode 
Oesterreich an die Prinzen der Leopoldini, 
schen Linie, Friedrich, Albert und 
Sigmund von Tirol, kam, war es A., 
welcher bei dieser Theilung jede friedliche 
Unterhandlung zu nichte machte, und 
sehen muBte, wie sein eigener Anhanger 
Ulrich von Eytzing ihn aufgab und 
auf die Seite Friedrich's trat. Als 
sich A. spater Eytzing' s zu bemachtigen 
wuBte, und ihn in Ketten warf, fiel 
Georg Podiebrad, Eytzing' s per« 
sinlicher Freund, iiber Albrecht ' s That 
erbittert, in Oesterreich ein, und verheerte 
das Land. Erst der Friede zu Korneuburg 

(1469) machte diesen Wirren ein Ende. 

Spater verband sichA. mit Podiebrad, 

urn seinen Bruder Friedrich, den Kaiser, 

vom Throne zu stoBen. Des Burgerkrie» 

ges Schrecken wiitheten in Wien, wo der 

Rathsherr Wolfgang Holzer eine mach. 

tige Partei fur A. geworben hatte und 

den Kaiser Friedrich in seiner Burg 

belagerte. Nach geschlossenem Frieden 

liefl A. sich arn26. Dec. 1462 inWienhuldigen . 

Aber Albrecht hielt die Fried« 

rich zugesagten Bedingungen nicht ein; 

der Biirgerkrieg, noch graBlicher denn 

zuvor, begann von Neuem, und die Erbitterung 

gegen A. ward so groB, daB 

Holzer sich von ihm lossagte und be> 

schlossen hatte, Wien in des Kaisers Hande 

zu spielen (1463) . Der Anschlag wurde 

verrathen, und Holzer 's Haupt siel un» 

ter dem Beile. I n grausamer Weise ver« 

fuhr A. nun gegen die anderen Burger. 

Doch sein plotzlicher Tod machte diesen 

unheilvollen Zustanden ein Ende. A. 

wurde nach einem Besuche bei seiner 

Schwester, der Markgrasin von Baden 

(29. November 1463), von einem Unwohl ' 
sein befallen, welchem drei Tage spater 

Seite 210 



Wurzbach0 6 . txt 
nach schrecklichen Leiden der Tod folgte. 
Auf den Rath seiner Gemalin hatte er? 
Habsburg — Albrecht 143 — Albrecht 
eine verdienstliche Handlung vollbracht, 
indem er die Universitat Freiburg im 
Breisgau gestiftet hatte. Hormayr 
nennt Albrecht „einen fremden Tro 
pfen im edlen Habsburgischen Blute", 
und Kaiser Maximilian I., welcher be 
Nennung seines Ahnherrn Nudolph I. 
stets das Barett abnahm, und sich tie 
verneigte, war von solchem Widerwillen 
gegen seinen Oheim — denn dieB war 
Albrecht VI. — erfullt, dafi> er strenge 
verbot, in seiner Gegenwart Albrecht ' s 
Namen auszusprechen . 

Fugger, Spiegel der Ehren des ErzHauses 
Oesterreich, durch Sigmund von Bircken 
(Nurnberg 1668. kl. Fol . ) . S. 337, 390, 617. 
647, 648, 631, 638, 663, 689, 696. 701, 708, 713, 
728, 730-732. - K a r a j an (Th. G. v.), Kleinere 
Quellen zur Geschichte Oesterreichs (Wien 
1839, Gerold Sohn, 8°.) S. 23: „H 
Hierszmann ' s , Thiirhuthers Herzog Albrecht ' s 
V I . von Oesterreich, Bericht iiber Krankheit 
und Tod seines Herrn 1463 und 1464". A 
ser Bericht war bereits in Hormayr 's Archiv 
fur Geographie. Historie u. s. w., Jahrg. 1811 
S. 3 63, u. f. abgedruckt, aber dem Abdrucke 
nichts zum Verstandnisse beigefugt. Der neue 
Abdruck enthalt ein«?, Hierszmann 's Bericht ev 
lauternde, sehr interessante Einleitung, durch 
welche, wie durch den Bericht selbst, die Vergiftung 
Albrecht ' s VI., ander J 6 r g von 

Stain jedenfalls mitschuldig ist, zur GewiBheit 
erhoben wird. ) 
* * 

13. Albrecht VII. der Fromme, Erz» 

herzog von Oesterreich, Gouverneur der 

Niederlande (geb. am 13. Nov. 1389, 

gest. zu Briissel am 43.. nach Anderen 

am 16. Juli 1621), Sohn des Kaisers 

Maximilian I I . und Maria's, Tochter 

des Kaisers K a r 1 V. Gemalin: Isa« 

bella Clara Eugenia, Infantin von 

Spanien (geb. 1. April 1399, gest. 

29. November 1633) . — wichtigen 

Lebeltsmomeiile : Er war ein Zogling 

des beriihmten Busbeck, und wurde 

in friiher Jugend nach Spanien geschickt, 

wo er die Liebe des Konigs PhilippII . 

gewann . Zum geistlichen Stande bestimmt, 

erhielt er schon 1377 — also mit achtzehn 

Jahren — den Cardinalshut , und 1394 

das Erzbisthum Toledo. Von 1384— 

1393 war er Vkekonig von Portugal, 

und hinterlieB ein segensvolles Andenken 

im Lande . Philipp ernannte ihn zum 

Gouverneur der Niederlande; 1396 traf 

er in Briissel ein, nahm Calais, Ardres 

und Hiilst ein. Nachdem er nun 

seine geistlichen Wiirden niedergelegt , 

vermalte er sich am 1. April 1399 mit 

Philipp 's I I . Tochter, der Infantin 

Seite 211 



Wurzbach0 6 . txt 
Isabella Clara Eugenia. Sein Aufenthalt- 
in den Niederlanden war von bestandigen 
Kampfen begleitet; sein Gegner 
war Moriz von Nassau. Nichtsdestoweniger 
hinterlieB A. auch in den Nieder» 
landen das Andenken eines trefflichen 
Regenten. Man hat von A. Brief e an 
Seine Heiligkeit dm Papst xro i 
t . N. U. V. 

lau.6a.tio 1621, 4«.). — 

HiLtoirs ao 1'2.1'okiaQL H.idsrt (OoloFus 
1693, 12«.). - 5asistta?lttH < A 6i?-u A , rauaatio 
lunodrlZ A . lb e r t i Lsi A kruin xrinci- 
M (I.ovAQ. 1622, 4".). - <?UH??st lVoaT A , 
A I d s r t i I>li (3. 1. s. Z.. »622), 4<>.). - 
Do a t sn, Xyreks A oks oslemonis vau as 
dsFrasU'niL vg,u clou. esrt2k6rtogb . s 
tUL ( A .ut>v0i'V6Q 1662, 40.). - 

A A H ) - A A , NLtoirs a' A I d sr t et a' 12 a.- 
b s i i s (VrnxsU. 1847, 8".). - F>aN5 A la?-i 
A radiauois A U5t.«g.s (Vi-ux. 1623, 4".), auch 
in ' s Franzosische iibersetzt (ebd. 1729, Fol.) . — 
Ka.u,a2.tio lunsdria A roliiaucil, c i t i e r t , ! 

(V A 'ux. 1630 A 12°.). - A s»tt>s l A 4iloe7- A , Vit». 
A .Id o r t i 1 ' i i , A rineiVia Velsii ( A Qt A v. 1622, 
4".). - 2)<2?«i>6 A -1. A ) 86rsNi82. H.I'dsrti 

!?i A L61311,ruiri V A iueipiu elo A ium st lunn5 
la. vie et lu. raort cle l'a.ro A iau.o 

(Li-ux. 1622, 8«.).- 5/iosN12?xi-iu 

r t i I>il morisutis vit A (5.1.1622, 4°.).? 

Habstmrg — Albrecht Hiibsburg — Albrecht 

as I'arediauo w i d e r t (Vrux. 

i622, 8".). - 2?61 A s7tos?-F 5 A >eH. A " F - A 6 A . 

T'/lomas A A Itinorkiro ao ! '2.roliia.uo A . 1 - 

d o r t , ao In, rewo a'NL A aFns, Nlai-Bno- 

1-No a ' stricke, et ao I ' inkantO 133. d6N o 

(1399 ot i61)0) (Liuxoll63i84i, 4".). Sonderabdruck 
aus den „Nolivoaux KI6uioii-e5 ae 

( A nt A v. 1632, 4«>. ) . - 

-atio lijne-dria in oditum xrweii 

, A reniauciu A ,U5ti-i3.o (I A ovan. 

1621, 80.). - I A a A s A . va« c?e A , Hn cn2 . 

xitre as i'kiatQii-s ae8 A roniauca A I b s r t 

et I82.H6N0 (("ana 1844, 8<>.). Sonderad« 

druck aus dem A lsssaFsr ass soiencos distoric A 

uLL ae uo A iCue". — Allgem. historisches 

Lexikon (Leipzig, bei Thomas Fritschm's sel. 

Erben 1730, Fol.). 3. Aufl.. Bd. I , S. 93 I M 

Angabe mehrerer Quellen) . 

14. Albrecht Friedrich Rudolph, kais. 

Hoheit, Erzherzog von Oesterreich (geb. 

am 3. August 4817), altester Sohn 

des Erzherzogs Karl, des Helden von 

Aspern, und Henriettens , Tochter 

Friedrich Wilhelm' s, souveranen 

Fiirsten von Nassau ' Weilburg . I m 

Janner 4330 ernannte Se. Majestat 

der Kaiser F r a n z I . den Erzherzog zum 

Obersten und Commandanten des Infan« 

terie-Regiments Nr. 44 (vormals Belle« 

garde), im namlichen Jahre zum Ritter 

des goldenen VlieBes. 4837 trat Se. 

kais. Hoheit in praktische Dienstleistung 

und ward als zweiter Oberst im Insan» 

Seite 212 



Wurzbach0 6 . txt 
terie. Regimente Baron Wimpffen 
Nr . 13 eingetheilt ; 1839, um sich im 
Cavallerie. Dienste auszubilden , zum 
Kiirassier - Regimente Baron Mengen 
Nr. 4 iibersetzt. I m namlichen Jahre 
ward der Erzherzog von Sr. Majestat 
dem Kaiser Nicolaus zum Chef des 
kais. ruff, lithauischen Uhlanen» Regi. 
ments ernannt. I m Jahre 1840 zum 
General-Major befordert, kam er als 
Brigadier nach Gratz, wurde 1843 Feldmarschall- 
Lieutenant und 2.H latu8 bei 

dem mahrisch - schlesischen Generalcommando, 
4845 zum commandirenden 
General von Oesterreich ob und unter 
der Enns, dann Salzburg ernannt. I n 
diese Zeit von 4839 bis 4843 fallen 
mehrere Auszeichnungen fremder Fiirsten 
(siehe unten in den Quellen den vollen 
Titel des Erzherzogs) . I n seiner Stellung 
als Landes ' Commandirender inOesterreich 
gab der Erzherzog einen eigenen prak« 
tischen Vorposten-, Lager- und Felddienft 
zum Unterrichte heraus und lieJi densel» 
ben in den Lagern von Wiener Neustadt 
einstudiren. Am 44. Marz 4848 '"vergleiche 
die Vorgange des vorangegan» 
genen Tages bei Strack: „Die Gene» 
rale der osterreichischen Armee", S. 366 
bis 370^ bat der Erzherzog um Enthebung 
von dem bisher innegehabten 
Posten und nahm in einem Generals« 
befehl von den Truppen seines General« 
commando's Abschied; alsdann verfiigte 
er sich auf seine Giiter und bald darauf 
zur Armee in Italien, sich an den Opera» 
tionen des Feldmarschalls Radetzky 
freiwillig betheiligend. Hier ijbernahm 
der Erzherzog bald ein Truppen «Divi« 
sions-Comrnando bei der Armee, und bei 
Eroffnung des Feldzuges gegen Piemont 
jenes der Avantgarde des 2. Armeecorps . 
Bei dem forcirten Uebergange der Armee 
iiber den T i c i n o bei Pavia und dem 
dabei stattgehabten Gefechte bei Gra» 
v e 1 1 o n e bewies sich der Erzherzog 
durch seine Todesverachtung als den 
ebenbiirtigen Sohn des Helden von 
Aspern. Bei M o r t a r a riickte der Erzherzog 
an der Spitze seiner Division 
gegen die feste Stellung des Feindes. 
Da das Gefecht erst gegen Abend begon» 
nen hatte, war eine wirksame Fortsetzung? 
Habsburg — Albrecht 148 Habsburg — Albrecht 
deS Kampfes nicht leicht thunlich. Doch 
war Oberst Benedek mit einem Bataib 
Ion seines Regiments bereits in die 
Stadt gedrungen, aber von feindlichen 
Colonnen, die aus der Flankenf tellung 
hinter dem osterreichischen CorpS sich in 
die Stadt gedrangt hatten, plotzlich 
abgeschnitten worden. Kaum erfuhr dieB 
Erzherzog Albrecht, als er nochmal 
einen Angriff auf das feindliche Centrum 

Seite 213 



Wurzbach0 6 . txt 
unternahm, an der Spitze seiner Truppen 
den Eingang in den Platz erzwang, den 
selben besetzte und es so dem Obersten 
Beneoek moglich machte, im Gegen« 
satze zu seiner eigenen Situation, da er eben 
erst selbst abgeschnitten war, die nach« 
geriickten feindlichen Truppen ganzlich 
abzuschneiden . Im Schlachtberichte dieses 
Tages meldet der greise Feldmarschall : 
„Das besondere Verdienst des Gelingens 
der Einnahme von Mortara bleibt der 
urspriinglichen umsichtigen Disposition 
des Feldzeugmeisters Baron d'Aspre 
und seines tapfern Divifionars Erzherzog 
Albrecht, so wie dem Muthe und der 
Geistesgegenwart des Obersten Benedek 
und seines braven Regiments Gyulai." 
Nicht minder erfolgreich waren die mit 
taktischer Umsicht getroffenen Dispo 
sitionen, welche kurz vor der Schlacht 
bei Novara der Erzherzog getroffen 
hatte, ohne Befehl dazu erhalten zu 
haben, indem er den von Novara gegen 
Nibbiola seitwarts der Hauptstrafie sich 
ausdehnenden Hohenzug mit einer Abthei» 
lung, gefuhrt von dem Obersten Grafen 
Kielmannsegge, besetzen lieB, welche 
Voraussicht im weiteren Verlaufe der 
Schlacht sich glanzend bewahrte, da 
eben die Abtheilung des Grafen Kiel« 
mannsegge in dem Momente eintraf, 
als keine anderen Reserven mehr zu 
Gebote standen, sie dem vordringenden 
Feinde entgegenzuwerf en . Jetzt wurde 
v, Wurzbach, biogr. Lexikon. V I . 
es moglich, gegen den an Geschiitz und 
Truppen vielfach iiberlegenen Feind die 
durch den mehrstundigen Kampf aufs 
Hochste erschopften Truppen erfolgreich 
zu unterstiitzen und den wirksamsten 
Punct der ' Schlachtlinie so lange zu 
halten, bis frische Reserven anlangten, 
welche den immer heftiger anstiirmenden 
Feind endlich vollends zuriickwarf en . Der 
greise Feldmarschall schreibt im ofsiciellen 
Schlachtberichte: „Feldzeugmeister Baron 
d'Aspre hat seinen friiheren Lorbeeren 
nun auch diese neuen hinzugefiigt. Gleich 
nach ihm kommt das Verdienst Sr. kais. 
Hoheit des Erzherzogs Albrecht, dieses 
erlauchten Herrn, der. urn seine Leistun« 
gen vor dem Feinde erst zu priifen, sich 
freiwillig bei Sr. Majestat das Com» 
mando einer Division erbeten hatte, obwohl 
er schon friiher Commandirender 
gewesen. Derselbe bewies an diesem 
heiBen Tage eine bewunderungswiirdige 
Standhaf tigkeit und wich nicht einen 
Schritt aus seiner gefahrdeten Stellung 
zuriick. Nur Gerechtigkeit ware es, diesen 
Prinzen des Hauses mit dem Theresien» 
Orden zu schmiicken" . Seine Majestat 
der Kaiser sandten dem tapfern Erz« 
herzog durch dessen erlauchten Bruder 

Seite 214 



Wurzbach0 6 . txt 
Erzherzog W i 1 h e 1 m das Ritterkreuz 
des Militar-Maria Theresien>Ordens, 
und spater erhielt der Erzherzog uber 
Antrag des Ordenscapitels daS Com» 
mandeurkreuz dieses Ordens . I m September 
4849 wurde der Erzherzog zum 
Gouverneur der Bundesf estung Mainz, 
zum Zandes«Militar . Commandanten in 
Bohmen und zum General der Cavallerie 
ernannt. I m September 1831 erfolgte 
seine Ernennung zum Commandanten 
der III. Armee und zum Civil- und 
Militar «Gouverneur in Ungarn, wo es 
ihm vorbehalten war, die Wunden der 
jiingsten Vergangenheit durch Energie 
10? 

Habsburg — Albrecht t 4 6 Oabsburg — Alexander 
und Weisheit in der Leitung der Verwaltung 
vergessen oder doch minder 

fiihlbar zu machen. Diesen letztern Posten 
legte der Prinz im April 5860 in die 
Hande Sr. Majestat des Kaisers nieder, 
welcher mit Allerhochstem Handschreiben, 
Wien 19. April 1860, den Herrn Erzher, 
zog unter Bezeigung dankbarer Anerkennung 
desselben zu entheben, und die Leitung 
der politischen Verwaltung und des 
Landes . General . Commandos in Ungarn, 
dem Feldzeugmeif ter Ludwig Ritter von 
Benedek provisorisch zu iibertragen ge« 
ruhten. Wiener Zeitung 4860 Nr. 96. A 
Der Erzherzog ist seit 1. Mai 1844 vermalt 
mit Hildegarde, kon. Prinzessin 
von Bayern, dritten Tochter Sr. Majestat 
deS Konigs von Bayern (geb. 10. Juni 
1823) . Aus dieser Ehe stammen drei 
Kinder: Maria Theresia Anna sgeb. 
am 48. Juli 1843); - Karl Albert 
Ludwig (geb. am 3. Janner 1847, gest. 
zu Prag am 19. Juli 1848); - 
Mathilde Maria Adelgunde Alexandra 
(geb. am 23. Janner 1849) . 

Strack (Joseph) , Die Generale der osterreichischen 
Armee (Wien 1850. Ios. Keck u. Sohn, kl. so.) 
S. 364-373. -Hirtenfeld(I. Dr.) . Der 
Militar ' Maria TheresiewOrden und seine Mit« 
glieder (Wien 1837, Staatsdruckerei . Lex. 8".) 
S. 1466, t?32. — Oesterr. Militar ' Konversations ' Lenkon, 
herausg. von I . Hirtenfeld 

und Dr. M e y n e r t (Wien 1850. Ler. 8".) Bd. I , 
S. 44. — Illustrirte Zeitung, herausgegeben 
von I.I. Weber (Leipzig, Fol.) 1859. 
Nr. 826: „Erzherzog Albrecht von Oesterreich in 
Berlin" '"mit Portrait) . — Vollstandiger Titel 
Sr. Kais. Hoheit des Erzherzogs Albrecht. 
Dieser lautet: Ritter des goldenen VlieBes; 
GroBkreuz des osterr. kais. St. Stephan» und 
Commandeur des Militar»Maria Theresien« 
Ordens; Militar < Verdienstkreuz ; Ritter des 
russ. kais. St. Andreas« und St. Alexander 
Newsky», des weiBen Adler« und St. Annen« 
Ordens erster und des St. Georg'Ordens dritter 
Classe; des kon. preuB. schwarzen und rothen 
Adler-Ordens erster Classe, und des Militar» 

Seite 215 



Wurzbach0 6 . txt 

Verdienst ' Ordens ; des kon. bayer. St. Huber' 

tus- und Militar Mar'Ioseph-, dann des kon. 

hannov. Haus» und Ritter-Ordens vom heil. 

Georg; des groflherzogl . baden'schen Haus-Or< 

dens der Treue; Commandeur des kon. nieder» 

landischen Militar Wilhelm>Ordens ; GroBkreuz 

des kon. Sicilian. St. Ferdinand» und Verdienst« 

Ordens; des kirn . hannov. Guelvhen>Ordens; 

Ritter des kon. sachs. Ordens der Rautenkrone; 

GroBkreuz des kon. belgischen Leopold«, des kon. 

griech. Erloser-Ordens ; des groBh. toscanischcn 

St. Joseph-, des groBh. Hess. Ludwig ' Ordens; 

dann des herzogl. braunschw. Ordens Heinrich's 

des Lowen; k. k. General der Cavallerie; 

Inhaber des Inf anterie«Regiments Nr. 44 

und Chef des kais. russ. lithauischen Uhlanen« 

Regiments Nr. S. — Portrate. Grofi ist 

die Zahl der mehr oder weniger getroffenen 

Portrate Sr. kais. Hoheit, hier folgt nur die 

Angabe der bedeutenderen : i ) Lithogr. von 

Kriehuber (1846) in Generals«Unif orm 

(Wien, Spina, Fol.); — 2) von demselben 

(1849) (Wien, Neumann, gr. Fol.); — 3) gez. 

und lithogr. von B a r a b a s (Wien, Paterno, 

Fol.); — 4) lithogr. von Dauthage (ebd., 

Fol.); — 5) nach M o n t e n lithogr. zu Pferde 

(Munchen. Kohler u. Comp., Fol.) j^oavon auch 

color. Eremplare); — 6) Stahlstich vonMeyer 

im „Gothaischen Hofkalenorr" (Gotha, I . Per» 

thes. 320. ) . 
* * 

15- Alexander Leopold, Erzherzog 
von Oesterreich, Palatin (geb. 14. August 
1772, gest. 22. Juli 1793), vierter 
Sohn deS Kaisers Leopold I I . und 
Maria Ludovica'S, kon. Prinzessin 
von Spanien. Nach dem Tode des 
Kaisers Joseph I I . kam er mit seinem 
Vater und seinen Brudern Karl, Fer« 
dinand und Joseph nach Wien (im 
Mai 1790) . Seit 4765 war die Wiirde 
eines Palatins in Ungarn nicht wieder 
besetzt, sondern an dessen Stelle von 
Kaiser Joseph eine Statth alterei errichtet 
worden. Durch das Decret vom 8. Marz 
1790 beschloB Kaiser Leop olddie Her« 
stellung der ungarischen Verfassung, wie 
sie zur Zeit Maria Theresia's bestan» 
den hatte und gestattete den Standen die 
Wahl eines Palatins. Am 10. Juli 
1790 traten die Stande zusammen und? 
Habsburg — Alexander 147 Zabsburg — Amalie 
am 12. November siel die Wahl des 
Palatins auf Erzherzog Alexander 
Leopold, der nun der erste Prinz aus 
dem Hause Habsburg war, welcher diese 
wichtige Wiirde bekleidete. Alexander 
Leopold wurde feierlichst installirt. 
Nach dem Tode seines Vaters Leopold 
und der Thronbesteigung des Kaisers 
Franz blieb er auf seinem Posten, bis 
die im Jahre 1794 in Ungarn angespon« 
nene und entdeckte Jacob iner«Versch wo« 
rung, an deren Spitze der Bischof M art 

Seite 216 



Wurzbach0 6 . txt 
in ovits stand, die Stellung des jungen 
Palatins sehr schwierig machte; und um 
so schwieriger, da man ihm wahrend der 
Verhandlungen gegen die Verschworer 
den Vorsitz der Septemviral lieB und er 
also Richter und Partei in einer Person 
war. Nach dem Schlusse der Verhandlungen 
und nach der Hinrichtung der 

fiinf Hauptschuldigen : Martinovits , 
Szigray, Hajnoezy, Laczkovich 
und Szentmariay, begab sich der 
Palatin zur Erholung seiner angegrif» 
fenen Gesundheit nach Wien (Anfangs 
Juli 1793). Am 12. Juli sollte die 
Kaiserin Maria Theresia, zweite 
Gemalin des Kaisers Franz, Laxenburg 
auf langere Zeit besuchen. Erzherzog 
Alexander Leopold, dessen Lieblingsstudien 
Mathematik und Chemie waren, 
wollte der erlauchten Frau seines Bruders 
einen festlichen Empfang bereiten und 
sie mit einem, unter seiner Leitung verfer« 
tigten Kunstf euerwerke iiberraschen. Im 
Augenblicke, als ein losgebrannter Poller 
die Ankunft der Kaiserin verkiindete, 
ziindete der Erzherzog die erste Rakete 
an, welche jedoch, durch einen ungluck» 
lichen WindstoB falsch geleitet, statt auf. 
warts, in die in der Nahe stehenden, 
mit Pulver gefullten Apparate flog, welche 
nunmehr zu erplodiren begannen. Der 
Prinz wurde am ganzen Leide berge» 
stalt verbrannt, daB er in Folge der 
erhaltenen Wunden alsbald seinen Geist 
aufgab. Zwei Diener aus seinem Gefolge 
wurden auch Opfer dieses schrecklichen 
Unfalls. Am 13. Juli wurde die Leiche 
des Erzherzogs bei den Kapuzinern in 
Wien feierlich beigesetzt. Die Palatins. 
wiirde ging durch Wahl der Stande und 
Bestatigung des Kaisers Franz auf 
seinen jiingern Bruder, den vielgeliebten 
Erzherzog Joseph (s. d.) iiber. 

I'siLo HlkF^ar OrsLQZi Nwervn. (Oberungarische 
Minerva). Jahrg. 1823. H. Heft (April. Mai. 
Juni) : Biographie von Gr. I . Desewffy. 
Daselbst befindet sich auch des Erzherzogs Vrust 
bild. — Nonvsiis NiosraMis ' s »sinls. . . 
xu'bli6s Song la. airsotion as Ick. Is Dr. 
Nosksr (?ari8 1352, Diaot, Fr.3<>.) Na . . I , 
89. 932 j^nach dieser wird Erzherzog Aleran« 
der Leopold irrthumlich ein Sohn des Kai« 
sers Joseph H. genannt, dessen Neffe er 
war. — Schimmer (Karl August), Bilder 
aus der Heimath (Wien 1834, gr.8o.) S. 367 u. f. 
* 

16. Amalie Wilhelmine von Braunschweig- 
Mneburgi Kaiserin, Gemalin des 
Kaisers Joseph I. (geb. zu Liineburg 
21. April 1673, gest . zu Wien 10. April 
1742), Tochter des Herzogs Johann 
Friedrich vonBraunschweig»Luneburg . 
Vermalt durch Procuration zu 
Modena am 13. Janner, in Person zu 

Seite 217 



Wurzbach0 6 . txt 
Wien am 24.Februar 1699. Trat vor ihrer 
Vermalung von der protestantischen zur 
katholischen Religion iiber und verkehrte 
bei diesem Anlasse ihren fruheren Namen 
Wilhelmine Amalie in Amalie 
Wilhelmine, daher die haufigen 
Verwechslungen dieser Namen. Nach dem 
Tode des Kaisers Leopold I. empfing 
sie am 22. September 1703 mit ihrem 
Gemale die feierliche Erbhuldigung. Am 
17. April 1711 verlor sie ihren Gemal 
Kaiser Joseph I., der im Alter von 33 
Jahren, ohne mannliche Erben zu hinterlassen, 
dem Staate entrissen wurde. Seit^ 
Habsburg — AmaUe 148 — Andreas 
dieser Zeit lebte die Kaiserin Amalie 
Wilhelmine mit ihren beiden Tochtern 
Maria Joseph a und Maria Am alia 
in dem ihr zum Mitmensche angewiesenen 
Schlosse Schonbrunn; den Winter uber im 
rechten Fliigel der Hofburg, welcher noch 
heute nach ihr den Namen „Amalienhof" 
bewahrt . Im Jahre 4716 berief die Kaiserin 
die Nonnen des heil. Franz von 
Sales aus den Niederlanden nach Wien, 
und kaufte ihnen das Haus des Freiherrn 
von Quarient auf dem Rmnwege, urn 
daselbst den Salesianerinen ein Kloster zu 
erbauen. Am Tage der Geburt der grofien 
Maria Theresia, am 13. Mai 1717, 
legte die Kaiserin den Grundstein zum 
Klostergebaude, dessen Bau 1719 vollendet 
war. Am 13. Mai 1719 fiihrte die 
Kaiserin die Nonnen in ihren Besitz ein, 
behielt sich eine Wohnung im Kloster vor, 
zog sich aber noch nicht ganzlich in das« 
selbe zuruck; erst gegen das Ende ihres 
Lebens, als ihr der Schmerz ward, ihre 
beiden Schwiegersohne Friedrich Au« 
gust von Sachsen, und Karl Albrecht 
von Bayern, in Waffen gegen Oesterreich 
auftreten zu sehen, wahlte sie sich das 
langst vorbereitete Asyl, in welchem sie im 
Alter von 69 Jahren, eben in den Ta» 
gen der hochsten Bedrangnifi der grofien 
Maria Theresia, starb. Ihrer Anord« 
nung zu Folge wurde ihr Herz zu den 
Fiifien des Sarges ihres Gemales in der 
Kaisergruft bei den Kapuzinern, ihr K6r» 
per aber am 13< April 1742 in der Gruft 
unter dem Hochaltare bei den Salesiane« 
rinen auf dem Rennwege beigesetzt. 

(Hormay r) ' , Wiens Geschichte und seine Denk« 
Wiirdigkeiten (Wien 1825, Harter, 8".) I I . Jahrg., 
2.Bd., 3 .Heft, S. 70u. f .u. S.Heft, S. i5 . - S i 1 . 
bert ( I . P.), Der Frauenspiegel, aufgestellt in 
einer Reihe Biographien gottseliger Personen 
aus dem Frauengeschlechte (Wien ts30, Haas, 
8".) S. 41-8 8. 
17. Andreas, Markgraf von Burgan, 

(geb. zu Ambras in Tirol 12. December 
1838, gest. zu Norn in der Nacht vom 
11. auf den 12. November 1600), Sohn 
des Erzherzogs Ferdinand von Tirol 

Seite 218 



Wurzbach0 6 . txt 
undderPhilippineWelser .DieKinder 
aus dieser Ehe, denen in einem spateren 
Vertrage die Vorlande iiberlassen wurden, 
fuhrten nicht den Titel Erzherzoge von 
Oesterreich, sondern nur den der Mark» 
grasen von Burgau. Fruh wurden Andreas 
reiche geistlicheBenef icienzu Theil, 
er wurde Bischof zu Brixen und Constanz, 
Abt zu Reichenau und Cardinal. Im 
Jahre 1898 ubernahm A. fur kurze Zeit 
das Gouvernement in den Niederlanden, 
wobei ihm Franz de Mendoza, Ad« 
miral von Arragonien, zur Seite stand, 
und die Armee commandirte; namlich 
fur die Zwischenzeit , als sein Vetter 
Albrecht, Sohn des Kaisers Mariminach 
Spanien reiste, urn sich mit der In« 
fantin Clara Eugenie Isabella zu 
vermalen. Sobald Albrechtim September 

1599 mit seiner Gemalin zuriickgekehrt 
war, legte Andreas sein Regiment 

nieder und kehrte nach Deutschland zuriick. 

1600 reiste er zur grofien Jubelfeier nach 
Rom, wo ihn der Papst im Vatican be« 
herbergte. Im October 1600 besuchte er 
Neapel; auf der Ruckreise nach Rom 
wurde er plotzlich krank, empfing noch 
vom heil. Vater selbst die letzte Oelung, 
und starb im schonsten Mannesalter von 

42 Jahren. Er liegt in Rom in der deut» 

schen Nationalkirche aanta. Naria asi- 

1' Nnima beigesetzt. Seine Devise war ein 

auf dem Waffer schwimmender Korper 

mit dem Sinnspruche: 

Fugger, Spiegel der Ehren des ErzHauses 

Oesterreich. . . durch Sigm. v. Birken (Nurn» 

berg 1668, Fol . ) . S . 139. - 5»e 2' s ol« <17a5. 

A , Nstoriaruw Udri 138 ad a. 1546 aa? 

Habsburg — Anna 14 9 Zabsburg — Anna 

a. 1607 (Lonaou, 1733, 

u. 124 . Buche. - H A a<? 

as 1640-47 

Fueii'HZ civiles as I^Iauarsg. — <7 A 1 ' st ! ' as?ls 

l' s l'eis?' s , 51sasrla . u<i5ob61 : iLtoi-i6 . — Allgem. 

historisches Lexikon (Leipzig, bei Thorn. Frit« 

schen's sel. Erben 1730. Fol.), 3. Aufl.. Bd. I 

S, 192. 

18. Anna, nach Anderen Gertrude 

von Hahenbergi Kaiserin, Gemalin des 

Kaisers Rudolph I. (geb. 1223, 

gest. am 3.. nach Anderen am 16. Fe> 

bruar 1281) . Tochter Leonhard'S 

Grafen von Hohenberg und Heigev 

loch, und die erste Stammmutter des 

erlauchten Kaisergeschlechtes der Habsburger. 

Sie soil ursprunglich Gertrud 

geheiBen, und den Namen An na erst aw 

genommen habe, als Rudolph die Kai 

serwiirde erlangt hatte. Im Alter von 

20 Jahren (1243) vermalte sie sich dem 

Grafen von Habsburg, und schenkte ihm 

in 36jahriger Ehe vierzehn Kinder, u. z. : 

sechs Sonne, acht Tochter. Sie hatte 

ihren bleibenden Aufenthalt in Wien ge» 

Seite 219 



Wurzbach0 6 . txt 
nommen. Als sie, 36 Jahre alt, daselbst 
starb, wurde ihr Leichnam nach Basel 
gebracht, und daselbst beigesetzt, im Jahre 
1770 aber in die neue Fiirstengruft nach 
St.Blasien im Schwarzwalde iibertragen. 
B 1 a i c h er (loan Cos. de), Beytragliche Gedanken 
zur Beleuchtung der Frage: Wie viele Gemcchlinm 
Kaiser RudolphI . gehabt und von 
was Namen und Stammen dieselbe gewesen 

(Constanz 1774, 4«.) . — Carlsruher Niitzliche 

Sammlung 1753, Nr. 11 u. 12, und I . Scho t t : 

Juristisches Wochenblatt I . 1772, 118—133: 

„Nachricht von Kaiser Rudolph's von Habsburg 

erster Gemahlin. Von I o h . Friedr. Herb» 

st er" . — Basler Beitrage zur Vaterland. Ge< 

schichte, 18S4,V, 17 5-199: , , Gertrud ' Anna, 

Gemalin Rudo lp h's von Habsburg. Eine histor. 

genealog. Untersuchung v. Remig. Meyer". 

19. Anna von Oesterreich, Tochter 

des Kaisers Albrecht I., und Elisabethens 

von Kamthen, vermalt im Herbst 

1293 zu Gratz mit Hermann dem 

Langen, Markgrafen von Brandenburg 

(gest. 1308); nach seinem Tode zum 
anderen Male 1310 mit Heinrich VI., 
dem letzten Herzoge zu Breslau; starb 
nach Hiibner 1361, nach Anderen 1326. 
Hiibner (Ios.), Genealogische Tabellen... 

(Leipzig 1719. Gleditsch. kl. Qu . Fol.) Bd. I , 

Tab. 123. 

2 0. Anna von Bohmen (geb. 1323, 

gest. 1340), zweite Gemalin Otto's des 

Kiihnen, Herzogs von Oesterreich. Anna 

ist eine Tochter Johann ' s Konigs von 

Bohmen, wurde 1334 mit dem Herzog 

Otto dem Frohlichen, jiingsten Sohne 

des Kaisers Albrechtl., vermalt, hielt 

aber ihrer groBen Jugend wegen erst 

im folgenden Jahre ihr Beilager. Sie 

starb 1340 sehr jung im vierten Jahre 

ihrer Heirath. 

Hu bner (I. ) . Am angez. Orte. Bd.I, Tab. 125 

u. 107. 

* * 

21. Anna von Oesterreich i Herzogin 

von Bayern; sie ist eine Tochter Friedrich's 

des Schonen und Elisabethens, 

Tochter Jacob I I . von Aragonien. Im 

Jahre 1336 wurde sie an Heinrich, 

Herzog von Bayern, vermalt. Als dieser 

schon in zwei Jahren starb, kehrte sie 

nach Wien zuriick, begab sich daselbst in 

das St. Clarenkloster in der KarnthnerstraBe, 

und nahm mit 2 6 adeligen Damm 

zugleich den Schleier. 1341 wurde sie 

Aebtisfin dieses Klosters, und starb daselbst 

am 17. December 1343. 

S p i e B : Aufklarung in der Geschichte und Diplomatik, 

S. 1—14.- „Diplomatisch erwiesene 

Eheverbindung des Herzog Heinrichvon Nieder» 

bayern, Natternb erger genannt, mitAnna, 

einer Tochter des rom. Konigs Friedrich des 

Schonen, Herzog in Oesterreich" . — Hormayr, 

Wiens Geschichte und seine Denkwurdigkeiten 

Seite 220 



Wurzbach0 6 . txt 
(ebd. 1324) I I . Jahrg., 1. Band, S. 60 u. f.¥ 
Habsburg — Anna 

22. Anna von Oesterreich (geb. 12. 
April 1432, gest . 13. November 1462), 
Tochter des Erzherzogs Albrecht V., 
nachmaligen Kaisers Albrecht II., und 
Elisabethens , Erbtochter des Kaisers 
Sigismund aus dem Hause Luxemburg, 
vermalt am 20.Juni 1446 mitWilhelm 
m. Churfursten von Sachsen, welcher sie 
jedoch wieder verstiefi. Sie starb im Alter 
von 30 Jahren zu Eckhardsberg in Thuringen, 
und wurde zu Reichardsbrun be< 
graben. Indem von MorizBermann 
herausgeg . „Oef terreichisch-biographischen 
Lexikon" (wovon nur 3 Hefte erschienen 
sind) S.180 wird Anna als eine Toch> 
ter Albrecht IV., genannt das Weltwunder, 
aufgefuhrt. Abgesehen davon, 
dafi Albrecht IV. nur einen einzigen 
Sohn hatte, Albrecht V. (eben den, 
dessen Tochter Anna wirklich ist), so 
kann sie schon defihalb nicht feine Tochter 
sein. da Albrecht IV. bereits im Jahre 
1404, also urn 28 Jahre friiher gestorben, 
als Anna (geb. 1432) zur Welt gekommen 
war . 

Hiibner ( I . ) , Geneal. Tabellen... (Leipzig 
(1719), B'v. I , Tab. 128 u. Ia7. 
2 3. Anna von Bretagne, Verlobte 
des Kaisers Maximilian I. (geb. 
26. Janner 1476, gest. 9. Janner 1314) . 
Tochter des Herzogs Franz von Bretagne, 
und Margarethen ' s von 

Foix. Als Kaiser Maximilianl . seine 
erste Gemalin, Maria, Tochter Karl 
des Kiihnen von Burgund, plotzlich ver. 
lor, liefi er durch seinen Gesandten W i 1 - 
helm von Oranien urn Anna von 
Bretagne werben, erhielt das Jawort, 
und ward mit ihr durch Procuration ver« 
malt. Karl VIII. von Frankreich, welchem 
Maximilian's Tochter Margar 
e t h e noch als erDauphin war, ver. 
lobt worden war, schickte nun seine 
Habsburg — Anna 

Braut, die sich seit 10 Jahren in Paris 
aufhielt, dem Kaiser wieder zuriick, liefi 
des Kaisers Braut auf ihrer Reise nach 
Deutschland iiberfallen, raubte, brachte 
sie nach Paris, und liefi sich sogleich mit 
ihr trauen (1491) . Von dem Vorhaben, 
diese Schmach durch Einfall mit Heeres« 
macht in Frankreich zu rachen, wurde 
Maximilian nur durch die Churfursten 
abgehalten. Anna aber heirathete nach 
Karls VIII. Tode zum zweiten Male 
Ludwig XII., Konig von Frankreich. 
Vis as2 62.N03 illustres. — 2>eottc' s 
et <</4n?zs Ma?'. </<?«. A , Lottos 8iir A .nus 
as VrstaFus, i-sws as Granes (Nantes 1822, 
8".) . — Ds Fonv cis 51'nc' s Details sur la 
vi6 z>i'iv6o a' A n n 6 as VrstaLns kommo as 
cuiarlsZ V I I I . et as I A onia XII. (1830, 

Seite 221 



Wurzbach0 6 . txt 
as raxtu A i i n ao Vrittauiao i>udl. avso ass 
uotss xar 0. I'r. I A ubort Ha. 2.8 Marburg 
1770, 4") . — Die ausfiihrliche Literatur liber 
den Raub Anna's durch Konig Karl VIII. und 
die Reklamationen anlafllich dieses galanten 
Streichs vergleiche: Schmito. Tavera (Carl 
Dr.), Bibliographie zur Geschichte des osterr. 

Kaiserstaates (Wien 18S8) Nr. 812-822. 

* * 

24. Anna, Konigin von Ungarn und 
Bohmen, Gemalin des nachmaligen Kai« 
fers Ferdinand I. (geb. zu Prag 23. Juni 
1303, gest. ebenda 27. Janner 1347) . 
Tochter Wladislaus IV., Konigs von 
Ungarn und Bohmen. Nach langen Un« 
terhandlungen zwischen Maximilianl . 
und Wladislaus, welche kaiserlicher 
Seits der gelehrte Historiker Cufpinian 
fuhrte, wurde d-ie Doppelheirath, namlich 
des Mgarischen Prinzen Ludwig mit 
Maria, der Enkelin des Kaisers, und 
zwischen Anna mit einem von des Kai» 
sers Enkeln Karl oder Ferdinand festgesetzt. 
Da sich K a r 1 V. mit Isabella 
von Portugal vermalt hatte, so wurde 
Ferdinand Anna's Gemal. Die Ver» 
malung fand am 8. Mai 1321 Statt, und 
durch diese Ehe wurde Ferdinand, da^ 
Habsburg — Anna 181 Habsburg — Anna 
Anna's Bruder Ludwig in der Schlacht 
von Mohacs (29. August 1326) gesatlen, 
und der Schwester nun Ungarn 
und Bohmen als Erbe zufielen, auch 
rechtmaBiger Erbe dieser beiden Lander. 
Anna gebar ihrem Gatten 13 Kinder, 
erlebte aber ihres Gatten Wahl und 
Kronung zum Kaiser nicht, da sie schon 
mehrere Jahre friiher, erst 44 Jahre alt, 
gestorben. Sie liegt in Prag begraben, 
und als sie starb, wurde, da sie die 
Bohmen hoch verehrten, in den zur 
Krone Bohmens gehorigen Landern sechs 
Monate die voile, und sechs Monate die 
halbe Trauer getragen. Die Konigin 
An na war ebenso fromm als gelehrt. Sie 
schrieb ein Werk unter dem Titel: « 67^ 
FonMl'ns, Ksr. kunsaria. a611a.aa,5 733—775: 
„Contraotus MQtriinoQioi ' uiu intsr luouiaiQ 
I^uaoviouin Ilnsarias KsFSni st Nlariaiu, 
Q2>nauui tnuo ai ' okiaiiosiQ H,nstriao st H.u» 
Hll' s xiiQili2ui Iiux. sto" . — Oesterr. Ar6)iv 
fur Geschichte, herausg. uonHormayr, 1831, 
Nr. 139: „Kinder Kaiser Ferdinand's I.", 
von I . Bergmann. — Schnitt v. Tavera 
(Carl I)r.), Bibliographie zur Geschichte des 

osterr. Kaif erstaates . Nr. 1948—1953. 

* * 

23. Anna von Oesterreich, Konigin 

von Spanien (geb. 1. Nov. 1549, gest. 

am 26., nach Anderen 28. October 4380), 

Tochter des Kaisers Maximilian I I . 

und Maria's, Tochter des Kaisers 

Karl V. Sie war zuerst mit Don 

Carlos, Sohn Philipp's'II. von 

Seite 222 



Wurzbach0 6 . txt 
Spanien verlobt. Als dieser 1868 geftor« 
ben war, warb Karl IX. von Frankreich 
urn Anna. Die Erzherzogin war in Ver> 
zweiflung bei dem Gedanken, Gemalin 
des Urhebers der Bartholomausnacht zu 
werden. Da starb Philipp's I I . dritte 
Gemalin Elisabeth, und Anna wurde 
seine vierte Gattin, feierlich ihm angetraut 
am 12. November 1370. Sie starb jung, 
nicht alter als 31 Jahre. 

6>ot5en, ImaFo rsFwas A . rmao ulias In A oratoris 
Alaxiiuiliaui II.... (Volonias A 3?. 
1570, 4«.) . — Mgem. histor. Lexikon (Leipzig 
1730, bei Thomas Fritfchen's sel. Erben, Fol.), 
Bd. I, S. 206 und Fortsetzung (ebenda 1740) 
S. 54. 

* * 

2 6. Anna von Defterreichi Herzogin 

von Bayern (geb. zu Prag 7. Juni 1528, 

gest. zu Miinchen 18. October 1387) . 

Tochter des Kaisers Ferdinand I. 

und Anna's, TrbtochterWladislaus ' , 

Konigs von Ungarn und Bohmen. 

Wurde zuerst an Theodor, Herzog von 

Bayern, dann an Karl, Herzog von 

Orleans verlobt. Als auch dieser starb, 

vermalte sie sich am 4. Juli 1346 mit 

Albrecht V., Herzog von Bayern. 

Hiibner (I.), Geneal. Tabellen... (Leipzig 

4719. Gleditsch, kl. Qu . Fol.), Bd. I , Tab. 126 

u. 133. 

* * 

27. Anna von Oesterreichi Konigin 
von Polen (geb. zu Gratz 16. August 
1373, nach der Aufschrift ihres Sarges in 
Krakau muBte sie 1367 geb. sein, gest. 
10. Februar 1398) . Tochter des Erzherzogs 
K a r 1 I . von Steiermark. Sie wurde 

am 31. Mai 1392 zu Krakau dem Konig 

SigmundlH. von Polen vermalt, starb 

aber in jungen Jahren in der Schwanger« 

schaft, nachdem sie friiher schon ihrem Gat« 

ten einen Thronerben, Ladis laus IV., 

nachmaligen Konig von Polen, geschenkt 

hatte. Das in den Quellen angefuhrte 

Werk des Jesuiten Fab. Quadrantius 

wird von Einigen irrthumlich ihr zuge» 

schrieben . 

Oratio n 86Mltur2.ni H 

rsFis, uxoris (HrssUis 1600, 8° . ) . — 

t2.tis oo2tiuV22 vitlun. at a'biturll^ 

Habsburg — Anna 182 Habsburg — Anna 

1)61-3 1605, 40.). - Wurzbach (Constantin) , 

Die Kirchen der Stadt Krakau. Eine Mono« 

graphie (Wien i833, so.) S. 29, Marg. 85 

wird die Inschrift ihres Sarges mitgetheilt, 

welcher sich in der Konigsgruft der Krakauer 

Kathedrale unter der Psalteristen-Capelle befindet. 

* -k -k 

28. Anna von Tirali Kaiserin, Gemalin 
des Kaisers Mathias (geb. zu 
Innsbruck 4. October 1583, gest. 14., 
nach Anderen 13. December 1618) . Sie 

ist eine Tochter des Erzherzogs Ferdinand 

Seite 223 



Wurzbach0 6 . txt 
(N.) von Tirol aus dessen zweiter 
Ehe mit Anna Katharina, Prinzessin 
von Mantua ss. Nr. 31), und gleich 
ihrer Mutter beruhmt durch ihre hohe 
Religiositat und Frommigkeit. Am 4. Dec. 
1611 wurde sie mit ihrem Vetter, nach« 
maligen Kaiser Mathias, zuWienver« 
malt, mit ihm am 24. Juni 1612 zu 
Frankfurt als Kaiserin, den 23. Marz 
1613 als Konigin von Ungarn, den 
10. Janner 1616 als Konigin von Bohmen 
gekront . Sie starb im Alter von 
33 Jahren. Ihre Ehe war kinderlos ge« 
blieben. Mit ihrem Gatten zugleich ist 
sie die Stifterin der kaiserlichen Gruft bei 
den Kapuzinern, und wurde sie die erste 
in derselben beigesetzt. Die triiben, unruhevollen 
Tage, welche Mathias und 
seine fromme Gemalin in Folge der da« 
maligen Religionswirren und des Burger» 
zwistes erlebten, lieflen fur beide keine 
andere Friedenshof f nung mehr, als im 
Jenseits, und ihre unablassige Sorge war 
auf ihre Ruhestatte gerichtet. Jedoch erst 
nach beider Tod wurde von Ferdinand 
am 8. September 1622 der Grundstein 
gelegt-, 1632 fand die Einweihung, 1633 
die feierliche Uebertragung der inzwischen 
im Konigskloster beigesetzten Leichname 
des Kaisers und der Kaiserin Statt. 
Leopold I. 1701, Maria Theresia 
1748, und Kaiser Franz 1824 lieBen die 
Gruft erweitern. sSiehe Tafel N und 0.) 
( H o r m a y r ) , Wiens Geschichte und seine Denb 
Wiirdigkeiten (Wien 1825, Harter, 8«.) I I . Jahrg. 
2. Bd. S. 30 u. f . 

29. Anna von Desterreichi Konigin 
von Frankreich (geb. 1602, gest. 20. Janner 
1666). Tochter Philipp's III., 
Konigs von Spanien. Am 25. December 
1613 vermalte sie sich mit 3ud wig XIII., 
Konig von Frankreich, und wurde Mutter 
Ludwig's XIV. Anna ist eine der 
merkwurdigstenFiirstinen des Mittelalters . 
Durch BeschluB vom 18. Mai 1643 
iibertrug ihr, als ihr Gemal gestorben 
das Parlament die Regentschaft wahrend 
der Minder jahrigkeit ihres Sohnes und 
verwarf das Testament Ludwig's XNI . 
Die Siege des groBen Cond6 erwarben 
ihr die Achtung der Nation und als die. 
maBlosen Unterdriickungen Mazarin's 
den Biirgerkrieg (den Krieg der Fronde) 
hervorrief en, stellte siesich unter Condo ' s 
Schutz. Beruhmt ist die Antwort, welche 
sie Mazarin gab, als dieser sie durch 
die Drohung, ihr erftgeborner Sohn 
konnte Mazarin's Nichte Hortensia 
heirathen, besorgt machen und einschiichtern 
wollte: „Wenn der Konig", erwie« 
derte sie dem schlauen Staatsmann, „fahig 
ware, diese Unthat zu begehen, so stellte 
ich mich mit meinem zweiten Sohne an 
die Spitze meines Volkes, und stiinde 

Seite 224 



Wurzbach0 6 . txt 
gegen den Konig und gegen Euch auf." 
Eine Eigenthumlichkeit , die sie besaB, 
war, daB sie. obgleich sie Blumen leiden» 
schaftlich liebte, nicht den Anblick der Rose, 
ja selbst im Gemalde nicht, ertragen 
konnte. Ihr Korper war von einer ausnehmenden 
Empf indlichkeit und es war 
schwer, genug feine Linnen fur ihre Hem» 
den und Leibwasche zu finden. Mazarin. 
als er iiber diese Verweichlichung einst 
witzelte, sagte zu ihr: „K6nigin, wenn 
Ihr im Jenseits verdammt werdet, so? 
Habsburg — Anna Sabsburg — Anna 
wird Eure Strafe sein, auf hollandischer 
Leinwand zu schlafen." Das Portrait, 
welches Frau von Motteville von 
Anna entwirft— und damals (1639) 
zahlte die Konigin bereits 37 Jahre — 
laflt sie als eine der schonsten Frauen 
ihrer Zeit erscheinen. „Sie war weiB," 
schreibt diese Dame, „und keine Bliste war 
mit der ihrigen zu vergleichen ' , die Augen 
waren tadellos schon, Anmuth und 
Majestat sprachen aus ihnen, ihr Mund 
war klein und vom reinsten Purpur, ihr 
Lacheln bezaubernd, die Form des Gesichtes 
edel und die Stirn schon gewolbt, 
Hande und Arme waren von iiberraschender 
Vollendung und ganz Europa 
vernahm das Lob derselben, sie wett« 
eiferten ohne Uebertreibung mit dem 
blendenden WeiB des Schnees. Sie war 
groB, aber aus ihrer erhabenen Srscheinung 
sprach kein Stolz. I n ihrer Miene 
saB ein unaussprechlicher Zauber und in 
den Gemuthern Aller, die ihr nahten, 
lieB ihre Schonheit die Eindriicke von 
Verehrung und Ergebenheit zuriick." 
Ungeachtet aller dieser Reize verlebte sie 
ein Dasein ohne Liebe an der Seite ihres 
von Richelieu beherrschten Gatten. Als 
Ludwig XIII. eines Tages gegen die 
Konigin durch die Verleumdung auf gestachelt 
ward, daB sie ihm, urn sich 
neuerdings zu vermalen, nach dem Leben 
trachte, erwiderte ihm Anna Angesichts 
des Staatsraths, vor welchem der Konig 
diese Beschuldigung ausgesprochen hatte, 
in Wiirde: „Der Gewinn bei einem 
solchen Wechsel ware zu unbedeutend, 
urn ein so groBes Verbrechen fur einen 
so geringen Erfolg zu begehen." Als 
der Krieg der Fronde beendet war, widmete 
sich die Konigin ganz dem beschau» 
lichen Leben, und die prachtige Kirche 
Val de Grace lieB sie erbauen. Sie starb 
im Alter von 64 Jahren. 

laitg rsuau« a l'Ntat x A r A uns a'^utriods, 
asxuHg Is eounnsu.o6m.6iit as sa. 
A s A u'a I'an 1649 (?aria 1649, 4«.). -. 
16 6 6, 4 » . ) . - 

H.QNS a'^utrioks (Loraskux 1667, 40.). - 
au . xa . ria . iusnt , okambro ass ooinptos, oour 
as5 aiass as?rovsu.os xou.r la Mhlioatiou. 

Seite 225 



Wurzbach0 6 . txt 
as la, okkr A s ao FiAna Naitrs . . . sn tkveur 
as la. rsius-inZrs st rsfi A nts (?H,-i8 1647, 
12<>.) . — HlonilFnz, A /ea)t He' 1 , Oi-aiaou ku- 
QsdrL a'^nns a ' A . utrioti6 (Ksnnog 1666, 
4".). - Os ?a He?'?'« i A ean, 51'e A e), Portrait 
a ' A u s a' A ntrielis (raria 1644, 4<>.), — 
5s?lHs<m-F ' o7z 6anls? ' A 5a« A , A . A rsKs ao la, 
vis a ' A . QNG a' A u.triotis en torins a' A Diris 
1666, 4».). - A .mo«?-H a'H.Q u s 
s, spousa as I A o uig XIH., avso 
Is (?(ai-aiQHy v(s) N(iodoiisu) (OoloFus 
1691, 120.; - sba. 1693, 120. A u f dieser sehr 
seltenen Ausgabe steht auf dem Titel der Zusatz: 
avso Is caraina! ayNioliolisu, Is v6ri> 
tadis xoi-o as5oui3XIV. , eba. 1696,12". 
u. I A ouaou 1738, 12 AA ) . — Eine noch groBere 
und interessantere Ausbeute liefern aber die 
Memoiren und Geschichtswerke jener Periode, 
als: 5a Hoe5e/a«eau?H, „klsNoiles" ; — 
A .«6sT«!,, „Nigtoirs du Oarainal Ua21ciin"; 
— <3al'nt A .tt/Hl>s, A LllLtoirs au I«, I ' rouas I, 
106"; — Hsi'naT'H ue A asso?-, A Higtoirs as 
Koni3 XIII.";— 5/smonckl, n A 22toirs ass 
I'raufaiL, VS. XXIV". 
30. Anna von Ilorenz (geb. 4646 
gest. 12. September 1676) . Tochter Cos» 
mus ' II., Grofiherzogs von Florenz, und 
Maria Magdalena's, Tochter des 
Erzherzogs Karl von Oesterreich, ver« 
malt am 10. Juni 1646 an Erzherzog 
Ferdinand Karl von Tirol, dem sie 
zwei Tochter gebar: Claudia Felici» 
tas 15 Nr. 47) und Maria Magdalena, 
die mit 13 Jahren (1669) starb. 
Hubner. Geneal . Tab . (1817 ) i, Tab . 127u . 301 
Anna, Kaiserin, Gemalin des Kaisers 
Ferdinand H., siehe: Maria Anna 
von Bayern.? 

Habsburg — Anna 154 Habsdurg — Anton 
Anna von Spanien, siehe gleichfalls: 
Maria Anna von Spanien. 
* * 

3i. Anna Katherina von Mantua, 
zweite Gemalin des Erzherzogs Ferdinand 
von Tirol (geb. zu Mantua 
17. Janner 1366, gest. 3. August 1620) . 
Anna ist eine Tochter Wilhelm 
Gonzaga's, HerzogsvonMantua mit 
Eleonore vonOesterreich, Tochter 
des Kaisers Ferdinand I., folglich einer 
Schwester ihres Gemals, dessen erste 
Gattin P h i 1 i p p ine Welser war. Sie 
wurde ihm am 19. Mai 1882 ange< 
traut, und gebar ihm drei Tochter: 
Martha Eleonore, welche in der 
Kindheit starb; Anna Kather in a (geb. 
15. Juni 1384, gest. 2. Marz 1649), 
welche in das von ihrer Mutter gestiftete 
Kloster der Servitinen trat; und Anna, 
welche sich mit dem Kaiser Mathias 
vermalte ssiehe diese Nr. 28) . Als ihr 
Gemal (1393) starb, stiftete Anna zu 
Innsbruck das Kloster der Dienerinen 
Maria's, gewohnlich Servitinen genannt, 

Seite 226 



Wurzbach0 6 . txt 

nahm dort selbst den Schleier und den 

Klosternamen Anna Juliana an, und 

starb im Alter von 33 Jahren. 

Hubner, Geneal. Tabellen (1719) (kl. Qu . Fol.) 

Bd. I, Tab. 126 und 307. 
* * 

3 2 . Anna Cleonora von Mantua 

und Gonzaga, Kaiserin (gest. am 27. Juni 

1633) . Tochter des Herzogs Vineenz 

von Mantua und Gonzaga, wurde sie am 

4. Feb. 1 622demKaiserFerd in and I I . 

vermalt, dessen zweite Gemalin sie war. 

Die 33jahrige Ehe blieb kinderlos. Die 

Kaiserin war ein Muster hoher Frommig, 

keit. Ein erhebendes Bild dieser erlauchten 

Frau gibt der Reichshistoriograph Hofrath 

von Hurter im 9. Bande seines 

Werkes: „Geschichte Ferdinand's I I . 

und seiner Aeltern" . 

toris, oonHuFiL. . . (Vienug.6 1656, 8«.) . — 

Silbcrt(I.P.), Der Frauenspiegel, aufgestellt 

in einer Reihe Biographien gottseliger Personen 

aus dem Frauengeschlechte (Wien 1830, Haas, 

8 0.) S. 1-41. 

33. Anna Maria, kon. Prinzessin 

von Sachsen, Tochter Seiner Majestat 
Johann's, Konig von Sachsen, geb . 
4. Janner 1836 und vermalt zu Tresden 
am 24. Nov. 1836 mit Ferdinand, 
Erbgrohherzog von Toscana. 

34. Anton Victor Joseph Johann 
Raymund, Erzherzog von Oesterreich, 

(geb. zu Florenz 31. August 1779, gest. 

2. April 1833) . Achter Sohn des Kaisers 

Leopold I I . und Maria Ludovica's, 

kon. Prinzessin von Spanien. Wurde an» 

fanglich zum geistlichen Stande bestimmt 

und waren ihm auch die Bisthumer 

Coin und Munster zugedacht; aber im 

Hinblick auf die revolutionaren Bewe< 

gungen in Frankreich lehnte er beide 

Wiirden ab . Als Erzherzog Karl das 

Hochmeisierthurn des deutschen Ordens 

ablegte, wurde A. dazu berufen (30. Juni 

1804), und bekleidete diese Wurde, 

welche im PreBburger Frieden (26. Dec. 

1803) erblich an Oesterreich iiberging, 

zeitlebens; verlor aber durch Artikel 4 

des Wiener Friedens (14. Ottober 1809) 

alle Giiter, welche von den deutschen 

Fiirsten mit Beschlag belegt worden sind, 

und blibb, da der Orden in Deutschland 

und Italien aufgehoben wurde, auf die 

osterreichische Monarchie beschrankt * ) 

*) Eine lichtvolle Darstellung oeo Hoch» und 

Deutschmeister«Ordms und seines Verkommene 

durch deutsche Zwietracht siehe in Dr. C. W. v. 

2ancizolle ' s : „Uebersicht der deutschen Reichs, 

ritterschaft und Territorial-Verhaltnisse" ' (Berlin 

1830) S. 9t u. f.£ 

Habsburg — Anton 

Im October 1803 begab er sich in einer 

Sendung seines Bruders, des Kaisers 

Franz, nachBerlin, eben nachdemMack 

Seite 227 



Wurzbach0 6 . txt 
(17. October 1803) die Festung Ulm iibergebenhatte, 
der siegreicheFeind die Kaiser» 
ftadt bedrohte, und Kaiser Alexander 
sich auch in Berlin befand; seine Mission, 
PreuBen zu einer Of f ensiv-Allianz gegen 
Frankreich zu gewinnen, gelang jedoch 
nicht . Es ist dieB schon edle PreuBenart, 
wie die Geschichte der neuesten Zeit ein 
Seitenstiick dazu auszuweisen hat. I m 
Jahre 1816 wurde A. Vicekonig des 
eben gegriindeten lombardisch «venetianischen 
Konigreiches , welchen Posten 
jedoch Anfangs 1828 sein Bruder Erzherzog 
R a i n e r ubernahm. A. lebte 
nunmehr ausschliefiend seinem Berufe, 
den Wissenschaf ten und dem Wohlthun. 
Seit mehreren Jahren bereits bewohnte 
er den Sommer iiber in Baden eine 
freundliche Villa, und verdankt ihm diese 
Stadt die mannigf altigsten Verschonerungen, 
zu denen die Reize der Natur in der 
nachsten Nmgebung gleichsam hilfreiche 
Hand bieten. Nach dem ungliicklichen 
Brande der Stadt (12. Juli 1812) war 
es Erzherzog Anton, der im Verein mit 
seinen zwei erlauchten Briidern, dm Erz« 
herzogen Karl und L u d w i g , den 
Wiederaufbau der Stadt, von der 137 
Hauser eingeaschert wurden, wesentlich 
forderte. Auch unterstiitzte er auf das 
Kraftigste das von I . W. K 1 e i n 1804 
gegriindete Blindeninstitut , erwirkte, dafl 
dasselbe 1803 zu einer Staatsanstalt 
erhoben und in ein k. k. Blindeninstitut 
verwandelt wurde; ubernahm das Protectorat 
desselben und fiihrte endlich die 
Verbindung der auch als Privatunter« 
nehmen gegriindeten Versorgungs» und 
Beschaf tigungs . Anstalt fur unheilbare 
erwachsene Blinde mit dem kais. Blindeninstitute 
durch. Nach dem Tode seines 
— Anton 

Bruders, des Erzherzog . Cardinals Rudolph, 
ubernahm A. auchdasProtectorat 
der „Gesellschaf t der Musikfreunde des 
osterreichischen Kaiserstaates« und in der 
kurzen Frist (1831—1838) dieses Schuhes 
hob sich diese Anstalt zusehends, die ehemals 
eine Bedeutung besaB, welche sie 
spater verloren zu haben scheint. Der 
Erzherzog, von friiher Jugend an ein 
eifriger Botaniker und tiichtiger Blumist, 
ubernahm auch das Protectorat der 
„ Gesellschaf tder Gartenf reunde zu Wien", 
welche nun in der Lage war, die Zahl 
ihrer Preise zu vermehren, und iiber« 
Haupt die sich gestellten Zwecke energisch zu 
fordern. Des Erzherzogs eigener Garten 
aber, im Stadtgraben nachst dem Karo» 
linenthore, war ein wahrer Mustergartm 
und zeigte jahrlich einen, wohl von Nie« 
mand iibertrof f enen Kamelienstor . Einen 
bedeutenden Theil seiner Einkiinfte verwendete 
der erlauchte Prinz zur Ver« 

Seite 228 



Wurzbach0 6 . txt 
mehrung seiner wissenschaf tlichen Samm« 
lungen, unter denen die Bibliothek (uber 
13.000 Bande stark) eine hervorragende 
Stelle einnahm, und an seltenen Manu« 
scripten wie an botanischen Prachtwerken 
einen groBen Reichthum besaB. Der Erz» 
herzog pflegte Abends gern die Cirkel der 
hohern Gesellschaft Wiens zu besuchen 
und war ein haufiger Gast in jenem der 
Land grasin von Furstenberg; auch war 
er Mitglied des Ritterbundes der Wilden» 
steiner auf blauer Erde svon dem dieses 
Lexikon im Artikel „Steiger" mehreres 
berichten wird' s . Seinem Bruder, dem 
Kaiser Franz (gest. 2. Marz 1833), 
folgte der Erzherzog in wenig Wochen, 
nachdem er daS 33. Jahr erreicht hatte. 
Der Erzherzog war ein groBer Wohl« 
thater und that viel Gutes im Verbor» 
genen, er war ein Humanist in des 
Wortes edelster Bedeutung, ein Freund 
und Forderer der Wissenschaf ten, und? 
Habsburg — Augusta 186 Habsburg — Zlanca 
obgleich k. k. Feldzeugmeister und Inha« 
ber des Infanterie «Regimentes Nr. 4, 
hatte er das Waf fenhandwerk nie ernstlich 
betrieben, sondern seinen Thatenkreis 
auf das Bereich des innern Menschen, 
wissenschaf tlicher Arbeiten und des edel« 
sten WohlthunS beschrankt. 

Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Voigt) 
XHI. Jahrg. (1835) S. 357-373 Ausfuhr' 
licher Nekrolog von Heinrich Mathay) . — 
Schimmer (Karl August), Bilder aus der 
Heimath (Wien 1854, gr. 8«.) S. 372. - 
Oesterreich. Zuschauer, herausgegeben von S. 
Ebersberg. 1833, Bd. I I I , S. 4060. - 
Portrate. 1) Lithographirt von Kriehuber 

(Wien, Spina, Fol.); — 2) Lithographirt von 

Staub (Wien, I . Bermann, kl. Fol.) . 

5 

3 5. Augusta Ferdinanda Luisa Maria 

Johanna Iosepha, Prinzessin von Toskana, 

Tochter des GroBherzogs Leopold 

I I . und Maria Anna's, kon. Prinzessin 

beider ' Sicilien, geb . am I.April 1823, 

vermalt zu Florenz am 13. April 1844 

mitsuitpold, kon. Prinzen von Bayern 

(geb. am 12. Marz 1821). 

36. Bltlthasar von Oesterreich, Infant 

von Spanien, geb. 17. October 1629, 

gest. 9. Oct. 1646. Sohn Philipp's IV., 

Konigs von Spanien, und seiner ersten 

Gemalin Isabella, Tochter Hein« 

rich IV., Konigs von Frankreich. Ihm 

war Maria Anna, Tochter des Kaisers 

Ferdinand III., verlobt, welche jedoch, 

da er schon im Alter von 17 Iah» 

ren starb, nachmals sein eigener Vater 

Philipp IV. heirathete, dem sie zwei 

Kinder gebar: Margaretha Theresia, 

spater die Gemalin des Kaisers 

Leopold, und K a r 1 I I . , mit welchem 

die of terreich-spanische Linie des Hauses 

Seite 229 



Wurzbach0 6 . txt 
Habsburg erlosch (1700) . 

Allgemeines historisches Lerikon (Leipzig 1730, 
Thorn. Fritschen's Erben, Fol.) 3. Aufl. Bd. I , 
S. 381. 

3 7. Barbara von Deftcrreich, Tochter 
desKaisers Ferdinand I. und Anna's, 
Erbtochter des Konigs W 1 ad i s 1 aus von 
Ungarn und Bohmen, geb . 30. April 1339, 
vermalt im Jahre 1363 an Alphons II., 
Herzog zu Ferrara (gest. 1397), dessen. 
zweite Gemalin, und gestorben 1372. 
Hiibner. Geneal. Tabellen (1719, kl. Qu . Fol.) 
Bd. I, Tab. 126 und 304. 
3 8. Beatrix von Niirnberg, Tochter 
Friedrich's V., Burggrafen zu Niirnberg, 
und Elisabethens von Thiiringen, 
zweite Gemalin A lb recht ' s III. von 
Oesterreich mit dem Zopfe ss. Nr. 9), dem 
sie 1373 vermalt wurde. Sie starb im 
Jahre 1393. 

Hiibner, Geneal. Tabellen (1719, tl. Qu . Fol.) 
Bd. I, Tab. 125 und 176. 

39. BeatrixRiccarda, Erzherzogin von 
Oesterreich, auch Maria Beatrix, siehe: 
Este, Beatrix Riccarda, Bd. IV, S. 88. 

5 5 

40. Mauca von Frankreich, Tochter 
Philipp's III., Konigs in Frankreich 
und Maria's von Brabant. Blanca 

wurde 1300 an Nudolph III., altesten 
Sohn Kaiser Albrecht ' s I., vermalt, 
starb aber schon 1303 nach fiinf jahriger 
Ehe . Rud olph schritt nach ihrem Tode 
zur Wahl einer zweiten Gemalin, welche 
auf die Witwe des bohmischen Konigs 
WenzellV., Elisabeth, fiel, die ihren 
Gemal urn viele Jahre iiberlebte. 
Hiibner, Geneal. Tabellen (Leipzig 1719, kl. 
Qu. Fol.) Bd. I, Tab. 12V und 51. 

41. Blanca Maria von Mailand, 
Kaiserin (geb. 1472, gest. 11. December 
1311), Tochter Galeazzo's Maria 
Sforza, Herzogs von Mailand; zum 
ersten Male vermalt 1482 an Phili« 
bert I., Herzog in Savohen; noch im 
namlichen Jahre Witwe, zum andern? 

— Iona 187 Habsburg — Christine 

Male am 46. Marz 4494 an Kaiser 

Maximilian I., dem sie zwei Sonne 

und eine Tochter gebar: Franz, der 

bald nach der Geburt starb; P h i 1 i p p , 

nachmaliger Konig von Caftilien, und 

Margaretha, nachmalige Statthat« 

terin in den Niederlanden . 

Hiibner, Geneal. Tabellen (1719, kl. Qu . Fol.) 

Bd. I) Tab. 126 und 299. 
* * 

42. Dona oder Jutha' 1 auch Gutha 

von Oesterreich, Tochter des Kaisers 
Albrecht I. und Elisabethens von 
Karnthen, vermalt im Jahre 4343 an 
Ludwig VIII., Grafen von Oettingen 
(gest. 4346) . dem sie vier Sonne und 
eine Tochter gebar: Ludwig IX., Eber« 

Seite 230 



Wurzbach0 6 . txt 
hard, Albert, Georg und Elisabeth, 
diese vermalt anWilhelm Grafen 
Hohenlohe. Bona starb 1328. 
Hiibn er, Geneal. Tabellen (1719, kl. Qu.Fol.) 

Bd. I, Tab. 123 und 270. 

* * 

43. Cacilia Renata von Desterreich A 
Konigin von Polen (geb. zu Gratz 6. Juli 
4644, gest. 24. Marz 4644). Tochter des 
Kaisers Ferdinand I I . und Maria 
Anna's, Tochter Wilhelm's V., Her« 
zogs von Bayern; am 8. August 4637 
mit Ladis lauS IV., Konig von Polen, 
vermalt; dessen vierte Gemalin; am 

43. September d. I . zur Konigin von 
Polen gekront; starb in jungen Jahren, 
erst 33 Jahre alt, und ist in Krakau in 
der SchloBkirche in der unter der Psal» 
teristen »Kapelle befindlichen Gruft bei« 
gesetzt . 

Wurzbach (Constantin) , Die Kirchen der Stadt 
Krakau. Eine Monographie (Wien 1833) S. 21, 
Marg. 66; - S. 32 und 33, Marg. s9 und 90,- 

- S. 360, Marg. 1093. 

* * 

Carl und Caroline' 1 siehe unter: Karl, 

Karoline . 

i siehe: Anna Katherma 

von Mantua "Nr. 34) und Katherina. 

* 5 * 

44. Christine Maria, Erzherzogin 

von Oesterreich (geb. 13. Mai 4742, gest. 
24. Juni 4798) . Tochter des Kaisers 
Franz I. Stephan und der Kaiserin 
Maria Theresia. I m Jahre 4766 
wurde sie mit Albrecht, kon. Prinzen 
von Polen, einem Sohne August's III. 
aus dem churfurstlich sachsischen Hause, 
vermalt, dem sie als Mitgift das Fiirsten« 
thum Teschen im osterreichischen Schlesien 
zubrachte, wornach ihr Gemal den Titel 
eines Herzogs von Sachsen-Teschen fuhrte. 
Von 4784—4793 verwaltete sie gemeinschaf tlich 
mit ihrem Gemal die Statthalterschaf t 
der osterreichischen Nieder» 
lande, und kehrte alsdann nach Wien zu» 
ruck, wo sie bis an ihren, im Alter von 36 
Jahren erfolgten Tod lebte. Die Schonheit 
ihrer auBern Erscheinung, ihre hohe gei» 
stige Bildung und ihr wohlthatiger Sinn 
machten sie zu einer der ersten Frauen 
ihrer Zeit. Unter den niitzlichen Stiftun» 
gen und Anstalten, welche dieser Fiirstin 
ihr Entstehen verdanken, zeichnet sich vor 
alien die Wasserleitung aus, welche auf 
ihre Anordnung aus mehreren Bergquellen 
hinter Hiitteldorf bis in die, sonst 
Wassermangel leidenden Wiener Vorstadte 
Mariahilf, Neubau, Schottenf eld, Laimgrube, 
Windmiihle, Neustift, St. Ulrich, 
Josephstadt und Spittelberg gefiihrt 
wurde. Das Gedrange urn die wenigen 
Brunnen hatte die menschenf reundliche 
Fiirstin geriihrt und, zu diesem Zwecke 

Seite 231 



Wurzbach0 6 . txt 
ein betrachtliches Legat im Testamente 
anweisend, ubertrug sie sterbend ihrem 
Gatten die Erfullung dieses Wunsches, 
der auch, den Willen der edlen Furstin 
ehrend, sogleich Hand an ' s Werk legte, 
(siehe unten die Quellen) . 

