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ALLGEMEINE 



MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



EIN UND VIERZIGSTER JAHRGANG. 



Mit dem Portrait von 

S. Thallierg:. 



LEIPZIG, 

Druck nod Verlag von Breitkopf df Hirtel. 
1839. 



Muo ).i o^iy ^ 



HARVARD^ 

[universityI 

LIBRARY 



INHALT 

des 
einundTierzigsten JsLhvQauQes 



der 



allgemeinen musikalischen Zeitung 

yomJahrel839. 



/. Theoretische und historische Aufsätze. 

Akademie der schönen Rüoste za Paris (der) Neaes Reglement 
zur Bewerbaog om den Preis für masikafische Kompo- 
siziboea (Mittheilan^^ aas Paris). S. 733. 

Ausxng einer gerälligst mitgetbeilten Autobiografie des Herrn 
Schoberlecbner nnd seiner rühmlich bekannten Gat- 
tin^ gebornen IXall* Occa. S. 437. 

Biograrien, Auszüge aas den neuesten grösseren mnsikali- 
scben Colburn's. I. Elisabeth Billington, geb. Weichsei 
(mit kurzem Lebenslaafe ihrer Aeltern). S. 749. — II. Eli- 
sabeth Mara, so weit Gerber und Frdr. Rocklitz die 
Vorfalle nicht oder nur wenig berühren. S. 769. — 
III. Lorenzo da Ponte. S. 788 (mit brieflichen Auszügen). 

Engländer» Franzosen^ Italiener und Teutsche in der Musik. 
Ansichten eines Franzosen. S. 348. 

Der Erzähler, Paganini und Berlioz (mit Briefen derselben}. 
S. 41. 

— Etwas über den Musikzustand in Holland. S. 465. 
Erzählung (über Alcss. Scarlatti und Giov. Buononcini) : Eine 

neue Oper im Jahre 1690. S. 529. 
Fink» G. W., Einleitung. S. 1. 

— Berichtigung der Lebensumstände Aless. Scarlattl^s und 
seiner Familie. (Nach italien. Gazetta.) S. 39. 

— Job. Nep. Scheible, Direktor des Cacilien -Vereins in 
Frankfurt a. M. Mach F. Weismann bearbeitet. S. 53. 

— Ueberslcht der vom 1. Oktober bis zum Ende des Jahres 
1838 herausgekommenen Musikalien. Zum Beschlüsse 
mit einer AUgemeinUbersicht der Werke des ganzen Jaln 
res. S. 77. 

— Die vollständige Urschrift der Partitur des Mozartschen 
Requieml Vorläufiges S. 81. — Ausgeführtes darüber 
nach der Schrift des Herrn J. F. v. Mosel S. 317; Be- 
scMuss S. 341. 

— Die Ball, über ihn als Virtuosen nnd Komponisten, nach 
seinem zweiten Konzerte in Berlin. S. 237. 

— Kurze Lebensbeschreibungen ; J. J. H. Verbulst S. 250; — 
Saltler, Christian Frdr. S. 257;— Dr. John ßlow S. 264. 

— William Rogers S. 277; — Harsley, William, S. 330; 

— Johann Grüger S. 383; — Funk^ Friederike/ Sän- 
gerin. S. 497; — , Caravoglia-Sandrini S. 498; — Bassi 
S. 499; -~ Ch. G. Rcbs S. 515; — Zu Ernst Methfes- 
sei's Leben S. 672; — (Peter Creraont S. 730); — Ko- 
ning, David, S. 944; — Gomolki , Nieol. S. 946. -^ 
Schubert, Aug., S. 961 ; — Hammer, Georg, S. 975; 

— Sig. Tbalberg S. 1037. 

— Wichtige Verbesserung der Posaune. S. 257. 

— Das Skene-Manuskript. Verschiedenes über altschottische 
Musik nach dem Buche von Will. Dauney „Ancient Sco- 
tish Melodies'< mit Musikbeilage. S. 261 n. 277. 

— ' Uebersicht der in den ersten '3 Monaten d. J. herausge- 

kommenen Musikalien. S. 300. — Fortsetzung der Ueber- 
•icht in den nächsten 3 Monaten. S. 564 ; — Fortsetzung 
S. 805. 

— Ueber das Bedürfoiss , Mozart*s Hauptwerke unserer Zeit 
so metronomisirt zu liefern , wie der Meister selbst sie 
anffubren liess. S. 477. Zugleich mit Tomaschek*8 Me- 
tronomtsirung des Don Juan. S. 480. 

— Die Frankfurter Mozartstiftung. (Vergl. den vorigen Jahrg.) 
S. 540. 

.— Das Wichtigste ans Lndoy. Viadana's Vorrede zu dessen 



1-, 2-, 3- nnd 4stimmigen Kirchenkonzerten ^ zur Ver- 
■inderong der Faataeieen darüber. S. 655. 
Fink, G. W., Antwort auf eine Anfrage, die Stellnng der Punkte 
binUr den I^ten betreffend. S. 658. ' 

— Christoph Aug. Gabler. Lebenslauf and gedniekte 
Werke. S. 707. 

— Dänemark's Verein zur Beförderung der Tonkunst. S. 839. 

— Ueber Metron omisirungsart. S. 86T. 

-^ Ueber die Phorminx der alten Griechen. (Gelogendich.) 
S. 917. 

Gegenwärtiger Zustand der Mnsik in Madrid. L Volks- 
musik. S. 760. — II. Salonmusik. S. 765.— lU- Thenter- 
musik. S. 767. 

RSehy, der Violinspieler. Dargestellt von -— P— . S. tb. 

Kühn an, J. F. W., Berichtigungen mit Bezug auf die Kompo- 
nisten-Angaben, im Mühlhäuser Choral-Melodieenbuche von 
1834. S. 63. 

Rnrzgefasste Fabel der neuesten Oper Anber's: Le lac dos 
F^es (der Feensee). S. 349. 

Leipziger Abonnement-Konzert im \yinter 1838 n. 1839. RüdL- 
bück und Wunsch. S. 302. 

Marz^ A. B., Ueber das Studium der Komposition mil besonderer 
Beziehung auf die Kompositionslehre des Verfassers der 
Abhandlung. S. 909. 

Miltitz, C. Korr. v. , Etwas über die sog. Entreactes. S. 739. 

— Beachtenswerth. (ücbv neu verfertigte vortreffliche Vio- 
linen und Violoncellos^ die sich den alt-italiooisohen an- 
schliessen. Zugleich über eine neue Erfindung der Zu- 
bereitung des Holzes.) S. 1045. 

MoUtor^ Simon, Bemerkungen zur Lebensgeschiehta Emanuel, 
genannt der Baron v. Astorga. Dnrin unter Anderem die 
Lebensbeschreibungen des Ginseppe Porsilo n. Mieh» 
Angstenberger. — Mit Zusatz der Redakzion. S. i97v 
Beschluss : S. 226. 

Ole lull, über ihn als Künstler. S. 124$ 141 (ans Kassel); 19( 
nnd 216 (in BerUn); 421 (in Wien); 601 (in Kassel); 
674 (in Wien); 650. v ^ v /» 

Ueber IgnazPleyel und namentlich über seine merkwündige, 
nur im Mskpt. zn Strassburg vorhandene Koraposizion: 
La r^volotion da 10. Aout 1794, ou le toesin aU^ri* 
que, mit einer Musikprobe derselben. S. 872. 

Privatschule der Taubstummen, wo Zdglioge sprechen nnd 
singen lernen^ in Verona» S. 213. 

Schmied t,J. P., Kapporto intorno alla Riforma della Mnsica di 
Cbiesa oder lieber den Bericht des Generalmnsikdirektors 
Spontini wegen Verbesserung der Kirchenmusik in Italien« 
S. 781. 
•^ Zur Verbesserung der Kirchenmusik in Italiea. S. 951. 

Statistik der in Italien 1838 komponirten Opern nnd nen ent- 
standenen Maestri 117. Nachtrog dazu S. 369^ 

Statistischer U eberblick der FH&hlingsopem in Italien. 
S. 696. 
— der Sommeropern in Italien* S. 954« 

Stimme, die menschliche, in ihrer Anwendung zum Crosttu». 
S. 677. 

Topografie, musikalische. Jena. Forts. S. 208. — Strass- 
burg, Forts. Kirche, der Münster: Gesebichte dar dor- 
tigen Orgel, aller Organisten nnd Kapellmeister S. 841 1 
Forts, derselben S. 870. •— Beseblnss mit der Gesebiohto 
des dortigen Glockenspiels S. 81^. — Leipzig, Forts. 
S. 903^ 

1 



ffl 

Weif, Karl, Ueber die Qaartettkonzerte der Brüder Maller aas 
Braanschweig In Kopenhagen (zugleich über Qoartettspiel 
überhaupt und Verschiedenheit mehrerer Qaartettkompo- 
üiiten). S. 93. 

Wintsingerode, Eberhard v.^ der Cacilien - Verein in GSt- 
tingen. S. 567. 

Zar Lebensbeschreibung Zingarelii's. (Mitgetheilt ma Italien.) 



//. Gedichte. 

Bruchstneke einer italienischen Ode auf die Sängerin Boldrini. 

S. 935. 
Corona di Fiori (Lobgedicbt anf Sänger nnd Sängerinnen in 

Venedig). S. 253. 
Gedicht ans dem Französischen übersetzt. S. 123. 
Gläubige Zuversicht, ged. von 0. L. B. VVolff, mit Masik 

von Karl Baock. S. 512. 
Grnis an die lieben Sanggenossen von den Hallensern (zur Pro- 

vioziaULiedertafel). S. 464. 
Italienisches Gedicht zu Ehren der deutschen Sängerin Maray. 

S. 856. 
Persisches Lied der Derwische (mit Melodie). S. 416. 
Probe aus Cbristiao Schreiber's religiösen Dicblnngen. S. 61. 
Sie weiss, waa sie. will. Volkslied von 0. L. B. Wolfi'. S. 513. 



///• Nekrolog, 

Bärwolf, Violin- Virtuos (mit Lebensbeschr.) S. 775. 

Belloli^ Teresa, Sängerin. S. 423. 

Berger, Ludwig, in Berlin. S. 178. Ausrdhrliche Lebensbeschr. 

S. 186. 
Boccaccio, Tenor in Bologna. S. 370. 
Brod» Heinr., Oboist am Konsei^ton. zu Paris. S. 378. 
Carus, Agnes, Dr., geb. Käster. S. 216. 
Corbetta, Ginseppe, Balfo. S. 933. 
Costamagna, Antonio^ junger Komponist, starb in Mailand. 

S. 422. 
Festa, Ginseppe, in NeapeL S. 607. 
Fenillet-Dnmusy Mad. , Harfenistin zu Paris. S. 338. 
Gabler^. Christoph Aug. (mit Lebenslaof;. S. 707. 
Garcia, Manuel, (nachträglich). S. 962. 
Hellwig, Karl Frdr. Ludwig. (Mit ausrdhrlicher Lebensbeschr.) 

S. 28. 
Hnttner, Prof. des Kontrabasses in Prag. S. 1055. 
Hye, de la, Grossniehte Rousseau's, Künstlerin in Paris. S. 218. 
Japitt, Violinvirtoos in Paris. S. 572« 

Kretzschmer, Franz Johann Karl Andreas (mit kurzer Le- 
bensbeschr.) S. 434. 
Ladurner, Prof. am Konservatorium zu Paris. S. 258 n. 672* 
Lafont, Violinvirtoos. S. 730 ; 762. — Lebensbeschr. S. SOI. 
L anner, VioUnspieler in Paris. S. 858. 
.Manri, Loigi, Gesaoglehrer in Mailand. S* 194. 
Menghini, Teresa, Sängerin. S. 855. 
Morandi, Feiice, Tenor. S. 212. 
Müller, Job. Imman. , Mnsikdir. und Kantor in Erfurt. S. 3f8. 

Ausrührlicbe Lebensbeschr. S. 773. 
Nourrit, Adolphe, Tenor zu Neapel. S. 258. — Ausfnhrliehe 

Lebensbescbreihung S. 312. Nachträgliches dazu S. 35|. 

450, 605 u. 674. 
Paer, Ferd.^ Opern komponist etc. in Paris. S. 396. 
Parlamagii, Antonio^ bekannter Butt» f zu Florenz. S. 173« 
Prooy, von, Pair von Frankreich. S. 728. 
Rastrelli, Vine., in Dresden. S. 1055. 
Ronceni, Domenieo, starb in Mailand. S. 671. 
Rossini, Ginsseppe, Vater des Gioachino. S. 627. 
Schneider, Creorg Abraham, Kapellmeister in Berlin (aus^nh^ 

liehe Lebensbeschreibung). S. 124. 
St. Sebtttze, Hofrath in Weimar. S. 419 n. lOSj». 



IV 

SmolenskI, Marianna, Sängerin In Turin. S. 405. 
Sor, berühmter GuiUrrist, starb zu Paris. S. 593. 
TamboUni, R«ph«el, Musico in Berlin (mit kurzem Lebens- 

Todesfälle, kurz angezeigt. S. 434; 474; 490; 842. 
Trübe, Adolph, Organist und Lehrer in Waldenbunr. S. 384 
Usteri, Martin (Dichter>. NaehträgUch S. 60. ' 
Vllloteao, Guill. Andr^ (mit Lebensbeschreibung). S. 637 
Wassermann, Heinr. Joseph, Mosikdir. in Basel (mit ausfdhr- 

lieher Lebensbeschreibung^ S. 86. 
Weber, Gottfr. Dr. S. 780. 

Wewetzer, F., junger Pianoforte-Lehrer. S. 1029. 
Winter, Eduard^ Mitglied des Orchesters in Leipzig. S. 1056. 
Wittasek, J. J. , Domkapellroeister in Prag. S. I057i 
Wolfram, Joseph ^ Bürgermeister und Opern komponist S. 826. 

IF. Recemionen und beurtheilende anzeigen. 

1. Schriflen Ober Masik. 

Auswahl vorzüglicher Musikwerke in gebundener Schreibart von 

Meistern alter und neuer Zeit. 10. Lief. S. 329. 
Bach, J. Seb. , Tart de la Faguc etc. Edition nouvelle. Liv. Hl. 

(Ein Lehrbuch ohne Worte.) S. 3, 
Becker, Kart Ferd., Systcmatiseh-chrobologlsche Darstelinng der 
mosikalischen Literatur. Nebst einem Anhsnge : Cboral- 
sammlungen aus dem 16., 17. n. 18. Jahrb. Nach- 
trag. S. 861. 
Beger, Aug., Die Würde der Musik im griechischen Alterthume 

zur Beachtung für die Gegenwart. 1839. S 917 
Dauney, William, Ancient Scotish Melodies from'a Manuscriot 
of de Reign of King James VI, with an iotrodoctory 
Enguiry illustrative de flislory of de Mosic of Scolland. 
Edinburgh etc. 1838. in 4. S. 261. — ßeschl. S. 277. 
Fischer, L. Musikalisches Würfelspiel (zur Erlernung der 

IXoten). S. 86. 
Gassner, Ferd. Simon, Partiturkenntniss , ein Leitfaden zum 
Ä"Ä!22f: '•'''^" ^^^^^ :^. Theil Notenbei. 
Gazetta musicale. Napoli, 15 Settembre 1838. (Erste Num- 

mer.) S. 37. 
Gre ssler. Albert und Gustav, Lieder Tur Schule und Haus 
Eine Mustersammlung der besten Wort- und Tondichtun- 
j gen (Textbuch für sich). Heft f. 1839. S. 973. 
Häser, Heinr., Dr., Die menschliche Stimme, Ihre Organe Aus- 
bildung, Pflege nnd Erhaltung. Für Sänger, LehrcV etc 
1839. S. 677. 
Heinse, Frdr., Reise- und Lebens-Skizzen nebst dramatuririscben 

Blättern. 1. u. 2. Thl. S.. 497. 
Hofmeister, Adolph, Handbuch der musikal. Literatur, oder 
allgemeines systematisch geordnetes Verzeichoiss gedruck- 
ter Musikalien , auch musikal. Schriften und Abbildun- 
gen etc. Dritter Ergänzungsband vom Januar 1834 bis ' 
zum Ende 1838. S. 517. 
Höltsch, C, Gesangschnle , enthaltend eine Sammlung mehr- 
facher praktischer Uebuugsstücke im Takt, Notentreffen, 
und in der Stimmbildung, für Schulen. 1. Heft. S. 799. 
Ideen nnd Betrachtungen über die Eigenschaften der Musik. 

1839. S. 965. 
Referstein, G. A., Dr., Die Kunst von Ihrer Schattenseite. 
Homilie über Apostelgesch. XIX, 23—40, gehalten am 
17. Sonntage nach Trinitatis 1839. S. 989. 
Langbecker, E. C. G. . Gcsangblälter aus dem 16. Jahrb., 
mit einer kurzen Nachricht vom ersten Anfang des evan- 
gelischen Kirchenliedes etc. 1838. in 4. S. 381. 
— Job. Crüger's, von 1622 bis 1662 Musikdir. an der Ni- 
colaikirche in Berlin , Choral-Melodieen. Aus den besten 
Quellen etc. Mit Crüger's Bildniss. In 4. S. 382. 
Manns tein, Heinr. Ferd., die gesammte Praktik der klassischen 
Gesangkunst. Bin Handbuch für Komponisten, Gesang- 
lehrer, Sänger etc. 1839. S. 885. 



VI 



Marz^ Ad. Benib., Dr., ATl^meiiie Mosiklehre. Ein Bnlfslraeh 

fSr Liehrer ood Lerneode etc. 1839. S. 357. 

Meyer» Rarl, lieber dM Verhälloiss der KansC zam Callas. Ein 
Wort aa alle ^bildete Verebrer der Ranst. 1837. S. %0i. 

DerMinnesäDger. Masikal. UnterbaitaD^blätter. 5. Jabrg. 
Enthält wSchentlich einen balben Bogen Text and einen 
haiben Bogen Mniii, der Text gleichlautend mit dem 
Gesellschafter, 2. Jabrg. S. 458. 

Mosel, J. F., Edler y., lieber die Original-Partitar des Re- 
quiem von W. A. Mozart. Seinen Verebbem gewidmet. 
1839. (S. S3 in 8.) S. 317; Beschlass S. 341. 
Ori^i a aUGhSreder Derwische M ewiewi. (Geschieh ilieb merk- 
würdig.) 5. 413. 

lebs, Gb. G., Dr., Erinnerangen ans meinem Leben. 1839. S. 515. 

Revae et Gazette masicale de Paris — nnd La France masicaie 
(Verandervng derselben). S. 49. 

Riege r^ Gottfr.^ theoretisch - praktische Anleitnng die General- 
hiss- nnd Harmonielehre in 6 Monaten griindlieh nnd 
leicht za erlernen. 1839. S. 810. 

Rinck, Ch. H.^ Theoretiseh - praktische Anleitung zom Orgel- 
spielen. 1. Thl. 1. n. 2. Lief. S. 248. 

SaiBlnng von Musikwerken der vorzügliehsten Rircbenkompo- 
nisten früherer Zeit znm Selbststudium. 1. u. % Heft 
(in Plotenbeispielen.) S. 397. 

Sckilling, Gnstav, Dr., Versuch einer Philosophie des Sefa5nen 
in der Mnsik, oder Aesthetik der Tonknnst etc. 2 Thle. 
in 8. 1838. S. 293. 

— Allgemeine Generalbasslehre mit besonderer Rücksicht 
auf angehende Musiker und gebildete Dilettanten. Erstes 
Heft. 1839. S. 653. 

Schmidt, Aug., Orpheus, musikalisches Taschenbuch für das 

Jahr 1840. Erster Jahrgang. S. 815. 
Schreiber, Christian, Religiöse Dichtungen etc. 1839. S. 61. 
Schütze^ Frdr. Wilh., praktische Orgelschnie mit fortgesetztem 

Handbache. 2. Tb. 1838. 8. 202. 

— Handbuch der praktischen Orgelschule. Zweite, verbes- 
serte und vermehrte Auflage. 1840. S. 941. 

Tydsehrift voor grondige Masikale Rritick en Antikritiek ete. 
Probeblatt. 1839. S. 231. Zweites ProbebUtt. S. 303. 

Weismann, J., Job. Nepom. Schelble, Direktor des Cilcilien- 
Vereitts in Frankfort a. M. 1838. S. 53 

AVeizsacker, HiUfstafeln für den Musikunterricht mit einer 
Beschreibnngu.Gebraucbsanleitnng. Für Anfanger. S. 948. 

'Wildl, J. C. D. , letzte Yergleichung unserer Octave in Dur 

und Moll mit oveijfia rsletov der Griecfien. S. 232. 
Wilke, Friedr., Reschreibung der St. Ratharinen-Orgel zu Sala- 
wedel. Bfit Bemerkungen über den Gebranch ihrer Stim- 
men nnd Vorschlägen zur Verbesserung der Orgel. 1839. 
S. 735. 

— Ueher die Wichtigkeit und Unentbehriichkeit der Orgel- 
mixtnren etc. 1839. S. 736. 

Wohlfahrt, Heinr.^ 8 Wandtafeln zum Elementarunterrichte im 
Notensingen, nebst Anleitnng znm Gebrauehe derselben. 
Für Stadt- und Landschulen. S. 947. 



2. Musik. 

A) Gesang, 
a) Rlrche. 

Ans wähl vorziiglicber Musikwerke in gebundener Schreibart etc. 
(Z. B. V. Palestrina). 10. Lief. S. 329. 

Back G. F., und Wagner, Ghoratbuch der protestanClVchen 
Rircbengemeindc des Rönigreichs Bayern^ für 4 Männer- 
stimmen etc. Abtbeiloog I. S. 642. , 

Clari, Giov. Carlo Maria, De profundis mit Rlavicr- oder Or- 
gelbegl. S. 397. 

Dtmcke, Bertold, Choralgesange fdr 4 Männerstimmen. 4. Werk, 
2. u. 3. Heft. S. 787. 

Drobiseh, C. L., 6 Offertoricn für 4 Singstimmen mit Orgel. 
Op. 32. — 6 Gradualia eben so. Op. 33. Bisida Werke 
in Partitur und Auflegestimmen. S. 789. 



Dara&te, FraDcelco, Litania (za Ehren der heiligen Jangfran, 

aus F-moH). S. 398. 
Faseh, Hart Christian Frdr., sämmtliche Werke, 6. Lief. Der 

51. Psalm, Miserere. Partitur und Stimmen. S. 330. 
Freadenberg, Carl, der 70. Psalm für 4 Singst, mit Orgel 

oder Pianof. Op. 3. S. 783. ' 
Gomolki, Nicolas, lOPsanmes in: Cbants d*Egl»e ^ plusieurs 

voix des anciens compositeursPolooais etc. 1. Liv. S. 946. 
Händel, Holy, Holy (heilig). Eingelegt in den „Messias«*, für 

Altstimme und Orgel. S. 644. _ 
Rist, F. C, Dr., Zes vierstemmige Roralen met hoogduitsche 

en nederduitsche Text voor Sopraan et Altstemmen met 

Begleiding von Piano of Orgel. S. 347. 
Rleinw ächter, L., Motette Tdr 4 Solostimmen mit 4stimmigem 

Chor und Begl. der Streichinstrumente oder der Orgel. 

Op. 4. Partitur. S. 718. 
Roning, David, Domine salvnm fac mit Instrumenten-Partitur. 

Op. 1. S. 945. 
Rufferath, Job. Hermann, Jubelkantate ter Gelegenheid van 

bet tweede Eeawfeest der Utrechtsche Hoogeschoole. Ria- 

vierauszog. S. 573. 
Rühnau; Fr. Wilh., Choralraelodien zu sämmtlichen Liedern 

des Berliner Gesangbaches etc. S. 459. 
Mendelssobn-Bartholdy, Felix. Der 42. Psalm. Riavier* 

auszug und ausgesetzte Stimmen) auch Partitur. S. 119. 

und 289. 
— Verleih uns Frieden etc. (deutsch und lat.). Gebet nach 

Lutherschen Worten. Für Chor und Orchester; im Rla- 

vieranssMge und in einzelnen Singst. S. 717. 
Müller, C. G., Hymnus von C. Schöne fiir^ MännerstiDmen, 

Soloquartett und 2 Chöre. Op. 18. S. 944. 
Philipp, B. E., Deatsche Messe für Sopran, Alt, Tenor, Bast 

und Orgel. Op. 27. S. 163. 
Rein thaler, Rarl, Die heilige Passion nnsers Herrn. Mit Sang- 
weisen nnd Saitenspiei (Riavier oder Orgel) — Gesänge 

und Lieder zn einer hohen Feier der heiligen Taufe. 

S. 163. 
Reisiiger, C. G., 4te grosse Messe (in Es) für Singstimmen u. 

Orchester. Partkur und Auflegestimmen. S. 1013* 
Sammlung von Gesängen während der Wandlung in der beiL 

Messe. 1., 2. und 3. Sammlung. S. 347. 
Schicht, J. H.^ Motetten. Partitur. 9., 10. n. 11. Heft. S. 289« / 
Schneider, Friedr., Gelhsemane und Golgatha, Charfreitags- 

Oratorium. Op. 96. Partitur. S. 303. 
Wehrli, Ulrich, Fänfiitimmige Cantus-Flrmus- Chore iiber eioi0e 

Melodieen des Ziirioher Gesangbuchs. S. 814. 
Wolf, Joseph Franz, Offertorium: Ave Maria, für 4 Singstimmen. 

and Orgel. S. 944«. 

b) Oper. 

Alsdorf, W., die Wiedertäufer oder Johann von Leyden, hi- 
storisch-romantische Dichtung von G* Janssen. In 4 Akten. 
MS. S. 134. 

Renedict, Jul., Der Zigeunerin Warnung, grosae Oper in 
2 Aufzügen. VoJllständiger Kiavieraoszug. S. 323. 

Deisaaer, J., Ein Besucb in St. Cyr^ komische Oper in 3 Auf- 
zügen. Vollständiger* Klavierauszog vom Romponisten. 
S. 753^. 

Bonizetti, G. , Lncrezia Bo^gia, Oper in 3 Akten. Vollständi- 
ger Rlavieranszug. S. 549. 

D»rn, Heinrich, Der Schöffe von Paris,, komisehe Oper in 
2 Aufzögen) Worte von W. A. Wobibrück.. (Noch MS.) 
S. 30. 

HaUvy, F., Guido et Ginevra,. Opera en V Actes. Partition 
de Piano. S. 5; Beschlass S. 17. 

Lortzing, G. Albert, Die beiden Schützen^ Oper in 3 Akten. 
VoUständiger RlaVieraaszug.. S, 343. 

e) Concert-Lieder und Gesänge. 

Faseh, sämmtliobi Werke, 6. Lieferung. Partitur und Stimmen. 
S. 330. 

1* 



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RlaasSy Vielor, 6 HerbstUeder Tiif «ine Sin^t. mit BegL dos 

Pianof. und Violonceirs. Op. il. S. d95. 
Rlingeober^» Wilh., Der Troabadoiir, für eine Siogstinme mit 

Pianof. and Vcell. Op. 7; — Gute Nacht, eben so, Op. 

8. S. 1020. 
Kufferatb, Job. Hermann, Jabelkantate etc« S. 573. 
Leaz, Leop., 3 Gesänge mit Begl. des Pianor. und des obligaten 

Horns oder Vcelfs. Op. 22. S. 868. 
Lvoff, Alex., Volkslied der Rassen, mit Orchester. S. 558. 
Mozart, Sohn, Der erste Frühiingstag. Kantate. Klavierauszag. 

S. 404. 
Pete cid, Ettgen^ Dort wie hier! fiir eine Singst, mit Pianof. u. 

Vcell. S. 1020. 
Pott« Aog. , 1t deutsche Lieder Cut eine Singst, mit Begl. des 

tianof. und VceU's. Op. 14. S. 579. 
Reiehardt, G. , Preussenlied mit Chor u. Orchester. Op. 15. 

S. 102. 
Saemaon, Karl Heinr. , Die sterbenden Helden. Ballade von 

(Jhland, Op. 7; Freie Kunst, Gedicht von Uhland. Op. 8. 

ßeide für 4 Singstimraen und Orchester. S. 104. 
Tanwitz, Eduard, Trost ^ für eine Singstimme mit Pianoforte- 

and Bornbegl. Op. 14. S. 1020. 
Till A. Emil, Giockenstimmen für eine Singstimme, mit Begl. 
' des Pianof. und VcelPs etc. Op. 13. S. 996. 

d) Kammer. 

a) Mehrstimmige Geninge. 

Abele, Garl, Der Sängerboad, fUr MüDnevetiHmeD. S. 464 

Qod 506. 
Becker, Jul. , Sehottiscbe Lieder, eompenirt (?) Ton L. van 

Beethoven, dreistimmig bearbeitet Tdr Alt, Xfn*r und 

Bass mit Klavierbegleitung ad üb. Op. 108 (Beethoven6\ 

1. Heft. S. 071. 
C u r s e h m a Q n ; Fr. , Weibnaehtelied v^en U, Heioe, für 8 Stim- 
men mit Begl. des Pianof. S. 55^7. 
Dameke, Berlold, Choralgcsänge für 4 MänncreHimmen. Op. 4. 

Heft 2 u. 8. S. 787. 
Gerald y, J.« 4<(ottdrao für 2 Soprane und Beat mit Klavier 

(itelienisch und dentscb). S. 338. 
Groll, A. E., 3 Lieder fdr Sopran, Alt, Tenor und Bass. 

Op. 17. ß. 837. 
Gressler, Albert und Gmtar, Lieder für Sohule on4 Haof. 

Zweistimmig. S. 073. 
Hammer, Geerg, 24 u. 28 Lieder lam Gebraoche Tur Volka- 

scfaulen. 1. und 2. Heft (einatimBige and mehrstimmige 

Lieder gemischt). S. 87. 
^ Lieder zum Gebrauche für Volkasehalen (meist 2-| 3- 

and 4stiDmig). 3tes Heft. Zweite Aufl. S. 975. 
Hath, Louis, 4 Duette für 2 Sopranstimmen etc« mit Begl. des 

Pianof. Op. 21. S. 973. 
Riickea, Pr., 5 vierstimmige Lieder für Sopran,. Alt» Teaor oad 

Baas, Op. 25. S. 846. 
3 Duette für 2 Soprane oder Tenor und Alt mit Begl. 

des Pianof. Op. 26. S. 972. 
Lvoff. Alex.', Volkshymne der Rasaen, für Sopran , Alt, Tenor, 

und Bast, mit Begl. des Pianof. S. 558. 
Mathieux, J. , Die VogelkanUte. Musikalischer Scherz für 

5 Singstimmen mit Klavierbegl. Op. 1. S..346. 
Mendel, J. , 48timmige Lieder für den Mftnnerchor. 6p. 10. 

N. 2 der Männerchöre. S. 558. 
Messer» Franz, Mainzer Liedertafel, 6 Gesänge fdr Mäonenahor 

mit and ohne Begl. des Piaaof. S. 4^^ 
Nägeli, Hanns Georg, Bibliothek des Männcrchorgesan^js. 1. Heft. 

Partitur and Stimmen. S. 346. 
Nedclmann, Wilh., Glück aofl Lieder (Beegmanaalieder) für 

4 Männent. Partitur. 1. Heft. S. 788. 
Nohr, Friedr., 6 Lieder für 4 Mäondrstlnmien. Op. 12. S. 337. 
Pachaly, F. J. , XXIV Choräle für dea 4stimmigeB Männer- 
chor. S. 103. 
Philipp, B. E., 6 Lieder fdr 4 Männerat. Op. 30. S. 787. 
— 6 fröhliche Lieder farBasaeolo and Mfaiaarehar mitPfte. 

Op. 13. S. 1021. 



Philipp. B.E.» Eoleoapiegeli Besaofa, Faalnacht*Gantale v. Aii|r- 
Kablert, fdr Männersliaunea mit Pianof.-BegleU. Op. 29.' 
S. 1027. 

Poeci, Franz Graf voo, 3 Duette für Sopran und AU mit Begl. 
dea Pianof. 8. Werk. S. 662. 

Pohlenz, Aug., 7 Lieder für 4 Männerstimmen. Partitur und 
Stimmen. Op. 7. S. 738. 

Reiehardt, G., Preussenlied fdr Basjsolo mit Männerchor. 
Op. 15. 6. 102. 

Saemann, Karl Heinr., Die sterbenden Helden. Ballade von 
Ublaod fdr 4 Siogstimmen mit Klavieraaszng. Op. 7. — 
Freie Kunst, Gedicht von Uhland, eben so. Op. 8. 
S. 104. 

Sammlung von Musikwerken d. vorzüglichsten Kirchenkomponi- 
aten früherer Zeit (mit Klavierbegleituag) fdr Singinsti- 
tute und Gesangvereine. 1. u. 2. Heft. S. 397. 

Sahärtlich, J. C.> Potsdamer Liedertafel. Für 4 Männerat. 
Heft 2. S. 41. 

— Gesänge der Potadamer Liedertafel. Für Männerstimmeo . 
Heft 3. S. 972. 

Speier, Wilb., Gesänge für 4 Männerstimmen. 27. Werk. Par^ 

iUnr und Stimmen. S. 559. 
Spehr, L. , JenaeiU. Duett für Sopran and Tenor mit Pianof. 

S. 557. 
Storeh, Lndw. , and D. Elster, Sommerabend und Nacht. 

6 Lieder fdr Männergesang. Partitur. S. 561. 
Taawitz, Eduard, 3 Lieder fdr Männerstimmen. Partitur und 

Summen. Op. 9. S. 103. 
•^ Dragoneriied vom siebe i\jährigea Kriege, 4stimmig für 

Mäuner. Op. 13. S. 1021. 
Theamele, Auswahl klassischer Arien ^ Duetten, Terzetten etc. 

mit Pianof. 3. Band. S. 813. 
T r D h n , F. H. , Cbampagnorlicd für eine Tenorat. und Manner- 

c|uartett. S. 787. 

— Die Käferkuaben» für 4 Männerst. (Bafiso aolo). Op. 30. 
S. 5&t. 

Wehrli, Ulrich, dreistimmige Gesänge für die reifere Jugcod. 
3. Hea. S. 815. 



ß) Lieder und andere Gesänge für eine Singstimme. 

Auswahl heiterer und ernster Gesänge für Schule, Haus und 
Leben etc. oder Liederkranz (1- und 2aHmmig); heraus- 
gegeben von L. Erk und Wilh. Greef. 1. Heft. S. 834. 

Baaok, Garl, Allerlei Gesänge und Lieder mit Piannfortehegl. 
Op. 23, 28, J. und 2. Lief. Op. 29, 30, 1-, 2- und 
3. Lief. , Op. 33 in 3 Heften. S. 509. 

Becker, Jol., Loreley, Op. 19. - Die Fee, Op. 20. Mit Pianof. 

— 4 Lieder von Adalbert von Chamisso, mit Pianof. Op. 17. 
S. 1023. ^. „^ 

Bordogni, Marco, Vocallzzi oder 12 neue Singubungen für 
Bariton oder Bass mit Begl. des Pianof. Liv. 1 et 2 5 — 
36 Singübungen für den Bass etc. Liv. I et II. S. 1019. 

Claudias, Otto, Studien fdr den Gesang (Tenor und Sopran) 
mit Begl. des Pianof. Op. 19. S. 579. 

Curschmann, Fr., 4 Gesänge für eine Singst, mit Begl. dea 
Pianof. Op. 15. S. 361. ^. ^ ^ ^^ 

— 5 Gesänge fdr eine Singstimme mit Pianoforte. Op. 18. 
S. 501. 

Donizetti, G., Die Wahnsinnige von St. Helena. Canzonetle 

mit Pianof. S. 644. . «. r 

. — Röveries .Napolitaines. VI Balladcs, avec acc. de Pianol. 

S. 6C0. ^ . n. r 

Eckert, Karl, Album deutscher Lieder und Romanzen «it Pianof. 

Begl. "Op. 12. S. 82. ^ 

Erk, Ludw.', und Wilh. Irmer, Die deuUchen VelkaliedormH 

ihren Singweisen. 2. -Heft. S. 60. 

— und Irmer, Die deutschen Volkslieder ele. Utes fl«n. 
S. 834. 

£v4vs, Karl, 6 Lieder * für eine Singst, mit Begl. dea Pianaf. 
Op. 2*. S. 756. 



iX 



Fiseber, J. N., 6 Lieder yon B. B. W4Ub|; für Bms oder B«- 

ritoD. S. 891. 
Frendeotbal, Jnl., 3BaU«de« fiif Biwt oder Bariton mit Begl. 

des Pianof. Op. 35. S. 801. 
Gtssner, D. F. S. , In die Fern« , Lied von H. Rietke, fSr 

Tenor und Pianof. S. \02S. 
bekrönte Pro iali oder. In die Ferne, von Kletke. Mit 

Pianof. S. 364. , . ^. «. 

fiirsckner, C. F. J. , 6 dentsebe Lieder fhr IHeczoaopran oder 

Tenor mit Pianof. Heft 1 nod 2. S. 993. 
€iire, Fr., GesÄnge mit Begl. des Pianof. Op. 5. S. WW. 

- ]q die Ferne, fitr Tenor oder Sopran mit Pianof. Op. 6. 
S. iO?8. 

fiross, G. A., 4 deotscbe Lieder mit Pianof., •%. Heft. — Lie- 
besViedep von J. B. Gross. Op. »6. 8. 88. 

Händel, Holy, holy etc. Efngelcgt in das Oraiorlnm: Der 
tfeisia«. S,. 844. 

Hammer, Georg, U Lieder zom Gebraneiie für VollLsschnlen. 
i. Heh ; 28 Lieder etc. 2. Heft (einstimmige und mcbr- 
stiraniige Lieder Kosammeo). S. 8T. ' 

Helrf, C. F., 2 Lieder mit Begl. des Pianof. S. 993. 

fiertifcerc, Rod. von, 6 Gesänge für AU oder Booo mitPiaaof. 
Op. 4. — Elfengesang mit Pia«)f. für 'Bariton. Op. 6. 

S. S91. 
HeUcb, L., nnd C. F. Kanffmann, »Lieder ae^üb. Dicbter 
mit Pianof. oder GnHarre. 2. Heft. 8. -860. 

- 3 Gedichte von L. Ticok, mit Pianof. % Heft. S. 869. 
nuth, LouU, 4 Gesänge mit Pianof., Op. 15; 6 Lieder, Op. 18. 

S 869. 

Julien, Heinr.' von St., Lyrische Gedichte von Tb. Moore (eng- 
lisch nnd deutsch). Op. 7. Heft 1. 8. 737. 

Keller, Keri, 4 Gesänge mit BegleHnog des Pianof. Op. 45. 
S 362 

Ketsch an, A., Lieder und Gesänge mit Pianof. Op, i und %. 
S 10^4. 

Kiel, Aug., 6 Lieder für eine Singstimne mit Pianof. 1. Werk. 

Kiltl, J.Friedr., Wilde Rosen an Hertha, god. von H. G. Sa- 
phir, mit Piaoof. 3tes Werk. 8. 994. ^ ^ ^^ 

Klein, Joseph, 7 Lieder und Gesänge mit P*«"«'^',ß-^*V.««f 

KleinwÄchter, L. , 5 deutsche Lieder mit Begl. des Pianof. 
Oo 3 'S 998 

Krctzschmer, A., Denteche Volkslieder mit Ihreo Original- 
Weisen ete. 6. nnd 6. Heft. S. 271. ^ ^ ^ ; . 

Ltbarre, Th., n Romances (Paroles allemandea et ft-anfaises) 

«vee sccomp. de Piano. S. 758. 
La ebner, Franz, 3 deutsche Gesänge mit Punof. Op. 56. 
S '89'1* 

Lauer, Ad. ßaron von, 6 deutsche Lieder ven RMffPt- Mit 
Pianof., Op. ^; — 6 deotsehe Lieder von H. «eine. 
Mit Pianof., Op. 6. S. 84. • ^ «. # 

Lehmann, A. von, DenUobe Gesänge mit BegL des Pianer. 

Lenr, Leop.. Gesiioge' mit Pianof. «p. », W, M mod W. 

S '868 
LiDdhlad. A.F., A« dem Schwedischen ^L»" *• '"»i"'« «T 

setzte Lieder mit fiegl. de» Pian?lf. «eft 1 o. *• S. »»i. 
L.rtzing. Albert. ^8»^. S««luiy ^»"'K^ "»•• „'5*«"''*'^' 

(^säDce mit BegL des Piaoof. Heft. 3. S. 1038. 
L.can Heior., Da« SoldatwUrt, BalUdeiTOii.Df.Lai«enji«liwaM, 
' fBr eine Singsümme mjt Pianof. Op. 5.-3 Gesänge, 

Maricbner, Hein r. , Für eine Bariton- oder Altstimme, Lieder 
mit Pianof. Op. '99. S. 10^1. 

- A. E., Lieder fiir eine Bassrtimme «it Pianof.^cgleitung. 

M.rxse?*Ecina;dl?Gedichte von L. Wihl, mit Pianof. Op. 32. 

Matbieux,^J^', Das Schloss Bonconrt Gedieht von AdaÄ. von 

CbamUso. Mit Pianof. Op. 9. S. 84. 
\i^\^Ai ^n tu danske Sänge med Accomp. for Pianof. af J. F. 
Melodies ^^^^ ^ ^ ^^^^^ E. HelaUd, H. Rang and 

h C. Gebauer. 1838. 8. 833. 



Meyerbeer, Gittcone^ VI fildgies et 'ilomaaoes, mit Pianof., 
französisch und deutsch. S. 123. 
-— Supplement de TOp^rac Robert le diable. Seine etPriire 

av, acc. du Pianof. (rdr Tenor). S. 643. 
— 3 deutsche Lieder von M. Becr^ ti. Hebe n. W. MttUer. 
S. 6U. 
Der Minuesänger. Mnsikal. UnterhaltungsblätCor. In Roman- 
zen und Liedern mit Begl. dos Pianof. oder der Goitarre. 
5ter Jahrg. S. 458. 
Moliqqe, B., 6 Lieder (Gesänge) für Bariton oder Mezzo-Sopran 

mit Pianof. Op. 12. S. 502. 
Moninsko, S., 3 Gediehte von A. Hiekiewicz (polnlsob nnd 

deutsch) hiil Piaoof. S. 1022. 
MUbling. A. , 10 Lieder ans Harfe und Psalter von Spitta, 

mit Pianof. Op. 94. S. 995. 
Neithardt, A. , 5 Lieder mit Pianof. Op. 109. S. 363. 
Nicola, Karl, Die Rebentochter, Gresaag mit Begl. des Pianof. 

Op. 10. 8. 361. 
Panseron, Aug., XII Romsnoes (franzSsiech nnd deutsch) av. 

acc. dn Pianof. S. 362. 
Pott, Aug., 2 deutsche Lieder mit Begl. des Pianof. und des 

Violonoells. Op. 14. 8. 579. 
Jlahles, Ford., Lieder und Gesänge mit Pianof. Op. 22. Heft 2. 

S. 363. 
Aitl,eraberg, Lndw. Ritter v. , Albom , Prager mnsikaL , ab- 
€ * wechselnd für Gesang und Piaoof. 8. 269. 

-*- 4 Gesänge mit Begl. des Pianof. S. 1022. 
Romanzensaal an der Seine. Eine Sammlung verdentschter 

Romanaen mit Pianof. Heft 1. S. 1028« 
Schmidt, J. P., In die Ferne. Lied von H. Kletke. Mit Pianof. 
S. 364. 
-^ L.. 7 Lieder mit Pianof. Op. 1. S. 1024. 
Scholz, VV. E. , 6 Lieder Tdr eioe Sopran- oder 'Tenorstimme 

mit Pianof. Op. 19. S« 361. 
Seidel, G. F. , 6 dentsohe Lieder mit Pianof. Op. 1. 8. 1023. 
Spontini, Gasp. , VI Oeuvres nouvollos. (Romanzen französisch' 
n. dentsoh, für eine Siogstimme mit Begl. ies Pianof. die 
beiden oralen). S. 1018. 
Stadler, Maximil., Original-GfaÖre der Derwische Möwlewi (ein- 

•timmig mit fainzugeriiglor Klavlerbegl.) S. 413. 
Stern, Jol. , Bilder dos Orients, ged. von H. Stieglitz, mit 

Pianof. Op. 3. S. 1022. 
Strube, C. ü. , Lieder für eine Bass- oder Baritonstimme mit 
Pian(^. Op. 21. — Lieder fnr eine Sopran- oder Tenor- 
stimme mit Pianof. Op. 22. Heft 1 und 2. S. 1)93. 
Tanvitz, Eduard, 4 Lieder mit Begleit, des Pianof. Op. 10. 
S. 362. 
^ Schlommerlied von Oettinger, mit Begleit, des Pianof. 
Op. 8. 8. 10^. 
Tiehsen, Otto, 5 Gesänge mit Pianof. (Op. 1.); — 5 Gesänge 
von Heine und Malier, Op. 2; — 6 Gesänge, Op. 3; ^ 
3 BalUden, Op. 4, in 3 Heften. 8. 83. 
Unverricht, Aug. , 6 Lieder für eine Singstimme mit Pianof. 

Op. 6. S. 602. 
Wagner, E. D., Gesänge und Lieder mit Pianof. Op. 3. Heft. 1. 

S. 363. 
Weibe, Ernst, SoAtimentale Lieder mit Pianof. S. 891. 
Wohlfahrt, Heinr. , 8 Wandtafeln zum Elementaranterricht im 
-Notensingen. 8. M7« 

B) Instrumental-Musik. 

a) Sinfonien und Ouvertüren für Orchester. 

Bellini, V., Ouvertüre de FOpera: I Montecchi od i Capuleti 
(in Auflegestimmen). 8. 924. 

Embach) L. A., Ouvertüre a grand Orchestre (in Auflegestim- 
men). S. 707. 

Kleinwächtcr, L. , Ouvertüre Trir das Orchester. Op. 1. In 
Anflegestimmen. (Nach der Partitur bearbeitet.) S. 525. 

Llndblad, A. F., Sinfonie ä grand Orchestre, (In Auflegestim- 
men gedroekt; naeb der Pnrtitur beurtheilt.) S. 829. 



XI 



xn 



Pr«yer» Gottfried, 1. Sympbonie ffir das Orchester (D-moll). 

Ptrt. u. Stimme. S. 481. 
Verhalst» J. J. H., Oavertare en Ut mioeor a graod Orehestre. 

S. 630. 
— • OaYertare en Si mioeur k graod Orehestre. 1838. S. 249. 
Weber, €. H. v. , 'Sinfonie aas C-dar (nachgelassenes Werk). 

S. 976. 



ß) Konzerte and SolostHeke mit Orchesterbe^. 

Bei che 9 Fr., Fantaisie für die Bassposaane mit Orchesterbegl. 
oder Ori^eL S. 591. 

— C. G., Introdact. et Variat. ponr la Flate av. ace. de 
rOrch. Oeav. 13. S. 800. 

Berlyn, A.^ Variations briliaotes ponr le Violon ayee accomp. 

de rOrcb. oa de Qaatnor. Oenv. 44. S. 1044. 
David, Ferd., Coneertioo für die Bassposaane. Op. 4. S. 78. 

— Introdnet. et Variat. snr an tbdme de Franc. Schobert 
ponr la Clarioette av. acc. d*Orch. oo de Pianof. Oenv. 8. 
S. 994. 

— Introdnet., Ada^o et Rondean brill. poar le Violon. av. 
acc. d^Orch., oa de Qaataor oa de Pianof. Oenv. 7. 
S. 925. 

— lotrodoct. et Variations snr ao thöme Rasse avec ace. 
de rOrch. oa de Pianof. Oeav. 6. — Concerto ponr le 
Violon av. accomp. de TOrcb. oa de Pfte. Oeav. 10; — 
Introdact. et Var. poar le Violon etc. Oeav. 11. S. 968. 

Hammel, J. N. , Oeav. posth.t Demier Concerto ponr le Piano 

avec ace. de l'Orch. S. 621. 
Rammer, F. A. , Introdnet. et Variations snr ete. ponr Vcelle 

av. acc. d'Orch., oa de Qoat. oa de Piano. Oenv. 39. 

S. 125. 

— Gasp., Fantaisie snr des motifs de TOp^ra ,^Norma" ponr 
la Flate avee accomp. d*Orch. oa de Qaat*. oa de Pianof. 
Oeav. 93. S. 1042. 

Lipioski^ G. , Rondo alla Polacca ponr le Violon av. acc. de 

II Violons, Aito, Basso, Cors, Trompettes et Timballes 

oa de Pianof. Oeov. 7. S. 969. 
Lvoff, Alexis, Premiere Fantaisie ponr le Violon av. nee. d*Orch. 

oa de Qaat. oa de Pianof. Nonv. ^dit revae et corrigie. 

S. 969. 
Mendelssohn- Bart holdy. Fei., Serenate et All. (iososo 

ponr le Pianoforte avee accomp. d*Orch. (Ronzertstäck). 

S. 976.^ 
.Merk, Joseph, Coneertino ponr Violoncello avec ace. de grand 

Orehestre on de Pianof. Oenv. 17. S. 1045. 
Nohr, Friedr.^ Goneertante ponr Fldte, Hsatbois, Clarinette, 

Cor et Bssson av. acc. d'Orcb. Oenv. 10. S. 786. 
Frame, F., La Melancolie ponr le Violon avec Orch. on Pianof. 

S. 372. 
Ries^ Hnbert, Seoond Concerto poar le Violon av. acc. d'Orch. 

ou de Pianof. Oenv. 16. S. 970. 
Schmitt, Aloys, Sonvenir k Jobn Field.' Rondean brill. ponr le 

Pianof. av. accomp. d*Orch. Op. 101. S. 327. 
T&glichsbeck, Tb., Variations snr no Air Stiriea poar le 

Violon av. accomp. d'Orchestre oa de Pianof. Oeav. 12. 

S. 925. 

— Coneertino ponr le Violon av. accomp. d^Orcli. oa de Pfte. 
Oeav. 14. S. 1044. 

Taloa, Fantaisie ponr la Fldte avec accomp. d*Orch. Oenv. T8. 

S. 1042. 
Weber, C. M. v. , Romsnza Siciliana per 11 Flanto principsle 

con accomp. di Orcbestra ovo di Pianof. (Opera inedita 

N. 2.) S. 1042. 



e) Harmonie- and MilltSr-Mnsik, TSnze mit Orchester 
und dergl. 

Siehe in den Uebersichten der in jedem Vierteljahre nen her- 
ansgekommenen Musikalien nnter der ersten Rabrik : Für Orchester, 
sagleich mit ^ulnoniemnsik. 



d) Rammermaaik. 

a) für Behrere lastramente. 

Baamann^J., Grand Divertissement poar la Fldte av. ace. d« 

Pianof. S. 1027. 
Berbignier, III petites Soir^es dramatiques ponr Fldte aveo 

Pianof. Liv. 1, 2. 3. S. 1026. 

— Eerin des jennes Flutistes poar Fldte et Pianof. IV Saiten. 
S. 1027. ' 

Beriot, .Ch. de, VI Stades brillantes ponr le Violoa av« aec 

de Piano ad libit. Oenv. 17. S. 967. 
Bertini, Henri J., jenne, Premier grand Sextnor poar Pianof. 

II Violons, Alto, Vcelle et Contrebasse, Oenv. 79. — 

Second Sextaor (für dieselben Instramente.) Oenv. 85. 

S. 597. 

— Troisieme grand Sextaor poar Piano, 2 Violons, Alto, 
Vcelle et Contre-Basse, Oeuv. 90; — Qoatrieme Sextaor 
ete. Oenv. 114. S. 865. 

BÖhner, Louis, Fantaisie poar Piano et Clarinette oa Violon. 

Oenv. 68. S. 1027. 
Droaet, Loais, HI grandsDaos concertans ponr II Fldtes. Oeav. 

407. N. 1, 2 u. 3. S. 371. 
Fürstenan, A. B. , Fantaisie poar la Fldte et le Piano. Oenv. 

90 ; — Adagio et Polonaise , Oenv. 91 ; — Introdnet. et 

Rondino, Oeav. 92 (im ersten Theil der Mustersammlung 

der vorzüglichsten Originalwerke der berühmtesten Meister 

fdr Flöte und Pianof.). S. 1041. 
-— ' III Duos concertans faciles et agr^ables ponr II Fldtes. 

Oeuv. 114. S. 1041. 
Gross, J. B. ^ Variat. de Concert snr — „les Huguenots'* poar 

Violoncelle av. acc. de Qoat. on de Pianof. Oenv. 30. 

S. 1026. 
Halm, Anton, Grosses Trio, eoncertant für Pianof.^ Violine und 

Vcello. 58. Werk. S. 400. 
Hammel, J. N. , Oeav. posth., Introdnet. et Variat. concertans 

nour Piano et Violon. N. 2 and Qnatuor ponr Piano, 

Violon , Alto et Vcelle. N. 4 : anoh Introdact. et Rondo 

ponr denx Pianof. N. 5. S. 863. 
H n n t e n , Franc. , Second Trio ponr Piano , Violoo et Vcelle. 

Oeuv. 91. S. 924. 
Rocken, III petites Fantaisies pour Bässen av. aec. de Piano. 

Liv. 1, 2, 3. S. 1026. 
Ramm er ^ Raspar, Studien fdr die FlSte etc. mit Begl. desPfte. 

Op. 97. S. 579. 

— 111 Qnstnors pour Fldte, Violon, Alto et Vcello. Oenv. 
99. S. 1043. 

Lasekk, C.^ et F. A. Rammer, Romanees sentimentales ponr 

Piano et Velle. Liv. 11. S. 1026. 
Mozart, W. A., IV Senates pour Piaoof., Violoa et Violoneelle. 

Nouvelle Edition. S. 1016. 
Reissiger, C. G. , 9tes Trio für Pianof., Violine und Vcello. 

Op. 103. — lOtes Trio Tur dieselben Instrum. Op. 115. 

— Utes Trio. Op. 125. S. 701. 

— Xllme Trio pour le Pianof., Violon et Vcelle. Oeuv. 137. 
S. 923. 

Schmitt, Aloys, H Qnataors pour II Violons, Viola et Vcelle. 

Oeuv. 80. — II Qnataors ete. wie vorher, Oeuv. 81. 

N. 1 a. 2. S. 328. 
Sörgel, W., Quartett fdr 2 Violinen nnd % Violen. Op. 35. 

S. 453. 
Spohr, Louis, Concerto ponr le Violoa avec aocomp. de Piaoof. 

Oeuv. 1. S. 970. 
Veit, W. H. , troisieme Qaatuor poar II Violons , Alto et Vio* 

lonoelle. Oeav. 7. S. 970. 



ß) Für eio Instrument. 

Adam, Adolp£t Grand Galop de Guido et Glnevra, arrang^ 

pour le Piano. S. 25. 
Anger, Louis, VI Pidces melodieoses ponr le Piano. Oeav. 1. 
S. 1000. 



Xffl 



XIV 



AiswabI vonüglicller Werke in gebnadeaer Sehreibart (fdr 
Gesang- nnd lostramental'Compos.) S. 329. 

Bach, J. Seb. » Fart de U Fo^e etc. £ditioa nouvelie — * par 
Cb. Czerny. Liv. IH. S. 3. 

— OeoFres eomplete. Liv. 4> Edit. oonvene par Ch» Czerny. 
S. 1016. 

Btetkoven , L. v., Fantasie fdr Pianof. » Orchester und Chor, 

Op. 80 , fdr 4 Häode arrangirt. S. 997. 
Belcke, G. 6., VI Marehes a 4 m. Oeav. 15. Liv. ü. 8. 186. 
Berbignier, T.» A2 Airs vari^s, Rondos et Fantaisies arrang^ 

pour la F14te seal. Qaatre Suites. 8. 1041. 
Btrier, F. W. , Trennung and Wiedersehen, eine mosikalische 

Ekloge für das Pianof. S. 102. 
Ifrtini, Henri» jeune, Grandes Etndes artistiqnes poar le Pfte. 

1-V. Saite. Oeuv. 122. S. 243. 
Srunner, G. T., Kleine Uebungsslüche für das Pianof. 4häfldig. 
Op. 9. Heft. 1 Q. 2. S. 973. 

— Klisge fdr Kinder, oder erste Belehrnogen für kleine 
Aifänger anf dem Pianof. zn 2 and 4 Händen. Op. 12; 

— Jageodlnst. Eine Reihe sehr leichter Tänze mit Fin- 
lersatz. Op. 13, Heft 2 und 3; — Gnirlande masieale 
etc. a 4 B. Oeav. 14; — Triolet masical, en forme 
de Valses a 4 m. Oeav. 15. S. 1045. 

lis/^Bfiller, Norbert, Sonate in F-moil für das PianoL Op 8. 
S. 456. 

— Rapsodie ponr le Piano. Op. 13. S. 456 (eigentlich 457). 
BirgmSller, Ferd. , Reminisceoses snr „Guido et Gioevra*' 

poar le Pianof. Oeav. 44. Liv. 1, 2 et 3. S. 999. 
Chopin, Fr., XXIV Prelades poar le Piano. Oeav, 28. S. 1039. 

— IV Mazarkas poar le Piano. Oeav. 33. — HI Valses 
brillantes poar le Plane. Oeuv. 34 in 3 Heften. S. 1040. 

Gbwatal, F. X., Introd. et Variations amüsantes a 4 m. Oeav. 

29. S. 186. 
Czerny, Gbarles, Reminiscenees de TOperas Guido et Ginevra. 

Oenv. 516. Liv. I et II. S. 25. 

— Verschiedene Uebungswerke fdr das Pianof. Op. 453 in 
6 Heften; Op. 299; 335; 355; 399; 400, a. Vollendungs- 
schale, 1. n. 2. Heft. S. 375. 

— • Lieder von Franz Schubert, für das Klavier übertragen. 
S. 949. 

— Zweihdndige Werke fdrVianof. Op. 540. Heft 1, 2 u. 3; 

— Op. 548, 549, 550 and 551; — ferner VIH Scherzi 
capricciosi, Op. 555, Parte 1—4. S. 997 u. 998. 

Donizetti^ G., Locreiia Borgia, 0|>er in 3 Akten, Pianoforte, 

2bündig. S. 557. 
I^nvernoy, J. B.^ Gavatine de Dooizetti Ponr le Pianoforte, 

Oeav. 71 ; — Melaoge snr les motifs de Piqaillo etc. 

pour le Pianof., Oenv. 83; — ferner Oeuv. 80, Liv. 1. 

und 2j Oeav. 88, Liv. 1, II et III; Oeav. 89. S. 100. 

— Fastaisie snr des motifs da Domino noir a 4 m. Oeuv. 
87. S. 185. 

-- III Fantaisies sar „Guido et Ginevra^' pour le Piano. 

Oenv. 85. Liv. 1, 2, 3. S. 999. 
Erfurt, C., Pieces faciles a 4 m. Oeuv. 40. S. 186. 
Flore theatrale pour le Piaoo. 52. Heft. S. 668. 
Fürsten au, A. B. , 24 tägliche Stadien zur Erlangung and 

Bewahmng der Virtuosität auf der Flöte. Op. 125. Heftl. 

S. 1041. 
J)er Gesellschafter. Unterhaltungen für das Pianof. 2. Jahr- 
gang. S. 459. 
Gleiehaafy Xav. , Grand Coocerto pour le Pianof. av. Orch. 

par Louis van Beethoven, Oeav. 73, arrang^ k 4 mains 

(aus Es-dnr). S. 996. 
Haadel, G. F., 6 Fugen nnd ein Gapriceio fnr Klavier oder 

Orgel. S. 303. 
Henselt, Adolph, Impromptu arr. a 4 m. S. 563. 

— Oenv. 8, 9 et 10 pour le Piano. S. 623. 

— Pens^ fngitive pour le Piano, Oeuv. 8; — Scherzo^ 
Oenv. 9, und Romance, Oeuv. 10, sämmtlieh fdr 4 Hände 
eingerichtet. S. 996. 

Hermann z, J. , Üondo über ein Thema aus Oberen für das 

Pianof. Oenv. 4. S. .101. 
Herz, Jacq., Grand Vaise de Gnido et G., ponr le Piano. S. %&, 



Herz, H., Albom des Piaaistes ponr 1839. S. 271. 

Hopfe, Jal., Der Polterabend, Polonaise fdr daa Pianof. Op. 3. 

S. 102. "^ 

Hammel, J. N. , Oeavres posthumes pour le Piano. N. 3, 6, 8. 

9. S. 863. ' 

Hunten, Fran^., IV Airs de Ballet de FOp^ra i Guido et Gin. 

{our le Piano. Liv. 1 — 4. S. 25. 
II petits Roadeaux poar le Piano eto. Oenv. 102; — > 
Les Goncnrrents etc. pour le Pianof. Oenv. 103. Liv. I 
et II; — Rondean alla Polacca. Oeuv. 110. S. 101. 
Kalkbrenner, Fred., Souvenir de Guido et Ginevra. Fantaisie 
brillaote poqr le Pianof. Oenv. 142. S. 25. 

— XXV grandes Etndes de Style et de Perfeetiennement 
nour ie Pianof. compos^es ponr servir de GumpUment k 
la Methode de Piaoo. Oeuv. 143. Gab. I et II. S. 922. 

Karr, H. , Nocturne sur an Air de Garaifa ji 4 m. S. 186. 
Klebe, J. G., Grande Sonate a 4 m. Oeuv. 12. S. 185. 
Kleinwächter, L., Ouvertüre. Op. 1., arrangirt für 4 Hände. 

S. 563. 
Körner, G.Wilh., Der angehende Pianofortespieler. Ganz leiehta 

Uebungsstiicke etc. Op. 12. Heft 1. S. 85. 
Kücken, F., lotrod. et Polonaise brillante a 4 m. (Original-Biblio- 
thek 19. Heft). S. 186. 
Knienkamp, G. G., III Nocturnes pour le Pianof. Oenv. 53 

S. 101. 
Kummer, Kaspar, Studien für die Flöte etc. Mit willkührlieher 

Begl. des Pianof. Op. 97. S. 579. 
Ranze, G. ,' Walzer und Galoppe nach Opernmotiven für Pianof 

Op. 31, 32 u. 33. S. 999. 
Lortzing, G. A. . Ballet aus Gzaar nnd Zimmermann, 2häBdiff. 

S. 563. * 

Messemäckers, L. , Ouvertüre de Roberto Deuverenx, Opera 

de G. Donizettt, 2händig. S. 563. 
Mockwitz^ F.^ L Sinfonie de J. W. Kalliwoda arr. ä 4 m. 

(neue Aufl.) S. 564. 
Ortlieb, E. , Sonate ponr le Pianof. S. 1000. 
Osborne, G. A., Moroean de Goncert. Fantaisie et Variations 

sur des motifs de TOp^ra: „Guido et Ginevra** pour le 

Piano. Oeav. 29. S. 999. 
Pizis, J. B. , Grand Gaprice dramatiqne snr les Hnguenots a 

4 m. Oeuv. 131. S. 185. 
Potpoirri poar le Pianof. snr TOp^ra: Gnido et G. (2 n. 4hän- 

dig.) S. 25. 
Reissir er, G. G., Rondean brillant ponr le Pianof. Oenv. 59. 

S. 92. 
Rittersberg, Lndw. Ritter v. , Albnm, Prager musikalisehes, 

abwechselnd fdr Pianof. nnd Gesang. S. 269. 
Romanzensaal für das Pianoforte allein. Heft 1. S. 1028. 
Rosenkain, Jscques, 4 Romances pour le Piano. Oeuv. 14. — 

Morceau de Salon. Romance ponr le Piano. Oenv. 15. — 

XII Etndes caracteristiqnes. Oeuv. 17. S. 705. 
Scheibner, G. A., Grande Sonate ponr le Pianof. Oeav. 5. 

S. 1017. 
Seh In ms, August. Qnatnor de Lonis Spohr, arr. k 4 m. (neue 

Aufl.) S. 564. 
Schmidt, Martin, Lieder von G. G. Reissiger für das Pianof. 

übertragen. 2 Hefte. S. 950. 
Schmitt, Jacques, Bagatelles en forme de Maznrkas ponr le 

Pianof. Oenv. 255. S. 102. 
Sehabert, F. L., Variat. faciles et agreables a 4 m. Oenv. 24. 

S. 186. 

— Premier Goncerto pour le Piano par Fei. Mendelssohn-B., 
a 4 m. S. 562. 

Schnneke, Gharles, le Pensionnat. Pieces faciles et brili. ponr 
le Pianof. a 4 m. Gah. 1—12.« S. 374. 

Schwencke, Gh., 111 Divertissemens ponr le Pianof. snr des 
motifs de Guido et Ginevra. Oeuv. 53, N. 1, 2 u. 3. — 
Amusemens ponr le Pianof. a 4 m. snr des thdmes favo- 
ris de Guido et Gin. N. 1, 2> 3 nnd 4. S. 25. 

Spohr» h., Duo concertant ponr Piano et Violen, arrange pour 
le Piano a 4 m. S. 997. 

Tanwits, Bd., Dragoner-Marsch fdr 2 nad 4 Handa arrangirt« 
Op. 13. S. 1021. 



XV 



XVI 



Tbalberg, S., Asdast« povr le Piiaef. e^nv. 99/ ^ FaiHiSsie 
Mar I0 Pin* rar de» thinea 4« POpöra : Mdise- de G. 
Rossini. Oeav. 33. S. 493. 

— FaoUitie snr Am thitaM de rdp^ra „Moise** de 6. R<»8* 
sidI 9 arraDf^ poar le Piaoof. ii 4 m. Oeav. 33^. S. 997. 

Toiileiter->Üeb«ft§^ea zem Oebraach fdr AnßiDger. 8. 1028* 
Vollrath, Charles, Polonaise pour le Pianof. Oetfv. 4. S. 102. 
Weber, Edovard, IV Mazarkaa poar le Pianof. S. 102. 
Wewetxer, F., Stv^eo fir das Pia«of. 1. Tfa., eothaUead 400 

Fiflgrerübaogea mh rabeader Hand ta verscbredeoen Ton- 

Qod Taktarten ete. S. 102^. 
Weyse, C. E. F., Oavertnre zar Oper Renilwortb^ 4bäadig. 

S. 832. 
Will, C. Gh., IntrodaetioB et VariaHons snr un Air soisse poar 

le Fiaaor. 8. 1001. 
Wilsini^, Fr. Ed., IH grandes Senates poar le Pianof. Oeav. 1. 

N. 1. S. 181. 
*- Itl Soaatea (graades) poar le Pianof. Oar. 1. N. 2 et 3. 

S. 1001. 
Wyaeeki, C. N. , 4 Rrakowiaks poar le Piano. Oeuv. 1. — 

II Rhapsodie«. Oeav. 2. S. 641. 

y) Für die Orgel. 

Back, J. F, and Wagner, G. W. L., Ghoralbach des protestan- 
tischen Bayern. S. 642. 

Handel, G. F., 6 Fngen and ein Capriccio. S. 303. 

Hartiz, Xav. Ladw. , Melodien nnd Ghoräle zan Gesangbuche 
der Diöcese Limburg , mit eiofacfaer Orgelbegl. S. 385. 

Heinrich, J. G. , Aasgesetzte Ghoräle mit deo gebränchlicbstea 
Abweichnngen und einer Auswahl kirchlicher Zwischen- 
spiele. Heft 1. S. 1025. 

Hesse, Adolph, .7 Orgebtiicke verschiedenen Gharakters. öp. 60. 
S. 580. 

HSpner, G. G. , 9 aasgefahrte Ghoräle in 9 verscbiedenen For- 
men. Od. 10. S. 812. 

Haaimel, J. N. , Prelndes et deax Fagaea poar TOrgoe. Oeav. 
posth. N. 7. S. 863. 

Körner^ Gotthilf Wilh. , Der angebende Organist. 10. Werk. 
2te Anll. S. 61. 

.Rühmstedt, Fr. ^ Gradas ad Parnassara, oder Vorsciole za 
Seb. Bach's Rlayier« and Orgelkomposiziooen in Pralodien 
und Fagen darcb alle Dar- and Moll-Tonarten etc. Op. 4. 
Heft 1. 'S. 890. 

Rankel, Franz Joseph, Ratholisches Ghoralbach für die Main- 
zer Diöcese, 4stimmig mit zweckmässigen Eingangs-, Zwi- 
schen- and Nachspielen bearbeitet. S. 384. 

Loh mann, J. H. D. , Ghoralvorspiele. S. 581. 

Müller, J. J., Trio and Fuge. Op. 86. S. 580. 

— Variationen über „Valet will ich dir geben***, Op. 76. 
S. 1024. 

Rinck, Gh. H., Der Gboralfreaod. 7r a. letzter Jahrg. Op. 122. 
— 24 fugirte Orgelstucke nebst (Jebungeo durch alle 
Tonarten Tdr angehende und geübtere Orgelspieler. Op. 
120. S. 247. 

— Theoretisch-praktische Anleitung zam Orgelspielen. 1. Tb. 
1. a. 2. Lief. Op. 124. S. 248. 

Seh ätze, Frdr. Wilb., Praktische Orgelschule mit fortgesetftem 
Handbuche. 2. Tbeil. S. 202. 

— praktische Orgelschule etc. 2te verb. a. verm. AaPage 
1840. S.,941. 

Trabe, Adolph, Ghoralbach nach Hiller mit Zwlscbenspielen. 

1838. S. 384. 
Weyse» G. £. F, Neues dänisches Ghoralbach, 48tinimig aosge- 

setzt. S. 470. 



V. Korrespondenz. 

Algier. S. 850. 
Amsterdam. S. 466. 
Augsburg. S. 46. 

Berlin. S. 66, 141, 216, 235, 333, 351, 416, 467, 990, 721, 819, 
925, 956, 1009, 1029. 



Bologna. S. 696^, 857. 
Braunschweig. S. 791. 
Brealaii. S. 429. 
Brieg. S. 745. 
Brtxen. S. 615. 
Bttckeburg. S. 1050. 
Gobnrg. S. 543. 
Golmar. S. 726. 
Gorfu. S. 852. 
Dessen. S. 304, 1049. 
Dobberan. S. 744. 

Dresden. S. 10, 11, 310, 331, «32, 77T, 89»^, 430, 954, 9S4. 1045. 
Ddben. S. 634. 
Düsseldorf. S. 463. 
Erfurt. S. 105. 151, 207, 709, 1034. 
Florenz (mit Toskana). S. 171, 390, 627, 857, 881, 905. 
Frankfurt a. M. S. 43, 71, 204, 306, 461, 485, (540). 
Fulda. S. 747. 
i Genua (mit Herzegtham). 8. 173, 405, 669, 953. 
Gera. S. 955. 
Göttiogen. S. 567. 
Haag in Hotland. S. 460. 
Halle a. d. Saale. S. 88, 374, 464, 537, 538. 
Hannover. S. 536. 
Jena. S. 208, 352. 
Italien. S. 112, 168, 193, 212, 254, 368, 390, 404, 422, 605, 624, 

645. 669, 693, 837, 853, 881, 905, 932, 952. 
Rarlsruhe. S. 104. 
Rassel. S. 108, 128, 139, 601, 1001. 
Ropenhagen. S. 470, 610. 
Leipzig. S. 12, 34, 50, 71, 88, HO, 130, 174, 177, 214, 239, 256, 

286, 370, (392), 393, 427, 471, 541, 821, 8S9, 878, 901, 

936, 958, 975, 1006, 1031, 1047. 
Lissabon. S. 314. 
Lombardisch- Venezianisches Rönigreieh (im Allgemeinen). S. 193, 

212, 254, 371, 423, 670, 693, 932. 
Laeca. S. 391, 905. 
Lübeck. S. 584. 

Magdeburg. S. 232, 583, 1004, 1006. 
Mailand. S. 193, 271, 422, 670, 932, 952. 
Mainz. S. 534. 
Mantua. S. 694. 
Moden a (Herzogthum). S. 628. 
München. S. 442, 486, 503, 519, 58i. 
Neapel (mit dem Rönigreiche). S. 113, 368, 605, 837, 853. 
Neu-Ruppin. S. 234, 744. 
Odessa. S. 852. 
Oldenburg. S. 540. 
Padua. S. 695, 935. 

Palermo (mit dem Rönigreieh Sizilien). S. 112, 369, 605. 
Paris. S. 46, 189, 406, 824, 835, 932. Das Meiste «ehe im FeaiUeton. 
Parma (mit Herzogthom). S. 391, 645. 
Pavia. S. 693, 933. 
Petersburg. S. 373. 
Piacenza. S. 906. 
Pisa. S. 391, 882. 
Potsdam. S. 522, 797. 

Prag. S. 33, 149, 161, 190, 407, 424, 570, 740, 958, 986, 1051. 
Riga. S. 30, 274. 

Rom (mit Rirchenstaat). S. 168, 369, 607, 624, 854, 953. 
Rotterdam. S. 960. 
Spanien. S. 760, 852. 
Strassburg. S. 209. 447, 725. 
Triest. S. 424, 9S6, 953. 

Turin (mit Piemont). S. 173, 273, 404, 646^ 953. 
Utrecht. S. 466. 
Venedig. S. 254, 273, 424, 695. 
Verona. S. 212. 

Viaregio. S. 905. . . . . v *a« 

Weimar. S. 351. — 662 (allgemeiner Bericht); 690. 
Wien. S. 106, 127, 146, 166, 260, 364, 387, 403, 420, 446, 449, 

610, 629, 647, 666, 848> 800, 896, 981. 



xvn 

Pt. '-Jjifi 8 e e l l e n. ['\ 

Abre«cb, ieik^r Tenor inFranif^H i. M. S; SOT. 

Adler ^ lastrameotenmacber in Paris« Verbesserabg des FagotU. 
S. 258. 

Albamomanie in Paris. S. 46, I5;2yl79. 

Anzeigieii von Verlags-Ei^enthnnu S. Robrlk Iftfl, -unter An- 
kündigungen und Intelligenzbh 

Apparat» neu erfuDdener» die verlorene Stimme wieder zu er* 
langen. S. 196. 

Auber» an Paer's Stelle« wird konigl. Musikdir. in Paris. 
S. 490. 

Auskauft s-Burean für musikal. Angelegenheiten jeder Art, 
neu errichtet in Wien. S. 449. 

Barmann, Vtler und Sohn, in Münchenr. S; 444, 449,' 505. 

Bajaderen in Leipzig. S. 4:^7, 47:2. In Berlin S. 468, 591, 
'• 88a. 

BaleareAy Tonkunst n. Stand der Tonkunst auf diesen Inseln. 
S. 1034. 

Bas II r, Kapellmeister der Peterskirche in Rom; S. 609. 

Baufch, bester Violin böge nmacher. S. 378. 

Beethoven -Denkmal, Konzerte für dasselbe. S. 378, 475^ 
474, 488, 540, 778, 1033. • 

Berlyn^ A«, junger Komponist in Amsterdam. S. 962^ 

Boieldieu, dessen Statue. S. 616. '" '^ 

Botgorschek^ Franl., Altistin des Dresdul Tbcaters. SJ 539, 541. 

Bobner, Louis, lebt noch. S. 378. 

Buckeburg's guter Musikzostand. S. 1051. 

Buhnert, Prof. des Streiehbasses am Konservator., in Prag, an 
Hüttner*8 Stelle. S. 1055. 

Cedmoa, aogelaäcbsiscber Dichter ties 7. Jahrhnnderts. S. 267. 

Contrabassi, neuer, auf Tastatur und mit Bogen zu spielen. 
S. 80?. 

Barmsaiten, neue Art derselben, die der Üitäse widersteht. S. 842. 

Davide Giov. ^ im Alter, bei seinem Auftreten ip Wien. S. 366$ 
in Italien. 423. 

Dessau^s Theater- und Musikwesen, Stand' desselben u. Wunsch 
für ein stehendes Hoftheater. S. 1049. 

Dohler, Pianist. S. 505. 1036. 

Donizetti'su.Mercadante*s gegens. Stellung in Neapel. S. 1 14. 

Dreyscbock, Alex., Klaviervirtuos. S: 290. 

Droaet^ Louis, bekannten Flo ten virtuosen , neues Auftreten. 
S. 370, 418, 467. 

Druekfehler. S. 434, 1058. 

Ebett, neuer Virtuos auf der Strohfldel. S. 416. 
Ebrenbezeigungen und Berdrdcruogen. S. 83, 90, 232, 242^ 
290, 333, 352, 367, 374, 378, 395, 423, 473^ 489, 506, 
592, «6. 735, 900, 907, 1012. 

Erwiderung von Dr. Gustav Schilling gegen Herrn Hofratfas 
Hand Warnung. S. 132. 

Enterpe, über den Fortgang der zweiten Sekzion derselben (in 
Leipzig). S. 90. 

Fese a 9 Alexander, Sohn des berühmten, erstes Auftreten in sei- 
"*ner Vaterstadt, Karlsruhe. S. 104. 

Fesea, Henriette, junge Alts'aogerin. S. 1004. 

F4tls, dessen Widerlegungskunst. S. 650. — Als Vorsteher des 
Konservatoriums zu Brüssel. S. 729. 

Feailleton.* S. 152, 178, 195, 217, 241, 258, 274, 290, 3! 4, 
338, 356, 378, 394, 410, 434, 4r.O, 473, 489, 506, 522, 
544, 572, 593, 615, 650, 672, 697, 714, 728, 746, 762, 
n9, 802, ,826, 841, 858, 882, 906,938, 961, 1011, 1034, 
1056. 
Fingo- Rriegsgesang (an der Westküste Afrika's). S. 279. 
Fink, G. W. , Wegen Verspätigung der Erwiderung des Dr. G. 
Schilling. S. 3i; — Des Herrn Grafen von Hohentbal- 
Stadteln Sehreiben an die Redakzion, weitere Unterneh- 
mungen desselben und Antwort darauf. S. 47 ; — Znsatz 
zuAstorga. S. 230; — Berichtigung der Werke und Aus- 
gaben Orlando de Lasso's zu Dehn's Uebers. nach Ant. 
Sehmid*s. S. 273.— Ueb. John Barnetl's Oper: Farinelli 
and über Moritz Haupt. S. 376; — Vorwort zu den« 
neuen Nachrichten aus München. S. 441 ; — Nachsobrift 
zar Topografie von Strassborg. S» 895'; — lieber Lie- 



xvm 

' der HW' «of Plaaof. elagertebtet. 8. IW9; — BeriehHgnng 
über Manuel Garcia. S. 962 ; — Zum Titelkupfer. S. 1037. 
Florenz hört Haydn*s SchSpfnng: mh Staunen. S. 897. > 
Forbes, Schotte, wichtig fer die dortige Kirchenmasik des 17. 

Jahrhunderts; »S. 263. pf 

Frankfurter MozartsHftnng (vgl. 1838 S. 511). S. 540. 
Französische Ben^AJzung deatsober Volkslieder , einfe bemer- 

kenswerthe. S. 748. 
Gbys, ViÄlinirft aas Bälgten. S. 72B. 
Glack, Ritter, zu seioem' Leben (?). S. 616. 
Golde, Musikdir. des MiUtarohors in Erfurt^, aacb als Militir- 

komponist.- S. 710.. 
Goldschmidt, als Klavierspieler (in Prag). S. 425. • ! 
Haas«, Attgr, Hornist ia Dresden. 8. 954. 
Habeneck, Franz An ton , Lobensbeschr. S. 440. 
Hafner; R.^ Violinspieler aus Wien, Sehäler Bfayseder^s. 3.90. 
Hagedorn, Dem., Sängerin. S. 741. 
H alevy-'ist Prafcssor der lyrischen Kompesizion am Ronseryaiö- 

rium zu Paris geworden. S. 728. 
Haapt, Moritz, als Komponist. S. 376. 
Hilf, Christoph, junger Violiovirtuos (mit Thatsachea aus seinem 

Leben). S. 979. 
Hillers, Ferd., erste Oper „Romilda*< in Mailand. S. 271. 
Italienische Operngesetlsohaft ia Wien. S. 610. 
Just, A., als Komponist ib Berlin. S. 417. 
Kässling, J. G., Instramentenmaoher ia Leipzig. (Positive and 

kleinere tafelförmige Pianof.) S. 90. 
Kalkbreaner^Fr. , protestirt gegen seine Biografie voa Fetls. 

S. 450. 
Kemlle, engläadisebe Sängerin in Italien (Urtheil über sie). S. 

4n, 935. 
Konservatorium der Musik zu Paris. S. 450. 
Konzertprogramiae des Pariser. Kanservat. der Masik. S. 

178, 258, 338, 356, 396. 
Konze'rtwesenin München. S. 442 u. f. 7 

Kftttel, Jes., Flötist, Schüler Fürstenau's. S. 207,. 
Lacombe, Louis, als Pianofortespieler and Kompoitist. S. 403. 
Lami, Scbulgesanglehrer im Jura. S. 274. . 
Langen Schwarz, Frau Dr., Sängerin. S. 472. 
Liszt in Italien. S. 171, 172,: 173, 370, 391,6094.905, 961. 

— dessen Schreiben wegea BeeChov^ne Deoicmals. S. 906. 
Löwe, Sängerin in Berlin, über sie, als Tbeatersängerin, S. 44, 

591, 820. 
Lutz er. Dem., Sängerin, gasticend (ia Frankfurt (^,,91.) S. 462^ 

743, 841, 856. ,..\ 

Mab. Protestation gegen ihn. S. 729. 
Mancherlei. S. 90. Siebe dafür Feuilleton. 
Maanhelmer Musikveretn, s. Fest des lOiähr^gen Bestehens. 

S. 962. 
Mazzttcato, Alberto, an Madrids Stelle Madoheni^sanglehrer des 

Konservator, in Mailand. S. 933. 
M enter, Joseph« Violoncell- Virtuos in München. S.. 3i89. 
Methfessel, Ernst, Hoboist. S. 607 und weiter», auch über 

seine neuen Oboenröhre S. 672. ... 
Micbruz, Georg, des Klo vier, sonderb. Konzert in Wien. S. 420. 
Mollenhauer, die Gebrüder. S. 780« 
Molique, B. , ans SliUtgart in Prag und. VViea. S. 140 u. 166. 

S. ä88. — In München. S. 50i. 
Müller, die 4 Gebrüder, QnartetUpieter. S. 93, 426, 927. 
Müller*s, Joh. Immanuel, Verzeichniss seiner Kamposizienen. 

S. n5. 
Musikfeste. 

In Düsseldorf, rheinisebes Musikfest. $. 314 a. 463. 
In Halle an der Saale. S. 395, 434, 464 (Provinzial- 

Liedertafel); 537 u. 538. 
In Mens. S. 410. 
In Zweibrücken. S. 434. 
Ia L'Sbeck (Rntes Mastkfesi dies norddentsebea Vereins). 

S. 473 und ausfuhrlich 584. 
In Paris. 5. 522. 

In Potsdam. Liedertafelfbst.. S. 592. 
In Rötba, bei Leipzig (zweites Sohnllebrer-Gesaagfest). 
S. 615. 

2 



XIX 



XX 



1 B Fraofa^dk ief^oBende MhuMMb n$A d^tsdler Weite 

S. 615. 
lo Daben (^ogerfest^ S. «34. 
Ja Greit (!ltes Sängerfeat). S. 672. 
lo Erfurt (zum Geburtstage des Königs). S. 709. 
lo Brieg in Schlesien (fttes MusSkrest). S. 745. 
In Brannseh weig (zweites). $.791. 
In Norwicb (England). S. 802. 
in Amsterdam (beschlossenes Mnsikfesl). S. 900. 
In Potsdam, Gesaogfest des Märkischen Vereiaa. S. 926. 
In Wien (grosses Hnsikfest). S. 981. 
Mnsiknn terrichtanstalt, nene» in Prag. S. 802> 1055. 
Nagel ans Stockholm, Violinist. S. 592 n. 1006. 
Nene Opern, kurze Angaben derselben. S. 195, 241, 258,274, 

338, 366, 434, 522, 728, 762, 802, 841, 858. 
Nicos ia^ Salvatore, ein neues Wunderkind als Violinist. S. 609. 
Notizen. S. 374, 451, 544. 
Nourrit's Leiche nbegängniss and Insehriflea in der Kirche St, 

Brigida. S. G05. 
Oboenrohre aus inlandischem Holze verfertigt. NacbtrSgliehes. 

S. 15!. 
Oginski, Fürst Michael, und die Geschichte seiner Polonaise. 

S. 544. 
0*Kane, letzter berühmter Harfner in Irland. S. 268« 
Onslow*s Symphonie N. 1 , eigene Ansicht über sie. S. 353* 
Oper in London, neueste Saison. S. 395. . .., . 
Opern, in Nachrichten besprochen. 

NB. Die neuen Opern in Italien s. in den Naehricbteo. 

Donizetti, Der Liebestnink (in Frankfurt a. M.) S. 46. 
Anber, Qie Gesandtin (in Fraokf. a. M.) S. 46. 468. 
Thomas, Komische Oper: 1717 oder der Pariser Peru- 

quier. S. 70, 570. 
Fesca, Alexander, Mariette, einaktige Oper, TeM von 
Norbert. S. 105. 
. Wiener neue Opern und Operetten. S. 106, 127, 146. 
Blrnbanm , C. , Schauspiel mit Liedern von Tonsetzern 

In Rassel. S. 140. 
Adam, Ad., Regine , neueste Oper. S. 153. 
Dessaner, Ein Besuch in St. Cyr, komisehe Oper in 
3 Akten (Prag) S. 190; (in Kassel) 1002. 
- Berlioz, Hector, Benvenuto CelUni, franaos. Urtheii. 
S. 196. 
Rücken, Frdr. , Die Flucht naeh der Schweiz, Singspiel 
' in 1 Akt (Berlin). S. 236. 
Lindpaintner, „Die Genneserin^S n«^« ^P^^ O^^ Wien). 

S. 254. 
Monpou, „Der Pflanzer*« (in Paris). S. 274. 
HofPmann, E. T. A., „ündine" (Probeversneh ia Leip- 
zig). S. 288. 
Anber, „Der Fecnsee*« (1e lac des Fees), Opcp in 5 Akt. 

S. 349. 
Hal^vy, Guido und Ginevra (in Bertin). S. 351. 
Sch&fl^r, Aug., Emma v. Falkebstein, erste Oper. S. 351. 
Adam^ Ad., Zum treuen Schäfer (Dresden). S. 332. (in 

Wien). S. 632. 
Rastrelli, Die Neuvermählte, neue Oper (Dresden). S. 332. 
Lindpaintner, Die Genneserin, neue Oper (in Wien). 

S. 364, 850. 
Müller, Adolph, Neue Operetten nnd Possen (in Wien). 

S. 367 u. 368, 387. 
Barnett, John, Farinelli, emstkomische Oper. S. 376. 



(Vgl. S. 258). 
falivy. - 



0al^^, Les trotze (die Dreizehn), neue Oper (in Paris). 
S. 393, 406. 

Anber, Le lac des Fees, grosse Oper in 5 Akten. S. 407. 

Adam, Ad., Der Brauer von Preston, ^Singspiel, S. 418, 
536, 514, 740, 930. 

SchSfier, Aug., Emma von Falkeostein, erste Versuchs- 
Oper in Berlin. 419. 

Bellini, Beatrice di Tenda (in Frankfurt a. M.) S. 461. 

Auber, Der schwarze Domino (in Fraokf. a. M.) S. 461. 

Chelar^, „Die Hermannsschlacht**, grosse Oper (in Mün- 
chen). S. 504, (in Leipzig) 840. 



Laekner, Frahi, Alidia, nenn Oper (in Minehen). S. 681. 
Lövenskiold , Sarah , ErstlSngsopef in Ropenh. S. 610. 
Donizetti , G. , Lnereaia Borgia (in Wien) S. 612. Beli--. 

sarlo. S. 613. 
Neue Operetten und Possen in Wien. S. 630. 
Oesterrcich, Karl, Die Bergknappen (in Weimar). S. 663. 
Lindpaintner, Die Macht des Liedes (in Weimar). S. 663. 
Roseohayn^ List um List und nocli einige neue Operetten. 

Mereadante, Der Schwur (il giuranento), in Berlin. 

S. 722. 
Gräser, Die Mühle von Sanssouci^ Festspiel mit Musik 

(Berlin). S. 722. 
Hoven, J. (pseodonym^, Turandot, neue Oper. S. 723.' 
Lortzing , Die beiden Schützen , Operette (nen in Berlin). 

S. 723. 
Adam, „Regine*^ (neu, in Berlin). S. 820. ^ 

Lortzing, neue komische Oper: Caramo oder dasFiseber- 

sterhen (in Leipzig). S. 822. 
Ualevy, Der Scheriff, neue komisehe Oper in 3 Akten« 

S. 824. 
Rnolz, La Vendetta, in 3 Akten. (Beurtbeilun^. S. 835. 
Adam, A. , La reine d'un jour, in 3 Akten. (Beurtheii.) 

S. 836. 
Auber, Acteon, Operette (in Wien). S. 849. 
Gerli, II Sogno poaitore (neue Oper in Algierl. S. 851. 
Mainzer, La Jacquerie (neue Oper in Paris). S. 858. 
Clapisson^ Die Sinfonie (neue Oper in Paris). S. 858. 
Wiener Possen, Pantomimen etc., nene. S. 880. 
Meyerbeer , Ghibellinen in Pisa (Musik der HngenotCen) 

in Wien. S. 896« 1002. 
Donizetti, G., Marino Faliero 0» Berlin). S. 929. 
Oratorien nnd geistliche Werke, in Nachrichten besprochen: 
Drobtach , G. L., neues Orat. i Moses auf Sinai. S. 46. 
Spobr, L., flymoe, Ged. von J. F. Rohdmann, Op. 98. 

(in Leipzig). S. 111. 
Herrstell, Organist in Kassel, Dem Herrn gebSrtdie JErde, 

Männerchor mit Blaslnstr. S. 129. 
Wiegand, Kantate, ged. von Mayer (in Kassel). S, 140. 
Grell, Ed., neue Kantate: Die Israeliten in der Wüste 

(in Berlin). S. 146. 
Mühling, Abbadonna, Oratorium (in Magdeburg). S.233. 
Berger, L. , Kyrie (aus seinem Nachlassen in Berlin). 

S. 236. 
Mendelssohn-B., Fei., Orat. „Paulus** (in Wien). S. 250. 
Schneider, Frdr.^ Orat. Gethsemaoe u. Golgatha. S. 304. 
Berger, Lonis, Hstimmiges Kvrie und Gloria a Gapella 

(nachgelassenes Werk). S. 334. 
Mozart, Sohn, Der erste Frühlingstag, Kantate. S. 404. 
Schneider, Frdr., Absalon, Orat. (in Berlin, neu). 8. 468. 
Lachner, Franz, Die 4 Menschenailer (in München}. 3. 

488; (ia Potsdam). S. 798. 
Rüder, Messiade, Oratorium (in München). S. 489. 
— Caecilia, oder die Feier der Tonkunst. Grösse Kaö* 

täte. S. 520. 
Mühling , Aug. , Bonifacius , neues Oratorium , ged. von 

Aug. Kahlert. S. 584. 
Gäbrich, Üoett für Tenor nnd Bass mit Begl. der Orgel. 

nnd der Bassposaune. S. 591. 
Grell, A. K., Der 23. Psslm. S. 591. 
Lowe, G., Die Siebenschläfer, Orat. (Erfurt). S. 710. 
Beethoven, L. v., Der glorreiche Angenblick: Kantate. 

S. 711. 
Schneider , Friedr. , Zur Einweihung einer Kirche (neb, 

noch MS.) S. 745. 
Mendelssohn-B., Paulus, Oratorium (in Braunsehweig). 

S. 791., 955, 981. 
Lb'we, C. , Orat.: Die«heroe Schlange. S. 926. 
Thomas, Amhros., neues Requiem (in Paris). S. 858. 
Wagner, £. D. , Zögling der Berliner Akademie der 

Künste, Motette. S. 926. 
Grosheim, Dr., Der 89. Psalm, Motette $ eitte andere von 

Endter (neu). S. 1003. 



XXI 



XZE 



RaBSettlagen, C F., Fatk«|U«Kf9^ «•!. von Fr. För- 
ster O^en). S. 1010. 
Orchosterba« fiir proste MusikfM^, Minratiieh ia Kiffebaiii 

S. 586.' . ;^^ 

Orehesterver.ein in Magdeburg. S, 1004. 
Paeanini, aebr krank (sehen friiber bamarkt). S. 729. 
Pianoforta, aene, von Breilkopf und Bärtel aacb Broadwood 

gebaut. S. 87», 9P4. „ ^, 

Piecini, ein erfolgreicher Brief seinetwegan*' S. 694. 
Plerel, Maria Camilla» Mad., Klaviervirtaaain^ S. 878, 903» 08$:, 
Pollmächer, KlarinetLiat u. MUitärkomAoniät. d. 1^34. 
Prabaarbeitea der Eleven der akadeiaisehen Schale m BarUa. 

S. 592. 
Previazial-Liedertafcl ip Halla. S. 464* 
Frame, VioUnist aas Lattich. S. 204, 207, 2S7, 314. .371, 901, 

955,958. ... » . . 

Reformasions-Jnbelfeier, dreihaadertjahnge , za Leipzig. 

& 428, 930. 
Kemme/s, aas Jevcr iia Oldcnbargschen, Violinvirt. S. 143. 
Riefs/ahTs Qaartett-Uoterhaltangen in Fraokfart a. M. S. 71, 

207 n. 308. 
Rieter, Organist in Brfart, seine neuesten Rompos. 8. 712. 
R^at, Der Aceademia di Santa Cecilia dieaiilihrige Ehreamitglieder. 

S. 854. 
Aosenhain, J. , Pianofortespielcr and Komponist. S. 822, 858. 
Bossini ist ein Fischhändler geworden. S. 544. 

in Bologna am Lioeo eomkaanalft di'Mosica zamCaasu- 

leate ooorario perpetao eraanmt. S. €27. 

sbU eine neue Oper aebreiiieo. S. 650, 728. Dem ist 

nicht so. S. 854. 
Sabr, Frättl., Sängerin aas Frankftfrt, wird ettpfolleü. S. 350. 
So bebest, Agnese, in Mailand. S. 933. 
Schlick, VioloooeUist in Dresden. S. 215 n. 1047. 
Sehmitt, Aloys, als Virtuos und Komponist (in Mainz). S. 534. 
Schmitbach, Fagottist. S. 744. . . „ ,. 

Sehnetders, J., Gesanginstitats- Abonnement-Konzerte m Berlin. 

S. 929. 
Schwedisches Gesangbuch, neues, u. Rirchengesang. S. 746. 
Simon von Brüssel, Erfinder des Harfeopedais? S. 268. 
Snontini auf seiner Reise in Italien. S. 169, 242, 369, 378. In 
Paris. S. 378, 395, 420, 506, 593, 609, 722 (wieder in 
Berlin). 
Stark, Mazimiltau, Baritonist und merkwürdig gebildeter Falset- 

Sopran. S. 819. 
Steinmull er, Sänger am Theater zu Hancover. S. 743. 
Si;»ckl-Beinefetter, Klara, Sängerin. S. 742. 
Svmphonteen, Ouverf. u. Konzerte, in Nachrichten besprochen. 
Baske , W. , Concertino .für den Fagott (neu , ia Leip- 
zig). S. 50. 
Sterndale-Benett, W., Neues Konzert für das Planof. (in 
Leipzig). S. 72. , . ^ ._ 

Lachner, Franz, sechste Symphonie (in Leipzig ; gedruckt 

bei Haslinger). S. 73, 488. 
Hauschtld , E. , neue Ouvertüre (erste verSffentlicbte Ar- 
beit in Leipzig). S. 89. 
Sterndale-Benett , W. , neue Trir das Konzert in Leipzig 
geschriebene Onvertnre : „Die VValdnymphe". S. 89. 
David, Ferd., neue Violin variazionen über Mozarts Lied : 

Wenn die Lieb etc. (in Leipzig). S. 111. 
Haake, W., Fantasie f. d. Flöte (neu ; in Leipzig^. S. 11 1. 
Oriebel, H. , Concertino und Variazionen für die Hoboe, 

neu (in Leipzig). S. 130. « . . , 

Dobrcynski, Symphonie, in Wien den 3ten Preis erhalten 

(In Leipzig). S. 214. 
Verfaulst, Ouvertüre (in Leipzig), Hmoll. S. 215. 
Moscheies, Pasloral- Konzert fdr das Pianof., MS. (in Leip- 
zig). S. 246. 
Mendelssohn-Bartholdy, Ouvertüre (neu, ia Leipzig). S. 
246 u. 257. ^ ^ . ^, ,. 

Schubert, Franz, nachgelassene Symphonie aus C dar (yn 

Leipzig). S. 256. 
Schnyder v. Wartensce, Symph. (in Frankf. n.M.] S. 308. 
Lindpaintner, neue Fest-Onverture (In Berlin). S. 333. 



^erger, Louis, Piaafaf.4(onaert (naebgalatt. WM).|S. 334. 
Schultz, Ad., neue Symphonie, die erste (in Berlin). S. 335. 
Reber, neue Symphonie (in Paris). S. 338. 
Molique, Violinkonzert in D dnr (neu; in Wien}. S. 388. 
Menter, Joseph, Konzert-Komposizionen (ia Wien). S*. SSo! 
Lacombe , Louis , Ouirerturea. S. 403. 
Jaasa, Prof. in Wien, neues Violinkonzert; S. 404. 
' Weher, F. D., Sextett für 6 Posaunen. S. 408. 

Gatdschmidt, Siegmand , Ouvertüre zu Shakespeare*8 Ro- 
meo und Julie. S. 410. 
Prätearieder, Ouvertüre zu Otto von Wlttelsbacb (ia M3n- 

oben). S. 504. 
Bärmaan, der Sohn, Ronzertkompoaizionen. S. 505 u« f. 
Röder , Symphonie (in München). S. 520. 
Schmitt, Aloys, Symphonie in Es dar; dann TonaemäldA 

rdr das Orchester (in Mainz). S. 535. ' 

Pott, Aug. , neue Bravour-Variazionett für die VIoUm 

(Oldenburg). S, 540. 
David , F. , neues Violin-Konzert (in Lübeck). S. 588. 
Schneider^ Jul., Choral mit Var. f. die Bassposaunen OmI 
S. 591. ' ^*' 

Reissiger, C. G. , Erste Symphonie (In Potsdam). S. 798 
Spohr , L. , seebste Symphonie. Sk 858. * 

Morlacchi , neue grosse Ouvertüre (in Dresden). S. 899 * 
Stablkneohty A., Zögling der Berliner Akademie der Kunst 
Symphoniesatz. S. 926. . ' 

]^me,.F., Violinkonzert N. 1 u. Air fantastiqfueOtfS.) S. 901 . 
Berlioz, Oavert. ^,Wawerley** in Leipzig . S. 936. 
Lindblad , A. F. , Symphonie, neu (ia Leipz^). S. 937. 
David , Ferd. , latroduct. und Variationen über ein Origi- 

ualthemaTdr die Violine mit Orch. (ueu). S. 977. 
Hesse, Adolph, fünfte Symphanie (MS.) S. 1004, 1007. 
Kuhlau, Ouvertüre,. genannt Shakespeare. S. 1006. 
Benedict, J. , Ouvertüre zur Oper: die Warnung der Zi- 
geunerin. S. 1007. 
Kummer, F. A. , neue. Fantasie und Ia MaUnconia fdr Vio- 

loocell mit Orch. S. 1008. 
Berlioz, Hector, Romeo u. Julie, dram. Symph. mit Chören 

S. 1011. 
Schubert, Franz, grosse Symph. in Cdur(Leipz.) S. 1033. 
Bezdek, G. W. , Violinist u. Direktor derphiiharm. Schule 
zu Trient, Variazionen für Violine. S. 1053. 
Taglioni, die berühmte TÜazeriu , in Wien. S. 629. 
Teatro „Alibert" in Rom. Kurze Geschichte desselben. S. 608. 
Thalherg in Berlin. S. 141; in Petersbarg. S. 373; in London 

S. 594;, 1037. 
Theaterzettel-Bibliothek aas aller Welt ^ angelegt von ei- 
nem Holländer; merkwürdig. S. 908. 
Tichatschek^ Jos., Tenor in Dresden. S. 418, 427, 467, 472, 544. 
Unger, Karoline, Sängerin (in Wien). S. 611 etc. (in Dresden) 
S. 632 u. 698. ^ 

Vaccai, als Komponist. S. 424. 
Velluti, Gesanglebrer, jetzt in Dolo. S. 936. , 
Verb esserangen uud Neuerangen an Instrumenten in Paris 

8.546.616,618,697,714. 
Verdiente Männer um Verbreitung der Tonkunst. S. 274,290 

396, 490. 
Verein zur Beförderang der Tonkunst in Holland. Fortsetzung 

der Geschichte desselben. S. 900. 
Verfall d. Oper in Neapel; Zustand d. Maestri, Sänger etc. S.837. 
Vermischte Musikwerke, in Nachrichten besprochen: 

Conrad , Brachstück aas seiner neuen Oper „Rienif (in 

' Leipzig). S. 71. 

Benedict, J. , Ballade aus „Warnung der Zigeunerin** nad 

Italien. Romanze ^in Leipzig). S. 72. 
Truhn, F. Hieron., neue Lieder u. Gesänge (in L.) S. 388. 
Berger, Louis, „Sappho*^ grosse Szene Tdr Sopran mit 
Orchester; Andreas Hofer, 4stimmiges Männerlied (in 
Beriin\ S. 334. 
Hirschbach, Hermann, 2 neue Quartetten und ein Quin- 
tett (in Berlin). S. 335. 
Gährich, Musik zum neuen Ballet „Don Quixote'* (Berlin.^ 
S. 337. ^ 

2^ 



xxm 



XXIV 




V<t^l B«i«f.Q«Mttll (dte:4riito)MS G aoU*(Leipiig). 
S..3ÄJ.(mB«riüi), 469. 
' Lacboer, Fram, SCrciohqöialetl, pntmw (anged^.) S. 488. 
. . ^ Scluiidt, Harmann, Daa JabiläUi aeaea ttifitar. Ballet 
(itt Berlin). S. MI. . 
BalleU in Wieo. S. tft9>.850. 
Reiasiger, Ka^Uneisier,, .Vokakpiartett. S. 600. 
Weiss, Jal.y Soene aas i ^^Oreslas^S 9ed.'v. Reiobeck. 
Döli}er, grasae Fantasie iUber Motive ams Baoadlot's 

naog der Zigeunerin*'. S. 985. y^' 

Wiaiweeht, Insftnmaiitalsats f. MilitärmDäik. S. lOlO/^ ^ 
ToselU , Job. , Variazionen Tdr Glasbarmonika und Vf^ 

(neu). S. 1053. "^ 

Hendeissobn-B. and L« Klein wüekter, % neme Quartette. 
S. 4054. 
Ve Stalin von Spontini, lOOste Vot^tell. den. in Berlin. S. 9127. 
Viareglo^ fortges. Gesebiekte des dortigen Kenservat» S. 905. 
Vi er neue Gesangscbülerinnen der BertiaotU treten aaf. S. 370. 
Voltipresto, neue Maschine saa . Notennmwenden m. Geschiebte 

dieser Maschine. S. 545. 
Wiens diesjähr. Gewerbsanastellung riicksichtlieh auf Mnsil 

stravieate eto. S. 666. 
Wilhem, wichtiger MusiUehrer (Gesang in Schulen> in Paris. 

S. 474. 
Wolff, Gebrüder, Heiar., Violine; Hermann, Strohüel (Frankf.) 

S« 486. 
Wa aseh, die Erfiadaag eines Klavieriastr. xnai Ate^ren freier 

Fantasien wieder aufzuBehmen. S. 139. 
Wysoeki, G. N., Pianist. S. 592. 
Zeitung, hamburger musilL , eingegangen. S. 41. 
Zimmermaan^ Violia virtuos in Berlin. S. 1006. 
Zun Titelkupfcr. 8, 1037. 



FIL Maäikälhehe Un^itmdeii^ Beilägen. 

late' Beilage, zu N. 3', 'cnfitftend : Fa'esimile ^dr'bahdsöhriften 
von Nie. Paganini und H. Berlioz. 
BeiL zu N. 15. y enthalt. Faksimile der sthotiiseben Lätitenta- 
bnlatnr und l^SMelbdieen an« dem Skene-Manuskript In un- 
' sere Noten übertragen. 
Ausserordentliche Beil. zu N. 18,, Abhandlung dea Herrn v. Wiu- 

. terfdd über die Gesang^erkif Von Fssch. 
>9teBeil. zu N. !23, YeHeih uns Frieden. Partitur. Facsimile der 

Handsebrih von Dr. Fei. M^ndeissohn-Bartholdy. 
^le' Beil. zu N. 96^ Naebgeftihl, fHr eine Singst." mit Pfte. Fao- 
^ simile der Handschrift von Dr. Louis SpotTr^ 

•5te Beil, zu N. 31^ , Ave Maria , vierstinimiger Gelang. Facsintiie 

der Handschrift von G. Onslow. 
6teBeilf zu N. 39^ Dreistimmiges Kinder^ebet^ Facsimile der Hand- 
' ' Schrift von Giac. Heyerbeer. 

te Beil. zu N. 47, Canone a 3 Vooi« Faesimile der Handschrift 
iron L. Gheruhinl. 



VIII* Ankündigungen und InteUigenzUäUer. 

Si li» SS, 5U 73, 91, 115, 131, 155, 179, 195, 219, 341, 1^59, 1t75, 

291, 315, 339, 35S, 379, 395, 409, 433, 451, 475, 491, 

. . ' 507, 523, 545, 571, 593, 817, 635, 65t, 673, 699, 715, 

729, 747, 763, 779, 802, 827, 841, 859, 883, 907, 939^ 

961, 987» 1011, 1035, 10S7. 



ALLGEMEINE 



2 



MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den 2^*^ Januar. 



J^ 1. 



1839^ 



Einleitung. 

V ielfach /st uns in den letzten Zehen der g^rosse Glanbe 

5esiinge0 worden, es sei in unserer Gegenwart ein nenes 
lorgearoth, namenliieh für nosere Kunst, anfgefpangen,. 
das alle Höben und Tiefen magisch verkläre } mit wun- 
dercamen Worten bat man ans verkündigt, unser jung» 
stes Lnstram bilde in seinen Erscheinungen eine seinen 
Folgen nach gar nicht zu berechnende neue Licht-Eauche, 
die vor Allem so glücklich sei, der Musik immer Uarer 
und allgemiein versläodlicber einen so beslimmten Inhall 
zu sichern, als ihn die Sprachen der Wortdicblung nur 
je zu erreichen im Stande wären; auf diesen gar nicht 
mehr zn verfehlenden Kerninhalt arbeiteten alle Genien 
unserer tonkunstreichen Zeit mit den siegreichsten Er* 
folgen so kräftig hin» dass t» in dieser Hinsicht gar kei- 
ner sibyllischen Gabe brauche, vorauszusagen, es werde 
bald in den Werken der Töne die lautere Himmels- 
flamme des hellsten Tages über Alle aussegossen sein 
zum reinsten Verständniss der innern WeR eines die 
Unendlichkeit umspaaAenden Gefühls, das wie ein neu 
aufgeschlossener HöUenzwang die verborgensten Kräfte 
seheim gewalligster. Geisterwelt aus der bisherigen Nacht 
heraufbeschwöre, dass sie mit uns wandeln wie Unsereiner. 
Sind dies Wahrheiten und nicht blos Tiraden san- 
gviniseber JttgendhoSQuingefn, die oft. schon tauschten, so 
ist es an der Zeit, daas sie sich endKeh durah Thaten 
und Werke wahrhaft neuer und ausdauernder Art 
Glück -spendend bewähren, Denn Manchen will es frei- 
lich noch bedanken, als fehle der vteigeprieacnen neuen 
Richtung, die über Beethoven'^s Flu^ zu schweben ver- 
wähnt, jene beweilende Werkthätigkeit, die immerhin 
den Glauben als einen echten erst zu verbürgen hat ; 
la es gibt sogar .noch so verstockte Seelen, das4 etliche 
bereits rand beraos erklärt haben, wir hätten eb<)n nicht 
grosse Ursache, uns auf unsere neuesten Werke jener 
jungen Richtung besonders viel einzubilden. Zwj^r wird 
zugegeben, dass die neueste Zeit eine nkabt geringe Zahl 
ganz vortrefflicher Werke hervorgebracht habe (Und wir 
sliDamen vollkommen damit überein), aber, behaupten die 
Gegner der neuen Erzählungsmusik , dies sei nur von 
solchen Männern geschehen, welche oiFenbar Zteliage 
und Anhänger der allen» oder doch der äliern Alcister 
waren; der ganze Geist der MuesleA Manier dagegen 
umbranse sich theils nur mit wiMcoi, betiuhendem Lärm, 
theils verblüffe sie die Unerfahrenen mit habbrcohendeni 
SeUlanz tollen Uebermnlhes» der sich dnreh die Gcfohr 

41. Jahrgaog. 



« 



allein vorübergehendes AnsUunen unerhörter KeckheÜ 
gewinne n* s. f. 