Hormayr, Wiens Geschichte und Denkwurdig»? 
Habsburg — Christine 168 Habsburg — Cimburgis 
leiten (Wien, Harter, 8".) I. Jahrg. V. Band, 
13. Heft, S. 126- I I . Jahrg. I I . Bd. S. 18. - 
Oestr. NationabEncyklopadie . . . Bd. I , S. 542. 
— Die auf Kosten dieser Furstin gebaute Wasserleitung 
fiihrt aus Quellen, welche der Stadt- 
Unterkammerer Wohllebenim Hiitteldorfer 
Gebirge entdeckt hatte, in die Stadt. I n Hiitteldorf 
wurden sie in einem groBen Wasserbehalter 
gesammelt und daraus das Wasser 7153 Klafter 
weit in eisernen Rohren unter der Erde bis in die 
obgenannten Vorstadte gefuhrt, wo mittlerweile 
auf angemessenen Platzen steinerne Wasserbecken 
errichtet wurden. I m Juli und August 1805 
begann das Waffer aus dieser Rohrenleitung sich 
zu ergieBen. An demgroBten jener Becken, vor der 
Mariahilf erkirche, verewigt eine einfache Inschrift 
diese groBe Wohlthat; die Inschrift lautet: 
A guas pslsnuss 7155 ab ui'bs ksxkx. eou- 
Isotas oiviuui sudurb. ooiuuioao aiu oxi'ksrsZias 
iilia oon«tiw5t. Votum uxoriZ 
o^plevit H.ldertu8 reg. xo) . 6 . ux . 82x0. 
A ssod. 1803. — Grabesmonument . Das, Chri« 
stinen von ihrem Gcmal errichtete Grabdenkmal 
ist eims der herrlichsten Kunstwerke Wiens und ein 
Meisterwerk Canova ' s (s. d. Bd. I I , Artikel 
Can va, S. 238), es befindet sich in der Augu« 
stinerkirche . Aus carrarischem Marmor stellt es 
eine Pyramide vor, 28 FuB hoch, auf einer 
Grundfeste von 2 FuB 9 Zoll ruhend. Zwei 
Stufen von gleichem Marmor geleiten zum 
Eingange dieser Pyramide, deren Inneres eine 
Gruft ist, zu der eine offene schmale Pforte fiihrt 
mit der einfachen Aufschrift: Ilxoi-i oMmae 
A .losrtu«. Heber dem Eingange schwebt in 
natiirlicher GroBe, in halb erhobener Arbeit, die 
Gliickseligkeit , in den Armen ein Medaillon mit 
Christinens BildniB, an dessen einem Rande steht: 
Hllllia OkriLtinH s . u8tria . Q2 . . Auf der andern 
Seite des Medaillons schwebt ein Genius, Chri. 
stinen die Palme reichend, den Lohn ihrer Tu» 
genden. Ein Teppich rundet sich auf den Stufen 
am Eingange der Pyramide. Ernst und duster, 
in ein langes f altenreiches Gewand gehiillt, die 
Haare aufgelost, einen Olivenkranz auf dem 
Haupte, schreitet die Tugend gegen den Eingang. 
Mit beiden Handen tragt sie die mit Blumen» 
ketten umwundene Aschenurne der Verewigten, 
die Stime wehmuthig zur Urne neigend. Zwei 
anmuthige Madchengestalten, Leichenf ackeln in 
den Handen, geleiten sie auf diesem letzten Wege . 
Rechts in einer kleinen Entfernung folgt dem 
Todtenkruge der edlen Wohlthaterin die Wohl» 
thatigkeit, mit stillem Schmerze in den Ziigen 
und in der Stellung; sie fuhrt zur Rechten einen 
armen blinden Greis, hinter ihr schreitet betend 
ein kleines Madchen. Links der Pyramide liegt 

Seite 232 



Wurzbach0 6 . txt 
ein Lowe, den Kopf mit dem Ausdrucke tiefen 
Schmerzes auf die Vordertatzen gelegt. Unter 
ihm, auf der ersten Stufe, sitzt ein gefliigelter 
Genius, beinahe ganz nackt . Er hat den rechten 
Arm auf die Mahne des Lowen gelegt. Sein 
von Wehmuth umflortes Haupt ruht auf dieser 
Rechten, die Linke streckt er lassig vorwarts 
gegen den Wappenschild von Sachsen— der osterrcichisch- 
klliserliche wird hinter dem Lowen sichtbar 
— und verdeutlicht sowohl die hoheVerblichcne 
als ihren den Wienern eben so unvergeBlichen 
Gemal, den Herzog von Sachsen-Teschen . B ir» 
kenstock besang dieses herrliche Denkmal in 
classischem Latein, Graf Enzenberg iibersetzte 
diese Dichtung in ' s Deutsche ''die Abbildung in 
H r m a y r's Geschichte Wiens, Bd. I I , S . IS' 1 . 

45. Cimburgis von Masovien (gest. 
1429), Tochter Ziemovit's, Herzogs 
von Masovien, und Alexandra's, 
Schwester des Konigs Iagiello von 
Polen. Sie ward 4412 zweite Gemalin 
Ernst's des Eisernen, Erzherzogs von 
Oesterreich, dem sie zehn Kinder gebar, 
funf Sohne und fiinf Tochter: Friedrich 
V. (als deutscher Kaiser III., nach 
Anderen IV.) . Albrecht VI., Ernst, 
Rudolph, Leopold, die letzteren 

drei jung gestorben: Margarethe, 

Katharine, Elisabeth, Alexan« 

dra, Anna, die letzteren zwei auch 

jung gestorben. Ernst war in Verklei» 

dung und unerkannt nach Krakau geritten, 

fand an der Prinzessin, die am Hofe deS 

polnischen Konigs erzogen wurde, Gefallen, 

warb urn sie und erhielt ihre Hand. 

Ob der Behandlung, welche seinem Bru« 

der Wilhelm von dem Konige Polens 

zu Theil geworden, wurde diese Wahl 

Ernst's in seiner Familie nicht gebilligt. 

Ernst jedoch blieb unbekummert urn 

diese MiBbilligung und lebte mit Ci m. 

burgis, die so zu sagen die zweite 

Stammmutter des HabsburgischmHauseS 

ist, in gliicklicher Ehe . Die Geschichte^ 

Habsburg — Claudia 159 Habsburg — Conftantia 

schildert sie als stattliche Frau, der vollen 

Lippen wegen, die sie hatte, gaben ihr 

Einige den Beinamen: „mit den auf geworf enen 

Lippen" ; ihre Starke soil so groB 

gewesen sein, dafl sie mit den Fingern 

Niisse zerbrach und ohne Hammer mit der 

blofien Hand Nagel in die Wand schlug. 

Hubner. Geneal. Tabellen ( 1 ? 1 9 , kl. Qu.Fol.) 

Bd. I , Tab. 126 und 95. — Fugger, Spie. 

gel der Ehren deS ErzHauses Oesterreich (Nurn< 

berg 4668 kl. Fol.) S.4taund438. - Ersch 

und Grub er, Allgem. Encyklopadie der Wissenschaf ten 

und Kiinste. I . Sect. 37. Bd. S. 283 

im Tert und in der Anmerkung. 

* * 

46. Claudia vonMorenz (geb. 1399, 

gest. 28. December 1648), Tochter Ferdinand's 

I., Groftherzogs zu Florenz, 

und Christinen's von Lothringen, ver. 

Seite 233 



Wurzbach0 6 . txt 

malt zum ersten Male 1621 an Franz 

Ubaldo, Fiirsten von Urbino, verwit« 

wet 1623; vermalt zum andern Male am 

19. April 1626 an Erzherzog Leopold 

V. von Tirol, Sohn Karl 's von Steier» 

mark, der vordem Bischof zu SiraBburg 

und Paffau war, dann aber dem geistlichen 

Stande entsagte und sich vermalte. 

Claudia gebar ihrem Gemal zwei 

Sonne und drei Tochter: Ferdinand 

KarlvonTirol, SigismundFranz , 

Maria Eleonora, 'in der Kindheit 

gestorben, Elisabeth Clara, Gemalin 

Karl's III. von Mantua, und Maria 

Leopoldina, Gemalin des Kaisers 

Ferdinandlll . Claudia, welche ihren 

Gemal, der am 17. September 1632 

starb, urn 16 Jahre iiberlebte, ist im Altec 

von 4 9 Jahren gestorben. 

Hiibner. Genealogische Tabellen. Bd. I, Tab. 

127 u. 301. 
ii * 

4 7. Claudia Felicitas von Tirol, 

Kaiserin (geb. zu Innsbruck 30. Mai 1633, 

gest. s. April 1676), Tochter des Erzher, 

zogs Ferdinand Karl von Tirol und, 

Anna's von Medicis (gest. 1676), vermalt 

am 13. October 1673 an Kaiser 

Leopold I. (deffen zweite Gemalin), 

aber schon nach dritthalb Jahren, ohne 

mannliche Erben zu hinterlassen, im Alter 

von 23 Jahren gestorben. 

T r a u t (Christoph) . Ewiges Licht, d. i. die Wei< 

land Claudia, Rom. Kaiserin, Ferdinandi 

C a r o 1 i und Annae, Ert zhert zogen in Tyrol 

Tochter und Leopoldi 1 . , Romischen Kaysers 

andere Gemahlin, in der dreitagigen Leichen« 

begangnufi durch gewohnliche klagliche Lob 'Rede 

vorgestellet (Wien 1676, 4<>.) . — Allgem. histo< 

risches Lexikon (Leipzig 1730 u. f., bei Thomas 

Fritschens Erben, Fol.) 3. Aufl. Bd. I , S. 1018. 
* * 

48- Elementia, Grafin zu Habsburg, 
Landgrasin zu ElsaB (gest. im I . 1293) . 
Tochter des Kaisers Rudolph I. und 
Anna's, nach Anderen Gertrud's von 
Hohenberg, vermalt im Jahre 1281 an 
Karl Martell, Konig von Ungarn 
(gest. 1301), dem sie zwei Kinder gebar: 
Karl Robert, nachmaliger Konig von 
Ungarn (1310 bis 1342) und Clemen« 
t i a : Gemalin Ludwig'sX. von Frclnk« 
reich . 

Hiibner. Gcneal. Tabellen (17i9, kl. Qu.Fol.) 
Bd. I , Tab. t25 und 326. — Fugger, Spie< 
gel der Ehren des ErzHauses Oesterreich (Niirn« 
berg 4668. kl. Fol.) S . 146 u. 147. 

49. Conftantia von Desterreich, Koni» 
gin von Polen (geb. 24. Dec. 1588, gest. 
10. Juli 1631) . Tochter des Erzherzogs 
Karl I. von Steiermark und Maria's, 
Tochter des Herzogs Albert V. von 
Bayern, vermalt am 11. December 1608 

Seite 234 



Wurzbach0 6 . txt 
anSigiSmund III., Konig von Polen 

(gest. 30. April 1632), dem sie funfSohne 
und eine Tochter gebar: Ladislaus IV. 
Sigismund, Konig von Polen (gest. 
1648) . Johann I I . Kasimir, Konig 
von Polen (gest. 1672), Johann 
Albert, Bischof von Krakau (gest. 1633), 
KarlFerdinand, Bischof von Breslau? 
Habsburg — Eleonore 160 Habsburg — Eleonore 

(gest. 4638), Alexander Karl (gest. 

4633, 24 Jahre alt), und Anna Kath erinaConstantia, 

vermalt anPhilipp 

Wilhelm, Pfalzgrafen am Rhein (gest. 

4681). Constantia, die Mutter, starb 

im Alter von 33 Jahren zu Krakau, und 

ist in der Krakauer Kathedrale in der 

unter der Psalteristen-Capelle gelegenen 

Gruft beigesetzt. 

Wurzbach (Constantin) . Die Kirchen der Stadt 

Krakau. Eine Monographie (Wien 1833, 8<>.) 

S. 28, Marg. 83. - Hwbner, Geneal. Tabellen 

(1719. 11. Qu.Fol.) Bd. I , Tab. 127 u. 

91, 96. 
* * 

»o. Eleonore von Portugal, Kaiserin 

(geb. 3. September 1437, gest. 1. Sept. 

1467) . Sie war die Tochter Eduard's, 

Konigs von Portugal; als im Jahre 

1451FriedrichIV. (nachAnderen III.), 

deutscher Kaiser, eben im Begriff war, 

nach Rom zur Kaiserkronung zu reisen, 

warb er urn sie, und es wurde dieEimich» 

tung getroffen, daB er der Braut auf dem 

Zuge nach Rom begegnen, und sie dann 

beide vereint denselben fortsetzen sollten. 

Am 3. Februar 1432 landete Leonore 

in Livorno, und in Siena fand die Zu» 

sammenkunft Statt. Sowohl Friedrich 

als leonore besaBen ein glanzendes 

Gefolge. Am 9. Marz fand der feierliche 

Einzug in Rom, und am 16. die feier« 

liche Trauung Statt. Friiher schon, am 

14., wurde Friedrich, weil in Mailand 

die Pest herrschte, vom Papste mit 

der eisernen Krone, und den Tag nach der 

Trauung am 17. Marz mit seiner Gemalin 

mit der romischen Kaiserkrone gekront. 

Fiinfzehn Jahre wahrte diese Ehe, in 

welcher sie Friedrich fiinf Kinder gebar: 

darunter Maximili an I. (geb. 23. Marz 

1439, gest. 12. Janner 1319), den hochgepriesenen 

letzten Ritter und glorreichen 

Kaiser, undKunigund e(geb. 1463, gest. 

1320), Gemalin Albrecht ' s IV. von 

Bayern; drei andere Kinder Christoph, 

Helene und Johannes starben schon 

in ihrer Kindheit. Eleonore, deren 

Schonheit und Klugheit von ihren Zeitgenoffen 

allgemein geriihmt werden, starb 

im Alter von 30 Jahren zu Wiener 

Neustadt, wo sie am 23. Sept. 1467 in 

der Dreif altigkeitskirche feierlich beigesetzt 

wurde . 

8truv. I I , 23—31: „ A susas 8?lvii aa H.l- 

Seite 235 



Wurzbach0 6 . txt 
xkonZiini rsFsin 8ioi!ia.o Liixor oounubio 
I^iasrioi I A onoras oratio sratulatoria . " ; — 
ebenda 8. 31 u. 1 . : „21. A aoodi klosii, I,fl. 
FaUiaL z>lo tilia, 6' s 'ua I A souora, I^iasrieo 
oa68ari a65xon8HQaa . " ; — ebenda 8. 51—80 
und in I>62, 8oi>ii>toi ' 62 rsr. auLtriao. I I , 57C 
608: Als. A ««Q A mann a, A a A snstel. '«., „saoratiss. 
et invilltisL. imi>6 ! ' Htoi ' i5 I'i'lasrioi 
IV. 20 oontkora,U3 i A >8iu5 I A eonora.O asL A ousatio 
2,o ipZvllim oorouatio" . Diese letztere 
Darstellung erschien auch besonders abgedruckt 
zu Salzburg 1303, 4«. 

* * 

oi- Eleonore von Schottland, Tochter 
Jacob's I., Konigs von Schottland, und 
Johanna's Beaufort, Grasin von 
Sommerset ; seit 1468 erste Gemalin 
des Erzherzogs Sigismund, Grafen 
von Tirol, dem sie 1480 der Tod entrifi. 
Hiibner, Geneal. Tabellen (1719, kl. Qu . Fol.) 
Bd. I, Tab. 125 und 83. 

* . — 

5 2. Eleonore von Oesterreich (geb. 

14. November 1498, gest. 14. April, 

nach Anderen 1. Februar 1338) . Tochter 

Philipp's von Oesterreich aus deffen 

Ehe mit Johanna, Tochter Ferdi» 

n an d's des Katholischen vonArragonien 

und Isabella ' s von Castilien, Enkelin 

Maximilian's I.; vermalt zum ersten 

Male im Jahre 1319 an Emanuel, 

Konig von Portugal (gest. 1521, deffen 

zweite Gemalin) , zum anderen Male 

(1530) an Franz I., Konig von Frankreich 

(gest. 1345) . Vor ihrer Vermutung? 
Habsburg — Eleonore Habsburg — Eleonore 
mit Emanuel liebte sie den Pfalzgrafen 
Friedrich, aber die Intriguen des 
Grafen von C r o i , der dem Pfalzgrafen 
feindlich gesinnt war, vereitelten die 
von der Prinzessin unterstiitzte Bewer« 
bung des Pfalzgrafen urn ihre Hand, 
die sie dann dem portugiesischen Konige 
reichen muBte. Ehe ihre zweite Vermalung 
stattfand, wurde Eleonore mit 
dem Connetable von Bourbon verlobt; 
jedoch ging diese Angelegenheit spater 
wieder zuriick. Der Sieg von Pavia 
hatte die Sachlage geandert; als erste 
Clausel des Friedens von Cambrai — 
in der Geschichte als xaix ass VZ.iri6s 
bekannt (14. Janner 1326) — wurde 
die Heirath Franz I. mit Eleonore 
festgesetzt und auch am 4. Juli 1330 
bei Mont>de«Marsan in aller Stille vollzogen. 
Eleonore wendete nun alien 
ihren EinfluB an, zwischen ihrem Bruder 
und ihrem Gatten das gute Einver» 
nehmen, und somit das BundniB zwischen 
Frankreich, Deutschland und Spanien 
aufrecht zu erhalten. Uebrigens nothigten 
sie des Gemals galante Abenteuer, sich 
vom Hofleben moglichst zuriickzuziehen, 
und diese Einsamkeit widmete sie der 

Seite 236 



Wurzbach0 6 . txt 
Verrichtung gottseliger Werke. Franz I. 
starb viele Jahre vor ihr. Da sie keine 
Kinder aus dieser Ehe hatte, begab sie 
sich 1547 nach Spanien, wo sie zu Tala« 
Vera bei Badajoz lebte und im Alter von 
60 Jahren starb. Ihr Sinnbild war ein 
am Meeresstrande bluhender, von der 
Sonne beschienener Baum mit der Devise: 
Nis Lurluita. (Von dieser Kraft kommt 
Warm' und Saf t . ) 

as la, i-sius NIsonai-s a vi A on sn Hauvisr 
1830 (Oi"ou 1819, 24«.) Mse Schrift ist von 
dem Verfasser mit den Initialen seines Namens 
(, ' . X. (3. verof f entlicht worden) . — Heiia?, 
A a ? - i A 25sMoir68 I, II, III, VIII.- 
<3al75a>-c?, Natoiro as I'i'HuooiZ I " . - Il> 
v. Wiirzbach, biogr. Lexikon. V I . 

1, Nstoirs ass I'raucais torn. XV, XVI 
st XVII. 

* * 

8 3- Eleonore von Besterreich (Zet>. 

2. November 1334, gest. 3. August 1394) . 
Tochter des Kaisers Ferdinand I. 

und Anna ' s , der Erbtochter des 
Konigs Ladislaus von Ungarn und 
Bohmen; vermalt 1361 mit Wilhelm, 
Herzog von Mantua, dem sie einen Sohn 
und zwei Tochter gebar: Vincenzl., 
Herzog von Mantua, Anna Kai ha« 
r i n a , Gemalin Ferdinand's von 
Oesterreich, Grafen von Tirol, und Mar» 
garetha, Gemalin Alvhon ' s II., 
Herzogs zu Ferrara. Die Geschichtschreiber 
riihmen die Frommigkeit, Herzens« 
gute und Weisheit dieser Fiirstin. 
Vita asUs . 3sryni8Lillig> 
ai Hloulsi ' i 'Hto (Hlantova 1398, 
illULtri a'ltaUa. 8. 362. - <7a- 
Vita ai VssPaLiauo (3011223a. — 
a, Vita asl Rs I'iU A xo I . Ub . 3. 
5 4 . Eleonore Maria von Oesterreich 
(geb. 24. Mai 1633, gest. 17. December 
1697) . Tochter des Kaisers Ferdinand 
III., zweimal vermalt; zuerst 167t) mit 
Michael Korybut, Konig von Polen 
(gest. 1673), ungeachtet aller Intriguen 
Frankreichs, welches diese Ehe vereiteln 
wollte; zum andern Male 6. Febr. 1678 
mit Karl Leopold, Herzog von Loth» 
ringen, dem Helden, der auch mehrere 
Jahre vor ihr (18. April 1690) gestorben. 

F>i2ow A 1 ' s o / a A , I125toii'6 alilogss clft la Vl( 
a'Olsouors Alai-is a ' A uti-icks , exouss as 
Okkrlsa I A opola, auc: asl^rraws (u A anc A 
1723, 8".). - Magns?- 5 A >a?« A 
lio. 1719 u. 1 . , I , 228, 230. 
sii. Eleonore Gonzaga A Kaiserin 
(geb. 1630, gest. 3. Dec. 1686). Tochter 
K a r 1 I I . Gonzaga's, Herzogs von 
11? 

Saosburg — Eleonora 162 Habsburg— Eleonora 
Mantua und Montferrat, und Maria 
Gonzaga's, seiner Nichte. Vermalt am 
2. April 1631 an Kaiser Ferdinand 

Seite 237 



Wurzbach0 6 . txt 

m. , dessen dritte Gemalin; sie gebar 

ihm drei Tdchter und einen Sohn: 

TheresiaMaria, im Jahre der 

Geburt gestorben; Eleonore Maria, 

Konigin von Polen ss. die Voriges; 

MariaAnna, anlohannWilhelm 

von der Pfalz vermalt; Ferdinand 

Joseph, im Jahre der Geburt gestorben. 

Die Fiirstin vereinigte mit ungewohnlichen 

Geiftesgaben eine seltene wissenschaftliche 

Bildung; sie stiftete auch 

am 18. September 1668 den Sternkreuzorden, 

dessen Stiftung 20 Jahre spater 

die Kaiserin Eleonore Magdalena 

Theresia erneuerte ss. die Folgendes 

N A ns?- "5>an2), Historik I"oxolai A 1 . A 6- 

5ariL ".usNLti CUF . VinasUo. i 719-173' 1 

l'ol.) Va . I , 8. 72t. — Allgem. historisches 

Lerikon (Leipzig 1730, bei Thomas Fritschens 

Erben, Fol.) 3. Aufl. Bd. I I , S. 173. 
* * 

6S. Eleonora Magdalena Theresia 

von der Pfalz, Kaiserin (geb. 6. Janner 

1683, gest. 19. Janner 1720) . Sie ist die 

Tochter PhilippWilhelm ' svonPfalz- 

Neuburg und Wilhelmine Amalia's, 

Landgrasin von Hessen. Die wenig freund» 

liche Begegnung, welche sie von ihrer 

Mutter erfuhr, erweckte in ihr friihzeitig 

die Sehnsucht nach dem klosterlichen Leben, 

und in der That machte sie auch einmal 

mit mehreren Frauen aus ihrem Gefolge 

den Versuch, den vaterlichen Hof zu ver> 

lassen und in ein Kloster sich zuriickzu« 

ziehen. Jedoch wurde ihr Vorhaben entdeckt 

und vereitelt. Aber ihren Vorsatz 

gab sie dennoch nicht auf und schlug auch 

alle Bewerbungen urn ihre Hand aus. 

Da warb Kaiser Leop old I., nachdem er 

seine zweite Gemalin Claudia Felici» 

taS ss. d. Nr. 47' s > durch den Tod verloren 

hatte und noch immer keinen Thron» 

erben besaft, durch seinen Leibarzt Becker 

auf die edle Prinzessin aufmerksam gemacht, 

urn sie, und nach langerem Weigern 

willigte sie ein und ward ihm am 14. 

December 1676 vermalt. 1681 wurde sie 

zur Konigin von Ungarn, 1690 in Augs» 

burg zur Kaiserin gekront . Sie gebar 

ihrem Gatten 10 Kinder; die meisten 

derselben starben in der Kindheit, die 

ubrigen sind: der Erstgeborne Iosephl., 

nachmaliger Kaiser, den die Mutter 

tiberlebte; Karl VI., Nachfolger seines 

Bruders Joseph und Vater der groBen 

MariaTheresia, und MariaAnna, 

Gemalin Johann ' s V., Konigs von 

Portugal. Eleonora iiberlebte ihren 

Gemal Leopold (gest. 1703) urn 13 

Jahre. Sie war eine ilberaus fromme, 

christlich demuthige Frau; als sie erfuhr, 

daB ihr Beichtvater einen Aufsatz iiber 

ihre Tugenden geschrieben, lieB sie sich den 

Aufsah geben und warf ihn in ' s Feuer. 

Seite 238 



Wurzbach0 6 . txt 
Wissenschaf tlich gebildet, schrieb sie auch 
einAndachtsbuch, welches gedruckt wurde. 
Ihre Frommigkeit liefi sie aber nicht un< 
thatig sein in politischen Dingen. Da der 
Kaiser nichts Franzosisches lesen wollte, 
verfaBte sie Auszuge aus f ranzosischen 
Staatssckrif ten, wenn sie glaubte, daB 
deren KenntniB ihm nothig sei. Als ihr 
Sohn Joseph I. im schonsten Alter, 
mit 33 Jahren, starb und sein Bruder 
Karl sich damals eben in Spanien be» 
fand, ubernahm Eleonora die Leitung 
der Staatsangelegenheiten und fuhrte sie 
unter verwickelten Verhaltnissen mit Urn. 
ficht und Kraft bis zu K a r 1 ' s Ankunf t . 
Eleonoren gebiihrt der Ruhm, die 
Rakoczy'sche Rebellion durch den Szath. 
maier Frieden abgeschlossen zu haben. 
Nach dem Tode ihres Gemals legte sie 
die Trauerkleider nie mehr ab . Sie starb, 
vom Volke, dessen Wohlthaterin sie war, 
tief betrauert, im Alter von 63 Jahren.^ 
Habsburg — Eleonora 163 Habsburg — Elisabeth 
Sie hatte angeordnet, ohne Geprange 
begraben und in der Tracht der Servitinm 
im weiBen Habit, himmelblauem 

Scapeiier, weiftem Schleier mit einer eisernen 
Kette, woran ein Todtenkopf hing. 
und in einem einfachen holzernen Sarge 
beigesetzt zu werden. Auf ihren Sarg kam 
die Aufschrift: „Eleonora Magda 
lena Theresia, arme Sunderin" . 
Ihrem Willen wurde Folge geleistet, 
jedoch lieB spater ihre erhabene Enkelin 
Maria Theresia die Leiche in einen 
reichen Bronze-Sarg iibertragen. Eleo> 
nore hat auch 1688 den, zwanzig Jahre 
fruher (1668) von der Kaiserin Eleo 
nore A siehe die Voriges, der Witwe 
Kaiser Ferdinand's III., gestifteten 
Sternkreuzorden erneuert. Der Orden ist 
zum Andenken des Kreuzes, an welchem 
Christus starb, gestiftet. Er wird nur an 
' verheirathete Damen des In» und Aus 
landes vertheilt, welche Austheilung an 
den jahrlichen zwei Ordensf esten, am 
Tage der Kreuz-Erf indung und Erhohung 
vorgenommen wird. Das gegenwartige 
Ordenszeichen ist ein kaiserlicher Adler, 
der in der Mitte ein blau emaillirtes gol» 
denes Kreuz mit einem goldenen Herzen 
tragt, worin der geschlungene Name des 
Erlosers steht. Am obern Theil des Me> 
daillons, das den Adler tragt, lauft ein 
weiB emaillirtes Band, auf dem die 
Worte: „8aws kfioria" stehen. Es wird 
an einem schwarzen Bande auf der linken 
Seite getragen. Oberste Schutzfrau ist 
gegenwartig Ihre Majestat die Kaiserin 
Karoline Auguste. Witwe Sr. Majestat 
des Kaisers Franz. (Stiftungs- 
Urkunde und Statuten siehe: Austria, 
Oesterr. Universal»Kalender f. d. Jahr 
4843, S. 83) . 

Seite 239 



Wurzbach0 6 . txt 
V r e a n (Franz Xaver) , Die Starke Tugend und 
tugendsame Starke Eleonorae Mag dalenae 
Theresiae. weylcmd Leopoldi des 
Grofien hinterlassenen Gemalin, u. s. w. (Wien 

0. I . (1720) , 4° . ) . - Horst (Hermann), Leben 
und Tugenden der Kaiserin Eleonore Mag« 
dalena Theresia, Gemalin Leopoldi I. 

(Wien 1721) . In's Franzosische iiberseht von 
Pierre Brumoy (Paris 1723. 12«.; Brussel 
1724, 12«.; La Haye 1724, 12«.; Paris 1723, 
12°. und Cambray 1725.120.). In's Italienische 
iibersetzt von Tommaso Ceoa (Mailand 172 1, 
Fol.; ebenda 1722, 8o. und 3uccal722, 80) . — 
Klein (1.3.) , Eleo nore, Konigin von Hungarn 

(Wien 1783, 8°.).-Silbert (Johann 
Peter), Eleonore, romische Kaiserin, GeinahlinZeopold ' si . 

(Wien 1837,8a.). - Hc/lwa A 

osptas aicta ( A oriiudsr A as s. a. (1729), I'ol.) . 

' s l>i«lles oorouatiJL 8. rsginas NuuLg.ria.s 

aanotitats eon8xieu2.2 (<3i5sla, 8. 

Veatrix A .narsHo I I . , et Visoiwra. 

I . eonHnx) pHusF^riois eelsdratas 
1720, 120. ) . 

Elisabeth und Isabella shier folgen 

zugleich mit den Elisabethen in chro« 

nologischer Ordnung alle Fiirstinen des 

Hauses Habsburg, welche den spanischen 

oder italienischen Namen Isabella 

Habens 
* * 

5 7. Elisabeth von Karnthen A Kai« 
serin (geb.1263, gest. 28. October 1313). 
Tochter und Erbin Meinhard's III., 
Herzogs in Kamthen, und Elisabe« 
thens von Wittelsbach (geb. 1226, gesi. 
9. Oct. 1273), einer Tochter Otto's des 
Erlauchten von Wittelsbach, welche 
in erster Ehe an Conrad IV., Sohn des 
Kaisers Friedrich II., vermalt war, und 
als dieser in jungen Jahren starb, die 
Gemalin Meinhard's III., Grafen 
von Tirol, wurde . Diesem gebar sie vier 
Sonne und zwei Tochter, erstere: Albert 
(gest. 1292), Ludwig (gest. 1308), 
Otto (gest. 1310) und Heinrich, nachmaligen 
Konig in Bohmen und Vater 
der Margaretha Maultasch; letztere: 
Agnes (gest. 1293) . vermalt an 

II *? 

Habsburg — Elisabeth 164 Habsburg — Elisabeth 
Friedrich mit der gebissenen Wange, 
Landgrafen zu Meiffen, und Elisa« 
beth, die obige. Noch Rudolph 

1. hatte die Heirath zwischen seinem 
Sohne Albrecht und Elisabeth verabredet, 
wodurch das Haus Habsburg 

ein Erbrecht auf Karnthen und Tirol 
gewann, und auf dem prachtigen Reichstage 
zu Augsburg 1282 wurde aus 
Anrathen und Drangen der Churfursten 
dieselbe vollzogen. Elisabeth war eine 
kluge Fiirstin, welche in jenen Tagen der 
Wirren und Kampfe oft den Frieden 
vermittelte; insbesondere als zwischen 

Seite 240 



Wurzbach0 6 . txt 
Oesterreich und dem Erzbischofe von 
Salzburg die Fehde entbrannte, weil sich 
der Erzbifchof in geistlichen Sachen keine 
Einspriiche von Seite der weltlichen 
Macht wollte gefallen lassen, welche 
hinwieder die minder machtigen geistlichen 
Herren unterstiit zten, urn gegen die unum» 
schrankte Gewalt der groflen Kirchen« 
fursten ein Gegengewicht zu haben. Im 
Jahre 1303 entdeckte Elisabeth zu 
Gmunden in Oesterreich eine Sahquelle, 
und lieB daselbst die erste Salzpfanne 
errichten. Sie wurde dadurch die Begriin» 
derin des Landsegens in dieser Provinz, 
welcher bis zum heutigen Tage f ortwahrt . 
Elisabeth gebar ihrem Gatten 21, 
nach Lazius 26 Kinder, von denen 
jedoch nur sechs Sonne und funf Tochter 
ein hoheres Alter erreichten, die iibrigen 
aber in jungen Jahren starben. Die 
Sonne waren: Rudolph (geb. 1284, 
gest. 1307), Konig in Bohmen; Friedr 
ich der Schone (gest. 1323), der wider 
Ludwig den Bayer als Gegenkaiser 
auftrat; Leopold der Glorreiche (gest. 
1326), der wider die Schweizer bei 
Morgarten kampfte; Heinrich der 
Freundliche (gestorben 1327); Otto der 
Kiihne (gest. 1338) und Albrecht der 
Weise oder auch der Lahme (gest. 1338) 
ss. Nr. 8 A . Die Tochter waren: Agnes 
A s< Nr. 3 A , nachmalige Konigin von Ungarn; 
Katharina, Gemalin Karl's, 

Herzogs von Calabrim; Elisabeth, 
Gemalin Friedrich's IV., Herzogs in 
Lothringen A s. d. A , Anna j A s. d. A und 
Bona oder I u t h a ss. d. A >. Die Kaiserin 
Elisabeth stiftete im Aargau mit 
ihrer Tochter Agnes das Kloster K6nigs« 
felden, in welchem sie ihre letzten schmerz, 
lich bewegten Tage im Alter von 30 
Jahren beschlofi. 
s . — Fugger 
Spiegel der Ehren des ErzHauses Oesterreich... 

(Niirnberg 1668, Michael und Johann Friedr. 
Endtern.kl. Fol.) S. 409, 113, 131, 209, 228. 
248, 260 u. 264. - Hiibner, Gcneal. Tabellen 

(1719, kl. Qu. Fol.) Bd. I , 125 und 129. - 

Zedler's Universal ' Lerikon . — Wurzbach, 

ElisabetheN'Buch (Wien 1834, 8".) S. 48 u. 49. 

68. Elisabeth von Savoyen (gest. 

12. Juni 1330). Tochter Amad eus'V., 

Grafen von Savoyen; im Jahre 1313 

an Leopold I. den Glorreichen, Herzog 

von Oesterreich, dritten Sohn des Kaisers 

Albrecht, vermalt. Elisabeth iiber« 

lebte ihren Gatten, der im Jahre 1326 

starb, und dem sie keinen mannlichen 

Leibeserben, sondern nur zwei Tochter: 

Katharina und Agnes gebar, urn 

einige Jahre. 

Fugger, Spiegel der Ehren des ErzHauses Oester» 

reich . . . (Niirnberg 1668, kl. Fol.) S. 3dl) 

A daselbst weichen auf einer und derselben Seite 

Seite 241 



Wurzbach0 6 . txt 
die Angaben des Todesjahres Elisabeth's 
ab . I m Texte steht: „sie, die ihm vier Jahre 
hernach, den 12. Juni 1330. in ' s Grab gefolgt", 
in der Stammtafel steht: „starb 1334". Fur 
erstere Angabe stimmt die nahere Bezeichnung: 
vier Jahre hernach; Leopold starb 1326. — 
Nach Hiibner 's „Genealogischen Tabellen" . 
Bd. I , Tab. 126, hatte Leopold's Gemalin 
Katherina geheiBen, was wohl eine Verwechs< 
lung der Namen von Mutter und Tochter, welche 
letztere Katherina hieB, sein diirfte) .? 
Satsburg — Vlis«beth 168 Habsburg — Elisabeth 
8 9. Elisabeth, eigentlich Isabella von 
Arragomen, Tochter Jacob's II., K6« 
nigs von Arragonim, und Blanca's, 
Tochter Karl's H., Konigs von Neapel, 
vermalt 1313 an Friedrich I. den 
Schonen, dem sie zwei Tochter gebar: 
Elisabeth, verlobt an Johann, 
Konig von Bohmen, gestorben in jungen 
Jahren; und Anna ^s. Nr. 21^>, Gemalm 
Heinrich's, Herzogs in Bayern. 
Elisabeth starb 1331, nachdem sie 
ein Jahr zuvor ihren edlen Gatten ver» 
loren hatte. 

Hiibner, Geneal. Tabellen (1719, kl. Qu . Fol.) 
Bd. I , Tab. 125 und 40. (Die Angaben Hub« 
ner'5 sind unrichtig, nach ihm soil Elisabeth's 
Tochter Anna eine Gemalin des Bayernherzogs 

Lud o v i c u s Romanus gewesen sein.) 

* * 

eo. Elisabeth von Bayern, gest. urn 
1334. Tochter Steph an's, Herzogs von 
Bayern, und Judith's, Herzogin von 
Schweidnitz, vermalt im Jahre 1312 an 
Otto den Kiihnen von Oesterreich, einen 
Sohn Kaiser Albrecht ' s I. j^s. Nr. 7' s > 
und ist dessen erste Gemalin. 
Hiibn er, am angez. Orte. Bd. I , Tab. 125 
und 122 . 

* _ * 

61. Elisabeth, Grasin von Virnenburg, 
vermalt mit Heinrich, dem vierten 
Sohne Kaiser Albrecht ' s I. und 
Elisabeth ensvonKarnthen A s . Nr . 8 7^ 
Elisabeth iiberlebte ihren Gatten, welcher 
schon 1327 starb, urn viele Jahre, 

denn sie starb erst 1343. 

Hiibner, am angez. Orte. Bd. I , Tab. 123. 

* « * 

62. Elisabeth von Bohmen oder auch 
Richsa (geb. 1286, gest. 1333). Tochter 
Premislaus' I I . von Polen und 
Richsa 's von Schweden. I n erster Ehe 
vermalt an Wenzel IV., Konig von 
Bohmen und durch sie auch von Polen; 
seit 1303 verwitwet, zum andern Male 
vermalt (1307) an Rudolph HI. von 
Oesterreich, erstgebornen Sohn Kaiser 
Albrecht ' s I. > A s. Nr. 7 A , nachdem 
dessen erste Gemalin Blanca, Tochter 
Philipp ' s III. von Frankreich '"s. 
Nr. 40 A . gestorben war. Sie starb 1333. 
Hiibner, Geneal. Tabellen (1719, kl. Qu . Fol.) 

Seite 242 



Wurzbach0 6 . txt 
Bd. I, Tab. 125, 94u. 106. 

* « * 

6 3. Elisabeth von Oesterreich, Tochter 

des Kaisers Albrecht I. A s.Nr.7 A und 

ElisabethensvonKarnthenss . Nr . 37^ ; 

im Jahre 1312 vermalt an Friedrich 

IV., Herzog von Lothringen (gest. 1328), 

dem sie vier Sonne und zwei Tochter gebar: 

Rudolph, im I . 1328Herzog von 

Lothringen als Nachfolger des Vaters, 

der seinen Tod in der Schlacht von Creffy 

(1346) fand; — Friedrich, Graf von 

Luneville; — Theobald und Albert, 

welche sich beide dem geistlichen Stande 

widmeten; — Maigaretha, verlobt 

mit Konig Wenzel von Bohmen; — 

und Agnes, Gemalin Ludwig Gon« 

zaga's. Elisabeth iiberlebte ihren Gatten 

urn mehrere Jahre und starb im 

Jahre 1332 . 

Hiibner, am angez. Orte. Bd. I , Tab. 125 u. 280. 

* * 

64- Elisabeth von Bohmen, Tochter 

des Kaisers K a r 1 I V . von Bohmen, erste 

Gemalin A 1 b r echt 's mit dem Zopfe, 

Herzogs von Oesterreich '"siehe Nr. 9 A >, 

dem sie jedoch schon nach sechs jahriger Ehe, 

ohne ihm einen Leibeserben gegeben zu 

haben, im Jahre 1373 der Tod entriB. 

Hiibner, am angez. Orte. Bd. I , Tab. 125 u. 407. 

* * 

63. Elisabeth von der Pfalz, Tochter 
Rupert's III. des Strengen von der 
Pfalz, vermalt 1406 an Friedrich IV. 
mit der leeren Tasche, jedoch schon nach 
drei Jahren, 1409, gestorben. 

Hiibn er, am angez. Orte. Bd. I , Tab. 123 u. 138. ¥ 
Habsburg — Elisabeth 16S Habsburg — Elisabeth 
66- Elisabeth von Ungarn, Kaiserin 
(geb. 4396, gest. 27. September 1443). 
Einzige Tochter des Kaisers Sigis ' 
mund vonBohmenund Maria ' s , Toch ' 
ter Ludwig 's des GroBen von Ungarn. 
Ward mit Albrecht V. von Oesterreich, 
nachmals als deutsch erKaiser AlbrechtH. 
ls.Nr.ll' 1 , im Jahre 1422 vermalt. Elisab 
eth gebar ihrem Gemal drei Kinder: 
Anna Is. Nr. 22); Elisabeth A s. d. 
Folg. A > und Ladislaus PostHumus, 
so genannt, weil er nach Albrecht ' s I I . 
Tode (1439) das Licht der Welt erblickte. 
Als Albrecht II., der die Kaiserkrone 
kaum zwei Jahre getragen hatte, gestor« 
ben war und Elisabeth sich Mutter 
fiihlte, erklarten die Magyaren, das 
Vaterland, von den Osmanen bedrangt, 
bediirfe eines machtigen Regenten und 
verlangten, Elisabeth solle sich mit 
Wladislaw III., Konig von Polen, ver« 
malen. Elisabeth widersetzte sich 
anfanglich diesem Ansinnen, endlich gebot 
ihr Klugheit, nachzugeben, nur behielt 
sie sich vor, daB alle auf ihre zweite Ver» 
bindung abzielenden Verhandlungen ab» 

Seite 243 



Wurzbach0 6 . txt 
gebrochen werden, wem: sie einen Sohn 
zur Welt brachte, Und sie gebar einen 
Sohn: Ladislaus, fur welchen sie 
nun die Krone Ungarns in Anspruch 
nahm. Aber die Gegenpartei setzte die 
Wahl des Konigs von Polen zum Konige 
von Ungarn durch. Elisabeth begab 
sich mit ihrem Sauglinge nach Stuhl« 
weiBenburg, und lieB ihn dort in den 
Windeln feierlich zum Konige von Un» 
gam kronen. Dann wurden die Reichskleinodien 
nach der Burg WiBehrad ge« 
bracht, wobei jedoch Elisabeth, den 
Magnaten nicht trauend, fur die wirk« 
liche Krone, die sie bei sich behielt, eine 
andere in der versiegelten Kapsel unterschob. 
Mittlerweile kamWladislawIII . 
nach Ungarn und lieB sich in Erman« 
gelung der wirklichen Krone mit einer 
andern und zwar mit jener kronen, welche 
in StuhlweiBenburg das Reliquienbehalt» 
niB des h. Stephan zierte. Urn jedoch die 
dariiber entstandenen Wirren zu beseitigen, 
trat Papst Eugen IV. als Vermittler 
auf und entsandte den Cardinal Cesar 
i n i zur Erzielung eines Vergleiches, 
Dieser kam f olgendermaBen zu Stande: 
Wladislaw von Polen sollte dem 
Titel eines Konigs von Ungarn entsagen, 
aber bis zu Ladislaus PostHumus' 
Voll j ahrigkeit die Regentschaft fuhren; 
wiirde letzterer kinderlos sterben, so ware 
Wladislaw von Polen sein Nachfolger, 
Zur Befestigung dieser Einigung werde 
sich Wladislaw von Polen mit Elisabeth's 
altester Tochter Anna und sein 
Bruder Kasimir mit ihrer Schwester 
Elisabeth vermalen. Zur mundlichen 
Besprechung dieser Angelegenheit begab 
sich Elisabeth nach Ofen, wo sie mit 
groBen Ehren empfangen wurde. Als sie 
jedoch nach Raab zuriickkehrte, starb sie 
plotzlich — nicht ohne nur zu gegriindeten 
Verdacht — an Gift. Wladislaw 
nahm nun gegen alle Erwartung den 
Titel eines Konigs von Ungarn wieder 
an, erklarte den gemachten Vertrag fur 
ungiltig und behauptete tzch im Besitze 
Ungarns bis an seinen Tod, den er in der 
Schlacht bei Varna (November 1444), 
gegen die Tiirken kampfend, fand. 

Hiibner, Geneal. Tabellen (1719) Bd. I , Tab. 125 
und 107. — Fugger, Spiegel der Ehren des 
ErzHauses Oesterreich (Niirnberg 1668, Fol.) 
S. 436, 506, 515, 516, 518, 519, 52ft, 541, 542. 
— Ha A 61nus, VMoino rsF. IlokLin. — Allgemeines 
historisches Lexikon (Leipzig, Thomas 
Fritschens Erben, Fol.) S. 180. — Heinrich, 
deutsche Neichsgeschichte . — F e B 1 e r , Geschichte 
der Ungarn und ihrer Landsaffen. — Austria. 
Oesterr. Unioersal-Kalender f. d. Jahr 1856, 
S. 299.- „Die Entfiihrung der ungarischen 
Krone am 22. Februar 1440.^ 
Babsburg — Elisabeth 467 Sabsburg — Elisabeth 

Seite 244 



Wurzbach0 6 . txt 
6 ?. Elisabeth von Desterrcich A Konigin 
von Polen (geb. 1439, gest. 1. September 
4305). Sie ist die Tochter Albrecht'sV. 
von Oesterreich (als Kaiser: A 1 b r e ch t II.) 
15 Nr, 11" und Elisab eth ens von Ungarn 
ss. Nr. 66", Erbtochter des Kaisers 
Sigismund aus dem Hause Luxemburg. 
Sie wurde am 10, Februar 1434 an K a si« 
m i rIV. Iagiello, Konig vonPolen, ver« 
malt und durch den beriihmten Johann 
Capistran getraut, den die Gesandtschaf t , 
welche urn Elisabeth in Wien warb, 
nach Krakau gebracht hatte. Elisabeth 
lebte mitKasimirlagiello 38Jahre 
in gliicklicher Ehe und gebar ihm 11 Kin» 
der, namlich 6 Sonne und 3 Tochter' un« 
ter ersteren 4 gekronte Konige: Ladis» 
laus, Konig von Bohmen und Ungarn 
(geb. 1436, gest. 13. Marz 1316); - 
Johann I. Albert (geb. 1439, gest. 
1301), Konig vonPolen; — Kasimir 
(geb. 1438, gest. 1482); -Alexander 
(geb. 1461, gest. 1306), Konig von 
Polen; — Sigismund I. (geb. 1467, 
gest. 1. April 1348), Konig von Polen, 
und Friedrich (geb. 1463, gest. 1303), 
Cardinal, Bischof zu Krakau und Erzbischof 
zu Gnesen. Die Tochter sind: 
Hedwig (geb. 1437, gest. 18. Februar 
1302), vermalt an Georg den Reichen, 
Herzog in Bayern; — Sophia (geb. 
1464, gest. 1313), vermalt an Friedrich 
den Aeltern, Markgrafen zu Brandenburg 
in Ansbach; — Elisabeth 
(geb. 1472, gest. 1317), vermalt an 
Friedrich II., Herzog in Liegnitz; — 
Anna (geb. 1476, gest. 1303), vermalt 
an Bogislaus X., Herzog in Pom» 
mern; und Barbara (geb. 1478, gest. 
17. Janner 1334), vermalt an Georg, 
Herzog in »Sachsen. Elisabeth ist 
sonach die Stammmutter der Konige in 
Polen, Ungarn, Bohmen, Schweden, der 
Herzoge in der Pfalz, Neuburg und der 
meisten iibrigen Chur« und Fiirstenhauser 
Europas . Mit ihrem Gemale zugleich ist 
sie die Stifterin der vormals bestande« 
nen heil. Kreuz-Capelle in der Krakauer 
SchloBkirche, wo sie auch mit ihm zugleich 
begraben liegt. Ihr Sinnbild war eine 
strahlende Sonne mit der Devise: „6auaiaa 
OanaiaiL) welche Fugger mit dem 
deutschen Reinspruch: 
Stets, doch allein 
den Reinen, rein 
iiberset zt . 

Hubner, Geneal. Tabellen (1719) Bd. I , Tab.l2S 
und 96. — Fugger, Spiegel der Ehren des 
ErzHauses Oesterreich (Niirnberg 1660) S. 309. 
310, 511. — Wurzbach (Constantin) , Die 
Kirchen der Stadt Krakau. Eine Monographie 
(Wienl853, 8".) S.9, Marg. 30; S . i o , Marg. 
31 und 38; S. 5i, Marg. 135; S . 54, Marg. 
146 und 147; S. 258, Marg. 788. 

Seite 245 



Wurzbach0 6 . txt 

* * 

68. Elisabeth, eigentlich Isabella von 

Desterreichi Konigin von Danemark (geb. 

18. Juli 1301, gest. 19. Janner 1523). 

Tochter Philipp ' si . von Oesterreich und 

Konigs von Spanien, und Johanna's 

von Castilien; Enkelin des grofien Kaisers 

Marimilianl . und Schwester des Kai« 

sersKarlV. AlsChristianll . , gewohnlich 

Christ iern, nach seines Vaters Tod 

den Thron bestiegen hatte (26. Februar 

1313), warb er vorerst urn Eleonore 

ls.Nr.52), Elisabethens Schwester, deren 

Hand jedoch bereits versagt war, dann 

urn Elisabeth, die ihm nun 1314 durch 

Procuration und im folgenden Jahre in 

Person vermalt wurde. Am 10. August hielt 

die junge — erst 14jahrige Konigin — 

ihren feierlichen Einzug in Kopenhagen. 

Elisabeth fand aber am Hofe bereits 

eine Geliebte vor, die Niederlanderin 

Diiveke. Der Erzbischof Erik Walken« 

dorf, Christiern's Vertrauter, bot seine 

ganze priesterliche Macht auf, den Konig 

zu Diivekens Entfernung zu bewegen. Der? 

Habsdurg — Elisabeth 168 Habsburg — Elisabeth 

edle Kirchenfiirst biifite seinen heiligen 

Eifermitder augenblicklichen Verbannung 

vom Hofe und bald mit der Verbannung 

aus dem Lande . Selbst als Diiveke 1317 

starb, anderte sich Elisabethens Lage 

nicht, denn nun wurde Christiernvon 

Diivekens Mutter Sigebrite beherrscht. 

Unter solchen Umstanden bliihten der jungen 

Konigin keine Rosen. Dennoch beobachtete 

Christiern alle Aufmerksamkeit 

gegen seine Gattin. Auf der nachst Kopenhagen 

gelegenen Insel Amak liefi er ihr 

zu Liebe eine niederlandische Colonie an« 

legen, welche der Konigin Kiichengewachse 

aller Art, Butter u. dgl . m. lieferte. 

Die Bewohner dieser Insel trugen die 

Tracht ihrer Heimat, hatten ihre Sitten 

und Rechtsgebrauche beibehalten, und 

versehen noch in der Gegenwart die 

Hauptstadt Danemarks mit den erf orderlichen 

Kiichen-, Milch- und Buttervorrathen . 

Elisabeth begab sich gerne in 

die Mitte ihrer Landsleute (denn sie 

war in Briissel geboren und erzogen 

worden) und plauderte mit ihnen auf 

das leutseligste in ihrer Muttersprache . 

Die von Christiern begonnenen kirchlichen 

Reformen, in denen ihn der Rath 

des Erasmus Rotterdamus, den er 

auf einer Reise nach den Niederlanden 

1321 kennen gelernt, bestarkt hatte, hatten 

zuerst Unruhen, dann aber einen solchen 

Aufstand zur Folge, dafi der Konig sich 

fliichten mufite. Am 14. April 1323 ver« 

liefi der Konig mit seiner Familie, den 

wichtigsten Papieren und den Schatzen 

der Krone Danemark. Die Fliichtigen be> 

gaben sich vorerst nach Mecheln, spater 

Seite 246 



Wurzbach0 6 . txt 
wurde ihnen die Stadt Lier zum Aufent» 
Haltsorte angewiesen. Karl V. und 
Margaretha von Oesterreich, damals 
Statthalterin in den Niederlanden, waren 
den Religionsneuerungen Ch riftiern's 
abhold, schickten seine Kinder nachMecheln, 
wo sie in der katholischen Religion erzo» 
gen wurden, und als sich Christiern 
offentlich als Lutheraner bekannte, that 
Karl V. den Ausspruch: „Da unser 
Schwager Christiern wider unsern 
Rath die Religion geandert hat, so wer« 
den wir dagegen unsere Gesinnungen 
gegen ihn andern". Ch r i stiern ' sPlane, 
wieder in sein Reich zu kommen, scheiter. 
ten. Indessen litt die Gesundheit der K6« 
nigin, die auch in der Verbannung treu 
an ihreS Gatten Seite verharrte, fichtlich, 
ihr Leiden mehrte sich, und endlich starb 
sie — noch nicht 23 Jahre alt — zu 
Zwyna rode bei Gent. Ihr Leichnam 
ist zu St. Peter in Gent beigesetzt. I n 
Danemark wurde der Tod dieser Fiirstin 
von dem ganzen Volke, selbst von Chri« 
stiern's erbittertsten Feinden, betrauert. 
Elisabeth stand bei dem danischen 
Volke in so hohem Ansehen, dafl es sie 
einlud, zuriickzukehren, wo sie als rechtmafiige 
Konigin angesehen und geehrt 
werden sollte. Elisabeth erklarte aber, 
sie wolle ihr Schicksal nicht von jenem 
ihres Gemales trennen. Sie gebar ihrem 
Gatten fiinf Kinder: Philipp und 
Maximilian, welche in der Kindheit 
starben, Johannes (geb. 1318), der 
in jungen Jahren (1332) zu Regens» 
burg starb; Dorothea (geb. 1320, 
gest. 20. Sept. 1380). im Jahre 1332 
an den Churfursten Friedrich I I . von 
der Pfalz vermalt; und Christine (geb. 
1523, gest. 1390), zweimal vermalt, zuerst 
1534 an Franz, Herzog in Mailand, 
der jedoch schon im folgenden Jahre starb; 
zum andern Male 1341 an Franz, Herzog 
zu Lothringen, der auch in wenigen 
Jahren (1348) starb. Elisabethens 
Sinnbild war die Gliicksgottin, die auf 
einer im Meere schaukelnden Kugel steht. 
Die Gottin schwingt in ihrer Rechten ober 
ihrem Haupte ein flatterndes Segel. Die^ 
Habsburg — Elisabeth 169 Habsburg — Elisabeth 
Devise lautet: „Omina lortunas eommitto" . 
Eine ausf iihrliche, von Thomas 
Blanckart, Priester und apostolischen 
Notar, iiber Elisabeth's letzte Lebens« 
tage abgefafite Erzahlung wurde spater 
im Grabe der Konigin aufgefunden. Das 
Loos ihres Gemals war aber ein bitteres; 
nachdem er zehn Jahre regiert, war er 
36 Jahre lang im Exil, saB 27 Jahre 
gefangen, und starb 78 Jahre alt. 
Hubner, Geneal. Tabellen (1719) Bd. r, Tab. 42 
und 86. — Fugger, Spiegel der Ehren des 
ErzHauses Oesterreich (Niirnberg 1668, kl. Fol.) 

Seite 247 



Wurzbach0 6 . txt 
S.1132, 1389, 1390. - Loste A 1 A i o n . He A I, 
LI036 ass lsmiuss kortes. — Behrmann, 
Geschichte Christian's H. — A L A sl'uH, Vita. 
OkriLtiani II.— Allgem. historisches Lexikon 
(Leipzig 1730, Thorn. Fritsch, gr. Fol.) 3. Aufl. 
Bd. I I , S. 180. - Wurzbach (Constantin) , 
Das ElisabethewBuch (Wien 1854, Pfautsch u. 

Vofi, gr. 8 A ) S. 77. 

* * 

6 9- Elisabeths oder wie fie gewohn» 

lich heifit: Isabella von Portugals Kai» 

serin (geb. zu Lissabon 4. October 1503, 

gest. zu Toledo 1. Mai 1339). Tochter 

Emanuel's, Konigs von Portugal, und 

Maria's von Castilim, seiner zweiten 

Gemalin. Am 10. Janner 1326 wurde 

sie dem Kaiser K a r 1 V. vermalt. Karl 

gab ihr als Sinnbild die drei Grazien, 

deren eine Rosen, die andere einen Myr» 

tenzweig und die dritte einen Eichenzweig 

mit seiner Frucht in den Handen hielt, 

womit er ihre Schonheit, die Liebe, welche 

sie einfloiJte, und ihre Fruchtbarkeit andeu» 

ten wollte. Als Devise stand unter diesem 

Sinnbild: „b . 9 . 2 kadst st 8Np<3ra.t." 

Elisa beth gebar ihrem Gemal4Kinder : 

PhilippII . , nachmaligen Konig von 

Spanien (geb. 21. Mai 1327, gest. 

II. September 1398); Johanna (gest. 

1378), Gemalin Johann's, Infanten 

in Portugal, und Maria (geb. 1328, 

gest. 1603), Gemalindes Kaisers Mari« 

milianll . Beider Geburt des vierten 

Kindes starb Elisabeth, im Alter von 

36 Jahren, von ihrem Gemal tief be> 

trauert. Franz Borgia, Herzog von 

Candia, welcher Befehl erhalten hatte, 

den Leichnam der Konigin von Toledo 

nach Granada zu geleiten, ward iiber die 

durch den Todeskampf bewirkte Entstel« 

lung ihres Angesichts so erschijttert, daB 

er sich aus der Welt zuriickzog, und in 

den Orden der Gesellschaft Jesu trat. 

Hiibner, Geneal. Tafeln (1719) Bd. I , Tab. 126 

und 43. -»- Hla A lana, HiLtoris. as rsbus 

Hi2i>ANin,o. - i?e/loa c5s ?a <5a A s 5 A , I, a 

Okiolkl, . Nnokiriaion (1385) . - ?s? A us, Vio 

?o. Elisabeth von Oesterreich, K6m« 

gin von Polen (geb. 9. Juli 1326, gest. 

13. Juni 1343) . Tochter deS Kaisers 

Ferdinandl. und Anna's, Erbtochter 

Wladislaus', Konigs von Ungarn und 

Bohmen, vermalt am 21. April 1343 

an ihren Schwager Sigismund N. 

August, Konig von Polen, der sie 

schon zwei Jahre spater durch den Tod 

verlor, ohne von ihr eine Nachkommenschaf t 

zu. haben. Sigismund I I . Au« 

g u st ' s Kinder stammen von seiner zweiten 

Gemalin Constantia A siehe d. Nr. 49 A >, 

Elisabethens leiblichen Schwester. 

Hiibner, Geneal. Tabellen (1719) Bd. I , Tab. 

127. 91 und 96. 

* * 

Seite 248 



Wurzbach0 6 . txt 
71. Elisabeth von Oesterreich ' , Konigin 
von Frankreich (geb. 5. Juni 1554, gest. 
am 22. Janner 1392) . Tochter des Kaisers 
Maximilian I I . und Maria's, 
Tochter des Kaisers Karl V. Im Alter 
von 16 Jahren wurde sie am 26. Dec. 
1376 dem damals 20jahrigen KarllX., 
Konig von Frankreich, zu Meziores vermalt. 
Katharina von Medicis war es, 
welche den Gedanken gefaBt hatte, diese 
hochsmnige, edle Prinzessin fur ihren 
Sohn als Frau zu gewinnen. Schon^ 
— Elisabeth 170 Habsburg — Elisabeth 
begann sie die Unterhandlungen 
die voile 9 Jahre dauerten, bis sie zum 
erwiinschten Ziele fuhrten. Von B us b ek 
und einem glanzenden Gefolge begleitet, 
verfugte sich die Erzherzogin nach Me« 
ziores. Bereits in Sedan empfing sie 
Karl's Bruder! der Herzog von Anjou; 
der Konig selbst wartete inMeziores. Man 
erzahlt, der Konig habe sich in Verkleb 
dung selbst nach Sedan begeben, urn 
Elisabeth zu sehen, und foil iiber ihre 
Erscheinung ganz entziickt gewesen sein. 
Ihre Anmuth und Schonheit erweckten 
die hochste Begeisterung bei ihrem pomphaften 
Einziige in Paris, ihre stillen 
Frauentugenden erwarben ihr Achtung 
bei Hofe und im Volke, und Karl IX., 
der Konig der Bartholomausnacht, pflegte 
zu sagen: „Er habe die sittenreinste, 
tugendhaf teste Gemalin nicht nur in 
Frankreich und Europa, sondern in der 
ganzen Welt". Solcher Ausspruch aus 
solchem Munde fallt doch schwer in die 
Wagschale. Die junge Konigin hatte 
keinen Antheil an der Regierung K ath a° 
rina's von Medicis, welche ihre Schwie« 
gertochter stets feme hielt von den Hof« 
intriguen und es zu verhindern wuBte, 
daB sie einen EinfluB iibte auf das Ge» 
muth Karl's IX., dessen Verkehr mit 
ihren Hofdamen, namentlich mit Maria 
Touchet, Katharina sehr begiinstigte. 
Auf diese Weise stand Elisabeth ver» 
einzelt inmitten des Hofes, und treffend 
bemerkt ein Geschichtschreiber : „sie hatte 
keine anderen Anhanger als solche, welche 
das Verdienst und die Tugend allen« 
falls haben".Die grauenvollen Beschliisse, 
welche gegendie unglijcklichen Protestanten 
in Vollzug gesetzt wurden, waren der jun» 
gen Konigin sorgfaltigst verheimlicht wor> 
den. Als man ihr Nachricht brachtevonden 
Graueln der Bartholomausnacht, fragte 
sie mit Entsetzen: „Weiftes der Konig, mein 
Gemal?" Als man ihr den Sachverhalt 
und des Konigs Befehl zu dieser Grauelthat 
gemeldet, rief sie erschijttert: „Wer 
hat ihm diesen Rath gegeben? Verzeihe 
ihm, o Gott, und sei ihm gnadig, sonst 
wird ihm diese Siinde nie vergeben 
werden." An den stilrmischen Bewegungen, 

Seite 249 



Wurzbach0 6 . txt 
welche Frankreich durchtobten, nahm 
sie nur in soweit Antheil, als sie ferneres 
Unheil zu verhiiten strebte. Den Kummer, 
den sie erfuhr, ertrug sie mit Geduld, und 
die ungestiime Hitze ihres Gemals mafligte 
sie durch ihre Sanftmuth. Als Abspannung 
und Seelenqualen Karl IX. aufs 
Krankenlager warfen, bewies Elisabeth 
eine riihrende Liebe und Theilnahme . Als 
20 Jahre. Alle Liebe und miitterliche 
Sorfalt iibertrug sie nunmehr auf ihre 
Tochter Maria Elisabeth, das einzige 
Kind ihrer Ehe, welches aber schon in 
zarter Kindheit — mit 8 Jahren — 
starb. Nun stand Elisabeth allein mit» 
ten im Parteigetriebe eines verdorbenen 
Hofes; sie zog es also vor, in ihre 
Heimath zuriickzukehren, und begab sich 
nach Wien zu ihrem Bruder Rudolph, 
der mittlerweile nach ihres Vaters Tode 
den Kaiserthron bestiegen hatte. Nun warb 
Philipp I I . von Spanien, dessen Gemalin 
Anna A siehe d. Nr. 23^ gestorben 
war, urn ihre Hand. Elisabeth aber, 
wie Brantome berichtet, lehnte den 
Antrag ab im Andenken an ihren konig» 
lichen Gemal, welches sie durch eine zweite 
Heirath nicht entweihen mochte, und in 
Anbetracht ihrer nahen Verwandtschaf t 
mit PhilippII . , der zugleich ihr Onkel 
und ihr Schwager war. Elisabeth 
brachte den Rest ihrer Tage in dem von 
ihr selbst erbauten Kloster der Clarissinen 
in Wien zu. Man hatte ihr als Leib« 
gedinge die Herzogthiimer Berry und 
Bourbonnais und die Grafschaften Foretzf 
Habsburg — Elisabeth Habsburg — Elisabeth 
und de la Marche angewiesen. Sie ver« 
wendete den groftten Theil ihrer Einkunfte 
zu Geschenken und Unterstiit zungen ver« 
dienstvoller Personen dieser Gegenden. 
Sie gestattete in diesen Landern nie den 
Verkauf der Aemter, sondern verlieh die» 
selben stets dem Wiirdigsten, wobei sie in 
der Wahl stch immer mit Busb ek, ihrem 
Bevollmachtigten in Frankreich, in ' s Ein. 
vernehmen setzte. I n Bourges lieB sie den 
Priestern der Gesellschaft Jesu ein Colle« 
gium erbauen. Was ihr noch von ihren 
Einkiinften iibrig blieb, theilte sie in drei 
Theile: davon war der eine bestimmt zur 
Unterstiit zung der Armen, der zweite zur 
Erhaltung ihres Hofstaates, der dritte 
zur Unterstiit zung armer Fraulein, welche 
keine ihrer Geburt entsprechende Versor« 
gung gefunden hatten. Sie starb zu Wien 
im Alter von 38 Jahren. „Ein unschat zbarer 
Verlust", bemerkt anlafilich ihres 
Todes Brantome, „denn sie hatte noch 
langer als ein Spiegel der Tugend den 
ehrbaren Frauen der ganzen Christenheit 
voranleuchten konnen." Jacob de Thou 
fallt folgendes eigenthiimliche Urtheil 
iiber Elisabeth: ,,1'risoi mores, vei 

Seite 250 



Wurzbach0 6 . txt 
"uvsnili 2.6tHt6, losmina et tkuioii lamilig. 
r6L LxiriwZ rstinsus." Ihr Portrait 
von Franz Clouet hangt im Louvre. Es 
stellt eine Dame vor von mittlerer GroBe, 
wohlgebaut, von frischem jedoch zartem 
Teint, mit blonden Haaren. Der Aus» 
druck des Angesichts zeigt Ruhe . Ihre 
Zeitgenossen schildern sie als Fiirstin von 
einnehmender Wiirde in ihrem Wesen, von 
groBer Seelenstarke und tiefem Gefiihle, 
sie war geduldig, gut, that Niemand, wo 
es auch sein mochte, wehe, war gottesf iirchtig 
doch nicht bigott; liebte, wie 
Brantome sagt, sehr ihren Gemal, 
ohne eifersiichtig zu sein, und verzieh ihm 
seine Unthaten. 
rsws 

aS3 okosss gui 26 
as la isiuo et 
(?uri8 1374, auch 1613 
, 8".) . 
Nntisr AigL 
as Okalies 
8° . ) . - N 

, Vsritakis aisoou A s au inai-i^o as 
ut, trss Mi83Qnt st tros-okrstisu . roi 
IX. ot as Ik tros sxosUsnt st vblas 
i'sraxsreur HlHxillailisu I I . lait st cslsdra 
a Ns2iors5 lo 26ms '''our as Novsmbi ' s 1370 
s^rig 1570, I'ol.) Niedergedriickt im „ (Usrelllonial 
as I'i'anoe" von Theodor G odefroy 
(I>ari3 1843, 8«.) . — Oisoours as la vis as 
la rsins Isadsiis, tills as i'siuxsrsur HIilxiinUisn 
(?ai-is 1592, 80.). - Aufier den bisher 
angefiihrten selbststandigen Quellen sind noch 
zu nennen: S?>amsms, Vis asZ vamss 
illUZtrss. Ausgabe von Monmerqus ' . — 
' s »s A « <V.' WS NiZtoriai-um sui tsNxo A Z 
lidri OXXXVII, im XI. V. und XI. VIII. 
Buche . — Fhntette st ' s s5o«' s VidUotily^us 
kistorigus aslal ' i ' Kuoo, tom.H, part. 3ms., 
okax. 4, art. 2—3; — odax. 7, a. It. 7, xa A . 
20, 702, 713, 717, 837. - t7a A e"us, 21s- 
72. Elisabeth Wilhelmina Ludovica 
von Wiirttembergs erste Gemalin des 
nachmaligen Kaisers Franz I. (geb. zu 
Treptow 21. April 4767, gest. 18. Februar 
1790) . Elisabeth war das achte 

Kind FriedLichEugen ' s, Herzogs 
von Wiirttemberg, aus seiner Ehe mit der 
Herzogin Friederika Dorothea 
Sophia, Tochter Friedrich Wilhelm's, 
Markgraf en von Schwedt . 
Unter der Leitung der Freiin von Bork 
hatte die Prinzessin eine vortref f liche 
Erziehung erhalten. Der GroBfiirst von 
RuBland hatte ihre altere Schwester zur 
zweiten Gemalin erwahlt; dieser Umstand 
lenkte die Aufmerksamkeit des Kaisers 
Joseph auf Elisabeth, der sogleich 
den Plan faBte, fur seinen Neffen Franz 
urn ihre Hand zu werben. Der Kaiser? 
Habsburg — Elisabeth 172 Habsburg — Elisabeth 
sah die Prinzessin 1781 auf einer Reise 

Seite 251 



Wurzbach0 6 . txt 
nach Mumpelgard und im folgenden 
Jahre kam sie mit ihrer Schwester, der 
GroBf iirstin, nach Wien. Von nun an war 
derKaiser, nach seinem eigenen Ausdrucke, 
ihr Vater. Er hatte I o s e p h a Grasin 
von Chanclos , eine Frau, durch 
Herz und Geist wiirdig des Postens, fur 
den der Kaiser sie bestimmt, zur Obersthofmeisterin 
der Prinzessin ausgewahlt. 

Unter dieser Oberleitung wurde die Erzie« 
hung der Prinzessin in einer dem Plane 
der friihern entsprechenden Weise fort« 
gesetzt. Pater Langenau machte sie mit 
den Grundsatzen der katholischen Religion 
bekannt, welche sie im December 1782 
feierlich annahm. Sie konnte, so lange 
sie nicht vermalt war, monatlich iiber- 
400 Ducaten verfugen, welche sie zu 
Geschenken und zur Unterstiit zung Nothleidender 
verwendete. Eines Tages bat 
sie den Kaiser, von ihrem Gehalte 
1000 st. jahrlich an ihre friihere Erzieherin, 
die Freiin von B o r k , abtreten zu 
diirfen. Der Kaiser trug die zartlichste 
Sorgfalt fur sie, und als 1784der damals 
sechzehn jahrige Erzherzog Franz nach 
Wien kam, gestattete ihm der Kaiser, sie 
auf ihren Spazierf ahrten zu begleiten. 
Am 6. Janner 1788 wurde sie an den 
Erzherzog vermalt und Kaiser Joseph 
freute sich innigst des vollen Gelingens 
dieses einen seiner Plane, des einzigen, der 
ihm, wie es den Anschein hatte, ganz 
gelang. Wenige Monate nach der Vermalung 
zog Erzherzog Franz in ' s Feld, 
urn seinem Oheim dahin zu folgen. In» 
dessen erfreute sich das osterreichische 
Haus durch die Hoffnung auf Nachkom« 
menschaft; aber dieser Zustand der Erz» 
Herzogin wurde durch des Kaisers, fortdauernde 
und sich steigernde Krankheit 
sehr beunruhigt . Als am 15. Februar 
1790 der Kaiser die letzte Oelung empfangen 
hatte, lieB sich die Erzherzogin, der 
bis dahin ihres Zustandes wegen der 
Besuch des hohen Kranken nicht gestattet 
worden war, denselben nicht langer ver« 
weigern. Damit sie durch seine Todes« 
blaffe und Abgezehrtheit nicht erschreckt 
werde, lieB nun I o s e p h die Fensterladen 
schlieBen und empfing die Erzherzogin 
blofi beim Scheine eines in der Ecke 
brennenden Nachtlichtes . Als der Kaiser 
die ersten Worte mit bebender Stimme 
sprach, wurde die Erzherzogin so erschiittert, 
daB sie zusammenbrach und in dieser 
Ohnmacht hinausgetragen werden muBte. 
Als sie wieder zu sich kam, gab er ihr 
seinen Segen. I n der Nacht auf den 
17. Februar empfand die Erzherzogin 
die ersten Geburtswehen, gebar eine 
Tochter, 3udovica, und war am folgen» 
den Morgen selbst eine Zeiche. Diese un« 
vorgesehene Todesnachricht , welche dem 

Seite 252 



Wurzbach0 6 . txt 
Kaiser auf das schonendste war hinterbracht 
worden, griff den edlen Monarchen 
tief an, es war seine letzte Hoffnung 
vernichtet. Elisabethens Verbindung 
mit seinem Neffen Franz war sein Lieb« 
lingswerk und ihm gelungen; wenige 
Stunden vor seinemTode muBte auch dieser 
zum Theil erfullte Plan sich in nichts auf« 
losen. DieB war der todtlichste StoB, 
den Kaiser Joseph in seinen gezahlten 
letzten Tagen erhielt und der sein Ende 
wesentlich beschleunigte; denn am 20. Februar, 
vier Minuten nach fiinf Uhr Mor» 
gens, schloB der groBe Monarch fur immer 
seine Augen. Glisabethens Tochter 
Ludovica lebte zwei Jahre und starb 
am 24 . Juni 1792. 

G r a f f e r (Franz), Iosephinische Curiosa oder ganz 
besondere, theils nicht mehr, theils noch wenig 
bekannte Personlichkeiten, Geheimnisse, Details, 
Actenstiicke und Denkwiirdigkeiten der Lebens ' und 
Zeitgeschichte Kaiser Ioseph's I I . (Wien 1848. 
I . Klang, 8°.) Erstes Bandchen, Nr. I V , S. 66: 
„Details iiber Joseph's I I . letzte Lebenslage? 
Hadsburg — Elisabeth 173 Habsburg — Elisabeth 
und Begrabnifl" l"auf S. 7t die treue Darstellung 
des erschijtternden letzten Besuches der Erzherzogin 
bei dem sterbenden Kaisers. — Gr affer 

(Franz), Franciscaische Curiosa oder ganz 
besondere Denkwiirdigkeiten aus der Lebens ' und 
Regierungs ' Periode des Kaisers Franz II. (I.) 

(Wien 1649, I . Klang, so.) Nr. 1. S. 1: „Die 

erste Vermalung; Costum, Ceremonien" . — 

R e a 1 i s , Curiositaten« und Memorabilien - Lexikon 

von Wien. Herausgegeben von Anton 

Kohler. (Wien 1846. Lexikon 8<>.) Bd. I, 

Seite 403. 

73. Elisabeth Amalia Eugenia, Herzogin 
in Bayern, Kaiserin (geb. am 
24. December 1837) . Tochter Sr. kon. 
Hoheit des Herzogs Maximilian in 
Bayern (geb. 4. December 1808), Oberhaupt 
der herzoglichen, ehemals Pfalz« 
zweibrucken« birkenf eld ' schen Linie, und 
Ihrer kon. Hoheit Ludovica 's (geb. 
30. August 1808), einer Tochter Maxim 
i 1 i an Joseph's, Konig von Bayern. 
Die erlauchte Monarchin Oesterreichs ist 
von acht Kindern das drittgeborne und 
die zweitalteste Tochter; Hochdieselbe 
wurde am 18. August 1833 an Se. 
Majestat den regierenden Kaiser Franz 
Joseph verlobt und am 24. April 
1834 vermalt. Ihre Majestat die Kaiserin 
ist Mutter von drei Kindern: 
Erzherzogin Sophie Friederike Doro« 
thea Maria Iostpha (geb 8. Marz 1833, 
gest. 29. Mai 1837); — Erzherzogin 
Gisela Ludovica Maria (geb. zu Laxen» 
burg 12. Juli 1836) — und Erzherzog 
Rudolph Franz Karl Joseph (geb. zu 
Larenburg am 21. August 1838), kaiser, 
licher Kronprinz, Ritter des goldenen 

Seite 253 



Wurzbach0 6 . txt 
Vliefles und Oberft-Inhaber des Infan« 
lerie . Regiments Nr. 19. 