Die Zeit der Gährung dauert also immer noch fori, 
wie der Kampf gegen den Zeitlöwen und die „marzia- 
lischen Philosophen.*' Fragt man: Warum so lange? 
so ist die Antwort schnell fertig. Die Herren der neuen 
Richtung sind nicht so tapfer, als sie nach einigen Wind- 
mühlenlMBkämpfungen und nach dem Geschrei vor irgend 
einer wirklichen Schlacht zu sein: scheinen; kommt nur 
ein tüchtig Gewappneter , so ziehen sie sich kindlidi zu- 
rück, sind so lanj^ seiner Meinung, bis Jener vorüber 
ist; dann aber geht dos kaum verschollene Lied wieder 
von vorn an und ärger als zuvor. Viele der Gi^en- 
ricblon^ lächeln dazu und meinen, dass Uebel der*Bra- 
marbasirerei . lege sich von selbst. Das thut es denn 
wohl endlich auch: aber es hält zu lange an, es geht 
zu viel köstliche Zeit und manche junge Kraft £bei 
verloren. Das Schlimmste ist, dass sich beim Schwei- 

fen der Berufenen so viele Unberufene einmischen, die 
eine Idee von der Kunst haben und gerade darum Mi- 
rakel rufen, wo keine sind. Diesen ist nun freilieb gar 
nicht beiznkommen; auf Gründe hören sie nicht, denn 
sie verstehen sie nicht. Dieser Haufe würde jedt>ch bald 
von selbst auseinander fahren, gin^e man nur offener 
und gemeinschaftlicher, auf die Heerfahrer los, auf deren 
Scbein er blind vertraut. Das gibt der Wifre Stand 
und friscbt die Gährung oft von Neuem auf. Wir 
wünschten nur» das Uebel griffe noch viel mäehtieer und 
schärfer um sich, so wäre das Ende zoversichtnch nä- 
her; die Folgen lehren erkennen. — Wünsche freilich 
hat der Mensch viel, absonderlich zum neuen Jahre. 
Die meisten sind selheUücfalig a(nd darum helfen sie nichts; 
sogar die besten sind ohne That von keinem grossen 
Werlhe. Drei Dinee sind die vt/^itm offenes- Auge 
ruid umher, in die YergangenheiL, dass wir das Echte 
erkennen und die alten Stützen der fidnst würdig ehren, 
in. die Gegenwart, damit wir uns nicht täuschen, noch 
täuscben lassen ; frisches Eingreifen mit Lust und Kraft, 
was immer fordert und zum Sieg des Guten hilft; Jfe" 
sies Vertrauen auf Liebe und Reekt^ die nie verküm- 
mern und ohne Wandel sind, so oft -isie auch von der 
Blendlaterne des äussern Glücks eine Weile in den 
Schatten geschoben werden. Doch verlasse «an sich 
darauf: Die Götter hassen den, dem sie unverdientes 
Glück geben. 

So möge sieh denn der Wunsch für baldigen Sieg 
des Rechts in unserer Kunst zur Beseitigung dei* wüsten 
Gähnmg und des trunkenen Tanmeis mit That und Ver« 



1839. Jannar. No. 1. 



^ 



trauen verbioden. Wer also ein Recbl bat däroh irgend 
eine Erkennlniss, sei es für alle oder qeuf ste Ricbtong» 
der rückip ofen und kühnlidi ii^ wür^tgef^ Haltung heran 
und Ifisse ijcb mit {|eni P^st^ Y^^nfuff^lH was er )|ak. 
D^s wird (ordern, nicht seinen persönticben Sieg, auf 
den nichts ankommt, sondern den Triomph dea Goten» 
worauf Alles ankommt. Wäre es möglicn, dass Liebe 
zum Wabren ohne parleisüchlige Unredlichkeit der H^r- 
ttissk Aller würde und Gerechtigkeit das Schwert t. so 
wäre die .Hilfe schon vor der Thür, ohne dass man nö* 
t^i kätif * 4ie MiMe sn Terienguen, die der Menseh 
ffegen den Menschen der Irre und der Verblendung schul- 
dig ist. Nur gegen grobe Anmaassnng und hinterlistige 
Böswilligkeit sei Schonung verbannt; sie wird dann 
Schwache« Und so gehe es denn auch in diesem neuen 
Jabro immer rustigev voraärts mit vollstem Vertrauen 
auf die Kraft des Guten, mit offenster Munterkeit nach 
QMSliehsier Erreichung des Zieles, das jedem redlichen 
Kustgenossen, wie uns, am Hersen Regen moss, in 
welchem Bestreben wir uns am zuversichtlichsten die 
Gnnst und Liebe aller Vernänftigen und Bdeln zu er- 
halten, ja zu erhöben Hoffnung haben dürfen. Der Trug 
der Selbsttttchl sei entlarvt , und die Wahrheit , die nie 
sümpft, nur würdigt, stehe frei in ihrer Schöne. • Da- 
mit und dafür sei das nene Jahr von ona begrüsst zum 
Sttcen des Eehlen 1 < • 

0. fF. Fink. 



par 



Johann Sebastian Bach 

f^ iWf <f^ un 04mc de Prüderie |/., l» fiio^r-, 
p^ta a voi^. nßr le mime (k^m^^ M4itwn m^\ 
^eUfl^ gaigneusem^ recue^ corrig4^ ei doigtee fiUf. 
r Charte* Cxertqf. Qeuvres C0i9>pIeMl » Liv« UL 
iinzig, ftt Bnreau de mu^iqve de Q. W. PelerAt 
«eui 9 Tbhr. 12 Gr. 
J. ^. Forkel achrieh schon in seinem in derselben 
Y^Mshandliing» damals Kühnel, 18Q2 beraosgekomme- 
nw Bpche „Üeber J. Seh. Bachs Leben» Kunst umi 
I^unatW^ke^* : »»Die Erhaltung des Andenkens an die» 
seil grossen Mann isA nicht blos Knnst^Anffelegenheil, 
sie ist Mazio9al*A«gQlegenkeii.^* Scb«a damals hatte die 
genaiuite VerUuKshandlnng, wie wir ans derselben Schrift 
W(tfa^n , de^ Entacbliiss gefassi, eine vollständige und 
l^Ylisob- korrekte Auagabe sämvtüdier Sab. Bach'scben 
'VVeirke zn veranalallea. War man auch gewiss, dass 
ejn ipl(4iea. Untemehmeo nicht nur der Knust selbst in 
jedem Betraohta iosaerst vortheilhafk sein, sondern auch 
nafih mehr als jedes andere der Art zur Ehre des teit- 
sch^. Immens gereichen würde, ^ kein anderes Volk 
„ein ao unschätzbares Erbgut entgegenzusetzen babe^^ s 
sß kam doch die wirkiiohe Ansfiihrung erst jetzt z« 
Sbp^d ns4 Wesen, wozu wir. «nsever Zeit p^anz vsr* 
awglioh GUipk zn wünschen habea. Lassen wir die be- 
trübenden Gründe, warum unser Vaterland sieh iäß EbrO' 
di^r Verbiceitn^g einer solck^n IkleistersaMilnnff nickt frü* 
'^r fieberte» dabiiigesHllA, fren^ w uoa Mieimeiu*^ dasA 
je yex^di^ejfi. ^^ii^, Ynebi^fr t^tachen Twl^Ml so. 



die 



weit herangereift sinil, dass es dem löblichsten Unter- 
nehmungsgeisle einer unserer solidesten und um des sorg* 
liehst korrekten und hei aller Schwierigkeit sehr gut za 
Icfcnden und deutlich schönen Druckes willen überaus 
prejswürdigen Verlagshandlung möglich geworden ist, 
nicht nur ohne Gefahr eines zu grossen Verlustes, son- 
dern sogar zu ihrem äussern Vortbeile der Musikwelt 
eine vollständige Sammlung aller iQStrumenlalwerke un- 
seres durchaus unvergleicnlichen Altmeisters zu über- 
reichen, eine Sammlung, die unter dem Würdigsten aller 
Klassizität in dieser Art unbestritten die oberste SteHe 
einnimmt, die unserm Volke nicht minder als den mit 
Danke zu begrüssenden geehrten fl^rai^gebern den ver- 
dientesten Uuhm bringen muss. Ganz wahr bemerkte 
unser treufleissiger Forkel: »»Wer diese Werke der Ge- 
fahr entreisst, durch fehlerhafte Abschriflen entstellt za 
werden und so allmählig der Vergessenheit und dem Un- 
tergange entgegen zu (^en, errichtet den Künstler ein 
nnvergesslicbes Denkmal und erwirbt sieh ein Verdienst 
um's Vaterland; und jeder, dem die Ehre des teutscben 
Namens etwas gilt, ist verpflichtet» ein solches patrio- 
tisches Unternehmen za unterstützen und, so viel an ihm 
ist» zu befördern.*« Welch einen Schritt nicht» welch 
eine Strecke vorwärts sind wir gekommen, dass wir un- 
ser gegenwärtiges Musikpublikum nicht mehr, wie sonst, 
an diese Pflicht zu erinnern, nicht mehr den edein En- 
thusiasmus in der Brust jedes tentschen Mannes erst zn 
wecken kaben» wie es damals Forkel für mne Sdinl- 
digkeit zu erachten sich genölbigt sab ! Wie freuen wir 
uns, dass es jetzt jeder tentsche Musikfreund echten 
Schlages begreift» es von selbst ohne wortreiche Auf- 
munterung versteht, welchen gar nicht hoch genug bu 
aditenden Sehatz wir dadurch in nnsere Bände bekom- 
men zum höchsten Nutzen jedes einzelnen Sohnes erlui» 
hener Musen und zum Preis des Volkes» dem das un- 
sterbliche Vorbild alles tiefgeistig Musterhaften angehört. 
Gross ist Alles, wss wir von den Tonsätzen dieses er- 
sten fieros der Mwak im Dmcke empfangen haben; 
keinem Tüchli^n sind diese Werke entgangen; Keiner 
ist» der sich nichl an ihnen erhebt. Um mancher we« 
niger Aufinerksamen willen erinnern wir an die bei Breil- 
kopf nnd Härlel erschienenen Choräle» Choralvorspiele 
nnd. mancher Fugen, an die ebendaselbst erschienene 
Sammlung von seinen ausserordentlichen Motetten» Mes- 
sen, Magniiicat, Kantaten; an die Passionswerke nadi 
dem Matthäus und Johsnnes bei Schlesinger nnd Traut- 
wein ^ an die Hmoll-Messebei Nägeli n. s.w. Es wäre 
an der Zeil, auch Bach's Gesangwerke fortzusetzen. 
Doch begnügen wir uns für jetzt mit den reichen Ga- 
ben,- die wir hier vor uns sehen; es wird immer mehr 
lalgen, denn Buch mass zonehmen» während Viele 
abnehmen. Die Tage 4ier ersten Auflage dieser mil 
Worten nicht genug zu rühmenden Knnst der Pnge 
sind verüber. Man kennt die Gesehichle der ersten Ans- 
eifce dieses «igeheueren Werkes tenlseh harmoniseben 
oebarfsinnes. Sebastian Kess es selbdC duteb einen sei- 
ner Söhne in Kupte stechen» Beinahe vollende! war 
der Stieb, als der ehrwürdige Meister die Welt gesef- 
nelök Ltt »weiten Jshre nach seinem Tode, I7S2, er- 
schien es mit «her Vorrede vom berihmlen Marporg: 



1838. JaBoar. No. 1. 



alleio der Absatz war daaab so f^^ria^, dasa Ms graa* 
seu Bachs Erbeo bald daraaf dia köatliobeo Plaliea als 
altes Kapfer verkaafteii, oachdem nur weoige Abdrueke 
für die damals kleioe Zahl derKeoner jg^machi wordeo 
wareo. j^Das Werk,** schreibt Forkel, MbeSlehi ans 
(Fogen-) VariazioneQ ioi Grossen. Die Absicht d<is Ver- 
bssers war nehibiiGh» (darin) aBsohlmlicb za uadhen» 
was möglicher Weise über ein Fugeothema gemacht 
werden könne. Die Variaaionen^ welche aävnitlich'voU«- 
sländige Fugen über ein Thema sibd^ werden hier Ko»- 
trapnnkte genannt« Die vorletzte Fuge hat S Themata; 
im dritten gibt sich der Komponist doroh b n e h zn 
erkennen. (Es ist in dieser neuen Aasgabe die 15. Fege.) 
Diese Foge wtirdii aber dareh die Aogenkrankheit des 
Verraaaers aoterbrocben nnd konnte^ da seine Operation 
unglüekliol aasfiel, nickt vollendet werden. Sonst soll 
er Willfos gewesen sein, in der aHerielzten Fuge 4 
Themsüi zn nehmen, sie in allen 4 Stimmen umeakehreh 
und ma grosses Werk damit zu bescbiiessen. AHe ia 
diesem Weriüs vorkommenden verschiedenen Gstlohgeh 
von Fogen über einerlei Haoptsaiz haben äbri^ns das 
gcmeiasehirfUicbe Verdienst, dass alle Stimmen darin ge- 

S^hörig singen 9 nnd keine weniger als die andere.*' — 
am Ersatz des Fehlenden an der letzten Foge ist dem 
Werke am Schloss der 4stimmig aosgearbeitele Choral t 
Wenn wir in höchsten Nöthen sind u. s. w. beigefügt 
worden (welcher hier fehlt). Der Herausgeber, Herr G» 
Czerny, bemerkt in seiner Vorrede selbst, es seien der 
streng systematischen Ordnung wegeü die beiden Fogen 
für % Klaviere weglassen worden, die in einem spä- 
tem, die Komposizionen iiir % Piano's enthaltenden Bande 
folgen sollen. Dasselbe \tird wiederholt n$ch dem vier- 
ten 2st]mmigea Kanon S. 67 angezeigt. In allem tlebri'- 
gen haben wir uns nur auf das zu beziehen ,* was wir 
bei Gelegenheit der Auze^e der beiden ersten Hefte ^ 
dieser vortrefflichen Ausgabe ffosagt haben; es braucht 
nichts weiter, als it9A Anerkannte; Sebastian steht, 
wenn audi nieht ganz allei», wie FoHcel übetrtreibend 
tehaoplet (Niaihana steht ganz allein), doch uMeslrit- 
ICB in der Kumt der Fuge als der Erste MIer "den Br- 
stea so giMs d«, dasa sich Keiner mit ihm misst. *— 
Wer solche Werke, dia bödhsten ihrer Art,' nicht des 
flei8a%9ten Std^was würdigen wollte^ wSre des Namens 
eines ecfaami Künsders kaum werlh. Ich kdnafte von 
dem Teatsehen keine hole. Meiaong hegen, d(fr tfitht 
mitSehaetinis. Werken seii^ Noienbibikrthek vefberriiohte. 

C fr» fmk. 



G 



u t 



d 6 et G 



i u e lf t u. 



Opera en V Actes. Parties de. Mr. S. Scribe. MuH- 
que de F* Htuivy. PartHion de Piano* licip^'g, 
chez BreiLkopf et Ilärtel. Preis 12 Thlr, . 
Die Opier, Guido umd Qinevfil, oder die Pest.in Flo- 
renz, hat bekanntlich in, Paris Giädk gemacht. Durch 
diesen vollständigen JKlatrietaliszQg mii aentecher Uebcft*«- 
Setzung tteben (km französiseh4n.X^xte ist sie nnnan^h 
Eigeothom dier Teutashen gctwetdeht dmian wir Art «dl 
Weise nii^fichst.tre«» so weit ei< ans dto Klnvierhus- 



ringe einliBoebtet, scbiidem wellen, zwar ohne Weit«» 
S4)hweifigkeit, aber auch ohne etwas Binflossreidies un« 
berührt zu lassen. Der Inhalt der Fabel msff ihit der 
Beschreibung der Mnsikdichtong Hand in Hand gdhen. 

Das Theater stellt ein Dorf ufaweit Florenz dar. 
Rechts vom Zoschaaer dfer Eingang in eiäe Pächterei^ 
links das Heiligenbild der Madonna de] Arco. Vor Auf- 
hebung des Vorhaoges lässt das Orcneäter eine kok^ze 
Eloleiiutig von 43 Takten, Moderatd, V«, höreri, das 
nach einer in zweimal 5 Takten rhythmisirten ftadeni 
(Fdur) eine leichte Melodie von 8 Takten er^t 2-, dann 
3- und 4slimmig, darauf mit vollen Orchester wieder^ 
holt, in andere Tonarted gäwetidet und mit 4 eingescho* 
benen Takten verlängert, sd dase die Melodie ifa Adur 
schliefst, welcher eine 4taklige Kadenz !h Adur mit 
Dmoll, wiederholt in fidur und Amoll folgt. Solche 
Ouvertoren im Sinne der Zeit Lully*s und Mällheson'ä, 
nur in zeitgemässe Toagänge Umgewandelt, sind seit 
einigen Jahren Mode, am meisten in Itafieii, wo audi , 
zuweilen gar keine geschrieben werden. lii Teutsch- 
land hat dieses Verfahren noch keinen Eihgang gefun- 
den, wir können auch nicht sagen, dass wir fes flir nach- 
ahmuDgswerth erachteten. Ein auf eiäcfr Permate stark 
angegebenes e und eine Generalpause lassen !^eit, den 
Vorbang aufzuziehen. Man sieht Laudleote, von 2 Sack«- 
pfeifern angcFuhrt, auf das Theater ziehen und ihre An- 
dacht vor dem Heiligenbilde verrichten.. Das Orchester 
spielt eine marschäbnliche, leicht tändelnde Melodie in 
C dur mit stets forlklingenden Summsen der Musette auf 
de& Grundtone 12 Takte, unterbrochen von einem 4talp- ' 
ügen Rhythmus in Amoll und Edur, nach welchem die 
Cdur- Melodie in 8 Takten sich wiederholt, sogleich in 
den Chor der Landleute fallend ^% : »lAuf, singt heitre 
Lieder.*' Der Gesang ist zwanglos und .^nsch; nur am 
finde der Einschnitte schlägt das Orchester die hlUKge«» ' 
haltenen G- und Cdur -Akkorde wiederholt in den. Chor» 
der seinen Text spielend seltsam skandirt, was jetzt ge* 
fällt uad sich zum französischen noch nesser macht als 
zum Tcutschen. Das Orchester spielt fort in beweg:ie- 
ren Figuren^ tanzlich munter, wozu der Chor in den 
Stimmen wechselnd und bald wieder voll , Seine kurzen 
Einschnitte aiif Akkorden bildet, die mit dem Beginn des 
folgenden Gliedes der l^eriode ui|erwartet frappiren. So 
schliesst der erste Absebnitt von 2 Takted. mit « des 
Sexlakkordes von Edur^ der zweite beginnt in Gdnri 
mit \ des Satakkordes endifaid, und 1er fol^nde fängt 
Uaiso*e im> Gesa«ge^ 3elftBmig^ akioöm^olirt voae Or* 
chtsler in Hdur an^ Dass diese rikkeadea Förtftihrtni«» 
ge« glaidMIs zum Beliebtea der jetzt herreehertdei» Tes* 
reiben geWr<li^ die d6reh sohnellen Vorttberflugliöd eifi* 
gen Wechsel et#ae seltsam Spannende^ hefvorbriq^ 
muisen; das iaMrebdeih Heize des üne^kKrJiAreo sieh 
iittert, wdshalb- aueh sa efl nuTolIfcodimeiie Akkorde 
eingeächbtte» werdisv ilur VersUIrkMg des Unen^sebie« 
denenv ist kr dieser !Art MoSik vov Bedeutbnj;,' vor Al- 
len darum, wei^ ear zum BadptsItobliehsleQ der Harakte* 
ristik dieser Kmbpösi^ttsweise gertobaet werdien rnnss. 
Nehmen wir als Gn^satz zilr barmonisehen Dunkel- 
beit durch freiesle Stimmen- ad Akkordverfcindnng die 



I839. Janosr. No. 1. 



B 



leidne Tamltokkeit and yniksiiiSssige Frische rhythmisch 

SefiiUieer und stark markirler EinschniUe dazu: so ist 
Sfs Wicbtiffste des erwünscht unterhalleuen Beifalls 
vnd des Weseos dieser jetzt vielbeliebten Manier er^ 
klärt. — Eben so schnell lässt Herr Scribe die Auf- 
trille, wo nicht wechseln» doch durch Hinzup;fkom- 
mene sich bunler färben. Sehr bald erscheinen hiermil- 
ten im Gesänge der Laudieute Herren und Damen aiis 
der Stadt, die sich unier das Volk mischen, was eine 
Bäuerin den Ihrigen französisch deklamirend vorerzäblt. 
Kaum haben die Landleule eingestimmt, so treten auch 
schon Fortebraccio und mebre Anführer der Lanzen- 
knechte auf^ singend: ,,Gebt Wein! ja guten Wein! *^ 
im Unisono ; der erste Anführer setzt den Gesans fort, 
schwört, sich immer froh den Mädchen nnd dem Weine 
zu weihen, und bittet die Madonna darum. Die Lanzen- 
knechte stimmen im Chore ein jetzt unisonisch» jetzt 
leicht harmonisch, vom Orchester stark und bewegter 

5emacht. Das gerällt denn auch den Arbeitern, wie es 
en Hörern gefällt, die Haupthebel des Lebens, wie Liebe 
und Wein, bewegen immer, die Leute stimmen gleich- 
falls ein, trinken, lassen Florenz und den Herzog leben, 
dazu den Frieden. Das Letzte missfällt dem Forlehraccio, 
der nach Cdur in As ganz Solo einsetzt, nach Des 
auffahrt und durch die Do von Des, was der Bass stark 
in ^ur Oktave springenden Ißtheilen hervordonnert, nach 
Cdur kehrt, womit das Ganze deklamirend schliesst: 
„Nein, zum Teufel der Friede, es lebe der Krieg!" — 
Man sieht, es geht lebhaft, und wir haben uns mit Ffeiss 
bei ausführlicher Beschreibung dieser Introdukzion ver- 
weih, weil daraus der Sinn des Hauptganges und der 
ganzen Weise am Besten sich klar macht und uns zu- 
ffleich Anderes ohne Nachtheil desto kurzer anzudeuten 
Serechtigt« In den Schlussworten hat Herr Scribe sich 
auf das Bequemste eine Brücke zur No. 2 gebaut, einer 
kriegerischen Arie, die den Kampf herausstreicht, Fmoli, 
^%9 wieder seltsam deklamirt, etwas abgerissen und auf 
französische Weise mit Fdor in mancherlei f\rappanten 
Akkordverbindun^n wechselnd. Der Chor seiner Lan- 
zenknechte fällt ihm zu, meist Unison, dazwischen 3- 
und 4stimmig, in etlichen Dissonanzen 5stimmig, wie 
eewöhnlicb. Auch solches Wechseln gehört zum Effekt, 
ist auch in dieser Manier wirklich nicht ohne Bedeutung. 
Dann geht es gerade Parlando in*s Frivole mit kurios 
einfacher Begleitung: ,,Die Bürger sich grämen^ wir 
plündern sie aus ; den Kirchen wir nehmen das Gold 
ans dem Hans. Die Mädchen verzagen, nickt man nur 
heran, gar ängstlich sie klu;etiam ihren Galan. hsrr- 
liches Lehen, o köstlieher ^ass» der Lieb nur ergeben« 
dem Gold und dem Glas« Dann eilt man voll Demnth 
znm Pater dahin, nnd beichtet in Wehmuth mit renifem 
Sinn; leicht ist die Vergebung von ihm zu« empfinn« 
man dankt, nnd von vorne geht*8 wiederam an.'^ Und 
nun geht sein Gesang desto wnrksamer wieder in*s Me* 
lodische» was seine Soldaten chomässig wiederhofen: 
yyDer Frende ergeben im Sans nnd im Braus , kors itl 
ja das Lehen, der Spass ist dann ans!'' «^ Hier haben 
wir zugleich ein Pröbcbeii fiiessender Ueberaetsnng. Die 
Musik ist die geschilderte» bald nnisonisoh, bald hamo- 
mKkf bald springend, stark, piano nnd immer riiyth* 



misch leicht und lebhaft« was bei der Länge der Sache» 
die imdier nene Situazionen aufzuweisen hat, ein En- 
semble voll bunten Wechsels, höchst nothwendig ist. 
Immer in Leichtfertigkeit, immer gesteigert fuhrt Alles 
in ein Animalo, %, Fdur: „Trinket und singt ganz 
ohne Sorgen, kümmert euch heut nicht um das Mor* 

Sen l ** u. s. w. sehr erndringltch durch Bewegung, Fälle» 
fissonansenketten und helle lanee Cdur-Akkordschläge^ 
die in F ein jubelndes Ende oereiten. — Jedenfalls 
wird diese Introdukzion nnsern Liebhabern nicht alleia 
auf der Buhne, sondern selbst im Zimmer für gesellige 
Musikunterhaltung sehr anziehend sein. Für die Bühne ist 
auch der kurze Anhang von Wichtigkeit, obschon die 
Ittosik nur eine kurze Unterredung der Soldaten darzu- 
stellen hat; er ist es für den Fortgang des Stückes; er 
verwickelt und spannt. Di« Lanzenknechte haben näm- 
lich während des allgemeinen Jubels den Landleuten 
Geldbeutel und Scbmock entwendet« was sie ihrem An- 
führer zeigen mit den Worten: „Seht, gnte Beute !^^ 
Fortebraccio beklagt sieh und die Seinen 'im Rezitativ» 
dass solche leider noch die einzige sei, da Kosmus nur 
Künstler bezahle und keinen Krieg wolle ; er selbst will 
ihn nun für sich wagen, gleichviel gegen wen ; er hoCFk 
darauf» dass eine- von den hier anwesenden Stadldamen 
mit Glück zu entführen und dafür ein gutes Lösegeld 
einznstreichen seL Die Knechte sind es zufrieden und 
wollen es gleich versuchen, da sich eine sehen lässi. 
Der Hauptmann berichtet dagegen, dass Riedarda, die 
eben kommt, nichts für sie ist; sie verdrehe den jungea 
Leuten die Köpfe« und der Fürst von Ferara huldige ibr. 
Die Soldaten loben den Fürsten als einen lustigen Bar- 
schen, und Fortebraccio meint, er habe sich nicht über 
ihn zu beschweren« er bezahle got. Diess Alles geht 
schnell vorüber, und Riedarda, eine Sängerin (Sopran \ 
tritt mit einer Arie, auf No. 2, die schon wirken wird» 
wenn sie gebübriich mit zuweilen eingreifender Kehlen- 
fertigkeit, nettem Triller, pariirender Anmuth und immer 
leicht kokettirendein Anstände gesunken wird. Der Ge- 
sang ist harmonisch veränderlich und unbeständig, melo- 
disch so leicht beweglich und zierlich, wie er emer ge- 
bomen Bühnensängerin eigen ist. Zu solchen Darle- 
gungen ist diese französische Manier ganz besonders ge- 
schaffen. Sie verlangt aber erfahrene nnd lebensgewandte 
Darstellerinnen wie Alles äusseriich Schimmernde und 
Niedliche. Manfred (Bass), Fürst von Ferrara« ist ioa 
Geleite der Donna, Sie erblickt einen JöngKng, der 
trauernd nnd langsam naht« fragt den Fürsten nacb ihm, 
welcher ihrem Wunsche gehorsam nach Stand und Na- 
men sich erkundigt, berichtend, er heisse Guido« ein 
Landmann« der zugleich Stataen verfertige, Sie weih- 
sagt, es werde dem Jüngling höchster Künstlerruhm zu 
Theil. Das* wird im kurzen Rezitativ verhandelt. Im 
Trio No. 3 singt die Donna in angenehmer Melodie« 
Andanlino oon moto, %, Bdur, er möge aus seiner Hütte 
sich an den Hof bM^ben; Guido (Tenor) bittet anstän- 
dig, ihn in seiner Lage zti lassen. Sie nennt den Pur- 
sten als seinen Gtaier« der« kaom ^sungen: „Wie? 
Ihr wagt es?** anch schon ihrer bestimmten Willenser- 
klärung sieh f8gt. Guide dank! nnd will sich anch vom 
höchsten Gluck der Erde nicht von seiner flStte entfer- 



1859. Jattotf. No. i. 



!• 



oen latseit. Man frtrgt 'wardin? mid er eraSUt in einer 
Romanze, ^A» Desdur, er habe hier ein himmlisehes 
Wesen Heben gelernt, das beim Scheiden versprochen 
habe wiederzukehren, was sanft und hiibsch wiederholt 
gesangen wird. Das Terzett setzt sich fort im raschen 
Wechselgespräch ; er hofft sie heute zu sehen und singt 
im neuen Solo: ,,0 kehret sie mir nimmer wieder^ dann 
flieht auf ewig jede Lusf n. s. w. in der schon gesun- 
geneneu Romanzenmelodie , worauf das eigentliche Ter- 
zett beginnt, kurzgehalten, denn die Beiden wollen zum 
Feste, dessen muntere Töne sie schon vernehmen. No.4 
Divertissement, %, Adur, voll heiterer Tauziust, welche 
unterbrochen wird (ein teutscher Komponist hätte den 
Tanz fortspielen lassen) durch eine kurze rezitativische 
Szene im % Takte mit hierbei gewöhnlichen Akkompag- 
nemenl, ivoriu Leonore im Geleite der Prinzessin von 
Medicis, Ginevra (beide Sopran), über das Fest sich un» 
terhalfen. Die Gebieterin sendet Lenoren ab, ihrem Ge* 
folge zo melden , dass es sich zum Aufbruehe bereite, 
in iftrer Verkleidung keine Gefahr befürchtend ; sie will 
alfein sein. Die Volksunterhaltung mit Musik ohne Ge- 
sang setzt sich im %, Adnr, wieder fort, volksmässig 
nni frisch. Natürlich treffen nun die Liebenden zusammen 
und es folgt ein Duett No. 5, worin er ihr, die sich 
Francisca nennt und ihre Neigung nur andeutet, seine 
beisse Liebe bekennt. Im Zwei^^esang ausGesdnr, der 
sich dann in Esdur wendet, beklagt sie, dass ihr vom 
Gliick der Liebe in paradiesischer Gegend, fern vom 
Glänze, bald nichts als die Sehnsucht bleibe , wahrend 
er das Heil der Herzen in reizender Stille besingt. l)m 
des Vaters der Geliebten willen fühlt er sich kunstbe- 
abt genug, Macht und Glanz zu erstreben ^S. 68 und 
9 fehlen im Wechselgesange die Ueberschriften Ginevra 
nnd Guido). Das lang gehaltene Duett ist ganz im fran- 
zosischen Style wie natürlich. Im rezitativischem An- 
hange will sie ihm das Gebeimniss ihres Standes ent- 
raihseln, als sie Männer leise näher schleichen sieht. 
Forlebraedo nnd seine Genossen sind es. Damit beginnt 
das Pinale, %f Emoll. Sie will schnelle Entfernung^ 
Ton Jener dfistcrm Gesicht erschreckt; er verbeisst Ver* 
theidignng. Der Chor der raubgierigen Soldaten singt 
sotto Yoce e staccato im Unisono : „Lasst die Beute Bicot 
entrinnen. '< Dann besprechen sie sich noch im Wech* 
selgesange, wie viel der Raub wohl einbringen könne, 
da ein grosses Gefolge mit ihr sei. Der erste Chor 
wiederholt sich, wozu Ginevra ihre Angst so deklami* 
read (fast ParlandoWmgl, wie es in franzosischeif Opera 
gewöhnlich ist. Die Situazion steht, wie in solchen 
fallen in d^r Regel, so lange, mn die Zuschauer durch 
Ungewissheit aufzureizen. Jetzt stfirtzt die Hotte vor; 
Guido wehrt sich trotz der Drohung Portebraccio's, ruft 
nach Hilfe nnd wird von F. durchbohrt, stürzt nach des 
Pächters Thur, zieht die Glocke nnd sinkt leblos nie* 
der. Während eines kurzen All. -Satzes des Orchesters 
% in Akkorden mit kleiner Quinte n. s. w. eilen von 
allen Seiten Leute herbei mit Lorenzo, Intendanten bei 
Medieis (Bass). Alle sii^gen Unisono, %, H moll : „Ha, 
welch schändlich Vei^hen*' u. s. w. Die Bässe ge- 
hen mit den Sängern, die übrigen Instrumente schlagen 
an^haltene Akkorde, oft ai^ dem zweiten Viertel der 



Takte, hinein. Bebend, aber iii znsaramenhangender 
Melodie, ohoe Bravour, klagt Ginevra über den Er* 
blassten. Die Lanzenknecbte : „Ha^ welche Schmach, 
weich Versehen!*^ in's Unisono zuweilen 3stimmig sin- 
gend. Der Landleute und der zu Hilfe Gekommenen 
Chor wiederholt sich unisonisch, nur am Ende in Ak- 
korden. Die noch unerkannte Prinzessin wUl trotz der 
Mahnung Lorenzo's nicht weichen. Das Tempo verän* 
dert sich All. y«, Hdur. Manfred und Riociarda er* 
scheinen mit Gefolge $ Guido ruft schwach: Francesca! 
Die Prinzessin: „Weiches Glück!** Die Andern«! 
„Lasst das Fest uns begehen** im heiteren Volkston, 
wozu die beiden LiobenJen ihre Grefiible so einfach sin« 
gen, dass sie kaum lebhaft hervortreten können, weit 
mehr der Sängerin und ihres Herzogs Töne. Ginevra 
erkennt nach dem Tumult den Herzog, von dem sie 
nicht erkannt sein will, den Armen Gottes Schutz em* 
pfehlend. Alles dies und das Folgende wird im spre« 
cheiiden Gesänge (im Parlando-artigeiti), wie man es an 
der französischen Oper kennt, wobei die Instrumente 
verzieren , abgelhan , eine Manier , die immer das Gute 
lial, dass sie die Situazionen rasch vorüberfiihrt« Die 
Sängerin erkennt ihren Schützling , der Herzog den ge« 
fangenen Fortebraccio, dem er Beistand verspricht; Rio* 
ciarda beneidet der geliebten Francesca den schötfen, ge«> 
treuen Mann, worüber Ginevra, immer noch wie fest* 
gebannt, inniges Beben des Herzens für ihn von Neuem 
empfindet. Die ganze Volksmenge wiederholt den % 
Chor in Hmolt, wozu jeder Theil noch seine besondem 
Empfindungen singt, nicht verwickelt, nicht künstlich; 
die besondere Karakterdar^stellung liegt hier nicht in der 
Mtisik, sondern in der Pantomime: nur für den allg^ 
meinen Haopteindruck sorgt die Tonmasse, die im % 
All. noch rühriger wird und im festen Hdur ransohend 
nnd wirksam zu Ende geht. 

(Beschlass folgt.) 



Naghbichten. 



Dresden. Seit dem 16. Dezbr. wusste man, dass 
man den berühmten PianovirtiAsen Thalberg' in nnsermr 
Residenz erwarten dürfe, und je mehr gnte Spieler die«- 
ses Instruments wir in der letzten Zeit gehört hatten, 
je gespannter war die Erwartung. Herr Sigismund Thal* 
l>erg, k. k. österreichischer Kammer- Virtuos, traf end* 
lieh ein, und gab am 19. Dezember im Saale des H6tel 
de Saxe ein Konzert nach folgender Eintheilunff , mit 
Unterstützung der königl. Kapelle. Erster TheU. Ouver- 
türe zu EgmonI, von Beethoven. Arie, gesungen von 
Madame Schubert. Fantasie über Motive aus ,, Moses' < 
von Rossini, komponirt nnd vorgetragen vom Konzert- 

Eiber. Zweiter Theil, Ouvertüre von Reissiger. Zwei 
tüden, komponirt und vorgetragen von S. Thaiberg. 
Duett atis Matrimonio segrelo, von Cimarosa, vergetra* 

Sn von den Herren Vestri und Zezi. Romanze und 
lor ans der Oper „La Donna del Lago^^ von Ros* 
sini, komponirt nnd gespielt von S. 'nialbere;. Dass 
die Oaverturen herrlich gespielt wurden, wird jeder von 



M 



1859. Jannar. No. i. 



12 



der kiesigeii köojgl. KapeUe ▼•raosielzen. Miebt nrin- 
der VorzQgliohes leisteteu die Sängerin und Sänger. .Uns 
bleibi nun übrig» das Spiel des Pianisten so weit möglick 
2« karaklerisiren. Vor allen Dingen aber lehnen wir 
jeden Vergleich ab, ob dieser oder jener berühmte Vir* 
loos besser spiele, mehr oder weniger leiste n. der|^< 
Freuen wir nns, das» wir mehrere grosse Künstler im 
teniachen Valerlande anch auf diesem Instrumente haben, 
nnd beaebten wir die BigeDthümlichkeit eines Jeden, ohne 
lie der des Andern gegenüber asu stellen. Herr S. Thal- 
berg beherrscht das Piimaforle im ▼ollkommensten Grade, 
ja er erhebl es durch «eine individuelle Behandlungs- 
weise za einem der ersten, indem er ihm Vorzuge leiht, 
die man sonst nicht in der Natur desselben glaubte. 
Dies ist keine Uebertreibung. Er weiss durch die Ela« 
atizitäl seines Anschlags verbunden mit einer äusserst 
geschickCen Benutzung des Zuges y der die Dämpfung 
aufhebt 9 einen Ton hervorzubringen, der etwa« pnz 
Atisserordentliches und Eigentbümlicfaes hat. Hiermit ver« 
einigt er die Kunst, das Thema seines Satzes mit ein 
•der z#ei. Fingern der rechten Hand zu spielen, iadess 
üe andern Pinger der recbtea und linken Hand die 
a^wieri^ten Besleituncsfigurea dazu au^Rilfren. In der 
gcsangrekhen Weise, das Thema herauszuheben, liegt 
ein Reiz, der auf jede» gefühlvolle PnbKkum miwider- 
ntehlieh wirken mnsa. Es ist die voUendetalie Nachabm- 
•Bg de» Gesanges, die man sich denken kann« Da 
keine Pasaage der rechten oder Unken Hand Herrn Thal- 
kcfg za schwer ist und er AUea mit der eigensiniiigslen 
Präasidii aasfubrt, so haben diese Figuren oft mnen 
Meichtkta, tm Fülle, die bewundernswürdig ist. Hier- 
mil verbindet er eine ßravour, die Alles iibertrifit, was 
wfr biiyher auf diesem Instrument gehört hatten, und 
einen Uoreiasead gefliblvoUen Verklag , der die Üeber- 

{änge vom donuerähnlichen Forte zum leiae dahinster- 
enden Piano aufs Reizendste motivirt und verbindet* 
Nach all dem können wir nur sagen, der Karakter des 
Thalberg'schen Spiels sei Fbllen£ing. Was er leistet, 
ist immer vollkommen sohön, vollkommen fertig und lässt 
nichts zu wünschen übrig. Er ward auch in dem Kon- 
zert, das zum Besten der Armen gegeben wurde und 
wobei er mitwirkte, so wie in einigen Privatzirkeln mit 
Enthusiasmus aufs^omoMn. Ganz vorzitflichep Beifall 
arhieli er am Hofo unsera knnstliebenden Königs, wo er 
ftweima) spielte und ausser einem werthvolle» Geschenk 
anah nocb das Prädikat eines königl. sächs. Kammer^- 
Virtoosen erhielt. Jeder, der Mnsik liebt,. eile ihn zu 
ibönm» es ist ein Genuss der reinsten Art, der noch laag 
•nachher im^ GemüUi wiederhallL 

K. B. von JUiiatsf. 



Dresden. (Zweite Nachricht.) Das am 19. Dezem- 
ber, im; igrossen Saale des H6tel de Saxe von Herrn Si- 
rümuna Thalberg gegebene Konzert war IroiZ der^ weli- 
tacher SInsik ungünstigen Weihnachtszeit fast uberfälft 
ü^u nemen, da der vortreffliche Künstler seinen grossen 
und verdienten Ruf schon am 17. in einer Soirect kei 
der KöiHgiA auf das Glänzendste bewälipt batle. Nie 
bat irgend ein. Klavierspieler solches Furor« bei ni^ 
aerm kunstsinnigen Hofe gemacht^ ab Thalbei|^ Hi* 



bea ihn pariaer Mncfariehten alz vierhaiidig auapnaaunl» 
so müssen wir ihm 6 Hände zugestehen, so ungeheuer 
und Staunens werth ist die Fertigkeit dieses Küostlera. 
Seine Komposizionen bilden freilich .nicht immer ein Gaa- 
zes, sind öfter an einander gereihte Themata, und man 
aieht, der durch und durch feine Weltmann weiss, daaa 
er sich meist vor Dilettanten hören lässt, -^ deshalb ar- 
beitet er anch in den meisten Komposizionen vorzugs- 
weise auf Effekt hin; jedoch haben wir auch manche 
wahrhaft schöne und überraschende Züge in seinen Kom- 

Sosizionen gefunden und keineswegs nur Flittergold in 
er Arbeit. Kurz er ist ein eminenter Klavierspieler 
ersten Ranges und wird sieb als solcher überall geltend 
machen. & spielte sowohl bei Hofe als in dieaem Kon- 
zert noch unbekannte neue Sachen, als: Fantasie über 
Themata aus Moses; zwei Etüden; Fantasie über The- 
mata aus la Donna del lago, nnbescfareiblich schön und 
nut dem rauschendsten Beifalle, der sich zuletzt bis auf 
zweimaliges Hervorrufen steigerte, worauf er den va- 
riirten Chor der Barden au^ letztaenannter Fantasie wie-^ 
derfaolle« Den übrigen Theil des Konzerts füllte die 
königliche Kapelle durch den meisterhaften Vortras der 
Ouvertüre za Egmont von Beethoven und zur i elva 
von Reissiger aus, und Mad. Schubert so wie die Her- 
ren Zezi und Vestri trugen durch ihre Gesangferligkeit 
zum. Genüsse des Abends bei. — In der Freitags, den 
U* Dezember, Statt gefundenen vierten Quartettunter- 
haltuna der Herren \^ekonzertmeister Schubert^ Mül'- 
lerf Kühne nod Kummer ^ denen wir herrliche Genüsse 
verdanken, spielte Thalbe^ ein Mayseder'sches Trio. 
Wir fanden es für einen solchen Spieler nicht brillant 
genug,. anch wollte die brave Komposizion nach Beetho- 
vena Emoll- Quartett nicht munden. Deato grösser war 
der Jubel in dem am 23. für die Armen unter Mitwirk- 
ung Thalhergs im Theater gegebenen Konzerte, zu wel- 
chem der Andrang ungeheuer war, denn Alles wollte 
diesen Künstler hören. Er trug darin die Fantasie über 
englische Volkslieder nnd die Fantasie über ThemeQ 
aua den Hugenotten vor. Der Beifall wollte nicht enden. 
In Ueberwindung der mechanischen Schwierigkeiten, in 
glänzenden Effekten und im brillaplen Vortrage über- 
haupt weiss ick ihm Niemanden zur Seite zu stellen, 
denn Liazl hörte ich noch nicht; möglieh, dass es der 
l4etzte noch toller treibt. Allein Tbalberg ist unüber- 
windlich, ein unwidersteblicker Sieger.. ,Wir rufen ihm 
unsern Dank und unsere Bewunoerung in die Ferne 
nach. «^ Mad« Shaw^ bat in dem Hof^onz^rto sehr ge- 
{allen f sie trug die grosse Szene Beethovens; „Ahper- 
ido.*^ meisterhaft vor und entfaltete zugleiebin einer briU 
lauten italienische» Ario von MeroiMlanl<» ihrfsVir^sität. 

C«: G. Reissiger. 

Leipzig* Nachdem Herr Akw. Dreischock durch 
«einen überraschend kunstfertigen Voi*trag im letzten 
Abonnement^ Konzerte sturmisdien Beifall gewonnen und 
aeine auaserordentliche Virtoosiiät anf dem Pianoforte be- 
währt hatte, munterten iha viel Freunde der Mu^ik anf, 
nns noch eine musikalische Abendunterbaltung zu ver* 
anstalten. Kaum war-aie anf den 27. v. fl(. . festgesetzt 
worden 5 ao lief auch acboa die sichere Nachricht ein. 



13 



1839. Jännaj». No. I. 



14 



dass Herr Sigismmi Tlmlber^ den Tag daraof (am 26.) 
ons im Gewandhaussaale mit seinem hier n6ch nicht ge- 
hörten Spiele erfreuen werde. Sehr anziehend mosste 
es jedem wahren Kunstfreunde sein , zwei solche Spie* 
1er kurz nach einander, zu hören. Ist Herr Dreischock 
anch jetzt auf seiner ersten Kunstreise und Leipzig die 
erste Fremde Stadt, in welcher er auftritt, so hatten seine 
ongehenren Kunstfertigkeilen und seine reiche Improvi- 
sazionsgahe, die er in Privatgesellschaflen glänzend ent- 
wickelt, ihm doch schon so grossen Anifaeil gesiciiert, 
dass auch das Erscheinen eines Thalberg dem itonzerte 
des jungen Mannen keine Vertagung bringen konnte« 
Herr D. liess sich zuvörderst in einer von ihm kompo- 
nirten Fantasie fSr'sPianoforte hören, deren hewondems- 
würdige Schwierigkeiten im reichstep Wechsel frischer 
Gedankeo/Blle eben siegreich überwunden worden waren 
und vov den Versammelten mit gerechten Beifallsbezei- 
gungea belohnt wurden, als Herr Thalberg eintrat, auf 
welcften sich sogleich Aller Augen richteten. Fräulein 
^^4uff. Werner sang mit frischer, jugendlich schöner 
Sfunne 2 Lieder von Lachner beifällig, begleitet vom 
Ffanoforte, gespielt von Herrn Anger, und vom Vcelle, 
gespielt von Herrn Grabau. Herrn D.'s Variazionen fiir 
(üe linke Hand, auf ein Originalthema von ihm kompo- 
nirt, machten so allgemein gewaltigen Eindruck, dass 
fast jede einzelne rauschend ausgezeichnet wurde und 
nach Verdienst. Nicht allein die ungemein schwierisen 
Bravonren, verbunden mit Schönheit, niacbei das wahr- 
haft einzige Wagniss dieaer Art staunen&werthj sondern 
auch die selten« jMaakelkraft, die aus5<;r enormer Fer- 
tigkeil noch zu gelungener Ausführung gehört. Nur 
sehr Wenjge w^rifen t\ sein, die es dem jungen Manne 
hierin gleicbthun,' ohne Hand- uad Brustkrampf davon 
za bekommen. Die Variazionen sind noch schwer ge- 
nug, wenn sie auch mit 2 Händaa gesf iell werdeau tr« 
sie sich wenigstens nicht minder schön ausnehmen. Nach 
2 Liedern voaTkAlberg und Solwberl, voa Frivli Wer- 
ner beifällig gesungen , trug der Konzertgeber Q^opm's 
CoioJi-Etäde, aber durchaus in Oktaven, ver, was ihm 
nicht nur alurmischen Beifall^ sondern wiederhotten Her- 
ananif hraahte« Was abeir daau gebort , brauchen wir 
keinem Klavierspieler erst zu sagen. Nacli dem Gesänge i 
„Wie nahte mir der SohlaoMner*' von FräuK Sehr aus 
Stattgart, deren Slinme noch nicht ausgebildet ist j; he- 
schlosa Herr D. mit einer freien Fantasie über die auf- 
gegebenen i^wei ersten Takle des Leporello. Sie fiel so 
vortrefflich aus , dass ein enthusiastischer Applaus den 
Künstler wünligle, dessen Originalität und Vielfeitigkeit 
in der freien Fantasie uns oft mit Freuden und Homiun- 
gen erfüllte; immer Neues strömt ihm zn« so dass wir 
itiD noabmals der Aufmerksamkeit . aller Verehrer der 
Tonkunst naeh Verdienst empfehlen. — Am 28. Dezen-» 
ber fand nun Sig, Thalbergs erwünschtes Konzert Statt: 
Lange vor dem Anfange desselben war der Saal so ge- 
fallt, wie in dem besochte^ien unserer Abonnemenl- 
Ronzerte. Die Spannung aller hiesiren JUnstkfrcunde 
anf ihm war so errosa, dass noch viele BiNels hätten aus- 
gegeben werden können , wenn das Ablassen derselben 
nicht eingestellt worden wäre, um der läatigeM Uebci::. 
fiUong des Lokals vorzubeugen and dei^ f nkoaimei(den 



Fremden eine Zakt Binlaaakarten zn sichern. Naoh einer 
sehr gelungen vorgetragenien Onverture sang FrMuIeio 
Schlegel eine Arie von Carafa, nicht so gut, wie wir ea 
früher von ihr hitrten, mit angemessenem Beifall. Jetzt 
trat der viel erwartete Konzerlgeber auf und wurde so- 
gleich von der Versammlung höchst ehrenvoll empfang 
gen, und dieser laute Begrussungs-Empßing wiederholte 
sich^ 80 oft er auftrat, eine Auszeichnung, cÜe in a<^- 
eher jedesmaligen Erneuerung unsers Wissens hier noch 
Keinem zu Theil geworden ist. Br trug seine neues 
noch ungedruckte, -kOnflig bei Breitkopf und Härtel er- 
seheinende Fantasie für das Pianoforte allein, überTbe^ 
men aus Moses vor, wobei die grösste AufmorksamkeH 
herrsehte, wie in Dresden. NacHem die PanlaaiOf acliea 
durch den b^ssehriebenen, sehr ansgezeichne iea und brilr 
hnt umspielten Ptanoforte^esangs -Ausdruck der scfaäaQu 
Melodie des Gebetes aus Moses überaus reizend gemach^ 
noch mehr aber, was wir zu den früheren Besohreibun- 
gen seines Spieles noch besonders hinzusetzen, durch 
ein unvergleichiich schönes Piano wie durch ei» atte za 
weit getriebenes» wenn auch noch so rauschendes Forte 
im effektvollsten Kontraste auf das Höchste gesteigert, 
kaum beendet worden war, erhob sich ein so donnern- 
der, mit Bravoruf verstärkter und immer wieder neu 
ausbrechender Applaus, dass der fasfr beispiellos Gefeierte 
noch einmal der entzückten Versammlung sich zu zeigen 
genölhigt sähe. Im zweiten Theile, den eine von un- 
s.^rm Orchester mit gewohnt sicherm Feuer herrlich vor- 
gelri^ene Ouvertüre von Beethoven einleitete, hörten 
wir ^wei seiner Etüden , gleich meisterb'ch gespielt und 
in demselben Grade von der lebhaft ergriSbnen Ver*» 
Sammlung geehrt. Herr Schmidt, Tenor des Theaters^ 
trug eine Arie aus Don Juan, bis anf eiAe sieh wieder- 
holende Stelle in hohen Tönen, die er nach unserm Da- 
fürhatlen mit «bertpannter Anstrengung der Stimme sang, 
so schön vor, dass der Ausdruck des Wohlgefallens, ' 
den ihaa das Publikom zollte, sehr verdient war. Zum 
Schlüsse spielte der Ronzertgeber, nachdem er, wie 
aehott gasagt, zum dritten Mala anf das Fenrigate von 
der Veraammipng empfangen worden war, seine gleich- 
falls noch ungedruokte, später bei Breitkopf und Här- 
tel erscheinende Fantasie über Themen aus Donna dell 
Lage, welche wieder dergestalt zum lautesten Beifalls- 
stnrm entflammte, dass der Abend sowohl für den Ge- 
nussbringenden wie für die Geniessenden ein eigentli- 
cher Feierabend zn nennen war. Man wird bemerkt 
haben, dass die gewählten Komposizionen dieselben wa- 
ren, wie im Dresdener Konzerte. Wir hätten aisa, 
nachdem wir bericbttten, daas alle 4 Salze nach hier 
wie dort ganz ausserordentlich anspraehen, kaum nooh 
etwas hinzuzufügen, wenn wir auch nicht schon öfter, 
und noch vor Kurzem über des längst beliebten Tonse- 
teers besondere Weise ausführlich gesprochen hätten. 
Noch Näheres und bestimmt Bezeichnendes über seine 
eigenthümlich vollendete Vortrags- und Bravourart zn 
aageo, als was hier schon gesagt worden ist, ist jetzt völlig 
nnmögliehi oian mass ihn hören. Dabei müssen wir uns 
jedoch wider alte vorsebneUe Veif^ietehangeQ ganz ver- 
schiedener Romposizions • und Vortrags -Arten auf das 
Bestimmteste erklären $ in der Regel tbat man damit dem ^ 



15 



1839« Janiiar. No. 1; 



16 



Einen und dem Andern Uaredil* Bifrent man äch in 
der Natur am HannigfsUigslen , warum nicht auch in 
der kunst? Ob Jemand das Eine oder das Andere mehr 
Hebt , darauf kommt im Grunde sehr wenig an ; es ist 
individuelle Geschmackssache > die Einer dem Andern 
durchaus frei zu lassen bat. Der Gebildete ^nterscbei- 
det sich eben dadurch, dass er nicht Alles nur auf sich 
und seine persönliche Vorliebe bezieht, sondern das« er 
vielmehr im Verschiedenen das Zweckmässige und Schöne 
im Allgemeinen aufzufinden und geneigt anzuerkennen 
versteht. Herr Dreischock und Herr Thalberg z. B. 
lassen sich nur im Allgemeinen, keinesweges im Beson- 
dern ohne Ungerechtigkeit mit einander vergleichen; 
gteiiong und Vresen Beider sind verschieden. Des Ei* 
nen Ruf steht längst glänzend, während der Andere sich 
erst in der Well einfübrU Um desto mehr sind wir 
erfreut, dem gefeierten Thalberg auch diesen Ruhm zu- 
zusprechen, dass er selbst Herrn Dreischock's Gaben so 
ntf wie jedcir Andere, mit Vergnüjgen anerkennt. Wir 
alten dies für eine ganz vorzügliche Zierde der Mei- 



sterschaft und schätzen sie in der Eunstwelt besonders 
hoch. Auf vielfaches Verlangen gab uns Herr Thalberg 
am 30. Dezember noch ein zweites Konzert, worin Mad. 
Bünau-Grabau das schöne Frühliuglied von Fei. Mendels- 
sohn, vom Komponisten selbst begleitet, und „Ich schnitt 
es gern in alle Rinden ein^* von Curschmann, dann Herr 
Schmidt eine Art Ballade zu Aller Verffuügen sangen; 
da^u kamen noch zwei Quarteltsätze als Einleitungen der 
beiden Theile. Der geehrte Konzertgeber wurde von 
der Versammlung vor und nach jeder seiner Leistungen 
auf gleiche Weise wie im ersten Konzerte lebhaft aus- 
gezeichnet. Wir empfingen im ersten Theile ein ge- 
sangreiches und brillant ausgeführtes Andante seiner Kom- 
posizion, im zweiten eine Etüde von Hiller, die weni- 
ger anzusprepben schien, eine von ihm selbst, die rau- 
schend belobt wurde, und zum Schlüsse Molive aus Beet- 
hovens Sinfonieen, von ihm variirt. Das Spiel aller die- 
ser Vorträge war dasselbe, wie früher beschrieben und 
die Ehre gleich gross. Herr Thalberg ist ein wahrhaft 
fürstlicher Spieler. Er ist nach Berlin abgsreist* 



Zur Machrieht« 

yieUaeh geäusserten fVunscIien zu entsprechen, nehmen wir musikalische Ankündigungen von jetzt an 
«9 der Regel in das Haupiblatt der Zeitung aufy und behalten uns tuir fiir besondere Falle die Beigabe von Intelli- 
qenzilättem vor< fVir hoffen, nicht nur den Ankündigenden , sondern auch den aeehrten Lesern werde diese 
Aenderung wülkoinmen sein* IJebrigens wird dadurch dem Umfange des Hauptblattes in seinen wesentlichen 
Tkeilen kein Eintrag geschehen, yielmehr geht unsre Absicht, im Ikinverstdndnisse mit der Redaction, dahiuy 
der allgemeinen musikalischen Zeitung, welche im letzten Jahre bereits um ein Ansehnliehes ausgedehnt worden^ 
durch itthaltreiche Extrablätter und Seilagen — ohne Preiserhöhung — nocA weitere Ausdehnung zu geben , wie 
der immer mehr anwachsende Stoff diess erheischt 

Leipzig, am i. Januar 1839. Hie Werleg^r. 

Ankandig^anseii» 



Im Verlag TOn Bireltbopf nn^ Hftrtel ei^cMen : ' 

Musikallüclies AHium 
fßr da«f jrahr tmS9 

/ ' f üir Pianoforte und Gesang. 

Mit Beilrfigcn yon 

Chopin^ Hefiseltf Ralkbrenner^ Mendelssohn-Bartholdy, 

Meyerbeer ^ Spohr^ Thalberg und Clara fFieck. 

Mit dem Portrait toh TlialberS* 

Preis 3 Thir. Prachtansgabe mit Goldschnitt 5 Thlr. 



Im Yeilage Toto IW^Illielm P»ttl in Dretden «raeUAB 

io eheB mit Eigentfuimarecbt : 

Unth, L., SeeU^ Traum. Rotamande. 2 Gesäuge mit Piano- 
forte. Op. fiO. (Mad. Scliröder.Devilent zugeeignet.) l»Gr. 

Löw<5, €., Der Feldherr. Die Glocken xu Speier. Landgraf 
Ludwig. Sbutorische BidladenmiftPianofoHe. Op.67. IQGr» 

Reiasiger, C. G.» (königl. sieht. Kapellmeiaier.) Drei dent- 
aclu: Doettea fiir 2 Sopraastionnen mit Pianoforte. Op. 15G. 
18 Gr. 

Auswahl beliebter Lieder und Geange mit lekhler Begld^ 

fang der GnltMTe. No. i. Die Rose. Befondicr Fall. ^^% 
Kuiioie GeschicJ^te. OmaraNaehtUed« • Na. 3. Der Zigenner* 
hübe. Die Seniieiin und ilir. Schatz. Jede No, 4 Gr. (Wird 
yortgeactzt.)^ . 



Bei Pletr« ÜKeclMm qm. CmtIo ia Wien iü «d 
cbeB «raehienenx 

Das woh%etroffeBe Portrait toa 

SIGM. THALBERG, 

ganz nach der Natur geaeichnet uad lithographirt Ton J. Krlehtt- 
ber. i n. GonT.-M. 



Zu hi^n in allen ftnehhandlangen s 

^n Stadltmisiker Und Mu^kchore. 

Henning 84 yollstimmlge neue Tänze. Zweite Lieferung, ent- 
halt i Polonaise, IS Walze« und ii Galopps für 8 Violinen, 
Clarinetle, Flöte, 2 üorner und Bass. (KJapphoni, PoMune, 
Trompeten «nd P«i4ien^ die aach weegelaasen werden kön- 
nen , wenn Clarinettc und Flöte die kleinen Noten blasen.) 
Op. lt. t Rtblr. 12 Gr. 
Diese zweite lieferung Ist nur auf das allgemeine Verlangen 
der Besitzer der ersten henrorgemfen worden, über weiehe die 
SondershAuser Zeitung folgende üeiobnog ertheilt: „Die von dem 
Musikdirektor Henning erschienenen 24 ToUstimmigen T&nze sind 
Ton den hiesigen In seinen Leistungen bekannten Fnrstl. Feldbaut- 
bolstencorps bei mehreren geselligen Gelegenheiten mit Tomugli- 
eher Kunstfertigkeit yorgebagen worden und haben den ihnen 
gebührenden Beifall im hohen Grade gefunden, wes- 
halb die Redaktion diese so gelungenen Kompositionen dem Tanz- 
und Musikli«^enden Publikum nach Yolier Ueberzeugang ganz be- 
sonders empfiehlt.^' 



Leipzig^ bei Breitkap f und HarteL liedigirt von Dr. G. fV. Fink unter seiner FerantvoortUchkeü. 



17 



18 



ALLGEMEINE 

MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den O*""** Januar. 



M Z. 



1839- 



Guido et G inevr a etc. 

(Beschlass.) 

Ljer xweiie Akt stellt den Palast des Kosnras von 
Medic» dar. Nach kurzer Einleitung hören wir im Re- 
ziiatir von der Sängerin , dass sie von Venedig hieher 

feeäi, vom Fürsten der Florentiner zam Feste geladen. 
iBido ist schon in Palaste, freot sich ihrer Ankunft, 
erzabli von dem Glücke, das ihm seit jenem Tage lä- 
chele, und glüht in seiner Liebe zu Francesca, deren 
Ummlische Züge er kaltem Marmor eingeprägt . Ric- 
ciarda gesteht, dass er ihr thener gewesen sei ; jetzt sei 
es zu spät, denn die Standhaftigkeit des Fürsten von 
Ferrara werde von ihr belohnt, und sie werde ihn mor- 
den , fände sie ihn je untreu ; nur Frauen sei das Recht 
gegeben, untreu zu sein. Lorenzo beruft Beide zum 
Herzog. In einer Bravourarie No.. 8 erfahren wir von 
Ginevra, dass sie des Vaters Willen erfüllen und gern 
sich opfernd dem Gatten zum Traualtar folgen will, wo- 
bei sie das Loos der Niedern preist, die frei wählen 
dürfen. Der erste Theil hat eine reich und eigen ver- 
zierende Begleitung, und der zweite. All. non troppo, 
^4, Esdnr: ,,Land meiner Freuden, dich soll ich mei- 
den^* n. s. w» ist so tändelnd , dass es fast wider die 
Empfindung läuft, aber hübsch gespielt. In demselben 
Tempo sichert ihr der Chor ihres Geleites erneute Frennd- 
sefaaft zu, durch manche Ausweichung gewürzt u. s. w. 
(Ifii drittletzten Takte der ersten Klammer S. 121 fehlt 
im Basse das Viertel c, was sehr leicht noch binzuge- 
Gugt werden kann.) — No. 9. Chor und Quintett. All., 
*/4, Fdur: „0 Tag der Freude, Tag der Lost," erst 
moisonisch^ dann leicht harmonisch in manchen Ungewis- 
sen Rfickongen, wahrscheinlich um damit auf eine leichte 
Art tias Unheimliche anzudeuten, was hinter der lauten 
Frevde lansehl. Während des Chores erscheint erst 
Manfred, dann Medicis mit Rieoiarda, nebst Gefolge. 
Hedicis (Bass) begrässt im Quintett unter sehr figurir« 
ter ISegleitunff der Instrumente, deren Glanz jetzt durch- 
aus nothwendig ist, besonders für französischen Gesang, 
zverst die Sängerin als Stern von Italiens Sohönen. 
Manfred erschrickt über ihre Gegenwart : „ Schon zu- 
rück kehrtet Ihr von Venedig? ^^ Ricciarda antwortet 
kurz : »»Zu dir ! ** Der Herzog stellt seine Tochter dem 
Ktfnsüer vor, den sie so oft empfahl. Guido erkennt 
Praneesca und hört zugleich vom Herzog, dass heute ihr 
Vermählungsfest mit dem Fürsten Manfred gefeiert wird. 
Der Bildhauer and die Sängerin stebep schwer betroffen.^ 

41. Jahrgaas. 



Im Andante con qoto, V*, Adur, singt der Herzog die 
Uauptmelodie : 




Nun ist ge-stil 



stillt 



meinheissVerlaogen, es schwindet 

HP ^ m \^ _0 ' 



fern essclivrindet fer-ne je-der Hann. 

Die übrigen 4 Stimmen singen ihre Gefühle in der Art, 
wie im ersten Takte durch kleine Noten angezeigt wurde» 
also ganz gleicbmässig, dazwischen, immer nach den halben 
Takten der Uauptmelodie. Treten auch im Fortgange der 
Einzelnen, besonders die Melodie -ergreifende Ginevra, et- 
was mehr hervor, so ist es doch stets nach geltender Weise 
mehr im Klangvollen, als im Karaktermässigen, nie aber 
im Verschmelzen mehrer neben einander laufender Aos- 
drucksmelodieen zu suchen, was der neuern Opernart, 
namentlich der ausländischen , nicht allein fremd gewor- 
den ist, sondern was sie sogar völlig umformen müsste. 
Manfred und seine Sängerin brüten Mord. Nachdem 
Guido vom Herzoge zum Kavalier der Braut ernannt 
wurde , dingt Manfred den Portebraccio zur Ermordung 
des Künstlers. DerChor wiederholt mit eingestreuter Ver- 
änderung sein: „0 Tag der Freude, Tag der Lust!** 
Und so wird diese ganze Szene sicher Wohlgefallen. — 
No. 10. Duett zwischen Ricciarda und Forlebraccio, All. 
non troppo. Sie kirrt und fragt ihn im Parlando-Wech- 
selgesange aus, und bietet zweimal mehr, wenn er den 
Mord nicht vollführt. Er will dabei nur sein Gewissen 
schonen und es sich überlegen ; er schwatzt In Secbzehn- 
theilen , woraus sie in synkopirten Vierteln meist Hoff- 
nung schöpft. Endlich ist er mit sich einig, er will des 
vielen Geldes wegen seine Tugend bewahren und seine 
Unschuld. Der Sängerin ist es noch nicht genug, und 
sie zeigt ihm einen Schmnck von Diamanten und Rubi- 
nen. Dieser Glanz lockt; er will Alles thun. Sie will 
heule noch den Mord des Fürsten und seiner Braut* 
Der Plan scheint ihm kühn; das muss er überlegen; die 
Musik wie früher. Nach langem Ueberlegen ist er ent- 
schlossen, es nicht zu thun, vor ihr seiner Pflicht. we- 
gen, für sich: „Mich quält die Furcht.'' Im Solo- und 
Doppelgesange bleibt er dabei, dass man am Galgen sich 
der Schätze nicht erfreuen könne, weshalb tt seine Tu- 
gend bewahren will. Ueber den Mord Ginevrä*s wer- 
den Beide einig. . Im Rezitativ und AU. moder. berich-, 
tet er seinen' Plan : Vergiftung, welche die Pest auf rfch 

2 



I» 



1859. Januar. No. 2. 



20 



iiimmt, die sich in der Sladl zeigen sölI, was er jedoch 
nicht glaubt. — No. 11. Chor und Marsch zur Be- 
grüsfuiig der schönen Braut, jabelnd mi voller lod oft 
reich figorirler Insür«mciitazion. . No. 12* Balleliii«aäk, 
^^ ftnioll, dann d«r und dann mancher Takt- nnd Ttinz- 
wechsel, am meisten Vs und "^ , wonriit es schUe&&t* 
Frisch und munter. Im Finale No. 13 nimmt Guido vom 
Herzoge Abschied und berichtet ihm, dass die Pest hier 
ha^se«^ Der Herzog verlangt Schweigen, damit dasPe«t. 
nicht gestört werde. MauFred soll die Stadt durchfor- 
schen, lade» er gehl, hrtngiFttrlekraccio die Hoehm^;«« 
schenke seines Herrn und legt sie der Prinzessin zu Füssen. 
Alles im schnellen Rezitativ, dem abermals ein Tanz, %9 
folgt. Zum Anfangendes AU. stösst Ginevra ohne Be- 
gleitungstöne auf dem dreigeslricheDen eis einen Schrei 
aus, worauf die Instrumente den verminderten Septak- 
kord auf H arpe^giren ; ein ungebemrer Schmerz breiml 
in ihr $ den Schleier soll man ihr schnell enlfemen. Vom 
Herzog befragt, erzählt Forlebraceio kaltbltttis, der 
Schleier sei ein Meisterstück, das ein SchifT nach Livorno 
brachte vom schwarzen Meere. Der Herzog und Guido 
singen erschrocken: ,« Grosser Goltl*^* Medicis bittet 
Gott in einem Arioso, die Tochter zu retten und lieber 
ihn für sie das Opfer sein zu lassen. Lorenzo meUei 
iin Rezitativ die Wahi*heit des Gerüchts und dass ent- 
weicht, wer noch lebt. Alle entfliehen, der Ghor singt : 
,^FortI** Nur Guido drängt sich zu Ginevra, sie in 
die Arme fassend» indem sie, den Tod fühlend, vom Va- 
ter Abschied nimmt, in Dmoll, worauf der Chor unmit- 
telbar im langen Aushalt • in FismoU noch einmal sein 
,,Fort!^^ hören lasst. Die Instrumente führen nach 
DmoU zurück. 

Dritter AkU Das Theater stellt die Kathedrale zu 
Florenz dar. Unterhalb derselhen erblickt man die Grufl, 
worin Ginevra's Leichnam auf einem Paradebette liegt. 
Nach wenigen Takten Orchesterspiel in H moll gehl der 
Torbang auf, die Musik fallt in U dar in einem ^akti- 
gen Vorspiele zu einem Chore der Frauen nnd Männer. 
Man sieht Medicis, Vornehme, Geistliche^ Mönche, Lan- 
zenknecht^e und Volk im Schiffe der Kirche knieend ober- 
halb der Gruft. Das Aufgeben dM Vorhanges bezeich« 
net den Scbliiss des Todtenamtes. Die Männer singen 
unison, nur von wenig ausgehaltenen Basstönen begleitet: 



Dan Kdffper cUcket nun die düstre Todten- 




^^ 



^^ 



It 



lör 



^ 



rct 



See-)c schwebt em 



por, 



"WO - hin 



=Ö 



F=*^ 



ihr Gott sie rufe. 



Der nun efntretende kurze Frauenchor, die Stimmen i» 
2 Massen getheilt,. wird 4stimmig, die Mutter der Scharr«» 
zen ahrufead. Die Begleitung i&t einfach, das Ganze 
wirksam. Die Instrumente leiten m 4 Takten qaeh 
FmoU, worin der Herzog seine Klage singt. Dicht Ger 
bei» sondern bitlere Betrachtung» waruin er noch dies 



arme Leben erträgt, wo ihm keine Lust mehr blüht. 
Die Musik ist mehr traurig, klingend und äusserlicb, als 
karakteristiach und innig. Dennoch wird der Gesang* 
wirkeo; eine mclodievolie Anregung der Sinne, die im 
Alfgcmeinen der tieferen Seele nicht entgegen ist, viel- 
mehr ihr ini suften Umwogen der Töne Raum lässt für 
eine frei sich entfaltende Gedankenwelt, thut sogar oft 
mehr erwünschte Wirkung, als eine völlig wahrheittreue 
Erfassung des ganzen Menschen, weil man sich nicht 
selten vor zu mächtiger Erregung des Ernstes im Spiele 
der UnterballuBg acMst. — Das Wirksame erhöht sich 
noch bedeutend, nachdem die Instrumente aus Fmoll 
plötzlich und gut in 4 Zwischentakten, Hdnr, sich fest- 
setzten, durch Wiederholung und Zusammenbringung des 
Männer- und Frauenchors, der eine zweckmässige Ver- 
läugeruBg erhält. Alle veriftssen langsam die Kirche» 
ausgenommen Fortebraecio und seine Gefährten. Die- 
ser ruft rezitativisch in der Szene 15 seiner Soldaten her- 
bei, ilinen den allersobönsten Plan autzalheileD. So- 
gleich, All. moder., tritt der Sakristan Teokilda (Bass) 
auf und gebietet ihm, sieh hinweg zu begehen, ihn wobi 
kennend. Keck antwortet Fortebpaodo , da wisse er 
auch, dass er um der Sunden willen zu hcten Aöthij^ 
habe, „Nicht diese Stunde!'^ erwiedert der Sakristan 
und rathet ihm, sich lieber mit Frevel in die öden Häu- 
ser zu stürzen, wie ein Kaubthier; er werde sonst das 
Volk zusammenbringen zu gerechter Rache. F. gehl 
und vertraut heimlich seinem Haufen, der Kirchenscbat^ 
werde in dieser Nacht doch ihr Eigentbum. Nach EnU 
fernung der Soldaten kehrt Teobaldo mit 2 Mönchen zu- 
rück $ sie erheben den Stein des Grabmals, nnd Teobaido 
schickt sich an, in die Grüfte hiDabzusleigea. In No. 16 
(Arie) erscheint Guido in der Kirche und singt über der 
Gruft der Geliebten seinen Jammer: „Also hier ruhst da 
non, hohler Stern meines Lebens, Guido wird nie dich 
wiedersehn !^' und wünscht an ihrer Seile zu vergekn* 
Dann steigt er in die Gruft, sanft bewegt und von Hoff» 
nungen auf Jenseits erfüllt» seine Treue singend. Der 
Gesang ist gefühlter, als viele, und voa bestem Theater-^ 
dTekt. Der Sakristan mahnt ihn im Rezitativ mild zum 
Fortgehn; Guido bittet, nicht grausam mit ihm zu ver- 
fahren. Seine Bitte spricht sich dann lebhaft im AU.» 
y4, Fmoll, aus, sie nur einmal noch zu sehen. Mit 
Feuer ausgeführt, muss der Gesang wirken; sind ud& 
auch die synkopirten Zwischensätze für diesen Erguss 
zu künstlieh, ooer doch zu wild schmerzlich, sowerdea 
dies Andere i« Tagen, wo Widerstrebendes und Hefli'* 
ges nicht wenig gilt und wo »ur Effekt verlangt wird^ 
der Situazien höchst angemessen finde«, wo wir um des. 
innern Dranges willen einer natörlicbern Bewegung deiN. 
noch den Vorzug geben. Zum Schluss singt er dreimal s 
,,Leb wohli^* was hervorgehobener leicht noch rühre»« 
der eingreifen könnte. Das Nachspiel jlf. ist ftn d^r rech« 
te« Stelle. — N*. 17. Während des Rifomells kommt 
Ginevra nach und laeb z» sieh : „Wie kalt , wie eisige 
dNiaelUMinie!'« u.a.w. Grfisslieh sind ihr diese Träume; 
sie hörle Trauergesänge-f wem galten sie? Umberbli« 
ckeftd md erkennend, ws sie ist, steigt sie im Att. vom 
Paradebette luiddardiläufidaft Geweihe; iai Agiialo singf 



21 



1839. Janvar. No. 2. 



12tt 



sie das GnteUehe, oichl zu lang, was doch aenschltch ist. 
Sie darchrorsufal die Graft« uod keto Ausgaag ist ofleo ; den 
Stein vermag sie uidii zu heben. Mit der Kraft derSlimme 
versucht sie es veraweifelnd: Guido! — Vater! — in lang 



Ehallenen Tonen, ges, as — Kein Ohr vernimmt's. Die 
impe erlischst, hie glaubt, Gott selbst will ihr Schick» 
sal verkünden, und sie ist zum Opfer bereit in höchster 
Angst, ohnmächtig niedersinkend. No. 18. Finale. For- 
tebraccio singt seinen Spiessgesellen zu, keck und klug 
den Kirchenraub zu vollziehen $ der Chor wiederholt das 
im eigenen Gesänge, zwischen und zu welchem der An- 
führer anregend eingreift. Nur ein Lanzenknechi fühlt 
Fnchi vor itaub an heiliger Statte und ahnet Unheil dar* 
aus. Portebraccio schilt ihn einen Narren und meint, 
die Diamanten nützen der todleu Fürstin im Himmel 
Dicbls, doch ihnen auf der Welt. Der Chor wiederholt 
sich onnöthig. Jetzt wird befohlen, den Stein der Gruft 
zu beben^ wobei Einige sich vernehmen lassen : ,,Wena 
uns nnr nicht ein Geisl erschrecket ! ^* Indem sie den 
Stein heben wollen, ertont hinter der Szene der religiöse 
Gesang der Frauen: „Mutter der Schmerzen,*^ wie 
früher. Vor Furcht lassen jene den Stern wieder fallen. 
Fortebraccio schilt sie*, dass sie vor d^m Klagegesang 
der Klosterfrauen zittern, worauf die Räuber ihren mehr- 
mals gesungenen Chor anstimmen ; ^,Nur still und ohne 
Zagen.*' Sie steigen in die Gruft. Ginevra kommt zu 
sidi und singt: „Wer gibt mir nen das Lehen wieder? 
Die Retter ^ahn** u. s. w. Vor ihrer emporgeriebleten 
Gestalt stürzen die Entsetzten zu Boden, und während 
der Fraueuchor von Neuem ertönt^ steigt Ginevra lang- 
sam durch die Banditen hinauf in die Kirche , fällt auf 
die Kniee und singt: „Gott, mein Gott, ich bin geret- 
tet!^* Ganz kurz, wie völlig recht. Der Schiusa ist 
eindringlich. ' 

Der vierte Akt lässt uns zunächst im beliebten Kon- 
trast einen Chor der Zecher hören , dem Manired vor- 
singt in trannösischer Weise und in ttenmodiseher Mo- 
•du/azjoASsUIrke, etwas lang gehalUa. Manfred schickt 
endlich die Pagen fort, in keiner Lost gestört zu sein. 
£r singt im tändelnden ^Ve^Takt aurs Neue der Riooi- 
arda den Eid der Trene, da ihn ein freuwHicber Ted 
von der fibe befreit. Bald bo^t man klopfen. Die Sän- 
gerin erschriekjt nnd sieht, txxm Fensler hioauBsohauend, 
die GrilAgestalt Ginevra, worüber Alle ongläabSg «taa- 
oen; entSfeizi versiohert sie und warnt Jllaafred vor Fre- 
vel; er will mit dem Nachtgespenst reden wid die W<ar- 
neritt soll selbst es s«hen n. s. w. Ginevra anlw^tet von 
aaasiin mit »diwaeher Stimm« : üein Weib hier weiutt«, 
Ginevra» Am meisten geängstet ist die Singiorin , den 
Zorn des Himnaeis lurchtend. Manfred staohelt sieh mr 
liähnheit auf» die zur Verwegenheit wird % ' er ^obiesst 
sein Gewehr ab« „Fahr' zur Hölle nieder t<^ Man hört 
ebien Sohrei. Alle sind bleieh, mir ManfreQ fraMt, 
dass vor seinem Mutb seHwi die Gdstisr «ibk beagevi. 
Die Szette hält lange au. Endlich eniitfthig^ er Alle 
wieder tum Zecbgelm und stimait seinen Beabet^esMg 
wieder an , den & Frcnnde ehwidern mit ,ti|]geniis«bt«r 
Bangigkeit} Akciarda singt ihm Er^ebeidieil bis Jn deti 



Tod. Manfred erhebt sieh nnd singt abgebroehen : „Ja, 
Freunde, treu bis zum Tod!^' Der Becher bd)t in sei« 
ner Hand. Man bemerkt seine Leichenbiässe. Er Meibl 
von Schmerz überwältigt nnd auf den Tisch gestützt 
noch festen Sinnes in seinem wüsten TVeiben und mnn* 
tert noch mit stockender Stimme die sich von ihm Wen* 
denden znr Fortsetzung des Gelages auf. Diese bebc^ 
zurück, die Seuche f&rchtend. Ohne Stocken der Stimmt 
im festen Tonzasammenhange wirft ihnen der G^quilf^ 
die Falschheit ihrer Liebe vor und droht mit naher Hache. 
Der Gesang ist für diese Lage zu fest und zu lang, wa(k 
alle Kraft des Willens nicht möglich zu machen verma^^ 
da gleich darauf der Ghor die Zeichen des Todes sem 
Gesicht decken sieht und schnelles Entweichen sich zu- 
ruft. Da fasst er Riociarda an der Hand nnd presst sie 
in seine Arme. Sie reisst sich bald los, sinkt zu Bo- 
den und wird trotz ihres Schreies der Verzweiflitng von 
Neuem von ihm erfasst. In der Angst sin^t sie, dask 
Ginevra's Schatten drohe. Manfred will sie si6h' deii- 
noch (im Animato) nicht entgehen lassen, und so fort 
bis zum Schlosse der graus anspannenden Szene» die 
uns beim Lesen zu lange anzuhalten scheint. Wirww* 
den sehen, wie sie sich auf den Brettern ausnimmt, denn 
das Stück wird anf unserm Stadttheate^ zur AuffShmng 
konimen; wir werden dann darüber berichten. No. 20 
im Ali., y4, Emoll, lobt ein sonderbar wilder nnd doch 
einfacher Männerchor, der unison und harmonisch w^dl- 
selt, die tobende Pest, die ihnen Glüdk braefale. Bk 
sind die Freibeuter, was man sich gleich denkt; datwi- 
sehen beriehtet der zu Allem Khige Fortebraccio , dass 
die Stadt ohne Hilfe und selbst der Palast des Herzogs 
leer stehe, und so singt er denn rauhsüchtige Couplets 
nnd mahnt seine Genossen, um des Goldes willeti selbst 
dem Tode zu trotzen. Der Chor stimmt ein nacb-jed^ 
Strofe und wird zum Schlosse überwiegend, von rßtt- 
derungswuth erfüllt. Das Wüste des Lebens treibt sein 
langes Spiel nnd daa Grause geht mit ihm Hand in Hanl. 
So ist die Richtung der Zeit, und so wird es wirken, 
noch mehr dadurch, dass die Hörer nun endlich in No. 31 
Ginevra allein kommen sehen, die verwandet sich mit 
Mühe aufrecht eriiält. Das Gefühl des Mitleids nnd »oN 

Sender Theihiabfne wird in senfzender Freude wach. 
lurz singt sie ihren nnglüeklichen Zustand und fühlt 
sich gerettet, Gott dankend, als sieden Palast ihres Va- 
ters erblickt. Sie klopft) Niemand ö'Snet; sie glaubt 
den Vater todt und sinkt erschöpft auf die hinterste di;r 
Stufen. Da erscheint in No. 22 Giiido, der rezitafiviseh 
betrauert, dass der eifrie aufgesuchte Tod sieh seiner 
nicht ei4»armt; was soll ihm das Leben ohne me? Er 
erblickt die Hhigesünkene , ohne sie zu erkennen; wHl 
der Vertassenen beistehen und erkennt die Ueliebte. 
Seine Anrufungen des Erstaunens nnd der Freude brin- 
gen dÜB Mat>»e zu sieh. Ein rCIhrendes DneVt beginnt. 
Er ist b^lttckt tiber die Erseheiuung des Schafttens ^ ste 
siflgt ihm, dass sie durch des Himmels 6eistaii# WlhmiB, 
und die Freude gibt ihr Kraft, wie *im 'Trost nnr Äe- 
tigkeit. iSie (fraähll ihm im Gesänge dtts Vet^el^ltene; 
er will ihr Alles weihen nnd drängt in slie, ibm 2U fol- 
gen. Sie gesteht, es mit Lust in tboo, weu^n diftPftebt 



ia39. Januar. No. 2. 



24 



nicht dfig^gen Jiicife, weshalb sie ilnt biUet , sie fero roti 
ihiD slerbeo zu lasseo. Der BaadilieDchor lässl sich 
kurz hören : ,,Dort ladil reiche Beule '* u. 9. w. 61- 
aevra fiirchlet, dass sie ihn norden, und mahnt zur 
Flucht. Er.wilt jedes Loos oiil ihr theilen. Das Duett 
wird von Neu^m lang ausgeführt. Zuletzt bittet er Gott, 
nur sie. zu rett^ und ihmKrafi zu geben*, worauf der Ban- 
.ditencbor aberoials und näher erschallt. Der Akt scbliesst 
und lässt die Hörer iu, voller Spannung auf den Aasffang. 
Der fünfte Jlkt wird, jNo. 23, mit einer Volks- 
^regkiera eingeleitet, in weicher der Maria für Rettung 
von der Pest gedankt wird; niclit in frommer, sondern 
)vl freudig unbedeutender Volksweise, die aber auf dem 
Theater ^acb so vielem Weh gefallen wird, da noch 
dazu . der S^hluss ejnen frommen Anklang erhält. In 
No. 24 schiebt Herr Sciibe, ganz unnöthig, noch eine 
neue Person, eine Qiiuerin, Antonietia ein (Sopran), 
die nur auf den edelu Greis, den Herzog von Medicis, 
aufmerksam zu machen hat, der aus vollen Händen Gold 
ausstreuen lässt und das Volk ermahnt, Gott den Dank 
.zu bringen für die Befreiung von der Seuche, was auch 
.die Klosterleute vorzüglich ihuo sollen. Und so beginnt 
S. 318 das Finale JNo. 25 mit Klagen des Greises über 
den Verlust seiner geliebten Tochter. Guido und Gi- 
uevrar erblicken ihn .mit Beben, vorzüglich Guido, der 
die Geliebte anfleht, den Schwur der Treue nicht zu 
.vei;gessen,, während der Vater sie erkennt und den Wahn 
der Freude sich niclit geraubt sehen möchte. Im Solo 
.heisst der Herzog die edle Gestalt im einfachen Gewände 
näher treten, weil sie seiner Tochter völlig gleiche. Im 
Terzett, worin der Tenor die Hauptnielodie führt, schwan- 
ken noch alle in banger Ungewissheit, bis im Solo des 
•Greises die Erinnerung an die Tage der Vergangenheit 
■ das Bittere der Gegenwart um so schmerzlicher macht; 
der Herzog hält sie nicht mehr für seine Tochter, sie 
läge ihm sonst längst in seineu Armen. Heftig erregt 
gibt Ginevra sich zu erkennen, der Herzog fühlt Ent- 
zückung, Guido hält sich für verloren. In langen Zügen 
Keniessen Kind und Vater die Lust des Wiedersehens; 
.endlich will sie auch des Gatten sich erinnern ond den 
Treuen nicht verloren gehen lassen. Als nun der greise 
herzogliche Vater singt: ,,Komm, dir winket ein Thron, 
folg' mir ! '^ fällt Guido ein : „Nein, du darfst nicht von 
hier! Eher siehst du hier mich sterben'* und erzählt, 
wie hart sie ihr Gemahl Verstössen , gransam verwun- 
det u. s. w. Sanft setzt Ginevra hinzu^ dass er allein 
ihr .auf dieser Welt geblieben und dass sie ohne Reue 
f»m vom Throne bleiben werde, wenn sie ihm nicht 
fangehören solle; sie werde dann mit dem Gemahl in stil- 
ler Abgeschiedenheit für den Vater beten. Das rührt 
den Greis, und er ruft Beide als seine Kinder an seine 
Brust. Ein einziger Ruf der Freude und des Dankes 
der Liebenden , und ein seliges Terzett in As dur vom 
ewigen Verbnndensein erschallt. — Der feierliche Zug 
^us dem Bergkloster wallt hernieder nnd singt: »,Der 
Herr erhört das Flehn der Seinen'^ u. s. w. Mit die- 
aem Vertraqungsgesange scbliesst das Ganze im ernsten 
Sinne und im angemesseaeo Tone» durch prachtvolle 
j)ekorazion verherrlicht. 



Die Oper ist also im neufranzösischen Geschmacke, 
d. h. in einem solchen, wie ihn Auber in vollen i^chwung 
brachte und JMeyerbeer durch reichere Mittel, umschmii- 
ckendere Kraft und buntere Mannigfaltigkeit überflügelte. 
Da aber Auber, den Beifall der Menge hauptsächlich vor 
Augen, vom damals in Paris höchst beliebten Wesen 
Rossini's Leichtigkeit der Koloratur und jede Versinu- 
lichung volksthümlich ^erälliger Art aufnahm, und Meyer- 
beer in jene pariser nichliing, welche er klug in sich 
zu verarbeiten verstand, noch teutsche Instrumentaziou 
und kontrastirende Effekte auf Röchst pikante Weise 
übertrug, wornach sich die neuesten für Paris zunächst 
schreibenden Komponisten mehr oder weniger, je nach 
innerem Vermögen, abermals richteten : so. ergibt sich 
klar, dass dieser neufranzösische Geschmack zwar im- 
mer die nazionaten Grundlagen vorzüglich im Roman- 
zentone und im Deklamatorischen des Gesanges , was 
die Sprache an sich und die Manier der meisten Opera- 
bücher Scribes und Anderer unumgänglich nothwendig 
machen, festhalten, dieses Nazionale aber sowohl mit Ita- 
lienischem als Teutschem bedeutend gemischt sein muss. 
Diese Mischung der verschiedenen iSlyle, als die jelz.t 
vorherrschende, nahm nun auch Halevy und verband sie 
nicht nur mit seinem Eigenthum individueller Tongebilde» 
sondern wusste dabei das echt Französische, das dem 
Volke natürlich stets das Liebste und Ansprechendste 
bleiben muss, schlichler und darum kräftiger eingänglich 
für seine nächsten Hörer hervorzuheben. Dies hat ihm 
nun natürlich in Frankreich viele Freunde, ja sogar ein 
Uebergewicht, wenn auch nicht über Meyerbeer, doch 
über Auber erworben, welcher Letzte es uuserm Opern- 
komponisten durch zu grosse Flüchtigkeil seiner jüng- 
sten Werke leicht genug machte. Und so steht denn 
in derThät Herr Halevy über den neufranzösischen Opern- 
schreibern, Meyerbeer ausgenommen, in Beliebtheit oben 
an und hat erreicht, was er wollte. Wird man ihm 
dies verdenken wollen ? Thäte es doch Jeder gern, wenn 
er es nur möglich madien könnte ! Wir wenigstens ge- 
hören nicht unter diejenigen, die es tadeln« wenn Einer 
Bühnenmässige« für sein Volk und für seine Zeit sehreibt« 
Was vom Theater herab der Menge nicht gefallt, nicht 
eingeht, wird weggelegt und Niemand will etwas davon 
wissen. Ueberdies ist die Opernmusik, namentlich in 
Frankreich und Italien, wir dürfen wohl auch sagen in 
Teutschland und fast überall , mehr als jede andere , es 
wäre denn manche Bravourmusik, zum Vergnügen, zur 
zeitgemässen Erheiterung da. Mag man moralisiren, wie 
man will, doch wird man dem Volke diese Erholongs- 
Just nicbt wegdisputiren ; es hilft aUes Reden gar nichts, 
man verlangt auf der Bühne Neues zu sehen und zn 
hören, und das Neue soll den neuesten Schnitt haben. 
Freilich stände der ungleich höher , der den herrsehen- 
den Geschmack völlig zu befriedigen und doch dabei das 
innere Wesen gediegener Kunst zu veredeln wüsste^ 
Dazu geböfl aber ein Genie, das im Laufe der Zeiten 
nur sf^ten eTsobeint. Bis didiin, bis ein solcher Genius 
sich Ihatkr&ftig erhebt, Ist es ungerecht und beinahe 
schwach, gegen selche durchdringende Unterhaltungsga- 
ben sieh aoa Einseitigkeit so gewaltig m ereifern , wie 



25 



1839. Janiiar. No. 2. 



aa 



es JUanehe z. B« mit Meyerbeers .Hagenotten gethan 
haben und vielleicht auch mil dieser Oper thun werden. 
Es wird sieb Niemand sonderlieh datnach richten'; die 
Liebhaber wollen sich unterhalten und greifen nach dem 
Unterhaltenden, nach dem, was ihnen gefallt. Das wird 
Siels io der Ordnung bleiben und kann nur durch bes* 
sere uod zugleich eingänglichere Werke anders werden. 
So schafin bessere, und wenn ihr das nicht könnt, so 
lasst den Leuten ihr Vergnügen. Darum Alle, die am 
nearranzöstschen Geselimacke sich ergötzen, mögen nach 
dieser Oper greifen; sie ist besser, afs manche gefallig 
andere der Art. 

G. fV. Fink. 



Zugleich machen wir die Leser aufmerksam auf die 
Polpourri^s und Bearbeitungen nach Melodieen dieser 
Oper, die bis jelzt in derselben Verlagsbandlung erschie- 
nen sind : 

1) Reminiscences de F Opera : Guido et Ginevra de Ha- 
lern/. No. 1. Fantaüie brillante. No. 2. Rondeau 
brillant. Pour le Piano compos^es par Charles 
Czemy, Oeuv. 516. Liv. I : Preis 16 Gr. Liv, II : 
Preis 1 Thir. 

2) Troh Divertissemens pour le Piano sur des mo- 
t(fs etc. par Ch. Schwencke. Opuv. 53. No. 1. 
Reine des Anges, No, 2.' Souvenance de mon 
Enfance. No. 3. Sous cette voüte sainte. Preis 
jeder Nummer 12 Gr. 

3) jimtisemens pour le Piano sur des thdmes/avoris etc.. 
pour de petites mains par Ch. Schwencke* Suite 
1 — 4. Preis jeder Nummer 14 Gr, 

4) Quatre Airs de Bauet etc. arrangee pour le Pum% 
par Franc. Hunten. Liv. 1—4- Prats jeder Nun-* 
mer 14 Gr. 

5) Grand Galop de Guido etc. arrange pour le Pfano 
par Adolph Adani, Preis 10 Gr. 

6) Grande False de Guido etc. pour le Piano par Jac- 
ques Herz. Preis 12 Gr. 

7) Potpourri pour Piano/orte s?ir des thSmes Javoris 
de etc. Preis 1 Thlr. 

8) Potpourri dramatique pour le Pianq/brte ä quatre 
mains etc. Preis 1 Thlr. 

9) Souvenir de Guido et Ginthra. — Fat^aiste bril- 
lante pour ie Piano/orte , fav Fred. Italkbs*enner. 
Oeov. 142. Preis 1 Thlr. 

Dies sind also lauter Unlerhaltnogswerke iiber Mo- 
tive der eben besprochenen Oper. Wir haben daher im 
Grunde hierbei wenig zu bevrtheilen, da Jeder nach sei« 
oem £esebmaok and nj^eh dem Stande seiner lecknischen 
Fertig^keit zu wählen hat und wählen wird. Man kann 
das nni so leichter, weil die Bearbeitangsart der genann« 
ten Herren, wenigstens in der Mehrzahl, allgemein ge« 
kannt and beliebt ist. Es ist völlig «nareiehenit, wenn 
wir xur Brleiebternng der Wahl Fingeraeige geben. 
Herr Cumg gibt in seiner vielgewandlen und geiailigen 
Weise vocziiglicll in solchen Werken wirMickBriliantea 



fär Spieler, die sieh' gute Pertigk^ft erwerben haben, die 
auch in diesen b^d«n Studke» verlangt wird. — Die 3 
Br^ötzungon von Schwencke variiren und figuriran die 
beliebten Themen sehr verschieden und sachkundig, ohne 
mehr als massig gebildete FingerfcTrligkeit in Anspruch 
zu nehmen. — Die 4 Amusemens für kleine Hände, die 
noch keine Oktave spannen können, sind zwar leicht 
und für Kinderhände überall geeignet, allein für die al- 
lerersten Anfänger sind sie nicht; sie setzen schon ei- 
nige Gewandtheit voraus, wenn sie nnlerbalten sollen. 
Alle solche Bearbeitungen sind für etwas vorgeschrittene 
Schüler auch zum Spielen von den Noten zu verwen* 
den. — Franz Hunten s vielbelieble, auch oft bespro- 
chene Weise hat sieh hinlänglich als niilzlich erprobt 
.für Anfanger und Dilettanten; was auch Viele dagegei» 
sagen, eine sehr grosse Anzahl Liebhaber ist datiir, und 
seine Zusammensetzungen sind auch diesmal von der 
leicht gefalligen Art, dass ihm seine Freunde wohl blei- 
ben werden. — Der hübsch ausgeführte grosse Galopp 
von Adam und der grosse Walzer von Jakob Her» 
werden Tanzliebhabern gewiss sehr angenehm sein und 
dürfen auf nicht wenige Freunde rechnen. Auch das 
Potpourri für 2 Hände ist für seinen Zweck und ganz 
nach den Fübmngen des Originals geschickt und dabei 
leicht spielbar zusammengereiht; die Sätze wechseln gut 
ab und vergnügen durch Mannigfaltigkeit und treu bei- 
behaltenen, jetzt beliebten Opernstyl. — Das vierhäil- 
dige, zuweilen in andere Tonarten und Folgen versetzte 
Potpourri ist natürlich noch leichter, auch nicht weni- 

S)r unterhaltend und so seinen Zweck erreichend. -^ 
as Hdlkbrenner'sche Souvenir ist das Brillanteste unter 
allen und ganz im nenesüen ßravoureeschmacke geschrie- 
ben. Alles Lebrige ist Sache der Spieler und des Gc^ 
schmacka. 



Der f^iolinspieler Kochy. 

Wir wollen, indem wir nnsere Ansichten der Oef- 
fentlichkeit übei^eben, keinesweges irgend einem Violin- 
spieler von Rang zu nahe treten, denn wir wissen recht 
gut, wie sowohl vortreffliche als auch schwache Seiten 
an grossen Talenten in jeder Klkistlei^attnng sich vor« 
finden. — Wenn wir aber sehen, wie ein wirklich grosses 
Talent der Nichtbeachtung übergeben werden soll, indem 
es bis jetzt, um nicht zu sagen nirgends, doch wenig- 
stens nur an einzelnen Orten, die gerechte Wiirdignng 
fand und gewissermaassen darauf hingearb^let zn wer- 
den scheint , dass es dieselbe nicht finden solle , so ev- 
greift uos, wenn wir io ronsikalischen und andern Zeit* 
Schriften: lesen , wie sehr durchaus nicht zu beachtend« 
Talento auf eine seltsame Art gelobhudelt werden, weiche 
jedem die Musik wahrhaft Liebenden ein Gränel sein 
muss, ein wahrer Schauder ! — Wir haben Gelegenbeil 
gehabt, Herrn Köebf in den verscbiedeoartigsten Näan- 
cen desViolinspiels zu bOren. Eine rewiere Intonado»^ 
wie sie Herr Höchy entwickelt, ist »ns noch nicht vor- 

iekommen, wenn gleich wir Paganini, Spohr, JMiUep^ 
e fieriot, Lipinski, BaiUet, Lnfont wid sonst (ten gros»- 



27 



1859« Januar« No. 2. 



28 



ten Thöi der ^rfekl^B lebenden uad känlieh v^Mtoi^« 
benen Violiftfipueler nkbt allein dffenüidi^ sondern anek 
in Privatsirkeln zu hören nnd zu begleiten Gelegenbeat 
hatten. Die Art und Weise, i^ie Herr Köebv m Vio^ 
lioe behandelt, hat er auf jeden Fall seinem L^rer» den 
Konzertmeister Herrn Karl JMüller in Braunschweig, sn 
▼erdanken«. Dieser Letztere zeichnet sich, wie weit« 
bekannt, durch äusserst präzises und kühnes Spiel 
und eine durchaus glockenreine Intonazion ans. Herr 
Köchy bat dies wghl zu benutzen eewusst, und wenn wir 
auch sagen müssen, dass Herr KM. ])lttller keinen bes^ 
Sern jS^muler erzogen hat, so können wir dabei doch 
nicht umhin, zu erwähnen, dass Herr Köchy durch eige* 
nes ausdauerndes Studium sich selbst in die Rtihe der 
ersten Violiospieler zu stellen wnsste. Man soll, wenn 
man im Allgemeinen über ein Talent urtheilt, nicht 
Specialia anfuhren; doch können wir, gerade weil wir 
den berühmten Lipinski genau zu kennen so glücUich 
sind, zu erwähnen nicht unterlassen, dass Herr Köchy 
den ersten Satz des „Concert militaire** von Lipinski 
in einer selten gehörten Vollendung öflentlich zu spielen 
▼ermochte, und was dies sagen will, überlassen wir je« 
dem Violinspieler von Hang zu beaftfaeilen. Terzen, 
Sexten und Oktaven, Decimen, chromatische Läufe und 
Flageolets sind Herrn Köcby stets rein gelungen« Sein 
Vortrag ist seelenvoll und gediegen. In den Streichar- 
tea fehlt es ihm iiidess (walirscheinlich nur ans eigener 
Laune) am gezogenen Staccato. Wir bedauern, dass er 
dieser pikanten Streichart nicht mehr Mühe widmet, denn 
nach unserer Ansicht kann er sich dieselbe in seinen 
Jahren (23 Jahre) noch recht gut aneignen. Wir glau- 
ben alle Kapellen auf einen so ausgezeichneten Viohn«- 
Spieler aufmerksam machen zu müssen, damit dies vor^ 
treffliche Talent dem Vaterlande erhalten werde ; denn 
Teutschland kann auf einen solchen Künstler stolz sein. 

Wie wir uns entsinnen gehört zu haben, ist Herr 
Köchy auch in Berlin gewesen und hat daselbst ein Kon- 
zert zu geben beabsichtigt und Anstellung gesucht. Ob- 
schon ganz Berlin keinen Violinspieler seines Ranges 
an&uweisen hat, so ist ihm • doch durch nichA löbliches 
Entgegenarbeiten (?) Beides misslnngen. 

Gegenwärtig betindet sich Hen* Köchy nnch einjäh- 
rigem , jedoch nicht zo seiner Zufriedenheit ausgefiille- 
Bun Aufenthalte in Magdeburg, woselbst er, ausser von 
dkefll Orcbestervereine , von keiner andern der daselbst 
sdir zahlreich bestehenden musikalischen Gesellschaften 
«nterstützt wurde, iu Rudolstadt und so viel uns be* 
kennt ist als daselbst angestellter Hofmosikus. — Die 
Kapelle von Rudolstadt kann sich gratoliren, Herrn 
Köchy zn besilzen. — Herr Kapellmeister Dr. Spohr 
beabsichtigte kürzlich noch , Herrn Köcby in seine Nähe 
zd ziehen, was aber Umstände verhinderten. 

Wtr machen schliesslioh nothtaals die RapcNen nnf 
Hei^m Köchy aufmerksam , da wir fest übei*zeugt sijNi, 
dass derselbe als Violinspieler nicht allein den grossten 
Anibrdeningen entsprechen» vielmehr dieselben noch über« 
Insffen wird : denm för ihi gibt es kaum noch eüm 
Sdimierigkeü! —/— 



Nekrolog. 



Rarl Friedrich Ludwig Hellwig wurde am 23* Juli 
1773 zu Cunersdorf bei VKrielzeu an der Oder geboren, 
wo sein Vater Prediger war. Nach Verlauf seiner Kiit- 
derjahre im elterlichen Hause genoss er einige Jahre 
Unterricht aneh in der Stadtschule zu Wrietzen, dann 
zn Berlin im grauen Kloster^ jetzt Berliu'achen Gym* 
nasium« Seiner Neigung als Knabe gemäss, wolhe er 
sich dem geistlichen Stand widmen. Eine andere Nei- 
ffuug von frühester Jugend an war die Musik, und höchst 
hervorstechend sein natürliches Talent hiezu. In Wrie- 
tzen erhielt Hellwig den ersten Unterricht im Klavier- 
und Violinspiel. Mehrere Instrumente, als Bratsche, 
ViolonceU, Kontrabass, Hörn, Guitarre, Harfe, Or- 
gel n. s. w. erlernte Hellwig selbst, ohne weitere An- 
weisung» Auch eine angenehme Stimme für den Ge- 
sang, feines Gehör und die Fähigkeit im Treffen der 
Töne hatte die Natur Hellwig verliehen. Dies Talent, 
verbunden mit Bescheidenheit und gefalligem Benehmen^ 
verschaffte Hellwig häufigen Zutritt in Familien- und 
Künstlerkreise, wooei er Gelegenheit fand, sich für das 
Leben wie für die Kunst mehr und mehr auszubilden. 
Nach dem Tode seines Vaters verliess Hellwig 1789 
seine Schulstudien, gab seine frühere Bestimmung auf 
und wurde Theilnehmer eines Fabrikgeschäfts bis zum 
Jahre 1812. In dieser, ganzen Zeit trieb Hellwig mit 
Eifer Musik theoretisch und praktisch ; seine Geschäfte 
gaben ihm Müsse dazu, und die Gelegenheit zu lernen 
und sich auszubilden hatte sich von Jahr zu Jahr ver- 
mehrt. Von dem königl. Kammemiustker, nachmaligen 
Kapellmeister Gürlich ei*hielt Hellwig den ersten gründ- 
lichen Unterricht im Generalbass und der Komposizion; 
aneh machte derselbe kontrapunktische Uebungen bei dem 
könid. Hofkapellmeister G. Abr. Schneider. Im Jahre 
1793 wurde Hellwig Mitglied der 1791 durch Pasch ge- 
stifteten Singakademie, deren treues iMitglicd der Ver- 
ewigte bis zu seinem Tode blieb , nachdem derselbe auch 
als Vorsteher und zuletzt als Ehrenmitglied der Vorste- 
herschaft dem Institut den regsten £ifer gewidmet hatte. 
Im Jahre 1808 wurde Hellwig auch eiuer der Stamm- 
Mitglieder der Zelter^scben Liedertafel. 

Nachdem Hellwig aus Liebe zur Tonkunst seine 
Geschiftsverbindong aufgelöst hatte, wurde er auf seinen 
Wunsch und bei seiner Vorliebe für geistliche Musik 
am 20. Anrast 1813 zum Domorganisteo , und unterm 
23. Juni 1515 nam Musikdirektor an der Hof- und Dom- 
kirche ernannt. Als Lehrer und Komponist hat Hell- 
wig in diesem Verhttitnisse stets thätig gewirkt. Ein 
volJsländiget Verzeicbniss seiner KomposiSKionen ist nicht 
vorhanden« jedoch sind dnrch öiFentliche Aofiahmogen 
oder den Druck folgende Werke zur Kenntniss des «•« 
sikaÜsehen Pübiikums gelangt: 1) eine Operx «,Diie 
Bergknappen «' von Theodor Körner, iu Berlin und Drea** 
de« (18120) aufgeführt. K. M. von Weber hat sieh in 
seinen hinterlasseneo Schriften (3r Band, S. 143) hser^ 
über ffünslig igdtttSBert. (Für dramatische Komposizion 
war ttellwigfs firodubtives Talent indess wemger geeig» 
mtlf als fiir ^ebtüche Gesaegmusik und Lieder.) 2) Cbo- 



29 



1859. Janoar« No . 2. 



30 



riie, Requiems, Messeo, Psalrae^ Motetteo u. s. w., mei- 
stefls far die Sing^kadeDiie konpenirt und ib deren Be- 
sitz. 3) Viele Lieder, Kanons und emzehe Gesinge, 
ein- ond mebrslimniig. (Es ist hierbei au bemerken, 
dass Hellwig, im Verein »il seinen noch lebenden Bru- 
der and den bemts gestorbenen gemütbrollen Singera 
Otln Grell nnd Gern, zunächst den rierstimmigen MMn- 
nergesBBg znr gesellschaftlieben Unlerhallung in BerKn 
benutzte^ vnd so vieileieht die Idee zur Gründung der 
Liedertafel bei gelter erweckte.) 4) Kla?ier*Ao8ziige 
roB Opern und Oratorien, z. B. von Glückes Ipbigenia 
in Tanris, Händers Judas MaeeabHus, Joseph u. s. w. 
Bearbeitungen für die Singakademie : a) für den Doppel- 
ehorund Solostimmen: „Hymne** von Konzen, b) ,,In- 
sanae et vanae*^ von J. Haydn, e) „Die Gunst des 
Augenblicks^^ von Zelter. Auch nei Herausgabe der 
Partitur der Komposizionen des Fürsten Radziwill za 
Goelke's Faust und Fasch's sämmtlicher WeriLe war 
"HeVwig tbälig wirksam. 5) Studien nnd Versuche aller 
Art im Reiche der Töne. 