AnlaBlich der Vermalungsf eier Ihrer Majestaten 
erschien eine reiche Fest ' Literatur , Almanache, 
Albums, Gedenkschrif ten und eine zahllose Menge 
einzelner Huldigungsblatter mit Gedichten, allegorischen 
Darstellungen u. dgl . m. Die groBere 
Menge der im Kaiserstaate erscheinenden Iour< 

nale, nur einige Fachblatter, als forst- und landwirthf chaf tliche 
u. dgl., ausgenommen, wurden 
am Tage der Vermalungsf eier in prachtiger 
Ausstattung, in Gold« und Farbendruck, mit 
Randzeichnungen, den Portraten II .MM. des 
Kaisers und der Kaiserin und allegorischen Ver» 
zierungen ausgegeben. Der Herausgeber dieses 
Lexikons hat es versucht, im zweiten seiner im 
Auftrage Sr. Excellenz des Ministers Alexander 
Freiherrn von Bach alljahrlich erstatteten 
Literatur-Berichte unter dem Titel: „Bibliographisch 

' statistische Uebersicht der Literatur 

des osterr. Kaiserstaates uom 1. Janner bis 

21. December 1354" (Wien 1836. Staatsdruckerei, 

gr. 8°.), diese reiche Literatur auf S. 483 

u. f. in eine Nebersicht zusammenzuf assen, und 

ergaben sich an 24 Verlagsorten von 50 Ver> 

legem 83 groBere und kleinere Festschrif ten, u. z. 

6t in deutscher. 11 in italienischer , 2 in magya» 

rischer, 4 in eechischer, 2 in polnischer und je 

eine in serbischer, lateinischer und englischer 

Sprache; und aulJerdem viele Hundert einzelne 

Festblatter. Unter den geschichtlichen Darstel« 

lungen der Vermalungsf eier sind zu nennen: 

TschudyvonGlarus , Illustriries Gedenk« 

buch zur immerwahrenden Erinnerung an die 

glorreiche Vermahlungsf eier . . . (Wien 1854, 

Schmidbauer) , mit 10 Taf., einzelne Exemplare 

davon mit col. Taf.; — Werner (A.), Die 

Festtage Wiens vom 22. bis 30. April 18A4 

(Wien. Iasfter) ; — Die Festwoche Prags (Prag 
1854, Medau, mit 8 Abbildungen) , Ausgaben in 
deutscher und oechischer Sprache. — Unter den 
iibrigen Huldigungsschrif ten : Truska (Helio< 
dor), Oesterreichs Friihlings ' Album 1354 (Wien. 
Braumiiller) , ein typographisches Prachtwerk 
mit Beitragen der Poeten und Prosaisten aller 
Sprachen der osterr. Monarchie. Das fur Ihre 
Majestat die Kaiserin bestimmte Exemplar ent» 
halt zu jedem Beitrage in gebundener Rede oder 
Prosa eine kurze Lebensskizze des Dichters. Es 
sind nur 4 solche Eiemplare gedruckt worden. — 
Wurzbach (Constantin v.), Das Elisabe» 
theN'Buch. Festalbum denkwiirdiger Fiirstinen. 
Zur Vermalungsf eier Sr. Majestat des Kai< 
sers Franz Joseph I . von Oesterreich mit 
Elisabeth Eugenie, Herzogin in Bayern 

(Wien 1834, 8°. Mit dem Portrait der Kaiserin) . 
— Aufier der in der ofsiciellen „Wiener Zeitung" 
1834, Nr. 78 erschienenen amtlichen Darstellung 
des feierlichen Einzuges und der Vermalungs. 
Ceremonien sind noch zu nennen: Die Leipziger 
„Illustrirte Zeitung" Nr. 566 (6. Mai 1854), 
welche in sechs groBen, uonE.Kanitz gezeich» 
neten, von Krehschmar in Holz geschnittenen 
Tableaux die Haufttmomente dieser Festlichkeit :? 

Seite 254 



Wurzbach0 6 . txt 
Habsburg — Elisabeth 174 Habsburg — Elisabeth 
Die Landung bei NuBdorf am 22. April, die 
Ankunft an der Elisabeth-Briicke, die Bewillkommnung 
der Braut an der Elisabeth-Briicke, 
die Trauung in der Augustinerkirche und die 
grofte Cour im Ceremoniensaale, beide am 24. 
April, verherrlicht . Diese letzteren zwei Bilder 
haben der vielen glucklich getroffenen Portrate 
wegen historischen Werth. Auch bringt dasselbe 
Blatt in der folgenden Nummer S . 304: „Die 
Begluckwiinschungs ' Adref f e der Stadt Wien zur 
Vermahlung der k. k. Majestaten", nebst Abbildung 
der Enveloppe, und die Denkmunze zur 
Vermalung in genauen Abbildungen. — Der in 
Linz erscheinende Kalender: „Der Oberosterreicher " 
fur das Jahr 1855, enthalt S. 133-143: 
Die „Beschreibung der Donaufahrt Ihrer kon. 
Hoheit der durchl. Prinzessin Elisabeth in 
Bayern als Braut Sr. Majestat des Kaisers 
von Oesterreich, Franz Joseph I . , und der 
Empf angsf eierlichkeiten in Linz". — Ferner die: 
Austria, oder Oesterr. Universal - Kalender 
fur das Jahr 1855 (XVI. Jahrg., Wien, 
Ler. 8".). bringt S. 255-284 die „Schilde, 
mng der Feierlichkeiten bei der Allerhochsten 
Vermalung Sr. k. k. Apost . Majestat Franz 
Joseph I. mit Ihrer kon. Hoheit der durchl. 
Prinzessin Elisabeth von Bayern" . —Das 
reichste Materiale zur Festliteratur dieser Tage . die 
Gedichte, Chrono- und Anagramme, Beschrei« 
bungen der Volksfeste, Beleuchtung u. dgl . m. 
enthalt Bauerle's „Wiener allgemeine Theater« 
Zeitung" 1834, Nr.92— 96, welche ihrem ganzen 
Inhalte nach der Schilderung der Vermalungs« 
f estlichkeiten gewidmet sind; aber auch noch die 
folgenden Nr. 97—99 enthalten umfassende Nach« 
trage zur Festbeschreibung . — Die Augsburger 
Postzeitung 1854, Nr. 136 (14. Juni) enthalt 
die „Anrede Sr. Eminenz des Cardinal Erz« 
bischofs Joseph Othmar Rauscher", gehalten 
bei der Trauung am 24. April 1854. — Die 
„Rheinischen Blatter" (Beilage der Mainzer 
Zeitung) enthalten 1854, Nr. 98: „Die Kaiserin 
in Schonbrunn" — und das „Volksblatt fur 
Tirol und Vorarlberg" 1854, Nr. 101: „Das 
Gebetbuch d« Kaiserin von Oesterreich", eine 
Beschreibung dieses Prachtwerkes sonder Glei« 
chen. an dessen Schrift auf auserlesenen Perga» 
mentblattern zwei Schreibkunstler 9 Monate 
gearbeitet. Das Widmungsblatt ist von Van 
der Null, die Initialen von den Professoren 
der Akademie der bildenden Kiinste in Wien, 
von denselben auch die Titelbilder der einzelnen 
Abschnitte des Andachtsbuches . Den letzten Abschnitt 
bilden die zwolf Monate mit allegorischen 
Initialen und daneben jedesmal das Bild eines 
Apostels nach Compositionen von Fiihr ich. 
Der Inhalt des Gebetbuches ist eine deutsche 
Nebersetzung des Officiums der seligsten Iung< 
frau Maria. — Portrate Ihrer Majestat der 
Kaiserin Elisabeth. Die Zahl der Portrate ist 
sehr groB, aber nur die kleinste Zahl derselben 
gibt die Anmuth der Gesichtsziige der erlauchten 
Fiirstin treu wieder. Es wird sich hier nur auf die 

Seite 255 



Wurzbach0 6 . txt 
Anfiihrung der tref f lichsten und als solcher aner« 
kannten Portrate beschrankt, im Nebrigen aber 
auf Ioh. Heit zmann ' s „Portrats-Catalog" 

(Munchen 1838, May und Widmayer, gr. 8<>.) 
S. 28—30 gewiesen, welcher jedenfalls alle be« 
deutenderen Arbeiten enthalt : 1) Gemalt von 
F o 1 t z , galoanographirt von Schoninger 

(Salzburg, Baldi, gr. Noyal, 6 fi.) ganze Figur; 

— 2)nach D u rk, galvanogr. von Schon inger 
(ebd., Fol., 3 fl.) Brustbild; — 3) nach 

Hochbach ' s Lichtbild lithogr. von Kohler 
(Munchen, kl. Fol., 1 fl. 12 kr.) Kniestuck: - 

4) gez. und lithogr. vonHanf stangl (Munchen, 

Fol., 1 fl. 48 kr.) Kniestuck, die Prinzessin 

als Braut; — 5) lithogr. von Dauthage 

(Wien, Neumann, kl . Fol., 1 fi. 30 kr.) Kniestuck; 

— 6) lithogr. von Kaiser (ebd., Fol., 3 St.) 
als Pendant zu dem Portrate des Kaisers im 
steirischen Costume; — 7) lithogr. nach E i n s 1 e 
(Wien, Paterno, 1 si. 30 kr., col. 3 fl.) als Pen< 

dant zu dem Portrate des Kaisers im Toison- 

Ordens-Ornate und Marschalls «Uniform; — 

8) nach Schrotzberg in Linienmanier gest. 

von F. S t o b er (Wien, Paterno, gr. Fol., 5 fl.. 

av . 1.1. 10 fl.) Brustbild; — 9) gemalt von 

P i 1 t y , gest. von Fleischmann (Munchen, 

Piloty. gr. Royal. Subscr. Preis 18 Thlr. 

u. 14 Thlr.) die Prinzessin«Braut zu Pferde im 

Schloflgarten zu Possenhofen 1853. das Pferd 

gemalt von A d am. Das Bild ist der Residenz« 

stadt Wien gewidmet '"vergl. dariiber die „Gratzer 

Zeitung" 1853, Nr. 94); - 10) Olf arbendruck 

von D r i e n d 1 (Munchen, auf Leinwand 72 fl., 

fur Oesterreich 60 f 1 . ; mit dem Pendant zus . 

120 fl., fur Oesterr. 100 fl.) lebensgroB in gan< 

zer Figur. — Der V a t e r Ihrer Majestat der 

Kaiserin Elisabeth, Herzog Mar (geb. 14. 

December 1808), ist der einzige Sohn des am 

3. August 1837 verstorbenen Herzogs Pius 

August in Bayern und A m a 1 i a Louise 

Julia ' s . Prinzessin von Arenberg; wurde an» 

fanglich durch Privaterzieher , spater, 1817, in 

der kon. Erziehungsanstalt fur Studirende gebildet, 

1824 von seinem Oheim, dem Konige 

Maximilianl. von Bayern, zum Oberst« 

Inhaber des damaligen 9. Linien «Inf anterie- 

Regiments ernannt. Spater, im Herbst 1827,^ 

Habsburg — Elisabeth 173 Habsburg — Elisabeth 

horte er theils offentlich, theils privatim, die nakw 

historischen, geschichtlichen und staatswissenschaf tlichen 

Vortrage der ausgezeichnetsten Lehrer an 

der nach Munchen verlegten Universitat, und 

nahm im Winter 1827/28, als volljahrig, in 

der Kammer der Reichsrathe an der damaligen 

Standeversammlung Theil. Am 9. September 

1828 vermalte sich Herzog Max mit derPrin» 

gessin LouiseWilhelmine, jiingsten Tochter 

des Konigs Maximilianl., einer Schwester 

Ihrer kaiserl. Hoheit der Frau Erzherzogin 

Sophie, Gemalin Sr. kais. Hoheit des Erz« 

Herzogs Franz K a r 1 . Da die Mutter Ihrer 

Majestaten des Kaisers Franz Joseph und 

der Kaiserin Elisabeth Geschwister sind, so ist 

Ihre kaiserliche Hoheit die Frau Erzherzogin 

Seite 256 



Wurzbach0 6 . txt 
S o p h i e zu Ihrer Majestat der Kaiserin E 1 i s a< 
beth Schwiegermutter und Tante zugleich. I m 
1.4831 wurde Herzog Max Zum Commandant en 
der Landwehr des Isarkreises (Oberbayern) ernannt 
und 1837 zum General-Major befordert. 
Seinem seit friiher Jugend erwachten Drange, den 
Orient zu besuchen, der mit der Zeit zu einem fest 
ausgebildeten Plane gediehen war, konnte er nunmehr 
nachkommen, und im I . 1838 unternahm 
er diese Reise. Seine dabei gesammelten Erfahrungen 

.hat er in einem Werke niedergelegt , 

welches unter dem Titel erschien: „Wanderung 

nach dem Orient ini Jahre 1838, unternommen 

und skizzirt von dem Herzog Maximilian in 

Bayern" (Munchen 1839. 2. Aufl. 1840, 8°.). 

Friiher schon huldigte der Fiirst den Musen und 

gab Novellen und andere schongeistige Arbeiten 

unter dem Pseudonym Phantasus A aber nicht, 

wie das Beiblatt der Leipziger Modezeitung 1884, 

Nr.35, schreibt: „seine Novellen unter dem Titel 

Phantasus'" 1 heraus. Sie sind unter folgenden 

Titeln erschienen: „Novellen", 2 Bde . (Munchen 

1831); — „Lucrezia Borgia. Drama, dem Fran« 

zosischen des Victor Hugo frei nachgebildet " 

(ebd. 1833); - „Skizzenbuch fur 1834" (ebd. 

1834, mit Lith.), welches folgende Skizzen ent« 

halt: „Giuletta und Bernardo." Nachtstuck; — 

„Klai Oookio." Nachtstuck; — „Der gefangene 

Falke." Historische Scene aus dem 12. Jahrh.; — 

„Pfarrers Roschen." SchattenriB; — „Iakobina", 

Novelle (ebd. 1833, mit Portr.) — und „Der 

Stiefbruder" , Novelle (ebd. 1838). Auch das 

Taschenbuch „Charitas" in den Jahrgangen 

1841—1848 enthalt von dem Herzoge die Ge< 

dichte: „Das Kloster zu Camaldoli" — und 

„Der Prinzessin Marie von PreuBen an meinem 

Verlobungstage in Berlin" . Der Herzog lebt 

den Wissenschaf ten auf seinem reizenden Besitz, 

thume Possenhofen am Stahrenberger See, 

welches noch des Herzogs Vater nebst anderen 

Besitzungen in Deutschland gekauft, nachdem er 

die ansehnlichen, der Prinzessin von Arenberg 

gehorigen, in Frankreich gelegenen Giiter ver» 

kauft hatte. Als Bergjager ist, wie weiland 

Erzherzog J o h a n n , Herzog Max im Volke 

beliebt und verehrt, wo man ihn kennt und 

nennt . 
* * 

?4. Elisabeth Franzisca Maria, Tochter 
weiland Sr. k. k. Hoheit des Erz« 
Herzogs Joseph, Palatin, aus defsm 
dritter Ehe mit Maria Dorothea, 
kon. Prinzessin von Wiirttemberg, geb . 
den 17. Janner 1831, vermalt zum ersten 
Male am 4. October 1847 mit Erzherzog 
Ferdinand Karl Victor d'Este (gest. 
13. December 1849) ftergl. iiber diesen 
des Lexikons Band IV, S. 87^, zum 
andern Male am 18. April 1834 mit 
Erzherzog Karl Ferdinand, zweitem 
Sohne des Erzherzogs Karl. Aus der 
ersten Ehe stammt eine Tochter, Erzherzogin 
Maria Therese (Dorothea) 
(geb. 2. Juli 1849) . Ein Sohn aus der 

Seite 257 



Wurzbach0 6 . txt 

zweiten Ehe, Erzherzog Franz Joseph 

(geb. 8. Marz 1833), ist wenige Tage nach 

seiner Geburt (13. Marz 1833) gestorben. 

Wurzbach (Constantin) , Das ElisabethewBuch . 

Fest-Album denkwurdiger Fiirstinen (Wien 1834 

Pfautsch und Vofi, 8°.) S. 106. 
* * 

75. Elisabeth Christine von Draunschweig' 1 
Kaiserin (geb. 28. August 1691, 
gest. 21. December 1730) . Ist die Toch. 
ter Ludwig Rudolph's von Braun« 
schweig, Herzogs in Blankmburg, und 
der Prinzessin Christine Louise von 
Oettingen. I n der protestantischen Religion, 
jener ihres Hauses, erzogen, nahm 
sie 1. Mai 1707 den katholischen Glauben 
an, weil sie als Gattin fur Erzherzog 
Karl, nachmaligen Kaiser Karl VI., 
bestimmt war. Am 18. October 1707 
wurde sie dem Erzherzog verlobt, am 
23. April des folgenden Jahres ihm per? 
Habsburg — Elisabeth 176 Sabsburg — Elisabeth 
Procuration, und am 1. August 1708 
zu Barcelona in Person vermalt. Nach 
Karl's II., Konigs von Spanien, und 
dessen Sohne Philipp ' s IV. kinderlosem 
Tode im Jahre 1700, machte Karl 
feine Anspriiche auf Spanien geltend. 
Dariiber entspann sich der spanische Suc» 
cessionskrieg, der 12 Jahre dauerte. Am 
1. August i709 wurde Elisabeth als 
Konigin von Spanien proclamirt und 
als Karl durch den plotzlichen Tod 
seines Bruders, des Kaisers Joseph I., 
1711 nach Deutschland berufen ward, 
lieB er feine Gemalin in Katalonien 
zuruck und ernannte sie zur Regentin; 
aber trotz aller Energie und Umsicht, 
welche sie als solche entfaltete, muBte sie 
nach dem Frieden zu Utrecht Spanien 
(1713) verlassen und verfiigte sich zu 
ihrem Gemal nach Linz. Am 18. September 
1714 wurde sie zur Konigin von 
Ungarn, am 18. September 1720 zur 
Konigin Bohmens gekront . Als sie 1740 
ihren Gemal verlor, zog sie sich nach 
Ungarn zuruck und hielt dort die Rechte 
ihrer Tochter Maria Theresia aufrecht. 
Elisabeth Christine stiftete im 
Jahre 1730, ihrem Todesjahre, den nach 
ihr benannten Elisabeth en>Orden, dessen 
Dotation ihre Nachf olgerin, die groBe 
Maria Theresia, 1771 zu einemjahr» 
lichen Einkommen von 16.000 St. ver» 
mehrte und welcher seit dieser Zeit 
Elisabeth . Theresien-Orden heiflt. Davon 
erhalten 21 verdienstvolle und mittellose 
Generale und Oberste einen jahrlichen 
Stif tungsgenufi , u. z. nach drei Classen, 
sechs der ersten Classe jeder 1000 fi., 
acht der zweiten Classe jeder 800 fi. und 
sieben der dritten Classe jeder 800 fl. 
Der Kaiser ernennt auf Vorschlag des 
Armee-Ober-Comrnandos (friiher Hof« 

Seite 258 



Wurzbach0 6 . txt 
kriegsratheS) die zu betheilenden Indi ' 
viduen; keine Nation und keine Religion 
ist davon ausgeschlossen . Hohes Alter, 
lange Dienste, vor dem Feinde erhaltene 
Wunden, Leibesgebrechen und diirftige 
Umstande geben Anspruch auf diese Stif. 
tung, womit als Ordenszeichen verbunden 
ist ein in Gold eingefaBter Stern mit 
acht halb roth und halb weiB emaillirten 
Spitzen, in dessen Mitte ein mit einem 
Goldrande eingefaBtes Oval sich befindet, 
worauf unter einer goldenen Kaiserkrone 
die verschlungenen Namenschif f ern der 
hohen Stifterinen V. 0. und K5 . I'K. 
neben einander und rings herum die 
Worte stehen: „KIa.ria NftrsLia ?Hr6nti3 
Oi-atiam Vsrsnnslli voluit". Elisa» 
beth Christine gebar ihrem Gemal drei 
Kinder: Leopold (geb. 13. April, gest. 
4. November 1716), Maria Theresia, 
die groBe Kaiserin (geb. 4. November 
1717) und MariaAnna (geb. 14. September 
1718), die nachmalige Statthalterin 
in den Niederlanden und Gemalin 
des Bruders des Kaisers Franz I. Stephan, 
des Herzogs Karl von Lothringen, 
welchem als zweiten Lothringer und 
Helden, der fur Oesterreichs Ruhm und 
Ehre gefochten, vor jedem Andern — und 
selbst vor dem beriihmten Prinzen Eugen 

— zunachst das Denkmal gebiihrt, wel« 
ches dem des Erzherzogs Karl auf dem 
SuBernBurgplat ze errichteten, am22.Mai 
1860 enthiillten gegeniiber zu stehen kommen 
wird. 

H o e ck (W.), Anton Ulrich und Christine Elisabeth 
vonBraunschweig ' Liinebmg<Wolf enbiittel . Dar» 
stellung ihres Uebertrittes zur katholischen Kirche 
(Wolfenbiittel 1845, 8".). - Haeberlin 
(Franz Dominik) , Trauerrede auf die Kaiserin 
Elisabeth Christine (Hannover 1752) . — A aei 
s (VruxsUsL 1751, ?ol.). 
'in exsyuiis Vlisa . ' betdaii 

Okristiuas (Vi-ux. 1751, ?ol.). - 1/ A .rt as 
veriKsr Iss aktss. VII, 396 st XVI, 229. - 
Vergleiche ferner auch die biographischen Werke^ 

— Elisabeth 17? Habsburg — Elisabeth 

liber Kaiser K a r 1 V I . insbesondere : Dela> 

lande, Massuet, Schirach. 

7 6. Elisabeth auch Isabella Clara 

Eugenia von Defterreich (geb. 12. August 

1366. gest. 1. December 1633) . Sie ist 

eine Tochter Philipp'sH., Konigs von 

Spanien, und Elisabethens von 

Frankreich. Sie war zuerst dem Konig von 

Portugal, Sebastian, verlobt; als jedoch 

dieser in der Schlacht von Alcazar (1378 

spurlos verschwunden war, wurde si, 

am 8. Mai 4398 an Albrecht V i f von 

Oesterreich, vormaligen Cardinal, nachdem 

dieser dem geistlichen Stande entsagt 

hatte, verlobt und am 1.8. April 4599 zu 

Valencia vermalt. PhilippII . , der 

Elisabeth zartlich liebte, gab ihr die 

Seite 259 



Wurzbach0 6 . txt 
Niederlande, die Grafschaft Charolois 
und die Franche Comrs zum Heirarhsgut, 
jedoch unter der Bedingung, daB, im Fall 
sie kinderlos sterbe, diese Lander an 
Spanien zuruckf alien . Nachdem ihr Gemal 
schon 1621 gestorben, fuhrte die Infantin 
die Regentschaft allein. Die Regierung 
dieser Furstin war ein bestandiger Kampf 
mit den Hollandern; ubrigens verband 
die Infantin mit ihrem sonst energischen, 
fast mannlichen Charakter die weiblichen 
Tugenden der Sanftmuth und Frommigkeit . 
Ihrer merkwiirdigen Energie und 
Standhaf tigkeit wird der Ursprung der 
noch heute iiblichen Bezeichnung der Isa» 
bellfarbe zugeschrieben . Elisabeth 
wohnte namlich der denkwiirdigen Belagerung 
von Oftende bei, und soil, so erzahlt 
man, den Schwur gethan haben, nicht 
eher ihre Wasche zu wechseln, bis dieser 
Platze wurde eingenommen sein; da nun 
die Belagerung drei Jahre, drei Monate 
und drei Tage dauerte, so hatte die Wasche 
der Infantin wahrend dieser Zeit jene 
falbe Farbe angenommen, welche noch 
heutzutage mit dem Namen I s a bell» 
v. Wurzbach, biogr. Lexikon. V I . 
farbe bezeichnet wird. Auch gab sie Ver« 
anlafsung zu der ebenfalls noch jetzt iibli» 
chen Bezeichnung des FuBvolkes mit 
Infanterie; denn das auf ihren Befehl 
geworbene Fufivolk wurde auf neue Art 
bewaffnet und geiibt, und der Infantin 
zu Ehren Infanteria genannt . Da diese 
neue Einrichtung sich bewahrte, so fand 
dasselbe bald Anklang, ward von ande« 
ren Fiirsten auch eingefiihrt und die 
erste als Huldigung gegebene Benennung, 
weil sie die bequemste war, beibehalten. 
Elisabeth starb im Alter von 67 Jahren. 
Ihre Ehe mit Albrecht war kinderlos 
geblieben . 
<7a/i? 'o? li'llH A F>an<?.», I A auaktio lline'briZ IsadeUas 

(Lrux. 1634, 4" . ) . - 

p r i n c iM VblFarum (Vrux. 1634, 8".), ftan< 
zosisch iiberseht (ebd. 1638, 8°.). - Cou^olsl ' s? ' 
1634, ?ol.). — O'^ive A nicm) , Oratio in 
Odituni xrineixig Isabels. « (Lov^Q 1634, 
ot a'lLkdsUo (Li-ux. 1847, 12".). - <7u«n eke 
cle la, sslOrulzsinm »sNora I33.de!, Inlaut», ai 
8. 1634). - A eml>e A 115e?- A , 
xrineiBis Isahsiias Iauaa.tio 
u A v. 1634 , 4" . ) . - A lso?« 
Owirs Vugsuis iufauts a' 
< A ou 1634, 40. ) . - /»ui 
ksroioa. Vrineixig m sxsmi>Iu.iii 

(I"oviM. 1634, 4«. ) . - 
to st I'wkants iLudeNs b A 1399 st 
1600 (Vrux. 1841, 8«.) . Separatabdruck aus 
den „U6moir62 a« 1 ' 2 , e», asrlii6 ae Lluxellss". 
— ' s ss/i?6' s van 0o' s 6sse:' s A Ios. 61s?e5o7' ws va) !), 
A usta tunebra M u c i p i I22.bellao xsrsoivouaa. 
6to. (rovan. 1634, 4<>.). - 
1634, 

Seite 260 



Wurzbach0 6 . txt 
immorte A e ae la. prinossso 
as la, 86rsniL3inio 
vor8. 1634, 4" . ) . - 
12? 

Habslmrg — Elisabeth Habsburg — Ernst 
las, ''mdTOSu sxiuolae, OaroU oouiitia 
1634, 6" . ) . - "ac 
1634, 40. ) . - 

Olairs NuFLnis Inlauts a' A axa 
a. (1634), 120.). - 6>oitt ' 1 ' , 
Qsus tuns 
(N0Q8 3. 

DsUa. <3usrr«, ai 
I'a.dlsa.u ae 1'iiiLtoirs 
3 IIui5. I V , 491. - 2 
as HoNanas . I, 27. 

7 7. Elisabeths auch Isabella Clara 
von Desterreich (geb. 12. August 1629, 
gest. 1688) . Tochter Leopold's V. von 
Oesterreich, Grafen von Tirol, vermalt im 
Jahre 1649 mit Karl III. Gonzaga, 
Herzog zu Manwa (gest. 1663), dem sie 
nur einen Sohn, Karl IV., den letzten 
Herzog zu Mantua und Montferrat, 
gebar, der (3. Juli 1708) in der Acht 
starb. Elisabeth starb im Alter von 
36 Jahren. 

Hiibner, am angez.Orte. Bd. I, Tab. 127«. 307. 
7 8- Ernst der Eiserne, Herzog von 
Oesterreich (geb. 1377, gest. 9. Juni 1424) . 
Sohn Leopold's III. des Gerechten und 
V i r i d i s ' , Tochter Barnabas ' , Her« 
zogs von Mailand. Gemalinm: 1) Margaretha, 
Tochter Bogislaus' V., 
Herzogs von Pommern, vermalt 1392, 
gestorben kinderlos 1410. 2) Ci mb u rgis, 
Tochter Ziemovits', Herzogs in 
Masovien, vermalt 1412, gest. 28. September 
1429. Von dieser letzteren hatte 
Ernst zehn Kinder, von denen nur funf 
ihn iiberlebten, funf in der Kindheit 
starben; es sind: Margarethe, ver« 
malt 1431 an Friedrich I I . den Giitigen, 
Churfiirsten von Sachsen, gest. 
6. Februar 1486. Margarethe ist 
die Stammmutter des heutigen sachsischen 
Furstenhauses ; — Katharina, vermalt 
1446 an K a r 1 . Markgrafen zu 
Baden, gest. 11. December 1493; — 
Friedrich V., als deutscher Kaiser 
Friedrich IV., nach Anderen I I I . , je 
nachdem Friedrich der Schone in die 
Reihe der deutschen Kaiser aufgenommen 
wird oder nicht; — Alb recht VI., geb. 
1418. gest. 3. Dec. 1463 ss. d. Nr. 12); 
— Elisabeth, vermalt mit Hugo, 
Grafen von Werdenberg-, — Ernst, 
Rudolph, Leopold, Aleranderund 
Anna, alle funf in der Kindheit ver« 
storben. Wahlspmch. Ernst des Eisernen 
Sinnbild zeigte die halbe Mondscheibe 
mit der Devise: „AnnquANi Oaasni". 
Wichtigere QBeusmomettle : Als Ernst's 
Neffe. Albrecht IV. das Weltwunder, 

Seite 261 



Wurzbach0 6 . txt 
starb, hinterlieB er einen sieben jahrigen 
Sohn: Albrecht V., nachmaliger deut» 
scher Kaiser Albrecht I I . Ernst, von 
den Gebriidern von Waldsee und den 
Wienern ganz vorzuglich unterstutzt, uber< 
nahm die Vormundschaf t . Daruber ent> 
spann sich mit seinem Bruder Leopold 
dem Dicken, nach Anderen dem Stolzen, 
Bruder- und Biirgerkrieg, und nament» 
lich wuthete in Wien der Parteikampf; 
der Rath und die vornehmen Burger 
standen zu Ernst, die Handwerker und 
das Volk zu Leopold. Endlich kam 
zu Klosterneuburg die Versohnung der 
Bruder zu Stande. Ernst begab sich 
nach Gratz und Leopold nach Wien. 
Aber nicht lange wahrte der Friede, der 
zwar wieder durch Georg aus dem 
Hause Liechtenstein, Bischof von 
Trient . ausgeglichen, hingegen auf einer 
andern Seite urn so heftiger gestort 
wurde, namlich zwischen Ernst und 
seinem Bruder Friedrich in Tirol, 
welcher Tirol und Burgau, die Vorlande 
und das ElsaB regierte, und durch die 
Arglist Sigmund 's, Konigs der Deut-^ 
Habsburg — Ernst 179 — Ernst 
schen, Ungarn und Bohmen, dem db 
Macht der Habsburger an der Donau 
langst ein Dorn im Auge war, sein 
Lander verlor und noch dazu in die 
Reichsacht verfiel (daher Friedrich 
der leeren Tasche) . Ernst, der dem 
Uebermuthe Sigmund' s die Spitze 
brechen wollte, eilte nun nach Tirol. 
„Was sein Bruder Friedrich ver» 
schuldet, sei dem Konige zu Gute gekom» 
men . . . aber wenn sein Bruder etwas 
verbrochen habe, hatte nur er, aber 
nicht sein ganzes Haus miBhan» 
delt und beraubt werden sollen." 
Diese Antwort lieB Ernst dem Konige 
Sigmund entbieten. Friedrich, liber 
Ernst's Absichten irregefuhrt, der nur 
Tirol fur die Habsburger erhalten und 
dem ubermuthigen Sigmund entreiBen 
wollte, stellte sich Ernst entgegen und 
wieder standen zwei Parteien einander 
gegeniiber: die Bauern und die Burger, 
die mit dem armen landerlosen Fried el 
(wie Friedrich hieB) hielten, und die 
Pralaten und der Adel, die zu Ernst 
standen. Ernst aber, des Nngliicks 
gedenkend, so durch seinen Zwiespalt mit 
Leopold iiber Oesterreich gekommen, 
schloB — am 22. Juli 1416 zu Botzen — 
einen Stillstand auf Jahr und Tag; am 
1. und 17. Janner 1417 wurden aber 
die Irrungen zwischen beiden Briidern 
ganz beigelegt, die alten Hausvertrage 
erneuert und ein fester Bund wider den 
allgemeinen Feind erneuert. Friiher schon, 
1412, hatte E. mit einem auserlesenen 
Gefolge eine Wallfahrt nach Palastina 

Seite 262 



Wurzbach0 6 . txt 
unternommen und 1414 zu Gratz einen 
Landtag gehalten, alle Freiheiten der 
Stande bestatigt und von den steirischen, 
dann krainischen und karntnerischen 
Standen die Huldigung empfangen. E. 
war der letzte Fiirst, dem in Karnthen 
nach althergebrachter Sitte, wahrend er 
auf einem holzernen Klotze am Zollfelde 
saB, gehuldigt ward, wobei ein alter 
Bauer den Herzog an seine Regenten« 
Pflicht erinnerte. 1418 waren zum ersten 
Male die Ttirken bis an und iiber die 
Grenzen der Steiermark gedrungen; 
Ernst, welcher sein Heer mit Oesterreichern 
und Ungarn verstarkt hatte, schlug 
sie bei Radkersburg aufs Haupt und 
zuruck; aber viele steirische Edle blieben 
auf dem Schlachtf elde . Zuletzt untemahm 
E. noch einen Zug gegen die Hussitm in 
Bohmen, von dem er jedoch bald zuriick« 
kehrte, als ihn das energielose Benehmen 
des Konigs Sigmund, der bald dieft, 
bald jenes, aber nie das Rechte wollte, 
verdrofi. Ernststarb im kraftigen Mannsalter 
von 47 Jahren. Seine unbeugsame 
Festigkeit gab ihm den Beinamen des 
Eisernen; war Friedrich der Freund 
des Volkes, so war Ernst jener der 
Ritterschaf t ; in seinem Lande war er 
geliebt, von den Nachbarn geehrt und 
gefurchtet, und die Steiermark ehrt heute 
noch das Andenkerk ihres hochsinnigen 
Herzogs Ernst . 

Hubner (Iol) . ) , Geneal. Tabellen (1719) B d . I , 
Tab. 126, 43,95,157, 200 u. 230. - Fugger 
Spiegel der Ehren des ErzHauses Oesterreich . . . 

(Nurnberg 166". kl.Fol.) S. 406 b. 415 a u. d. 

426 a u. d, 438-444. - A .5-enoscHsus A A « A , 

Okronieoii A ULtriKouiQ i n ? 02: 8erii)tors5 

rsr. "ULtlikc. l>om. I , z>. 1270, 1274, 1279, 

1291. — Eines Ungenannten teutsche Jahr» 

biicher bei demselb. I , p. 1164, 1166. — 

Hoo f"667-a?-t? e?6 A , A unaiss rei-uin H5U1 aomians 

2.1» A ULtriacis N A LpUl A icas gsutis 

xrinoixibus se. FSLtaruiQ (lusdruck 1592) 

x. 134, 140, 141, 142, 144-146, 154-157, 

166. — Oiirouieon be A iouui bei „?1 ' sto? ' 1 ' uH" , 

Ausgabe von Struve III, 335. — Valvasor, 

Ehre des Herzogthumo Crain.— Cuspinian, 

Austria. — Hormayr, Oesterreich. Plutarch, 

III. Band, oder dessen Wiederabdruck in der 

„Austria. Oesterreich. Uniuersal-Kalender fur das 

Jahr 1854", S. 7-14. - Ersch und Gru» 

ber, Allgemeine Encyklopadie der Wissenschaf ten 

und Kijnste. I . Section, 37. Bd. S. 28t-284.^ 

Habsburg — Ernst Hakstmrg — Ernst 

— Schmit Ritter von T a v e r a (Carl Dr.), 

Bibliographie zur Geschichte des osterr. Kaiserstaates 

(Wien 1838, gr. 3«.) Nr. 528-531. 

7 9. Ernsti Erzherzog von Oesterreich 

(geb. 18. Juni 1333, gest. 20. Februar 
1393) . Sohn des Kaisers Maximilian 
I I . und Maria's, Tochter des Kaisers 
Karl V. Einen Theil seiner Jugend 

Seite 263 



Wurzbach0 6 . txt 
verlebte er in Spanien am Hofe Philipp's 
II., der ihm eine Infantin zur 
Ehe zugedacht hatte; aber Philipp 
anderte sein Vorhaben und Ernst kehrte 
1371 nach Deutschland zuriick. Als sein 
Bruder Rudolph I I . Kaiser wurde, 
ernannte er Ernst zum Statthalter in 
Ober- und Niederosterreich, und nach 
Erzherzog Karl's Tode in Steiermark 
erbte er die innerosterreichischen Provin» 
zen. 1392 schlug P h i 1 i pp den Liguisten 
in Frankreich vor, Ernst zu ihrem Konige 
zu wahlen, in welchem Falle er ihm seine 
Tochter Isabella Clara Eugenia 
j A s. Nr. 76) zur Gemalin gabe . Aber die 
Verhandlungen blieben erfolglos. Phi« 
lipp II., von der Meinung geleitet, ein 
deutscher Prinz wiirde den Flammandern 
als Gouverneur willkommener sein, als 
die bisherigen italienischen und spanischen 
Gouverneure, welche das Land aus» 
saugten, ernannte 1892 Ernst zum 
Statthalter in den Niederlanden . Am 
30. Janner 1394 hielt Ernst seinen Einzug 
in Brussel. Man empfing ihn mit 
Jubel, den die Einnahme von 3a Fore 
(19. Mai 1394), das den Franzosen 
genommen worden, nur noch steigerte. 
Jedoch ungeachtet der Umsicht und huma« 
nen MaBigung, mit welcher Ernst die 
Ziigel des Regiments fuhrte, wollten die 
kunstlich genahrten Unruhen nicht endi» 
gen. Der spanische Adel hatte zu groBes 
Interesse am Kriege; er bekleidete im 
Lande die hochsten Aemter, hatte die 
Verwaltung der Finanzen, und bereicherte 
sich in einem Kriege, welcher die Schatze 
zweier reichen Lander, Spaniens und der 
Niederlande, erschopft hatte. Alle Bemu> 
hungen Ernst's scheiterten demnach am 
Widerstande des spanischen Adels. Die 
Wirren und Umtriebe steigerten sich. 
Groningen offnete am 24. Juli 1394 
seine Thore der vaterlandischen Partei, 
unter den schlecht gefuhrten und schlecht 
bezahlten spanischen Soldaten brach offene 
Meuterei los . Louis Velasco erhielt 
nun den Oberbefehl der Armee, muftte 
aber den Riickzug antreten. Der Erzherzog 
Ernst blockirte indessen Cambrai, 
woBalagny, der bis dahin die strengste 
Neutralitat bewahrt hatte, befehligte. 
Nun trat Balagny aus der Neutralitat 
heraus, schlug sich zur Partei der Pro» 
testanten und verwiistete die Besitzungen 
der Spanier mit Feuer und Schwerdt . 
Dazu gesellten sich noch die Intriguen 
f ranzosischer Seits, welche sich in eine 
Kriegserklarung Heinrich's IV. gegen 
Spanien auflosten, der seine Truppen 
in Flandern einriicken lieh. Wahrend 
die Verwirrung in den Niederlanden den 
Hohenpunct erreichte, starb Ernst im 
Alter von 41 Jahren, nachdem er die 

Seite 264 



Wurzbach0 6 . txt 
ganze Zeit seines Aufenthaltes in den 
Niederlanden leidend gewesen. Bei 
Oeffnung seiner Leiche will man einen 
Stein und ein Stuck Glas in den Eingeweiden 
gefunden haben, welch' letzteres 
die anliegenden Korpertheile verletzt hatte. 
Ernst besaB eine seinem Namen entsprechende 
tiefernste Miene, man will ihn 
niemals lachen gesehen haben. 
. . . arckianos Nrnssto st A 
Heuriges coniits lontono ( A uontss); aoos- 
Hunt A ,mkro5ii spwolas Victorias ((Uoi. A .gr. 
161!, 4«.). Dieses Werk hat D e 1 r i o unter dem£ 
Habsburg — Einst 181 Habsburg — Ferdinand 
Pseudonym „Nolanaug Mrtaeus Onatinng" 
herausgegeben . — 2)s <75s?-s A «Tsan A i, Nistoirs 
a65 ?10ViN0O5 U.Q1S3, V, 156. - ?7<iw Ilsts» 
?-em, HiLtoria delFioa, Ub . XVII, 357. - 
as A lea6rl» . iitLolis vorlogen. VucIiXI, 441. 

— t' s oti««' s A .nnaisL 6t Nistorias dsi^ioas, 
lid. IV. - Khevenhiiller (Fr. Chr. Gf.), 
Ferdinandeische Jahrbiicher in einen pragmati» 
schen Auszug gebracht und berichtigt von I . Fr. 
Runde. I. und I I . Theil, S. 5, 47, 73-81, 
209-213, 269, 270, 352. 333. 449-453, 504- 

507; III, 10-15, 87-92, 172-178, 250, 286, 
325, 329, 330; IV, 4, 5, 68. 113, 114, 129,140. 

— Ds ?No«, Histoirs Nliivsi-Lsils , liv. OIX. 
Bas. Ausg. von 1747, torn. IX, x. 401-4<.3, 
408, 409, 413, 416-419, 422; Uv . OXI, x. 
495, 496; Uv . OXI I, ?. 564. - Ersch und 
Grub er, Allgem. Encyklopadie der Wissen« 
schaften und Kiinste. I . Sect. 37. Bd. S. 284— 
296, von Ferd. Wachter. — Wagenaar, 
Allgemeine Geschichte der vereinigten Niederlande 

(Leipzig 1760) IV. Theil, S. 54, 60, 63-66. 
8 0. Ernst Karl Felix Maria Rainer 
Gottfried Cyriak (geb. am 3. August 
1824). Sohn Sr. kais. Hoheit des Erz. 
herzog's Rainer und Maria Elisabeth 
ens, kon. Prinzessin von Savoyew 
Carignan. Wurde im Jahre 1843 Oberst- 
Inhaber des Infanterie . Regiments Nr. 48 
und bildete sich in der Schule des Feld» 
marschalls Nadetzky zum Waffenhand» 
werke heran. Im Jahre 1847 riickte der 
Erzherzog zum General« Major vor. 
Nach Beendung des zweiten piemonte. 
fischen Feldzuges erhielt er im Vereine 
mit den Generalen Graf Stadion und 
von Hahne den Auftrag, die beriich. 
tigte Garibaldische Bande aufzu« 
heben, als dieselbe durch das Zusammen» 
ziehen kais. Truppen genothigt, das 
Aretin'sche verlieB und sich in das Hoch» 
gebirge warf, welches Toscana von der 
Romagna trennt. Am Berge Tafsano 
fand ein ZusammenstoB (31. Juli 1848) 
Statt und in regelloser Flucht wurden 
die Haufen auf das neutrale Gebiet San 
Marino geworfen. Im Namen Gari. 
baldi ' s kniipfte nun die Republik mit 
dem Erzherzog und General Hahne 
Unterhandlungen an, in deren Folge die 

Seite 265 



Wurzbach0 6 . txt 

Bande, welche noch 1800 Abenteurer 

stark war, aufgelost werden und sich an 

die Oef terreicher ergeben sollte. Gari« 

baldi selbst entfloh noch in der Nacht 

vom 31. Juli auf den 1. August und 

iiberlieB seine Genoffen ihrem Schicksale, 

dem sie sich auch noch im Laufe des letzteren 

Tages ergaben. Der Erzherzog 

riickte nun in San Marino ein, ubernahm 

die Waff en und verlieB am 2. August 

die Republik. Zum Feldmarschall-Lieutenant 

ernannt, mit dem GroBkreuze des 

Leopold-Ordens ausgezeichnet , erhielt er 

dann das Commando einer Division bei 

dem 3. Armee-Corps in Ungarn und ist 

gegenwartig Commandant des 2, Caval« 

lerie-Corps . 

Hirtenfeld ( I . ) , Oesterr. Militar<Konversations . 

Lexikon (Wien 18S2, Lex. 8°.) Bd. I I , S. 243. 
* * 

81. Jerdmand I., deutscher Kaiser 

(geb. 10. Marz 1303, gest. 23. Juli 1364), 

Zweiter Sohn des Erzherzogs Philipp 

von Oesterreich und Johanna's, Toch» 

ter Ferdinand ' sdesKatkolischen; Enkel 

des groBen Max im i 1 i an I . und Bruder 

des Kaisers KarlV. Gemalin. Im Jahre 

1321 vermalte er sich mitW lad i s 1 aw ' s . 

Konigs von Ungarn und Bohmen Tochter 

Anna ssehe d. Nr. 24^, welche jedoch, 

nachdem sie ihm 13 Kinder geboren, von 

denen 2 in der Kindheit starben, bereits 

1847 gestorben war. Rinder: Marimi« 

lianN., sein Nachfolger in der deutschen 

Kaiserwtirde; Ferdinand, welcher Tirol 

und die auswartigen Lande; Karl, wel« 

cherSteiermark erhielt; El isabeth, nach. 

mals an Sigismund I I . August, 

Konig von Polen vermalt ''s. d. Nr. 70); 

Anna, vermalt an Albrecht II., Herzog^ 

Habsburg — Ferdinand 

in Bayern A d. Nr. 26); Maria, vermalt 

an Wilhelm, Herzog von Cleve; 

Magdalena, Aebtissin des Klosters 

Hall in Tirol; Katharina, vermalt 

zuerst an Franz, Herzog von Mantua, 

zum andern Male, nach dem Tode ihrer 

Schwester Elisabeth, an ihren Schwager 

Sigismund August von Polen; 

Eleonore, vermalt an Wilhelm, Her« 

zog von Mantua; Barbara, vermalt 

an Alp hons II., Herzog von Ferrara; 

Johanna, vermalt an Franz Maria 

von Medicis, GroBherzog von Florenz; 

Margaretha und Helena, welche 

Beide den Schleier nahmen ' , U rsula und 

Johannes starben in zarter Kindheit. 

raunaus . " WichtigenABM5Momelite : Ferdinand 

erhielt eine sorgfaltige Erziehung; 

als sein Bruder Karl die Regierung 

in Spanien antrat (1316), schickte 

er F. in die Niederlande, wo Erasmus 

von Rotterdam den Plan zu seiner 

weiteren Ausbildung entwarf; F. war 

Seite 266 



Wurzbach0 6 . txt 
bewandert in der classischen Literatur, 
sprach Spanisch, Italienisch, Deutsch und 
Franzosisch mit Fertigkeit, und auch im 
Gebiete der iibrigen Wissenschaf ten war 
er nicht fremd. Nach seines Grofivaters, 
des Kaisers Max I. Tode (13191 erhielt 
er die osterreichischen Lande, d. i. das 
Erzherzogthum Oesterreich, Steiermark, 
Karnthen, Kram, Tirol erb- und eigen» 
thumlich. Als sein Schwager Ludwigll., 
Konig von Ungam und Bohmen, der 
Gemalseiner Schwester Maria, in der 
Schlacht bei Mohacs gegen die Tiirken 
am 29. August 1326 geblieben war. und 
keine Kinder hinterlieB, erhob Ferdinand 
Anspriiche auf die Kronen von 
Ungarn und Bohmen, welche ihm auch 
Beide zu Theil wurden, letztere den 
26. October, erstere im November 1326; 
seit welcherZeitUngarn und Bohmen 
Habsburg — Ferdinand 
(die mit Bohmen verbundenen Lande 
waren Mahren, Schlesien und die Lausch) 
unausgeset ztNebenreichedesKai . 
serthumes gebliebensind. Ungarns 
wegen hatte Kaiser Ferdinand einen 
langen Kampf zu bestehen. Johann von 
Zapolya, Graf von der Zips und Woiwode 
von Siebenbiirgen, besaB eine starke 
Partei im Lande, die auch ihn zum Konige 
kronte, und der Sultan S o 1 im an unterstiitzte 
Z apolya ' sAnspriiche mit einem 
Heere von 300.000 Mann. Bis Wien 
war das Tiirkenheer vorgedrungen, und 
belagerte 1329 die Kaiserstadt. Nklas 
Salm war damals Wien's Retter. Die 
Tiirken zogen ab, kehrten aber mit neuer 
Heeresmacht 1332 wieder, riickten bis 
an die Grenzen Steiermarks vor, wo ein 
zweiter Niclas, NiclaS Iurissisch, Commandant 
der Festung Guns, ihnen unbe« 

siegbaren Widerstand entgegenstellte, wodurch 
Deutschland und Wien Zeit gewannen, 
die Krafte zum Kampfe gegen den 
Feind der Christenheit zu vereinigen. Eine 
kaiserliche Flotte, befehligt von Andreas 
Doria, nahm eines der Dardamllenschlof ser 
weg, und So 1 im an sah sich 
gezwungen seinen Riickzug anzutreten. 
Der Vertrag von GroB wardein kam 
1338 zu Stande, nach welchem der alte 
und unvermalte Zapolya bis an seinen 
Tod den Konigstitel von Ungarn behalten, 
dieser aber alsdann an Ferdinand I. 
iibergehen sollte. Zapolya aber vermalte 
sich wider Erwarten mit Isabella, 
Tochter S igis mund's von Polen, und 
bekam 1340 einen Sohn Johann 
Sigismund. Als Zapolya bald dar« 
auf starb, widersehte sich seine Witwe der 
Vollziehung des Vertrages, worin sie von 
dem ehrgeizigen Marti nuzzi, einem 
machtigen Pralaten, stark unterstiitzt 
wurde. Der Tiirkenkrieg begann von 

Seite 267 



Wurzbach0 6 . txt 
Neuem 1341, und nur mit schweren Be»? 
Habskurg — Ferdinand 283 Habsburg — Ferdinand 
dingungen erkaufte Ferdinand einen 
3jahrigen Waf f enstillstand. Auch die Be« 
seitigung von Martinuzzi's EinstuB, 
der am 19. Dec. 4331 unter den Dolchen 
von Meuchelmordern fiel, half nichts zur 
Besserung der Sachlage. Der Kampf 
entbrannte von Neuem. Die Pforte betheiligte 
sich, und endlich kam 1862 ein 
Zjahriger Waf f enstillstand mit Soliman 
zu Stande. Ferdinand gelangte, so 
lange er lebte, nicht zum ungestorten 
Besitze Ungarns . I n Bohmen wahrten 
die religiosen UnRchen fort. Der Kuttenberger 
Landtag, 1483, hatte den 
Calirtmern 33 Jahre Duldung und 
Glaubensf reiheit zugestanden. Nun machte 
Luthers Lehre machtige Fortschritte und 
ein engeres Band schien Bohmen und 
Sachsen zu verbinden. Ferdinand, entschiedener 
Gegner Luther's und seiner 

Lehre, legte Hand an ' s Werk zur Unterdriickung 
der Sectirer. Die Schlacht bei 
Miihlberg 1347, in welcher Johann 
Friedrich, Churfiirst von Sachsen, gefangen 
worden, kronte seine Bemiihungen. 
Der blutige Reichstag fand zu Prag am 
22. August 1347 Statt, genannt so, weil 
von den Aufriihrern, zwei dem Adel, zwei 
dem Biirgerstande Angehorige Hingerich' 
tet, viele andere mit Pranger, Peitschung, 
GeldbuBen und GefangniB bestraft wurden. 
Ferdinand iibertrug nun 1336 
den Jesuiten den Unterricht der Jugend, 
und eine strenge Biichercensur iiberwachte 
die neu erscheinenden Werke. Im Jahre 
1330 war Ferdinand von seinem Bru« 
der Karl zum romischen Konige ernannt 
worden. Da Karl's Sohn Philipp 
sich nicht die Gunst der deutschen Reichs« 
fiirsten erwerben konnte, trat er bei seiner 
Abdankung 1336 die Kaiserkrone an 
Ferdinand ab, 1338 erfolgte die allgemeine 
Anerkennung seiner neuen Wiirde . 
Durch MaBigung und Umsicht erhielt 
Ferdinand den Frieden in Deutschland. 
Das Concilium von Trient, von welchem 
Ferdinand Besserung der religiosen 
Zustande erwartete, hatte sich, ohne dieses 
zu erreichen, aufgelost. Da starb Ferdinand 
im Alter von 62 Jahren. Die 

Geschichte nennt ihn einen guten Regenten. 
Anmuth und Wiirde waren liber 
seinAeuBeres verbreitet; Milde und Sanft» 
muth machten die Grundziige seines Charakters 
aus . Die von spanischen Geistlichen 
in friiheren Jahren ihm eingefloBte 
Unduldsamkeit in Religionsangelegenheiten 
wich in spateren Jahren, und machte 
einer gemaBigten Anschauung Platz. F e r« 
dinand, selbst hochgebildet , liebte den 
Umgang mit gelehrten und unterrichteten 
Leuten. Dem Miinzwesen gab er 1339 

Seite 268 



Wurzbach0 6 . txt 
eine neue Gestaltung, und den durch unregelmafiiges 
Verfahren bei Aushebung 

der Truppen gestorten Landfrieden befestigte 
er aufs Neue. 

Buchholtz (Franz Bernhard) , Geschichte der 
Regierung Ferdinand's I. 9 Bande (Wien 
1830-1845. 8«.). - Fo/ee ' s o6on>' s , Vita 
ai I'erawHnao I. (Vsns-ik 1566, 4«.; ebd. 
1568, 4".). - H5e?-?na?ul A e/e? A , A ureowin 
HuZtitili, aMVerektinunauZ ( 11 A 83 . 13 , 17 66, 4 A . ) . 
- F'oT'La« s'F'eT'uNt A , OllUio in iunero ste. 
iniporktoriZ Ver6,in2,nai tzto. kkdita. in tsrnxio 
I) . st6Fkg.ui (VisQn. 1363, 4«) . - 6e- 
V6tu8ti88iiui ortus saaras aaLIareaL st catkolioas 
lua A SLtktis Oaroli V. st k'sraiaa.nai 
I . , HuuFHlias et Vokelliike r<3Fi5 (I12FenoI,L 
1530, 4". ot Lov22. 168(1, 8«.). - H:?-o?<? 
s 'Ha. ' 1 ' /l 'uH-/oaTMss) , Oraiio in oditum?6i — 
aiua.Qai I . iinxsratoi-is (l?i-a.ueo5. 1564, 4°.). 
8t2.na,o Lonciliatoi-s (U156n. 1753, I'ol.) . — 
Iockell (Ioh. Bapt . ) . Geschichte der Regierung 
Konig Ferdinand's I. u> s, w. 4 Thle. (Wien 
1842 und 1843. 8°.). Mn Auszug aus Buch ' 
holtz's umf angreichem Werke.) — Hsassnl'ns 
k. o. ria O'aroli V. st I ' si-ainaiKii I. 
r. 1672, 4".; ebd. 1634 u. sda.^ 
Habsburg — Ferdinand 184 Habsburg — Ferdinand 
4709, 4«.). - Host <N H A , Di25Srtatio as 
I'slawallao I . , 8ullllc : 2, lclioi 1)611! 80010 

(I.il>5. 1789, 4°.). - i?Aoa AA /o«so c?s>», 
Vit». asl i>otLQti25. s oliriLtianisL . iMVera.- 
tors k'eraiQa.nao I . . . . aaii'anuo 1V20 iiuo 
«a 1564 (Ve A 62 . 15 68 , 4°.) . — Vergleiche iibrigens 
die iiberaus reiche Literawr iiber Ferdinand 
in: Schmit Ritter von Taoera, 
Bibliographie zur Geschichte des osterr. Kaiserstaates 

(Wien 1838, gr. 8«.) Nr. 1935-2449. 

sTa era ordnet sie zur leichteren Uebersicht nach 

folgenden Abschnitten: Biographien und 

Biographische Beitrage Nr. 1935—1971; 

Urkunden und Briefe Nr. 1972-1983; 

Unruhen in Oesterreich Nr. 1984-1994; 

Bauernkrieg Nr. 1995-2020; Kirchliche 

Angelegenheiten Nr. 2021—2048; Wurtembergische 

Angelegenheiten Nr. 2048 

-2 60; Bohmen Nr. 2 61-2 66; B6h« 

mischeUnruhenNr . 2067—2080 ; Ungarn 

Nr. 2081-2103; Turkenkriege (1527- 

1564) Nr. 2106-2123; Urkunden zum 

Turkenkriege Nr. 2126-2133; Lieder 

anlaBlich desTiirkenkrieges Nr. 2134— 

2138; Auf f orderungen zum Kriege 

gegen die Turken Nr 2139—2163; Von 

Ferdinand's I. Zug nach Ungarn bis 

zur Belagerung Wiens ( 1327— 152 9) Nr. 

2164-2186; Wiens Belagerung (1529) 

Nr . 2187—2216; Einzelnheiten und Lie» 

der Nr. 2217-2231; Krieg 1532 Nr. 2232 

—2256; Belagerung von Guns Nr.2256 

-2263; Feldzug 1532 Nr. 2264-2282; 

Turken in Steiermark Nr. 2283-2295; 

Krieg im I . 153 7 Nr. 2296-2309; Krieg 

V0N1540 -1347 Nr. 2310-2344; Letzter 

Krieg Ferdinand's I. gegen Sulei man 

Seite 269 



Wurzbach0 6 . txt 
1531 -15 58 Nr. 2345-2397; VerhaltniB 
zu Frankreich Nr. 2398-2402; Verhalt« 
niB zu RuBland Nr. 2403-2416; Pest, 
Heuschrecken, Comet, Furcht vor dem 
Weltuntergange Nr. 2417-2429; Lei. 
chen» und Lobreden auf Ferdinand I. 
Nr. 2430-2449." 
82. Ferdinand II., deutscher Kaiser 

(geb. zu Gratz 9. Juli 1578, gest. zu 
Wien 13. Februar 1637) . Sohn des Erz- 
Herzogs Karl von Steiermark und Karn» 
then und Maria 'S, Tochter Albrecht's, 
Herzogs in Bayern. Sein Vater Karl 
war der dritte Sohn deS Kaisers Ferdi» 
nand I., und somitFerdinand II. des 
Letzteren Enkel. Gemalmm: die erste Ge» 
malin war seit 1606 Maria Anna, 
Tochter Wilhelm's, Herzogs in Bayern 

(gest. 18. Marz 1616); die Zweite seit 
14. Februar 1622 Eleonore, Tochter 
Vincenz ' , Herzogs von Mantua "s. d. 
Nr. 33" j. Rinder. Die zweite Ehe blieb kin> 
derlos; die Kinder der ersten Ehe waren: 
Johann Karl (geb. 1. Nov. 1603, gest. 
16. December 1616); Ferdinand III. 

(siehe d. Folg.), sein Nachfolger; Maria 
Anna (geb. 13. Iraner 1610, gest. 
28. Sept. 1668); Cacilia Renata 
lsiehe d. Nr.43); Leopold Wilhelm 

(geb. 6. Janner 1614, gest. 20. November 
1662); Christine (geb. 23. Mai 
1616, gest. in der Kindheit), wahlspmch: 
It 9 . ntiduL . " — Wichtigere 

: Wurde unter der Leitung 
Wilhelm's, Herzogs in Bayern, des 
Bruders seiner Mutter, erzogen. Blieb bis 
zum 13. Jahre in Miinchen, wo Jesuiten 
seinen Unterricht geleitet, die Richtung 
seines Geistes und seiner religiosen Ansich» 
ten bestimmt haben. Sein Vetter Kaiser 
Mathias bediente sich ofter seines Rathes. 
Als auf des Grafen Mathias Thurn 
Anstiftung die Unruhen in Prag ausbrachen, 
und am 23, Mai 1618 zwei kaiser« 
liche Rathe mit ihrem Geheimschreiber 
Fabricius aus dem Fenster des Prager 
Schlosses hinausgeworf en wurden, womit 
so zu sagen der 30jahrige Krieg seinen 
Anfang nahm, war es Ferdinand, der 
seinem Vetter die Anwendung der aufier» 
sten Strenge anrieth. Am 20. Marz 1619 
starb Kaiser Mathias; vermoge der bei 
seinen Lebzeiten bestimmten Wahl trat F e r» 
dinand als Konig von Bohmen aus. Die 
Unruhen in Bohmen, trotz aller Versuche 
Ferdinand's sie zu beschwichtigen, ge« 
wannen einen immer heftigeren und dro« 
hendermCharakter . Mathias Thurn? 
Haosburg — Ferdinand 185 Habsburg —Ferdinand 
riickte bis vor Wien und belagerte den Kai 
ser in der Hofburg; Ferdinand behielt 
in diesem Ungewitter einen unerschutterli» 
chen Muth im Vertrauen auf den Beistand 
der Mutter Maria von Loretto, zu der er 

Seite 270 



Wurzbach0 6 . txt 
einst gewallf ahrtet . Die 1 6protestantischen 
Barone drangen bis in des Kaisers Gemach, 
Thonradl , Baron von Evergassing, 
wagte es, des Kaisers Person 
anzutasten, und die historisch gewordenen 
Worte: „I ' Olaina . naiils sud solid 2.3" zu 
rufen, da rettete das Erscheinen der Kiiras« 
siere von Dampiere (heut Kiiraf f ier-Regiment 
Nr. 8, Prinz Karl von Preufien) 
auf dem Burgplahe den Kaiser. Ferdi» 
nand's Vertrauen auf den wunderbaren 
Schutz von oben befestigte stch seit dieser 
Zeit noch mehr. Als Thurn nun von 
Wien abzog, und nach Bohmen eilte, be 
gab sich Ferdinand nach Frankfurt 
am Main, wo er am 28. August 1619 zum 
deutschen Kaiser gewahlt wurde. I n B6h« 
men, wo indessen ein allgemeiner Reichstag 
zusammen berufen worden, auf wel< 
chem auch die mahrisch-schlesischen und 
lausitzer Stande versammelt waren, wurde 
aber Ferdinand's friihere Wahl zum 
bohmischen Konige fur ungiltig erklart, 
Friedri chV. von der Pfalz, am 27. August 
1619 zum Konige gewahlt, und mit 
vieler Pracht am 23. Oct. 1619 gekront. 
Die Ungarn hatten sich auch erhoben, und 
den Fiirsten von Siebenbiirgen zu Hilft 
gerufen. Nachd emFerdinand am 2. Nov. 
zum deutschen Kaiser gekront worden, und 
nach Oesterreich zuriickkehrte, fand er 
Wien belagert. Nur die Ungunst der Iah« 
reszeit befreite Wien von ferneren Drang» 
salen; daThurnnachBohmen, V eth len 
nach Ungarn zuriickkehrte, wo letzterer 
alsbald zum Konige ausgerufen wurde. 
I n Deutschland hatten sich indessen zwei 
Parteien gebildet, die protestantischen 
Fiirsten, auf welche Friedrich von der 
Pfalz zahlte, bildeten die Union; die 
katholischen, die auf F e r k» i n a n d's Seite 
traten, die Zigue. Der Zwiespalt in der 
Union, indem Johann Georg I. von 
Sachsen auf Ferdinand's Seite trat, 
schwachte die protestantische Partei. Die 
Schlachtam weiBen Berge, am 8. No> 
vember 1620, brachte die Entscheidung, 
welcher die blutigen Tage in Prag, 
Brunn und an anderen Orten folgten; 
das Heer Friedrich's von der Pfalz 
ward vernichtet. Die Siege Tilly 's bei 
Wimpfen iiber Friedrich von Baden, 
am 8. Mai 1622, beiHochst iiber Christian 
von Braunschweig, am 19. Juni 
1622, und bei Lo 0, am 6. August 1623; 
ferner W allenstein's iiber Ernst von 
Man sfeld bei Dessau, am 23. April 
1626; dann wieder Tilly 's iiber Chri« 
st i an IV. von Danemark bei Lutter am 
Barenberge, am 27. August 1626, und 
Wallenstein ' s eigenthiimliches Kriegs» 
system forderten Ferdinand's Sache. 
Den Konig von Danemark zwang er zum 
Frieden in Liibeck, am 12. Mai 1629, 

Seite 271 



Wurzbach0 6 . txt 
wodurch Ferdinand zum Herrn der Lander 
vom adriatischen Meere bis zur Ostsee 
wurde. Fruher noch, am 6. Marz 1629, 
hatte er das RestitutionS-Edict erlassen, 
wonach AlleS wieder auf denselben 
FuB gebracht werden sollte, wie es vor dem 
Passauervertrage, 1352, gewesen, 
und durch das Ferdinand seinen bisheri« 
gen Bundesgenossen Johann Georg 
von Sachsen verlor. Urn die letzte Hand 
an diese Angelegenheiten zu legen, vor« 
namlich aber, urn feinen Sohn Ferdi» 
nand zum romischen Konige wahlen zu 
lassen, berief Ferdinand I I . im Februar 

1630 einen Churf iirstentag nach Regens» 
biirg, ohne jedoch seinen Zweck zu errei« 
chen. Indessen hatte die protestantische 
Partei an Gustav Adolph, Konig von 
Schweden, einen neuen und machtigen^ 
Habsburg — Ferdinand 186 Habsburg — Ferdinand 
Freund gewonnen. Dieser landete am 

24. Juni 4630 mit einem auserlesenen 
Heere an den Kiisten Pommerns, und 
das Kriegswehe begann von Neuem, mit 
wechselndem Gliicke der Streitenden. 
Tilly hatte Magdeburg am 40. Mai 

1631 ersturmt, Gustav Adolph die 
Schlacht beiBreitenf eldnachst Leipzig 
am 7. September 1631 gewonnen; der 
Konig drang vor; bei Rain am 3ech 

in Bayern, am 13. April 1632, stellte sich 

ihm Tilly entgegen, urn ihm den Ueber» 

gang zu wahren. Eine Falconetkugel zerschmetterte 

Tilly 's rechten Oberschenkel, 

am 30. April erlag er seiner Wunde . Die 

Schweden besetzten Miinchen, Bohmen 

war in den Handen der mit Gustav 

Adolph verbiindeten Sachsen, Rakotzy 

bedrohte Ungarn, in Oberosterreich war 

ein Auf stand ausgebrochen . I n so miB» 

licher Lage befand fich neuerdings Ferdinand. 

Nur einen Mann gab es, der 

in solcher Noth retten konnte; es war 

Wallenstein, dessen Name in der 

Kriegswelt einen glanzenden Ruf besaii; 

W. wurde nun mit unumschrankter Vollmacht 

an die Spitze einer Armee gestellt. 

Aber Wallenst ein entsprach den 

gehegten Erwartungen nicht . I n der 

Schlacht bei Liihen, 6. November 1632, 

standen sich Wallenstein und Gustav 

Adolph gegeniiber. Die Schweden ge» 

wannen den Sieg, aber theuer erkauft 

mit dem Leben ihres Konigs. „Wie 

gerne," rief Ferdinand, als man ihm 

Gustav Adolph 's Tod meldete, „hatte 

ich ihm eine gliickliche Heimkehr gegonnt," 

und von des Konigs blutigem Roller 

wendete er voll Wehmuth die Blicke ab . 

Wallen stein zog sich nach der Schlacht 

von Liihen nach Bohmen zuriick, und 

machte sich durch sein ferneres Verhalten 

so verdachtig, daB er (ob als gerechtes 

Opfer seiner Schuld oder als jenes seiner 

Seite 272 



Wurzbach0 6 . txt 
zahlreichen ihn verdachtigenden Feinde, 
ist noch nicht erwiesen) zu Eger am 
28. Februar 1634 ermordet wurde. Der 
Kaiser ernannte nun seinen Sohn Ferdi» 
nand zum Generalissimus , unter welchem 
die Dinge einen bessern Fortgang nah. 
mm; denn Regensburg und Donauworth 
wurden von der kais. Armee genommen, 
bei Nordlingen wurde am 
7. September 1634 ein glanzender Sieg 
erfochten, und der Churfurst von Sachsen, 
der sich von den Schweden lossagte, schlofl 
nun einen Separatf rieden zu Prag am 
30. Mai 1633, in welchem der Kaiser 
die Ober- und Nieder-Lausit z erhielt. Die 
siegreiche Armee riickte nun unauf gehalten 
vor, uberschritt die Grenzen Frankreichs, 
besetzte Burgund und Champagne, und 
nur die wenigen gliicklichen Erfolge im 
Norden Deutschlands , wo Banner die 

Sachsen bei Domitz 1636, die kaiserlichsachsische 
Armee bei Wittstock 24. Sept. 
1636 schlug, verhinderten das weitere Vor» 
riicken in Frankreich. Ferdinand berief 
aber noch einen Fiirstmiag nach Regensburg 
am 13. Sept. 1636, und diefimal 
fuhrte er seine Lieblingsidee, die Wahl 
seines Sohnes zum romischen Konige, 
durch. Sie erfolgte am 22. Dec. 1636. 
Das war Ferdinand's I I . letztes poli» 
tischeS Geschaft. Das Ende des bei seinem 
Regierungsantritte begonnenen Krieges 
erlebte er nicht mehr, denn bald nach 
seiner Riickkehr aus Regensburg starb er 
in Wien im Alter von 39 Jahren und 
im 28. Jahre seiner Regierung. Die 
Geschichtschreiber bemerken in ihren Cha» 
rakteristiken iiber ihn: Sein Festhalten an 
der katholischen Religion bedingte seine 
Politik, in welcher er groBen Scharfblick 
besafi. Ein fester unerschiitterlicher Sinn, 
Fassung und Standhaf tigkeit im Ungliicke, 
hauptsachlich hervorgehend aus seiner 
Frommigkeit, waren ihm eigen. Auch die£ 
Habsburg — Ferdinand 187 Sabsburg — Ferdinand 
sanfteren Neigungen eines Familienvaters 
waren ihm nicht fremd , sowie ein mildes 
Mitgefuhl fur Nothleidende . Jedem war 
er zuganglich, selbst Bettlern, von denen 
man furchtete, daB sie mit der Pest behaftet 
sein diirften. Er kaufte eine groBe 
Anzahl Christensclaven los, speiste Arme, 
und trug die Kosten fur Unbemittelte bei 
Prozessen. I n hohem MaBe freigebig 
war er gegen die Geistlichkeit , deren Einkiinfte 
er oft urn Bedeutendes erhohte' 
. 40.000 st. wurden jahrlich unter die 
osterreichischen Pralaten vertheilt. I n 
Bohmen errichtete er vier Bisthumer, 
mehrere Seminarien, Krankenhauser und 
sonstigeAnstalten fur Nochleidende . Aufter 
vielm Klostern fur einzelne Monchsorden 
stiftete er 16 Iesuitencollegien . Pater 
Lamormain, ein Jesuit, war sein einf luBreicher 

Seite 273 



Wurzbach0 6 . txt 
Beichtvater . 

Bell (Nicolaus), Oesterreichischer Iorbeerkr . anz , 
d. i. warhafftige historische Beschreibung aller 
denkwurdigen Sachen unter der Regierung der 
Kayser Mathiae und Ferdinand II., von 
1617 bis 1623 (Francs. 1623, Fol . ) . - Derselbe, 
Kriegs» und Friedenshanolung Ferdinand! 

I I . und III. von 1625 bis 1640 (ebd. 1640, Fol.). 
— ZuHanuH /s 7o6SF>/i«iH<l , Nioziurn. I'erai» 
ua.n6o I I . H . ULtriaoo-NornA ' Noi ' UM. in A Oratori 
vsrs pio, V6?6 maxiino (Koni. 1634, 4"., 
auch A Visn 1634, 4o.) sdes Verfassers wahrer 
Name ist Giov. Rhu A . — v s oonvontu l'si — 
<ling.QcIi, I I . impsra . toi ' ig Katisbouks knuo 
1630 (I A Qaou 1832, 4°.). - Helbig (Karl 
Gustav) , Der Kaiser Ferdinand (II.) 
und Herzog (Albrecht) von Friedland wahrend 
des Winters 1633/34; mit Wallenstein ' s 
Horoscove von (Johann) Kepvler 

(Dresden 1832. 8".). — Hurter (Friedrich) , 
Geschichte Kaiser Ferdinand 's I I . und seiner 
Eltern. I . bis IX. Bd. . jedoch erst der VIII. und 
IX. Bd. umfassen die Geschichte Ferdinand's 
II., die ftiiheren Bande enthalten jene der Eltern 
des Kaisers Ferdinand (Schasshausen 1850. 
8".). — Hurter (Friedrich von), Kaiser Ferdinand's 
I I . nebst des apostolischen Nuntius 
Carl Carafa Bericht iiber Ferdinand's 
Lebensweise, Familie, Hof und Politik (Wien 
1860, Braumuller, 8".). — Derselbe, Feindseligkeiten 
gegen das Haus Oesterreich zur ZeitKaiser 
Ferdinand des Zweiten (Braumuller 1839, 
80.). - H A ev6NkiMs?- 55>aw2 o A lst. v. A l, H.n> 
naisL Sslatuauasi ab anno 1598usyus aaauuum, 
1639, oder wahrhafte Beschreibung Kaiser 
Ferdinand's III. (Regensburg 1640-4644, 
Fol., in 12 Bdn. — Leipzig 1716-1726, Fol., in 
lOBon . ) , DeutscherAuszugvonlust . F . Runde 
in 4 Theilen (Leipzig 1778-1781, 8°.). - 0«7- 
uauai I I . KoiN2.nor. Imperatoris virtutes 

( A Vion 1638, 4"., auch A n w . 1638, 24°.; (uoi. 
A Flipx. 1639, 4». und l?7rQ. 1739, 40.); in ' s 
Deutsche libers, von Ioh. I a r . Curtzius (Wien 
1639, 4«.); in's Spanische (Madrid 1640, 4«.); 
in ' s Franzosische von Ioh. 3 eurech on (Paris 
1638, 4«.); in's Italienische v o n I . I . Curtzius 

(Wien 1638, 4«.). - A »nVe < A l«6e,'i Al , Vb 
dallo Voliauiieo I'srcliuanai I I . oassiilis 
Ubsi>. (I.U36. Va.t. 1621, 12".; auch Ool. AA i-. 
1622, 8".). - Zlaiens- Vo A . F>1 ' sck?- ! e : /i>, Os 
Farsutsla, eieations 6t corouations A srai» 
nanai I I . iu rsssra Noma.uoi'uni libli I H 

(Ool. A sr. 1621, 4°.). -Nelk (Theophil), 
Die Zierde der Fiirsten im 17. Jahrhundert oder 
die Tugenden Ferdinand's II., romischen 
Kaisers (Landshut 1834, 8"., mit Portr.) . — 
A ' etT-o-sani« A <315v6si Al c Al , Oratio iuuOdri5 
Sum Al 'Ui>t2. exe A uiarniu. V'eraiuanHo I I . H.u> 
atriaoo slseto iniVerktorurn psrLoivsrsntu . i ' 

(Rom 1637, 4".). - I A 'es?- c5s <3a5aH A A c»> 
va?> Al /oH Al ), Virtuaes )s vicle 65 A illtug,l 6.61 
su A VSrQaoi' I ' ei ' aina . uao I I . (2krg.Fo? 1640, 
80.) . — Relation des gottseligsten AbleibenS 

(sie) Ferdinandi des Andern (Wien 1637. 