Auch wisseoschafklich hat sich Hellwig mit Eifer 
oad Liebe beschäftigt. So hörte er Vorlesungen aber 
Akustik bei Chladni, Physik bei Hermstädt nnd über 
GalFs Schädellebre. Mit dem Talent für Musik ver- 
band Hellwig ancb das der mimischen Darstellung so- 
wohl ernster als komischer Karaktere. In seinem Ka- 
rakter zeigte Hellwig ein offenes, kindliches Gemiith, 
WohlthSttgkeitssinn, Religiosiiät, Dienstfertigkeit, grosse 
Lebhartigkeil nnd regen Eifer für das, was er als Recht 
anerkannte. Verletzte vielleicht sein reizbares Tempe- 
rament zuweilen momentan, so war doch das reinste 
Wohlwollen ein vorherrschender Grundzug in Hellwig's 
Karakter. Nach kurzer Krankheit starb Hellwig an ei- 
nem nervösen Fieber den 24. November- 183o, allge- 
mein bedauert. Eine besondere Ge^cblnissfeier hatte 
die Singakademie dem Entschlafenen am 4. Dezember d; J. 
reranslaUel, zu welcher ausschliesslich seine eigenen 
Komposizionen gewählt waren. Dem Auferstehongscboral 
von Klopsiock folgte die (nun gedruckte) Gedäcbtniss- 
rede, vom Herrn Direktor Ribbeck, als Vorsteher der 
Singakademie gebalten, hierauf ein Requiem a oapella, 
ein sanfter Gesang: „Himmelsruh' und Frieden,*' und 
zum Schluss der 91. Psalm, abwechselnd für Chor und 
Solostimmen gesetzt. Auch die zweite Abtheilung der 
Siogakademte feierte am folgenden Tage das Andenken 
ihres würdigen Beistandes durch Aufführung mehrerer 
seiner Gesangkomposizionen. L. Hellwig's erfolgrei- 
ebes Wirken für die Tonkunst als Lehrer, Kcmrponist 
ttsd eifriges Mitglied der Singakademie und Liedertafel, 
wie sein gerader Sinn und seine Anspruchslosigkeit auf 
lohnende Anerkennung seines bescheidenen Veraiensles, 
wird denen, die ihn näher kannten, unvergesslich sein. 
Friede seinem Andenken! 

Nach authentischen Millheitungen zusammengestellt 
Ton 

BerBo» im Dezember /. P. Schmidt. 

1838. 



Der Schaffe von Paris^ 

komische Oper in 2 AufzügcM^ gedichtel von Herrn 
fF. A. fFahlbrUeif komponirt von dem Herrn Mu- 
sikdirektor Heifir, Dam. 

Die Oper wurde hier am 1. Nov. v. J. zum ersten 
Male gegeben und entsprach den Erwarlunren, die ein 
Theil des Publikums von dem Talente des Dichters und 
des Komponisten hatte, vollkommen. Sie wurde am 9. 
und 11. Nov. bei vollem Hause wiederholt. Die Ouver- 
türe sowohl, wie fast jede einzelne Nummer, wurde 
sehr lebhaft applaudirt. Aju höchsten aber hatte sich 
das Interesse bei dem Finale des ersten Aktes gestei- 
gert. Der Komponist, zugleich Dirigent an diesem Abend, 
wurde nach demselben stürmisch hervorgerufen. Sämmt- 
lichen Hauptpersonen des Stückes, dem Dichter und dem 
Komponisten zum zweiten Male, widerfuhr die Ehre des 
Hervorrufens nach Beendigung der Oper. 

Die Ausstattung derselben in artistischer Hinsicht 
war unserer einsichtsvollen Direkzion würdig. Das ünh 
stnm, durchweg neu, gefiel allgemein. Ganz besonders 
ansprechend war die Dekorazion im Finale des zweiten 
Aktes. Nur die Ansicht eines Thriles der Stadt Paris 
im ersten Akte erinnerte zu deutlich an eine Gegend 
von Berlin, könnte also wohl treuer sein. Sämmtlicbe 
Chöre waren vortrefflich einstudirt und gingen fehler- ^ 
frei. Abweichend von recht vielen Texten, selbst be- 
liebter Opern , bietet der Schöffe nicht nur angenehme 
Situazionen, sondern auch befriedigenden Zusammenhang 
und interessanten Inhalt. Eine Skizze des Textes mag 
dies beweisen. 

Paris ist von den Engländern besetzt. Karl der sie- 
bente und die Jungfrau stehen vor den Wällen. Der 
Kriegsrath hat einen Sturm auf die Stadt beschlossen. 
Die Menschlichkeit des Königs will Blut ersparen. Er 
entschliesst sich, zu diesem Zwecke selbst verkleidet in 
die Stadt zu schleichen, um einen Aufstand der treuge- 
bliebenen Einwohner anzuregen. Der Sturm von aussen 
und die gleichzeitige Diversion von innen sollen den 
Feind zu jedem ernsthaften Widerstand uniahig machen. 
Ein Feuerzeichen auf dem Thurm von Notre-Dame soll 
den Moment des allgemeinen Angrilies bestimmen. Der 
König erreicht unerkannt seine Getreuen. Man verbirgt) 
ihn auf dem Thurm vqn Notre-Dame, dessen Glöckner, 
ein eifriger Patriot, den Verkleideten als einen Boten 
des Königs ehrt und gegen Verrath sdiutzt. Gefakr- 
drehend ist vorzüglich das Argusauge des englisch ge- 
sinnten Schöffen von Paris, der jedoch für diesen Au- 
fenbliek von den politischen Ereignissen durch eine 
rivatangelegenheit abgelenkt ersdieint, indem er seine 
Mündel , dio sich bereits einem jungen Manne verlobt 
bat, gegen ihren Willen zum Traualtare führen will* 
Der Hochzeitszug beginnt nnd trifft mit einem Aufzöge» 
den die Stndenten von Paris einem eben kreirten Dok- 
tor, dem Verioblen, zu Ehren halten« zusammen. 
Die Studenten hemmen den Zog, verhöhnen den Scböf- 
fro, ziehen die anwesenden Einwohner mit in ihr Inter- 
esse, -^ eine Zigennerin, des Glöckners verkleidete 
Tochter und Veiinüidcte der betden Liebenden, vermehf t 



51 



1859. Januar. No. 2. 



52 



den ZasammeoUuf des Vplkes und die Verwirrung des 
Zuges, die nun der Gelieble benutzt, um den Schößen 
zu prellen und seine Braut zu enlEuhren. Er bringt 
sie einstweilen auf den Thurm von Notre-Dame, wo- 
selbst sie, als Student verkleidet, den passenden Augen- 
blick zur weiteren Flucht mit ihm zu erwarten gedenkt. 
Hier nun trifll sie mit dem gleichfalls dort versteckten 
Könige zusammen, der, in dem verkleideten Studenten 
das Mädchen ahnend, seinem Hange zu Galanterieen 
folgt und sie, durch verliebte Tändeleien neckend, in 
Verlegenheit setzt. Zeuse derselben wird der eintre- 
tende Verlobte. Es erfolgt eine Herausfordernog, die 
der König als französischer Hauptmann nicht ausschla- 
gen mag. Die Streitenden eilen zum Zweikampfe hin- 
aus auf den gewöhnlichen Kampfplatz der Studenten. 
In ihrer Abwesenheit kehrt der Glöckner, dem die An- 
hänger des Königs nun erst Kunde von dem hohen 
Stande seines Schützlings gegeben haben, heim; — er 
erfährt das Vorgefallene und eilt fort, um die Streiten- 
den zu trennen. Die Tochter aber, bedenkend, dass 
der Vater sie verfehlen könne und nicht wissend, dass 
das Feuerzeichen noch eine höhere Bedeutung habe, 
als die, den Freund von einer bedrohenden Gefahr sei- 
ner Verlobten zu unterrichten, was sie vorher mit ihm. 
verabredet halte, hält es für ralhsamer, ihn durch das 
Feuerzeichen zur schleunigen Rückkehr zu bewegen und 
auf diese Art das Duell zu verhindeni. Das Feuer leueh- 
let weithin durch die Nachl und bestimmt anderer Seils 
das französische Heer zum augenblicklichen Sturm auf 
die Stadt. Man hört die Schlacht, man sieht den Zu« 
sammenlauf der Einwohner von Paris. Die beiden Strei- 
tenden lassen bei dem Anblicke des Feuerzeichens, das 
beider Tbätigkeit in entgegengesetzter Richlung fordert, 
ihren persönlichen Streit fallen. Der Hauptmann gibt 
sich seinem Gegner und 4en anwesenden Studenten als 
König zu erkennen. Das lebhafte Vaterlaudsgefubl siegt 
über die Privatinteressen, sie umringen schützend den 
König, um sich von ihm augeführt dem Feinde. von 
innen ans entgegenzustürzen. Da ertönen Siegeslieder: 
das französische Heer hai gesiegt. Der Aufruhr in der 
Stadt, durch den Hauptmann bereits eingeleitet, ist wirk- 
sam geworden und hat dem Feinde die Möglichkeil, sich 
kräftig zu vertheidigen, genommen. Bestürzt ist er ent- 
flohen und hat die Hauptstadt dem Könige geräumt. Der 
SchöiFe, der Verrätherei eingesländig, wird begnadigt, 
muss aber seine Mündel dem Nebenbuhler überlassen. 
Unter Huldigungsszenen und Siegesgebeten falLt der 
Vorbang. 

Die Musik bewegt sich, dem Texte folgend, in ver- 
schiedenen Nuancirungen, doch sind die komischen Si- 
tuazionen und die heitern Elemente mit besonderer Vor* 
liebe bearbeitet. Der Zuhörer wird durch i$ie fa&t durch- 
gängig in einer leichten Stimmung erhalten und nur 
schnell vorübergehend sind die ernsten Momente. Die 
neckende Laune, der galante Scherz, der kecke jugeud«* 
liehe Uebermuth, durch des Glöckners Tochter; den Kö- 
nig und die Siudenteu dargestellt, — sie bilden einen 
treffliehen Kontrast gegen die feindlKfaen Elemente in 
dier Person Abb iragikomiichen , aufgeblähtea SohöfEeti. 



Die einzelnen Genangparlieeu nnd der Dialog wechseln 
mit den Ensemblestücken, und ganz besonders wirksam 
treten die männlichen Chöre hervor. Liebliche Melo- 
dieen wechseln mit kräftigen Chorgesängen, die einfache 
Begleitung mit rauschender Instrumentirung. Und den- 
noch hört man es der Musik an, dass der Komponist 
bemüht war, den Text nioht in der Musik untergehen zu 
lassen. Die Musik belebt, verschönert den Text, erhebt 
das Gedachte zum Gefühlten, erlaubt sieh jedoch nicht — 
wie das in vielen, besonders italienischen, Opern der 
Fall ist — allein herrschend werden zu wollen. ^Mit einem 
Worte : sie hindert im Ganzen weder den Fortgang des 
Stückes, noch hat sie das Bestreben, die Aufmerksam- 
keit des Zuhörers vom Texte ab- und sich allein nur 
zuzuwenden. Ich sagte, diese Tendenz habe dem Kom- 
ponisten vorgeleuchiet und sei ihm im Ganzen geglückt; 
dass er jedoch nicht auch in einzelnen Partieen fehlge- 
griffen habe, möchte ich nicht behaupten. Ungeachtet 
der bedeutenden Abkürzungen und VVeglassung von Wie- 
derholungen, die er erst nach der ersten Vorstellung vor* 
nahm, sind dennoch bin und wieder störende oder hem- 
mende Gesangpartieen stehen geblieben, die er vielleicht 
später ausmerzen wird. Ein Gleiches möchte hinsicht- 
lich der einzelnen, weniger originellen und gehallreichen 
musikalischen Gedanken, die sich hier und da heraushö- 
ren lassen, anzurathen sein. Und will der Komponist, 
dass der so höchst günstige Eindruck, den der erste Akt 
und ganz besonders das Finale desselben durch seinen 
prachtvollen,. kräftigen Chorgesang auf den Zuhörer macht, 
sich fortwährend bis zum Schlüsse der Oper steigere, 
so muss er die letzte Nummer des zweiten Aktes und 
mehr noch das Finale desselben an Text und Musik be- 
dtutend konzentriren. Denn gerade hier ist ein Erlah- 
men sichtbar. Es Cehlt der Oper jetzt offenbar an einem 
schliessenden Kulminazionspunkt , der der bereits hoch- 
gestiegenen Erwartung des Zuhörers würdig wäre. Auch 
würde sich der erste lange Akt füglich in zwei Akte 
theilen lassen. 

Es ist allerdings leicht, dergleichen Ausstellungen zu 
machen, und gewiss nicht schwer, ähnliche Mängel in 
älteren und neueren Opern aufzufinden, doch darf sie der 
gc^treue ßericbterstalter nicht verschweigen, und er kann 
es sich um so weniger versagen, diese zu nennen, als 
er die Ueberzeuguog hat, diese Oper vertrage immerhin 
einige rügende Bemerkungen, weil sie, trotz dieser, den* 
noch eine glückliche Schöpfung ist, die gewiss überall 
auf den Zuhörer einen bleibend günstigen Eindruck ma* 
oben muss, wo sie, wie hier, von so trefflichen Künsllera 
dargestellt wird. Den Schöffen nämlich gab Herr Gün-r 
Ihi^r (besonders gut bei der zweiten und drillen DarstelU 
U4)g); den König Herr Wrede (dessen Spiel man mehr 
Leben, mehr feine Gewandtheit wünschen möchte); des 
Glöckners Tochter und den Doktor Mad. und Herr Hoff« 
mann (beide eliemals Mitglieder der Sl. Petersburger 
Bühne) vortrefflich. 

Alege dieser Bericht als eine Einleitung zu einer 
gründlichen Würdigung dieser Oper betrachtet werden ; 
möge das Resultat einer solchen nur dazu dienen, das 
zu bestätigen, was der Berichterstatter hier aussprach. 



53 



1839. Jamur* No^ IL 



34 



and iD(%e sia seine Worte beweisen nnd bekcIftMMi^ wenn 
er see^: So können wir denn nieht nnbin, der Direkidon» 
dem IConiponisten nod den Pnblikani zn dieser neaen 
Bereicbemng des OpemrepertiMrt Gluck zn wiinscben* 
Biga, de» 14. Novbr. 1838. ^^ ^ ^ 



Nagsbichteh* 



Prag. Die wiebtisste masikeliscbe Ersebeinang mir 
ter nns war im Dezember Karl L^jnnskiy der mit zwei 
Konzerten im Tbe^ter im vollen Sinne des Wortes Sen- 
sazion machte. Däss er eine wunderbare tecbnische Per* 
tigkeit besitzt nnd die noffeheuersten Schwieriffkeiten mit 
Reiobeit, Leichtigkeit nnd Sicherheit überwindet, ist be- 
kaost» wie sein merkwürdig mehrstimmbfes Spiel. Das 
erste Konzert eröffnete er mit seinem UnMt bdiebten» 
sehr lebendigen und dsbei leiebt fasslichen Concerto mi- 
litare und laoter eigenen Romposizioneo iiberaas schwie- 
riger Art. Trotz der erhöhten Preise, was die Prager 
Dicht lieben, war das erste Kofezert bedeutend besetzt, 
nnd im zweiten weniger besnehlen Konzerte war der 
Beifall sturmischer, als er Paganiai selbst za Theii ge- 
worden ist. Nach der Schloasnummer des ersten Kon- 
zerts erscholl nach mehrmals wiederholtem Hervorrufen 
des Virtuosen vom Parterre aus der Ruf: Capriccio I 
nnd der Geehrte tm^ das letzte sehr brillante Stück sei- 
ner so ebeo hei Hashoger in Wien erschieueuen /// Ca- 
jniees de Concert dans un 9tyle dramatique glänzend 
vor znm Gennss Aller. Im zweiten Konzert rief man 
ihn 5 Male hinter einander, ohne dass er sich zu einer 
Zugabe bewegen liess. — Zwei Tage darauf kündigte Herr 
Rarl Hafner aus Wien, Schüler Blayseder^s, eme mu- 
sikalische Abendunterbaltung an, die zwar spärlich be- 
sucht war, aber dem jungen Manne doch gerechten Bei- 
fall brachte. Blie|k auch seine firavonr hinter seinem 
y oranger zunick , so war doch sein Vortrag , der in 
der fVeise seines Meisters gar nicht mit Lipinski zn 
vergleichen ist, schön, sein Spiel auch in den schwierig- 
sten Lagen rein nnd sein Staccato besonders vertreff- 
lich. — Unsere Oper brächte nns nichts Neues, als ein 
Dehnt der Dem. Jülram^ die, bisher als gpwandte Dar^ 
itellerin naiver AoUen im Schauspiel sehr beliebt, nun 
förmlich zur Oper übergegangen ist, welches Ereigniss 
schon vorher vielfach im Publikum besprochen wurde. 
JHan hatte die Sache zu feierlich gemacht, was ihr bei 
ihrem ersten Auftreten eine sokhe Befangenheit brachte, 
dass sie ihrer Stimme erst in der letzten Nummer eini-- 
germaassen Herr werden konnte« Selbst in den folgen- 
den Darstellungen der Adalgisa und der Alice zeigte sich 
noch so viel Eingeschüchtertes, was durch eine gehäs« 
si^ Beurlheiinng berbeigeftihrt worden sein mag, dass 
yfm nicht allein auf mehr Billigkeit , sondern selbst auf 
mehr Gerechtigkeit gegen eine musikalische Debütantin 
▼on allen andern BerichierstatteriL rechnen dürfen.. 



LfippB^: Unser »wSffiei Jlbofmemmt^BöMeri im 
Saale des Gewandbanses wurde am Neojahrs- Abende 
gefeiert, wie immer eines an diesem Festtage gehalten 
wird. In der Regel sehr zahhreicb besucht, war es dies- 
mal nur noch besetzter, fast überfüllt, ohne dass die 
Aufmerksamkeit während der Musikvortrlge nur im Ge- 
ringsten beeinträchtig worden wäre. Es ist gute Sitte^ 
des neue Jahr mit einer geistlichen Musik einzuweihen. 
Die Ouvertüre zum Oratorium Paulus von Fei. Mendels- 
sohn wurde also zuvörderst zu Gehör ffebracht. Als 
Herr Dr. M. zum Dirigiren seines Werkes auftrat, 
wurde er sogleich von der Menge der Hörer mit lebhaf- 
ten Ehrenbezeigungen empfangen; die überaus bestimmt 
nnd wirksam vorgetragene Ouvertüre erhielt am Schlüsse 
derselben den lautesten Beifall. Unmittelbar darauf, als 
Mrs. Alfred Shaw sich dem Publikum zeigte, um Rezi- 
tativ nnd Arie aus demselben Oratorium zn singen : ^,Und 
gin^ mit einer Sehaar gen Damaskus,*^ wme sie mit 
gleicher Auszeichnung empfangen und der lebhafte Ap- 
plaus wiederholte sich reichlich nach Beendigung der 
Arie : „Doch der Herr vergisst der Seinen nicht,^* welche, 
wie das Rezitativ in englandischer Uebersetzung, überaus 
schön mit reiner nnd volltönender Stimme vorgetiagen 
worden war. Der sich. daran sohliessende Choral: „Wa- 
chet auf, ruft uns die Stimme^' wurde gleichfalls beson- 
ders geehrt. Der nun folgenden Ouvertüre zur Oper 
Euryantbe von K. M. v. Weber fehlte weder Feuer 
noch Schmelz, nnd so kann man sidi denken, dass auch 
derselben, wie der Arie von Mercadante: „Nnmi! che 
intesi mail*^, wekJie M'ad. Shaw in gewohnter Weise 
sang, die laute Theilnahme der Versammlung nicht man- 

esln konnte. Znm Beschlnss des ersten Theils trat der 
err Konzertmeister F* David mit seinem neuen, auf 
Verfangen wiederholtem Vioiinkenzerte auf und wurde, 
wie die Vorigen, gleich bei seinem Vortreten von den 
Versammelten ehrenvoll empfangen. Jeder Satz des an^ 
sprechenden, mit Melodiaehem und Brillantem f^eichgnt 
versehenen Konnertes setzte die Hände der Erfreneten 
in lebhafte Bewegung, die sich im zweiten nnd dritten 
Satze noch verstärkte. Von Beethovens allgemein ge- 
kannter und allgemein gewürdigter Cmoll- Sinfonie, an 
deren trefflicher Ausfiihmng wir nns oft wie jetzt er- 
freneten, haben wir nach so. vielen Besprechungen nichts 
mehr hinzuzusetzen. Die Aufnahme war des Werkas 
würdig. Und so wurde dena das. neue Jahr glänzend 
eingeweihi. 



Wegen Verspätigung einer^ Erwiderwng. 

Die Erwiderung des Herrn Dr. datav SckäUag 
gegen Herrn Hofeath Handys „Warnung,** des Erstge- 
nannten Aeslhetik betreffend, müssen wir ohne unsere 
Schuld noch immer verschieben, bis uns eine gesetzliche 
und mit des Verfassers Willen völlig übereinstimmende 
Zuschrift von dem Herrn Dr. Scbillio^ eingebändigt 
wird, die wir dann sogleich des Oeffentlichkeit nbeif e- 
ben werden^ 

Die Redaksiom^ 



iB 



1859w Jamwi Nd;.S«» 



36 



m- \; •-; • • •. • ■ ^lIr^]!Vaelirlelit^ ''> 

rUHiith gifHui^Mtn'fWUiMühifn tu tntspreckeu, nehmen iin> niüihlrttllb^ AMlirn Uam g i n mnjeM an 
in iftff Regel m das BaupiUa» äet IMbmg tmfy und heludtm ims hm* fiir heB&ndere FäHe die B^tAe tum tntMi- 
^enitßiUev^ itn>t. f^rit hoffen, nkhi nur den AnMndigenden , ^endei^ ^mch dm Mehrten Lesern werde diese 
AMderung tbilBconn^nen sein. Vehrieens t&ird dadurch dem Umfanae des HaupmMes^ minen wesetMohen 
TndSenhein JBinhiag geschehen, f^ämekr gthtimsre Ahsüchty im lEinverständnisse mit der Redaetiony dahin^ 
der ättgemkiüien musikalischen EtÜHoM, tvelcne im kitten Jahre bereits um ein jänsehnliehes ausgedehnt wiorden^ 
(^rch mhätrittche EjtfraMaUer Und milagen — ohne Preiserhöhung — noch weitere Ausdehnung zu geben, wie 
der Unmet^ inehir anwachsende StöfF dies et^eiseht 

Leipxig^ mni.€mpsiartSo9. Ale Verleser* 

A II ]£ ft n d 1 9 V n 9 « *« 



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J^c l^ariter ^eAalliarfe tob Srar^^^antgtsoicIiBeUa 

ktt ttrluiifeih ' ¥Aat AttfekttnH teAuAt auf tt«rtolMe ha^td^etL 
Hi» Mwilwliffciiidlmig Yta Fn Kit« b er in Mfoig* . 



tfeip üntenRichneleA (Jomptoiir /und nacld)caei«1ine(e ViolineB 
tand AUfiol^ä xam Vcrkanfc au m. belg^estf taten Preil^fe ^— wo*- 
WaM iaa CakMB, ida laaBkadnett ^ AbM^ebm worüeB« 
' I TioBii«Toia Atttantii Stvadirarii e<inMrl«li*d*av. 

1 dito :^aii Aadvana Amkti... 40 VHcdrtehid*o*^ 
. A düo viBft I^Btiot 3» FWadricM'«»- 
51 dito To« Jakob«a SlaincT, aaaaaiimeii &6 FriadncliidW. 
I dito T9a Iicopald Witliolm. 8 FriodricludW. 
l'Alt?toteft-Von Aatotiio Amafi, aiuaaniitfii SO Prd*or. 
' 1 dtto toB J^attnaa UdaipU«a Bbavie. 6 Medrd'«v« 

Dia atauadkAeB laitramento «lad gat gehaltatt, ud befiadan 
«ah i« eisaan aatelwaZiialanik, daia jade« KAasaar dia aehwap> 
ntOL KoasarUtücke fogleick darauf spielea kaaa. 

$oUto aick Jemand bewogen finden, die ganae Parlie cum 
wtederre^nf an licb an bi^ngen, so dAHIa ein befrMIgen- 
dte lUball beWilMgt wefdan. ^ aOngleiak wiidbanerkt» dasannab 
yfmmA cinaa KAnfaia ain VkdaMelio toh dnaat Maiatar» w ia dia 
yaagaMumtpi. in Taaacb angenomaiem werden knnn. 

Hiennf Reflektirende wollen tiob gefaHigat in portofiröen Bria- 
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dmu hfuel M trmive le B»nda Ausse 
C lia d e H e r i o «« 

idi: TRcmoidO 

anlp «k AndamCe 

de Beethoven 

iBanpaae par 

O IIa d e M ö r i • t# 

Trolsl^me üao BrUIamt 

»ur un thSme original 
CMipott par 

eil* de ll6r t»» e t Osli«riie* 

ETBODB 

p o n r 1 a 

Piano - Forte 

_ c o m p • j » a r 

Henri Herx« 



Bai unih« 



Die 



Ijelnmls aat m abe» 
an babaa : 



iiM»iiiclillche (itlniiiie 

und ihr Gebraach 

f ü r 

Sänger und Sängerinnen 

dargestellt 

Olacomo BlsoaszL 

Mit einer Tafel lilbograpbiacber Abbildungen. 

12. 1838. broch. 12 Gr. 

Bai ^irilM. Bftmer in Brtart iat aiaebienant 
Flaaber, L. , dia Wabmntb, fikr eine Sinertimma mit Pianofor- 

tebagleitnnr. Öd. 8. % Gr. 
Müller, J., Trio und Fuge f&r Orgel. Op. 86. 6 CSr. 
Sebeibner, G. , gründe Sonate ponr le Piano. Oe. 8. 18 Gr. 



Leipzig y bei Breitkopf und Härtet. Hedigirt von Dr. G. ßV. Fink unter seiner yerantwortUchkeit 



SeJ/fY^e JV92. Utr\fll4^r*rt: JfH'fikalf^fdienyZeitiutffiS39. 



Far-.siniile aus detii Sl»«Hit'-Miinii8cripl 



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(A? 38.) „Male Simmr " 



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(N? 40.)„Doun in yon bank«-. " 

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9. 




^W 48.) „i Willnol j,iM? (0 iny bed tili i suld d\^» 



(N? 67.) Prinre Henrei's Mask« 




(N?69.) Ladie Elizab<^s Maske 



r * r ^■• 



II. 




CS985.) IVurnpeteraCurrand. 



la. 




r;:rr i r ^f i j r iirifif^r i 



f i Tf f f 



| l tJ Xj l ^ I 



r T 



f r i f rrijrrij Ou i j nri i 




57 



ALLGEMEINE 



5Ö 



MUSIKALISCHE ZEITÜIVG. 



Den 16''" Januar. 



M 3. 



1859^ 



Gazzetta musicale. Napoliy 13. Settembre 

1838. Jnno i. No. i. 

Ocbon manchraal beabsichtigle man in Italien, eine ma- 
sikalische Zeilschrifl herauszugeben, erst vor Kurzem 
war wieder davon die Rede, eine solche nach Art un- 
serer musikalischen Zeilung einzurichten: die Hinder- 
nisse besiegten aber stets den guten Willen. Jetzt liegt 
nns die erste Nammer des in's Leben getretenen Unter- 
nehmens vor Augen, von welchem wir vor der Hand 
hauptsächlich die Einleitung unsem Lesern mitlheilen 
▼ollen, das Uebrige andeutend bis auf Weiteres. Die 
Introduzione lässt sich so vernehmen: ,, Wer den italie- 
nischen Gesang nicht gehört but, kann keine Idee von 
Mosik haben. Die Stimmen Italiens besitzen jene Gra- 
zie nnd Weichheit, welche* an den Wohlgernch der Bin* 
men und an die Reinheit des Himmels erinnern ; die 
Katar hat die Musik für dieses Klima bestimmt nnd di^ 
eine ist jgleichsara der Wiederschein der andern;*' So 
sehrieb FVau v. jStacfl, vom lebhaftesten Enthusiasmus 
bewegt. ^Bei solchen Zeugnissen (?) fühlt Italien seinen 
Rnhm» welchen ganz Buropa im Uebermaasse ihm zollt, 
nur zn sehr; und doch hatte Italien, so reich an Genren, 
die wie Strahlen der Sonne über die sanze Welt den 
Zauber ihrer Gesänge verbreiteten, Itahen, wo es nach 
Koussean*» Aussprache die Natur ist, welche Melodieen 
ernhaaebf, wo schon die Sprache Liebenswürdigkeit des 
Gesanges tont, Italien, welches alle Nazionen durch die 
Wunder seiner Harmonie beherrscht; — noch kein Jour- 
nal, das die Geschichte, Fortschritte, Theorie, Philoso- 
phie, Erzeugnisse, Vorzüge, Neuigkeiten und alle Zweige 
der Tonkunst zu behandeln unternommen hätte. Man- 
cher wird sich allerdings lieber an ded bezaubernden 
und verführenden Melodieen ergötzen nnd sich, wie EU- 
ner, der vom Wohlgeruche der Blumen kostet, ohne über 
ihre Schönheit nachzudenken, kaum einfallen lasseli, sich 
om Vor20gltehet^S'1sa bekfimmefn, wie es g(Sht, wend 
der Verstand dem Siäneni^eize den Platz hissen mus^: 
Unterdessen erfaetscht die Mn^ik tfn^er^ Jähthnnderts 
Grosses ; scfine Philosophie (man weiss, was das In Ita- 
lien heisst) hat die Machte alle frühere Epochen zu b1>er- 
bieteo; nnd so übernehmen wir'b^,'tim eine Notiz zci 
ffeben, wie y\t\ umfassend die 'Hui^^t ttnd* innsikaKsche 
Wissenschaft ist, wes^Atb jebE|; dl^ Rislbe der Artikel 
folgt, die nach und nach .bearbeiliit' werden sölleb,' ' ' ' 
1. Artikel. Chrfmelogüche Geschichte der Förlscbritte 
der Musik aller Zeiten und Völker nach den ghnb« 

41. Jahrgasf, 



«. 



7. 



wordigsten Geschichtsschreibern mit kritiscben Be- 
trachlungen. 

2. Mus^ikalische Philosophie. Original - Arlikcr ü^et 
Naturtrieb der Leidenschaften, über den Geist, dar 
verschiedenen Jahrhunderle, über die Natiir der yon 
Slenschen klassifizirten Zivilisazion. ' 

3. Theorieen der Tonkunst. Analysen der Gramma- 
tik, Rhetorik, Prosodie und Dramatik der Tonkunst» 
mil'Regeln der Kunst und Wissen$'cliafl, auch mitden 
Methoden der besten Schulen Ifalien^ und fiufoDa/s, 

4. Musikalische Institute Eüroptfs. GeschicHteThrer 
Entstehung, Schulen, Meister, Zöglinge und Archive. 

5: Unieersal'Bibliograße der Musik. Öiesie Robnk 
wird alle gelehrten Werke der musikalischen Theo- 
rie mit kritischem (Jeberblick und kurzen Geschichts- 
nolizen über ihre Verfassei* enthaften, je nachdem 
es die Wichtigkeit derselben erfordert. ' 
Btogrqfie berühmter Männer. Von jedem Autor 
wird zugleich eine Lithografie gegeben, aosgeluhrt 
von dem trefBicheu D. Giuseppe. Troni. . 
Geschichte der musikalischen Instrumente. Biej: 
sollen die Erfinder angezeigt werden, die Vierbes* 
sernngen mit Angäbe der einzelnen Theile' der In- 
strumente nach den Regeln der Akustik," un^ die 
neuen Erfindungen. 
8. Methoden der Instrumente'. Auch hierin soft gc^ 
' schichtlich verfahren werden, und jede idetböde soll 
mit^eurtheiluogen nach italienischen Elnsicbten ver^ 
sehen sein. ,''''.' 

Meister der Romposisiion. Laufende Notizen über 
ihre ,Werke u. s. w. nach dem Urtheile IjaUen^« ^ 
Theater in Europa. Geschichte de;rselben und An- 
zeige der Tagesanffuhrungen. 
11. Opern. IbreFortschritteu. derGeistderselbenn.s.w. 
Geschichte der phüharmo^fischen GeseBschqften nnd 
ihr gegenwärtiges Treiben. / 

Laufmde Notisten über Künstlet. 
Erfindungen und murikalhehe Nettigkeiten. 
Fabriken musikalischer InstrumeittS in' Europa. 
16. Musikalienhandel ^ Druckereien. u/^.' 
17., Musikalisches Mancherlei. Theater u. s. w. , 
18. Mtisikat. Atbwn. (Wahrseb'einpch Musikbeilage|[i.j^ 
' Füi^ Stoff ist also gesorgt; es wird .auf dii^BeMn^-'^ 
Inng ankommen. .. Wollen wir efs auch dem' schönen i^ea-^ 
pel nicht veralten , i^enn eä von dich «selbst rühn^t : 
„Hier hat die 'Tonkon^t ihren Lt^blSngs^itz aufgeschla- 
gen, ergötzender, als ifgeadwb; es is(^ daher billig, daaa' 



9. 
10. 



12 

13. 
14. 
15. 



1859. Januar. No. 3. 



10 



auch die erste mnrikalische Zeilaog llaltetis Ihrfen Ftu«]; 
über die Erde von dem alten Parlhenope aus uDlernimmt'': 
so ||la||^4 wir doch nach Ansicht de? gelieferten Pro« 
ben^^i^ Vntemehiii^- an den Seiten j^e^nssprufh eri«« 
Amn -Wer Alles- ^willy will niehto. In dem Pröbchen 
der Geschichte der Musik haben sie uns nicht sehr scharf- 
sinnig, dafür desto weitschweiGger erzählt, dass Adam 
und Eva im Paradiese schon gesungen haben. Sie thS- 
i4^C^I Unrecht, wenn sie uns die Geschichte durch 
die ganze Fabelwelt fuhren wollten, worauf es angelegt 
iW wxk MhaiRi* fiMMT iiad aäliUcber wäre es, sie 
blieben in Italien und bereicherten die abendländische 
Mifsik. fnil tüph^i^p^jUAffr^HchiiQg^ aus dortigen Arcbi- 
ven,' die ihnen genii^ zu berichten geben würden. — 
jDi^.Prpb^ ^r^^^jp^ffa/w(?^ Pl^la^ophie will no«* we- 
'jjey iedeul^'n/ :'Wa9 1^^ Wft||I in 42 kurzen 

.1. j _i.-i — L-^^o Das ^^g^ßie b^ss^r kommen. — 



Zeilen' philo^RbjrQp? . %« < 
Ülc Rubrik /,%fn 4f fe 



, t ^^?J^^^\ rftjisl gut mit S. Carlo 
a NappU «Qi^ ^^^". vji.tf rlanflische Wigliligkeit hat. 

Am lie))(st^ M.'iip^ i^s Bi^d de3 Greises Alexander 
Sc^rtatti. .^es^en Lebeutsti^schreibupff lei^egebeii worden 
ist. Auf .mehr9,/|l2(^plp'i'''k^^ in derselben waren wir 

!;m so gespansteri. je verscbiedeQer $\t Ansichten und 
oi;ar d^e Anpahtt^s unlerrivhteter Geachichtsfreupde bis- 
äer pj^wesea ÄiniJL^ ,Fai\fleo 3^> auch wenker, als uns 
eb war,; mehr B^Iplmilg/ ^eipeir neuen Gesangs- und 
Insifnment^^i.Qn^ajt^ 4ls^e<p gepsiuer^s Cüqgeben in den 
Geg9nstai)4: ^P. ^ii)4 ii'^X doch auch sohop für dieses We- 
llige dankbai^. Bek^nqtliph lyalle picoioi durch seiae An- 
sage d^s. , GeDur(sjahie des beiiji^mten JM^nnes upsicher 
sein^cht, indem eip ^s.l653 sei^zte, während Andere 1650 
geschrieben halte|i.; Ejn^ beglaubigte Feststellung i^rurde 
ni^ geffcb^^. i)9d di}^, f (^^icherheit musste bis ip die 
ie'üejst^'^eit sich erbauten. |^icb.^ minder schwankt man 
id der 'Angabe seifte^ Geburtsortes ; Efnige hielteii ihn 
Kr ^Jincn Sizilianer. Ijier wird 1650 im Neapel gebo- 
ren festgesetzt, wais sich durch fiebere Begräpdung sei- 
nes gleichfalls bisher uj(isiche.rii Todesjahres erhärtet. 
^). ScarUtti starb am 24. Oktober 17SSa W Neapel und 
wurde ip der Karmeliter -I>irche ^p JMoiHe^ai^ta begra- 
hit\ wo man folgende Inschrift liest, die wir ^^ (lewei- 
19^ ipiictA wegUs.«?« dürfep : 

Hei^ iiUi> dl« 
SaVES. AlilB^AIVDER. SCARVii^ClVVIIt 
- T Vli^ Moaeräti^lie- Bciiefleenthi* VitHX^- Ingigiiu 
Mauces* lMi|ft«»»tos^ Mniiv«s ' 

' AnliquiUiH* Gtvriam 

Potteritati* Iiiijtandi* Spem- Ademft * ' 
OptinuitibM' RcgttnAaiiev A»|ivk»e« Cattti 

^x^iMJilU SlQiPW^* Cflyi»- tMitiM* JXolofa 
äC- IUI. Novcmbrig- MDCCXXV- 
^llon- lHodis* Flucti- Ncwia! ' 

Aomr^em iivti pft^h Y^r«j,^bQrt, er habe vnr meiner Aih 
mia^|[ in seiner Valei^stadt die (feiangsclMtW io Bom 
v^rDfssert qod^'n^2vrellA.hfll^,Alv^**s WerM. seinem 
l^^terric^tQ a^um Grup^de gne^t jOA« diei l^egelp des Recht-* 
scl^reibeps daran» .jtptwjcl^l^, |*erQer .wird hii^r aes« 
djiJQklic^ |)|iq^Q|iAe»j,; ^ «?i ,«w tiic^lfge^^i^ar/i^^ 



^ ge^'eseii , welches 'Instrument er des Ausdrucks wegen 
vorgezogen liabe. Erfahrene wissen, das^ 9uch diese 
Bemerkung nicht ohne Grund steht. In den meisten 
I^ebepsbesqhreilninffen dieses berühmten Map nes l^hlt auch 
die Erwähnung seiner Tochter F/^zw/w/iz (z. B: im'Slull- 
garler Ltexikoo)« die eine treffliche Sängerin nnd Kla- 
vierspielerin genannt wird. Solimeua hat sie und ihren 
Vater am Klaviere sitzend semait. -^^ Vqa AI. Sc/i 
Sohn», Damemco, geb. 168S zu Neapel^ der hier gleich- 
falls als tüchtiger narfen- und Klavierspieler gerühmt 
wird, ist nur das Todesjahr su berichtigen; er sUrb 
1757 zu Neapel (nicht in Madrid, wo er früher war, 
und nicht gegen 1760). Giuseppe Scarlatti wird hier 
bestimmt als Sohn des Domenico genannt. So viel zur 
Berichtigung seh wankender Meinungen . Dass die italie- 
nische Zeitung immer t)entel anstatt Häpdel 4ruckt« ist 
eine Kleinigkeit^ 

Der Artikel Instituii mtmcoH h«b( mit 4er Gfh 
schichte der Gründung des RonserTatqripms der Musjk in 
Neapel an, erzählt aber in seiner weiten Ausbolung man^ 
ches Altgläubige von Guido Aretiai^ wes vir längst ga<- 
nauer wissen, und kommt übc^rhaupt nur Jbis suf &ii 
Priesierji der vori f^nd.^u J^qd Almosen sammelt, nm 
eine Siogacbnle in Neepel ^um Besten des^ Kircbeng^«- 
sapges zu errichtea» — In der Probe : »»Storia de Stra«- 
menti'* wird blos das L^ob der Fu^line pi^ die Naüz 
gegeben, sie stamme von der alten Cyra und /»ei schon 
in Griechenland 4 Aegypte«, Arabien» J^i#A q. «i. w. 
gekannt gewesen, r— Die Neuigke^a der Theatervor«- 
stellungen und de^ giipz l^uiraien iMancberlei sind uns nnn 
keine mehr und überhiiiipt niqht von Bedeutung. ~ Vom 
Fortgänge dieser ^eit^og werden: .unf schpn Naebrich«- 
Leu w^ Ilaliei> einUnfen \ wir. sthe^ insber pichts wei«- 
ter, jUä diese erMe Nummer, Per Yer^^^r nnd Ei- 
gentbämer dieser 2<eit«c;iH*i(t iat Herr Alesaandro Älampi<%ri. 

^ l ' H ■ I l » f » 

Die Bj^tmß e( Gasfette nnuüoaU de Paris (bei Moriia 
ß^hesingf r) seizA ihr^ Wirksamkeit im neuen Jahre ver^ 
f lilrkli fort. Die %eiUcbri(lt wird^ nach der Anzeige der 
53;. Nummer des ^. Jlabrgaugiea, vom 3. Januar 1839 
an,|ede Wogbe zwoi Mal erscheinen, ohne dass der 
Pr^iii erhöbt wird. Die Abxranepten erhalten imu E«de 
jed^ Moftal^ ^ipi; I^iefervng an^ dep „Arcbives curieu* 
s^S de In Jjiiifsi^uet'^ Die ^rste Alatinee mnsicale für 
die AbfuneAten.« w^vo« ^ir Cruber schon bericbteteo, 
ist gebaltea wor^eq^ immL pfK^dem derichte der Gazette 

i glänzend ausgef^ille^ tte^v Tjlinwt nn4 seine Begleiicü* 
ührten eio QiMrietlt ßeetkioyep'^ k^iebat, irolikommen i^ns, 
d^auf \»'urde die Adelaide ge^uugcin» i^A» dass man 4ei| 
ungeuanul9nS4eg!sr M^leli^b «irrieAb ^ es war Rubinius s. w^ 
^(nerken müssen wir pjaeb» di^a die erste ma 3» Ja^ 
nuAr erscheine|[ide JHiuni^er. des & Jahrganges mit visr^ 
^jU^erUm Titel anftf^|;,^evne muaiealq, Jonrnal des Ar-t 
Usteft. des Amateors et des, Theatrea^, wobei es heimle 
Die Iteroe evacbeiyi wöchentlich penaefstags. Oh nn« 
die zweite. ve;r«prpchepeNunMpier jeder Weiche de^lri^ 
heren Titel I^bäjk^/wird sich bald zeigc^n, 

Xa Srancn musicaU wird forife^eUI. .: Diei ietaste 
Nwwej: ,4cil ebei) verfioa^^epqn ilahree «eMet^ Vom Ja- 



41 



aS&9, JatttMtf. No. S; 



4t 



1881 an trsöbeml die ZdlidiriR In {#dei^ Wöcbe 
zwei' Mal obae PrciserhöbuDc. Es 0OII iIm Ltfbeii B«eU 
bereis and Aoekdoten aus den Leben PagaDini'i pÄlt^ 
Cerl werden, welcbe snsaamien einen Draekbaad ans* 
BMchen; nrnfaesende Anfeälze über Oreet und Orgaoi^ 
Sien; Stadien .über berühmte französiaone und aasiltidi*- 
flcbe Kooponiiten ; eine^Artikelraht über Geschichte der 
Philosophie der Binsik; Darslellaogen über den Musik- 
unterrichl in Frankreich and Teutschland $ über vorzn*« 
nehmende Verbesserungen der Theater, Konsenratörien 
und der häasliehen Mimik; eine grosse Anzahl Biügra" 
ieen u* s. w. Femer werden 6 Küastlerporlrafts und alle 
Monate ein Mosikstfick von Beriini» Dühier» Gzerny n. a. w. 
ttod eine fiir idas Pianoforie komponirle Siafonie Beei'* 
hovens iasasagt. 

Die Hamawi^er musikaliicke Zntmtg ist nach dem 
enlon /ahre ihrer Thatigkeit leider wieder eingegangen« 



Paganini und Berliöz* 

Die Gazette mosieale vom 25. Dezember berichtet a 
Wir sind so glücklich, eine schöne und edle Handlung 
in unsere Spalten aufzeichnen zu können. Man errälb 
schon ^ dass von Pagahini die Aede ist, dessen ehren- 
werthe und glänzende That die Aufmerksamkeit des gan* 
zen Publikums in vergangener Woche beschäftigt haL 
Naclidem Paganini am vorigen Sonntage (16. Dezbr.) 
die bewundernswürdigen Sinfonieen von ßerUoz gehört 
hatte, schrieb er folgenden Brief ^ begleitet von ^0,000 
Pranken. Hier ist der Brief, den dieser grosse und 
edelmütfaige Künstler an Berlioz schrieb: 

Mein lieber Freund, nach Beethovens Tode war es 
nur Berlioz, welcher ihn wieder in*s Leben rufen konnte; 
und ich 9 der ich Ihre göttlichen Komposizionen , Ihres 
Genius würdig, gekostet habe, halte es für meine P0icbt^ 
Sie zu bitten , als eine Huldie^ung von meiner Seite 
20,000 Fr«, die Dinen durch Herrn Baron von Roth- 
schild nach Vorzeigung des hier Eingeschlossenen wer- 
den an$^62ahlt werden , freundlichst annehmen zii wol- 
len. JHalten Sie mich stets für Ihren ergebensten Freund 
18. Dezhr. 1838. Nicola Paganini» 

Am iO. Dezember machte Herr Jules Janin, nach- 
dem er dieses freudige Ereigniss von jenem Wechsel- 
ünd Rtthmbriefd vernommen, die Freude seines Herzens 
in eineiA zii*t1ichen Schreiben kund, worin es unter An- 
derm hehst : Von jetzt ap muss Pagaaini mehr als je 
gerfihmtyerdiin. 

Die Lithögrafie^ü der Briefe Paganini^s und ^er^ 
Koz folgen in .der Beilage, weshalb wir auch den letzten 
nicht er^t übersetzen, überzeugt, dass unsere geehrten 
Le.^ser ihü !Refic;t^ ' im Originale und! in der Handschri{) 
des Geföiifttetf beachten. 



,.i • >>.' . * ;.«" ' . ' > 



! i . .' I ♦ 



ä^a HkAJU \ V^^^Aa^ Hni^wdttli'idMii dbehliand^ 
l4i«»hä* £; Wille reei» 1 ZUr«>': 1^. (w/üJ i»b 



Noch immer waehsen die lüedmafiih «nd ildiineit 
zu in allen Ländern teutaebe^ Zfillge nM leMadMn G^ 
aangea. Da braocbt Man freilich »höh imni^ taiebr früh« 
liehe Lieder, und daran fbblt es denn ttnt«!^ 4M iPeilU 
sehen nimmer^ Ea ist ei# Gluck, dass Me fliebk MM 
gedruckt werden, es ent^t&tide eine Manü^rii^der^U^beN 
schwemtnungr es ist aber auch ein Un^lü^k, das*, nfiriit 
unmer die rechteb gedruckt- WerdM »nd das* diM^ tiiHlt 
selten am meisten hinter dem Ber^ halfen nhd ^tftat^ 
gut einer oder weniger LiedMaMn t\x bleiben <ri]^lin* 
nig genug »ind. Wenn Andere itie Verdil^iittiehni^ mehr 
lieben, so kommt ea am meisten Elchen LiedeftafeUi zü 
Gute, die weniger kem|K>flireiide als singende Mftgliedef 
^fihleii; FOr die«e gibt ea ge#iftlte mUntere Tedtte» die 
in leichter Oeäangweise ziemlich aAgemdü anspti^dhan. 
Ein solches Lied Tat No. 1, dei^ „tchwHbi^the WatH 
dersmann," def zur Erheitismng dient ttttd setMt kebe 
weiteren Ansprüche macht. No. 2. ,^Stolz tind'fNih,'' 
klingt friaeh ohne Sehw^rTättigkeit nnd pi^M daa Vatet«> 
fand» was iMoief anspricht. No.S. „Seb^dfcei% Rla^,«<^ 
IKsst zn vier Brummstimmeti tiineri Sotoil^ettor ttielediraeh 
waltäto. Auek diese Art Lieder Bilden Meh 4mme^ Ihre 
Liebhaher. Nu. 4. „Das LieUrngspttl^che^/« fiki hab^ 
sehes, sanflfrohes Lied der Liebe, da> XMteietF att t^ift^ 
sie« in der Btimmeefnhrung gehalten Ist. mrSr ^^Uei« 
Wunsch/^ Die erste und ieizt« Ströf« bM ^tfett Mdit 
satoften und einginglichen Gesang ^ü^ den Chbf- ertial«* 
4en; die vier Zwiaehetiatreft-n aingl efti S^tetaAlH^ hl 
anderer Melodie, von BrammtfUmiiMtt begleiti»i^'^D«e 
Text ist von dei^ Art, dass er itn Bäldgisai^ lagttai- 
atigt, ja rerderli Zugleich dient ditj Dichtnef^ ^in B«!- 
weis, wie seltsam die Wtfbsohe derer sibA, iKi« a^f tedbt 
ansgezeiebiiele Weise aagen wollen, l^iä Mht aie M 
Liebchen lieben und wie gltteklich sie dfe «Irsehiite' Ge- 
fährtin ihres Lebens machen möehieii. Di^' Mtiaik tu 
nicht Mos gerälHg, sondern das Ganze hebend. Man ef»* 
hält eine deutlich gedruckte Pat:titttr %tA lehr Idabift 
BtimmenabdrScke iik buntem Umsehbgei 



Mainzer Liedertafel und Damen' 

Gesangverein* 

Sechs Gesänge fUr den Männerchor mit und olme J9e- 
. gleitung des Pianoforie^ komponirt von Fran» Mes-^ 
sier% Direkiol* beider Verein«. .Münz und Aoiwerpen, 
. bei B. Schoti'a Sdhi^. Preis 1 f Lvi4 JSr. . / ' 
. ' Aneb hier h% 4m Antlegestimmen' e(be Parliliir heil- 
•gegeben« wie'as immer gesdhehen sollte« «^Der erste Ge- 
sang iBlKärtim^ bekanntes Gebet: ,^H<Hr' luw^ Alimltcdtf- 
tigeirl'^S itt Desdur ||tti barnoirisirtviirielfiiehiavaddlift 
und ^PTf^ksam, frefastt im Ganzen^ 'No/ltd^. Ilas Rauben- 
^dohe«>on Heine f nieh« wSenigfertdumib'iitondighMi|fS 
-KeaDfoliaionen bekannt. ! Diteeftiane HdrinonisimiDf tto" 
w'disti^ da'as 4w MMnnernLiedenattlr.nni'leMi» fiiHft«^, 
die» ains^Ltebe ' ZOT' ^-onkuMe'Uild ^ibu^dhüha VoMlelHfr 
ntoe|»i9di«>kt4iefit Atfgabeb/«! IttstirgafHngaaiad^ Ohr 
Saiz^idt <eigaJkiii WJr<'iiiiiMetf'>diMed^><kdidt(ai (eibbift 
4aMdli||i*Mliiädf8asM^e aiiiti^ahlt4iilKniiu<9rai'ai 



«F 



1959. ; Jwmir« Nq. 3. 



44 



L^ter WunMb» itonSlIi^: »»Wana, o. Schicksal, -wann 
iv;u)d. endlich ^^«.,&. w« ist uos für aoserB Geschmack 
efewas ^n kÜQSilicb, and die Slimmeu wüoschten wir an 
yer^cbiedeneo Stellen gt^sonderter. Der 4. Gesang, „Die 
drei Reiche der Nalur/* \v)b Lessing, erhiili Klavierbe- ; 
gleiMiag zam we<^felnd€m Solo- und Chorgesaiige, \vel- . 
cber.i« den Eln^äU«n imiuiorjsch gehalten isU Die Stro* , 
fen sinddurchkompoairt, in ,der Uauplidee gut zu^am- { 
n^engehdlen,. dabei immer verschieden gewendet and mit 
manchen^ .hvmorislischea Einfall am rechten Orte gehe* , 
^Uj sa4a$8.das Ganze. bei geschickter Ausführung Freude i 
mactieB. ^Mf {Jo.. 5. Preghiera von Hoblfeldl: „Ver*- 
lass.u^oh flucht!. 0, du» zu dem ich flehe'^ u. s. w.» • 
4slimipig mit KJavijerbegUilungy'sehr ernst und in eige- 
i)en,.gjQaä<M^ßn, Alodula;iionen. Je mehr eine Komposi- 
j(ioiv.«icii darin herVorthnt, desto sorgrälliger muss die 
^timpienfiihruog im harmonischen .Fortgange beachtet 
werden^ .weil »fkidureh der Gesang nicht nur an Fülle» 
Apnd^n i^uch am Klarheit gewinnU Das uuisooische Ver» 
mischen Ztweicr Stimmen . mitten in einem Komma , wo 
ßisQ kein Einschnitt, in den verschiedenen Stimmen Statt 
findet, billigen w|r nicht, so häufig audi in unsern heu- 
tigen |lapmoAisiripiM|en 4iese Freiheit, sich geltend macht» 
40 dass sie eifern Einzelnen lange nicht mehr an^erech^ 
net .werden darf. ^o. 6. ,»Grabgesang tönt dem Freunde 
fiohwer. .Vpd bang,^* von M. G. Friedrich, ist, wie die 
^rfär^Paten , qhne Instrumentalbegleitung, in derselben 
JE^eibarmamsfhe^ SaUwei^p, die weit mehr auf eigene, 
•pnerwfurlete Uebergäogß Mud seltsame Eintritte Rücksicht 
jMIDinl» als auf das, if^as man bisher in der Regel Rein- 
i^\i A^. Satzies .nanpte', der nicht Wenigen seit Jahren 
Kr antiquivt |;ilt. Ob mit oder ohne Recht ,, ob zum 
•(Bewinne oder zum Nachlheile der harmonischen Kunst, 
Itot sich in i^iner Anzeige nicht verfechten ; wir be- 
K^ichnen also nur damit das Wesentliche und die Stell- 
ung dieser in anderer Hinsicht mit Fleiss und Geschick, 
#elhst mit E^eathümtichkeit gearbeiteiten Gesänge, die 
alle gut eingeübt werden müssen» ^enn sie sicher und 
wurksam vorgetragen werden sollen, wie es sich gebührt. 



NACHBIGHTEn. 



Frmtkßirt a* M. , den 4. Januar 1839. Aoebhier 
wird viel musizirt, gut und seUecht durch einander, wie 
faat überall. ..Opern, Oratmrten, Konzerle, Quartetten, 
Alles hört man hier, und oft besser als gewöhBlich. 
W^ besitzen: gienog musikalische Institnie, die alljähfr 
lieh «der wenigstens allwinterlich das Publikum mit of- 
lentlichen Arodnkzionen erfreuen. Die Oper steht hier 
ttiüärltek ebenen, als 4as Insiitui, das am meisten bringt, 
mMoa. Mich nicht immer, das Besle. Uns fehlt racn- 
.wffirtiff eine Prima Oonna, und unser erster Tenor a)o- 
bcowaky) scheint, die Stimme, verloren zu haben« JDass 
•also nsaere Opar, wenn aucb im Besitz mancher respek- 
laUen KrilAe, deck unter aoleken Umständen nichtswir- 
ken knnn, int sehr Mliirliclu Sie anebt aidi «mreh Giate 



zu heVen, und bedenkt nicht, dass die vielen 6üste den 
gänzlichen Ruin des Instituts heriieifuhren. Denn wo 
keine geregelte Thätigkeit ist, wo kann da ein Fort- 
schreiten» ein Gedeihen statt finden? wenn man die vor- 
handenen Kräfte nicht übt, wie sollen sich diese empor- 
bringen zu schönerer Blüthe? Das Unwesen mit den 
Gästen bringt uns um jeden ergenilichen Genuas, denn 
man hört immer dieselben Opern, immer dasselbe Sexten« 
und. Terzen -Geleier der lieben Italiener. Dem. Lulzer 
singt dieselben Partieen, die Dem. Lowe sang; Mad. 
Pirscfaer dieselben, die Mad. Schodel sang, und Mad. 
Fischer die,, die alle beide sangen« Wie kann ein wirk- 
licher Kunstfreund an solchem Treiben Genüge finden? — 
Gegenwärtig ga&tirt w;iedei* Dem. Liha'obiBi nns und ern- 
tet denselben Beifall wie früher. Ihr verdanken wir 
zwei Neuigkeiten, nämlich: „Die Gesandtin^* von Auber 
und j»Der Liebestrank '^ von Donizetli, die wir wohl 
sonst nicht gehört hätten, woran indess auch durchaus 
nichts verloren wäre. Der Liebestrank ist wohl die 
schlechteste Oper, die in der italienischen Opernfabrik 
zusammengebraut wurde, wenigstens hat Referent noch 
keine gehört, die so aller Ori^inalilät und Selbständig* 
keit entbehrte. Es ist ein Rührbrei, in dem man Alles, 
nur nichts von Donizetli entdeckt. Selbst die Löwe, ver* 
mochte nicht dieser Oper Interesse zu geben, und schon 
bei der ersten Wiederholung war, trotz der gefeierten 
Sängerin, das Haus leer. Eben so ist auch Aubers Ge- 
sandtin das Schlechteste, was Referent von diesem Kom- 
ponisten kennt. Einige wenige Niimoiern ausgenommen, 
ist die Musik von einer Armseligkeit, die wirklich un- 
begreiflich ist bei einem so frischen Geiste wie Aubers, 
Trotz dem ist die Oper hier bei vollem Hause gegeben 
worden, was wohl nur dem Spiele der Löwe und dem 
Suiet (besonders dem letzten Akt) zuzuschreiben ist.-— 
Was nun die Löwe selbst aobetrifil, so ist über ihre 
Leistungen schon so viel geschrieben und gedruckt wor- 
den, dass es wohl eigentlich überflüssig ist, darüber noch 
zu sprechen, indess mag hier eine Meinung jhren Platz 
finden, die vielleicht vou andern etwas abweicht, 

Ihren grossen Erfolg verdankt die Löwe erstens 
dem noch nie, so wie jetzt, fühlbaren Mangel bedeuteh- 
der Sängerinnen, und zweitens ihrem wirklichen Genie. 
Nur der ihr inwohnenden Genialität ist es möglich, die 
oft grossen Mangel ihres Gesanges zu verdecEen, wo- 
hin wir ihren stets fehlerhaften Triller, den sie immer 
zu weit und meistens statt mit der obern mit der untern 
Note schlägt, ihre häufig kollernde Koloratur, ihre mei- 
stens unrichtigen chromatischen Läufe und die grosso 
Ungleichheit ihrer Siimroregister rechnen. Trotz aller 
dieser Mängel aber bringt sie einen TotaleiFekt hervor, 
der glänzend und im hohen Grade interessant ist, woza 
denn, in für sie geeigneten Partieen, ihre liebenswür^ 
dige Persönlichkeit nicht wenig beiträgt. Ihre Geniali- 
tät macht sie kühn und lässt sie manches wagen, was 
man keiner andern verzeiht, von ihr sich aber gefallen 
lässt, ja es sogar noch reizend findet, was es auch in 
der That oft iaa.^ KnmClerinnen, wie z. B. die flassek 
in Manchen, die ab knnstgobildete Sängerin weit über 
der Löwe steht» machen nicht den Effekt anf daa Pnbli- 



45 



183». Jumr. No. 3. 



4» 



ksoi» «nd iittr^ wtfl ibfie« die ZaCbat ron Geniatitil 
fehlt. Indess ist die Löwe Dar da so bedeutend, wo 
sie wie eio gaukelnder Sebmetterling sieh vor uosern 
Apsen bewegeo, wo sie die zaubernde Aamath, die 
wirklich hinreissende Liebenswürdigkeit ihre« persönli- 
chen Wesens eolfalten 3 wo sie den gancen Zauber der 
Weiblichkeit malen kann. Da ist es, wo sie gross ist 
nod wo sie so* leicht nicht tiberlroflbn werden dürrto; 
Ua vermählen sich Spiel und Gesang zn einer Einheit 
nnil Schönheit, die kanm etwas zu wünschen übrig las* 
sea. Wo es hingegen auf eine tiefe geistige Auflassong 
ankommt, wo sie ans sich heraustreten und mehr sein 
sojl als sie selbst, da befriedigt sie gar nicht. So bat 
Referent die Donna Anna und die Desdemona lange nicht 
so oiittelmSssig geben gesehen, wie von der Löwe. Be- 
sonders aber der Anna fehlte aller Schwang und alle 
höhere Poesie. Dem. Löwe hat durch das ewige Singen 
der flachen Italiener, die sieb nalörlich willis; jeder Laune 
einer kokettirenden Säi^erio beugen, alle Ehrfurcht vofr 
dem Komponisten verloren und so den - armen Mozart 
hernmgezaust ^ betrillert, bekadenal nnd beritardan« 
dnt, dass, wenn auch nicht ihm, doeh uns etwas das 
Uören nnd Sehen vergangen ist. Auch als Konzertsän* 
gerio ist Dem. Löwe nicht bedeutend. Referent hat alle 
bedeutenden und grossen Sängerinnen gekört, von der 
Catalani bis zur Grisi und Löwe, aber keine Ofninler« 
essantere Konzertsängerin als die letzte« Sie sang hier 
öfter in Konzerten und bat immer denselben Eindruck 
hinterlassen. Unter Andern sang sie auch die „Ade* 
laide*' von Beethoven, aber mit so viel theatmehem 
Putz und falschen Steinen, dass in dieser Gestalt das 
röhrend schöne Lied kaum wieder zu erkennenwar. — 
Es sieht nun wohl fast aus, als ob wir hätten ab- 
sichtlich tadeln wollen. Und doch* ist dies sicher nicht 
der Fall. Gewiss wenige haben sich so ionig ergötzt 
an den gelungenen Leistungen der Löwe, wozu wir 
„Die Gesandtin,'* „Die Nachtwandlerin,'' die „Adina'' 
im Liebestrank, „die Prinzessin von Navarra'' und noch 
einige andere Partieen rechnen, als Referent. Dass 
wir aber aoeh die Mängel sehen , möge man uns nicht 
veralten , und dass wir sie aussprechen , findet in dem 
abscheulichen Lobhudeln der gewöhnliohcA Tageskriti« 
ken seinen Grund. 

Noch eines Konzerts- rooss ich erwähnen, welches 
die Löwe für eine arme Familie gab. Es war gewiss 
schön von ihr, dass sie die Gunst' des Publikums be- 
nutzte, um einer armen Familie eine bedeutende Summa 
zu verschaffen, denn dass unser Weidenbnsoksaal ge« 
druckt voll war, ist leicht anzunehmen« Ausserdem 
spielte nnser trefflidier Geiger Riefstahl ein neues Con- 
certino seiner Komposizion, Spiel und Komposizion gleich 
interessant, nnd der junge Pianist fialdenecker eise Fan- 
tasie von Thalberff sehr gelungen. Die Ouvertüre zur 
Medea nnd ein Mäonerquartett von Gollmick machten 
Einleitnng und Schioss. 

Die Museums ^KofMerte sind auch diesen Winter 
wieder erötTnet. Sie nehmen unter den Konzerten den 
ersten Platz ein, dehn nnser ganzes Orehester wirkt 
darin aut, und es ist iberdem noeh' der einzige Oh^ wo 



menbier grössere Instrumentalwerke: Sinfenieen, Ouver- 
toren, Klavierkonzerte von Mozart und Beethoven u. A. 
hören kann. Bis jetzt hörten wir in diesem Semesters 
die Cmoll- und Amoll -Sinfonie von Beethoven, eine 
recht gelungene von Aloys Schmitt, die Ouvertüre zur. 
Iphigenia von Gfock und die zu den Hebriden von Men- 
delssohn - Barlholdjr« 

< ^Beschliig« folgt) 



Augsburg. Mit Vergnügen melden wir Ihnen, dass 
sich die Liebe zur Tonkunst, Hand in Hand mit steigen- 
der Geschicklichkeit in derselben, immer mehr unter uns 
hebt. Schon im verflossenen Jahre haben wir Ursache 
gehabt, den Anfang einer glücklichen Epoche zu be- 
zeichnen ; jetzt sind wir in vielfacher Hinsicht so weit 
vorgerückt, dass schon Werke höherer und der ernste- 
sten Art sich einer guten Ausführung und einer liebe- 
vollen Theilnahme der Hörer erfreuen. Das Erste wirkt 
gewöhnlich das Andere; die Erfahrung hat sich unter 
nns bestätigt. Wollen und können wir auch Andern 
tbStiges Eingreifen zur Hervorrufung eines so erwünsch- 
ten Forlschrittes nicht absprechen , so erfordert es doeh 
die Gerechtigkeit, die unermüdliche Thätigkeit nnisers« 
C Jü. DrokiscA hierin obenan zu stellen. Unter der 
Leitung dieses höchst achtbaren und geachteten Mannes, 
dessen frühere geistliche Komposizionen schon grossen 
Eingang sich verdienten, wurde am ersten Weihnächte* 
feierlage zum Besten der Krankenkasse des hiesigen Or- 
chesters sein neuestes grosses Oratorium: ,, Moses auf 
Sinai *' aufgeführt. Die gut dargestellte und in sich vor- 
treffliche Komposizion erwarb sich verdientermaassen den 
lebhaftesten Beifall des zahlreich versammelten Publikums 
in dem Grade, dass fast jede Nummer einer besondern 
Auszeichnung sich erfreute und dass nach jeder Haupt- 
abtheiluDg des Werkes höchst ehrenvoll und dankbar des 
Komponisten gedacht wurde, dem wir nur noch wün- 
schen, dass sein gelungenes Oratorium auch anderwärts 
beachtet nnd zur Aufiuhrung gebracht werden möchte. 
Zugleich machen wir Sie und die Freunde des Kirchen- 
gesanges noch auf 6 neue Gradualen und 6 Offertorien 
aufmerksam, die mit unterbelegt teutschem Texte, damit 
sie auch prolestautischen Kirchen und Singvereinen zu- 
gänglich werden, in der Pallerschen Musikhandlnng er- 
scheinen« 



In Paris sind wieder eine Menge Album für 1839 
erschienen. Man nennt es eine wahre Albumomanie, 
versichert jedoch nach kunslärztlichen Zeugnissen, die 
Krankheit werde keine weitem Folgen haben. Man er- 
hielt ein Album von Clanisson, 12 Romanzen bringend; 
Album Beethoven, mit oen schottischen Liedern dessel- 
ben, d, h. den von ihm mit Begleitung versehenen, nicht 
der Melodie nach von ibm komnonirten; XII Ballades» 
Barcaroles etc. von Franz Scbunert, welcher sehr ge- 
feiert wird$ Album von Liszt, was 12 Melodieen Schu- 
berts liefert, von Liszt auf das Pianoforte ubertnigen • 
(wu wir schon kennen) 1 Album dramnti^n« von C<fB- 



47 



1859. Ja 



No. 5i 



48 



coiie mit frassSstseheo GetMOgtu; Albosi des PeDrions« 
■rit dreistifliaiigen GetäDgen über moralische uid reli- 
giöse Gedichte, Toa 6. Kasioer; eins von Paasero« mit 
12 franc(>6ischeB Roraaozea und Liedern; eine von Ca« 
ralii mit 8 Gesängen und Romanaen> ein «^ und jcweialim- 
mig mit Klavier- oder Guitarrenbegleiinng; ein anderes 
von Donizelli, genannt Soir£*es deParis^ mit Gesängen ; 
• von Labarre, genannt le Bijott mnsical, mil frisch fran- 
zösischen Liedern ; eins von Henri Herz unter dem Ti- 
tel: Amüsements poor le Piano; Album des Pianistes» 
mit bisher ungedrnckteo Stucken von Thaiberg, Chopin, 
Döhler,<Osbome, Liszt u. A. Mereaox, worunter Tnal* 
bergs Sdierzo besonders gerühmt wird u. s. w. 

Des Herrn Grafen von ffohenthaUStädteln 

Sehreiben an die Redak%iony weitere Unter* 

nehmungen desselben und Antwort 

von C. fF. Fink. 
In der letzten Hälfte des Novembers erhielt ich vom 
Herrn Grafen v. H. eine Zuschrift ohne Datum, die ich 
bei unserer nächsten Zusammenkunft im Konzerte sobald 
es moiglich sei, abdrucken zu lassen versprach. Hier 
ist sie und zwar sobald als möglich; es gab viel Drin- 
genderes : 

Offenes Sendschreiben an Herrn Dr. Fink. 

* Ich bin Ihnen , wie mancher Ihrer Leser , gewiss 
dankbar verpflichtet für manches Schöne und Neue, wel- 
ches Ihr neuestes Werk über Wesen und Geschichte der 
Oper enthält ; um so unparteiischer werden Sie ein paar 
kleine Rügen auf- und an -nehmen. Ihr Bericht liber 
die Oper in Florenz ist schön, er enthält aber fast nur, 
was Ginguenee (so steht, anstatt Gingiiene) in s. Hi- 
stoire literaire dltatie darüber sagt, und was auf meine 
Veranlassung der verstorbene Kandidat Neumann Tur das 
Literaturblatt des „ Kometen *^ in den letzten Monaten 
1836 übersetzte. 

Sie nennen als Nachtreter Rossini^s Mercadante, 
Donizelli u. s. w. Warum haben Sie nicht in 2 Zeilen 
unsres Landsmannes Morlacchi gedacht, welcher vor und 
neben Rossini fleissig war, weßher die Opern und Ora- 
torien (es folgen die Namen, die Alle aus dem Stuttgar- 
ter Lexikon kennen) schrieb?! 

Hohenthal'Städtetn. 

In der That, mit solchen Zugeständnissen und sol- 
ehen geringfügigen Gegenbemerkungen kann jede.r Ge- 
schichtschreiber sehr zufrieden sein ^ die Sach^ hätte so- 
gar nichts Verfängliches für mich, wenn auch der Herr, 
Graf völlig Recht halte, was er nicht hat. 

Angenommen, Ginguen6, den gewiss nur wenige 
Musiker und Musikfreunde kennen, wäre von mir. benutzt 
worden, es wäre kein Unglück und kein Unrecht^ so- 
bald nur seine franzosischen parstellun^eq^ ridbtjg sind«, 
Igh habe aber des gescbätzlei\ und n^jr beli[a,nuten Maur 
Des 26. Kapitel des 6. Theiles'jener Schri/^,^ 'we^^^ 
^ 1813 bei Michaud in^Paris erschien T) j^^dpum nic^t/be-^ 

• *) Bec erst« jrbül ISll. . . .:• :A imi' -c \ f c< '' 



«Rifet, W!eil flieh Altes, was er giM, in AHelg», Pia* 
nelli Q. A. vorfiodety aas welchen G. ebne weitere Uih 
tersttchung sohdpfle. Ueberhaopt habe ich im meiaedi 
Buche» das auch Liebhabern der Kunst angemeMlen sein 
sollt der Zitate ausländischer Literatur mich mit Fleisa 
überall anthallen» wo es nicht uoaai^nglich nethwendia; 
sebieo; ich wollte mein äbersiohlliäea Geaebkbtabucu 
nicht mit Bticheriitelo verstärken Und vertheuern, die 
für diesen Zweck unnülE waren. Hätte ich litirtt so 
wurden Manche es gelehrten oder nedanlisehen Pomp 
genannt haben» was schon oft gesehenen ist; sitjrt mau 
nicht, so will man es haben» Die Literatur wird von 
mir genau und reich genug angegeben werden , weno 
die Musiker mein Unternehmen begünsiigen und hinläng- 
lich auf eine Sammlung von Notenbeisfielen der vorziig* 
lidistjen Operneetzer aus allen Zeiten und Völkern bin 
auf Mozart» von wo an die Werke bekannt sind» die 
Bugleich mit ästhetischen und geschichtlichen Bemeilnn* 
gen versehen werden sollen» subfikribiren. -^ Dagegea 
habe ich auf wichtige teatsche und in'a Teutsehe über«* 
seUtle Sohriften lUiekaicht genominen» auf jene ver-* 
teatschte Abhandlung, nicht, aus dem einleuchtenden 
Grunde» weil ich die Uebersetzung nicht kannte. Sie 
iflt in de» drei letzten Nvmmem des Kometen 1836 ge- 
druckt worden» also im Dezember» zu einer Zeit» wo 
ieh namentlich mit der Arbeit des Regislers für die mu« 
sikalisehe Zeitung, di^ ich mm Besten unserer geehrten 
Abonnenten seit 1831 selbst übernommen habe, so be- 
schäftigt bin, dass ich nur das Nothwendiffe und niebta 
für ünlerhalting berüßksi(ditigen kann. Jelnt liegt die 
Vertentscbung und die Originalsohrift, die erste erbeten 
von dem Uerra Grafen» noch vor mir^ um sie zu wür- 
digen. 

Sonderbari Mit keinem Worte ist bemerkt wer* 
den, dass es eine Uebersetzung ist| es hebt „Abband- 
hing.*' Also anch nicht zitirt! Der .Herr Graf billigt 
also dort, was er an mir tadelt? — Meine Arbeit und 
diese Uebersetzung stimmen nud den Worten nach nichi 
im Geringsten überein, was Jeder finden muss, der Beide 
vergleichen wilh So werden sie wohl den Sachen nach 
übereinstimmen ! Wir wollen sehen« Herr G. berieh^ 
tet Manches, was ich als nicht nothwendig wegliess» 
Anderes nicht, was ich anführe. Vorsügiiob aind die 
Urtheile über die Uauplperaonen jener Zeit meist ganz 
versehieden. Das ist es ja aber» was einen Gesctucbt«, 
Schreiber von den andern unterscheidet^ man wird doch 
nicht ferkngen, dass ich Personen von fiiuQuss nicht 
auch nerinen soll. Weil sie ein Anderer oder ein Dutzend 
vorher schon genannt haben? — ^ Hätte ich piich. Unbe- 
kannt mit andern Schriftstellern vor Ginguene». der in 
der Uebersetzung nicht einmal genannt wurde» nach die^ 
ser vom Herrn Grafen yeranlasslen » > nicht gderligten 
Abhandlung (^erichlet: ao hätte ioh die terdvuckten Ca4 
solla «nd daniifci libr haaondece Persenea hallen suid Ueber- 
treibungen gläubig nachsprechen müssen -^ ; wo sUbl.bei 
mirr «^,ff<«rciiz trar stets (?) der MiUelpmikt« yßt wo 
ans alle Künste <(?)iihaen>*Anlanr nahmen?*^ wie ein 
isBnBheBd*«ndT>inaine .DanrteUnngen. übei^i Vine.i Galüeiy 
dar (ni^bn^vllebeasetottng^.dni ihbhaindloASilieiital^ .ein 



49 



1839. 



No. 3. 



m 



gelehrter Mathematiker xhni nicht mn^ergekkrtwrMm- 
szAer genannt wird, was er oichK war; — hatte von. dem 
sanften Klange der damaligen Trombonen , • von einer 
Masik ohne allen Rhythmus, wie sie damals fiberhaapt 
gewesen sein soll, von den lieblichsten Gesängen und 
von einer grossen Zahl melodischer (?) Instrumente jener 
Zeit nachlallen müssen. Wo hane ich denn nberein- 
stiBanend mit iener Abban41apg gesagt, Apollo habe (im 
Kampfe mit dem Drachen) [den fünften Abschnitt mit 
dem Päan oder ^er pytbischen Weise durch einen Tanz 
ausgefällt? Nach vermeintlicher Art des Päan wSre er- 
träglich gewesen. Nirgend habe ich Peri, Caccini und 
gar den Grafcn Bardi, wie es dort heisst, gehharte Itom- 
ponisien genannt, vielmehr ihre Leistungen ganx anders 
geschildert; am aUerweoigsten habe idi, wie die Ueber- 
selzongy den Bardi zum Kapellmeister der apostolischen 
Kammer gemacht, was auch lächerlich wäre. Seit wann 
heisst denn Maitre de la chambre apostolique Ka(iellniei- 
ster? u. s. w. Wie steht es nun mit des Herrn Gra- 
fen „fast<<? Der Herr GraF müsste doch wenigstens 
sorgfältiger lesen, bevor er sich hinsetzt, eine Rü^e zu 
schreiben. Lange vor Gingnen6 sind die richtigen Haopt- 
thatsaehen sehon von Andern eesagt worden, nament- 
lich von Arteaga. den Forkel iSersezte und den ich öfter 
anführte , auch ihii nicht immer gläubig wiederholend. 
6iD^aen6 ist also in dieser Sache nichts weniger als eine 
Quelle, und wäre er es, ao hätte ich wenigstens die 
vom Herrn Grafen veranlasste Ueb^rselzuiig nicht nö- 
thig gehabt, wie ieb sie nun zum Widerlegen nölbig 
habe. Anf alle Fälle Ist es besser, wenn sieh der Mensen 
nicht in zu Vieles mischt. , 

Eben so ist es mit des Herrn' GrafeD Frage ; Wamm 
lefa Herrn Morlacchi nicht genannt habe? leb ehre Herrn 
Kapellmeister JM. nach Verdienst nnd würde dem thäji- 
pen Manne eine wichtige Stelle dann einräumen, wenn 
ich von der Wech9el Wirkung Italiens nnd Teutschlands 
ausfuhriieh sprechen wollle. Seine ThVtigkeit müsste 
dann bedeutend hervorgehoben werden. Was sollen aber 
dem MaDBe ein paar J^tml So eitel ist er nicht; er 
verdient mehr^ wa$ aber meinem Plane ganz unmöglich 
war. Sollte |^h ibi^^ unter den Teulachen oder den Ita- 
lienern nennen ? Beides wer bedenklich und Beides nur 
halb. — Was wurde der. Herr Grnf sagen , wenn er 
ein Gastmahl mit (S Sebiiastln nnd einem guten Nach- 
tisch gegeben hXttie, und Einer sehier Gäste wollte ihn 
zur Rede stellen 9, warum er nicht ^ Schüsseln gegeben 
habe? Was wurije er ioiV thu^? «r« Es ist mir ja gar 
iii4* W:49i.Siw gekopisw»» ckie Geschichte der Oper 
aoeh der gegenwärtigen Zeit zu sebreiben ! Ansdrück- 
lich habe ich miehcbgegen i^cvwahrl ndddie noeb Le- 
benden als der Gi^schicbte noeb nicht verfi»llen angese- 
hen (S* 3()6)- Äerr Herr Graf hat wieder nicht beach- 
tet, was ich dort nnd S. 7S^ heatimaat nnd deutlich ge- 
nug avsi^äeb: „Mit Fronden wurden wir gleich Uor 
die Vorzijglifibsfen ü. s. w. aitsehliessen, "^enn hur die 
vorsichljgate Gerechtigkt^it eine GrisnzKnle zo zieh<;n itn 
Stupdewäre« Jiei^imM der ^n^rwälu^i, GeÜMenw uh- 
perdieni beeiniräehtigte^^ n. s. f. Un4 dennoch fallt es 
dem Herrn Grafen.» als einem AnbdUiker"d[er lüallener^ 



eh, mioii wegen Ueb^rgehung seines Freundes öffent- 
lich zur Rede zu stellen? iJazu hat weder der Herr 
Graf, noch irgend Jemand ein Recht! 

Endlich erlaubt sich der Herr Graf noch ans Un>- 
geduld, weil der offene Brief, wegen glücklichen Heber'- 
Busses ao nölhfgern Gegenständen, ihm nicht schnell ge- 
nug abgedruckt werden konnte (natürlich mit meiner Ge- 
generklärung), mich spitzig vor dem Publikum anzukit- 
fljen, als habe ich seine Einsendung ignoriren wollen! — 
Solche SendscbreibeP sind eben nicht furchtbar, am we- 
nigsten für mich. , Dergleichen hat Niemand nÖlbig zn 
ignoriren. -- Wenn ich aber solcherlei Auseinander- 
selzungen und Häkeleien alle Wege gern vermeide, so 
geschieht es nur darum, weil gewöhnlich darin Mos über 
des Kaisers Bart gestritten wird, ohne Vortheil für die 
Kunst, «r^ Die Ankündigungen des Herrn Grafen in 
der alleemeinen politischen Zeitung sind nach dessen ei- 
gener Erklärung nichts als Scherz, folglich nicht weiter 
zu berühren, und somit die ganze Angelegenheit, in 
wekhe ich (Überhaupt nun gezwungen einging , für im- 
mtx beseitigt. Es wäre zum Besten unserer Literatur, 
wenn dergleichen gar nicht vorfiele. 

C. W. Fink, 



Leipzig. In unserm dreizehnten jibonnement-Ken^ 
Merie am fU. d. machte uns wieder eine vortreffliche 
Sinfonie (Ddor) von Vater Haydn grosses Vergnügen, 
woran auch das ganze Publikum Theil nahm. Die Auf- 
fuhrung derselben war trefflich, was um so mehr ge- 
rühmt werden muss, je schwieriger es manchem Orche- 
ster unserer Zeit geworden zu sein scheint, die feinen, 
freandlich humoristischen Tongebilde dieses tiefkindlichen 
Rompouisten echt aufzufassen und ins Lehen zu stellen. 
£iu Concertino für das Fagott von W« Haake (zweitem 
Flötisten unsers Orchesters) wurde von Herrn W. In- 
ten sehr gesebiokt geblasen nnd von der Versammlung 
erwünscht aufgenommen. Die vortreffliche Arie Hän- 
deis a,pa seinem unvergänglichen Samson wurde, wie sie 
der Komponist schrieb, anstatt der Orgel mit Pianoforte- 
begleifunjg, gespielt von unserm mit Händeis Wesen 
vollkommen vertrauten Musikdirektor, Herrn Dr. Men- 
4elsaphn, von JUrs. Shaw nach dem engfändischen Texte 
in edler Einfachheit vorgetragen nnd machte tiefen Bin- 
druek, was wir aueh von desselben Meisters Hymne: 
j,Gross ist der Herr , ein mächtiger Kdnig'* zu rifhmen 
^aheni ßeethoven^s Ouvertüre zu Leonore (No. 2. Cdnr) 
dringt immer mächtig ein, wo sie so wie hier durchge- 
führt wird. Die grosse Arie »us Rossini's Semiramide: 
„Eccomi affine jn Babilonia,** die sich über manche an- 
dere Arte desselben Komponisten erhebt, machte Auf- 
sehen durch den Vortrag der Mrs. Shaw, die noch schö- 
ner als gewöhnlich sang, gann vorzüglich in der ersten 
HKlfle.^ In bester Wirksamkeit griCTaucb zum Beschluiu 
'der feierliche Matsch mit Chor aus den Huinen von 
Athen» kompbnirt von Beethoven» ein wA vollendete 
dnta fiberiias genussreichen Musikabend« 



m 



IB59. JaBttur. No. 3* 



t>2 



Im Verlage von Breltfeopf A Bllrtel in liClpzIgf erschienen so eben: 
1J[ allLhreiiiier^ W.^ La femme du marin. Pensee fugitive pour le Piano. Preis 6 Gr. 
HULelnw^ftcltter^ li«^ Ouvertüre a grand Orehestre. Op. /• Preis 2 Thlr. 

— Iniroduction et Rondo pour Piatw et Violbn. Op. 2. Preis 16 Gr. 

niendelssohii -Bartholdy^ W*j andante cantabile et Presto agUato pour ie Piano. Pr. 20 Gr. 
BSeyerbeer 9 Cr«^ /^rct deutsche Lieder für eine Singstimme mit Pianofortebegleitung'. Preis 16 Gr. 
Scbubert^ V« Ij«^ ^ Contredanses sur des tlihmes de V Opera: Guido et Ginevra de F. Ha- 

levtfy pour le Piano. Preis 8 Gr. 
fjpeyer^ 'li^«^ ^ Gesänge fiir 4 Männerstimmen mit Vignetten von Rethel. No. 1. VersehanxMng 

von Kopisch, No. 2. PValdlust von FVeissmann. No. 3. Kriegslted von Arndt. No. 4. Der Ochs von 

Fein. No. 5. Der Zopf von Chamisso. 27s Werk. PürtUnr und Stimmen. Pt. 2 Thlr. 12 Gr. 
Spolir« Ii«9 1^ Coneerto pour le Violon avec accompagnement de Piano. Preis 1 Thlr. 8 Gr. 
— — Zwei deutsche Lieder mit Pianofortebegleitung. Preis 8 Gr. 
^UTolff. P.« Grande Fantaisie sur un theme de la Sonnamhula de BetUni pour le Piano. Op. 3. 

Preis 1 Thlr. 

Pränumeration ohne Farausbezahlung. 

Im VerUge vo« Marita lire«t|^H«l ii^ Berlin« brdte 
.StraMe No. 20, erscheint nit Geneliiiiiguii(r eines hohen Ministe- 
riums der Geistlichen - Unterrichts- und Medicinai- Angelegenheiten : 

C o mm e r, 

SamnUaBg der hesteu Mosikwerhe des 17. und 18. Jahrhunderts 
für die Orn^el, bestehend in: Präludien, Toecaten, Trios, 
Choral -Vorspielen, Fautasieen, Foghettea und Fajg«« fon S«b. 
Baoh, Bttitohude, Mie. Strnhns« Qobenicker, 
Eberlcii^^ Fres,coba.ldi, UAndel, HAseler, Kell- 
ncr, Mnffat, Joh. Pachelbel, D om. Scarlatti, J. 
, Walter, Jacbau u. s. w.', circa 60 Musikbogen för 
S Rthlr. preoss. Cour.' Die Prinumeratioiraliste liegt ?or und 
werden bis Ende Februar aagenonmen. Das Werk joU eines 
de« dogantcaften meines. Vcriagcs werden. 

Bei Unterveichnetem sind erschienen s 

IHiiicteliitaidlertöiize 

für das Piano/orte 

Ton 
Robert SchuBianii«' 

(Früher nntier Florestan und Eu sc blas* Namen eischienen.] 

Op. 6. Zwei Hefte ä 16 Gr. 



Beachtenswerthe ^anzeige für die Herren 
Komponisten und Musikalienverleger. 

Endesunterzeichnete empfehlen den Herren Komponisten und 
Musikyerlegern hier und ausserhalb bei guter Arbeit die billigsten 
Bedingungen, indem sie yersprechen, wenn Jemand ein fehler- 
freies Manuskript bringt oder franco schickt, den gewöhnlichen 
Musikbogen, welcher im Ladenpreis zu 5 sGr. (4 gGr.) berech- 
net wird, für i sGr. 3 Pf. (I gOr.) su liefern, d. h. bei einer 
Auflage yon mindcfttens 100 Exemplaren, ohne dass etwas, weder 
für Stich noch Platten, oder Druck und Papier, berechnet wird, 
so dass also die Herren Komponisten und Verleger für nichts wei- 
ter zu sorgen haben , als allenfalls f&r die Korrektur (welche wir 
aber for obigen Preis mit besorgen lassen können), und bei Ab- 
lieferung der Arbeit f&r gleich baare Zahlung, indem es uns nur 
durch raschen Umsatz möglich isf, so billige Be«lingu|igen zustellen. 

Untenbenannte bittdn recht zahlreiche und grosse Auftrag«, 
nnler der Adresse i Dem königl. Kammermusikus Herrn Kelz in 
Berlin, Gips -Strasse No. ii , an uns gelangen zu lassen, welche 
wir zu eines Jeden Zufriedenheit auszuführen uns bemühen werden. 

Berlin, im Januar 1850. 
A« Micliaells, Notensteeher. JF« Densler, KupCerdmcker. 

Dem unterzeichneten Comptoir sind nachbezeichnete Violinen 
und Altviolen zum Verkaufe zu den beigesetzten Preisen — > so- 
wohl im Ganzen, als im Einzelnen — übergeben worden f 
i Violine von Antonio Stradirari. 60 Friedrichad*or. 
i dito von Andreas Amati.' 40 Friedrichsd*or. 
i dito Ton Lupot. 5o Friedrichsd*or. 

% dito ¥on Jakobus Stainer, zusammen 56 Priedrichsd'or. 
i dito von Leopold Witholm. 8 Friedrichsd*or. 
8 Altfiolen ron Antonio Amati, zusammen 50 Frd*or. 
i dito Ton Joannes Udalricns Eberle. 6 Friedrd'ot. 
""Die sAmmtlichen Instrumente sind gut gehalten, und belinden 
tick in einem solchen Zustande, dass jeder Künstler die schwer- 
tteo Konzertstücke sogleich darauf spielen kann. 

Sollte sich Jemand bewogen finden, die ganze Partie snm 
Wiederrerkauf an sich zu bringen, so dürfte ein befriedigen- 
der Rabatt bewill gt werden. — Zugleich wird bemerkt, dass nach 
Wunsch eines Kaufers ein Violoncello yon einem Meister, wie die 
Vorgenannfen, in Tausch angenommen werden kau*. 

Hierauf Refleblirende wollen sich gefälligst in poitolreian Brie* 
len adresriren an ' " 

]|»f Alldem* K«mml0«loii0- umd.Imdiuitple- 
Comptolr Im Trier* 



Alle g r o. 

f fü r das Pia a o Corte 

yon 
K«be,rt Sehuiiijpiiiii« 
Op. 8. iVeis 16 Gr. ' 

Koberi Friese In Iiet|isiir« 

■■ t I III* 11 ' I m.m ■■ ■ ■ fc I. *..■■«*>. ' ■■ ■ 1 »■■ , . 

So eben sind mit EigeBAnrntreckt erselnenen i 
.€ k o p i n , S Nocturnes |»our Piano arr. h 4. nw»»«. Op,52. 18 gGf . 
Henselt, Ad, , tt Nocturnes pour Pi«no. Op. 6. 18 gGr. 
Andante et Etüde.' PpcFme cfAinour. Op. 5 arr. ponr Piano 

4 4 nmins par Mockwitz. -Itt g'Gr. 
Reisiiger, L*Espdnin«e fhirtm. . Etnde .expreieire ponr Piano, 

dediee k Ad. HenselL Q». ifl. , 14 gOr. . ' 
Tnnbert, La Campanella. Etüde ponr Piano, Op.4l. I6gGr. 
Tkalberg, .Scherzo pour Piano. Op. 51. 1 Thlr. 6 gGr. 
SdtleBlüiper'sdie Buch- n. Mnsikhnndking in Berlin. 



g^* Hieran Beilage No, i. 



Leipzig^ bei Breitkopf und Uäriel. Hedigirt von Dr. G. ßV. Fink unter seiner FerantwortUchkeü. 







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ALLGEMEINE 



54 



MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den 23**«» Januar. 



M 4. 



1839. 



Johann ISepomuk Schelhle^ 

Direktor des Cäcitien - Vereins in Frankfurt a. Mi 
Worte der Erinnerung voq J. ff^eismann. Gedruekt 
in Frankfurl a. M. (1838; S. 34 in gr. 8. 

Unter diesem Titel ist uns so eben eine wiirdiee und 
sehr anziehende Schilderung des Lebens und Wesens 
dieses edeln und allgelieblen Künstlers zagekommen ; sie 
ist den Mitgliedern des Cävüienvereins gewidmet^ denen 
der Verfasser ein Bild des iheuren Hingeschiedenen zu 
entwerfen wünschte , das den Erinnerungen gern ent- 
sprechen möchte, die Alle in ihrem Herzen treu bewah- 
ren. ,, Nicht blos der Direktor des Vereins» der tiefe 
Renner der Kunst, obgleich das iiir den grössern Kreis 
die eigentliche Bedeutung seines Lebens war, sondern 
auch der Mensch, der einfache, bescheidene, durchaus 
wahre, edeJgesinnte Mensch mit dem tiefen Gemulhe und 
dem treuen Herzen sollte zur Anschauung ko>iimen. Denn 
das Alles im Bunde bildete erst die ungewöhnliche Er- 
scheiiiung4 die uns so mächtig ergriff und deren schnelles 
Entschwinden wir so schmerzlich fühlen/' — Schetble 
ist nicht blos den Mitgliedern des Frankfurter Cäcilien- 
Vereins, er ist allen eclilen Künstlern und Kunstfreunden 
theuer; er ist des Nachruhms werlh. Ein ausführlicher, 
treuer Umriss des Lebens und Wirkens des Entschlafe- 
nen muss Aiiea« lieb und beherzigenswerth sein. Ehre 
dem Küosiler , der zugleich ein • edler Mensch ist. — 
Der brave Verfasser der genannten Gedacht nissschrift 
bat ganz recht, wenn er sagt t j^Dit Menscbenwelt hat 
des Kleinlichen, Halben, nur Inteulirlen so Vieles; warum 
denn uichl toit voller Seele und unumwunden reden, wenn 
einmol etwas Grosses, in sich Geschlossenes, künstle- 
risch VoUeadeles aus der Masse hervorgetreten ist, sei 
es nun ein Werk tkler^eia Mensch selbst.*' 

SqhtUfle war* aln 1&. Mai' 1789 zu Höffingen im 
Schwarzwalde 'geboren, udlet mehrern Kindern ^e^ ein- 
zige Sohn tiixtT ^facbtt;ten, nicht besoiiders musik'afi- 
scnen Familie.' - Der Val^r^ Vorsteher d^s dortigen Kor- 
rekzionshauses, besassjedoeh biitflähgliche^K^nntdiss, um 
dem Sohne den ersten Uniefnchlitn-iiTävierspiele zu 
ertheilen. In den ersten KMbii^njalifr^ tr^t indessen' das 
Talent Itir Musik nicht nesonders^ ht^rvor; der Gesang- 
lehrer Eisele ^etii^stensr Mtad- sich veranlasst; den Kna- 
ben ^ dem es' all Aftlageof'wie aii'Fleiss gebräche,' vhii 
seinem Unterricht auszuscbliesseb'; (Abermals ein De- 
weis, dass man mit dergleichen nicht zu rasch sein liiuiss.) 

41. Jahrgaaf. 



Der Kaplan des Ortes, Schlosser^ nahm sich des Ver- 
stossenen an und ertheille ihm Unlcrricht, welcher bald 
Früchte trug, so dass der Knabe 1800 in den Chor des 
Klosters Marchthal aufgenommen wurde, wo er neben 
freier Kost und Kleidung einen gründlichen Musikunter* 
rieht genoss. Die Aufbebung des Klosters führte ihn 
1803 in seine Familie zurück, und er besuchte nun die 
Schule im nahen. Donaueschingen, wo der kunslliebende 
Hof des Fürsten von Fürslenberg höhere musikalische 
Bildung wesentlich förderte — Hier bildete sich Schetble 
unter dem strengen Musiklehrer fVeisse^ einem Zöglinge 
des anerkannt grossen Gesangtchrers Raff in München^ 
im Gesang und Klavierspiel, wenn auch nur einseilig, 
insofern blos auf Korrekiheit gesehen wurde, doch je- 
denfalls tüchtig aus. In dieser strengen Schule verfloss 
seine erste Jugendzeit, bis sich der 18jähri<2:e Jüngling 
nicht blos in den genannten Zweigen der Kunst, son- 
dern auch in der homposizion solche Kennlniss und Fer- 
tigkeit erworben hatte, dass er nach einem grösseren 
Meistei ausblickte, um tiefere Studien zu machen. 1807 
verliess er das ällerliche Haus und wollte zum Abt Vog^ 
ler naih Darmstadt sich hegeben. In Stuttgart nahm 
ihn aber der Hofsänger Krebs so wohlwollend auf, dass 
er dort blieb und aqf dringendes Anrathen seines Freun- 
des eine Anstellung als Hcifsänger annahm. Hier trat 
nun Sdielble auch schon als Lehrer mit grossem Erfolge 
auf, wis man in unserer- allgem. musrkal. Zeitung 1812 
No. 2( des Weileren nachlesen kann. 1813 begab er 
-sich ndeh Wien und bewies, dass er die Gesetze der 
KonäpOiizion so völlig liine hatte, dass er seine Ideen 
selbst Für ein vollständiges Orchester richtig durchzufüh- 
ren imt sich eben so durch einen raschen Blick in die 
'ParliUr ^irt' richtiges fiihi von einer Komposizion zu ver- 
schaffen wusste; Beweise' einer nicht unbedeutenden Er^ 
fiiidun^sgabe Helarien viele Liedn'r und Arien, mehre la- 
struminlalslücke un^d sogai^eine vollständige Oper. Seine 
nicht gewöhnliche Höhe iii der GesaOgkunkt. führte ihn 
dort aum Theater, wo ibtn daä mangel'nde'Spiel hindernd 
'in Aei *We^ 't.rat,f weshalb denn auch die grossaHFgedfo 
W^ise Seto^s Gesah^^s nicht allgemein anerkannt wurde. 
Mehr^ WüMigung fahd er in Pi-essburg', wo ihm bei neuer 
'Besfefzung'Uer Oper" i^itte Anstietlung wurde. 'Liehe zur 
Kunst trieb ihii |edoch nach äbg)ela offner VerbindKchkeit 
itiedir ^ach Wien zäruck, und der nächste Zeitraum 
eTIH^r' Studien und lebliaflen Verkehrs mit den grossen 
Äleistcrn*,/ die dort vereinigt wareii, mit Beethoven, 
WeigTj Moscheies, Spohr n. A., >nrde für ihn beson- 



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1859. Januar. No. 4. 



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ders bedeutungsvoll. Mozarrs und ^Beetfioveh's Werke 
wurden io ihrem ganzen Reichthume von ihm durchforscht 
tin(| ei^iiini.. Aücti Sllerie tlefslet werke bescbärtij^len 
iha.-^rQsUie^. Geiogenfaeit w Hunstgeiiüssen fnnd ^sich 
Ai(Mi<4l iii jeteer Zeit, wo g<*rade dei^M^ner nongress 
alles Ausgezeichnete in der Käiserstadt zasammenrülirle. 
Das Alles,, und als Gegensatz wohl euch das oft leere, 
niedere Musiktreiben des Tages, das* ihn dort vielTach 
l^erJUiiVeb musste, wirkte zusammen, dass sich in ibm die 
höhere Ansicht von der Kunst allmälig zu voller Klar- 
boii-AAliKifik^Ue« .Die Aifibiuu^für^titt-JUdMitwar wohl 
entschieden : es fragte sich nur, wo er einen Boden für 
seiöe Tbätigkeil finden sollte. Wien» wo er sKJ] ein 
Jahir durch Unterrichl ernährt hatte, eröB'nele ihm keine 
erwünschte Aussicht. 1816 reiste er über Prag nach 
Berlin, wo^r Gastrollen gab, ohi^e augeslellt zu wer- 
den. So kam Schelble nach Frankfurt. Ein Engage- 
pienl für erste Teiiorrollen war die Frucht von wenigen 
Gastspielen. Alle, die ihn auf dem dortigen Theater ge- 
hört und es über sich veri^ocbt. haben > die mangelnde 
jDarslelJung zu vergesse^, sprachen mit hoher fcreude 
von den Genüssen» die ihnen, jiji. den Opern: Zauberflöte, 
7itus, Entführung, Jakob und seine oöhoe, Fau^t u. a, 
durch Schelble^s in i^usikalisclier Hinsich), vollendete Dar- 
stellungen geworden sind. Seine Stimme war nicht ei^ 
gentlicher Tenor, aber durch beharrliche Uebung erwei- 
tert, sio dass sie au$ kräftiger Tiefe bis zum äs^ auch 
wohl üf mächtig und sicher emporstieg; dabei in allen 
Lagen gleichmässig. durchgebildet, rein, abgerundet, voll, 
aber trotz der JPülle und Grösse des Tons der zierlich- 
fiten Gesangesarabesken Tähig^ und dieses herrliche Organ 
ms in die feinsten ScbaUirungjan dem Impulse des Gei- 
stes folgsam. Dazu der Vortrags der das W«rt über 
der Note nicht vergass^ der jedeffi einzelnen Tcne sein 
Recht widerfahren liess, der das Grosse wie das Kleine, 
die Uauptzijge wie das schmückende Beiwe;rk in das er- 
forderlicbe Licht stellte, nnd das, was der Kcmpouis.i 
gedacht hatte, ganz und vollendet wiedergab; ^- es 
«Dachte sich da eine deklamatorische Kunst des Gesan- 
ges geltend, wie man sie nocb nicht gehört hatte. )^ 
feinfacher die Stücke, desto grösser erschien dieselbe. 
Die Worte; „Constanze! Constanze !^^ wirkten aus sei- 
nem Mu^de wie ein elektrischer Funke» der dtrch die 
Versammlung schling. Desgleichen Romanzen,, Lieder 
von Scbnyder u. A., Psalmen von Stadler u. f. .-— Auf 
dieser hohen 'Stur& der Kunst konnte es denn nicht feh- 
len, dass er bald, mit vielen ausgezeichneten Meischen, 
.Stuaikern und Freunden der Kunst, hi nähere Betübrung 
.kam, um so. weniger, da eine männlich edle Periönlich- 
ik!eit in seinem ganzen Wesen ausgeprägt war. Darum 
j^ben es auch Viele| mit ßetrübniss, dass er, durch ein 
Wlaackig vbeMm^tisch gichfisches UeBel bäuGg von Anf- 
^ireteii abgehallen, oder auch .wohl mitten, io der D«r- 
«ftiellung von einer plöUslicheji^ un)>e^ieg|baren Heiserkeit 
.befallen, wurde, die sich wie eij^ 4(isiqrerFlQr ^ber^seine 
Stimme hinzog... Dieses, an^ngs uoricbtig bebasdellje, 
i^rst nach > längerer Zeit^ durch .eiiiep l^efreiundeteii Ati'zt 
gehobene Uebel mochte ihm den Ged^i^kea an ein^o Sing- 
*yerffi|i wox vqUeii fie^pfusstseyia Jbringen. ^regqngen 



dazu kafenen shidh' von aussen. Man wünschte Unter- 
richt von ihm. In angesehenen Familien veranstaltete 
er mit seinen Schülern Aufführungen mehrstimmiger Opern- 
slücke. . So kam es ihm erwünscht, das^ eine damals 
"'bestehende 'Gttsettsehaft, die musikalische Akadfemie, ihm 
1817 die Direktorstelle antrug. (Auch Herr Düringy 
Orcheslermilglied, halte in jener Zeit einen ähnlichen 
Musikverein, der mit beschräiiklen Kräften sehr viel lei- 
cStele«) Freilich hatte Schelble nicht, bedacht, dass die 
Tendenz der Akademie nicht rein musikalisch war, son- 
dera alifemeia auf ein jebrhare* gesettiges VergfMigiea 
ging, dem ausser musikalischen AuflÜhrungen auch Bälle 
dienen sollten. So geschah es, dass er, in seinen Er- 
wartungen gelauscht, in seinen Beslrebungen gehemmt, 
S¥fb nach eiaem Jahre wieder- zurückzog. Um sorusCi* 
ger. giflg er uun an die anderweitige AosführnDg seiner 
Idee, und sp. wurde denn am 24. Juli 1818 ein Musik- 
verein unter seiner Leitung beschlossen, an welchem 
ZMersl ^U V^v^üik^qL Tbeil iKihmeni. Das war die Grundr 
läge Am ßaues, der unier Sckelbies. träutr« iterständiger 
Leitung ioi, Laufe von 18 JahrtibisiOikStiiiUJich emporslei« 
gen ßollie. . Im ersten liDmerle .-am .g8. Oktober 1818 
wurde vor ejjiem kleine» Audillaribm die Zauberflöle a«if- 
^r^hrt» F^r grösft^re Clk^rwecke m-asstca natürlich, die 
lu-äi'te mt ^rstark^n. Dies geschah aber auffallend 
schnell; am %2, November rührten bereits 50 Mitglieder 
eine lia^qtate von Schelble auf; am 30. Januar 1819 
Mozarts Reqviem, am 18. April eine Messe desselben 
JMei$ters von 73 . Mitgliedern in einer Kirche. Ausser 
der letzten ge^cliaben alle Aufiiibrunghn nur mit Klavier- 
b^leituog. Gerade darin aber zeigte Schelble seine hohe 
Befähigung zur Direkzion eines Mwsikvereins. Wohl 
Manche haben eine grössere Virtuosität, ein glänzende- 
res. Spiel: aber ßip gediegeneres, einen reineren, gleicbr 
massigem AuscU^g» ein ausdrucksvolleres Hervorheben 
des e^entbüiolicben Geistes der Kemposizion, fern von 
allein aHekMrteu Markiren, Vje& allcOipikanten Ritardaado 
und Acceleraodo der modernen Virtuosität» ein gelange«' 
neres Hebert ragen 4er innersten Indi'vidualilal eines Tonr 
Werks aus der Partjiur auf das Klavier, so dass in dem 
ßilde nichts fehlte, als was anf diesem InslruneoU nicht 
gegeben werden kaOn, die Färbung, das Werk der lur 
striw^ntazion ' — jnil einem Worte, ein grossjRrtigeree, 
edhvres Spiel haben wir nicht gehört. Nniürlich «wat» 
de» Tonslücken gemäss, die von einem .yet*eine gesun- 
gen werden, das Kräftige vorhenrsehend: nlkih da» w# 
es hingehörte, konnte man doch- eben.: so auch die gra* 
ziöse Behandlung des; Ipjslrunyeptef^, bßwjundejco* Dazu 
nun die rub^ge Klacheit» mit der,. er voi; dcx Parlitor 
sass, die Freiheit mit welcher er das G^n^e beherrschte 
unj alle Stimmen durch und. dur^h hörte, so dass ihm 
kein Versehen», keipjuureji^er Anf;ch|fig. des Einzelnen 
unbemerkt blieb ;..4dqfi aqcIl ifie'Vfdlendupg «.eines eige- 
nen Gcisanges, WA^urch ler.rür.Verständnifs u^d Vor- 
trag uHepdTich menr, M'jrjlistß, t\ls dMrpb Wofie und blos^ 
Vpt*«pielen je jges^hehep Mo' » .r- alU,, diese Vorzüge;, 
die sich in sohäiem iAl(f as^e... l^^firs^ selten, vereint ho- 
diep,.>oll^deten, s/einen BerwE ^lim .Di^^kW. ^ip^^ Sing- 



57 



1639. Januar. ' No. 4: 



58 



Natürlich hob^ üth der Verein; Werke von Hin* 
del, Mozart, CberalHDi, Baoh wardeB aofgefiibrt. 1819 
hatte SohelUe seine Büboenlaufbahn mit Rossini's Tan- 
kred beschlossen» um sich seinem Werke ganz zu wid- 
men. Nur Eins fehlte noch, dass andi dabri seine äussere 
Existenz auf beseheideoe Weise gesichert sei. Da ti*a<- 
ten im Sommer 1821 etwa '30 der wohlhabendsten Mit-> 
glieder znsamaeni wählten einen Ausschuss, setzten den 
jäbrhchen Beitrag fest and sibherten ihm auf 10 Jabfe 
einen Geliah. Jetzt.erhieii» das Institut den Namen Ca- 
dtienvereik. \3k& dii^se Zeit \«rheiratfaele sich ScJiettle 
mit Fr&ul. Molli MülkBr an» Königsberg. Uändet's Werke 
worden Hanptstndiam des Vereins ; sie braeliten frisches 
Leben, kräfligeil..firnst ond Tiefe der Empfindung ohne 
jenen weicben wehmiilhigen Zuwtlz eines sehwücfaerten 
Geschlechts t man staunte über die einfache Grösse, die 
würdig wiedergegeben wurde. Die andern Meister wur- 
den dabei nicht vergessen, auch kleinere Stücke von Seb. 
Bach und die alten I^aJiener i^alestrioa^ Durante, Scftr«- 
latti, Lotti kamen vor : allein HändeFs Werke bezeich- 
neten die erste Periode des Vereins am treffendsten bis 
zum Frühjahre 1828. Ruhig und sicher halte sieb die 
Kunstfertigkeit (entwickelt,- die Anzahl der Mitglieder war 
noch gestiegen. Da glaubte Schelble in Bezug auf die 
Konzerte einen weitem S(4)ritt thun zu müssen ^ voll- 
ständige Orchesterbegieitung soRle nun nicht fehleta. Am 
10. März 1828 wonle Mozsfrt's Davide penitente und' 
das Credo ans Bach "'s Hmoll- Messe mit Orchester ge«-' 
geben. Jetzt hielt Schelble den Verein so Weit'gePS^rdert, 
dass er den grossen tentsehen Meister, der die höchsten 
Ideen der Aienscbbeit in einer* unendlichen. Fülle von - 
wunderbar Tollendeten Kunstgebilden tiefdirisllich .dar- 
gestellt bat, J. Seb. Bafeh^^ zum Hauptgegenstand der 
Vereinssludien machen wollte. Obwohl hinlänglich vor* 
bereitet, fanden doch Viele, und nicht zum Vei^wundern, 
das Einüben jener '^stimmigen Messe "Überaus schwer 
nnd sprachen auch wohl 'den Wunsch znr llückkehr ztt 
leichter verAändtichen Werken- aus. lind do^h istwolil 
kaum Einer gewesen, der nicht bald dem bebarfircheil 
Direktor den wärmsten Dank gewflsst *hätfe für seine 
beharrlichen Bemuhtingen, dem stf^nnenden Ohre ;«üriialig 
eine ungeahnete Weither Schönheit «ind de's'Ti^fsihns 
zu ersohliessen.' Oier Missa * fölgt^e dpifn diePtrssfron nach 
Matthäus. Am 2. Mai 1820 konnte d^ Werk Wffrdrg 
aubefuhrt werde», du- Abend^ der« unvei*g^ssireh bicibr. 
VoUendet Miirde die Aufftihrung durch' Sthelbiü's Vor- 
trag der Rezit'atire des. Christus' und des Eniingeii&t^n.' 
Wiederholungen fehlien nicht. Auch die Gebilde^((>.i|^n 
im Publikum wurdeni^ergrifTern^man ahnete die grossen 
Schätze nnd daitkte dem iUfierm#d4»cKen , der beiden 
Studien. Bacb's die abdern 'grossen Meister älterer und 
neuerer Zeit nicht vefgasBV ^nn'den nethigen Wtcftsbl 
in die Attlliihf^bngen Izu bvinj^.' 