Seite 274 



Wurzbach0 6 . txt 
40 . ) . -Silbert (I oh. Pet . ) .Ferdinandll . , 
romif cherKaiser und seine Zeit (Wien 1836, 8<>.) . 
— V i a a 6 lisedos as! vraxer A aol I ' oi ' - 
uauao I I . (V A roinoii, 1648, 3«.) . — Virtu- 
tss rslias aivi I ' sl^iuaiiai I I . anno eHusasm 
odituii saeoulari aobitas xiotMa 61-30, 
luetro adumdratas (t-ravo. 1737, 8<».) . — 
A 6U6»> A /m?na:) 1«6 A , s A Uoyii rsruui praoei- 
Marum tom A orH I ' si ' aina . uai II . in. Nuropa 
F68taruni (0i632su 1713, 4«.). -Wolf (G.). 
Ferdinand I I . und die Juden. Nach Acten» 
stiicken in den Archiven der k. k. Ministerien des 
Innern und Aeufiem (Wien 1859, Braumuller, 

kl. 8".) A eine sehr interessante Schrift iiber diesenstrengglaubigen 
Monarchen, welche, wie der Ver» 

fasser bemerkt, beweisen soil (und beweist), daft 
Strengglaubigkeit im Katholizismus nicht Hand 
in Hand mit Judenhafi und Verfolgung geht, 
denn Humanitat ist das oberste Gesetz aller Reli»^ 
Habsburg — Ferdinand 188 Habsburg — Ferdinand 
kralovstvi 
, 80.) . 
83. Ferdinand III., deutscher Kaiser 

(geb. zu Grah 13. Juli 1608, gest. zu 
Wien 2. April 1637) . Zweitgeborner 
Sohn des Kaisers Ferdinand I I . und 
MariaAnna ' s , derTochterWilhelm ' s , 
Herzogs in Bayern. Gemalinen: 1) Seit 
1631MariaAnna, TochterPhilipp ' s 
III., Konigs von Spanien, welche am 
13. Mai 1646 starb; 2) seit 2. Juli 
1648 Maria Leopoldine, Tochter 
des Erzherzogs Leopold V. in Tirol, 
welche er am 19. August 1649 verlor; 
3 ) seit30 . April 1631 Eleonore, Tochter 
Karl'S II., Herzogs in Mantua, gest. 
3. Dec. 1686. Linder. Von der ersten 
Gemalin: FerdinandlV. (geb. 8. Sept. 
1633, gest. 9. Juli 1684); Maria 
Anna (geb. 22. Dec. 1634, gest. 16. Mai 
1696); Philipp August (geb. 13. Juli 
Thomas (geb. 26. Dec. 1638, gest. 
6. Juli 1639); Leopold, nachmals 
deutscher Kaiser (geb. 9. Juni 1640, gest. 
3. Mai 1703); Maria (geb. und gest. 
1646) . Von der zweiten Gemalin: Karl 
Joseph (geb. 7. August 1649, gest. 
27. Janner 1664) . Von der Dritten: 
The rese Maria (geb. 26. Marz 1632, 
gest. 12. Mail633); Eleonore Maria 

(geb. 21. Mai 1633, gest. 17. December 
1697) "*siehe Nr. 34"*; Maria Anna 
Iosepha (geb. 20. Dec. 1634, gest. 
14. April 1689); Ferdinand Joseph 

(geb. 11. Februar 1687, gest. 16. Juni 

1633). VaWruch: „kistkts st' s stitia.« 

wichtigere Lebensmomente . Ferdinand 

war schon bei Lebzeiten seines Vaters in den 

Kampfen jener Tage zu Ruhm gelangt; 

nach Wallen stein 'S Ermordung iiber» 

nahm er den Befehl der Armee, bewirkte die 

Eroberung vonDonauworth und Regensburg, 

und erfocht am 7. Sept. 1634 

den Sieg bei Nordlin gen. wo der 

Seite 275 



Wurzbach0 6 . txt 
SchwedM ' GeneralHorn gefangen ward, 
und Herzog Bernhard von Weimar nur 
mit Miihe durch die Flucht sich rettete. I n 
Folge dessen trat Johann Georg I. 
von Sachsen von seinem Biindnisse mit 
den Schweden zuriick. Am 22. December 
1636 wurde F. zum romischen Konig gewahlt, 
und als sein Vater bald darauf 
(13. Febr. 1637) starb, folgte er ihm auf 
dem Kaiserthrone . Ferdinand's Sorge 
war nun auf die langstersehnte Herstellung 
des Friedens gerichtet, zu welchem Zwecke 
die gefahrliche Uebermacht Frankreichs und 
Schwedens in deutschen Angelegenheiten 
gebrochen werden muBte. Nach langen 
Zogerungen begannen 1643 die Ver« 
Handlungen zu Miinster und Osnabriick, 
wahrend denen jedoch der Krieg 
fortgesetzt wurde. Ein in der Zwischenzeit , 
1649, vom Kaiser nach Regensburg be« 
ruf enerFiirstentag loste erfolglos sich auf. 
I n diese Tage fallt das beriihmte Werk 
Hippolyt ' s a Lapide: „ 
6.6 rktionO 8tktu8 in imperio 
uiano - Berinkn . i ( ! " (Stettin 1640), 
dessen wahrer Verfasser BogiSlaw 
Philipp von Chemnih, schwedischer 
Rath und Historiograph, sich unter obi» 
gem Pseudonym verbarg. Darin wurden 
das eigentliche Wesen der deutschen 
Reichsverf af f ung entwickelt, die Mangel 
und Gebrechen derselben enthiillt und be» 
leuchtet, die deutschen Reichsfiirsten auf 
ihre Privilegien und Rechte gegeniiber 
dem Kaiser aufmerksam gemacht, und der 
Grund zu jenersystematischenUneinig ' 
keit gelegt — denn ohne System war sie 
schon langst herrschend, — welche seither 
das Zustandekommen einer deutschen Cen« 
tralgewalt zum Frommen der iibrigen 
GroBmachte Europa's unmoglich gemacht 
hatte. Dieses Werk schwachte das Ansehen? 
Sabsdurg — Ferdinand 189 >urg — Ferdinand 
des deutschen Kaisers starker, als viel« 
verlorene Schlachten, dazu kam noch die 
Niederlage der Kaiserlichen bei Iankowitz 
(24. Februar 1646); alles dieB bestimmte 
den Kaiser zum Abschliisse des westphalischen 
Friedens, der endlich am 24. Oct. 
1648 zu Stande kam, und das von 
Hjppolyt a Lapide theoretisch be> 
gonnene Vernichtungssystem der deutschen 
Einheit, durch die Paragravhe des Vertrages 
forderte. Auf einem 4632 nach 
Regensburg berufenen Fiirstentage er> 
wirkte Ferdinand wohl die Wahl seines 
Sohnes Ferdinand zum romischen 
Konige, aber schon zwei Jahre spater, 
1634, raffte der Tod den Konig im Alter 
von 21 Jahren dahin. Durch Mafiigung 
und Festigkeit verstand Ferdinand den 
so schwer errungenen Frieden in Deutsch, 
land zu erhalten; den lange noch nachwogenden 
leidenschaf tlichen Aufregungen 

Seite 276 



Wurzbach0 6 . txt 
setzte er Ruhe und Energie entgegen; 
durch biedere Offenheit gewann er alle 
Parteien, er war duldsam in Religionsf achen, 
und lieB, seinem Wahlspruche ge» 
treu, strenge Gerechtigkeitsliebe vorwalten, 
Stand er auch an Geist und politischem 
Scharfblick seinem Vater nach, so feierte 
er durch redliches Wollen und weises 
Fordern des Guten nicht minder glan» 
zende Siege. Ferdinand sprach mehrere 
Sprachen, bewahrte sich als Feldherr, und 
war ein Freund und Forderer der Wissenschaf ten 
und Kunste. Von letzteren liebte 
er vorzugsweise die Musik, und besaB 
nicht nur Fertigkeit im Spiele, sondern 
war auch Compositeur. Sein Hoforganist 
Wolfgang Ebner, ein Augsburger, lieB 
eine Arie mit 36 Variationen, die Ferdinand 
geschrieben, 1648 prachtvoll in 
Prag drucken. Kircherin seiner „Htusur- 
Fia, " Seite 683—689, theilt einen vier. 
stimmigen Gesang mit beziffertem BaB 
von Ferdinand's Composilion mit, 
und fiigt Seite 690 hinzu: 

6t Oatliolioum R.6A6M 8UINIQ0 82. N6 i n - 
'"ortunitats ea, 8 vei in» 

vituL omitters ooaotug lui". Die „Allgemeine 
Leipziger musikalische Zeitung, " 
theilt in ihrem 28. Jahrgange, S. 303 
und 304, einen Psalm Msei-sre von 
Ferdinand's Composition mit, die in 
einem einfachen vierstimmigen Chorgesange 
besteht. Diese Liebe zur Musik, ver» 
bunden mit einem schonen Talente, offen« 
barte sich noch reicher in seinem Sohne 
Leopold I., und datirt aus jenen Tagen 
die Griindung der reichen Musikalimbibliothek, 
welche gegenwartig einen Be» 
standtheil der kais. Hofbibliothek in Wien 
bildet, und die unter den spateren Kaisern 
und einzelnen musikliebenden Oberstkam« 
merern — als Vorstehern dieser Anstalt — 
betrachtlich vermehrt wurde. 

konLNLiuru «su aisgniLitio politicn. 62 mixsra 
slsotions li'srainkuoi I I I . in rSFein 
Roiuauoi-uui (llanov. 5637, 4<>.) j^siehe weiter 
unten: Osis?'?»«) !? A . — A vann'Nl /s iaooio' s ) 
sa^ioiitia. toi-rarum coeUgus xoteuL, Lbn 
I'oraiu^Qai III. ( A i sn 1657, l'ol.). - 
3imi Imporatoris I'sraiQaQUi. III. 
1657, 4«.). - 6tta?<?o>' s >107ato A <?H. 
A ea A o AA Historik ai k'eraiUHQao III. iiu^Llktoi- 
s. 2 L'auas (Visnna 1672, ? o 1 . , mit 
Portr.). - 6>ste?'VliMN ' s eieT' s 
coron», Il,oman2 I'srainanclo III. 
8. anHer/Lis sxkNiiniL oomitioi-uin 
vbU5ium «lusti H.Zrsi'ii (Ha.nov. 1610, 4".) 
fliehe oben: A ste A l'uH) . — Heie A sTlbe A e?' 
A Hla"l 'raMa« A , ?orainN.naU5 III. piU5 et, 
Hu5tu8 stc. oi-atiauo lunodri la.uaHwL (kra-B 
1637, 4".). - ' s iu<Hali>s' s "au/'enilNH «7o- 
7i,a7!?!), I A u A udria A a.nLF) 'ricuL in 50i6nuil)113 
exe A uiis II ' oi ' ainavlii III. eto. (Visnnao 1657, 
ornm dsUoruui o^ 

Seite 277 



Wurzbach0 6 . txt 
Habsburg — Ferdinand 190 Saksburg — Ferdinand 
s, pro oonmmni patria, 

84. Ferdinand IV., romischer Konig, 
Konig von Ungarn und Bohmen (geb. 

8. September 1633, gest. 9. Juli 1634) . 

Der erstgeborne Sohn des Kaisers Fer« 

dinand HI. ''s.d. Vorigen' 1 und'Maria 

Anna ' s , Tochter Philipp'sIII., 

Konigs von Spanien; wurde am 3. August 

1646 zum Konige von Bohmen, am 

16. Juni 1647 zu jenem Ungarns 

gekront . Im Jahre 1633 wurde er zum 

romischen Konige erwahlt, aber schon im 

nachsten Jahre, im Alter von 21 Jahren, 

siel er ein Opfer der Blattern. Wahrend 

der sieben Jahre seines Konigthums in 

Ungarn erfreute sich das sonst immer von 

Parteien erregte Land des Friedens. 

Sein jiingerer Bruder, nachmals Kaiser 

Leopold I., folgte ihm in dieser und 

in den anderen koniglichen Wiirden. 

Hiibner (Ioh.) Geneal. Tabellen (Leipzig 1719, 

kl. Qu.Fol.) Bd. I, Tab. 127. 

85. Ferdinand von Destcrreichi A K' 
bischof von Toledo und Cardinal (geb. 
16. Mai 1609, gest. 9. November 1641). 
Sohn Philipp'sIII., Konigs von 
Spanien, und Margaretha ' s , Tochter 

des Erzherzogs Karl von Oesterreich. 

Er erhielt eine vortref f liche Erziehung, 

und verband mit seltenen Talenten einen 

grofien Eifer in Erwerbung von Kennt» 

niffen. Schon 1619 erhielt er die bestan« 

dige Administration des Erzbisthums 

Toledo, welche er am 3. Mai 1620 

antrat; am 29. Juli 1619 wurde er mit 

dem Cardinalshute geschmuckt; auch wurde 

er bereits 1631 von seinem Bruder, dem 

Konige, dazu bestimmt, nach der Infantin 

Isabella Clara Eugenia '"s. d. Nr. 

76) die Regierung der Niederlande zu 

ubernehmen. I m April 1632 begleitete 

Ferdinand seinen Bruder Philipp 

IV. nach Barcellona, wo letzterer die 

1626 abgebrochenen Cortes wieder zu 

eroffnen im Begriffe war. Als aber den 

Konig sein Premierminister aus politischen 

Griinden zur Riickkehr iiberredet hatte, 

blieb der Cardinal. Infant — diesen 

Namen fuhrt Ferdinand gewohnlich 

in der Geschichte — als des Monarchen 

Stellvertreter bei den Cortes zuriick. Die 

zur Abhaltung der Cortes bewilligte 

Frist von acht Monaten verlief, ohne daB 

der durch die Voreiligkeit des Ministers 

Onate hervorgeruf ene Hutstreit geschlich, 

tet worden ware. Als namlich der Cardinal ' Infant , 

als des Konigs Stellvertreter, 

im Dome den feierlichen Eid schworen 

sollte, gebot Graf Onate: daB Jeder 

ohne Unterschied den Hut herabzunehmen 

habe . Nun aber besitzen die Cortes das 

altherkommliche Privilegium, bei offentlicher 

Gelegenheit, selbst in Gegenwart 

Seite 278 



Wurzbach0 6 . txt 
des Konigs, bedeckten Hauptes zu erscheinen. 
Der Befehl des Ministers gait fur 
eine Verletzung der alten Rechte, heftiger 
Streit entspann sich dariiber, woran auch 
das Volk Theil nahm, und als die Cortes 
geschlossen wurden, verlieB Ferdinand 
thranenden Auges das Land. Die Ange« 
legenheiten in Deutschland hatten die 
Aufmerksamkeit des spanischen Hofes 
erregt, welcher entschlossen war, die Macht 
des ihm nahe verwandten Kaisers zu 
starken. Ferdinand ward dazu ausersehen, 
diese wichtige Mission zu voll« 
bringen, und am 9. April 1633 verlieB 
er mit einer Flotte von 3 Kriegsschif f en 
und 15 Galeeren und mehreren Tausend 
Mann Landungstruppen den Hafen von 
Barcellona und betrat bei Nizza den ita» 
lienischen Boden. I n Nizza ward Ferdi« 
nand von dem Herzoge von Savoyen 
empfangen. Dem Scharfsinne des savoyi« 
schen Staatssecretars Martin d'Aspe^ 
Hamburg — Ferdinand 4 91 Habsburg — Ferdinand 
ist eine Titulatur zu verdanken, die sich 
seither an den europaischen Hofen erhal« 
ten hat. Der Herzog von Savoyen 
fuhrte den Titel Altezza, derselbe Titel 
wurde aber bisher auch dem Infanten 
gegeben. Es gait also, einen Titel ausfindig 
zu machen, der den Herzog von 
Savoyen nicht nothigte, seinen bisherigen 
Titel — wozu er sich wohl auch kaum herbeigelassen 
haben wiirde — aufzugeben, 
und doch anderseits den hohern Rang 
des Infanten, der denselben Titel fuhrte, 
andeuten sollte. Martin d'Aspe verfiel 
nun auf die Idee, daB der Herzog von 
Savoyen den Cardinal - Infanten mit 
Altezza reale begriiftte, wahrend der 
Infant ihm die einfache Altezza zuriick» 
gab. Diese Erfindung ist seitdem an allm 
Hofen der Christenheit beliebt worden, 
urn die konigliche Hoheit der Geburt 
anzudeuten. Dem entsprechend steigerte 
sich derselbe im andern Falle zur kaiserlichen 
Hoheit. Der Cardmal-Inf ant hielt 
am 24. Mai 1633 seinen feierlichen Ein» 
zug in Mailand, und urn in Deutschland 
mit einer imposanten Macht zu erscheinen, 
welche durch Wallen st ein's Verhalten 
nothwendig geworden war, verstarkte 
Ferdinand seine Truppen durch Werbung 
, welche den Winter 4633 und 
Friihling 1634 dauerten, begann am 
23. Juni den Abmarsch in mehreren 
Colonnen iiber Tirol nach Bayern, wo 
Hilfe zuerst nothig sich zeigte. Mit etwa 
18.000 Mann gelang es ihm. sich mit 
dem Konige von Ungarn am 2 . Septem» 
ber zu vereinigen und am 7. September 
fand die Schlacht von Nordlingen 
Statt, in welcher der Infant seiner Ahnen 
wiirdig sich zeigte. Kh evenhiiller und 
Gualdo Priorato fiihren als Cha» 

Seite 279 



Wurzbach0 6 . txt 
rakterzug des Cardinal>Inf anten an, er 
habe den ihm als Gefangenen vorgefiihrten 
feindlichen Feldmarschall Horn umarmt . 
Die Unruhen in den Niederlanden, wo 
bereits am 2. December 1633 die Infantin 
Isabella gestorben war, und die 
einen immer bedenklicheren Charakter 
annahmen, riefen nun den Cardinal- 
Infanten dahin; am 26. September 
1634 trennte er sich von seinem Vetter, 
dem Konige von Nngarn, nachmaligem 
Kaiser Ferdinand III., und hielt in 
Briissel am 4. November 1634 Nachts, 
in Antwerpen im April 1633 prachtige 
Einziige. Die f ranzosischen Intriguen, 
die langst schon thatig gewesen, nahmen 
nun offen einen feindseligen Charakter 
an, am 19. Mai 1635 sandte Ludwig 
XIII., der am 8. Februar d. I . bereits 
mit Holland einen Of f ensivvertrag ge» 
schlossen, die Kriegserklarung, welcher der 
Ausbruch der Feindseligkeiten auf dem 
FuBe folgte. Mit den Franzosen in Ver> 
bindung operirten die Hollander. Nun 
wurde jener merkwurdige Kampf durch 
eine Reihe von Jahren gefuhrt, in welchem 
der Cardmal»Inf ant , im sogenannten 
kleinen Kriege, Muth, tiichtige strategische 
Kenntnisse, Entschlossenheit und Umsicht 
bei zahllosen Gelegenheiten entwickelte 
und den Franzosen eine Schlappe urn 
die andere versetzte. I n 14 Tagen war 
die Belagerung von Limburg zu Ende, 
am 30. October 16^3 fiel es in seine 
Hande, am 3. Juli 1636 wurde ihm 
die Aormauer der Picardie, La Capelle, 
iibergeben, am 22. Juli zwang er 3a 
Chktelet zur Uebergabe; Corbie ergab 
sich am 22. August. Die deutschen Landsknechte 
, gefuhrt von J o h a n n von 
Werth, waren bereits Herren des rech» 
ten Oiseufers und streiften sogar unfern 
von Paris, dessen Bewohner schon sich zu 
fliichten begannen. „I' s a.liQ66 as Oorbis" 
blieb lange noch sprichwortlich und deutete 
den Schrecken an, der damals Alles 
erfiillte. Nicht weniger giinstig waren? 
Habsburg — Ferdinand 19 2 Habsburg — Ferdinand 
die Erfolge des Feldzuges vom Jahre 
1637. Am 23. August ergab sich Venloo, 
am 3. September Roermonde, am 7. 
Oct. muBte Breda capituliren, Maubeuge 
wurde von den Franzosen freiwillig 
geraumt. Neue Lorbeeren brachte dem 
Infanten das Jahr 1638; am 22. Juni 
erfochte er den Sieg bei Kalloo, in 
welchem 43 Fahnen, 4 Standarten und 
liber 128 Kanonen erbeutet wurden; am 
16. Juli muBte von den vereinigten 
Franzosen und Hollandern die Belagerung 
von St.Omer aufgehoben werden, 
worauf eine Reihe kleinerer Siege folgte, 
welche alle der Cardinal-Infant iiber den 
Prinzen von Oranien erfocht. Nun ver« 

Seite 280 



Wurzbach0 6 . txt 
starkte der Gegner seine Heeresmacht in 
groBartiger Weise, wahrend die Truppen 
des Cardinal-Inf anten nach der Riickkehr 
der deutschen Landsknechte sich nur auf 
seine urspriingliche Macht und zwei Ab> 
theilungen, welche die Generale Beck 
und Lamboy befehligten, beschrankten . 
Nichts destoweniger waren die Erfolge 
noch immer gliicklich. Die Hollander 
erlitten eine furchtbare Niederlage bei 
Kwaad peerdsgat., mufiten die Bela» 
gerung von Hulft aufheben und bei jener 
von Geldern wieder geschlagen werden; 
den Franzosen ging es bei der Bela» 
gerung von Arras, welche am 13. Juni 
1641 begann, in allem Anbeginne auch 
nicht besser; jedoch eine Verstarkung des 
Belagerungscorps mit 23.000 Mann, 
und die am 9. August erfolgte Capitu. 
lation der Festung gaben den Vortheil 
dem Feinde in die Hand. Den Feldzug 
von 1641 eroffnete der Infant mit der 
Wegnahme von Leus, bei La Marfte 
wurde am 6. Juli 1641 ein Sieg erfoch. 
ten, aber mit der Siegesbotschaf t langte 
auch die Nachricht von dem Ableben deS 
Graf en von Soissons ein. Noch 
begann die Belagerung von Aire, bei 
welcher Gelegenheit LaMeilleraye, 
der Commandant der Festung, der sich 
mit den Herzogen von Gnghien, Ne« 
mours, Luines, dem Grafen von 
Guiche auf Kundschaft begab, als ob 
es zur Promenade ging, mit seiner ganzen 
glanzenden Gesellschaft in Gef angenschaf t 
gerathen ware, wenn ihn nicht Oberst 
Gassion gerettet hatte. Der Infant war 
aber bereits in Folge der Anstrengungen 
des letzten herbstlichen Feldzuges krank 
nach Briissel gebracht worden, wo er, ein 
Opfer der Unwiffenheit spanischer Aerzte 
durch die zahllosen Aderlasse in seinen 
schonsten Jahren — er zahlte erst deren 32 
— der Monarchie und den Niederlanden 
am 9. November durch den Tod entrissen 
wurde. Einige Wochen spater cavitulirte 
Aire in die Hande des tapfern Generals 
Beck. Der Verlust, den Oesterreich durch 
des Infanten Tod erlitten hat, war 
sehr groB . Der Cardinal-Infant hatte 
die Niederlande in der hochsten Gahrung 
ubernommen und hinterlieB sie in der 
gunstigsten Stimmung, treu ergeben und 
bereit, die schwersten Opfer dem angestammten 
Herrscherhause zu bringen. DieB 
war das Werk von Ferdinand's mit 
seltener Umsicht gepaarter Liebenswurdig» 
keit. Anmuthig und liebenswiirdig zeigte 
er sich in alien Situationen seines Lebens . 
Eine unerschopf liche Herzensgiite, eine 
milde Heiterkeit, die f reundlichste Herablassung, 
die edelste Haltung, verbunden 
mit einem fur alles Schone und Erhabene 
empf anglichen Geiste und mit ungewohn< 

Seite 281 



Wurzbach0 6 . txt 
lichen Fahigkeiten, wiesen ihm unter den 
Fursten seiner Zeit einen hohen Rang 
an. Die Kriegswirren, in welche das 
Land ohne sein Verschulden von dem 
Momente seines Eintrittes in dasselbe 
verwickelt war, hinderten ihn, etwas fur 
dessen Verbesserung zu thun. Wenn er 
als Fiirst der Kirche das blutige Waffen-^ 
Habsburg — Ferdinand 193 Habskurg — Ferdinand 
Handwerk trieb, so hat er dafur einen 
Entschuldigungsgrund in der Unsitte, 
welcher gleich ihm ein Richelieu, 3a 
Valette und andere Pralaten seiner 
Zeit huldigten. Er fiihlte sich dieser 
keineswegs leichten Aufgabe gewachsen 
und der Kraft bewuBt, sie zum Besten 
seines Souverains, wie es auch der 
Fall war, zu losen. Im Jahre 4643 
wurde die Leiche des Cardinal»Inf antm 
nach Gscurial gebracht und dort beigesetzt. 
Ferdinand's natiirliche Toch 
ter Maria Anna de Austria (geb. 
1641) trat in den Carmeliter»Orden von 
der Reform der h. Theresia, hieB mit dem 
Klosternamen M a r i a de la Cruz und 
starb in ihrem Kloster zu Madrid den 
3. September 1713, nach Anderen aber 
bereits 1682. 

D. I'si'NkQAo a' A nLti'iH (H.uider 1625, 4"., 
auch Oxl. 1674, l'oi.). - c7oit ) ' i) c>l ' sis , ' A «/eatt 
«/a<?F«sH) , I A B xrluoh immortyl ou la vis as 
Dou I'erainaua a' A utriolis (",nv, 1642,4".). 
A )i'6?'?'e, Vie ae I^ouiLXIII . ) torn. I I I , x. 336. 
- Fa2i,l l?s H«?tco?!, Ilistoii'o ao Trance 
80N3 I'-onis XIII., toni. Ill, P. 440. - Custom. 

V, V> 214 u. f. - A u s-'azsl))', Hi«toii'L 
as Louis XIII., Uv. XI, x. 166-199. - 
25o« A /a' s , Hlsmoir6S, toiu. XLIX, p. 1V6— 

272. — A >«Fs«<io?-F ' , vs redua 8u6oi»,e, 111) . 

VI, i>. 162. — Nsmonck A Hiatoirs Aos I'rancai8 
X X I I I , x. 243-463. - Ersch und 

Grub er, Allgem. Encyklopadie der Wissenschaf ten 

und Kiinste (Leipzig. 4«.) I. Section, 

43. Bd. S. 22-29. Mtikel von Stramberg 

(Rheinischer Antiquanus) in der gewohnten 

griindlichen Weise dieses beliebten Forschers, 

reich an interessantem Detail, dem nur C'ines 

gebricht : die Angabe der Quellen.) 

«6- Ferdinand, Erzherzog von Oester' 

reich, Graf von Tirol und der Vorlande 

igeb. zu Linz 14. Juni 4329, gest. zu 

Innsbruck 24. Janner 1393) . Sohn des 

o. Wiirz dach, biogr, Lexikon. VI. 

Kaisers Ferdinand I. ss. Nr. 81) und 

seiner Gemalin Anna ss. Nr. 24), Toch. 

ter Wladislaus IV., Konigs von 

Ungarn und Bohmen. Wurde vortrefflich 

erzogen und that sich in den zu seiner 

Zeit beliebten ritterlichen Uebungen glanzend 

hervor. Im Jahre 1347 stellte ihn 

sein Vater an die Spitze der Verwaltung 

in Bohmen, welche er bis zur Kronung 

Maximilian ' sll . <1362) leitete. Von 

seinem Geschicke in Fiihrung der Waffen 

Seite 282 



Wurzbach0 6 . txt 
gab er in Ungarn, im Feldzuge gegen die 
Tiirken (1336), mehrfache Proben. Im 
Jahre 13U6 fiihrte Ferdinand seinem 
Bruder, dem Kaiser Maximilian II.. 
mehrere' Regimenter Reiterei zu, als 
Soli man zum zweiten Male in Ungarn 
einfiel. Diese Regimenter hatte Ferdi« 
nand auf eigene Kosten errichtet und 
unterhalten. Dem Rufe seines Oheims, 
des Kaisers Rudolph, zu folgen, der 
ihm im Jahre 13 93 das Obercommando 
liber das Heer gegen die Tiirken iiber« 
gab, verhinderte ihn der Tod. Bei 
einem Turniere in Augsburg im I . 1330 
verliebte er sich in die schone und anmuthige 
Philippine Welser. Tochter 

eines angesehenen Patriziers dieser Stadt. 
Ohne Vorwissen seines Vaters, dessen 
Einwilligung zur Heirath der Patriziers« 
tochter zu erlangen er nie hoffen durfte, 
vermalte er sich 1337 mit ihr, die ihn 
durch die Macht ihrer Schonheit und 
Anmuth gefesselt hatte. Als der Vater 
die Sache erfuhr, war er iiber seinen 
Sohn und-dessen Gemalin sehr aufge. 
bracht . Der Erzherzog aber, urn ihn zu 
versohnen, stellte vereint mit seiner Gemalin 
eine Urkunde (31. Juli 1339) aus, 
worin er und sie sich ' verpf lichteten, ihre 
nur wenigen Personen bekannte Verbin» 
dung stets geheimzuhalten, beide ferner 
auf die Nachfolge der aus dieser Ehe ent< 
stammenden Kinder in den Erbf iirsienthii- 
13? 

Haksburg — Ferdinand 

mern verzichteten und nur die Anspriiche 
auf eine angemessene Versorgung derselben 
stellten. Der Kaiser erklarte darauf in einer 
eigenhandigen Urkunde vom 1. August 
1339, daB, soferne die alfo heimlicher 
Weise und ohne sein Wissen und Willen 
geschlossene Heirath kraftig und bestandig 
sei, welches er Gott dem Allmachtigen 
und dem Urtheile der heiligen Kirche 
befehle, die aus dieser Ehe entspringenden 
Kinder den Namen von Oesterreich mit 
dem Habsburgischen Wappen fiihren, die 
Sonne fur den unverhofften Fall, daB 
der ganze mannliche Stamm des Hauses 
Oesterreich auSsterben sollte, in die Erb» 
konigreiche und Erblande succediren und 
daft, alle Kinder sammt ihren Nachkommen 
von alien Abgaben frei sein sollten. Das 
Versprechen des Erzherzogs, die Ehe 
geheim zu halten, wurde von ihm so 
gewissenhaft beobachtet, daB er seine 
Kinder, nachdem sie im Beisein einiger 
vertrauten als Zeugen nothigen Personen 
getauft waren, aussetzen und finden 
und mithin als Findlinge aufziehen lieB. 
Urn aber die Abkunft der Kinder zu con« 
ftatiren und spatere Miflverstandnisse zu 
vermeiden, fiihrte er sorgfaltig ein (jetzt im 
Statthaltereiarchive in Innsbruck aufbewahrtes ) 

Seite 283 



Wurzbach0 6 . txt 
Buch, in welchem er mit eigener 
Hand die Namen seiner Kinder und 
Alles, was sich bei ihrer Geburt zutrug, 
einschrieb und von seiner Gemalin durch 
eigenhandige Unterschrift bestatigen liefl. 
Ferdinand hing fortwahrend mit 
inniger Liebe an seiner nur aus Neigung 
gewahlten Gattin, und als er nach dem 
Tode seines Vaters im Jahre 1367 die 
Regierung von Tirol erhielt, wohnte sie 
auch fortwahrend in seiner Nahe anf 
dem Schlosse Ambras bei Innsbruck. 
Da ihm die Geheimhaltung seiner gliicklichen 
Ehe immer lastiger wurde, wandte 
er sich an den Papst Gregor XIII. 
— Ferdinand 

und bat, von dem seinem Vater geleisteten 
Eide enthoben zu werden, was ihm aucb, 
sobald die Giltigkeit der Ehe durch Zeugen 
auBer Zweifel gestellt war, im Jahre 
1376 gewahrt wurde. P h i 1 i p p ine 
starb wenige Jahre darnach am 13. April 
1380. Aus dieser Ehe gingen nebst zwei 
in der Kindheit verstorbenen Kindern 
hervor: Andreas von Oesterreich '"siehe 
Nr. 1 7 j und Karl von Oesterreich, 
welcher nachmal die Markgraf schaf t Burgau 
als Apanage erhielt. Nach dem 

Tode Philippinen ' s vermalte sich 
Ferdinand zum andern Male mit 
Anna Katharina, Tochter W i 1 - 
helm's, Herzogs von Mantua ssehe 
Nr. 31", welche ihm auch drei Kinder 
gebar: Anna, Gemalin des Kaisers 
M a t h i a s und Stifterin der kais. Gruft 
bei den Kapuzinern in Wien ss. Nr. 28 A j; 
Anna Katharina, welche i m Kloster, 
und Maria, welche schon in der Kind, 
heit starb. Seine zweite Gemalin iiber« 
lebte den Erzherzog urn viele Jahre und 
starb, nachdem sie die Hand des Kaisers 
M a t h i a s ausgeschlagen, ihm aber dafur 
ihre Tochter vermalt hatte, im Kloster 
im Jahre 1<520. Ferdinand ist auch 
der Stifter der berijhmten Sammlung im 
Schlof f eAmbras in Tirol (derzeit inWien) , 
welche die Waffen der berijhmtesten Kriegsmanner 
seiner und der nachstverf lossenen 
Zeit enthalt und einzig in ihrer Art ist. 
Ferdinand's Rath, Jacob Schrenkh 
vonNotzing, war der erste, der diese beruhmte 
Sammlung in lateinischer Sprache 
beschrieben hat. Neuere Werke iiber dieselbe 
sind: „Die k. k. Ambraser-Samm« 
lung, beschrieben von Dr. Ed. Freiherrn 
von Sacken". 2 Theile (Wien, 1833. 
Braumuller, 8".), wichtig durch seinen 
Text und das Bilder-Prachtwerk : „Die 
vorzuglichsten Riistungen und Waffen der 
k. k. Ambraser-Sammlung in Original*^ 
Habsburg —.Ferdinand 193 Habsburg — Ferdinand 
Photographien, von Andr. G r o 1 1 . Mit 
historischem und beschreibendem Texte von 
Dr. Ed. Freiherrn von Sacken" (Wien, 

Seite 284 



Wurzbach0 6 . txt 
Braumuller , gr. 4<>.), wovon bisher eilf 
Lieferungen erschienen sind. 

Thaten und Charakterzuge beriihmter osterreichischer 
Feldherren (Wien 1808, Degen'sche Buch- 
-handlung, kl. 8".) Bd. I , Abthlg. 1. S. 91. - 
Hor m a y r (Ios. Freih.), Taschenbuch fur vaterlandische 
Geschichte. Der gesammten Folge 

XXXVI., der neuen Folge XVIII . Jahrg. (184,7) 
S. 24—52 hnit dem Portrate Philippinen' 1 . 
— Bergmann (Joseph) , Medaillen auf be« 
nchuite und ausgezeichnete Manner des 6ster> 
reichischen Kaiserstaates vom XVI. bis zum 
XIX. Jahrhunderte (Wien 1844-1837, 4«.) 
Bd. I, S. 133 - S. 102 und 103 iiber Anna. 
Philippinens Mutter — S. 102 und 162 iiber 
Franz, Philippinens Vater, ebenda iiber Hanns 
und Katherina Welser — S. 101 u. f. 107, 
162, I I . Bd. 133 und 239 iiber P h i 1 i p p ine 
Welser und ihre Kinder. — Wiener Jahr« 
biicher der Literatur. Bd. I. XXX, Anzeigeblatt 
S. 30—37.- „Urkunden iiber die eheliche Geburt, 
den Geburtsort, die Namen und Taufzeugen der 
uier Kinder des Erzherzogs Ferdinand und 
seiner Gemalin P h i 1 i p p ine Welser. Aus 
einer quellenmafiigen Abschrift der ''idlioidscg . 
''ii-oleusis " des Baron Di Pauli von Treuheim, 
mitgetheilt von Joseph Bergmann" . 

— Urania. Taschenbuch auf 1818, S. 116 und 
127: „Philippine Welser von Augsburg". — 

H o r m a y r's Archiv fur Geschichte. 4828, S . 431. 

— Philippine Welserin. Geschichte aus dem 16. 
Jahrhundert (Berlin 1797, 8«.) . — B e 1 1 u s 
(Nic.) . Oesterreichischer Lorbeer-Cralch (1623) . 
8 7. Ferdinand Ul . , Johann Joseph, 

Erzherzog von Oesterreich, Groflherzog 

von Toscana (geb. 6. Mai 1769, gest. 

18. Juni 1824) . Der zweite Sohn des 

GroBherzogs Leopold und Maria 

Louisens- Infantin von Spanien. 

Gemalmen: 1) Ludovica Amalia Theresia. 

Tochter weil. Sr. Majestat Fer« 

dinand's 1., Konigs beider Sicilien, geb. 

27. Juli 1773, vermalt durch Procuration 

zu Neapel 13. August, in Person zu 

Wien 19. Sept. 1790, gest. 19. Sept. 1802. 

2) Maria Anna Ferdinanda Amalia, 

zweite Tochterdes kon. Prinzen Marimilian 

von Sachsen, geb. 27. April 1796, 

vermalt zu Florenz 6. Mai 1821, Witwe 

seit 18. Juni 1824. Rinder.- Diese stammen 

alle aus erster Ehe : Karoline 

Ferdinanda Theresia (geb. am 2. August 

1793, gest. 3. Janner 1812); Franz 
Leopold Ludwig (geb. 15. December 

1794, gest. 18. Mai 1800); Leopoldll. 
Johann Joseph Franz Ferdinand Karl 
(geb. 3. October 1797), welcher seinem 

Vater 1824 in der Regierung folgte', 

Maria Ludovica (geb. 30. August 

1798, gest. als Aebtiffin des Frauleinstiftes 

zur heil. Anna 10. Juni 1837)', 

und Maria Theresia (geb. 2 1 . Marz 

1801 ) , vermaltan Karl Albrecht Emanuel, 

weil. Konig von Sardinien (gest. 

Seite 285 



Wurzbach0 6 . txt 
22. Janner 1833) . — wichtigere QSms^'i 
monMle. GroBherzog Ferdinand erhielt A 
unter Leitung des Marchese Manfredini ' 1 , 
eine gediegene Erziehung, in welcher je- A 
doch die militarische Ausbildung ganzlich 
vernachlassiget wurde. Als sein Vater 
Leopold nach dem Tode des Kaisers 
Iosephll. den Kaiserthron bestieg, folgte 
ihm sein Sohn am 2. Juli 1790 in der 
Regierung als Groflherzog von Toscana. 
Beim Ausbruch des durch die franzosische 
Revolution hervorgeruf enen Krieges der 
verbiindeten Machte gegen Frankreich beobachtete 
Ferdinand die strengste Neutralitat 
und nahm am 16. Janner 1792 
den Gesandten der f ranzosischen Republik 
La Flotte in seinem Staate an. Erst 
die Drohungen Englands bewogen den 
GroBherzog, urn von seinem Volke grofies 
Unheil abzuwenden, den f ranzosischen Gesandten 
auf zuf ordern, am 9. October 1793 
Toscana zu verlassen; jedoch trotz des 
Einflusses, den England nunmehr in Toscana 
ausiibte, gewahrte der GroBherzog 
den in seinem Lande ansaBigen Franzosen 
jeden moglichen Schutz. Die Neutra-? 
Habsburg — Ferdinand 196 Habs burg — Ferdinand 
litat ToScanas ward wieder hergestellt, 
nachdem die franzosische Armee Piemont 
beseht- hatte und der toscanische Gesandte 
Graf Carlettiam 21. Marz 1793 
vom Nationalconvent in Paris auf das 
Wohlwollendste empfangen worden war. 
Aber es war dem GroBherzog bald nicht 
mehr moglich, der immer mehr wachsenden 
Schwierigkeiten Herr zu bleiben. Die 
Englander hatten die Flagge der Republik 
im toscanischen Hafen Livorno beschimpft, 
und der GroBherzog war nicht im Stande, 
England zur Einhaltung der Neutralitat 
in Toscana zu zwingen. Bonaparte besetzte 
nun Livorno. Als bald darauf 
Napoleon selbst in Florenz erschien, wurde 
zwar die Neutralitat Toscana 's im Februar 
1796 wieder hergestellt, aber diese 
Schonung kostete Toscana nicht nur 
2 Millionen, sondern auch viele herrliche 
Kunstwerke aus der beruhmten groBher» 
zoglichen Sammlung, darunter die mediceische 
Venus. Kaum waren aber die Verhaltnisse 
mit dem Auslande geordnet, so 
erschwerten die von f ranzosischer Seite 
hervorgeruf enen und genahrten Umtriebe 
im Lande dem GroBherzog so sehr seine 
Jage, daB er die bisherige Politik, wo« 
durch er sein Land vor allem Schaden 
zu bewahren vermeinte, aufgeben und 
Manfredini nach Wien schicken muBte, 
urn von dort Verhaltungsmaftregeln ein« 
zuholen. Daselbst wurde beschlossen, daB er 
die bisherige Politik auBerlich beizubehal. 
ten, jedoch alle MaBregeln dahin zu treffen 
hale, im rechten Augenblicke den Verbiin» 
deten hilfreiche Hand zu leisten. Den 

Seite 286 



Wurzbach0 6 . txt 
geheimen Verbindungen der Republik ge« 
lang es bald, den eigentlichen Stand der 
Dinge zu erforschen. Der erste Vorwand 
wurde benutzt, Toscana der Krieg erklart, 
und im Marz 1799 ruckten die Franzosen 
in Florenz ein. Ferdinand, der vorher 
seine Unterthanen durch eine Proclawation 
zur Ruhe aufgefordert hatte, begab 
sich nach Wien, wahrend die Franzosen 
im Lande in einer Weise hausten, daB sie 
alsbald der Gegenstand des Haffes der 
Bewohner wurden. I m Frieden von 
Luneville (1802) muBte Ferdinand auf 
Toscana Verzicht leisten, und erhielt 
als Entschadigung Salzburg. Berchtes» 
gaden, Paffau und Eichstadt, welche 
Gebietstheile er unter dem Namen eines 
Herzogs und Churfursten nicht voile drei 
Jahre regierte; denn im PreBburger Friedem 
(1808) mufite er diese Lander an 
Oesterreich und Bayern abtreten, wofur 
ihm Wiirzburg und der Churf iirf tentitel 
wurde. Durch diese absichtliche Versetzung 
mitten zwischen die kleinen Staaten des 
westlichen Deutschlands , trennte ihn N apoleon 
von Oesterreich, an das ihn 
Bande des Blutes kniipften, und stellte 
ihn Bayern, daS durch ihn seine Gebietstheile 
verloren hatte, feindlich gegeniiber. 
Als nach Auflosung des deutschen 
Reiches der Churf iirstentitel seine Bedeutung 
verlor, erhielt Ferdinand an 
dessen Stelle den eines GroBherzogs, 
und trat am 11>. September 1806 dem 
Rheinbiinde bei. Ferdinand, der in 
alien diesen Verhaltnissen im Einverstandnisse 
mit seinem Bruder, dem Kaiser 
Franz, vorgegangen sein mochte, fuhlte 
sich in dieser Lage als Souveran eines 
Landes, das ihn nicht und das er nicht 
kannte, wenig behaglich. I m Jahre 18 w 
begab er sich nach Paris und wohnte, der 
Einzige seines Hauses, der Vermalung 
Napoleou'K mit seiner Nichte. Maria 
Louise bei. Bei dieser Gelegenheit schien 
ihm eine Aenderung seiner Lage von 
Napole o n i n Aussicht gestellt worden zu 
sein, und thatsachlich bezeichnete ihn Na« 
poleon in einer 1812 an die Polen gerichteten 
Proclamation als ihren kiinftigen 
Konig. Welches von Europa heiB ersehnte? 
Habsimrg — Ferdinand 197 Habsburg — Ferdinand 
Ende dieses Ein» und Absetzen der Konige 
und Fiirsten, dieses Zuschneiden, Zusammenset zen 
und Auflosen von Konigreichen 
und Furstenthumern endlich im I . 4314 
nahm, ist bekannt . Durch den Pariser 
Frieden, 30. Mai 1314. erhielt Ferdinand 
Toscana wieder zuriick. Nur mehr 
neun Jahre waren ihm vergonnt, das 
Land, das seine Riickkehr mit aufrichtigem 
Jubel begriiBt hatte, zu regieren. Aber 
diese Zeit ist fur Toscana unvergefilich . 
Wie im Jahre 1790, als er die Regierung 

Seite 287 



Wurzbach0 6 . txt 
antrat, war mm auf die Gerechtigkeits« 
pflege, auf die Hebung der Finanzen, des 
Verkehres, auf Forderung der Wissenschaf ten 
und Kiinste sein Hauptaugenmerk gerichtet. 
Selbst aufgeklart und duldsam, 

suchte er die Parteien zu versohnen, handhabte 
auf das gelindeste, mehr von aufien 
genothiget als aus eigener Neberzeugung, 
die Censur, und gewahrte politisch Verfolgten, 
wenn sie sich ruhig verhielten, 
sichere Zuf lucht . Wahrend in alien andern 
Landen der italienischen Halbinsel die 
Nevolutionen immer wieder ausbrachen, 
ja selbst in Spanien und Portugal der 
Biirgerkrieg wuthete, wurde in Toscana 
die Ruhe nicht einen Augenblick gestort, 
und man war in Europa einig, Toscana 
sei der bestregierte Staat Italiens, und 
in keinem anderen lasse es sich so frei, 
angenehm und sicher leben, als in dem« 
selben. Ferdinand genoB die Liebe seines 
Volkes im vollsten MaBe. und als er 
im Alter von 88 Jahren, zu friih fur die 
Wohlfahrt seines Volkes, demselben ent» 
rissen ward, beklagte Toscana in wirklicher 
Trauer den Tod deS Vaters des 
Vaterlandes, das ihm eine leider zu kurze 
Epoche des Segens und ungetriibten 
Gliickes zu danken hatle. So hinterlieB 
Ferdinand seinem Nachfolger eine durch 
das herrliche Beispiel wirklicher Regen« 
tenweisheit befestigte Regierung. 
ai I'sraina.nAo HI. 

sranauca ai L'osekna. (l'iren-e 1824, 8".) . — 
Schimmer (Karl August), Bilder aus der 
Heimath (Wien 1834, gr. 8".) S. 360.- „Die 
Briider des Kaisers Franz", von S. A. G. (S. 
361: Ferdinand Johann Joseph) . — Hlom«- 
??e??l, Hlsmoires 5ur I'ltalio et ZpecialemLin 
5ur la A oZeane- — '"Nieomls <?s l' s «?o?'' s , I A e 
Aran A -auo "srainana, IV. 6t la lo2<:n.ne 
(?ari3 1839) . I n einem historischen Riickblicke 
ssedenkt diese Flugschrift auch der Regierung 
Ferdinand' s I I I . Unter Ferdinand IV. ist 
aber der Sohn des GroBherzogs Leopold II.. 
der ErbgroBhcrzog Ferdinand '"s. d. Nr.90), 
gemeint. — A w 5u?'i>l<2, llilttoirc <lo Vltalic 
8 8- Ferdinand!., Kaiser von Oester« 
reich (geb. zu Wien 19. April 1793) . 
Nettester Sohn des Kaisers Franz I. 
und seiner zweiten Gemalin Maria 
Theresia, Tochter Ferdinand's IV., 
Konigs von Neapel. Gemalm.- Maria 
Anna Karolina Pia, Tochter weil. Vr . 
Majestat des Konigs Victor Emanuel 
von Sardinien, vermalt mit ihr, als er 
noch Kronprinz war, durch Procuration 
zu Turin am 12. Februar, in Person zu 
Wien 27. Februar 1831. Die Ehe ist 
kinderlos, wahlsprllch: „kscttl tneri." 
wichtigere cchensmomenle- . I m Jahre 1813 
unternahm der Kronprinz eine Reise durch 
mehrere Provinzen der Monarchie, dann 
durch Italien, die Schweiz und einen 

Seite 288 



Wurzbach0 6 . txt 
Theil von Frankreich. Zuruckgekehrt , widmete 
er seine MuBe der Unterstut zung und 
Aufmunterung der Kiinste und Gewerbe 
des Friedens; unter seinem Protectorate 
entfaltete die k.k. Zandwirthschafts-Gesell . 
schaft in Wien eine ausgebreitete Wirb 
samkeit, und die Industrie, welcher der 
Kronprinz nach ihren verschiedenen Rich> 
tungen seine besondere Aufmerksamkeit 
schenkte, nahm einen segensvollen Auf. 
schwung. Des Kronprinzen edle und 
menschenf reundliche Gesinnungen, welche 
ihm schon bei seiner ersten Reise alle¥ 
Habsburg — Ferdimmd IN8 dsdurg — Ferdinand 
Gemiither zugewendet, zeigten sich in ihrer 
ganzen Fulle, als im Jahre 1830 in Wien 
die an der Donau gelegenen Vorstadte 
von der groBen Ueberschwemmung heimgesucht 
wurden. Auf leichtem Kahne durchschnitt 
der Kronprinz die tobenden, von 
Eisschollen erfullten Fluchen, um durch 
personliche Gegenwart die Anstrengungen 
der Rettungsanstalten zu verdoppeln und 
das Elend der Verungliickten zu mildern. 
Am 28. September 1830 wurde der 
Kronprinz bei dem in PreBburg versam» 
melten Landtage feierlich zum Konige 
von Ungarn gekront, und das von den 
Reichsstanden dargebrachte ubliche Ehrengeschenk 
von 30.000 Stuck Ducaten wid 

mete der Konig zum Theile als Unterstut zung 
fur die von einer MiBernte getroffenen 
Bewohner Ungarns, zum andern 
Theile zur Vermehrung des Fondes fur 
die ungarische Akademie . Nach dem am 
2. 'Marz 1833 erfolgten Tode seines 
Vaters Kaiser Franz trat Ferdinand 
die Regierung an. Am 6. September 
1838 wurde er in Mailand zum Konige 
gekront, mit welchem Festacte eine allge» 
meine Amnestie fur politische Verbrechen 
und Vergehen verbunden war. Die Unruhen, 
welche in Galizien im Jahre 1846 
ausgebrochen waren», hatten die Einvcrleibung 
des Freistaates Krakau in den 
osterreichischen Landercompler zur Folge. 
Das historisch denkwiirdigste Jahr der 
23jahrigen Regierungsperiode des Kaisers 
war sein letztes, das Jahr 1848, in 
welchem durch den von AuBen, namentlich 
von Frankreich, wo Konig Ludwig 
P h i 1 i p p fliichtig geworden, gegebenen 
AnstoB auch die im Innern ixr Monarchie 
gegen das Verwaltungssystem entstandene 
MiBstimmung in den verschiedenen Kron» 
landern zu einer Reihe von Ereignissen 
sich entwickelte, welche einerseits ihren 
Hohenpunct erreichten in der Belagerung 
und Einnahme des auf standischen Wien 
durch Feldmarschall Wind isch. G r a h , 
andererseits in der am 2. December 
1848 zu Olmutz erfolgten Niederlegung 
der Krone zu Gunsten seines erlauchten 
Neffen, Erzherzogs Franz Joseph. 

Seite 289 



Wurzbach0 6 . txt 
Letzterem blieb es auch vorbehalten, die 
Revolution in Ungarn und Lombardo. 
Venetien, welche noch im letzten Regierungs jahre 
des Kaisers Ferdinandl. 
ausgebrochen, siegreich zu Ende zu fuhren. 
Die Vornahmen in der Civilverwal , 
tung wahrend Ferdinand ' s Regie« 
rung beschranken sich auf die Einsetzung 
eines Conf erenzrathes, welche stattgefun» 
den hatte, urn die anstrengende Regie« 
rungsweise, die sein Vater durch 43 Jahre 
sich auf gebiirdet , zu beseitigen, aber einen 
langsameren und schwerf alligeren Gang 
der Geschafte zur Folge hatte. Zahlreicher 
sind die Verbesserungen und Einfuhrungen 
in der Armee: es fallen in das Jahr 
1836 die Errichtung der Central» Equi« 
tationsanstalt in Salzburg, die Adjusti» 
rungsvorschrif t fur die Generalitat und 
Ofsiciere; 1838 die Gagenerhohung bei 
der Infanterie, den Jagern und Pion« 
nieren vom Hauptmanne abwarts, die 
Umwandlung der Fahnrichscharge bei der 
Landarmee in jene eines Unterlieutenants 
zweiter Classe; 1839 die Erweiterung 
des militarisch ' geographischen Institutes 
und die Errichtung der lombardisch ' venetianischen 
adeligen Leibgarde; 1840 die 
Gagenerhohung der Stabsof siciere und 
die Adjustirungsvorschrif t fur die Mannschaft; 

1841 die Einfuhrung der PercussionSgewehre; 

1842 die Einfuhrung der 
Birago'schen Briicken, die Errichtung 
einer Ziinder «Arbeitscompagnie beim 
Feuerwerkscorps und die Aufhebung der 
Vermogensconsiscation bei Desertionen; 

1843 die Vereinigung des Pontonnierbataillons 
mit dem Pionniercorps ; 1843^ 

Hadsburg - A Ferdinand HabZburg — Ferdinand 

die Errichtung des Bukowinaer Grenzcordons ' , 

1843 ein neues Abrichtungsreglement 

fur die Infanterie, die Herabsetzung 

der Capitulation in der Armee von 14 auf 

8 Jahre. Der materielle Wohlstand 

der Monarchie war in stetem Wachsen 

begriffen, Dampf schif f f ahrt und Eisen 

bahnen erhielten eine riesige Ausdehnung. 

Zwei Privatgesellschaf ten bemachtigten 

sich der Dampf schif ff ahrt ' die Eine, der 

„Lloyd" in Trieft, dehnte ihre Wirksam 

keit nach Egypten, Kleinasien und Con 

stantinopel aus; die Andere befuhr die 

ungeheure Strecke der Donau von Linz 

bis in das schwarze Meer, dort boten sich 

beide Gesellschaften die Hande . Der Staat 

entwarf ein Netz von Eisenbahnen liber 

die Monarchie und begann den Bau der 

Strecke von Gloggn'ch und an die fach» 

fische und preuBische Grenze. Eine Privatgesellschaf t 

begann die Eisenbahn von 

Mailand nach Venedig unter auBerordentlichen 

Begunstigungen von Seiten 

der Regierung; so entstand der colossale 

Bau durch die Lagunen, 20.000 Fufl 

Seite 290 



Wurzbach0 6 . txt 
lang, der Venedig mit dem Festlande 
verbindet, und Venedig begann wieder 
aufzubliihen. Eine Privatgesellschaf t in 
Ungarn begann den Bau der Bahn von 
Debreczin nach Wien. Eine andere voll« 
fuhrte das Meisterwerk der Baukunst, die 
Kettenbriicke zwischen Pesth und Ofen 
iiber die 4200 FuB breite Donau. Seinem 
Vater, dem Kaiser Franz I., lieB der 
Sohn auf dem Franzensplat ze innerhalb 
der Burg ein Monument setzen. Was 
den personlichen Charakter dieses Monar» 
chen betrifft, so leben im Volke so viele 
Ziige der seltensten Herzensgiite, daft ihm 
bei Lebzeiten bereits die Geschichte den 
Beinamen des Giitigen gegeben hat. 
Im Jahre 1848, nachdem eine Reihe 
theils denkwiirdiger, theils trauriger 
znisse Statt gehabt, als: Verscharfung 
der Censur sam 4. Februar) , 
die Marztage (12., 43., 44. Marz), die 
Verleihung der Constitntion und Ein« 
berufung des Reichstages (23. April), 
die Sturmpetition und erste Flucht des 
Kaisers (13. Mai), der Mord Latour's 
(6. October), die zweite Flucht des Kaisers 
(7. October) . die Einnahme Wiens 
und die Verlegung des Reichstages von 
Wien nach Kremsier. endlich drei Wochen 
nach Wiens Eroberung die Bildung 
des Ministeriums Schwa rz en b er g- 
Stadiou, legte Ferdinand am 2. December 
die Kaiserkrone nieder. Nur noch 
kurze Zeit verweilte er in Olmutz; dann 
begab er sich nach Prag, wo er seither seinen 
bleibenden Aufenthalt gewahlt und den 
Sommer auf der einen oder andern seiner 
Herrschaften in Bohmen zubringt . Am 
27. Februar 1836 feierten Ihre Majestaten 
Kaiser F>erdinand und Hochstdeffen 
Gemalin Maria Anna das Fest der 
silbernen Hochzeit in Prag, zu welchem sich 
Se. Majestat der Kaiser Franz Joseph 
und die Erzherzoge Franz Karl und 
Ludwig, ferner Karl Ferdinand, 
Wilhelm. Leopold und Ernst, 
Sigismund, Rainer, Heinrich und 
Joseph, ferner Se. Majestat der Konig 
Johann und Kronprinz Albert von 
Sachsen, eingefunden hatten. 
Schimmer (Karl August), Ferdinand I., 
Kaiser von Oesterreich, dessen Leben und Wirken 
bis zu seiner Thronentsagung (Wien 1849, 8".. 
mit Portr.) . — Gallcrie denkwiirdiger Person* 
lichkeiten der Gegenwart, nach Originalzeich nun« 
gen, Gemalden, Statuen und Medaillen (Leift» 
zig v. I . (1853). I.I. Weber. Fol.) S. 78, 
Tafel 8 1.— Allgemeine Zeitung 1838. AuBerordentliche 
Beilage zu Nr. 483: „Kaiser Fero i. 
nand im italienischen Tirol" .— Der Komet . 
Conversationsblatt fur gebildete Stande (Leipzig 
4".) XIV. Jahrg. 1843. Nr. 187 u. f..- „Der 
erste Begnadigungsact des Kaisers Ferdi« 
nand". — Die Presse (Wiener polit. Blatt) 

Seite 291 



Wurzbach0 6 . txt 
185fi. Nr. 49, Abend-Ausg.: „Hoffeste aus AnlaB 
der Feier der silbernen Hochzeit Ihrer Majestaten^ 
F«rdin«nd 2U0 Habsburg — Ferdinand 
des Kaisers Ferdinand und der Kaiserin 
Maria Anna". — Mailath (Ios. Freih.) . 
Geschichte des osterreichischen Kaiserstaates (Hamburg. 
8".) Bd. V, S. 378, 381, 393. 412. 431 

436. — Oesterreich. National-Encyklof tadie . 

herausgegeben von G r a f f e r und Czikann 
(Wien 1833. 8<>.) Bd. I I , S. 118 Daselbst 
auch Einiges iiber Kaiser Ferdinand's I. 
Privat ' Sammlungeni . — Oesterreich. Militar« 
Konversations ' Lerikon . Herausa, von I . Hir« 
tenfeld (Wien 1832, gr. 8«.) Bd. I I , S. 349. 

— Austria. Oesterreich. Nniversal-Kalender f. d. 
gem. Jahr 1831 (XII. Jahrg.) S. 200-203. 

— NouveNs VioFi-8>i>liis zsusr A o . . .Mi' 
Dr. Hooter. XVII. Ka . 8. 362. - 
Partrate. 1) Gestochen von Krepp (Wien, 
Spina, Fol.); — 2) lithogr. von Ritter von 
Benza(Wien, Neumann, Fol.), der Kaiser zu 
Pferde; — 3) nach M o n t en lithogr. (Mtinchen, 
Kohler u. Lomp.. Fol.). gleichfalls zu Pferde; 

— 4) nach C i n s 1 e lithogr. von S t adler 

(Wien. Paterno. Fol.), sehr ahnlich; — 5) Stahlstich 
von K n a p p (Kempten, Dannheimer, 4 " . ) ; 

— 6) Stahlstich im „Gothaischen Hofkalender" 
(Gotha, I . Perthes. 32". und 8«.),- - ?) mit 
einer allegorischen Randzeichnuug uon Hassl' 
wandter, als Denkblatt des 13. Marz 1648 

(Wien, Bermann, Fol.); — 8) nach Ender 
in Kupfer gestochen von E. Kovatsch (Wien, 
Bermann, kl . Fol); — 9) als Erzherzog und 
Kronprinz im 10. Jahre, punctirt von M a t h i e u 

(Wien, Bermann) . — Das technische Cabinet 

Sr. Majestat des Kaisers Ferdinand ist eine 

der merkwurdigsten Sammlungen. Es besteht 

aus vier Abtheilungen : 1) aus der Fabriksprodukten 

«Sammlung; 2) der technischen 

Sammlung militarischer Gegenstande; 3) 

derModel le n-Sammlung, und 4) derdipl o« 

matisch ' herald ischenSammlung . Sannn» 

lung Nr. 1 ist nach Stephan von KeeB ' „Darstellung 

des Fabriks» und Gewerbswesens im 

osterreichischen Kaiserstaate" geordnet und zahlte 

schon 1333 uber 40.000 Stucke; die Sammlung 

Nr. 2 enthalt eine ' Nachbildung aller bei der 

k. k. Armee gebrauchlichen Waffen und Geschiitze 

in treuen, nach bestimmtem Maftstabe gearbeiteten 

Modellen, nebst bildlichen Darstellungen 

ihrer Verf ertigung . Die Sammlung Nr. 3 

zerfallt in zwei Abtheilungen, in die allgemeine, 

seiche die sammtlichen Bestandtheile 

der Maschinen, und die besondere, welche 

die Maschinen selbst enthalt. Die nach einem 

bestimmten MaBstabe gearbeiteten Modelle sind 

von drin beruhmten Modellisten Abb6 Hard er 

in Wien gearbeitet. Tammlunq Nr. 4 enthalt 

die Wappen aller Melsfamilien des osterreichischen 

Kaiserstaates, nach den Kron 1 andern geordnet. 

8 9. Ferdinand Max, Erzherzog von 

Oesterreich (geb. 6. Juli 4832) . Sohn 

Sr. kais. Hoheit des Herrn Erzherzogs 

Franz Karl und Ihrer kais. Hoheit 

Seite 292 



Wurzbach0 6 . txt 
der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin 
Sophie; altester Bruder Sr. Majestat 
des regierenden Kaisers Franz Joseph. 
Gemalill: Marie Charlotte Amalie 
Victorie Clementine Leopoldine (geb. 
7. Juni 1840), Tochter Sr. Majestat 
Leopold's I., Konigs der Belgier. 
Der kais. Bothschafter Graf Archinto 
warb am 24. Juli 4837 in Briissel 
in feierlicher Audienz urn die Hand 
der Prinzessin, und am 27. Juli fand 
ebenda die feierliche Vermalung Statt. 
Wie bereits ein anderer Prinz des kaiserlichen 
Hauses, der in friiher Jugend 
dahingeraf f te Erzherzog Friedrich 
ssehe Nr. 103^ , so wurde Erzherzog 
Ferdinand Mar fur die Marine 
bestimmt und erhielt eine dieser Bestim» 
mung angemessene Erziehung. Haufige 
Reisen auf dem Festlande und nach ent« 
fernten Welttheilen und Kiistenlandern, 
mitunter zu wissenschaf tlichen Zwecken 
unternommen, erweiterten die grundlichen 
Kenntnisse durch selbstgemachte Erfahrun» 
gen, und es ist nicht eine dem hohen Range 
des Prinzen dargebrachte Schmeichelei, 
sondern Wahrheit, wenn die offentliche 
Meinung denselben als einen geistvollen 
Kenner und Forderer der Wissenschaf ten 
und Kiinste allgemein bezeichnet. Indem 
diese Skizze seines Wirkens zunachst eine 
Chronologie seiner zahlreichen Reisen ent» 
halten soil, wird in derselben am Schliisse 
eine Darstellung der reichen und ener» 
gischen Hauptmomente seiner Wirksamkeit 
in der Doppelstellnng als Marme.Ober«? 
— Ferdinand 20 1 Hnbsburg — Ferdinand 
Commandant und General-Gouverneur 
des lombardo-venetianischen Konigreiches 
Uegeben werden, wobei natiirlich wieder 
nur daS Wesentlichste bemerkt werden 
kann. Die erste Reise unternahm der 
Erzherzog im Alter von 18 Jahren im 
September und October 1830 nach 
Griechenland, Smyrna; nun folgten fast 
Jahr urn Jahr, theils langere, theils 
kiirzere Fahrten, u. z. im August, Sep» 
tember und October 1831: nach Italien 
und Spanien; im Mai, Juni, Juli 1832: 
nach Sicilien, zum andern Male nach 
Spanien, dann Portugal. Madeira. Tanger, 
Algier, bei welcher Gelegenheit eine 
Excursion iiber den kleinen Atlas bis 
nach Medeah vorgenommen ward, und 
nach Malta; im Sommer 1833 als Com» 
mandant von Sr. Maj. Corvette „Minerva" 
nach Albanien und Dalmatien; 
die im Jahre 1834 im Herbste erfolgte 
Nebernahme deS Marinr ' Ober-Eommandos 
gestattete eine langere Fahrt nicht; 
im Sommer 133 15 als Commandant 
einer Escadre von 17 Schiffen (Flaggen» 
schiff mit 60 Kanonen „Schwarzenberg" ) 
nach Ancona, von da ein Ausflug nach 

Seite 293 



Wurzbach0 6 . txt 
Rom, zum andern Male nach Griechenland, 
dann nach Candia, Beyrut und 
dem Libanon, Fahrt langs der ganzen 
Kiiste von Palastina, mit einem Ausstuge 
nach Jerusalem, dann Egypten, Ausflug 
nach Kairo, und Besuch der Pyramiden 
Memphis und Sakara, wissenschaf tlicher 
Ausfiug nach Suez zur Besichtigung der 
projectirten Canalbauten, Fahrt im rothen 
Meere, Besuch von Sicilien, daselbst 
Besteigung des Stromboli. Neapel und 
Toulon; diese Fahrt wahrte 4 Monate; 
im Mai, Juni, Juli 1836 Reisen auf dem 
Continente, u. z. durch Slid' und Norddeutschland, 
Frankreich, Belgien, Holland; 
im namlichen Jahre eine Reise mit Sr. 
Majestat nach Italien; im December 
d. I . und im Janner 1887. von Venedig 
iiber Wien nach Briissel, Besuch des 
Rheines, und Riickkehr iiber Niirnberg, 
Tirol nach Mailand; im Mai, Juni, 
Juli, August 1837, Reise nach Pesaro. 
Florenz. Livorno, Einschiffung auf dem 
Schif fe „Elisabeth" . mitBeriihrung spanischer 
Hafen nach England, Belgien, wo 
der Erzherzog seine Braut, die k. Prinzessin 
Charlotte von Belgien, abholte, und 
dann in Gemeinschaft mit seiner Gemalin, 
nach einer Fahrt auf dem Rhein und auf 
der Donau, in Wien (4. August) eintraf, 
von da iiber Trieft und Venedig nach 
Mailand zuriickkehrte und daselbst mit 
seiner Gemalin am 6. September den 
feierlichen Einzug hielt; im Herbst 1838 
in Gesellschaft seiner Gemalin nach Albanien, 
Dalmatien und Sicilien; im Winter 
1339 auf 1860 mit seiner Gemalin nach 
Sicilien, Siidspanien, den atlantischen 
Inselgruppen und Madeira, wo Ihre 
kais. Hoheit die Frau Erzherzogin den 
Wintevauf euthalt nahm, wahrend Se. 
kais. Hoheit der Herr Erzherzog die Reise 
fortsetzte, Brasilien besuchte, die wichtig« 
sten Hafenstadte beriihrte und auch eine 
wissenschaf tliche Ercursion in die Urwal» 
der unternahm. I n seiner Stellung als 
Marine > Ober > Commandant entwickelte 
der Erzherzog eine fruchtbare Thatigkeit. 
I m Zeitraume von wenigen Jahren 
wurde das in Iahrzehenden Versaumte 
eingeholt und wirklich GroBes geleistet. 
Die wesentlichsten Momente seiner Thatigkeit 
auf diesem Posten sind: die Trennung 
der Marine als selbstandiges Ministerium 
vom Armee»Ober-Commando; — die 
Orgauisirung der Marine«Behorden, und 
zweckmafiige Verminderung der Of f iciers ' 
Chargen; — die Organistrung desPerso» 
nales der Marine . Technik, der Marine« 
Administration, der Marine-Artillerie und 
.Infanterie, dos Marine (51erus und ar.zt»? 
zljakslmrg — Ferdinand Habsburg — Ferdiltand 
lichen Personales; —die Errichtung einer 
hydrographischen Anstalt und eines Ma« 

Seite 294 



Wurzbach0 6 . txt 
rine-Museums ; — die Einfuhrung eines 
neuen Erziehungssystems fur Marine- 
Officiere, nach seemannisch praktischen 
Grundsatzen; — die Einfuhrung einer 
zweckmaBigeren Uniformirung fur active 
und pensionirte Marine»Osf iciere und fur 
die Mannschaften (Maf fa-System) ' . und 
eines VerpstegssystemS; — die Einverlei' 
bung des Flottillencorps und des alten 
Arsenales in Porto R6 in die Marine; 

— die Einfuhrung des deutschen Kommandos 
und der deutschen Korrespondenz; 

— die Hebung der verfallenen Stadt 
Pola durch gemeinnut zige Bauten, Anlage 
von Baumschulen u. dgl . m.; — der Bau 
der Balance-Docks in Pola; — einer 
Wasserleitung und Vollendung des Arsenalbaues 
ebenda; — der Bau von'drei 

Limenschif f s-Stapeln ebenda; — ferner 

des Linienschif f es „Kaiser", der Propeller- 

Fregatten „Donau" und „Adria", 

der Propeller-Corvetten „Friedrich" und 

„Dandolo" , des Dampfers „Eugen", 

der Kanonenboote „Kerka", „Narenta", 

„Samego", „M6ve", einer gepanzerten 

schwimmenden Batterie von 6 Kanonenbooten 

auf dem Gardasee, und mehrerer 

Kohlendepots in Dalmatien; — die 

Erpedition der „Novara" zur Welturri' 

segelung; die transatlantische Expedition 

derCorvette „Carolina" nach Siid«Amerika 

und Weft»Afrika in handelspolitischer 

Beziehung und Erpedition der Propeller» 

Fregatte „Radehky" in technischer Beziehung 

nach Spanien, Frankreich, Eng« 

land, Holland und Norddeutschland. Am 

Schliisse der Kaiserreise durch Lombardo» 

Venetien (Marz 1837) wurde der Erzherzog 

zufolge kaiserlichen Handschreibens 

vom 28. Februar 1837 als General. 

Gouverneur an d ie Spitze des lombardisch« 

venetianischenKonigreiches gestellt, behielt 

aber stillen Posten als Marine-Ober- 

Commandant bei. Er bekleidete seine neue 

Stelle bis zum Ausbruche des italienischen 

Krieges im Friihlinge 1839, also durch 

2 Jahre, binnen welcher Zeit folgende 

Momente seiner Verwaltung bemerkenswerth 

sind: es wurde die Steuer-Peraquations- 

Commission in ' s Leben gerufen, 

die Lehen- undZehmtablosung vorbereitet, 

grundsat zlich die Aufhebung des aus der 

Zeit der napoleonischen Verwaltung her« 

stammenden Fiscal-Privilegiums erwirkt; 

die Lage der Communal 'Aerzte im ganzen 

Konigreiche durch ein eigenes Reglement 

verbessert; der Hafen von Venedig wurde 

fur groBe Schiffe durch energisch betriebme 

Ausbaggerungen fahrbar gemacht; 

ein erprobter Ingenieur nach Hamburg 

und Bremen, Holland, Belgien und Eng. 

land gesendet zum Studium aller in den 

bedeutendsten Seestadten gemachten Fortschritte 

auf dem Gebiete der maritimen 

Seite 295 



Wurzbach0 6 . txt 
Technik und die VergroBerung des Hafens 
in Como durch Herstellung einer neuen 
Diga in Angriff genommen. Zur Bewaltigung 
der Malaria am nordlichen Ende 
deS Comersee's wurde die Entsumpfung 
des sogmannten Piano di Spagna und 
zur Gewinnung fruchtbaren Bodens im 
Thaleder .Etsch die Austrocknung derValli 
grandi Veronefi betrieben; der beriihmte 
Ingenieur Bucchia wurde mit dem 
Studium der Arbeiten zur Austrocknung 
des venetianischen Meeres-Uf ers, dann der 
Bewasserung der wasserarmen Ebene von 
Friaul durch den LedrafluB betraut. 
Venedig erhielt eine fur Einheimische und 
Fremde werthvolle Verschonerung durch 
Verlangerung der Riva bis zum Pavilion 
im kaiserlichen Garten; in Mailand wurde 
die unverweilte Ausfiihrung der vom 
Kaiser ertheilten Bewilligung zur Ver« 
groBerung der Giardini publici angeordnet, 
auch durch die Energie des Erzherzogs? 
Hahskurg — Ferdinand 203 Habsbnrg — Ferdinand 
der Widerstand iiberwunden, welcher bis 
zum letzten Augenblicke der Formirung 
des nunmehr hergestellten Platzes zwischen 
dem Scala-Theater und dem Palazzo 
marino entgegengestellt wurde, zu gleicher 
Zeit auch die Restauration der Basilica 
S. Ambrogio in Angriff genommen und 
die VergroBerung des Domplatzes ein 
geleitet. Das System der offentlicher 
Wohlthatigkeit in Venedig wurde auf 
Grundlage der hieriiber auf Anordnung 
des Erzherzogs gemachten besonderen 
Studien einer wirksamen Reform unterzogen, 
der armen Bevolkerung im Veltlin 
nicht nur materielle Unterstiit zung gewahrt, 
sondern auch durch eindringliche 
Studien iiber neue Quellen des Wohl 
standes dieses durch die Traubenkrankheit 
herabgekommenen Thales die Aussicht 
auf nachhaltige Verbesserung ihrer Zu 
kunft eroffnet. Zur Zeit der groBen Po 
Ueberschwemmung, welche den General 
Gouverneur augenblicklich an Ort und 
Stelle der bedrohten Landestheile rief, 
ernnrkte er ungesaumt bei Sr. Majestat 
dem Kaiser eine groBartige Unterstiit zung 
fur die Beschadigten . Gleiche Sorgfalt 
wendete der Erzherzog dem Unterrichtswesen, 
der Wissenschaft und Kunst zu; 
so beauftragte er den Herausgeber der 
Memorie des Grafen G i u 1 i n i mir der 
Fortsetzung dieses nationalen Werkes, 
setzte eine Commission zur Heransgabe 
der Nonumonti atorioi und n,rt.i8tioi der 
venetianischen Provinzen ein und erwirkte 
die kaiserliche Genehmigung fur die 
Vereinigung der beiden Kunstakademien 
in Mailand und Venedig mit den daselbst 
bestehenden Instituten. Als Beleg fur 
die musterhafte Verwaltung Lornbardo» 
Venetiens, in der leider nur zweijahrigen 

Seite 296 



Wurzbach0 6 . txt 
Periode des General - Gouvernements 
unter Erzherzog FerdinandMar, 
mag wohl der Aussprnch des englischen 
Ministers des AeuBern, Lord M a lm es» 
bury, dienen, gethan in einer Note an 
Lord L o f t u s , den am Wiener Hofe 
beglaubigten Gesandten des mit Frankreich 
alliirten Englands . Am 12. Janner 
1839, also bald nach dem beriichtigten 
Neu jahrsgruBe, welcher nichts geringeres 
als Krieg urn die Lombardie bedeutete, 

schrieb Lord Malmesbury : „Mit aufrichtiger 
Freude gibt Ihrer Majestat 
Regierung zu, daB die Verwaltung der 
osterreichisch ' italienischen Lander vom Erz« 
herzog mit grofiem Talent und im Geiste 
der ehrenvollsten Freisinnigkeit und Versohnlichkeit 
geleitet worden ist" (aus der 
im Blaubuch abgedruckten Depesche) . — 
Nicht geringer als die bisher angefuhrten 
Verdienste des Erzherzogs urn Vermal, 
tung Lombardo ' Venetiens . urn Hebung 
und Reformen der osterreichischen Marine, 
sind jene urn Kunst und Wissenschaf t , 
welch' letztere in ihm einen personlich 
thatigen Forderer anerkennt. I n Bezug 
auf Kunstschopf ungen, die er entweder 
unmittelbar in ' s Leben rief oder die unter 
seiner Aegide und seinem mafigebenden 
Einstuffe stehen, sind zu nennen: die 
Votivkirche und daS SchloB Miramar. 
Zum Bau der ersteren erlieB am 27. Fe» 
brnar 1863 der Erzherzog anlafllich der 
glucklichen Lebensrettllng Sr. Majestat 
auS verruchten Mordershanden einen 
Aufruf,an die Patrioten Oesterreichs , 
einen Fond zur Erbauung einer Kirche in 
Wien zu griinden, welcher alsbald den 
herrlichsten Erfolg hatte und dessen zum 
Entwiirfe des Conmrs«Programmes be< 
rufenes Comito schon Anfangs April 
d. I . unter dem Vorsitze Sr. kais. Hoheit 
zusammentrat . Seit dieser Zeit bis auf 
die Gegenwart fuhrte der Erzherzog die 
Oberleitung dieser Angelegenheit und 
wirkte entscheidend in Fragen der Kunst 
ind des Baues. Das im Auftrage des^ 
Habsburg — Ferdinand 3 (>4 Habsburg — Ferdinand 
Erzherzogs gebaute SchloB Miramar 
steht auf einem felsigen Vorsprunge im 
Golf von Trieft, ehemals pnnw ZriBnana. 
genannt, nicht fern von der Laibach- 
Triester Bahn. Das Innere des 
architektonisch schonen Gebaudes begann 
der Erzherzog durch Copien von Gemalden 
beriihmter Meister, durch >.'!::: 
Sammlung historischer Bildnisse und 
andere Kunst- und wissenschaf tliche 
Sammlungen zu schmucken und in 
werthvoller Weise zu bereichern. I n den 
Muflestunden liegt der Prinz der Pflege 
der schonen Wissenschaf ten ob, oder beschaftiget 
iich mit der Aufzeichnung seiner 
Neiseeindriicke . Sowohl von seinen poeti» 

Seite 297 



Wurzbach0 6 . txt 
schen Arbeiten wie von den Schilderungen 
seiner Neisen sind mehrere Bande bereits, 
jedoch nur als Manuftript gedruckt, 
erschienen, demnach niemals in den Hau» 
del gekommen. Von ersteren zwei Bande 
„Gedichte". — von letzteren 4 Bande 
„Reiseskizzen" (Wien, Staatsdmckerei) 
I. Italien, I I . Spanien, III. Sicilien, 
Lissabon, Madeira, IV. Albanien und 
Gallo-Af rica. 