Unter so g^os6arti^al'Ik6frebu|igeii'1ier'dffs '^af^tt- 
lirte Dezennium' nia' debibBsde' deb 'isArr^s 1881 at/. 
Schon im Voraas balten^iiich4ied0iiklldbe^V<ftrffiuth(rVi^fen 
über die 'ZukiinftMlef < VeTci4.9i'acii^eslH*oih«n ^ WirkTich 
limft eine goräUhlioke Krisis nein;:^ i ^ Ati^lii 'Schelble wai^ 
fern idavon^ . aus pekntiittrtnf Aieksichtefa 'das *Werk^ ein- 



gehM zu lassen, nnd ^hrte es atf eigene Kosteiu weiter, 
ohne dass dieser Wechsel auf die innere Enlwickelung 
des Vereins Einfluss hatte. Man vertraute der Zukunft, 
nnd die Aufführungen mit vollem Orchester wurden fort- 
gesetzt, nur dass sich zwischen diese noch eine Zahl 
kleinerer Konzerte mit Klavierbegleitung reihete. ' 

' Ausserdem ertheille Sch^lbte anch noch in denlelz*, 
ten Jahred wenigstens einzelnen Bevorzugten Privatun- 
terricht in Gtfsang und Spiel, versammelte wöchentlich' 
eirien^ aus6:rwählten Kreis von Vereinsmiigliedern \i\ sei- 
nem HÄuse, mit deneri er ältere und neuere noch unbe- 
kannte Kompositionen darchlas, die zttni Theit nachher 
im Vereine stndirt wurden; gin^ auch noch frn't einem 
andern grossen Plane um, närnhch einen Insirumenlal- 
Vcrein aus Liebhabern zu gründen, der dem Gesangin- 
stilut ergänichd zor Seite stehen und diesem eine grössere 
ünabbäffgfgkeif vom Orchesterpersonäle verschaffen sollte, 
das wegen Amlslhä%kcit den 'Wünschen Schelble's nicht 
immer entsprechen konnte. Vor Allem aber ist hier sein 
Verdienst um die heranwachsende Generazion, isein Ge- 
sangunteWcht für die Kinder itl Erinnerung zu bringen! 
Denn seine' Methode, deren Prinzipien zwar nicht ür- 
sprünglieh Vi^n ihm ausgingen,' die er jedoch in eigehr 
thümlieher Gestaltung zur Anwendung bracht:e, erleich- 
tert auf wunderbare Weise die Bildung eines wohlge- 
ublen, jeder schwierigsten OorchfühVling fähigen Chores. 
Nicht nur die PähigkeÄ^ sch^neHgfe Tonsälze, richtig zu 
lesen, sondern auch jede 'flj^rmonieenfojge so gutwie 
die einfache^ Melodie • klar ''zu' hören und in sich äufzu; 
nehmen, wird durch diese Methode Allen zugändich, de- 
nen der Sinn für Töne nfcht ganz versagt Ist, deren viel 
wenigere sind,, als man glaljbl; nur muss der Anfang 
in den' ersten Lebensjahren und streng methodisch ge- 
macht werden, vorzfigfidh nicht eher fortschrfcitend, bis 
die ertten Töne (1. 2. 3) bestimmt dem Gehöre einge- 

E'ägt sind. Dem Melodischen folgte irh gemessenen 
ange'das harmonische. War es ilira nicht' vergönn t^ 
selbst an diesem Werke noch lange thäl1«^;^u seirf, so 
bat -er doch den i^ichern Grund dazu , geJegi: , Schüler 
und Schülerinnen arbeiten in seinem Geiste fort, und diö 
Zweckmässigkeit seiner Methode findet schon allgemeihi 
Anerhenn<ijng. ' - . ' •. 

So war Schelble nach \*^rschiedenen* Seiten hiii thä- 
trg, '*er immer nur für >///e« hohen Z weil 'tieferer 
Würdigortg und vonendetet^er.D.Vr^tellung der edejn Werke 
dter ;'fönkunst,* wobei ihth das Niedere Wie das Hohe 
glei* bedeutungsvoll erschien.' Alles Fremdartige dage- 
'^en'ili^ies •^V*von sirfh ab, difenn es Var ihm klär gewor- 
*cfen, dass der Mcnsdh sfch he'schtHnlien und 'seihe Kraft 
korizeofririen htüsse, um^'ln'irgend eirter Region menscli- 
Kcheri Wissens iihd Korfnens. elwas Tüchtiges zu leisten. 
Das üebrige- berührte ihn nur Insoweit, alä überhaupt 
I»ll6 menschlichfcV ßcTstVebungcn und auslände für jedeii 
'Öfelllteeten .Interesse haben. , Alle' Hälliheit. war ihmi 
ÄöWftef, "vi'fc'jede (fnnkfelhäfffe ü^bärschatxunjg! Sein 
Wöft' war .stets Htfr Üer Abdruck seiner Gesinnung.' 
Dabei Ijebf^vdf'theildeltmeiid; uneigennützig und ansprucn-l 
los. <^^Dies^ri'edeln,'frelmüthi^en, männlich ernsten, aber 
Aiteh.liebevollett SInQ t^kennen Wir mit Recht als den 



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i|ß.9„ Jiuniar.'. N& 4; 



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rigei)tbi^UclM|n..NeT7 Aer ^obeQ Gewalt, die er ub«r.4ie 
Geraulher übte und ohne die er bei aller sansiigen Be- 
fähigung seine grosse Aufj^abe niemals durchgeführt ha- 
ben würde. Ein solcher Sinn gibt dem Talent erst die 
Weihe. Dabei war Schelble's Ansicht voi» der Ton- 
kunst keine einseilige. Sie erschien ihm, wie jedem 
wahrhaft Gebildeten 3 als eine hohe, freundlich erosle 
Göttin, die nicht blos das Leoen schmückt und erheitert, 
sondern auch den tiefsten Regungen der Menschenbrust 
eine himmlische Sprache verleiht. Die leichten » zierli- 
chen Rhythmen der Freude waren ihm so lieb, wie die 
ernsten Akkorde, die da» Götlliche aussprechen. Nur 
das Leere, Gekünslelle, Unnalürliche, Gemeine fand in 
ihm einen strengen Richter, und jene unselige Richtung 
der modernen JMusik, wo durch pikante Kontraste der 
Mangel an Ideen verdeckt, durch möglichst tiefe Schlag- 
schatten neben eben so. grellen Lichtern, aller Natur- 
wahrheit zum Trotz, einer geistlosen Zeichnung Inter- 
esse errungen und mit frivolem Getändel alles Hohe und 
Niedere, Edle und Unedle zu einer ergötzlichen Kost für 
einen verkehrten Geschmack bereitet werden soll, — sie 
war ihm in tiefster Seele verhasst. Dass er sich nun 
im Verlaufe seiner künstlerischen Bildung immer mehr der 
tieferen, ernsten Galtung der Musik zuwandte, kann kei- 
nen Gebildeten befremden; am wenigslen kann es auf- 
fallen, dass er seinem Vereine diese nichtung gab, denn 
einem grossen Vereine entsprechen nur gross^rtlge Schöpf- 
ungen der Kunst. Und was Ihut es am Ende, wenn 
über dem Erstreben des höchsten Gipfels auch wirklieb 
niedere Höhen, als schon erstiegen, Andeni überlassen 
worden wären? — Von seinen eigenen zahlreichen Kom- 
posizionen Hess der bescheidene Mann früherbin äusserst 
selten, in den letzten Jahren nie etwas singen, so dass 
man davon nichts kennen lernte; das sicherte ihm aber 
auch das Recht, bei fremden Werken nicht allzu nach- 
sichtig zu sein. Uebrigens zähle man einmal die Reihe 
klassischer Komposizionen auf, die von Schelble nicht 
berücksichtigt worden wären! Wohl aber erwarb sich 
der Verein durch jener beharrliches Studium eine noch 
grössere Fähigkeit, andere Werke leicht und sicher durch* 
zuführen, nnd. zugleich einen sichern Maassstab zu ihrer 
Würdigung. Das wollte Schelble, das hat er erreicht. — 
Als. ihn Körperschwäche und Krankheit befiel, waren die 
Meisten bange und Andere hofften, als er sich nach dem 
Schwarzwalde begab, um sich in freierer Natur, seiner 
zweiten Freundin, zu stärken. Provisorisch hatte un- 
terdessen zuerst einer der ausgezeichnetsten Schüler des 
Erkrankten, Herr Fogt^ dann ein anerkannt grosser 
Künstler, FeL Mendebsokn^ auf kürzere Zeit des Mei- 
sters Stelle vertreten; während des nächsten Winters 
und bis in die Mitte jenes Jahres nahm sich eiii anderer 
junger Musiker von wohlbe^ründetem Rufe, Ferd, Hü- 
ter^ mit dankenswerthem Eifer des Vereines au. Man 
überbrachte von dem Befinden des Entfernten täuschende 
Hoffnungen, denen die finstere Nacht auf dem Fusse 
folgte. Selbst für seine Angehörigen unvermulhet schnell 
sehloss Schelble am 7. Augost 1837 für immer sein Auge. 
Der Verein war verwaist und jetzt erst gestand, sich 
Jeder unumwunden» was wir tu dem HiogeschiedeoeQ 



verldrea hatten. — «Der Irao^rttdfc^ Verfein*, der es gar 
tief fühlte, man .könne dem llingesehiedenej] kein wüih 
digeresTodlenopfcr bringen, als .wenn man sich bestreblei^ 
seine liebste Schöpfung zu erhallen und in seinem Geiste 
fortzuführen, hatte Ferd. Rifis gewooiren : und kaum eia 
halbes Jahr nach Sclielble's Tode starb auch dieser. — 
Ein neues Provisorium des Vereins ist unumgänglich ge* 
worden. Etwas davon in den Frankfurter Nachrichten 
dieses Blattes. — Wir haben meist nach den Worten 
des wackern Schriftstellers erzählt, da die. Gedächtnisse 
Schrift wohl schwerlich in den' Buchhandel o^ekommen isl 
noch kommen wird; hoffen auch, nichts Wichliges, na- 
menllich in Bezug auf Schelble ^ übergangen zu haben» 
der des Nachruhms als* Künstler und als Mensch hoich« 
würdig ist. Immer noch betrauern ihn Viele. 

G. fr. Fink. 



Die deutschen Volkslieder mit ih^ 

ren Singweisen^ 

gesammelt und herausgegeben von Ludu>. Erk und fFith, 
Irmer. 2s Heft. Berlin, 1838, Plahu'sche Buch- 
handlung (Louis Nitze). Preis 8 gGr. 
Das erste Heft dieser erwünschten Sammlung haben 
wir sorgrälljg besprochen, das gegenseitig nicht beein-* 
trächtigende Verhällniss zur Volksliedersammlung von A. 
Kretschmer angegeben, einige im Volke gewöhnliche Va- 
rianten angezeigt und den Wunsch ausgesprochen, es 
möge bei den einzelnen Liedern möglichst genau die Ge- 
gend bemerkt werden, wo diese Weisen und Texte so, 
wie sie hier stehen, gesungen werden. Wir freuen uns, 
dass dieser Wunsch schon in diesem zweiten Hefte zum 
Besten des Ganzen erfüllt worden ist, da dies die schön 
gedruckte und im Allgemeinen treu besorgte Sammlang 
noch belehrender und anziehender macht. Es gibt hier 
wieder manches Merkwürdige zu dem Erfreulichen. Zu 
dem ersten Liede „Heidenröslein,^' das nicht nach Gcie- 
the's verbessertem Texte, wohl aber nach Reichardt's 
Melodie geliefert wurde, bemerken wir noch, dass in 
mehren alten Volksliedern das „Kösleih auf der Heiden*' 
beliebt war. Wir besitzen ein Tabulaturbuch, das kurz 
nach Luthers Zeit geschrieben wurde, in welchem unter 
Andern auch Anfange damals gebräuchlicher Icutscher 
Volkslieder mit ihren Melodieen stehen. Eins derselben 
rängt ant ««Will uns das Mägdlein nimmer han, Roht 
Röslein auf der Heyden.** Bei Gelegenheit soll mehr 
daraus mitgetheilt werden. — Das allbeiiebte Lied: 
;, Freut euch des Lebens** wird hier von Hans G^org 
Nägeli komponirt und von Martin Usteri gedichtet an« 
gezeigt. Der Dichter wurde zu Zürich 176ä^geboren 
und starb zu Rapperswyl am Zürcher Seie 1827. --> 
Dass in No. 38 und 42 dieser Lieder fiinfiaktige Rhyth« 
men vorkommen, ist in Volksliedern nicht zu selten; der 
Aufmerksamkeit sind sie jedoch fnr manche Zweifler wohl 
werth: man siebt daraus, dass sie an rechter Stelle 
wirksamer sind, als.es von jenen zugestanden wird. Man 
vergleiche » was darüber in Fink's müsikaliseher Gram* 
matik.S. 171 und 172 gesagl worden ist. Aufderletzu 



61 



.1830.-: Ji 



genaiiDleD ' Seite ist:diseliil«-«iB6 taen erfnnJehci Volks* 
melodie io Ciaftaktigeii' Absoboiiteni beigebraeliC Nerk«- 
wördig ist Qecb ^ »des Jä^^ers Zeil verl reib** No. 58, we- 
niger des in den V4 - Taki eifigemischien % - Taktes we- 
gen, was 'Dicht nur in solchen Liedern, sondern selbst 
in grössern Mosiksätzen noch zu Händeis Zeil nicht zu 
selten vorkam , als vielmehr der scherzhaften Verwech- 
selung des Vokales wegen in der Euds} Ibe eines Rhyth- 
mus, z.B. anstatt geht — ge-o-e-o-eht, anslalt rlai- 
sir -*- Plaisi-o-i-o-ir. — 'Anderes, was launig, wohl 
auch überoiiiihig isl, muss in dem Uefle selbst nachge- 
sehen werden , das wir allen Freoaden solcber Lieder 
bestens empfeUea. 



Religiöse Dichtungen von Chri-' 
stian Schreiber. 

HersFeld, bei Florentin Schuster. 1839. S.VIIo.l?! inS. 
Haben wir auch in onsern Blättern nicht den Beruf, 
Gedichte ohne JUusik zu beurtbeilen, so geziemt es uns 
doch, den Musikern solche und äbnlicbe Bücher kurz 
anzuzeigen, wo sie neue Texte zur Komposizion erhal- 
ten. Sind es besonders Diebtungen, an denen viele Ton- 
setzer Mangel leiden, so hallen wir uns zur Angabe der- 
selben für verpfliclilet, jedoch so, dass wir eine förm- 
liche Beurlheihing ablehnen, w^il uns dies zu weit füh- 
ren würde. Das erste Gediclit ist ein Oratorium : Der 
ff^elterüuter , in 4 Ablheiluugen gebt acht, 1) Ankunft 
auf Brden, S. 3 — 8; 2) Lfben und Wirken, S. 11 — 
18; 3) Leiden und Tod, S. 21—29; 4) Verherrlichung, 
S. 33 — 40. Die der Andacht gewidmeten religiösen 
Betrachtungen S. 43 — 79, so wie die vermischten Ge- 
dichte, S. 83 — 155, übergehen wir hier, ob sie gleich 
manches Lied enthalten, das der Komposition werlh ist, 
und erwähnen nur noch die kieinen Kantaten von 157 — 
171, deren man 4 lindet. Jeder hat selbst nachzusehen, 
was und wie es ihn zur Komposizion auriegt.. Des Ver- 
fassers Dichtungsweise ist übrigens bekannt genug. Un- 
sere Leser haben davon eine Probe erhalten im Jalir- 
fange 1833 in der Beilage zu No. 3U; sie führt die 
lebersehrifl : Orgelweibe ^ ist auch in diese Sammluug 
wieder aufgenommen worden. Mögen Alle, denen es 
an frommen Texten gebricht, das Buch zur Hand neh- 
men, dessen Wesen uqd Geist wir nicht zu richten, nur 
anzudeuten haben. Ein Wort aus der Zueignung des für 
Gutes thätigeu Verfassers erlauben wir uns auszuheben : 
Aorh eaeh» die vor yiul mit mir ihr ffesaogtii, 
Zon Preit des Herro »oregend des Gerdbl, 
Weili* ich die Lieder, die in mir erlilungeo, 
Weao mii-b der Geist entriss dem Wrligewiibl. 
Verschieden siod die Gabeo nod die Zaogeo, 
Und mannigfach erlöot das Saitenspiel: 
Boeh Allem, was der Lieb' eutqnoli^ dem Glanbeo, 
Wird Niemand seines AnUangs Wirlia»^ rauben. 

Orgelschule. 

Der anstehende Organist von Gotthilf Wilh. Romer. J 
10s Werk« Zwehe Auflage. Leipstig, ' bei 6. Sehu« 
bert. Preis 3 Thif. • • 



Nöu 4. 



Del* v«1lftlUidig0MTit«l dieses W^|i/9$Jaulet: Dter 

angehende Organist. Sammlung von kurzen und leich* 
len Orgelstiicken und Chorälen, mit und ohne Pedal zn 
spielen, durch die gebräuchlichen Dur- und Moll -Ton- 
arten. Ein praktisches Hand- und Hilfübuch, sowohl 
zum Gebrauche beim öiTentlichen Gottesdienste, so. wie 
auch als Schule zur Vervollkommnung für Organisten, 
Landschullehrer nnd alle An Tanger im Orgelspiele, beson- 
ders auch zum Gebrauche in Seminarien. — Der nun 
Yon Halle nach Erfurt versetzte Herausgeber, bat bierin 
^ ganz vorzüglich auf die Bedürfnesse sehr vieler Organi- 
sten auf dem Lande bei Anordnung und Ausführung scir 
ner Sammlung Rücksicht genommen und Folgendes da» 
fiir angezeigt: 1) habe ich deii einzelnen Orgelstiicken 
keinen zn weiten Umfang gegeben, : da i|i|t sie sich dazf 
eignen mochten, in. der Kirche .vorgetragen ZQ .werdf^n!^ 
2) sind sie leiefal auafuhrbar,*, ao <itass ajugb-Ap Ringer aj^ 
ihnen sieh versiicIieD und idadui\eiv sidlb.^^i^pjll^fiiimj 
^Löhnen; ä) siii^ sie. kirohlieb^: dabei »ollviei,«^)^. Piog 
-wohUbtingen^ 4) sind-die 'Släcbain gtHf|in|^buf)|t|e« ^^ 
Style und 5)'«ti .deib VinliAsoblüilael'g^M^zly ,%'nil ,d^ 
jetzt allgemein vorkoiliflitV.6) iat.jede iyat^ung di^r Oi^elr 
stücke aufgenommen;. 7) .folgieh die 'Sf^art^n.. d^r^eibe 
naeh, als C dur,..G.«ioti n. a. w..; ^) vo» den f)'piarten, 
welche am häufigsten voakommen, wib 2^. B. Gdur, sind 
mehr Vorspiele, als von den we^ig^r vorkommenden^ 
wie Asdur, aufgenommen; 9) sind gangbare Choräle, 
4stimmig gesetzt, mit Zwischenspielen und Choralscblüs- 
sen versehen, geliefert; 10) ist auf mögliche Raumer- 
sparniss gesehen worden, und 11) vervollständigt ein In- 
haltsverzeichniss das Ganze. — Wir können nicht anders 
sagen und thun es mit Vergnügen, als dass Allem, was 
hier an>;eführt wurde, mit Fleiss und Sorgfalt im gan- 
zen Buche nachgestrebt worden ist; das zweckmässig 
Leichte und eingänglich Melodisnhe ist mit gutem Orgef- 
style in eine solche Verbindung gebracht^ diss wir den 
guten Absatz des Buches bei <k;r /^rossen Anzahl nicht 
sehr ffeühter Organisten wohl begreifen, . Dazu ist da^ 
den Bidürfnissen Vieler angein^ssene Werk^.viw' def 
Verlagsbandlung gut äusgestal(e.t und ivi^iU Zfi theuer 
angesetet worden; es zählt 287 :Seiten in gr^^rQuerijuar^, 
auf denen 657 l]i*bnngsnuiun»ex'n. gedruckt wnrden sipdj^ 
dier sich auch zum Vortrage l>eim ^flentüchen Gotlesdiensta 
sehr wohl eigncj). • Den geringen, bestimmt angegebenen 
Ausstellungen, die wir zum V ortheile des Werkes. in uiir 
serer ersten Anzeige dem Einleitungsbefte nach der er- 
sten Auflage maebten, :ist volle Beachtung, geschenkt wor- 
den, und so bat: sich denn diese zweite Au sgafie in die- 
ser und noch maneher HinsidU an Nützlichkeit gehoben^ 
so dasi sie noch mehr Beachtung verdient^ aladie erste. — r- 
Zwar hat uns einer der Herren Organisten in einer Zu- 
schrift- angezeigt, ohne jedoch bestimmte Beispiele anzo- 
Ahren, der Herr Herausgeber habe gar Manches aus 
schon gedruckten Werken namhafter und* selbst noch le- 
bender Orgelkmnponisl^D ^nommen, ohne es zu sagen. 
Es steht ihdi frei, dies mit seine« Namens Unterschrift 
zu beweisen.: Wir selbst wissen recht wohl und haben 
€s bei andern Gekgenh(6iten scbpn maocbmal ausgesppr 
eben, duisS fiele Oi^lk)8iBiposizioii^n im Allgemeinen ei^ 



fö 



1830: Jmam. No: 4. 



Gi 



m starke Aehntichlreit mit eitadnder baben» ao dtaa man 

sie schon gehört zu haben glaubt, was allerdings anders 
zu wünschen wäre, am meisten in Werken, auf weicht 
Ho viel ankommt: allein wir finden diese Gieichformig* 
keit in diesen Sälzchen sogar weit geringer^ als in man- 
chen andern solchen Zusammenstellungen. Am Ende 
wäre es auch kein Unglück, wenn manehe dieser Sfiize 
von Rin(;k u. s. w. entlehnt worden wären, in welchem 
Falle freilich eine ausdrückliche Bemerkung vom Her- 
ausj;cber icWigstcns in der Vorrede hätte- eingeschaltot 
werden müssen. Gesetzt also, was wir nur erst ganz 
sichern Beweisen glauben wollen /der anzeigende Herr 
Oro-anl^l halle vollkommenes Recht * zu 'si?ineh Gegenbe- 
merkun«^: so minderte diei die* Brauchlarkeil undJNüiz^ 
fichkei'l^ittes Werkes, för das gkh. das:.OFgelpubiikum 
iibhafl 'eAfärttf;" irirflfim'- ßering*tea utrd.wir wurden 
^s i^lbst danh'noch'>bnmer/8b^a i^e<em|)ifehlbnfiw6irtb ün- 
ttWi^ •^'We»*ö'aJ|l«>'Nbmnbclm löbneij^ von dem 

VmU9g^bei'''i^lbM Isdifipaitt?!; {woiiden-. 1Aräheni.^ AetiAo^ 
QH(^^htf^<'^ill<i'flhr^ nbdlt*)iaHfübUerl)i)i4la^ ;idhrM'n:eA»fitden 
Vi^h JH^auJät^ber^ d<»«hli9dilMn((BVsch1Adi{pe^kto|i(,' b.rtei> 
lii^^jreA'd' dliieH' c^^l^^libfi <dhlfdniKtBn:V0rhinduDg:mil\i)^ 
iien^*stfe1Jl:' ^t'-'tflkWti sicteiab^r aus L'ebePzieuguiiA;iflir 
das 'Werk ■emi^'enijjfiablv es Mt AdfiAjngir: des. OrfgcJp 
ispiels 'und' für vide' Organistiin auf • deiKi Lande und in 
kleinen Stadien als ein sehr niitzliohes. 



Berichtigungen mit Bezug auf die KompO' 

nisten 'Angaben im 3Iühlhäuser Choral-- 

Meladie^nhuch von ißo4. 

Herr, ich habe niissg^handelt/ Das Lied ist von 
Job. Franck (1©18 geholfen); gedichtet. Die Melodie fin- 
det sich in den drei nödhstehenden Sammlungen! ,,6eistr 
liebe 'Kircfce'n - Mclodeyen u; s. w. Leipzig.^ 1649. 4. 
NöV id. — Dr:«M. Lrtlher's Geisll. Lieder nadPsal- 
tnen a: ff. '^. B^rtfrii'1663-J •*: S:'S7. ,-^/ JniK Franck's 
GeisWtlieS 'iÜn Äi'll- W^.''©ttbefi/liÖr4i: «; 8. 39.'* : In 
Viert 'dftiBddhfcriVtndöl'sidh^'bei. AeiMtoWle AA. CtU- 
^er*^ Nadic'!" 1h 'defta^de<^.fe^bb'«iwhe.ftAid»ich'.deB.Na- 
5rcn des •KdmfoH?&^cft,»aw«ewlW(l''ftbei» noch in dicr.xu 
'^Mnkfurt a: 'M'f 'feheB}ert%tt^nJ|^rtfxis/Piplalife.MeKca vofn 
i668f. -8. S. 56*.' ^f«/. J^A; Fmnok- im^öeriinter Liedierr 
'icbaliz; Von' IßSSi* ».'>««».) •••' ^ «''/ <^- .- . ^ • : . 
■ • Ach wie tii«tilJtfy'bi»b''wi«'fl(ichtigv Vardusgesetzt, 
da/s 'die M^cf^die 'W^t'blt«er'i^tials: dds...LiTd.: ~ Die 
Angabe dei BfeiiA^öi44»l^tr ist «ehv fSweif^lUaft'^ : Die AW 
födie fand ii^ äw^S^i Waeirst im^Löa^burger.'GesaagbuiAe 
vqn 166Ii ' ^i' %r^^; zum Liede iSi • 350. Letzteres 
wird deih Signitffifd von fiirkert (B^tolius) engescbneben, 
der dasselbe in itinen '^yAndächii^en Gottesiiedem^*'-^ 
iHördlingen, 16&8. li;'züerit4rBkannl gewacht bähen sotL 

Nun lasst'nns G^Ud^m« Herrwy;« Vdn dtdsem Li^de 
gibt es zwei Melodieen : die eine ist beslirmflU; von Bio^cky 
und .findet sieb in Ladimg HelMolds Gesangbuch; 
„Dreyfzig geisiHfche Lieier äuifdie F^st.durcfaaJahr, 
aui^h sonsten bey CfaHslüehen' A^rsammlungen.nnd Cer 
temonlen siur Übung der GoffMligkeit; iait Vier Stiift^ 



neii Kebüoker avt.tnf keMddcoreAirfeii vobM^iLndevicp 
Helmboldo veronfecte^Textua zu singen gesUlt, und aaa<- 
gangen von Joabhimo k Burek. Mülbaoaen, 1594. &*' 

Die zweite finde ich 4stimmig<deT Dislumtdem Te» 
nor und der All dem Bass auf 2 Seiten gegaoitber) in 
Dr. Nicol Selneekur's Gesangbache : '„Chrisiiiohe PsaU 
man, Lieder, vnd Kihcbengesenge n. s. w.. Leipiig, 1587. 
4. S. 139 und 140i'* Es ist dieselbe Melodie, welche 
in neuern Chotalbüchern unter dem Titel: ^jyach* auf^ 
mnn Herx, und slngef-^ n. s» w. vorkommt. Ueber der 
Diskantparlie im gedachten Gesangbaehe findet man die 
Worte : Herzog Johann Friederiehen -za Sachsen IL Lied 
und Gralias, welche Worte nichts weiter bedeulea, als 
dass es ein sogenanntes Leiblied jenes Herzogs war, dem 
es von Lud. Helmbold gewidmet wurde. Der Herzog 
schSlzte diesen) besang so •sdm,':dass er.-.äa zu seinem 
Tischliede wähUe^^.,((abc/r denn die ,9beu luilgetheille Ueber- 
schriftjhreii Lrgp^ng hiaben mag. .(s. Harobacb's^^oli- 
i;eh zum Hanibur^er Cböralbuch .von 1^32.) " 
• ' ''Li'ssi^tutiardWrifiFerren prefeeri, c ihr Chi-islen ilberall. 
'— ' Bäs!Jel'i^r(»^d<^n WerreW Jp^eiScn; und v'erwebren sei- 
Tö^tf Rifirt;* Zti^jei Lieder töti vehschiedcnerti Metrum. 
T;|s.;KüHn?iü*'s''ChoVaI^e5ä*n'ge neuere Atiflagen;) Däs^erst- 
gen^rihte'IJiM; Von Sah. Äwrged?chtel und daf^i Sehop 
komponirt; findet ^ich in Rist*s tlimml. Liedern. Erstes 
Zehn. Lönebnrg, 1641. S. 15. fis ist dieselbe' Melodie, 
die in neuern Cbörjilbtichern den Namen des P; G^rhardt'- 
schen Liedes führt: 'So/ft' ich meinem Gott nicht sin^ 
genl Eine zweite Melodie zum Rist'seben Liede, yon 
Joh. Cr//£'erkbmponirt/ findet sich anonvm im bben ge- 
dachten Berliner Gesangboche' von 165^. S. 215, mit 
des Koiiiponisten " Namen abet» iii 'der Prax. ftel. MeL 
Frankfürt a. M. , 167«. 'S. 464. 

Das zuletzt '^eriai(int!e Lied: ^.Lasset tths tk, s. w.^^ 
ist vqn Christian Jacob Roitsch (1735 gest.), die Melo- 
die aber gehöYt zum Liede: 'y^Jailchzet Alt mit Maöht 
ihr Frommen*^ n. s. w. im Darmstädler Gesangbuch von 
1698: 12. S./ay^; der Komponist »ist dort und Äberall 
m 'diesem Geiangbu(?h nicht genannt. Ein Tischlied von 
gleichem 'Atifan^e iii, mir' unbekannt; Mit Bezug auf 
Joh: R'udotph'\khi(s'(Va\^r des Joh. Cfcorg) sind die 
Jahrzahlfe^l:^.1749'•upd 1773** in 1649 und 1673 zu 
Verwiirideln; denn im i^lz^enannteh Jabre* istarb Johann 
Rudolph Ahle, (ä, Quilfenverzeichfeiss irn Vorwort zn 
meinem CIrorälnicWietfilbui'hlein. Berlin,' Bei 'Wilhelm 
Thome, 18S8. 8.) Hud. Ahte soll auch diii Mdodieen ? , 
9 y Liebster Jesu, wir ^'nd hier, -^ LitlMt^r ImmartUel 
(Schönster Immanuel) Hefsog der Frommen** u. s. w., 
komponirt haben, worüber mir die Urquellen fehlen. 

NachlrägKche Bemerkungen. 

Nun dai^kel Alle, Gott. Das Lied, am N^üjährstage 
1649 bei der Feier des Westfälischen Friedens zuerst 
gesungen, ist von Martin Rinckart (nicht Rinkart); die 
Melodie, zu wefcber sieh Joh, Cräger antdrScklicb nennt, 
findet ^icb;. uitter dea üoqiponisten Namea„ in d^ oben 
«ilklen, Saaimliinffen von^lCf49 und 1Q53, öoi A^r läste- 
ren unter No. 94, in der letzteren auf 8».{)94, . . 



fö 



i850»'. Jmmv.: N<».-4| 



m 



An Was$erliiiss«d B4kylo9« Aoobim^prodsenS^füi 
bui^er lürcbengesiaAgbttche. y/Dft 1360 (Su 103. PsaliBeai 
Gesänge) fiad^t ^itfb ff^o(fg4Mg' DMfihtem's Name über 
dem Liede m^l der JU^^lpdie» 

O Traur^Jl^ii.» 0. äefveWid ! Diese Melodie findeb 
sich zwar uiiMr d«n R^lVbenLnsdera» Johann Sck^p 
ist aber tiichjL KouM^^ifit gedaf:hier Alelodie. Johann 
Rtsteo Himmlischem Id^K^ i tt» P».u« 6. \v. iLüaeburg» 
1641. Erstes .Ziebn. S. 13. • Lieber. Lied «wd Melodie 
erklärt akk .J^A:,Jiisi (S«. il^ jSi&iiiea Gesaogbuohes). iq 
NachfoJgepdevD 9 • . 

. ' Erinnerung ^n 4cn Leser. 

„Chnsllicher Le^er, es ist mir der erste Vßrss die- 
ses Grab-Liedi^s/beaebco^t aejaer an(lifcbligcD Meludey 
oUiiegefehr zu Händen kommen, , Wann mir denn skU 
bige insonderbeil wo! gefallen, als habe ich^ dieweil ich 
der andern Verss.gar nicht llieilhafri /werden . können, 
die übrige sieben» wie sie allliier sieben«, .hiqxugesctzi, 
welches ich dem göusii^ea Leser DJcljt habe vifrLaili^n 
so/ien nochjji^o|len." : . i 

Ip.Joh/ Prauck's.Geistl Sion. ^ Guben, 1Q74. S. 
37, heilst 'oben ^eda ehre Melodie : . „Ö ^^fgst un^, f^e/ä^ 
Traui'igkci^lY M"d ?s wird Cbrisioph Peter» Kau lor zu 
Guben,. als Komponißt uerselbea dort genai/i^t. .(yorl64|l 
also komponirl.) . . . , /^ 

Jesus, meine S^uversicbt. Lied der Kurfürsti;! yo^ 
Brandenburg, L"'^^ Huur^ede.. . ürspründich ist j(lai 
Lied sechszeiljg durch jiompojDirt von Juh,^ träger,, und 
findet sich in solcher G^sUlt (aber anonym) im Berliner 
Gesangbuche von 1053. S.^21; mii Joh» Crä^'-er'i Na- 
men aber in der Ausgabe von 1658, unter No. 170, 
und mit dem sogenannten Couplet d^r beiden ersten Zei* 
len, d. h. die erste und zweite Chocal- Zeile slelllsich, 
wie jetzt üblich, auch in dritter und vierter dar. Uiese 
lC5oer Berliner Ausgabe erschien gleichfalls linier dem 
Titel: ,,Dr. M. Lutber's Geistliche Lieder und Psal- 
men" u. s. w..,. ist demnach mit der Berliner Praxis PiV 
talis Melica el<i.'yon 1658 nicljl zu. verwechseln. , ^üä^ 
Ge^angb^ch von 1653 ist auf Befehl| dqr Kurfürslirj \fia 
Brandenburg durch Christoph Runge gedruckt worde.n) 
und es ist das Liei : ^yJesvi^ ineine ZMversicJif'^ zAxersi 
darin zu finden. Dem Hanns von Assig, geb.' .1650| 
wurde dies Lijed friiber irrtb&mlich zugeschrieben. (,. 

Varianten in den Alelodieea abgerechnet, setzte, jcb 
bei meii^en Angaben, übrigens llebereinstimmui^g des 
Mühlhäusier Choralmelodieenbuches mit den Bejrlioer und 
Thüringer Choralbüchern, vorauf, und bemerke nur nocj^i 
dass die dem Joh, Schop irrthümlich zugeschriebene Üt* 
lodte : ^ Je^z« , der du meine, Seele ^^ u. Sf ,w. (in Küh* 
nan's Choral^esängeQ.^ Bdur). von einem tinbekanptep 
)ierrühr,t, Si^. findet sich iq nachstehender Sam^ip)unnp; 
9, Anhang an. das Gothaische Cantion^jl V* sV.w^ Go- 
tha u. %.y^.'' Anno 17?6. 4. S. 30, miler .dfim.'yiteLj 
,^Jesu, meines Lebens ^Leben^^ ^. 3. Y' ,Die»v.ou ^yA, 
Schop nur .einzig, und allein zun^ Liede: J^Jesi^^ de^ jäu 
meine Seete^^, a.ß/y/. *) fio/npanirte Mplo^ie, f. inn[iei- 

*) Alle Mükidieta, di« iw oMtera Cft^rftlbatolwor*' tf»D lebt^^MoiK 
t«o Titd fühiwa; gahianwoluMilille Anf9«>)«0 |n4iii)0 liio4«Ci 



nem M^lodieen^UeJA VDi^ 1338» U»4ir ÜHTo. ]j06.:,.O4|^ 
Original zu derselben Steht* im ersten Zebn von Jtoh^ 
Rist's Himmlischen Liedern. Lüneburg, 1641 unter 8.35. 
Spätere Ausgaben dieser Lieder erschienen 1643, . 1644^ 
1650 U.S. w. . 

L F. fr. Mühnau, [ 



NACHBl'cn't'EK. 



, Berlin , den 8. Januar 1839. Reich an Musikge^- 
riüssen war der Monat Dezenibet des verwichenen Jair- 
rcs. Vorzüglich nahmen wifedcr Konzerte tfnd musikaV 
lische Soireen den Atithdt der Kunslfreijnde'in Ansproich'. 
Miss Novello gab am 1. v. M. ihr, nur massig be^uch- 
l«s Abschieds - KoAzerl vor ihrer Abreise nach St. Pe- 
tersborg, und sang darin zwar lauter bcreifsöfter ge- 
hörte Arien, zuletzt God save fhe Qoeeu und Aule Brit« 
tannia, jedoch diese mit überaus klarer, schöner Stimme 
und angenehmem Vortrage, so dass der E.i)d-Eindrttc4L 
ihres Gesanges ein durchaos * befriedigender war. "Ih 
der ScWesirigerschen' Musikhandlung ist nun (wie frtjhfer 
ein Aibum Garcia), auch ein Album Novello in 3'Hefleii 
erschienen, weKhes sämmtliehie. Von d^ anmutUgen fiSq'*- 
gcrrn i^orgelrdgene Komposiztoneh enthält, und S6 
eine erfreuliche Erinnerung gewährt, fn dem letzten 
Konzert der Misaf Novello hörten wir noch eine neue 
Ouvertüre von Louis Uuth, auf das Motiv des alten Des- 
sauer Marsches, nicht ohne Wii'kong, doch weni^r 
kunsigenbt benutzend, |al^ FN-iedrich Sefaneiä<ir.' Aii4^li 
von Wilhelm 'Taul)ert wurde dlne Ouvertüre zuTieck's 
Blaubart exek.utirt, welche von leehni!ieher''Gc)vand(heik 
und Instrumentarlkenntriiss zeugte: Ein junger PiiBino*- 
fortespieler, Herr Gustah Sth^rnarin, iiess sieb ipit einer 
sehr schweren Fantasie vort 'Thalberg beiß^hg' böre^, 
welche freilich noch mehr Kraft- Ausdauer erfordert, als 
von defci jungen Kunstler billig verlangt werden konnte. 
Ist es denn aber- notb wendig, so übermässig schwer^ 
Musikstücke zur öffentlichen Produkzion zu wählen? Mit 
Wenigem würde oft Miehr geleistet weirden. (Thalber^ 
selbst' ist hier übrigens bereits angekommen und hat sein 
Konzert auf den 8. d. M.* angesetzt.) 

Auch eine recht fertige Pianistin der neueren KU- 
vierscbule, Mm Anna Rooena Laidlaw, Hess sich in ei- 
ner selbst veranstalteten, zahlreich besuchten Soiree mijt 
vielem Beifall hören. Die bereits - früher hier gehörte 
VirluoBin bat in der leftzten-^Ziett bedetflende Fortschritte 
in der Fertigkeit und dem V'oHfage gemacht ; dabei zeich* 
net sieh dieselbe durch einten ungemein säubern Ansc|)la^ 
und ('^äzi^ion aus. ' Miss Laidlair frug zgerst das An^* 
danle und . Filiale ' ahs' öeetliovcn's F miJl|:-Sotia>e (sehr 

g^hin^eü, wenn^^lMi^h ;iiebl an r^pid n^ ki^fh'g, al^ 
[tarrfWieck), d^nHlSihst* zWW Pinta giestüekfc -von Ro- 
bert ScJhdmann: „erilleh** und '„fn dei- Naehl," eido 
J ' • i '' : • • . ) :i • \ ;. 

at. ' Derartig« fTunkl^nveHre^bMlaiigea ' fdbfett itn F«fB€bep. 
•■'. ' Dtfico oft'iB^a -DaalÜe, J>(fizufailli|^eiiBial eiKÜLUtstiaU im 



wt 



iil5d>^ 



:LNgC:4U 



f» 






Pre'iiade ernslcp Musiki dsQ in die9eQ' Konawrlea 4eQ 
grösiilen Geauss faudp«, sebr 1^4puepB* Der »JPaul««^^ 
voo MendeLwotin wurde «ur^cjefiihrt und zw«r iioiert^er 
t^iitUDg. dies Ka^elinieUlers.Gubr» Der V^rQiii ist je(i;t 
gans verwais^ 4i4idl <;s »tebl za befureblen» d«89« weoQ< 
Hiebt bald ein lücbligei* MünD «a die Spilt&> desaelben 
l^oBUfl« dies berrliehe Insiilal sieb gana .auflag. D»r 
j.eU^ laterin^adireklort Herr Vo^^l» iat dem Dinge oiehi 
ge^wacl^sef^. Jbm fehlen iboHs die miiäikaliseheii KennU 
oiaae (wenigsleas die-FäbigkeiU» .jcum Direktor), theiU 
die persönliche Repräseolazjoo» die bei eolcbeo Stellen 
iiolh>vep4ig is(U ,bf^0ri4ac& hier, da sie Scbelble (Aer Stif* 
tar dieaea Vereins), im. hohen Grade beaasa. Es war« 
wendlicb zu bedaufs*.«» wenn der Veireü aicb attfläaem, 
aoQlel ßaldige Jjj^ilfar iat notb» 

..; Unser löMutöer - buirumetaul^VereA^ blibl immer 
mabr aoF» . JBr zählt gegen 80 'Mitglieder, VfwA von Aloys? 
Sobmilit:dirigiirL, ond gibt jeden Wiater- vier ttonzerie, 
die alMa.sehr bceacbt sind. 

RifffstahTs QoaHette finden inimer mefaf Atikfang/ 
Bi ist gewiss ein gutes Zeichen fär den Geschmack im- 
aers Pnblikuns, dass so ernste Masfk, ^wre die Qoartett- 
Mtfsik, sieh von Jabr zu Jahr mehr AnhSnger gewinnt. 
Bs wurden schon früher Versacire gemacht von Spohr, 
später Cr«br und zuletzt von den Gebrtfdern Herrmann, 
hier eitl Quartett zu begründen, doch erst Herrn Hiefstahf 
scbeial es anfbehalteif, dies auszufShi^n. Er sdieat keine 
Mühe und Arbeil, hat aber auch dafQr dte Befohnang, ein 
Unternehmen, welches unter ungünstigen Auspizien be- 

Snn, so weit gebracht zu haben; dass es mit dfe erste 
eile unter den musikalischen Leistungen FVirikFurts 
einnimmt und der Saal schon jetzt zu klein gewordc^n 
ist für sein Publikum. Herr Riefstahl ist seil urtgefShr 
3 Jahren hier und so alt ist auch sein Unternehmen. 
Bis yMX katlen wir diesifh Winter drei SoirJen und 
faMeii in der ersten Quartette von Haydn (C dur), Mo- 
zart (Adur), Seetboven (Ddnr). In der zweiten Quar* 
tett von Mozart (Ddur), Quintelt für Piano von Aloya 
Sabmitt rManuskript) von ihm selbst gespielt, Quartett 
von ' Beethoven (Gdur). In der «dritten Quartett Von. 
Iiaydn(Pdur>, Mozart (Bdur), Beethoven (Cdur, Op.99}, 
Unser Uedftrkrans blüht noch wfe früher uad hat 
sich jetiEt durch die von ihm herrührende Mozart-Siiftune 
einen Namen gemacht. Auch die Liedertafel ONsml! zu 
ttnd gedeiht sichtlich. 



Leipxig. Am 15« d; gab die fvleiyre unter Leitung 
ihre« neoep MusikdrreMors^ dies •Herrn ; Verb ulat« ihre 
aiweite- musikalisohe. UnterbaHnng^ wvlobe mit der immer 
wirksamen Ouvertüre zum Wasserträger gut eingtieitei 
wiwdcu ;6zeiie und Chor ans der Oper „Rienzi'* (m«) 



r%nfJbnräds eiiifi»ilfltgitol4 diriswiHteii^Mzion^-AwM 
vonr IbaMponislen' dirigirt9'4lte*'6atangpartie bi^ der 
biasvge philbatoaniBcbe Verein tiberUommieo^' da« fianzä 
sprach an .^ Einige tuFrisiM'ke' Anklänge waggereehdel^ 
verdient sbwohl'die ErBnilif ng? ali d»e nur etiw9ia zu starke 
Itbstnitaeiilazin«« die^freiKoh fOtzTi fast allgemcMiMt, viel 
Beaehlaog. ßitods der-babtÜsn: KonnerlineD« von l. Merk 
trug Herr Andr. Grahau sehr fertige mit scb^kiem Toir 
ond mit Aikerkennitffi^'rör, worauf sich «iva junge Alt- 
säag^rin-, Pdiul. iiSmraoifc, irmil der einlWhen Arie ana: 
Figara*s Hoebzeit versiebte «btid'' div iieKiliige finnninter-^ 
ung verdiente, die ibaernatfirliob«» ftefaiigebhcit gezollt 
wwde'. Die (>!OffieDtdre> zum- V!reii<5b(jltflgr and die Esdpir-» 
Siafonie von MoasH wvrden^M«« : Eifer ausgeführt, ge« 
laiagen sehr gut and erfKmirnj wieimmar^'^^' Am 17^ 
d. fand unser vünstsimtm -Abotmmnjen^K^wtmt StatA^ 
Die lebhaft und scbdii aufgeführte Oavertak« nom Bchart^ 
seiier der Geister von /T;' Ü. a;> ß^ebtfr griff abermals, 
durch ond das Publikntm ibewies sein Vcrgndgen darüber 
doroh die gewöimUebenKtibtiett -dea BcMaUs, idi^r bei im*« 
mar tüchtigen Letstiinge» Mar-sd seile» fehlt) daaa wir 
in oiisiera B^riehteä, weiDeii >wiriina Hiebt * Unter g|e*. 
saebia RedbaBarteo' vdräteebair; «ehr'seltemlr VeraobssinM 
g«ff zuratfftaJiendeo^>ah[ehiede*iie«ten habeB,ieawire da«»,*, 
dasaeifimal irgend einanveneKoa^posizioff dea^-Gesohmacka. 
des Pobliknms niebt vöilig^zaaageii wottte. So haben, wo*, 
auch von Mra. Alfred SAino gMict dasselba a« «dgel^ was: 
wir stets über ihren Gesamgberteblet^bnben. Sie wurden 
gleich beitikrein Auftreten^ wie sekon öfteK nilt Freud« 
empfangen^ undobglc^b nediunsepor UeberaeognngRe« 
zitattV' und Arie von Mereadiate : „ Grazie ;' cmienlar 
Dei*^ d. Sv Wv nScbt^z» den vorzügliehäleii «« gbhö*' 
reo- schien, aa siegte doab ibr VKfrtrag über den >Biebt 
besonders gehaltreiiiben Stoff ^sa selir, dasii die Versamin- 
lung,' Komposiziod- und Leikton^ gebCthrefid oiiteraehei<>> 
dandi in dem lautesten Anplaais der Sängerin' dankte* 
Aueb Herrn ^W. Steradale Bennatl, der sieb diesen Win^ 
ter über wi^ed^r bier aoftiält, wurde bei seinem Er- 
acheinea die Elire eta«a afUagozeidbfiatea EmpfsM«^ *^ 
Theii. fir gab ain ya» ibfni neu kamponirles Konzert 
für daa> Pianoforte zum ttaateci,^ was aaf einem biar vor 
Kurzem angetmnMndnenv neocn' Instrumente aus der- 
Fabrik von Braadwood vorgetragen wurde. Alle drei 
Sätze des Konzerts, Aliegro con^ maeslä, Barcarola und 
PrestO'agitato, erwarben siebdie erwünschtesten Hui« 
dignngon daa P^aMikums, ' Nur^die Meinungen, welcher 
van dieaeai Sät^e», dor Komi^staioii nai^h, dar gelun«. 

Senate sei; Waren 'Versebieden^i^ie'ea tbeils bcid» erstan 
fören eines'ificueD Werkes,; tbetls> wegen nrannrgftsöber 
Barüeksiehtigifng und Verslßbiedenheit des Gesebmaeka 
kaum anders: mOglicb ist.' In Rinaiobt auf Eriindongr 
schöne Melodie und gehdteo klare Durebfübrung geben: 
wir selbst dem einfaohsten, für>>Bravanr am wenigsten 
reioben Mitteisatee' den Varzig. Zwti Licider von A 
Bmedict, ge^m^em von Hrs. S/mWr das er^ta dine Hat«' 
lade aüs',»Wat^a4g der Zigtimierin^«^ das: aiadiDre eine 
itabeniseha Riamanze t V>PasloreAo pian d'amore,''' tgefie*- 
len a«asefordeittlklii'i Die BaU»de w^rde naeh •engiändi* 
sehen Worten gesdngewJ <iWWn»* Müßs in der geMni« 



«s 



.tßSfk: Jummi, mCAib 



^ 



^n Op^r so fieböp h\, als dieser Gesang; ist der En- 
thu^i^smä^'f^ihV'l^ä^^^ ^i^se OpelF ra Löfv^on 

hervor^brachl hal. * ttn zVeiteD Tlxcilc wurde uns Franz 
Lachner^s sechsle SinFonie zum ersten Male zu Gebor 
gebracht .1 Die forg$^9«n,«(e i^nd besliminlesle Direkzi.09 
«nd-die btaCe A^rnivrJl^saaikeii des geublen Orchesters 
liessen as der AasfiHrui^ iiichla xs wönschen übrig. 
I>eitiioebwoUl& und konnte dar» Gänse sich Dar ffelheil- 
ten iindbedinglenfieiMll ''erwerben. Der erste jmIb er- 
liieU die-^ibefMe- Anvrkennnng. der 'Vertamarfang wegen 
der schönen üild* brillant insimmentirten Sefatassruge* 
Der zwiille ging nicht gana^ still votier, desgleichen 



.d#r IdY^te: allein das Werk begeisterte dorchans nicht. 
'^Voratt K^egl Bas' b«] st^^vMhMi'GvbeA'^^RonAniawn'iirfd 
so viel t^hff^n Cüilielnheiten?/ Ettfzig 7an dem;"wis 
wir schon öt*(er zu bemerken nns gezwutigen saben» an 
der allzugrossän Länge der' Durchfähruiig. 'Wilre dab 
Ganze \im % kürzer geliallen, so wurde der TcÄ'älef- 
fekl gewiss überall ein erwünschterer sein. Eine volli» 
Beurtheilung des Werkes erlauben wir uns nach einma- 
ligem Hören, wie jederzeit, durchaus nicht, sondern be- 
richten nur d^n Eindruck, den es auf die Versammlnng 
heryorbracbtej behalten uns also iein niheres Eingehen 
vor, sobald nofs dazu Geiegenhett gegeben wird. 



A n k A n d 1 ^ n n g e n< 



welche her 

Mreitiu^f und BEärtei in Xieipsdg 



Toib Mai bis Ende Dezember 1838 erse 

handluDffen zu 

IM-..».'. . . ' ' : .' . .• • ° 

Insttamtntal'^Mtmk, . xWir, Gr. 

Ileirllli^llier, Ecrin dn jcunes PIfttfst« potir PMI« cft 

Piano. 4 Suites. No. I. Variat. sur un motif de Do- 

Duelü. No. 2. sttff un moüf de U. Ucne. Ko. 5. 

rar un thtee de Me'cadante^ No. 4. sur un iheme 

de BeiUni Ä — 10 

9k%'ldl,V«, Op. 0. Introd. et Variat. sur nti fbdme 

* maepour ie Violonavcc sccomp. ^'Orcbetbre ........ 1 4 

let ndacs avec accomp. de Piano f -4 

Op. 0. lolrod. et Variat. sur un tkeme de Fr. Sdra- 

^ert,poi)r la ^jariuctU avec Oiohestre 4 l€^ 

n^UnüM^ Al«9 Op. aO* 2 (^atuora pour 8 VioloM, 

Alto et VcelU. No. i et 2 ....^ k 2 12 

-^:- Op«Bl. H QnalBors pow 2 ViolOM» Alto et VccU«. 

No. i et 2 ä 2 12 

KtlMllil^r, 1^. A^ Op. S9. Introd. et Vtnriai. rar an 

' tkenic de Beltiiii pocnr 1« < Violotio«Ufl «reo Qu«t/ ...»,. i -*- 

— — ieo meme« arec Piano — 1^' 

Op. 8c. Ibfiftd^ et VaualioiM lur an Ifttoa da Fr. 

^^^flUi)iit .p^ la Ciasinjstii: aT^c Orche^tre ....m-«... IM 

Pümoforte-Mtisik. 

•AlbiuML f^r das ^Planofbrte und Gesang* fnr das Jahr 

^ftWmtt Beirrijren von Fr. Chonin. A. Hen- 

selt. Fr. RalkbrenHer., Fet. Mendetssohn- 

Bartkoldj» G. ]|leyer**fer, L. Spohr« Sig. 

Thalberg und Ciarar Wieck. Btegant cartonnirt. 3 — 

PraclkUlisgpbe mit Goldschnitt IS -^^ 

Adaniy A»j IHosaiqoe, 4 äuites de m^Unges des inor- ' 
ceanx fayori» de l*Operft : Guido et Giuerra arr. pour 
PI4nofoH«!. tif. I, 2, 5, 4 :.....;... k ^ 20 

„^ — Grand' uitfep 'de Onido et Giniitra poorPfte «•«.• M* 

llaclir. df* 9*9 ^ Cfa^enn Kien tetofiereou 48 Prelndes 

et rdgttei^ däns toAs festes majettrs er mWieur« pcni* <• 

Piano. Parti« I et^2.1ifottr.üdHfioir ..«.......; k H I« 



Rurinailkllel', Op; 44; It^hniuiseiiMeff pour le Piano 
snr des mftüh W. de Guido et Gln4fvtn. Uv: 1,2, 5. k 

Op. 46. Vhe'lleur s«r' son paasivtre; Ala Rein«^ 

Victoria d'Angletcrre. Grande- Valse lirill. pour le 



14 



Piam k Ä ii^pp.**^v«*'^*'i-,r»Yv.:-»*^v^v'^*v :'Vv .T. f^.\' 



bienen und durcb alle Bücb- und Musik- 
bezieben sind« 

Tlilr.Ör. 
BiirsmAlIer, Le m^me ponr le Piano k 4 luain'.... — 20 
CliOpln, F«9 Op. 53. 4 Mazurkas pour le Piano .... l -^ 

Op. 84. Valses brillantes pour le Hano. No. t,. ' ' 

2, 5 k -^ 14 

Czern^y C«, Op. 816. Reminiseetases de Gnido et 
Ginevm pour le Piano. No. 1. FantaisSe iHrillanto * 
16 Gr. No. 2. Rondo. brillant i Tbli*. 1 16 

llUTeniÖX» '• K.,. Op. 8S, 3 FantaiNieS pöu^ le Piano 

snr des thtees far. de Guido et Ginefra. Law. 1,2,3. k — 12 

-— — 0|. 86« 2 Oirerlissemcna ppur le Pia»a sur des 
aotil da Donitto noir. Liv. i el 2 



Donitto noir. Liv. i el 2 k ^ 

87. Fanlaisie pour le Piano a 4 mains sur des 



12 



Op 

motils du Doaiuo noir ....;.... .»....«^....m 1 4 

P|. 88. 6 Bag^atelles pour le Piano -sur des nio> 

tils far. de Rossini et Attber,* divioeei en 3 Saites 
cooMOsecs chaeune d^nü Air et d*un R<Mido. Lrr. 1, 

2. 3 b— 12 

HicUei^y, F., Guido et Gincvra oder die Pest iu Flo- 
renz^ arr* pour le Piano seul 8 — 

Potpourri sur des themcs fa¥oris de Guido .et Gi- 

neiF« arr. pour le Piano a 2 mains • 1 — 

PMponrri snr des themes ittoth de ,G«id* et Gi- 

neyn arr. .pour le Piau» k 4 mains 1 — 

HeiM^H, M»f Op. &. 12 fitttdes de Salon ponr le 

Piaso. 2nie JSniite. Lit. f et 2 1^ • 42 

— » — laipromptu jMrar le Piano <-* 4 

Hers, #.9 Gmtode Valse pour le Piano ^ •- 12 

Hftillra, W^ Op. 102. 3 petits Rondos sur le BaU .. 

< Icti le Diablo boitein pMir le Piano ...; — M 

: Op. 105. IJes Cmyeürrehfes. Rondo slirnn Ih^Me ' 

' fiiTori dii Ballet? ;,\k Chtfüe mctaittorpbosee en femfire** 

* elf'Variations snr nti theme Ital. Lir. 1 et 2 Di -u^^ftf 

— — Op. 110, Rondo atla polacca pour le Piano -^. 'rf 

-^ -r 4 Airs '4e Ballet de Guido et Ginevra arr. pour le 

. Pisno. I4f- i, 2, 3, 4 .a -»-i^b 

KaUkbreniftery !*•, Op. 142. Souvenir de Guido* 
eCGlueyi», Faulaisie btitlatete >0!|r le JPiano 



v% 



4830/> JannM.. NbV^. 



7« 



\MMmm9f,^h§'SehMi^Bmutltil^tii9n Ar* das pUaoff riQ.. r- 4 

jJtol^liWr <A«9 P^t^oom «Qft der Operi Csaac «^d , .. 

Zimmei^miii^^ für diis Pianoforle zu 4 Händen , 1 -^ 

'11« '-^ Di^lbc för daa PiairoCorte au 2 Händen — 5ib 

JllM^eUuioiiii-Bartllioldx. F., Od. 24. ler 

' 'Conc4!|-to (en sol) arrange pour le Piano a 4 mains... '2 — 
Sciftliiiel&ey C«9 Op.^2. Le Pentloiinat. Piecca fa- 
'' «ileä ti^ brilhinlfes pour te 'Piano a 4 mains en 12 

CAIkf R -- 12 

;^rlH». Op. .5^. 5 DiVevlissenieQa tna dcf motils ^ 6uid9 

; .e* Qlneyr« pour le Pians. Wot *, 2, 5 , a — i2 

SeKw^hirfee^ C^ AmuBenpns jj^our le Piano ipr des 

themes fa?oris de Guido et Ginevra, composes pour 

- de -petifas mains qua me pcavenl pas preadre l*octaTe. 

4 Suiles i 



14 



Tbaners, 8*9 Op. 26. 12 Ktudes pour le Piano. 
Ut. 1 et 2 w.:..:... 



44i 



'OT'olir5 £«9 op. 9. Valses brillantes pour le Piano * — 12 



delmiler, €•« Op. 115. T^eueste leicl^t ansf&hrbare 
Orgelstücke Tcrtchiedenen Charakters zum Studiun^ 
und für den Gebrauch bdm öffentllcheii Gottesdienste. 
No. 19 der Orgelsachcn .,^ „...,. ....... 



SO 



Gesangmusik* - \ 

• j|.Mmn für Gesang und Pianoforfe, für dss Jahr 
j. .1859, .mit Beilräjgen vop Fr. Chopin, A. Hen- 

.selt. Fr. kalkbrenner, F«i. Mendelssolih- 

'Bairthöldy,' G. ftfeyerbee», L. Spohr, S. 

Thal'berg und Clara Wieck. Mit dem Portrait 

*^ Ton 'S. Tbalbecg. Elegant «artannirt » S — 

Prachtausgabe mit Goldschnitt o -^ 

jamnmUy Om ^* ^* Matinces musicales. lO Ge- 
(.' i Mnge itf^ieniseh und. deutsch mit Begleitung des Pia- 

noforte* Uv, 1 — 80 



Hal^TJy If^t Guido et Ginorm oder die Pest i^ Flo- 

m». Oper iniS Akten. yolUtfindigerKla?ier-Aussn{^, 111 — 
XW* Sammtliche Nummern daraus einzeln k 4 Gr. 
bis 1 Thlr. 4 Gr; 

XiltKandei' 9 C^X», Der 2%gemie>lniabe im Ifordea' 

für eine SingMiBMne Mit B»gl«llttn(|; des PlanotetB' ...;. — - ß, 

Mevidel0fioKii-S«reiftOldr»V*» Op.42« De» 

42. Psnlm im- Klafict^AiMMing v<**** ^ •^••^». 2 -^ 

^ -^ Die Solo- md Chorstimiiifii 4a»i «•...• i .3 

Heycrlie^rf Cft«, '0 Blegiet et Romanccs, .paro|«t 

fiaji^aiifQS et aUemandes^ aycc accomp. do Piano • i 8 

Tf — Les m^mes separees« No. 1. Le Poete moujsnt 

(Der sterbende Dichter]. 12 tir. No. 2. Chant de 

Mai (MaiUed). 8 Gr. No. 5. La fiUe de Tair (Die 

Tochter der LuA). 6 Gr. No. 4. La Marguerite da 

^ Poete. 4 Gr. No. tf. La folle de St. Joseph (Die 

. .•^j4hnii9nise). 6ti^r./No. 6. Fantaisie. 8 Gr. 

PetBClikey M. T«, Op. 4 Der Fischer. Ballade 

▼on Goethe für eine Singstimme mit Begleitung des 

* -l^l^ofoi^.: i — Ifi 

Pprtfl, Frahas QMf von, Op . 8. 8 Duetten fikr 

' StopMn und Alt mit Begleitung des Pianoforte — IS 

Sp#lMt)^./9pA, 105. 6 dsniMshc Ueder mit Be- 
gfeRdWftr-* des^Pian^ttbrte qbA ^er Klarinette. (Sie- 
M^>»H«n«; *« Gesinge.) , , ;.,.«,.. 1 . 8 



Kleae^vetter, R. €1«^ Ueber die Musik der ««»nr« 
.j(> Gricyehen, nebst freien Gedanken fiber altegyptiscbe 
und f4tgReqhiscbe Musik. Mit 8 Tafela 5 



' P r t r a t t'S. 
JffendelBSObti-BaritlioIdyy Cellx 

Heyerbeer, Q|»epmo ...^ 

Vli#ll|ersv^'si9>nujn4.,»^->. r 



— 18 

— 12 

— 18 



.^ :Bractische Orgelschule. 

: . . Von 

Fr. \¥. Scb fitze« 

änuinarlehrer. ^ 

Entbaltendt Uebungea für Manual, Pedal» Chorale mit Zwi- 
schenspielen, PrsüUidien, figurirte Chorale, Fugetten^ Fugen 
un4 canonische Tod stücke von yerschiedencn Meister^. Nach 
pädagogischen Grundsätzen geordnet und in dem „Handlmche 
sur praktischen Orgelschule '.' mit unterrichtlifchen Bemerkun- 
gen, ZcrgliederungeQ u. s. w. versehen. Nebst einer mctho> 
fUschen Anleitung mni Phantasiren. 

1^ sich bildende Orgieb^ielcr, idsbcsondere für dien Orgelun- 
terricht in Seminarien und F^&päranden- Schulen bearbeitet. 

Hondbiicli zur practftsclien 
Or^elschule. 

Naeh dieser Schule, die besonders för den Orgeluntenrlcht iH 
Seminarien bearbeitet werden , soll der Schüler nickt .biei slu(Ee»r 
nMis -an Jechniseher Fertigkeit gewinnen , sondern cngicieh' den 
rhythmischen Bau.. der. Orgelstücke erkennen, die Motive end Ge-. 
danken in densel|ien, vcrColgen und deren Chankler beurtheilen 
kamen. Kurz ,. diese iichule will durch alle dem Musiklqhrer zu 
Gebote stehenden Mittel neben der äussern Fertigkeit besonders 
die intensive musikalische Bildung der Lernenden fordern. 

Das Ganze kostet im Pränumerations • Preise nicht mehr als 
i tUr. 12 Gr., wofür das Werk in allen Buch- und Musikalien- 
handlnngcn zu bekommen ist.. d«?r künCEige. Ladenpreis belragl 



«S Thlr. -^ In der neuen Auflage des Wegweisers von Dr* Die- 
ster weg fiAdet'sich über Siehütze*s Orgelsckule das ^ewiekllge 
Üilheil, 'dass sie ,,unb eding^t-zn empfehlen sei.** 
Aruoid'sche Buchhandlung in üres^eii und I<elpsis* 

:. / !,' . : . ■ _ 

Als ein Torzugsweke b edeuiendee,^ viel belehrendes. 
dicVterisches und nnr su lobendes Bnek erwäbne4 die litera- 
ijsfhen Blatten 

Hie JQpijg^on^iin 

Familiefunedioiren in neun Bfi ehern. 

. tf evausgegdien von , 

, Karl Immer ml» II. n». 

5 Binde. . .80 Bogen in .8.. Auf feinem Maschinen -Vdinpiyiet. 
im geschmackvollen Umschlage. . 

Geh. Preis 6 Gf. 

Auch unter dem Titeli v 

Immermann^s Schriften, ör bis 7r Band. 

Düsseldorf, bei f. E. Schaub. 
: In diesem Werke haben sich die Konflikte der Gegenwart In 
meralischen und gescllschafl|ichen Beziehungen, in Kunst, Wissen- 
schaft und Politik SU einem reichen Lebensbilde gestaltet. Wie 
einst in Werther und Wilhelm Mebler die einseitigen RichWngeu 
def Zeit sich dichterisch, spiegelten* nnd dadurch Uir eignes Heil- 
mittel und Korrektiv wurden« so erhilt nnses späteres Zeitalter, 
die Zeit der Epigonen, hier ein Gegenbild, dem bei' seiner psycho- 
logisch seharfSin Anflfuhrang ^i|d pioetischen ,MUde ähnliche tiefe 
Wirkungen nieht fehle* werden. 



Leipzig y bei Breitkap f und Bärtel. RedigirtvonDr.G. fV, Fink unter meiner Fentntwortliehkeit 



Fac-simile der Handschrift von Df Louis Spohr. 



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77 



ALLGEMEINE 



78 



MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den 30*"* Januar. 



M 5. 



1839* 



ü e b e r s i c h t 

der vom 1, Oktober bis wok Ende de» Jahres 

1858 herausgekommenea Musikalien'. 

Für Orchester, zugleich mit Hamioniemnsik, 
sind in dem letzten Vierteljahre von 1838 zusammen 12 
Werke gedruckt worden. U^nter diesen ist.die&maf nicht 
eine einzige Sinfonie, wohl aber wurden einige Ouver- 
türen geliefert, als vou Heinr. Marschier zur Oftv 
Bäba, Op. 98 (schon besprochen); von Ambr, Thomas 
zum Peruquier; die Ouvertüre zum schwarzen Domino 
von Auber ist für Harmoniemusik eingerichtet worden. 
DasUebrige sind Tänze z. B'. von joh. Strauss, Op.103, 
Huldigung der Köhigin Victoria ; vonJuLHopfe^ Op. 8» 
25 Heft; Op. 9y 3s Uefi. — Ausserdem ist noch in den 
sehr niilzlichen ,, musikalisch -literarischen Monalsberich- 
Icn" (bei Frdr. Hofmeister in Leipzig), nach welchen wir 
unsere Uebersichten arbeiten, ein Concertino für Hoboe 
und Klannetter, oder für 2 Klarinellen, von Ernst Meth^ 
fosseU Op. 8, angezeigt wonleii, was unter den Anga- 
ben tdr verschiedene Blasinstrumente wiederholt steht. 
Wir wünschten daher, es möchten entweder alle Kon» 
zerte mit Orchesterbegleituhg in diese Rubrik gestellt, 
oder not'h vprlheilhaHer alle solche Werke hier vyegge- 
lassen und an den Ort gesetzt worden, den das k'onzer^ 
tirende Fnstrumeql erheischt. Die Ordnung , würde dar 
durch offenbar gettaner. ., * 

.• F.iür''F''i0 lin e* • 
iMbeii wir 39 Werke ei^halv^. jUnterdiesen heben wir 
ans: Baillofs vei^leutsfchte VioliDschuIe ^ in Heften, .bei 
Schobert in Leipzig, I6e Lieferung (schon artgezeigtl; 
deBeriot: Melodies italiennes mit Klavierbegleitung, 12 
Nsmmern, bei Haslinger; j4l. Rotlai 3 Duetti pour II 
Violtni, fiir ttic Jugend; Alcys Schmitt, 4 Quartetten, 
Oj>. 80 und 8t, -bei Breilkopf otid Hartel; Ferd. Da- 
pt^: Varrazlonea mit Orcheslerbegleilung, Op. '6 (ebeji- 
daselbst) und Op. 7 (bei Bote), beide bereits empfohlen. 

F il r B r a i s c h € 
erscheint in 4er Hegel sehr wenig Neues; auch diesmal 
Dar eio( einziges W'erkchen von J. de Bbtmenthal: Grand 
Capriee^ O^uv. 79, bei Mecheiti. 

Für Vi l^n ce 1 1 e 
im Ganzen 6 Nommenl, von schon gebumteo nndmetsi 
öfter besproebenen Verfassern , sl% Aug* Franch^inmey 

41. Jalirsaos- 



M. Gans, F. Ai Kummer: Inlr. et Var. mit Quartett- 
oder Pianoforte- Begleitung, Op. 39, für gute Spieler 
sehr empfehlenswerth ; von Jos. Merk: Divertissement 
AiTl Pianoforte, Op. 22; fV. Hause, ^ Portsetzung der 
vorzüglichsten Uebangen für Kontrabass, 7e und 8e Lie- 
ferovig, als zweckmässig empfohlen. 

F ü r F l ö t e 
erschienen 23 Nummern, darunter ein pathetisehes Kon- 
zert mit Orchester-^ oder Pianoforte - Begleitnng von Lind* 
paintner (bd Haslinger); /ein Werk voh'Fiirstemü, 3 
von Kaspar Kummer, 2 von Talen, Op. ,71 und 72$ 
ferner eine vermehrte und verbesserte Ausgabe deri,neuen 
theoretischen und praktischen Piötenschule mit Tabellen 
für Flöten mit einer Klappe und mit mehren, ^ in zwei 
Tbeilen, bei Haslinger. 

Für die übrigen Blasinstrumente 
zusammen 7 Nummern Ausser einer Kleinigkeit hir den 
Czakan bemerken wir ein Concertino für die Basspo- 
saune von Ferd. David, Op. 4, mit Orchester, auch für 
Violoncelle und Pianeforte arraf^girt, bei Frdr. Kistner, 
was schon als sehr wirksam angezeigt wurde; ein DI- 
vertrssement für Hobore ' n^lt Orchester oder mit Piano- 
forte, Op. 8, von Frdr: Nohr; 6 leichte Stücke für Fa- 
gott Yon 3/. Gana, bei Schott; eine Posaunenschule von 
Ä^. Cometfe, zweite Abihetlung (ebendaselbst); und von 
Ferd. David r'lntr. et Variat. pour Ctarinette avec Or<^ 
bbestre, Op. 8, bei Breitkopf und Härtel. 

F ü r G u i t a r r e 
16 Nttttimerni unter denen wir nur die „vollständige 
Scfauie^^« in 3 Aktheilungen, Op! 59, von Mai. Carcassi 
(bei Schott) auszuheben haben. 

F ür H arfe 
sind nur 3 Nummern sämmtlich von Th. Lnbarre (bei 
Schott) erschienen : Nocturne, Oeuv. 91 ; Sonate, Oenv. 
92, und verschiedene Nazional-TSnze, Op.'93; 

Für Pianoforte. 
Wegen der Menge dieser Wirke und einer leichtern 
llebersicht sind die schon längst angenommenen Unter- 
abtheilangen durchaus nothwendig. ' Die Ausgäbet^ mit 
Bogbntung anderer Instrumente kelaufen sich zwar auf 
22, es-^isl aber diesnal nmr ein Duo concertAnt nour Pia- 
nnfincte et Qarinette oa Viokneelle, Oenv. ISO-/ Ton 

5 



T» 



1859. Januar. No. 5. 



SO 



C. 6. Reissiger (bei Paal) hervorzuheben. -^ Pur snoei 
Piano/orte erschienen 2 Nummern;, unter welchen die 
Ooi'lrAre'xä'AioziirtV Figaro, KhtÄdi;( etngericfclet^von 
F. V> B«ul«t V. LalUnbei^, obien All stebl (bei BerVi). -^ 
ßiefM^idt^es wörlfe natürUch vtei feibhef bcdacfct; wif 
zählen 58 neue Ausgaben. Unter diescB findet sidi^- . 
deutendes , z.' B. 3 arrangirte Sonalen von Beethoven^ 
Oeuv. 31 , noch 7 andere desselben Meisters ; 3 Sinfo- 
BMSen von Jos. Haydn; Fei. Mendelssohns Paolue und 
dessen erstes Konzert ; OtuIow's Quintett No. 22, Op.ST; 
Thmtke9§-s Noelvnie) ^4 m dr0w Ü/miks les jeones Pimi 
sles, Oeuv. 148, Gab. 1 — 7; von uinL Diabelli SNum- 

?era der Boterpe(jPortsatziing)f fiJAiges von Karl Caämy^ 
• ÜoßUnger^ A. Herz «. a. iv* 

Die ZaU der smseüimiigen Ausgaben ist immer aebr 
Bededtend. 0ie f^ariaztonan haben sich gegen loiis^ 
etwas einges^cfaränkt i wir haben aber doch 17 Hefte, er- 
hallen. Auch die arranjfirten Ouvertüren zählen imht ii 
Nummern, und die Märsche 8, unter welchen Beetho- 
vens Marcia funebre : daift* haben ilie Tänze einen Vcr- 
s^rQog soodi^r Gleichen, so dass die Liebhaber kaum da- 
mit fertig werden können; ea sind IIA Heflcbep gedruckt 
worden ! Unter diesem grosseii Segen sind d^is 131. Werk 
vee tannfr und 4 Hefte von Mtfsard besonders tu er- 
wähnen.—*- Von den übrigen sehr verschiedenarligeo Wer- 
ken haben^ wir wieder 130 neue Ausgaben gezählt, in 
welchen nicht allein für jede Bildungsstufe reichlich ge« 
sorgt worden ist, sondern auch für wahrhaft geistrteiobe 
Musik, schwer und leicht auszuführender Art, Aus die- 
sem grossen Reiehlhame heben wir» bald Kr die eine, 
bald für die andere Klasse der Spieler, Fofgende«. als 
vorzüglich beacbtenswerth aust von Dom^ SeärlatVi^^ 4 
Jjieferuogen (bei Haslinger)f von Dussek^ la .Coasola« 
tion, Oeuv. 62 (bei Crantz in Hamburg) ;. Sigism, Tl^t- 
herg: Nocturne, Oeuv. 28 (bei Mechetti){ von jM^Dieh 
ieU: 8Heft^ der fortgesetzten Enterbe ; ffaUoff* Guide 
et Ginevra (ohne Worte, bei Breitkoof ,«kid Uär^))) 
Mejire Nummern von Czmm, fferz^ Air(<pi< |i«.a.'w« 
ferner : 3 Album, bei Breitkopf and Uürtej ». bei Sichte» 
Singer, und Friese; von Seb. Bpck daA}'wehlici^pi^l^ 
Klavier in 2 Theilen , daim noch 4 Daette .vdn mm^ 
ben ; von Beethoven 4 neu aufgelegte Sonalen ; yon H* 
Bertrni grandes Elude», Oenv. 122« Gab. 1 (bei Schott); 
von C&ojP^.Qi]atreMaaurk«6, Oeuv* 33» und Trotsitfirtidtl 
V^aises brillante^» Qenv. 34 (bei Breitkopf u. Häi^teT)^ voii 
ilarl Czerny 3 neue Auflagen npd Op. 529 und 532$ Vob 
Händel 6 Fugen (bei Trautwein) ; von F. Liszt £ludes, 
Oeuv. 1 (bei Hofmeisler) ; D* Sttfielt Torage (bei Bote) ; 
ffef^z uni.Umtpn fehJen auiGh nicht. gn«8)j4. s. w« 

,., . \ou 4^eirbii€hem kamei^ ,die lOe, lle Und 12e Uo^ 
femng d^ ^nweis^ng^ J.JV. Hufnmeh bDiH^slidger bei»^ 
ans; von £. '^£/<7in'«rianoforte- Schule die 8e Lieferung 
bei Schubert in lieipzrgyvnnd.X B. Crkm&r*s praktische 
Pia^p(ar^eacMo i*^ aberinals ««« laufgelegl worden. :' 

^'\'\\ ''.'".'7 '. Für dt^ Orgei ." '. ' • 

f rhieltf^i/wir . ifi t^n^iiniero > .w^«il)l^ ^b 6 Präln4kMl 
Uff4. J^^gw.yoß Seif. sßfufh.O^h Va^ingeril ausfMieiiiielil^ 
i|^ArV;^eocft4Sch-jq'akr(i^¥ Anleünog «irm Orgeilsfiian 



'ten, äs — 6s \ltii; dessen Choralfrennd , 7r Jahrgang, 
4s und 5s Heft; Adolph Hesse» Op. 60, und Jfuseum» 
6/ Abnbitfk. Heft 4 uÄ 5. ^ ^ 

Sdbst für üe Phi/thitrminiia wutden un») Werii- 
cKeff bescheerl. 

Tür den Kirch engesang 
(fi in 21 Werken gesorgt worden, von denen diebeden* 



jrgt 
)cnei] 



l^ndMen bereits besprochen worden sind. Die Todten- 
messe von Hect, Berlioz^ Op. 5, bei Hofmeister, haben 

Mehrstimmige GesMnge mit und ohne Piano* 

, ^ /orte - Begleitung 

vermehrten sich durch S8 neue Ausgaben,, dfiren vorzüg- 
lichste be)^ei(s in diesen Blttltern besprochen wurden oder 
sämnillich noch beuriheilt werden, sobald n^an eid# An- 
zeige durch Einseadun«; eines Exemplars wünsehi. 

Opern und Gtsängä aus Opern mit Pianqforte 
sind mit 19 Werken bereichert worden. Urfter diesen 
ist die schon beurlheilte Oper Halevv's: „Guido et Gi* 
nevra'* (bei ßreUkopT und Härlel);' ferner;, voh Adam i 
„le iid^le Berger,"^' und von Thomas: „le Perujmiier^f 
(bei Scholl) ; dazu einige wiederholte Opern von jBeüim 
üud Sammlung komischer Thealergesänge. . 

Lieder und Gesänge ßlr eine Stimme mit Piahofötte 
wachsen dergestalt, dass man glauben sollte, sie könn- 
ten gar nicht alle auch hur einigermaassen erwünschten 
Absatz finden, wenn man auch die wirklich sehr ver- 
breitete Gesanglust der Teutschen noch so hoch ansc)ilägiv 
Denn im Fache der Lieder und ernsten Gesang^ frommer 
und häuslich erquickender Art ist der Wechsel und die 
Sucht nach immer Neuem lan^e nicht so gross, als in 
theatralischen und noch mehr in Instrumental - Werken^ 
mit Wegrechnung des allgemein aoerkannt Rassischen, 
Und dennoch haben wir in 3 jMonaten, die Gesäuge ml 
Guitarrenbegleilung dazu gerechnet (30Numm(^3, ^'^~ 
der 166 neue Sammlungen empfangen, worin fiir £e 
verschiedensten Bedüiftüsse geaorgt wuide. 

Jlf it yerwetsi^og ^uf den forllaubAdiNi Artikel w)I»in^ 
4er und Gesänge ,^^ mjichen. wir verlSu£g nur im Allyn- 
ineinen Wiuejksam auf 5 GesSnge. vo^ /o«. JhßamiBt^s 
wX M^jferbeerU gesmn^lle .Ramaozen undi^iedeir (vetv 
Hutscbt),und auf 6 lül^ien et Romanc^s desselben Kooi- 
oonisten; auf (X 6. Keissiger*si^f^. 131 »i die 2de nind 
30e Iiieferuuff desiNacblassen. von Fr. Slobubertsi Mai*, 
MaUbran »^Pcns^s,;** Uv. j;. Op. 9, von Mßtki&m% 
L. üuih, Op,. l^r-20.( dei|..$qmap29in9aal |in»der.jSein«(} 
auf 5 Album ; auf die forlgesetzten Leistungen von Kü- 
ckert, Op. 23, 'Viii[k'Fr.€t^9.\baAner9^Cl Löwe, Op. 62, 
6-^ u^i 9^, Hmr./Pwfh, Qp- 4(7 -h52 •• •«. <v- . •• 

. J^eve üehut^nund L,^]bilcker */es Ge^mgPß» febr 
]en nicht im Geringsten. ; Wir PfrbieHCü.Vffn^jil/amGan- 
cia: „Exercices pour la Voix " j von J. JE, Häuser { Die 
Sing»tunden'>abi\na^l^rte'» "oderVmelhodi^b geordnete 
filemeMargetfaflfcdwigen , Ofi M^ md 'th- ÜmmlHi 
In eia k e ^nnd igclMiige^tüugäfawgei> In f Arien » Romanaea 



8t 



^SiSk. JaBiiov. NeV tt. 



nnd DatUctt ¥4MI DamselU^ rBellini» Bofioii. n.- ««w«, 
le Lieferaof I t^u b. ChenAimit Solfeggibn.fiir das Pa^ 
liscr K#M«nraforiaiD,. Liv. 2 ; ifqh Ad* Mädons Leiir- 
hwik de« |;rcgoriaQiMhefl Kirehanguaagcs ; von Ad, Mut- 
kr: Dier L^rmeMter Jm Siogco «lil BedeilOQg des Pi«" 
«•forte p i« 90 gaoz leidilefl ood getalngen (v^sangatäi- 
ckcA; von ZAget: masikaliadiea Schoij^efaagkaoh , le 
Ab(hoUiuig. *^ Zttsanmen 7 Knmmutu» 

Theoretische und geschichtliche Werke ' 
nk Ausoabiiie der muaikalischea ZeiUchrifkeo eradiie» 
aea JU. Dabei iat Aug. ßerg4^s Bnefirccbsel mü Lo» 
jMnsbeacbreibfing des VerstorJieaeB voa. C. G* Meritig; 
F. S. Gmsener'e Pirlilurkeimlnias, 2 Binde; J« U. L. 
F. Jansen evangelische Kircbengeaaiigkonde « ein «ney.- 
UofNidisobes ikndbocb; Gmt. SMUmg's AestbeUk der 
TonkiMül 10 2 Bäoden» desselbe» PoiypboiMimos^ le Lie- 
ferang; 2 Operalexibneher : Znm Ireoen Sdiifer nnd 
der Jreriif Hier. 

Keebnen wir nun die 3 Uebersiebloa , die wir mn 
den bera4»geluMMDelien JttasikwerLen des «ctoBosseuen 
Jabres gegeben haben, jeder Gallong und Abdietliuig noch 
50 sosMMseny dass wir die jetzige Uebersicbl der 3 leis- 
ten Monaie mit ///, die vorige von 4 M«nalen (& 6S1 
des vorigen Jahrganges) mit // und die Frühere von 5 
Monaten ^1838 S. 48o) mjt 1 bexeicboen: so erhalten 
wir vom labr 1898 folgenden GesanMiifiberbK^ : 

///. //. /. . 
Für Orthestcr 1). t5. %% KnfSmiiea 49 Werke. 

- Vi»lioe.. 29. 36. 60 — 125 ^ , 

- Brattebe 1. 1. — — 2 — 

- Vltflfweell«. fl. 10. W — S8 -^ 

- Flöte., •....-.... 23. IT,. 46 »^ M — 

- »ödere niatiastr. ..... 7« -*- Ö — 16 — 

- Guiltrrc H. 7, 13 — 36 -:- 

- HÄffe 3. 3. il — rt — 

• Pit»oforte 355. 306. S86 — 1307 — 

- Orse* U- »Ö- 17 — 51 — 

- Kircheagejaag •-.-..... 2li* W. 33 •— 1% ^ 

- Oper....... 19. 26, 38 — . 83 — 

- mebrstiminiseQ GaMDg 38/ 31. 43 '— 114 — 

- eratlinni^eBGesaD;.. 166. 158. t29 — 553 — 

- GenaglelirtNi^er.... 7. — 17 — 24 — 

- neone u. Qi^phlchte, II. /lt. 18 «^ 44 -^ 



73l(. 725. 1106 suMuniiMa 2A33 Werk«. 
So hat abo dad Jnhr 1838 Samma Swnmanmi 8623 
JUnsikwcrke geliirferi« Wiü hoch .sich aber die Snmme 
aUer auf die Presse harrender ManuskirifAe belanfen.emg, 
das wissen die Götter» nnd der ftlensch begehre nicht 
zo schauen^ was sie en^dig^ bedecken mit Nacbt nnd 
Granen. Dbch ' scbliift &n'<ih. mancher Schatz im Verbor- 

Eiren fter'lNacfat bud koiqoit Yiiclit ian das Licht; viel- 
chl hebt ihn dfe Ziikoiifl, die als Vfefge|terin d^s 6n- 
ten voft j^er 'fl«iSbiArg eeUebi i$t. :' '> / 

iel in Wa¥rheilveiUdeftu<iHid Vw'det k. Ix «nfKbK^ 
tfadk tniiWami Ofr lirnilmifkiUliMie^SaiihnMAr erwiirben 
worden. Diese Urschrift, von'iiicAr eMett'b» ziirUetz» 



Iw Note von Menmt sMst geedirieben, e4ih|[h aieh 
Aa»8anetoSy Benedieloi, Agnns Dei und die Wiederhol* 
vng des ersten Salses mil der Pogev Dieses Brcignitfs 
wira der nuiikalischen Welt in einer eigenen Schrindee 
Herrn Hofratb von Mosel ansfllhrlicb miij^ibeilt werden. 
In Kurzem wird sie erseheinen nnd wir werden dann 
sogleich «nsero geehKen Leser mit dem Mäh^Mn be* 
kennt >o machen uns beeilen. 



Lieder und Gesänge für eine Sing^mme mit 
Begleitung des Pianoforte. 

Album deutscher Lieder und Momanjsen, kom^nipC von 
Karl Eckert. Op. 12. Berlin, bei Gustav Crantz. 
Preis 1% Tbir. 
Eine dichterische Zoejrnung (mit Feldblumen, von 
Fr. F.) an die Frau Gräfin nossi^Lauensteiii, geb. Henr. 
Sontag, welche sich über diese Weisen des jun^ Roai* 
ponislen sehr zustimmend aisspracb nnd sie sich selbst 
ans einem grösseren V^rath iwühUet gebt diesen 12 
Nummern voran. Das ,4^r:«blii|gslied^* v^e Fr,9^ärMnr 
isi einfach schSo, in der liomposMion f^it ypikam&snic 
nnd naturgetreu erbeitei^nd. No, % von Hoff«ia|Niiv..Faf 
lersleben: „.Sie weiss es. nicht» wie ich mich wiege m 
Träuineii von ihr*' u. s. w,> im JUelodiiHrfinn .des Ge* 
sapgeseben so einfach» nur dur«b TrjoleebegleiAuw, 
VorbaUe.und reicher^ ModnlazioD gesokraöcbter nud sen- 
nender. ,,Die Braut auf üelgoifMid,? Romanze v.on Fr^ 
Försler, ganz einfach und doch wirksam, weil angemes- 
sen und ungesucht empfunden. So ist auch Riickert's: 
^Dem siissen JLaul« deiner Worte hei sieb eikin ge- 
weiht mein Ohr,'* blos .durch Tri0{enbegleitung und ein- 
zelne leichte Harmonieverhindun^^eii verschönt. ^»Lidi« 
röschen^* scheint uns im Texte gelungener al^ in der 
Komposizion, ob es glsich bei gutem Vortr^gjß. wirken 
wird. Heine's ,,Es ßllt ^in Stern herunter'^ ist sin- 
niger gehalten und schön. Es folgen noch: .,;Der Doge 
von Venedig,'* Ballade von Fr. Förster; von Hoflmann 
von JPdIersieben : ,, Wenn auch meine Wangen blü- 
lien'^ u. s. w. ; ,,Die Abendgiocke**; »»Tauseodschöo/' 
-beide Gedioble von Fr. Förster^ „Weil ich nicht an- 
'4iei*s kann, als linr dich lieben,/* von Röoketk; „Amor 
tiis Savoyard ^* von Fr. Förster. Alle JMeledieen und 
fiegleitongen sind so einfach, als die in der ersien^Hälfte 
beeehMebenen ; im 'Ganzen 4e«tmt für den Gesang »käne 
4iinzige .Koloratur vor$ jede Sifrngerin uftd jedel^ fiXnger, 
iteasen Stiointe' reinen Toni >bat und deesen G^bi am 
<BeMichlen tend Naturgelraicn Gefallen fiiidet,'^rd diese 
Lieder g;^fm -fingen und efwas Eigenes ans seinem' in- 
tern iScilMl%e der 'Emp6ndang noch faineintegienllönnenF« 
^Idi^ (VoKragehde werden- eneh mit dato' Ansspriiehb 
liet* Bciiöfeien'mAii idbercmstimmen^ ^jDiesi< -Lieder sinA 
trtebt'UelRirdentGiSBimg, eondeni eneh danUbiar^filr'diato 
Hil^)g«si)brieberf.^<<' Dabei haben diese [Weisen iltnbg^ 
iwiMedogendwnKrkeitftfr Siebs die sieh^nieht tftei' 5i<4 
«elbbr ;isai evhcdM» und keine firfabrung ndd-Tielb <Mft 
€re(ttbie>M ei4ieiieheln bestrebt^; wai ebe^ ner^nnrOESa^ 
«fM^^imd <M«vabrlieir»fifkrfn üosn;^ ^^^ Mtez^diesb 



1839< Januar; No. 9. 



S4 



^4Htk Kompomisl^a kewiMene Creradheit sehr hoch' und 
^aaen dariuf mehr Hoffnungeo fiirdie ZuksnA, als wenn 
wir diese LieAerloobilder ia noch so auffallend, zeitge* 
inässer Ueberlarbiing Taadefi. Es gibt jelzi eioe gewisse 
^og«Daonle Genialiläi ip oiaiMher Jugend, von der man 
pbne allen Profelensehein voraussetten kann, dass sie 
zu Grande gehen uiuss. Hier isl den Jahren nicht zu 
weit vorgegriffen ; es ist s<;hön, dass in diesen Jugend* 
liedern das Altkluge fehlt bei offenbarem Talent und 
guter technischer Bildung desselben Tonsetzers. Wir 
freuen uns daher, zogleidi anzeigen zu können, dasa So. 
Maj. der König von Preossen den jungen Virtuosen und 
Komponisten zum Kammervirtuosen und zum Mitgliede 
der jLoniglichen Kapelle ernannt hat. 



1) Fier ^^tsche Ueder von G. A, Gross, 2s Heft. 
Hamburg» bei J. Aug. Böhme. Preis 10 Gr. :.. 

2) Liebeslieder von J^ B. Gross* Op. 25. Lübeck, 
. bei :Uoffnann und KajbeL Preis 12 Gr. 

No. 1 bringt schöne/ sehr einfache und eigen ge- 
fühlte Lieder; die Texte gut gewählt, 2 von Chamisso, 
eins von A. Blumauer und eins von Pauline v. Bredowl 
Alan übersehe sie nicht und versuche ihre Weisen. — 
No. 2 'ist von dem Bruder des Erstgenannten. Seine 
diesmaligen Gesänge sind gelungener, als seine früheren, 
am meisten gefällt uns No. 1 von- Cltamtsso, No. 3 von 
Asmus im A^lkslone, und No. 6, Thränen von Cha- 
misso. Sie sind beachlenswerth. . % i 



1) Fünf Gesänge von Otto Tiehsen. Berlin , bei Gu- 
sta;v Crantz. Preis V2 Thir. 

2) Fünf Gesänge von Heine und Müller, Op. 2. 
• Preis Vi ThIr. 

3) Sechs Gesänge. Op. 3. Preis V^ Thlr. 

4) Drei Balladen. Op. 4. Alle von demselben in der 
genannten Verlagshandlung. 

Das sind die ersten Gesänge, die dieser Koihponist 
der Oeffentlicbkeil übergibt: aber sie sind gleich im. er- 
sten Hefte so frisch^ melodieen reich, zart und innig ge^ 
füblt und durch lebhafte, uicblüberküusiehe, nicht schwere,' 
4abei gewählt erlondeaa und gehaltene Bi^eitung geho- 
hen, dass wir überzeugt sind, er wird damit sich allen 
Sängern (Tenor oder Sopran) und Hörern lebhaft empfeh* 
lea, d^ «uch die Gedichte, sämmtlich der Liebe geweiht, 
guter Art sind. Wir haben gar nicht nölbig, daa erat« 
Heft der Eieihe nach dufchzugehen j sie iiod alle schön 
und, n^üsaen bei gefühltem Vortrage lebhdift gefallen. — 
Daa zweijte Heft ist wieder recht schön, in anderer Art 
trefiPlich erfunden und abgemessen gehalten: doch hal H 
3iida aiberall.indir jene Frische und liebenswürdige Nar 
lörlichkeiti es stiehlt sich der Zeil • beliebte Geaangea- 
fejnd etiler etw^s. gesuchten Originallust zuweilen milteii 
in das Schöne und zeilheilt das Wohlgefallen, weon auoh 
Aar heimlich 9 so dass man ea sich kaum gern geatebi^ 
jJiein. der Pfeil sitzt doch und die Wunde iat gemacht. — 
£9 sind aber nicht Wenige, unserer Zeit» die dergleiche« 



kleine Wunde» Heben ; es^ kann stob^ daher sügur tt^Sho» 
d4ss diescnodas. zweite ^fleft selbst' nioeh mehr, als* das 
erste? bebagt. Anziehend ist aiich* diese Saamtung ge- 
wiss, -r- Das dritte Heft ist aus der Alemannia ,• ei neir 
äammlong teutseher Geeänge von %*erschtedeften'Kbmpo* 
uisten, besonders aosammengedrackt. - Der Nechlgeseng 
von .Hofinaan v. EaUerslebea is%> sehr achön. Uetne^s 
,,Ich habe im Traume. geweint'^ trefflich und höchst ein- 
fach. Das altteutsche Volkslied ,.Liebesgruss'' steht an- 
gemessen. •Heine's sb viel komponirler Text „ Es ist 
ein Stern gefalleif schKesst sich den- gelungenaten Toa* 
wmsen an.- „Daa warst Da!^> von Kürnbr ist hfibaeh 
und daa Lied „lader Fenie^* nicht minder. --• Verden 
Balladen sind die' heidea: «ersten t „Brautwerbung** und 
,,'Det* Baucrnsoha und die Fischerin** von Reiehenaa 

S dichtete Die erst^ hat ihr Bedenkliebes für jnngd 
ädchen; die zweite *zej^l allerliebst, was rechte Liebe 
kann, und die dritie ,' ,yUer stille Grund** Von Eiohen- 
dorf, spielt lieblich in mondheller Nacht wie im schönen 
Vraume. 'Keine ist- zu' Ung, jede ein eigenes* Bild für 
sich; Diebta in allen diesen Heften in blose Manier ver- 
sunken, vielmehr stets sich selbst in neuen Farben dar- 
stellend. Man . hat* also Ursache auf den - jnag^n Kom- 
ponisten aufmerksam 'Zu sein. Er fst zu empfehlen. 



Sieben. I^ieder %md, Gesänge von J0seph RUin. Kola» 
bei £ck u. Komp. Preis 25 Sgr. 
Das erste Lied ans Goethe's Faust: ,,Dcr Schäfer 

flitzte sich zum Tanz,** im ScHuellwalzer mit obligatem 
iauoforte munter und läudlicht derb ohne Ucberlreibung. 
No. 2 von Goethe: „Hab ich tausendmal geschworen^*' 
nicht übel, doch auch nicht besonders.* No. 3. Annchea 
von Thdrau, von Simon Dach, Jhat sich im Gesänge recht 
hübsch auAltvolksthümliches gebaltrn, übrigens nicht be- 
deutend. No. 4. Lebe wohl, von Uhland, in etwas lee- 
rer Sentimentalität ; es ist sehort besser komponirt. No.5. 
Trost, von J. v. Eicbendorf, hübsch, aber gewöhnlich. 
No. 6. Der grüne Kranz, you Vf - Wackernagel, mag 
gut sein. Den Beschluss macht „Die Warnung vor dem 
Wassernix nach Hildebraiid's Bilde,** von K. Simmrock. 
Es gehört zu den besten der Sammlung, wie die erste 
Nummer: nar is4 in allen diesen Liedern zu wenig ei- 
gentbämliche Erfindung. Mao kann die Nummern auoh 
einzelu bekoknmeii. 



Das Scktoss Boncourt. Gedicht .von Adalbert v. Cha- 
misso^ kompoiiirt von /. Meithieux. Op. 9. Ber- 
lin bei T. Trautwein. Preis 6 Gr. 
Es ist dem Andenkept des vcrc^wifSten Dichlers ge- 
widmet und von der Komponistin würdig gesungen. 



\)'Stehs deiitsck^ Lieder von FrdK'Rückert, In Mnsik 
geselztvoniiA/.^a7>ona.Xaa<?KOp.ö. Pr. ViaTblr. 

2): Sisekß li^Ufcke* Lieder von*if. iKnutr. Voademsel- 
bea. Oä. 6.. Beide HeAe bei T. IVaataveia «i Ber- 
Jia. PreiaVia TUr. . , . 



85 



1839/ Jhhiiiif; Nfe. ^ 



86 



Wer «ntpniehlose , leicht gafaahehe Weisen der 
Liebe, m wekhe der Vorlragende eigene EmpSndonfg im 
UodifizireB des Tones oliue grosse Scli^erigkeil 1e- 
geo kann, glänscoden Bravoüren und nearomanti^cbeon 
Schwaiige vorziehl, -wird im ersten Uefle Befriedigung 
finden. • Auch das zuteile HeFl, das tioch öfter in jMusik 
gesetzte Lieder enthält, nimmt kernen' höheren Seh wung, 
so dass Viele jenes sobaorigen Hintergrund vermissen 
werden, 4en nirhi selten Ueine's Zerrissenheit des in 
Sehnsoclit verödeten Herzens allerdings fordert. Der 
Verfasser hingegen erstrebt das Snhiicble sowohl im Mer 
lodische» als im Harmonischen. So recht und gut nun 
aach dieses Streben ist, eben so gewiss ist es, dass das 
Rechte und tief Wirksame auf dieseoi Wege weit schwe- 
rer zu erlangen ist, als wefin Uian sich jenem herr- 
schenden Auftragen stark kontrastirender Farben über- 
lässt, die scharf in die Sinne schneiden. Das Streben 
ist also als ein u'beraos löbliches anzuerkennen, wenu 
wir auch gestehen müssen, dass den meisten Tonsätzen 
dieses zweiten Heftes etwas fehlt, was gerade zum 
Scbliebteu noch weit fiolhwendiger gehört, als zum Bun- 
leo und Uebi^füllten, welelies sich durch Betäubendes 
und Wunderliches hilft.- Alles Verderbliche findet leich- 
ter geneigte Herzen, als das Gute, das nur erst iö der 
Vollendung den Sieg davonträgt, dann aber auch blei- 
bend, so weit dies im Weisel der Zeiten möglich ist. 



Der angehende Pianoforte- Spieler. 

Gans leichte und gefällige Uebungsstücke nach den Re- 
geln der Applwatur und in methodisch fortschrei- 
tender Stufenfolge vom Leichten zum Schweren. 
Zttr Bildung eines ruhigen, leichten und gefälligen 
Vortrags, zur Forderung einet möglichst gründli- 
chen und schnellen Erlernung des Pianoforte und 
zur Selbstiibung, bearbeitet nach Cramer^ Czerny^ 
, Ralkbrenner, ß. Müller u, s. w. Ein Lritfaden 
beim Unterricht für Lehrer und ein Geschenk für 
Lernende. Herausgegeben von G. Wilh. Römer. 
Oeuv. 12. Liv. 1. Erfurt, bei Wilh. Körner. Preis 
8 Gr. 

Der lange Titel sagt Alles. Man findet in diesem 
flefle ganz das Gewöhnliche. Die Uebersichl der ersten 
Elemente des Klavierspieles (und alter Musik) bringt 
Notenplan, Benennung der Noten, Versetzungszeichen, 
Gellung der Noten und Pausen, Punkte, Taktnolen, 
oöthigste Zeichen, Abkürzungen, Tpnleiler und einfache 
Intervalle derselben. Dann Vorübungen für beide Hände 
abwechselnd* Mit No. 34 ^ehen in ganz kurzen Sätz- 
chen Umsonofibangen für beide Hintie zugieitb an (nicht 
anders, als* anderwärts, nur etwa .läager fot^tgeführt, 
was «kht Kr Alte nfttbig ist). No. 66 beginnt die Trenn- 
ung beider Häado' In- sehr kurafen tarfd leichte» Satz^ 
chen. Mos IZstimmig^ No. 79, von wo an 3sfimmiges mit 
^nterläofl« :No. 91 bis zum Schlösse No. 96 folgen 
Shiodige, «bea so leichte SätBcbea,.A«rchaifs in Cdur. 
Aus diesen» erste» Hefte k(Ntnen wir keine Veribessermig 
inrLehimrt gcwakr werden ^ eamOssle sich im Felgen^ 



den zeigen. Selbstühung' der Schiflbr in solchen Aofiüi«! 
^n ohne Beisein des Lehrers oder eines Stellvertretera 
ist schlechthin naohtheilig. Die iiigend« aiiiettet siohr da** 
mit mehr Fehler, als. Gutes an; Und so kennea wir 
denn das Heft bedingungsweise wohl unter die brauch«« 
bar^n, aber nicht unter die nölhigen zählen, da in frü- 
hem Werkchen dieser Art Alles eben so schoii dage« 
Wesen ist. 

In derselben Verlagsbandlung ist erschienen und für 
3 Gr. zu haben: 

Musikalisches ff^ürfelspiel^ 

Plan A und B von L. Fischer. 
Es ist, um Kindern die Noten spielend zu lehren 
im Violin- und Bassschlüssel; höchst unnütz und Zeit-f 
raubend. Man soll mit der Kunst kein Spiel treiben, 
braucht es auch nicht: ein gescheuter Lehrer weiss den 
Kleinen die Sache auf eben so leichte und noch sehneK 
lere Art beizubringen. 



Reinricti Joseph ffassermann 

wurde am 3* April 1791 im FuMasohea Dorfe Schwarz-» 
bach geboren, wo sein Vater ein aifiner Do^fmusiker 
war. Bei körperlicher Schwächlichkeit zeigte der Knabe 
schon früh Talent zur Musik und Lenihegierde, woduixÄ 
sich der wackere Lehrer des Orts, Herr Stumj^, ver- 
anUsst fand, ihm den ersten Unterricht in. den Anfangs 

{runden der Musik und im Violiospiei zu ertheileix^ Seine 
ortschrilte waren so bedeutend, dass er bald BeachluQg 
fand und dem verdienstlichen Stadt kantor in Fulda, Herr 
M* Hehkely der schon manchen gefichickten Musiker ge- 
bildet hatte, empfohlen wurde. Dieser würdige Mana^ 
vor welchem einst der Knabe im .ärmlichen Aufzuge cioes 
fahrenden Musikanten ei*scliien, nahm sich seiner in Liebe 
an, ertbeille ihm unentgeltlichen Unterricht im ViolinspieU 
und späterbhi in der Lehre des musikalischen Salzes, sorgti^ 
für seinen Unterhalt and bewog seinen Bruder, den da* 
maligen Professor am Fuldaschen Gymnasium« ikia Uu" 
terricht in der laldniseben Sprache zu erihrilen» Uniepr 
dem Schutze dieser rechlschafleoen Männer, von i^velr 
chen W. sein Leben lang nur mit Rührung und inaiger 
Dankbarkeit spnechen konnte, verweilte er 6 Jahre ia 
Fulda, wo er auch nodi den Unterricht des geschi«}ktea 
VioKnspielißrs IVickel beaittzte.> Der angestreiMrtesle 
Fleiss Dolohnle die Bemübuageo seiner Lehrer. Si^hdi 
.weit vdrgescbfiliüo erhielt er sein erstes Unterkommea 
bei« dem Reiefasgrafen v. Gärz zu Schlitz. Sowohlihia 
auch die sorgenfreie Lage that, blieb er dorb nicht laag^ 
da ihm das ersehnte Glück wurde, in L. Spohr's Schule 
(damals in Gotha) sich zum Meister bilden zu können* 
Von hier wurde W. als erster Violinist, io der herzogl. 
Hofkapelle zu Meiningifn angestellt, welches Amt er nur 
einige Jahre verwaltete, da er iat Spätherbst 1817 als 
Mosikdirekior nabh .Zürich v ging, um sich Ueboog in 
Leitung eines Orchesters zu erwerben, vielleidit auch 
in Hoftivng, dass diese Veränderung seiner sehwäcbli« 
eben Gesontteit aufhelfen werde» Anok hier blieb er 



8f 



1839.: JamHir* N». 5» 



88 



wm hk in fba Mai 1820 und traU von Canrmü^ Mreu^ 
Hit dastt aifgerofen, ala erster VioKniai in die ISratlieli 
Fiirsleobergache Kapelle bu Doneoescbingeo. Hier lebte 
er mit Krtdlzer find dem Flötisten KarJReUer^ ku wel- 
ebem er sich besonders hingeiegen fiiblte und mit wel«> 
ehern er bis an sein Ende in freandscbafllkher Verbin« 
dnng blieb, einige Jahre techi zufrieden» Eine innere 
Unruhe, die nur in seiner zunehmenden Schwächlicbkeii 
ihre Quelle haben mochte , trieb ibn auch von hier bald 
-wieder in*s bewegtere Leben. Er unternahm Reisen 
nach Paris, Sirassburg, Karlsruhe, Stuttgart, IMun- 
eben n. s. f., aberall als vorznglieher Violinspieler An- 
erkennung 6ndend. .1828 verhess er Donaueschingen 
ganz und ging als Musikdirektor nach Genf. Hier Tand 
er zwar eine liebenswürdige Gattin, zog aber doch den 
Ruf nach einer Stadt der teutscben Schweiz, nach ßa- 
^1, vor, wo er im November 1829 die Direkzioo des 
dortigen Liebhaberkonzerls übernahm. In dieser Stell* 
nng und als Musiklehrer entwickelte er eine im Ganzen 
sehr gedeihliche und frucbtbringeode'Thätigkeit, trug sehr 
viel zur Aufnahme dieser Konzerte bei, bildete treffliche 
Schüler nnd verschönerte die häuslichen Musikunterhalt- 
nngen. Abe^ schon im Jahr 1836 entzog ihn eine uu* 
heilbere NervenkrirnkbeH seiner Wirksamkeit, nnd im 
Angnst 1638 endete er in dem eine Stunde von Basel 
gelegenen Dorfe Riehen, wo er der Behandlung eine« 
Arztes übergeben war. 