Tllnntags . Zeitung (Pesth, 4".) 18u6 (II. Jahrg.), 
Nr. 33, S . 260 A nu Portrait im Holzschnitt) . 

- Feierstunden (Wiener Unterhalt. Blatt . 4«.) 
1836. S. 430 und 431 huit den Portraten des 
Erzherzogs und seiner Gemalin, Prinzessin 
Charlotte von Belgiens — National ' Zei» 
tung (Berliner polit. Blatt. kl. Fol.) 1860 

(XIII . Jahrg.) . Nr. 164: „ssorrcspondenz aus 
Wien, vom 3. April". — Tagesbote (Gratzcr 
Blatt. Folio) 1860. Nr. 84. - Die katholischen 
Blatter (Linz. 4".) 1853 (VIII . Jahrg.), Nr. 78.- 
„Erzherzog Ferdinand Ma r uon Oesterreich 
in Jerusalem" — auch in der La'ibacher Zeitung 
d. I . Nr. 243. — Austria. Osterreichischer 
ttnwrrsal-Kalenoer fur das Jahr 1854: S. 198; 

- fur das Jahr 1857 : S. 393 und S . 400 D ; 

- fur dao Jahr 1858 : 2 . 141, 163. 176. 180; 

- fur das Jahr 1859: S. 37. 69. 76. 134, 136. 
139. — vollstandiger Titel Sr. Kais. Hoheit d« 
Herrn Er A herMs Ferdinand Mar. Ritter des 
goldenen VlieBes; GroBtrcuz des St. Stephan« 
und OcS souveranen Orden? des heil Johann 

von Jerusalem; Ritter des kais. russ. St. Andreas' 

nnd des Alexander Newsky-, des weiBen 

Adler« und des S t . Annen-Ordens erster Classe; 

Ritter des kon. preuB . schwarzen und des rothen 

Adler-Ordens erster Classe; des kon. bayer. St. 

Hubcrtus-, des kon. sachs. Ordens der Rauten, 

krone; des kon. hannov. Haus» und Ritter« 

Ordens vom heil. Georg und des groBherz, baden'schcn 

Georg-Ordens der Treue; GroBkreuz 

des kon. velg. Leopold', des kon. sicil. St. Ferdinand 

» und Verdienst, des kon. portug. Thurmund 

Schwert«, dann des groBherz, toscan. St. 

Iosepk ' Oroms; des herz. braunschw. Ordens 

Heinrich des Lowen; GroBkreuz des kais. franz. 

Ehrenlegion ' , des kon. nieoerl. Lowen-, des kon. 

griech. Erloser-, des groBherz. Hess. Ordens Philipp 

des GroBmuthigen; des papstl. Pins« 

Ordens; Ehrenmitglied der kais. Akademie der 

Wissenschaf ten und der k. k. geographischen Gesellschaft 

in Wien. der physikalisch ' inedicin . statistischen 

Akademie, der Akademie der schonen 

Kunste zu Mailand und dc5 Athenaums zu 

Venedig; k. f. Vice 'Admiral (Feldmarschall ' 

Lieutenant); Marinc-Obercommandant und I n - 

Hader des Uhlanen ' Regiments Nr. 8; dann 

15twf des preuBischen 3. Dragoner-Regiments . 

- Portrate. 1) Nach E i n s 1 e lithographirt 
von C ' yvl (Wien, Patcrno. Fol.); — 2) nach 

E i n 6 1 e , lithogr. r>on Kriehuder (Wien, 
Paterno, Fol.) als Contre-Admiral und Marine' 
Commandant, Kniestuck; — 3) gezeichnet und 
lithogr. von Kriehuber (Wien. Neumann, 

Seite 298 



Wurzbach0 6 . txt 
Fol.) in Marinc°Unif orm; — 4) radirt von 
S c 1 1 e n y l>in vortref f liches Bild. Der Crz A 
herzog in Marine-Uniform' 1 . — AnBerdem 
bestehen Portrate in Oel gemalt von Sck)rotz' 
berg nnd S t i e 1 e r ; beide im Besitze der kaiser» 
lichen Fanulie. 

9<) . Fcroimmd Salvator Maria Joseph 
Johann Baptist Franz Ludwig Gonzaga 
Raphael Rainer Ianuarius, Erb« 
groBherzog von Toscana, Sohn des 
GroBherzogs Leopold I I . nnd Maria 
Antonia's, kon. Prinzessin von Sicilien, 
geb . am 10. Juni 1833. k. k. Oberst und 
Inhaber des Dragoner-Negiments Nr. 8. 
91- Ferdinand Karl Anton von Ejlc, 
Erzherzog von Oesterreich, Gouverneur 
und General-Capitan der Lombardie-^ 
Habsburg — Ferdinand 208 Habsburg — 
Sohn des Kaisers Franz I. Stephan 
und der Kaiserin Maria Theresia, 
Gemal der Herzogin von Maffa und 
Carrara, Maria Beatrix von Este 
ffiehe den Artikel Este in diesem Lexikon, 
Bd. IV, S. 82, 2. Spalte, und Este, 

Beatrix, ebd. S. 83) . 

* * 

92. Ferdinand Karl Joseph von Esic, 
Erzherzog von Oesterreich, Sohn Fer» 
dinand Karl Anton's von Este, Erz« 
Herzogs von Oesterreich, und der Herzogin 
von Mafsa und Carrara, Maria 

Beatrix ssiehe Bd. IV dieses Lexikons . 

Artikel: Este, Ferdinand, S. 861. 

* * 

93. Ferdinand Karl Victor von Este, 
Erzherzog von Oesterreich, Sohn Franz' 
IV., Herzogs von Modena, und der 

kon. Prinzessin von Sardinien, Maria 
Beatrix ssiehe Bd. IV dieses Lexikons. 

94. Franz 1. Stephan, deutscher Kaiser. 
Herzog von Lothringen. GroBherzog 

von Toscana (geb. zu Nancy 8. December 

1708, gest. zu Innsbruck 43. August 

1768) . Sohn Leopold Joseph's, Herzogs 

von Lothringen, und Elisabeth 

Ch arlotien's von Orleans; Enkel deS 

Helden Karl Leopold von Lothringen. 

Gtmalm: MariaTheresia, die groBe 

Tochter des Kaisers K a r 1 VI . , ihm 

vermalt am 12. Februar 4736, wahrend 

zu gleicher Zeit sein Bruder Karl von 

Lothringen Maria Theresia 's jiingere 

Schwester. Maria Anna, zur Gemalin 

nahm. Viuber: Die Sonne: Ferdi» 

nand, General ' Gouverneur der Lombardie, 

vermalt mit Maria Beatrix 

von Este; Karl (gest. 4761); Joseph 

II., deutscher Kaiser; Leopold II., deutscher 

Kaiser, und Maximilian, Churfurst 

von Coin (gest. 1800). Die Tochter: 

Maria Karolina (gest. 1744); Joseph 

a, verlobt mit Ferdinand, Konig 

beider Sicilien (gest. 4767); Johanna 

Gabriela (gest. 4762); Maria Elisabeth, 

Seite 299 



Wurzbach0 6 . txt 
Aebtissm zu Innsbruck (gest. 

4808); Christine, Regentin der Niederlande, 
Gemalin Albert's, Herzogs von 
Sachsen-Teschen (gest. 4798) ; Elisabeth 

(gest. 4740); MariaAmalia . Gemalin 
Ferdinand's, Herzogs von Parma 

(gch.4804); Karo 1 i n a , Gemalin Ferdinand's, 
Konigs beider Sicilien (gest. 
4793), und MariaAntoinette, Gemalin 
Ludwig's XVI., Konigs von Frank« 
reich (gest. 4793). waylspruch: „I A o aso 
et impsrio" . hmonagende Lebettsmomente : 
Franz kam 4723 — 43 Jahre alt — 
nach Wien, wo ihn Kaiser Karl VI. 
mit dem schlefischen Herzogthume Teschen 
belehnte, seine wissenschaftliche und inili« 
tarische Ausbildung vollenden lieB, ihm 
einen hohen Rang in der Armee verlieh 
und ihn zum Gemal seiner altesten Tochter 
Maria Theresia bestimmte. Als sein 
Vater Leopold 4729 starb, nahmFranz 
in Wien und Paris die Lehm und brachte 
die Jahre 4731—4732 auf Reisen durch 
Europa zu. Die streitige polnische Konigswahl 
4733 brachte Lothringen fur immer 
an Frankreich. Herzog Fr anz sollte dafur 
das Grosiherzogthum Toscana erhalten, 
dessen letzter Fiirst, Gaston von Medici 
s, sich seinem Ende naherte und auch 
am 9. Juli 1737 wirklich starb. Das Jahr 
friiher vermalte sich Franz mit Maria 
Th eresia und fiihrte im Feldzuge Juni 
4737 bis October 4738 den Oberbefehl 
in Ungarn. 4740 starb Kaiser Karl, 
und wie 40 Jahre friiher im spanischen, 

'o endigte nunmehr im deutschen Zweige 

der Mannsstamm der Habsburger. Kaum 

war Karl VI. gestorben, so eroffnete der 

neue Konig von PreuBen durch seinen 

Einfall in Schlesien (December 4740)? 

Fraw 206 Dabsburg — Franz 

den Krieg. Dieser Kampf gestaltete sich 

durch die im Bunde mit Frankreich und 

Spanien aus einen groflen Theil des Nachlasses 

Ferdinand's I. erhobenen An« 

spriiche Karl Albrecht ' s von Bayern 

— dessen Land noch vor 20 Jahren eine 

Provinz Oesterreichs , er selbst aber mit 

seinen Geschwistern in Gratz und Klagenfurt 

Staatsgef angener gewesen war — 

zu einem furchtbaren europaischen Kriege. 

Franz war indessen mit Theresia 

von der Erbhuldigung aus Florenz 

nach Wien zuruckgekommen . I n dieser 

BedrangniB floh Maria Theresia 

nach Ungarn, welches nach 300jahri' 

gem Biirgerkriege sich eines 30jahrigen 

Friedens erfreute und mit Begeisterung 

die junge Konigin aufnahm, ausrufend: 

A loi-lamur xr 

'IiereLia.) vitam, ob 

Die ungarischen Schaaren vertrieben 

alsbald die Franzosen und 

Bayern aus Oesterreich, ja aus Bayern 

Seite 300 



Wurzbach0 6 . txt 
selbst, wo sie unter Khevenhuller 
bis nach Munchen und Amberg gedrun« 
gen waren und die ubermuthigen Franzosen 
grofltentheils zu Gefangenen mach« 
ton. Theresia hatte ihrem zartlich 
geliebten Gatten den Titel eines Mitregenten 
gegeben; der Versuch, ihm die 

deutsche Kaiserkrone zu verschaffen, scheiterte 
das erste Mai (1741) . Karl VII. 
von Bayern wurde gewahlt, der jedoch 
nach einem sehr ungliicklichen Kriege, 
mehrmals aus seinen Staaten vertrieben, 
am 20. Juni 1743 starb. Sein Sohn 
Maximilian Joseph schlofl darauf 
im April 1743 zu Fiissen einen Separatf rieden, 
in welchem er seine Lande zuriickerhielt , 
aber alien Anspriichen wegen 
der pragmatischen Sanction entsagte, 
wahrend drei Jahre spater, 1748, der 

Aachener Friede die Integritat des osterreichischen 
Staatskorpers bestatigte. Am 
13. September 1748 wahlten die drei 
geistlichen Churfursten, dann Bayern, 
Sachsen und Hannover in Frankfurt a.M. 
Franz zum Kaiser; am 4. October ward 
er in Frankfurt gekront . Der Antheil, den 
der deutsche Kaiser am 7jahrigen Kriege 
(1736—1763) nahm, war bei den bestehenden 
Verhaltnissen geringe. Der Hubertsburger 
Friede kam zu Stande (19. 
Janner bis 13. Februar 4763), und im 
folgenden Jahre (1764) wurde die 1730 
f ehlgeschlagene Wahl Joseph's I I . zum 
romischen Konige durchgeset zt . 1763 begab 
sich Franz nach Innsbruck, dort dem 
feierlichen Beilager seines zweiten Hohnes 
Leopold mit der spanischen Infantin 
3 udovica beizuwohnen; am 18. August 
1763, aus dem Theater heimgekehrt, verschied 
er plotzlich, vom Schlage geriihrt, 
in den Armen seines Sohnes Joseph. 
An der Statte, wo er seinen letzten Seufzer 
verhaucht, erhob ihm Maria Ther 
e s i a , deren Trauer die innigste und 
riihrendste war, einen Altar, eine Todten» 
capelle und unmittelbar mit der Burg 
vereinigt ein adeliges Damenstift. Sie 
hiillte die geliebte Leiche in das von 
ihr eigenhandig bereitete Leichentuch und 
fiihrte sie zu Schiffe nach Wien in die 
Kaisergruft. Aus Hormayr 's Schilde« 
rung des Kaisers Franz heben wir 
heraus: „Der Kaiser war eine schone, 
herrliche Gestalt, teutsche Mannskraft, 
franzosische Anmuth und unzerstorbare 
Heiterkeit vereinigend. Den Wienern war 
Franz theuer durch die in Feuer« und 
Wassernoth oftmals zu ihrer Hilft bewiesene 
Unerschrockenheit . Obgleich kein Gelehrter, 
war Franz dennoch ein warmer 

Freund aller Fachgelehrten, der Wissenschaf ten 
und Kiinste und ein freigebiger 
Macen. Gr war der verkannten Redlichkeit, 
dem verfolgten Talente ein rechter 

Seite 301 



Wurzbach0 6 . txt 
Anker, Loud on ' s Verdienst, wie manches? 
HabZbnrg — Franz 207 Habsburg — Franz 
andere nicht minder wichtige, erhielt 
Franz allem gegen die schwarzesten I n - 
triguen aufrecht; viel Vortref f liches hatte 
Kaunitz ohne den Kaiser nun und nun 
mermehr durchgeset zt . Er war die Seele 
der ersten industriellen Versuche in Oester 
reich und gab vielen bei dem gesunkenen 
Zustande der Finanzen gar nicht durchzuf iihrenden 
land» und staatswirthschaf tlichm 
und kriegerischen Unternehmungen 
eine unentbehrliche Stiitze. Er iibte die 
groBartigsten Handlungen der Wohltha' 
tigkeit, allerwarts bliihte sein Andenken 
in Liebe und Segen." Nur Gin Zug aus 
seinem Leben moge hier stehen, er zeigt 
des Kaisers hochsinnige Ritterlichkeit . Als 
bei der groBen Ueberschwemmung im I . 
1747 in Wien die Waffergefahr so gestiegen 
war, daB die sonst muthigsten Schiffsleute 
es nicht wagen wollten, den Ungluck« 
lichen beizustehen, sprang der Kaiser selbst, 
der Erste, in einen Kahn und rief: „Ich 
hoffe, daB, da ihr mich, den Ersten, aufbrechen 
sehet, ihr euch entschlieBen werdet, 
mir zu folgen!" Dieses herrliche Beispiel 
des Monarchen wirkte, Alles fuhr ihm 
nach und das Leben vieler sonst Verlorenen 
wurde gerettet. 

1. Selbststandige Nueilen. .1 A ?/ , ' / A 7 A / t A , 
i'Htore A ranc A aca I. (Miaua 1765, 4".)- — 
Impt zratoria ».uguati (Oikinii 1763, k'o!.). — 
Fritz (Andreas), Trauer und Lobrede auf 
F r a n z I . . Romischen Kayser (Wien 1763, Fol.) . 
ete. il Fioi'ua 18. A 301itol76» (Volo3N3 . 171>3 , 
I'ai.). — Heckhel (Andreas), Trauerrede auf 
den schmerzlichen Hintritt Franciscil. . wei' 
land Romischen Kaisers (Wien 1765. Fol.) . — 

!'6Fen2; bssZivcl (Vuaan 1763, 
lunodi'V <ls k'rs.uHais I . , s 

(I.1S36 1763, 4".). - Mn'sts?- A 

ao A ouas 1736, I'oi.). — Moser (Johann 

Jakob) , Einleitung in die Staatshistorie Deutschlands 

unter Franz I . (Frankfurt 175S, 8°.). - 

aiv! oi I., I A omaui 

i'Htaria ac liuuzariay corryzstit 

I . , A UA ma.nidu,a l,oi'50iu. 

A . cl.(i76 A ), I'ol.). — Roy (Ferencz) , Trauer, 

und Lobrede auf Franciscusl., Kayser und 

Mithenscher von Ungarn :1,'. (PreBburg 1763, 

Fol.). —Sailer (Sebastian), Trauerrede 

auf Franci5cu6I., Nomischen Kaiser (Augsdurg 

17U.'i, Fol.). - Schunn (Andreas). Lob 

Franz des Ersten, weiland Romischen Kaisers 

(Hennannstadt 1763. Fol.) . — Seyfart (Ioh. 
Friedrich) , Lebens- und Negierungsgeschichte 
Kaiser Franz des Ersten . . . (Niirnberg 1766, 
8"). — Wiirz (Ignaz), Trauerrede auf Kaiser 
Franz I. (Wien 1763, Fol.). 

1 1 . I n Sammel-und VeschichtswerkenZerstreutes . 
Grsch und Grub er, Allgem. Encyklopadie 
der Wissenschaf ten und Kiinste (Leipzig, Brockhaus, 
4«.) 1 . Section. Theil 48. S . i Mtikel 

Seite 302 



Wurzbach0 6 . txt 
von Hor mayr' s . — Der Zuschauer. Zeitblati 
fur Belehrung und Auf heiterung . Redacteur.- I . 
D. S y manoki (Berlin. 4".) 1822. Nr. 37: „Geschichtliche 
Anecdvren, Charakterziige u. dgl . in., 
niitgetheilt uon Friedrich Gleich" Erzahlt mch ' 
rere Ztige aus den» Leben dco Kaisers F ranz 1. 
Stephan) . — Oesterreichische National» 
Encyklopadie, Herausa, von Czikann und 
Graffer (Wim 183a) Bd. I I , S. 1?2. - 
Neuigkeiten (Vrijnner polit. Blatt) 1836. 
Nr. 133.- „Ein Von aus des Kaisers Munde 
macht adelig" sZug aus dem Leben des Kaisers A 
dasselbe: „Desten-eichische Zeitung" 1856. 
Nr. 250. — Das Echo ( Iaacrndorf er Unterhaltungiblatt ) 
18«u. Nr. 8: „Heldenmnthiger 
EntschluB des Kaisers Franz". — Frankl 
(2.A.), Sonntagoblatter (Wien gr. 8".) I . Jahr« 
gang ( 1 342), S. 582.- „3 ud nundFranz dn 
Erste, von Moriz Berm ann swird der Cintritt 
Loudon's in die osterreichis 6) e Arinee. deren 
Held er dann geworden, erzahlt) . — Dieselben, 
I I . Jahrg. (1843) S. 11)80: „Denkmal Franz I . " 

— Schlosser. Geschichte des 18. Iahchunderts 
und des 19. bis zum Sturz des franzo« 
fischen Kaiserreichs (Heidelberg, Mohr, 8».). 

Dritte Aufl.. Bd. 7, 373, 396, 4 1; Bd. I I , 26,'? 

Habsburg F 208 Habsburg — Fran.; 

104, 111, 112.125. 228. -Mailllth (Johann 
Graf) . Geschichte des osterreichischen Kaiserstaa« 
tes (Hamburg 1850. Perthes. 8".) Bd. I V , 
S. 229, 613-618. 637; Bd. V, S. 6. 10. 12, 

17. 24. 32, 42. 87. 99. 110. - Core. Geschichte 
des Hauses Oesterreich. Capitel XOI und OVI . 
cka?. I I , x. 117-128. - F7assaNi 

inatis UkUfaiLS, torn. V et V I . - Dae A ste?/ 
s, torn. I I , 1>. 333. — A o?i«t>s, 8ioo) 6 
5 XV., eap.XVII, i>.176. - A aio?'i, 
23, torn. I, x. 223-227. - D ' ZHFaoirs 
6,6 I»12.urioo ao 8axs, liv. XI. 

— Nach Oettinger ' s VidUoFr'Mis dio- 
Fr2i»kia.us (Li-nxeU. 1887, stisnou, I. ex. 8".) 
8p. 333 ware Kaiser Franz I. am 8. August 

1763 gestorben. Dieses Datum muB auf den 

18. August berichtiget werden. 

M. Denkmal. Dieses wenig bekannte Denkmal 

cines tiichtigen osterreichischen Kiinstlers, des 

Bildhauers Moll, besindet sich im sogenannten 

Kaisergarten auf der Bastei rechts auf einem 

kleinen Platze. Moll hatte es noch bei Lebzeiten 

des Kaisers Franz I. Stephan vollendet. 

Nngekauft blieb es in des Kiinstlers Besitze, bis 

es nach seinem Tode des Kaisers Enkel, 

Franz I . (II.), von der Familie gegen eine ihr 

bewilligte jahrliche Leibrente an sich gebracht 

und im genannten Garten aufstellen lieB. Die 

Statue ist aus weichen, bleifarbigen Metall, im 

Ganzen mit Talent gearbeitet. Der Kaiser sitzt 

zu Pferde in Lebensgrofle und spanischer Klei« 

dung, die Portratahnlichkeit ist vvllkommm und 

ist nur zu bedauern, daB das Kunstwerk, das 

cinen geliebten, den Wienern besonders theuren 

Fiirsten vorstellt, auf einem drm Publikum unzuganglichen 

Platze aufgestellt ist. Die Inschrift 

des Piedestals lautet: v i v i t 'ranoi A ci I . kom. 

Seite 303 



Wurzbach0 6 . txt 

Iiuz>. statuas A i ' lmoiscuii I. A ,U5t. Imp. A .vi 

l_>I>i. klaxiwi A leinoi'iam VsueranZ Iluuo 

I A oouui A tavit, Ht In auoi'uiV (-'onlipsetu 

ssmpsr N856t. K10000XIX. A Boekh. Wiens 

Schriftsteller, S. 444. A 

IV. Portrait. Stahlstich von (Kirsch (Darmstadt, 

Beyerle, kl. 4" . ) . 
* * 

93. Iranz 1., Kaiser von Oesterreich, 

als deutscher Kaiser Franz I I . (geb. zu 

Florenz 42. Februar 1768, gest. zu 

Wien 2.Marz A 1 UhrMorgens) 1833). 

Aeltester Sohn Leopold's II., damaligm 

GroBherzogs von Toscana, nachmaligen 

deutschen Kaisers, und Maria 

Ludovica's, Tochter "Karl'sIII. . 

Konigs von Spanien. Gemalinen: 4) Eli . 

sabeth, Tochter Friedrich Eugen's, 

Herzogs von Wijrttemberg (geb. zu 

Treptow 21. April 4767. gest. 18. Februar 

1790), seit 1782 in Wien erzogen, 

trat daselbst am 27. December 1782 zum 

katholischen Glauben ijber, vermalt am 

6. Janner 1788 A s. Nr. 72); 2) Maria 

Theresia, Tochter Ferdinand's IV., 

Konigs beider S i c i 1 i en (geb. zu Neapel 

6. Juni 1772, gest. 3. April 1807) . vermalt 

durch Procuration in Neapel am 

13. August, in Person am 19. Septem» 

ber 1790. Am 10. Juni zu Ofen als 

Konigin von Ungarn, am 11. August 

1792 zu Prag als Konigin von Bohmen 

gekront; 3) Maria Ludovica Beatrix, 

Tochter des Erzherzogs Ferdinand 

und der Erbprinzessin Beatrix 

von Este (geb. zu Mailand am 14. De» 

cember 1787, gest. am 7. April 1816) . 

vermalt am 6. Janner 1808; 4) Karolina 

August a, Tochter Max Joseph's. 

Konigs von Bayern, und Marie Wilhelmine 

Augusten's, Prinzessin von 

Hessen-Darmstadt (geb. 8. Februar 

1792), vermalt in erster Ehe mit Wilhelm, 

damaligem Kronprinzen, nach» 

maligem Konige von Wijrttemberg, 

welche Ehe jedoch 1813 mit beiderseitiger 

Einwilligung aufgelost wurde; in zweiter 

Ehe mit Kaiser Franz am 10. November 

1816. Ainder. Aus erster Ehe: Ludovica 

(geb. am 17. Februar 1790, gest< 
am 26. Juni 1791) . Aus zweiter Ehe: 
Maria Ludovica (geb. 1791, gest. 
1847), vermalt mit Kaiser Napoleon I.; 
Ferdinand I. (geb. 19. April 1793) . 
nach des Vaters Tode 1833 Kaiser von 
Oesterreich, entsagte zu Gunsten seines 
Neffen Franz Joseph am 2. December 
1848 dem Throne A s. Nr. 88); Franz 
Karl (geb. 7. Dec. 1802); Ksrolina^ 
Hnbstmrg — Frani 209 Habsburg — Franz 

(geb. 8.1unil794. gest. 16. Marz 1798); 
Karolina Ludovica sgeb. 4. December 
1793, gest. 30. Juni 1799); Leopold 
ine (geb. 22. Janner 1797, gest. 

Seite 304 



Wurzbach0 6 . txt 
11. December 1826), vermalt mit Dom 
Pedro, nachmals Kaiser von Brasilien; 
Maria Element ine (geb. 1. Marz 
1798), vermalt im Jahre 1816 mit Leopold, 
kon. Prinzen beider Sicilien, 
Witwe seit 10. Marz 1831; Joseph 
Franz (geb. 9. April 1799, gest. 20. Juni 
1307); Karolina Ferdinanda (geb. 
3. April 1801, gest. 22. Mai 1832), vermalt 
1818 mit Friedrich August, damaligem 
Prinzen und Mitregenten, nach» 
maligem Konige von Sachsen; Maria 
Anna (geb. 8. Juni 1804. gest. 28. December 
1833); Johann Nepomuk 

(geb. 29. August 1803, gest. 19. Februar 
1809); Amalia (geb. 6. und gest. 
9. April 1807) . Aus der dritten und 
vierten Ehe sind keine Kinder vorhan« 
den. wahlspruch.- „.lustitia rbg-noi-um 
kunaaniontuin" . Auch fuhrte Kaiser 
Franz noch die Devise: „1. /S Y6 6t lias", 
hervorragende Lefiensmoluente. Erhielt seine 
erste Erziehung in Florenz unter den 
Augen seines Vaters; seit 1784, in welchem 
Jahre Erzherzog Franz mit seinem 
Vater nach Wien kam, wurde die Erziehung 
des Erzherzogs unter der Leitung 
seines groBen Oheims, des Kaisers Joseph 
II.. vollendet, und ist unter seinen 
Lehrern Sigmund Graf Hohenwart . 
nachmaliger Erzbischof von Wien, zu nen» 
nen. Im Jahre 1788 vermalte Joseph 
den Erzherzog Franz mit der, seit 1782 
in Wien erzogenen, durch ihre Liebens» 
Wiirdigkeit beriihmten Prinzessin Elisa» 
beth von Wiirttemberg, welche Ehe 
jedoch schon in zwei Jahren der Tod 
trennte (18. Februar 1790) . Zwei Tage 
spater sank Joseph in die Gruft seiner 
Vater, und Franz fuhrte bis zur Ankunft 
v. Wurzbach, biogr. Lexikon, V I . 
! seines Vaters Leopold, welche am 
! 12. Marz erfolgte, mit Kaunih die 
A Geschafte des Staates, urn sie nach dem 
! unvermuthet friihen Ableben des Vaters 
A am 1. Marz 1792 als deutscher Kaiser 
fur die Dauer zu ubernehmen. Oesterreich 
begriiBte den neuen Monarchen mit dem 
lautesten Jubel. Der 24jahrige Monarch 
ging einer verhangniBvollen Epoche entgegen; 
wie im Leben seiner Ahnherren 
Friedrich IV., Ferdinand I I . und 
Leopoldl . waren die ersten zwanzig 
Jahre seiner Regierung eine Reihe 
scbwerer Priif ungen . f ir .den Regenten 
und die seiner Obhut anvertrauten Volker. 
Sechs Wochen nach Besteigung des Kai« 
serthrones (am 20. April) erklarte die 
Iacobinerpartei in Paris den Krieg. 
Schon am 10. August wurden die Tuillerien 
ersturmt, der Konig Ludwig XVI. 
und die Konigin Maria Antoinette 
in den Tempel abgefiihrt, die K6nigs« 
wiirde abgeschafft und die Republik aus. 

Seite 305 



Wurzbach0 6 . txt 
gerufen. Franzosische Heerhaufen brechen 
in Oesterreich ' Belgien ein und Erzherzog 
Karl holt sich seine ersten Lorbeeren; die 
zweite Theilung Polens findet Statt, in 
Frankreich wuthet graulicher Burgerkrieg; 
die Niederlande werden wieder gewonnen, 
der junge Kaiser laBt sich in Briissel 
personlich huldigen und erficht eine Reihe 
von morderischen Siegen, welche mit der 
an Kaunitz' Todestage (27. Juni) siegreichbegonnenen 
aber plotzlich abgebrochenen 
Schlacht von Fleuru endigen. Die 
dritte Theilung Polens, nach Suwa« 
row's Siege bei Maciejowice iiber 
den verwundeten Kosciuszko (1794), 

streicht das iiber ein Jahrtausend alte Konigreich 
auS der Karte Europa's. Kampfe 
in Holland, in verschiedenen Gebieten 
Deutschlands folgen nun mit wechselndem 
Gliicke, bis der 28jahrige Artillerie-Lieutenant 
Napoleon Bonaparte im Marz 
14? 

Absburg — Fraw 210 Habsburg — Fraiy 
1796 an die Spitze der von allem N6thi» 
gen entbloBten f ranzosischen Armee tritt 
und in Italien eine Ruhmeslaufbahn 
beginnt, die nur in der Geschichte des 
Alterthums an jener Alexander ' s und 
Hannibal's, mit welchen Beiden er 
auch von Schmeichlern und Rednern verglichen 
wurde, ihres Gleichen hat. Am 
14. Mai 1796 halt Napoleon seinen 
Einzug in Mailand und proclamirt die 
cisalpinische Republik. Die Belagerung 
Mantua's beginnt, des osterreichischen 
Heeres Trummer werden nach Tirol 
hineingeworf en . Gliicklicher focht Erzher' 
zog Karl am Ober» und Niederrhein, als 
wollte er da einbringen, was man in I t a - 
lien verloren; Wurmser kann mit dem 
Kern der Rheinarmee zum Entsatze Man« 
tua's herbeieilen, es auch wirklich entsetzen, 
aber nur bis 2. Marz 1797 behaupten, 
da ihn alsbald Hunger zur Ueber» 
gabe zwingt . Urn nun den Krieg von 
den Grblanden fern zu halten, riistet 
der Kaiser ein Heer unter Quosdanovich 
aus, entsendet zwei andere unter 
Alvinczyzu den Schlachten von Villa» 
nova, Caldiero, Arcole. Mangel an Ein» 
heit und insbesondere an Gleichzeitigkeit 
der aus Friaul und Tirol durch Davi» 
dovich und Alvinczy ergriffenen Offen« 
sive macht Alles scheitern; aber die Auf« 
stellung so ungeheurer Streitkrafte in der 
kurzen Periode vom Mai 1796 bis Ende 
Marz 1797 erfiillt Europa mit Staunen 
iiber Oesterreichs unermeBliche Wehrkraft, 
und bisher waren der erste Feldzug ganz 
ohne auBerordentliche Auflage, der zweite 
durch freiwillige Kriegsbeitrage gefiihrt 
worden und erst fur den dritten wurde 
ein allgemeines Kriegsdarlehen ausge« 
schrieben. Erzherzog Karl setzte nun 

Seite 306 



Wurzbach0 6 . txt 
die schon friiher begonnene Heldenlaufbahn 
fort und verrichtete Wunder der 
Tapferkeit, bis er darin durch die dreifache 
Uebermacht Napoleon's aufgehalten 
wurde. Am 3. April 1797 schloffen 
Merveldt und Bellegarde Waffenruhe 
zuludenburg, und am 18. April 
kamen im adeligen Nonnenkloster Goes 
bei Leoben die Friedenspraliminarien 
zu Stande. Oesterreich erkannte demzufolge 
die franzosische Republik an, willigte 
in die Unabhangigkeit des neugeschaf f enen 
cisalpinischen Freistaates in 
seiner bisherigen Lombardei, trat Belgien 
ab und behielt sich gebiihrende Entschadigung 
vor; nach einem halben Jahre, am 
17. October 1797, wurde der endgiltige 
Friede auf dem Schloffe Paffarione zu 
Campoformio geschlossen. Oesterreich 
erhielt Venedig bis an die Etsch und den 
Gardasee, die Stadt Venedig, die adriatischen 
Inseln, Istrien, Dalmatien, die 
Miindungen des Cattaro, Salzburg und 
Bayern bis an den Inn mit Wasserburg 
und einem ansehnlichen Gebiete als 
Briickenkopf, und so stand Oesterreich vom 
Frieden von Campoformio bis zu jenem 
von PreBburg, 1797 bis 1806, in einer 
GroBe, Abrundung und Macht da, wie 
friiher nur einmal unter Kaiser K a r 1 V. 
Mailand besaB zwar Oesterreich nicht 
mehr, aber Ost- und Westgalizien gehorchten 
dafiir seinem Scepter und es trug 
noch die deutsche Kaiserkrone, dieses in 
neuester Zeit von seinem steten Nebenbuhler 
hervorgesuchte Diadem, das es 
wenige Jahre spater vorzeitig abgelegt 
hatte. I m Friedens jahre 1797 begannen 
die bitteren Zerwijrfnisse und Reibungen 
zwischen den Hofen von Wien und Berlin, 
an denen nachher Deutschland schwer zu 
leiden hatte. Frankreichs treulose Politik 
suchte Oesterreich zum Genoffen derselben 
zu machen. Der Friede, der nun einem 
welterschiitternden fiinf jahrigen Kriege 
gefolgt war, konnte unter solchen Umstanden 
wenig gedeihlich sein, weil er das^ 
Habsburg — Franz Habsburg — 
Zusammenwirken jener Continentalmachte 
vereitelte, welche die bleibende und fur 
Europa's Ruhe so wichtige Aufgabe zu 
losen hatten: dem Uebermuthe seines waf« 
fentiichtigen und stets kampfbereiten Nachbars 
im Westen die Stirne zu bieten und 
ihn vereint in Schach zu halten. Die 
Karte von Europa hatte eine neue Gestalt 
erhalten: RuBland, Oesterreich, Preufien 
warm durch Polens Untergang Nachbarn 
geworden, das tausendjahrige Venedig 
war vollig, Genua so gut als verschwunden; 
in Rom, aus welchem der Papst 
vertrieben war, herrschten wieder Cow 
suln und Aedilen; das Haus Savoyen 
war vom Festlande auf die Insel Sav 

Seite 307 



Wurzbach0 6 . txt 
dinien verjagt, und in Sicilim gahrte die 
parthenopaeische Republik. Fruher schon 
(17. November 1796) war Kaiserin 
Katharina gestorben und ihr Sohn 
Paul hatte den Thron bestiegen; ein 
Jahr spater, fast am namlichen Tage 
(16. November 4797), am Erof f nungstage 
des Rastatter Congreffes, starb 
Friedrich Wilhelm I I . Zur Koalition 
zwischen Oesterreich, England und Rufi>» 
land versuchte man — vergeblich — 
Preufiens Beitritt zu erzielen. Bayerns 
Beitritt schien gewiB, als sein Churfurst 
Karl Theodor vom Schlage (10. Fe< 
bruar 1799) getroffen ward und Max 
Joseph die Regierung Bayerns ubernahm. 
I n Italien fochten nun mit Gliick 
Krayund Suwarow gegenMoreau; 
Suwarow hielt seinen Einzug in Mailand, 
die Festungen sielen eine nach der 
andern, endlich auch Mantua in Oester« 
reichs Gewalt (28. Juli 1799). Nicht so 
gliicklich verlief der Feldzug des folgen« 
den Jahres, der im Marz beginnt . Durch 
Intriguen war der Bund mit RuBland 
gelockert worden. Erzherzog Karl trat 
von der Leitung des Heeres ab . Bona» 
parte, welcher daS Heer in Egypten 
verlassen hatte und wieder in Europa 
erschienen war, hatte sich zum ersten 
Consul (13. December 1799) gemacht; 
seine Versuche, den Frieden herzustellen, 
scheiterten an England, und, der Krieg 
begann von Neuem. Die Schlachten bei 
Engen (3. Mai 1800), Moskirch (3. Mai), 
Biberach (9. Mai), Memmingen (10. Mai) 
und Neuburg (27. Juni) folgen sich rasch 
aufeinander, die Feinde besetzen Augs« 
burg, Miinchen und dringen bis Lands« 
Hut (10. Juli) . I n gleicher Weise, wie vordem 
in Italien Sieg auf Sieg der Oesterreicher 
sich folgten, folgten sich jetzt Nieder« 
lagen, welche mit Marengo (14. Juni) 
endigen. Friedensunterhandlungen beginnen 
(21. Juli), aber Frankreich nimmt die 
Praliminarien nicht an, der Krieg bricht 
von Neuem aus . Erzherzog Johann 
ubernimmt das Commando; ein neuer 
Waf f enstillstand wird erzielt, aber am 
24. November fangen die Feindseligkeiten 
wieder an, die Schlacht bei Hohenlindm 
(3. December) wird von den Franzosen 
gewonnen, desgleichen jene von Salzburg 
(14. December); die siegreichen Vorgange 
der Franzosen in Italien setzen sich fort. 
Endlich macht der Waf f enstillstand von 
Luneville (28. Janner 1801) dem Blutvergieften 
ein Ende . Am 9. Februar 1801 
ward zu Luneville Friede zwischen Frank* 
reich und Oesterreich geschloffen, in welchem 
Kaiser Franz auch im Namen des deut« 
schen Reiches die Grundlagen von C a mpoformio 
unterzeichnet . Ein Jahr» 
zehend hatte die verheerende Kriegsfackel 

Seite 308 



Wurzbach0 6 . txt 
gebrannt, von des Kaisers Franz weiten 
schonen Landen hatten nur die deutschen 
Provinzen und auch diese verhaltniBmaBig 
wenig, Ungarn und Bohmen gar nichts 
gelitten. Die Arbeiten des Friedens sollten 
beginnen; Thugut war abgetreten. Erz. 
herzog Karl ubernimmt nun die Leitung 
des Hof kriegsrathes und fuhrt dessen? 
Hadskurg — 212 Habsburg — 
Organisation durch (24. Dec. 1802) . I n 
der Zwischenzeit war in RuBland Ale rander 
I. dem Kaiser Paul I. gefolgt 
(24, Marz 1801) . Karl Emanuel 
von Sardinien hatte zu Gunsten seines 
Bruders Victor Emanuell. der Krone 
entsagt (4. Juni 1802) . I n Paris wird 
eine groBe Verschworung wider den ersten 
Consul entdeckt (13. Febr. 1804) . Dieser 
gut angelegte Plan, die Republik zu 
sprengen, eine absolute Gewalt mit militarischer 
Dictatur unter dem Titel eines 
Kaisers beider Gallien zu griinden, war 
gelungen; am 18. Mai 1804 erschien 
der Senats - Consult, die Kaiserwiirde 
betreffend, und am 2. December liefi 
sich Napoleon von Pius VII. in 
Notredame salben. Im Gegensatze zu 
dieser ostentativen Procedur erklart sich 
Kaiser Franz am 11. August 1804 
selbst zum Erbkaiser von Oesterreich 
und am 8. December feierte ein einfacher 
Gottesdienst zu St. Stephan und in alien 
Hauptstadten der Monarchie den neuen 
Titel. Im Mai des folgenden Jahres 
besucht der Kaiser Bohmen zum zweiten 
Male (das erste Mai im September 1804), 
urn der Theuerung abzuhelfen, die auf 
dem Lande lastete. Die Vorgange Frankreichs 
waren indessen nicht geeignet, auf 
einen dauernden Frieden schlieflen zu lassen. 
Oesterreich muB wieder riisten, Erzherzog 
Karl ubernimmt nunmehr das Commando 
in Italien (1. September 1808) . 
Bayern und Wiirttemberg werden Frank» 
reichs Alliirte (erste Probe der gepriese« 
nen deutschen Einheit) . I n Deutschland 
beginnt die Reihe riickgangiger Bewegungen 
der Oef terreicher , der Angriff auf 
Ulm findet Statt (14. October), welches 
am 17. October capitulirt; die Ungarn 
auf dem Landtage zu PreBburg bieten 
ihr Blut dar: sanZuine A pro xatre und 
verwilligen grofie Beitrage zu den Kriegsriistungen . 
Die glanzenden Erfolge der 
Franzosen im Landkriege werden durch 
die Seeschlacht beiTrafalgar am 21.0cto> 
ber, in welcher Nelson zwar fallt, aber 
einen glanzenden Sieg erficht, zum Theile 
paralysirt. Am 28. October erlaBt Kaiser 
Franz die herrliche Proclamation an 
seine Volker, in welcher er sich an die 
23 Millionen seiner Volker wendet, mit 
den Worten: „Ich habe Rechte auf ihre 
Liebe, denn ich will ihr Gluck" . Der ver» 

Seite 309 



Wurzbach0 6 . txt 
hangniBvolle Winter 1803 beginnt . Die 
Bayern dringen unter Deroy in Tirol 
ein (3. November) und die Tiroler zeigen 
ihren schon 1793, 1796, 1797, 1799 
und 1800 erprobten Muth. Indessen 
riicken die Feinde immer tiefer in ' s Herz 
Oesterreichs . Der Kaiser, der bereits 
Wien verlassen und sich nach PreBburg 
begeben hatte, ging nun nach Brunn 

(9. Nov.). Kufstein capitulirt (10. Nov.) 
und in Wien riicken die Franzosen ein 

(13. November) . Am 2 9. ' November 
beginnen endlich die Friedensunterhand« 
lungen, jedoch der Kampf setzt sich fort 
und die Schlacht bei Austerlitz, welcher 
die drei Kaiser Franz, Alexander 
und Napoleon in Person beigewohnt, 
wird siegreich fur Napoleon geschlagen. 
Am 6. December erfolgt Waf f enstillstand 
zwischen Oesterreich und Frankreich, am 
16. December wird der ungliickliche Friede 
zu PreB burg geschloffen, der das langst 
ausgebrannte Aschenhauf lein des deutschen 
Reiches vollig auseinander blast, Italien 
und das wichtige Tirol abtritt, mit Dalma A 
tien Ungarns verwundbare Ferse entbloBt, 
Oesterreichs Secundogenitur absichtlich 
ganz vom Hauptkorper trennt und, wie 
schon friiher von Toscana nach Salzburg, 
so jetzt nach Wiirzburg wirft, die Tertiogenitur 
und den deutschen Orden zu entschadigen 
verspricht, aber mit dem groBten 
Hohne welter keiner ernsten Erwagung^ 
Habsburg — Habsburg — Fran) 
wiirdigt . Die Napoleonische Politik warf 
endlich die Maske ganz ab : am 12. J u 1 i 
1806 stellte sich Napoleonzu Paris als 
Protector an die Spitze des Rheinbundes, 
der nun die Stelle des deutschen Reiches 
vertrat, und erklarte alle diesem Bunde 
nicht Gehorigen als Unterthanen der den 
Rheinbund bildenden Fiirsten. Die Fiirsten 
des Rheinbundes sind aber: Bayern, 
Wiirttemberg, Baden, Chur-Erzkanzler , 
Darmstadt, Cleve, Berg, Nassau. Hohenzollern, 
Salm, Usenburg, Liechtenstein und 
von der Leyen. Kaiser Franz antwortet 
auf diesen Act deutscher Schande durch 
Niederlegung der deutschen Kaiserkrone 

(6. August) . Eine in Berlin angestrebte 
Konf oderation norddeutscher Staaten 
kommt nicht zu Stande. Napoleon 
spannte nun sein Netz immer weiter, urn 
es endlich iiber den eigenen Kopf zusammenzuziehen . 
Der Krieg mit PreuBen 

begann und, wie friiher Wien, so sah jetzt 
Berlin (27. October 1806) die groBen 
Grenadiere des kleinen Kaisers; auch 
England kam an die Neihe und wurde 
nebst seinen Colonien in den Blocadezustand 
erklart (3. November 1806) . I n 
Spanien wurde Karl IV. zur Abdankung 
bewogen, sein Sohn Ferdinand 
V I I . in Bayonne gefangen gehalten und 

Seite 310 



Wurzbach0 6 . txt 
zur Abdankung gezwungen, nnd Joseph 
Bonaparte zum Konig von Spanien 
eingesetzt. Unter solchen Vorgangen muBte 
Oesterreich, das nunmehr an die Reihe 
kam, da es den Planen des Eroberers 
zunachst im Wege stand, auf sich Bedacht 
haben. Am 12. Mai und 9. Juni 1808 
erschienen die Patente iiber die Grrich« 
tung der Landwehren und Reserven. Das 
„unerschopf liche Oesterreich" bewahrte sich 
dieses Mai mehr denn je, die Popularitat 
des Erzherzogs Karl, die richtigen MaB« 
nahmen der Organisateurs seines Militar« 
departements , der Grafen G r u n n e , 
Wimpffen, des General-Quartiermeisters 
Meyer, stellten einschlieBlich der Reserven, 
der Landwehr, der Grenzer und 
! ungarischen Insurrektion eine Vertheidi» 
gungsmacht von 723.000 Mann und 
60.000 Pferden her, und davon zur 
Offensive iiber den Grenzen 396.000 
Mann und 36.000 Pferde. Doch an Zahl 
blieb noch immer Napoleon der Meist» 
bietende. Dieser Krieg erhob sich zu einem 
wahrhaften Glaubens und Meinungskriege, 
die vielen homerischen Personlich« 
keiten von Aspern, Wagram, Znaym, der 
Tirolerkrieg, die Landwehren haben es 
bewiesen. Zum ersten Male war in der 
Politik von V 6 1 k e r n die Rede. Das 
Jahr 1809 wurde so das Vorbereitungs» 
jahr des Jahres 1813. Diese Riistungen 
Oesterreichs reizten den ubermuthigen 
Eroberer. Schon am 9. April 1809 
erging die Kriegserklarung . Tirol, wo 
H o r m a y r den Brandfaden in der Hand 
hielt, stand auf wie Ein Mann. Manner 
wie Andreas Hofer, Joseph Spek« 
bacher, Kapuziner Haspinger erwar« 
ben sich unsterbliche Namen in Geschichte 
und Dicbtilng. Erzherzog J o h a n n schlug 
die siegreiche Schlacht bei Sacile. Aber 
der Weg nach Wien war dem franzo» 
sischen Imperator offen geblieben und 
am 13. Mai 1809 ergab sich Wien nach 
kurzer Beschiefiung . Jeder Tag war nun 
der Geburtstag eines neuen Actes des 
Uebermuthes des verwegenen Siegers; 
aber die Tage vom 21. und 22. Mai 
bei Aspern und EBlingen . die blu« 
t i g e n Pfingsten des Jahres Neun — 
wie diese zwei Tage im Volksmunde 
heiBen — an denen der unvergefiliche 
Erzherzog Karl gesegneten Andenkens 
liber die Franzosen siegte, setzten diesem 
Uebermuthe einen heilsamen Dampfer 
auf-, aber die ungliickliche Schlacht 
von Wagram am 3. und 6. Juli^ 
Habsburg — 214 Habsburg — Franz 
neigte wieder die Wagschale auf die 
Seite des Eroberers; ein Waf f enstillstand 
wurde endlich erzielt, Friedensunterhandlungen 
waren zwischen Champagny 
und Metternich bei Altenburg im Zuge . 

Seite 311 



Wurzbach0 6 . txt 
Endlich kam der Friede zu Wien zu 
Stande (14. October 1809) . I n demselben 
verlor Kaiser FranzWestgalizien mit> 
Krakau; Kram, Westkarnthen, Istrien, 
Trieft, Gorz, das ungarische Littorale, 
Kroatien, bis an die Sau hatte Napo» 
leon in das franzosische Konigreich 
Illyrien umgewandelt . Ende November 
1809 raumten die f ranzosischen Heerhaufen 
Oesterreich. Am 7. Februar 1810 
wurde zu Paris das EheverlobniB zwischen 
Napoleon und Marie Louise, des 
Kaisers Franz altester Tochter, unter» 
zeichnet und am 1 i . Marz die Vermalung 
gefeiert. Am 11. November 1810 ver« 
kiindigte Napoleon zuversichtlich die 
nahe Geburt deS Konigs von Rom, die 
im Marz 1811 wirklich erfolgte. Jedoch 
die Vaterfreuden des Imperators hatten 
seinen Landerappetit nicht im Geringsten 
vermindert: Holland als „eine Anschwemmung 
des Meeres an ursprunglich f ranzosischem 
Boden" wurde dem 7jahrigen 
Kaiserthume einverleibt; ebenso wurde 
Wallis zu Frankreich geschlagen, und 
dadurch der Uebergang iiber den Simplon 
dem Kaiser geoffnet; die Hansestadte 
Liibeck, Bremen, Hamburg wurden fran« 
zosisch und dadurch das mittlere und 
siidliche Deutschland von der Nordsee 
und Danemark abgetrennt und der Ueber« 
gang iiber die Elbe geoffnet. Die-Staaten 
des Continents, selbst das feme RuBland, 
grollten iiber solchen Uebermuth. Nun 
sollte Rutland, daB es zu grollen gewagt, 
des Imperators Zorn fiihlen. Mit einem 
Heere, wie es seit der Romerwelt Europa 
nicht schoner gesehen, 400.000 Mann zu 
Fufi, 70.000 zu Pferde und 1700 Kano« 
nen. unternahm derCorse den . verhangniB . 
vollenZug durch RuBlands Steppen gegen 
den Kreml, urn durch die patriotische 
Greuelthat eines Einzigen — RostopschmS 
— Gottes Zorn und Menschen-Machr , 
wenn Gott mit derselben ist, kennen zu 
lernen. 80.000 Todte und Verwundete 
sah das Schlachtfeld von Borrodino, dar» 
unter 20 franzosische Generale und 1700 
russische Offkiere, und Moskau ward am 
18. September 1812 als Leichenf ackel 
des imperatorischen Uebermuthes ange« 
ziindet . 300.000 Leichname waren von 
der f ranzosischen Armee in RuBlands 
Eisfeldern zuriickgeblieben, Napoleon 
aber verlieB sein Heer in dieser hochsten 
BedrangniB und floh nach Paris. Nun 
schloffen PreuBen und RuBland zu Kalisch 
den heiligen Bund (16. Februar 1813); 
die Schlacht von Liitzen (2. Mai) und 
jene von Bautzen (21. und 22. Mai), am 
Jahrestage von Aspern, brachen aber 
vollends Napoleon's Muth. Mittlerweile 
war der ganze Continent gegen 
ihn verbiindet. Die Schlacht von Leip« 

Seite 312 



Wurzbach0 6 . txt 
zig, welche drei Tage wahrte (16., 18., 
19. Oct.) und an deren erstem (16. Oct.) 
Napoleon noch fur sich die Sieges« 
glocken lauten liefl, wurde gewonnen. Am 
31. Marz riickten Kaiser Alexander, 
Fr iedr ich Wilhelm undFiirstSchwarzenberg 
in Paris ein, Napoleon 

wurde von seinem eigenen Senat abgesetzt. 
Marie Louise mit ihrem Sohne kehrte 
zu ihrem Vater zuruck; ihr Gemal wurde 
Titularkaiser von Elba. Am 30. Mai 
wurde der Friede zu Paris geschloffen, die 
definitiven Friedenssatzungen aber erst am 

9. Juni 1815 in 121 Artikeln zu Stande 
gebracht . Nach jahrelanger Abwesenheit 
kehrte Kaiser Franz am 16. Juni 1814 

in sein geliebtes Wien zuruck. Der Jubel 

seines Empfanges war unbeschreiblich . 

Die Bestimmungen des Wiener Conȣ 

Hakskurg — Fran.z 218 Habsburg — 

greffes waren fur Oesterreich folgende: 

Kaiser Franz erhielt von Italien Alles 

wieder, was er durch die Friedensschliisse 

von Campoformio 1797, Luneville 1801, 

PreBburg 1803, durch den Additional» 

Vertrag von Fontainebleau 1807 und 

dmch den Wiener Vertrag 1809 nach 

einander abgetreten hatte, aufierdem noch 

die iibrigen Staaten der ehemaligen 

Republik Venedig zwischen dem Po und 

dem adriatischen Meere, Brescia, Ber» 

gamo, dann die, Tirols strategische Wichtigkeit 

vollendenden Landschaften Veltlin, 

Chiavenna und Bormio. Der Kaiser 

Franz hieB nun auch Konig von Illyrien 

und des lombardisch ' venetianlschen K6nig« 

reichs, die Secundogenitur kam nach 

Toscana, die Tertiogenitur nach Modena 

zuruck. Die Flucht ' Napoleon ' s von 

Elba war fur Oesterreich nur mehr ein 

voriibergehendes Intermezzo, die Niederlagen 

von Waterloo und Belle»Alliance 

am 18. Mai 1813, Napoleon durch 

Bliicher und Wellington beigebracht, 

machtendem blutigen Kampfe zweier Jahrzehende 

fur langere Zeit ein Ende . Am 

10. Juli ergab sich der fliichtige Kaiser 
den vor Rochefort kreuzenden Englandern. 
Am 8. August fiihrte ihn Admiral Cock» 
burne weit hinaus in des Weltoceans 
einsames Eiland St. Helena, welches er 
am zweiten Jahrestage der Schlacht von 
Leipzig, am 13. October 1813," betrat. 
Europa und vor Allem Oesterreich genoB 
den heiBersehnten Frieden, nachdem es 
zwei Decennien hindurch die Karte seiner 
Lander je nach den Launen des f ranzosischen 
Imperators hatte andern muff en. 

Dieser historischen Uebersicht lassen wir 
einen iibersichtlichen Blick auf die Ergeb' 
nisse der politischen und militarischen Vei> 
waltung unter Kaiser Franz folgen. 
Bereits im Jahre 1792 wurde das 
Grundbuchpatent f iirOberosterreich, 1794 

Seite 313 



Wurzbach0 6 . txt 
das Landtaf elpatent fur Bohmen kund« 
gemacht . 1796 und 1797 erschienen in 
dem damals erworbenen Westgalizien 
das Straf geset zbuch, die Gerichtsordnung, 
das biirgerliche Gesetzbuch und die Wechselordnung 
, auch fand die Aufhebung 

der bis dahin bestandenen Leibeigenschaft 
Statt. 1803 wurde das neue allgemeine 
Straf geset zbuch in alien deutschen, pol» 
Nischen. bohmischen und italienischen 
Landern eingefiihrt, und 1811 das in 
der Geschichte der osterreichischen Legislatur 
Epoche machende biirgerliche Gesetz» 
buch kundgemacht . Unter den andern die 
Verwaltung nur nebenbei beriihrenden 
Reformen, die aber als Fortschritte der 
allgemeinen Cultur Glanzpuncte in seiner 
Regierungsepoche bilden, sind zu nennen: 
die Errichtung einer Central«Studien- 
Hof commission, die Einrichtung der Pru' 
f ungscommif sare an den Universitaten 
und Lyceen in den k. k. Erbstaaten, die 
Hof commisf ion in Wohlthatigkeitsangelegenheiten, 
die am 1. November 180 6 

errichtete technische Lehranstalt in Prag, 
die neue Anstalt zur Bildung von Wundarzten 
daselbst, das theologische Central« 
Seminar in Pefth, die medicinische Bit« 
dungsanstalt in Klagenfurt, die land» 
wirtschaf tliche Schule in Wien und in 
anderen Stadten der Monarchie, ein 

praktisch ' okonomisches Lehrinstitut zu Vosendorf, 
mehrere Ober«Forstinspectorate, 
das neu errichtete Ludoviceum in Ungarn, 
die Erweiterung deo Theresianums , das 
Krankenhaus in Neutitschein, die nautische 
Schule in Zengg. Ferner stellte Kaiser 
Franz die bischof lichen Semmarien her; 
errichtete zu Wien ein hoheres theologi« 
schesBUdungsinstitut ; grundete in vielen 
Landstadten philosophische Lehranstalten 
und andere Schulen; Ungarn erhielt das 
National-Museum in Pesth. Mahren das 
Franzens-Museum in Brunn, Bohmen? 
Habsburg — 216 — Fran) 
daS Museum in Prag, Steiermark das 
Ioaimeum; in Wien wurde 1813 der 

Grundstein des polytechnischen Institutsgebaudes 
von Kaiser Franz selbst gelegt; 
das kaiserliche Naturalien« Cabinet mit 
einer gronlandischen und brasilianischen 
Naturaliensammlung, das kaiserliche Anti« 
ken-Cabinet mit einer egyptischen Sammlung 
ausgestattet und die Ambraser. 
Sammlung im untern Belvedere auf' 
gestellt. Bei der Akademie der bildenden 
Kunste in Wien wurden 1813 periodische 
Kunstausstellungen eroffnet und ein Kunstverein 
gegrtindet; in Venedig wurden 
alle ArchivSschat ze in ein allgemeines 
Archiv vereinigt, die Lyceen zu Innsbruck, 
Grah, Olmiitz wurden zu Universitaten 
erhoben; die Protestanten erhielten zu 
Wien eine theologische Facultat, die 

Seite 314 



Wurzbach0 6 . txt 
Schulen der Israeliten wesentliche Verbef f erungen . 
Zur Vervollkommnung der 

Kunstgewerbe wurden Realschulen, poly« 
technische Institute und wissenschaf tliche 
Sammlungen gegrundet; zur Verbreitung 
land wirthschaf tlich er Kenntnisse mehrere 
Lehrkanzeln der Landwirthschaf t errichtet, 
ingleichen eine Forstschule zu Maria«Brunn 
bei Wien, eine groBartige Veterinarschule 
in Wien selbst. Zum Behufe der Grundsteuei ' Regulirung 
wurde eine eigene Hof» 

commisf ion niedergesetzt ; zur Ermunterung 
der Industrie wurden Privilegien eilige« 
fuhrt; zur Belebung des innern Verkehrs 
Canale und StraBen theils neu angelegt, 
theils verbessert und endlich die Eisen» 
bahnen in Angriff genommen, von denen 
jene von Budweis nach Linz den Anfang 
machte. An diese schloB sich zur Hebung 
der Verkehrsmittel : die Einrichtung regel« 
bis in das schwarze Meer und auf dem 
adriatischen Meere, wahrend der Kaiser 
mehrere Handelstraktate mit auswar« 
tigen Staaten abschloB und die Elbeschiff' 
fahrt reguliren lieB. Die Verschonerungen, 
welche der Residenz zu' Theil wurden, 
sind namhaft, als: die Gartenanlagen 
vor der kaiserlichen Hofburg mit dem 
aufleren imposanten Burgthore; im sogenannten 
Volksgarten der schone Theseus« 
tempel mit dem classischen Standbilde 
des Heros von Canova ' s MeiBel; die 
Aufstellung des herrlichen Denkmals fur 
Kaiser Joseph II.; die groBen Gebaude 
des Polytechnikums und der Veterinar» 
schule, das Dicasterialgebaude bei St. 
Lorenz, die Sophien-Kettenbriicke liber 
den Donau'Arm u. m. A. In ahnlicher 
Weise fanden Verordnungen und Verbesserungen 
im Heerwesen Statt. Wenige 
Jahre nach des Kaisers Regierungs» 
antritte erhielt die gesammte Infanterie 
und die leichten Bataillone statt der 
Casquets Helme zur Kopfbedeckung; die 
Feuergewehre wurden im Gewichte leichter 
gemacht und mit langeren Bajonneten 
versehen. Die Sabel bei den Infanterie- 
Regimentern wurden abgeschafft, nur die 
Unterof f iziere und Grenadiere behielten 
dieselben. 1807 erschienen die neuen 
Reglements, womit alle iiberf liissigen 
belastigenden Handgriffe mit den Feuer« 
gewehren beseitiget wurden, und das 
Dienstreglement erhielt wesentliche Ver« 
besserungen. 1808 wurde zur Vertheidi« 
gnng des vaterlandischen Bodens auBer 
dem stehenden Heere die Landwehr gebildet. 
Nun erhielt die Infanterie Czakos, 
die leichten Infanterie ' Bataillone wurden 
aufgelost und statt derselben Jager» 
Bataillone errichtet. 1798 wurden die 
Carabinier-Regimenter in Kiirassier- und 
die Chevaur-legers in leichte Dragoner» 
Regimenter umgewandelt. I m Artillerie« 

Seite 315 



WurzbachO 6 . txt 
wesen fand die Einfuhrung der Congreve ' « 
schen Raketen Statt. Durch die Erwer« 
bung Venedigs wurde auch der Marine 
einige Aufmerksamkeit zugewendet; sie^ 
Hadsturg — 217 Habsburg — Fran) 
erhielt 1824 ihre Organisirung und im 
namlichen Jahre erschien zur Regelung 
des Marinedienstes eine Instruktion. An 
die Stelle deS friiheren lebenslanglichen 
Kriegsdienstes trat 1302 die Kapitulation, 
die Unterschiede, welche anfanglich in 
derselben stattfanden, wurden 1811 auf« 
gehoben, 1808 wurde die Errichtung 
einer Reserveanstalt angeordnet und die» 
selbe 1812 organisirt. Nach dem Pariser 
Frieden wurde durch die neuen Landererwerbungen 
und durch Beseitigung der 

bisher noch in Galizien bestandenen Aus» 
hilfsbezirke eine neue Werbbezirks-Ein» 
theilung in Absicht auf die Erganzung 
der verschiedenen Truppenabtheilungen 
der Armee aus den conscribirten Provinzen 
nothwendig, welche neue Eintheilung 
auch 4817 erfolgte. 1808 stiftete Kaiser 
Franz den Leopold «Orden, 1816 den 
Orden der eisernen Krone, beide sowohl 
fur Militar als Civil; ferner 1801 das 
Verdienstkreuz fur Feldgeistliche, 1814 
das metallene Armeekreuz fur alle seine 
Krieger ohne Unterschied des Standes, 
welche an den Kriegsereignif f en der Jahre 
1813 und 1814 Theil genommen. Was 
des Kaisers personlichen Charakter betrifft, 
so waren MaBigung, Gerechtigkeitsliebe, 
schlichtes herablassendes Benehmen auch 
gegen den Geringsten seiner Unterthanen 
die Eigenschaf ten, die ihn als Herrscher 
auszeichneten . Seine innere und auBere 
Politik stiitzte sich von allem Anbeginn 
auf den Grundsah der Erhaltung des 
Bestehenden und Unantastbarkeit aller 
wohlerworbenen Rechte und Herkomm» 
lichkeiten, und in seiner naiv jovialen 
Weise, welche den unumstofilichen Be< 
schlufl kaum ahnen lieB, beseitigte er 
Antrage und Ideen, mit denen er sich, 
als noch nicht an der Zeit, nicht befreun« 
den mochte. Der Kaiser besaB ein bewunderungswiirdiges 
GedachtniB, eine scharfe 

Urtheilskraf t , ein ungewohnliches , durch 
Erfahrung gekraftigteS Wissen in alien 
auf die Staatsverwaltung, die biirgerliche 
Gesellschaft und auf ihre Verbefferung 
beziiglichen Dingen. Vertraut mit 
den Sprachen deS Alterthums und mit 
den verschiedenen Sprachen seiner Monar« 
chie, liebte er dennoch die deutsche vor 
alien andern, sogar vor seiner Muttersprache, 
der italienischen . Er sprach sie mit 
Vorliebe, sogar im Dialecte der Haupt< 
stadt und in den eigenthiimlichen Wendungen 
und Tonen, welche den Charakter 
des Oef terreichers bezeichnen. Machtig 
wurde Kaiser Franz durch seine mora» 

Seite 316 



Wurzbach0 6 . txt 
tische Macht; groB durch das Vermeiden 
ungerechter VergroBerung; erhaben uber 
dem Gesetze durch eigene Achtung des« 
selben. I m Uebrigen lebte er schlicht und 
einfach wie ein Burgersmann und hatte 
in Bezug auf seine Tafel, seinen Anzug, 
seine ganze Lebensweise so wenig Bediirf» 
niffe, wie kaum der Geringsten Einer von 
den 36 Millionen, deren Fiirst er war. 
Bei semer ersten gefahrlichen Erkrankung 
im Jahre 1826 sprach sich die Liebe und 
Treue des Volkes zu seinem Herrscher in 
rtihrender Weise aus; nicht weniger, als 
er am 24. Februar 1833 an einem ent« 
ziindlichen Fieber erkrankte. Die Krank» 
heit nahm einen so raschen und heftigen 
Verlauf, daB er schon am Abend des 
ersten Marz die h. letzte Oelung empfing 
und von seiner Familie riihrenden Abschied 
nahm. Am 2. Marz urn drei Viertel auf 
Ein Uhr Morgens verschied er sanft. Er 
hatte 67 Jahre 17 Tage gelebt und 
43 Jahre, also urn drei Jahre langer, 
als seine GroBmutter Maria Theresia, 
regiert. Sein altester Sohn Ferdinand 
folgte ihm in der Regierung ss. Nr. 88^. 
1. Biographien und Biographisches , n.) Selbststandige 
Werke von genannten oder bekannten 
Autoren. Bauerlc (Adolph) , Was verdankt^ 
Habsburg — 218 Habsdurg — 

Oesterreich der begliickenden Negierung Sr.Majc« 
stat Kaiser Franz I . (Wien 1834). - F)>«so/il, 
Orations tuusi'His ?ei' Is soisnni ess A uis cli 
Z . bl . 1 ' i ' a . ncsLoo 1.) imz>6i ' g. toi ' S a'^Nutria ste. 
(Visuna. 1835, 8".). - 2?anio>letti A l'av. 
Faii.' 1 , Or A ious iu moi'ts ai 8. KI . I . N. 
A i>HQ061,c.-o etc (Uilauo 1833, 4«.). - Graffe 
r (Franz), Francisceische Curiosa oder ganz 
besondere Denkwiirdigkeiten aus der Lebens« und 
Negierungs ' Periode des Kaisers Franz II. (I.) 
(Wien. in Commission bei Ign. Klang, mit 
3 Holzschn., 8".) . l A Diese Schrift des leider noch 
zu wenig gewiirdigten, hingegen von unseren 
Romantikern und Novellisten ohne Angabe der 
Quellen stark gepliinderten osterreichischen Antiquarius 
Franz Graff er schlieBt sich an seine 
5 Theile „Ioscphinische Curiosa" an und enthalt 
folgende Mittheilungen : „Die erste Vermalung; 
Costum, Ceremonien u. s. w." (S. 1) : — 
„Die Jakobiner »Verschworung in Oesterreich" 
(S. 9); — „Ursprung und Sachvcrhalt des 
Volksliedes: Gott erhalte Franz den Kaiser" 
(S. 38); — „Der Bernadotte ' sche Auflauf in 
Wien 1?98" (S. 30); - „General Lindenau" 
(S. 64); — „Die Reitcrstatuen des Oheims 
und des GroBvaters" (S. 72); — „Andreas 
Hofer im Parterre desKarnthnerThor . Theaters " 
(S> 86); — „Kolbielsky, der geniale, vielkun» 
dige und vielseitige Abenteurer (S. 89); — 
„Des Kaisers Privatbibliothek und der Hofrath 
Joung" (S. 105); — „Zwei Briefe Ludwig 
X V I I I . an Gerch" (S. 112); - „Ein Tyroler' 
Brief an Kaiser Franz von Ios. Ign. Straus" 
(S. 115); — „Das Monument des burgerlichen 

Seite 317 



Wurzbach0 6 . txt 
Gesetzbuches" (S. 117); — „Die Heimkehr und 
ihre Feier" (S. 124); — „Eine Erklarung von 
Kaiser Franz" (S. 138); — „Don Miguel an 
Kaiser Franz und dieser an Jenen, nach des 
Kaisers schwerer Krankheit" (S. 147); — „Die 
Vision. Von Grillparzer. Nach des Kaisers 
gefahrlicher Krankheit 1826" (S. 14!)); - 
„Denkmunze auf des Kaisers Genesung von 
Ioh . Gabr . Seidl" (S . 155 ) ; — „Beschreibung 
der Appartements des Kaisers Franz in der 
wiener Hofburg" ( S . 139); — „Zur Geschichte 
der Todeskrankheit des Herzogs von Reichstadt" 
(S. 169); — „Eine hochst merkwurdige Reliquie 
des ewig weltberuhmten Schwiegersohnes ; nichts 
Geringeres namlich als der Feldbecher Napo« 
Icons" (S. 193) .) — Hormayr (Ios. Frei« 
Herr v.), Kaiser Franz I. und M e t t e r n ich, 
ein nachgelassenes Fragment (Leipzig 1848, 8«.) 
l"ist nach Hormayr 's Tode erschienen) . — 3 uca 
(Ign. de) . Merkwurdige Epochen unter der 
Regierung Kaisers Franz I I . <Wien 1798. 4".) 
A umfafi>t, wie schon die Jahreszahl des Titels 
erkennen laBt, den verhaltniBmaBig kleinsten 
Theil der ganzen Regierungsperiode des Kai ' 
sers, da die Jahre 1799—1833 fehlen) . — 
Meynert (Hermann Dr.), Franz I I . und 
sein Zeitalter (Leipzig 1834, 8"., mit Portr.) . — 
Milbiller (Joseph) . Geschichte des deutschen 
Reichs unter Franz I I . bis zu seiner (sie) Auflosung 
(Ulm 1807, 8°.). - M u 1 1 e r (Adam 

Heinrich) , F r a n z I . , Kaiser von Oesterreich (Leip< 
zig 1813. 8«.). — Schopf ervonRodiShain 
(Karl), Beitrage zur Charakteristik Franz I I . 
in Anecdoten und Charakterziigen (Nordhaus 
1842. 8".). - Weifien bach (Aloys), Einzug 
des Kaisers Franz I . in Wien. I m Juni 1814 
(ebenda "1814) . Fol.) . — Zipser (Christian 
Aug.), Franz I., Kaiser von Oesterreich, geehrt 
im Tode wie im Leben (Stuttgart 1836, 8«.) . 
b) Von anonymen Autoren. Authentische Bey» 
trage zur Geschichte des Lebens und der Ne< 
gierung Franz I I . (Stuttgart 1837, 8«.) . — 
Beytrage zur Charakteristik und RegierungsgcschichteKaiser 
Joseph's II., Leopold's I I . 

und Franz I I . (Paris im 8. Jahre der Republik) , 
wiedergedruckt unter dem Titel: Die Jakobiner 
in Wien (Stuttgart 1841, 80.). sin Form 
eines Romanes, der jedoch nur wie ein rother 
Faden sich durch das Ganze hindurchzieht , enthalt 
dieses Buch eine Reihe von Personalien, 
die jedenfalls eine sehr genaue KenntniB der 
damaligen Verhaltnisse verrathen und im Ver» 
fasscr einen Mann ahnen lassen, der wenigstens 
sich nicht scheut zu schreiben, was er denkt . Ob 
das Gedachte immer richtig, muB der historischen 
Kritik ijberlassen bleiben." — Charakter« 
zlige von Franz I I . (Wien 179?, 4"., und 
Ofen 1798. 4°.) . — Der Kaiser staat Oesterreich 
unter der Regierung Kaisers Franz I . 
und der Staatsverwaltung des Fijrsten Met« 
ternich (Stuttgart 1841, 8°.). - Lebens' 
und Ncgentcnqeschichtc Franz I. (Ilmenau 
1827) . — Kaiser F r a n z I . und seine Zeit (1846, 
8<>.) . — Kronung des Konigs Franz I I . 

Seite 318 



Wurzbach0 6 . txt 
in Prag (Frankfurt 1792, 4».) . — N tick erinner 
ung wahrend der Wahl und Kronung 
Franz I I . (Frankfurt 1792, 4«.). - I.'a.u. 
t i ' i o k o toiis HU<iUo <2Lt ou okrouiy.us esoi'Zts 
ao csi'tkiliss coui ' 1» a' A IIomaFiis xai ' 
un fmoiu ollulkii-e (?«.i'i8 1828). 
o) Diographien und Biographisches in Hammel.- 
werken. Zeitgenossen (Leipzig, Brockhaus) 
I . Serie 1816. Bd. I , S. 3: „Franz I., Kaiser 
von Oesterreich. Von I . Z., mit einer Einleitung 
des Herausgebers . — Hormayr (Joseph Frei-^ 

— Franz 219 Habsburg — Franz 

Herr) , Oesterreichischer Plutarch. XII. Vand, S 

31—164: „Chronologische Uebersicht der merkwurdigsten 

Begebenheiten unter Franz I. 

gierung" A dasselbe wortlich wiedergedruckt in der 

„Austria. OesterreichischerUniversal-Kalender au 

daS Jahr 1836". S . 68-109. Diese Darstel 

lung erganzt jene de Lucas' bis zum Iahn 

1307, jedoch fehlen in ihr noch immer die 

Jahre 1808-1833) . - Austria. Oesterrei 

chischer Universal ' Kalender fur das gem. Jahr 

1831 (Wien, Klang, gr. 8<>.) Jahrgang XII 

S.494u.f. — Der Freischiitz (Hamburge 

Blatt, 4«.) 1835, Nr. 17 und Is: „Kaiser 

Franz" ''mit besonderer Beriicksichtigung seiner 

lkt ztenLebenstage) . — Conversationsblatt 

hcrausg. von Franz G r a f f e r (Wien, 8«.) 1819, 

Nr. 13: „Der Geburtstag Sr. Majestat des Kai ' 

sers Franz I . " , uon E. Th . Hohler Kurzer 

Ueberblick der Thaten des Kaisers) . — Der 

Gesellschaf ter . . . herausgegeben von F. 

W. Gubitz (Berlin, 4°.) 1338, Nr. 35-S7: 

„Die Audienzen des Kaisers Franz", von Fr. 

v. Sch. "eine interessante Skizze, und ein das 

Wesen wie den Charakter dieses Monarchen 

erganzender Beitrag) . — Derselbe 1841, Nr. 

13V und 136: „Das SchloB von Rambouillet ' 

lUeberset zung aus Leon G o z 1 a n ' s Werk: „Die 

Burgen Frankreichs " , das Zusammentref f en des 

Kaisers Franz mit Maria Louise crzah« 

lend, das zur Zeit, als Napoleon ' s Schicksal 

eine verhangniBoolle Wendung nahm. stattfand) . 

— ksg sonverainsas 1'Nui-opO su 1328 
(i"onalSL 1828, Irenttsi<K' 1 ur2, 8«.) 8. 31 

u. f. — Rumpf (G. F.), Teutscher Regenten» 
Almanach auf das Jahr 1823. Historisch ' biographische 
Gallerte der jetzt regierenden hohen 
Haupter (1824) ''eine Episode dieser umfassenden 
Lebensbeschreibung enthalt die von Dr. I .A. 
Bergk (jetzt von D r . A. Diezmann) heraus» 
gegebene „Allgemeine Moden-Zeitung" 1824, Nr. 
37) .— Theaterzeitung, herausg. von Ad. 
B a u e r 1 e , 1833, Nr. 77: „Franz I. als Be> 
foroerer der Kunst und Wissenschaf t" ; — ebenda 
Nr. 80: „Zur Charakteristik Sr. Majestat des 
Kaisers Franz I . von Oesterreich"; — ebenda 
Nr. 163—163: „Venedig unter Franzl . " — 
Oesterreichische National» Encyklopadie, 
herausg. von Czikann und G r a f f e r (Wien 
1833.80.) Bd. I I , S. 1?4. - Archiv fur 
Geographie, Historie, Staats« und Kriegskunst, 
herausg. von Hormahr (Wien, 4°.) 1821 
(XII. Jahrg.) Nr. 118 u. f.: „Blicke auf Oester« 

Seite 319 



Wurzbach0 6 . txt 
reichS innere Verwaltung unter Franz I . " — 
Schimmer (Karl August), Bilder aus der 
Heimach (Wien 1333,8".) S . Ii3 -. „Zur Charak' 
teristik des Kaisers Franz I . von Oesterreich" , 
und S. 360: „Die Briider des Kaisers Franz". 

— Neuer Nekr 1 g der Deutschen (Weimar, 
Bernh. Voigt, 8") Dreizehnter Jahrgang (4833) . 
S. 227—272. -Berliner polit. Wochen« 
blatt 1833. Nr. 12-16. - Hannovrische 
Zeitung 1838. Nr. 83 u. f. - Presse 1859. 

Nr. 176.- „Eine Zusammenkunf t zwischen Kaiser 

Franz I. und Napoleon I." snamlich die 

am 4. December 1803 nach der Schlacht von 

Austerlih stattgehabte) . — Geschichte und 

Erinnern ng s'Kalender auf das 1.1839. 

Von Karl Aug. Schimmer (Wien. I . P. 

Sollinger's Witwe, 4«.) S. 146u.f. — Der« 

selbe auf daS Jahr 1830 (XXVI . Jahrg.) S. 

148: „Ein im hochsten Grade merkwurdiges 

historisches Actenstiick zur Charakteristik des Kai ' 

sers Joseph I I . und Franz I . " — Journal 

des Luxus und der Moden 1812, 

Juni, S. 410: „Die Zusammenkunf t der Kaiser 

von Frankreich und Oesterreich in Dresden. — 

Oesterreichische Zeitung (Wiener polit. 

Blatt, Fol.) 1833, Nr. 373: „Ein Stuck 6sterrei« 

chischer Geschichte im Munde des Volkes" seine 

Episode aus dem Leben des Kaisers, da er als 

Erzherzog der Belagerung von Belgrad bei' 

wohnte, wo er es war, der den ersten Schul auf 

die Festung abfeuerte) . — Dieselbe 1853. 

Nr. 483: „Kaiser Franz und Frankfurts Frei« 

heit". — Rheinische Blatter (Beiblattdes 

Mainzer Journals) 1839. Nr. 166. S. 662.- 

„Vor fiinf zig Jahren" .—Bohemia, ein 

Unterhaltungsblatt (Prag, 4<>.) 1833, Nr. 30: 

„DerKunst ' und GewerbesieiB der osterreichischen 

Staaten unter Sr. Majestat Kaiser Franz I." 

IRede des N s a . v r . E.V. Dietrich, gehalten 

im Gewerbeoereine zu Leipzig in seiner Plenar- 

Sitzung im Monate Marz 1333) . — Dieselbe 

im namlichen Jahrgang, Nr. 51: „Zur Charakteristik 

des Kaifers F r a n z I . " laus der „PreuB. 

Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen") . 

— Schlosser (F. C.) . Geschichte des acht ' 
zehnten Jahrhunderts und des neunzehnten bis 

zum Sturz des f ranzosischen Kaiserreichs (Heidel« 
berg. Mohr. 8<>.) Dritte Aufl. Bd. V, S. 386. 
393. 419, 633, 637; Bd. V I , S. 21, 263, 299, 
303, 591, 399. 618. 649, 632, 660, 662, 663; 
Bd. V I I , S. 178. 190, 394, 474. 310, 313, 349, 
568. 371. 599, 970,1047, 1049. 1031,1131,1134, 
114?, 1174,1177,1218. -Graffcr (Franz), 
Neue Wiener Tabletten und heitere Novellchen 
(Wien 1848) S. 33: „Audienzen bei dem Kaiser 
Franz". — Anzeiger fur Literatur 
Kunst und Theater 1808, S. 3: „Ueberdie 
Vermnwngof eier Sr. K. K. Majestat Franz I .$ 
Habslmrg — 229 Hadsburg — Franz 
mitl.Kon. HoheitMaria LudovicaBeat 
r i r von Oesterreich", von A. W. S. Geschrei' 
bung der Festes. 

1 1 . Ziige aus dem Leben des Kaisers /ran) , 
z) Anekdoten und kleine Memoiren. Alles, 

Seite 320 



Wurzbach0 6 . txt 
was an Kaiser Franz erinnert und etwaS Charakteristisches 
aus seinem Leben hervorhebt, ist 
Eigenthum des deutschen Volkes und darf nicht 
verloren gehen. DieB zur Rechtf ertigung der f ol ' 
genden Nachweise einzelner Ziige aus des Kaisers 
Leben. Die Begeisterung und Liebe, mit welcher 
Adolph Bauerle des Kaisers Franz bei alien 
Gelegenheiten gedachte und immer wieder neue 
Ziige aus dessen Leben in seiner meisterhaften 
Weise zu erzahlen wuBte, diirfte alien Jenen be« 
kannt sein, dieBauerle, diesen „letzten Wiener", 
personlich kannten. Bei der vieljahrigen Be. 
kanntschaft mit ihm, bereitete nur es stets den 
angenehmsten GenuB, ihn auf sein Lieblingsthema, 
den Kaiser Franz, zu bringen, was 
nicht schwer war, und dann erzahlte der alte 
Mann, und eb war interessant, diese lebendige 
Wiener Chronik zu vernehmen. „Warum geben 
Sie diese hochst denkwiirdigen, so wenig oder 
gar nicht bekannten Ziige des Kaisers Franz 
nicht gedruckt heraus F" fragte ich einmal. — „Ich 
war daran, es zu thun, " erwiderte Bauerle; 
„das Manuscript war vollendet, Graf Sedlnitzki 
iibernahm es selbst zur Censur und ich 
erhielt es nie wieder zuriick." Einzelnes davon, 
was Bauerle erzahlte, habe ich wohl auf gezeichnet 
und besitze es in Handschrift, aber leider 
nur den geringsten Theil, da Bauerle selbst 
noch ein Werk iiber Kaiser Franz herauszu» 
geben beabsichtigte, was sein unvermuthetcr Tod 
im fremden Lande vereitelte. Die nachfolgende 
Uebersicht enthalt Vieles, und diirfte von ge< 
druckten Lebensziigen kaum etwas Wesentliches 
fehlen. — Frankl (3. A.). Sonntagsb 
latter 1842, S. 648: „Kaiser Franz 
Und Am an" . — Wiener Courier 1856, 
Nr. 176 ''der Kaiser stellt den sarkastischen 
Witz seines Burginspectors in Larenburg auf 
die Probe und iiberzeugt sich, daB der Mann 
mit seinem Witze nie in Verlegenheit ist) . — 
Oesterreichisches Biirgerblatt (Linz, 
4°.) 1833. Nr. 49, S. 194: „Eine Szene im 
Parke zu Laxenburg" ''aus dem Leben des Kai« 
sers Franz und Franz Joseph I . , welche 
die Freigebung eines Soldaten zur Folge hatte. 
Von Fendi ist diese Scene allerliebst illustrirH. 
— Gesellschaf ter , herauog. von Gubitz, 
1837. S. 419. und Probeblatt zur Theater» 
Zeitung auf das Jahr 1837, herausg. von Adolph 
Bauerle : „Kaiser Franz und sein Neligionslehrer " 
hvird die sinnige Ernennung des 
Grafen Hohen wart zum Bischof von St. 
Polten erzahlt); — ebenda: „Die Tauben des 
Kaisers Franz" A eine Erlauterung der in Wien 
iiblichen Redensart: „Wiener Gebote", — 
namlich Gebote, die niemals befolgt werden — 
anlafilich eines Befehls des Magistrats, die den 
Wohnungen schadlichen Tauben nicht ausfliegen 
zu lassen) . — Das Echo (Troppauer Unter« 
Haltungsblatt, 40.) 1858, Nr. 46, S . 179.- „Ein 
ernstes Wort" '"der Bescheid des Kaisers, den er 
einem Kiinstler gab, der sein tiichtiges Werk 
durch die niedrigste Schmeichelei entehrt hatte) . — 
Omnibus . Beilage zu den (Briinner) „Reuig« 

Seite 321 



Wurzbach0 6 . txt 
. keiten" 1857. Nr. 4, S . 31: „Anekdoten aus dem 
Leben des Kaisers F r a n z I . " ;— Nr. 33, S . 261: 
„Der Szekler und scin Schnapssack" A rasche Pro» 
zedur, die der Kaiser vornehmen laflt, um einem 
Szekler scin Recht werden zu lassen) ; — Nr. 69, S. 
549: „Eine Audienz beim Kaiser Franz" Uug 
aus dem Leben eines Bauern, der in den Tagen 
der Franzosennoth dem Kaiser in Person 1000 
Ducatcn in Gold zur Aushilfe brachte und nicht 
zu iiberreden war, sich zu nennen) . — Linzer 
Abendbote 1857, Nr. 272: derselbe Vorfall. 

— Theater-Zeitung, herausg. von Adolph 
B a u e r 1 e , 1866. Nr. 136: „Kaiser Franz in 

der Wild-Botanik" Gunter dem Ausdrucke Wild« 

Botanik ist jene Abtheilung des botanischen 

Gartens zu verstehen, welche die Giftpflanzen 

enthalt . Diese Parthie des Gartens pflegte der 

Kaiser, der dort dem Studium der Natur oblag, 

oft zu besuchen, er wahlte sie am liebsten, weil 

sie von dem andern Theile des Gartens getrennt 

und er darin ungestort war. Die komische Be» 

gegnung mit einem Hauptmannc, der den im 

Grase auf den Knien liegenden und mit Garten» 

arbeit beschaf tigten Kaiser nicht erkannte, wird 

erzahlt) . — Didaskalia. Blatter fur Geist. 

Gemuth und Publizitat (Franks, a. M. . 4«.) 1836. 

Nr. 328,329: „Reminiscenzen aus dem Lebendes 

Kaisers Franz I . von Oesterreich" A verschiedene 

Vorfalle aus dem Privatleben dcS Kaisers); — 

1856. Nr. 258: „Die Larenburgrr Allee" ftie von 

Franzens zweiter Gemalin Maria Theresia 

gepflanzte Laxenburger Allee, in welcher 

man im hochsten Sommer vonWicn nach Laren« 

burg im Schatten spazieren tzehen kann, sollte 

im Auf gebots jahre 1797 den Vertheidigungs» 

zwecken geopfert und umgehauen werden, wo« 

durch dem Kaiser groBes Wehe geschehen ware, 

weil er diese Allee sehr liebte. „Wenn man das 

Umhauen dieser Baume unterlassen kann, so 

geschieht mir damit ein Gefallen, muB es aber 

durchaus sein — in Gottes Namen, " war seine? 

Habsturg — Franz 22 j 

Antwort bei dieser Gelegenheit. Durch einm 

Unfall, der den mit der Ausfiihrung des Umhauens 

beauftragten Officier Crossard traf, 

und wodurch die Ausfiihrung um einige Tage 

sich verzogerte, wurde die Allee gerettet, denn 

mittlerweile waren die Friedenspraliminarien zu 

Leoben unterzeichnet worden) . — Oesterreichische 

Z e i t u n g 1836, Nr.230, und N e u i g - 

keiten (Briinner Zeitung) 1836. Nr. 129. Beide 

Blatter erzahlen anlafilich eineS Zuges deS Kai» 

sers Franz I. Stephan . Maria Theresia'S 

Gemal, der durch eine scherzhafte Anrede 

seines Kammerdieners mit dem Adelsvradicate 

von, diesem unwillkiirlich den Adel verlieh, einen 

analogen aus dem Leben deS Kaisers Franz I I . 

— Neu »Wien (ein Wiener Blatt) I. (und 
einziger) Jahrg. (1838), Nr. 2.- „Die Pendeluhr 
im Rittersaale der Hofburg" '"Kaiser Franz 

wird zum Kaufe einer Uhr durch sinnige List iiberredet, 
wodurch aber einem ohne Verschulden 
in Noth gerathenen, bereits der Pfandung preis» 
gegebenen Uhrmacher geholfen wird. Die Uhr 

Seite 322 



Wurzbach0 6 . txt 
steht noch heute im Rittersaale der Hofburg.) — 
Fre yschutz (Hamb . Unterh . Blatt) 1840, S. 18» 
A naiue AeuBerung des Kaisers iiber ein Stuck, 
dessen erster Auffuhrung er beigewohnt. „Sei'n wir 
ftoh, " sagte er im Nachhausegehen zur Kaiserin, 
„dafi wir das Stuck gesehen haben, das Stuck 
wird Morgen gewifl verboten. ") — Unser 
Planet . Blatter fur Unterhaltung. Literatur, 
Kunst und Theater (Leipzig, 4».) 1837, Nr. 9: 
„Ein Zug der Gerechtigkeitsliebe des Kaisers 
Franz" "aus den Memoiren der Herzogin von 
Abrantes nacherzahlt) . — Morgenblatt fur 
gebildete Stande (Stuttgart. 4".) t838, Nr. 308 
bis 311: „Kaiser Franz und der Obrist 
P i n o n" . von D. M. lMn sehr interessanter Zug 
aus des Kaisers Leben, als 1814 der Obrist 
P i n o n aus Genf von seiner Republik nach 
Wien geschickt wurde, urn die weggefiihrte Gmfer> 
Artillerie vom Kaiser zuriickzuerbitten . ) — Rum« 
burger Anzeiger (ein Localblatt . 4".) 1856, 
Nr.46 u. 47: „DerHut des Kaisers" A eine wenig 
bekannte Episode aus dem Leben des Kaisers, 
jedoch verschieden von jener, die auf des Kaisers 
besonderer Vorliebe fur seinen alten Hut beruht, 
den seine Gemalin, die Kaiserin, endlich umtau« 
schen lieB. was zu einem ganz komischen Vorfalle 
AnlaBgab) . — Derselbe 1837, Nr. 27: „Kaiser 
Franz und der Lampelwirih" sein heiterer Zug 
aus des Kaisers Leben, in welchem seine stereotype 
Redensart, wenn er in Audienzen den 
Bittstellern zu sagen pflegte: „Werdrn's schon 
machen", eine komische Auslegung erhielt, und die 
einem Bittsteller, der ihm die Deutung erklarte, 
zur Erreichung seiner Wunsche verhalf ) . — 
Schaluppe zum Dampfboot (deutsches 
Unterhaltungsblatt, 4".) 1840, Nr. 62 (23. Mai), 
S. 496: „Der Kaiser und der Bauer". — 
Gratz er Telegraph. Allgemeines Anzeige« 
blatt 1836, Nr. 178: „Kaiser Franz als Taufpathe 
von Vierlingen" . sEin armer Handwerks» 
mann, den seine Ehehalfte statt mit einem Ertract, 
unerwartet mit einem Quarterno beschenkt, findet 
in Kaiser Franz seinen huldvollen Gonner.) 
Dasselbe auch inBauerle'S „Theater-Zeitung" 
1886, Nr. 164. — Zwischenakt (Wiener 
Unt^ch. Blatt, kl. Fol.) 1838, Nr. 10: „Kaiser 
Franz und Iffland" ''wird eine Audienz I ffland 
's bei Kaiser F ranz erzahlt, welcher Tags 
darauf das Geschenk einer mit Brillanten besetzten 
goldenen Dose, in welcher 130 Ducaten 
sich befanden, folgte) . 

I I . Ziige aus dem Leben des Kaisers Fran' 1 b) 
poetisch behandelt, und andere Poesien aufihn. 
Bei der Unzahl von Gedichten, die auf diesen 
Monarchen bei Lebzeiten und nach seinem Tode 
sind geschrieben worden, wird hier nur jener 
gedacht, welche entweder durch das geschichtliche 
Moment des Stoffes hervortreten — oder durch 
die Namen ihrer Verfasser Bedeutung erhalten. 
Berliner Figaro 1832. Nr. 114: „Der 
Kaiser, der Kiinstler und der Mensch", von 
M. G. S a p h i r fter schon oben erzahlte Zug 
aus dem Leben des Kaisers, der dem Kiinstler 
wegen seiner Kriecherei eine Zurechtweisung gab, 

Seite 323 



Wurzbach0 6 . txt 
in Versen) . —Wiener Zeitschrift, herausg, 
von S ch i ckh, Nr. vom 4. December 1832 -. „Der 
Leichmzug des Armen" . Gedicht von Nina von 
Guyon, gcborne Rouland. — Sonntags« 

blatter, herausg. von L.A.F ran kl, 1843. Bei« 
lage Nr. 26: „Wie das Volk dichtet" A interessante 
Aufschliisse iiber vorerwahnten, in mehreren Spra« 
chen poetisch behandelten Vorfall, demzufolge 
Kaiser Franz die Leiche eines Armen, der ohne 
Geleit in Baden begraben wurde, zu Grabe begleitet 
haben soil. Des Kaisers Ausspruch, als er eines 
der Gedichte las, ist charakteristisch) . — Der 
Wanderer (ein Wiener Unterhalt. Blatt) 1 84<. 
Nr. 217: „Der seltene Orden" . Impromptu von 
Friedrich Kaiser. M n Grenadier trug bei der 
Parade den Loffel im Knopfloch, womit der 
Kaiser im Lager die Speisen der Mannschaft, die 
er mitessen hieB, aus der Menageschiissel kostete.) 
- Dasselbe Blatt 1841. Nr. 128: „Das 
kaiserliche Geschenk", von C. Aug. Glaser 
'"der Kaiser beschenkt einen wackern Invaliden 
mit einem neuen Silberzwanziger . Der ergraute 
Kriegsmann wird schmerzlich beriihrt iiber die 
Geringf iigigkeit des Geschenkes, schaut aber? 
Habsburg — Frau., 222 Habsbnrg 

sogleich frohlich drein, als er aus des Kaisers 
Munde erfahrt, daB ihm fur jeden Tag ein 
solcher Silberzwanziger zugedacht sei) . — Unser 
Planet (Leipziger Unterhaltungsblatt , 4°.) 
4833, Nr. 12: „Kaiser Franz zu Nancy", von 
A. Schumacher lder Verfasser besingt den 
Besuch des Kaisers in der Lothringergruf t ) . — 
T i r o 1 e r Sch iitze n>Z e i t u n g (Innsbruck, 
kl. i«>.) 1832, Nr. 2: „Zu Wien 1814", von 
Chr. Schneller ftcr Dichter behandelt poetisch 
die Audienz der Tiroler, die erinnernd, wie sie 
ihr Blut fur das Kaiserhaus hingegeben, nun 
auch die Wahrung ihrer alten Rechte bitten) . -' s - 
Der Freischiitz (Hamburger Unterhaltungsblatt, 
40.) 1840, Nr. 20: „Die Vision", von 

Franz Grillparzer . IDieses schone Gedicht, 
welches seiner Zeit so groBes Aufsehen erregte, 
wurde von G. verfaBt, als Kaiser Franz nach 
einer schweren Krankheit (1826) genesen war.) — 
Morgenblatt fur gebildete Stande (Srutt< 
gart, 40.) 183S, Nr. 76: „Zu Wien im Jahre 
1831", von Iustinus Kern er '"behandelt das 
Leichenbegangnift des Armen, dessen oben bereits 
Erwahnung geschah) . — Iiterarische Beilageder 
Zeitschrift: Neue schlesische 

Blatterlll . Jahrg. Nr. 27, S. 322: „Das 
Armen<Begrabnifi> oder Kaiser Franz". — 
Frankfurter Con versa tionsblatt 1842, 
Nr. 169: „Der letzte deutsche Kaiser", von Dr. 
Ionas Maas . — Morgenblatt (Stuttgart, 
4°.) 1835. S. 367: , MS Kaiser Franz I I . 
starb, 1833". — Noch sind folgende Gedichte, 
welche Ziige aus dem Leben des Kaisers poetisch 
behandeln, durch den Druck verof f entlicht : 
„Kaiser Franzen's Lieblingsvogel" , von einem 
Ungenannten; — «Der Kaiser und der Lampel» 
wirth", uon Karl Adam Kaltenbrunner;— 
„Kaiser Franz und der Staatsmann", von 
E.F.Muller;— «Kaiser Franz als Recew 

Seite 324 



Wurzbach0 6 . txt 
sent" . von W. Constant. — Theater-Zei« 
tung von Ad. B a u e r 1 e 1833, Nr. 68: „Des 
bohmischen Heeres Musterung und Schwur", 
von F. Ritter von Rittersberg . A Poetische 
Paraphrase eines Ausspruches, den Kaiser Franz 
gethan, als er den militarischen Evolutionen des 
bohmischen Heeres in Bubna beiwohnte, und 
dieselben sich seines vollen Beifalls erfreuten, den 
er am Schliisse der Manovers kurz in den Worten 
zusammenf aBte : „Ihr Bohmen seid die Alten.") 

— Dieselbe Nr. 67: „Klagelied auf den Tod 
Franz des Ersten", von Dr. Wilhelm Smets. 

— Dieselbe Nr. 50: „Des Kaisers Leichenzug", 
von M. G. Saphir . 

V. Diiften, Statuen und andere zum Andenken 
des Kaisers Franz errichtete Monumente Oder 
Denheichen < Medaillen, Portrate und histerische 
Mder. — Statuen und Denkmaler. I m 
Ioanneum zu Gratz befindet sich die Biiste des 
Kaisers Franz aus Bronce, von dem Hofstatuar 
KieBling verfertigt, auf einem Piede« 
stal aus steirischem Marmor. Letzteres tragt 
folgende Aufschrift: 
I . 

Conversationsblatt , herausg. von Frz. G ra ffer, 
1821 (III. Jahrg.), Nr. 29: „Die kolossale 
Biiste Sr. Majestat des Kaisers Franz von 
Oesterreich" , von Wilhelm Heben streit siiber 
die auf Anordnung Prosper 's Fiirsten von 
Sinzendorf ausgefiihrte Biiste des Kaisers, 
welche inErnstbrunnauf einem, zu einer Pyramide 
umgestalteten Berge aufgestellt zu werden 
bestimmt war. Biiste und Gestell sind aus 
Marmor des Steinbruchs von G f 6 1 1 , in der 
Nahe von Zwettl im Kampthale; der Kopf aus 
weiBem, die Drapperie aus grauem, das Gestell 
aus rothlichem Marmor. Die Hohe der Biiste 
mit dem Sockel miBt 22 FuB, davon der Kopf 
mit dem Lorbeerkranze 7 FuB, der Sockel 28 FuB, 
somit die Hohe des Ganzen 50 FuB. Das Auge 
der Biiste hat die GroBe eines gewohnlichen 
Kopfes. Verfertigt hat die Biiste der Bildhauer 
Leopold KieBling und zum Modell allein 
iiber 100 Centner Gyps verbraucht. Das Modell 
bestand aus 11 Stucken A . — Auf dem Speikkogel 
der Koralpe im Lavantthale Karnthens 
steht ein Denkmal, eine dreiseitige klafterhohe 
Pyramide, zur Erinnerung an den 28. December 
1810, an welchem der Kaiser und spater noch 
zwei seiner erlauchten Briider, die Erzherzoge 
Johann und Rainer, diesen Hohenpunct erstiegen 
haben, von welchem man einen groBen Theil 
Innerosterreichs iiberschaut. Die Inschriften der 
Pyramide sind, auf der ersten Seite: Hio. 
I n . 8nwlv.o. A uBo. A I g i s . Tor. 
?limuL. ".ustrias. Im AA rator. Dis. 28. 8sp' 
tsmoi-is. 1810. ?o5uormit. Oarintki. Auf der 
zweiten Seite: Nio. ?uit . «loa . UQbL . A . i ' Lkiaux 
A .u.8triao. vis. 7. A sulii. 1811. Auf der dritten 
Seite: Hio. I'uit. Naworus . A rokiaux. A . u . . 
5tri26. Die. 3. ".usULti. 1817. - Die von 
dem „Kirchenoau ' Verein" in Wien, welcher sich 
noch unter Kaiser Franz gebildet hatte, in der 
Vorstadt Breitenfeld erbaute Kirche, deren Bau 

Seite 325 



Wurzbach0 6 . txt 
am sechsten Jahrestage (2. Marz 1840) des Todes? 
Haksburg — Fra><) 223 Habsburg — Franz 
des Kaisers beschlossen worden war, fuhrt nach 
ihm den Namen „Franzenskirche" . — Neue 

illustrirte Zeitschrift. Illustrirres Volksblatt 1846 
(II. Bd.). Nr. 27: „Die feierliche Enthijllung 
des Denkmals Kaiser Franz I. zu Wien A 
der Abbildung des Denkmals. Dasselbe ist von 
dem lombardischen Kiinstler Pompeo Marchesi. 
Es besteht aus einem langlichen Viereck, worauf 
ein achteckiges Piedestal ruht . Auf der Haupt 
anficht der Grundtheile sind Franzens Worte aus 
seinem Testamente zu lesen.- A .morein mo 
A o M i s mei8. Auf der Rijckseite.- Imx. I A » 
«5<:o I. ?io. A usto. 3?oi'ti. pacitico. I'atri. 
I . Auf jedem 

der erhohten Eckvorspmnge befindet sich ein 
FuBgestell, darauf vier weibliche Bronce« 
statuen, jede mit den entsprechenden Symbolen, 
thronen: die Religion mit dem Stern auf 
der Stirne, das Kreuz an die Brust druckend; 
der Friede mit der Nechtm sich auf ein lorbeerumwundenes 
Schwert stiitzend, mit der Linken 
einen Palmzweig bietend; die Gerechtigkeit 
Schwert und Wage haltend; und die T a p f e v 
keit in der Rechten eine ruhende Keule, in der 
Linken einen Schild mit dem Lowen geziert. 
Die beiden ersten machen mit dem Standbilde 
Front, die beiden andern sind von ihm abge 
wendet . Ihr Hohe ist 1 A FuB, ihr Gewicht 
3t.2t6 Pfund. Aus der Mitte der Grundlage 
erhebt sich ein groBes achteckiges FuHgestell, dessen 
Untertheil mit Eichen« und Olivenlaubgehange 
aus Bronce umkranzt ist. Auf den acht Feldern 
seiner Oberflache find vier mannliche und vier 
weibliche Erzbilder. 11 3 FuB hoch, in erhabener 
Arbeit zu sehen, welche die Wissenschaft , die Kunst, 
die gewerbliche Erzeugung, den Handel, den 
Bergbau, die Viehzucht, den Ackerbau und die 
Kriegskunst symbolisch darstellen. Auf dem Fufi« 
gestell. das in Friese endigt, und auf das noch 
zwei Sockel und eine kleinere Platte gelegt sind, 
erhebt sich nun das Standbild des Kaisers, 
l?'/2 Schuh hoch, 22.300 Pfund schwer, in der 
Linken das Szepter haltend, die Rechte segnend 
geneigt. Das ganze Denkmal, 88.836 Pfund 
schwer, erreicht die Hohe von 47 Wr . FuB. — 
KI. ?ol.) 1846 (4. Quillst), Nr . 575 (vol. VII): 
InauFurktlou, a ' nu NKmuiQynt Z, la Nvmoirs 
as I'i'HiiooiL I ' ' « ' - emporsur a' A utlioko, Is 
16. M n 1846 A mit einer guten, in Holzschnitt 
ausgefiihrten Abbildung des Monumentes von 
M ar ch esi) . — Istvan oaoei un.pt2.r2. 
enclarioiQ 1827.ro. 

n, d. i. StephawKalender auf das Jahr 18»7, 
herauog. von St. Majer (Pesth. s".) S. 40: 
„I A l-eues esa, 82ar ssodra kolosZvarott " , d. i. 
Das Kaiser Franz-Denkmal zu Klausenburg. 
Das Denkmal, eine vierseitige Pyramide, die auf 
einem vierseitigen Sockel ruht, enthalt folgende 
Aufschrift: I bereue? 63 Karolina, A .uFnstH > 
051i52ai>5 5a!gu8Llk 1 t817>06Nl ittisto'K 
— Historische Wilder. „Eine Scene im Parke 
zu Larenburg", gemalt von Peter Fendi, und 

Seite 326 



Wurzbach0 6 . txt 
im Privatbesih Ihrer Majestat der Kaiserin 
Kar lineAuguste. Eine Nachbildung dieses 
Blattes enthalt die von M> Au er ausgegebene 
Zeitschrif t A Faust. 1835. im 6. Hefte. Fendi 
fesselte den Moment in der Zeichnung, da der 
kleine Prinz Franz Joseph von dem Kaiser 
Fr a nz emporgehoben wird, urn eine Banknote 
in die von der Hand der Kaiserin geoffnete 
Patrontasche einer Schildwache zu legen. — 
„Familien-Vereinigung des osterreichischen Kai» 
serhauses im Jahre 1834". Gezeichnet von P. 
Fendi. in Kupfer gest. v o n I . Passini (Wien. 
Neumann, gr. Qu . 4".) . Ein schones und belieb« 
tes Blatt . Die Portrate der allerhochsten und 
hohen Personen, 37 an der Zahl, sind sprechend 
ahnlich. Die Gruppirung ist sehr glucklich. Das 
Original soil sich im Besitze der Kaiserin Mutter, 
Ihrer Majestat Kar lineAuguste, befinden. 

— „Kaiser Franz 1.1792.1806, i8Z5 und sein 
Zeitalter"; historisches Tableau mit Portrat des 
Kaisers in ganzer Figur (Leipzig. Wiedemann, 
Imp. Fol.) . — Portrate. Y Nach dem Brust ' 
bilde von Schiav n i lithogr. (Wien, Spina, 
Fol.); — 2) gestochen von Krepp (ebd.); — 

3) nach Amerling, gestochen von Benedetti 
(Wien. Artana, Fol.) Brustbild; — 

4) Stahlstich von Mayer (Leipzig, Friese, 8«.); 

— ii) punctirt von WeiB (Wien, Ios. Ber« 
mann) ; — 6) punctirt von Wren t (ebd.); — 

7) geschabt von Pichler (ebd., Fol.); — 

8) gezeichnet und lithogr. vonPaalz w (Leip' 
zig, Poenicke, gr. Fol.); — 9) R. Mo rghen 

3e. (1819, Fol.); - 10) nach Schiauoni 

I . Longhi so. (Fol.) les gibt Exemplare vor 

aller Schrift und vor der BordurH; — 11) C. 

Schallhas x.. C. Pfeiffer so. (4".) Huft> 

bild; - 12) Q. M ark 8°. (1792, 4«.); - 13) 

I . Ziterer? . , F.V. Durmer so. (4o.)Halb- 

Figur; — 14) Kuvelwieser p., G. Leyb 

old 20. (Fol.); — 16) I . Kreutzinger p. 

Ot so A aa vivum (Fol.); — 16) auf dem Paradebette, 

lithogr. von Lancedelli (Wien, Neu« 

mann, 4«.) . — Andere bildliche Darstellungen . 

Gubitz' Volkskalender (Berlin, kl. 3«.) auf das 

Jahr 1836, S. 49 u. f.: „Das Arbeitszimmer^ 

Habsburg — F 224 Habs burg — Frani 

deSKaisers Franz I." — Arbeitszimmer Sr. 

Majestat Kaiser Franz I. von Oesterreich zu 

Persenbeug. Nach > der Natur gezeichnet und 

gestochen von Joseph Kowatsch '"ucrgl. darijber 

Theaterzeitung vonA. B a u erle 1833, S. 187 A . 

— Medaillen, gepragt ZU Ehren des Kaisers 
Fraih oder doch in nachster Ie A iehung zu Ihm. 
sin den Klanunern eingeschlossen sind die 
Jahreszahlen der Veranlassung und die Namen 
der Medailleurs . ) 1) Auf deo Erzherzogs, 
nachherigen Kaisers, Vermaluna mit Friede« 

rike Elisabeth, Prinzessin von W u r t t e m« 

berg (1788); — 2) zur Feier der Kronung zum 

romischen Kaiser (14. Juli 1793, I . N. W i r t ) : 

— 3) und 4) zweierlei Opf ermedaillen bei der 
Kaiserkronung ( I . N. W i r t ) ; — N) achteckiger 
Ietwn mit der Inschrift auf der Rijckseite: ?<mi» 
8oi'viL6L Ii6nali8 A ,ux A . rmt ! 62 1792; - 6) 

Seite 327 



Wurzbach0 6 . txt 
Tapf erkeitsmedaille ( I . N. W i r t ) : - 7) auf 
die Geburt des Kronprinzen Ferdinand 

(19. April t<93, I . N. W i r t ) ; - 8) groBe 
Preismedailleder Akademie der bildenden Kunste 

( I . N. W i r t ) ; — 9) auf die Ankunft des Kaisers 

in den Niederlanden (9. April 1794); — 

10) Belohnungsmedaille fur acht Officiere vom 

15. groBbrit . Chevaur-legers-Regimente, welche 

in der Schlacht von Cambray sich ausgezeichnet 

haben (24. April 1794. I . N. W i r t ) ; - 11) 

auf die Huldigung Galiziens (17. August 1796, 

I . N. W i r t ) ; — 12) osterreichische Aufgebots. 

Medaille (1797 . I . N. W i r t ) ; - 13) auf die 

Geburt des Erzherzogs Joseph (9. April 1799. 

I . Donner) ; — 14) auf der Reuersseite: 

valmktas bsue msronti 1801 ( I . N. W i r t ) ; 

— 13) auf die Annahme der osterreichischen 
Kaiserwurde (II. August 1804, I . N. W i r t ) ; 

— 16) Wahlspruch' und zugleich mittlere Civil« 
Ehrenmedaille ( I . N. W i r t . die kleine Medaille: 
Heuberg er) ; — 17) Tapf erkeitsmedaille (wie 

Nr. 6); — 48) Tapf erkeitsmedaille ( I . Har« 

nisch) ; — 19) auf das Uebungslager in Prag 

im Jahre 1804 (A. Guill-emard) ; - 2») 

auf die Errichtung der Iosephstatue (Enthiillung 

am 23. November 1807. I . N. W i r t ) ; - 2«) 

eine zweite aus gleichem Anlasse (Stuckhart) ; 

22) auf des Kaisers dritte Vermalung mit 

M a r i a L udovica von Este (6. Janner 1808, 

I . N. W i r t ) ; — 23) eine zweite aus gleichem 

Anlasse (A. Guillemard) ; — 24) auf die 

Vermalung Marialouisens , Hochter des 

Kaisers Franz, mit Kaiser Napoleon (11. 

Marz 1810, I . Harnisch) ; — 23) aus demselben 

Anlasse (von A. Guillemard) ; — 26) 

auf die drei alliirten Monarchen (1813, Lang); 

— 27) auf die Leipziger Volkerschlacht (1813, 

H. Fueg. e r w v . ) ; — 28) auf das vereinte Wirken 
Oesterreichs und NuBlands (1813,1. S ch m id t); 

— 29) auf den Besuch des Kaisers Frauz in der 
Miinze zu Paris (1«14, Denon. Ga yrard) ; 

30) auf die Anwesenheit des russischen Kaisers 
in Wien (Ottober 1814, I . Harnisch); — 

31) auf die Anwesenheit deS Konigs von Wiirttemberg 
in Wien ( I . Harnisch); — 32) auf 

Europa'S Befreiung durch die Alliirten ( I . 

Endletsberger) ;— 33) auf Tirols Wiedervereinigung 
mit Oesterreich (181«, I . Lang); 

— 34) auf den Besuch deo Kaisers Franz in 
Mtinchen (1813); — 35) auf die Errichtung des 
polytechnischen Institutes in Wien (1813, I . 
Harnisch); — 36) Preismedaille fur das 
Innsbrucker Freuoenschieflen (1816, I . Har» 
nisch); - 3?) auf deS Kaisers Ruckkehr nach 
Wien (181K. I . Harnisch); — 38) eine zweite 

( D e t 1 e r ) ; — 39) auf die Vrrmalung des Kaisers 
mit seiner vierten Gemalin, Karolina 
Augusta (10. November 1816); - 40 bis 41) 
drei Medaillen aus gleichem Anlasse ( I . Harnisch. 
D e t 1 e r , F. Losch) ; — 42) auf des 
Kaisers Bereisungen der Provinzen (1819, I . 
Harnisch); — 43) auf den Wohlthatigkeitssinn 
der Kaiserin Karolina Augusta (1819, I . 
Harnisch);— 44) auf den Besuch des Kaisers 

Seite 328 



Wurzbach0 6 . txt 
Franz bei Papst P i u s V I I . (1820. T. Mer« 
cadetti) ; — 43) auf die Grundsteinlegung 
der Nationalbank in Wien (1821.1. Ha rnisch) ; 
— 4«) auf die Griindung des Veterinar ' Instituted 

(1823, I . Harnisch) ; - 47) Opfer« 
Medaille zur Kronung der Kaiserin als Konigin 
von Ungarn (1823, I . Harnisch); — 48) auf 
des Kaisers Genesung (1826. I . Lang, I . v. 
L u 1. ' am und F. Stuckhart) — und 49) eine 
zweite aus gleichem Anlasse (im namlichen Jahre, 
ohne Angabe des Medailleurs) ; — 30) auf die 
erste Sacularfeier der Hofbibliothek (1826, I . 
Lang); — !il) auf die Wiederherstellung der 
Gratzer Universitat (1827. Heu berg er F . ) ; — 

:>2) auf die Vollendung der neuen Eoinmercial» 
straBe iiber den Karst nach Trieft (1830, F. Put 
i n a t i ) ; — 33) auf den Tod des Kaisers 

(2. Marz 1833, N eu fi). "Vrrgl. Austria. Oesterr. 
Nnioersal ' Kalender (Wien, Klang, gr. 8".) fur 
das I . 1852 (XIII. Jahrg.) S. OXVII. u. f . ; 
und fur das 1.1833 (XIV. Jahrg.) S. OXXIX 
u. f. in beiden Jahrgangen die Abbildungen 
der betreffenden Medaillen, deren im Ganzen 
63 sind.) — Privatbibliothek des Kaisers 
Franz. Dieselbe stieB unmittelbar an seine 
Appartements und wurde von ihm aus seiner 
Prwatschawlle mit betrachtlichen Kosten vermehrt. 
Sie zahlt an 40.000 Bande aus allen^ 
Habsburg — 228 Habsburg — Fran) 
Wissenszweigen . Mit derselben ist auch eine 
reichhaltige Kupf erstichsammlung in Verbindung. 
Diese letztere ist in 950 groBen Cartons aufbewahrt, 
wovon 700 mehr als 13.000 Portrate 

enthalten, iiber welche ein trefflicher Catalog mit 
biographischen Notizen und Randbemerkungen 
uon des Kaisers eigener Hand verfertigt ist. Die 
Kartensammlung umfaBt 3000 Stuck auf Lein» 
wand gespannte Karten und Plane und 407 ge< 
bundene Atlanten "vergl.: Oesterr. National- 
Encyklopadie Bd. I I , S. 181). - 
IV. Cod- und Leichenf eier . Bohemia . Ein 
Unterhaltungsblatt (Prag, 4<>.) 1833, Nr. 37 
und 38: „Der Tod und das LeichenbegangniB 
Kaisers Franz". — Morgenblatt (Stuttgart, 
4 « . ) 1833, S. 296. -A 1 1 g e m e i n e 
Theaterzeitung, herausg. uon Ad. B a u e r 1 e 

(Wien, 40.) 1835 (28. Jahrg.) Nr. 67 und 
76: „Der Katafalk fur Se. Majestat Kaiser 
Franz I. in der Metropolitankirche zu St. 
Stephan". - Dieselbe 1835, Nr. 90.- „Trauer, 
f eierlichkeit m Mailand" sdieses Blatt und die 
amtliche Wiener Zeitung enthalten die authen» 
tischen Berichte iiber die Leichenfeier in Wien 
und an anderen Orten) . 
* * 

9 6. Iran? IV. Joseph Karl Ambros 
Stanislaus, Erzherzog von Oesterreich, 
Herzog von Modena. Masfa und Carrara 
(geb. am 6. October 4779, gest. 21. Janner 
1846) . Sohn des Erzherzogs Ferdinand, 
General-Gouverneurs der Iornbardie, 
und der Maria Beatrix, Herzogin 
von Massa und Carrara. Gemalin: 
Seit 20. Juni 1812 Maria Beatrix 

Seite 329 



Wurzbach0 6 . txt 
(geb. 6. December 1792, gest. 13. Sep. 
tember 1840), alteste Tochter weil. Sr. 
Majestat Victor Emanuel's, Konigs 
von Sardinien. 'Kinder: Maria Theresia 
Beatrix (geb. am 14. Juli 1817), 
vermalt durch Procuration zu Modena 
am 7. November, in Person zu Briick 
an der Mur 16. November 1846, mit 
Heinrich Karl Ferdinand Maria 
Dieudonno, Prinzen von Artois, Her» 
zog von Bordeaux, Graf von Cham» 
bord (geb. 29. September 1820); — 
Franz V. Ferdinand Geminian, Herzog 
von Modena, Maffa, Carrara und Gua> 
v. Wurzbach, biogr. Lexikon. VI. 
stalla (geb. am t . Juni 1819) A siehe d. 
Folgenden^ /—Ferdinand Karl Victor 
von Este ssehe Bd. IV dieses Lexikons 
S. 87^; — und Maria Beatrix (geb. 
am 13. Febr. 1824) vermalt zu Modena 
am 6. Februar 1847 mit dem Infanten 
Don Juan Carlos Maria Isidor de 
Bourbon (geb. am 15. Mai 1822) . — 
Wichtigere A ebensmonttntt : Als er seinem 
Vater in der Regierung folgte, 16. Juli 
1814, war eine seiner ersten Mafiregeln 
die Einfuhrung des Ooaics Vstenso an 
Stelle des Ooas Napoleon. Durch den 
Tod seiner Mutter erbte er die Herzogthumer 
Massa und Carrara, und einen 
Schah von mehreren Millionen. Mit der 
Thronbesteigung Carlo Alberto's in 
Piemont, Ferdinand's I I . in Neapel, 
und mit den Iulitagen in Paris 1830 
stiegen die Hoffnungen der italienischen 
Patrioten. Die Carbonari entfalteten in 
Mittelitalien — Oesterreichs Starke Regie» 
rung in Obentalien hinderte sie, dort zu 
wirken — eine ungeheure Thatigkeit, und 
ihr Oberhaupt, Ciro Menotti, von der 
Huld Franz IV., welcher seine geheimen 
Umtriebe nicht ahnte, begiinstigt, gab am 
3. Februar 1831 zu Modena das Signal 
zur allgemeinen Erhebung. Bald bemach» 
tigte man sich seiner und verhaftete inn; 
jedoch der Aufstand war mit Verhaftung 
des Radelfuhrers nicht unterdriickt, der 
Herzog von Modena und seine Verwandte, 
die Herzogin von Parma, mufiten Zuflucht 
suchen auf osterreichischem Gebiete. Gene» 
ral Frimont, an der Spitze einer 
osterreichischen Heeresabtheilung, ruckte in 
Modena ein, setzte Franz IV. wieder in 
die Rechte seiner Regierung ein, der Procefi 
gegen die Aufriihrer wurde nun aufge» 
nommen, Ciro Menotti und Vincenzo 
B o r e 1 1 i zum Tode verurtheilt und daS 
Urtheil an Beiden am 26. Mai 1831 
vollzogen. Im folgenden Jahre fiel 
13? 

Habsburg — F 226 Habsburg — Franz 
Joseph Nicci ' s Haupt aus gleicher Ursache. 
Viele Andere, die an dem Aufstande 
Theil genommen, waren geflohen und 

Seite 330 



Wurzbach0 6 . txt 
lebten im Exil. Seither war die Regierung 
des Herzogs nicht wieder gestort worden. 
Als er — 67 Jahre alt — starb, folgte 
ihm sein Sohn FranzV. (siehe d. Folgenden) 
in der Regierung. Franz IV. 
war auch osterreichischer General der 
Kavallerie und Inhaber des Kurassier» 
Regiments Nr. 2. 

A a?-1N2 ' , Ltoria, aaiio atkto Nouikno. — A a 
Fa?>lN6i atoria a'ltkUa. aal 1815 L 1830. - 
61«a?ta«<?) Dsi NivolFiinsuti asU'Ita.Ua,. - 
Cesare G a 1 v a n i gab im Jahre 1846 zu Modena 
eine Biographie des GroBherzogs heraus, 
mit Ausziigen aus einem Manuskripte, welches 
Denkwiirdigkeiten des Herzogs Franz von 
Este enthalt . '"Vergleiche dariiber die „Triester 
Zeitung" 1860. Nr. 31 u. d. f.^l — Scharfenberg 

( I . H. A.), Geschichte des Herzog' 
thums Modena und des Herzogthums Ferrara 

(Mainz 1839, Kirchheim, kl. 8«.) S. 278 u. f. - 
Portrait. Stahlstich im „Gothaischen Hofkalender" 

(Gotha, I . Perthes, 8«.). 
97. Iranz V. Ferdinand Geminian, 
Erzherzog von Oesterreich, Herzog von 
Modena, Mafsa, Carrara und Guastalla 

(geb. am l.Juni 1819) . SohnFranziV. 

(siehe d. Vorigen) , aus seiner Ehe mit 
Maria Beatrix, kon. Prinzessin von 
Sardinien. Genmlm. Seit 30. Marz 1842 
diePrinzessinAdelgunde (geb .19. Marz 
1823), Tochter Sr. Majestat des Konigs 
L u d w i g von Bayern. Rinder. Das 
bisher einzige Kind, Anna Beatrix 

(geb. 19. October 1848), ist am 8. Juli 

1849 gestorben, wichtigere Lebensmomente . 

Nach dem Tode seines Vaters, am 

21. Janner 1846, trat Franz V. die 

Regierung an. Seinem Regierungsan« 

tritte folgten alsbald die italienischen 

Bewegungen, welche durch mehrere verlragsmaB ' lge 

Gebietsveranderungen noch 

genahrt wurden. Als am 13. September 

1847 der Herzog von Lucca die Regierung 

niederlegte, siel vertragsmafiig der. 

groBte Theil von Lucca an Toscana, die 

Secundogenitur des Hauses Habsburg- 

Lothringen. Nach denselben Vertragen 

sollte bei Gintritt dieses Anfalles Fivizzano 

von Toscana an Modena abgetre» 

ten werden. Die Fivizzaner aber, welche 

lieber toscanisch bleiben als modenesisch 

werden wollten, baten ihren GroBherzog, 

im bisherigen Verbande mit ihrem 

Stammlande zu verbleiben. Jedoch ihr 

Flehen blieb erfolglos; die Vertrage muii» 

ten in Vollzug geseht werden, und Fiviz» 

zano an Modena kommen, was zuletzt mit 

Anwendung von Waffengewalt geschah, 

wobei jedoch derPapst und Sardinien vermittelnd 

wirkten. Eine noch groBere Erweiterung 

erhielt Modena nach dem Tode 

der Herzogin von Parma, der Kaiserin 

Maria Louise, bei welcher Gelegenheit 

in Parma die vorherregierende Linie der 

Seite 331 



Wurzbach0 6 . txt 
Bourbons eingesetzt ward, den Vertragen 
gemaB aber Guastalla an Modena siel. 
Der Herzog, der friiher schon der 
zunehmenden Bewegungen wegen oster — . 
reichischen Truppenschut z herbeizuruf en 
genothigt war, schloB nun im Februar 
1848 ein feierliches Schutz- und Trut zbundnifl 
mit Oesterreich. Jedoch im Marz 
1848 begannen die Unruhen ernstlicher 
zu werden; die Jesuiten wurden vertrieben 
und der Herzog verlieB das 
Land. Schon am 10. August fuhrten ihn 
osterreichische Truppen wieder in ' s Land 
zuriick. Amnestieacte eroffneten nun. den 
Wiederantritt seiner Regierung, jedoch 
die Gahrung dauerte fort und fiihrte am 
18. November 1848 zu einem Attentate, 
das ein Gutsbesitzer, Bizzali, gegen 
den Herzog vornahm. Als dann der 
Krieg mit Sardinien folgte, begab sich 
Franz V. am 14. Marz 1849 nach 
Brescella, kehrte aber schon im Mai d. I .? 
Habsburg — Franz Joseph ' 227 Habsburg — Fran) Assesh 
in die Hauptstadt zuriick. Seither gewann 
die Ordnung wieder Oberhand im Lande 
und blieb ungetriibt bis zum Ausbruche 
des italienischen Krieges im Friihjahre 
4839, in welchem die zu Maffa und 
Carrara ausgebrochenen Bewegungen den 
Einmarsch osterreichischer Truppen in Mo 
dena zur Folge hatten. Nach der Schlacht 
von Magenta war der Herzog neuerdings 
genothigt, sein Land zu verlassen, und be< 
gab sich vorerst nach Brescella, spater nach 
Mantua. Die revolutionaren Machthaber 
fanden Briefe von ihm, in welchen sich 
die starkste Verachtung gegen Napo> 
leon III. ausspricht und beeilten sich 
dieselben zu verof f entlichen . I n Villa 
franca war zwar die Wiedereinsetzung 
des Herzogs verabredet worden, aber der 
standhafte Protest der von der Revo 
lutionspartei geleiteten Bewohner machte 
diese MaBregel unausftihrbar; spater half 
das von Napoleon erfundene allge< 
meine Stimmrecht einen Ausweg finden 
und Modena wurde Piemont einverleibt. 
Fc^iNl, 8toria, asilo stato romauo. — (?««?- 
iei'io, vsi i-ivoizunsuti asU'ItaUa. — A a 
Fkn'na, stari». d'ltaUa aal 1815 ai 1830. - 
Manner der Zeit. Biographisches Lexikon der 
Gegenwart . Erste Serie (Leipzig 1860, Carl B. 
Lorck, 4".) S . 47!. - HlonianeNl, KIsNoris 
Loxra Ita.Ua. — Portrat. Graues 5 oo V., 
Nach G 6 b e 1 lithogr. von Gobel und Bauer 
(Wien. Ios. Bermann, gr. Fol>, mit Goldreif) . 
9 8. Iranz Joseph I., Kaiser von 
Oesterreich (geb. in Wien am 43. August 
4830) . Sohn Ihrer kais. Hoheiten des 
Erzherzogs Franz Karl ssiehe d. Folg.^j 
und der Frau Erzherzogin Sophie. 
Gmalin: Seit 24. April 1834 Slisabeth 
Amalie Eugenie, kon. Prinzessin 
in Bayern ss. Nr. 73) . Rinder: Sophie 

Seite 332 



Wurzbach0 6 . txt 
(geb. zu Wien am 3. Marz 4833, gest. 
29. Mai 1837); - Gisela (geb. zu 
Laxenburg am 12. Juli 1836); — Ru . 
dolph (geb. zu Laxenburg am 2t . August 
1838) . Wahlspruch: »ViribuL unitis«. 
Wichtigere Lebensmommte . Die Leitung und 
Oberaufsicht der Erziehung fuhrte als 
Ajo des kais. Prinzen Graf von Vom« 
bell es. Im Jahre 1848 begab sich der 
junge Erzherzog als Oberst und Inhaber 
des Dragoner-Regiments Nr. 3 auf den 
italienischen Kriegsschauplat z , wo er unter 
den Augen des Feldmarschalls Radetzky 
seltene Beweise von Thatmmuth und 
personlicher Tapferkeit ablegte. Da brach 
das Jahr 1848 und mit ihm eine Zeit 
herein, in welcher in Oesterreich in weni» 
gen Monaten mehr Geschichte gemacht 
wurde, als vordem in Iahrzehenden . Es 
War, als wollte man das Versaumte urn 
jeden Preis nachholen. I n solcher Zeit war 
ein starker Arm und ein junger thaten» 
kraftiger Geist an der Spitze des Staates 
Vonnothen. Da des Kaisers Ferdinand 
Ehe kinderlos geblieben, so war 
schon auf den jungen Erzherzog seit vielen 
Jahren die Hoffnung der Volker Oester« 
reichs gerichtet, und ehe man es erwartet, 
war der Augenblick erschienen, in welchem 
der junge Prinz die Last der Krone auf 
sein Haupt driicken sollte. Seit den Tagen 
der groBen Maria Theresia hatte 
wohl kein Monarch unter drohenderen 
Verhaltnissen der auBeren Politik und 
grofierer Gahrung im eigenen Staate die 
Ziigel der Regierung ubernommen. Nachdem 
Kaiser Ferdinand nach Resig» 
nation seines Bruders. Erzherzogs Franz 
Karl, am 2. December 1848 zu Gunsten 
seines erlauchten Neffen Franz Joseph 
in Olmiitz die osterreichische Kaiserkrone 
niedergelegt , iibernahm dieser, ,18 Jahre 
alt, die Regierung. „Lebewohl Jugend'" 
soil damals der junge Fiirst ausgerufen 
haben, und getragen von der Begeisterung 
und Liebe seiner Volker, welche auf ihn^ 
Habsburg — Fraw Joseph 228 Habsburg — Fran) Joseph 
alle Hoffnungen setzten, ergriff er mit 
jungerHand das Kaiserscepter . MitKaiser 
Franz Joseph beginnt in Oesterreichs 
Geschichte eine neue Aera: Der Abbruch 
des a 1 t e n morschen, der 
Aufbau des neuen Oesterreich. 
Bei dem volligen Mangel an Selbst ' 
bestimmung, durch den Oesterreichs Volksstamme 
den friiheren Verhaltnissen zu 
Folge so weit zuriickgeblieben, war es 
eine der schwierigsten Aufgaben, ' sie derselben 
vorbereitet entgegenzuf iihren . Eines 
vollen Iahrzehendes hat es zur Losung 
dieser schwierigsten aller Aufgaben be< 
durf t . Den italienischen Krieg, der bereits 
1848 begonnen, hatte Radetzky 
siegreich zu Ende gefuhrt; das auf standische 

Seite 333 



Wurzbach0 6 . txt 
Wien war noch vor des Kaisers 
Franz Joseph Regierungsantritte von 
Win dischg ratz zur Ordnung gebracht 
und iiber die Radelsfuhrer strenges Gericht 
gehalten worden; in Ungarn aber 
wiithete noch fort der Kampf. Dasselbe, 
den Thronwechsel nicht anerkennend und 
von Oesterreich vollig sich lossagend, stellte 
eine groBartige Revolutions>Armee auf. 
Der junge Kaiser wohnte dem Kampfe in 
Person bei und gesellte zu den in Italien 
von dem Erzherzoge erworbenen Lorbeeren 
neue bei Raabs Ersturmung. Eine Zusammenkunst 
des Kaisers mit Kaiser Nikolaus 
in Warschau am 21. Mai 1849 bereitete 
nunmehr den Einmarsch der Russen 
in Ungarn vor, und im August 1849 war 
dieses unterworfen. Nun erst konnte an 
das Werk des Friedens und an den Auf« 
bau des neuen Oesterreich geschritten wer« 
dem Wenn hier von einem neuen Oesterreich, 
der Nothwendigkeit eines solchen 
und der Unhaltbarkeit des alten gesprochen 
wird, so stiitzen wir uns nur auf die 
Ansicht eines beriihmten und von Patriotismus 
durchgliihten Staatsmannes . 

Ficquelmont sagt in seiner Schrift: 
„RuBlands Politik und die Donau-Fiir» 
stenthumer" (Wien 1834) S. 49: „Es 
ist in Oesterreich zur Revolution gekommen, 
weil die Regierung der Bewegung 
des Fortschrittes , in welche die allmalige 
Modisication der Sitten und neu 

auf tauchenden Bediirfnisse die Staatsverwaltung 
nothwendiger Weise versetzt 

hatten, fremd geblieben war. Die Regierung 
war dahinter zuriickgeblieben und 

fand sich dadurch gewissermaften abgeschnitten" . 
Es gait also, dafl die Regierung 
selbst in die Bahn des Fortschrittes 
trete, und einerseits den ihr bekannt 
gewordenen Bedilrfnissen der ein» 
zelnen Volksstamme gerecht werde, andererseits 
die durch den letzten Biirgerkrieg 
und die demselben vorangegangene 
Lethargie alles politischen Lebens gelockerte 
Staatseinheit , dem Wahlspruch 
des Kaisers gemaB : viridus unitiS) 
festige. Indem also das Einheitsprincip 
in den Vordergrund gestellt wurde, muBte 
die alte Verfassung Ungarns, das iibrigens 
durch seinen offenen Aufruhr gegen den 
rechtmaBigen Konig sein friiheres Recht 
verwirkt hatte, zunachst fallen. Die Auf- 
Hebung dieser Verfassung war fur das 
Land selbst die groBte Wohlthat, denn 
diese Verfassung war weniger ein Inbegriff 
von alten Rechten, als ein in Jahrhunderten 
zusammengewachsenes Con» 
glomerat von Gewohnheitsunrechten, das 
dem einen Theile, dem Adel, Alles gab, 
dem andern, dem Volke, Alles nahm. 
Die constitutionellen Formen aber, welche, 
so lange Graf Stadionim Cabinete 

Seite 334 



Wurzbach0 6 . txt 
thatig war, fur den Gesammtstaat in 
Ausfuhrung gesetzt werdensollten, wurden, 
da es einen, den verwickelten Verhaltnissen 
der Monarchie entsprechenden, 
jedoch moglichst einfachen Modus erst zu 
finden gait, vorderhand beseitiget; hin« 
gegen an der Durchfuhrung des gleich«^ 
Sabsburg — Franz Joseph 229 Oabsburg — Fraw Foseph 
formigm Centralisationssystems, 
als deffen Schopfer Minister Bach eine 
bleibende und vielbedeutende Stelle in der 
Geschichte Oesterreichs behauptet, energisch 
gearbeitet. Darin, was Einigen als Riickschritt 
gait, und von den Gegnern auf das 
heftigste bekampft wurde, erkannten und 
erkennen noch alle wahren Patrioten den 
eigentlichen Fortschritt, ja die erste und 
wahre Grundfeste eines solchen fur den 
Kaiserstaat in seiner Gesammtheit . Unter 
den innern Reformen sind, da noch unter 
Kaiser Ferd in and durch das Gesetz vom 
Z.September 1848 dieAufhebung des 
N n t e r t h anen-Verbandes und die 
dadurch gewahrte Gleichstellung und Entlastung 
alien Grundes und Bodens ausgesprochen 
worden war, besonders hervor» 
zuHeben: das Gesetz vom 4. Marz 1849 
mit der es erganzenden Verordnung vom 
10. September 1831, durch welche liber 
Art und Mali der zu leistenden billigen 
Entschadigung, und wie diese letztere fur 
die Berechtigten moglichst bald fliissig 
gemacht werden konne, die naheren Be> 
stimmungen festgesetzt wurden. An den 
durch diese Gesetze ausgesprochenen Grundsatzen: 
der Anerkennung der Menschenrechte 
in dem seit Jahrhunderten in tiefer 
Erniedrigung hinsiechenden Bauernstande 
und des allgemeinen Rechtsprincipes der 
billigen Entschadigung, wurde in dem 
mannigf altigen Wechsel der Verwaltungs« 
methode unerschiitterlich festgehalten und 
dadurch der Grund zu jener Wohlfahrt 
gelegt, zu welcher der Kaiserstaat alle 
Mittel in sich tragt und in Erreichung 
derselben durch eine weise Gesetzgebung 
gefordert werden kann. Die allmaligen 
Veranderungen, und in denselben die 
Entwickelung der politischen Verwaltung; 
ferner die zahlreichen Reformen in alien 
Gebietendes offentlichen Lebens; die historischen 
Momente nach innen und auBen; 
den Fortschritt im Culturseben der zahl« 
reichen Volksstamme, welche Oesterreichs 
Scepter unter sich vereiniget, im Zusam« 
menhange darzustellen, und in alien 
diesen sich oft verwirrenden Einzelhei» 
ten den wahren Fortschritt zu erkennen, 
ist die schone aber schwierige Aufgabe des 
Historikers und rnufl diesem iiberlassen 
bleiben. Die Aufgabe dieses Werkes ist, 
dem Forscher das Materials, das er wissenschaf tlich 
verarbeiten soil, zuzufuhren; 
demnach, getreu dem Zwecke der in diesem 

Seite 335 



Wurzbach0 6 . txt 
Werke in analogen Fallen beobachteten 
Darstellung, wahle ich auch hier die Methode 
der chronologischen Aufzahlung der 
wichtigsten, seit dem 2. December 1848, 
als dem Tage des Regierungsantrittes 
Sr. Majestat, vorgekommenen Geschehenisse . 
Sie bilden einerseits die eigentlichen 
Stiitzpuncte des Regentenlebens, andererseits 
erleichtern sie in der groBen Menge 
der Thatsachen die Orientirung. Dabei 
wurde sich an die Tagesdaten der Ereignisse, 
der Kundmachung oder auch der 
Sanctionirung der Allerhochsten Anordnungen 
gehalten; und zwar sowohl an 
die, die Person des Monarchen zunachst 
betref f enden, so wie an jene von allgemeiner 
Bedeutung, in welchen die Regen» 
tenthatigkeit iiberhaupt sich abspiegelt. 
Chronologie der Aegimmg 5x. Najestal 
des Misers Fxanz Iostpl). 1848. 2. De> 
cember: Regierungsantritt Sr. Maje» 
stat. — 3. December: Kaiserliches 
Patent, daB die Befreiung des Adels von 
der Militarpf licht aufzuhoren, die Aus« 
Hebung der Militarpf lichtigen durch das 
Loos zu geschehen habe und das stellungspf lichtige 
Alter mit dem 20. Jahre beginne, 
mit dem vollstreckten 26. ende . — 
10. December: wurde die Errichtung 
einer Handelskammer fur Wien angeordnet . 

— 13. December: Kaiserliches 

Patent, stellt das Patriarchat und die? 

Habsburg — Fraly Joseph 230 Badsburg — Fraw Joseph 

Wojwodschaft der serbischen Nation wieder 

her. — 21. December: Der fach« 

sischen Nation in Siebenbiirgen wird ihr 

Wunsch, unmittelbare Unterstellung unter 

die Krone, gewahrt . — 23. Decem« 

ber: Eine kais. Verordnung stellt den 

Wirkungskreis des obersten Militar-Gerichtshof es 

fest. — 27. December: 

Einnahme von Raab. 

1849. I n der Nacht vom 4. auf 

den 3. Janner: Flucht Kossuth's 

nach Debreczin. — 6. Janner: eroffnet 

Kossuth den Debreczinern, daB der 

Sitz der ungarischen Regierung nunmehr 

in ihrer Stadt sei. — 8. Ja nner: Kaiserliche 

Verordnung, welche den Reichs« 

tagsbeschluB vom 3. Janner 1849 betreffs 

eines Staatsanlehens genehmiget . — 21. 

Janner: steht Bern vor Hermannstadt . 

— 22. Janner: riickt Feldmarschall- 
Lieutenant Baron Csorich in Schemnitz 
em. — 12. Februar: Allerhochste Ent« 
schlieBung, betreffend die Annahme des 
Wahlspruches Sr. Majestat: „Viridus 
imitis". — 14. Februar: Die Festung 
Effeg capitulirt und General«Ma jor 
Trebersburg, der schon am 30. Jan« 
ner ihre Vorstadte mit Sturm genom« 
men, besetzt sie mit seinen Truppen. — 
4. Marz: Kaiserliches Manifest, lost 
den in Kremsier versammelten Reichstag 

Seite 336 



Wurzbach0 6 . txt 
auf; derselbe hatte am namlichen Tage 
angekijndet, daB der Entwurf der Consti» 
tution geschloffen sei und die nachste 
Sitzung am 13. stattfinden solle, fur 
welche die erste Lesung der Konstitution 
auf der Tagesordnung stand; aber un« 
mittelbar der letzten Sitzung vom 6. 
folgte die Auflosung mit Ertheilung einer 
Staatsverf af f ung, welche kais. Manifeste 
vom 4. Marz datirt waren. Kaiserliche 
Patente vom namlichen Tage ordnen die 
Durchfiihrung der Aufhebung des Unterthansverbandes 
und Entlastung des Grun> 
des und Bodens, die Einfiihrung eines 
allgemeinen Reichsgesehblattes, sowie der 
Landesgeset zblatter an. — 7. Marz: 
Kaiserliches Patent, regelt die Ausiibung 
der Iagdgerechtigkeit . — 12. Marz: 
Nachdem der am 9. August 184 8 abge« 
schlossene Waf f enstillstand von den Piemon« 
tesen gekiindigt worden war, erscheint das 
beriihmte Manifest des Feldmarschalls 
Radetzky. — 13. Marz: Kaiserliches 
Patent gegen den Miflbrauch der Presse. 
Grillparzer erhalt den Leopold« 
Orden; der erste osterreichische Poet, der in 
Oesterreich diese Auszeichnung empfangt. 

— 17. Marz: Kaiserliche Patente, ein 
provisorisches Gemeindegeset z erlassend 
und die Ausiibung "des freien Affocia» 
tions. und Vereinigungsrechtes regelnd. 
—20. Marz : Neues Gemeindegesetz; 
demselben folgen das PreB- und 

Af f ociationsgeset z . Am namlichen Tage in 

der Lombardie urn 12 Uhr Mittags For« 

cirung des Gravellone«Ueberganges . — 

21. Marz: Schlacht bei Mortara. — 

23. Marz: Schlacht beiNovara. Victor 

Em anuel bittet nach Abdankung Karl 

Albert's, seines Vaters, urn Waf f enstillstand. 

- 24 . auf den 23 . Marz : 

Schlacht bei Casale. So war der am 19. 

eroffnete Feldzug in sechs Tagen beendet . 

Der Gesammtverlust betrug an Todten: 

1 StabSoff icier , 13 Oberof f ioiere, 467 von 

der Mannschaft; an Verwundeten: 2 Ge« 

nerale, 7 Stabs-, 1140berof f iciere, 2013 

von der Mannschaft; an VermiBten und 

Gefangenen: 4 Oberof f iciere und 1136 

von der Mannschaft. — 26. Marz: 

Waf f enstillstand zwischen Radetzky und 

Victor Emanuel. — 12. April : 

Abberufung des Fiirsten Windisch- 

Gratz von dem Obercommando in 

Ungarn und Ernennung des Freiherrn von 

Welden an seine Stelle; Minister Stadion 

nimmt Krankheit halber zeitlichen^ 

urg — Fraw Foseph 23 j Habsburg — Fraiy Foseph 

Urlaub und Iustizminister B a ch besorgt 

einstweilen die Geschafte seines Ministe« 

riums . — 44. April : Der ungarische 

Landtag in Debreczin erklart das Haus 

Habsburg-Fothringen der Krone Ungarns 

verlustig und seht den Agitator-Kossuth 

Seite 337 



Wurzbach0 6 . txt 
als Regierungsprasidenten an die Spitze 
des Landes. — 20. April : wird im 
Gemeinderathe die Radet zky«Stif tung 
beschlossen. — 30. April : Beginn der 
Sitzungen der Episcopal«Synode, welche 
.sich in Wien auf Grundlage der Para» 
graphe 2 und 4 der Verf assungsurkunde 
zur Regelung der Rechte der katholischen 
Kirche in Oesterreich versammelt. Am 
namlichen Tage ubernimmt der Kaiser 
personlich den Oberbefehl iiber sammtliche 
Kriegsheere Oesterreichs . - A 4 . M a i : 
fordert Gorgey den General He ntzi in 
Ofen auf, sich zu ergeben, — 3. Mai: 
Der Kaiser trifft unerwartet von Olmiitz, 
wo er seit dem 2. December residirte, 
6 Uhr Morgens in Schonbrunn ein. — 
6. M a i : halt der Kaiser die erste groBe 
Revue in Wien ab, empfangt die Depu» 
tationen des Wiener Gemeinderathes und 
Magistrates und kehrt dann nach Schon« 
brunn zuriick. — 12. Mai: Procla« 
mation an die Volker Ungarns, welche 
verkiindet, daB Oesterreich die Hilfe RuB» 
lands in Anspruch nimmt, urn den Aufstand 
in Ungarn zu bewaltigen. — 
17. Mai : Allerhochstes Handschreiben, 
enthebt den Grafen Franz Stadion 
seines Leidens wegen ganzlich seines 
AmteS und Minister Bach besorgt wie 
bisher sein Portef euille . — 20. Mai: 
Reise des Kaisers nach Warschau zum 
Besuche des Kaisers Nikolaus; — 23. 
Mai: Riickkehr. — 21. Mai: Katastrophe 
in Ofen. Ein Bataillon Ceccopieri 
verrath die Festung. Hentzi stirbt, ein 
zweiter Zriny. Oberst Alnoch sprengt 
sich mit noch 10 Officieren in die Luf t . 
—28. Mai : Einnahme des Forts 
Malghera nachst Venedig. — 30. Mai : 
Enthebung W elden's vom Armee«Obercommando 
in Ungarn und Uebertragung 
desselben an Feld marsch all« Lieutenant 
Baron Haynau. — 2. J u n i : Ernen» 
nung des Grafen Gyulai zum Kriegs« 
minister an Stelle des Freiherrn von 
Cordon, der urn seine Enthebung an« 
gesucht. — 8. J u n i : Kaiserliche Verordnung, 
welche die Errichtung der Gens« 
d'armerie im Kaiserstaate genehmiget . 
SiegdesBanus Je llaoi 6 beiNeusatz.— 
10. J u n i : Sieg des Banus bei Csasz 
iiber Perczel. — 14. J u n i : Kaiser« 
liche Entschliefiung, genehmiget die Grund» 
ziige der neuen Gerichtsverf assung . — 
17. und 18. J u n i : iiberschreitet die 
russische Armee die ungarische Grenze an 
vier Puncten zugleich. — 26. J u n i : 
Kaiserliche Verordnungen genehmigen die 
Organisationen der Gerichte in Ober» 
und Niederosterreich, Salzburg, Bohmen, 
Mahren und Schlesien, Tirol und Vorarlberg.— 
Der Kaiser reist in Gemeinschaft 
des Erzherzogs Ferdinand Max zur 

Seite 338 



Wurzbach0 6 . txt 
Armee nach Ungarn ab . — 3 . J u 1 i : 
Debreczin ergibt sich den Russen, ihnen 
aufsechs Stunden Entfernung die Schliissel 
der Stadt uberbringend. — 4. J u 1 i : 
Riickkehr des Kaisers nach Schonbrunn.— 
13. und 16. J u 1 i : Blutige Kampfe 
bei Walzen. — 19. J u 1 i : Merkwurdige 
Proklamation Haynau ' s an die Juden» 
gemeinden in Pesth und Ofen, womit 
denselben eine groBe Requisition an 
Monturs« und Ruf tungsf tiicken auferlegt 
wird. — 24. J u 1 i : Eintreffen der 
ersten Russen in Wien. — 23. J u 1 i : 
Kaiserliche Verordnungen genehmigen die 
Organisirungen der Gerichte in Steier» 
mark, Karnthen und Krain. — 28. J u 1 i : 
Veranderungen im Ministerium: Bach, 
Minister des Innern; Graf Thun,^ 

Habsburg — Fraw Joseph 23 2 Habsburg — Fraw Joseph 
Minister des Unterrichts und Cultus; 
Ritter von Schmerling, Minister der 
Justiz; Furst Schwarzenberg bleibt 
Ministerprasident . — 30. J u 1 i : verlaBt 
Kossuth Szegedin. — 31. J u 1 i : 
Schlacht und Sieg iiber B em bei Schasbiirg. 
General Skariatin fallt in der 
Schlacht. — 4. August: Kaiserliche 
Verordnung genehmiget die Organisation 
der Gerichte in Gorz, Gradisca, Istrien 
und in Trieft. — 6. August: Friedens» 
schluB mit Sardinien.— 7. August: 
Kriegsrath inAlt-Arad, wohin Kossuth 
aus Debreczin geflohen war; an Arthur 
Gorgey wird die militarische Dictatur 
iibertragen. — 8. August: Ueber An« 
trag der kais. Akademie der Wissenschaf' 
ten Organisirung eines meteorologischen 
Beobachtungssystems . — 9. August: 
Sieg und Entsatz von Temesva.r. — 
43. August: Waf f enstreckung bei Villagos; 
Gorgey ergibt sich dem Russen» 
General Riidiger. — 16. August: 
Kaiserliche Verordnung, genehmiget die 
provisorische Advocatenordnung . — 17. 
August: Capitulation d er Festung Arad. 

— 24. August: Uebergabe von Venedig. 

— 31. AUHU st: Einfuhrung der Einzelhaft 
fur Untersuchungsgef angene und 

zu hochstens einjahriger Gefangnifi strafe 

Verurtheilte . — 4. September: Einnahme 

der Festung Munkacs von 6ster« 

leichischen und russischen Truppen. — 

7. September: Uebergabe der Festung 

Peterwardein an den Banus von Eroa» 

tien. — 8. September: Eroffnung 

''der ersten Ackerbauschule zu Kritzendorf 

nachst Klosterneuburg . — 11. Sep« 

tember: Kaiserliches Patent, welches 

eine provisorische Vorschrift iiber die Bildung 

von Geschwornenlisten fur PreB: 

gerichte erlaBt. — 13. Sep tember: trifft 

Radetzky in Wien ein. Neue Anleihe. 

— 13. September: Eroffnung der 
Staatseisenbahn von Cilli nach Laibach. 