Ueber Wassermanns «nsgeieicbneles Vesdiemt als 
Vtolinspieler ist nur eine Stimnve. Sein Ton war voH 
tind )*ein; sein Vortrag Hel^, seelenvoll^ i^oisartig') im 
Allegro vielleicht nicht lebbaft nnd keek geniw, aber im 
Adagio höchst anziehend nndiKeblich. fiine<lbmposiziott 
seines grossen Meisters Spohr oder Viotti's, oder Sonst 
dergleichen gediegene WeHro von ihm vortragen zli hö« 
ten , war ein echter Knnstgenoss. Eine gewisse Jie|^- 
samkeit nnd Peinlichkeit , die unstreitig ihren körpern^^ 
eben Grund hatten^ stond. der Wirksamkeit Wassermanns 
als Dirigenten und Lehrers allerdings im We^e^ und 
di^se Fehler wurden von Manche» einseitig bemerkt und 
beurtheilt« allein seitae JHeisterschaflt im Spiele nnd in 
der Orchesterieitnog gebot Allen Achtnng. Sein Einfluss 
auf seine Schiller war bildend nnd begeisternd, und die 
atenigeren Freunde der fionst schätzten seinen guten 
Geschmack und seinen wahren Enthnsiasmus för die 
Musik, womit- er sehr viel Sinn far Poesie verband« 
Merkwürdig war sein musikalisches Gedicbtnisn. (Seni^ 
Momposizxonen für Violine, Flöte und andere Instrumente 
ersehienen bei Fir. Hefineister, C. F. Peters in iLeipzig; 
Palter nnd Sohn in Manchen,- N. Simrock in 'Bonn^ 
fi. ftnop in BaseU werden gesohltzt und sind jn ihrer 
A^t schätzbar; 



..* J^ u ^r 'S c h u l e n..y\-, . ' ^ 

84 lÄ&iet iMui ^Gebrmtche t»r VöUtufimlens dtchnpooM 

^'fn^ George Hmmrmr* .IsHeK. ^'WtirBbük*^. ..Preh 

'. .'SO.'Kr^: ■• - - • .V-. .; 

, iJwn. SU HeEU. Ebdndaseyisti Preis äSidSr.« : 1 



Der ente Oeanüjg „An 6oti<< auf eine.SUrophe isl 

Sit nnd kindlich dreistimmig für 2 Soprane nnd einen 
It gesungen. Es folgen 5 mehrstroKgo einstimmig 
gesetzte Liederi „Natur^*; „Die Tugend*<i „Am Mor- 
gen'*; „Ver und nach der Präfnng«^^ die Texte nicbi 
ungewöhnlich und moralisch, die Weisen pasaend, die 
beiden letztgenannten die Versammlung ioanplimenlirendf 
wie die beiden zweistimmigen über denselben Gegenstand 
auf andere, dem Inhalte nach ähnliche Worte, Zum 
Wechsel noch 2 dreistimmige vor und nach der Prüfung. 
Im bunten Gemisch reihi sieh ein 2stimmiges bübschea 
Waldbornlied an einstimmige kurze Liederstrefen zur 
Hebung des Taktes und des Tempo, worauf wieder 3 • 
und 4stimBuge leichte Lieder auf das Nenjahr, die Vor« 
fassungs- Denkmünze (in Baiern), anf den Tod einer 
Mitsehiiierin folgen, ein einsiinmiiges Strieklied, das Ge- 
bet des Herrn, Ssttmmig, vor und naob der Schule n.s. w« 
Die Lieder sind gut gemacht, im Geadunaeke Jener Ge- 

E enden, mehr des sädUcbeo als des nördliehen, mehr dea 
artboliseben als des . protestaniiacben Vaterlandes. Das 
andere Heft, in d^rsetfaen W/ais«.geaelnt, JM-ingi.die Lie- 
der erst einstimmig, dann awei-, direi«- nnd vierslimmtf, 
ernsten und muntehn Inhalte. Die Lithografie isi nicbl 
ausgeteichnet, dooh liest aie sich .ziemlich gut : «nr sind 
die Druckfehler in. den Noten vca den Lehrern» wdebe 
diese Hefte gebrancheli woUeo , z« bet*iehtigen , ehe nie 
den Kindern in die Hände gegeben werden. 



NACHniGfiTEIf. 



Salh a. d. Saale. Am 19. d. veranstaltete der hiesige 
Basssänger und Gesanglebrer Nauenburg abermals ein 
Konzert, d«is eines überaus zahlreichen Besuches sich er- 
freuete und vielfach Ergötzliches und Gelungenes brachte. 
Gegeben wurden die Ouvertureu zu Jdomeueo von Mo- 
zart^ zum Sommmernachllraum von Fei. Mendelssohn- 
BartboIHy, ein Violinkonzert von Spohr, vorgetragen 
von MD. Georg Schmidt, ein Duett aus la gazza ladra, 
gesungen von Mad. Job. Schmidt nnd dem Konzertge- 
ner, welcher noch allein vortrug eine grosse Sz^ne mii 
Männerchor aus der Oper ,, Der Graf von Gleichen' * von 
Bberwern (Manuskfipl), eine grosse Kotizer^tarie von De- 
t^ker (Mann.<kript) jund zwei neue Lieder von Cursch- 
mann und Decker. ' 



Lmpait. Unser drütes jibonnemUnt-QüarMt er- 
ftfedte die Liebhabelr gladiegener iMnsiknnlerhnilttOg alsi 
X^n d. mit einem. Quartett von J. Ilaydb,.dem in seinnr 
J^ft ieinz%Qn -Gnibllt^QQlnlett von.Mozant und i tum JBop 
atebtasaimit iddm Adulr^ Qual*teaBeethovteAS4' indes idi^er 
Meisterwerke wurde seineoi'eigen(büinlioh6n.Wefc^n»aiA 
00 Vörtmfflieb'.auagefiliH, idaas es^ubh oioht Einen iio der 
.Versamoilttng ^db, . der «nidtt in. dib (Beweiae dcteiniii^ 
■Minen 'M^omgeftltenb/iein^eatitnmt'bBHei Gans Vorzug 
&oi^M>!!iich ÜUonanraherrliabea i(2oinlntfrhertFoiv disaate 



89 



1859.' JatMni No/öi 



es ia soleti^r lJ«bereiASliimnUDg> bis h» Feinste ten der 
ersten No4e bis zur ktsteo vorgeirageo ; es wmr eine 
durchaus voileadete Ausführong. »-^ Am 23, gab det 
Um'üersüäts^SingerüdnriH, der» aus lauter Sludirenden 
bestehend , sieh seil lai^er Zeit grosse Verdienste um 
die Kircheomnsik erworben luti, ein Konsert im Saale 
des Hdlel de Pologne. Wir haben die Thäligkeil des 
sehr ehrenwerthen Vereins öfter rühmhchsl erwSbnt und 
früher nusere Leser mii der Gesohichia desselben be* 
kannt gemaebt« freuen uns seines glüekliehen Fortgaiir 
ges und seines derseiiigen Vergnügens, das er an die- 
sem Abende aueh vielen Hörern brackle« Ausser 2 be^ 
kannten, vom Orchester vorgetragenen Ouvertüren von 
Beethoven und K« M. v« Weber (Jubel -Ouvertüre) hör- 
ten wir noch eine neue von einem Mttgliede des Ver- 
eins, Herrn E. Hausekäd., einem jungen Theologen« 
Sein Werk sprach allgemein an und verdiente es. Der 
Gedankengang halte rluss und klaren Zusammenhang, 
nichts h'lt an jeuer schwülstigen Uebertreibung, wie sie 
uns die fast zur Mode gewordene Originalsucht mancher 
angehenden Tonselzer nur zu gern zu bewundern gibt $ 
zur ungesttcbi gesunden Melodie und Harmonie, die beide 
in frisch rhythmischen Eioschoitten sich gefällig mach- 
ten, gesellte sich eine sehr gute Kenutniss der Iiislru- 
mentazion, die sich überall erst in mannigfachen Erfahr- 
ungen vdHig abrundet. Und so haben wir denn alle Ur> 
Sache, deni jnegeu Komponisten zu seinem eingingliehen 
Versuche alles Glück zu wünschen. Uehei-haupt haben 
wir unter unsern Sludirenden auch im Fache der Kunst 
sehr begabte,, fleissige und geschickte junge Männer auf- 
zuweisen, was an diesem Abende auch der Vortrag der 
' Gfesäage erlirtete : ein Chor von C. Kreutzer, eiu Quar- 
leli und Jagdlied von Fr. Otto, ein Chor von Weber 
(Du Schwert an meiner Linken), aus Jakob und seine 
Sohne von Mehul, Trinkchor aus 6raf Ory v^ Rossiui 
und 3 Nummern von H. Marschner, unter welchen die 
Inlrodokzion aus Babu besonders gefiel. Nach dem Kon- 
zert «ifreüe sieb der Vet*ein an emeni frrlte. — Unser 
ßin/zehntes Abonnement 'Konzert im Saale des Gewand- 
hauses ergötzte uns am 24. d« mh Hozarl's herrlicher 
Es dar ^Sinfonie, über welche wir niohta weiter zu sa- 
gen haben, als dass sie bei solcher Darstellung allen 
nicht zu befangeMD Mrero iminer neue Freude bringen 
mus9. Jklrs. Shaw, abermals mit Applaus empfangen, 
wiederholie auf Verlangen Handels schon früher schön 
i;esangene Arie aus dem Messias: „Er War verachtet 
und versebmShl** u. s. w. zu allgemeiner Erbauung. 
Herr fFUtirnrnny Mj{glied dys Orchesters, bewährte im 
Vonrkge sÜVierlgeV ^oioncdl- Variazloneii seines rü- 
stigen Lehrers Merk die erwünschtesten und tüchtigsten 
Fortschrille io| jifluinjBn,,TjDn,^uqd in jniikder Fertigkeit, 
was.]bmwY^<l'ii^nfe EuFf jtind gerechte Wur^lgiuig brachte. 
Den zwWb.Theil eröfliw^ie ^'ine neiae^ für. das Konzert 
in Lcipziginron XT. iSt^tmible BtnnHl komponirte und 
«irigrrt© Önveiinre: ;',dle W8ttliyjn(nptii5.f* Da* neue 
^'Ä gut -grehiltcin pnd sehr 

^escnicki, oft glänzend instrumentirt» in semer We- 
senkek' ttUdi '«bsniw ^Ikikmietigteg feieii^ zukSch'sk .ai« 



K: M. V. Weber aieeidieftsiand, levt<aA: rstoh MMl» 
Zustimmong' der' Versammlung.': 'Wir selbst siild mil 
Allem, nur nicht mit dem Tild pmrerstdinde», waa eine 
Kleinigkeit ist, die der MndeNdnr Zeit angehört; Dali 
Quartett ans Bienea mid Palliero von Ressiiii) „Ciet, 
il mio labbre ispira,^^ gesungen von den Dameb Schmidt 
und Shaw, und den Herren Sehmidt.und Richter, er- 
hielt Beifall, wie immer. Daraurvei^nügten sieb sämmb-' 
liehe Hörer in VioIinvariazioneu> van Mayseder an der 
tnchtigeu Bravouir des UeiTn Bari Hafner aus Wien» 
eines Schülers des Komponisten, wefeher wiederholten 
Beifall erntete. Seine Spielart, die völlig abgerundet 
ist, hält, nach dem Vorbilde seines Meisters, so aieai- 
lieh die Mitte zwischen dem teulsehen und. dem fraatzii- 
schen Vortrage, Öfter dem letzten sieh mehr • nähernd» Ab 
dem ersten. In dieser Weiso ist der jimfpe Mann aua- 
gezeichnet und verdient ' volle Beachtnng. Zbai Soblnsse 
hörten wir Terzett und Quartelt aus Oberen von K. M. 
V. Weber, von den Vorhergenannten gesungen und mit 
Vergnügen gehört* 



Mancherlei 

Ein gedruckter Bericht iiber den MuHHereAi £fr- 
terpe im Winterhalbjahre 1837 und 1838 gibt AU69<?r 
dem, was sobon in diesen Blättern berichtet worden i«t, 
von den Keislnngen der zweiten Sekzion ffenaue Nach- 
richt* In 10 Versammlungen wurden 41 VorlrSge über 
Kunstgegenstände gehalten, von denen genannt werden : 
Ueber Akustisches (Chladni's Klangfigui^n und Opdt's 
Syrene betrefleud) von C. F. Becker; Biegrafieo Beet- 
hoven's, K. M, v. Weber's und Schicht's, von demsel- 
ben (gedruckt). Von Jul. Becker über Baukunst und 
und Musil* Von Andersch über Kunst überhaupt und 
Musik insbesondere. Von Dr. Goldenthal über das 
Religiöse in der Musik. Von Eduard Hermsdorf: Ein 
Rritertuto der Kritik über anerkanttl klassiseke Mtiister. 
Von Jul. Becker ein bumoristisches Fragment aus dem 
Tagebuche . eines reisenden Tontöastlers. In jeder Ver- 
sammlung wird Kammermusik von berühmten Meistern 
und Neues ve« Vereioämilgliedern yot^elragen« Herr 
C. F. Becker hat die lechnische Leitung der zweiten 
Sekzion als deren Musikdirektor übernommen. 



Der König van Saobsmi hat jdom Hwrn Dr. A. B. 
Marai für Ueberseadung der beiden Bände der Kompo- 
sizion$tehre.d£S$elben die :gr|0sse g4>l(lene Medaille über- 
reichen lassen. Wir sind erst jetzt im Stande , un- 
sern Lesern diese Auszeichnung bekannt zu machen, 
da wir nie ohne Selbst^eAVissfaeH' andern Blättern nach- 
schreiben, die Bcjglnabigmg uns .aber eben jetzt erst 
zugeko(pmeor.ti^. . J , • 

Der.Jnstqimentcnmacber Herr J. Gi Ito^tkip in 

Leipzigs verfertigt nus*<i2cichnet schöne kleine Orgeln 
.(Poeilive)^idie.Vordigiich durch j?vPÄys|xannwikA-)|egi- 



91 



1839*^ Jjnmur. No. 5. 



08 



«ler T«n 8 und 16 Fa^k ndi empfablta. Ber Toli dicr 
*ser Register in UebereinstimmoDg «lit den übrigeD iM 
^on seltener Wirkung^ so dass ^iir uns verpflichlel fak- 
leD, darauf aufmerksam zu machen. Derselbe Mana lie- 
fert auch lafelfönuige Pianoforle von 6 Oktaven in lie- 
gender Harfenfonn, welche nur halb so viel Raum ein- 
nehmen als die gewöhnlichen , und nur halb so schwer 
sind. Die Stimmung ist darum ballbarer, weil der Slimm- 
«nd Anhalte - Stock auf dem Boden befestigt sind, auch 
Ton den Saiten alles Unnöihige weggenommen worden 
ist^ was nicht zum Klingen und zum nächsten Befesti- 
gen derselben beiträgt. Der Hammerscblag findet von 
oben Statt und die ganze Masehinerie ist einfacher ; die 
dabei angebrachte neue Dämpfung verursacht kein Ge- 
räusch. An Vervollkommnung des Tons, der einer ee- 
wöhnlioben noch einmal so vieJ PUt2. einnehmenden Ta- 
felform gleich kommt, wird fortgeacbeitet. 



Rimdeau briOant pomr k Pimqfi^rte pttr C. G. BmHger. 
Oeuv. 59. Breslau» ohez C. Weinbold. Preis 12 Gr. 
Das Rondoky der OposcabI nach eins von den fra* 
heren des geschätzten Komponisten, ist so ausgearbeitet, 
wie man es bereits von ihm kennt; der Hauptsatz wech- 
selt mit 2 Zwischensätzen, einem scherzenden und einem 
ausdrucksvoll vorzutragenden^ dabei unterscheidet es>sick 
von seinen anderen Leistungen der Art durch einige or* 
gelmässige Wendungen, die dem Komponisten wahr- 
sdieinlicb deshalb hier zunächst am Orte schienen, weil 
er den gut durchgearbeiteten Satz, der dem susgczeieh- 
neten Organisten E. Köhler gewidmet ist, vorziiglich 
diesem Manne und allen seinen Kollegen angenehm ma- 
chen wollte. Dennoch sind brillante Gange, jedoch von 
nicht schwieriger Art, keineswegs vernachlässigt; sie 
mischen sich überall ein und treten besonders gegen 
den Schluss, der mit ,,con bravnra** bezeichnet ist, am 
lebhaftesten hervor. 



Zur Machricht» 

Fielfach geäusserten JVünschen zu entsprechen y nehmest wir musUsathche Ankündigungen vanjetzi ttn 
in der Regel in das Hauptblati der Xeitung aufy und behalten uns nur ßir besondere Fälle die Beigabe von Intelli" 
qenMi&Uern vor* JVir hoffen^ nicht nur den Ankündigenden , sondern auch den geehrten Lesern werde diese 
Aenderung willkommen sein. Uebrigttis wird dadurch dem Umfange des Hauptblattes in seinen wesenüicl^en 
Theilen kein Eintrag geschehen. Fielmehr geht uusre Absicht, im Einverständnisse mit der RediAzian^ dahin^ 
der allgemeinen musikalischen Zeitung, welche im lettten Jahre bereits um ein Ansehnliches ausgedehnt worden, 
durch inhaltreiche Extrablätter und Beilagen — ohne Preiserhöhung — nocA weitere Ausdehnung zu gehen , tvte 
der immer mehr anwachsende Stoff dies erheischt 

Leipzig, am i.Jatmar 1850» . . üle Terl^ger* 



Ankündlgangen. 



. In Veilage von WaP^MkOpf A Hftrtel io Iieijposiff 

«st ersohieMai 

lieber die Musik 

der 

neueren C^riechen. 

Nebst freien Gedanken über altegyptische und altgrie- 
chische Musik 



In 4. 



II« €!• Klesewietter« 

Mit Vlli Tafeln. 
Auf starkem VeKnpapier. Preis 3 Tbir. 



8« dMBB aachiwi in uMem Verlag das woblgetroffcBc 
IPortraat von 

D. F. E. AUBER. 

Preis 12 gGr. 
Ldpsig, den S6. Jaawr i8^8. 



üentfliche Volkslieder 

mit ihren Original -t^Feisen. 
Nach handschriftlichen QueUea herausgegeben 

Ton • 

Jk. KretBehmer. 

sind bis zum 6. Helle (a 8 g^r.) gediehen. Da< Ganze besteht 
aas etwa Ifi Heften, die aar Michadia • Messe d. J. vollendet sem 
werden. Die TheUnahme, die dM Werk in gana Tenlachland er- 
regt hat, überhebt iina jeder Anpreisung. Die Ansstaltung ist. sehr 
elegant und korrekt. 

Terelmai«Baelili»»dliiiiff Im. Berlin« 



A«iffor4eru»ff« 

Dto Goldachmied Wi 1 1 n e r s ans Kopenhagen, VatfV des jctsi 
auf einer Kimstreise begriffenen Pianisten, mrd, da dessen denn*, 
liger Anfenthnlt anbekannt ist^ Uerdnrch aar sofovtigca Riiclisea- 
dnng des ihm geliehenen Beetf^OTenachen Maanskripls aulgcft»rdeii. 
. Ldp«ig, den Mn Januar 1859. 

IiudwIiP 0cbi«ai»ttia. 



Leipzig, bei ßreitkapfund Uärtel. HedigiH vf^n. Dr.. G. fV. FimA usü^r §amer FermmtwortUchkeiL 



Iieila^e,7\?<5. Juir^4l^em£inenJ¥iu'iJealiFehen Zeitunff.iS3!^f. 




^""^ 1;''^' ff ü I iii i-L' itli ['''Li I j-j I 



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Fac-simile der Handschrift 
von G^Onsloir. 






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MUSIRAtiSCHE ZEVIVEO^ 



Den 6'« Februar. 



M 6. 



99 



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lieber die Quartettkon%crte der . 
Brüder Müller *j. 

Voa Karl Weis. RopeokafeD, im Detember 183«. 

rSevor die Brüder JMiiller damit anfingen, auf ihren Hei« 
sea öffeulliche Qiiarlellkonzerle zu geben, hal dieser 
Kunstzweig die Mehrheit des Publikums nicht recht an- 
sprechen wollen. Wenn auch hier und da Quarletlun- 
terbaliungen gegeben wurden» so geschah dies doch mehr 
oder weniger für eine geschlossene Gesellschaft, für einefi 
Kreis von Musikfreunden und Kennern, und die (Ixeku- 
toren bildeten sich dadurch selbst ein Publikum, welcbea 
ihre Leistungen schätzte oder scjbälzen lernte. Die Brii- 
der Müller haben viele Orte besucht und fanden überall 
nicht nur Anerkennung der Musikkundigen, sondern 
wussten auch ihrem Spiele bei dem Uneingeweihten Ein- 
gang zu ver.schsifien; sie haben gezeigt, dass ein Quar- 
tett iedem, der Sinn und Interesse für Musik hat, ^ und 
überhaupt dafür zu fühlen vermag, den angenehmsten 
Genuss gewähren kann. 

Dass nun dieser Aufschwung des Quartetts allein 
durch eine höhere Fertigkeit und Präzision, womit die 
Brüder Mullerspielen, bewirkt sein sollte, ist nicht leicht ^ 
glaublich. Allerdings ist e.s eine unerlässlicbe Bedingung, 
dass die verschiedenen Stimmen mit Genauigkeit ausge- 
führt werden , aber das ist nicht hinreichend. j[)abe& 
würde die Mehrzahl der Zuhörer immer noch kalt uncl 
gleichgiltig bleiben und an. den Bewegungen und Gefüh-. 
len der Komposizion keinen Antheii nehmen, soitderi^ 
diese höchstens als ein angenehmes Geräu^sch betraohlen. 
Es ist ausserdem eine subjektive Selbstwirksamkeit ^er^ 
forderlich, eine Wirksamkeit, die sich nicht damit be- 
gnügt, das Tonstück in guter Form zu überliefern, son- 
dern die .mittels des eigenen Gefühls an das Gefühl der 
Zuhörer spricht. — Würde Jemand das Publikum mit 
einer Vorlesung dieses oder jenes, Gedichts, sie sei durch'^ 
aus deutlich und korrekt, bewirtben, so würde dies nicht 
allein nicht gefallen, sondern man würde vielleicht gar 
nicht hören oder wenigstens nicht dem Faden des Ge^ 
dicbts folgen. Bei den Zuhörern darf man nur Empfäng- 
lichkeit, nieht eigentliche Mitwirkung und Produktivität 
erwarten. Die lehhafle undi^geschmackvolle Deklamazigip 
eines miltelmässigen Gedichts gefallt ihnen in der Regel 
0iehr als die mitlelmässige Deklamazion eines vortreff- 
lichen Gedi^bU; denn. bei dergleichen Kanstleistungen 

•) Zogleiob Aber Qwaiietuplel. Die Äeaikaion 

4U XatirgaBg. 



wird die Äusfrdht-ung als das Hanptsächlichejda^ Gedicht 
alier. als das weniger W.eseniliche betrachlcU Auf dei| 



Exekutor sind alle Augen gerichtet; er ist der Küns'iWr^' 
von dessen Lippeb die Poesie über die ZMÜprcr «lus-^ 
strömt, fm ähnlichen Falle be6ndet, sich der ExekuloV 
einer Obligat- Musikuummer. Zwar wissen wir, dass 
Viele das Obligalspiel nur darum bören^ um 'die vorge-i 
Cragene Komposizion kennen zu lernen, und'dies'cloen 
sind es, die es absoiiderlFch stark rpgen^ wen« tferVjfi 
luos immer* dieselbe Art Komposizionen für' seijien Vo^-I 
trag wählt und das sogeliannle Gediegene^ fn derKoni^* 
posizion weniger berücksichtigt, hingegen liiehr darauf 
siebt, dass diese für seine Methode nässi^ ' 'Ajles.' ha J! 
freilich seine Grenze, und es ist un/eiigbar, dass die 
Mehrzahl der ObHgatspleler in der Wahl ihrer IViusik- 
stücke auf das BrUlaute, in's Ohr Fallende und Pikant^ 
mehr als billig Rücksicht nimmt: allein es Ist sowöhrun-j 
richtig als fruchtlose Mühe, den Künstler Von iJem'filini 
und seiner eigenen Individualität und seinem' üenius'an- 
gcwiescnen Weg ablöten zu ,^6ljen. ^'Will'raaji; eine 
Obligatnummer nur darum hören^ um' sich mi^ einer in- 
teressanten Komposizion bekannt ^u machei^, so miss- 
versieht man die Bedeutung dieser Kunstart.' * Wenn die 
Virtuosität und individuelle Methode des Spielehäenj 
wenn dessen eigenlhümlicbes WiedergebSren der Kompo- 
sizion nicht an und für sich elwa^ä Beächluhgswerlnes 
wäre, so wurde die ganze Klasse der Qblin^alkomposi- 
zion eine verfehlte seinf; denn der Komponist w.ürde sicl| 
dann einen unnöthigen Zwang, überall das gewählte In- 
strument dominired zu lassen , auferlegt haben ,\ anstatt 
eine eigentliche Sinfonie zu schreiben, worin er die ver- 
schiedenen Instrumente mit ihrer karakteVisliscben Wirk- 
ung auftreten lassen und so die Nuancen in der'Kömpq- 
sizion vervielfältigen und beleben könnte. 

Wenn Quarteltmusik bei öRentlichen Leistungen ^lev 
nutzt, mithin für ein eigenlhümlich^s'Püblikum , gespielt 
wird, so ist es ofrenhar, daä§ Sie Exekiizion an i,inafür 
sich eine Kunstleistung sein lÄuss, nrid dass' VTrtuosi^ 
tat da ebenso nothweiidig ist, als bei dein Vortrag 
einer Obligatnumtoer. Allein es zeigt sich doch gleic^ 
eine Verschiedenheit. Wenn, wie bemerkt^ in'derObli-f 
gat -Musik der Exekutor^M hören lassl und die Komi« 
posizi6ifi nur als ein Mittel benutzt', so i^t dies in dem 
Quartplle' nii^it so der Fall. '.Dfe Konlposiziö^^i>pi6lt'hier 




fl^ 1839. Februar. No. 6. 99 

^blose and' bare Jßrnheit. Dadorch geschieht es , dass 

z. B. die Imitazioneti ihre eigentliche Bedeolung er- 

lahgf«,^d^m diejenige .AehnUJhkcwli, u-elche niefit auf 

/eipe Veriichiedeii^eil hegriinde^fet» ist nicht der Beaobtang 

"Svtfrtt. Ferner erhalten ä\icft eben dadurch die Fugen, 

posizioD zu verdeutlichen und beliebt zu machen, sie . U welchen eia Kampf unter den verschiedenen Subjekten 



mittels welcher die Komposizion Mch'd*sl lit ifater^chtfn- 
heit oflTeobaren kann, bine Obligatnummer ist mehr oder 
wti$g^ aib^nrektlii|d|f^vMrraii|M*la|^;« in dem Q«ap- 
tetc j^ir^oM mos» 4ie gjllize |fturrfla%v*i«pkeit, das gatize 
BIsli^Mn Vepi8piaiendHf^darirär^{^fir?clit^ d1^ Küm- 

posizion zu verdeutlichen und beliebt zu machen, sie 
dürfen ^ar nicht daran denken, durch ilir Sp!«l zu glän- 
zen. Eben darum ist ein lebhafler Vortrag im Q**^*^ 
tiftt Qttiü so schwieriger herzustellen; und besoiifers 
durch die Ueberwindung dieser Schwierigkeil haben die 
fträder üiUkv ihr« Ba rü h i ü i a ii g o wtwn en. 

Eben so wenig, wie m»n den Ausdruck in der De- 
l^^mazion eine« G(|dichls t|it .Koipin^ ,. Punktvni, Aus- 
rufungs- iiii,d,Fragez,eidiett fienhif airdeute^ kann, eben 
ko weiiia kajin der Komponist durch die blose Ängebuoi 
von Porle^ Piano, Scbleifung^a, S(ac,cat'o u. dergl« &icl 
so verständlirh macbeji, dass der Exekutor ohne Stu- 
dium, durcl) die bipse Anschauung der Noten, die Ge- 
danken dVs tiomponiüiten j^enaju wiederzugeben vermag. 
Um den. Karakter lieraiiszufinaen ^ muss man die Kom* 
posizioD sludiren.' l)er Sold^^eJer bat picbl dies^elben 
Schwieri^kei|en zu bekämpfen ; zwar miiss er> tind er. 
allein, die, pnze Zell bindMrch das Publikum,. u nie rhaU 
ten, aber er hat auch nu|r seine eigene Stimme zu beobr 
achten, und wenn' er nur über die Haiiptzqgc in seinem 
Vortrage mit sieb selbst einig i^l, sq, braujchl er ntchi 
seiner augenbiicktiohen Begeisterung Zwang anzulbun^ 
sondern bat vielmehr eben in dieser seinen beslen Uelr 
fer, um die Zuhörer zu bewegei^^ Die Quartettspieler 
hingegen sind gegenseitig von einander abhängig. Üa^ 
Studium eines Qua riet Is . ues tehl. nich t .darii^,i dass Jed^r 
seine Stimpe ihidirt und darn.ach ausführt. Das Quar- 
tett ist eip; uhtbejibares Ganzes., und in dem Vortrage 
inuss Einheit seih; jede Stimme bedingt die andere untf 
wird vbi^ dieser bedingt. Eben deswegen ist; das Ein«? 
studii*en Wiwieriger und die Ausführung mehr gezwun« 
gjen; abe> dieser Zwang darf von 4eii Zuhörern nicht be- 
merkt werden» er darf die Spielen^e^ nicht geniren, damit 
die Ausföhruifg picht troaken. und .fechj^wuiklich werde* 

Der V[orirag der Bri^der Müller i^i Jip, höchslca 
Grade Jelibart' i^ird| bewegt. . Sie halten sich nici^l streng 
an das angt^^'ebene Tempo und lassen sich nicht mildf^Q 
vorgeschriebenen Nuancen begnügen. Es ist eine begei- 
sürla AuR^ssu"g^4er Quartet^komposizionen, die sie fest- 

Sehaltep^ haben 'und Alle wie Einer wiedergeben.— 
jtein'ungeachtitft dieses über die unzähligen feinen Nuan- 
cen verbreiletip'q. Enst^mbles nnd der ungeslörlejrr Einig- 
teil yei^bleiblVdQ^h juimer eine Dilfj^reni( anter den vi^ 
Onairle^^pielern » welche weder enlferfit werden kann 
noch, dap» obgleich alle Vier^ wie Ejner spielnsii. . Ip vie- 
len Sälzep,, wo' die versohtedenen. Stimpien ^ich, nach 
^einße1kn,^%frum;hewe eben he^ jlen ftrüfJ^erq 



kftn^ a^d^re Pjver^^ unter den Stimmen^ «lU W^f^t} 
in d^m^verschiedfffien (fjaiige der lasütmcate liefit,,'ea 
.. - ._^^^ Rei- 



flichen« .^^4^ 
Lieben habeit, 



Die JSinfgTfiii zjii ispheb ikf\iik.tfin^^cliwdeueB Seel^i» wt 

^u^?*^.6!'i??.^'ii W^* >lwjai.. we^;iJj(Jiajfrcicjii 



|ierw,.>w jEff 



sich offenbart, ihren rechten Karakter. Dieser Kampf 
{st tu iuhallreich, um. als ein auf die flache Tafel der 
•EialNiit gezeichnetes, in seinen Pnrmen symmetrisches^ 
und nur symmetrisches, in seinen Farben harmonisches, 
und wir harmnnfseiierTonbiM dargesteät und an^fiisst 
werden zu können. 

Es ist klar , . dass erst eine vollkommene Einigkeit 
da sein muss, um eine solche gleichfülileudc Uneinigkeit 
möglich zu machen; die Einigkeit muss fih* die Uneinig- 
keit der Dttrchgangspunkt sein. Ebeti dariim gtattbe man 
auch nicht, dass wenn die Brüder Müller ein Quartett 
eingeübt haben, die augenblickliche Begeisterung müssig 
sein und kerne Rolle zu spicfen haben sollte. Allein ea 
iii^t nicht die Begeisterung deä Einzelnen, nicht eine zfi- 
gi^llosc Scbwärmerei , welche einmal in Bewegung ge- 
äreizli ans ilirem eigenen Innerit den Faden spinnt, ihre 
Auge'n fiir alle Umgebungen vcrschliessend ; nein, es ist 
euie srmpathisirende Bfgcisterüng , welche uhter dem 
Einklänge der ver^chiedrnen ßtitnmen mittels dtt Einig- 
keit deKGef{fhIe enfsteht. Auch hier erscheint die Kom- 
posiinon^ats das PHnzipale, denn nur mit Bezug auf diese 
entiiitichf die Begeisterung j sie kanh niclil hei dem Per- 
sönlichen und bei untergeordneten, auf einer niedrigeren 
^tufe Steheoden Motiven verweilen, sie arbeitet im Dienste 
der KpmpoSfzion ,' nicht der Eigenliebe. Iii dem Quar- 
tette k'örrnen nur alle Vier die Palme erringen, der Ein- 
zelne darf durchaus nicht versuchen, auf Kosten der An- 
deren ihr nachzustreben; dann ginge das jEnsemble Ver- 
loren und* damit anch das Lob des Einzelnen. So wie 
also die Begeisterung des QnartetlspieJers von einer rei- 
neren und mehr geselligen Natur, als die des' Obligat- 
spielers 'sein muss, so muss überhaupt von d^m Vortrage 
der Quartettspieler jede Glänzsucht und Eifekihascrierei 
fern sern i sie müssien 'sich flfr einander gegenseitig auf- 
opfefn', damit der Effekt bei der Musik verbleibe und 
der Trttahvirkung nicht geschadet werde. 

Das fleperloir der Brüder Müller ist besonders reich. 
Sie spielen die Quartetten von Haydn, Mozarti'Bieetho- 
ven und Onslow. Die Quartet(spieler dürfen aber auch 
nicht rn ihrer Wahl änd Spielart einseitig sein. Die 
Wahl der Oiiartiette kann nicht nach der Individualität 
d^ Spielenden' bestimmt werden ; der gute Quarteitspie- 
\tr 'muss nicht aNein den Karaiier der verschiedenen 
Müfsikstücke wiedergeben können, sondern auch die ver- 
s^bieilenen Methoden'tn Seiner Macht haben. Ef ist 
nfieht'hrnlSngtich« dass man in der genialen udd pikanten 
Spiel«*t vollkommen ist T oder dass man sich einen mo^ 
äefnen Schwung angeeignet hat: man niuks' auch breit 
tthÜ^aftmodisch, mit schwerem iind schfeppehdem so'wohl 
wie^ mit fetirrgem ' und* lisicble'm Bogen spielen können» 
undtKe^ Alles ohiie Zwang mit derselben sicheren Haftung 
Undungezui^urtgeiten N)itür!ichkeil. — Schon Ray dn ai- 
leiq ist ja ^ei^ien tfomposizioniMi na«v«nichiedeBartig»N dass 



J) 



97 



183»: Fefanitrir mi^&. 



«in riGh%er Mni karrekler V wirig diesti* Muäfc jede 
Eiaseitigkeit Sern bälU AUeräifigs. bai i»ftii im dem 
aUmodischcD Zoschoilte eme Ricliüehoor für die MeÜMde; 
aber welcher Unrerscbied. ist aidil zwischen deiv ivick- 
ien» launigen Slür.ken, wovob Haydjr« QuartelU Bev- 
Mieledie Jne|ig<):gebei)i 4ii|<l den .beHeii^ fa^it 'älherischen 
&täi;kea desseiben» wekho.die yoUkdmmtnsle Riihb und 
Leiitenackariiosigbeil ai«!^«, wenn jene U«ler Fener 
vnd Leidcnfidiafi.alhinei»! .Und ona Boethnveii! Den 
einen Abend hört man eine grandiose, Taat tragi!wl\iB Mu^ 
»k« welche durch die melanuboliscbe J$(ioimiing fe^sehy 
die sie über die ZuhÄr«r yerbreiAei; den indem lAJbriiil 
eine Komposiaiop i welche .durch Laume «Hid iScbera den 
Zuhörer entzückt und dunch lottige Binraiie «arheitiTl. 
Diese Divergenz^p zu. vereinige» Tefn^g keine ei Aseiiifre 
Spielmetbode, vitl «(weniger aie mit iter 8pezitiscben*KiiaA 
und der sicherem .Wirkung» so wie die &üdrer MüUer 
es vermocbten, hervorlrelen zn lassen. 

Ueber die Wahl der vorgetragenen Komposizionen 
war man hier in Kopenhagen mjt den Brndern Müller 
anßfogs nicht ganz einig, bamentlich hatte mangewunschl, 
mehr der Onslow'sdien mid weniger der fieeibeven'schen 
und tjaydn*schen Sachen z« hören. Bei vielen tinserer 
Musiker und Musikiiebbi4)ei: Uai jb^omlers Beethoven in 
einer Art von Verruf gqs^andi^n;. ,aii. Haydn's ui»4 Mo- 
zart*s Quartetten hat man nicht recht Gescbuiav-k 6ndep 
wollen wegen der Einraclibeit und des altmodischen Zo- 
schoitls. Beides JürHe nun' seinen Grund darin haben, 
dass man rriibcr nicht gehört hat ^ wie diese (tom^osi- 
zionen ausgeführt Sverden kölinen. Wenn man. auch 
behauplen will, dass ßeeihoven*s Qudrtelle an und füc 
sieb nicht schweif zu spielen sind, als Öuslow^sund 
8pohr*8 (was döeh jedenfalls nicbi-Yon allen gilt), so 
muss man doch gestehen, dass bei der Ausfübvengvon 
Beelhovea's iQnartetten, wfeit mehr als bei andern, Ge- 
nauigketi oad Präzision «nd. besonders eine gute lnloba-< 
zion notfawendig'ist, :weoo. die Zuhörer si^ darin sollen» 
zureehl finden können* Bei Beethoven findet man so 
überaus selten etwas Di^berlussiges, betnahe jede Note 
ist von Bedeutung* und den geringnte Fehler in dfer Exe- 
konion wird bemerkt «ad/ wirkt atören'd auf dasGiance.' 
Sei Onslow «od SpokCt kemmt^ea, bei der vielen Oh-o«' 
maüknnd der nft in> Kliaitiüch« gehemlen Aiisarbeitnngii 
nicbi so genän darauf an>^ und >. eben •deswegen eig<i(in. 
sich diesig, besonders Onslow, mehr Jür das 'üifeltanten«« 
spid« Oüd»w kann man znr Noih m prima -msta sfw- 
leni die. pilunleii Marmoiueen sind immer inlereseaot, 
selbst «ohne .einen guten Vortrag;, itber es würde scbw^er-^ 
lieh gelingoa,, Bcelhoven ohne griadlicbes Si«dkim'vdp#i 
-z^rari^« - .>.' ^ . '* . </'»•..! .f j. ,,•.'! i 

VieHeiebt . haA schon anecr Publikum, nachdem <ea di» 
Müller'sebea Quarteiterfgdböviikal, ieae. Meiiiuiig ^eriinX 
derl« «nd man . wtrdi eingesehen bebe», .daes 'die> Beider^ 
Mutier Haydn und Beethoven, m ihten^öffentliebea Ukp*- 
sieUnngefi' lait tF«g vorgezogea i haben. Die Komo«»« 
ziMeo VMk Onal«W: sind /mehr mil einer. Perienstiokerei^ 
za vergidoben'r Die fein bdarbeiteieo Ueinen/Niien^ 
versdlwiadsii nagebörl Und linbemierki i» einem funkst^ 
rea Lokale^ >w« maa ntte; vier Stimmen, gleiek genSydad} 



ivie. b:elN«m^Bibl:l^gWl; EükM 'd^ Oii!lfoV*s(ft'^ 
-QuarleUe sind itt d«^ That nar' vthi l«/tit|r '^oliih^n Nfiiitf. 
t«n zusaatin^ng^esellst Und enlbek^en #eihi/^di^i5h«i4''FilL 
deiis» der dumeh d«s Gah7.e (eilen' Mfe.' Id einebtkWfi. 
aenrn Lokale k^nn die pfkaiite ul»d^k^pri%it»ye 'Eüs^isll 
^enäelzang fiir den K'^hnet korzif^ili^^fftfii^sf^^' ih\^ 
der Unmnsikalisebe Jt'ört äfe ifiit K»»r^/- BM lUyM'bilD^ 
gegvn- ' ist es eine sich' selbst ie^f^endü^ uAÜ' klafr dai^- 
gdslellte Idee , weldie sidh den IJör^m' ofK'nbart^, Hio 
-verschiedenen Summen sind alle nur MiHel fUr di^ Haonii^ 
idee. Das Umgekehrte: die VerscbMettheit ' tfeir StW- 
mdn als Hauptsache zn beimchlen, -verbirgt den eigent;- 
-liehen Zentraig^ng in ^r KümposiziM; H^yd^'V fiiym'- 
foeiztenen siad wie der dnrchsicbli» liefe Pkiss, der i^liiä; 
aad' offen' sfkh durch seia einmal erWähhes 'fie(t Hlilt 
-seUingt; OhsIow*s Kompositionen '^inil oft tfie i^ln Ihchük 
weit aosgedebittes' Wasser, das übtfr einen* sl^ioi^ 
Grund biurieselt, und durch ^in Sprudeln deif Beöb^cll- 
ter fes^ielt, ahne dass er für deSien eigen thümlicbeiiL^tf 
Auge hat. , ' ; " ' 



Zur Xebensbeschrfiifiiung, ^ingdrelU^ßf , * 

Folgender Anszeg Uus eiuisr Vorigen Pk^üblinj^ aus 
den N^apoKiauiseben Annsti ci^i, Quadefnio XXVII^ 
eigens abgedrarkien Nekrologie ^Ingah^lK's von H^hri^ 
H. Uberatore mag Ibeils r.ür Ergänzung , -llierlS' tAt 
Beriohtigvng der tn der SOi Nummer 1837 erschlaftertli^ 
Lebenabe^reibung des beÄaHnlen Alaestrb hi^t'eikt^ 
Platz «nde«. '; . « , . : ;• M 

Der Vfnter ZingaretK's hiess fiiecafdo Tdtil it<n^ 
rello, war Singmeister nnd starb 1759 <Ntcolö' AWtDnio 
Z.) geb. 4. April 17S2)$ ^«iiie Mutier biessr Tei^^ 
Ricci. Mit sieben Jahren trnrde Nieoio iti das €dn^efrv9* 
tnrio di S. JMaria'di Loreio aufgenommen^ wo tr die 
Violine, darauf die Romposi^on> unter Penasoli erlernte, 
das Intrrmezeo: 1 !|«at(ro pafczi, welches von den Zb*g* 
lif^en besagleh Konnhts auigefuhrl wnrde^ unter seinef 
Leilung schrieb. Ans dem Konservatorium atis^fcffr^teo, 
benutzte er auch die musikalischen Lehren dtfs AbhatO 
Speranza. •- ' v ^'^ '''^'-^ «*» 

' Im iahr 1779 sohrieb' er die HaAtste ll.^i^]iilij>i/cfj 
1781 seine erste Oper Monteznma flir S. Girrfo; 'WMie 
nicht gefiel ( nachher aber in Wien fondsiedrtiB'besserA 
Anfnahme. ' iener Fiasto beweg 2., Neapel zH'V^Is^;^ 
sen nnd. noch Mailand tu gehen » " wo er fimprehluhg^ 
schreiben- an> 'mehret Damen hatte^ 'Hi^ sciiri^^r ffi^ 
meiste» eeiider Opern, und zwerernslhefle, als': ^AlaSnUtf; 
Pirro» Artaiserae, k morie di€Msiil»eV Miti4daiÄB;''i|'Mtti(^ 
dcHe Sabiwii'Kicimere^ Arinrda, 'Ilig«nMi>)Ctl)ii|IM^MM-^ 
imier di» epere bnflets U bevRore ffmutilitil;'!fl*<^ifHitd^ 
In Secehia Mptta» H Mereaio di Mon((*e^n^, IfMIHftiW 
Oimtoriuni I» Passiene (in de^ Kirche 8. Cdsö 'daJelb^l 
noigerdbrt); nild die Kdntaten : Oreste; 'Ailcesie;'1\(KsttiAd()|n 
: Ini' Jahre 178» begab ^r sfch näehrParis^Mi^Ktflitt' 
fo%0nden Jahre 1790 Tdr 4ie A^dMie i^yklef «fr milM^ 
f|iib.ldie Oper Anttgone kfompdiiii^t#ii lim^'ttH 'ÜltiPmöttiJ' 
leiviveidhe!X)pjBn nber 4iÄn ii9ll^4der d^diÜinlf^g^oJ 



1^9« Fdbruar. No. 6. 



100 



pfiß wurde«. Dudureh entoiulbigi, k0brl6 Z. wieder nadi 
fiein^ gelieiiteii Slaiiand zurück, we er 1792 ziun Ka- 
jielliDeisler ain,l]|aine, uod 1794 in ders^li»en Eigeoscbaft 
aq der. ä., Casa 3U L*orelo. eroannt wurde,. ao welcbeoi 
jj^lzlern 0x1 .er. Tasl zeba Jahre verblieb. Während je- 

t er Zeit, in ivdcbfsr er sehr vi^IeJiirebeomusik «cbrich, 
ampeiairtf ei] zuslci^^h die Oper A4)el|e.e Campa«pe (dir 
Cresceojiiii)b,ini..Jahr<i 1795 il Coale di Saldagiia, beide 
Jür Venedig 9 ujid Muilieila e Itoroeo für die. Mailänder 
$cala^ 1797, \\ Meleagro, ebaufalU fiir die Seaia, welche 
Oper aber :pi«lu gefiel. , 

I804i erlut*K.^r..die JKapeilmeisterslelle an der Pe- 
jtersl.ircbe^zn R^w-. Hier kf»mpauirtei er fqr's Privat- 
ibeater.>,de$ ,0f 04^ ;t*a|»ie.' seine PiatruzioBe^ di G0ruaa>- 
^rome, ac'^an^ füi: FTprcin? la itie4iÜcaziotte di ^erosa- 
JeniJik^, die.^ber dt:r vongfjo weil H^c.hslthl. ISlO.ßal- 
4pvino.für,s TJ^eat^r Argfsutjiia« Mirtt 1811 Uereniee fur'a 
li'hea.ler VaHc,.(l<^l2(lere kompopirie ef ^u Gvila vecchiä» 
jUAdt auf seiner. Uei^eiiaQh Parja, wie aua Folgendem 
crhelli)! 

Als Zingarelli 1810» bei Gelegenheil der Geborls- 
feierlichkeili'n des Königs von Rom, das Te Deuni in 
der Peterskirrhe .aiicht djrigiren wollte • uiul erklärte» 
dasser niiK P,mi*Vft?' aJs'Köiii^' voiV Itöm >inerkenne, 
^urde. er. fifcb CivA^a ve0ßbia:<in*%Gef«i|igni». verwiesen. 
J^is, Napoleon, es erfuhr» schiele er ihm 200 Napeleons* 
ä'or Reisegeld und liess ihn nach Paria kommen^ wo ihm 
Kardinal Fesch im N.imen des Kaisers sogleich 4600 Pr. 
aiyszahlen.und bis Februar 18t2 einen motialliehe^ Ge* 

i^lt .von 200 Fr. beliehen. J(iess ; dafür mussle er eine 
lesse füi* die kaiserliche Kapelle komponire«, die blos 
20 ^n\i(eil dauff^rn aoUie.. Naeb.AuiKihrung beiMinnler 

ilei^se.erhjelt. Z..ab^n»&ls OOQOFr.^mil einem vx)m 22. 
afipar ^I2i daljcten Brief des ersten" Kämmerers Gr. 
lontesqiijei^ii »worin rtim die Zufriedenbeii des Mouar» 
c|iea bezepgt wird* (Von »11* diesem Gelde blieben naN;h 
Ziogarelli*» Tode noch 5000 Fr. übrig«, die er bei einem 
Bapguief f^iif Inleresseq angelegt halle. -^ Anmerkung 
des Ver^.).: Hierauf verliess er P^ris mit der Eriaiibnissv 
lui^zugebep, wo es '\bjn bcUeble, Da nuA Fioravanli die 
lj^^pQlTmeisterale(ile;zu S. Pieiro di R^ma erhirll, so ging 
er nach Neapel und wurde da 1813 zum Diri^ktordica 
ieff^i )^^^l«^(|uden:,C0aservaloroo, dreijükre nachher an 
"^e^i^lloi^ tSt^l.li^ atich ^ijim Kapellmeisier am Dom ernamiti 
1 ;. JSpcb ko^ponirle, Z* folgende Oper«..: Für .Turifte 
l'prac9io..SHom(r5 GH Orazii e Cur^züi^ ias .Oratorioilk 
Xripnfo di Qav^e^ die Kantaliett : Amiur filiale^iOrreo». 
Ero e,i$f*.9?^. 4i<^ .ForUet^ung des Aleide al Biviol Im^ 
Bi^rnevjil Ij^ß3.da3 Oral^rmai Saul, lür.das-Of^izi» Apon 
f^lj^q: di,$. ISllfskelp' zu lit#iti» Eudliob aein» letUe zwiJi 
siii9i»^p.}iifk^i^^^ ganzem .0ri)lieflli»ß, du 

er'ZUiAIqfpe|;ji|..eiiliemMAllejr Von SdiJa^r^, nämitcü! 
iJBpi'.Fd]iwv\l|ä*^^ PogÄ in Egüle beiittlU 

., Parier iseineit z^bireichen Alesseni eniälint.man-iate 
4ie. v^^(V|lipl^^ j^ne, die er.fi9rda$.$äkularrrsl Tstiltfovara. 
I^pipp^f^e Cb^i; w^lejbejr Qeijßgenbeilj ^r bekaniiliitii die 
iD^i|,4i>aP'^>iH^(Mi*'.4^ Prjeis^ erhieJu :'SiebedinikliftB^'! 
a^r i||flfkwi»fdig«A'Bviii^b^ in diesen.;B^terB :Vom.Jahiii 
ISUiÄb'feUb TTi;AÄ$wkMilw4lwi»ei|i.)t*fciaüfteviii^) 



eine Messe fiir die Dresdner KapeHe» wobei er v^tm K'6^ 
jiig von Sachsen eine goldene Dose erhielt ; em Requteoi 
für sich, ebenfalls in seinem 85. Jahre (1837); endlieh 
als er in*s 86 iahr trat, ein unvollendet hinterlasse- 
nes Tantaoi .ergo. 

Zingarelli, ein sehif- rfifrfg€>r Katholik, hat nie gehä- 
ralhei. Sein Liebling»zt>gtrng' war' vor aliei» Poilini ia 
Mailand, kf^ranf kommen: -Morlacchi in Dresden, Sga«- 
ftelli in Rom, Mercadaule,- fiellini, Conti, Rieci, Fiorimö, 
LiUo, Andretani u. s. w. 

Er war korrespl Mitglied des Nazionalinstitnls ron 
Frankreich, des' Pariser Masfkkons«rvat6riuntft, der Ao« 
oademia Itiiliana di soil*nze , leltere ed arti (1807) , der 
Accad. Ponlaniana (1829), der S^etä Filarmontca za 
Neapel (1835),. der königl. preass; Akad. der si*.blJoeii 
Künste (25. M^z 1837), nnd im Jahr 1829 wurde er 
Tuaieittem Konig zum^Hilter^les Ordens Franzi, ernannt. 



Üehersidht fiir das P'iänoforte. 

1) .Cävotinede.iDoHisetti'^'p^rJ.B.Duvernoy, Oeiiv;71r 
Leipzig, chez- Breitkopf et Härtel. Preis 16 Gr. 

2) Metafig^* sur h^'ikötißi' de Piquilto^ mtutique tCHipp. 
" M>dfip<m: — Oeuv.; 83. Preis 16 Gr. 

3) // Divertissemens iui* ^des motifs du Domino mir, — 
Ocuv. 86. Lfv: I et II. Preis 'jedes Heftes 12 Gr. 

4) FI "Bogotellcs — Star fies moiijs de Rossini et Ju^ 
ber. — Oeuy. 8$. . Liv. .1, U el 111. Preis jedes 
Heries 12 .Gr. / . * ' ;...!, 

5) La Fplltfi.^ .PaniQisie, car^ictirisiique. Oeuv. 89. 
. Sjimmtlich vQu/. ^../)£i»emoy. : Ebeadaaelbsl. Preis 

12 Gr.. • V ■ . -- .. ■. .. 

Die auf Wobiklaiilg für Dilettanten aüd Schüler be« 
rechnete und diesen selir zusagearde Komposizionsweise 
des öfter besprochenen Untenhaitersf ist in allen diesen 
Heften die gewohnte geUiehen, nicht der Form, sondeni 
dem iniiem Wesen nach. Das Gefällige* und ledern so- 
gleich «Yeirsländlicbe- kl ihm nberäll Hauptsache, womit 
ersaah'auch Viele. LieblKibergeii^mMien hat. Selbst dann ^ 
wenn* er i seine Koitipesizionen.' karakleristisrhe nennty 
bc»rrsalil ilidsdbe Hiohlui^ beständig' \iBk% • Versohieden 
ist er dagegen« meist inadi. Maass«^ije depThemen o«ler 
bei-seinea Einleitungen im mehr tHier minder Modulalo- 
risoben^ invder yeraiis^setzloi Fingerferlrgkett* und in 
Veräfidernag des« Passagenwerks, wodurch eben seine^ 
UnterhaltuiTgen «u Helxuip^n vefsdi*N*dpner Art sdbrdien^ 
lieh 'Werden. ' Die Sussepe Fertigkeit im Spiet und Vor»- 
trag gewinnt dabei vorzüglich, otine dass die Aüteerk- 
aainkeit alHf-^andereDldgii dertJCunst jenem >fln|g^beneD 
Zweck iiD:<GieiQliigsfte9i .ktdderiidh • würde; iW« also diese 
äiiascrls Gdwaadtiheit beiondc^ra zu erhoben' ist^ "was sieb 
nicbe aeUeti 'nolhwendtg machlr» da sind auch^vRese Ga« 
he» • «pit iVorlllfil .Btt^ verwenden^ abgescbeii davon, das» 
sie vielen :SflieloPBi2a 'ihrem' Vergnügen f^rade recht 
stttd^ eii^.lJm8lahA,i«bf:]>o:dem.sefar Verschiedenen Ge-* 
sebmacke der' »hlreioiwti: «iPialnofortespieter oliffe ' iJ»ge»* 
ckoliti^eil, und d^noittssong nicht .«b NuU betracbel wer* 



iOl 



183». Februar. No. ß. 



<Qfi 



den darf. Wtt über dergleictien faiiiBiisgescIiriCten ist» 
far den sind sie nicht, und mdii wird ihn eben so venig 
tadeln kö'nnen^ als es diejeoi^eir sind, Hir welche solche 
Werke ihi-cin Slandpirnkle nach ergötzlich und rdrdrrlich 
beissen -oiiisMii. JMo. 1 kringl nach betfueoier Einfeilung 
höbsche Variazionen über eiir o^hr bekannlea und belieb- 
tes Thema ^ worio schon etwas vorgesehritlene Finger- 
ferligkeit vorausgeselzl wird. No.. 3 ist schon leichter 
und zum Spieleo vom Blatte mitiNalzen zu verwenden. 
Mo. 3 ist, was es sein wili,'Eri|öt20fig«n über Motive 
«US dem schwarzes Domiiro.*-« Die Bagatellen sind sehr 
leicht, in Variazitinen und Höndo's bestellend. Dagegen 
nimmt die kiibsobe „Närri»'^^ au« Putz zierlicher Tän- 
delei etwas Fiogerrerligkeit in Anspruch. 



1) Trois petits Ronäeauw sitr U Ballet ^^le Diable 
boüef/of** par Frauf;. Hülnten. Oeuvi 102. Pr. 16 Gr. 

2) Les Concurrent^n \ RondeaM &Mr ,un tlk^e fuvotH 
du ballet ,^la chatte^ metaworphosie.en femme^^ M 
yanations sur v/i t/iäme üalUn*-^ Oeuv. 103. Liv. 
I et 11. Preis jedes Heftes '16 Gr. 

3) RmdeanallaPolacca. tieov.lliO. Preis8Gr. Sammt- 
lieb viMi Franz Uünien. Leipzig, bei Breilkopf und 
Härtei. ; . 

No. 1 ganz leiehrond für SchiHer berechnet; jedes 
Rondo ihil sehr kurzer Kinleitung versehen. No. 2. Für 
erwachsene Dileltanteuktlude, dre gebührendes Pass«t«ren- 
werk abzulhun crbalteih. -No. 3 eine artige Kleinigkeit 
für Schüler und Dilettantea. lieber den oß, besproi-he- 
oea Komppnislen ist nichts nifhr zu sagen,; er fährt in 
seiner allgenirin gekannten und , vielb^eliebten, Art fort 
und ist so glücklich, eine Meug^ treuer Freuode zu 
zählen, die 9i\\ ihm hangen upd ohne XVech^el seine Po- 
pularität liebenswürdig linden, 



Tnriä Nocturnes — war G^C. ßufm/tamp, Oedv. 53. 
Hanovre, chez Adolphe Nagel. Preis 16 gGr. 
No. l'.im sanft bewegten Gefühl sinnend, bis sich 
das Herz hi -einem chaniliirä<;sigeri Zwis<:liensarze (Lento, 
senza tempo) deh Pr?cdeh stärkt, den dieWehmulh iii 
stiller Ergebung erlangt. No. 2' fUngt in einem still ge- 
haltenen Larghetto in Gesdur an; öhn^ sit^h l«iiige in sei- 
ner' noch ätigstlrchen Stille besänflfglpr Schmerzen hnl* 
teti zu kSnnen; Agifato itf Fismoll fbi^f, die Melodie 
meist in dei* Tieft;' des Bassfes , abfer klar und nicht zu 
doster: €n't abschliessend kehrt' dii^ ersire^Tempö in 
Gesdur wieder, nicht mehr mit dem Zusätze des Aengst- 
iichen, freudiger iu sich abgeschlossen, wie in lächelnder 
Resignazion. N()/3. Andante, V:i^i% ^, durchaus sanft, 
auch im reichen Moduliren, nie über die Grenze sprin- 
gend, weich und melodisch. Die Sätze gehören zu dem 
Gelungeuiiten V was *. dieser 'Kom|)oiiisi gescfariebtil uud 
Toröfl^irtlicht bat. ' 



Rondo Über ein fhema äiU Ob^on — vött J." ffer-^ 
manu». Op. 4. Priibnrg im Brei.si?au, bei fi. IlucJ^- 
nich. Preis f Fl: - - 



Recht hübsch durchgeführt und* mit massiger Bra- 
vour geschmückt. 

Polonaise — par Charles Vollralh. Op. 4. Ebeiidi- 
selbst. .Preis 1 F|. , 

Nicht ohne gute Gedanken, mit melodisch gefälligen 
Verbindungen und artigen Passagen; im Harmonischen, 
besonders .iu den Verbindungsgliedern, zuweilen noch 
etwas mager. • 



Der Polterabend. Polonaise ^^ von Jul. Hopfs* Op.3* 
Eisleben, bei Georg Heicbardl. 
Die Einleitung mit Anspielung auf Mozart*s : „Reidi 
mir die' Hand, meiu Leben''; die Polonaise mit Trio in 
gewobiili*r Form und Haltung,: zum Scbluss ein „Veil- 
chen- Galopp,'* der so tanzlich und leicht ist, wie Alles. 



Bagatelles en Forme des Mazurkas 



par Jacques 
Schmitt. Oeuv. 255. Leipzig, bei Scbnbert und 
NienjeyeK Preis 12 Gr. 
Die beiden ausgeführten Mazurken sind Chopin ge- 
widmet, dessen harmonische Weise deshalb keiuesweges 
acbgeahmt wurde, wnbl aber ist das Eigenlhümliche die- 



naci 



ser Nazionaltänze mit GldcX. beachtet worden. Das Heft 
bildet ßiueu Theil der Original -Bibliothek und gibt nbei* 
der, ersten Mazurka aus Fmoll als Qpuszahl 253, auf 
dem Titel dagegen, wie eben angezeigt, ^55 an. Was 
ist nun , das Hechte? , , 



If^ Maiurkas -r- par Edouard fFeber. Leipzig, chez 
A. tt: Friese. Preis 12 Gr. i 

Der' Komponist, den wir in mehren seiner frühem 
Sätze önginell und geschickt in gat gehaltener Durch- 
rührijn^ fanden , hat sich diesmal nach uWserer lieber«- 
Zeugung au^^zu weit getriebener Modulmionslust dem 
Bizarren mehr genähert, als es wlm^cheuswerlh ist. Es 
gibt jedoch Liebhaber dieser jetzigen Modemanier; für 
diese s'tnA diese Mazurken. Die beste Musik kann jedoch 
schwerlich damit gefordert werden. 



Trennung wd fViederselin^ eine musikalische Eklö^e -^ 
von F. W. Berner. Breslau, bei Karl Weiiihold. 
. Preis 12 Gr. 

Nach eiueitt nicht zu hngen Adagio non troppo lento 
in Enti»ll, V*,. tritt ein All. jocoso in IJdnr, %, ein, 
in geordneter Ausspinnung mit Nachahmung eines Themas 
von Rohde. Die Ausführung ^ird. massigen Spieler^ 
nicht scbwer fallen,.. so wie die Auffassung, <l^ d^^ ^^^ 
findnni; nicht sehr eigentbümlicb, mehr gefillig ist.' 



Mehrstimmige Lieder und GemngQ. 

Preussetdied ßlr Basso solo tnit Männerchor — von 
G. Reichardt. Op\ W. Bertln, bei TiTrartwoirf- 
Preis Vi TMr. - . > . . 



^S&i F^mw^: 1>^- ^. 



im 



^sGtiifiliiBit^yo^ivr atSrinisebeD Zeil» .dembfaa- 
senden Meere 9 in dessen hochschlageiiden Wogen die 
Schiffe wanken. Nur eins gebt still und ruhig, als wäre 
es ein Fels; sein Kapitain ein hoher Held« dessen Win- 
ken das ergebene Schiffs volk vertrauend folgt u. s. w^. 
Die 4stiinniige Bef^leitung wird von Brümm^timmen aus- 
geführt; die Mekdie ist so schticbt und angemessen , als 
sie zu einem solchen Volksliede sein mnss. Es ist auch 
noch eine Ausgabe für jSingslimmen mil voliständiger 
lostrnmenlalbegleilung in Partitur, und eine dritte lur 
eine Solostimme und Chor mit Klavierbegleitung veran- 
staltet worden. Die letzte Ausgabe kostel 4 gGr. , 

Ittei Lieder ßr 4 MäfmersHmmen ^ koaponirl von 
Eduard Tauwitz. Op. 9. Partitur uud.Slimnic». 
Breslau, bei F. fi. C. Leuckart. Preis 20 gGr. 
Das erste Lied „Trink/« von Ifofl'üianki v. Faliers^ 
leben, bat der Komponist in slärmiscber Artigkeit so ge- 
halten, dass es bei feurigem und kräftigem Vortrage bei 
Allen Anklang finden wird, die flir ihre Gesänge nicht 
auch zugleich einen sinnigem Text verlangten, der dies- 
mal nicht viel sagt. No. z. „Liebeslied,'*' von H. Wen- 
zel; der Text ist einfach, ohne mehre Strofen, wes- 
halb ihn der Komponist oft wiederholt und einen Gesang 
daraus gemacht hat. Die Haupimelodie ist gefStKg, ohne 
originellzu sein ; sie würde noch mehr eindringen, wenn 
4ie Durchrührung ihre WirksamkHt nicht zu sehr fn 
dem jetzt gewöhnlichen JModuliren und in mancherid Vor- 
halten gesucht hätte, was fireilich ungleich leichter* ist, 
als ein klares Fortfuhren und Erweitern des Uaoptge- 
dankens, so dass jede Folge wie nothweudig aus dem 
eben ausgesnngenen sich entwickiali, genaa und nnge- 
sucht mit der Grundidee zusammenhängt und in si^ wie- 
der zurötkfiibrt. Dabin mos« ^es wiederkommen« wenn 
unsere Geisänge länger ausdauern, zu «Herzen gehen uitd 
sich weiter ajs bis auf den Kreis der Freunde oder eines 
befreundeten Beaüirkes piisdehnen sollen. No. 3. Jäger- 
Ued im Priihlinge, von Hoffmann v. FaJlersleben, in fröhr 
lieber Melodie, nur mit gar zu langem Hailoh und Trara, 
Kurz die Lieder sind wohl gut und werden manchen 
Liedertafeln recht sein, allein unter die ausgezeichneten 
können wir sie nicht reebnen; dazu haben sie in der 
Musik nicht genug hervorragende Eigenthümlichkeit der 
Erfindung und Haltung, noch in der Wahl der Gedidite 
jenes Sinn und Gefühl Weckende, was siegreich ein- 
schlägt. Es fehlt das Besondere, körnig Individnalisirte, 
woran sich das Atigemeine des Gedankene und Wohl- 
gefallens wie von selbst am sichersten anaohliesst. 

XXIF Choräle ßlr den istimmif^en MUnnerckor aoage* 
' setzt von T. /. Pachaly. fireslaa, bei G. Weinbold; 
Sie sind gut ausgesetzt bis Auf wefiige Töne bald 
in der Harmonie, bald in der Melodie, die in den ver- 
schiedenen Provinzen sich bekanntlivh anders gestaltet« 
Das Heft ist empfeUiniswertb. 

Biß sttrhandm. Beiden^. ^ Batlade von Uhfßnd ßr vier 
Smgstimmen mit Begleitung det^^OvcheMtßrs (oder 



4cs Pii^ortfyju Hmk gese^ct Y^iKarl ffeinr. 

Saemann, Üp. 7. Berjin, .bei T. Traut wein», .Preis 

der Partitur mit unteuelf^teinKlavieraoszuge % Tblr.; 

der 4 ausgesetzteu Cborstiuimen % Tblr«. 
Ein scbönef Gedicht^ cinfaub. gesunken,, wie. ts sich 

brt, so dass der .Geaaing am Klavier «ad ioi Kon-^ 
«erisaale mil vollem, wirksam belnndeiten Ori^better 
guten Eindruck machen muas. Eio scblichter, anfiiigiich 
uiMSOuiscb^r^ von .den Bläsern mit schöner Harmonie und 
von den Slreiobiiietromenien mit ernsi passender Figa- 
razion versehriter, in seiner zweiten Hälfte 4stimmiger 
Chor, %^ leitet erzählend cin^ dnss der säiöae Svea 
und der graae Ulf daa Laichenfdd 4er Ehre decken. 
Der Sohn klagt, %^ Larghetto^ seinen Jugendiod ohne 
allen Prunk, nur einen Gedanken hegend, völlig ange« 
messen. Der sterbende Vater (Bass) tröstet darauf, *%, 
mit hinzutretender Üarfenbeglcilung, die von dem Pia- 
nofurte ersetzt werden kann, auf Odin 's Freudensaal 
verweisend, wo nicht nach der Thalen Menge ^ewerthei 
wird. Nach 3 Strofen endet ein gut 4stimmiger €hor- 
gjssang mit voHer Orohesterverstärkung : „Wohl wieget 
Eines viele Thaten auf, sie (die Hihimlischen) achten 
draaifi das ist um seines Vaterlandes Notb des Helden 
T4m1'« II. s. w. Es ist ßir Ausdrack und inocre Wahr- 
heit, nicht für Pomp und Flitter vom Komnoiitsten red- 
Jii^h gesorgt js^erdea. Zur rechten Zeit, z. B. zum Feste 
der Erinnerung an die Gefallenen, kann der Gesang die 
beste Wirluiug;kauffl verfehien. . 



Freie ffufist Gedicht von Vhland für 4 Singstimmen 
und Orchester^ in Musik gesetzt von Demselben. 
Qp. 8. Ebendaselbst. Preis der Partitur mit nnler* 
gelegtem Klavieranszuge IThlr.; der vier ausgesetz* 
ten Singstimmen Va Tfalr. ' 

Das kräftig teutsche Lied : „ Singe , wem Gesang 
gegeben in dem teutschen Dichterwald'^ ist hier mit Or« 
äesterverscbönernng durchkompauirt. -Die erste Strofe 
mit viel wiederholendem Chor All. moderato, Bdnr, y«, 
lebhaft ausgeführt; die foigeodeo für 45timffligen Sologe- 
sang mit Begleituiig, Andanti^io, Fdur, %, wi^von der 
Chor die letzte Uäifle der i$trofea wiederholt, zuin 
St'hlusse mit einem kurzen Anhange,. der sich im mög- 
lichslen Piano verliert.. Es i$t in seiqer Weis«; gleich- 
falls gelungen und empfehleuswerth : dennoph meinen wir, 
das Glicht sei mehr für 4stimmig liedermsissi^en Ge- 
^^n &^^V^^\% l^ic. CS >• B» voi^ dem vfi*storbeneA C. 
Sehnig iaL^iftzig Qir 4 Männeirstiiniiien .kqmppiiirt wnrde. 



NAGHBIGHTEIf . 



Ifarlsruhe. Unser Hoftbeater bietet in neuerer Zeit 
leider so wenig Veranlassung, die Spalten kritisdier Blät- 
ter zu füllen, dass wir um so freudiger eine Gelegen- 
hi;it wahrnehmen, das Interesse der Kun^Jgenosaen auch 

3*e^or dnipal anf dii^ bies%e Buhne znlenkei^« Herr 
ezanoer Fesca» der mit dem Nafnpni ancb das Talent 



IB39. Febraw.: No.^; 



lOd 



Mfoes iperalea Vaters ferlkitiiinnwD «befall, ki, tiaeb» 
den er sidi ia B^^rlin ausgabitdel» in seine Vaterstadt 
aaröckgekehrl, uuH üesa uns hier die ersten PrücMe »eiver 
msikaliscben Studien geniessen. Der juage Köastter 
bcgfann mit einem Konzert, weiches mit 4er Odi'erlure 
zu der to« seinem Vater komp«a!rten Oper ,, R;inle«' 
nire" eröRnet wurde, über drrenvielbesprochenen Wertb 
wir uns weitei^r Urtheile hier enthalten. Hieraof liess 
uns Herr Fesea seine Virtuasität auf dem Pianoforte in 
einigen von ihm selbst komponirlen Stöcken bewundern,' 
znnächsl in einei* Inlrodakzion ond Variazioiien über ern 
sehr geräiliges Thema, dann in einer Fantasie über Mo- 
tive aus Belllni's FuHlaoern. In beiden entwickelte Herr 
Fesca eine glänzende Fertigkeit, vereinigt mit einem 
schönen kräftigen Anschlag, abgerundetem Spiel und einer 
höchst gcluugetie» Ausführung der schwii^rigstrn Passa- 
gen, die er mil grdsster Eleganz und PrUsision vortrug; 
vorzüglich gefielen seine brillanten Variazionen ober be* 
liebte Anklänge Beliinfscher Melodieen. JNicJit überge- 
hen dürfen wir bei dieser Gelegenheit ein meisterliafk 
ansgeführtes Coocertino fürs \'iolöucelie, welches von 
Herrn Eichhorn, Mitglied des hiesigen Orchesters, kom* 

Soairt und vorgetragen wiirde. • Wir hörten wenige 
lünstlcr, die dieses Insiruaients so mächtig sind« als 
Herr Eichhorn, der dem Viuloneelle die lieblichsten Töne 
zu entlocken versteht und durch seineir seelenvollen Vor- 
trag das Pttblikilm zur . Begeisterung binreisst. — Den 
Schluss machte die von Herrn Fesca komponirte einak- 
tige Oper „ftlariette^* mit Text von Norbert. Wenn 
wir einerseits bemerkt zu haben glauben, wie Herr 
Fesca Oiigtitalideen mit AnkHugen aus der neuern ita* 
lieoiscben ocbilJe mit einander verwebte, und nichsl Bel- 
lini und Chenibini bisweilen auch an Auber erinnert, so 
dürfen wir andrerseits keinesweges verkennen, mit wel- 
chem Fieiss die ganz in französischem Genre verfasste 
Oper geb»hea ist, und wie karakleristisch die Musik mit 
dem Sujet barmonirt. Die Ouvertüre, die verhältniss- 
mässig ein wenig küraer sein dürfte, ist im Ganzeri sehr 
ansprechend, wie überhaupt, die einzefnen Stücke der 
Oper, deren ülaunlrolien durch Herrn Hailziager (Ar- 
naud) und Dem. Henkel (Marielle) sehr vortheilhafl be* 
setzt waren. Die Anastatlung, mit welcher die Oper in 
Szene gesetzt war, liess iiichls zu wünschen übri^. Herr 
Fesca, welcher die Oper selbst dirigirte, wurde am 
Schlüsse stürmisch hervergerufen. Wir wünschen dem 
anspruchlosen jungen Komponisten von Herzen den zu 
hoffenden glorreichen Erfolg auf der von ihm so rühm* 
voll betretenen Laulbäho« ' rc 



Erfurt. Am U. Januar ^b PrauL RosaHe Gträch-* 
ner, Pianistin aus Berlin, im Saaie.des Sehauspieihiaasea 
ein Konzert , weiches sowol»! durch <)ie Wahl gediege- 
ner Komposizionen, als auch durch deren treffliclie Aus- 
fuhrung den Zuhörern einen hoben Genuas gewährte. 
Sie spielte. uiHer Andern mil volikemneBer . Sioharheit 
ond dabei init s^r schönen . Vortrage l^as Adieux von 
J. N. Uuai^iel. Den meistea Genass gewahrlss ,«Das 
Lob der Tbrän,?Q.'f voA Uml* Tiefes. lacTühl, einEache 



Grdssa und Rundung zekbieil iMi in jfedem iGtdinfaiii; 
itr mit Brtlschiedenlieil vor die Seele des' Hürers triU. 
Die Ansrühhing war vortrefflich und ' der Beifall allge<* 
mein. Nor Schade; dafls man ihr kein besseres Instm-^ 
ment verschafft hatte, um noch mehr ihrfr* Vit'tiiositäi 
zeigen z« können;! ffr^j^^ ^^^^ 



Wien. Musikalische Chronik des 
vierten Quartals 1858^ 

Mit. gespannter Erwartung sah unser OpernpuUi« 
kum der Auflührung de» neuen Bühnenwerkes: Toran«' 
dot, Prinzessin von Schiras , aus der Feder eines allge- 
mein ]geschälztf n Kunsidilettanteu entgegen, welcher bis-* 
her, vorzüglich im Liederfaehe^ schon mehrere sehr werlh« 
volle Gaben veröffentlichte. Des Komponisten Steilong 
als Staatsbeamter bei einer der höchsten Hofstellen er- 
heisdite nothweudiger Weise, mindestens At% formellen 
Dekorums wegen, absolute Anonymität, obschon das Ge- 
heim nies im Allgemeinen dadurch keineswegs verschleiert 
werden konnte. Aber schon die gewäUie Psendofirma r 
Hovtn gab den so überaus gern witzelnden Wienern 
Gelegenheit zu allerlei Bonmots; und die in die Augen 
springend« Identität mit den Endsylben des Namens t 
Beethoven bot freilich anagramma tischen Stoff im reichli^ 
eben Maasse. Der Gang der Handlung ist genau nach 
Gozzi und Sobitler eingerichtet; zu den zweckmässig \o< 
benswerthen Abänderungen gehöi^n : das Zusammenzie- 
hen der komischen Maskenfiguren in jene Einzelne des 
Senesohalls Pathetn und die Verlegung der Fabel nach 
Persien, wodurch das affröse, VM*lfaliigen Erfahrungen 
gemäss auf der Bühne meist in's lächerliche fallende chi- 
nesische Kostüm beseitigt und demselben für das Aage 
ungleich gefälligere Formen subslituirt wurden. Das va- 
terländische Kunstprodukt ward ungemein sorgfältig in 
die Szene gesetzt, mit vier prachtvollen' Dekorazionen 
ausgestattet und die eminenlensten Kräfte darin benutzt? 
Herr Slaudigel sang den König Orosman ;• Dem. Lotzer 
dessen Tochter; Alad. Genliluorao die Sklavin Adelma; 
Herr Wild den Kalaf; Schober seinen ehemaligen Er- 
zieher Barat, und Forti den karrikirlen Seneschall, des* 
sen ohnehin stark aufgetragene Grundfarbe ihn jedoch 
verleitete, einer, die Grenze der Dezenz fast- überseh rei- 
tenden Buffonerie den Zügel schiessen zu lassen. — Die 
Aufnahme gestaltete sich wahrliaft ehren%>oll ; wie denn 
jeder dramatische Erstlingsversuch dorh wohl nicht mehr 
aris> einen succes d'eshme ansprechen darf. Als solcher 
jedoch kann der freigebig gespendete Beifall im gleichen 
Maasse anerkennend gerecht und ermunternd genannt 
werden. Wollte man distingutrcnd zwischen dem Be* 
rufe der Tonsetzkunst und dem Talente znr Tondichtung 
eine scharf absondernde Scheidelinie ziehen, so zeu£t 
diese Arbeil unbestritten fiir Ersteres, daher ander Tech«« 
tfik wenig nur zu bemängeln sein dül*fte. So ist g4eidi 
die Ouvertüre sehr brav, thematisch,: im kontrapunktisch 
fugirten Style durehgefiihK , und besonders auf die In- 
strumentalpartie im Ganzen sichtlicher Ffeiss verwendet. 
In der poetischen Kaotepizio« herrscht freilieh Boch der 



im 



1859. . Febniw. ; No. Hi 



ftOS 



Maogel selbstSndiger EtgentbSmKehkeil vor» ein gtwitf^ 
SCB unbeslioimles Scbwauken ia der Schreibart, ^ — das 
wechselnde Hinneigen bald zur ilalienischen , bald zur 
französischen oder zur leuischen Gesclimackssi^ule » in 
leUlerer prävalirend an Spobr*s harwonisoh ttp|i%e Fülle 
gemahnend ; — trotz dem aber isl jedem huustjünger 
aufrichlig Gluck zu wünschen zu einem solchen wohlge- 
lungenen Debüt. Unter manchen ausgezeichnelen Stel- 
len verdient die glückliche musikalische Auflassung iet 
Räthsel in rezitativisch - arioser Form, höchst originell 
begleitet, ^iner speziellen Erwähnung; namentlich wurde 
das erste durch Wild's zauberischen Vortrag noch un- 
endlichherausgehoben und, wie das wunderschöne Frauen- 
Duett mit Gh^r, unter rauschender Akklamazion da Cap^ 
verlangt; auch die Finale's und Ensemble -Stücke bieten 
interessante Einzelnheilen, welche bei näherer Bekannt- 
schaft noch im Werlhc steigen. — Die zweite Neuigkeit: 
Kreutzer*s „Höhle bei Wawcriy," traf ein hartes, we- 
nigstens zur Hälfte unverschuldetes Loos. Diese Oper 
hatte schon bei ihrer Enistehungsperiode vor ein paar 
Jahren im Josephstädter Theater nur geringen Erfolg; 
man erkannte zwar dem Tonmeister nnd beliebten Schö- 
pfer des melodieenretch&n ,,Nachtla{];er6*' in verschiede* 
nen, dramalisch wirksamen Momenten den. Preis zu; 
allein das Ganze tiess, trotz einiger gleich damals vor- 
genommenen Varianten, kalt und unbefriedigend. Das 
Hauplgebrechen keimt bereits im TexLbuche. Oehlen- 
schläger'ft ,,Ludlam's Höhle'* machte noch nirgend, auf 
allen südleutschen Bühnen, ein dauerndes Glück; das 
Mährchen, in seiner komplizirten Szenenfnige, ermangeU 
einer klaren Verständlichkeit, und der ohnehin schwer 
zu entziflernde innere Nexus musste, zusammengedrängt 
in den engen Rahmen des rezitaiivischen Singspiels, noch 
mehr an deutlicher Eingänglicbkeit verlieren. So war 
demnach der abermalige Versuch ein nutzloser, und die 
Unterlassung desselben würde dem Aulor das allerdings 
vorherzusehende Ergebniss mil seinen kränkenden Nach- 
wehen erspart haben. Anfänglich wobi prädominirte eine 
höchst günstige Stimmung; die effektvolle Ouverlure ward 
enthusiastisch applaudirt; das rührende Gebet am Schlüsse 
des Introdukzionschors mussle unter stürmischem Fuora-* 
Ruf wiederholt werden; die Luizer und Karoline Mayer 
empfingen huldigende Beifallstribute; so . ging alles gut 
bis zum ersten Finale, dann aber trat allmälig Wind-» 
stille ein; der Aulbeil schwand stets mehr und mehr; 
zum Ueberflusse, weil seilen nur ein Unglück allein 
kommt, mischten auch zufäHige Störungen sich in's Spiel; 
der Tenor Erl kämpfte mit einer nur gar zu merklichen 
Heiserkeit; weder Schober, in seiner sentimental - kläg- 
lichen, noch Slaudigel in seiner brüsk -jovialen Partie 
waren am rechten Platze nnd hätten füglieh ihre Rollen 
tauschen können ; genug, — das wachsende Missvergnü- 
gen gewann vollens die Oberhand , und als beim FaUen 
des Vorliangea aus wohlwollender Kehle voreilig ein ein- 
ziges Bravo! erscholl« gab dieser gut gemeinte, abef 
sehr zur Unzeit entscMüpfte Laut das Signal zu einem 
unanimen Gezisch, was die bereits schon ziemKeli gc^ 
lichteten Räume durchbog* — So ist denn dieses Ton* 
Wierk vom Reperioir- verscbwuadea und dürfte «chweri* 



lidh ein nocbntaltges AnMatebangafest begeliett. — Da» 
ans dem französischen übersetzte Opereltcken: ,,Di6 
Doppiflleiter,'* mit wenig oi^igineller, doch leicht gefalii-* 
ger Masik von Ainbroise Thomas, fesselt wenigstens 
uie Aufmerksamkeil; was bei solchen, bh)s als Lücken- 
büsser betrachteten Vorstücken - s«hon viel sagen will* 
Gesungen wird weit besser darin, als gespielt ; denn bei 
den pikanten Situazionen dieses etwas lasziven Sujets 
reicht gewöhnliches Sängervermögen keineswegs aus. -^.' 
Gastspiele gaben: Mail. Fitcket* - Schwarsbock die Aga- 
the im Freischütz; Alice im Robert ^ Ueberr«ste scbö* 
ner Mittet; — Herr £r/, vom Königsstädler Theater 
verschriel>en und engagirt', Arnold im Teil; Gomez im 
Nachtlager; kräftig sooöre Slimnte; vollendele Ausbild* 
»ng en atlendant; — Dem. Sabine Heincfetter ^ der 
einstmalige Fixstern, Romeikin den Monterhi; Susanna 
im Figaro; Desdemona und Armand in den Kreuzrittern; 
an Glanzpunkten fehlte *s nirgend; doch in Meycrbeers 
Crociato spukte der leibhafte Fatalismus ; ^r/rf War völ- 
Kg unwohl; Herr Rrause^^ Sultan, und Dem. Karoline 
May&r konnten mit der reichten Fignrazinn nicht zurecht 
kommen; €ine Dem. Hohel ihkt als Felicie so geheim- 
nissvoll, dass sie kaum dem Sonlfleur versiändlidi ward ; 
nur einzig die gewatiigen,* trefflich eingeübten Chormas- 
sen machten die Honneurs und milderten die aufgeregte 
Indignazinn der arg getäuschten Zuh^er; -*- Herr Dietz, 
ans. München 4 erschien als Max, Arnold, Rodrigo und 
Masaniello, ohne durchzugreifen; gefiel je doHi ungleich 
besser im Konzert rSaale bei diskreif r Klavierbegleitung 
durch seinen gemüt blieben Liederv^nragi — Von zwei 
pantomimischen Ballet • Div4»rtisslBmenlSfi Die Heimkehr 
und Ismene und Philin, möchte diePorallele schwer wer- 
den, welches an Unbedentendheit und schaler Gehaltlosig- 
keit höher zu stellen wäre. In letztgenannter, anakreon- 
tischer Idylle bietet doch wenigMeus der szenische Auf- 
wand einige Augenlnst, aaeh wirdanf bt^kännte Opern- 
weisen recht viel und aneh recht hüksch darin getanzt 
von den Matadoren der Cboreografie , noch 1»ereichert 
dnrch neue Ankömmlinge . !<danint^r Dem. Ropic^et^ 
Btojisyt Polin n. A« <— ' Die frahe($sisrhe Schauspieler- 
geselTschaft des Herrn Doüfiffff , welche schon vor ge- 
raumer Zeit sehr honorige Gesehäfte machte, zieht auch 
bei dem. gegenwärtigen zweite» Besuche ihr eigenes Pu- 
blikum. Da lauf diesen Brettern kontraktmässig kein 
blos rezitirendes. Drama statuinl ist« so muss Jedes, wäre 
es auch von ernsterer Gattung, durch eingelegte Cou- 
plets nominaliter in ein Vandeville umgewandelt werden, 
welche denn auch von den Dar^itellenden, die recht wa- 
ckere Mimen, aber alles eher denn Sänger sind, ziem- 
lich monoton herunter geplappert werden. Abwechslung 
und Manniehfiiltigkeit lehll nicht, und ielleii wird ein 
nnd dasselbe Stück '^i^'iederholt. 

(FortfstsnQg fol^t.) • 



Kasselt im Janoar. ' Die Oper* — Selten nur er- 
freut uns die Opemdirekzion mil neuen' Opern im gran- 
diosen Style gedichtet, ans dem Glrüade, weil ">^nr kein 
Ballet mehr baben, «md andi- der A^n nolhwendigen 



109 



1859. Fe^fiM^r. t Na, ;6. 



m 



Cbonnassep en^iebreD, yiell^icbt aneh weiUie zn groata 
Kosten scheut. Was davon «uf dem Repeirloir ist',, z. B. 
die Jüdin, Zampa, die Sluinme, Teil u. a,» wird wohl, 
von Zeil zu Zeil noch gegeben, aber wie? das ist die 
Frage. Wenn auch Einzfhie darin exzelliren, so fehlt 
doch stets der Totaleindi'uck. Deshalb böi'len wir auch 
am 20. August, anstatt einer grossen Oper» wie es dem 
Geburtsfesle des Landesfürsten angemessen gewesen 
wäre, nur den „schwarzen Domino,'' diese bereits in 
öQentlichen Biällem hinreichend besprochene und für 
musikalisches Mittelgut erklärte Oper Aubers. Sie ist 
eine sogenannte Spieloper« und man weiss, wie selten 
ein singendes; Personal auch zugleich ein ausreichend 
schaospielendes ist. Doch wir können im Ganzen dar- 
über nicht klagen^ Einzelne sind auch bei uns im Spiele 
recht brav. — Die Besetzung war den Kräften des Per- 
sonals angemessen folgende: Lord Elfort — Föppel; 
Graf Juliane — Dams; Uoratio — Derska; Gil Perez — 
Birnhauoi; Angela — Dem. Pistor; Brigitte — Dem. 
Low; Ursula — Dem. Leissring. Die Oper wurde ei- 
nige Älale bei mittelroässigem Beifall wiederiiolt. — Nach 
langer Ruhe wurde endlich einmal wieder Figaro's Hoch- 
zeit mit der Oeberschrirt: »,neu einstudirt^^ zur Auf- 
führung gebracht. Welch eine Bntscliädigung gewährte 
uns- diese klassische Oper für so viele millelmässige Mu- 
sikwerke! Welche Genüsse nach langer Entbehrung 
waren da«'fur unser Publikuail Das Haus war fast über- 
füllt, und der Beifall ungeinesseii« Den Grafen sang Herr 
Krieg, die Gräfin -^ Dem. Löw^rtiie Susanne — Dem.. 
Pistor 9 den Figaro — Uerr.Föppel, die Mar^elline — 
Dem. Be^ujo^ , den Bartolo .— » jierr Birubauoi , den Ba- 
silio — äerr Dmns, Hanneben — Dtmi, Tripp;» Don 
Gusmann — Herr Specht, Cheriibin— Dem. Uofioiann« 
Siebe unten „Gäste.*' Die Oper ist mit gleichem Ap- 
plaus bereits wiederholt worden. — Spohr's „Berggeist'^ 
ist auch nach einer vieljährigen Ruhe wieder zweimal 
gegeben worden; Dem. Pislor, welcher jedes Jahr, aeit- 
dem sie an dem Königsstädier Theater in Berlin gesun- 
gen, ein Benefiz zugesichert worden ist, hatte sich diese 
Oper dazu ausersehen« Diese Sängerin- hat in Kassel 
ein ausgezeichnetes Glück gemacht. Es war dies die 
Oper, welche vor mehreren Jahren zur Vermählunssfeier 
der Herzoigin von Meiningen gegeben wurde, folglich in 
jeder Hinsicht herrlich und glänzend ausgestattet; aber 
von jenem Personal war der einzige Sänger Föppel übrig 
gehlieben , welcher noch hei uns verweilt und die TiteU 
rolle noch immer ausgezeichnet schön singt und spielt. 
Ueber die Musik selbst hat die Kritik, denn der Text 
ist beinahe unter derselben, schon längst entschieden, 
und eben so viel Tadel als Lob darüber ausgesprochen. 
,»Zam treuen Schäfer,** komische Oper von Adam, wurde 
am 1. Jannar juipn ersten Male gegeben; wir wohnten 
der y.orstellong nicibt hei« 

Gäste in dßr Opnr. Der. 1.. Oktober voriges Jahr 
verursachte einige Veränderuneen in dem Opernrepertoir. 
Dem. Schmidt^ für das ältere Mutterfach engagirt, wurde 
entlassen, so aiich Dem. IVettU^fer^ welche in Münster 
bereits, mit nicht. geringepi Beifall sastirle nnd engagirt 
werde» ist. Für/nnitere gastirte Dem. Böhm als mr- 



tenschlagerin im Maskenball nnd als: Remeo,: sie .gefiel 

nicht; für letztere Dem. Hoffmann aus Darmstadt. Die- 
selbe besitzt keine geringen Mittel, ihr Stimmmaterial 
ist gut, aber es fehlt demselben noch eine sorgfältige 
Ausbildung; sie wurde als Aennchen im Freischütz sehr 
beklatscht, weniger als Zerline im Don Juan und Che- 
rubin in Figaro's Hochzeit, an welcher Rolle in hiesi- 
gen Blättern viel ausgestellt worden ist. Auch sie wurde 
nicht engagirt. Noch bis jetzt sind die vakanten Stel- 
len nicht hinreichend besetzt. Für das ältere Mutler- 
fach hat man einstweilen JDem. -ßeai{70^ eingeschipuggell^ 
eine überaus brauchbare Choristin, und für Dem. tVtiU 
laufer versuchte es eine Dem. Pless aus Hamburg als 
f ran von Schlingen in den Wienern in Berlin einzutre- 
ten; sie ist eine Anfängerin mit beschränkten S.timm- 
milteln und iotonirt gar nicht rein. Wir wollen, da sie 
engagirt ist, das Weitere abwarten. 

Als ein sastireudes Meteor an unserem Opernhim- 
mel erschien Dem. Bothe, früher in Hannover, zuletzt 
in Petersburg. Sie erregle als Tankred, Romeo und 
Obernriestenn in der Veslalin eine allgemeine Sensazion. 
Ihre Stimme, frisch . und schön bei reiner Inlonazion, so 
wie ihre junonische Erscheinung und ihr plastisch -schö- 
nes und der Situazion angemessenes Spiel . rissen das 
Publikum zu einer allgemeinen, hei uns höchst seltenen 
Begeisterung und Anerkennung bin. Sie . wurde jiedes 
]}]al gerufen und vieifältig ii),^€n hiesigen Blättern be- 
sungen» Auf ein Euig;agement war es bei ihren Gast- 
rollen nicht abgesehen. , . 

* (Fort«ctznng folf t.) ■ ' ' '* 



Leipzig. Das' AlschiedskonzeH der Mrs. Alfred 
Shaw am 28. Januar im Saale des Gewandhauses war 
überaus besucht, fast überfüllt. Eine schon früher an- 
sezeigte Ouvertüre des jungen felngländers Herrn ff^^- 
Jiar^ Stemdale Bennett^ ,,die Najaden,^' die sich wre in 
6i;ier Sommernacht freudig bewegen und gegen das Ende 
in mehrfachen Schlüssen täuschend necken, machte bd 
gutem Vortrage guten Eindruck, den die Versammlung 
auch durch die gewöhnlichen Zeichen laut aussprach. 
Mrs. Shaw, Herr Musikdirektor Dr. Fei. Mendelssohn- 
Barthold'y und Herr Konzertmeister Ferd. David würden 
l|ei ihrem Auftreten sogleich vom Publikum mit Beifalls- 
bezeigungen empfangen. Die Ronzertgeberin sang zu- 
nächst eine Szene und Arie aus Mercadante*8 „Giura- 
gento,'^ di^ ihrem Gesänge die gewohnte Ehre brachte, 
s war uns lieb, etwas ao^ der uns noch unbekannten 
und sehr verschieden besprochenen Oper zu hören: al- 
lein der Komponist erreichte sich selLst und seine bes* 
sera Melodieen nach unserer Ueberzeugung. nicht. Düe' 
gediegene Sonata quasi nna fantasia für das Pianofortcf 
yoii L. V. Beethoven trug Herr Dr. Fei. Mendelssoha 
a^f seinem neuen Instrumente von Erard vor nnd erhielt 
i|ptfirlich den laut ausgesprochenen Dank der Visrsamm- 
I|)ngi^per auch dem schönen, für das Konzert nur etwdit' 
zu kurzen Quartett aus F^idelio von Beethoven; „Mhp 
isl. so wunderbar ^^ nicht enljring. Es wurde eesungei^' 
von dtsn' Damen ßhaw und Schmidt, nnd von aen utt' 



Ili 



MSS9: Febniar. No. 6. 



11^ 



reo' Sebfüidt miil Richter. Die sehr trmh und bewegt 
aiisgefährte 'Ouvertüre zum Sommernachtslrauin Yon F^. 
jMeodeissobn-Barthoid]^ regle abennals freudig auf; die 
Freude darüber gab sich am Schlüsse rauffchend kntid. 
Mozarl's, voQ der Konzertgeberin auf Verlangen und schdo 
gesungenes ,,Addio'* machte sich gebiShrend gellend, 
und die Zusammenstellung mit den neuen Variazionen 
fiir die Violine, nach würdiger Einleitung derselben, 
kömponirt and vorgetragen von Ferd. David, gewann 
darum noch mehr augenehm Ueberraschendes, weil den 
ansprechenden Bravoureo Mozart's allbekanntes Lied zum 
Grunde gelegt worden war: ,,Wenn die Lieb* aus dei« 
nen blauen*^ u. s. w. Fast nach jeder Variazion er* 
scholl lauter Beirall. Mit ernem teutschen Liisde von 
Johanna Mathieux und mit zwei sclioMischen Balladen 
beschloss die Konzertgeberin ihre hiesigen, stets ehren- 
voll aufgenommenen Vorträge. Wir wünschen der ee- 
ehrlen Sängerin auf ihrer weiteren Kunstreise dieselbe 
Gunst des Publikums, der sie sich hier und in einigen 
Nachbarstädlen zu erfreuen halte. — Am 31. v. M. 
fand unser sechzehntes Abohnement-Ronzert Statt, worin 
Zuvörderst Onslow's erste Sinfonie von Neuem zu Ge- 
hör gebracht wurde. Das schön vorgetragene und be- 
iPeits ausführlich besprochene Werk erwarb sich noch 
mehr als früher die beifällige Zustimmung der Hörer, 
welche jedem einzelnen Salze zu Theil wurde. Mad. 
Bünau-Grabaa, schon vor dem Beginne des Gesangei 
vom Publikum mit Auszeichnung empfangen, trug Ros- 
8ini*8 Szene und Arie aus , »Bianca und Falierö**: Come 
sereno i il di! etc. in gewohnter Weise vor, welcher 
der Applaus der Versammlung nie entging. Herr fV. 
Haake Yitw uns eine neue, von ihm selbst komponirte 




eben ^ravourwerken für aie Flöte vorkömmt, sondern 
ancd. durch gehaltreichere und eigentbümliche Erfindung 
in Zusammenstellung und Verbindung der Sätze sich her- 
vorthat., Auch sein Spiel hatte an Fertigkeit und schö- 
nem Tone gewpnoen, so dass er von der Versammlung 
mit wiederholtem Beifall belohnl wurde. Im zweiten 
Theile erfreuten sich Alle sowohl am schönen Vortrage 
derBeetboven'schen Ouvertüre zu Coriolan, als amWerse 
selbst, und Hessen darauf der eifrig vorwärts strebenden 
und sehr glücklich sich liebenden Geschicklichkeit dei 
Qerrn H. Inlenjun. nach Verdienst alle Gerechligkeil 
widerfahren* Er spielte Introdukzion und Väriaziooeji 
für die Violine von F. David und bewies darin die an- 
erkenneuswerlbeslen Fortschritte in sicherer Fertigkeit 
qiid 8cl|önem Ton. Eine neue Hymne, gedichtet von 
ion J. P. Bohdmann, kömponirt von L. Spobr (Op. 98)» 

Sachte den Beschiuss. Die Sofopärtieen wurden von den 
amen Schmidt und Bünau,, und von Aen Herren Geb- 
fiaird .und ^\yeiske gut vorgeti^agen, die Chöre, Wie g^- 
wöhn^ich, von unser n Thomänern, grifli^ sehr gut dbrgh. 
u<l gingen»., wie es sich er\^'arlen lasst, triefflich. GieÜk 
^r erste Clior brachte in Allen». so weil wir 'es bemel*- * 
ken konnten, .eiQß der Sache angemessene, fromme Em« 
pfindung liervor, das Herz zum Trei6 des Hödisten er- 



fcebijnd. Einfreundlfidie^, sdiSn AirehgefBliilea Sopran- 
solo, nach nnd nach vom zustimmenden Chor, welcher 
den forlgehenfdert' Sologesang durchaus nicht erdrückte,' 
verherrlicht, hielt nicht nur jene Em()findang fest , son- 
dern gab ihr noch jenes sanHer Erquickende, was in je- 
der Mensdienbrust laut wird, die Empfänglichkeit für die 
Wohlthaten hat, die uns die ewige Güte in den Schön- 
heiten der Natur unserer Erde schenkt. ' Naeh einem 
kurzen , an Gottes nnendliche Liebe erinnernden Bass- 
solo singen Tenor und zweiter Sopran das Heil der Erde, 
die des Vaters rechten Kindern als ein Himmel der Liebe 
sich bewährt, in einem nbcraos lieblichen Doett, dem 
ein vom Komponisten ganz eigeulfaümlich gehaltenes, 
mehr das Mahnende und Erhabene ansprechendes Quar- 
tett folgt: „Wandelt hin, ihr Millionen, die der Erde 
Rund bewohnen, wandelt hin in Lieb und Tren. Gross 
ist Gott, ist Macht und Güte, nur im Rebenden Gemn- 
the wird sein ßildniss neu. '* Ein voller Chor zum 
Preise Gottes scbliesst die wirksame Hymne, über welche 
wir nach näherer Bekanntschaft mehr berichten werden. 



Fortsetzung der tierhslopern 1858 u. s. w. — 
Anfang der Karnevalsstagione in Italien • 

Königreicli beider Sizilien^ 

Palermo. Hätte Dönizetti sich bis jetzt nicht als 
Poly-Tacbygraf bewährt nnd unser Opernmagazin stets 
mit Vorrath versehen, do würden dermalen den Impre- 
sarien die Haare zu Berge stehen. Rossini will nicht 
mehr klingen und scheinft altmodisch, Pacini hat aosge- 
klungen, BelKni ßngt man an satt zu werden^ und so 
wird denn Donizetli auch in ganz Stztlien gesungen. 
Die ersten drei Herbstopem, die hier vom Stapel liefen: 
Roberto Devrenx, Furiose und Lucia di Lammermoor — 
die Leser wissen längst wessen Rinder — entzückten 
zwar wenig, doch gefielen darin i)te Palazzesi und die 
Herren Genero und Colini. Diesen drei Opern folgten 
zwei andere: Bellini's Pirata und Mercadante*s Giura- 
mento, die aber beide missfielen, wozu benannte Künst- 
ler das Ihrige beitrogen. 

Caiania, Im Roberto Devreux, del maesiro eava- 
Irere Donizetti, sangen die beiden Prime Donne Marianna 
Ruggeri, Carlotta Grecis Possi, rfer Tenor Antonio Pa- 
terna, nnd der Bassist Paolb (iasaH, welcher Letzlere 
in den Himmel erhoben wurde. 

Messina, Der Imoresario des hiesigen Teatro della 
Munizione, ein junger Engländer, macht keine gute Ge- 
schHrte. Zur Prima Donna engagirle er liie Clementina 
Fanti, die Eugenia Valentin! als Aitra Prima Denn«, 
deti Tenor Feiice Morandi nnd den Bü^sist Leqp Cor* 
radi Seti. Wesen der erfolgten Kir^nkheil des tferrn 
Morandf zu Viadana '(s.' d.), musste eiftgdt der 7eoor 
Disrancourt engagirt werden, nnd mam konnte erst zu 
Ende 'Novembers mit '0onizetti*s Gemma di Vergy in die 
Szene geben , welche Oper aber mit einem Fiasee ab-^ 
zog. Die Fantt war der Haoptrolle ganz nnd gar niobt 
gewachsen; Herr 'D^raneenrt verlor im «weiten Afcteiiie 



115 



1850. Febraar. No. Q, 



U4 



Sliaime , und Herr Corradi Seil , der einzige, der Stich 
hielt, vermochte den Scbtffbroch nicht zn ändern» 

Neapel. Auf den beiden königl. Tbenleni S. Carlo 
und Foiido war diesen Herbtft Donizelli abermaU Altes 
in Allem. Von ihm wurden wtedrrhoil : Roberto De- 
vrenx 8, Pia de Toloroei (zweite veränderte Auflage) 6, 
Campanello 6, Lncia di Lammermoor 3, Assedio di Ca- 
lais 2 Mal (mit genauer Noth). Im Bravo von Marliani 
debntirte der Tenor Saivi mit Beifall ^ und diese Oper 
erlebte ein Halbdutzend Vorstellungen. Raimondts neue 
Oper, ü Presidente disgraztato^ deren Musik das wohl 
zn beachtende Unglück hat, all das zu verscheuchen, 
was mit der heuligen Oper nur die allergeringste Ideen- 
aüsoziazion erwecken könnte, war auch in der That un- 
glöcklkh und verschwand nach der zweiten Vorstellung 
ans der Szene. Von Bellini wurde gar nichts gegeben $ 
von Rossini Semiramide ein paar Mal und Coppola s Mina 



Pazza per amore ein Mal. nauptsänger in diesen Opern 
^w^aren die Ronzi, die Buccini» Basadonna und Barroilhet. 
Von der Ronzi beisst es, sie werde bald das Theater 
f^anz verlassen. Basadonna lag einige Zeil sehr krank 
darnieder. 

Mitten in diesem Jammertbale machte Mercadante's 
am 14. November zum ersten Mal hier gegebener» be- 
kanntlich voriges Jahr für die Scala komponirter Giora- 
mento, worin Herr Nonrrit debütirte, gewissermaaasen 
Epoche. In der ersten Vorstellung gefa'el er nur theil« 
weise, sodann etwas besser, dann wieder etwas besser, 
was denn gewisse Leute Furore nennen, aber das Facit 
blieb immer theilweis ; in aHem wnrde er auch nur sechs 
bis siebenmal |pegeben. Sowohl Debütant, der sich hier 
mehre Monat im Gesang vervoUkammnete, als auch die 
Salvi-Spech, die Buccini, Barroilhet irufen zur benann- 
ten AutnahiBe das ihrige bei. Hierzu kommt noch der 
Hauptomstand, dass der Landsmann, von dem man hier 
lange nichts Vorzii|;liches gehört und der vom gröss- 
ten Theile des hiesigen Publikums an des verstorbenen 
Zingarelli Direktorstelle am hiesigen Conservatorio ge* 
wünscht wird, nun allerdings Vorlreffliches geschrieben 
haben muss. Bei der Armulh an allen Ecken, die jetzt 
hinsichtlich etwas besserer Maestri und Sänger in ganz 
Italien herrscht, mag sich Neapel mit seinem Mercadante 
gütlich thun, und Herr Vincenzo Torelli, Redakteur des 
hiesigen Omnibus, dessen Pulsschläge bei Abfassung sei- 
nes schreckbar langen und scliwülsiigen Artikels Ober 
diese Oper die einer Qnadratfieberhilze gewesen sein 
mochten, verdient allen Dank, dass er bei dieser. Gele- 
genheit aus dem musikalischen Vesuv seines Gehirns, 
gleich einem starken Lavasti^ome, eine grosse Menge bis- 
her unbekannter Neuigkeiten weit und breit ausströmen 
Hess. Für die Leser der Alkem. Musfk. Zeitung dürfle 
nnr Folgendes genügen: .„Mercadante (heisst es in je- 
nem Artikel) ist tfcr Repräsentant uneers Ruhms in 
Europa. Rosaini's Sprache int die der anermesnitrhen 
Bewegmig, des nabfegsamen uhersehwengKchea ^ȟlhs 
der Seiten« Die Frucht und Wirkung iener groaeeii' 
Bewegung warea so zo sagen Schmerz , Klage mid die 
traurige Erinnerung, viel gewollt zn haben ; daher jane 
stille, ifllindioii6ch*eleg«sclie Varaonfl, immer der Zeiten 



(ragian paeatüf m^ttmöobca ekgmm ampre ii temmU 
die auf jene lärmende folgte, und von der Bellini Dol- 
metscher, Sprache und Harfe war. Nun hatte auch je- 
nes so zu sagen Weinerliche Bellini*s in den Zeilen auf- 
eehurt und es entstand ein Gemisch von Rossini*s Auf- 
brausen und Bellini's Sentimentaiismus , welches glück- 
liche Ergebniss Mercadante darstellt. Bellini wich von 
Rossini's Styl ab und führte die Musik zum schönen An- 
tiken zurück, das nie sterben wird ; seine Musik ist eine 
allgemeine, und seine Schule Allen angenehm. Merca- 
dante suchte das weni||;e Uebermaass (pochi eccessi) so- 
wohl der Schule Rossiui^s als jener Beilini's zu lindern 
und schuf ein Schönes, das für alle Zeilen lebt, denn 
es ist für alle Herzen nnd jede Vernnnft. Im Quartett 
(soll heissen A quattro. — Der Korresp.) des ersten Akte» 
im Giuramento ist er der allergi'Össte (sommo) Meister, 
der erhabene (subäme) Grammatiker und ungeheure (im- 
menso) Mann von Geschmack. Es ist überiliissig, jedes 
Stück des Giuramento zu prüfen, einer Musik, die schon 
auf allen Theatern in Europa berühmt ist. << (Ohoül 
bis jetzt, d. h. bis zur grossen Epoche dieses grossen, 
mnsikalisrhen Fantasiestäcks des Herrn Torelli, kaum 
auf den Theatern zu Mailand, Wien und Triest gege- 
ben, in welcher letzlern Stadt sie wenig anzog.) Da 
nun über diese Oper bereits von Mailand und Wien, . 
wiewohl nicht ganz übereinstimmend » in diesen Blättern 
gesprochen worden, so glaubt Referent immer, dass sie 
nie ^ene Aufnahme, die so mancher Oper Donizetti's, 
Bellini's, ja Ricci's im In- und Auslände zu Theil ge- 
worden, erhalteb wird; und ohne das an Rossini*s Se- 
miramide erinnernde Duett im zweiten Akte würde es 
mit dem Giuramento noch finsterer aussehen. In Pa- 
lermo gefiel er neulich sehr wenig, nicht besonders in 
Venedig und Turin^ wie die neuesten Nachrichten aus 
Oberitaiien lauten. 