Seite 339 



Wurzbach0 6 . txt 

— 16. September: Genehmigung 

des Entwurfs der Organisation der Gymnasien 

und Realschulen. Durchfuhrung 

der Grundentlastung fur Steiermark. — 

18. September: verof f entlicht die 

Wiener Stadthauptmannschaf t das Ver» 

zeichniBder Ma jestatsverbrecher und Hoch» 

verriither, die des bewaffneten Aufstandes 

in Ungarn schuldig erkannt wurden. — 

21. September: erreicht Kossuth 

auf seiner Flucht die turkische Stadt 

Widdin. — 23. September: Reform 

des bestehenden Brief» und Fahrpost« 

tarifes und Herabsetzung des Portos. — 

29. September: Fall der Festung 
Komorn. — 6. October: Gericht 

iiber die Insurgenten in Ofen und Arad. 

— 9. October: Gestattung der Be« 
niitzung des Staatstelegraphen zu Pri» 
vatcorrespondenzen . — 13. October: 
Patent iiber die neue Regulirung der 
Grundsteuer. — 14. October: Rege» 

lung des Studienwesens , der juridischen, 

staatswirthschaf tlichen, medicinischen und 

philosophischen Facultat. — 16. October: 

Allerhochster Armeebefehl, eine neue 

Eintheilung der Armee und Vereinf achung 

der Militaradmimstration anordnend. — 

20. October: Kaiserliche Patente, 

betreffend die Einfiihrung des Grund« 

steuer»Katasters und eines Grundsteuer' 

Provisoriums in Ungarn und Sieben» 

biirgen. — 29. October: Kaiserliches 

Patent, betreffend die provisorische Ein« 

fiihrung einer (Vermogens-) Einkommen» 

steuer. — 31. October: Kaiserliches 

Patent, welches den Grundsteuer . Kataster 

in Croatien, Slawonim, im Kiistenlande 

und in Fiume einfiihrt. — 15. Novem» 

ber: Genehmigung zur Errichtung der 

geologischen Reichsanstalt . — 18. No» 

vember: Reise des Kaisers nach Prag, 

von welcher Se. Majestat, am 26. d. M.^ 

Habsburg — Fraw Zoseph 233 Habsburg — Franz Joseph 

zuriickkehrt . Kaiserliches Patent, betref> 

fend die Organiflrung der serbischen Woj> 

wodschaft und des Temeser Banates. — 

2. December: Kaiserliches Patent, 

welches den Franz Ioseph-Orden stiftet. 

30. December: Kaiserliche Patente, 
womit Landesverf assungen und Landtags« 
Wahlordnungen fur Nieder- und Ober» 
osterreich, Salzburg, Karnthen, Kram, 
Steiermark, Tirol und Vorarlberg, Bohmen, 
Mahren und Schlesien verkiindet 

werden . 

1850. 43. Janner: Kaiserliches 

Patent, welches eine allgemeine Wechsel 

ordnung fur den ganzen Kaiserstaat kund» 

macht . — 17. Janner: Kaiserliches 

Patent, welches eine neue StrafproceBordnung 

kundmacht . — 18. Janner: 

Organisation und Einfiihrung der Gens« 

d'armerie. — 22. Janner: Landesverf assung 

Seite 340 



Wurzbach0 6 . txt 
fur Mahren. — 23. Janner: 

Kaiserliches Patent, welches die Landes» 
Verfassung und Landtags»Wahlordnung 
fur Gorz, Gradisca und Istrien verkun« 
det . — 5. Februar: ErgebniB des 4 A - 
percentigen Anlehens mit 74,218.600 fl. 
— 13. Februar: Durchfiihrung der 
Grundentlastung in Oesterreich unter der 
Enns . — 1. Marz: Anweisung einer 
Summe von 630.000 fi. fur die in den 
Octobertagen 1848 in ihrem Eigenthume 
empfindlich Beschadigten . Der 
Gesammtschaden betrug nach Anmeldung 
4,802.709 fl, 3 1 A kr., nach Richtigstellung 
3,143.898 fi. - 3. Marz: Erste 
Sitzung der geologischen Reichsanstalt . — 
,7. Marz: Kaiserliches Patent, hebt die in 
Bohmen, Mahren und Schlesien bisher 
ausgeiibte berggerichtliche, berglehens» 
amtliche und bergpolizeiliche Patrimonial« 
Verwaltung auf. — 48. Marz: Sanction 
des Gesetzes zur Errichtung von Handels» 
und Gewerbekammern in alien Kronlan» 
dem der Monarchie. — 24. Ma rz: Kundmachung 
der am 9. Marz sanctionirten 
provisorischen Gemeindeordnung fur die 
Stadt Wien. — 2. April : Vertheilung 
des Maria Theref im-Ordens an die Hel« 
den der Armee in Gegenwart der ganzen 
Wiener Garnison. — 7. April : Kaiserliches 
Patent, setzt die Stellung fest, welche 
Croatien, Slawonim, das Kiistenland 
und die Stadt Frame im Kaiserstaate 
einzunehmen haben. — 42. April : Kai« 
serliches Patent, verkiindet die Verfassung 
der reichsunmittelbaren Stadt Trieft. — 
48. April : Sanction der Beschliisse 
liber die mit den katholischen Bischofen 
wegen Regelung der katholischen Angelegenheiten 
gepflogenen Verhandlungen 
und Feststellung des Verhaltnisses der 
katholischen Kirche zur Staatsgewalt . — 
—23. April : Sanction des Gesetzes 
tiber die Beziehungen der katholischen 
Kirche zum offentlichen Unterrichte. — 
7. Mai : Kaiserliches Patent, genehmiget 
das neue Grundgesetz fur die cro arisch» 
slawonische und banatisch-serbische Mili» 
targrenze. — 8. Mai : Reise des Kai» 
sers nach Triest; Ruckkehr am 22. Mai. 
—7. J u n i : Kaiserliches Patent, hebt 
die Zwischenzolllinie zwischen Ungarn und 
den ubrigen Kronlandern auf; diese Auf> 
Hebung tritt mit 1. October ein. — 16. 
J u n i : Kaiserliches Patent, verkiindet die 
Bestimmungen iiber die fernere Leitung 
der TheiBregulirung und bewilliget zu 
diesem Zwecke durch fiinf Jahre jahrlich 
100.000 st. aus Staatsmitteln. - 18. 
J u n i : Kaiserliches Patent, erlaflt fur 
Ober» und Niederosterreich, Salzburg, 
Steiermark, Karnthen, Krain, Gorz, 
Gradisca, Trieft. Tirol, Vorarlberg, 
Bohmen, Mahren, Schlesien eine neue 

Seite 341 



Wurzbach0 6 . txt 
Iurisdictionsnorm. — 20. J u n i : Aus . 
gabe des Verordnungsblattes fur Posten, 
Eisenbahnbetrieb und Telegraphen. — 
28. J u n i : Kaiserliches Patent, welches? 
Habsburg — Fran.; Joseph 234 Oabsburg — Fran.; Zoftph 
fur die osterreichischen Erblander ein 
organisches Gesetz iiber die Gerichtsstellen 
erlaflt. — 4. J u 1 i : Kaiserliche Verordnung, 
welche die Reform der Iustizorga« 
nisation in Siebenbiirgen festsetzt. — 
3. J u 1 i : Erste offentliche und mundliche 
Strafverhandlung bei der ersten Section 
des Bezirksgerichtes fur die innere Stadt. 
A - 9. J u 1 i : Enthebung des FeldzeugmeisterS 
Baron Ha'ynau von seiner 

Stelle als Befehlshaber der dritten Armee 
und Versetzung in den Ruhestand. — 
10. J u 1 i : Kaiserliches Patent, womit 
ein Provisor, organisches Gesetz fur die 
Staatsanwaltschaf ten erlassen wird. — 
41. J u 1 i : Kundmachung einer Aller« 
hochsten Entschliefiung vom 9. Juli, welche 
409 politische Verbrecher, die in Ungarn 
und Siebenbiirgen sich an der Revolution 
betheiligt, amnestirt. — 46. Juli: Graf 
Gyulai wird iiber sein Ansuchen von 
der Leitung des Kriegsministeriums ent« 
hoben.. — 47. Juli: Kaiserliche Verordnung, 
welche die Iustizorganisation Dal« 
matiens festsetzt. — 27. Juli : Amnestie 
fur 83 am Wiener October-Auf ruhr Betheiligte. 

— 4. August: Zwischen Wien 

und Oderberg treten fahrende Postamter 

in Thatigkeit. — 2. August: Kaiserliches 

Patent, welches fur Ungarn und 

seine friiheren Nebenlander ein provisorisches 

Gebiihrengeset z erlaBt. — 7. 

August: Kaiserliches Patent, betreffend 

die Organisation des obersten Gerichts« 

und Caf f ationshof es . — 25. Septem« 

ber: Kaiserliches Patent, stellt die Grundsatze 

fest, nach welchen bei der Leistung 

der Capitalsentschadigung fur alle in 

Folge der Durchfiihrung der Grundentlastung 

aufgehobenen und ablosbaren 

Beziige vorzugehen ist.— 29. Septein» 

ber: Reise des Kaisers zum Armeecorps 

in Vorarlberg, von welcher er am 48. 

October in Schonbrunn eintrifft. Kaiserliches 

Patent, welches fur die Erblander 

eine Notariatsordnung erlaBt. Eine kaiserliche 

Verordnung genehmiget die pro» 

visorische Grundbuchsordnung fur Croatien 

und Slawonien. Kaiserliche Patente, 

durch welche die Landesverf af f ungen und 

Landtags «Wahlordnungen fur Galizien 

und Lodomerien, Zator und Auschwitz, 

Krakau und fur die Bukowina erlassen 

werden. Sanction der provisorischen un« 

garischen Rechtsakademien und der Rechts, 

akademie zu Agram. — 3. October: 

Eroffnung des Militar-Emtral-Equitationsinstitutes . 

— 9. October: Erste 

offentliche Gerichtsverhandlung bei dem 

Seite 342 



Wurzbach0 6 . txt 
Caf f ationshof e . I n diese Zeit fallt die 
beriichtigte Brochure der „Bekenntnisse 
eines Soldaten" . — 34. October: Organisation 
der hohen landwirthschaf tiichen 
Lehranstalt zu UngarischKAltenburg . — 
6. November: Gerichts ' Organisation 
der Konigreiche Galizien und Lodomerien, 
der Herzogthumer Auschwitz 
und Zator, des Grofiherzogthumes Kra» 
kau und der Bukowina. — 24. Octo« 
ber: Reise des Kaisers nach Warschau, 
von welcher er am 29. October in Wien 
eintrifft. — 26. October: Verof f entlichung 
des am 3. October sanctionirten 
Vortrages, nach welchem die evange« 
lisch . protestantische Lehranstalt in Wien 
die BefugniB erhalt, Doctoren der evan« 
gelischen Theologie zu ernennen. — 
34. October: Kundmachung der am 
8. October sanctionirten Reorganistrung 
der Wiener Kunstakademie . — 4. No« 
vember: Der neue osterreichische Kunst» 
verein eroffnet seinen Salon. — 9. N o« 
vember: Verof f entlichung (in der Wiener 
Zeitung.) iiber den Stand der 
deutschen Angelegenheiten und PreuBens 
Stellung. — 48. November: constituirt 
sich in Wien der neuerwahlte Ge° 
meinderath. — 22. November: Kaiser-? 

Habsburg — Fraw Joseph 138 Habsburg - - Franz Zoseph 
liches Patent, durch welches daS Tabak« 
monopol in Ungarn und seinen friiheren 
Landern eingefuhrt und die provisorische 
Tabakmonopols ' Ordnung vom 1. Marz 
1831 in Wirksamkeit gesetzt wird. - 27. 
November: Zusammenkunf t des Fiirsten 
Schwarzenberg und Frei Herrn von 
Manteuffel in Olmi'ch zur Vereinbarung 
und friedlichen Ausgleichung in 
der deutschen Frage. — 30. November: 
Kundmachung der am 14. November 

sanctionirten Theaterordnung . — 13. D ecember: 
Der 12 . Armeebef ehl verkiindet 
die Einstellung der Kriegsriistungen . — 
20. December: Circulardepesche mit 
der Einladung der deutschen Regierungen, 
die Dresdener Konferenz mit ihren Bevollmachtigten 
zu beschicken. Die Confe« 
renzen beginnen am 23. December. — 
23. December: Kaiserliches Patent, 
mit den Statuten des Franz Joseph« 
Ordens und Civil ' Veroienstkreuzes . — 
26. December: Kaiserliches Patent, 
womit ein provisorisches Postgeseh fur 
Ungarn und seine friiheren Nebenlander 
erlassen wird. — 31. December: 
Kaiserliche Verordnung, welche die 
Grundziige festseht iiber die definitive 
Einrichtung der politischen Verwaltungs« 
behorden in Lombardo-Venetien . 
1851. 2. Janner: Errichtung einer 
Centralcommission in Wien fur Erfor» 
schung und Erhaltung vaterlandischer 
alter Baudenkmale und Aufstellung von 

Seite 343 



Wurzbach0 6 . txt 
Konservatoren in den einzelnen Kronlandern. 

— 3. Janner: Kaiserliche Ver. 
ordnung, seht die Gerichtsorganisation 
in Lombardo ' Venetien fest. — 13. Janner: 
Erstes Geschwornengericht in Wien. 

— 22. Janner: Kaiserliche Verordnung. 
hebt das Militar-Grenzinstitut in 
Siebenbiirgen auf. — 23< Janner: 
Austritt deS Iustizministers Freiherrn 
von Schmerling aus dem Ministerium 
und Ernennung Karls Ritter von 

KrauB an dessen Stelle. — 21. Fe» 
bruar: Verof f entlichung der von der 
revolutionaren Regierung inSiebenbiirgen 
begangenen constatirtenpolitischenMorde . 
Die Zahl belauft sich auf 4834 Opfer. 

— 2. Marz: Kaiserliche Verordnung, 
seht die Organisirimg des gewerblichen 
Unterrichtes imd die Errichtung von Real« 
schulen fest. — 12. Marz: Kaiserliches 
Patent, betreffend die Durchfuhrung der 
Grundentlastung im Krakauer Gebiete. 

— 13. Marz: treten alle osterreichischen 
und deutschen Telegraphenlknien in un» 
mittelbare Verbindung. — 21. Marz: 
Reise des Kaisers nach Trieft, von da 
nach Venedig, von wo er am 4 . April in 
Wien wieder eintrifft. — 27. Marz: 
Venedig wird zum Freihafen erklart. — 

7. April : Eroffnung der Prag'Dresde« 

ner Eisenbahn. Wien steht nun mit dem 

deutschen Norden in Eisenbahnverbin« 

dung. Kaiserliche Verordnung, wegen 

Einfiihrung eines neuen Kupfer «Miinz» 

systems. — 10. April : Erste Versammlung 

des neuen Vereines fur Zoologie 

und Botanik. — 11. April : Kaiserliches 

Patent, wodurch die Einkommen« 

steuer in Lombardo«Venetien eingefiihrt 

wird. — 13. April : Einsetzung des 

Reichsrathes , der am 22. April unter 

Vorsitz seineS Prasidenten, Freiherrn von 

Kiibeck, seine erste Sitzung halt. — 

29. April : Kaiserliches Handschreiben, 

ernennt den Fiirsten Schwarzenberg 

zum Militar« und Civil-Gouverneur von 

Siebenbiirgen. — 1. Mai : Eisenbahnvertrag 

zwischen Oesterreich, dem Kirchenstaate, 

Modena, Parma und Toscana. 

—13. Mai : SchluB der Dresdener 

Conferenzen. Kaiserliche Verordnung, 

welche den Hafen- und See-Scinitatsdimst 

organisirt. Kaiserliches Patent mit der 

neuen Vorschrift iiber die Einquartierung^ 

Habsburg — Frcm) Joseph 236 Habsburg — Fraw Zoseph 

des Heeres. — 18. Mai : Patent, die 

Regelung der Geld Verhaltnisse im Kaisev 

staate anordnend. — 23. Mai : Enthebung 

des Frecherm von Briick von der 

Leitung des Ministeriums fur Handel und 

Gewerbe iiber sein Ansuchen und Ernen« 

nung des Freiherrn von Baumgartn 

er an dessen Stelle. Reise des Kaisers 

nach Olmiitz, wo Kaiser Nikolaus 

Seite 344 



WurzbachO 6 . txt 
erwartet wird. — 26. J u n i : Organisches 
Statut fur den Magistrat der 
Stadt Wien. — 1. J u 1 i : Konig und 
Konigin von Sachsen treffen in Wien 

ein. Die Notariatsordnung tritt inNiederosterreich 
in Wirksamkett. — 6. J u 1 i : 
Provisorische Verfugungen in Betreff der 
periodischen und auslandischen Presse. — 
12. August: Kaiserliche Verordnung, 
regelnd das Verfahren bei hypothekarischen 
Darleihensgeschaf ten . — 18. August: 
Organisation der Centralanstalt fur 
meteorologische und magnetische Beobachtungen . 

— 20. August: Allerhochste 
Cabinetsschreibm, deren eines festsetzt, 
daB das Ministerium ausschlieBend dem 

Monarchen verantwortlich und der Verantwortlichkeit 

jeder anderen politischen 

Autoritat enthoben sei; das andere 

die Stellung des Reichsrathes bestimmt, 

wornach das Ministerium Gesetz- und 

Verordnungsentwlirf e nicht mehr an 

den Reichsrath, fondern unmittelbar an 

den Kaiser leitet. Ein anderes Handbillet 

vom namlichen Tage ordnet es als ebenso 

nothwendig wie dringend an, die Moglichkeit 

der Vollziehung der Verfassung vom 

4. Marz 1849 in reife und eindringende 

Erwagung zuziehen. — 22. August: Kaiserliches 

Patent, welches die Aufhebung 

der Nationalgarde im ganzen Umfange des 

Reiches anordnet . — 1. September: 

Eroffnung eines neuen Anlehens zu 85 

Millionen im Wege freiwilliger Subscription. 

— 12. September: Ernennung 

Sr. kaiserlichen Hoheit des Erzherzogs 
Albrecht zum Militar« und Civilgouver« 
neur von Ungarn und Commandanten 
des3 . Armeecorps . — 23. September: 
Riickkehr des Fiirsten Metternich nach 
Wien, welches er in den Marztagen 1848 
verlassen und bis dahin nicht wieder be« 
sucht hatte. Abreise des Kaisers nach Italien. 

— 2. Octob er: Riickkehr des Kaisers 
von seiner Reise nach Italien. — 10. 
Octob er: Antritt der Reise des Kaisers 
nach Galizien, welche einem Triumphzuge 
gleicht; Riickkehr am 3. November. — 

14. Octob er: Eroffnung der Eisendahnstrecke 

von Meftre bis Treviso. — 

18. Octob er: Handels- und Schif f f ahrtsvertrag 

zwischen Oesterreich und 

Sardinien. — 1. November: Die neue 

Organisation des Marine-Obercommandos 

tritt in ' s Leben. — 6. November: 

Kaiserliches Patent, betreffend die Einfijhrung 

des neuen Zolltarifes fur die 

Ein-, Aus- und Durchfuhr, welcher mit 

1. Februar 1832 in ' s Leben tritt und bis 

Ende Octob er 1854 zu dauern hat. — 

16. November: Kaiserliche Verord« 

nung, welche eine Eisenbahn-Betriebsordnung 

fur den Gesammtstaat erlaflt. 

— 2. December: Schif ff ahrtsvertrag 

Seite 345 



Wurzbach0 6 . txt 
zwischen Oesterreich und Bayern. Vertrag 
zwischen den genannten Staaten iiber Ter» 
ritorial» und Grenzverhaltnisse . — 3. December: 
Revidirter deutsch»6sterreichi» 
scher Postvereins ' Vertrag . — 9. Decem» 
ber: Kaiserliche Verordnung, fiihrt die 
Erwerb» und Einkommensteuer in Dal« 
matien ein. — 13. December: Kaiser» 
liche Verordnung, welche ein allgemeines 
Reglement fur die See«Sanitatsverwalturrg 
anordnet . — 22. December: Kaiserliches 
Patent, welches den Umfang der 

Militargerichtsbarkeit festsetzt, wirksam fur 
das ganze Reich. — 26. December: 
Minister Philipp Freiherr von KrauB? 
Habsburg — Fraw Joseph 237 Zabsburg — Fraw Joseph 
wird iiber sein Ansuchen des Postens eines 
Fmanzministers enthoben und in den 
Reichsrath berufen; an dessen Stelle als 
Finanzminister tritt Freiherr von Baumgartner. 

— 31. December: Kaiserliche 
Patente, welche die Verf af fungsurkunde 
vom 4. Marz 4849, ferner die 

durch Patent vom namlichen Tage verkiindeten 

Grundrechte auBer Kraft setzen. 

Allerhochste Cabinetsschrciben vom namlichen 

Tage, wodurch die fur die orga 

nische Gesetzgebung des Reiches f estgestellten 

Grund sahe mitgetheilt werden. 

1852. 4. Janner: Eroffnung der 

deutsch - osterreichischen Zollconf erenzen 

unter Vorsitz des Ministerprasidenten Fiirsten 

Schwarzenberg . — 11. Janner: 

Kaiserliche Verordnung, welche die 

Vorschriften fur die Austragung von 

Rechtsstreiten liber f eldpolizeiliche Uebertretungen 

festsetzt. — 8. Februar: 

Kundmachung der straf geset zlichen Bestim 

mungen, betreffend die Eisenbahnen und 

Staatstelegraphen . — 1-2. Februar: 

Kaiserliche Verordnung iiber die Orga 

nisation der Militar ' Bildungsanstalten . 

Eine zweite und dritte Verordnung vom 

44. Februar und 23. Marz enthalt wei 

tere Bestimmungen . — 25. Februar: 

Antritt der Reise des Kaisers nach Italien; 

Riickkehr nach Wien am 11. Marz. 

— 1. Marz: trifft der Kaiser in Verona 
ein. — 23. Marz: Kaiserliche Patente 
fiihren das allgemeine biirgerliche Gesetz' 
buch, die westgalizif che Gerichtsordnung, 
und die Vorschriften des allgemeinen 
biirgerlichen Gesetzbuches iiber das Eherecht 
und Verfahren in Ehestreitigkeiten in 

der Stadt Krakau und deren Gebiete ein. 

— 30. Marz: PostVertrag zwischen Oesterreich 
und dem Kirchenstaate . — 3. April : 
Ministerprasident Fiirst Schwarzenberg 
stirbt eines plotzlichen Todes; Freiherr 
von Buol-Schauenstein wird 

sein Nachfolger. — 20. April : Schlufl 
der Zollconf ermzen . — 23. April : 
Allerhochste EntschlieBung, welche die 
Trennung der Polizeiverwaltung vom 

Seite 346 



Wurzbach0 6 . txt 
Ministerium des Innern anordnet, und 
zum Chef der obersten Polizeibehorde 
wird Feldmarschall-Lieutenant Kempen 
ernannt. — 26. April : Vertrag uber 
den AnschluB der osterreichischen an die 
schweizerischen Telegraphenlinien . — 30. 
April : Postvertrag zwischen Oesterreich 
und Spanien.— 1. Mai : Ankunft Sr. 
Ma jestatdesKaisers Nikolaus in Wien; 
Abreise 11. Mai. — 27. Mai: Kaiserliches 
Patent, welches eine neue, durch 
spatere Gesetze erganzte Ausgabe des 
Straf geset zbuches vom 3. September 1803 
in Wirksamkeit setzt; ferner ein zweites, 
womit eine neue PreBordnung vom i . Sep« 
tember 1832 in ' s Leben tritt, und das 
Gesetz vom 13. Marz 1849 auBer Kraft 
gesetzt wird. Eroffnung des neuen Noce« 
Bettes in Sudtirol. — 28. Mai: Reise 
des Kaisers nach Prag; Ruckkehr nach 
Wien 34. Mai. — 3. J u n i : Antrittder 
grofien Rundreise deS Kaisers in Ungarn. 
— 16. Juni: Grundsteinlegung in 
Temesvar durch des Kaisers Hand zu 
dem Denkmale der Entsat zschlacht am 
9. August 1849, und die 107tagige Vertheidigung 
der Festung durch den greisen 
Helden Rukavin a. — 23. Juni : Die 
Allerhochste EntschlieBung vom 7. Mai 
1848, welche den Redemptoristen- und 
Jesuiten-Orden in Oesterreich aufhebt, 
wird auBer Kraft gesetzt. — 27. Juni : 
Der Kaiser besucht in Kalozd das Grab 
des als Opf er der Treue . zum Kaiser* 
hause gemordeten Grafen Eugen Zichy. 
—6. J u 1 i : Der Kaiser besucht in 
Waitzm die Grabstatte des im Kampfe 
fur seinen Monarchen gefaaenen Generals 
Gotz. — 9. J u 1 i : Eintref f endes Kaisers 
in Wien zum Empfange der Konigin von? 
Habsburg — Fran' 1 Joseph 238 Habsburg — Fran) Joseph 
Sachsen sincognito) . — 40. J u 1 i : Gnt» 
hiillung des Hent zi ' Denkmals in Ofen zur 
Verewigung- des 21. Mai 1849. — 
14. J u 1 i : Das Reichsgeset zblatt verkiindet 
ein mit der Dampf schif f f ahrts« 
Gesellschaft des osterreichischen Lloyd in 
Triest geschlossenes Uebereinkommm, betreffend 
die Aufstellung der Po-Flottille 
auf dem Po und den diesen Strom mit 
Venedig, Mailand und Lago maggiore ver» 
bindenden Gewassern. — 21. Juli : In 
Topanfalva huldigen die Romanen dem 
Kaiser. — 22. Juli: Erste General- 
Versammlung des Vereines zur Bemal« 
dung des Karstes, in Sesana. — 23. 
Juli: Grundsteinlegung durch de-s Kai» 
sers hochsteigene Hand zum Denkmale 
in Karlsburg fur den bei Piski 9/11. Februar 
1849 seinen Wunden erlegenen 
Obersten Losy von Losen au . — 24. 
Juli: Kaiserliches Patent, womit fur 
Ungarn und seine friiheren Nebenlander 
eineAdvocatenordnung erlassen wird. — 

Seite 347 



Wurzbach0 6 . txt 
23.1 u 1 i: Der Kaiser legt in Hermannstadt 
den Grundstein zu dem neuen stadtischen 
allgemeinen Krankenhause . — 31. J u 1 i : 
Kaiserliche Verordnung, das Reserve* 
Statut enthaltend. Grundsteinlegung in 
SchaBburg zu dem Monumente fur den 
am 31. Juli 1849 gefallenen russischen 
General Skariatin. — 9. August: 
Zolleinigungsvertrag zwischen Oesterreich, 
Modena und Parma. — 14. August: 
Festlicher Einzug des KaiserS in Wien 
nach seiner Riickkehr von der 70tagigen, 
einem Triumphzuge gleichenden Rundreise 
in Ungarn und Siebenbiirgen . Eine 
Medaille von R a d n i h ky verewigt diesen 
Festtag. — 13. August: Kaiserliches 
Patent, womit ein neues Privileg iengefetz 
erlassen wird. — 16. August: Reift 
des Kaisers nach Ischl. Organisation 
der k. k. Cavallerie. — 17. August: 
Enthiillung des Denkmales fur T i t i an 
in der Kirche dei Frari zu Venedig. — 
24. .August: Kundmachung, womit die 
Wirksamkeit der, anlaBlich der Periode 
1848 und 1849 in Ungarn eingesetzten 
Kriegsgerichte eingestellt wird. — 28. 
August: Staatsvertrag zwischen Oesterreich 
und den Niederlanden wegen gegen» 
ftitiger Auslieferung von Verbrechern. — 
1. September: Das neue PreBgesetz 
tritt in Wirksamkeit. Eroffnung der 
Schemnit z ' Risaer Eisenbahn. — 2. Sep» 
tember: Riickkehr des Kaisers aus Ischl. 
Der osterreichische Reichsf orstverein wird 
conftituirt. — 4. September: Kaiserliches 
Patent, ein neues Gesetz iiber 
den Haustrhandel erlassend. Anordnung 
zur Aufnahme eines 4percentigen Anle« 
hens von 80 Millionen. — 9. Sep. 
tember: Der ungarische Forstverein 
beginnt seine Sitzungen. — 14. September: 
Abreise des Kaisers nach Pesth 
zu dem dortigen grofien Uebungslager 
von 43.000 Mann. Riickkehr am 28. Sep. 
tember. Allerhochste EntschlieBungen iiber 
die Einrichtung und Amtswirksamkeit der 
Bezirksamter , Kreisbehorden und Statt» 
haltereien, iiber die Einrichtung der Ge» 
richtsf tellen und das Schema der systemisirten 
Gehalte und Diatenclaf fm, sowie 
iiber die Ausfiihrung der Organisirung 
fur alle Kronlander des Reiches, ausgenommen 
Ungarn und Lombardo<Venetien . 

— 13. September: Eroffnung 

der zweiten Ackerbauschule zu Dillmannshof 
nachst Wiener Neustadt. — 30. S e ptember: 
GroBe militarische Trauerfeier 
in Wien und in alien Garnisonen der 
Monarchie fur den verstorbenen ofter" 
reichischen Feldmarschall Wellington, 
welcher der Kaiser personlich beiwohnt. 

— 1. October: Der Kaiser tritt die 
Reise nach Croatien auf der Siidbahn an; 
Riickkehr am 13. October. — 4. October: 

Seite 348 



Wurzbach0 6 . txt 
Die in Wien neuerrichtete Central)^ 

Habsburg — Frary Joseph 239 Habsburg — Franz Zoseph 
direction fur Eisenbahnbauten beginnt ihre 
Wirksamkeit . — 24. October: Kaiserliches 
Patent, enthaltend die Bestimmungen 
iiber Erzeugung Verkehr und Besitz von 
Waffen, Munitionsgegenstanden und das 
Waf f entragen . Reorganisation der nautischen 
Schulen. — 3. November: Eroffnung 
der Synode der griechisch-nicht» 
unirten Bischofe in Carlowitz, 13. November 
SchluB . — 46. November: Er» 
mafligung der Moldauzolle. — 20. N o» 
vember: Kaiserliches Patent, erlassend 
eine neue Vorschrift iiber den Wirkungskreis 
und die Zustandigkeit der Gerichte 
in biirgerlichen Rechtsangelegenheiten 
( Iurisdictionsnorm) . Amnestie fur 100 
Straflinge in ungarischen Comitats' 
arreften. — 26. November: Kaiserliches 
Patent, womit ein neues Vereins« 
gesetz erlassen wird. — 29. November: 
Kaiserliches Patent, wodurch in Ungarn, 
Croatien, Slawonien, Serbien und im 
Banate-das biirgerliche Gesetzbuch vom 
1. Juni 1811 mit mehreren Aenderungen 
eingefiihrt wird. — 3. December: 
Kaiserliches Patent, welches ein Forstgesetz 
erlaBt. — 4. December: Feierliches 
Ordenscapitel des goldenen VlieB.OrdenS 
und Aufnahme von 13 neuen Mitgliedern 
ldarunter8 Erzherzoge) . — 13. December: 
Abreise des Kaisers nach Berlin; 
Riickkehr nach Wien 24. December. 
Provisorisches Iagdgesetz. 

1653. 10. Janner: Allerhochste EntschlieBung, 
betreffend die politisch ' gerichtliche 
Organisation des Konigreiches Ungarn< 
— 18. I'anner: Enthiillung deS 
Rukavina»Denkmales in Temesvar (siehe 
13. Juni 1832) . — 22. Janner: 

Kaiserliche Verordnung setzt dre Organisation 
des See-Sanitatsdienstes an der 
Seeliifte der. Militargrenze fest (siehe 
13. . December 1833) . — 3, Februar: 
Uebergabe der Forderungen Oesterreichs 
an die Pforte durch den dahin einsendeten 
Feldmarschall-Lieutenant Grafen 3 einin« 
gen. Oesterreich fordert Anerkennung der 
Gebiete von Klek und Sutarina, Entlaffung 
der magyarischen Fliichtlinge aus 
tiirkischem Dienste, Schutzrecht der Christen 
in Bosnien gegen die brutalen Gewaltthaten 
der Tiirken u. m. A., im Ganzen 
zehn Puncte. Die Pforte entspricht in 
alien Puncten und Graf Leiningen 
kehrt am 26. Februar zuriick. — 10. Februar: 
Kaiserliches Patent, wirksam fur 
alle Erblander, aussprechend die gesetzlichen 
Bestimmungen iiber die Befreiung 
der ehemaligen Dominicas Gutskorper 
von der gesetzlichen Haftung fur die von 
den bisherigen Beschern gefiihrte Ver» 
waltung der Gerichtsbarkeit und die aus 

Seite 349 



Wurzbach0 6 . txt 
dem Bande der ehemaligen Gutsunterthanigkeit 
entsprungenen Forderungen 
der gewesenen Unterthanen. Kaiserliches 
Patent, welches in Ungarn und seinen 
friiheren Nebenlandern das osterreichische 
Mauthsystem einfuhrt. — 16. Februar: 
Kaiserliches Patent, fur Ungarn und seine 
friiheren Nebmlander eine Civil-Iuris» 
dictionsnorm erlassend. — 18. Februar: 
Attentat auf die geheiligte Persyn des 
Monarchen; Graf O'Donnel und Bur, 
ger Etten reich retten den Kaiser und 
bemachtigen sich des Meuchelmorders 
Johann Libenyi. — 19. Februar: 
AbschluB des Handels- und Zollvertrages 
zwischen Oesterreich und PreuBen auf die 
Dauer von 12 Jahren, 1. Janner 1834 
bis 31. Dec. 1863. — 27. Februar: 
Aufruf des Erzherzogs Ferdinand 
Max zu einem Denkmale zur Erinnerung 
an des Kaisers Rettung aus M6rders» 
Hand. Das Denkmal ist die Votivkirche. 
AuBerdem wurden zum Andenken an 
die Rettung 9> Kirchen gebaut und 482 
wohlthatige. Stiftungen gemacht . — 2. 
Marz: Kaiserliche Patente, die Urbarial».^ 
Habsourg — Franz Joseph 240 Habsburg — Franz Joseph 
lis^e in Ungarn, Croatien undSla» 
wonien, Serbien und im Banate regelnd. 

— 6. Marz: Der Kaiser verlaBt nach 

dem Attentate vom 18. Februar zum ersten 
Male das Krankenzimmer . — 12. Marz: 
Erste Ausfahrt des Kaisers und Gang 
nach dem Stephansdome unter ungeheuerem 
Jubel der zahllosen Bevolkerung. 

— 19. Marz: Amnestie fur sammtliche 
in das Complot von Mantua verwickelte 
Personen. — 31. Marz: Kaiserliches 
Patent, das Salpetermonopol aufhebend 
bei Auf rechthaltung des SchieBpulver , 
monopols. — 14. April : Erneuerter 
Beginn der Feindseligkeiten Sardiniens 
gegen Oesterreich; die ersten Keime des 
Jahres 1839. Der sardinische Gesandte 
Graf Revel iibergibt an diesem Tage den 
Protest der sardinischen Regierung gegen 
die Sequestration der Giiter der lombar» 
dischen Emigration. — 2. Mai : Kaiser« 
liches Patent, fur Ungarn, Woiwodschaft 
und Banat das provisorische Grundsteuer« 
Kataster einfiihrend. — 3. Mai : Kaiser« 
liches Patent, wirksam fur den Gesammtstaat , 
mit Ausnahme der Militargrenze, 
erlassend ein neues Gesetz iiber die innere 
Einrichtung und Geschaf tsordnung sammtlicher 
Gerichtsbehorden . — 8. Mai : 
Installation des Bischofs von Agram als 
croatisch-slawonischen Erzbischof es . — 19. 
Mai: Ankunft Sr. Majestat des Konigs 

von PreuBen in Wien. — 29. Mai: 
Kaiserliches Patent, setzt in Siebenbiirgen 
das biirgerliche Gesetzbuch vom 1. Juni 
1811 mit mehreren Aenderungen in 
Wirksamkeit. — 30. Mai : Feierliche 

Seite 350 



Wurzbach0 6 . txt 
Grundsteinlegung zu dem neuen Lloyd- 
Arsenale in Trieft. — 1. J u n i : tritt die 
neue Organisation deS Kriegsministeriums 
in Wirksamkeit. — 8. J u n i : Einfuhrung 
des niederof terreickischen MaBes und 
Gewichtes in Ungarn, Serbien und im 
Banate. Ankunft Sr. Majestat des Konigs 
von Bayern in Wien; Abreise 18. Juni. 
—3. J u 1 i : Kaiserliches Patent, die 
neue Civil . Iurisdictionsnorm fur Sieben» 
biirgen erlassend. — 3. J u 1 i : Kaiserliches 
Patent iiber die Bestimmungen 
der Regelung und Ablosung der Holz-, 
Weide- und Forstproducten-Bezugsrechte . 
—11. J u 1 i : Beginn deS Umbaues der 
Durchfahrt in der kaiserlichen Burg. — 
16. J u 1 i : Staatsvertrag zwischen Oester» 
reich und Belgien wegen gegenseitiger 
Auslieferung der Verbrecher. — 29.1uli: 
Kaiserliches Patent, fur das ganze Reich, 
Militargrenze ausgenommen, eine neue 
Strafproceflordnung erlassend. — 30. 
J u 1 i : Feierliche Enthiillung des Stand» 
bildes Sr. Majestat des Kaisers Franz 
in Franzensbad. — I.August: Das 
neue groBartige Irrenhaus nachst der 
Wahringer Linie wird an diesem Tage 
zur Aufnahme von Kranken eroffnet. — 
1. September: Aufhebung des Bela. 
gerungszustandes der Stadte Wien und 
Prag, der Festungen Iosephstadt, Koniggratz 
und Theresienf tadt , auf Grund Aller» 
hochster Entschliefiung vom 13. August. — 
8. September: Auffindung der ungarischen 
Kroninsignien, welche Kossuth 
auf seiner Flucht mitgenommen und am 
Berge Allion bei Alt'Orsova vergraben 
hatte; Major«Auditor Titus Karger 
ist der Finder. Gerichtsorganisation des 
Erzherzogthumes Oesterreich ob derEnns. 

— 13. September: Abreise des Kaisers 
in das groBe Uebungslager nachst 
Olmutz; Ruckkehr nach Wien 1. October. 

— 20. September: Siebente General)) 
Versammlung der katholischen Vereine 
Deutschlands in Wien. Gerichtsorgani« 
sation der Herzogthumer Karnthen und 
Krain. — 23. September und die 
folgenden Tage groBe Manoeuvres im 
Olmutzer Lager; am 23. Ankunft des 
Prinzen von PreuBen daselbst; 24. deS^ 
Sabsburg — Fraw Joseph 241 Habsdurg — Fraw Joseph 
Kaisers von Rutland. — 2. October: 

Die vor und bis zum 1. Janner 1848 
bestandenen, die Besitzf ahigkeit der Israe 
liten beschrankenden Vorschriften treten 
provisorisch wieder in Kraft. — 3. Octo« 
ber: Reise Sr. Majestat nach Warschau; 
Ruckkehr nach Wien am 6. — 10. Octo 
ber: Kaiserliches Patent, eine neue Advo 
catenordnung fur Siebenbiirgen erlassend. 
Reise des Kaisers nach Munchen; Ruckkehr 
am 22. October. — 16. October: Enthiillung 
des Kopal-Denkmales in Znaim. 

Seite 351 



Wurzbach0 6 . txt 
- A 22. October: Eroffnung der Thov 
Passagen in der Burg (siehe 11. Juli) . — 
23. October: Kaiserliche Patente liber 
die Durchfuhrung der Grundentlastung in 
Galizien. Krakau und der Bukowina. — 
I.November: Vollendung der Josephstadter 
Cavallerie ' Caserne . Eroffnung fur 
den Verkehr der StraBe iiber den Predial 
(Verbindung zwischen Kronstadt und Bu> 
karest) . — 11. November: Einfuhrung 
des niederosterreichischen MaBes und Ge» 
Wichtes in Croatien und Slawonien .— 12 . 
November: Allerhochste EntschlieBung : 
der Bau der lombardisch »venetianischm 
Eisenbahn von Coccaglio iiber Bergamo 
nach Monza ist f ort zuset zen . Gerichtliche 
und politische Eintheilung Niederof terreichs 
und Oberosterreichs . — 17. November: 
Kaiserliche Verordnung, betreffs der 
Berggerichtsbarkeit in der Militargrenze . 

— 19. November: Probefahrt der 
Eisenbahnstrecke von Verona bis Brescia. 

— 3. December: Eroffnung der neuen 
StraBe von Bozen in ' s Sarnthal. — 44. 
December: Verof f entlichung des neuen 
Zolltarifes, welcher am 1. Janner 1854 
in Wirksamkeit tritt. — 19. December: 
Reise Sr. Majestat nach Miinchen, des 
Erzherzogs Karl Ludwig nach Lem> 

berg, urn dort seine Wirksamkeit in Regierungsgeschaf ten 
anzutreten, Vollendung 
der Pesth-Szegediner Eisenbahn. 
v. Wurzbach, biogr. Lexikon. VI. 
1854. 9. Janner: Die Czegled- 
Szegediner Eisenbahn wird dem allge» 
meinen Verkehre eroffnet (fur den Betrieb 
bereits am 3. September 1853) . — 

30.1 5 nner: Gerichtlich-politische Organisation 
von Salzburg. — 3i. I anner: 
Gerichtlich» politische Organisation von 
Steiermark. — 1. Februar: Gerichtlich- 
politische Organisation der serbischen 
Wojwodschaft und des Temeser Banates. 

— 4. Februar: Gerichtlich, politische 
Organisation von Kram. — 3. Februar: 
Gerichtlich-politische Organisation von 
Karnthen, — 8. Februar: Gerichtlich, 
politische Organisation von Dalmatien. 

— 22. Februar: Aufstellung eines 
Observationscorps von 30.000 Mann an 
der Siidostgrenze Oesterreichs anlaBlich 
des orientalischen Krieges. — 3. Marz: 
Verlosungsanlehen von 30 Millionen, — 
4. Marz: Eroffnung der Eisenbahn« 
strecke von Felegyhaza bis Szegedin. 

— 7. M a r z : Reise Sr. Majestat 
nach Miinchen; Riickkehr 19. Marz. — 
14 . Marz : Concursprogramm zur 
Votivkirche. — 53. Marz: Das erste 
Schraubenschif f befahrt die, Donau. — 
27.. Marz: Organisation der k. k. obersten 
Rechnungs ' Controlsbehorde . Aller» 
hochstes Handbillet, welches den Text der 
von I . Gabr. Seidl gedichteten Volks« 

Seite 352 



Wurzbach0 6 . txt 
Hymne fur authentisch erklart. — 28. 
Marz: Einfuhrung der Stempelmarken 
statt des bisherigen Stempelpapieres . 
Aufhebung der Stempelamter . — 8. 
April : Bildung des Alterthums. 
Vereines. — 21. April : landet die 
erhabene Kaiserbraut, Prinzessin Eli« 
abeth in Bayern, zu Linz-, —22'. 
April : Ankunft der erhabenen Braut 
n Nufldorf und Fahrt unter dem Jubel 
der aus den umliegenden Ortschaften 
herbeigestromtenBevolkerung nach Schonbrunn. 

— 23. April : Feierlicher Einzug 
1 6^ 

Zabswrg — Fraw Zoseph 242 Habsburg — Fraw Zoseph 

der Kaiserbraut in Wien. — 24. April : 

6 bis 7 Uhr Abends Vermalung. — 

23. April : Prachtige Beleuchtung der 

Stadt. - 29. April . Grofies Volksfest 

im Prater. — 30. April : Festball 

in den k. k. Redoutensalen . — 1. Mai : 

Aufhebung des Belagerungszustandes in 

Ungarn, Serbien, im Temeser Banate, 

in Galizien, Krcikau und in der Buko« 

wina. — 13. Mai : GroBe Riistungen 

anlaBlich des orientalischen Krieges. 

Recrutenaushebung von 98.000 Mann. 

—17. Mai : Der souverane Iohanniter- 

Orden eroffnet in Prag nach 70 

Jahren zum ersten Male wieder sein 

Provincial-Ordenscapitel . — 29. Mai : 

Die politischen Landesbehorden fur 

Nieder» und Oberosterreich, Salzburg, 

Tirol, Steiermark, Karnthen und Krain, 

Croatien, Slawonien, Kiistenland, Bohmen, 

Mahren, Schlesien, Galizien, Bukowina, 

Siebenbiirgen treten in Wirksamkeit . 

— 1. J u n i : Reise Ihrer Majestaten 

nach Prag; 3. bis 12. Juni groBe Festlichkeiten 

in Prag. — 3. Juni : Gerichtlich- 

politische Administration der Konigreiche 

Croatien und Slawonien. — 26. 

Juni: Kais. Patent, die Auflegung eines 

Nationalanlehens verkiindend, mindestens 

330, hochstens 300 Millionen. - 11. 

J u 1 i : Neues Borsengesetz . — 17. J u 1 i : 

Eroffnung der Eisenbahnstrecke iiber den 

Semmering. — 28. und 29. J u 1 i : 

Reise Ihrer Majestaten nach Ischl; — 2. 

August: Ankunft in Ischl. — 1. September: 

Riickkehr Sr. Majestat aus 

Ischl nach Wien. — 2. September: 

Eintreffen des ersten Dampfbootes auf 

dem I nn von Pafsau in Scharding. — 

10. September: Abreise Sr. Majestat 

nach Ifchl. — 14. September: Sanction 

des Eisenbahn-Concessionsgeset zes 

zur Ermunterung von Privatunterneh» 

mungen. — 19. September: Ein» 

treffen Ihrer Majestaten in Wien. — 

26. October: AbschluBverauBerung der 

Staatseisenbahnen an eine franzosische 

Gesellschaf t . — 28. Oetober: Eroffnung 

des Oberlandes- und Landesgerich» 

Seite 353 



Wurzbach0 6 . txt 
tes in Pesth. — 1. November: Das 
neue Berggesch tritt in Wirksamkeit. 
Eroffnung der Finstermunzer BergstraBe. 
— 2. December: Unterzeichnung 
des Allianzvertrages zwischen Oesterreich, 
Frankreich und England in Wien. — 
21. D'ecember: Beendung der Kata« 
stralvermef f ung Galiziens. 
1855. 1. Janner: Die neue A Kar. 
INAL0L3 . 63 . kU8tri26A tritt in Wirksamkeit 
, ebenso die neue Borseordnung 
(siehe 16. August 1834) . — 13. Janner: 
Abschaffung der Spit zruthenf traf e 
in der k. k. Armee; kais. Patent, womit 
das neue Milirar-Strafgesehbuch kundgemacht 
wird. — 8. Marz: Ihre Maje« 

ftat die Kaiserin wird von einer Prinzessin 
entbunden, welche in der Taufe den 
Namen Sophie erhalt. — 10. Marz: 
Berufung des kais. Intermmtius Karl 
Freiherrn von Briick in ' s Ministerium 
als Finanzminister an die Stelle des 
Freiherrn von Ba umgartner, welcher 
am 14. Janner ausschied. — 23. Marz: 
Verkiindigung der papstlichen Bulle vom 
Dogma der unbefleckten EmpfangniB 
Maria. — 7. April : Ganzliche 
Amnestie fur 386, theilweise fur 
311 Straflinge. — 30. April : Eroffnung 
der Eisenbahnstrecke von Treviso 
nach Pordenone. — 1. Mai : Eroff» 
nung der Forst-Lehranstalt zu Weihwasser. 
—3. Mai : treten in Wien acht Eisenbahnen: 
die Kaiser Ferdinands»Nordbahn, 
die ostliche Staatsbahn, die Wil- 
Helmsbahn, die oberschlesische Bahn, die 
niederschlesisch«markische und niederschlesische 
Zweigbahn, die Neif f e-Brieger Bahn 
und die Breslau-Schweidnitz . Freiburger^ 
Habsburg — Fran> Joseph 243 Habsburg — Franz Joseph 
Bahn, unter Oberleitung der oberschlef ischen 
Bahn, in Verband. — 21. Mai 
Kaiserliches Patent, Einfiihrung einer 
neuen Notariatsordnung und AuBer 
kraftsetzung jener vom 29. September 
4880. - 29. Mai: Allerhochste 
EntschlieBung, Systemisirung von zehn 
Aerarial - Stipendien, «. 400 fi. jahv 
lich, zur Heranbildung tauglicher Lehrer 
der deutschen Sprache und Literatur an 
den Staatsgymnasien in Lombardo- 

Venetien. — 4. J u n i : tritt die Friedensconf erenz 
in der orientalischen Frage in 
Wien zusammen. — 12. J u n i : Abreise 
Sr. Majestat nach Galizien; — 13. Eintreffen 
in Krakau. — 14. J u n i : Grund» 
steinlegung der Steinbriicke bei den Weifigarbern 
in Wien. — 13. J u n i : Ankunft 
Sr. Majestat in Bochnia, 16. in Tav 
now, 26. in Tarnopol, 29. in Czerno» 
witz. Eroffnung der unmittelbaren telegraphischen 
Verbindung zwischen Oefterreich 
und Rutland. — 18. J u n i : Eiw 
fiihrung des niederof terreichischen MaBes 

Seite 354 



Wurzbach0 6 . txt 
und Gewichtes in Bohmen. — 9. J u 1 i : 
Riickkehr Sr. Majestat von Galizien nach 
Wien. —12. J u 1 i : Feierliche Einweihung 
des Badehospitales fur daS Militar in 
Karlsbad. — 13. J u 1 i : Allerhochste Anordnung, 
die Central-Congregationen fur 
Lombardo ' Venetim einzuberuf en . — 17. 
J u 1 i : Staatsvertrag zwischen Oesterreich 
und der Schweiz iiber gegenseitige Auslie» 
ferung der Verbrecher.— 22. J u 1 i : Feier 
zn Ehren der dogmatischen Entscheidung 
iiber die unbefleckte EmvfangniB Maria. 
—23. J u 1 i : Armeebef ehl, welcher ein 
neues Pensionsreglement fur die Gene« 
rale, Stabs» und Oberof siciere anordnet . 
—30. J u 1 i : Allerhochstes Handschrei, 
ben, welches den Erzherzog Karl Ludwig 
zum Statthalter in Tirol ernennt. 

— 6. August: Einfiihrung des niederosterreichischen 
Mafies und Gewichtes 

in Krakau, Galizien und Lodomerien 
und in der Bukowina. "— 18. August: 
findet in Wien die Unterzeichnung des 
Concordates, Statt. — 21. August: 
Organisation der f eldarztlichen Branche. 

— 1. September: Feierliche Eroffnung 
der vom Lloyd in Pesth begriinde« 
ten ersten Kornhalle. — 13. Septern« 

ber: Feier des Augsburger Religionsf riedens 

durch sammtliche evangelische 

Gemeinden in Oesterreich. — 23. September: 

Auswechslung der beiderseitigen 

Ratif icationen zwischen Rom und 

Wien in Betreff des Concordates. — 

15. October: Eroffnung der Eisenbahnstrecke 
von Krakau bis Dembice. Uebergabe 

der Eisenbahnstrecke von Pordenone 
nach Casarsa dem Verkehre. — 22.0 cto» 
ber: Erste Probefahrt auf der Wien- 
Raaber Eisenbahn. — 31. October: 
Errichtung der priv. osterr. Creditanstalt . 

— 13. November: Staatsvertrag zwi« 
schen Oesterreich und Frankreich wegen 
gegenseitiger Auslieferung der Verbrecher. 

— 13. November: Kaiserliches Patent, 
welches den AbschluB des zwischen Kaiser 
Franz Joseph I. und dem Pabfte am 

18. August 1835 abgeschlossenen Concordates 
kundmacht . — 24. November: 
Ernennung Sr. kais. Hoheit des 
Erzherzogs Leopold zum General- 
Geniedirector . — 26. November: Ent» 
hiillung des Metaf tasio-Denkmales in der 
italienischen Kirche in Wien. — 2. December: 
Feierliche Eroffnung der Kettenbriicke 
bei Tetschen in Bohmen. — 

16. December: Schreiben des Grafen 

B u o 1 , womit die auf die Aufhebung 

des Protectorates in den Donauf iirsten» 

thiimern, aus Freiheit der Donau, Neutralitat 

des schwarzen Meeres und Ord. 

nung des Zustandes der christlichen Bevolkerung 

in der Tiirkei, basirten Vor» 

schlage der russischen Regierung bekannt^ 

Seite 355 



Wurzbach0 6 . txt 
Habsburg — Fran' 1 Joseph 244 Habsburg - A Fraw Zoseph 
gegeben werden. Von deren Annahme 
hangt Krieg oder Frieden ab . — 47. December: 
Eroffnung der Bahnstrecken 
Oderberg ' Dziedit z und Bielitz und Schon« 
brunN ' Troppau auf der Kaiser Ferdinands- 
Nordbahn. — 21. December: 

Kaiserliche Verordnung, durch welche die 
Competenz der Handelsgerichte in Wien 
und Trieft auf Rechtsangelegenheiten 
aufler Streitsachen erweitert wird. — 24. 
December: Eroffnung der Bahnstrecke 
von Briick an der Leitha bis Raab. 
1856. 1 A Janner: Uebernahme der 
Strafanstalt zu Stein in Oesterreich von 
den barmherzigen Schwestern. Erster Versuch 
der Staatsverwaltung, derlei Anstalten 
geistlichen Orden anzuvertrauen . — 
Kaiserliches Patent, welches die Art und 
Weise, wie die ermittelte Urbarial-Gntschadigung 
zu leisten ist, und die Aufhebung des 
Moratoriums festsetzt. — 14. Janner: 
Wiederauf nahme der Miinzconf erenzen in 
Wien. — 17. Janner: Handelsvertrag 
zwischen Kaiser Franz Joseph und dem 
Bei von Tunis, geschloffen in Tunis. — 
1. Februar: Unterzeichnung des ersten 
Protokolles von Seite der Stellvertreter 
der betheiligten Machte als Beginn der formellen 
Friedenspraliminarien des zwischen 
Rutland, Frankreich, England und der 
Tiirkei abzuschlieBendenFriedens . — 4. Fe« 
b rua r: Allerhochste Verfiigung, welche in 
den Armee-Commanden, Armeecorps ' 
Commanden und in der Administration 
mehrere Veranderungen anordnet . — 
16. Februar: GroBes Amnestiedecret 
beziiglich der lombardisch . venetianischen 
Emigrirten. — 20. Marz: Grundsteinlegung 
der k. k. Marine-Akademie in 
Fiume. — 23. Marz: Feierliche Weihe 
des ersten osterreichischen Linienschif f es in 
Pola. — 30. Marz: Unterzeichnung 
des Pariser Friedens von Seite Frankreichs, 
Englands, PreuBens, RuBlands, 
Sardiniens, der Tiirkei und Oesterreichs ; 
Auswechslung der Ratif icirungen am 27. 
April. — 6. April : Beginn der Berathungen 
des versammelten osterreichischen 
Episcopates, urn bei Durchfiihrung des 
Concordates im Einklange mit den weltlichen 
Behorden vorzugehen; SchluB 

derselben 17. Juni. — 12. April : Organisations ' Normale 
des k. k. Militar« 

Fuhrwesencorps . — 19. April : Kaiserliche 
Verordnung, betreffend die Organisation 
der Forstverwaltung ' in Tirol und 
Vorarlberg.— 21. April : Staatsvertrag 
zwischen Oesterreich und Bayern, 
wegen Verbindung der beiderseitigen 
Eisenbahnen. — 24. April : Feier« 
liche Grundsteinlegung der Votivkirche. 
(siehe 27. Februar 1833). - 29. April : 
Ratisication des am 15. April abgeschlossenen 

Seite 356 



Wurzbach0 6 . txt 
Separatver ' . ragco - zwischen 
Frankreich, England und Oesterreich, 
wornach die drei Machte bei einem Bruche 
der Bedingungen des Pariser Friedens 
sich zur Regelung eines gemeinsamen 
Handelns unter sich verpf lichten . — 
3. Mai : Staatsvertrag zwischen Oester» 
reich und dem Kirchenstaate zur Regelung 
des telegraphischen Verkehrs. — 8. Mai : 
SchluBsteinlegung des k. k. Artillerie»Arf enales . 
Handels« und Schif f f ahrtsver» 
trag zwischen Oesterreich und den Niederlanden 

(geschloffen zu Haag 29. Decern* 
ber 1333). - 20. Mai: Aufhebung 
der Occupation der Donauf urstenrhumer . 
—13. J u n i : Kaiserliche Genehmigung 
zum Baue einer Eisenbahn von Reichen« 
berg nach Pardubitz, verof f entlicht in der 
Wiener Zeitung am 3. Juli. Einfuhrung 
des niederosterreichischenMafles und 
Gewichtes in Schlesien. — 19. J u n i : 
Staatsvertrag zwischen Oesterreich und 
Sardinien, den AnschluB der lombardisch» 
sardinischen Bahnen betreffend (ratificirt 
am 24. Juli 1836). - 23. J u n i :? 
Habsburg — Fraw Joseph 248 HabsburZ — Fraw Joseph 
Staatsvertrag zwischen Oesterreich und 
Modena, wegen gegenseitiger Auslieferung 
der Verbrecher, Deserteure u. s. w. 
—28. J u n i : Kaiserliche Verordnung, 
welche die Aufhebung des VonLionatioo 

(Weiderechts ) in den venetianischen Provinzen 

kundmacht . — 3. I u 1 i : Staatsvertrag 

zwischen Oesterreich und Nord« 

amerika, wegen gegenseitiger Auslie« 

ferung der Verbrecher. — 12. Juli : 

Geburt der Prinzessin Gisela zu Laren« 

burg. Amnestie fur alle wegen Maje< 

statsbeleidigung und der in den Z§. 

63—66 und 300 des Straf geset zbuches 

bezeichneten Verbrechen und Vergehen 

Abgeurtheilte; ferner Auflassung der Ver» 

mogensconf iscation fur viele an der 

Emporung in Ungarn und Siebenbiirgeu 

1848 und 1849 Betheiligte; und Nachsicht 

der Strafe fur viele wegen politischer Verbrechen 

Verurtheilte . Auf kaiserlichen 

Befehl Beginn des Baues einer Monu» 

mental ' Capelle an der Statte, wo Graf 

Odon Zichy am 30. September 1848 

den Tod der Treue starb. — 29. Juli: 

Abreist Sr. Majestat nach Teplitz zur 

Zusammenkunf t mit Ihren Majestaten 

den 'Konigen von PreuBen und Sachsen. 

— 1. August: Genehmigung des neuen 

Organisationsstatutes fur die technische 

Artillerie.— 14. August: Einfuhrung 

des niederosterreichischen MaBes und Gewichtes 

in Dalmatien. — 30. August: 

Abreise Sr. Majestat des Kaisers zur Feier 

der Einweihung des Graner Domes. — 

2. September: Lustreise Ihrer Majeftaten 

des Kaisers und der Kaiserin nach 

Steiermark und Karnthen; — 3. September: 

Seite 357 



Wurzbach0 6 . txt 
Ankunft in Klagenfurt; — 7. 
September: Besuch in Heiligenblut ; — 
10. Septembe . r : Abreise von Klagmfurt; 
11-14. Aufenthalt in Gran; am 
14. Ankunft in Schonbrunn. — 16. 
September: Die 32. Versammlung der 
deutschen Naturf orscher und Aerzte findet 
in Wien. Statt. — 22. September: 
Abreise Sr. Majestat des Kaisers nach 
Ungarn; Ruckkehr am 27. September. — 
28. September: Kaiserliche Genehmigung 
zum Baue von Locomotiv-Eisenbahnen : 

1) von Pesth nach Miskolcz; 

2) von Miskolcz nach Kaschau; 3) von 
Miskolcz iiber Tokai nach Debreczin, und 
4) von Arad zum Anschliisse an die 
Szolnok-Debreczmer Eisenbahn. — 3. 
October: Telegraphenvertrag zwischen 
Oesterreich und Sardinien. — 8. cto« 
ber: Kaiserliche Genehmigung zum 

Baue von Locomotiv ' Bahnen : 1) von 

Wien iiberOedenburg und GroB-Kamscha 

nach. Effegg; 2) von Neu-Szony iiber 

Stuhlweif f enburg nach Effegg; 3) von 

Ofen iiber GroB ' Kanischa zum Anschliisse 

an die siidliche Staatseisenbahn; 4) von 

Esseg nach Semlin. — Kaiserliches Patent, 

womit ein neues Ehegesetz (wirksam mit 

1. Janner 1837) kundgemacht wird. — 

24. October: Kaiserliche Genehmigung 

zum Baue: 1) einer 3ocomotiv»Eisenbahn 

von Marburg iiber Klagmfurt, Villach, 

Lienz, Brunecken bis zur Tiroler Bahn, 

und 2) einer Fliigelbahn von Villach 

nach Triest. Kaiserliches Patent, welches 

die Verpf lichtung zur Ablieferung des 

beim Berg- und Waschwerksbetriebe gewonnenen 

Goldes und Silbers auf hebt . 

— 2. November: Kaiserliches Patent, 

welches den Wirkungskreis und die Geschaf tsbehandlung 

der Central »Congregationen 

in 3ombardo«Venetien festsetzt. 

— 17. November: Reise Ihrer Majestaten 
nach dem lombardo - venetianischen 
Konigreiche; Ruckkehr am 12. Februar 
1837; bis 20. Nov. Aufenthalt in 
Laibach; — 21. November: in Triest 
Aufmthaltbis28 . ; —25. November: 
Ankunft in Venedig. — 2. December: 
Aufhebung des am 13. Februar 1833^ 

Zabsburg — Fraw Joseph 246 Sabsburg — Fraw Foseph 

iiber die Giiter der politischen Fliichtlinge 

in Lombardo-Venetien verhangten Sequesters. 

Bewilligung jahrlicher 20.000 fi. 

zur Restauration der St. Marcuskirche 

in Venedig. — 8. December: Staats» 

vertrag zwischen Oesterreich und dem 

Kirchenstaat wegen gegenseitiger Auslie« 

ferung der Verbrecher. — 7, Decem> 

her: GroBe Regatta im Canal grande . 

— 9. December: Grundsteinlegung des 
groBen neuen Marme-Arsenales in Pola. 

— 43. December: Einfiihrung des nie« 
derosterreichischen MaBes und Gewichtes 

Seite 358 



Wurzbach0 6 . txt 
in Mahren, im Kustenland und in Kram. 

— 20. December: Ausflug Sr. Ma« 
jestat des Kaisers nach Rovigo. 
1857. 3. Janner: Ankunft Ihrer 
Majestaten in Padua; — 3. Janner: 
Ankunft in Vicenza; Volksfest della Rua; 

— 7. Janner: Ankunft in Verona; — 
9. Janner: Nockerlfest; — 11. Jan» 
ner: Kaiserlicher Gnadenact in der 
„Gazetta provinciale di Brescia", laut 
welcher 119 Brescianer Gemeinden die 
noch ausstandige Summe von 14,087.801 
Lire erlassen wird. — 12. Janner: 
Einzug Ihrer Majestaten in Mailand; 
Abreise am 2. Marz. — 2 i . Janner: 
Einfuhrung des niederosterreichischen Maftes 
und Gewichtes in Steiermark. — 24. 
Janner: Miinzvertrag zwischen Oesterreich 
und den deutschen Zollvereins-Staaten . 

— 28. Janner: Allgemeine unbe> 
schrankte Amnestie. Organisations-Statut 
fur das gesammte osterreichische Heer, 
wirksam mit 1. Marz. — 27. Janner: 
Genehmigung der Grundziige zur Abhaltung 
jahrlicher Pf erderennen . — 3. Fe. 

bruar: Eroffnung der dritten Ackerbauschule 

zu GroBau bei Rabs . — 9. Fe« 

bruar: Kaiserliche Verordnung, womit 

ein neues Paflsystem eingefiihrt wird (tritt 

am 13. Marz in Wirksamkeit) . — 14. Fe> 

bruar: Besuch Ihrer Majestaten in den 

Adelsberger Grotten; — 12. Februar: 

Riickkehr aus Italien nach Wien. — 48. 

Februar: Kaiserliche Verordnung, wo» 

mit ein neuer Zolltarif in Dalmatien eingefiihrt 

wird. — 1. Marz: Der greise 

HeldenmarschallRadet zky — 90 Jahre 

alt — zieht sich in den Ruhestand zuriick 

und sagt in einem Armeebefehle seinen 

Soldaten Lebewohl. — 44. Ma.rz: 

Staatsvertrag zwischen Oesterreich, Bel« 

gien, Frankreich u. f. w., Schweden, Lu« 

beck, Bremen, Hamburg und Danemark, 

wegen Aufhebung des Sundzolles. — 

48. Marz: Additional ' Convention zwi« 

schen Oesterreich und Belgien, wegen gegenseitiger 

Auslieferung der Verbrecher. 

— 23. Ma<rz: Kaiserliche Verordnung, 
welche im ganzen Reiche (die Militar« 
grenze ausgenommen) die Volkszahlung 
anordnet . — 2. April : Kaiserliche 
Genehmigung zum Baue folgender Eisenbahnstrecken 
: 1) von Lemberg nach 

Przemysl; 2) von Lemberg nack Brody; 

3) von Lemberg an das rechte Dnie» 

sterufer; 4) vom rechten Dniesterufer 

iiber Czernowih an die Moldaugrenze . — 

4 . April : Beginn der Bauarbeiten auf 

der Westbahn. — 9. A p r i 1 : Erster 

gelungener Versuch, die Dampf schif f f ahrt 

auf der Salzach einzufuhren; am 44. 

kam der kon. bayer. Dampf er „Otto" in 

Salzburg an; ein Fest fur Salzburg. 

—43. April : Das Universitatsgebaude 

Seite 359 



Wurzbach0 6 . txt 
in Wien, seit 4848 als Caserne 
verwendet, wird der kaiserlichen Akademie 
der Wissenschaf ten iibergeben. — 47. 
April : Kaiserliche Genehmigung zum 
Baue einer Eisenbahn von Prag nach 
Pilsen und bis an die bayerische Grenze, 
dann einer Flugelbahn von Hottaubkau 
nach Stadnitz, dann von Pilsen nach Eger 
bis an die bayerische Grenze und von 
Eger nach Karlsbad. — 23. April : 
I n Fiume Enthiillung und Einweihung^ 
Habsburg — Franz Joseph 247 Habsburg — Fraw Joseph 
der Franz Iosephs . Fontaine zur Erinnerung 
an des Kaisers Anwesenheit am 
7. October 1832, Statue aus Carrara- 
Marmor, 7 A FuB hoch, von dem Vene« 
tianer Steffanuti. — 28. April : 
Allerhochste Bestimmung, daB die k. k. 
Fregatte „Novara" eine Weltumsegelung 
antrete, unter Commando des Commo« 
dore Wullerstorf; die Wissenschaf t« 
liche Commission besteht aus den Herren: 
Dr. Scherzer, Dr. F. Hochstetter, 
Frauenfeld, Zelebor, Maler Saleny 
und Kunftgartner Ielinek. — 

30. April : tritt die „Novara" die Welt« 
fahrt an. — 3. Mai : Neise Ihrer 
Majestaten nach Ungarn; SchluB dieser 
Reise 3. September; — 4. Mai : fest. 
licher Vmpfang in Pefth-Ofm urn 4 Uhr 
Nachmittags; Anwesenheit in Pefth'Ofen 



bis 12 . ; - 8 . M a i 
Verbrecher. — 9. Mai 
hochste Bestimmungen 



Amnestie fur .politische 
Aller« 

1) Widmung von 
120.000 fl. zur Creirung von Stiftplatzen 
im Theresianum: 2) 90.000 fl. zur Creirung 
von Haller Fraulein-Stif tspraben ' 
den zu Gunsten des ungarischen Adels; 

3) 43.000 fl. zur Creirung von Haller 
Versorgungsstipendien fur Tochter von 
landesf urstlichen Beamten in Ungarn; 

4) 50.000 fi. fur das National-Mustum 
in Ungarn; 3) 24.000 St. zur Creirung 
von Stipendien fur bildende Kiinstler, 
und 6) 300.000 fl. zur Errichtung einer 
Landes-Irrenanstalt . — 9.— 16. Mai: 
Eroffnung der groBen landwirthschaf t , 
lichen Ausstellung im Augarten. — 11. 
Mai: Allerhochstes Handschreiben, mit 
welchen Nachlasse von Vorschiiffen an die 
3andwirthschaf tsgesellschaf t in Pesth, an 
Comitate, Districte und Gemeinden, und 
der Riickstande der Kriegssteuer ausge» 
sprochen werden. — 17. Mai : Kaiserliches 
Patent zur Regelung der Grundbef ihverhaltnif f e 
und zur Durchfuhrung der 

Commaf f ationen in Kroatien und Slawonien. 

Freundschaf ts-, Handels- und 

Schif f f ahrsvertrag zwischen Sr. Majestat 

und dem Schahinschah von Persien. — 

18. M a i: Eintritt des Graf en Franz N adHsdy 

als Iustizmimster in das Ministerium 

an Stelle des auf seine Bitte dieses 

Postens enthobenen Karl Freiherrn von 

Seite 360 



Wurzbach0 6 . txt 
KrauB . — 20. Mai: Die kaiserlichen 
Majestaten besuchen die Stadt Waitzen.— 
23. Mai : Allerhochste Handschreiben mit 
neuen Gnadenacten, ausgesprochene Aufhebung 
bestehender Conf iscationen, Amnestien, 
Nachlasse von Vorschiiffen u. dgl . 
m. — 27. Mai : Feierliche Grundsteinlegung 
des Bahnhofes der TheiBbahn in 
GroBwardein. — 29. Mai: Todestag der 
Erzherzogin Sophie, altesten Tochter 
Ihrer Majestaten, sie hatte das Alter von 
2 Jahren und 3 Monaten erreicht. — 
7. J u n i : Kaiserliche Verordnungen uber 
die Tilgung der Schuld des ungarischen, 
croatisch ' slawonischm und serbisch ' banati» 
schen Grundentlastungsf ondes . — 18. 
J u n i : Sacularfeier der Stiftung des 
Maria TheresiM ' Ordens . — 19. J u n i : 
Staatsvertrag zwischen Oesterreich, Frank« 
reich, GroBbritannien, PreuBen, RuBland, 
Sardinien und der Tiirkei, betreffend die 
Grenzen zwischen RuBland und der Tiirkei 
in Beffarabien, das Donau-Delta und 
die Schlangeninsel . — 24. J u n i : Kai» 
serliches Patent, welches in Ungarn, Croatien, 
Slawonien, Siebenbiirgen, in der 
serbischen Wojwodschaft und im Temeser 
Banat das Forstgesetz vom 3. December 
1832 (wirksam vom 1. Janner 1838) einfuhrt. 
-8. J u 1 i : Ankunft Sr. Majestat 
des Konigs von PreuBen in Wien. — 
16. J u 1 i : Wallfahrt Ihrer Majestaten 
nach Maria-Zell. - 20. J u 1 i : 
Einfuhrung des Berggesehes in Lom» 
bardo - Venetien und in Dalmatien. 
—23. J u 1 i : SchluBsteinlegung der^ 
Habsburg — Fraw Joseph 248 Habswrg — Franz Joseph 
Franz Joseph - Caserne auf der Biberbastei. 
—27. J u 1 i : Feierliche Eroffnung 
und SchluBf teinlegung der Eisenbahnstrecke 
zwischen Laibach und Trieft. Allerhochste 
EntschlieBung bewilliget auf die 
Dauer von fiinf Jahren einen jahrlichen 
Beitrag von 30.000 st. aus dem Staats 
schatze zur Restauration des Stephansdomes . 
Fahrt des ersten Dampfers 
auf der obern Moldau. — 8. August: 
Ankunft Sr. Majestat in Oedenburg 
(Fortsetzung der Reise in Ungarn ohne 
Begleitung Ihrer Majestat der Kaiserin) ; 

— 13. August: in Veszprim; — 14. in 
StuhlweiBenburg; — 43. August: in 
Moor. Besuch der Ruhestatte des im 
Dienste fur seinen Kaiser gefallenen Grafen 
Lamberg (23. in PreBburg; — 27. 

August: in Rima ' Szombath; — 29. 
August: in Rosenau; — 30. August: 
in Eperies; — 31. August: Ankunft 
in Kaschau) ; — 18. August: Einweihung 
des neuen FluBbettes der Drau. 

- 23. August: Allerhochste EntschlieBung, 
welche die Wiedereinfiihrung von 
Kunstausstellungen an der Wiener Aka» 
denn ' e der bildenden Kiinste anordnet . — 

Seite 361 



Wurzbach0 6 . txt 
30. August: trifft in Debreczin die 
erste Locomotive von Szolnok ein. — 
34. August: Eroffnung des dritten 
internationalen statistischen Congreffes in 
Wien. — I.September: Erste Probe« 
fahrt auf der Bahnstrecke vom Sudbahnhofe 
in das Innere des Haupt zollamtsgebaudes . 

— 3. September: Ankunft 

Sr. Majestat auf der Reise durch Ungarn 

in Miskolcz; — 4. September: in 

Erlau. — 15. September: Beginn 

des Cavallerielagers in Parmdorf; Auf» 

Hebung desselben am 28. September. — 

19. September: Kaiserliches Patent, 

welches die Bestimmungen zur Regelung 

des Miinzweftns, anlaBlich des Miinzvertrages 

vom 24. Janner 1837 kundmacht . 

— 29. September: Abreise Sr. Majestat 
des Kaisers nach Dresden; — 1. 
October: Ankunft Sr. Majestat in 
Weimar und Zusammentref f en mit Sr. 
Majestat dem Kaiser Alexand-er I I . von 
RuBland.— 13. October: Eintreffen in 
Venedig des ersten directen Personenzuges 
von Mailand. — 14. October: Durch 
Regulirung ihres Laufes ist die Maros 

fur Dampfschiffe fahrbar gemacht . — 
13. October: Zolleinigungsvertrag zwi . 
scheu Oesterreich und Modena. — 23. 
October: Kaiserliche Verordnung, wel. 
che die Bestimmungen des Gesetzes vom 
6. September 1830 iiber Ankiindigungen 
und Zeitschrif ten abandert . — 29. October: 
Feierliche Uebernahme des ehemali« 
gen Universitatsgebaudes von Seite der 
kaiserlichen Akademie der Wissenschaf ten . 

— 7. November: Donau»Dampf schif f f ahrts ' Acte 
zwischen Oesterreich, Bayern, 

der Tiirkei und Wiirttemberg. — 13. 

November: Eroffnung der Eisenbahnf ahrten 

zwischen Szegedin und Te . 

mesva.r. — 16. November: Revidirter 

deutsch - osterreichischer Telegraphmvereins ' Vertrag . 

— 20. November: Allerhochste 
EntschlieBung, erhebt den Markt 

Ried im Innkreise zur Stadt. — 23. November: 

Uebergabe der Szolnok-Debrecziner 

Eisenbahn dem Verkehre. — 20. 

December: Allerhochstes Handschreiben 

Sr. Majestat an den Minister des Innern, 

Freiherrn von Bach, beziiglich der Erweiterung 

der inneren Stadt. 

1858. 3. Janner: Radetzky stirbt. 

Armeebefehl: das 3. Huszaren-Regiment 

fiihrt fur immerwahrende Zeiten seinen 

Namen. — 7. Janner: Donauschif f f ahrts- 

Acte zwischen Oesterreich, Bayern, 

Tiirkei und Wiirttemberg. — 18. Janner:. 

Leichenfeier des Feldmarschalls 

Radetzky in Wien- — 19. Janner: 

Bestattung in Wetzdorf in Anwesenheit^ 

Habsburg — Fran) Joseph 249 Habsburg — Joseph 

Sr. Majestat des Kaisers. — 24. Janner: 

Kaiserliche Verordnung, womit die 

Seite 362 



Wurzbach0 6 . txt 
Anwendung mehrerer Bestimmungen des 
Taxgesetzes vom 27. Janner 1840 auf 
Ungarn, Kroatien, Slawonien, die serbische 
Wo jwodschaf t , das Temeser Banat 
und Siebenbiirgen ausgedehnt wird. — 
30. Janner: Concursausschreivung 
eines Grundplanes fur die Erweiterung 
und Regulirung der inneren Stadt 
, Wien. — 7. Februar: Kaiserliches 
Patent zur Einfuhrung der Notariatsordnung 
vom 21. Mai 1833 in Galizien, 
Krakau, Bukowina, Ungarn, Croatien, 
Slawonien, Siebenbiirgen, in der 
Wojwodschaft und im Banate. — 27. 
Marz: Kaiserliches Patent, womit 
das Forstgesetz vom 3. December 1832 
auch in Dalmatien eingefiihrt wird. — 
29. Marz: Beginn der Demolirungs ' 
arbeiten des Stadtwalles in Wien. — 
27. April : Kaiserliches Patent, welches 
die Verhaltnisse des Miinzverkehres, die 
Anwendung der neuen osterreichischen 
Wahrung und die Geltung des Wiener 
Wahrung ' Papiergeldes regelt.— I.Mai: 
Eroffnung des Donauquais, die erste 
sichtbare bedeutungsvolle Thatsache der 
Stadterweiterung . — 19. Mai: Eroff» 
nung der Teplitz' Ausfiger Eisenbahn. 
—22. Mai : Festliche Einweihung deS 
Asperndenkmales . — 31. Mai : Feierliche 
Eroffnung der Eisenbahnstrecke von 
Falgendorf nachPardubit z . — 20. J u n i : 
Kaiserliche Verordnung, welche die Ge« 
richtsbarkeit iiber mehrere Uebertretungm 
des allgemeinen Straf gesetzes den politi» 
schen Behorden zuweist. — 29. J u n i : 
Allerhochste EntschlieBung, genehmiget 
den AnschluB der Orientbahnlinie von 
Ofen iiber Kanischa bei Pragerhof an 
die siidliche Staatsbahn. . — 14. J u 1 i : 
trifft die erste Locomotive der Theifibahn 
von Szolnok in Arad ein. — 18. J u 1 i : 
Feierliche Eroffnung der Temesvar- 
Baziaser Eisenbahn. — 8. August: 
Mit dem Remorqueur „Karl" gehen die 
acht von Sr. Majestat fur den Dom in 
Speyer gewidmeten Kaiserstatuen (6 gearbeitet 
von Fernkorn, 2 von Dietrich) 
vom Landungsplat ze beim Kahlenbergerdorsel 
ab . — 19. August: Staatsvertrag 
zwischen Oesterreich, Frankreich, 
GroBbritannien, Preufien, RuBland, Sardinien 
und der Tiirkei, beziiglich der Fiirf tenthiimer 
Moldau und Wallachei. (Ratif icirung 
2. October.) — 22. August: 
Geburt des Kronprinzen Rudolph 
Franz Karl Joseph urn 6 Uhr Morgens; 
— 23. August: dessen feierliche 
Tauf t . — 26. August: Allerhoch. 
ftes Handschreiben, welches den Bau 
eines neuen Krankenhauses, genannt die 
„Rudolph-Stif tung" , anordnet; ferner 
fiir Jiinglinge aus Croatien, Slawonien, 
der serbischen Wojwodschaft je 3, aus 

Seite 363 



Wurzbach0 6 . txt 
Siebenbiirgen 4 Stif tungsplatze im Theresianum; 
fur Tochter verdienstvoller 
Beamten und Militars aus Croatien, 
Slawonien und der serbischen Wojwodschaft 
je 3 Haller Stif tsprabenden und 

3 Versorgungsstipendien; in Siebenbiirgen 

4 Stif tsprabenden und 4 Versorgungsstipendien 
bestimmt . — 23 . 

August: Auflassung der Festungswerke 

von Koniggratz. — 1. September: 

Neues Gebuhrenreglement fur die 

ganze k. k. Armee. — 10. September: 

Kaiserliche Verordnung, hebt den 

Waarenstempel auf. — 13. Septem» 

ber: Eroffnung der Generalversammlung 

der Abgeordneten deutscher Eisenbahn- 

Verwaltungen in Trieft. Kaiserliche Ver< 

ordnung, stellt die Organisation der Bergbehorden 

im Reiche (Lombardo-Venetien 

und Dalmatien ausgenommen) fest. — 

13. September: Kaiserliches Patent 

iiber Aufhebung und Entschadigung der^ 

Habsburg — Fraw Joseph 280 Habsburg — Fraw Foseph 

Zehentbeziige in Siebenbiirgen. — 20. 

September: Uebereinkunf t der k. k. 

osterreichischen und kon. bayerischen Regierung 

, betreffend den AnschluB der 

Eisenbahnen an der bohmisch-bayerischen 

Grenze. (Ratificirt am 13. November.) — 

23. September: 18. .Versammlung 

deutscher Philologen, Schulmanner und 

Orientalisten in Wien. — 26. September: 

Erste Probefahrt zwischen Wien und 

Reckawinkel auf der Kaiserin Elisabeth- 

Westbahn. — 29. September: Kai» 

serliches Patent, womit ein neueS Gesetz 

iiber die Erganzung des Heeres kundgemacht 

wird, wirksam fur das ganze 

Reich. — 18. Octob er: Eroffnung des 

Provinzial ' Conciliums in Wien. — 11. 

November: Abreise Ihrer Majestaten 

nach Prag; Riickkehr am 23. — 13. November: 

Feierliche Enthiillung des 

Radet zky . Dmkmales . — 23. November: 

Besuch Ihrer Majestaten in Briinn. 

— 7. December: Kaiserliche Patente, 

womit Gesetze zum Schutze der gewerblichen 

Marken und anderer Bezeichnungen, 

desgleichen zum Schutze der Muster und 

Modelle fur Industrie» Erzeugnisse erlassen 

werden. — 23. December: 

Kaiserliche Verordnung, welche die, den 

neu entstehenden landwirthschaftlichen An« 

siedelungen zu gewahrenden Begiinfti» 

gungen und die Bedingungen zu deren 

Erlangung feststellt. 

1859. 6. Janner: Erklarung in 

der Wiener Zeitung, daB die Ereignisse 

in Lombardo-Venetien eine Verstarkung 

der dort befindlichen Truppen nothig 

machen. — 19. Janner: Anordnung 

zum Baue eines neuen Irrenhauses in 

Ibbs fur 300 Geisteskranke; zwei Drittel 

der Kosten aus dem Staatsschatze . — 

Seite 364 



Wurzbach0 6 . txt 

23. Februar: Depesche an den Grafen 
Apponyi in London, worin Oesterreich 
erklart, nur dann das Schwert zu ziehen, 
wenn es sein gutes Recht vertheidigen 
muB . — 26. Februar: Einberufung 

der Urlauber jener Regimenter, die in 
Italien stehen. — 7. Marz: Die Bauprospecte 
fur die Rudolphstiftung werden 
ausgestellt. — 16. Marz: Bedingtes 
Waffen-Ein-, Aus-.und Durchf uhrverbot 
iiber die Grenzen gegen Italien, die 
Schweiz und die See. — 17. Marz: 
Empfang des persischen Botschaf ters , 
welcher die Gluckwunsche seines Schahs 
zur Geburt des Kronprinzen und die 
mit Diamanten besetzte Decoration des 
Portraits des Schahs iiberbringt. — 
12. April : Ankunft Sr. kais . Hoheit 
des Erzherzogs Albrecht in Berlin, 
um in der drohenden Situation an 
PreuBen einen Bundesgenossen zu gewin« 
nen. Die Sendung war erfolglos geblie< 
ben, wie jene des Erzherzogs Anton 
im October 1803 bei ahnlichem Anlasse. 
—23. April : Antwort auf einen 
Artikel im „Moniteur" vom 19. April, 
welcher die Geschichte entstellt, wie 
man sie eben braucht . — 24. April : 
Kaiserliches Patent, womit ein neues 
Gemeindegeset z , wirksam fur das ganze 
Reich, Lombardo ' Venetim, Dalmatien 
und die Militargrenze ausgenommen, 
kundgemacht wird. — 28. April : Kaiserliches 
Manifest an die Volker Oefterreichs 
(Wiener Zeitung 29. April) . Dio 
osterreichischen Truppen (die zweite Armee 
unter Gyulai) iiberschreiten die sardi» 
nische Grenze. — 13. Mai : Anordnung 
einer Kriegssteuer . — 17. Mai : Ein« 
fiihrung eines auBerordentlichen Zu» 
schlages auf einige indirecte Abgaben. 
- 19. Mai: Gefecht bei Montebello. 
—20. Mai : Forcirte Recognoscirung 
gegen Teglio und Montebello 
durch Feldmarschall . Lieutenant Grafen 
Stadion. — 29. Mai: Abreise Sr. 
Majestat zur Armee nach Italien. — £ 
Habsburg — Fraw Zoftph 281 Habsburg — Fraw Joseph 
31. Mai: Gefechte bei Palestro. — 
4. J u n i : Schlacht von Magenta. — 5. 
J u n i : Die kais. Truppen verlassen Mailand, 
—8. J u n i : Arrioregardegef echt 
bei Melegnano', Raumung von Piacenza. 
—17. J u n i : Gyulai wird auf seine 
Bitte des Commandos der zweiten Armee 
enthoben. — 18. J u n i : Se. Majestat 
ubernimmt selbst den Oderbefehl der 
Armee. — 20. J u n i : Hauptquartier 
Sr. Majestat des Kaisers in Villafranca. 
—23. J u n i : Hauptquartier Sr. 
Majestat beS Kaisers in Valeggio. — 

24. J u n i : Schlacht bei Solferino. — 
li. J u 1 i : Zusammenkunf t Sr. Majestat 
des Kaisers mit Ludwig Napoleon in 

Seite 365 



Wurzbach0 6 . txt 
Villaf ranca; Unterzeichnung der Friedenspraliminarien . 

— 12. J u 1 i : Armee« 

befthl Nr. 31: verkundet der Armee den 
FriedensabschluB , da der Kaiser „ohne 
Bundesgenossen nur den ungiinstigen 
Verhaltnissen der Politik" weichen muB . 
—13. J u 1 i : Einstellung der im Zuge 
befindlichen Recrutirung. Kaiserliches 
Manifest, von Zarenburg datirt, welches 
den Volkern den Frieden ankiindigt . — 
28. J u 1 i : Allerhochstes Handschreiben, 
welches den Volkern Oesterreichs Dank 
sagt fur die Beweise der Hingebung, die 
sie in den jiingsten Kriegstagen gegeben. 

— 21. August: Allerhochste Hand« 

schreiben, betreffend den Riicktritt der Minister 
Freiherrn von Bach und Freiherrn 
Kempen; die Bildung des neuen Mini» 
steriums: Minister des Innern: Graf 
Gotuchowski; Minister desAeuBern: 
Graf Rechberg; Minister der Polizei: 
Freiherr von Hubner; Auflosung des 
Handelsministeriums . — 22. August: 
Programm des neuen Ministeriums in 
der Wiener Zeitung desselben Tages. — 
1. September: Kaiserliches Patent, be« 
treffend die innere Verfassung, die Schul» 
und Unterrichtsangelegenheiten und die 
staatsrechtliche Stellung der evangelischen 
Kirche beider Bekenntnisse in Ungarn, 
Slawonien, im Banate und in Serbien. 

— 7. September: Allerhochstes Handschreiben 
, womit eine Immediatcommis« 

sion fur die Reform der directen Steuern 

unter Vorsitz des Grafen H a r t i g beruftn 

wird. — 8. September: Kaiser' 

liche Verordnung, welche die definitive 

Bergzehent« Entschadigung bestimmt. — 

20. October: Se. Majestat enthebt 

den Grafen Grlinne der Stelle des 

ersten General-Ad jutanten und beruft an 

dessen Stelle den Grafen Franz Crennev 

i 1 1 e ; enthebt ferner den Freiherrn von 

Hubner seines Postens als Polizei« 

minister und ernennt an dessen Stelle 

den Freiherrn von Thierry. — 24. 

October: Allerhochstes Handschreiben, 

welches die Festvorstellung im Burgtheater 

zur Schillerf eier anordnet, das Ertragnift 

derselben der Schiller»Stif tung widmet 

und den Theaterplat z , wo im neuen 

Stadttheile daS neue Hof schauspielhaus 

zu stehen kommen wird, Schillerplat z zu 

nennen anordnet. — 8. November: 

Allerhochstes Handschreiben, welches den 

Tantiome - Bezug von 10 Percent deS 

Bruttoertrages den lebenden Dichtern 

Oesterreichs gewahrt fur die vor Einfiihrung 

der Tantiome bestehenden und 

noch auf dem Repertoire befindlichen 

Stiicke. — 11. November: Allerhochstes 

Handschreiben, welches zur Herstellung 

eines Gleichgewichtes in den 

Einnahmen und Ausgaben des Staats- 

Seite 366 



Wurzbach0 6 . txt 
Haushaltes die Einberufung einer Budgetcommission 
anordnet, welche ihre Arbeit 
bis Ende Marz 1860 zu losen hat. — 
23. November: Allerhochstes Hand« 
schreiben an Erzherzog Wilhelm und 
Minister Graf Nadasdy, welches Amm« 
ftie erlaJit fur Alle, die sich seit Anfang 
des 1.1839 an den politischen Umtrieben^ 
Haosourg — Franz Joseph 282 Sabsburg — Fraw Joseph 
in d.en verschiedenen italienischen Landern 
betheiliget haben, . — 23. November: 
Erganzungsbestimmungen zur allgemeinen 
PreBordnung vom 27. Mai 1882; erstes 
Moment der Verwirklichung des Pro» 
grammes des August ' MinisteriumS . — 
29. November: AuBerkraf tset zung des 
Z. 424 des allgemeinen bilrgerlichen 
Gesetzbuches bezijglich der Eingehung 
einer giltigen Iudmehe. — 30. November: 
Zur Ersparung im Staatshaus' 
halte horen die eigenen Landescommissionm 
und besonderen Localcommissionen 
zur Durchfiihrung der Grundentlastung, 
sowie zur Grundlasten»Ablosung und 
Regulirung auf und gehen deren Specialgeschaf te 
an die politischen Landesbehorden 
liber. — 3. December: Veroffent« 
lichung des am 10. November in Zurich 
unterzeichneten und in den Ratif icirungen 
am 24. November 4839 ausgewechselten 
Friedenstractates zwischen Oesterreich und 
Frankreich, ferner zwischen Oesterreich, 
Frankreich und Sardinien. — 20. De» 
cember: Kaiserliches Patent, womit 
eine neue Gewerbe« Ordnung, wirksam 
vom 1. Mai 4860, kundgemacht wird. 
— 23. December: Kaiserliches Patent, 
womit die Tilgung der Staatsschuld gere» 
gelt und eine Staatsschulden-Commission 
eingesetzt wird. — 26. Dece.mber: 
Allerhochstes Handschreiben, welches anordnet, 
daB die fur 4860 angeordnete 
Recrutenstellung zu unterbleiben habe . 
1860. 4. J a n n e r : Auflosung der 
Landesregierung in Salzburg und Unter» 
ordnung des Kronlandes unter die Statthalterei 
in Linz. Kaiserliches Patent, 
welches die Abanderung des Reichsgesetz» 
blattes anordnet. — 6. Janner : Kaiser« 
liche Verordnung, welche den §. 393 des 
biirgerlichen Gesetzbuches, den §. 442, 
lit. a) der allgemeinen, §. 247, lit. a) der 
westgalizischen, §. 202, Absah 4, der italienischm. 
und ft. 246, Zahl 4, der sudtirolischen 
Gerichtsordnung, wornach Personen, 
die nicht zur christlichen Religion 
gehoren, den letzten Willen eines Christen 
nicht giltig bezeugen konnen und wornach 
ein Jude fur einen Juden gegen einen 
Christen ein bedenklicher Zeuge ist, auBer 
Kraft gesetzt werden. — 43. Janner: 
Verordnungen, welche die Beschrankungen 
aufheben, wodurch bisher die Israeliten 
von gewissen Gewerben, und dem Aufenthalte 

Seite 367 



Wurzbach0 6 . txt 
auf dem stachen Lande in 
Galizien, Krakau und in der Bukowina, 
ferner in den Bergstadten in Bohmen, 
Ungarn, Croatim, Slawonien, in der 
serbischen Wo jwodschaf t , im Banate und 
in Siebenbiirgen ausgeschlossen waren. 
—48. Februar : Kaiserliche Verordnungen, 
betreffend die Besitzf ahigkeit der 
Israeliten in Niederosterreich, , Bohmen, 
Mahren, Schlesien, Ungarn, in der serbischen 
Wo jwod ' schaf t , im Temeser Banate, 
Croatien, Slawonien, Siebenbiirgen, 
Dalmatien, Kiistenland, und den Realbesitz 
in Galizien, Bukowina und Krakau. 

— 26. Februar : Kaiserliches Patent, 
womit ein neues Gesetz iiber Waarenborsen 
und Waaren>Sensale erlassen 

wird. — 3. M a r z : Kaiserliches Patent, 
welches eine Verstarkung des Reichsrathes 
durch aufierordentliche Reichsrathe anordnet . 

— 22. M a r z : Neues Lotterieanlehen 
mit 5 Percent. — 27. Marz: 

Kaiserliche Verordnung, iiber die Erleich' 
teruug des Tabakbaues. — 19. April : 
Allerhochste Handschreiben, deren eines 
den Erzherzog Albrecht iiber setn 
Ansuchen der Stelle als General- und 
Civilgouvemeur in Ungarn enthebt, dao 
andere dem Feldzeugmeister Ritter von 
Benedek die Leitung der politischen 
Verwaltung und des General-Commandos 

in Ungarn ubertragt; die bestehenden 
Statthalterei-Abtheilungen in Kascyau? 

— Fran) Joseph 233 Habsburg — FranZ Joseph 
PreBburgs Oedenburg und GroBwardem 

in eine zu Pesth vereinigt, und die 

Comitatsverwaltungen mit Beigabe der 

vormals bestandenen Comitats-Congre» 

gationen einfiihrt. — 22. April : Allerhochstes 

Handschreiben, welckes die provisorische 

Leitung des Finanzministeriums 

an den Reichsrath Otto von Plener 

iibertragt und den Minister Bruck in den 

Ruhestand versetzt. — 28. April : Kund 

machung des zu Wien am 30. Janner 

1860 unterzeichneten und in den Ratisi 

cationen zu St. Petersburg am 26. 

Marz ausgewechselten Vertrages zwischen 

Oesterreich und PreuBen Namens des 

deutsch - osterreichischen Telegraphenverei 

nes einerseits und RuBlands andererseits . 

—29. April : Auflosung der Landesregierungen 

zu Krakcm und Czernowitz, 

und Unterordnung des Krakauer Verwaltungsgebietes 

und der Bukowina 

unter die Statthalterei in Lemberg. — 

1. Mai : Ernennung der auBerordent» 

lichm Reichsrathe. — 6. Mai : Kundmachung 

der am 7. Mai verliehenen 

Concessionsurkunde, nach welcher die 

Theift«Eisenbahngesellschaf t die kaiserliche 

Concession erhielt, in der Marmaros von 

Sugatagh nach Szlatina iiber Sziget nach 

Gergely und von da nach Nyaregyhaza 

Seite 368 



Wurzbach0 6 . txt 
eine Eisenbahn zu baum. —11. Mai : 
Aufruf zu Beitragen zur Errichtung eines 
Monumentes fur Erzherzog J o h a n n in 
Gratz. — 12. Mai : Aufstellung des 
neuen Hof er ' Denkmales in' Mantua. — 
13. Mai : Zuerkennung des Preises fur 
das am 21. August 1839 ausgeschriebene 
Programm iiber die Art der Anlage und 
die Errichtung einer Heilanstalt fur cretine 
Kinder. - 13. Mai : Allerhochstes Handschreiben 
an Feldzeugmeister Benedek, 
betreffend das Patent vom 1. September 
1839, 'mit welchem die staatsrechtliche 
Stellung der evangelischen Kirche beider 
Bekenntnisse in Ungarn festgefetzt wurde. 
Durch dasselbe soil der Zwiespalt, entstanden 
in Folge des obigen Patentes, beigelegt 
werden, und wird darin alien Jenen, 
welche anlaBlich der Einfiihrung desselben 
Widerstand geleistet, die kaiserliche Verzei. 
hung zu Theil. — 22. Mai : Enthiillung 
des Erzherzog Karl-Denkmales; Bildner 
Fern korn erhalt auf dem Feftplatze 
aus Sr. Majestat Handen das Ritterkreuz 
des Leopold-Ordens . — 26. Mai : 
Die Immediatcomnnf sion zur Reform der 
directen Besteuerung schlieBt heute ihre 
Sitzungen. — 31. Mai : Beginn der 
Berathungen des verstarkten Reichsrathes . 

— Kaiserliche Verordnung, welche 

die selbststandige Stellung und gesetzmaftige 
Wirksamkeit der lombardisch ' vemtianischen 
Central - Kongregationen in 
Verwaltungsangclegenheiten ausspricht . 

— 1. J u n i : Empfang der Reichsrathe 
durch Se. Majestat den Kaiser in 
besonderer Audienz. — 7. J u n i : Die 
geologische Reichsanstalt wird mit der 
kaiserlichen Akademie der Wissenschaf ten 
vereiniget. — 17. J u n i : Auflosung 
der Landesregierungen in Karnthen und 
Krain und administrative Unterordnung 

dieser Heczogthiirner unter die Statthaltereien 

in Gratz und Trieft. — 19. J u n i : 

Ein Allerhochstes Handschreiben enthebt 

den Feldmarschall . Lieutenant Grafen 

Coronini auf dessen Bitte der Stelle 

eines Banus und ernennt an dessen Statt 

den FeldmarschalbLieutenaut Joseph Freiherrn 

von Sokcoevits. 

Diese Regestm schlieBen mit dem Tage 

ab, an welchem der Bogen nach vorgenommener 

Correctur vom Setzer in die 

Presse kam, urn abgedruckt zu werden. 

Die Regesten konnten bei der Fulle von 

Geschehnissen in der zwolf jahrigen Regie» 

rung Sr. Majestat eine ungleich groBere 

Ausdehnung annehmen, aber es muBte? 

Habsburg — Franz Foseph 284 Haksburg — Fran) Joseph 

ein Verhaltnifl zu den iibrigen Biographien 

beobachtet und dem ganzen Plane 

zu Folge nur Jenes verzeichnet werden, 

was entweder direct auf das Leben des 

Monarchen Beziehung hat, oder als Ausdruck 

Seite 369 



Wurzbach0 6 . txt 
und festes Geprage seiner Regenten« 
Periode anzusehen ist. 

I. Iiographitn und Dwgraphisches . / ' «Ais? ' e' s VinwnF/>, 
1^68 komme« as la KUsrls a'Oi'isnt: 
I'i-HQfois A 05bi»d I. (?Hlis 1854, 8«., mit 
Portrait) . — Lebensbild und Regierung Seiner 
k. k. Apostolischen Majestat Franz Joseph I., 
Kaisers von Oesterreich (o. I . u. 0. Wien 4857), 
3ex. 8° .) . - Carl B. Lorck's Zeithefte (Leipzig 
1839, 4<>.) Das vierte derselben hat den Titel: 
„Kaiser Franz Joseph, seine Feldherren und 
Staatsmanner" . — Reise A. H. Ihrer k. k. Apostolischen 
Majestaten Franz I seph und E 1 i - 
sabeth durch Karnthen im September 1836 
(Wien 1839, Staatsdruckerei . Fol . , 34Tafeln und 
91 Seiten Text) . ''Die Tafeln stellen Gegenden 
Kamthcns, Alpenansichten und Triumphbogen 
vor und sind zum groflten Theile im Farben« 
drucke . ) — Mailath (Joseph Graf), Geschichte 
des osterreichischen Kaiserstaates (Hamburg 
1350. Perthes, 8<>.) Bd. V, S. 407, 436. 
446. — Austria. Oesterreich. Unwcrsal-Kalen ' 
der fur das Jahr 1849 (Wien, Klang, gr.8".) 
X. Jahrg. S. 430: „Thronentsagung Kaiser 
Ferdinand des Ersten und die Thronbesteii 
gung des Kaisers Franz Joseph des Ersten"; 
- fur das I . 1850, X I . Iahrg S. 221 - „Zu< 
stande Wiens seit 1. December 1848"; S. 321: 
„Der Biirgerkrieg in Ungarn und Siebenbiir» 
gen"; - fur das 1.1851. XII. Jahrg. S. 203: 
„Franz Joseph I . " ; S. 267: „Zustande 
Wiens seit November 184 9"; — fur das I . 
1852, XIII. Iahrg. S. 49: „Zustande Wiens 
seit October 1Z30"; - fur das I . 1853. XIV. 
Iahrg. S. 207: „Wiener Chronik seit October 
1851"; - fur das 1.1854, XV. Iahrg. S. 161: 
„Wiener und Oesterreichische Chronik seit October 
1832; - fur das Jahr 1855, XVI. Iahrg. 
S. 283: „Wiener Chronik und Ueberblick der 
Ereignisse im ostcrr. Kaiserstaate seit October 
Is63"; - fur das Jahr 1856. XVII. Iahrg. 
S. 486.- „Wiener Chronik u. f. w. seit Oktober 
1834"; - fur das Jahr 1857. XVIII . Iahrg. 
S. 332,- „Wiener Chronik u. s. w. seit September 
1833"; - fur das Jahr 1858, XIX. Jahrg. 
S. 109: „Wiener Chronik u. s. w. seit 1. Juli 
1836"; - fur das Jahr 1859, XX. Iahrg. S. 
SS— 144 y : „Wiener Chronik u. s. w. feit Juli 
1837 bis Ende September 1838". A Da diese 
„Wiener Chronik" verbunden ist mit dem Ueberblicke 
der merkwurdigsten Ereignisse im 6ster» 
reichischen Kaistrstaate, mit dem Jahre 1843 
anhebt und sich jeder folgende Jahrgang an den 
vorangegangenen anschlieBt, so umfasset sie eben 
die Regierungsepoche Sr. Majestat des Kaisers 
bis zum letzten September 1838 sM Jahrgange 
fur 1839. welcher der letzte dieses Kalenders ist) 
und ware bei genauerer Angabe der Tagesdaten, 
und wenn bei Gesetzen nicht bald die Tage der 
Kundmachung, bald wieder jene derSanction, bald 
auch gar kein Datum angegeben ware, in Ermangelung 
der amtlichm „Wiener Zeitung" durch ihr 
reiches Material eine gut benutzbare Quelle fur den 
kiinftigen Historiker dieses Zeitraumes . A — Jahrbiicher 

Seite 370 



Wurzbach0 6 . txt 
fur Wissenschaft und Kunst . Herausg. 
von Otto W i g a n d (Leipzig 1833. 8". )H1. Bd. 
S. 61—73; S. 97—107: „Oesterreich unter der 
Regierung des Kaisers Franz Joseph" . — 
OesterreichischerSodatenf reund (Wien . 
4«.) 1830. Nr. 92: „Kaiser Franz I seph I . 
bei Naab. Getreu nach authentischen Quellen" . 
4833, 9. Hlar«.: ,,1/Ninpersur Frkupois". 
''Dieses von Nlphons Balleydier, dem Ver« 
fasser der Geschichte des ungarischen Aufstandes, 
der romischen Revolution u. s. w., verfaBte Lebens« 
bild enthalt viele Charakterzuge und Einzeln« 
heiten.) — Frankfurter Conversations* 
b 1 a t t 1853, Nr. 237: „Kaiser Franz Io« 
seph". Mitgetheilt von v i - . H." "aus Ritter 
A p p e r t ' s , ) 6ouvonir8 K ! 8toi-iyne8 " , welche 
eine Fortsetzung sind seines friiheren Werkes: 
„Zehn Jahre an dem Hofe des Konigs Ludwig 
Philipp" . Ein Capitel darin fiihrt die 
Ueberschrif t : „Sieben Priuataudienzen vor Sr. 
Ma jestat dem Kaiser von Oesterreich" . Aus die« 
sem Abschnitte des damals (1833) noch nicht 
gedruckten Appert'schen Werkes wird die „Cha» 
rakteristik des Kaisers", wie Appertsie entwirft, 
mitgetheilt); - 1834, Nr. 78. S. 312 A aus 
einer Correspondenz der „Deutschen allgemeinen 
Zeitung" iiber des Kaisers Aufenthalt in Miin« 
chen) .— Didaskalia. Blatter fur Geist und 
Gemiith u. s. w . (Frankfurt a. M. . 4".) 1839. 
Nr. 170,171 u. 172: „Franz Joseph, Kaiser 
von Oesterreich" (in einem der friiheren Jahrgange, 
ich glaube 1832, Nr. 230, befindet sich der 
. Aufsatz: „Der Hofstaat des Kaisers von Oester» 
reich") .—Die Jetztzeit. Wochenschrif t fur 
Politik, Belehrung und Unterhaltung in gebilde« 
ten Kreisen, herausg. von Dr. Meynert (Wien, 
gr. 3«.) 1833, Nr. 7—23: „Oesterreich unter 
Kaiser Franz Joseph I. Zeitgeschichtlich«£ 

— Fraw Zoseph 288 B absburg — Fraw Joseph 

statistischer Ueberblick" . — AugsburgerPost 
zeitung 1854. Beilage Nr. 108 (10. Mai): 

„ F r a n z Joseph I. Eine Stimme aus 

Preufien" . — Tiroler Zeitung (Innsbruck. 

Rauch, 4«.) 1832, Nr. 222 (28. Sept.): „Ein 

f ranzosischer Bericht iiber unseren Kaiser Franz 

Joseph" HUeberset zung einer Pariser Correspondenz 

der „InaspenAauos doig-6", welche 

eine Charakteristik des Kaisers Franzloseph 

enthalt' 1 . — Volks b 1 a t t fur Tirol und Vor» 

arlbergl831, Nr . 75 : . . KaiserFranz Joseph". 

— Carinthia (Klagmf urterZeitschrif t ) XQVI . 

Jahrg. (1836) Nr. 31: „Gin goldenes Blatt aus 

Kornchens Chronik" s>es Kaisers Besuch mit sei« 

ner erlauchten Gemalin in Kornchen im 1.1836' 1 >. 

— Manner der Zeit. Biographisches Lexiton 
der Gegenwart (Verlag von C. B. L. Lorck 

in Leipzig, 1839) Bd. I . — Gallerte denk ' 
wiirdiger Personlichkeiten der Gegenwart, nach 
Originalzeichnungen und Gemalden (Leipzig 
1833, I.I. Weber. Fol.) S. 7, Taf. IX; S. 
106. Taf. 113. -Illustrirte Zeitung, 
herausg. von I.I. Weber (Leipzig, Fol.) 
9. August 1859, Nr. 840: „Zusammenkunf t der 
zwei Kaiser in Villafranca am 11. Juli". — A 1 1« 

Seite 371 



Wurzbach0 6 . txt 
gemeine Zeitung 1849, Nr 98 und 174: 
„Franz Joseph I. und sein Erzieher" . — 
Rheinische Blatter fur Unterhaltung und 
gemeinniit ziges Wirken (Beiblatt zum „Mainzer 
Journal", 4".) 1831. Nr. 130.- „Kaiser Franz 
Joseph und sein Hof" "Fragment aus A. von 
Sternberg ' s „Fasching in Wien" . Dasselbe 
auch abgedruckt im „Sammler", Beiblatt zur 
Augsburger Abendzeitung 1851, Nr. 44) . — 
Dieselben 1853. Nr. 68. S. 27«: „Das 
Kaiserhaus und die Stimmung des Volkes"; — 
Nr. 2«8.- „Kaiser FranzIoseph"Me Charak. 
teristik des Monarchen, reich an vielen Episoden 
auo dessen Leben) . — Briinner Neuigkeiten 
185«. Nr. 120.- „Die Kaiser Franz Joseph 
von Oesterreich und Nikolaus von 
RuBland im militarischen Lustlager bei Olmutz 
den 25. Mai 1851". — Kovuo 6s asux 
IN0NA63 (pa.1'12, I.SX. 8".) XX. VIII. HNUss, 
seoonas I>k!-tis (Ng.i 1838), toms 13»"/, 8.14«: 
«aus i ' Nmxsi-our 
ostion« poUtihU68 ot lo lu 
i>ui8 1848 V»r N. 

II. Vermaln ugs»Fiteratur . Die Schriften, welche 
anlafllich der Vermalung Sr. Majestat des Kai« 
sers mit Elisabeth Eugenie, Herzogin in 
Bayern, erschienen sind, ferner die Beschrei' 

bung der Feierlichkeiten u. s. w., stehe im Artikel 
Elisabeth Nr. 73. S. 173 (in den Quellen) . 

III. Einzelne Ziige aus dem Leben des Kaisers 
/ranz Joseph I., in Prosa nnd Poesie. Oester« 
reichischer Zuschauer, herausgegeben von 
Ebersberg (Wien, Ler. 8«.) 1833, Nr. 100: 

„Die Entstehung des osterreichischen Conwr« 

dates". Auch abgedruckt im „Lwzer Abend- 

Boten" 1833. Nr. 141.— Troppauer Telegraph 

1834, Nr. 127 »rzahlt das erste Zusam« 

mentreffen des Kaisers mit Elisabeth, Her» 

zogin in Bayern. I n vielen deutschen Iourna» 

len gleichlautend abgedruckt) . — Olmutz er 

allgemeiner Anzeiger 1833, Nr. 16 herzahlt 

einen Zug aus dem Leben des Monarchen gegen» 

iiber einem kleinen Beamten, welcher eine un< 

verdiente Zuriickset zung erfahren hatte". — Tagespost 

(Grazer Blatt . Fol.) 1838, Nr. 143: 
„DesKaisers Bachstelzen" . — Innsbrucker 
Tag'Blatt 1834 (V. Jahrg.) Nr. 76: „Des 
Kaisers frommer Sinn" herzahlt einen Vorfall, 
ahnlich jenem aus Nudolph's Leben, den 
Schiller in seiner Ballade: „Der Graf von 
Habsburg", poetisch behandelt hat) . — Neuigkeiten 

(Briinner polit. Blatt. Fol.) 1833, Nr 81: 

„Eine Szene im Parke zu Larenburg" A ourch 

Fendi ' s Meisterpinsel verewigt und das Bild 

im Besitze Ihrer Majestat der verwitweten Kaiserin 

Karolina Augusta. Eine sehr hiibsche 

Copic in Lithographie brachte die von M. Auer 

herausgegebene Zeitschrift „Faust" 1833, Heft 6), 

— Wiener Courier (polit, Blatt) 183«. 

Nr. 236: „Herzensgute unseres Kaisers". — 

Faust. Poligraphisch-illustrirte Zeitschrift, herausgegeb. 

unter der Leitung des Staatsdruckerei ' 

Directors v. Auer (Wien, gr.4".) 1836. Nr. 1?: 

„Furstliche GroBmuth" A dazu eine Kreidezeich« 

Seite 372 



Wurzbach0 6 . txt 
nung von K a h 1 e s — Europa. Herausg. 
von Gust. Kiihne. 1853, Nr. 20. S . 137: „Ein 
noch wenig bekannter Moment aus dem Leben 
des jungen Kaisers" s^hebt unter Anderem die 
Bedeutung der Zahl 18 im -Leben des Kaisers 
hervor, der am 18. August geboren ist, mit 
18 Jahren den Thron seiner Vatrr bestieg und 
am 18. Februar aus Mordcrshand gerettet wor« 
den) .— Theater-Zeitung, herausg. von 
Adolph B a u e r 1 e , 1849, S.483: „Bericht iiber 
den Besuch Sr. Majestat Franz Joseph I. 
im Spitale fur Verwundete und Kranke in 
Mauer bei Wien", von Dr. Cusarius. — 
Dieselbe 1854, Nr. 227: „Der Kirchengang" , 
von Ernst Ritter von Stainhauser. — 
Innsbrucker Nachrichten 1833. Nr 234. 
S. 1303 herzahlten einen Zug aus dem Leben des 
-Kaisers' 1 . — Didaskalia (Frankfurter Unterh. 
Blatt, 4«.) 1832. Nr. 26tt '"Beispiel der Begeisterung 
eines Ungarn fur den Kaiser, die so weit^ 
Oabsburg — Fran) Zoseph 236 Haosburg — Fraw Joseph 
ging, daB er auf die Frage des Buchbinders, wie 
er ihm seine Piichcr zu binden habe, ob in 
Halb« oder Ganzf ranzband, entgegnete: „Binden 
Sie mir halb Franz, halb Joseph, daB ich doch 
liebes Kaiser ganz hab'"); — 1856, Nr. 307 
Major T u r a , der vergebens versucht hatte, 
zu Sr. Majestat zu gelangen und sich seine 
Pension zu erbitten, erhalt dieselbe. Ein Hand' 
schuh des Kaisers wird sein PaB bis in dessen 
Gemacher A . — Gratzer Telegraph. Allgemeines 
Anzcigeblatt 1855. Nr. 198: „Der 
4. October". — Gartner (Wilhelm) . Kaiser« 
Lieder. Fest. und Denkblatter (Pesth 1837, 
G. Kilian, A . ) .Gartner, der bekannte 
Dichter der Tramen „Amadcus", „Andreas 
Hofer" und „Simson", besingt in diesen „Kaiser- 
Liedern" mehrere Momente aus dem Leben des 
Monarchen. Die Gedichte sind: „Die Krone 
aller Kronen"; — „Der Goldschmied" (auch im 
Abendblatte der „Pesth<Ofner Zeitung" 18S6. 
2. December, abgedruckt) ; — „Hoch iiber Alle"; 
— „Madonna" (auch im „Oesterr. Friihlings» 
Album", herausg. von Heliodor T r u s k a . ab» 
gedruckt); — „Einkehr" (im „Humoristen" 1826, 
vom 26. April, abgedruckt) . A — Gmundner 
Wochenblatt 1355, Nr. 43: „Des Kaisers 
Thrane", von Frz. Is. Proschko. — Oesterrcichisches 
Biirgerblatr (Linz, 4°.) 18S5, 
Nr. 134.- „Der Kaiserbaum" . '"Das Gedicht, 
welches eine wahre Begebenheit behandelt,, ist 
von Karl Santner in Musik gesetzt.' 1 — Der 
Satellit (Unterhaltungsbeilage der Kronstadter 
Zeitung, 4°.) 1834, Nr. 7 1 : „Danksagung" , von 
Rudolph Neu meister. — Oesterreich ! » 
scher Soldatenf reund (Wien. 4°.) 1849. 
Nr. 8t) .- „Die Briicke bei Raab. 28. Juni 184!>". 
'"Den beriihmten Gang des Kaisers iiber die 
brennende Briicke behandelt ein Ungenannter 
poetisch. Denselben Stoss besingt auch Freiherr 
von Zedlitz in seinem „Soldaten-Buch ' 
lein" (Stuttgart 1652, (5otta, 16".) und Alfred 
Wald au im Localblatte: „Der Bote von der 
Egcr und Biela"; Ersterer im Gedichte: „ I n 

Seite 373 



Wurzbach0 6 . txt 
Raab", Letzterer im Gedichte.- „Der Kaiserheld 
vor 3iaab" . A 

1?. Denkmaler 1 Portrate, Dusten u. dgl . m. 
Monument. Illustrirte Zeitung, herauog. 
von I.I. Weber in Leipzig. 1883. S. 323: 
„Das Denkmal in Ferlach" ''Dieses Denkmal, 
im altdeutschen Baustyle ausgefuhrt, ist zur 
Erinnerung an die Lcbensrettung des Monarchen 
am Is. Februar 1853 errichtet worden. Es hat 
iin Ganzen eine Hone von 24 FuB . Das Piedestal 
besteht aus vier Stufen, wovon drei die 

Entwickelungen der Erdrinde in ihren drei Hauptperioden, 
die vierte die wichtigsten Erzgattungen 
veranschaulichen und sonach ein offenes Museum 
der Karnthner Felsarten und Mineralien bilden. 
Die sechsseitige Saule besteht im FuBe aus 
rothem Sandstein im Schafte aus Tufkalk, die 
Verzierungen sind aus Schmiedeisen . Drei Mew 
mortafeln auf drei Saulenf lachen enthalten Auf» 
schriften mit deutschen Goldbuchstabcn, u. zw. 
die dem Haupteingange in die Ortschaft Ferlach 
Zugekehrte Tafel die Worte: „Zur Erinnerung 
an die Lebensrettung Sr. Apostolischen Majestat, 
des Kaisers Franz I o seph I . am 18. Februar 
1553"; die zweite an der Sudseite den Wahlspruch 
des Kaisers: „ V i 1 i d u s unitiL"; die dritte: 
„Von der Gemeinde in Ferlach" und neben« 
bei Schiller ' s Worte: „An ' s Vaterland, an ' s 
theure, schlieB ' dich an, das halte fest mit deinem 
ganzen Herzen" . Die Einfassung des Denkmals 
ist aus Gewehrlauftn gebildet und deutet sonnt 
auf die Ortschaft Ferlach als Waf f enwerkstattc 
hin."l — Portrate. Die Zahl derselben betragt 
iiber 100, und I . Heitzmannin seinem „Portrats- 
Catalog" (Miinchen 1858. Mey und Widmayer, 
gr. 8".) gibt das vollstandigste VerzeichniB 
derselben, welches sich jedoch seit dem Jahre 
1868 wieder urn mehrere Blatter vermehrt hat. 
Hier folgen nur die vorzuglichsten : 1) Nach 
Schrotzberg in Linienmanier gestochen von 
Fr. S t o b er (Wien, Paterno, gr. Fol.) Brust« 
bild; — 2) nach E i n s 1 e lithogr. von Prinzhofer 
(ebenda. Fol.); — 3) gez. und lithogr. 
von Gobi (ebd. . Fol) zu Pferde in Uniform; 

— 4) nach E i n s 1 e lithogr. von Dauthage 
(ebd., Fol.) in der Randverzierung die Wappen 
der osterreichischen Kronlander; — 5) nach 

E i n s 1 e lithogr. von E y b 1 (ebenda, Adlerformat) 
im ToisowOrdens ' Costume; — 6) nach 
Schwager lithogr. von Wolf (ebd., Fol.) 
Brustbild in Lebensgrofte, in Marschalls ' Uniform 

— und als ungarischer General der Cavallerie; 

— 7) nach Kaiser lithogr. von S o n n t a g 
(ebd., 4".) ganze Figur im steirischen Jagd» 
eostume; — 8) nach einer Photographie von 
Mahlen echt lithogr. von Hoffmann (ebd., 
Fol.); > 9) nach Schwager lithogr. von 
Nriehiiber (ebd., Fol.) in Marschalls<Uni< 
form; — 11)) gez. und lithogr. von Ed. Kaiser 
(ebd., Fol.) als Huszaren-Oberst — Nhlanen- 

Oberst — Jager-Oberst — Kiirassier ' Oberst — 
Dragoner-Oberst — Artilleric«Oberst — und 
Infanterie ' Oberst ; — 11) gez. und lithogr. von 
Z a m p i s (ebd., Qu . Fol.) der Kaiser zu Wagen 

Seite 374 



WurzbachO 6 . txt 
in Begleitung seines Fliigel-Ad jutanten Oberst 
Grafen ' Donnel;— 12) lithogr. von 
Kaiser (Wien, Neumann, gr. Qu . Fol.) mit¥ 
Habsburg — Franz Karl 237 Habsburg — Franz Kar! 
der Kaiserin Elisabeth zu Pferde: - - 13) 
lithogr. von S o n n t a g (ebd., kl. Qu.Fol.) mit 
der Kaiserin zu Wagen; — 14) nach Geiger 
lithogr. von Bauer (ebd.. gr. Qu . Imp.) mit 
der Kaiserin, Erzherzog Franz Karl, Erz- 
Herzogin Sophie und den beiden Prinzessmen; 

— 13) Stahlstich von A rm ann (ebd., 4".); — 
16) von Pettenkofen (ebd., kl. Fol.) zu 
Pferde; — 17) gez. uon A. Bach, lith. uon 
Melcher und V o 1 k e r s (Miinchen, Mey und 
Widmayer, gr. Noyal) mit der Kaiserin, beide zu 
Pferde; — 18) gemalt von A dam, galvanogv. 
uonSchoninger (Miin6)en, lit. artist. Anstalt 

gr . Fol.) zu Pferde; — 19) gemalt uon PH. 

Foltz, galvanogr. von Schoninger (Salzburg, 

Baldi, gr. Noyal) ganze Figur im Ornate; 

— 20) gez. und lithogr. von Heicke (Wien, 
Hofelich. Noyal) zu Pferde mit Suite; — 21) 
nach Diirck lithogr. von F. Hanfstangl 

(Miinchen. Hanfstangl. Imp. Fol.) lebensgroB; 

— 22) Oelf arbendruck von D r i e n d 1 auf Lein« 
wand (Miinchen, Driendl) lebensgroB, 72 f 1 . , 

fur Oesterreich 60 f 1 . C. M.. mit dem Bilde der 
Kaiserin als Pendant zusammen fur Oesterreich 
100 St.- _» 23) nach Bceger gest. von Pan» 
nier (Paris, Bulla und Iony, kl. Fol.) ganze 
Figur; — 24) lithogr. uon Alophe (Paris, 
Gouvil u. Comp., Fol.) aus der Suite „ I 1 o i n - 
«163 au /N oui>"; — 23) Stahlstich im Gothai« 
schen Hofkalender (Gotha, I . Perthes, 8«.); — 

26) Stahlstich nach E i n s 1 e von Mahlknecht 
(Wien, bei Mahlknecht, Mignonf ormat) ; — 

27) Stahlstich von Weg er (Leipzig, Baumgartner, 
4°.); — 28) lithogr. von Decker 

(Wien, Paterno, Fol.) in deutscher Feldmafi 
schalls ' Uniform — im Toison-Ordens ' Costume; 
29) lithogr. von Kaiser (Wien, Neumann, 
gr. Qu . Fol.) mit der Kaiserin im ungarischen 
Costume . 

99. Iranz Karl Joseph, Erzherzog 
von Oesterreich (geb. 7. December 1802) . 
Dritter Sohn des Kaisers Franz I. (11.) 
und Maria Theresia's von Sicilien. 
Von vier Sohnen des Kaisers Franz — 
denn zwei starben in ihrer Kindheit: 
Erzherzog Iosep.h (geb. 9. April 1799, 
gest. 29, Juni 1807) und Erzherzog 
Johann (geb. 29. August 1803, gest. 
19. Februar 1809) — der drittgeborene, 
Bruder Sr. Majestat des Kaisers Ferdi» 
nand ss. Nr. 88) und Vater Sr. Majev. 
Wiirzbach, biogr. Lexikon, V I . 
stat des jetztregierenden Kaisers. Nach 
beendeter Erziehung machte der Erzherzog 
einige Reisen, im iibrigen lebte er den 
Staatsangelegenheiten fern und verzichtete, 
als der Eintritt einer neuen Kraft fur 
den Aufbau und die Wohlfahrt von Neu> 
Oesterreich nothig geworden war, und sein 

Seite 375 



Wurzbach0 6 . txt 
Bruder, Kaiser Ferdinand, am 2. December 
1848 die Krone niedergelegt 
hatte, zu Gunsten seines Sohnes Franz 
I o se p h aufd enKaiserthron . Der Grundzug 
des Habsburgischen Charakters, Giite 
und Wohlwollen, haben den Erzherzog 
zu einem der popularsten Prinzen des 
Kaiserhauses gemacht . Seit 4. November 
1824 ist der Erzherzog vermalt mit der 
Erzherzogin Sophie, kon. Prinzessin 
von Bayern. Aus dieser Ehe stammen 
vier Sonne: Franz Joseph, Kaiser 
von Oesterreich (geb. 18. August 1830) 
ss. Nr. 98); Erzherzog Ferdinand 
Max (geb. 6. Juli 1832) ss. Nr. 89); 
Erzherzog Karl Ludwig (geb. 30. Juli 
1833) und Erzherzog Ludwig (geb. 13. 
Mai 1842). Eine am 27. October 1833 
geborene Erzherzogin Maria Anna 
Karolina ist schon am 3. Februar 1840 
gestorben . 

Manner der Zeit. Biographisches Lexikon der 
Gegenwart . Erste Serie (Verlag von Carl B. 
Lorck in Leipzig. 18110, 4°.) S. 331..- Oesterr. 
Nationcil-Encyklopadie, herausg. uon G r a f f er 
und Czikann (Wien 1835, 8«.) Bd. I I , S . 182. 

— Die Bilder-Welt. Gallerte denkwiirdiger 
Personlichkeiten der Gegenwart. Nach Original« 
zeichnungen, Gemalden, Statuen und Medaillen 
(Leipzig, I.I. Weber, Fol.) Sp . 78, Tafel 8«. 

— Gratzcr Telegraph 1836, Nr. W: „Herzens« 

gute und Mildthatigkeit des Allerhochsten Kaiserhauses". 

— Vollstandiger Titel Sr. kais.Hal)cit 

des GrihcrMs Fral!! Aarl. Ritter des goldenen 

VlieBes; GroBkreuz des osterr. kais. St. Stephan- 

Ordens; Ritter des russ. kais. St. Andreas« und 

des St. Alerander Newsky«. des weiBen Adler« 

und des St. AnnewOrdens erster Classe; des 

kon preuB . schwarzen und rothen Ndler-Ordeno 

erster (Nasse; des f ranzosischen Ordens oom heil. 

Geiste; des kon. bayer. St. Hudertus-, und des 

17? 

Habsburg — Friedrich 238 Hadsdurg — Friedrich 

kon. hannoo. Haus« und Ritter-Ordens vom 

heil. Georg; GroBkreuz des kais. brasil. Ordens 

' vom siidlichen Kreuze, des kon. M . St. Fer« 
dinand» und Verdimst-Ordens und des kon. 
hannou. Guelphen-Ordens ; Ritter des groBherz, 
baden'schen Ordens vom Zahringer Lowen, und 

des groiiherz. Hess. 3udww, ' Ordens; k, k. Feldmarschall ' Lieutenant ; 
Inhaber des Infanterie- 

Regiments Nr. 52; Chef des 3. kais. russ. Grenadier- 
Regiments uon Samogit . — Portrate, i ) 
Nach D ii r k lithogr. von E y b 1 (Wien, Patrrno. 
Fol.) Brustbild; — 2) lithogr. von K r i e huber 

(Wien. Nemnann, Fol.); — 3) von Dem« 
selben (Wien, Spina, Fol.); — 4) Lithogr. 

(Wien. Forster's artist. Anstalt, gr. 4<>.). 
100. Friedrich 1. der Schone, als 
deutscher Kaiser Friedrich III. (geb. 
1291. nach Anderen schon 1286. gest. 
13. Janner 1330) . Zweitgeborner Sohn 
des Kaisers Albrecht I. A Nr. 7 A und 
Elisabethens von Karnthen A s. 

Seite 376 



Wurzbach0 6 . txt 
Nr.87). Gemalm: Elisabeth, eigentlich 
Isabella vonAragonien ss.Nr.39' s , 
ihm 1313 vermalt. Rinder: Friedrich, 
in der Kindheit gestorben; — Anna, 
welche Einige Gemalin Ludwig des 
Romers, eines Sohnes des Kaisers 
Ludwig von Bayern, Andere des 
Konigs von Polen Ladislaus Lokietek's 
sein lassen; SpieB aber hat nachgewiesen, 
daB sie mit Heinrich von 
Niederbayern vermalt gewesen ss.Nr.2i A ; 

— Elisabeth, nach Einigen verlobt 
mit Johann, Konig von Bohmen, 

aber im Brautstande 1334 gestorben, 

wahlspriiche. Urn den Untertheil eines 

Standbildes des Herkules — so daft nur 

die zwei FiiBe mit den Schenkeln sichtbar 

sind — die Devise: A akuo stat. Redensarten, 

die er im Munde fuhrte, waren: 

tzuoa puasat pil.lg.ui, 0I2.M no laoito; 

— Norty dsata nikii boatius, — und 

vita. 6xiw3 . hervorragend e Lebens Momente. 
Schon nach seines Bruders Rudolph's 
Tode wurde dem Herzoge Friedrich gegen 
alles Recht wechselseitiger Erbvertrage 
die bohmische Krone entzogen. Mit seinem 
Vater Albrecht zog er bis vor Prag. 
gab iiber — im Winter 1307 — die 
Belagerung Prags, wo die bohmischen 
Stande hartnackigen Widerstand leisteten, 
auf. Als nach seines Vaters Tode (1308) 
die deutsche Kaiserkrone in Erledigung 
kam, traten die Nanke des Papstes 
Clemens 'V. und die schlauen Umtriebe 
des Erzbischofs Peter von Mainz (P. 
Aichspalter) , sowie deS Erzbischofs 
B a 1 d u i n von Trier den Bewerbungen 
Friedrich 's hindernd entgegen, und es 
wurde (27. November 1308) Heinrich 
von Luxemburg zum deutschen Kaiser 
(als solcher Heinrich VII.) gewahlt . 
Als Heinrich (24. August 1313) starb, 
stand Friedrich als neuer Bewerber 
der deutschen Kaiserkrone wieder d.a, und 
vereint mit seinem Bruder Leopold 
der luxemburgischen Partei gegeniiber. 
Schon damals bot Deutschland das 
jammerliche Bild der Uneinigkeit. Ueber 
die Churwiirde und Wahlstimme herrschte 
unter mehreren Churhausern groBer Zwie« 
spalt . Im Hause Sachsen standen sich die 
zwei Linien Sachsen»Lauenburg und 
SachseN ' Wittenberg schroff gegeniiber; 
ebenso Brandenburg-Landsberg und die 
Mark Brandenburg. Die anderen Fiirsten 
waren in zwei Lager getheilt, die einen, 
wie Coin, der Pfalzgraf bei Rhein, 
standen zu Friedrich, die anderen, wie 
Mainz, Trier, stand' 1 1 zu den Luxembur ' 
gern. und die letzteren trugen Ludwig 
von Bayern die deutsche Kaiserkrone an. 
wahrend die ersteren sich fur Friedrich 
entschieden hatten. Jede Partei wahlte 
und kronte, die Oesterreicher zu Sachsen» 

Seite 377 



Wurzbach0 6 . txt 
hausen bei Frankfurt am 19. October 
1314; die Luxemburger in den Frankfurter 
Vorstadten jenseits des Mains auf 
dem gewohnlichen Wahlfelde. Friedrich^ 
Habsburg — Friedrich ' 289 Dabsburg — Friedrich 
wurde am 25. November von dem 

verf assungsmafiig dazu bestimmten Churfiirsten 
von Coin, Erzbischof Heinrich 
von Vimenburg, bei Bonn im freien 
Felde, L u d w i g am 26. November vom 
Churfiirsten von Mainz, Erzbischof Pete r, 
zu Aachen, am verf assungsma'Bigen Orte 
gekront . Beide Wahlen wurden dem 
Reiche, und als der Papst Clemens V. 
gestorben war, dem zukiinftigen Papste 
berichtet. Eine Vereinbarung zwischen 
L u d w i g und Friedrich war vor der 
Hand unmoglich geworden. 1313 kam es 
zum formlichen Kriege. Ludwig, hatte 
iiber Friedrich und seinen Bruder 
Leopold am 11. Mai 1343 die Reichsacht 
ausgesprochen, und Friedrich fiel 
nun in Bayern ein. Deutschland wurde 
nunmehr der Schauplatz eines blutigen 
Kampfes, zu dem sich noch Hungersnoth 
und Seuchen gesellten, so daB dieses Jahr 
sich im Anagram: OuouUuin kennzeichnet , 
welches inromischenZahlen OVOVI.I.VKI 
das Jahr 1313 gibt, und aus dem 
Reimvers: Dt la>tQkt nnilurn toMML 
tainis oooo cluouUuin hergeleitet wird. 
Leopold hatte indessen die Schweizer 
ziichtigen wollen, die sich fur Ludwig 
erklart hatten, muBte aber bei Morgarten 
am 13. November eine schwere Niederlage 
erleiden. Vereint richteten nun Friedrich 
und Leopold ihren Angriff gegen 
Ludwig; und zwar wurde (Mingen 
belagert, welches sich mit mehreren 
anderen schwabischen Reichsstadten den 
Oesterreichern ergab. Ein Waf f enstillstand 
folgte, aber schon 1318 begann der 
Kampf von Neuem und der Vortheil 
neigte sich auf Friedrich's Seite. 
Dieser jedoch, ungeduldig und des langen 
Haders miide, wollte einen entscheidenden 
Schlag fiihren, und ohne erst die Ankunft 
Leopold's, der ihm noch mehr Streitkrafte 
zufiihren sollte, abzuwarten, kam 
es zur entscheidenden Schlacht zwischen 
Miihldorf und Ampfingen am 28. Sep« 
tember 1322. Der kriegskundige Niirn« 
berger Feldoberft Siegfried Schwepper» 
mann war es, dessen kluge Aufstellung 
des bayerischen Heeres alle Tapferkeit 
der kampfenden Oesterreicher vergebens 
machte. Der Umstand noch, dafi> Sonne 
und Wind den Oesterreichern entgegen 
waren, und Burggraf Friedrich von 
Niirnberg aus einem Hinterhalte brach, 
trug das Seinige bei; die Oesterreicher 
waren geschlagen und Friedrich wurde 
von dem Steiermarker Rindsmaul, 
der im Bayernheere focht, gefangen. 

Seite 378 



Wurzbach0 6 . txt 
L u d w i g schickte ihn nun auf die Festung 
Trausnjtz an der Nordseite der Donau. 
Dort verblieb Friedrich zwei ein halb 
Jahre . Sein Bruder Leopold hatte 
sogar die Reichskleinodien an Ludwig 
gesendet, urn seinen Bruder zu befreien, 
aber vergebens. Erst als Leopold mit 
seinen Schaaren in ' s Schwabenland eii> 
brach und Ludwig dadurch in ' s Gedrange 
kam, bot er die Hand zur Ausgleichung . 
Er begab sich nach Trausnitz zuFriedrich 
und bot diesem die Freiheit an, wenn er 
die Bedingungen eines Vertrages erfullte, 
dessenHaupipuncte waren: daBFriedrich 
seine Bruder zur Herausgabe aller vom 
Reiche an sich gerissenen Giiter bewegen, 
ferner daB er alien Thronrechten und 
Anspriichen ganzlich entsagen und er seine 
Tochter Elisabeth Ludwig' s Sohne 
S t e p h a n zur Ehe geben wolle u.dgl.m. 
I m Gegenfalle sollte Friedrich zur Zeit 
der Sonnenwende 1323 sich ihm als 
Gefangenen wieder stellen. Friedrich 
wurde nun frei und that Alles, urn sein 
Wort zu losen, aber es war vergebens; 
sein Bruder Leopold bedrangte nur 
noch mehr mit Feuer und Schwert den 
Kaiser Ludwig, war nicht zur Milde 
und Nachgiebigkeit zu bringen, und ob«£ 
Sabsburg — Friedrich 260 Habsburg — Friedrich 
gleich der Papst selbst Friedrich's Vertrag 
mit Ludwig fur gotteslasterisch 
erkannte, stellte sich Friedrich seinem 
gegebenen Worte gemafi als Gefangener 
dem Kaiser Ludwig. Solche Treue, die 
einzig dasteht in der Geschichte Deutsch 
lands, riihrte tief den Kaiser Ludwig, 
er driickte den erlauchten Gefangenen 
begeistert an sein Herz, zog ihn fortan an 
seine Tafel, schlief mit ihm in einem Bette 
und iibertrug ihm, als ihn ein Unter 
nehmen nach Brandenburg rief, die 
Statthalterschaf t Bayerns. Endlich ging 
er mit Friedrich den neuen Vergleich 
ein, wornach Beide ganz gleichen Theil 
kiinftig am Reiche haben, einander nie 
verlassen, jeder den Titel eines romischen 
Konigs und Augustus fiihren, den Andern 
Bruder nennen solle u. dgl . m. Dieser 
Vertrag geniigte aber den Churfiirsten 
und dem Papste nicht. Friedrich und 
Ludwig beschlossen nunmehr die Ab» 
anderung des Vertrages, und Ludwig 
sollte die Kaiserwiirde, Friedrich die 
des romischen Konigs bekleiden. DieB 
geniigte den Churfiirsten, aber nicht dem 
Papste. Friedrich's Bruder Leopold 
begann nun wieder seine Feindseligkeiten 
gegen Ludwig, worin ihn nur der Tod 
unterbrach. Mit Leopold verlor zwar 
Ludwig seinen heftigsten Gegner, aber 
auch Friedrich seine machtigste Stiitze. 
Wahrend Ludwig seiner Kampfe wegen 
mit Johann XXII. (1327) nach 

Seite 379 



Wurzbach0 6 . txt 
Italien zog, traf ihn in Trient die 
Nachricht von Friedrich's Tode, der 
ihn in der Karthause zu Mauerbach im 
Alter von 44 Jahren ereilt hatte. 
eouLortinin iuter I ' i-ieaorioum A .ustriaemu 
6t I A uaovicum Vavarum . . . sx paoto ao 
avno N<U<U(?XXV aastructuln 5ud moasramine 
A oku Dav. Ivoeloi'i 6i5Hui8itioui 
sruaitorum pubU A ao . . . ZuknMtit 
autor rsLponsui-u« . . . ( A Itork. 1733, M. 
Dau. Ms A s?, 4°., neue AuSgabe Frankfurt und 
Leipzig 1735, Fol.). — Bohmer ( I . Fr.), 
Regesten Kaiser Ludwig's des Bayern und 
seiner Zeit. NsFSLt», Imperii incio ak anno 
Die Urkunden Kaiser I u d w i g des Bayern, 
Konig Friedrich des Schonen und Konig 
J o h a n n ' s von Bohmen, nebst einer Auswahl 
der Briefe und Bullen der Papste und anderer 
Urkunden, welche fur die Geschichte Deutschlands 
von 1314—1347 vorzuglich wichtig sind, in 
Ausziigen (Frankfurt 1839, Sigm. Schmerber, 
4".) und Erganzungsheft (ebd. 1841. 4») . Man 
vergleiche iibrigens auch die Geschichtswerke iiber 
Kaiser 3 udwigden Bayer, welche 0. Gruber 
in der Ersch und Gruber 'schm Encyklopadie 
der Wissenschaf ten und Kiinste, I. Section, 
49. Theil, S. 283, in der Anmerkung anfuhrt.) 
A .ULti-illoiiL (Norimb. 1733, 4«.); - dazu 
A gehort: Hs«NH«eiiiH />6i? ' a A l) ?it«?ttl«, Vliiasrtatio 
6i>i3tola, i ' ig aci ua A munaum Vuoiliuin 
c A ua voUinta, rinm eouLortium n, Laumauno 
nuxsr «, a8tlu, otuni aiiuaieNtur ( A .urolikni 
1737, 4o.), gegen Bauinann's Ansicht — und 
Dav. Ivosioi'um ciua. Va,umanni voluntlN ' iiim 
eouLoi-twin aElonaitur (8uadaoi 1738, 4".). 
— Kurz (Fr . ) , Oesterreich unter Kaiser Friedrich 
dem Schonen (3mz 1818, Haslinger, 8«.) 
dazu: Wiener Jahrbiicher der Literatur, Bd. XI., 
AnzeigeblattNr . 11» : „Notiz auseinerHandschrif t 
der Stistsbibliothek (Berichtigung zu Kurz' 
obigem Werke) . — He. '/ie?' A , Oiiioortatio clo 
tui'dia in in A orlo It.. <3. ox oiolltiono I A uaovicil jll . 
vn.riLi otl A riaoi ' ioi A U8trin,el oi'ti« (/Vi 1 - 
3entoi-».ti 1717, 4«.). - I 1 A 1 . ' A ? A A >l'e A . A , 
Nxamon Q0N3oi'tii iiniioi ' iiUin intev I A uclovioum 
IV. ijkvkrnrn ot I A riuQi'ionm A Ul,tria,o 
(Ilalao 1732, 4«.) . — Unter den kleineren, 
in anderen Werken zerstreuten Aufsahen sind 
anzufiihren: / A , Zariptare» rorum A uotriaoarurn, 
lorn. II, (. A A . 416-42N : „ ( . ' Iironieon 
I A uclovici IV. ImyLllUoriZ , A .uotoro A .no- 
A ) 'N A Q A .o A un.ll". — Arch iu fur Kunde 6ster° 
reichischer Geschichtsquellen (Wien 1849, 8".) 
rich des Schonen: Ausziige aus einer Handschrift 
des 14. Jahrhunderts im k . k. Haus«, Hof» 
und Staatsarchive . Verpf andungen aus d. I . 
1308-131:;, Nr. 1-137." -Neu eAb Handlungen 
der bayrischen Akademie, Band I, 
S. 269—348: „Historische Priifung der Frage: 
ob Konig Ludwig IV. mit seinem Gegenkaistv 
Friedrich dem Schonen uon Oesterreich das£ 
Habsburg — Friedrich 261 Habsburg — Friedrich 
deutsche Reich gemeinschaftlich beherrschet hat? 
von Ant. Ioh. Lipowsky. — Olenschla 

Seite 380 



Wurzbach0 6 . txt 
ger, Staatsgeschichtc der ersten Halfte des 
44. Jahrhunderts . Nr. XVII. -XIX. - 
Gcschichtsblatter aus der Schweiz, herausgegeben 
von Kopp, Bd. I I , Heft I: „Die 
Gegenkonige Friedrich und Ludwig und 
ihre Zeit. I . 1314-1322, von Kopp." - 
N'tttttto?-, VibliotliLoa. Lavarica. (1767), S. 26 
bis 3i>: „Beschreibung des Treffens bei Gmpsin 
gen." — Hormayr ' s „Archiv" fur Geschichte 
u. s. w. 1828. S . 223: ..Die Schlacht urn das 
romische Neich bei Miihldorf und Ampfing 
zwischen Ludwig dem Bayern und Fried 
rich dem Schonen (28. September 1322)", auch 
in Hormayr ' s „Taschenbuch" 1830, S. 452 
bis 486. — Hormayr ' s Plutarch I I . Band 
und wiederabgedruckt in der ,, Austria. Ocsterr. 
Uniuersal ' Kalender " auf dao Jahr 1833, . S . 70 
bis 83. — Die „Abendstunden" , hcrausg. 
vom Vereine zur Verbreitung fur Druckschrif ten 
fur Volksbildung (Wien. Prandel. kl.«".) Jahrg. 
18ao, Heft3, S . 16 bis 52, von C. N. F r u h auf. 
— Fugger, Spiegel der Ehren des ErzHauses 
Oesterreich (Niirnberg 1668. kl. Fol.) S. 266. 
270-277. 21)0, 281-289, 292, 297. 298, 303, 
304. — Allgemeines historisches Lexikon 

(Leipzig 1730, Thorn. Fritschen's Erben, Fol.) 
Bd. I I , S . 422. - Ma i 1 a th (Ioh. Graf) . 
Geschichte des osterreich. Kaiserstaates (Hamburg 
1850, Perthes, «" ) Bd. I , S. 98-125. - Vergleiche 
auch: Schmit Ritter von Tauera 

(Carl Dr.), Bibliographie zur Geschichte deB 

osterr. Kaiserstaates (Wien 1838. Seidel) Nr. 

382—407. —In Sagen und Gedichten wurde 

Friedrich der Schone ofter behandelt. Man 

vergleiche Hormayr's „Archiv fur Geschichte" 

u. s. w. . Jahrg. 181 1, S . 526: „F ried r i ch der 

Schone", oon Fischcl; 1816. S. 273- „Friedrich 

der Schone auf der Trausnitz, 1325"; — 

und Desselben „Taschenbuch fur vaterlandische 

Geschichte" 1«44, S. 5—17: „Friedrich der 

Schone". — Portrate. 1) Grst . von Blaschte 

l A in Hormayr's Plutarch); — 2) gest. von 

Philipp K i 1 i a n A in Fugger ' s Ehren' 1 

fpicgel) . — Treffend ist ein Vergleich Hor< 

m a y r ' s , wenn dieser sagt : „Ein denkwiirdiger 

Beweis des ewigen Zirkelganges, in welchem sich 

die Thaten und Begebenheiten der Menschen 

drehen, ist die Aehnlichkeit des Unfalles, der 

Friedrichen bei Miihldorf und die f ranzosischen 

Konige J o h a n n und Franz (jenen in 

der Schlacht bei Maupertuis den 16. September 

1356, diesen am 24. Februar 1525 bei Pavia) 

traf, an einem Tage den Sieg und die Freiheit 

an ihre Nebenbuhler zu verlieren. Wie Fried» 

r i ch von dem Abte zuAdmontund den Gebrii< 

dem von W a 1 d see. so wurde Konig Johann 

von dem Cardinal Tallcyrand-Perigord 

und Marschall Clermont, Konig Franz von 

dem tapfern Chabannes, Foir und la 

Tremouille gewarnt, nicht zu schlagen; — 

alle drei Konige fochten personlich mit unglaut" 

licher Tapferkeit; alle drei Schlachten wurden 

durch die Haufen entschieden, so unversehens aus 

dem Hinterhalte hervorbrechen, die des Burg' 

Seite 381 



Wurzbach0 6 . txt 
grasen Friedrich bei Miihldorf, Johann 
C h a n d o's bei Maupertuis, Pescaras bei 
P a v i a ; — alle drei Konige ergaben sich an 
geborne Unterthanen, die beim feindlichen 
Heere fochten; Friedrich an den Steiermarker 
Rindsmaul ; Johann an den aus Artois 
verbannten D y o n i s oon Morbec; Franz 
an den Begleiter des Connetable von Bourbon 
Pomperant. Wie Friedrich, so stellte sich 
Johann wieder freiwillig in die Gef angenschaf t 
nach London, als er sich auBer Stande sah, die 
harten Bedingungen des Friedens uon B ret 
i g ny zu erfullen; — Franz lebte zu nahe 
an Macchiavcls Zeitalter, urn die Aussoh, 
nung auf eine so edelmuthige Art zu bewirken." 

101. Friedrich II. (geb. 10. Februar 
1327, nach Hiibner 1333, gest. 4. December 
1344). Sohn Otto's des Frohlichen 

und Elisabethens von Bayern 

j^s. Nr. 60' s >. Durch Vermittelung Ludwig's 

von Bayern, welcher Niederbayern 

— woraufO t t o's Sonne: Friedrich I I . 

und Leopold II., Anspruch von Seite 

ihrer Mutter hatten — in Besch nahm, 

dafiir aber die beiden Briider in anderer 

Weise zu entschadigen beabsichtigte, 

wurde Friedrich mitM aria, Tochter 

Eduard's III., Konigs von England, 

Leopold aber mit einer Tochter 3ud« 

wig's von Bayern verlobt. Da beide 

Fiirsten noch zu jung waren, wurden die 

Beilager verschoben. Der Tod aber vereitelte 

dieses Project; Friedrich starb, 

18 Jahre (nach Hiibner 11 Jahre) all. 

Fug ger. Spiegel der Ehren des ErzHauses 

Oesterreich . . . S. 317 und 320. - Ma i 1 a t h^ 

Habs burg — Friedrich 262 Dadsburg — Friedrich 

(Ios. Graf), Oeschichtl.' des osterreichische Kaisorstaateo 

(Hambur.g isaO. Perthes. 5° . ) Bd, I , 
S. 133. 

» A * 

102. Friedrich 111. der Freigebige 
(geb. 1347, gest. 10. December 1362) . 
Sohn Albrecht ' s I I . des Lahmen oder 
des Weisen und Johanna's, Erbtochter 
Ulrich's, letzten Grafen von Pfnrt. 
Friedrich fand auf der Jagd durch 
Unvorsichtigkeit Ernliebs von Pott endorf 
den Tod. Seine Devise war urn 

eine Hand, die einen Dreschflegel halt: 

I ' owm viiwL laoit . Friedri ch liegt in 

der Wiener St. Stephanskirche begraben. 

Fugiier, Spiegel der Ehrm des Erzhauscs Oester« 

reich... (Nurnberg 166". kl.Fol.) S. 338-340. 
* * 

10 3- Friedrich IV. mit der leeren 
Tasche, Erzherzog von Oesterreich (geb. 
1382, gest. 23. Juni 1439). Sohn 
Leopold's III. des Gerechten aus 
dessen Ehe mit V i r i d i s , Tochter 
Barnabas', Herzogs von Mailand. 
Friedrich's Briider waren: Wilhelm 

(gest. 1406); Leopold IV. der Stolze 

(gest. 1411) und Ernst der Eiserne 

Seite 382 



Wurzbach0 6 . txt 
ss. Nr. 78^. Gemalmen: 4) Seit 1406 
Elisabeth ss. Nr. 65)'. 2) A n n a . 
Tochter Friedrich's, Herzogs von 
Braunschweig, gest. 11. August 1432. 
Amder. Aus erster Ehe : Elisabeth (geb. 
und gest. 27. December 1409) . Aus der 
zweiten Ehe: Wolfgang (jung gest. 
16. Februar 1426) ' Margaretha 
(jung gest. 3 . I u k 1424); Sigismund 
(geb. 1427. gest. 1496), und Hedwig 
(jung gest. 21. September 1427) . Wahl» 
spruch. Ueber einem auf einem Altare 
lodernden Feuer die Devise: „HuieLoit in 
sndliini", und wie Fuggersie iibersetzt: 
Sie steigt ohne Ruh ' 
Dem Himmel zu. 

Hervorragende Lcliensmomente . Friedrich 
regierte mit seinen Brijdern gemeinschaf tlich, 
doch so, daB der Aelteste den Vorrang 
hatte und als Familienvater in der Burg 
zu Wien residirte. Im Jahre 1404 leistete 
Friedrich dem Abte Cuno von St. 
Gallen Hilfe gegen dieAppenzeller; jedoch 
die eine Abtheilung erlitt bei dem Angriffe 
auf den Berg StoB eine Niederlage 
und die zweite von Friedrich gefiihrte 
belagerte St. Gallen, gab aber die 
Belagerung auf, als Friedrich den 
Unfall der ersten Abtheilung vernahm, 
auf dem Ruckziige noch einen harten 
StrauB gegen die Appenzeller bestehend. 
Als diese spaten in das Innthal und die 
Etschlcmde eindrangen, gab ihnen aber 
Fried rich 's Partei am 13.Janner 1408 
fur ihren frevelhaften Uebermuth den 
Lohn zuriick, indem sie dieselben bei 
Bregenz angriff und ganzlich aufs Haupt 
schlug. Immer noch dauerten die Zwistigkeiten 
fort zwischen Friedrich von 
Tirol und den Appenzellern, aber Friedrich 
hatte. nicht Zeit, sich mit ihnen zu 
beschaf tigen, weil der iibermuthige He in» 
rich von Nattenberg, gemeiniglich 
der Hauptmann von Chaltaren genannt, 
seine Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. 
Heinrich besafl in Tirol 24 gute 
Schloffer, die ihm iiber 20.000