(Teatro Nuovo.) Von der vorigen Stagione ist hier 
die Oper ü Coserilfo^ del maestro Gagliardi und ihre 
ziemlich gute Aufnahme nachzutragen. 

Mercadante zu Ehren gab man hier diesen Herbst 
wenige Maie und mit geringem Beifair eine seine altern 
Opern : il Sienore del villaggio betitelt. Die beiden neuen 
Opern: ü ßarone di Trecchia^ und tAstuccio d'oro^ 
del maestro Raientroph (über welche zn seiner Zeit in 
dieser Zeitung gesprochen) wurden am meisten gegeben. 
Letztere hat ein hübsches Boeh mii einer zuweilen hüb- 
schen nnd leichten Musik. Die Prima Donna Parepa 
zeigte guten Willen, und Herr Pioravanti zeichnete sich 
besonders aus. Sonst wiederholte man oft folgende äl- 
tere Opern: Cantatrici villane» Alan roac aulay, Son- 
nambula, un Capriccio in amore, i Piratt; minder oft: 
EnfHia ili Liverpool ^ il Coscritto, Scaramuccio, Chiara 
di Rosenberg. 

Denitetti hat auf einige Monate Urlaub genommen 
nnd ist nach Paris gegingen. Wibrend seines Aufent- 
halts daselbsl muss es sich eaUeheiden , ob er wieder 
hierher zurjickkebrt oder nicht. Erhält Mercadante. die 
erledigte DireklorsteUe aai hiesigen Ronservatoritim « so 
ist an seine Adckkebr aichl mehr z« denken» Donizetti 
soll indessen in Paris yoUaiif zn lh«n haben und mit dem 



.\\>..i.- 



. V •. .- 



115 



1839.. Febmar. No. a 



416 



Komponireo roo RansoneUeii» AmUen, Balladeo o. s. w. 
viel gewinnen. Wahrscheinlich wird er daselbst seinen 
hier verstorhenen Poiiulto (Polyenclo, nach Corneille) 
wieder französiren und aulfuhren lassen, wohl auch eine 
neue französische Oper für die Acadetnie Rovale de mii*- 
stqoe komponiren. Sein Roberto Devreux hat auf dem 
dasigen italienischen Theatern wenig gefallen. 

Es heisst, die hier angekommene Sängerin des Pa- 



riser Theaters Feydaa Dem. Jenntf OHmer gel för die 
hiesigen konigl. Theater gewonnen worden. 

Herr BorsinU von dem vorigen Friibliag so viel Lär* 
mens in allen in - und ausländischen Zeitschriften ge» 
macht worden (s. Neap$l in der 34 No. dieser Blätter 
vom vorigen Jahr S. 556)» ist nach Frankreichs Haupt- 
stadt, wo er Operabücber schreiben will , gewandert. 
(FortteUnag fol|rC.) 



Ankflndlg^ang^eii. 



Im Verlage von Brelthopf A Hftrtel in. liClpzig erschienen so eben mit Eigenthumsrecht : 
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Mit kaiserl. kanigi, ösiretchischer Censureriautmfsi, 
Ldpzifi', den 1. Februar 1859. 

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Hendelssohia^Bftniioldy, F., ^>ute far Pianoforte 

und Violoncello. Op. 45, in B. 
Scmnetty \WwMk» Sterndale, 5 Diversiong for two perfor- 

■ mert on one Pianoforte (& 4 mains). Op. 17. 
AUe^^o grazioso'fbr die Pinnoiorte. Op. IB. 

Später ersclieinen t i 

Beiinett, HVna. Memdale« Quatri^e Concevio ponr le 
Piano atec Aceompngiiement d'Orchestre on de Qnatnor, 
Ott pour Piano se^|, Op. 19. 

Die Waldnymphen^ Ouvertore für (|;rosses Or ehester. 

Op. 20. 
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Leipzig, im Jnnnar t8i59. 

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•er Anleitang anm InsCrnmentircn' und Arrangiren 
aufmerksam macheu, bemerken wir nur: das« in allen Boch- and 
Musikalienbandlungen ausfulirliclie Anzeigen gratis verabfolgt wer* 
den, und dag Werk ielbit zur Anlicbt offen liegt. 



In meinem Verlage ersekeint nlkckatens mit Eigen tbumnrcckt : 
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MTIlhelm FaoL 



Auber^s neueste Oper« 

Die Unterzeichneten haben das Eigenthumsrecht der 
Oper : 

JMe Schwerter der Veen 

(La fioeur des fees) 
▼on 

]>• F. E« Aulier 

an sich gebracht , und werden dieselbe im vollständigen 
Klavieraoszug<e mit fransösisehem und tentschem TejiLl, 
ao wie in einzelnen Nummern und den üblichen Arran- 
gements bald möffKeiist erseheinen lassen« 
' Leipzig, den 2. Februar 1839. 
BreUkepf db Hftrtel« 



Leipzig, bei Breitkopfutul HärteL liedigirt von Dr. G. fV. Fink n nfer seiner FerasUwartlichkeil. 



.Beilage t7\? 61 Jiiir^4U^eniemerV'Jius-ikalLfcheny Zeitrzn^. /SSS. 

Fao-simile der Handschrift 



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H7 



118 



ALLGEMEINE 

MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den IS*«» Febrnar. 



M 7, 



1839* 



Statistik der in Italien 'im Jahre 

1858 komponirten Opern und neu 

entstandenen Maestri. ' 

JLiS lohnt sich der JMuhe, diesen allg^emeinen Ueberblick 
hier zu geben , da Italien wahrscheinlich kein Beispiel 
in seinen Annalen itv Musik von 'einer solchen Ergi- 

Ä a 



bigkeit an neuen Maestri und neuen Opern in einem 
einzigen Jahre aufzuweisen hat. Die Allgemeine Musi- 
kalische Zeitung hat über Alle Bericht ertbeilly. und ihre 
Z^hl dürfte ziemlich die vollständige sein ; höcl^tens kön- 
nen zwei bis drei daran fehlen. Die mit Sterneben be- 
zeichneten Opern sind als Erstlinge zu betradilen. — 
NB. Die Operelien machen dabei die mindeste Zahl ans. 



Name der Opej», 


Ort der Aujpihr^. 


Name dei Ufaesiro. 


*n SoliUrio di Uoderlach. 


Palermo. 


Cutrera, Pietro. 


La BattagUa di Navariao. 


Neapel. (T. S. Carlo.) 


Staffa, Barone Giaseppe.; 


I dae Savojardi. 


— (T. Poado.) 
• — (T. Nuovo.) 


Aspa, Mario. 


11 ritoroo di Paleioella da Padova. 


Fioravanti , Vincenzo. 


Ml viaggio di BeUioi. 


Rom, 


Nalalacci, Tiberio. 


Mginia d^Asli. 


Pisa. 


Gaaamorata , Ferdioanda. 


CatUriaa di Deves (ej^atlieh Guisa). 


Florettz. (T. Pergola.) 


Savj, Loigi. 


-Marco Viaeoati. 


— (T. Cocomero.) 


Picchi, Ermanao. 


'Emma. 


- (T. Alfieri.) 


Giorgetti, Alessandro. 


Mi Solilario. 


Sieoa. 


Tieei , Rinaldo. 


La SeccMa rapita. 


Viaregio. 


Cellerier, Hilaire. 


Mgioia d'Asti. 


Verona. 


FaecioM, Giovanni. 


Maria di Budeos. 


Venedig. '. 


Donisetti, Gaetano. 


Bianca di Novarra, o le dae iilastri rivali. 





Mercadaate, Saverio. 


Le oozze dt Figaro. 


Mailand. (T. alla Scata.) 


Rieei, Lofgi. 


La solitaria delte Astarie. 


— — 


Coccia, Carlo. 


'I Roaaioiaoi a Parigi. 


— CT. Re.) 


Roozi, Antonio. 


Marco Viaeoati. 


Taria. 


Vacc^, Nicola. 


Esmeralda. 


Mantaa. 


MazzQccato, Alberto. 


Adeiaido dl Francooia. 


Trieat. 


Combi, Pietrp. 


Le prigiooi di Bdimburgo. 


— 


Rice!, Faderieo. 


F 


r ü h l i n g. ' 




Ida della Torfe. 


Mailand. 


Nini, Alessandro. 


Catkeriaa di Gniaa. 


Treviao. 


Mazza, Giuseppe* 


Bartoloneo della Cavalla. 


Veae4ig. (S. Beoedetto.) 


Qairiel , Naasimiliano. 


Alaia di Rieui:. 


Rom. 


Lillo, Giaseppe* . 


* VaWia , oiaia la cie'ca. 


Neapel. (S. Carlo.) 


Sarmieoto, Salvatore. 


Airbnso d'Arragoaa (Asioiie drammatlea). 


— ' — ■ 


— ■ — 


1 Pirati. . 


— (T. NuoFO.) 
Sommer. 


Petrella, Bnrico. 


'Argeoide e Rieeiardo. 


Flereaz. 


Cöatt^ Fraaeeseo. 


Catteriaa di Goiaa. 


Livorao. ? 


Gampaaa, Fablo. : 


11 ratto dMreae. 


Viaregio. 


Del Preie, dottarFraaeaaea. 


AUq Mac-AoUy. 


Neapel. (T. Naovo.) 


, Aspa, Mario. 


11 Coscritto. 


— ■ — 


Gagliardi, Diontsio.' 


L*orfaoella dl Laaeisa: 


Mailand. (T. Re.) •- 
Herbst. 


Mazza, Giuseppe. 


L*astoeelcr dVro. 


Neapel, (T. Woovo.) 


Raientropb, Fortonato. 


11 Barone di Tnethli. 


— . — 


— ' — 


l. PsliaiUi. 


— . (S. Carla ^ Verbotes.) 


Danisetti, Gaetatfo. 


. Jl Pretcodanto flUgrasiati« 


- (T. eqndo.) 


Raimoodi, Pietro. 


'La eämpaoa aavojarda. 


Faligoo. 


Trasciati, Decia.: 


*La diatrokioae de' Masaadieri« 


Bologna. 


. Diamant! y Paola. 


La Tarca fcdele. 


— 


' -JU — 


' 'JEnma e Raggiaro. 


«^} 


Braceioliai, Cavatiere: 


^(Ia lanpo 4'iaMelta. 
n poaügUoae di Loajamfaa.' 


LaA, 


Graügoa» AelUla. 


Mailand. ,....,... 


.,Coppola^Pietra,Ai^M»iOr 


41« Jahrgmiig. 







ÜO 



1839. Februar. 



Diesem Verzeidinisse znrolge wurden in Italien im 
Jalp>e 18S8 komp«iiit: ~t 

Im Ktroeval, Dtoe Opera i\ , 4*rqni«r rok ««060 M»Mti4 S 
,>-ftahBaj^ - 

-* Sonmer, — 

— Herbst, 



7,: 

- 10, 



1 
— ^ 

-^ 4 



i& 



TotalsQinm« : 44 
V«n den im Karneval komponirten Opern gehö- 
ren Neapel 3, iMailandS, Florenz 3, Venedig 2» Triest2, 

•Faterfflo, Rmh, Pisa, tSeaa, Viaregio, Verona, JRantua, 
l'urin, jeder Stadt eine. 

Setzt man nan die Gesmomlmhl itr Opern, was 
»ebr leiobt mögJieh ist, auf 45 an, so verhäU sieh die 
Zahler nett entstandeficn Maesfri zu ien netikomponir- 
ten Openi wie t : 3; folglich kommt auf je drei neo- 

-koisponirte Opern ein nen entstaitdenener Maestro! So 
erfreniieh dies Bild z^ sein .»dietttt, so iranrig ist sein 

.Brgebiuss. - 1) Von alP diesen 44 ^er 45 Opern, wo- 
von die meisten längst begraben sind, dürfte sich — *• auf 
einige Zeil — . etwa eme emsige erhalten, nämlich Rio- 
ci's Prigioni di Edimburgo. Von Donizetti^s Poliollo 
kann hier nicht* die Rede &ein, weil er nicht gegeben 
wurde, und die wenigen auf dem Neapolitaner sekundären 
Teatro Nuovo wiederholten Opern von sehr geringem 
Kaliber stossen das Gesagte nicht um. 2) Diese Leicht- 
fertigkeit, mit kümmerlichen musikalischen Kenntnissen 
sogleich als Maestro aufzutreten; diese allgemeii^e Leicht- 
fertigkeit, Opern hinzuschmieren, ^eigt offenbar das innere 
tiefere Sinken der Jetxigen italienischen Oper. Schade, 
dass mit dem den Italienern so angebornen melodischen 
Sinne heutiges Tags das ernittlicbe musikalische Studium 
von ihren Maestri so sehr vernachlässigt wird! 



Felix Mendelssohn 'Bariholdy 

Der 42. Psalm* Op. 42. Riaoierauszvg. Leipzig, bei 

Breitkopf und Uartel. Preis 2 Thir. 
Dazu die ausgesetzten Singstimmen. Ebendaselbst. Flreis 

1 ThIr. 8 Gr. 

Der Chor: „Wie der Hirseh sehreit naeh'^ fi*iscllem 
Wasser,'* Lento a sostenuto, %, Pdur, beginnt nach 
kurzem, Stakligem Vorspiele des Orchesters imitatorisch 
einfach im Harmonischen, ana dem Hauptgedanken sich 
entwickelnd und auf diesen gebaut, dabei stets rhythmisch 
fest und bestimmt in den Einsätsen und Einschnitten 
fortgeführt, was der Klarheii imd> dem Wohlgefallen 
fiberall höchst fSrderlieh, ja das Noth wendigste ist; die 
Instrumental - Begleitung ist anfangs nur schlicht mitge- 
hend, dann nur in AchtelGguren gescbmückter ge^iaobt» 
die auf fortlaufenden Verstärkungsharmonieen des Grund- 
basses und der Mittelstimmen sich erbeben und die gute 
Wirkung verdoppeln, ohne das einfach und klar Zusam- 
menhangende nur im. Geringsien sn iBrdräekto oder aoah 
nur zu verdämmern. Der ganze Fluss dea Gesanges 
nnd der Art der Begleitung, namentlich auch die sehr 
beachtenswerlhen Formeln der Einschnitte, welche auf 
die Wesenheit des Gnsmnmtctndrnekes «inen von Uner- 
fahrenen oft unbeachteten nnd dnreh falsch angebrachte 
Mannichfaltigkeitahtatinehr lerslörenden ab belfcnden 



No* 7. iaö 

Einfluss haben, hat die Wurde der Händeischen Zeit för 
sich. Die ll'e^bewaiirteSinheit lesGesanges im Bunde mit 
eJnerai(A nur nach and nach, nnd nie gewaltsam hebeadeu 
odef' gikr wieder rnckscbreftenden Insirumentazion gibt 
i^fipi phnrp. rfay g<»tltpgri»n Ansprechende, ohne dass der 
Koinponist zu irgend einer Uebertreibung seine ZuQnchi 
zn nehmen benöthigt gewesen wäre« Die Stirn Aenfnhr»^ 
ung des Gesanges hat etwas ganz Besonderes mit sieht- 
fenran'Mms.-m m Beannnt t ita at gerade so, wie es st^ht, 

Seseizt^ aber auch schon theils. von Händel, theils von 
eb. Baeh auf ähnliche Weise zu^^eiten gebradcbt wor- 
den ist. Wir h(d>«n nur eine Steile aus, um ohne viele 
Worte zn zeigen^ was wir meiue^i 



Sopnuio. 
Alto. 



Tenore. 
Basso. 



35 



^fTTP^^ 

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.II. 



Dir, so schreit nieipe 



^ 



See - le, Gott » za 



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Wie der Hirsch n.' s. w. 



dir 
Es sind also in diesen 2 erst^i Takten in verschiedenen 
Stimmen 3 in gerader Richtung springende oder ver- 
deckte Oktaven sichtbar und hörbar. Haben wir nun 
eben gesagt, dass dergleichen« ja auch verdeckte Quin- 
ten, sich hin und wieder in Bach 's und Handels Wer- 
ken finden, so wäre der SeUuss nicht uoerfiört: ,, Ent- 
weder ist dies und Aehnliches, oder, und weit glaubli- 
cher^ die theoretische Regel falsch. Im letzteren Falle 
müsste sie umgestossen werben und hörte auf zu sein, 
was unsere Praktik, nach welcher sich die graue Theo- 
rie richten muss, auch schon hinlänglich hetbätigt.** -* 
Wir erlauben uns dagegen zu behaupten, dass jenes Ent- 
weder — Oder keine netbwendige Scbfussfolge ist, viel- 
mehr gehört sie zu den belriigiichen;, die. den blosen 
Schein für sich habet), der schwache Augen blendet. 
Man sieht auf ein .einziges Gesetz der Theorie und ver- 
gisst die Kollision der Gesetze, worauf nicht wenig an- 
kommt, die aber freilich aneh mehr Geisi und Beson- 
nenheil verlangt, als einen sierr nuf einen Punkt gehef- 
teten Sohülerblick. Man bedenkt nicht, dhs$ ein 4stim- 
miger Satz fiir sich allein und ein solcher mit voller Or- 
chet^rbegleitung, wie hier», nmspiell und ih andern Ak- 
, kordstellungen ergänzt und abgerundet, nicht im Gering- 
sten einerlei ist. Wie, wenn nun. %• B. iu; dem ange- 
gebenen Falle die ganze Si^lnng der Akkarde vermit- 
telst der Gesammtlonmasse sich nicht Mos fih* den künst- 
lerischen Gedanken, sondern selbst für Sinta nnd Gefühl, 
mitten in der zuweilen 2 Stimmen unisonirenden Ge- 
sangsverkeitnng einer eindringlipheo Jtf elodieftjhrung jeder 
einzelnen Stimme wegen, so gestaltele nnd vornerr- 
sekend durch die Begleitung bemerkbar maebte , wie ia 
folgender Akkordrerbindung? ' 



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m^ EfifepRW.: f^.fh 



122 



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^ 



^3=c^ 



^1^ 




Dies w3H€ BHR boflFenllieb aueh iheoreliscA rtchlig ^in ; 
und feinde so stellt sieb dsis GalMe des Clahges ii> Ver- 
bindttog mit den lastruiiienlen heraus. — Ist nun ais6 
darum» v^Ü ein Gesetz derTiMorie «nit einenf wid wohl 
auch mehren laadeiti m bestimfiilea FäU^u in KotKsion 
treten, folglich eins dem andern sieh onterordaen , oder 
niiideslens aainbafte Besehräuknagtn für den Augenblick 
um 4ea Besieh des^fiansen wiHe« sieh geMkni lassen 
luttss«, das ti^setz aufgehoben oder gerinj^r geworden? 
Mit aicbteif ! vieiiNirt^ istea dadurch erst recht bestätigt,, 
dass nor besoadero Leb«Asverbahnisse in eben hervor- 
breeheoden Matarsitaaftioaen ehi «acbgibiges Bengea 
desselben erlauben «ad dem Tobdichter setbst den Vei^- 
stand einer aaoehmiegeadeii Umsicht siehern. Jedes Qtp 
setz, was in sidi selbst versteinert, wird zar Ungereeh* 
tigkett in besondera VerbäUaissen-: je bestimmter die 
letzten erkannt und beaehiel werden, itosto ehrenvoller 
in allen ffewdhnliobeii VerHältnissen sieht das^ Gesetz. 
So verhält es'4»ich aaeh mit den verdeekten Qiimten und 
Oktaven, über der^n Wesen eine genau nm^iclitige Ab- 
handlung jetzt gerade höchst aweekmassig wäre. Vor 
der ÜHnd genüge di^Uia Weisung auf einige Hauplpunkle, 
die für ein weilieres ttedeakeo die geeignrUteu sind, 
hier aber vorziiglicb beabsiuhligen, fals(4iei9 Folgeroiigen 
vorzubeugen» die aus leicbtbia betrachteten und nur halb 
verstandenen Thalsacben aam Nachlheif des (»esietztiehen 
in der Kaust gemacht zo weisen seheinen', die aber im 
Grunde nidK der Tbeario, sondern der aasSbetHten Kunst 
' aelbst Gefahr bringen« nicht durch die Oe weihten, als 
-welche ohne höbern Grrnid' kein Gesetz verleiben , son- 
4nrch die Ungeweibten» die bei jedem noch sogeHngen 
Aosebetne Vom Sturze des ireselzes reden, nm ihrer fee^ 
ren Willkür willen. Wir wollten also nur eirnnal^ei- 
gen, dass nieha «iberalt» wo ein Gesetz der Tl/eorie um- 
gangen seheini, eiiye wirkltebeCm^hang desselben aoi 
wiilknrtipher Verachtung des Gesetzes, sondern allein 
durch Kollisionen- herbeigeführt Statt findet, durch KoHi- 
«ionen, die selbst in der Moral eine boehwidHige Stelle 
einnehmen, wie vielmehr in Känstea^ die sich vorzogs* 
weise die freien nenneil. *-^ Es'fotgt.eine Sopranarie, 
Adagio, «A» Omöli: ,^Metne Seele därstet nach Gatt/« 
sich gleiehfallsaa Handels Art adsbhiiessend, so weit 
eine andere Persönlichkeit in anderer Zeit es .gestattet. 
Ein kurzes Rezitativ : ,Jkleine Tbräneu-sind meine Speise 
Tag und Nacht ** Jeftct ih ein All'.' alsai , V4 , A moll : 
, 9,Ileun ißh mächte gern hingeben inijt de«^ l^^f^ tind 
I mit ihnen wallen zum Hause Gottes/' mit^^afl iianr 
rirter tieeIeiLun|c. Pazu tritt ek kuper Cbor d^ $0- 

ErauT und Allslimipe;» irrst ^iano und.apiaoAisch, dana 
aM zwei- unil dreistimmig. £ia kurzer (^har« ^III^ 
maestoso assai» */♦, Fdur,. lässt Tenqre un4 B^sse im 
Unisono liiit, sUrk^» a^^rg^iis efofaph bajicnipivsoher Of- 



cbe^tedü^^Ü^gp die;W#rU'i'arl(ageft: »,Waii hetfitbäl 
du dich, meine beele* und bist so unruhig in mir? Uarjrd 
aiif Gott! denn ich werde ibm noch dauea/* Mit dein 
,«Harre ^af Gott!'« Ueten Soprane «md Alte.avmtnN 
ittig biaza, wo^u die Mäoner^timmeo sidk baU gesalzen. 
Auch hier ist die yoUe tI,dinmoBie akht immer im Ga* 
aange^ sondern in der lastrumentalmasse gehalten 9 was 
eine Einheit mit den» ersten Chore bewirkt, die fiär den 
Kffekl nicht obr^e Einfluss bleibt nnrd nicht «abeacbtet.ge«* 
lassen werden darf, obgleich eine ausgeführt. schrtftlickt 
Analyse des Cbikres naieh varhetgegangenar Erürteruiig 
des ersten Chorgesanges theils onafitz sein« tfaeils za 
weit führerv würde. Der Solosopran trägt ein figurirt 
begleitetes, grösstenlheils im Arioso sich bewegendes Re- 
zitativ vor:v y^Mein Cratt, belrukt isl nttiae- Seele in 
mir'^ u. ^Si w., was in ein Quintelt leitet, AH. modar 
rato» yi, Bdiir. Zwei "Tenore und 2 JBässe singen ver- 
trauungsvüll: „Der Herr hat des Tages verneisa^n seine 
Güte, und des JNacbl^ sing^ ich z« ihm.'f Der Satz ist 
nur von Viotoncellön mit den Gruadlönen, zuwailen.gar 
nicht begleitet, das Figurirte setzt erst mit dem Sopraa- 
solo eiu, das seine Klage fortsingt nach den Worten des 
P^almes. Dieses Quintett, überaus wirksam, bildet dea 
Hpchpunkt de« 9^^^ ^^^ ^^^^ uberaU^ wo es nor an* 
gemessen vorgetragen wird, lebhaft bewegen. Nach imd 
nach, ohne allen dprung, hat sich die Graailfarbe der 
Musik dem gut Kirchlichen unserer Zeit genähert, sa 
dass jedes Gefühl damit vertraut ist. . Wir sind gawisa» 
dass jeder Unbefangene mit diesem Ausspruche- übereinr 
stimmt. Der Schiussci|or, Maestoso aasaj, t4»JPdttrv 
wird bald molto All. vivace„ dann pooa piu a^iaiAto^ .wo. 
zu den Worten », Preis sei dem Herrn *< eine Fuge ecy 
schallt, sehr lebhaft uud tüchtig forlgefährt. Wober mag 
es nun kommen, dass einigen Hörern dieser Fag^nsat^s 
mit Coda, den Scbluss keinesweges za lang gehaltfni 
etwas zu weltlich anklingt? Die Sache ist |im so merk- 
würdiger, da die Fuge nicht etwa sehneir^geriBaen^ 
sondern sicher und bestimmt festgehalten worden ist» 
Es wäre doch eigen, vorausgesetzt, die Empfindas^ Ei* 
nigcr hätte Recht, vvas immerhin noch die Fri^e isl» 
selbst dann, wenn diese mit dem Wesen der TonkMst 
völlig vertraut sind ,. bewahrte as aich eiaoiHl, dass so- 
gar eine tüchtig gaarbeiteia Fuge, gegen wetehe nichts 
eingewendet werden kann, so frisch gesungen und in- 
strumentirt werden könnte, dass sie in ihren Wirkun- 
gen nahe an's Wettliche grenzen könnte! Wäre damit 
der Fugenfbrm nicht eine weitere Ausdehnung gegeben 
worden? und wäre nicht oaaieatiich das Va*ataen dieser 
Form, was nicht aeltea van Neuem derselben vorgewor- 
fen worden ist, geradehin (hatsäebli<A wifterTegt? Auf 
alle Fälle wivd iHese Fuge durch diese» Umstand um so 
beachtenswerther, m5gen nun auch die Empfindungen 
jener Wenigen Recht haben oder nicht». . Immerhin zeugt 
selbst die Einwendung von au^azeiohneter Lebendigkeit 
des in Rede siehenden Satzes« — Daaa. hingegen diese 
Gefühlseigenheit verhältaissoiässäg nar Wenige theilen 
und die Allermeisten de« stattlich eiabersebreit»hden Chor 
noch in erhöhter Potenz anziehend nbd wirksi^ni fnhien, 
ist gewiss^^ so wie dass^ im Allgemeinen die Komposizioa 



ISS 



1859. Febraar. No. 7. 



124 



fieMS Pnlns, dessen Parlitor nüehsletis die Presse ver- 
lassen wird, noch eiadriogliober genannt werden nrass, 
als der ihm Torangegangene, so viele nnd gerechte An- 
ariLennoig ihm auch gezolh worden ist. Jeder Vorste- 
her einer öffentlichen IMnstkanslalt nnd jeder Liebhaber 
gehaltvoller Kirchen- und Singverertismnsik , der diesen 
neuen Psaln noch nicht besitzt, wird sich daher ohne 
Weiteres von selbst beeilen, ihn nSher kennen zu ler- 
nen aus eigener Ansicht und wo möglich durch gute Auf- 
führungen, die hesser sind, als alles stille Lesen, es 
wäre denn zum Studium, das ohne Nachlheil aoeb nicht 
Tersanmt werden darf« 



G i a c o m o M ey e rb e e r 

Six Eltgiei et Romances. (Paroks frangaüei et alle- 
mandes.) Leipzig, cbez Breitkopf et Härtel. Preis 
1 Thlr. 8 Gr. 

, Der erste ausgeführte Gesang dieses vielgernhmten 
Komponisten „Der sterbende Dichter** ist bereits in der 
Anzeige des Album von 1837 empfehlend besprochen 
worden; desgleichen bei anderer Gelegenheit ,, Das Mai- 
lied,** ebenfalls durchkomponirt , und „Die Tochter der 
Luft,** welche S. 795 vom Jahr 1837 lebhaft empfohlen 
wurden» „Die Wahnsinnige** ist in demselben Jahr« 
gange S. 698 als Studium für Theatersänger angerfihmt 
worden, wozu sie sich auch vorzüglich eignet. Neu 
sind uns „La Marguirite du pofe'te,** eine einfache Kan- 
zonette von der Erkorenen des Dichters, die schlichte 
Ländlichkeit liebt; dann eine durchkompooirte Fantasie 
. einer Neuvermählten, die in lieblicher, schlichter Melodie 
ihrer Liebe Freude singt. Die Begleitung, so wenig sie 
auch an Einfachheit und Leichtigkeit dem Gesänge etwas 
nachgibt, hat dennoch ihr Eigenthümliches und unruhig 
Pikantes, besonders durch den oft nur die übrigen Töne 
der rechten Hand oktaveomässig verstärkenden Bass, 
welcher mit kurzen Vorschlägen jedes stakkirten Vier- 
tels des ganzen Taktes ksirakteristisch geschmückt wor- 
den ist. Damit wir zeigen, wie ffiessend der teutsche 
Nachbildner übersetzte, stehe das letzte Gedicht als 
Probe hier: 

Blükeii, die ihr die Floren kritoxet, 
achaiMkt eaeh mit des Abeads TImbI 
Wie reioer Deniaot fearig glftmet^ 
So 0q1U ihr strahl(*p lustbekräazet» 
Weit dorcli die stille BlomenaD. 

Mein weisses Glöckehen , da vor alleo, 
Brwache aas des Schlammers Rah! 
Ihr, neiae stl^seo Naehtigiliea, 
Lastt taer süsses Lied ersehallea, 
Säaselt nir Liebesworte la. 

Ur» meiaes Bäehletos freuDdUcha W.fn, 
Zieht leiser durch die Flur dehtOy 
Ihr Däne, schwebt tarn HimaielsbogeD^ 
VoD sanften Lärrcbeo Forlgezogen, 
Fällt Bit Last den trenen Sinn. 

Ihr Bl'dthen an des Bsches Raine^ 
Srsifiht nnd doRet liebewerni ! 
Janehtt laat toN^M-, ihr Säager im Halae: 
Hent, hei des Mondes lilarem Seheiae, 
Rttht der Gelieble mir \m Arn. 



O l e Bull. 

Man weiss , wie verschieden in verschiedenen Blät* 
tern die Nachrichten ubeiv diesen Mann und seine Kunsl 
lauten. Eigen ist es, dass auch nicht Einer unserer zahl- 
reichen Herren Korrespondenten in das hohe Lob einge- 
stimmt hat, das ihm anderwärts zugesprochen wurde. 
Jetzt erhalten wir wieder zwei Beurtheilunffen desselben 
von einem teutscben und einem dänischen Künstler, und 
zwar von allgemein anerkannt tüchtigen Männern, deren 
Ausspruch wir hier mittbeilen. Beide Beurtheiler sind 
Komponisten und Virtuosen zugleich. Unser vaterländi- 
scher Berichterstatter schreibt: 

Ole Bull, den ich hörte und sprach, ist nichts wei- 
ter als eine matte Kopie Paganini's» mit dem man iha 
nur in Versündigung vergleichen kann. Paganini macht 
zehnmal mehr &hwierigkeilen und dabei vollendet, was 
diesem fehlt. Das Beste an Ole Bull ist sein Staccato 
mit Snringbogen und sein Piano im Adagio, dem aber 
die n arme mangelt. . So ist- es auch mit seinen Kom- 
posizionen; sie sind nach Pacanini geformt, aber ohne 
dessen Geist und Fantasie. Paganini leistet auf einer 
Saite mehr und Schöneres, als Ole Bull auf allen vieren. 
Sein Quartett ist musikalisch in jeder Beziehung Null. 
Sein Publikum findet er jedoch , demn er versteht den 
Leuten Sand in die Augen zu streuen. Nichts ist rich- 
tiger, als was schon über ihn gesagt wurde i Er ist ein 
Virtuos, aber keiu Künstler. 

Aus Dänemark : Noch ein Wort über den fVunder' 
mann Ole Bull, ein Titel, der ungefähr so herauskommt, 
wie lucus a non lucendo , denn meiner Meinung nach 
muss man, .anstatt ihn wie ein grosser Tbeil Europa's 
so exzentrisch zu bewundern, sich vielmehr über die 
wunderliche W^elt verwundern, dass sie ihn so hoch 
stellt. Selbst als Virtuos ist er kein „Robert, oder der 
Mann 9 wie er sein sollte,^' denn er spielt oft unpräzis 
und — was noch ärger ist — unrein. Indessen die 
Kunst, Geld zu verdienen, versteht er; in Kopenhagen 
hat er zu doppelten Preisen mehre Konzerte nei über- 
vollem Hause gegeben. 

Die Aussprüche sind um so merkwürdiger, da von Neid 
nnd Missgunst gar nicht die Rede sein kann $ es ist reine 
Ueberzeugung echter Künstler, die auf eigenen Wegen gross 
genug für sich selbst stehen. — Und docn — ob es ivohl Ei- 
nen gibt, der den viel Gepriesenen nicht mit eigenen Ohren 
hören will? So^viel helfen gedruckte Wunder! wobei wir 
uns an ein alles Sprichwort erinnern t Webe dem' Lande, in 
welchem Wunder geschehen. — Kommt Ole Bull hierher, 
wir hören ihn selbst und aolerhalten uns gewiss. 



Nekrolog. 

Wenn ein , seit einer Reihe von Jahren so rastloi 
thätiger Künstler und aligemein geachteter Biedermann, 
der Talent mit unermüdlichem Pleisse, seltener Anspruch- 
iosigkeit und parteiloser Gefälligkeit vereinte , seiner 
Wirksamkeit fiir die Kunst, wie seiner trauernden Fa- 
milie, zahlreichen Freunden nnd Kunsigenossen nach län- 
gerer Zeit durch den Tod entrissen ward> so ist es die 



im 



1039. Febraar.' No. 7^. 



Pflicht der Zcilgenoggen , der Verdieoste des Dahlnge- 
schiedeneo ehrend za gedenken. Am zweckmässigslen 

Eesebiehl dies darch einenr kurzen Ruckblick aafdiis Le- 
en nnd kunsllerische Wirken des Verstorbenen, deifa 
dieser Nachruf gilt. 

Georg Abraham Schneider^ königl. preuss. Kapell- 
meister, Direktor sämmtlicber Militär -Musik -Chöre des 
königl. Gardecorps» Mildied des Senats der königl. Aka- 
demie der Künste und nitter des rothen Adierordens 4r 
Klasse, wurde 1770 (nicht 1760, wie das Universal- 
Lexikon der Tonkunst irrlhumiich angibt) in Darmstadt 
geboren. Als der Sohn eines armen Buffers Wurde 
Schneider in die Lehre zu dem dortigen Stadtmusikus 
gegeben, lernte alle Instrumente kennen, zeichnete sich 
auf mehreren als Virtuos aus, fand indess auf dem 
Waldhorn die allgemeinste Anerkennung. Mit ansset^- 
ordenllicbem Pleisse studirle der talentvolle Knabe bei dem 
Kantor Perlmann, seinem nachmaligen Schwiegei^vater, 
musikalische Theorie und Komposizion, trat dann als 
Oboist in ein hessisches Regiment und wurde, in Rück- 
sicht seiner Virtuosität , demnächst Hofmusikus. Durdh 
die Empfehlung des Grossherzogs von Mecklenburg ge- 
langte Sehneider an den Hof des Prinzen Heinrich von 
Preussen nach Rheinsberg als Kammermnsikus, blieb dort 
bis zum Ableben des Prinzen und trat dann, gemein- 
schaftrich mit dem (bereits früher verstorbenen) Wald- 
horn virtuosen Bbtticher^ dem Vater des jetzigen könig- 
lichen Sängers, in die königl. preuss. Kapelle als Kam- 
I mermnsiker ein. 

I Hier (in Berlin) fand Schneider ein freieres Feld frir 

seine Wirksamkeit als fruchtbarer, ungemein leicht und 
gefällig schreibender Tonsetzer für alle, besonders Blas- 
nnd Blechinslrnmente. Auch durch Quartette und Sin- 
fonieen wurde Schneider bald vortheilhaft bekannt, und 
machte in Teutschland mit Bötticher gemeinschaftlich meh- 
rere Kunstreisen, so dass durch die Vereinigung beider 
Virtuosen zu Konzerten filr zwei Waldhörner die mu- 
sikalische Firma: Bolticher und Schneider adgemetn he- 
J^annt nnd pebrt wurde. Später veranstaltete Schnei- 
der in Berhn die ersten Abonnements ^Quartette, wie 
auch Konzerte, welche mit den von Schick und Boh- 
rer veranstalten gleichen Werlh hatten. Wir erinnern 
uns hierbei der interessanten Gedäektnüsfeier , welche 
Schneider Joseph Haydn zu Ehren im Sommer 1809 ver- 
anstaltete^ und der freundlichen Reunionen in Schneiders 
Wohnung im Georgeschen Garten, wie im Palais des 
verstorbenen Prinzen Louis Ferdinand, an welchem die 
höchsten Kunstkenner ausübend Theil nahmen, und die 
Zuhörer sich an Haydn's und Mozarl's Meisterwerken 
vorzugsweise erfreueten. 

In der stürmisch bewegten Kriegszeit 1812 bis 1814 
folgte Schneidier einem Rufe nach Reval, wo er, unter 
Kotzebne's Oberleitniig des dortigen Theaters, Musikdi- 
rektor wurde und in dieser Stelliin^ di'e grösste Thätig- 
keit entwidkeite, auch sich dadurch für sei» späteres 
Wirken als Operttdirigent niitzlicb vorbereitete. 

Nach einer grossen Kunstreise kehrte Schneider in 
sein früheres' Vertiiltniss' bei der künigK Kapelle nach 
Berlin zoräek, woselbst er» doröh )diir V^rwendulig sei» 



Der hofaen Gönnef , desf verewigten Pi#stcW RadliwiÜ, 
Grafen B^öbl, Minister' v^nVvfleleben n. s. w. B«ck 
dem 1821 erfi>lg(en Ableben des Kap^llnveisters B. A 
Weber zum Musikdirektor, später zum KapellmeisMr 
der königl. Oper und Direktor sämmtlicber MilttäroHiliki» 
cböre des königl. Gardecorps ernannt, aoch durch die 
Gnade des Königs mit dem rötben Adlerorden 4r K4ass« 
ausgezeichnet, und bei der königl. Akademie der Künste 
zum Mitglied des Senats in der musikalischen Sekzion 
gewählt wurde. Seinen Dienst als Operndirigent trat 
Schneider mit der sichern- und jpewandten Leitung der 
Mozart'schen Oper: ,, Die Hochzeit des Figaro'* an, und 
widmete allen klassischen und neueren Werken, wie 
z. B. der „Stummen von Pnrtjci,** „Ali Baba'' u. s. w* 
I gleich eifrige Tbeilnahme, wobei nur die friedliebende, 
humane Gesinnung des Verewigten den Sängern mitun- 
ter zu viel Uebergewicbt verslattete, da Schneider sieb 
weniger mit dem praktischen Gesänge, als mit dem Sin« 
' dium der musikalischen Theorie und dem Technisdien der 
i Instrumente vertraut gemacht hatte. 
' ^ Daher zefchnete sich G« Abr. Sdioeider auch fto 
meisten als' Instrumenlaikomponist in Konzerten für Jaat 
alle (namentlich Blas- undBlecb-) Instrumenie ans. Auch 
theatralische Zwischenmusiken und Ouvertüren gelai^eii 
< ihm wohl. Weniger Glück machten auf der hiesigen 
' Bühne Schneider's Opern, deren er überhaupt 9 kovpo- 
\ nirt ha I, von welchen wir nur ,;Aucassin und Nicolette** 
und „Die Verschworenen** (1822 und 1826) anfuhren» 
wegen der unwirksamen "Sujet's. 

Auch zwei Oratorien : „Christi Geburt,'* vom Frei- 
herm v. Seckendorff (Palrik Peale) gedichtet nnd hier 
mit vielem Beifall mehrmals aufgeführt, und „Die Pü- 
grimme auf Golgatha, *< einige JMessen, ein S(a bat Mater 
und Magnitical , mehrere Kantaten z. B. auf den Tod 
der Königin Louise von Preussen (1810), wie zu d^n 
Vermählungsfeierlichkeiten der Prinzen und Prinzessin« 
uen von Preussen, ferner viele Entre - Acte, einige Bal- 
lettmusiken, SHifonfen und einzelne Gesangslücke bat 
Schneider mit guter Wirkung geliefert. 

Als Mensch, Familienvater und Freund zeigte Schnei- 
der einen liebenswürdigen Karakter, welcher ihm aI%o- 
meine Achtung und Tbeilnahme seiner Amts- und Kunsi- 
genossen, wie die achtende Anerkennung der königl, 
Geueralinlendanz und wohlwollende Gesinnung seiner nä- 
heren Freunde und' Bekannten erwarb. £in iVeuttdliches 
Andenken bleibt dem, seit etwa 10 Monaten pensionirleo, 
jedoch schon länger der dienstlichen Wirksamkeit dur^ 
KräiikKchkeit entzogenen Künstler nnvergänelieb gewieibl« 
Am 19. Januar 1839 starb G. Abr. hebneider, am 
Asthma längere Zeit leidend, und wurde von seinen Vor- 
gesetzten, den königl. Sängern, KapeUmeistera, Mitgiio- 
dern der Ak/idemie der Künste u. s. w«, auf das Ebrea- 
votlste zur Gruft mit Gedächtnissreden, Gesängen, flar- 
-moniemusik and vom Tbore bis zum Gottesacker mit 
Cboralmusik der Trompeter d^ königl. Gardekorps feiet- 
Kch geteilet. Die Poltaunisten der künigl. Kapelle ballsii 
schon am Slerbehaose am geöffneten Saiye die Melodie 
des Chorals t „Jesus- meine ZDver^iclit *^ ihrem verewif^ 
len Meister eHünon lassen« 



1^8/ F«braff]!. Np, 7;. 



;1^ 



&>hji, 4eQ |>6tiel)l#a Komiker L. Schneider, imi 

^Wei.V«rheir«lbeie Töcl^ier». du^ könij§;l. sächs. Sän|;eriQ 

iMbschioka SciMiberl (tiaitio 4U9 köiiigl. Kouzerli^eiftlevs 

•iA'Oresdeo).u«4Jok«ttna Freund, Säpgerio in Mannheiin. 

Naoh ztfyerläasigen.MiUbeUufii^p^. 

Berün, den 31. Januar 1839. .j^ jj^ Schmidt. 



N A € B III'O H 1: E.K« 



Wien. Mv&ikalische Chronik des 
vierten Quartals iS38. 

11 (Fortsetzung.) ^ 

Das Tieater an der tFim beschränkte sich in ^ 
-Sünufie der gagebene« Nanigkejten.a'ur.diegeiweiblie Z^ki 
3; sie fielen aber s.ohwf^ i(i*a tiewieb^' und 3Og0P yielis 
-Abende bindurcb bedeiUend- an« l)' Etias .Beffont^urm^ 
•iiokalpoase von Hopp, mit JUiuiUc von (le&^en Sohne Jm- 
üuSy ist zwar auf den eiwaS' verbpaoiuhien Hebel einer 
iPersonenverw^dMluffig» mil naani^i^hCalUgen daraus her* 
vorgehenden Missverslandni^^^n basirl{ jedoch die Sze- 
-Dipang ilrolBl vor.Drollerie^^.und iia, Dialoge spiT^dell g^- 
'sntider, köiiii^er WiU. Der sieher^te Maa^sslab Aiir die 
.volk^Üiümlicbe fitrieske hleibl ifnmerdar das unuplerbro- 
cben in guter Laune erhaltene Publikum, nad^die s4reBge 
'Kt*Hik ou^ie ver diesier Insiana den Prpzess verlieren. 
iNeslr^f , des Komus Liebling« deo eine gefährlii^he Kr^k- 
'beit Monate lang von der Bübne enlfernl hielt ^ J>erand 
jsiljh als Protagonist in seinei« Elemente;, solche drasli* 
'Scke Bedientemwilen aindseim wahres Steckenprerd ; dies^ 
.nilecksilbeme .Lebendigkeit, diese possirlicbea» tölpi^chen 
-fiebcrden, diese Vielgestailigkeit in Uand- und Fussbe- 
-ivegungen, diese oogtaubliche Zungenfertigkeit, dies^ 
ikdslü^sbe Uuoior im Vortrage der Couplets, von >denep 
auch nicht ein Silbehen verlure^ geht ,. — ' Ailie^ . erregt 
-iinBufiiörlich die LneUnst und erscbütterl das. Zwerchfell 
•aelbsi derjenigen« die blos xum verdammendeii Tadel «ich 
-einfanden. Direkter -dkrl baljüe den. denkbaren Pari des 
.Qberibrsieieislera tibernommen^ .der bei aller.eiqgebildeter 
-SehiMbeit dennoch Sisi finde geprqlli wird« und gab den 
«ffllasienurien Facbsjäger mit der vollendeten Aleist(*rsv)^ft 
*eink)e^*reDe^ Karakitcitzeieiinersrir-^ ,2) Gegien Thorh^it 
i\gM ^ kein Mittel^ lusligies. Ttatievapiel ruit Gesang in 
.(tfdvZeitabsckaitien; ,J>er Jüngling '^ ^»Der Munn^'.und 
(«y^Der Greis, ^* van.NeHrQffi Mesrk von KApellüieisler 
Adoipk, Mülkr 9 ist zwar ilnler .dem Trifolium das am 
-wenigsten fnaeh. gränende, nniefbsiU aber durch die •rasi:h 
■osammengreifeude .barslellung» in welcher de» Doppel- 
-ptilgeqpaar, Sohole.nad der Aninr» durch onversieeb^i« 
jLaune gar nicht zum Naehdeiak^ ke^Mnen lassen. 8ch<Hi 
-das rein Verfcbke. der TeBdene iind 6ru«k4ai|iage . springt 
tniiiE.wteidettü^< in die Aiigen« denn die. Hauptfigiirerscheinit 
nbmtl al^ em. piitea Unding« . Oieaes Zerrbild gröihzteiir 
l^acvi Albernheit die perseMiKzirte Blödigkeii, dertivige* 
planmässige Zerstörer des eigenen MbftUfgtüektft^iitiMf^ 



.eich roil ecHtein Ileiss)i|inger, in den Soliinfnm. ^es* Ver- 
derbens n. s. w. Und dies Alles hat an U/ide nicht 
einmal einen Zielpiiikt» es. wäre denn^ dass Narrheit un- 
verbesserlich bliebe. -*- No. 3 endlich : Dk Theaterwelt 
oder: Dichter ' Schicksale ^ dreht sich gleichCalls um die 
schon von Dßlqvigne benutzte Idee , und entschleiert» 
vielleicht mehr als dem Gegenstände zuträglich, die Coii- 
lissengeheimnisse des Intri^irens and. KabaJirens ; darin 
aber liegt der individuelle llei^, und jeder lullet gar so 

.cerne den . Vorbang, nai gemächlich das tolle Wirren und 
rrei|ien>i9.ter demselben zu beschauen. DirekijQrCarl gibt 
denlinpresar Billig in persona, und lässt sioh, ohne auch 
nur eine Aliene zu verziehen, die derbsten Wahrheilen 
in den Bart hinein sagen; der Verkehr mit seinem Fac- 
totum, dem Sekretarius Fein, möchte wobi gar, wenn 
nicht Aq(ggraph, dock niiudeslens bis zur Natur, täuschend 
ähnliches Facsimile sein um) das Origiiia) wähnt jeder, 
selbst nur oberf]itchlich in die (jorlig^n ßühpenverhält- 
nis&e Eingeweihte mit Händen greifen zu können, Achil- 
les Donnerbrüll« der erste Üeldenspieler, geslället sioh, 
von Nestmy mit al fresco-Farben anf«^lragen , . zur 
echt JUogarlnschen Karrikatur, v»d Scliolz als Orlswäch- 
ter Dampfig liefert in seiner köstlichen Naehlässigkeii 
ein plausibles Gegenstück dazu. Besagte Satyre wurde 
angefertij^t von den ihrrtn fri^drich, Kaiser und Fer- 

. dinofd ThalhammeTy .welche a'U^erdem zuweilen mil in's 
Hezensenlenbaiid^erk pfufcben, und eben. darob von ih- 
ren, älteren Kollegen in den hiesigen kritischen Tagea- 
blättern etwas scharf mitgenommen werden. Solches hin- 
dert, aber mit Nichten die schau- und lachlustige Menge, 
welahe gewohnbeitsmiissig flüchtig liest, noch ftücbtiger 
wieder vergisst und weidlich sich ergötzt, wenn Schlag 
auf Schlag die ausgetheillen Geisselliiebe wie aus den 
Wolken fallen« — Auch Mad. Vio ist darin beschäftigt, 
zwar nur in einem kleine^ Böllcben^ aber vom Tonse- 
tzer Adolph Müller, mit nKiglich^ter Fürsorge bedacht. 
Diese im naiven Fache aufgezeichnete Sängerin gastirt 
fortwährend noch, ohne dass .Hir die hier gangbaren Lo- 
kalparlieen Gelegenheit bieten, von üinen schönen Knnst- 

.mitieln einen zweckmässig erfolgreichen Gebrauch zu 
machen. Es mtissen fürwahr, ganz besondere Privalkon- 

junktnren obwalten , welche' an den hiesigen Platz sie 
festbaniien, und an der Wahl eiues. schicksameren Wirk- 
ungskreises, behindern, ufn so uiehr, als jede Direkzion 
npitden . wünscbenswerthßn. Besitz geilen und in glänzen- 
den A^e|rbieleq wetteifern, würde. ..... 

(Foptfe^zaaff foist.) •, 



/Ta^ee/tf (Fortsetzung.) /bni^r^^e.— , Auch unsere 
ßiesidens; konnte sifb i^hrenhalber njcht gut aussdiliessea 
von den Beisteuernden zn i^ts upfiterblicWn. JUozart's 
Denkfiale« ^0 >yurQe denn am 4. Oktober ri^ i,, im Hof- 
jKe^lei: eii^,. Ronzect verian^tajt^l,. .worin wif, folgende 
Stücke hörten:, die. g^osse^iiifopie von Mozart in Gnioll 
.leitete dasselbe ein, .uo4. blieb. (|prch präzise Ausführung 
bf^i^ahe der l^h^|nkt^ des^t Ganzen f bem. Pistor unjl 
Wirr h^^^ .«V"W«> (WJw*. ,V®Wift .wt ^i? allgemeine 



129 



lte»i Fßbüiiti».' No/tl 



ist 



Begelsterinij^ deV^lSoMrer iitiA^^en Applaus ineht ein^ 
stimmig erwnri^A.- "Otn BescbHiss der mten-AlHlielliin^ 
Machte ias Mwati^sche HIdvferkoDzeH hi'Dmott, gesfietl 
von dem Orcheslerinila;liede JMoseulfaal. Die zweite Ab^ 
theilong brachte als binleiiitftg die Ouvertüre aus Mo- 
zart's 9, Idomeneo**$ darauf folgten die ,, Lebenden Bil- 
der^* nach deni »chwül^ligen Gedichte ^vön H. Slieglilz 
dargestellt y welches von einem, hiesigen Schauspieler 
Boll2maiin in einem viel zu lerdensdiarifichen'deklanialo- 
fisch - theat^atischen Tone vorgetragen ^nrde; man hält« 
hier ficfbcr einen weiblichen Vertrag desselben ge^Änscht, 
der vielleidit dadorch etwas Geniusarliges erbalten und 
mehr angesprochen hätte. Einige lebende Bilder rerio- 
ren dnrcli ihre fange Dauer ah Illusion. Die übrigen 
Milwivicenden waiTU Dem. 'Lö^ und die Herren Derska 
üod Kiieg. — Das Konzert war nur massig besucht 
nnd hatte gegen 230-:- 40 Thir. eingebracht; Wenig 
zwar, Aer ans gufcei;D Herzen beigesteuert. Das ist 
doch aoch Ctii'a's! 

Die hiesige Lhi&rt/fßi lat vor einigen Monaten 
ihren Stiffirngslag festNch begangen. Sie bestand vor 
8 Jahren aus 20 Mitgliedern und zählt gegenwärtig 70. 
Mit einigen Weihgesangen von hiesigen Komponisten, 
namentlich vom Musikdirektor Baidewein u. A. wurde 
4as Feaifliahl in de« sinnig dekorirUn Sladiban- Saale 
eröflnel. Der zeitige Direktor — Sekretär Koch — 
sprach zeilgemässe, begeisternde YVortf Ober den WeKh 
des teutschen Männergesanges im Allgemeinen und über 
die Fortschritte desselben in dem hiesigen Männerverein 
insbesondere, welche einstimmig wohlwollend aufgeuom* 
men wurden. — Ein Konzert in Melisaogen, einige Stun- 
den von Kassel, welches eur Einweihung eines schönen 
Gesellschafblokals von einigen Künstlern dnserer Hof* 
kapelle ausgeführt wurde, veranlasste den bereits mehr- 
mals erwäbolen taienlvollen Musiker Deichert, eiozjelue 
recht hübsche Musikstücke dafür zu kompooiren; vor- 
zugsweise geüel' ein Tfom'pelenkoiixert von nnserm freff- 
lichen Bosse obergerjun., nnd die Variazioncn, welche 
der eiirjährige Jean ootl auf der ti^eige vortrug, wurden 
mit leUiaflen Beilall aufkommen. — Desseu Kousiue, 
Katharina Bott, deren wir auch schon ehrenvoll gedacht, 
befindet sich gegenwärtig ib Paris. Französische Briefe 
berichten auf das Vorlh^lhafteste üb^r diese talentvolle 
Pianistin , die in ihren Konzerten jetzt anlangt eigene 
Koni|)osiAoiien • zu spielen.— Neuüch erfreute ens die 
Liedertafel mit einem t^Sentlicben Korizerte im Adblph- 
schen Saale,' worin folgende schone Musik- gnd Ge^ang- 
ftlüeke voriianwB i ,^Deai Hepm fehärt die Epdf^> u. s. w. 
für 4 Männerstimmen mit Begleitung von Bf/isifis tränten ten 
iron den verstorbenen Hoforganisten Herrstell. Komposizion 
vnd Vortrag faoden vielen Bejifa)t; ein Violinkonzert von 
L« Spohr« von eiueor Schüler des Meisters beifaUig vor- 

Stlragen'} in die floRiivng, Musik von . Groshei« ^ 
ännersthmo^en ärraiigirt, fand aHgetiJhiinett Beifall, des- 
g eichen ,. Der Herr ist König , ^^ ^ grosse Motette von 
ernbard Klein» tür vier.Miini^ersiifiimeii« Darauf folg- 
ten ein Wiuterlied« MäOAcroher vm» C». Kreutoer».. eine 
Zeitungs- Kantate, komisdier Männerchor ven Tanbert» 
und »,l>er'Jlb«i«'AlirW>Alp,'«* ^MaAMfthof ttklicr«; 



moniebeglertuhg > von denl' Oi^nistiBU Heh^srfeit , Sdii^ 

w^tcheä let!rtere atigemein i^ßel. ; ' ■ m- . 

(SeicliUti fol^t. ) i I 



Lefjn^. In der driHen musikaliaebefi UnterMtnng 
itv Buterpe b^len wir am 5. d. eine neue, dem Ve»* 
eine gewidmete Ouvertüre ven I. W. Kalliwöda (Mannt 
skripf), die eiii^ abermatigen Beweis lieferte, dass der 
Konrpeiiist in einer ernsteren Ouveriurcndiohtung arbei» 
tet, als die frühere ^ar. Für den Umfang einer Ein«' 
leitnng enihrell sie fast zu viel Eigenlhümliches, was ü 
einem ^0 kleinen Rahmen nicht gehörig ausgeführt wec^ 
den kann. Die BesehiHinkung der' Fülle von Gedanken 
findet sich jedoch bei einem Manne ven so vieleb Bn^ 
fahrung leictit. Nacii einer beifällig aufgenommenen Bni^ 
vour-Polonaise f&r Fagotlvon Jacohi, geblasen von HerrA 
Weissehhorn gewann sich . eib Adagio für Orcheatert 
„Gruss ah die Heimatb'* >on dem Masikdirektor des 
Vemns, Herrn Verhulst,'viel^i Anerkennung; das meU- 
diöse Stärk ist gut insiran^^enfirt^ sohiki und oft eigen«* 
thümlich gehallen nnd würde noch befriedigender wiii- 
ken, weno' es etwas verkürzt würde. Herr Inten jun^. 
erntete abermals in Vielirii^ariazionen von Ferd*. ü!a>rid 
wiederholten Beifall, und die Fingulshöhle von Fei. Men« 
delssbbn-Bartholdy führte das Orchester eben so solid 
ans, als Beethovens Bdur- Sinfonie, die vielleicht an 
einigen Stellen ein etwas lebhafteres Tempo vertragen 
hätte, so wenig auch dadurch die Fremde am V^erke be- 
einträchtigt werden konnte.— \}a^es siebenzehntes j4bon'' 
nement' Konzert am 7. d. setzte Beethovens Fdur-Sin- 
fonie an die Spjize seiqer diesmaligeA Gaben. Je fie- 
lungener die Ausführung eines Werkes, das im jovialen 
Seherz» auf tiefen firnsl gebent. Alt «od Nen in Zwil- 
lingsbrüdern umzaubert, aieh gestaltete und alleemein 
freudigen Anklang gefunden hatte, um so weniger konnte 
unmittelbar darauf Kossini's gewöhnliche Arie aus Tiii- 
ganno felice: ,,lJna voce qi'ha colpito'' einen tiefen Ein- 
druck bervprbrifige)!. Die Bestrebongep des Sängers, 
Herrn Richter a, wurden jedoch gerechter Weise gut 
aufgenommen. Es folgte ein Concertino für Hoboe, kom- 

Eonirt und vorgetragen von Herrn H, Griebel^ erstem 
loboisleu der köniofl. Kapelle in Berlin , welcher^ uns 
aui;h im zweiten Theil« nneli fntrodn%ifiiNi nod Variazio- 
nen auf Mozart's „Keich mir die Hand,^^ von ihm selbst 

Sisetzt, zum Besten gabl Je weniger die ganz eigen- 
ümliche 'Tonfarbe meses Bberaus schwierigem Instru- 
ments von irgend einem aliderd nur einigetmaa^sen' er- 
aetzt werden kann ; je nothwendiger uns dieses Inslhi- 
menl, nnd zwar mit niclit geringer Geschickliciikeil be- 
handelt, für glöcklidies Gelingen unserer tüchtigsten Or- 
choslerwerke ist und' bleibt, desto mehr freuen wir min 
überreden Meister auf demselben, wohl wissend, duteb 
welchen Fleiss eine Meisterschaft der Art vor manche^ 
andern nn erringien ist. ' Gibt es Länder, die jetzt kaiun 
einen ftirligen nobelsten ttufsuwejfsen haiven, se gereiebi 
eSrdett.Tautaebiui zu besonderer Ehre,' dass sie nWh 
bierin zu den gebildetsten gehören« die von ihrer Wohl* 
knbeniaall ^Andern Uittonal j^tttit le|M^». ioiijMi«« jltenr 



«31 



ia^9.' Fi^niiir. No. 7. 



i52 



Griebel gASri offenbar so deq ansgezeiohneUleii Hpboi* 
Stent die wir besitzen. Sein Ton ist scböa and sciue 
Fertigkeit böchsl bedeutend. Gleich nach dem ersten 
dureh ansprechende Melodie ausgezeichneten Solosatzc 
seines Konzertino's empfing er- die verdientesten Beweise 
aliffemeinea WAhlgefailens, die sich am Ende des ersten 
«od zweiten Vortrags schallend wiederholten. Mit Ver» 
gnttgen rechnen wir den auch dur^h Komposizionsialeot 
wie durch Bescheidenheit wackero .Mann zu uosern vor- 
Bägltehen Meistern der.Hoboe und wijuschen ihm aufsei« 
nea weigern. Kuuslroisen äh|;rall die dem Werthe seiner 
Leistungen angemessene Th^ilikdhme, der, er sich hiejp 
fUM erfreuen hatte. Der zweite Theil brachte uns Cher 
vnbini's Ouvertüre tn Medea.uad das Terzett mit Chor 
«US derselben Oper: ,» Waltende, mächtige, güt*ge Göt* 
4er,*' jresungen von Mad. Bü'nau» Herrn Schmidt und 
ikrto Richter. Diese Sätze wurden mit desto grösserer 
Freude gehört» da wir dißiOper selbst auf unserqi Thea- 
ter nicht hören können. Auch die Lodoi^ka desselben 
Meisters ist hier lang^ auf der Bühne nicht zur Par- 
«tellung gekommen. Gern und mit Beifall wurde daher 
Polonaise, Terzett und Chor daraus gehört, die Solostimmen 
Yon den Herren Schmidt, Richlei' und Weiske'gesuu- 
l^n.. Bs wäre nicht übel» wenn diese, und ähnliche äl- 



tere Ooern» neben den nentsien, auf welche unsere The»* 
terdirekzion äeissig Rücksicht nimmt, von Zeit zu Zeit 
auch von dea Bretera herab wieder zu Gehör gebracht 
würden. 



Erwiderung. 

Auf die in No.iS d.Zeit. v.J. enthaltene sosrenannle 
,, Warnung** des Geheimen Hofrathes Hand in Jena ge- 
gen meine „Aesthetik der Tonkunst*« schickte ich der 
nedakzion eine ausführliche Rechtferligvng ein *). Die* 
ses dien,e vorläufig denen, welche die Sache interessirt, 
zur Nachricht, mit der Versicherung, dass ich das mir 
zustehende Hecht zu finden wiesen werde, und dass eben 
erwähnte Rechtfertigung, in welcher ich den ganzen Ge* 
halt und Karakter der Jfand'schen Warnung offen dar- 
lege, ehestens zur Veröffentlif;hi|pg kommen und damit 
der Beweis geführt werden wird, dass man auch vom 
Katheder herab das Mechi nicht eincaßeü^g heissen darf. 

Dr. Gustav SchiUing. 

*) Die aberpflichtsebaldi^ wieder zaräck^eschiekt werdeo moute. 

Die Redtkston. 



AnkOindis^nns^eii. 



Im Mu«k«lieii- Verlage der Baeh-» Mosikalicn - und Kunat- 
handlung Ton Üarl Welnliold ia Breslau ist so eben 
erschienen : 

Eulenspiegets Besuch. 

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fbr Männerstimmen mit Pianoforte - Begleitung 

▼on 

II« E. Ph 1 1 1 p p. 

Op. 29. Partitur und Stimmen I TUr. 10 Gr. 

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VollatAndig ist so eben erscblenens. 

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Edition nouvelle, r^vue et corrig^e. 

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Das nun TuUstandise Werk euüiält 56 d^r neuesten Opern für 
Pianofarte seul und seiclmet sich. sowohl durch |>;vdie|;enen Inhalt 
als Much durch äussere Eleganz und ausserordentliche Wohl- 
feilheSt rflhmlichsl ans (6 Cahi^t«, Wdes 80 Seiten Rayal- 
rVolenfbrmat Ji i Tblr.). Die beste EmpCeblung ]ic|^ aicberlieh 
,daiin, daaa schon wenige Monate nach Erscheinen dieser Aasgabe 
ein ^euer Abdruck uölhig wnrde. — Der Pranwnierations - Preis 
erlischt mit Ostern a. c. — Die PmchtaUsgobe desselben Werket 
in 56 einaeliien LiefeHtngen (k 16 Öt,) mit Visuellen «. s. w. 
iMakt 24 Tblr. -^ AUe gute Bach.- vnd MnailisUenhaMlIuiag^ 
lä^nien BesteUungen |m und geben wM^föhrlid^e Prospekte gralif. 
J^inyig. im Januar iH^\), 



Bei B. Sr1iott*fl Stthmeii In BlaliiB erscheinen mit 
Bigenthums - Recht t 
Döhler, Th. , Grande Fantasie et Variations pour le Piano, su^ 

des motifs de TOpera: Gnill. Tdl. Op. 5t8. 
Lisyt, F, ,. Soirees ilaliennes. Six Aaswsemeats pour le Piano snr 

des motils, d« Mercadanle. 

(complit et detache.) 
Bur gm aller, F. , Seherxo sur la Ronde du Brasseur de Pre^ 

stbn, pour le I^ano. Op. 47. 
Lafont. 2de Faniaäe sur des matifii da Domino aoir, pour Vio- 

Ion et Piano. 
Louis, N., Serenade sur des motifs du Brasicur de Preslon, pour 

Piano et Violon. Op. 7«. - 

■Hers, H.« Fantaisie briltantc panr le Pmno, aur des moCi6 de 

rOpera: la Fignranle. Op. 108* , 
-- — l'nntaisie briUanle paar le Piano, sur des motifs de TOpem t 

le Domino noir. Op. 106. 
DuTeruoy, «f. B. , Fantaisie a 4 mains ponr Piano, aur des mo- 

tifb de rOpera i In FBgurante. Op. M. 
•*- -^ Dtnx dirertisscnaenia pourPi^o anr dea maliii de rOporaz 

la Figuraate. Op. 91. No. I e| S. 
Scguedille, matif fav. de TOpera: la Fignrante, pour le 

Piano. Op. 00. ' y . '^ 

• 4 Chansanedei au moieeanK- f«dlea pour le PI««o, tur dea 

Ihteei lav. de L. Puget. Op. 80 an 8 anilea. . 
Hers, J. , Grande FimtaUie et Varj^tkina ponr 1« Piaa^^ aar dtt 

motSfs de rOpcrai Guido et Ginerra. Op. 58. 
Erkel, F., et Vieuxtemps, H. , Duo brillant en forme de 

Fantnlsie eoneertanle ponf Piano et Violon, anr des airs bongroia. 
Btnat, IL W., FanUiiia biillante sur la mariOie.d'Otkcllo, ponr 

le VWlil» avec aec. de grand Orchestre on de Piano. Op. ü. 

Regine ou les deuz nnits. Opera comique en deux pctes, paroloa 
de B. Scribe. Musique de A. Adam. Dentehe Bearbeit* 
ung' dureh FrciierM-T. Lichten stein. 



LeipugfheiBreiÜi»pfuiidairkL Medigirt vtn Dr. G.JV, fimkwtßUrmnerFmuUvmUkhkeü, 



ßeiffffff ' tf /T ^ff/*. WffftncirieH JlutfiA'alr'tre^trn Zeiftut^ 183^. 



Far-.siiuile der Haiidsolirift vouL.Clierubmi. 












iv\ ni ijj O ! T'f' *i' { ^'^f^ n. ! f ^ .1 1 j;"f ^, lu ^ 



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155 



ALL G E MEINE 



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MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den 20»»»» Februar. 



^8. 



1839* 



Die Wiedertäufer oderJohann v. Leyden. 

Historiscb- romantische Dichtung von G. Janssen^ 

komponirt vom Musikdirektor fV. AUdorf. 

jAlhi 20. Ao^st V. J. kam hier (io Greifswalde) die neue 
Oper unter des Komponisteo eigener Direkzion zur Aus- 
fiihrun«|;, weicher wir, aufmerksam gemacht durch münd- 
liche Berichte sowohl, als auch durch einen Korrespon- 
denzartikel aus Rostock vom 7. Juli 1838 in "No. 56 
der Sundine, mit sehnsüchtig^er Erwartung entgegenge- 
sehen hatten. In jenem Artikel heisst es unter Andern 
wörtlich: ,,Der Erfolg dieser Oper konnte, bei der sze- 
nischen ttenniniss des Verfassers und bei dem ausseror- 
dentlichen Fteisse des Komponisten, nur günstig sein. 
Herr Alsdorf hat uns in den Opern : „Der 4jährige Po- 
sten,** ,, Die Revue,** ,,Der Kosak und der Freiwillige, •• 
schon so viele schone Beweise gegeben, dass er innig 
vertraut mit der Bühne und deren Erfordernissen ist. 
Diesmal aber wurden die Erwartungen des zahlreich ver- 
sammelten Publikums bei Weitem übertrofTen. Die Oper 
gefiel allgemein und der Beifall steigerte sich hei der 
zweiten Auffuhrung; ein Beweis des innern Werthes 
derselben.** 

Auch nnsere Erwartung wurde übertroffen, obgleich 
wir das Haus schon mit einem günstigen Vorurtheile be- 
traten, und wir machen kein Hehl daraus, dass wir diese 
Oper vielen, ja den meisten derjenigen vorziehen, welche 
durch Meister von begründetem Rufe in der neueren Zeit 
auf die Bühne gebracht worden sind. Indem wir deshalb eine 
etwas ausführliche Beuriheilnng dieser Oper hier zu ge- 
ben beabsichtigen, tragen wir dadurch nicht blos gewis- 
sermaassen einen Tribut der Dankbarkeit gegen die Her- 
ren Verfasser ab für den uns bereileten Kunstgenuss, 
sondern wir halten es auch für eine angenehme Pflicht, 
das kunstliebende Publikum im Allgemeinen und insbe- 
sondere die Direfczionen grösserer Bühnen auf dies Mei- 
sterwerk aufmerksam zu machen. 

Ueberscbauen wir zunächst das Personale und ge- 
hen dann zur Oper selbst über, welcher historische Data 
zum Grunde liegen, die bekannt genug sind. 
Johann von Leyden, Röoig von Zlon (Maoster), 
Gertrud«, des«ea erste Gemalilio, 
Bernd finipperdolling , Goaveraenr der Stadt oad 

jrr.ÄX't'Ä^. \WMer.Sofer. 

Diibeck, Oberhofineister und Zwölfherr, 
Äff Hippenbroek i Obertter der kSoiglteheil Tra« 
banten, 

41. JahrgaDS* - 



Hänslein van der SiraatAn^ü^l9ni9dwS%tAtMA'\nr' ...... 

Herrmann von Wühlen, f iier, ^WiederUafer. 

Hubert Trutlmger , Waffeoselimied. 
f^'A'f« Verlobte. J,,j„,j„^j„ 

Beate, ) 

Anna, Fraaea der Köaisin. 

^gnet, J 

Eid Page der RSnigin. 

Frans, Graf von Waldeck, Bisehof voo Müoster. 

U brich , Grqf von Oberstein , fiefelitshaber der ReicbstroppeD. 

Trabanten, SttdtsÖtdner, Bürger and Bargeriooeo, Franen 4ar 

KöDigto, Wiener des K(»aigs, Söldner des Bisehofo und der 

Reicbstroppeo , Volk. 
Ort der Handlung: Münster. Zeit: Den 13. and 14. Jani 1535. 

Die Ouvertüre enthält unstreitig zwar die affektvoU« 
sten Motive der Oper, dennoch haben wir uns nicht j^anz 
mit ihr befreunden können. Das einleitende Adagio 
schreitet pompös einher; dann beginnt das Allegro mit 
dem originell gedachten Karakterstück. der Wiedertäufer» 
Ein Thema im Basse mit seinen tiegeuharmonieen in der 
oberen Stimme leitet im Forte zweistimmig zu einem 
melodischen Satz aus Elisen's Arie (Mo. 3). Bis hieher 
ist Alles gut ; nun aber folgen nach unaerer Ansicht za 
viele Efiekte gleichkam Schlag auf. Schlag, denn, nach 
einem kurzen verbindenden Zwischensatze tritt dieSchlacht* 
musik des vierten Aktes hinzu, der sich abermals nach 
einer kurzen Einleitung, dessen Akkorde noch wie das 
Gewinsel der Sterbenden nachtönen , ein letzter Effekt- 
salz anschliesst, welcher wahrscheiuiieh den Siegesjubtl 
der Bischöflichen ausdrücken soll. Die JMittelsätze wä- 
ren leicht durch manche JUelodieen, deren genug in der 
Oper vorhanden sind, weiter auszospinnen gewesen» da- 
mit durch solche beruhigende Gesangstellen das Gemnth 
sich allmälig hätte erheben können nnd das Ohr neo ge- 
stärkt worden wäre, um gewallige Massen frisch wieder 
aufzunehmen. Der Kompoqiat bat diesmal die teutsche 
Form der Ouvertüre zu wenig beachtet, und wir kön- 
nen daher den Wunsch nicht unterdrücken, sie möge 
sich in diesem Punkte den vortreflliehen Mustern unse- 
rer teulscheo Heroen noch mehr anschliessend was sich 
durch Umarbeitung einiger Stellen leicht hewerkatelligea 
lassen dürfte. 

Akt I. No. 1. (Hubertus Werkstätte.) Mit einem 
muntern Chor der Schmiedegesellen und mit unterge- 
mischlen Soli der Elisa und Klara beginnt die Introduk- 
zion. Der Eintritt des komischen Oberhofmeisters Dil- 
beck (eines ehemaligen Schneiders) bringt ein launiges 
I Thema» welches wahrhaft klassisch durebgeführt ist nnd 

8 



i^ 



1839, Februar« No. 8. 



156 



MwiM jeden Mosikverstandigeii für die Oper sehon zum 
Voraus einnimmt« 

, Ife. 2« Lied ond Cher. Dribeck erzlhlt darin^ wie 
es kam, dass der Schneider Jobann jelcl König und er 
Oberbermeisler geworden ist. Die Worte: ^^Und Zions 
König man ihn nennt*' tragen ganz die vom Komponi* 
aten angenommene Färbung der Wiedertäufer. 

No. 3. Man hört die FaoAirey welche Johanns An- 
liitpft mit seinen Sireitern andeutet; sie leitet zugleich 
Elisens Arie ein, welche mit Sehnsucht der glücklichen 
Wiederkehr ibrea, »ii in den Kampf hinausgezogenen 
(aeliebten enigegenharrt. Sinnig und einfach, aber wahr ist 
die Begleitung der von ihr auagesprochenen Worte : „Zog 
seinGeist schon himmelwärts?^^ Dieser Arie schliessl sich 

No. 4 ein Terzett an. Alf, der Erharrte, tritt 
wohlbehalten mit ihrer Schwester Klara ein. Freudiges 
Wiedersehen! — ^ Während dieses sowohl an Melodie 
reichen, als auch theoretisch schön gehaltenen Terzettes 
wird die Fanfare, höchst wirksam darein verwebt, immer 
wieder durch^hört« 

No. 5. Pinale. Chor der siegestrunkenen Wieder* 
länfer; eine pompös • kräftige Steichnnng. Die Zwischen- 
sätze des Alf, Knipperdolling, Robert und Hänslein sind 
jedem Karakter treu entsprechend. Ein Befehl des Kö- 
nigs wird verlesen, nach welchem jeder Wiedertäufer 
alles Gold und alle Kostbarkeiten abliefern soll u. s. w. 
Es entsteht Murren im Volke; Knipperdotling nennt den 
wortfShrenden Hubert einen Verräther. Der Tumult 
steigert sieh. Plötzlich tritt Johann hinzu und dämpft 
mit kraftigen Worten den Aufruhr. Ein kontrapunkli- 
aehes Ensemble mit schönen Niian^irungen. Besonders 
originell und bezeichnend ist der Schlusssatz Hmoll, in 
welchera sich ganz der leidenschaftliche Karakter der 
Wiedertäufer ausspricht. 

Akt II. No. 6. Ein rieblicher Frauenchor, ievti sich 
eine Zaukszene zwtsehen drei Frauen anschliesst, deren 
jede die Glückliche zu sein glaubt, die der König zu* 
nächst unter die Zahl seiner Gemahlinnen aufnehmen 
werde. Das Ganze . trägt einen erbeiternden Karakter 
mid ist voll komischer Wirkuiig. 

No. 7. Arie der Königin Gertrude mit Frauenchor. 
Im Andante besingt sie ihre schmerzlichen Geföble, im 
AUegro hingegen gibt sie sich der Hache hin, denn sie 
hat vernommen, daas der König sich eine zweite Gemah- 
lin ausgewählt habe. Das Andante ist seiner zarten Me- 
lodieen und Harmonieen wegen ein Gknzpunkt der Oper ; 
das AUegro, voller Effekte, verlangt eine kräftige Sän- 
gerin und Kehlfertigkeit. 

No. 8. Arie des Johann; ganz in dem Karakter 
eines wollnstathmenden Ungeheuers. Liebliche melodi- 
sche Motive wechseln mit grellen Zwischensätzen, je 
nachdem er die Liebe besingt^ oder der Dunkel eines 
Königs von Ziofti ihn beherrscht. 

No. 9. Finale. Die Familie Hubert erfährt, dass 
Johann Böses mit ihr im Sinne hat. (Eine äusserst ge* 
lungeoe kontrapnnktiscbe Zeidinung.) Johann tritt wie 
ein Deui eo; muchina dazwischen und wirbt um Elisen. 
Der Chor, sein Gefolge» umschwebt tanzend die Aua- 
erwäblte» ihr die Krone ttberretohend, weiche sie aber 



ausschlägt. Der gegenwärtige Alf wird dadurch in die 

«einliche Situazion versetzt, zu wählen zwischen der 
Vene zu seinem Herrn und der Liebe zu seiner Braut. 
(\'iel Leben und durchgreifende melodische Rhythmen.) 
Gertrude tritt auf; sie persiflirt die Feier des Festes mit 
verhaltener Wutfa. (Schön gedachte und durchgeführte 
Nachahmung der Singstimmen durch das Violoncello.) 
Johann äussert sich gegen sie in Ausdrücken eines Ty* 
rannen $ alle Gefühle und Leidenschaften werden rege 
und sprechen sich in einem Vokalsextelt mit Chor aus» 
unter schwacher Begleitung des Orchesters, dessen Schön- 
heiten man hören muss, um mitzufühlen, ja, tief ergrif- 
fen zu werden von der Wahrheit dieves Ensembles. 
Nun stürmt ein AUegro daher; Alf und Elise. treten bit- . 
tend vor; Gertrude zeigt sich in voller Wulh eines tief- 
gekränkten Weibes, ^bann macht kurzen Prozess mit 
ihr, indem er sie dem Scharfrichter Knipperdolling in die 
Arme wirft, der mit gehobenem Schwert, seinem Amte 
zu entsprechen, augenblicklich bereit ist. Das Volk 
schreit: Gnade! (Alles voll schlagender Effekte.) Johann 
will nur unter einer Bedingung nachgeben» wenn Ger- 
trude der neuerwählten Königb die Krone selbst auf- 
setzt, Sie gehorcht mit widerstrebendem intern Ge- 
fühle, (die Ausarbeitung der Orchesterbegleitung ver^äth 
hier ein Meisterstück von Erfindung) — aber in den 
Augenblicke, da sie sich der Elise genähert hat, bricht 
sie, von Schmerz und Wulh übermannt, iii die Worte 
„ iVie sollst du ihm GaUin sein , *^ und wirft die 



aus: 



Krone fort. Alle Fesseln scheinen jetzt gelöst ; ein Schluss- 
salz beginnt wie ein herannahendes Ungewitter und mit 
Kraft und Grandiosiiät wettert und stürmt der Orkan fort, 
bis der Vorhang Tällt. Ein in jeder Beziehung wahrhaft 
grossartiges Finale» 

Akt IIL No. 10. Ein edht soldatesker Trinkdior 
mit einem Kriegerlied von drei Strafen. Die ausseror- 
dentliche Wirkung dieses Stücks lässt uns' noch heute 
das Bedauern ausspredien, das^ der Genuas derselben 
zu schnell an uns vortiber eilte, und wir wundem uns, 
dass das Publikum nicht „da Capo! *^ rief, ja wir äi^ra 
uns, es nicht selbst gethan zu haben, und noch immer 
tönt uns der schöne melodische Refrain in den Ohren : 

Alter Robentaft« der wn seäafll 

Lebeovlost Dod Kraft. 

Jaege tchöoe Maid, fie nur beut 

Wahre LebeosFread*. a. i. w. 

No. 11. Duett zwischen Alf und Hänslein- Häns- 
lefn will Alf überreden, mit Elisen in dieser Nacht noch 
zu entfliehen , indem die Stadt sich ohnehin nicht lauge 
mehr gegen die Bischöflichen halten könne; Alf aber bw 
sich • durch seinen Eid als Oberster der Leibwache ge- 
bunden. Hänslein verspricht, Elisen zu retten. Diese 
Handlung füllt das Rezitativ, welches ganz in Ufozarla 
Weise gehalten ist. Das darauf folgende Andante beginnt 
mit den Worten: Sie retten? Uimmelsseligkeit u. s. w* 
(Herrliche JMelodieen.) Bei den Worten: Der treuen 
Freundschaft heilig Band vereint uns u. s. w. geht die 
Melodie des Zweigesanges in Sezten^ängen, und eine ka* 
rakteristische Figur des Quartetts ^rait liegendem Kontra- 
bass) umspinnt in künstlichen Windungen den Gemng. 



157 



1839. FebniAr. No< 8. 



188 



(Eine gal angebrachte melodische Malerei.) Die. Worte 
im AUegro : ^»Bis treue Freuudscbafi siegt, die Tyrannei 
erliegt, der falsche Wahn zu Grabe gehl und rein der 
wahre Glaub' erslehf tragen einen' hochherzigen Ka- 
rakler voll schöner Begeisterung. 

No. 12. Romaoze des Alf: »»Hülle, kaufte stille Nacht^ 
schützend mit* dem dunklen Schleier jene Holde» die mir 
iheuery bis die Rettung ist vollbracht.*' Diese Worte 
sind in eine anraulhige Melodie gebracht» und das Accom- 
pagnement con sordini» mit Figuren von Klarioetlen und 
Flöten verwebt. Man kann diese Romanze nicht oft 
genug hören, und sie ist in ihrer schönen Einfachheit 
mit das Ausgezeichnetste dieser Oper. Diesem schliesst sich 

No. lo nach einer Verwandlung in Johanns Schlaf- 
Zimmer^ die Szene an» wo Jobann, von Gewissensbissen 
gefoltert, sich in einem dem Wahnsinne ähnlichen Zu- 
stande befindet. Um Ruhe zu gewiiinen, betäubt er sieh 
durch einen Schlaftrunk und nimmt daün zum Gebete 
seine Zufiuchl. ' Diese Szene ist ein Glanzpunkt der 
Oper» und ganz besonders muss der Uebergang zum Ge- 
bete und das Gebet selbst gerühmt werden», seiner ori- 
ginellen und psychologischen Auflassung halber. 

No. 14. Duo und Finale. Johanu ist nach seiner 
Szene auf einem Ruhebette entschlummert. Gerlrude 
tritt mit Alf leise herein und sucht diesen zu bereden, 
den Brauträuber zu ermorden, — Ein unheimliches Dun- 
kel schwebt über dieser Komposizion, die Violinen be- 
gleiten con sordini die ganze Szene in unruhiger Be- 
wegung. Bemerkenswerlh und dramatisch sind hier die 
Motive und Melodieen aus No. 13 und 8» welche den, 
von dem träumenden Johann ausgestossenen Worten : 
^»Nieder auf die Kni^! es tliesse Blut! — Elise! Holde» 
dich zu sehen ^' — unterbelegt wurden. — Nachdeoi 
Gerlrude vergeblich bemüht gewesen» den Alf zur Aus-» 
führung des Mordes zu bewegen, vor welchem sein bes- 
seres GefiibI zurückbebt, will sie den Streich selbst voll- 
führen; doch plötzlich erwacht Johann» ruft diß Diener 
herbei und Alf und. Gertrude werden, gefangen geaom- 
meo. Fremdartige Akkorde malen die innere Aufregung» 
anter welcher Johann und Alf in gesteigerter Wnih ge* 
gen einander antreten und mit dem Scbiusslem|»o zieht 
der Komponist alle im Orchester disponiblen Register an. 

Aktiv. No. 15. Entreakt. Dieses Tonslück scheint 
die Flucht Alfs in's bischöfliche Lager anzudeuten, in- 
dem beide Tbeile« seiner Romanze in einen ma|estätiscbe» 
Salz von .TrQ^}|>eten und Uörpern verwebt sind. Hän»« 
lein tritt mit Elise und Klara auf, welche er den Klauen 
Johanns entrissen und verbirgt beide in die Kasematte 
eines seiner Krieger. D^r wachsam, heramschleichenda 
finipperdolling bebuscht dies» ohne bemerkt zu werdea-i 
Dieser Handlung folgt 

No. 16 die Arid des Häoslein. Er fühlt sich glöok«- 
Uch, Alf gereMet zu wissen und seine Braut ihm z»-: 
fuhren zpi können, .^ue sehr dankbare Arie, voll sehen 
nen Gesanges und brillanter Instriimenlaz]on,.}irenn deir 
Sänger demPfirtameuAn gewachsen und nur.einigermaasseo 
VoLubiliiät der Stimme besitzt. Von ' hier an bort man 
Muaik. his ai^'s Ende fort. 

No. 17. Resüaiw. Johann kommt mit KnipperdoU 



ling, welchj^r Ersterem den Ort aoelfft^ iro die beiden 
Mädchen verborgen sind. Johann ahmt in einer Kava* 
tine oder Kantilene-Alfs Stimme nach. Zarter» • lieUi* 
eher Gesang, nur etwas hoch liegend; es scheint die 
Absicht des Komponisten zu sein » dass sie mit der Fistel 
gesungen werden soll» denn Elise würde sich durch dien 
hellen Klang einer Bruststimrae schwerlich läuschen las* 
sen. Sie wird hierdurch verlockt,, herauszutreten» und, 
eewahrt erst im Duo mit Sclireoken ihren Irrlhum. Jo- 
bann freut sich indessen mit verbissener Ironie» sein 
Liebchen erhascht zu haben. Feurig rauscht« dieses Duo 
dahin ; — plötzlich wird es durch einen Kanonenschnss 
unierbrochen, welcher die Bestürmong der Stadl ankün- 
digt. Die Szene wird jeltt immer lebhafter; JMünste^ 
rianer stürzen auf die Bühne mit dem Rufe: „Weh? 
der Feind! auf» König, eilef u. s. w* Das Haupt- 
ihema des vorbi'rgegaugenen Duo wiederholt sich mit 
eingemischtem Cbore. Wühlen tritt mit der Nachricht 
auf: der Feind sei» von Alf geführt» bereits in die Stadt 
eingedrungen und kämpfe in den Strassen. Johanns fa- 
natische Herrscherart lechzt nach Blut und Tod» und mit 
einem kurzen, äusserst kräftigen Kriegerchor: »»Rache» 
Hache, Israel! '^' brauset die Menge dabin. Die Frauen 
siugen nun eine Choralmelodie mit IremuianlerfifgJeilQng» 
welches Tonstück» obgleich in der Anlage gut» doch vom 
Komponisten als ein Lückenbüsser betrachtet und dem- 
gemäss behandelt zn sein scheint. — Der Kampf naht 
sich der Szenei die Weiber entfliehen. — Des oisobob 
Truppen dringen von allen Seiten hervor; das Handge- 
menge wirjd allgemein. -^ Schtaebt auf der Bühne. Die 
Wiedertäufer kämpfen mnthig ; < — viele fallen ; endlich sind 
sie pberwuadm und gelangen genomtien, und man hört den 
Siegesmarsch ertönen. Der Bisehef ersobeint im Triumf- 
zuge mit seiaen? Streitern , nnd mit einer der Sitnazion 
angemessenen Gruppe scUiesst das Ganze. (Die Nüan- 
^irung» dass die Fanfare der Wiedcrläufer und der Sie«- 
gesmarsch der Bischöflichen in der SchUchtmusik durch- 
gehört werden 4 ist gabz an ihrem Platze und von gu- 
ter Wirkung.) 

Mit einem aUgemeinen Urlheiie über diese Qper ist 
man bald im Rebfm, denb das Anhören weniger Takte 
reidit bin, dem Kenner die (leberzejigung zu geben, 
dass der Komponist weder für kleine Bühnen, noch Kr 
schwache Orchester geschrieben hat; die Ansprüche an 
beide Theüe sind nicht gering» gleichwohl ist- doch das 
Orchester unverkennbar bevorzugt. 

Eine der ^glücklichsten Seilen des Komponisten ist» 
dass er sich mit Leichtigkeit in jede Sitnazion zu ver- 
setzen weiss» mit der Gabe, sie richtig und schön musi- 
kalisch wiederzugeben ) daher auch die ganze Oper ein 
stets belebendes und augenblicklich sich mittheilendes 
Prinzip atbmet, welehes unbedingt einnimmt und den Zu- 
hörer fesselt. Ungereeht würden wir indess gegen den' 
Dichter sein , wenn li^ir dessen Verdienst hierbei gänz- 
lioh avaser Acht laäsen nnd auch seinem Talente nicht 
die gebührende Anerkennung zollen wallten. Er hat dem 
KoropnnisteO' trelBich irorgearbeitet, kennt das Publiknm. 
yöUig», weiss als , vieigewandier und deshalb hocbgeaehte- 
ier Sohannpieler ea weise. %u berechnen , was 'auf dar 



159 



1839. Febraar. No. 8. 



140 



Boboe Eflekl henrorhringt, md rertleht es gut» mit sei- 
aen MiUeln haqshälleriscb omgebeod, das Interesse der 
Zuhörer die gaoze Oper biudorch oiehi blos rege zu er* 
ballen, soDdern aucb von einem «Akt sum andern mehr 
nnd mehr zo steigern. — Dichter und KompRonisi sind 
innigst befreundet und so zo sagen unzertrennlich von 
einander; ihren Gdsteserzeugnissen kann es daher nur 
beilbriogend sein, wenn ein so wackeres Ktinsüerpaar 
auf dem eingeschlagenen Wege Hand in Hand Forlwan* 
delt. — Wir wünschen scbnessiicb , dass diese Oper, 
welche sieb aucb hier, wie in Rostock und Stralsund des 
allgemeinsten Beifalls zu erfreuen hatte, ihre weilere 
Wanderung durch die Welt b^inne, nnd bald auch auf 
grösseren DÜbneA ausgeführt werde; wir glauben ihr 
dabei mit Recht das Prognostikon stellen zu können, dass 
sie das Schicksal . der vielen efemeren * Erscheinungen 
heutiger Zeit sieber nicht tbeilen werde. 
Greifswalde. j,^^ py ^^ Hagenaw. 



JV u n s e h. 

Die fiir die bildenden Künste so hoehwiebtige neueste 
Erfindung des Herrn Daguerre, durch welche die Bilder 
in der Camera obsoara in grösster Treue nach llmriss, 
Licht und Schatten festgehalten und dauernd gemacht 
werden, veranlasst mich zu dem Wunsche: dass doch 
ein guter erfinderischer . Kopf die über 90 Jahr alle, 
wahrscheinlich aber noch sehr unvollkommen, wenigstens 
gewiss unbequem gebliebene Erfindung eines Klavierin- 
stmments zum Festbalten und Notiren freier musikali- 
scher Fantasieen, deren unter andern in Sutzer's Theo- 
rie der schönen Künste, 2. Auflage, Bd. II. S. 205 u. f. 
io wie in Gerber's neuem Tonkünstler -Lexikon unter 
dem Artikel: Merlin, Erwähnnng gelhan wird, wieder 
aufnähme, weiter verfolgte, nnd endlich, wenn 's Gottes 
Wille, so vervollkommnete, dass durch sie die Tonkunst 
in ihrer Stare auch eine Hilfe erhielte, der äbniicb, 
welche den bildenden^ Künsten durch die Daguerre'scbe 
Erfindung unbezweifelt zu gute kommen wird. — Sollte 
denn in unserer an Erfindungen aller Art so fiberreichen 
Zeit ein Weg, den vor fast hundert Jahren schon der 
Engländer Creed, der Berlnier Mechanikus Holfeld und 
vor etwa siebenzig Jahren jener Franzose nicht ohne 
Glück betreten haben (siehe die oben angeflibrten Noti* 
zen), ganz unbesehritten bleiben?— Gewiss recht Viele 
mit mir wünschen, faktisch, von der nächsten Zukanft, 
ein ,,Neio<< auf diese Frage. 



-n. 



Nachbighteii. 



Rassel. (Bescblnss.) Die hiesige Ettiem^ die er- 
heiternde Muse, ihres Namens in diesem Winter recht 
eingedenk, brachte uns schon mehrere Konzerte durch 
das rastlose Bemühen des Direktors der Gesellschaft, des 
Archivars Ueylgeisl, der dabei ein gewandter und ferti- 

Er Veellospteler ist, zum Anhören. Der Musikmeister 
i der Leibgarde, Bothmann, dirigirt dieselben. — . 
Aoüer Ottverloren» baren wur da noch Virtoosen auf 



ihren Instrumenten, Dilettanten im Gesänge, und recht 
hübsche Lieder und Arien bisweilen von einzelnen Opern« 
Mitgliedern vortragen; zur Abwechselung werden auch 
deklamatoriscbe Vorträge geballen. 

Die hiesige Sing - Akademie führte unter Direkzion 
des nun auch als Kirchenkomponisten bekannten Herra 
Wirgand am 14. Dezember Beethoven*s „(.brislus am 
Oelberge*' auf; das Werk ist über unser Lob erhaben, 
aber aucb über den Tadel, welchen selbst ein Karl Ma- 
ria V. Weber in seinen binterlassenen Schriften aus- 
gesprochen hat. Die Auifahruo^, über welche sich auch 
hiesige Blätter sehr vortheilhaft aussprachen, wurde rail 
allgemeiner Begeisterung aufgenommen. Welch eine 
Fundgrube bleibt dieses Werk für die neuern Kompo- 
nisten, und wie klingt oft die Benutzung desselben nei 
Vielen hervor I — Daran schloss sich eine Kantate voa 
Meyer, in Musik gesetzt von Wiegand. Sie ist in 
der Cäcilia von Goltf. Weber und von unserm Gros- 
heim so vortheilhaft und aufmunternd besprochen wor- 
den, dass wir füglich mit dieser Männer llrtbeil uns 
begnügen wollen. Sie war eben so sorgfältig einstodirt 
als vorlreflSich in den Soloparlieen und Ensemble -Stückea 
ausgeführt. Der Zweck: zum Besten der' Armen — 
erhöhte noch den Genuss. 

Das erste Abonnement ' Konzert der kurfürstlichen 
Hofkapelle fiel diesmal etwas spät auf den 21. Dezem- 
ber. Die erste Abtbeilung desselben enthielt die Ouver^ 
ture zu dem Mährchen : Die schone Melusine von Men- 
delssohn - Bartholdy ; sie ist uns nicht mehr neu, aber 
stets anziehend genug, qm des Beifalls werth zu sein, 
der ihr auch diesmal wieder zu Theil ward. Dem. Pi- 
stor san^ eine Arie von Mozart und Herr Krieg eine 
von Donizetti ; ein Violinkonzert, komponirt und gespielt 
vom Konzertmeiister Wiele, fand grossen Beifall, desglei- 
chen aucb ein Klarinetlkonzert von Gruseil, geblasen 
von Schultheis. Der zweite Theil sollte in jeder Hin- 
sicht den ersten an Inhalt und begeisterter Aufnahme 
übertreffen, er brachte uns Beethovens Sinfonie in Adur. 

Zum Schluss muss ich noch eines Schauspiek mil 
Gesang nach dem Französischen, von unserem liegisseur 
der Oper C. Birnbaum bearbeitet, Erwähnung tbun. Die 
BeniHbeilung des Drama*s selbst liegt ausser dem Bereich 
dieser Blätter, aber der darin vorkommenden* einzelnen 
Gesangstücke von beimischen Komponisten müssen wir 
noch ruhmlieh gedenken. Die Ouvertüre und das Ma- 
trosenlied No. 10 von L. Spohr wurden; namentlich 
das zarte innige Lied, mit ungetheiltem Befall aufgenom- 
men, desgleichen die beiden Lieder No. 2 nnd 5 von 
dem bereits rühmlich bekannten Kirchenkomponisten M. 
Hauptmann. Der hiesige Klavierlehrer Grenzebach, auch 
in diesen musikalischen Blättern als Liederkomponist vor- 
theilhaft genannt, hatte vier Lieder beigesteuert, die eine 
lebhafte Theilnabme fanden, desgleichen die drei Chihrd 
vom Musikdirektor Baldewein. D^m. Pistor — Margot—- 
und die Herren Füppel — Renaud — und Birnbaum — 
Matrose — sangen die Lieder. Das Ganze fand eine 
ttogewobttliehe Aufnahme, nnd ist wahrscbeinlieh nur der 
Vorläufer zn bedeutendem Untemehmttogen von Sotten 
des Kompottiaten. 



141 



1839. Februar. No. 8. 



142 



Nvchschrifi. — Wahrend ich diesen meinen Bericht 
über die hiesigen musikalischen Merkwfirdigkeiten in einem 
Zeitraum vou 3 bis 4 Monalen abzuschicken im Begriff 
t%'ar, verbreitete sich in unserer winterlich kalten Resi- 
deuz das Gerücht, Ole Bull, welcher sich in Celle be- 
finde, am seine ehemaligen Universitätsfreunde von der 
Georgia Augusta her zu besuchen, habe von Spohr eine 
Einladung bekommen , in Kassel ein Konzert zu geben, 
und dieselbe auch angenommen. Das Gerücht hat sich 
bestätigt ond das frühere somit widerlegt, welches sich 
von Hamburg aus in einer biografiscben Brochüre Ole 
Buirs vor einigen Jahren verbreitet hatte, als habe die- 
ser ausgezeichnete Violinvirtuds bei einem Besuche eine 
kalte Aufnahme bei Spohr gefunden ; dagegen zeugt die 
Ton allen Kunstfreunden gewünschte Einladung von Sei* 
ten Spohr's und die äusserst humane und zuvorkommende 
Aufnahme, womit er den berühmten Violinsjpieler aus- 
zeichnete. — Das Konzert selbst fand am 22. Januar 
Statt. Das Hofthealer war bei erbebten Preisen gedrängt 
voll, der Enthusiasmus allgemein; der Virtuos wurde bei 
jedesmarigero Auftreten lebliaft empfangen, und entzückte 
das Publikum nicht minder durch die ausserordentliche 
Kunst seines Spiels « als durch seine höchst bescheidene 
Persönlichkeit. Mozart's Ouvertüre aus Titus leitete diese 
wahren Hochgenüsse ein, dann gab Ole Bull in drei 
Abtbeilungen ein von ihm komponirtes Violinkonzert : 
1) AUegro maestoso, 2) Adagio sentimentale, 3) Rondo 

(»astorale; am Schluss des ersten Theils ein Adagio re- 
igioso. Der zweite Theil begann mit Cherubini's Ouver- 
türe aus Anakreon und wurde lebhaft beklatscht; dann 
spielte Ole Bull ein Recilativo Adagio amoroso con Po- 
lacca guerriera. Herr Derska und Dem. Pistor sangen 
in den Zwischenräumen ihre bereits von uns schon in frü- 
bern Konzerten gehörten nicht besondern Arien von Per- 
siani und Caraffa. — Es würde aninassend klingen, woll- 
ten wir uns ein Urtbeil über Die Bull's Kunstspiel, über 
seinen vollendeten Mechanismus, der die unglaublichsten 
Schwierigkeiten eines so delikaten Instruments, wie die 
Geige ist, fiberwunden bat^ überhaupt über dessen be- 
gründeten und allgemein verbreiteten Ruhm, der glück- 
iicbste Nachfolger Paganini*s zu sein, erlauben ; aber so 
yie( bleibt unbezweifeit gewiss, dass diese moderne Spiel- 
weise mit alt - italienischen Anklängen, namentlich was 
die Flageolettöne betrifft, stets nur das bewundernswer- 
Ihe Eigen thum weniger Begabten bleiben werde; ob aber 
Erspriessliches für die Behandlung und den veredelnden 
Fortschritt dieses Instruments daraus hervorgehen werde, 
ist noch die Frage. — So wie Paganini wird auch Ole 
Bull bei uns in der heitersten Erinnerung fortleben. 
^ L. 

Berlin^ den 5. Februar 1839. Der Januar des 
neuen Jahres war hier einer der mnsikreichsten Monate 
seit längerer Zeit. Der berühmte Pianist Thalberg gab 
allein vier Konzerte füi* sich im Saale des königl. Schau- 
spielhauses, von denen nur das erste weniger, die fol- 
genden fiberaus zahlreich besucht waren ^ und wirkte 
ausserdem noch in einem Konzert zu wohlthatigen Zwe- 
eken im königl. Opernbause mit, dessen grosser Raum 



ganz gefüllt war. Die ausgezeichneten Eigenschaften die- 
ses seltenen Pianofortevirtuosen darf ich Ihnen nicht erst, 
näher schildern, da Sie denselben dort selbst gehört ha* 
ben, und auch alle Berichte von andern Orten darin 
übereinstimmen, dass Tbalberg, was Bravourspiel, tech- 
nische Fertigkeit und Energie des Vortrags anlangt, w^ohl 
Keinem der jetzt lebenden Klavierspieler weichen dürfte. 
Tbalberg spielte hier ausschliesslich nur auf seinem eige« 
nen Flügelpianoforle aus Erard's Fabrik in London, einem 
Instrument von seltener Klangfülle und grosser Kraft^ 
welches indess durch zweckmässige Benutzung der Pe* 
dale auch die zartesten Nüan^irurigen zulässt. Der Vir» 
tuose par excellence zeichnet steh durch schönen , ela- 
stischen Anschlag, gleichmässige Technik nicht nur beider 
Hände, sondern jedes einzelnen Fingers vorzugsweise 
uns, verbindet die höchste Kraftausdauer mit der zarte- 
sten Kantilene und schmückt die stets hervortretende 
Melodie der meistens entlehnten Motive ans Opern oder 
auf Volkslieder durch einen Figurenreichthum aus, der 
in Erstaunen setzt. Hierin geschieht nun freilich mit- 
unter zu viel des Unbegreiflichen und Unnachahmlichen, 
und ungeachtet des schmelzenden Vortrages gesangreipfaer 
Stellen erhält doch das Sli*eben nach immenser Fertig- 
keit und originellen Effekten, z. B. die häufigen Okta- 
venläufe im Bass, die Oberhand. In der Regel spielt 
Herr Thalberg ohne Begleitung, um sein Spiel freier nnd 
ungedeckt zu erhallen. Meistens wählt der Virtuos auch 
nur sogenannte Fantasieen (eigentlicher Introdukzion mit 
Variazionen), welche über mehrere Themata sehr geschickt 
mit einander verbunden werden , und den gröndlicbeny 

feschmackvollen und eigenlhümlichen Tonsetzer bekun- 
en. Nicht zu leugnen ist es indess, dass bei öfteren 
Hören die Wiederholung derselben Formen in den mehr- 
mals wiederholten Solo's einige Monotonie erzeugt , wel- 
che freilich aber durch die an das Wunderbare grän- 
zende technische Ausführung wieder verdeckt wird. In 
den hiesigen fünf Konzerten trug Herr Thalberg vor : 
L Ohne Begleitung 1) Fantasieen und Variazionen auf 
Motive aus den Opern Moses von Rossini (2 Mal), 2) La 
donna del lago (2 Mal), ferner 3) auf Themata aus Beet- 
hoven's Sinfonieen, z. B. auf das Andante der Adur- 
und den letzten Satz der Cmoll- Sinfonie,, vortrefflidi 
durchgeführt, 4) auf Themata ans Meyerbeer's Hugenot- 
ten (2 Mal), 5) über englische Volkslieder (von welchen 
das variirte God save the king besonders gefiel), 6) zwei 
Etüden, 7) ein vortrefflich komponirtes Andante (2 Mal) 
mit Variazionen, 8) zwei Lieder von Schubert: Ave 
Maria und Erlkönig, sehr geschickt Toa Thalberg für das 
Pianoforte ohne Gesang bearbeitet, und eben so schmel- 
zend, als kunstfertig vorgetragen. (Eine Eigenheit unsers 
Zeitgeschmacks ist es doch, dass der Sänger am liebsten 
figurirt nnd der Spieler zugleich singen will. Wo blei« 
ben aber die Worte und der Sinn der Dichtung? •^) 
II. Mit Begleitung hat Herr Thalberg allein nur das 
Hummerscbe Septett in Drooli im schnellsten Zeitmaaa, 
frei und dennocli rhythmisch genau, ungemein kräftig, 
feurig und mit allen Nüan^irungen , vollkommen schön, 
der fntenzion des verewigten Meisters getreu ausgeführt. 
Das Trio des Scherzo'« und das Finale wurde zu prch 



145 



1859. Februar. N0.-8. 



144 



i: 



fltissimoy und dabei die einrachen Passagen meisteös mit 
Oktavenläufen ausgeführt. Dasa Thalberg milbin Wohl 
auch die Komposizionen anderer Touselzer mit Orche- 
flterbegleilUDg eben so kuuslgerecbl vortragen kann, als 
seine eigenen Fanlasieen ohne Begleilunff (was manche 
Kiägler bezweifeln wollten), wurde evident bewiesen. 
Der Virtuos folgt iudess den Ausschweifungen des mo- 
dernen Geschmacks in ähnlicher Weise, wie die neuesten 
italienischen Gesangkomponisten (nur auf soliderer Basis 
einer gründlichen Harmoniekenntniss) , weil der Spieler 
sich freier bewegen, mehr glänzen ond den schonen vol* 
len Ton seines Erard'schen Fitigels (unbegleitel) wirk- 
samer hervortreten lassen kann. Begleitet wurde das 
Septett vorzi^lioh diskret und genau, wie es sich von 
Künstlern, wie die beiden Herren Ganz, Eisold, Krah- 
mer, Griebel und Schuncke erwarten liess* Unterstützt 
wurden die Tha!berg*scbea Konzerte im Gesänge von 
Fräul. V. Fassmann, Dem. Hedwig Schulz (welche die 
Arie des Gabriel aus Haydn*s Schöpfung : »»Auf starkem 
Fittig*' mit schönem Schmelz der Stimme und ein Lied 
von C. Blum sehr angenehm sang). Dem. Grünbaum 
,yDas Erkennen*^ von Proch und Abenlied von Pixis), 
len Herren Mantins, Bötticher und Fischer; ferner von 
den Instrumenlalvirtttosen Griebel. (Oboe), Karl Schuncke 
(Waldhorn), Gebrüder Gareis (Klarinette) und den Ge- 
brüdern Ganz; — In dem Konzert für wohlthälige Zwecke 
liess sieh noch ein bekannter Violinvirtuos, der kaiseri. 
russ. Kammermusiker Herr Renimers (aus Jever im 01- 
denburg'schen gebürtig) mit so eklatantem Beifall hören, 
dass fast ein Theil des Thalberg'scben Glanzes auf die- 
sen höchst soliden Künstler ohne Ruf zurückfiel, der die 
Zuhörer durch sein trefflich kultivirtes Talent im eigent- 
lichen Sinne^ des Worts überraschte. Herr Remmers 
hat (nach' seiner eigenen Versicherung) zur Zeit seiner 
Anwesenheit in Paris weder de. Beriot , noch Paganini 
gehört, sondern ihre Spielart nur aus ihren Komposizio- 
nen stndirt und sich (cum granp salis) bis auf eiuen ge- 
wissen Grad des Vortrags , worin beide Meisler uner- 
reichbar sind, za eigen gemacht. Der Ton des Herrn 
Remmers ist weniger stark, als gesangreicb, seine Into- 
nazion stets rein, seine Bogeafübrung leicht und seine 
Fertigkeit bedeutend, wie der Vortrag korrekt, gefühl- 
Toü und mannichfaltig. Im Konzerte von de Beriot in 
Ddur zeigte der bescheidene Künstler die erforderliche 
Grazie und Gewandtheit, wie in Paganini's Variazionen 
auf ein italienisches Lied, nach einem schön getragenen 
Adagio, alle die kleinen Humoresken des Pizzicato, Fla- 
geoiet, mehrstimmigen und arpeggirenden Violinspiels, 
welche das Kigenthümliche dieses Genie's ausmachen, ip 
eelrener Kopie, ohne sklavische Nachäffung. — Herr 
nemmers wurde schon nach dem ersten Solo, noch mehr 
nach einer eigenen, schweren Kadenz und nach Been- 
digung des Konzerts durch Beifall ausgezeichnet, auch 
das zweite Stück da Capo gerufen, jedoch nicht wieder- 
holt. — Beide Virtuosen, die Herren Thalberg und Rem- 
mers sind bereits nach St. Petersburg abgereist $ dage- 
gen ist 'die bekannte Künstlerfamilie Lewi aus Wien hier 
angekommen und wird sich nächstens hören lasseA. — 
•Herr Tbalberg soll seinen trefflichen Flügel hier (wie e& 



beisst für 1000 Rthlr.) an einen Kunstfrennd höheren 
Standes verkauft haben, da er in St. Petersburg ein ahn« 
liebes Instrument aus derselben Fabrik wieder vorfindet. — 
Sonstige Konzerte fanden vergangenen Monat nicht Statt. 
In den Moeser*schen Soireen wurden die Quartette von 
J. Haydn in Esdur, Mo. 54, Cdur No. 51, von Mo- 
zart das erste in Gdur, das zweite in Dmoll, und von 
Beethoven das neunte in Cdur, wie das siebente in Fdur 
mit Geist und Geschmack vorgetragen. An Sinfonieen 
hörten wir zwei von Haydn, m Es- und Cdur, drei von 
Beethoven, in Bdur, die Pastoral- und die schöne Adur- 
Sinfonie mit höchster Präzision ausgeführt. Eben so 
auch die Ouvertüren zum ,, Beherrscher der Geister'^ 
von K. M. V. Weber, zu Faniska von Cherubini und 
Egmont von Beelbove''n. Auch eine neue Sinfonie von 
A. Hesse, die fünfte, fand Anerkennung der kunstreichen 
Arbeit und geschickten Instrumentazion , erinnerte nur 
zu sehr an das Vorbild des Meisters L. Spobr-im Rhyth- 
mischen und in den Modulazionen. — Am 26. v. M. 
hatte Herr Moeser zur Vorfeier des Geburtstages von 
Mozart eine ausserordentliche musikalische Unterhaltung 
veranstaltet, wozu nur Komposizionen des Gefeierten 
gewählt waren. Der Ouvertüre zur Oper Cosi fan tulte 
folgte die letzte, grosse Arie der Gräfin aus „Figaro's 
Hochzeit^' in Fdur mit obligaten Bassethörnern , sehr 
unsicher in der Begleitung ausgeführt, und noch zu schwer 
für eine angehende Sängerin von starker, in der Höhe 
etwas scharfer Sopraostimme. Herr Taubert spielte den 
ersten Satz des grossartigen Dmoll-Pianoforte- Konzerts 
(an dessen 4händiges Arrangement wir uns erlauben 
Mozart's Verehrer zu erinnern) mit angemessenem Vor- 
trage recht lobenswerth, und hatte auch eine, die Haupt- 
motive des Allegro's benutzende Kadenz hinzugefügt, 
welche eben so zweckmässig erfunden war, als fertig 
und mit Ausdruck ausgeführt wurde. Das schöne Duett 
aus Belmonte und Konstanze im dritten Akt wurde von 
Dem. Schneider (aus Potsdam^ und Herrn Bader bei- 
fallswerth, von Letzterm besonders mit Empfindung, vor- 
getragen. Den Schluss der Feier machte die trefflich 
ausgeführte grosse Cdur-Sinfonie mit dem fugirten Rondo. 
Das Meisterwerk ergriff, wie jederzeit, auf das lebhaf«-. 
teste die zahlreichen Zuhörer. 

Im Januar fanden zwei Quartelt -Soireen der Her- 
ren KM. Zimmermann^ Ronneburger^ Eduard Richter 
und Julius Griebel Statt. Es wurden darin ein Quar- 
tett von Stahlknecht, !• Haydn und ein Onslow'sches 
Quintett, ferner das 24. Quartett von On$lo\\r, ein Pia- 
noforte-Trio von W. Taubert voll Schwung und guter 
Gedanken, und das 10. Quartett von Beethoven mit 
grosser Genauigkeit ausgeführt. Vorzüglich bewirkte 
Letzteres wieder einen allgemeinen Eindruck. 

Das königliche jyieaier hat eine neue Oper t „Czaar 
und Zimmermann,*^ mit Musik von Albert Lortzing, mit 
ailgemeineni Beifall gegeben, so dass solche 3 — 4 Mal 
im Laufe des vorigen Monats wiederholt wurde. Ueber den 
Werth und die Wirkung dieses echt komischen Sing- 
spiels, welches nicht minder durch die szenische Ge- 
staltung des unterhaltenden Stoffes, als die gefällige, na- 
türliche Musik anspricht, kann Ref. nur dem in No. 31 



143 



1839. Fd>niar. No. 8. 



146 



des TorigeB Jahrganges dieser Zeitang ausgesprochenen, 
woiil onotivirlen Urlheile beistimmen. Die Besetzung der 
Oper war hier ganz vorzüglich, und eben so sorgfältig 
die Aiifliihrang vorbereitist nnd gelangen. Der €zaar 
PeCer wurde von Herrn Zschiescbe kräftig nnd wohl- 
klisgend gesnngeo; (Das sentimentale Lied im dritten 
Akt mosste jedesmal wiederholt werden.) Im Spiel hätte 
freilich noch etwas mehr Würde in den Szenen hervor- 
treten können, wo der Czaar nicht allein als Zimmer- 
^seli erscheint. Ganz in naiv derber Haltung als Letz- 
! terer zeigte sich Herr Bader in der ihm sehr zusagen- 
den Rolle des Peter Iwanow; eben so eignete sich Herrn 
Blame's natürliche Komik ganz für die Darstellung des 
Bargenneislers von Sardaoiro, wie Dem. Grünbaum des- 
sen Nichte sehr liaunig repräsentirte. Am meisten ge- 
fielen Mariens erste Arie, van Bett's komisches Selbst- 
lob in der Arie No. 4f dessen Duett mit Iwanow, das 
erste Finale, des Marquis Romanze, vor Allem aber das 
dramatisch ganz vorzüglich wirksame Sextett des zwei- 
ten Akts, auch Mariens Lied nach einer russischen Na- 
zionalmelodie, die belustigende Probe der Peslkantate im 
dritten Akt, das schon erwähnte Lied des Czaars (wel- 
ches dem Ref. indess ganz gegen deh Karakter des Czaars 
zn sein scheint), das darauf folgende, sehr wirksame 
Duett von Marie und Iwanow, so ziemlich fast alle Mu- 
sikstücke der nur gegen den Schluss ermattenden Oper. — 
Der Komponist hat auf die an ihn ergangene Einladung 
einer der letzteren Vorstellungen seines achtbaren Werks 
beigewohnt, nnd soll von der Intendanz veranlasst worden 
sein, auch seine zweite komische Oper : „Die beiden Schü- 
ten^' einzureichen. Es ist in der That höchst erfreu- 
lich, einmal wieder eine teutsche heilere Oper mit Er- 
folg aufgenommen zu sehen. — Ausser dieser für die Rasse 
vortheilhaflen Oper wurde Euryanthe zweimal wieder- 
bolt nnd „Pigaro's Hochzeit^' von Mozart, zum ersten 
Debüt einer vielversprechenden jungen Sängerin von dra- 
matischem Talen\, wohlklingender Sopranslimme, guler 
Schule und Kunstbildung, der Dem. Hedwig Schuh zwei- 
mal gegeben. Mit grosser Erwartung sab man dem er- 
sten Auftreten der jungen Debütantin in der Rolle der 
Gräfin entgegen, welche früher ihre verdienstvolle Mut- 
ter so ausgezeichnet gesungen hatte. Der Erfolg über- 
traf iiidess jede billige Erwartung^ schon in der ersten, 
schwer zu tragenden Adagioarie zeigte Dem. Schulz 
höchst reine Idtonazion, scliönes Portament und innige 
Empfindung. Noch freier gebrauchte sie. ihr schönes 
Stimmorgan im Finale, und vorzüglich in der zweiten, 
grossen Arie: „Dove sono i bei momenti, ^' bei deren 
Schluss der rauschendste Beifall sich vernehmen liess. 
Auch von Seiten des Spiels und der Rede leistet die, 
durch eine vortheilfaafle Gestalt nnd anstandsvolle Haltung 
begünstigte Sängerin bereits recht Erfreuliches, und be- 
rechtigt zu den besten Hoffnungen für die Zukunft. 
Fräul. V. Fassmann eignet sich weniger zur naiven, 
schlao kokettirenden Susanne; dagegen Dem. Grunbaum 
ganz für den Cherubin. Die ganze Vorstellung war 
sehr gerundet nnd dor«h das Orchester trefflich unter- 
stützt, lieber die Leistung der Herren Fischer nnd Böt- 
ticher ah Figaro und Graf Almaviva hat sich Ref. schon 



nach einer früheren VorsteHan^ dieser Oper geäussert, 
muss indess bemerken, dass diesmal Gesang und Spiel 
noch weit lebendiger uiid wirksamer war. Gluck's jbe- 
zaubernde Armide wurde ein Mal, Aiceste — obgleich 
mehrmals angesetzt -* noch immer nicht gegeben. Das 
Ballett „Der Seeräuber** fehlte indess nicht. — ■ Die Ko^ 
nigsstädter Bühne hat sich nur durch eine musikalisch 
szenische Mittagsunterhaltung zum Besten der Armen 
bemerkbar gemacht. Die Kunst kann bei solchem Pa- 
sticcio von ernsten nnd burlesken. Szenen unmöglich ge- 
winnen ; der wohlthatige Zweck wurde jedoch auf das 
Erfreulichste erfüllt, sn dass auch der Ungeschmack ein- 
mal sein Opfer fordern durfte. — Auf der königl. Bühne 
können wir nunmehr wieder Bellini's, Adam's u. dergl. 
Opern in öfteren Wiederholungen erwarten, da Dem. 
Löwe aus Paris wieder eingetroffen ist. 

Die Sing ' Akademie gab zu ihrem dritten Abonne- 
mentkonzert zuerst eine in den Violinen glänzend figurirte 
Sinfonie Tdamaliger Form) in Ddur von Karl Ph. Em. 
Bach, welche von der philharmonischen Gesellschaft, un- 
ter Leitung des Herrn KM. Ries, exakt und kräftig 
exekutirt wurde; sodann eine ungemein schwere Kirchen- 
musik von Job. Seb. Bach voll harmonischer Tiefe, je- 
doch schwer verständlich und ausführbar. Den Beschlnss 
machte eine neue Kantate von Ed. Grell : „Die Israeli- 
ten in der Wüste," welche viel melodische Schönheiten 
enthält und das Gedicht theilweise etwas dramatisch auf- 
fasst, wie es auch bei der Verirrung der Israeliten, das 
goldene Kalb abgöttisch mit Ton- und Zymbelklang za 
verehren, nicht wohl anders sein konnte. Hie und da 
trifft den Tonsetzer die Rüge zu moderner (vielmehr ga- 
lanter) Hallung des Musikstyls, wenn es auch keine Ge- 
legenheit gab, in dieser Kantate (keinem Oratorium^ eine 
kunstgelehrt durchgeführt Fuge anzubringen. Der 8sttm- 
mige Schlusschor mit leisem Flehen ist vielmehr von 
wahrhaft rührender Wirkung. Dass Moses dem Solo- 
Tenor (Herrn Mantius) und Josna einer vorzüglichen 
Altistin zugetheilt war, hat allerdings etwas Ungewöhn- 
liches. Sehr gesangreich ist das Gebet von Moses und 
Josna; übrigens dürften dem Komponisten die Chöre am 
meisten gelungen sein. Die Instrumentazion ist ohne ' 
Ueberladung , dennoch wirksam. 



Wien. Musikalische Chronik des 
vierten Quartals £858. 

(FortsAtzaog. ) 

Die Leopoldstädter Bühne brachte Viel nnd Wenig, 
wie man's eben nimmt. Der Akrobat Pietro Bono ge- 
wann ausserordentlichen Applaus durch seine stupende 
equilibristische Gewandtheit^ — Landluft und Selterwas- 
ser, eine Posse von dem verstorbenen Korntheuer, liegt 
weit über den ästhetischen Bereich; man hätte das An- 
denken des allzufrüh heimgegangenen nnd gewiss lange 
noch unvergessenen Lieblings nicht so schnöde besudeiii 
sollen. — Das Quodlibet: „Ohne Anfang und ohne 
Ende;*^ -^ ein Abend voll Schrecken und Graus, wo 
selbst Hiobs Geduld nicht ausreichen würde; — Stan- 



147 



1839. Febmar. No. 8. 



148 



zerl und Siegivarl, oder: v Jetzt und Rococo, Zauber- 
spiel mit Musik von Sculla. Bald wird es Nolh thun, 
ein Promerooria zu Händen der modernen Dichterlinge 
gelangen zu lassen, des Inhalts : Alles, nur keine Alle« 
gorieen mehr! — Die beiden Uebellauoigen , oder: Die 
ästhetische Familie, Lustspiel mit Gesang, von ähnlicher 
Art; — Harlekin als Papagey, Pantomime von Fenzel; 
eine Kompilazion bekannter Theatercotips , doch nicht 
ohne Geschick szenirt. — Die nachstudirte , witzvolle 
Parodie: Kabale und Liebe von Bäuerle, und Nestroy's 

fut akkreditirter Eulenspiegel ward freudig begrüsst, 
IntschädiguDg bielend für eine Reihe von Missgriffen. — 
Dass h'brigens die Akzien dieser Anstalt keineswegs vor- 
theilhafl standen, wie es bisher den Anschein hatte, be- 
stätigte ein of6zieller Artikel der Wiener Zeitung, wo- 
selbst die Versteigerung der gesammten Realität für den 
Ausrufungspreis von 68,000 Fl. kund gemacht wurde. 
Es kam jedoch nicht dazu, denn inzwischen meldete sich 
Direktor Carl als Käufer, zählte mit Einschluss der Pas- 
siva baare 170,000 Fl. Konv. • Münze auf und war %'on 
diesem Augenblicke unumschränkter Herr und Eigentbü- 
mer. Das allgemein verbreitete Gerücht eines Oekono- 
miesystems, welches nicht selten bis zur Knickerei 
ausarten soll, hat derselbe bei diesem Anlasse durch 
eine Handlung widerlegt, die seinem Herzen wahrhaft 
zur Ehre gereicht. Herr von Marinelli, der Sohn des 
Gründers, sah sich durch den Verlust seines Besizthums^ 
dessen Kaufschilling Gläubiger ansprachen, in die drin- 
gendste Nolh versetzt ; da stipulirte Carl für ihn und 
seine Nachkommen freiwillig, ohne durch eine Klausel 
dazu verpflichtet zu werden, blos aus Achtung für den 
Familiennamen, eine jährliche Leibrente vQn 1200 Silber- 
Gulden, und zudem noch die schriftlich urkundliche Zu- 
sicherung des Drittelautheils vom reinen Gewinne. — * 
Am Stephanstage eröffnete er, als Wiens Bürger^ seine 
neue Enireprise mit einem passenden , selbst vorgetra- 
genen Prologe und einer Posse: ,,Lady Fee^und der 
Holzdieb,** welcher man allerdings die etwas voreilige 
Geburt abmerkte, deren Mängel jedoch das höchst wirk- 
same Zusammenspiel grösstentheils umschleierte. Ent- 
schiedenen Beifall gewann am letzten Jahresabend die 
zweite Neuigkeit : ,,Der Sylvester- Ball," nach Zschokke 
und Gerle bearbeitet, welche seither eine ununterbro- 
chene Reihenfolge von Wiederholungen erlebte. Aber 
zu träumen wähnte die überzahlreiche Versammlung, als 
es, wie durch Zauberei schon beim Eintritt, gleichsam in 
eine neue Welt sich versetzt sah. Fester, energischer 
Wille, der kein Hinderniss kennt, und das wachsame 
Valeraoge, das nur sich selbst vertraut, hatte binnen 
der undenkbar kurzen Zeit von vier Tagen und Näch- 
ten dies Wunderwerk vollbracht. Es war nicht mehr 
die alte^ finstere Spelunke , die unfreundlich enlgegen- 
grinste; alles elegant ausgemalt, — die Sitze frisch ta- 
pezirt, die Ornamente vergoldet, neue Vorderkortinen, 
und — was von je her als unausführbar verschrieen — 
sogar ein kolossaler Kronleuchter senkte majestätisch 
sich herab vom hohen Plafond und verbreitete Tages- 
beile in jenen Räumen , welche sonst nur ein Halbdun- 
kel amnebelle. — Viele sind verschiedener Meinung über 



das Unternehmen. Indessen der Platz ist got» war einst 
eine Goldgrube und kann es wieder werden. 

Das Jqsephsiädter Theater bleibt fortwährend im 
Gleise, ohne aufzustreben oder herabzusinken unter Null. 
Der lokale Schwank : Sehen, lieben und heiralhen, eine 
Triolo^e, zerfallend in die Rubriken: „Die Fahrt nach 
der Liebesinsel;" „Rettung vom Schuldthorm, «' und 
„Die Seiltänzer," ist zwar sehr leichte Waare und 
matte Nachahmung des oft Dagewesenen ; aber es wird, wie 
immer, sehr fleissig gespielt und ist liberal ausgestattet. 
Das seit dem verflossenen Frühlingsiahre einstweilen sus- 
pendirte Zaubermährchen : „Die blaue Insel" bewährte 
seine erneuerte Anziehungskraft. Es ist ein recht frucht- 
barer Kern darin und könnte, wenn die poetische Aus- 
führung gleichen Schritt hielte mit der trefflichen Grund- 
idee, einen höheren Rang ansprechen. — Ganz aus 
dunkler Verborgenheit tauchte unerwartet ein junges 
Dichtcrtalent auf, dessen Probestück f^Treffkömg^* oder 
f, Spieler und Todtengräber ,*^ ein Lebeosbild in zwei 
Abtheilungen, mit allgemeinstem Beifalle gekrönt wurde. 
Der Verfasser nennt sich Fary , und wird als Mime 
Mos zu kleinen Aushilfsrollen verwendet; ohne den gün- 
stigen Erfolg seines Erstlings auch nur zu ahnen, bat 
er vor Kurzem das bisherige Engagement verlassen und 
ist nach Botzen in Tyrol gewandert, vermntblich einer 
besseren Gage zu Liebe. Ohne das Geleistete zu über- 
schätzen, geht dennoch wahre Befähigung und wirklich 
innerer Beruf daraus hervor. Unleugbar waren Iffland 
und Raimund seine Musterbilder, und das Streben, Bei- 
der ludividualität zu amalgamiren , ist nicht zu verken- 
nen. Aber eben die glückliche Mischung von ergrei- 
fendem Ernst im Gegensätze zur populären Komik der 
Nebenfiguren bildet jenen wohllhiienden Kontrast, der, 
über das Ganze verbreitet, auf alle Klassen ein^^irkte. 
Ausser jenem wirksamen Dualismus gebührt auch der 
S|>rache besonderes Lob; sie ist rein, fliessend', bilder- 
reich, mitunter wirklich schwunghaft; der Dialog um- 
sichtig ausgefeilt, und der lokalen Hälfte gebricht es 
keineswegs an drastischen Wortspielen und ungesuch- 
tem Mutterwitz, wenn gleich dieser im Vortrage der 
Darstellenden . etwas massiver heraustritt , als es wohl 
eigentlich gemeint sein dürfte. Besonders meisterhaft 
muss, in Anlage und Durchführung, jene Kraftszene ge- 
nannt werden , wo Sohn und Vater ungekannt sich be- 
gegnen, und dieser Ersterep, welcher am grünen Tische 
seinen letzten Pfenning dem Moloch : „Treflkönig" ge- 
opfert, durch eine furchtbar erschütternde Strafpredigt, 
die ihm seinen ganzen sündhaften Wandel wie im Spie- 
getbilde erblicken lässt, vom beschlossenen Selbstmorde 
zurückhält. Hier zeigte sich auch HerT Wallner vor- 
zugsweise als wahrhaft befähigter Karakterzeichner,. der 
diesmal, auf seine Nacbahmungsgabe streng Verzicht lei- 
stend, blos aus eigenem Fonds schöpfte, in sofern näm- 
lich die Situazionsähnlichkeit nicht unvermeidliche An- 
klänge herbeiführte. — Der fleissige Kapellmeister ProcA 
hat die Musik zu allen hier besprochenen Stücken gelie- 
fert, und ein immer erfreulicher sich ausbildendes Ta- 
lent darin beurkundet. Jene zu Letzterem dürfte wohl 
am höchsten stehen; namentlich die schöne Ouvertüre 



149 



1859. Febraar. No. 8. 



150 



vnd das einfadie, Webmolh athiBeDdeTodteii^rlberlied.--- 
Zwei PaDtomimen : Die Tyroler, und Harlekin als Adler, 
dienten gleichsam nnr als Inlermezxo; der Balleimeister 
Rainoldi leistete mit den fferingea ihm sa Gebote ste« 
henden Mitteln das Möglichste. 

(BesckUts folgt) 



Prag^ Februar 1839. Unsere Stadt wird seit eini- 

Esr Zeit sehr fieissig von Violinvirtuosen besvcht. Auf 
ipinski und Hafner folgte als der dritte im Bunde Herr 
B. Molique aus Stutteart , der in sechs Konzerten im 
Theater die grossen Erwartungen, welche die Wiener 
Berichte erregten, nicht nur erfüllte, sondern in man« 
eben Stücken noch fiherbot und sich in doppelter Be- 
ziehung, als Konzertspieler und Tonselzer, gleich aus- 
gezeichnet bewährte. Unter die faervorst^diendsten Ei- 
gensebaflen von Herrn Molique's Spiel, das sich fern 
hält von allen fantastischen Seiltänzereien, wodurch man- 
che Konzertspieler die Nichtkenner bestechen und blen- 
den, gehört vor Allem nebst Geist ond Gefühl, wie einem 
stets vollkommen richtigen Kolorit nnd Vertheiloog von 
Licht und Schatten, eine seltene Runstruhe, eben so viel 
Besonnenheit als Rundung und Abgeschliffenheit des Vor- 
trags, ausserordentliche Milde und Vi^eiobheit des Tones, 
die höchste Khirheit und Deutlichkeit, Leichtigkeit ond 
Anspruchlostgkeit in Ueberwindung der ungeheuersten 
Schwierigktilen , eine grossartige und graziöse Bogen- 
fobrung, ein ausgezeichnetes Ligato, ein wunderschö- 
ner Triller und em bewundernswürdiges Staccato, das 
selbst in der raschesten Portbewejjnng stets deieh rein 
und präzis bleibt. Herr Molique ist ein wahrhaft ästhe- 
tischer Violinspieler, der im Andante durch seine sel- 
tene Eleganz erfreut, in dem nnübertrefflichen Adagio 
lieblich und rührend klagt, und im Allegro durch heite- 
ren, ja neckischefi Scherz überrascht, der sich nicht sel- 
ten zu kühnem und genialem Humor hinaufschwingt. — 
Wir haben schon bei manchem ausübenden Instrumental- 
virtuosen den Wunsch ausgesprochen, er möchte nicht 
zugleich Tonsetzer sein. Bei Herrn Molique ist das 
etwas ganz Anderes, denn er ist keiner von jenen ge- 
wöhnliäeB, die ein Mosaik der grössten Schwierigkeiten — 
zumal derjenigen, welche sie am fleissigsten einseübt 
haben — ohne Gesammtlendenz , ohne Idee und Geist, 
ein Konzert tituliren. Er gibt sich zwar mitunter auch 
ungeheuere technische Aufgaben zu lösen, doch sind diese 
nur das Mittel zum Zweck, die Ausschmückttngen nicht 
die Hauptsache seiner Tondichtungen (hier finden wir 
diesen Ausdruck passend, mit dem seit der letzten Zeit 
ein fast eben so errosser Missbranch getrieben wird, als 
mit dem Namen Künstler überhaupt), die ohne Zweifel 
unter das Vorzüglichste gehören, was jemals für die Vio- 
line gesetzt worden ist. Originalität, Gemütb und Fan- 
tasie, dann ein grosser Reicbthum der Melodie ond Har* 
monie sind die Grundpfeiler setner Komposizion, und die 
Art, die Instrumente zu behandeln, ist eben so neu, als 
sie seine tiefen musikalischen Kenntnisse bewährt, und 
je öfter man sie vernimmt, den Zuhörer immer mehr an- 
spricht. Ein Vorzug, den Herr Molique als Kompo- 



nist mit Mozart gemein bat, ist die Gewandtheit , den 
Gedanken so lange festzuhalten, als er nur immer noch 
einer Modifikazion und Schattirnng fähig ist, und -« 
ohne irgend in die Kopie zu verfallen — athmen doch die 
beiden itonzerte in Dmoll und Edur einen wahrhaft 
Beethoveu'schen Geist, von ^osser Anmuth und Lieb^ 
lichkeit umflossen. — Wie in seinem Spiele, ist aucb 
in den Komposizionen das Adagio der 6lanz}NJnkt, m 
welchem er zu rühren weiss, wie selten einer. Im ho- 
hen Grade zeigt sich diese Eigenschaft in den Konzern 
ten Dmoll und Adur (welche er auf Verlangen im vier* 
ten und sechsten Konzerte wiederholen musste). [Die 
graziösen und geistreichen AUegro's haben meist eine 
grosse Aehnlichkeit mit einander, das Scherzo aus dem 
Edur -Konzerte ausgenommen, welches höchst pikant 
und muthwillig, fast ein wenig kapriziös einhernüpft. 
Seine Fantasieen sind freilich eigentlich auch nur Jrot^ 
pourri's, aus einzelnen und vielfach variirlen Opernmoti* 
ven zusammengestellt; doch ist ihr Satz kunstreich und 
geschmackvoll, schön gedacht und durehgefuhrt, und gern 
verzeiht man ihnen den etwas anspruch vollen Namen, 
So reizend und ansprechend die Fantasie über Motive 
aus ,,Norma^' auch ist, in welcher besonders eine Va- 
riazion in Triolen in der höheren Oktave überrasdit, 
neben der das Motiv selbst vollständig zu hören ist, so 
wird sie doch von jener über Motive aus der „Stummen 
von Portici^* noch weit übertroffen, die sich eben so sehr 
durch grossartige Gedanken als edle Simplizität und eine 
merkwürdige Instrumentalbejgleitung auszeichnet. Insbe- 
sondere ist darin das Scbuimmer- und Fischerlied auf 
eine so wundervolle Weise in einander verwoben, dass 
neue Schönheiten daraus hervorklingen. — Nicht minder 
erfreulich waren die Schweizerlieder, reizende Natur* 
melodieen mit Geist und Gemütb, Anmuth und Eleganz 
bearbeitet. — An den beiden ersten Musikabenden hatte 
Mad. Podhorsky mit den Herren Strakattf und Preisin* 
ger die undankbare Aufgabe übernommen, die Inter* 
valle auszufüllen, und sie ernteten für die Aufführung 
einiger Gesangstücke von Meyerbeer, Donizetti, Des- 
saoer und Schubert die wenigen Brosamen von Beifall, 
die bei ausgezeichneten Virtuosen für diejenigen übrw 
bleiben, welche sie unterstützen. — Was den Besuoh 
und die Theilnahme an diesen Konzerten betrifll, so hat 
Herr Molique den Beweis geliefert, dass selbst der ans*« 
gezeichnetste Künstler in Frag nicht gegen den Strom 
der Gewohnheit zu schwimmen wagen darf. Sonst wn*- 
reu gewöhnlich die letzten Standen vor dem Theatei^ 
Euterpen gewidmet; seit jedoch die meisten adeligen Fa'* 
milien, die hier den Ton angeben, erst um 4 — ö Uhr 
speisen, bleiben die vordersten Stubireihen ieeri man 
versuchte es mit der Mittagsstunde, die aber bei allen 
Ständen noch weniger beliebt ist. Herr Molique gab 
sein erstes Konzert auch um halb 5 Uhr im Theater» 
und trotz des guten Klanges, den sein Name hatte, w^t 
Alles leer, dagegen der Beifall enthosiastisch und i5tu^ 
sehend« Schon nach dem ersten Solo wurde er von 
schalleadem Beifall uolerbrocben, und nach jedem Safts« 
zwei bis dreimal vorgerufen, ja, was wir uns noch nie 
gehört zu haben erinnern, er wurde in der Mitto tiaer 



451 



1839. Febmar. No. 8. 



152 



VariazioD anterkrochen, und konnte am Eale derselben 
den Jubelslurm nur durch die Wiederholung derselben 
ftliileB. (Dieselbe Erscheinung wiederholte sich fast in allen 
folgenden Konzerten.) Bei dem zweiten Konzert hofi\e 
man ein ganz volles Haus zu sehen ; aber es waren ge« 
rade wieder dieselben Zahörer — die eigentliche £lite 
jder Mosikliebhaber und Kenner — anwesend. Später 
wurde Herr Moliqoe, dessen seltene Kunst mittlerweile 
der Gegenstand der Konversazion aller Koterieen gewor- 
den, von allen Seiten aufgefordert, sich um die gewöhn- 
liche Theaterstnnde hören zu lassen. Er erfüllte diesen 
Wunsch und spielte nodi 4 Mal in den Zwischenakten 
des Schaospiels, bei stets vollem, tbeils überfülltem Hause, 
«nd mair so doch einige Entschädigung für die beiden 
leeren Konzerte erhalten haben. 

Der letzte Zyklus der Pia:ts'schen Quartette, welche 
von iahre zu Jahre behebter und besuchter werden, 
brachte Meisterwerke von Haydn» Mozart, Beethoven, 
Spojir, Fesca und Veits neuestes Werk, welohes mit 
iebhaflem Beifall aufgenommen wurde; dann zwei Quin* 
tetten von Onslow und eines von Veit. Herr Professor 
Pizis hat sich durch die Aufmunterung dieses wackeren 
Talentes ein neues Verdienst um die böhmische Ton* 
kunst erworben. 

(BcichUtB folgt) 



In Etfurt gab Fräul. Rosatie Girschner am 16. v. 
M. auf Verlangen ein zweites Konzert, bestens von Herrn 
Kallenberg und Fräul. Rost mit Gesängen unterstützt; 
auch die Ouvertüren unter Leitung des Herrn Kapell- 
meisters Golde wurden ausgezeichnet. Die Konzertgebe- 
rin spielte den ersten Satz des Dmoll- Konzerts von 
Kalkbrenner mit Orchesterbegleitung, Lied ohne Worte 
Von Fei. Mendelssohn -Bartholdy, Op. 19, No. 1, Hen- 
8ell*s „Wenn ich ein Vöplein war,** Lob der Tbränen, 
und von H. Herz Op. 7o, und erntete in allen diesen 
Stücken wohlverdienten Beifall. 



Ueber beachtenawerth netie Oboen- Rohre, von in- 
lättdisobem Holze verfertigt, haben wir 1837 S. 568 einen 
Aufsatz milgetheilt, welcher zudeich die Zubereitung sol- 
cher Köbre deuiUcik machte. Man hat diese Auseinan- 
dersetzung nicht unbeachtet gelassen, was im Voraus 
angeuomoien werden konnte, da die Sache selbst von 
Wichtigkeit für alle Oboisten sein muss. Jetzt verneh- 
men wir, dass nach verschiedenen Versuchen diese Bohre 
von inländischem Holze zwar allerdings einen guten Ton 
gehen 9 dass hingegen der einmal angeblasene Ton sich 
nicht so gut weiter bilden noch modinziren lasse, als es 
auf gut gearbeiteten Röhren von amerikanischem Holze 
geschehen kann. Das wäre also ein bedeutender Nach- 
theil, wenn sich diese Erfahrung überall bestätigte. Da 
wir selbst aber von dem Erfinder auf solchen neuen, 
von teutscbem Holze verfertigten Röhren die schönste 
Weiterbildung des Tones sowohl bis zum stärksten Forte 
als bis zum leisesten Piano vernommen haben, so blei- 
ben mehrfache Versuche noch immer sehr rathsam, wozu 
wir hiermit vop Neuem aufmuntern wollen. Es ist zwar 



möglich, dass das inliadiscl» Holz nicht so viele Vibra« 
zionen zulässt, als das bisher gewöhnlich dazu verwen- 
dete Schilf, alleki es ist auch möglich,, ja nach unserer 
Erfahrung wahrscheinlich, dass jenes nicht vollkommene 
Gelingen in irgend einem Fehler der Bearbeitung oder 
in einer nicht sorgfältig genug angestellten Wahl des 
Holzes seinen Grund hat, der durch wiederholte und ge- 
nauere Proben beseitigt werden könnte. Die Sache selbst 
ist zu wichtig, als dass man sie ohne Weiteres fallen 
lassen sollte» 



Feuilleton. 

Immer mehr wird Beethoven io Fr«Bkreich aoerkaont. Die 
Kevoe mosicale briogt io. einem, 18 Spalten rüirendeo, ArtilLel von 
6. E. Aoden AatEÜge aos des ,, Biografischen Notizen von We- 
geier and Riet;'* die Fraoee masieate veriprieht in No. 3, das 
gaaae Werk aach and naeh übersetzt mitzutheilen, apd hat la 
No. 4» 6 and 8 den Anfang damit gemacht. lAls Ueberaetzer nn- 
tereeichoet sich E. Döhfer.) — Wie die teutscbe Hasik überhanpt 
in Paris gesehätzt wird, beweist das Programm des ersten dies- 
jährigen Konzertes im dortigeo Rooservatorium r Sinfonie (Ddnr) 
von Beethoven; Satz aas dem dritten Qnarteit von demselben; 
Ouvertüre zu Earyanlbe von Weber; Oao Tür 2 Klarinetten von 
Bärmaon; Psalm von Händel; Stücke aas dem Ries'scbeo Orato- 
riam: Der Triamf des Glaubens: ~ wie roaa siebt, Alles von 
Teatseben. — Freilich ist eine Bemerknng ia der France mosi- 
cale aicht ohne Grund : „Die Teatseben (nnd Italiener' haben ans 
(den Franzosen) so viel von ihrer Musik gegeben, dass ihnea selbst 
nicht mehr viel übrig geblieben ist and dass sie die Hasik jetzt 
von ans nehmen.*' 



Im Haag hat HaUvy't Guido und Ginevra attsserorMntlichea 
Beifall gefunden. Di« Oper, welche vortrelBieh aufgeführt wurde, 
erklärt man dort für des Komponisten Meisterstück. — Dabei müs- 
sen wir ein Curiosum erwähnen. Eine französisehe Zeitschrift 
sagt: „Die Orgie jener Oper ist gut, aber sie gleicht dem Anfange 
4e» Jünften Akts im Don Jaan.*' 



Die Zahl der Pariser Komponisten» welche im Jahr 1838 oeae 
Opern geliefert haben, beträgt IC. (Im Jahre 1837 waren es nur 8.) 
Unter ihnen werden Meyerbeer und Auber vermisst; doch hofft 
man, sie werden das Versäumte bald nachholen. 



Dantan In Paris hat die Büste Dont'zettft verfertigt, welche 
aasserordentHch ähnlieh sein soll. Sie hat ,,nn caracl^re de ve«- 
rite etane expression grave, profonde, meditative, qai saisit d*abord 
Tattention. ** Ob diese Beschreibaag so ganz auf den beliebtea 
Komponisten passt? 



Den zahlreichen Albums^ welche für 1839 erschienen sind (s. 
oben S. 46) ist noch ein Brüderleio beizofügeo; die ToolLÜostler 
SU Orteana haben ebenfalls der ,,Albumomanie** gehuldigt und eig- 
nen Band mit ihren Werken gefiilH. Das beste Stück daranter 
ist von PoUet. 



Eine Ordonnanz des Riioigs der Franzosen hat verordnet, dasa 
in allen königlichen Uoterrichtsanstalten Gessng gelehrt werdea 
soll. Man verspricht sich vief von dieser neuen Einrichtung. (Iq 
Deutschlsnd gibt es wohl kaom eine Dorfschule, wo der Gesang 
eicht einen wesentlichen Theil des Unterrichts bildete.) In Folge 
dessen ist unter Andern Herr von Bruq in Toulouse and Herr 
Carr^ in Rheims als Gesanglehrer angestellt worden, beide tüch- 
tige Musiker. 



Die beiden Blinden von Orleans, In Orleans seheint die Mase 
der Tenkanst den BUaden gaaa besoodera günstig sa seinj es gibt 



15S 



1839. Fdiniar. No. 8. 



154 



dort zwei Tortrsfiiehe, dei GesiehtsiDiit beMo^te Organisteo, Hern» 1 
Marias Goeit «ad Herrn Dapay; Der firstere spielt lugleieh sehr 
gat Violooceil, der Zweite stimmt seine Or^el selbst. — Ein an- 
derer — tber sehender — tüchtiger Orgelspieler ist HerrBoulaa- 
^er ZQ Beanvais, welcher kürz lieh eine treffliche, kontrapanktisch 
gearbeitete Messe von seiner Komposizion aufführte. 

Dia Pianistin PrinL Kathinka. vqh Diet» , wetehe vor einiger 
Zeit dnreh Dentsehland reiste, ist nach Paris zurückgekehrt $ da- 
gegen hat Sophie Lowe Paris wieder verlassen, wo sie glänzen- 
den Beifall fand. — Anch die masikalische Familie von Konttki, 
deren sich wohl die Rnoslfrennde Teotschlanda noch erinnern, be- 
findet sich jetzt dort ; am meisten gerdllf Anton, der Pianist, nnd 
Karl, der Geiger. Anf Letzteren hat das dankbare Versailles, wo 
er zn wohUhätigem Zwecke Konzert gegeben, eine silberne Me- 
daille prägen lassen. 

In Brest ist eine neue Oper. Celestine mit Namen, anfgeführt 
worden. Dies ist eben nicht besonders merkwürdig. Aber der 
Komponist , Herr Felix Uardy , ist ein Offizier , Kapilatn im 65. 
Liaiearegimente, und das ist merkwürdig genng. Unsere Zeit» ao 
aebr sie sich in Extremen gefäUt, führt auch Extreme znsammen ; 
hier verbindet sie das Schwert des Kriegers harmonisch mit dem 
Griffel des notirenden Tondichters. Die Oper hat^ nach dem fran- 
zösischen Spraehgebraaehe, ebtenn nn sacees eomplet. 

Anf dem Theatre de Renaissance in Paris werden zwei neue 
Opera einatudirt; die eine voa dem bekannten Mainser-, La Jae- 
querie; die andere von GrUar: L*ean merveillense. H^ Clapitton, 
Komponist der Figurante, schreibt an einer nenen^ einaktigen 
Oper von St. Georges. 

Die Hugenotten setzen ihre Reise oder vielmehr ihren Triamf- 
log dnreh Europa fort. In ßreet haben sie den grSssten Enthn- 
siasmna hervorgebracht, nnd die Direkzion hofft einen bedeutenden 
Gewinn daraus zu ziehen. — Eben so in Antwerpen, — Welche 
Metamorfoseo müssen sich aber anch diese armen Hugenotten ge- 
fallen lassen ! In München hat man sie nnd ihre Gegner In Ang~ 
Ukaner und i*i/n7flwar verwandelt ; in J^ien tanft man sie jetzt in 
Gkibellinen und Gueffen nm. Die Bühnendirektoren müssen jetzt 
Geschichte studiren, nm dergleichen Parallelen finden und anwen- 
den Btt kSonen. 



Begine^ die neueste Oper Ad. Adam\ hat in Paris entaehie- 
denes Glück gemacht. Die Fabel — Scrihe ist der Dichter — 
ist kurz folgende: 

Regine von Wolberg erwartet »u Doakirahen ihren Bruder^ 
einen Emigranten. (Das Slüek spielt im Jahre 1793.) Der Maii^ 
bittet sie , ihm einen Saal zu leiben , worin er zu Ehren der Na- 
zion ein grosses Fest geben will ; um Verdacht zu vermeiden j be- 
wilfigt sie ea& Jetzt erscheint ein junger Mann , als Soldat ge- 
kleidet; die junge Gräfin hält ihn für ihret Bruder, den nie sehr 
lange nicht gesehen hat, und empfängt den Erstaunten aufs Zärt- 
lichste. Da mittlerweile die Volksfrenode sich versanimelo, so 
wird der Fremde — ein gemeiner Soldat, der hier nur in's Quar- 
tier soll — in ein Nebenzimmer versteckt, wo ihn jedoch die Amis 
du peuple bald auswittern. Man hält ihn für einen Verdaclttigen, 
die Gefahr Ist gross ->- da gibt sich der Mensch für den Gemahl 
der Gräfin aus , die guten Republikaner sind hiermit ganz zufrie- 
den — und der erste Akt schliesst. — Der zweite spielt in der 
Mähe von Austeriitz, einem Dorfe am Rhein (!), auf dem Schlosse 
von Reginen's alter Tsnte. Die Nichte soll heirathen, erklärt aber 
zum Entsetzen Aller, dass sie schon vermählt sei, und zwar mit 
einem gemeinen Soldaten^ der in den Reihen der Republik kämpft. 
P15tzliek erscheint eine Abtheiinng der alten Garde; ihr Oberst — 
wer könnte es anders sein, als der schnell avancirte junge Ge- 
mahl? Zu Jedermanns Vergnügen lo«t steh so der Knoten (?) auf. 

Die Mnsik, heiast es, ist leicht, gefällig, elegant, dramatisch^ 
mit Geist und Geschmack zusammengeseUt; kein Zweifel, dass sie 
den Rhein bald überschreiten wird. 



Die Revue et Gaaette nnsicale vom 5. Januar d. J. enthält 
bei Gelegenheit einer Untersaehung über die Horazischen Ambu- 
bi{/ae Bemerkungen über syrische , egyptisehe u. dergl. Musik. 
Freunde der Kunstgeschichte werden ea interessant finden, die An- 
gaben des französisrhen Geschichtforsehers (Leeomte) mit den 
Ansichten Kiesewetters zn vergleichen , die derselbe in setneu 
neuesten Werke ^yUeher die Musik der neueren Griechen^ (Leip- 
zig, bei Breitkopf nnd Härtel, 1838) aufgestellt hat. 



Wer hätte nicht von Musard ^ dem Pariser Strauss, gehört? 
An einer Strassenecke in Paris prangten neben einander eine Ein- 
ladung Musard's zn einem Balle , und eine Ankündigong von Mo- 
zarfs Werken. Da sagte Jemand: 

Ne vas pas , o public jobard, 
Prendre itt Motart pour Muserd, 
Nimmer verwechsle man doch den göUliehea Mozart mit Musard \ 
Jener bewegt uos das Herz , dieser den hüpfenden Fusa. 

Der 42. Psalm von Mendelssohn - Bartholdy ist kürzlich 
in London unter )tfoscheles Direkzion znr Freude aller ZxMvtf 
zu Gehör gebracht worden. Die Solopartieen sangen Miss Pening- 
tow (Sopran) nnd Miss Dobly (Roatralt), Beide Zöglinge der k»- 
nigUehea Akademie. 

Die Direkzion der grossen Oper zu Paris wird aus den Hän- 
den des Herrn Doponchel in andere geschicktere übergehen. Maa 
hat bereits mit verschiedenen Männern Unterhandlungen ange- 
knüpft, jedoeh bis jetzt ohne Erfolg. Der gegenwärtige Zustaad 
jenes Instituts ist höchst beklagenswerth und erfordert schleunige^ 
kräftige Abhilfe. — So versichert die France musicale. Herr Dn- 
penehel selbst widerspricht diesen Behauptungen. 



Benedikt In London, der Komponist von Gipsy*s Jf^'arning, 
bat eine neue Oper geschrieben , ^ie nächstens anf dem Dcnryla- 
netheater anfgeführt werden wird. Ebenso eine neue Oper von 
dem Engländer Bamett, und eine von dem Irläoder und faefcana- 
ten Komponisten Baffe. Letzterer hat vor Knnem in seiner Va- 
terstadt Dublin, die er seit 16 Jahren nicht besuchte, einen enthu"' 
siastisoben Empfang gefanden. Balfe ging sehr jung nach Lon- 
don , wo er als Geiger am Drurylanelheater angestellt wurde. 
Von hier begab er sich aufs Festland, brachte 10 Jahre zum Theil 
in Italien, zum Theil in Frankreich zu, und widmete aich dort 
eifrig dem Studium des Gesanges und der Komposizion. Seit eini- 
ger Zeit ist er nach ßritannien zurückgekehrt; in Dublin gab er, 
unterstützt von dortigen und mitgeSmmeoen Künstlern, mehrere 
Opern mit dem grössten Beifatte — eine zn seinem Benefiz ver- 
anstaltete Vorstelloag brachte 2S0 Pfund Sterling ein. Ihm zn 
Ebren wurde ein glänzendes Banket gegeben, nnd am folgenden 
Tage überreichten ihm seine Landsleute eine kostbare goldene 
Dose, welche in erhabener Arbeit die irländische Harfe nnd deir 
Nsmenszug des Gefeierten trägt. ^— Uebrigena ateht die Kunst in 
/r/a»cr keineswegs auf einer behau Stufik 



Zahllea sind die Konsertf^ Paris. Unter den regelmäeii" 
gen zeiehoeo sich besonders ans die des Kooservalorioms (Ecole 
Koyale de mnsique), dfes kSoiglichen Athenäums, des Deutseben 
Zimmermann , Professors am Konservatorium, u. A. Bei der Le- 
gion der Virtuosen , welche sich dort antbakea , finden natürlich 
auch sehr viel iuterasaattie Bztrakenserle sUtt. Eine Pariser Mode 
von ganz eigener Art ist es, dass auch mehrere Zeitscbriflen Kon- 
zerte fdr ihre Abonnenten geben, wo diese natürlich freien Ein- 
tritt haben. So die Revue et Gazette musicale, der Minstrel(Me- 
neafrel) u. A. ^- Wir haben oben das Programm eines Kon- 
zerU im Konservatorium mitgetheilt; hier ein anderes: Quintett 
in D von Mozart (die Herren Alard, Cuvillon, Croisilles, Lenepven, 
Cbevglard),* ein Gesangstück von Delaprt (Herr Alizard) ; Fantasie 
für das Violoncell (Cbevillard); Szen^lius Alceste von Lnlly (Ali- 
zard); Sonate Tür Pianoforte und Geige von Beethoven, Kreutzern 
gewidmet (Mad. Wartel, Herr Alard) ; Fantasie für Hörn (Gallay); 
Klagen eines jungen Mädchens von Schubert, nnd Au fenf veaCl*- 
plifOB (Maden. d^HennieX 



153 iOS9, Febraar. No. 8. 156 

Anliiliidlyaiiyeii. 
SUBSGRIPTIOlf 8 - ANZEIGE. 

Da der Vorralh unserer rrüheren Aosgabo der 

Partltiir Ton Mozart's Don «Inan 

erteböpft ist, haben wir ans entschlossen» daron 

eine nene Ausgabe^ 

die durch grösste Eleganz des Stiches und möglichste Korrektheit den Anforderungen der Zeil, wie den Werthe 
des. Werkes entsprechen könne, sn veranstalten, und dieselbe noch im Herbste dieses Jahres den Freunden und 
Verehrern Mozart*s su übergeben. 

Diese neue Ausgabe wird neben dem teutschen Texte (nach Roehlitz*s Bearbeitung) auch den italienischea 
enthalten, und wir brauchen kaum zu erwähnen, dass dieselbe ganz vollständig sein, also auch alle, bei den ge- 
wöhnlichen Theateraufliihrungen wegbleibende Redtative u. s* w. enthalten werde. 

Bei der Sorgfalt, die wir auf die Herausirabe verwenden, nnd^der Schönheit der änssern Aositattiing derselbea 
wird sich der Ladenpreis bedeutend höber stellen, als der der früheren Auflage. Wir haben uns jedoch, im Inter- 
esse derer, welche sieh dieselbe anzuschaflen gmlenken, und im Vertrauen, dass unser Unternehmen eine recht 
warme Aufnahme finden werde, entschlossen, 

eine fiabserlptlon 

in eröffnen, und den Preis der neuen Ausgabe fiir alle diejenigen, welche bis Ende Auguit iie$e$ Mvrei darauf 
sttbscribiren werden, auf 

Zwölf Thaler oder Achtzehn Gulden Conv. -Münze 

za stellen , während der mit Erscheinen des Werkes eintretende Ladenpreis 

Achtzehn Thaler oder Siebennndzwanzig Gulden Conv. --Münze 

betragen wird. 

Da wir das Verzeiehniss der verehrlichen P. T. Herren Snbeeribenten, die uns in unserem Unternehmen nn» 
terslütz^, dem Werke selbst verdrucken wollen, so ersuchen wir Sie, uns ihre Namen, recht genau und deutlich 
geschrieben, bis spätestens Ende August dieses Jahres, mit welchem Termine die Subscription unwiderruflich ge- 
Schlössen wird, einzusenden. 

Die neue Ausgabe erscheint in einem sehr starken Folioband auf feinstes Musikpapier gedruckt und wird mit 
dem von bewährter Künsllerband gefertigten Portrait des unsterblichen Tondichters geziert sein. Wir denken dieselbe 
spätestens Ende Septemhe;* dieses Jahres, und zwar für die Herren Subecribenten elegant cartonnirt, auszugeben. 

Alle solide Buch - und M usikhaodlungen nehmen Subscriptionen an. 



Leipzig, am 15. Februar 1839. 



nreiiKmpt A HftrteL 



Bti UBfencitliMlem tMelüan to cbca : 

Portrait 

^WOliam üterndale Bennett 

Preis auf Velia 18 Gr. — Preis auf cbiiiesiseliem Pkpier I TUr. 
Fenier wurde« ausd^ffebes: 

Sechs schottische National* Lieder 
mit Pianoforte, 

£^es«Rgett von 

madame JL. Shaw 

in den Konxerten in Leipzig. 
Oriffinaltext mit teulscber Uebersetzung. 

Preis 18 Gr. 
LeMif , den A4. Februar 1859. 



Bei Ast«. HlrseüWAld in ll«r1lii ist fo d>en er. 
und ia allea Baehbaadlmgea tu babeat 

HSser, PriTatdoeeaf Dr. H.» Die neascblicbe Stimme, 
ibre Orgaac, ibre Audiüduf f Me|;e «ad ErbaMaai^ Für 
Siager, Lebrer aad Preaade des GcMmges. 8. Mit t Tairia 
litbograpUrter Abbildaagea, ia 4. gebeftet 17 >4 Sgr. 



Im Verlage voa Karl MTeinllold ia BreclMl ist so 

ebea erscbieaea und durcb jede solide Bucb • oder Mnsihaliea^ 
Handlang zu besieben : 

Sebolx, W. E. y Gnade Soaate pour le Piaaoforte. Oewr. 19w 

Pireia 1 Tbir. 4 Gr. 
Wolf, Jos. Franz^ Offertoriunk. Ave Maria für 4 Siagstim- 

mea aad OrgeL Partitar aad Stbamca 8 gGr. 



Leipzig^ bei Breitkopf und UärUL Redigirt von Dr. G. JV. Fink unter seiner Verantwortlichkeit. 



157 



188 



ALLGEMEINE 

MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den 27'*" Februar. 



J^ 9. 



1839- 



D e r B ä b Uj 

komische Oper in 3 Akten van fF. A. fFbhIbrück, io 
Musik gesetzt von Heinr. Marscfmer. 98s Werk« 
Yollsläodiffer Klavierauszos vom Komponisten. Leip- 
zig, bei JuL Wunder. Preis 7 Tbir. 

Uie Oaverture, meist im schnellen % Tempo mit Aus- 
Bahme eines kurzen Andantino« ^^ Ednr, ist im neue- 
ren Gescbmacke, viel modulirend und vor^v'ärts brausend , 
stark instramenlirt, bat bei der Aufiuhrung in Leipzig 
gefallen und muss sieb, wie fast alle Ouvertüren der 
neuesten Zeit, viel besser für Orcbester, als für das Pia- 
noforle eignen. In der Indrodukzion Irelen Ali (Bass) 
mit seinem Anwald Rholon Gboos (Tenor) einerseits 
und Bäbu (Bariton) mit einem Chore falscher Zeugen 
andrerseits vor den Richter Muton(Bas8), um die Würde 
eines Zumindar streitend. £s geht sehr lebhaft zu, ohne 
viele Unterbrechung All., erst nfiolto vivace, y4, A moll, 
dann Un poco meno'All., y^^ Fdur, Alles in des Ton- 
setzers gekannter Weise, endlich in Cismoll und Edur, 
%, und so nach Amoll, %, zurück. Ali bat sein Recht 
verloren, und der Richter versichert nur, dass das Ge- 
richt in der Form war. Auch diese Nummer fand bei 
einer Konzertaufliibrung eines hiesigen Männervereins 
Beifall. Im folgenden Duett zwischen Ali und Bäbu 
hat sich der Zorn des Erstem noch nicht gelegt und 
Bäbu ist im Besitze kecker geworden ; er hat es gewagt, 
nm Ali's Tochter anzuhalten , worauf Scheit werte und 
Hohn gegenseitig folgen, ds Hauptinhalt des Duetts, 
abermals Molto vivace, %, Gdur. In No. 3 stürzt 
Ali's Tochter, Dilafrose (Sopran) in des Vaters Arme, 
die Wonnen des Wiedersebns duettirend, molto vivace, 
Vs) Es dar 5 in gewohnter anklingender Weise. Die 
Freude geht dann in Thränen über, was ein Andantino, 
%, Asdur, und eine Szene herbeiführt, ähnlich der ge- 
kannten in der Schweizerfamilie, in der Muüik jedoch 
geschmückter, besonders in der Begleitung, worauf daa 
erste Tempo sich ganz kurz wiederholt. In einer sehr 
hübschen, zärtlich Klagenden Romanze mit obligater Be- 

SIeitung, Cismoll, %, Allegretto afiettuoso, macht sich 
as Herz der Verlassenen Luft. Der Gesang ist sehr 
ansprechend, auch die Modulazionen , obgleich vielfältig 
genug nach neuerem Belieben, doch sut und zur Situa- 
zioQ passend gehalten, so dass der Gesang auch in Fa- 
milienkreisen viel wiederholt werden wird. — Forester 
(Tenor) tritt in Rezitativ und Arie auf» froh,, dass er 

41. Jatn^ao^. 



die Todtbeweinte rosig mit dem holden Knaben wieder- 
gefunden hat, ihre Alles opfernde Liebe preisend und 
ihr Treue gelobend, im Style solcher Tfaeaterweisen leb- 
haft durchgeführt. Im Finale, All. brillante, %, Esdur, 
eigentlich vorzüglich im Anfangsgesa nge sich um und in 
Bdur haltend, was jetzt nicht ungewöhnlich ist, rufen 
die geschäftigen Diener von allen Seilen nach Bäbu, der 
auch als Gebieter seine Sklavengewohnheit nicht abge- 
legt hat, eilig sieh bewegend und an die Szene Figaro^s 
im Barbier vonSeviglia erinnernd, singt: ,, Gleich, gleich! 
Ich bin da, ich bin hier*' u. s. w., von obligater Be- 
gleitung gehoben. Nach diesem Spass hört man ihn im 
Presto, %, Bdur, mit Es moll wechselnd u. s. f., was 
natürlich zu vielen Modutazionen Veranlassung gibt, die 
einmal jetzt auch in kleinen Vorfällen nothwendig sind, 
einen reichen Maskenball anordnen, viel und schnell 
schwatzend, sich freuend, beim' Feste die S<;hla nge unter 
Rosen zu sein, die nach Dilafrosen späht, die er mit Ge- 
walt entführen lassen will, wenn sie nicht willig folgt. 
Herrlich ist. Alles geschmückt, er singt sich Bravo! und 
die Diener singen's nach, wie in der Ordnung.. Eine 
geheimnissvolle Lady Wroiigthon (Sopran) unterbricht 
die Szene, mit Bäbu rezitirend, worin sie ihm ztt 
verstehen gibt, dass sie seine Geheimabsicht kenne. 
Nachdem sie sich entfernte, geht auch der Bäbu. Und 
sogleich erscheinen wieder ein paar Unbekannte, Eva 
(Sopran) and Mosely (Tenor). Der Mann sucht im spie- 
lenden % Andantino quasi Allegrelto, Gdur, sie mit 
Freundschaftsversicherungen zu beruhigen. In einem % 
Vivace, etwas sonderbar, weil ohne iunem Grund, mo- < 
dulatorisch geformt, nähert sieh die gute Seele seinen 
treuen Hoffnungen und im Duett haben sie sich gefun- 
den, vergnügt abgehend. Forester, wie die beid^en toU 
genden nraskirt« blickt Eva'n nach, sie erkennend, Dila- 
frose erkennt ihn und Bäbu Dilafrosen. Alle 3 singen: 
„Lass, o Liebe, es gelingen, meinen Vorsatz zu voll- 
bringen, dass mein Loos entschieden sei.'^ Das Ter* 
zettino ist grösstentheils ohne Begleitung und muss aus- 
gezeichnet wirken. Ein rauschender Fesichor der ge- 
ladenen, All. vivace, %, Gdur, macht sich geltend, nicht 
ohne ans C ein wenig in Edur zu stt^eifen ; auch nicht 
ohne Fröhlichkeitsaufmunte.rungen der Lady, die Mosely' 
galant beantwortet, um den Chor von Neuem wirksam 
zu machen. Darauf allerlei festliche Aufzüge, z. B. 
Marsch der Zwerge, komischer Tanz u. s. w. Und im 
Vivace, y4, eilt ifäbu lachend aus dem Tanzsaal und be- 
richtet der fragenden Lady, dass darin ein Zigeuner mit 

9 



1859. Februar. No. 9. 



1^ 



Wahrsageo tolle Scherze treibe, itaaiii ist es eemef- 
det« 80 kommt schon Foresler als Zauberer gekleidet 
aus deü Saal, Ton GXsten aller Art uadräogt, dit ihn 
biltes» seiM Weisheit weiler aass« kramen. Das ge«- 
schiebt erst untergeordneteo Personen, worüber die Gäste 
ihr „Ha ha ha'* im Chore singen. Der Zauberer er- 
greift Mosely's Hand, der ihm lachend ralhei, es nicht 
za toll zu machen. Arlig wird mit Bezug auf Eva dem 
Herrn, für seine Treue baldiger Lohn %'ersprochen in 
einer etwas gezierten Melodie, Das gerällt dem Bähu, 
er wiU sieh atidi wahrsagen lasae«. Naeb knrzer Spsrim- 
ung singt ihm der Wahrsager : ,, Welch ein unerhörtes 
Glück! Denkt, trotz allen Scbiirkenstreicbei», Diebereien 
und desgleichen endest du nur durch den Strick.*' Der 
Bäbu ist wiitheod, verlangt die Maske herunter, allein 
der Chor verlheidigt kurz die Maskenrreibeil. £in Zug 
Matrosen erscheint and singt frisch vivace, wobei sie 
den jammernden Bäbn auf einem grossen Segelinche prel- 
len (!), nnd in ihrem Chore, etwas zu ausgesponnen, 
was dem Votksmässigen Eintrag thnt, fortfahren. Ein 
nicht zu kurzes Nachspiel der fnstruniente ist noth, da- 
mit die Menge sich zurückziehe, denn im Schlnsssatze 
mit Cmoll- Verzeichnung, All. mo)to, y4, eilt Eva heran, 
von Forester verfolgt, der («ewissheit haben will, ob 
sie ihn, den Todigeglaubien, noch liebe oder nicht. Das 
Letzte wird ihm gewiss ; er demaskirt sich, sie ruft nach 
Hilfe; Alles stürzt herbei, während jener entflieht. Der 
allgemeine Chor singt kurz: „Folgt ihm nacbf 

Der aweite Aict bringt uns zuvörderst den bleich 
und verstört hereinstürzenden Forester; noch bange vor 
der Verfolgung, zum Tode erschöpft, gibt er 'sich in Si- 
cherheit dem Schlafe hin, nachdem er vorher, wie bil- 
lig, des Schlummers Sü'ssigkeit besungen hat. Im be- 
wegteren Tempo sieht man Dilafrosen am Gartenfensler 
späheta ; leise öifnet sie die Tbur und tritt mit einer 
Dienerin und ihrem Kinde ein. Während sich die Die- 
nerin am Eingange niedersetzt und den Knaben auf den 
Sehoos nimmt, 'naht sich die Herrin und erkennt den 
noch heiss Geliebten. Forester singt im Traum, wobei 
sich die Missverständnisse anfangs so mehren, dass die 
Liebende nichts mehr in der Welt zu besitzen wähnt, 
als ihr Kind, das sie umarmt, einen Theil ihrer frühem 
Romanze singend. Ihre Liebe zu dem Falschen kann 
jedoch den Gedanken nicht ertragen, auf immer vrtn ihm 

getrennt zu sein; wenifptens will sie volle Wahrheit, 
ie gibt daher ihr Kind in die Hände der Dienerin und 
singt entschlossen: ,,Mag sich denn die Kunst bewäh- 
ren, wie die alten Perser lehren, darss die Seele selber 
spricht.*^ Das Orchester spielt ein sonderbares Alle- 
^retto, y«, Amoll, das, durch viele Fermaten zerrissen, 
in Adur schliesst, wozu Dilafrose allerlei gcheimniss- 
' volle Zeichen macht, sich ihm nähert und. leise seinen 
Namen singt, worauf er ihr im Schlafe freudig antwor- 
tet. Sie schöpft Hofliiung und singt zn ihm im sanften 
Andantino, % : „Gern mag ich die Tage schildern, wo 
dn nimmer von mir wichst, und mit tausend BlumenUl- 
dem deine Dilafrose glichst. Ach, die Zeil kehrt nim- 
mer wieder'' n. s. w. Forester antwortet darauf in 
derselben Melodie, ihr ewige Liebe sichernd, wobei zn- 



tetzC der^ Schtafgesang so weit geht, dass er sogar in 
gezogenen Sylbenverzierungen sich süss macht. Dila- 
frose fiiUt sich von ihrem Glücke ganz überwältigt und 
küsst ihn, wovon er natürlich erwacht. Ein« DiKtt, All. 
con spir^lo, %, Bdur, bricht glühend hervor: ,,Ach, 
er liebt mich!^ Süsses Leben!*' u. s. w. Das Duett, 
ja die ganze Szene, ist mit besonderm Fleiss und Nach- 
drnek behandelt und gehört wirklich zu den wirksam* 
aten und gelungensten Gesängen dieser Oper. Auebiv 
Familienkreisen wird diese ^'ummer den besten Anklang 
'finden ond gern wkfderliülc werden. — Fn Ifo. 8 singt 
die Entzückte ihr^ Freude ihrem Kinde und gebt nach 
gutem Hezitative in ein Lied über, das nur durch belieb- 
tes Moduliren sich eigen zu machen bestrebt und durch 
zn viel verbrauchtes ^lala** veräusscrlicht wird. Im 
Quintett Mo. 9 rückt die Handlung vorwärts. Leise 
schleichen 4 Vermummte (2 Tenöre und 2 Bässe) heran, 
vor denen Dilafrose, die jetzt allein ist, bangt. Der Ge- 
sang ist viel besser, als manche neue der Art, was 
kunstgerechte Verbindung und Haltung betrin; die neu 
gebräuchlich gewordenen Mittel, die auch zu dieser Si- 
tnazion mehr als zu vielen andern passen, stören dorch- 
ans die Wirkung nicht. Auch dieser Gesang wird an- 
sprechen. So entschlossen sieh übrigens die Schöne 
benimmt, so wenig kann sie iet Gefahr entrinnen; sie 
wird entfuhrt. No. 10, ein Männerchor zum Preise des 
Bäbu, ist unbedeulend an sich, kann aber anf dem Thea- 
ter durch des Gefeierten vornehm niedriges Qenehmen, 
wie er die schaalen Lobpreisunfl^en anfnimmt und wie er 
im Sologesänge seine hohe Glücksiage sich* ergötzlich 
macht, schon wirksam komisch werden. Das Orchester 
hat dabei viel zu Ihun und viel zu v,crzicren. Echt ko- 
misch ist dagegen der Chor: „Selig, wem die Götter 
schenken, dass er, fein von Handeln, Denken, ruht und 
ruht und immor raht ; und selbst wenn ihn Ruh und 
Frieden süss ermatten und ermüden, ruht und ruht und 
immer ruht.^* Das macht schon die erste Leere ver- 
gessen; die gut fortgesetzte Persiflage eines niedrigen 
Emporkömmlings, dem Alles huldigt, thut das Uebrige. 
Es ist möglieh, dass dabei sogar die rhythmisch sonder» 
baren Uebertreibungen im Liede Gosain's (Bass) den Hö- 
rer weit minder unangenehm berühren, als uns beim Le- 
sen und Beschauen. Der Kontrast der That des Bäbn 
während der erbauliehen Mahnung, wobei er es sich 
wohlscfamecken lässt und dann sich prächtig schmückt, 
mag die Sinne schon unterhalten. Bäbu*s Lied No. 11. 
„Der Dumme wird immer zur Strafe gebracht, indessen 
der Kluge in's Fäustchen sich lacht <* bat die Aufrich- 
tigkeit des Rausches für sich nndzn viel „hahahaha*^ 
wider sich. (Es kommt auch in dieser Oper zu oft.) — 
No. 12. Szene zwischen dem Emporkömmling und Fo- 
resler, welcher jenen in dessen eigenem Palaste auf das 
Schimpflichste behandelt, wofür sich Bäbu, wie er in sei« 
ner Arie singt, an des kecken Europäers Geliebten rä- 
chen will (wieder mit „bahaha*'). Offenbar schliesst der 
zweite AufzBg nicht befriedigend genug. 

Dritter Akt. ISo. 13. Quintett mit Chor. Eva, 
Lady, Mosel^ und Porester singen im Quartett, ^, 
Bdur, All. giusto: „Vergessen und vei^ben sei, was 



161 



1839. Fdbmar. N». 9. 



102 



«Bg je entoweil, der £iBiitofat.«ei 4e^i»ebeo; derPrSb- 
lichkeit geweiht,'* ohne IflstruiQeiUiillifgleilUBg, kurz iNid 
UiogeAd. Das durdi Figurasüoueo die folgendeD Solo- 
gesaoge verscböiieriide Orebe»4er irill inil dem leizlea 
Tofie des QuarleUs wieder eia, nur von wirdisrboltea 
Qaarieit elwas ■n(erbro«lien. Ali «leldel im All. mdlo» 
%, den Aaub seiner Tochter. 'Alle sind bejUiirsBl, Fo» 
resler ist ausser sieb; man farsr-bt nach den UmsiäHd«9 
und verzweifiell. an der Euldeckung. Endlich fäUi de« 
Liebenden -der 3äbu ein, den Argwohn selbst Ihöriehl 
nennend. Hbr Ali bricht plölzlicb im vollsten Edur aus : 
yyLichl! '* Man wird über^fBUgt und singt, von Forester 
angeleitet^ im- % Presio Aavbe und Web dem Verräiber, 
wirksam genug« JKo. 14. Q)4»r der Fiikir*s Tängi karri- 
kirl an, in d«r ersten Hälfte des % Taktes besser nacb 
der einmal ergriüeuen An gebaltan, als in der zweiie«, 
die durch die T«xLwiederhuluiig nifitler wird. 0er % 
Takt verstärkt die Komik noch weniger. Der erste Takt 
hätte fast ohne Aeiiderung,. M$6er ju der Harmonie, die 
zu viel Gl^iohuiässigBs mit «nder» Gesängen dieser Oper 
bat, beibehalten werden könnenj Zum Gewinne einer ein- 
.heitsvolleren Leere possirlicber Ffömnii^keitr Dennecb 
vird der Spass, wie er isl, vielen Eingang siith ver- 
schaffen. JVo. 15. Finale« in hüpfenden %, Altegretto, 
Edur, hören wir den Babu vor Dilafrosen schmachten; 
sie neckt und versichert, «sie sei nur im Tanze zo fan- 
gen, was «jß munter mit „lalalala*' vor dem Dicken 
zierlich vdJbringi. Nach ««qüizer Wiederholung seines 
Flehens versiu^lu er, aus E- in Cdur fallend, die ewig 
junge Wendung unserer Harmonie, den Tanz; ihr im- 
mer behenderes Necken macht ihn taumelnd bis zur Er- 
schöpfung, w-eicbe es für geraihener hält, den bitlenden 
Anfang zu wiedei'holen ; neues Neuken, neue Anstreng- 
ung des plumpen. Liebhabers« bis er erschöpft auf die 
' OtlMnane sinkt, wähnend, die schöne Huri gefangen za 
haben. Sie^ hinter libn gefiöebtet, lullt ihn vollends in 
sanften Schlaf. Im üezitativ singt sM Allah Dank, dass 
die List gelungen, will raseh die kurze Zeit zur Flucht 
nus dem Hause des Verraihs henutzep , lässi sieh aber 
opernhafler Weise zuvor noch in ein Agitato ein, mit 
Sextolen und SeohzehntheilhegleiAung, die ununterhrn- 
cben in verächiefleiiien StinHneu zu^amnieogeihen, auf dass 
wir erfahren , sie wäre l'utbft 4r«ii dem iGeliebten him- 
melwärts gegangen, als in die Arme des Verworfenen. 
Es ist dies mit der gehörigeii Schwlärmerei ;ßu singen. 
Endlich eilt sie im ne^n üiiziUiwß ^acb der Thiü', die 
leider und natürlich verschlossen ist; sie stösst ein „Weh 
mir!** aus, als sie von aussen Geräusch vernimmt, dann 
verworrenen Kacheruf, endlich die Stimme des Geliebten, 
dessen Namen sie immer lauter bis «um ff ruft. Da 
kommen ängstlich und verstöri die Fakirs herbei in ih- 
rer y*. Weise „Wah! Wah! W4ih;" Auch ihr%-, 
ja der ganze Sang wird wiederholt und ein Bischen angstp 
▼oller gemacht. Jäs nun Forest^ und diejUebrjgen die 
Tbür erbrechen, flücblen sich die Pakire in eine .Ecke 
nad das (Ion spirite, V4, Edur, jubelt von Lusi, Brust, 
Befreiung und GUiick in jedem B.ljck. Nur die Fakire 
singen Wah!, irerratben aber .den schlafenden Bahn 
BJm\, WJts nur Gosain -kann» der Tugendermabner. In 



der Jängern AnsapinMing, die überall «nniilz wird, wo 
der Hauptschlag geschehen isl, zeigt sich, dass Bäbn noch 
immer beirunken is4; er wiii, sie sollen heim gehen und 
wiederkommen, wenn er nüciHern ist. Allein sie singen 
ihm Alle im mollo vivace, wie dem Don Joan, zn: 
„Bebe!*' Der Bäh« weise nidits, als dass , »sein Kopf 
ihm gellt im Kreis herum , und fangen sieh zu lassen, 
das wäre dumm. '< Kurz der Mann ist verloren, die 
Pakire werden hinausgetrieben, und die Zurückgebliebe- 
nen singen von Freud und Wonne, die im % Alle- 
gretlo den Sieg der Liebe feiern , 

Fassen wir nun das Ganze enei^mmen , so können 
wir zwar auch diese neue Oper keine durchaus karak- 
4«rvoll gehaltene nennen. Das gebt bei der überhand 
genommenen Lust, überall das grösste Heil des Origi- 
nellen in allerlei willkürlichen und frappanten Modala- 
zionen, nebenbei in sonderbar rhythmischen Einschnitten 
zu suchen, gar nicht mehr an. Harmonisch streng ge- 
sonderte Führungen und feste , für jeden Einzelnen er- 
lesene Bewegungen, auch im Versoiimelzen der Stimmen^ 
gehören nach unserer (leberzeugung noihwendigzu durch- 
I geführter Karakterhallung. Wo soU diese herkommen, 
I wenn man fast überall gleicbmässig stark modulirt und 
I den grö.ssten Tbeil des Neuen in blos frappante Aus- 
weichung setzt? Dass dies aber seit lange in unserer 
iMusik vorherrscht, wird Niemand so leicht leugnen, mit 
Erfolg gewiss gar nicht, denn die Verwöhnung liegt so 
offen vor, als die zu starke und zu geschmückte Instru- 
nienlirung, welche den Gesang so bedeckt, dass der Sän- 
ger den Karakl>er weit mehr in Stellung, Mienen und 
Gebehrdeu, als in Tönen darstellen kann. Was soll 
sich da der Komponist erst lange um psychologische Ka- 
raklerhaltung in Tönen bemühen ? Erstlich ist sie schwer 
und zweitens verlangt es Niemand mehr und endlieh 
kann man es auf beutige Weise gar nicht. So mittS 
die Weise, wo und wann es Jemand will, von der einen 
Seite einfacher und von der andern viel mannichfacher, 
also im Ganzen geistreicher, dem innern Wesen der 
verschiedenen Fersonen treu angemessen werden. Da- 
bei würde dem Ernste das Tiefere, dem Komischen das 
Feinere, und dem Natürlichen von der einen Seite das 
Begrenzte und von der andern das Konvenzionelle recht 
gut stehen. Das Ohr würde weniger, das Herz mehr 
und mehr gefüllt. Nur ist die Frage , wer das hören 
will? Wäre es nur erst wieder (ia, man hörte es mit 
Vergnügen. — Dessen ungeachtet hat Herr Marscbner 
in dieser Oper wieder einen guten Schritt vorwärts ge- 
than; das Werk ist ohne Vergleich besser, aU seine 
Feucrbratt. Es ist hier weder von einem , nun auch 
scimtt ergrauten Beiiinisircn , noch von einem Französi- 
ren die Rede ; er gibt sich in seiner dem Zeitbegebr an- 
gepassten Weise und hat damit wieder gewonnen , was 
der Aetna verschlang. Ist ihm auch das Unruhige in 
seiuier Unsik, was mit dem Lebenvollen nicht einerlei ist, 
noch geblieben, so bat es sich doch gerade in den we- 
sentlichen Stellen weit weniger geltend zu machen ge- 
suf^bit, nnd' Vieles ist äusserst dramatisch gelungen, so 
dass die herausgehobenen Sätze nicht erst durch Deko- 
razion, Akzion und Orchesterglanz f sondern auch am 



165 



1859. Febraar. No. 9. 



164 



Pianoforte ia F«aiiBenzirkelii dareh sich selbst glucklich 
wirken werden. Wäreo die ÄebDlichkeilen in mancher» 
]ei Hauptszeneo dieser Oper mit andern all(<emeio be* 
kannten, die wir zum Tbeil anführten» zum Theil nicht, 
auch, vom Dichter namentlich, nicht Mos zurallig, son- 
dern mit Bedacht zu Anspielungen gebraucht worden, 
so wäre dies nicht im Geringsien an einer komischen 
Oper zu tadeln, vielmehr würde dies denen, die sich 
daran erinnern, eine gute Unterhaltung mehr geben, da 
es eben nur Anspielungen, nicht Nachahmungen sind. Kurz 
wir wünschen, die Oper möge sich auf den Theatern 
und in Familienkreisen,. die» sich gern mit Theatralischem 
unterhalten, versuchen, damit Teutsches auch in diesem 
Bereiche nicht allein nicht seltsam zurückgesetzt , son- 
dern erwünscht gefordert und dahin gehoben werde, wo- 
hin es unter uns bei nur einigermaassen gerechter Be- 
rücksichtigung bald kommen könnte, 

G. W. Fink. 



K 



e. 



Deutsche Messe ßtr Sopran ^ Ali, Tenor , Boss und 
Orgel kornponirt — von B. E. Philipp. Op. 27. 
Breslau, bei F. £. C. Leuckart. Preis l'A Thir, 
Gleich der erste an die Stelle des Kyrie getretene 
4stimmige Gesang ist liedennässig leicht und freundlich 
gehalten, was die 3 Textstrofen mit sich bringen; sie 
enthalten das reumülhige Bekenntniss der Schuld mit Hin- 
weisung auf das Versöhnungsopfer, wie gewöhnlich. Das 
Gloria (Gott soll gepriesen werden) hält sich ,, massig 

Seschwind** in demselben Tone, nur in der Mitte an 
ie schlichteste Molettenform streifend. Das Credo: 
„Allmächtiger! vor dir im Staube bekennt dich deine 
Kreatur'^ ist ein taktmassig und unisoniscb (bis auf die 
letzte Zeile der dritten Strofe) gesungener Choral, des- 
sen Harmonisirung der Orgel gegeben worden ist. Das 
Offertorium, Sanctus, nach der Wandlung, das Agnus 
und selbst der Gesang zum Beschlüsse sind sämmtlich 
kurze Arietten fast volksthümlich gefälliger Art, aber 
nicht unangemessen. Der Textinhall und die Form der 
Reime stehen auf derselben Stufe. Die Or^el ist aus- 
gesetzt, leicht zu behandeln, und verknüpft durch kurze 
Vor-, Zwischen- und Nachspiele die schlichten Rhyth- 
men des Gesanges, welche kleinen und für Grösseres 
noch nicht hinlänglich geübten Chören zu empfehlen sind. 
Grosses und Kunstvolles passt nicht für Alle. 



1} Die heilige Passion unsers Herrn in sechs Fasten^ 
andachten zusammengestellt von Karl Reinthaler. 
Mit Sangweisen und Saitenspiel dazu von demselben 
zusammengestellt. Erfurt, im Martinsstifte. 1837. 
%) Gesänge und Lieder zu einer hohen Feier der hei- 
ligen TatiJ^e. Eine musikalische Beilage zu Jeder 
evangelischen Agende von Rarl Reinthaler. Eben- 
daselbst. Preis 10 Sgr. 

Von den Andachten selbst, die unserer Benrtheilung 
nicht zufallen, erwähnen wir nur, dass sie nach der Bi- 
bel mit vielen Liedersälzen durchwebt und so kurz ge- 



halten sind, dass aHe sechs auf 48 Seilen stehen« Die 
Spruchlieder f S. 49 — 67, bezieben sich sämmtlich auf 
die Uauptvorfälle und Aussprüche Jesu während der Lei- 
denszeit, die in den Ueberschriften angegeben worden 
sind, z. B. 2) „Jesus Sähe die Stadt an, und weinete 
über sie;'^ 3) „Jerusalem, wie oft habe ich deine Kin- 
der versammeln wollen**^' u. s. w.; 44) „Sie werden 
sehen, in welchen sie gestochen haben ;*^ und endlich 
45) „Maria Magdalena und Maria Jesus setzten sich ge* 

fen das Grab und der Sabbath brach an,'< wozu das 
lied gewählt worden ist : Mag auch die Liebe weinen, 
es kommt ein Tag des Herrn u. s. w., von Krumma- 
cher, komponirt von Aug. Härder. Man sieht darans^ 
dass nicht blos Lieder und Komposizionen älterer Mei- 
ster, sondern auch neuere gewählt worden sind, z. B. 
von G. W. Fink, Hans Georg Nägeli, Heinr. Stolze 
u. A. — Die Sang^-eisen sind besonders nnmerirt, 
eng, aber deutlich gedruckt, in der Regel gut 4stimmig^ 
nicht allein Choräle, sondern auch andere fromme Sang- 
weisen kurzer und guter Art, z. B. mehre von Bändet» 
Christoph Agthe, Hfeinr. Lansmann, Einiges vom Her- 
ausgeber selbst, auch von J. B. Nanini und Responso^ 
rien-Aehnliches nach Palestrina. Für solche Zwecke 
trefflich gewählt und vielfach nützlich. Man erhält auf 
80 Seiten 114 Sangweisen. Dichter und Tonsetzer sind 
soi^fältig angezeigt. Hat der Herausgeber nicht überall 
die neuesten Untersuchungen dabei beachtet, so ist er 
deehalb nickt in Anspruch zu nehmen, da er von weit 
wjchligern Geschäften in segensreicher Thätigkeit fest- 
gehalten wird. — Die Taufgesänge leiten mit einem An^ 
rufe des Dreieinigen nach einem 48timraigen Gesänge 
Palestrina's ein, worauf mit dem Texte eine Anrede der 
Taufzeugen fol^l nach der Melodie : „Liebster Jesu, wir 
sind hier;'' die Taufe des Kindes nach einem Chore 
von Palestrina : „0 gnadenreiches Lebensbad, <^ welcher 
auch wenelassen und dafür eine Choralmelodie gewählt 
werden kann. Ein 4stimmige8 Dankgebet und d4;r Se- 
gen beschliessen. Das Ganze nimmt einen Bogen ein. — 
Bedenkt man noch, dass diese zweckdienlichen Ausgaben 
zum Besten einer Anstalt dienen, welche Kinder und Er- 
wachsene aus Versänmnngen und Verwahrlosungen aller 
Art geistig und körperlich zu erretten sich cbristlichtrett 
beeiferl, so wird man sieh dreifach angefordert fühlen, 
darauf bestens Rücksioht zu nehmen. Der Segen dieser 
schon lange bestehenden Anstalt ist kein geringer und 
die Werke selbst sind. Schulmännern nützlich. 



Nachbichteih. 



Ptag. (Beschluss.) Von unserer Theaterdirekzion 
war zum Vor I heil der Dem. Josephine Eschen „ Graf 
Ory^* von Rossini, neu in die Szene gesetzt worden; 
mit dieser Wahl aber hatten beide Theile ein höchst 
verunglücktes Experiment semacht. Es ist in Prag, selbst 
für die entschiedenen Lieblinge des Publikums, ein miss- 
liches Unternehmen, ein dramatisches Werk zn bringen, 
das nicht neu und vielversprechend ist, geschweige eines^ 



les 



I8S9. Febraiuc. No. 9. 



166 



das schön in IVSherer Zeil dem Pablilam nicht gefallen hat. 
Die iknplarsacfae des Nichlgefallens dieser Oper, die 
doch manche hfibsche Narnmer enthält, dürfte wohl sein, 
dass si« nicht allein mehrere gute Sänger, sondern lau- 
ter gut« Schauspieler erfordert. Hier sang IHad. Pod- 
horsly (Gräfin) und auch theilweise Herr Sirakaty (Rain- 
baut) sehr gut, dagegen spielte Herr Demmer — bis auf 
einige Uebertreihnngen — recht wacker, und gab sich 
wenigstens alle Mühe, gut zu singen. Der Edelknabe 
ist eine der besten Rollen, die wir noch von Dem. Eschen 

Sesehen; laber die Stimme des Hofmeisters kann nur von 
em Gesänge der Pförtnerin noch überboten werden. 
l¥er anch nicht einen Ton in der Kehle hat, sollte bil- 
lig der IMübe überhoben sein , zur Verzweiflung der 
Zahfirer dennoch zu singen. 

Zum Voriheile *) der Dem. Henriette Rettig wurde 
;inch ^yUdalrich und Bozena,** romantische Oper in drei 
Akten von Ferd. Valentin Ernst, Musik vom Kapellmei- 
ster Franz Skranp, nen einstudirt und in die Szene ge- 
setzt — wann werden wir wieder einmal über eine Neuig- 
keit zo berichten haben? — bei ganz leerem Hause auf- 
Jefahrt, und einmal wiederholt, obschon Dem. Grosser 
ie Bozena recht wacker gab. — Sogar ,,Das Donaa- 
-weibchen'* (erster und zweiler Theil) erschien auf un- 
serer Bühne neo in di^ Szene gesetzt (!). Wahrschein- 
lich folgt diesem Meisterwerke bald aocb ,,Hieronymns 
Knicker*' nnd die „Christliche Judenbraut.'' — Dem 
Lustspiele: „Abenteuer einer Nenjabrsnacht, oder die 
beiden Nachtwäehler," von W. A. Gerle, welches seit 
einer Reihe von Jahren gewöhnlich am Sylvesterabend 
wiederholt wird, war in der letzten Aufführung am 21. 
Dezember 1838 ein musikalisches Quodlibet angefügt wor- 
den, zn welchem sich das ganze Opernpersonale und Bal- 
letkorps in gewählten Masken aus den theils neuesten, 
theils beliebtesten Opern unseres Repertoires vereinigte. 
In Jinnter Mischung erschien hier Lucia von Lammer- 
moor und der Geist aas>.Don Juan, der Alchymist und 
seine Tochter, und der Sehlosswärter aus dem „Schloss 
Waldegg," die Pächterin aus dem ,,EJisir d*aniore" 
nnd Halevys Eleazar, Belisar und Alamir, der nngiiirk- 
liche Nebenbuhler des Romeo nnd Nettchen aus der Syl- 
phide, Gräfin Isabelle und der Stiefelputzer Hutzibutz 
aus Nestroy's vier Temperaroenten. Gar Manches wurde 
mit verschiedenem Glücke gesungen« Im Ganzen gefiel 
das Quodlibet, und Herr Feistmantel, welcher einige ko- 
mische Schlussstrofen sang, wurde hervorgerufen. 

Unsere Bühne brachte im verflossenen Jahre zwar 
15 Neuigkeiten, nämlich 6 Opern : „Bdisar," ,, Die Ju- 
din," 9, Die Braut von Lammermoor," 99 Die beiden 
Schätzen," „Der Alchymist" und „Ludovic," wovon 
sich die drei ersten auf dem Repertoir erhielten» und 
die letztgenannte einen furchtbaren Fiasco machte. Dann 
9 Possen mit Musik, die fast alle durchfielen. Neu ein- 
studirt wurden: „Cosi fan tntte," „Titus," „Richard 
Löwenherz/* und die beiden verschollenen Possenspielet 
,, Rochus Pumpernickl" und „Hans Klachel." nanu 



man das eine kunstwiirdige, zweckmässige nnd gole 
Verwendung der vorhandenen Opernkräfte nennen? 



*) B9\ die«en beiden letsteB BeoeflziaBtiMeo k&tte ea andi: 



fVien. Musikalische Chronik des 
vierten Quartals 1858. 

(Bcfchlosi.) 

Indem wir zu den diesjährigen Winterkonzerten 
rooduliren, fühlen wir uns berufen, nicht allein ans an- 
geborner Gastfreundschaft, sondern auch aus bester tleber- 
zeugung das Referat mit einem überaus werthen Gaste» 
dem königl. würlembergschen Hoforchesterdireklor Herrn 
Bernhard Moliane^ zu beginnen, welcher uns nach einer 
viel zu langen Zwischenpause von 9 bis 10 Jahren wie* 
der einmal mit einem ersehnten Besuche beglückte. Was 
er in den drei ersten Konzerten, an welche noch ein 
Paar sich anreihen sollen, zu Gehör brachte, war, dem 
kalten Buchstahen nach: 1) Konzert in Dmoll (auf Ver- 
langen wiederholt); 2) desgleichen in Adur$ 3) Fant«- 
sleen über Motive aus Norma (ebenfalls wiederholt) und 
üher Schweizerlieder; 4) Rondo capriccioso ;* 5) Varia- ^ 
zionen auf ein Originalthema. Rechenschaft aber zn ge- 
ben von jenem unbezähmbaren Enthusiasmus, welchen 
sein wunderherrliches Meisterspiel in^s Leben rief, möchte 
allerdings schwer werden. Da tritt er hin in anspruch- 
loser Bescheidenheit, ein stattlicher, blähend anssenender 
Mann, und setzt das Instrument an, welchem seine künst«- 
lerische Weihekraft Zauberktänge entlockt, nnd fuhrt 
den magischen Bogen mit eleganter Grazie, in wohl- 
thuender Ruhe und scheinbarer Leidenschaftlosigkeit ; und 
jeder vereinzelte Ton geht hervor, selbständig an und 
für sich und wie Perlen mit andern verbunden ; nirgend 
auch nur der fernste Anklang moderner Seillänzerkün- 
stelei oder bizarrer Cliarlatanerie , sondern fiberall kla- 
rer besonnener Ausdruck, eine zum Herzen dringende 
Weichheit der Tonbildung, eine Reinheit und Leichtig- 
keit in den schwierigsten , doch immer blos als Staffage 
angebrachten Figuren und Kombinazionen (wie z. B« 
wenn über rauschenden Triolen in der hohen Applika- 
tur die vollständige Melodie des Thema mit herauskhngl). 
Ist nun aber der seltene Künstler den höchsten Gross- 
würdenträgern unter allen bekannten Violinvirtuosen bei- 
zuzählen» so wird man andererseits versucht, ihn als 
schaffenden Tonsetzer beinahe höher noch zu stellen. 
Seine Komposizionen tragen insgesamt das Gepräge 
echt poetischer Inspirazion, und gemahnen lebhaft an 
Mozart's und Beethoven's klassische Vorbilder. Das Or- 
chester repräsentirl einen selbständigen, unabhängig freien» 
doch mit der Prinzipalstimme im engsten Rapport stehen- 
den Tolalkörper; die durchaus edeln, bedeutsamen, geist- 
reich erfundenen Themen spinnen gleich einem Goldfa- 
den sich Ibrt durch das Ganze, welchem konsequente 
Einheit den Stempel hoher Vollendung aufdrückt. Be- 
sonders reizend sind die sentimentalen Sätze, die roman- 
zenförmigen Larghetto's und Adagio's, welche eine glü- 
hende Fantasie athmen, nnd worin jede Note zum Her- 
zen spricht. Möchte es dem Meister einmal gefallen» 
im sinfonischen Style sich zu versuchen, man könnte ihm 



ler 



1859. Febniar. No. 9. 



168 



4eii gläozendslen JSrfok profezeieo ; denn er ist gebo- 
ren zum Beherrscher komplizirter Instrumentalmassen, 
wie irgend nur Einer seiner lebenden Runstgenossen.— - 
Schliesslich sei noch erwähnt, dass Moliqae auch einer 
Ho(k»niinermiisik zugezogen and durch nie kaiserlicke 
Anerkennung beehrt wurde. 

Thalberg ^ welcher bekanutermaassen gegenwärtig 
anf der grossen Tour nach St. Petersburg sich befindet, 
spielie zuerst in der Tom adeligen Fraueuverein gegebe- 
nen Woblthäligkeitsakademie, und dann noch in seinem 
Abscbiedskonzerte. Wie in einziger Art und Weise er 
seine Fantasie über Motive aus Moses» die variirle Ro- 
■MiBze ans Donna del lago» so wie jene der Beelhoven- 
schen Sinfonieenthemen , nebst den höchst eigenthümli- 
d>en Etüden ausführte, davon kann in diesem Augen- 
blicke Nordteutschland durch Obrenzeugensch'aft sich be- 
lehren. — Auch Herr C. M. von Bocktet liess sich dreimal 
hören; seine Wahl, mehr den Kenner berücksichtigend, 
fiel auf folgende Objekte : Präludien nnd Fugen von Seh. 
Baeb, inCdur, Cmoll undCisdur; Beethovens Konzert 
in Es; Concert fantasique von Moscbeles; Konzertstück von 
Weber ; die als Solostück arrangirte Ouvertüre zur Eu- 
ryanthe; das Beethovensche B-Trio; und jedesmal am 
Schlüsse sine freie Fantasie ans dem Stegreif. In spi- 
riUieUer Auffassung und technischer Behandlung seines 
Gegenstandes, so wie in der Befähigung zum Improvi- 
siren darf Bocklel, obwohl er auf der Künstleriaufliahn 
den Rubicon bereits überschritten, immer noch keine Ri- 
valität scheuen; wenn indessen der laut erschallende Bei- 
fallszoll mit dem spärlichen Besuche gar zu aufiallend 
abslach , so dürften die Grundursachen wohl in jenem 
extravaganten Geschmacksumschwunge zu suchen sein, 
welchen in neuester Zeit Epochenmacher, wie Liszt, Cho- 

tin u. s. w. bewerkstelligten; und es steht demnach 
illig zu bezweifeln, ob esgiit, recht und vor Allem klug 
gethan war, aogeuscheiulich und absichtlich mit Notabi- 
litäten zu koHidircn, deren Leistungen noch in frischem 
Andenken vorschweben. — Ein bejahrter italienischer 
Tenorist, Paolo Cervati^ sang, schulgerecht allerdings, 
doch ohne Stimme, im Kärnthnertbortbeater ein paar 
Szenen. — Herr Joseph Netzer führte als ange- 
hender Tonsetzer sich ein mit einer Ouvertüre zu der 
von ihm komponirten Oper: Die Belagerung von Go- 
thanburg, nebst einigen Gesängen. Dieselben Stücke 
wiederholte er auch kurz darauf in einem 'Privatkon- 
zerte und gesellte noch eine Sinfonie bei,^ welche, ohne 
auf eminentes Erfiadungstalent hinzuweisen, dennoch 
für lobenswerlhen Fletss zeugt. — Zwei jugendliche 
Fianistiatten machten sich ebenfalls in die Ocffentlich- 
keit hinaus, Karoline Herrschmann ^ in Bocklets Schule 
bereits zu einem bedeutenden Kunstgrad herangereift und 
Dem* N. iV., die ungenannt bleiben mag. — Fanny 
SJmier^ welche als Sängerin debütirte, könnte es wohl 
einstweilen bei dem .Erstlingsversuche bewenden lassen; 
nicht immer gelingt es, noch so durohzoschlüpfen. — 
Die Gebräder Moralt, Mitglieder der köuigl. baier. Hof- 
kapelle, eröffneten an vier Nachmittagen einen interes- 
santen Quarteltzirkel und bewiesen in dem trefflich nü- 
anfirten Vortrage der Komposizionen Mozart's, Haydn's, 



Beethoven*s, Onslow'a nnd Fesea's eb sdbXtzbares Zn- 
sammenspiel. — In den beiden ersten GeseUschaJtskon* 
zerten kamen die D- Sinfonie von Mozart, Beethoven*8 
Eroica, die Ouvertüre aus Fidelio, ein Vokalchor von 
Salieri, die Teoorarie aus Spohr's Faust und der erste 
Tbeil des Oratoriums: David von Bernhard Klein zur 
Aufführung. — Die Tonkünstler -Sozietät führte Hän- 
ders lange ruhenden Jephta vor; leider unter vermin- 
dertem Antheil, wovon die Hauptschuld der noch allzu- 
neuen Erinnerung an die grossen Musikfeste (das dies- 
jährige haben diese Blätter bereits angezeigt) beizumes- 
sen sein dürfle. — In dem Theater des nächst Schön- 
brunn gelegenen Badeortes Meidling wurde zum Besten 
der Armen Haydn's Schöpfung produzirt. flinsichtlich 
des wohllhätigen Zweckes hallen gegen 140 Künstler 
und Kunstfreunde unter der Oberleitung des Herrn Ka- 
pellmeisters von Seyfried zur Mitwirkung sich vereint 
und das Ilesultal fiel, mit Rücksicht der Verbältnisse, 
so befriedigend aus, dass noch acht Tage später eine ge- 
wünschte Wiederholung zu Stande kam. 

Zur Cäcüien- Feier hörte man in der Augustiner 
Hofpfarrkircbe eine neue Nie^^ von Telia ^ die recht 
bübsoh, aber gewaltig weltlich klang; Wild und Staudi- 
gel sangen; das Chor- nodOrcbesterpersonale-desKärnth- 
nerthortheaters war dabei beschäftigt; wodurch das 
Ganze allerdings einen glänzend imponireoden Anstrich 
erhielt. 

Die neunte PrikfungB'- Akadmnie der Zbgthige des 
Musikvereins in der Alservorstadt lieferte abermals Be- 
weise jener erfreuliehen Fortschritte, welche diese Bild- 
ungsanstalt einzig nur dem unermüdlichen Eifer ihres Di- 
rektors Herrn Michael Leilermayer verdankt, dessen 
12jähriger Sohn Alexander dorch den Vortrag des K 
M. von Weber'sehen Klariqall-Concertino wirklich iiher- 
raschle; ohne den Sinn des Gesichtes halte man auf die 
Leistung eines schon gereiften, ernroblen Künstlers ge- 
ratben. Ein Alleluja von Franz Schubert und das Glo- 
ria mit einer körnigen Schlussfuge, aus «iner Seyfned- 
schen Missa, fenrig ausgeführt, maohten besonders sich 
geltend. 

Tobias HasHnger's k. k. Hofmnsikalien- Handlung 
soll, dem Vernehmen nach, durch Uebereinkunft Moli- 
que's neue Komposizionen, so wie den Verlag der näch- 
stens zu erwartenden Lindparntner*ithen Oper: Die 
Genueserin^ mit Eigenthumsrecht erlangt haben. Unter 
der Presse befindet sich Spohr*s letzte Sinfonie, No. 5, 
in Cmoll. 



Fortsetzung der Herbstopern 1858 u. s. w. — 
Anfang derKameval&stagione in Italien. 

(FoBttetaung.) 

Rom. (Teatro Valle.) Nachdem Donizetti*s Belisario 
mit der Grisi (Giudilta), derGiannoni, dem Tenor Ver- 
ger und Bassisten Cartagenova eine laue Aufnahme ge- 
funden, iiess die Grisi augenUieklich ihr Steckenpferd, 



169 



ifi59. Febnier. No. 9. 



170 



die Capnleti holen (wann nrsprSnglich die Rolfe des 
Romeo für sie koorponirt wurde), dazo Taccaj's cfritteD 
Akt, aod macfale einen Quasi - Furore ; Verger nahm 
ziemlich Aniheil' daran, anrf eine Anfängerin , Namen? 
CJerieiy die dem Vernehmen nach eine Scnüherin Catage- 
nova^s sein solf^ machte die GToKetta. Nebsl diesem 
Quasi -Furore gefiel Donizetli's Gemma di Vei^ eben- 
falls ; allein weder die Puritani noch die Straniera, noch 
Donizetti's, der Giannooi wenig anpassende Pärisina zo- 
gen an, nnd Grisi- Romeo war aas einförmige Labsal 
der Stagione. 

Spontini hatte in der zweiten Hälfte Novembers die 
Ehre, dem Papste, dessen Unterlhaa er ist, vorgestellt 
za werden, und wurde von Sr. Heiligkeit sehr huldvoll 
aufgenommen (s. Jesi). 

Foiis^o. Ein von hier gdburtiger Herr Decio Trasciatif 
der im Neapolitaner Konservatorium die Komposizion stu- 
dirte und verwichenen 3. Okiober auf dem hiesigen Thea- 
ter in einer Operette, la Capanna savoyarda debütirte» 
erhielt in A^^t ersten Vorstellung zwar Beweise des Wohl- 
wollens seiner Landsleute, die ibn beklatschten, hervor- 
riefen, nach Hause mit Musik unter FHcLelscbein beglei- 
teten; da aber das Ganze dieser Farsa aus zusammen- 
getragenen Fragmenten der moderneu musikalischen Glo^ 
rien gebildet ist, so fand schon die zweite Vorstellung 
eine laue Aufnahme» 

Jen. Zwei Vorstelkingen voa Per^ani's Ines di 
Castro, vierVorstelltti»gen von Bellini'sBeatrice diTeuda^ 
16 Vorstellungen von Donizetti's Lncia di Lammermoor 
waren die im Quadrat anfmarseliirten Opern der Stagione, 
deren respektive Aufnahme ans eben dieser Potenz zu 
ersehen ist. Die Galzerani-Bataggia war stets die Pro« 
tagonistin, was im Tentsefaen auch Obsiegcrin hebst; 
der Tenor Zilioli und Bassisl Griflbni thaten das Ihrige. 

Spontim^ der sich schon seit einiger Zeit in seinem 
Vaterlande aufhält, hier geboren und hiesiger Patrizier 
ist, bat seine vielen wohlthät^en Handlungen mit einer 
wahrhaft grossen bereichert nnd in dieser seiner Vater- 
stadt einem Saero Monte di Pietä (Leihbank, Versatz- 
amt) mit der ansehnlichen Summe von 30,001) Franken 
gestiftet. Der Himmel wird ibn mehrfach dafür segnen. 

Bologna. Noch bevor die Stagione begann, waren 
hier fünf Theater oflfen , nämlich zwei Marionettenthea- 
ter, das Teatro del Corso, die Arena del sole nnd das 
Teatro Contavalli, welches nebst den Manonettentbea- 
tern grossen Zulanf hatte, weil nach der Komödie auch 
Oper und Ballet, Alles für einen massigen Preis gegeben 
wurden. Die hier mit einander abwechselnden Operet- 
ten biessen : la Disiruzione dei Masnadieri und la Turca 
fiedele, gedichtet nnd komponirt von dem Choristen Paoh) 
Diamanti, und aufgeführt von Choristen, als da sind: 
Herr Diamanti selbst, die Gebrüder Vizziani (beide mit 
schönen Stimmen begabt, einer Tenor, der andere Bas- 
sist, sinken aber nach dem Gehöre) u. A. Herr Dia- 
manti, oer auch den Musikkopisten machte komponirl 
zugleich für Marionettentheater Stücke im Bologneser 
Dialekte für die Rolle einer alten Fran, die er selbst 
spielt nnd die Zuhörer belustigt. Ein Musikkenner muss 



bei dergleieben Sliimpereien nnd Pfiisehereien unwiltkir^ 
lieh lachen und weinen. 

Die Sckües^ die AgKati^ Herr Rdna und Sahtitori, 
eine respektable Gesellschaft, begannen am 13. Oktober 
die Stagione im Teatro Comonale mit Donisetti's Roberto 
Devreux, dessen Akte mit einem Silenzio perfetto endig- 
ten. Die Schätz nnd die Agiiati erhielten zwar öfters 
starken Beifall, aber Reina war nicht am rechten Orte 
in seiner Rolle , ond der so häufig unpässliche , ohne 
weiteres brave Bassist Salvatort war unwotil; die Mu- 
sik fand man überhaupt einförmig: ergo,,,. Bei solehem 
Unglücke greift man gleich nach dem Ergo-Norma. Dia 
Allerliebste, die kaum Zeit Toilette zu machen hatte, 
erschien mit. Blitzschnelle auf der Bühne, ond die erha- 
bene Geburt des angenehmsten Schwanes aus Catania 
(snbtime p&rto del soavtsshno Cigno di Catania) , wie 
ein hiesiges Blatt bei dieser Gelegenheit Bellini nennt, 
entzückte Bologna znm vierten Mal. Dies Entzücken 
verdankte man vor Allem dem musikalischen Zauber des 
sizilianischen Genies und dem trefflichen Gesänge und 
allgewaltigen Spiele der Schütz; aHein die wackere Ag- . 
liati verdient als Adalgisa ebenfalls nicht wenig ge- 
rühmt zu werden , Reina war hier wieder an srinem 
Posten, und Madame Norma war auch die Einzige, die 
in der Stagione, in Ermangelung etwas Bessern, Lärm 
machte, ho hat denn Anfangs November des angeneh- 
men Schwans Beafrice di Teuda, worin der aus England 
zurückgekehrte Tenor Catone Lonati und der Bassist 
Coslanlini sangen, Fiasco gemacht, desgleichen Donizet«^ 
ti's Belisario am 17. desselben Monats, worin die Vit- 
tadini die Rolle der Antonia übernahm, und Herr Salva« 
tori wieder nnpässlich war. Endlich gab man am 26. 
eine neue Oper del signor Cavaliere BraccioHni, beti- 
telt: Emma e üi/ggef*o (eigentlich Emma di Antiocbia 
von Roniani, die bereits von Mercadante komponirt wor- 
den). Was dazo gehört, mit solchem wenigen musika- 
lischen Wissen, wie jenes des Herrn Cavaliere Braceio- 
lini, eine Oper zu schreiben und auf einem Theater digran 
earte/lo auffuhren zu lassen, ob Tollkühnheit oder ....» 
lohnt sich gar nicht der Mühe hier auseinander zu setzen. 
In den am 29. November und 1. Dezember^ noch statt- 
gehabten zwei Vorstellungen gab man folgendes Quod* 
libet: den zweiten und dritten Akt der Beatrice, meh- 
rere Stücke aus dem Belisario, Vaccaj*s dritten Akt ans 
den ('apuleti und ein Ballet. 

In den im Dezember im hiesigen Casino, unter der 
Leitung des Herrn Marchese Cavaliere Francesco Sam* 
pieri gegebenen vier musikalischen Akademieen sang in 
den ersten zwei, nebst der unlängst znr hiesigen Acca- 
demica Filarmpnica ernannten Sängerin Schütz, den bei- 
den Tenoren Lonati und Tori, dem Ehepaar Zucchelli, 
^auch die vielversprechende Ottavia Malvinf, Zögling der 
Frau Bertinotti, und der Schotte Müller fiess sich auf 
dem Pianoforte hören. Sämmttiche Künstler erhielten 
allgemeinen lauten Beifall. In den beiden letzteren (am 
16. und 25.) sangen die Signore Tramontani, Cnzzoni^ 
Accorsi, Herr Venturoli (alle vier Zöglinge der Berti- 
notti), und die auch ans diesen Blättern bekannte Signora 
Degli Antonj. Wer aber durch sein Pianofortespiel 



171 



1859. Februar. No. 9. 



172 



irrosses Aofsehen und enlhasiastischeD Beifall erregle, 
war der eigens von Florenz hierher eingeladene Las»t^ 
den man ohne weiteres Paganini gleich slellte. Ein hie- 
siges Journal ging so weil, sogar seine düslern Töne,^ 
die an seine Nebel des Norden erinnern ! (cupi »uoni 
che immaginar ti fanno le sue nebbie delNord) unge- 
nein zu loben. Liszl gab am 29. Dezember im Lokale 
des benannten Marchese Sampieri eine eigene Akademie, 
in welcher er drei Stücke mil seiner Ichheil, d. h. Liszlisch 
vorirug, und die Zuhörer tüchtig klatschen liess. In 
den ersten Tagen des Januars ist er nach Florenz zu- 
röckgekehrt. 

Grossherzogtlinm Toskana. i 

Florenx. Einen wahren Opern - und Akademien- 
Juchhe hal es hier verwichenen Herbst gegeben. 5, sage 
fünf Theater öffneten der Oper ihre Pforten. Bellini, 
Pacini, Rossini, Donizelti, die beiden Ricci, Mcrcadante, 
Coppola, und wie die Leute alle heissen, bildeten mit 
ihren harmonischen Sphären einen Himmel, der öfters 
hell gläuzle, zuweilen aber auch Wolken und Gewitter 
erzeugte. Zwei leutsche Sängerinnen, eine Professora 
(die Pixis) und ein grosser Professor (die ünger) ernte- 
ten dabei, Erslere genügenden und Letztere wüthenden 
Beifall ein, wie dies und alles Uebrige und noch etwas 
gar Anderes aus dem, was folgt zu ersehen isl. 

(Teatro Pereola.J Elisabelta, Regina d'Inghillerra, 
vom Ritter Rossini, begann die Stagione mit einem rit- 
terlicheu Fiasco. Denkt man sich diese Oper bei ihrem 
Entstehen Anno 1815, von der Colbrand, Dardanelli 
und den beiden Herren Nozzari und Garcia , nun 1838 
von der Derancourl (nicht zu verachten) , Cavedoni und 
den Herren Palli und Moriui vorgetragen, dazu die längsl 
ab<renutzte Musik f so kann benannte Aufnahme keines- 
w^egs befremden. Douizetti's Elisir d'amore war darauf 
weil glücklicher. Fragt man heutzulage, warum gefal- 
len die älteren Opern nicht mehr? so anlworlel man, 
es fehlen die allen guten Sänger dazu. Warum gefal- 
len aber dermalen selbst die meisten Rossini'schen Opern 
nicht mehr? man antwortet wieder, es fehlen die guten 
Sänger dazu. Nun in der heutigen Oper singt fast Al- 
les, und wenn es so fortgeht, wird bald Alles in unsern 
Opern singen können. So schien es denn auch, dass 
der Elisir gar nicht für die Heinefetter, sondern für die 
Derancourt geschrieben worden sei, und ihre Aufnahme 
konnte für sie nicht schmeichafter sein. Morini machte 
den Nemorino und Scheggl den Dulcamara. Pacini's 
Arabi nelle Gallie, abscheulich verstümmelt, machten dar 
anf einen geräuschlosen Fiasco, und diese Oper, in wel- 
cher die Derancourl, die Altistin Brunner, der Tenor 
Patti nebsl dem Bassisten Ambrosini sangen , ging bald 
dahin, woher sie gekommen ist, um wieder dem Elisir 
Platz zu machen. Ricci's (Federico) Prigioni di Edim- 
burgo, die bekanntlich in ihrem Geburtsorte Triest vo- 
rigen Karneval ungemein, diesen Herbst zu Mailand aber 
wenig gefielen, hoben in Toskana's Hauptstadt ihr Haupt 
>vieder empor. In dieser, von dem eigens hierher ge- 
kommenen Maestro selbst in die Szene gesetzten Oper 



machte die Puus die Ida und Iheilte mit der Prolagoni- 
slin Giovanna (Derancourl) den Beifall. 

(Teatro Alfieri.) Bis zur Ankunft der Furore -Ge*> 
Seilschaft gab man einstweilen die hier und da noch hal- 
lende Norma und die längsl verhallte Slraniera , beide 
vom unsterblichen Ritter Bellini. Die Strepoui sollte ih- 
ren im Mailänder Konservatorium erhaltenen Lehren ge- 
lreu bleiben und weniger Schnörkeln ; dadurch würde sie 
weit besser singen. Die Leva ^ehl langsam vorwärts. 
Balestracci*s starke Tenorslimme ist nicht allzu rein und 
er muss noch manches studiren. Ein neuer Bassist, 
Namens Andrea Martinez, ungefähr 20 Jahre alt, betrat 
zum ersten Male die Bühne mit guten Anlagen zu seiner 
Kunst. Benannte Furore -Gesellschaft, nämlich die Da- 
men Unger und Mazzarell!, der Tenor Moriani und Bas- 
sist Cosselli, die auch in der Thal die beste in Ilalien 
ist (s. Venedig), kam indessen in der ersten Hälfte No- 
vembers aus der adriatischen Köuigsstadt an , und ging 
am 12. mit Donizetti's Lucrezia Borgia in die Szene, 
welche Oper, wiewohl bei ihrem Entstehen zu Mailand 
ziemlich kalt aufgenommen, hier stürmischen Beifall er- 
hielt, der auch dem nachher gegebenen Beiisario reich- 
lich gezollt wurde. Besägte Gesellschaft singt nächsten 
Karneval abermals auf der Fenice in Venedig, und die 
Unger samml der Mazzarelli nächsten Frühling in der 
italienischen Oper zu Wien. 

(Teatro de' Solleciti.) Carolina Soret hiess die Prima 
Donna; Gaetano Motetti der Tenor; Giuseppe Lippariui 
der Buttb, Cesare Puccini der Bassist. Nachdem Belli- 
ni's Purilani wenig gefallen , gab man Ricci*s (Lnigi) 
Scaramuccia, worin die Giovannina Bongi die Rolle des 
Enrico machte. Alle ihr Bestes thalen und auch weit mehr 
Beifall als in der vorigen Oper erhielten. Donizetti's 
Elisir d'amore war für den Bufib das Finis Corona t opus. 
(Teatro Piazza Veccbia.) Marino Falliero von Do- 
nizelti, Fiasco; Normanni von Mercadante u. s. w. 

(Teatro Cocomero.) Im Dezember gab man hier 
Donizetti's Betly, worin die Streponi, Morini, Supercbi 
und Protili mit sehr geringem Erfolge sangen. 

Liszt liess sich am o. November im Theater des 
Herrn Rowland Standish mit der Ouvertüre von Rossi- 
ni's Wilhelm Teil, mit zwei Fantasien über ein Thema 
der Purilani und aus Rossini's Soirees musicales auf dem 
Pianoforte hören ; die Aufnahme kann man sich leicht 
denken, und der gefeierte Künstler liess sich bald darauf 
in diesem Theater zum zweiten Male hören. 

Am 17. November war Akademie bei Hofe, worin 
folgende Stücke vorgetragen wurden: Erster Theil (von 
Liszt am Pianoforte begleitet): Duett aus Donizetti's Pia 
de' Tolomei (Moriani und Martinez), Duell aus Rossi- 
ni's Soirees musicales (Un^er und Morini), eine Arie 
(Unger), ein Duett (Moriani und Cosselli;, Fantasie für 
Pianoforte übeF ein Thema aus Rossini's Soirees musi- 
cales (Liszt), Finale aus den Capuleti (Unger, Pixis, 
Moriani, Cosselli, Martinez), Pianoforte- Variazionen über 
ein Thema aus den Purilani (Liszt). Ziveiter Theil (von 
Herrn Pixis am Pianoforle begleitet): Quartett der Pu- 
rilani (Unger, Moriani, Cosselli, Martinez), Duell aus 
Rossini's Bianca e Falliero (Unger und Pixis), Romanze 



175 



1839. Febni«r. N». 9, 



«74 



ans IdUo*3 Rosamunda (Moriaoi)) Fantasie über eki Thema 
aus der Norma Tür Piabororle und Physliarmoiiica (Herr 
Pixis), Le retour des Promis, Bolero von Dessauer, auf 
französisch (bem. PIais), Duell für zwei Piauororte über 
Thema's aus den Uügenollen (Liszt und Pixis). — Eh- 
renvolle Aufnahme sämnillicher Künstler von Seilen der 
Zuhörer. 

Den anwesenden russischen Kronprinzen zu Ehren 
halten noch zwei andere Hofakademieen slatl. In der 
vom 8. Dezember sangen die Damen Unger und Slre- 

Soni nebst den Herren Moriani, Balestracci und Cosselli 
lücke von Rossini, Douizctti und Mercadanle. In jener 
vom 12. sang auch die Pixis, unter andern eine russi- 
sche , von Liszt begleitete Nazionajarietle. Liszl liess 
sich überdies mit zwei Stücken auf dem Pianoforle hö- 
ren. Sämtliche Küusller fanden eine glänzende Äuf- 
nabme. 

Noch gab man in dem beleuchfelen, vom russischen 
Kronprinzen besuchten Teatro Pergola die Lucrezia Bor« 
gia mit freiem Entree« Als der Prinz mit seither 
zahlreichen Umgebung in der Uniform des Hetmans der 
Kosaken im Theater erschien, wurde vom Musikchor 
die russische Nazionalhymne vorgetragen. 

Am 16. Dezember gab endlich Liszt auch im Thea- 
ter Cocomero eine musikalische Akademie, worin er eine 
Fantasie über ein Pacini*sches Thema, eine Doppelsonate 
für zwei Pianoforte mit Herrn Pixis, sodann ein Inipro- 
viso mit grossem Äoplaus spielte. Mozart's einzige 
Ouvertüre der Zaubernöle, 12händifl^ auf drei Pianoforten 
von den Herren Liszt, Pixis, Leidesdorf, Doglia» Ga- 
rello, Manetli vorgetragen» erregte Enthusiasmus und 
musste wiederholt werden. 

Der einst rühmlich bekannte Bufio Antonio Parla^ 
magtti starb hier am 9. Oktober» 79 Jahre alt. 

Königreick Piemont und Herzogthum Genua. 

Turin. (Teatro Carignano.) Rerold's Zampa, der 
vor vier Jahren mit der . Roser -Balfe» Basadonna und 
Ronconi eine gute Aufnahme gefunden » gefiel auch die- 
ses Jahr mit der Marini und den Herren Dagnini, Galli 
und Badiali. Die unlängst aus dem Mailänder Konser- 
vatorium ausgetretene Adelaide JMoltini, eine vorzügliche 
Sängerin, debütirte in der Gazza ladra in der Rolle der 
Ninetta mit vielem Beifalle. Die beiden nachher gege- 
benen Opern, le convenienze ed inconvenienze teatrali 
von Donizetif und Ricci*s Chiara di Rosenberg (letztere 
zur Beneiizvorstellung der Marini) erfreuten sich der 
besten Aufnahme. 

Man sagt, der König sei gesonnen, die hiesige Mh- 
aikschnle iii ein Konservatorium umzuschaifen. 

Gemia. Da vom Haupttheater Carlo Feiice gar we- 
oig t» berichten ist, es sei denn, dass Ricci*» Esposti 
UM dessen (äusserst magere Oper) Chifdura vince über 
Donizelti's Gianni di Calais und RossinPs Jtaliana in At- 
geri den Sieg davon trugen« so mag hier als Neuigkeit 
erwähnt werden, dass auf dem 

(Teatro Sau.l^er d'Arena) die Frau Ma^cbesa Co« 
atanza Zappi, nnd ihr Bmder, principe Giuseppe Ponia- 



towskv aus Florenz» im Bli^ir d'amore nnd in der Soq- 
nambula sich hören liesscn. Ihr fürstlicher Geaanjp 
fand grossen Zulauf und Beifall. 

Alessandria, In DonIzelli*s Lucia di Lammermoor, 
betrat Amalie Maltioli aus Sini||;aglia^ Schülerin des da* 
sigea Maestro Giovanni jVIoranui, zum ersten Male die 
Bühne mit Beifall, denn sie ist hübsch und hat eine 
schöne Stimme. Donizetli's Gemma . di Vergy wurde 
hierauf in grösster Eile in die Szene gesetzt und ging^ 
wenigstens in der ersten Vorstellung^ i^echt schlecht. 

Levanto (in der Provinz Spezia). Hier wurde ein 
neues Theater mit Mercadante's Elisa e Claudio eröffnet. 
(Fortsetzung foigt.) ^ 



Leipzigs Abermals sind uns hinnen kurzer Zeit 
zahlreiche und sehr bedeutende musikalische Kunstge«- 
nüsse geboten worden. ' ^ 

Das 18. der unter Herrn Dr. Mendelssohns Leitung 
si^enA^w Abonnement-Konzerte im Saale des Gewandhau- 
ses fand am 14. Februar statt, und wurde mit einer 
früher hier noch nicht gehörten Ouvertüre inEmoll von 
Dr. Friedrich Schneider eröffnet $ sie ist ein tüchtiges 
Musikstück, gut instrumenlirt und von vieler Wirkung^ 
obwohl uns letztere, durch die Wiederkehr eines Adagio- 
satzes in dem zweiten Theile (Allegro) der Ouvertüre, 
etwas zu leiden scheint. Die Ausführung war sehr ge- 
lungen und fand allgemeine Anerkennung. Hierauf lern- 
ten wir eine jun^^e Sängerin, Dtm. Rust^ herzugl. Kam- 
mersängerin aus Dessau, kennen, welche zweimal, zuerst 
mit der bekannten Szene und Arie aus dem Freischütz, 
sodann mit einer Arie von Rossini — aus Tlnganno 
felice — auftrat. Ist es an und für sich schon schwer, . 
den Anforderungen, welche das Publikum in unsern Abon- 
aement- Konzerten macht, völlig zu genügen, so war 
dies jetzt um so mehr der Fall , da die allerdings sehr 
bedeutende und beliebte Mrs. Shaw längere Zeit in die- 
sen Konzerten gesungen und erst vor Kurzem Leipzig 
verlassen hatte. Dem. Rust ist nicht ohne Talent; ihre 
Stimme ist klangvoll und von ziemlich bedeutendem Um- 
fang, ihre Intonazion rein und sicher, sie besitzt sonach 
Mittel genug, um bei guter und fleissiger Schule recht 
Tüchtiges in Aussicht zu stellen. Am besten selang ihr 
der Vortrag der Arie von Weber, wogegen die, übri- 
gens auch sehr unbedeutende Arie von Rossini weniger 
gut aiisGek Das Publikum liess es jedoch au aufmun- 
ternder Anerkennung der Dem. Rust nicht fehlen, die 
sie auch wirklich verdient. 

Herr Dr. Mendelssohn erfreute uns sodann mit dem 
Vortrage seines neue.sten Konzerts für Pianoforte (No. 2, 
D moil , j^edruckt bei Breitkopf und Ilärtel). Wie alle 
Romposizionea dieses Meisters, ist auch dieses Kon- 
zert eine der bedeutendsten und interessantesten Kuusl- 
erscheinungen der neueren Zeit; es bat nicht allein äU 
effektvolles Klavierstück, sondern als Kunstwerk in jeder 
Hinsicht bleibenden Werth. Herr Dr. Mendelssohn, 

(gleich bei seinem Erscheinen mit den lebhaftesten ßei-* 
allsbezeigunsen empfangen , trug das Konzert so ausser- 
ordentlich schön vor, dass der Applaus des Publikums 



173 



1839. Februar. No. 9. 



176 



seifi Sptel oß unterbrach and am Schlosse nicht enden 
wollte. Sein Spiel ist aber auch in der That so vor- 
tre£Bich, dass es die grosse Vorliebe, welche unser 
Poblikam für dasselbe zeigt, vollkommen rechtfertigt. 
Nicht allein die ausgezeichnete, die grösslen Schwierig- 
keiten leicht überwindende Virtuosität desselben ist es, 
die gefallt und interessirt, sondern der Geist des Mei- 
sters, der darin lebendig wirkt und schafft, wodurch jede 
aeiner Leistungen zu einer neuen Kunslschöpfnng erho- 
ben wird, und so natürlich immer neuen, nicht blos wie- 
derholten Geuuss gewähren mnss. Am glänzendsten 
zeigte sich dies, als Herr Dr. Mendelssohn einem an dem 
Konzertlage öBentlich ausgesprochenen und im Konzert 
selbst von dem erregten Publikum durch laute Akkla- 
maziouen dringend wiederholten Wunsch entsprach, und» 
wie er bereits vor 2 Jahren einmal gethan, uns den Ge- 
nuss einer freien Fantasie auf dem Pianoforte gewährte. 
Sein reicher Geist, seine tiefe harmonische nennlniss, 
die spielende Leichtigkeit, mit welcher 04* über alle Kunst- 
formen gebietet, die feinsten, schwierigsten kontrapunk- 
tischen Kombinazionen im Augenblick entwirft und löst, 
offenbarten sich hierbei auf bewundernswerthe Weise. 
Die Hauptmotive der Fantasie entnahm er der Adelaide 
von Beethoven ; nachdem er diese auf vielfache , höchst 
interessante Weise durchgearbeitet hatte , schloss sich 
daran ein streng figurirter Salz über ein Thema eigener 
Erfindung, mit welchem er wieder die ersten Haupllhe- 
men so künstlich zu verweben und dadurch zuletzt eine 
80 glänzende Steigerung herbeizuführen wusste, dass die 
Wirkung auf die Hörer ausserordentlich war und sein 
musste. Es war ein köstlicher, seltener Genuss, den 
nur ein Künstler wie Mendelssohn zu bieten vermag und 
den wir ihm nicht genug danken können. Den zweiten 
Theil des Konzerts füllte die liebliche Pastoral -Sinfonie 
von Beethoven aus ; sie wurde, unter Mendelssohns Di- 
. rekzion, von unserm tüchtigen Orchester sehr schön aus- 
geführt, und alle Sätze derselben erwarben sich des Pu- 
blikums lauteste Anerkennung. 

Am 16. Februa/* fand die vierte und für diesen 
Winter letzte Quartettunierhaltung unsers Konzertmei- 
sters Herrn F. David statt, in welcher zuerst die be- 
kannte Fuge von Mozart, sodann ein neues schönes Quar- 
tett (Ddur) von F. Mendelssohn vortrrfflich ausgeführt 
wurden. Das Letztere besonders erhielt den allgemei- 
nen lautesten Beifall 5 es erscheinr nächstens mit zwei 
anderen sehr schönen Quartetten (in Emoll und Esdnr) 
desselben Meisters bei Breitkopf und Härlel, worauf sich 
alle Quartettspieler nur immer freuen mögen. An dem- 
selben Abend hörten wir noch das allbekannte und hoch- 
geschätzte Septelt von Beethoven ; es wurde recht gut 
ausgeführt und jeder einzelne Satz erhielt lauten Beifall. 

Donnerstag, den 21. Februar, gab die hiesige Ron- 
xertdireksion^ im Saale des Gewandhauses unter Leitung 
des Herrn Dr. Mendelssohn -Bartholdy, das alljährliche 
Konzert zum Besten der Armen. Zu solchem Zwecke 
sucht man immer grössere, als die gewöhnlichen musi- 
kalischen Mittel zu vereinigen; auch diesmal halte sich 
eine sehr bedeutende Anzahl kunstgebildeter Dilettanten 
conserer Stadt zu Ausführung der Gesangpartieen eines 



neuen Psalms von P. Mendelssohn . und der grotsen Sin* 
fonie mit Chören (Dmbll) Von Beethoven bereilwil* 
lig finden lassen. Eröffnet W'orde das zahlreich be* 
suchte Konzert mit einer recht ansprechenden Ouver- 
türe von Ferd. Hiller (Manuskript) ; sodann trug Herr 
Konzertmeister David ein neues, recht solid gearbeitetes 
Violinkonzertstück von Hubert Uies sehr schön vor und fand 
wie immer sehr lebhaften ^ wiederholten Beifall. Wie 
wir hören, geht jetzt Herr David auf einige Zeit nach 
England, wo er sich namentlich in London nören lassen 
wird. Sein gediegenes meisterliches Spiel wird ihm ge* 
wiss dort wie hier die allgemeinste Anerkennung, und 
seine tüchtige Kunslbildung die Achtung und Liebe aller 
W'ahren Künstler verschaffen. — .Herr fV. Stemdale 
Bennett aus London, welcher einige Monate dieses Win^ 
ters in Leipzig zugebracht und durch' sein schönes Ta- 
lent uns wiederholt treffliche Kunstgenüsse gebölen .bat, 
spielte hierauf ein neues von ihm komponirtes Capriccio 
für Pianoforte mit Orchesterbegleitung; es ist dies wie- 
der ein sehr graziöses, dabei auch brillantes Musikstück; 
fein und interessant instrumentirt, zeigt es überall den 
tüchtigen Künstler, dessen reines, schönes Kunststreben 
ihm gewiss ein hohes Ziel erreichen lassen wird. Dem 
Irefllichen Spieler und Kompohisten wurde der einstim- 
migste wohlverdiente Beifall der zahlreichen Versamm- 
lung zu Theil. Leider wird auch er ups bald verlassen; 
möge die grosse Liebe und Achtung, welche man hier 
für ihn hegt und bei jeder Gelegenheit lebhaft aussäe* 
sprechen hat, uns bei ihm eine freundliche kunstlhätige 
Erinnerung bewahren. — Am Schlüsse des ersienThei- 
les wurde der oben erwähnte neue Psalm (der 95. 
^Kommet herzu, lasst uus dem Herrn frohlocken*') von 
F. Mendelssohn unter des Komponisten eigener Leitung 
aufgeführt; er sieht würdig der so ausgezeichneten Kom- 
posizion des 42. Psalms desselben Meisters (kürzlich er- 
schienen bei Breitkopf und Härtel) zur Seite. Wie bei 
diesem ist auch in dem neuen Psalm die gei&tvolle Auf- 
fassung des Textes, die reine innige Frömmigkeit, welche 
das Ganze durchweht, so schön und wohlthuend, dass 
eine tiefe Wirkung nie ausbleiben kann und wird. Die 
Ausführung gelang sehr vorzüglich,. Wobei wir naroentitch 
unsern ersten Tenorsänger am Theater, Herrn Schmidt, 
welcher dje nicht unbedeutende Hauptsolopartie vortrug, 
ehrend erwähnen müss.en. Dero Komponisten und den 
Ausführenden dankte das Publikum durch lauten Beifall. 
Wir behalten uns vor, über die meisterhafte Komposi* 
zion selbst, nach Einsicht der Partitin* uujs ausführlicher 
auszusprechen. — Endlich horten wir noch im zweiten 
Tbeile des Konzerts die berühmte» vielbesprochene und 
vielbekritlelle Sinfonie mit Chören von Beethoven. Mag 
man sagen was man will, diese Sipfonie ist und bleibt doch 
die grossartigste Schöpfung des in Allem geiiialen Man- 
nes. Wir sind überzeugt, vorzugsweise an diesem Werke 
hat er mit der grösslen Liebe, mit der fleissigsten Sorg^ 
samkeit, ja Aengstlichkeil gearbeitet^, wie sich bei ge^ 
nauerer Kenntiriss schon allein aus der beispiellos mei* 
sterlichen Instrumenlirung desselben ergibt. ^ Mögen aoch 
in den Gesangpartieen des Schlnsssalzes einige, die gute 
Ausführung sehr erschwerende Dinge vorkommen , 's» 



177 



1839. Feimiar. N«. 9. 



178 



sind dies doch nur onbedeuteiide Aeasserliclikcitefi , and 
jedenfalis ist es dorchgäDgig ein Werk, ao welches sich 
das Pablikum erst noch TieninfbildeD mnss. Dies aber 
wird hauptsächlich gefördert durch gute, sorgsame Auf*- 
ftibrungeD, und schon aus diesem Grunde müssen wir, 
fäv die diesmalige, in jeder Hinstcbt. treffliche Ausführung 
dieser ausserordentlich schwierigen Sinfonie sehr dank- 
' bar sein. Zwar ist bei nns schon oft , vielleicht öfter 
«Is an irgend einem andern Orte, diese Sinfonie, und 
zwar, was besonders die Orchesterpartie betriflt, sehr 
gut gegeben worden; diesmal war aber der Chor weit 
filärker als gewöhnlich, und die Sopran- und Altparlie 
desselben nicht wie sonst* durch Knaben, sondern nur 
allein dureh Franenslimmen besetzt, wy natürlich eine 
ganz andere, weit schönere Wirkung macht und ma- 
chen muss. Die sehr schwierigen, und wie man zu sa- 
gen pflegt, nicbi eben ^dankbaren Solopartieen wurden 
von den Damen Bänau und Rust und den Herren Schmidt 
nnd Pögner sehr gut gesungen; die Uebernahme dersel- 
ben gereicht ihnen sehr zur Ehre, denn Sänger und 
Sängerinnen, welchen nicht ein ernsteres, höheres Konst- 
streben innewohnt, suchen sich in der Regel von solchen 
Dingen fern zn halten. — Unser Publikum hat diese 
Sinfonie zwar immer mit grosser Achtung, aber nur mit 
gelheiltem Beifall aufgenommen ; bei der diesmaligen Auf- 
fÜbriHig erhielt jedoch jeder einzelne Salz derselben, und 
hauptsächlich der letzte, die lebhafleslen Beifallsbezeugun- 
gen, ja es ist spater sogar öffentlich der Wunsch um 
Wiederholung ausgesprochen worden, dessen Erfüllung 
wir, der Sa<;he wulen, mit Verlangen entgegen sehen. 
• f. 

Leipzigs am 25. febroar. Am 20. d. IM. ging 
hier Halevy's Guido nnd Giuevra zum ersten Mal unter 
grossem Beifall in die Szene. Herr. Schmidt (Guido), 
FräoJ. Scbtegel (Ginevra), Herr Stürmer (Portebraccio) 
nnd Herr Pögner (Kosmus v. JMedicis) waren trefflich; 
Herr Richter (Manfred) tbat sein Möglichstes. Den 22. 
und 24. wurde die Auflührong mit immer steigender 
Theilnahme wiederholt, und es steht sonach zu bollen, 
dass sich .diese Oper noch lange auf dem Repertoir hal- 
len werde. Von Seiten der Direktion war alles Mög- 
liche geschehen, um sie auch in der äusseren Aus- 
stattung glänzend dem Publikum vorzuführen. Noch 
bei der dritten Aufitihrung war der Zudrang so gross, 
dass viele Persopen aus Mangel an Platz abgei^ie- 
sen werden mussten. ' PrMulein Schlegel, die Herren 
Schmidt, .Pögner und Stürmer wurden, so wie der Bal- 
letmeister Herr Jerwitz, nach allen drei Vorstellun- 
gen stürmisch hervorgerufen. -^ in Hamburg ist die- 
selbe Oper mit grossem Aufwand^ in Szene gesetzt wor- 
dep; Dekorazjoneti und Kostüme kosteten, so beisst es, 
20,000 MkBv., und Herr Wurda (Guido) und Mad. 
Walker (Ginevra) waren auf eigene Kosten nach Paris 

S ereist , um die Oper dort aufnihren zd sehen und den 
lomponisten ober einige Stellen in ihren Partieen zu 
Jlatbe Ki| ziehen. 



Feuilleton. 

Ludwig Bergw io Berlin , alt Virtuos tuf dem Planoforte, 
Lehrer und Koopooist gleich aasgezeieboet (er war a. A. Meodelf- 
sofani Lehrer), iit am 16. Februar, io eioem Alter iroo 61 Iah- 
reo , aiit Tode abgegangeo. Seioe sahlreichea Freuode beahsieh- 
tigea ihm ein Beolimal zu «etzeo. 



Meyerbeers Robert der Teiifei bat der fcrosaea Oper zo iHi- 
ria in deo letzten zehn Vorateikogeo 01^020 Fr. eiogebracht; eine 
eioiige VorstelloDg der Hugenotten 9,400 Fr. — Grieart oeiie 
Oper: Daa wanderihätige Wasser ist dqo im Theatre dela Reoaia- 
aaoee anfgeführt wordea und hat sehr gefalleo. 

Vrt heil einet Franzosen über Auber'e Domino notr. ,,Je mehr 
nao das Werk bSrt , desto mehr wilt man es hören. Ich iLeone 
keine Masili , welche frischer, anziehender, melodieen reicher, 
koketter, geistreicher, mit einem Worte: fraazöaiseher wäre, als 
dieae.^« 



In Darmstadt hat ein jnoger Geiger, Fr. Prüme ans Liit- 
tich, den grössteo Eolhusiasmus erregt. Viele Hörer haben ihn 
„dem grossen Hexenmeister Paganini, dem Beine der Violine*' 
nnbedenklich vorgezogeo. Besonders wird die ,, fromme Innigkeit 
nnd Sinnigkeit seines Spieles gerühmt. ^ In ganz andrer Weise 
glänzt FHippa in Paris , der Schäler Paganinis. Er mag ein Taa- 
aeadkänslter sein, aber kefn Künstler. '^ Ebendaselbst hat sieh 
der Geiger Ghys (er reiste vor einiger Zeit anch durch Deutsch- 
land) mit vielem Beifalle hören lassen. 



In Dresden zeichnet sich ein junges Talent auf der Oboe aus^ 
Hiebendahl ist sein Name. Seine sanften und zarten Töne sollen, 
ohne den Charskter des lostruments zu verändern, eine ganz ua- 
gewöbnliche Wirkung hervorgebracht haben. 



Thaiberg hat, auf seiner Reise nach Petersburg, auch in Dan- 
zig Konzert gegeben und enthusiastischen Beifall gefunden. Nach 
den Benesten Beriebteu war er in Mitmu und woUte sieh da- 
selbst hören lassen. 



Marseiile tst stolz darauf, Beethoven* s dritte Ouvertüre zur 
Leonöre zuerst in Frankreieh aufgeführt zu haben. — Ebenfalls 
znm ersten Male für Frsokreich ist ff^ebers Ouvertüre zum Be- 
herrscher der Geister in Paria gegeben werden. Man ist entzückt 
davon. Ueberhaupt ist Weber dort sehr beliebt. Nächstens will 
mau aueh seifteSinfeuie aufführen. 



Wir werden die Programme ^er Konzerte am Pariser Ronset' 
vatorium regelmässig mitibeilen, da diese Konzerte als der höchste ^ 
musikalische Genuas' vqn Paris, also von Frankreich, anerkannt 
sind. — Das zweite Konzert in diesem Jahre : Sinfonie von Haydu 
(Op. 80O; Arie von Marliani (Demois. Nau); Polonaise und zwei 
Bfuden für die Geige von Mayseder (Qr. Urhan); Oovprtura zur 
Za uberflöte von Mozart f einzelne Gesangstücke aus derselben Oper; 
Sinfonie von Beethoven (Adnr). — Das dritte Konzert: Sinfonie 
von Beethoven . (Ddur -^mit den Chören); Klarinettsolo von Joseph 
Blaes; Italien. Arie (Demois. Qodion); Meeresstille und glückliche 
Fahrt von Beethoven (der Pariser Ifteferent aennt es: das meer 
still); O.ü^ertvr» zum Teil von Rossini.' 



Bin gewisser Freudenthaler in Paris hat eine Actiengesell- 
sehaft für den Verkehr mit Pisnoforten errichtet. Jede Actie van 
1000 Fr. gibt, nach Einzabloirg von |, das Recht, ein Pianoforta 
io Jahre lang' (so lange seil die GeseltsehafI bestehen) zu besitzet, 
auf Ruchnvng der geselUchaftlieheQ Dividende. Dafür wird das In> 
strument auch gestimmt, nnd man kann es gegen ein andres vei>* 
tauschen. 



170 



1830. Febniiir. No. 9. 



180 



Id Sirasshurg befttfit «ist ioi|6t«iebDel0 Pia9qforHsehule, 
gestiftet nod geleitet von dem Prof. /. tf\ Jauch, welcher eioe 
eigeolhaniliehe, obwolil tam Theil anf Logier'« System gei^rüadei« 
Metkode befolgt. ^änmUicho Schüler, 130 ao der Zebl, werdea 
aar vn dem eioeo Lpbrer aaterriebtet , tie siad ia 7 Kiatsea ab^ 
gethallt» der Lehrgaop daaert drei Jabra. Daa lattiiot ba( tebaa 
die erfirealiebstea fte^tiltate geliefert. 



Nachtrag' »u den jOhimt, Aneb die ffarfe bat ein tolcbes 
erbaltea, ae iet ia Parii ertebiaaaa ead eatbSIt BeitrSge voa 6a- 
taye«, Larirlire, Godefroi, Praaiar «. A. 



VoD Dr. LiehtenthaU Dütonarto- di musiea erscbeiat su Paria 
eiae fraaiSaifcbe Uebaraatzeag. Dar Uabertetser heiaat Doaiaiqne 
lloado. 



L, Ni^derwuyer Ia Paria bat eioe, aaeb Bürger bearbeitete 
Ballada „La iioce de Ia LSonor*' voa E. Desehanps ia Mntik gt- 
aetzl; aie gefällt, wie alle Kompoaisioaeo dienet Maooea, io Pa- 
ria aehr. — Ueberhaupt aiod die Romanen, Bailaden und Chan' 
Sonetten dort ao der Tageaordoaog , dotzeodweise kommeo aie 
heraaa, aad ea ia^ allerdioga oicht za lengoea, daaa aich gerade 



I Ia dieaar Fora die eigeatbattliebaa Vorsafe 4er firaaiüaiadliea If«- 
ailL loa bellate Licht ateliea laaaeo. 



Daa Th^afre de Ia Reaaiaaaace bat ia Folge der ibn ertbeilteh 
Brlaobaiaa, f^audeviUe*a mit neuen Mehdien za giebao, eia oeaea 
Stück: Lady Molvil voa Griaar a«rgeriibrt, Hr Croealer aber, 
Direktor der komiacbea Oper, bat die Reoataaaoce deshalb gericht- 
lich io Aosproch geoooiBiea, indem er behauptet, Lady Hclvil aei. 
oichts als eioe verkappte komische Oper \ aad komiaebe Opern dür- 
fen dort allerdioga oicht gegeben werdea. Hier dürfte daa Urtbeil 
einea rnuaikaliacbea Salomo aSthig aeia* Uad wie, weaa noa an- 
gedreht daa Theatre de Reaaiaaaace voa eiaem io der Opera co- 
miqae aafgerdhrlen Stücke bebaoptcte ; ,,ea aei oichta all ein ver> 
kapptes VaodevKIe mit oeoen Melodiea*' — ? — Einen aoderen 
Streit führen beide lostltote gar über eine Peraoa. Bla jaager 
Maon war ala Chorist aater dem Namea Mdeine im kemiaebea 
Theatre aogtatellt, lieas aieb aber dann als Haopttäager aater dem 
Namen Mari^ am Theatre de Ia Reoaissaoce eogagtren. Dies sucht 
nun Hr. Crosnier dieser Bühne zo- verwehren, indem er aich aaf 
ein« Klausel im Privileaiom der Renaiaaaaee atützt, woroaeb di»> 
aelbe einea bei der Opera eomiqne angeateilt geweaeaeo Künetler 
erat nach 3 Jabrea engagirea darL Fraget lafe ein Cberiat aater 
die Küualler zu reeboen? 



Ankttndlt^ung^eii, 



j§ubscription 

auf die neae 

vollständige Pianoforte-Schule 

von 

Henry Hers 

im Yerbge der groaalieffioglieli keaaaackea Hefmaeikbaadlaag von 
B* Scliott'm.S6liiaen« 

Um die AnachairaDg an erleicbtem, haben wir die Einricbtnng 
gctreffoD, daaa daa Werk ia Heften von 6 Bogen gewftbnllclien Mo- 
aikfbrmaU in groaa Folio eracbeint , deren jcdca aar i Fl. 18 Kr. 
oder 16 gGr. , aloo den dritten Tkeii weniger ala die gewdbnlicben 
Maoikalicn kealen wird. 

Daa Ganae wird beiltafig 40 Bogen olark, dnreli einen achtacn 
Titel nad durch daa BUdniaa dea Vei&aacra w&rdig fpeaiert. 

Nach Abliefcrnng dea letzten Hellca — gegen Ende Jnni — 
tritt der gewfthnliche Ladcnnreia ein, nnd daa Wetk wird dann nur 
vallatandig in einem Baade ahgegebea. 
Maina , im Januar 1858. 



Li unaenn Verlage iat eraehienen : 

Wohlfeilste Ausgabe 

von 

G^raun's Tod Jßesu. 

Yollstaiidiger Klairierauszug mit Te£t. 
In dem vortrefflichen Arrangement von C F. Ebers. 

SttWcriptioaa-Prcia i Thir. 8 Gr. 
Ed« Bote 4* O. Bock In Berlin* 



Bei Uaterxeiehnetem iat aa eben eraehienen nnd in allen Bucli- 
nnd MuaihaUcn - Handlungen an erhalten: 

Ghetlis^nane mid Oolg;atliao 

Charfreitags - Oratorium. 
van 

irilhelm Schubert, 

in Musik gesetzt 
von 

Dr« Friedrich Schneidera 

Heraogl. Anhalt- Deaaaniaehmn HofhapeilBeiater. . 

rmrtltur.....' 8 RlUr. 

KlmTlermnnns %i Rthlr. 

Ble 4 Clionrtlninien U beaondem AMnwh ... i Rlhlr. 

jede daadae Stamme l Rthlr. 
Zerhet, im Fehraar 1859. 

€U A. Kumnacr. 



uNDPAnrrirER's neueste oper. 

Unteraeichneter hat daa Bigenthvamrecht der roaannliaehes 
greaaen Opcrs 

Ble Ch e n a e s e r I n 

von 

C. IilBdpaiBtBejr 

an sich ^^ebracht, und wird dieaeihe im vollatindigen Rlavicrana- 
auge mit teutachem Texte, ao me in einaclnen Nwnmem nnd dea 
fibiichea ArrangenMnta balda««glidmt eracheinen laaacn. 
Wien, den 18. Febmar 18S9. 

Tolbimm Mn«llMper, 
k. k. Hef- und priv. Runat- nnd finaahalienh&ndlcr. 



Leip%ig, hei BreUkapfsmd HärteL Redigirt von Dr. G. fV. Fmk unter seiner Ferantwortliehkeit. 



181 



ALLGEMEINE 



$m 



MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den 6'*" März. 



M 10. 



1839. 



Troisgrandes Sonatespour le Pianoforle 

eomposSes et dediees ä Mr. . Louis Berger par Fr. Ed, 
fVilsing. Op. 1. Berlin, chez Ed. Bote cl G. Bock. 
Op. 1. Preis 1 Tblr. 

Jun wiederhoUeti Malen haben solide Klavierspieler es 
lebhaft beklagt, dass die gediegen ausgebildele Form der 
Sonate» die der Cnlwickelüng geistreicher Ideen echt mu< 
sikalischer Art so überaus günstig ist, von der Mehr* 
zahl unserer jungen Komponisten auffallend vernachläs- 
sigt wird. Die Lrsachen solcher Vernachlässigung, zn 
offen in der Geschmacksrichtung unserer Zeit lii^gend, 
brauchten weiter keiner Berührung, wenn wir nicht des 
Glaubens wären, dass bei weitem der grösste Theil der 
Schuld in den Klavierspielern unserer Tage, am meisten 
In den Dilettanten, einer sehr zahlreichen und für öffent- 
liche Leistungen höchst einflussreichen Klasse, weit we- 
niger in den Komponisten selbst zu suchen sein dürfte. 
Es werden von jungen und altern Musikern ungleich 
mehr Sonaten komponirt, als das musikalische Publikum, 
das einzig nach den Druckwerken zu urlheilen vermag, 

fi;lauben kann. Die vielen Manuskripte^ die uns von al- 
en Seiten, so oft wir uns auch das immerfort bedeutende 
Uebermaass solcher Einsendungen d^s Zeitmangels we- 
gen verbeten, haben , eingegangen sind und noch einge- 
nen, verbürgen uns die Gewissheit, dass diese tüchtige, 
der eigentlich grossen Sinfonie vorangeeiite und der letzt- 

fenannlen ausserordentlich fördersame Form der Sonate 
ei wahrhaft gebildeten Musikern keineswegs so sehr in 
Misskredit oder in Nichtbeachtung gekommen ist, als es 
in den Gang der Dinge minder Eingeweihten scheinen 
mnss. Die allerwenigsten neuen Sonaten finden jetzt 
einen Verleger^ und sogar diejenigen, die jetzt noch ge- 
druckt werden, haben ihre Bevorzugung erwünschter bin- 
fiihrung in der. Oeffentlichkeil einem gewissen Grossmü- 
tbigkeitsgefohle namhafter Musikalienhändler zu verdan- 
ken, welche der Welt zeigen wollen, dass sie auch im 
Stande sind, von Zeit zu Zeit Herausgaben zu wagen, 
die im glucklichen Falle nicht zu sicherm bürgerlichen 
Vortheile, sondern eher zu ihrem Nachtheile ausfallen 
können; sie wollen beweisen, dass sie für das Beste 
der Kunst auch einmal ein O^fer zu bringen im Stande 
sind. Kommen also einmal neue Sonaten heraus, so ha- 
'ben die Musiker, gehören sie noch nidit zu den geehr- 
iesten Komponisten, die sich schon durch Unterzeichnung 

ihres Namens empfehlen ,. abgesehen von Art und Vitr 

■ ■ 'i * 

41. Jfthrgans* 



nennung ihrer Werke, dafür zu danken. Sie dürfe« 
sich in jedem Falle für überzeugt halten, dass jeder ein- 
zelne Verleger ungleich besser weiss, als alle Komponi- 
sten zusammen, was dem äusserlichen Erwerbe günstig 
ist. Die letzten geben daher nur höchst selten ekimat 
etwas auf noch so beglaubigte Empfehlungen, und wären 
sie unumstössliche Zeugnisse von der Güte der anger 

I|riesenen Werke, sondern sie drucken, und ganz natür- 
ich, ohne dass man befugt ist, sie deshalb zu verdam* 
men oder zu verkleinern, am liebsten solche Dinge, von 
denen sie ihrer Erfahrung nach hoffen dürfen, dass sie 
ihnen guten Absatz bringen. Was daraus für diejeni«> 
gen folgt, welche die Kunst in ihren schönsten Formen 
gepflegt wissen wollen, springt ohne viele Worte in die 
Augen. Die Liebhaber und Pfleger fördcrsamer Leistun« 
gen mögen ihre Klagen nur nichl durch Worte, sondern 
durch Silber zu beseitigen die Güte haben, und wir leben 
der gewissen Zuversicht, dass sie bald Sonaten über $o« 
nalen, ja sogar noch mehr als sonst, gedruckt ^ehen sol- 
len. Das ist im Grunde Alles in Allem, was ai^* Erden 
gilt und Macht gewinnt, und man kann es nicht oft ge- 
nug wiederholen. Wer einen Wunsch hai, muss etwas 
Handgreifliches, nicht blos etwas Deklamatorisches , da- 
für ihun. Auf wortschöne Versicherungen der Liebe 
einer Wesenheit oder eines Ideals halten wir selbst nicht 
eben viel: wer aber im Zeitlichen und Irdischen dafür 
ihut und handelt, ist uns der rechte Freund und Lieb- 
haber, er fördert, während die Andern vergebliche Worte 
machen. Vom Materiellen, gut angewendet, geht es zum 
Geistigen: umgekehrt geht's in derMenscbenwelt nicht. — 
Zwar haben die Beschirmer und Wortredner der alten 
Sonalenform allerdings Recht, wenn sie meinen, die mei- 
sten unserer jungen Tonsetzer wären nicht mehr im 
Stande, eine ordentliche Sonate mit Geist zusammen zu 
schreiben. Die meisten haben sich an Flickwerk ge- 
wöhnt, an willkürliches Aneinanderkleben kurzer und 
sonderbarer Phrasen, die ihre Schönheit geradehin in 
einer verzweifelten Armuth finden, die nur dadurch noch 
einigermaassen versteckt werden kann, dass sie aus einer 
reichen Sammlung aufgelesener Fetzen mit scheinbarer 
Selbständigkeit Lappen neben einander kleistern« die nicht 
im Geringsten zusammen gehören, und so das anffalljendste 
Quodlibet der buntesten Musterkarten einer Krämer bu^ 
bilden, deren Tändeleien Originalitäten neue.»ter Mani(sr 
heissen. Diese Originaljünglinge madien freilicli kleine 
Sonaten ; sie verschmähen sie vielmehr, nenn^ deif lei^ 
eben,, weil sie das Zeug nicht dazu jiahen., |lte ZöpCe^ 

10 



«15 



1859. März. ]Vo. 10, 



184 



ZQ deren Abschneiden sie sich geboren wähnen, wie ver-^ 

es Andere^ flie Ky^ft ■na Arai^ in eiph fahle», auf 
^oMnetem Wege rechtschalGrnfer 4^(l(wIrtsbildiM)g dem 
erhabensten Meistern edelsinni^ nachzustreben. Für diese 
wackern Kunslnaluren sind Hindernisse- «Mtr- Art, -mir 
keine Aufmunterungen da. Die Grosszahl der Spieileutß 
er^pöl 3^1 sich mit Potpourri und andern pourri , umi 4it 
l%n«tefifreunde verlangen gleich im Op. 1, dass^ es We- 
nigstens neben Mozarts und Beethovens Vorlreßlit-hkei- 
feti tt1t1!M^n' sielien'und tluien etwa ein kleines Ver- 

Sägen, wie Hunimels AmolNSonate bereiten soll. Ist 
m im neuen iVerK^ nicht ganz so, dabei nicht im Ge- 
ringsten an jene Heroen erinnernd, sondern abgeschlos^ 
sen ergenthumlitb und ^rossmeislerlich ausgebaut, so zu- 
dtert £e SoiiiHenfrennde selbst die Achseln und meinen: 
Ja, 4a^ 'Ding ist wohl recht gut gemeint ; der Mann hat 
tfel Talent,' ist aller Ehren werth: aber kaufen kann 
ich's dodi nichl; wir wollen warten, bis er wie Beetho- 
v*ti schreibt, d. h. bis er verhungert ist. Hernach bricht 
das ükigeu von Neuem los : Wir haben keine Son^ften- 
schreiber! — Kommt nun nächstens ein Anderer, der 
wieder Muth hat, Sonaten zu dichten, und bietet die acht- 
zehnie einem Notenverleger an, so weist dieser auch die 
beste zurück, weil er an der vorhergegangenen, die doch 
von Kennern belobt worden war, sein baares Geld zu- 

Seselzt hatte. — Das und manches Andere, was sich 
eder leicht dazn denken kann, ist der Hergang der 
Sache und ist wie mit der echten Dichtkunst : Wir hät- 
ten sie wohl, aber wir haben sie nicht, weil wir nichts 
daran wenden wollen, als höchstens eine Klage voller 
Ungerechtigkeit. — Uebrigens ist es naiurgemäss, dass 
eine bis zur Vollendung ausgebildete Form, in welcher 
üeh der Geist so frei und schön bewegt , wie David in 
seinem Schäferrocke, einer andern unter der Menge 
weicht, weil der Mehrzahl der Neuern zu sehr jene ge- 
ordnete freie Bewe;gung oder jener erfahrene und gross- 
artige Geist, auch wohl Beides fehlt, weshalb sie frei- 
lich vpn Vielen, und nicht grundlos, vermieden wird. 
Djftnmi ist jedoch weder Form noch Geist dieser. Art 
yet'loren; weil man genug zu thuu hat mit den Wer- 
keq, die bereits vorbanden sind. So ist e& mit Fu- 
gen, Oratorien und sogar mit Quartetten gegangen,' und 
Sü geht es nun auch mit den Sonaten : allein todt ist 
keines, sie sterben nicht, ob sie gleich von Zeit zu Zei^ 
Mne kurze Frist ruhen, urp sich bald unter den Gehil- 
delen desto glänzender zq heben. An Fugen, Oratorien 
Und Quartetten haben wir es jetzt schon wieder erlebt; 
die alten sind nieder nen in*s Leben gestellt und neue 
tüchtige sind ihnen an die Seite gesetzt worden.' So 
und nicht anders wird das Schicksal der Sonate sich zei- 

5en, an dessen Gang rn Verspätung oder Beschleunigung 
es Menschen Thun und Gesinnung «tets grossen An- 
Yheil hat^ am meisten im Gebiete der Kunst, die des 
Menschen Eigenthffmlichstes ist und darum sein Prei^stes^ 
8ie Erstgeburt seines Wesens, in welcher jede Zeit ihr 
treoestes Ebenbild abspiegelt. — Endlich hat doch ^uch in 
mtsern Tagen manche vortreffliche Sonatensammluhg jetzt 
lebender Tonsetzer das Liebt derOeflenUiebkeit erbfickt: 



Sie würden Viele ergötzen, wenn nur Viele sie gebüh- 
rvidei^tudirfn ntd ilireni £«||all# i^id.. W«i^» i^afib 
darstdiva kmen wditeii, wie ea unier Ausgez^hMS^liefi^ 
ab^r leider iiiir au IVciiigei> %>ixklkli geSchiel|i; 

Hier haben wir nun abermals eine neue, von einem 
bisher iiot4r ginzKch unbekannten Manne verfassie So- 
niUeefhalteu, die dem tüchtigen Klavifrmeisler und Korn* 

KiBtsien Louis Berger, dem Schüler (Ileofimti*«,* den vfV 
kurzem der Tod aus unserer Mille' rief,' gewidmet ist, 
die gewiss früher, vor dem Drucke, von ihm gebilligt 
und schön gefunden wurde, womit wir selbst völlig über- 
einstimmen. Das Thema des ersten Satzes, All. %, 
Fmoll, ist einfaeb iind ungcswiki, in f^e^eif^ guter 
Eulwickelung festgehalten und durchgeführt, immer an- 
ziehender in natürlich verwebten imituloris<'heo Folgen, 
die durch geschickte, aus dem Tbeoi;i theils genommene 
theils ihm nahe liegende Verbindungsglieder, so wie>durch 
unerwartete Einsätze, weli'be zur gexliegenen Form notli* 
wendig Neues bringen, bedeur^nÜ g^^hoOen werden, vor- 
dusgesctzt, dass das jSanze gehörig erfasst uud karak- 
tergeniäss vorgetragert wird, wobei 'wir nur vor ^u'bng- 
samem Tempo warnen» Dass der zweite Theif reicher 
und länger gehalten ist, als der erste, ist in solchen 
Sätzen in der Ordnung. Das AndaOte, %t Des dur,. 
ist auf ein überaus liebliches, sehr einschmeichelndes 
Thema gebaut, dass zuvörderst inzwei achttaktigen Thei- 
len schlicht vor die Sinne geführt, darfutf glänzend, im- 
mer reicher in gut wechseliiden, oft neuen Figuren va- 
riirt wird. Das Scherzo, All. mollo, Fmoll, %, jnabnt 
in der Erfindung an Beethoven und bedingt in sicherer 
Haltung ein eben so Sicheres Spiel. Den Schlusssatz, 
All. molto, Vt, Fmoll, wird man schon in seiner An- 
lage am eigenlhümlichsten finden, was die weitere Ent- 
wrckclung noch mehr verdeutlicht. Solche Sätze er- 
fordern aber ganz besonders, dass nicht blos die Noten 
richtig abgespielt werden, sondern dass im Vortrage das 
Wesentliche klar uiid inhaltsgemäss herausgestellt wird, 
was IVlandiem, so wenig Schwierigkeiten sich 9udi dem 
Auge darbieten, keine zu leichte Aufgabe sein dürfte, 
die jedoch, ^ne es sich von selbst versieht, gelöst wer- 
den muss, wenn das Ganze gebührend elTektuiren soll. — - 
Wenn nun ein Mann , wie Herr Wilsing, mit seinem 
ersten öfTentllchen Werke so auftritt, ist er aller Beacht- 
nng und sein Werk aller Empfehlung >^erth. Ob es 
hingegen ein so zahlreiches P^ublikum , als dazu gehört, 
Hass die ÜMusikalienverleeer durch gute Erfolge zum 
Drucke anderer solcher Werke ermulhjgt werden, wirk- 
lich beachfen wird, bleibt beim jelzjgeh Stande der Ge- 
schmacksrichlung noch immer eine Frage, deren Beant- 
wortung den Liebhabern des Klavierspiels übeilassen wer- 
den miiss. Wir selbst haben es schon erlebt, dass von 
mancher guten Soualensammlung unserer Zeit nur s<ihr 
wenige fiAcmpIare abgesetzt worden sind. Ginge e^ 
mit dieser eben so^ so kl^e man weoigsleiis nic^ übel* 
Mangel an guten Heuen Monaten; es wäre Niemand 
daran Schuld, a'Is der Geschmack des Fubtilums, das 
sich grösstentheils von ihnen abgewendet hat und dai 
auf der andern Sciile junge talentvolle Komponisten nichl 
mehr fHrdem helfen will, indem es an jedes Erstlings'^ 



Itt» 



4859. . März^ No. M^ 



9m 



werk, die nie zn eriSU^nde^ Jj^orderobg ^^^^^ ib jeder 
Rücksiebt eagz voITeDdeien Bfeistersluckes macht, das 
die vorhandeden sogar noch' übertreflTeo soll. Ein ge- 
wisser Grad der McistcrscbaA muss allerdings schon er- 
reicht sein, ehe sich irgend ein Künstler in*s UefTeul- 
liche zu wagen ein Recht hat : aber die liöchsle Mei- 
sterschaft wird in der Kegel doch nur vor den Augen 
und durcli (Jnlerstülzung des Publikums erreicht. Was 
in der Zeit nicht fallen, nicht vernachlässigt werden soll, 
muss thätigen Antheil gewinnen > den wir allem Guten 
lebhaft wünschen. g^ ff/-^ Fink. 



Vierliändiges für das Pianofarte. 

Grande Sonate — par J. C. Klebe. Oeuv. 12. Brons- 
vic^ chez Pridolin Luciuä. Preis 1 Thir. 
Gehört auch diese 4händige Sonate in keiner Hin* 
Sicht zu den grossen , so gehört sie doch jedenfalls zu 
den sehr brauchbaren, namentlich für vorwärisgeschril- 
tene Schüler und etwas fertige Dilettanten. Ein kurzes 
Andante maestoso, Cdur, %, fuhrt in ein nicht tiefes, 
aber gut zusammenbaugendes und mit freundlichen Siel» 
Icn durchwehtes AH. sgilato, Cmoll, %, das schon einige 
Gewandtheit voraussetzt. Der JUiltelsatz, Andaiile con 
iinima, Asdur, %, hall sich melodisch in mancherlei gut 
harmonischen Ueherfängea, ohne etwas AuitailcndeSt 
noch weniger etwas blpreudea einzumischen. Am besten 
ist der Scliiusssaiz, All. con pol o, CmoK, %, gearbei- 
tet, Rondo- airlig, in den Zwischensätzen durch einige 
feschickte Imilazionen gehoben. Die wiederkehrende 
feberscbrift „tuui/* lässl vermulhen, dass es nach einem 
zweihändigen mit Orcbesterbeglcituug versehenen Salze 
arrangirt werden ist: es passt aber genau zu den vor- 
liergpgangenen Salzen uud bildet so für den angegebe- 
nen Zweck ein recht uülzliches und hübsches Günze. 



Ftmtaüie $ur det möt/ß de tOpSra: Le Domino noit — 

Ear.J. B* BuBernon. Oeuv. 87. Leipzig, chez 
Ifeitkopf ei H&rtel. Pi»ehi I ThIr. 4 Gr. 
Di6 gefanig<*n Motive, sSmmtlich im Tripellakt, alle 
tanzlich, sind hübsch verbnndefi, zuweilen variazions- 
mSssig ausgeführt, nicht schw^<^r, aber auch nicht leer, 
3tets angenehm mUerhaltend^ völlig im Geschmacke der 
Äfften ; auch für ifttwas fertige Schüler zur Uebung 
xeta- braacbbat. • • • 



Gr^nd Copme drajimiijjfue\^0ur - tes ffugmenct$ -^ par 
J.,B. PiOff^i . UmV. ^131. fibebdaselksi. Preis 
1 ThIr. 12 Gr. 

iNesea fk»fifek*iHiherf im^e^^lf^, nh^r nicht nrtter dem 
YlerhSudigfji oHt aufgetOhrle V^^rk ist für erwachsene 
Spieler, Allen, die geschickt \erbuadeua Openino4ive 
liabe»^ cid« aoziekeiulti luld effektvolle (Jnttrlialtufig hie- 
ttiid. F#r gmlüge Ergdtztin^n eipet es sich nach 
g«b9ri|9fer Einöhang, ^die friässigen Pianisten, öiclit za 
viele, jllUit^. naicben ^V^^^gaoa^ ke«o»dera. . / 



Nocturne sur un Air de Cartdfa-^ par ZT^üCarr; Laip« 
zig» chez G. Schubei't. Preis l2 Gr. 
In jeder Hinsicht leicht firaosSsisch oder italienisobif 
für Anfänger recht artig« . > 



Iniroduction et Polonaise briflante — par F.' Rücken. 
Original -Bibliothek, Heft 19* Leipzig u: Hamburg,' 
bei Schubert und Niemeyer. Preis 12 Gr. 
Die Einleitung ist gehaltvoR und schon» die Polo- 
naise trefllieh. 



Variations faciles et agreables sur le tMme faoori > de 

r Opera: Hans Heümg de Marschner ,»8o nhoUett 

wir auf kurze Zeit'* — pBrF.L.Sckubart. Oeuv. 24. 

Leipzig, chez ttreitkopf et Uärtel. Preis .16 Gr. 

Wirklich leichte nni angenehme Variaeionen, gel 

erfunden und vöiiig das, was sie se« wollen ; für Schfi* 

1er überaus nüizlidi, vorzüglich um Takt und Rhythmus 

eioTittübeii» was nieht geoag herücksichligl wenlen kann. 



Ate Marches — par C. G. Belcke, Oeuv. 15. 2^ 
Liv. Leipzig, chez 6. Schubert. Preis 20 Gr. 
Abermals eine erfreuliche» sehr empfehlenswertbe 
Arbeit des langst gekannten und manniclifacb heiiebtea 
Komponisten, woran sich gewiss Viele erfreuen werden, 
um so mehr, da jetzt weniger Märsche gedruckt erscheir 
nen» als sonst. ^ ,,. 

Iniroduction et Variations amusantes sur Jpßir ttisjof^ 

vori: ,,Was soll ich in der Fremde tbun'* -r* pav 

F. X, Chwatal. Oeuv. 29. Alagdehourif» ehea £ras4i 

Richter et Wagner; Preis 12 Gr. .... 

Die UinleituDj} ist an sieh gut, nur 2« grossanig 

gegen das Folgende, was jelzt Mode geworden isU; 2ttttf 

Glück ist diese Mode schon wieder im Aknebmen. Wie 

Variazioneu siud hübsch uud so gefällig, als man^^es von 

diei^em Jugendkemponisten in der Regel gewe4>ftt ist^ 

Nur das Leuto hat zm. viel Gcsuchies für dtiise leichte 

Weise. 



Püees faciles -^ par C. Erfurt. Oeav. '49. Ebenda» 
selbst. Preis 16 Gr. 
Bei alier Leicfaligkelt sind diese 3 SlStitt tiicht blos' 
melodisch aa^i barmoniscb ausgezeichnet» sondern auch 
durch angeiicfhme Ijigehtfaümlichkeit sehr empfehlenswe/lh. 
Für Kinder und Oberhaupt füf Aufiinger sind sie vor-, 
trefflich. Aufmerfcsartte Lehi*er iivcrden sich dieses nütz- 
Uebe abd ansprechende Weibchen nicht entgehen lassen/ 



'Hfl 



Nekrolojf. 

.. »,.Baacli triU 4fir Tod dJaa MtasflUa a«! «« 
Luddtiig Bergtr werde anu 18v April W^it^fl^ > 
lin geboren und stech sllöAzlicIi am» I6.1 FeUmMtiiSM« 
Alergensy ncihrand desi IJMerricbft» bei «ioer>^ht)eriil» 
inAem «r ebe« v^d Vintol . lUi Xifat« lant^^Mrik^» «m* 



107 



fö59. März. No. 10. 



188 



mmiltelbär daraof leblos binsank ; noch ehe die Zahl 4 
über seine Lippen kotnmen konnle. Seine Erziehung 
erbiell der Knabe (Sobo des Bao- Inspektors Berger) zu 
Templin in der Uckermark, und verlebte die Jünglings- 
jahre in Frankfurt an der Oder. Schon in früher Ju- 
gendzeit ;Beigle sich Berger 's musikalisches Talent, wel- 
cher nach einigen gelungenen Versuchen in der Kompo- 
sizion sich ganz der Tonkunst zu widmen beschloss, 
und sich deshalb als Jüngling nach Berlin begab, um die 
Dölhigen Studien nach Anleitung des tüchtigen Theore- 
tikers nnd gebildeten Musikers Kapellmeister Gürlich 
zu beginnen. 1801 wollte L. Berger seine künstleri- 
aehen Uebungen unter Nanmarin's erfahrner Leitung iit 
Dresden vollenden, als der Tod (fast eben so unerwar- 
tet plötzlich, als Jetzt bei Berger) Naumann's insbeson- 
dere für echte Kirchenmusik so heilsamem Wirkungs- 
kreise ein Ziel setzte« . Da Berger's Hoffnung einer An- 
stellung von Dresden aus nicht erfüllt wurde, kehrte der- 
selbe nach Berlin zurück, um die nötliigen Subsistenz- 
mittel durch Unterricht im Pianofortespiel zu gewinnen« 
Dies war der erste Schritt auf der später von Berger 
so rühmlich verfolgten Bahn als Musiklehrer. Im Jahre 
1804 hörte Clementi auf seiner Durchreise Berger in 
Gesellschaften selbst komponirte Pianofortestucke spielen, 
erkannte sein, damals nur noch nicht vollkommen aus- 
gebildetes Kunsttalent, und erbot sich zu seinem Leh- 
rer im Pianofortespiel und in der Komposizion, unter der 
Bedingung, dass Berger Clementi aui seiner Kunsireise 
nach bL Petersburg begleiten solle. Freudig nahm Ber- 
ger diesen Vorschlag an und folgte Clementi in Gemein- 
meinschaft mit dem jungen Klavierspieler Klengel (dem 
1'etzigen Organisten an der katholischen Hofkirche zu 
)resden, einem seharfen Kontrapunktisten). In Peters- 
burg wurde Berger bald vortheilhaft bekannt und ge- 
wann im elastischen Anschlage, wie im Vortrage seines 
Spiels noch ungemein durch John Fifld*s musterhaftes 
Vorbild. Sechs Jahre blieb Berger in Petersburg, hatte 
sich daselbst mit einer früheren Verlobten aus der Hei- 
math glücklich verheirathet , die geliebte Gattin indess 
schon in dem ersten Kindbette, bald darauf auch das 
Kind verloren. Dieser Umstand legte den Grund za 
Berger's, später immer mehr zunehmender, schwermü- 
tbiger, leicht reizbarer und launenhafter Gemuthsslimm* 
ung, welche in den letzten Dezennien seines Lebens 
noch durch Kränklichkeit vermehrt wurde, da Berger 
häufig an Herzkrämpfen und Beklemmungen» auch an 
nervösen Aheumatismen litt. Auch auf seine künstleri- 
schen Leistungen hatte dieser körperlich und geistig krank- 
hafte Zustand in späterer Zeil grossen Einfluss. Den- 
noch konnte Berger sich im Kreise gewählter Freuode 
noch zu Zeiten gemülhlicher Mittheilung hingeben und 
mit lebhafter Theilnahme wahrhaft guten Musikaufliihrun- 
gen, früher selbst thätig, dann als aufmerksamer Zuhö- 
rer nnd Sachkenner beiwohnen. — Im Jahr 1812 ver- 
liess Berger Russland , indem er sich über Stockholm 
nach London zu seinem Lehrer Clementi wieder begab, 
uihI durob Unterrieht, wie durch Konzerte sich eine sor- 

Eofreie Existenz sicherte. 1814 kehrte Berger nach 
iger Abi^esenheit nach Berlin znrfick, wo er sieh an- 



fangs fast ganz isölirt fand, und damals mit dem Unter- 
zeichneten, wie auch mit Rungenbagen, Fr. Wollaock^ 
B. Klein, L. Rellstab n. A. freundscbaniichen Umgang 
pflegte. Berger gab damals auch ein öflVntliches Kon- 
zert, worin er sich mit eignen, wie mit Clemenli^schen 
Komposizionen mit so entschiedenem Beifall hören liess, 
dass er bald als der erste Pianororlelehrer in Ber- 
lin anerkannt, häufig gesucht und verhältnissmässig hoch 
honorirt wurde. Der Ruhm und das Verdienst eines 
höchst gründlichen, geschmackvollen und strengen Kla- 
vierlehrers ist Berger auch selbst dann noch geblieben, 
als die Technik des Pianofortespiels in übermässige Kün- 
steleien ausartete, welche den Gesetzen der Schönheit 
widerstreben. 

Die bedeutendsten Schuler Berger's sind Felix Men- 
delssohn -Bartholdy und W. Taubert, der erstere frei- 
lich vorzugsweise von eigenem eminenten Talent, und 
auch durch J. N. Hummel temporär im PiaUipfortespiel 
ausgebildet. 

Als Komponist hat Berger ^^non multa^ $ed mtil- 
tum*^ in den wenigen, der Oeffentlichkeit übergebenen 
Musikstöcken geliefert, welche sich auf etwa 4 Piano- 
fortesonaten (unter denen sich die Sonate pathetique in 
Cmoll, in Beethovens grandioser Weise besonders aus- 
zeichnet), einige Variazionen, Rondo's (z.B. alla Turca), 
eine Toccata , eine ausgezeichnet schöne Fuge ' nebst 
Präludium, Märsche, zwei Hefte sehr werthvolle Etüden» 
wie für den Gesang, auf Lieder mit Klavierbegleitung, 
z. B. die unter dem Titel: „Die schöne Müllerin*' sehr 
beliebt gewordene Liedersammlung von Wilh. Müller, 
und mehrere Lieder für vierstimmigen Männergesang be- 
schränken, zu welchen letzteren die von L. Berger und 
Bernhard Klein gemeinschaftlich gestiflete zweite oder 
jüngere Liedertafel die Veranlassung gab. Wir erwäh- 
nen von vielen kräftigen Liedern hier nur die besonders 
gelungenen patriotischen Gesänge: „Andreas Hofer '^ 
und ,, Theodor Körners Tod,** welche zur Zeit ihres 
ersten Erscheinens eine begeisternde Wirkung ben'or- 
brachten. Auch eine Sinfonie von L. Berger (eine Ju- 
gendarbeit), ganz nach Mo^rl's Vorbild gehaltvoll durch- 
geführt, wurde in einem der hiesigen von Felix Men* 
de Issobn - Bartholdy im Saale der Singakademie (1832 --- 
1833) veranstalteten gehaltreichen Konzerte mit vieler 
Theilnahme gehört. . . 

Im Manuskript hat L. Berger öoch viele, zum Theil 
unvollendete Werke hinterlassen, da der Verewigte mit 
der Veröffentlichung seiner Geisteserzeü^nisse sehr zu- 
rückhaltend war *). Möchte daher eine vollständige 
Sammlung seiner bereits gedruckten , so wie seiner za* 
ruckgelassenen Komposizionen doch ja recht bald veran* 

*) £a befladeD lich Ja dem NaoMsMe anlftr aDd«rs eio lUayier» 
lioozert, zwei SiofoDieeo , Tiiof oder sechs Qaartelte (jogeiid-- 
arbeiten), wunder^chSo, mit atlem Reichlhojn der Wisseoschaft 
oad Pantüsie s«s<^brlebea , Variatioaeo aaf das Tbena : Ah 
vous dirai j« raaDao , aaf die dar Komponist eiganHindif g^ 
schriebeD: ,,Meia besles Werk/* eioa gra^tfa AoaaH kleioer. 
Riavierslücke, viele freilich oavoUeodet, Lieder, Märscbe^ 

' scherzhafte Ranods , Fugea a. s. w. , so dass selbst oach 
•treoger Aasvraiil Wenissieni eoeh eben so viel verSflTeatHcbl 
werden kaaa^ als sehea von Berger erschieoea ist. 



le» 



1859. Muz. No. la. 



190 



slallet werden, zum NützeD far die Tonkunst und ihre 
Jünger, wie zur Ehre des Verewigten , dessen irdische 
Hülle am 20. Februar d. J. von einer grossen Anzahl 
dankbarer Schüler und theilnehmender Freunde, zum 
Theii zu Fttss, zur letzten Ruhestätte feierlich geleitet 
wurde. Am Grabe halten sich auch Schülerinnen des 
Entschlafenen versammelt, und Gesänge von Mitgliedern 
der Singakademie (deren vieljähriges Mitglied L. Berr 
ger war) und der jüngeren Liedertafel vorgetragen (der 
Choral: ,, Jesus meine Zuversicht und ein erhebendes 
Lied von Berger selbst) klangen dem zu früh entseelten 
Künstler aus tief bewegtem Herzen nach, dessen An- 
denken sich in seinen Werken, wie durch seine zahl- 
reichen, zum Theil sehr ausgezeichneten Schuler noch 
lange fruchtbringend erhalten wird. 
Berlin, den 23. Februar 1839. 

Nach vorhandenen Quellen und eigener Kennlniss 
mitgetheilt von 

J. P. Schmidt. 



Naghbichten. 



Paris^ den 23. Februar 1839. Unter den zahlrei- 
chen Konzerten, welche bis jetzt diesen Winter hier 
statt fanden, sind zwei von teutschen Künstlern gege- 
bene die vorzüglichem. — Das Erste von Bärmann, 
Vater und Sohn, rief manche(n Zuhörer^ alte Erinnerun- 
gen in*s Geilächtniss zurück. Herr Bärmann hatte sich 
vor zwanzig Jahren schon einmal in Paris hören lassen, 
und diesmal führte er seinen Sohn mit sich, dem er, wie 
es schien, sein, ganzes Talent Übermacht hatte, ohne da- 
durch an Kraft und Gehalt verloren zu haben. Solche 
Zufalle sind Wundererscheinungen , wie sie sicü nur im 
Gebiete der Kunst vorfinden mögen. 

Die Herren Bärmaun, zwei ausserordentliche Talente, 
geboren zu der geringen Zahl derjenigen, die sich eben 
so sehr durch Bescheidenheit als durch Kunstfertigkeit 
auszeichnen. Unbekannt mit jenen artistischen Gauke- 
leien, die einem Anschlagezettel aufschwatzen, wovon er 
eine leichtgläubige Menge überzeugen soll, und wohin- 
ter eben so viel Cbarlatanismus als Leere steckt, zeigen 
sich die Herren Bärmann wie sie sind: einfach, schlicht, 
ansprachlos an Person und im Spiele, ein Hauch, eine 
Bewegung, ein Goss, ein Gefühl. Die beiden Künstler 
trugeo zwei Duette vor, das erste von Bärmann Sohn, 
das zweite von Mendelssohn komponirt ; meisterliche Ar- 
beiten ^ die, wie ein Solo von Bärmann Sohn, mit ein« 
stimmigem Beifall .aufgenomm<^n wurden. 

Döhler^s Etüde und Fantasie über Motive aus the 
Gipsy's Waruing folgte ein donnernder Applaus. . Der 
ausgezeichnete Violihspieler Panofka tru^ mit tiefem Ge- 
fühl eine Elegie (eigene Komposizion) vor, und Fraul. 
Nan öndMad.Dorus-Gras, beide Sängerinnen der grossea 
Oper, ernteten .verdienten und gewöhnten Beifall. Le- 
vaasenr trug energisch und ohne Uebertreibung das be- 
rohmte Piff paff aas Meyerbeer's Ungenottea vor. 



Das Konzertprogramm Hess nebst diesen noeh atf 
das Bruchstuck einer Oper von G. Mainzer hoffen. We- 

fen Unpässlichkeit eines Solosängers sagten die Einen, 
onnte die Sache nicht aufgeführt werden, die Andern 
lispelten sich Zweideutigkeiten in die Ohren, wovon wir 
wegen- richtiger Begründung nichts wiederholen möohlen« 
Ein zweites Konzert gab der königl. würlembergi- 
sche Kammerfagottist Herr Netikirckner , ein tüchtiger 
Künstler, dem viele Auszeichnung zu Theil ward; die 
Gesellscban, unter welcher wir unsere ersten Ton- 
künsller, als Cherubini, Berton, Paer, Vogt u. A. neben 
mehreren Ambassadoren ausländischer Mächte erblickten, 
hatte sich nebst dem übrigen Personale in H. Herz's 
neu erbautem Saale versammelt. Neukirchner spielte, 
bezauberte, riss die Menge mit sich hin und hatte die Ehre, 
zwei Mal hervorgerufen zi| werden. Die Herren Krü- 
ger, Wilhelm und Theophile, kamen ihrem Landsmann, 
ersterer mit seinem gediegenen Klavierspiele, der zweite 
mit seiner Harfe zuvorkommend entgegen. Zwei teul- 
sehe Mädchen, Fräul. Paulme Marx und Anna Zerr, 
Schülerinnen des Konservatoriums, liessen sieh gelegent- 
lich zum ersten Male hüren. Was die Eine durch Um- 
fang, Stärke und Entschlossenheit empfiehlt, ersetzt die 
Andere durch innige, seelenvolle Creschmeidigkeit. Es 
sind dies glänzende Hoffnungen, worauf sich die Mnsik* 
weit freuen darf. Unvorhergesehen Iress sich auch der 
grossherzogl. badische Oboist Reuther hören, der so eben 
m Paris eingetroffen war. Je unerwarteter die Erscheinung, 
desto grösser die Ueberraschoog , der wackere Künstler 
erregte wahrhafte Freude und lebhafte Bewunderung. 

6. Kästner. 



Prag, Februar. Endlich hat unsere Oper eineNenig^ 
keit gebracht! — und zwar: „Ein Besuch in St. Cvr,** 
komische Oper in drei Akten von BanemfeM, Musik 
von Dessauer, welcher, zuerst in Dresden gegeben, ein 
guter Ruf voranging. Die Handlung der Oper fällt in 
Jene Zeit, wo König Jakob II. von Ludwig AlV. gast- 
lich aufgenommen, in dem königlichen Lostsohlosse 
St. Germain wohnte, und der erhabene Wirth Alles 
a*ufbot, ihm und seinem Gefolge den Aufenthalt in 
Prankreich sp angenehm als möglich zu machen. Nur 
den Liebling Jakobs, Sir Eduard Mortimer, zu zerstreuen 

Selingl nicht, so sehr sich auch sein Instiger Freund 
larquis Tarteron darum bemüht; denn zu seiner Sehn- 
sucht nach dem Valerlande hat sich noch das Gefühl der 
Liebe gesellt. Er hat nämlich in der unter Frau von 
Maintenons Schutze stehenden Mädchenerziebungsanstalt 
zu. St. Cyr die reizende Adele nicht allein kennen und 
lieben gelernt, sondern die Schöne theilt seine Gefühle. 
Eben hat Ludwig beschlossen, seinem königlichen Freunde 
und Schützlinge ein Fest zu geben, in welchem die sehö- 
iten Zöglinge von St. Cyr ein allegorisches Soiiauspiel 
mit Gesang anflBhren sollen^ und ladet Mortimer und den 
JMarquis mit den dbrigen Rittern zur Probe dieses Schan^ 
Spiels ein. Fruchtlos sucht Tarteron settiem Freunde, 
dessen Geheimniss er zum Theil errathen , die Detaik 
abzufragen, und eben so schweigsam isl Adele; diese 



«lai 



1859., Mi^i Nou ^. 



480 



iMllinitDlieb itn Frie4«H:i uii4 ihre maUiwUiige Frean- 
^iU^ Elim (>€n Sehers rorstelUii. Aucb Elise liebt be- 
.reils deft Marquis Tarieren, uüd, durch Adeleiis Zer- 
*lre««ng überzeugt sie sich, dass die Freundin niiL ihr 
•in gieiobeni Falle ist, und droht, weil sie 'sich ihr 
.niebi vertrauen will, ihr Geheioiniss um jeden Preis 
20 erforschen. Der König und die geladenen Kitter 
ersebeiieu in St. Cjr. Die Probe beginnt* Mprli- 
flier niotint seinen Platz als Stellvertreter seines Mo- 
narchen neben dem König ein, und w^agt es, als ihm 
Adeie ^e Friedenspakiie, nnd Elise einen Kranz. von fri- 
.sdien Rosen überreicht, der Geliebten ein Brierchen za- 
■zusK^pMe» welches er schon zu diesem Behufe mitgo- 
noHHBeo- Zum Unglück siebt dies nicht nur Elise, $on- 
.4ern ajttd» die strenge Inslilulsvorsteberin Mademoiselle 
Penise, weiche nach der dlusikprobe Adele einem stren- 

Eu E&amen unterzieht, und auF die Auslieferung des 
llets dringt. Nun wird Elise die Retterin ihrer Freun- 
din« Sie bekennt, das Billet habe eigentlich ihr gegol- 
leRf und beantwortet dasselbe, während die alle Dame 
>«ii4 Augengläsern liest, auf den Schultern der zitternden 
•Adele mit Bleistift. Diese iraprovisirle Antwort enthält 
80 grosse und übertriebene Schmeicheleien für Mademoi- 
.eelle Penise, dass $ie üir den Fehler ge^en den Ausland 
vergibt, und sich bei dem Könige für das Liebespaar zu 
vei'Wendeo veRspricbt, Alles ginge gut; aber als Elise 
den Sir Slorli^ner ^on der Lage der Soche unterrichtet, 
wird Tarieroo eifersüchtig, ruft Mademoiselle Penise 
liid diöe König herbei, jene bittet um die Einwilligung 
des iloikarckea (ur den Ritter und das Fräulein, und 
Lvniwig legt die Hände beider in einander. JVlortimer 
und Adele sind in Verzweiflung, Tarteron wülhet vor 
Eifersucht, und will sich mit seinem Freunde auf Tod 
^•d Leb4$o schlagen ; dock Elise macht den Vorschlag, 
•2wei BjUsebrifteD an den grossmüthigen König aufzuse* 
Isea, ui4 ü^m darin den wahren Thatbestaud anzuge- 
hen, und, um selbe zu entwerfen, begeben s^ch die Lie- 
ibeoden Paarweise in gelrennte Pavillons mit der (leber- 
eokrift: „SiUe^* und »»Anstand/* Mittlerweile ei*scheint 
der König und Penise, Letztere bringt einige vestali- 
sobe iongfrauen (Mädchen von etwa zehn Jahren) und 
brennende Altäre mit, um einen Moment des allegori- 
fchen Schauspiels au probiren, und ist nicht weniger 
van der Gegenwart des Königs, als von dem betroffen, 
"was sie in den beiden Pavillons vorgehen sieht. Die 
MSdehen überreichen knteend ihre Bittgesuche, Penise 
fiÜlilt die beiden Ritter herbei, die Liebespaare werden 
verbunden, doch diktirt ihnen der Köni|; eine scberzbafle 
Verbannung. Morlimer bat nämlich indessen die £r- 
Jatbniss zur Rürkkeiir in sein Vaterland erhalten, und 
«o verweist der König ihn und seine geliebte Adele nach 
Bftgland. Den: Marquis und Elisep schickt ec aber nach 
Touraine, ito er der schönen Zöglin^iii von St. Cyr 
reiche Güter schenkt. Aus diesem flüchtigen Ueberbtick 
eebehi unsere. Leser, dass das Libretto des „ Besuch9 
von St. Cyr'^ vnler die gelungensten und interessante- 
fien gehört,) was zwar sohoa der N<iiBe Bauern feid ver- 
Ürgte, J&s gibt nicht leicht einen teuLscbei» Theater- 
diekler^ deif.sicb mehr ab jener ejgietf^ .einen Opern; 



.text}2;^ fcbreibeir, dt Ar einzig cegrundele Vorwurf, 

d4;r sein, entschiedepes Talent in Schatten stellt, die 
Dürfügkeit des Slofles ja seinen Stücken ist, eine Oper 
dagegen durchaus nur einer minder komplizirten Hand- 
lung bedarf. 

DessHuer bat sich in dieser zweiten Oper (die wie* 
der von Geist und Karakter zeu^t, abermals eine sehr 
gute Instrumentazion hat, und viel reicher an Melodie 
als die erste ist) dem Geschmacke des Publikums mehr 
genähert, und auch dem Personale eine minder schwere 
Aufgabe gestellt, als in der Lidwinna ; was aber diesen 
zweiten Funkt belrifll, ao muss er unsern Siingern (zuh 
mal roäuulichen Ge;schlecbts^ in seinen künftigen Wer- 
ken noch yiel.mehi' nachgeben, für welche man meist 
so komponiren muss, dass sich die Nummern gleichsam 
von selbst singen. Der junge Komponist hat sich 
diesmat die französische komische Oper, ziinial Auber, 
Boyeldieu und Herold, zum Vorbilde genommen • doch 
dürfte es ihm vielleicht noch besser zusagm, wenn er 
sich dem italienischen Genre zuneigen wollte, welches 
eben, weil es seiner Individuaiüüt Aerner steht, ihn vor 
allen Anklängen bewahren würde; denn ohne ihn des 
Plagiats beschuldigen zu wollen, eriiroern doch manche 
Nummern an andere in neueren französischen Opern, 
mit welchen auch der „Besuch in St. Cyr*« gemein hat, 
dass sie sehr gute Schauspieler ansprechen. Bei uns 
bleiben (Mad. Allram ausgenommen, der es dagegen wie- 
der ganz an Stimme für die gar nicht unbedeutende Sing- 
partie der Penise fehlt) Alle hinler ihrer Aufgabe zu- 
rück. Dagegen müssen JMad. Podhorsky (Elise) und 
Dem. Grosser (Adele) in ihrem Ge$an;;e gerühmt wer- 
den. Herr Kunz (Tarteron) wirkt durch die Gewalt 
seines Tones auf das Publikum, dagegen reicht die Stimme 
des Herrn Deminer (Mortimer) durchaus nicht zu. Auf 
eine ganz unbedeutende Ouvertüre (^die wohl die schwächste 
Nummer der ganzen Oper sein dürfte) folgt ein sehr 
lebhafter Introdukzionschor nebst einem Duett zwischen 
Mortimer und Tarteron. Sehr interessant und karakter- 
voll ist das Duett zwischen Elisen und Adelen, welches 
stürmisclien Beifall erhielt. Auch das Finale hat ein- 
zeluc, sehr hübsche Momente. Die schöasten Nummern 
des zweiten Aktes sind der Konzerlchor, das Terzett 
der drei Damen, dann die grosse Arie fks Marquis und 
das wahrhaft vortrefltiche Finale. Im dritten muss vor- 
züglich die Arie Efiscns, ihr Duett mk dem Marquis, 
find aberibals das Finale ausgezeichnet werdeij. Die er- 
wähnten Arien und Duetten Elisens und des iJiarquis, 
so wie die meisten Ensemble's'athmen eiive frisctie, hei- 
lere Laune, und ist gleich dieses niclil das eigenthum* 
Hebe Genre der Mad. Podhorky, so jgab sie, als vor- 
treffliche Gesangkünsllerin, doch getreu wieder, was der 
Komponist hineingelegt. Anders war es mit Herrn Kunz, 
der uns wohl die voijfezcichnclen Noten saiifi^ Socü den 
humoristische Ausdruck ging, verloren. Ludwig Xly^ 
(Herr Straka(y) ist von Dichter und Tonsetzer s.o slief- 

fesinnt ausgestattet worden, dass man Mich '.#q 'seinie^ 
lepräsen tauten i^einen bobe^ Mi^asslab aiMegea (jiarf^ 



..I U«; 



195 



IflS»; Märt. Ko, fO. 



Fortsetzung derfferhitapemi^S$u* ß. w, — 
Jlnfang derJiatmevahsiagione in Italien. 

(FortscUanif.) 

Lombardiscli - Vene:dani8ches Königreicli. . 

Mailand, Die ktassi&ch langweilige Norma» mit 
der eihKigen Slotze DofizeHi sehwarrg fortwährend bts 
2u Ende der Stagione ihren Szepter fiber die Scala. 
Zwar wollte Herr Federico Kicci u^d Herr Pielro An* 
Unio Coppola iiir diesen Zepter aua der Uaad 8(iielen, 
aber beide zogen mit einer langen Nafie ab. Le pri- 
gioni di Edimbtirgo, die Herr Federico Ricci (nicht mit 
seinem weltberühmlen Bruder Luigi zu verwechseln) vo- 
rigen Karneval Fürs Triesler Theater komnonirte» erhielten 
daselbst nicht nur einen erschrecklich lärmenden Beifall 
(s. diese Bl. vom v. J. No. 32., ü. 360), soudjCrn viele 
Leute und eiuheimisohe BläUer, darunter die zu Triesl 
erscheinende teutsche Adria, meinten sogar, der Maestro 
habe was ausserordentlich Schönes uj]d Meisterl^aftes ge- 
liefert. Hier in ^lailaud machte diese Oper einen Quasi* 
Fiasco, wie solche inleriMisanle Begeben heilen in ]4alieo 
oicbt seilen sind. Abgesehen davon^ dass der nach Wal- 
ter Scott bearbeitete Gegenstaod äusserst wenig zur Oper 
taugt, dass eine Verrückte die Haaplrolle darin macht, 
so hat die Muisik bei alldem, wie der Triesler Kor* 
respoiMlent geäussert (s. a. a. 0.)> einiges Anfaörbare : 
woni verslanden far den Kenner kaum efnmal, für den 
Profanen kaum ein paarmal ; denn das Ganze klingt doch 
stets wie der heutige Alltags -OferQ<>Kii»gklang, ohne 
auf die mindeste Eigenheit Anspruch zu nMohen. Soille 
indessen diese Oper, wie es wahrscheinlich ist, bald nach . 
Teutschland wandern, und darin von Manchen Diaman- 
ten aufgefunden werden , so gönne man sie ihnen vom 
Herzen \ die ' sachverständigen Italiener lachen gar oft 
über dergleichen Sachen, und über die Hyi^er-Lobeser* 
bebnngen so mancher ihrer Sänger im Auslande, und 
sagen dabei: die Wiener u. s. w. stehen uns hierin weit 
nach ^). — Herrn Coppola ging es M'eit ärger mit sei* 
uer neuen Oper it Postigltone di Lonjumeau^ die einen 
hochverdienten, ehrwürdigen Fia&cö nacii Hause tri^, 
woran Armulh an allen Ecken Schuld wai*. Zwei Stücke 
wurden jedoch geduldet: eine sehr magere Romanze, 
weil sie Bonzelli vorlrtig^ und ein Transeat* Duett zwi- 
schen Donzelli und der Ts^dolini. Dies fiuffb- Duett be- 
ginnt mit dem Gräbertoue Asdur, also mit vier Bceo» 
worauf |las zweite Tempo ia fi dur mit, vier Kreuzeo 
folgt! nun schliessl aber dies zweite Tempfk fn= der Do- 
minante H, welches sogleidi zur Terz von 6 wii-d, un^ 
das Ganze schliessl demnach in Gdur. Bravissimo? 
Hätte nnr diese miisikalis€be'Fpppm*ei etwus Jileuheit «knd 
ein Bischen Saft und Würze anfzuweiseh ! * 

Ganz ungewGhnilch wurde die stets auf der Scala 
mit Ende Kovember endigende Berbst^lagione. bis in dfn 
Dezember, verläogert. Diesa sAgenaaAiU äUigione ^elP 
Autunnine {Heibstcben- Stagione) begann mit nur ge- 
dachter klassisch langweiliger Nortoa'^ die Tags darauf 



Die Redaktion. | 



wiederholt wurde, udi «^'D^nzelU singen zo lassen« 
Dass jene Oper in der ganzen Stagione sehr wenig be- 
sucht wurde, ist leicht zu erachten; wie aber die abon-. 
nirten Theaterfreunde, die Herren und Damen in den- 
Logen dies nie endende Einerlei verdauen können, ohne» 
den Wirkungen 'gewisser L>1edikamerUe IVeis gegebe^' 
zu sein, ist ebenfalls leicht erklärlich^ wenn man weiss^ 
dass das Opern theater in Italien einen wahren Kdnser- 
vazionssaal vorstellt. Den Herbat bringe» au4)i; Viele, 
besonders die Meiehen, auf dem Lande zu. 

Ein 14jähriger hübscher Jüngling und sehr braver 
Flötist, Namens Aerts^ aus Belgien, welcher schon die 
Ehre hatte, sich in Paris vor dem König Louis Philipp 
hören zu lassen, trug zweimal atif dfem hiesigen Teätro 
Ue, während der Zwischenakte, verschiedene Stocke aof 
sein«m Instrumente mit . verdientem^ starken Beifall VQf« 

Ach Himmel ! der arme iMigi M^mri^ Gesan^lebreP' 
am hiesigen Conservatorio, von welchem did Ali^. Mas. 
Zeitung noch unlängst (vorig. Jahrg., No. 14, S. 227) 
die Autobiografie mittheille, ist nicht mehr. Läygst 
mit einem Bruslübel behaftet, deswegen auch durch die 
in Italien leider nur allzu versah wendemcb da[gew9'ndten 
Blaleniziehungen geschwächt, unterlag er seinem Uebel 
am 15. November, etwas über 34 Juhr alt. Mehrere 
seiner SchüJeriunen, die dermalen auf der Tbeaterbühnn 
in Italien und im Auslande singen, machen seinem Na* 
men Ehre, was diese Blätter gar oft bezeugen; Herr 
Alauri war aber auch sonst ein vortrefflicher Afensch, 
und VQU einnehmender Gesichtsbildung, weswegen sein 
frühzeitiger Tod allgemein bedauert wird. 

Herr Pietro Ray (s. ebendas.), Gesapglebrer für 
die Männer am benannten Konservatorium, wurde zum 
Komposizionslehrer daselbst ernannt. 

Lodi. Mit ausserordentlichem Beifalle gab man hier 
,di| nsM^ pidfisttjPperrtte des hiesigen Maestro ^cA/Z/a 
Graffigna: un Lampo dünfedellä betitelt. Der magere 
Inhalt dieses PastoraK- Melodramas ist folgender. Wäh* 
rend Silvio im Begriff siand^ seine GoUebte Nisa zu hei- 
rathen, snchte Dalinda Hilfe bei ihm gegen Giorgio, ih- 
ren Verführer. In einem Blitze (lampo) verliebt er sich 
in sj^ , .u«d idia$a Liehe 4m\\wl «uA nic^ht Jüf "g^ » ^Mf^ 
NTsa macht ilun darüber bittere Vgrivürfe , \ij\A Georg 
ralhet ihm, sie von sich zu weisen. Dalinda bittet ihn 
knieend, ihm kein Gebor zu geben, Nisa kommt dazn^ 
geräth in Zorn; als sie aber Dalinda's Unschuld ver- 
nimmt, verzeiht sie ihr. Georg wird hierauf gescheidt, 
sctieiikb ein so eben erhaltenes Landgut dem Vater der 
Dafinda, und was hierauf gesohiehl, ist leichizn eriuitbeii. 
Zu diesem armen Buche schrieb Herr Graffigna eine 
arpie,' von aller Neuheit und Kunst efitbl#sle Musik. 
Stücke mit 4, 5 und 6 Been^ welche in den heutigen 
itMlienkchen Qpern so oft vorkommen , hat sie zwar 
nicht aufzuweisen, desto, mehr aber in A* 

- Um die Hälfte November wurde dfew Operette auah 
in Conio gegeben , wo sie erst in den folgenden Vor- 
stellungen anzog. Es geGel darin die Cavatina und die 
Romanze der 'mnlzi, ihr Duett mit der Anfängern Ta« 
^^(i ,^uc«{ii (Daündg) «md dja Fina.IvariasuQnen. 

' (Port»et»unl5'folst,) 



1839. März. No. 10. 



196 



Feuilleton. 

Neue Opern, Voo Auber : La goeup des fccf, in 5 Akten ; — 
VM Halhyi Les Trelza, in einem Akt; — voo Monpou: Le 
plaotenr -^ werden nünimtlfeh in Paris näelislenn a«fj|^rührt wer- 
bet. LindjMtininer's Genueserin hat in Wien entschiede- 

Bes Gl&ek gemacht. — Medea, neue Oper von dem angebenden 
Tonsetxer Cefli in Rom, berechligt, so heisst es, zu guten Hoff- 
Dungen. 

0ntiaw*9 Open Der Herzog von Guiee ^ von der man lange 
Diehts gehört, hat in Clermont eine sehr günstige Aofaabme ge* 
ftioden; man Hikmt besonders das Edle und llajest&tisebe die- 
ser Musik. 



lieber OU Bull, der am t9. Februar sein Absehiedskoniert 
in Berlin gab, wird von dort gemeidet: „Leider hat sich bei dem 
bflern Auftreten dieses Virtuosen die Meinung über ihn nur ver- 
schlimmern müssen; er ist sehr einseitig aosgebildet; seine schönste 
Seite, die elegische, gibt er lersfückt, und die ChsrlaUnerie wird 
im Spiele, wie im sonstigen Benehmen des Künstlers nur zu sehr 
sichtbar.** 

In MancheMter erregt ein tentscher Geiger, Rudersdorf ^ in 
Komposizionen der besten teutschen Meister, nsmentlich auch in 
Quartetten, Quintetten u. s. w. , den grössten fintbnslasmas. 

Klara fFieek ist in Psris eingetroffen, hat sieh aber bis jetzt 
nur in Privatzirkeln hören lassen. Die Zuhörer sind von ihren 
Spiel entzüekt , und man profezeibt ihrem zu er«r-artenden Öffentli- 
chen Auftreten Erfolge, wie sie Thalbcrg, Liszt und Döhler zu 
Theil geworden sind. " , ^ 

Dem berühmten Verfasser der Marseillaise, Rouget de Lisle 
(bekanDtlich ist sowohl das Gedicht als die Musik von ihm), wird 
in der Sudt Lons-le-Sanlnier ein Denkmal erriehteU 



Nach dreinoMtlialier Ruha ist Benvenuio CelUtki^ Oper ve» 
ffektor Berlioz^ in Paris wieder gegeben worden und hst diesmal 
weit mehr angesprochen. „Noch einige VorstjUoftgen/' sagt der 
Referent, ^und dss Werk wird den ihm gebührenden Ehreoplatz 
im Theaterrepertoir fdr immer einnehmen.*^ — F. Liest, eothnsia* 
stischer Verehrer von Berlioz, vergleicht Letztern mit Gellini 
selbst, dem genialen Schöpfer des Perseus: „Persens selbst, der 
auf dem Flügelrosse daher braust, die Andromeda dem Ungeheuer 
entreisst, und sieh mit ihr verbindet, ist die erste Entwiekelung 
der Idee , dsss die Poesie, nach maochem harten Kampfe, sich 
doch endlich mit der Schönheit im seligsten Bunde vereint. Crl> 
lini stellte in seiner Statue des Persens diese Idee plastiseh für 
das Auge dar — dies ist ihre zweite Bnt«irkclung. Berlins ooa, 
der wie Cellini zahllose Kampfe mit dem Schlechten und Unschö- 
nen zu bestehen hstte, stellt in seiner Musik dieselbe Idee dem 
Ohre dar, und dies ist ihre dritte Entwiekelung. " 



K. Bf. von Gebers Sif^fonie (Cdnr) ist zu Psris, in den als 
ausgezeichnet bekennten Konzerten Valentino's, aufgeführt and 
von den Hörern enthusiastisch sufgenommen worden ; vorzüglich 
brachte daa Adagio einen onbeschreibliehea Eindruck hervor. 



Der Physiker Tabarie zu Paris hat einen eigenthüm liehen 
Apparat erfunden , mit dessen Hilfe man seine verlorene Stimme 
wieder erlangen soll. Dieser Apparat — der Erfinder 'nennt ihn 
die Gloeke — besteht in einem, fünf bis sechs Personen fassendea 
BehüUnisse, dessen Wände von Kopfer und mit starken Spiegel- 
gbsfeoslern versehen sind. Die Glocke ist in Fugen ^ die im 
Fnssbodeo angebracht und etwa 1 Pnss tief sind , durch starke 
Pflöcke befestigt. Befindet sieb nun der Pasient darin, so wird 
die darin vorhandene Lnft mit Hilfe der Luftpumpe atlmalig ver- 
dünnt, nsch einem schnell vorübergehenden leichten Uebetbefioden, 
wird dem Kranken ausserordentlich leicht und wohl, er bleibt 
einige Stunden darin, und hat er das Experiment einige Male wie- 
derholt, so ist er völlig hergestellt. — Man versichert, dass mit 
diesem Instrumente ichna viele glüekliche Knren gemacht wor- 
den seien. 



Anfettndli^aiii^en. 



Bd Jnlla. IHTuider in Keipzis eneUeaeBe 

NEUE MUSIKALIEN. 
Die beiden ücbQtzeii, 

komüche Oper in 3 Jkten, vollständiger Klmier-Aussug 

TOD 

Regisseur der Oper in Leipzig. 
Preis G Thlr. 
Diese Oper ist auf Ttelen Bühnen Tentseblanas , besonders Sn 
Leipals, Dreaden und Breslnn mit d^na besten Erfolge gegeben 
worden. 



Aus denn Kla^ieransan^e CMtaeln •• 
Terzett: 'Welche Wonne (2 Soprane und Bass).. 

Arie: Da wo schöne Mädchen (Bariton) 

Quartett: Lasit euch ihr Schönen 

Lied: Es homniit draof nn (Basa) 

QnittUtt. Mein lieber Sehn 

Arie: Ihr freaadlich stillen Fluren (Tenor) 

Duett : Der Bräulgam naht (Sopmn und Tenor) . 
Arie: Er ist mir werth (Sopran) 



Thlr. 



6r. 
16 
10 
16 

4 
18 

IS 
8 



Thlr. Gr. 

Lied: Sonn' und Mond (Tenor) — 4 

Quartett: Ihm Trost an bereiten -^ 18 

Duett: "Wofür mein Hera (Sopran und Tenor) — 6 

Scptett: Stille Nneht * ^ 

Ouvertüre au derselben Oper fitr PinnoforCe..... — 18 

an 4 Händen — 46 

Marschner, H., der Bäbn, Oper, für Pianoforte al- 
lein ohne Worte 4 — 

— — Contrctänze noch Melodieen nus B&bn für Pianof. — 6 
Caernj, Knrl, Snlonetucke, 5 brillante Pantasieea 

über ausgewählte MotiTe nos Bibn Cur Piauoforte. 

Op.^4Q. Ut. 1, 8, 3 , 4Liv. — 10 

Dorn, H., ffrande Sonate ponr le Pinnoforte a 4 mains. 

Op. 8äv....: :. 8 *8 

Marschner, A. B.> Liedt Wo lind' ich Dich, mit 

Pianofortebegleitnng. Op. 9 ...; --* 8 

Nicola, C, Die Reben toirhter , Gedicht von Rückert 

für eine Singstimme mit Pinnofortcbegleitang. Op. ^0. — 48 
Täglich sbeck, Tb., Variations sur an air Stirien 

pour le Violon avee aeeomp. de l'OrebesIre. Op. 18. i 18 

— — avec acconap. de Qualuor — 18 

avec accomp. du Piauoforte — 16 



Leipziqy bei Breitkap f und BärteL Redigirtvon Dr. G. fV. Fink unter Meiner FermOwortUchkeii. 



m 



196 



ALLGEMEINE 

MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den I3»«^ März. 



I 11. 



1839- 



Bemerkungen zur Lebensgesehichte Erna" 
nuels^ , genannt der Baron von Astorga. 

\V enn wir unter den ansgezeichDeten Tonselzern ver- 
gangeoer Zeilen diesen und jenen nennen, dem wir un- 
sere ganze Bewunderung und vorzügliche Verehrung zol* 
len, so sehen wir auf «lanchea unler ihnen zugleich mit 
einer besonderen Liebe , einem Gefühle , das mit jenem 
der hoben Anerkennung des Verdienstes sehr wohl ver«- 
einbarlich und doch ein verschiedenes ist, und das viel- 
leicht mehr noch ans der Vorstellung von der Perf«ön* 
lichkeii des Autors und seinen Schicksalen im Leben, 
ab selbst aus den Wohlgefallen an seinen uns ange- 
nehmsten Werken hervorgegangen, zu sein scheint. 

Unler solche Autoren zählen wir neben Wenigen 
(die Jedermann bei sich selbst nennen mag) den gemülh- 
iich frommen %^n%tt Emanuely genannt von Astorga^ 
welcher den Schätzern aher und klassischer Musik, jetzt 
auch in Teutschland, durch sein unübertroffenes Stabat 
maier bekannt geworden ist. 

Von solchen uns gleichsam befreundeten Karakleren 
ist für uns Alles anziehend, was irgend auf deren Ab- 
stammung, Jugend- und Bildungsgeschicbte und Schick- 
sale im Leben Bezug hat , indess die Lebensgeschichte 
anderer;^ vielleicht grösserer Meister and hochverdienter 
Lehrer der Vorzeil unsere Theilnahme mehr nur aus dem 
Gesichtspunkte der allgemehien Kunstgeschichte anregt. 

Vielleicht war uns Astorga, wiet er gewöhnlich ge* 
nannt wird, durch die Unvollsländigkeit und das Frag- 
mentarische der Nachrichten , durch das geheimnissvolTe 
Dunkel» da^ über seiner Geschichte zu liegen schien, 
nur desto anziehender seworden^ kaum dass man sich 

Setraute, sein Geburtsland zu bezeichnen, von seiner 
ugend wusste man nichts; man zeigte ihn uns zuerst, 
gleich im männlichen Jünglingsalter, als einen Fremdling, 
an Itirsllichen Höfen mit ausgezeichneter Gunst empfan- 

Sen, in verschiedenen Städten Europa's unter den gebil- 
eleu und kunstliebenden Ständen um seiner persönlichen 
Eigenschaften willen eben so geschätzt, wie wegen sei- 
nes obgleich nur als Dilettant geübten musikalischen Ta- 
lentes, als Sänger und Tonsetzer beliebt; man zeigte 
ihn auftretend un4 genannt unter einem Namen, der 
nicht jener seines, Geschlechts war, den er von einer 
Stadt angenommen hatte, die weder sein Geburtsort, 
noch jemals seine wirkliche Heimath gewesen war. 

41. JalirgaDS* * 



Die ßiografen Gerber, Choron und FayoIIes, nach 
Letzleren ßertini, wussten von ihm, einigen englischen 
Schriftstellern folgend, nur eben zu sagen: er sei ein 
Sizilianer gewesen, um das Jahr 1680 geboren; bei Kai- 
ser Leopold I. habe er in besonderer Gunst gestanden ; 
sei in Spanien, Portugal, England, Oeslerreich und ßöh- 
men gereist ; im Jahre 1726 habe er in Breslau seine 
Pastoral- Oper Daphne aufiuhren lassen, das einzige 
Werk (wie hinzugefiigl wird), mit dem er jemals öffent- 
lich aufgetreten sei; mit besonderem Lobe wird sodann 
sein Stabat maier angeführt, und seine Kantaten, die 
von den Italienern unter die vorzüglichsten Werke die- 
ser Gattung gesetzt werden *). In Spanien habe er den 
Titel (?) von der Stadt Astorga in Leon erhalten, unlei* 
welchem er, in Ermangelung seines eigenen Familien- 
namens, immer bezeichnet wurde. 

Herr Hofrath tlochlitz hat zuerst im zweiten Bande 
seines Werkes „Für Freunde des Tonkunst,'' Leipzig 
1825, über die Herkunft und Schicksale Emanuels frü- 
her ^iillig unbekannte, jedenfalls sehr anziehende Nach- 
richten railgetheiU. Diesen zufolge war Emanuel der 
Sohn eines der angesehensten Reichsbarone von Sizilien, 
weicher abwechselnd auf seinen Besitzungen und in Pa- 
lermo gelebt zu haben scheint. Hier wurde Emanuel 
um das Jahr 1680, wahrscheinlich 1681, geboren. Der 
Vater stand auf einem bedeutenden Posten in Kriegs- 
diensten. In den Verwirrungen, Streitigkeiten und Krie- 
gen um die Unabhängigkeit Siziliens und dessen Adels, 
oder um des Landes Vereinigung mit Neapel und Nea* 
pels mit Spanien unter Ein königliches Szepter, trat 
Emanuels Vater als Kämpfer gegen die verbindende Mo- 
narchie auf. Verwickelt in die Verschwörungen^ welche 
an deren Theilnehmern blutig geahndet wurden, von sei- 
nen treulosen Söldnern ausgeliefert, endete der Vater 
auf dem Schafott im Jahre 1701. Mutter und Sohn 
mussten die Hinrichtung mit ansehen; jene starb unter 
Zuckungen des Entsetzens, der Sohn, damals 20 Jahr 
all, verfiel in einen Zustand dumpfer Bewusstlosigkeit. 

*) Gerber im neueo Lexikon fulirt 5 Kanuten desselben mit ili- 
ren Einsae^sworten an , and bemerkt , der Kapellmeister Rei- 
ebard habe mehrere dieser Art besessen. Der Katalog des 
berähmtea Sammlers Alb.- P4tttunaiß Sanüni in Rom teigt 
nieht weniger als 44 Kantaten für eine Stimme and 44 Daette. 
Herr Hofrath Rocbliti , and diesem folseod der Artikel Astorga 
in dem oeaesten UniversaU Lexikon der Mnsik, sprechen noch 
von eintelnen Sätsen eines Requiem^ wetehe diesem Autor 
sogesohrieben werden ; wir kennen diese nicht iib4 linbea aa« 
derw'arts nie etwas davon vernonm^a. 

II 



1859. Man. No. 11. 



900 



Die Göler der Familie worden einbezogen , nnd alle | 
Mitglieder derselben verbannt. Der Jüngling war von dem 
Orie deafinlaeUens nicht weg»ibringcn ; daa Volk scliitzte 
npd yeriorgle ihn» und er acbeiul noch einige Zeil an 
diesem Orte gelebt za haben. Das Gerücht davon iiam 
'Zn den Ohren der damals an dem Hofe dna K ö n i y a ¥•» 
Spanien (Philipps 'Von Anjou) vielvermögeuden Fürstin 
von Ursinoy Obers thofmei Sterin der Königin; sie nahm 
sich dea unglücklichen Jünglings an und liess ihn znr 
Beruhigung seines irren Geistes in ein Kloster der Stadt 
Asiorgt hriBgn, w» er „einige Jahre«* zubrachte, wäh- 
rend welcher er nicht nur vollkommen genas, sondern 
MOihmasslicb aueh in der Musik gefördert wurde. Bei 
seinem Austritte aus diesem Klosier halte ihm seine Be- 
aobützerin durch die Gunst der Königin auch noch eine 
fibrlicbe UoCeralütznng erwirkt, die ihn in den Stand 
setzte, nnabbängig ond einigermaassen seiner Erziehung 

Kmäss zu ieben. Von da an beginnt sein Wanderle- 
n, auf welchem er den Namen von Astorga , seinem 
bisherigen Asyl, annahm, und beibehielt; denn bis auf 
den Namen war sein Haus vertilgt worden*). Er wird 
zunächst an- dem Hofe von Parma gefunden, wo er mit 
li^reicber Anszeichnung, auch seiner Gebort gemäss be« 
handelt, die Seele der ausgesuchtesten Kammermusik des 
Herzogs wnrde. .Ein Verhältniss am Hofe, „muthmass- 
lich jenem Torquato Tasso*s am Hofe Alphonsens von 
Perrara Ihnlieh,** veranlasste seine Entfernung; doch 
wurde er von dem Herzoge mit huldreicher Empfehlung 
zn dem Kaiser Leopold I. nach Wien geschickt, welcher 
ihn besonders gnädig aufnahm, seines persönlichen Um- 
gangs würdigte und mit Auszeichnung behandelte. Aber 
wenie Jahre darauf **) starb dieser Kaiser, und wir se- 
hen nald nach dem Regierungswechsel Emannel unter 
ehrenvoller Belobung scheiden. Von da an bereiste der- 
selbe die Hauptstädte mehrerer Länder (in London brachte 
er mehrere Winter zu), kam im Jahre 1720 noch ein 
Mal nach Wien, wendete sich von da nach Prag, wo 
sich wenig später jede Spur von ihm verliert.^ Der Br- 
' Zähler vermothet, dass er sich dort in ein Kloster zu- 
rückgezogen und in Ruhe und Abgeschiedenheit sein Le- 
ben beschlossen habe. 

Der Verfasser des Artikels Astorga in dem zn 
Stuttgart erscheinenden Universal - Lexikon der Tonkunst 
bat £ese Erzählung, wie er nicht wohl umhin konnte, 
avfgenommen ; er äussert jedoch den Wunsch, es möchte 
dam Herrn Hofralhe gefallen haben, seine Quelle anzu- 
geben, oder dieses noeh zu tbun, wäre es auch nur, 
nm die „Zweifler^* und die „Gegner" zum Schweigen 
zn bringen (!). Wir haben nicht vernommen,^ dass der- 
gleieben irg^dwo, ausser in jenem Artikel , sich aufge- 
worfen hätten, und finden solchen Pyrrhonism etwas son« 
derbar in einem Lexikon, welches in seinen biografilschen 
Artikeln (deren Verfasser selbst meistens nicnt einmal 
genannt sind) eine Autorität in der Regel nirgends an* 



*) l)ai wo dea Vaters gedeebt wM, tast Reeblitz a. a. 0., ge- 
echlekt et evr eis des naroes ader des ieroaimo. 

*> li» klelMr ADtehroaisa, über den wir uas !■ weiteren Ver- 
fette erkUürea werden« 



zufuhren pflegt, andi bei entstehender Frage für die we- 
nigsten dersäben von ji bis S eine saichn nachzuwei- 
sen wrmtfehte , welche jener einen RnoUitz nnr ghskk 
gaadHel werden köuntn* 

Herr Rochlitz deutet oifenbar auf eine ihm vorge« 
legene Notiz *). Wir setzen voraus, dass er die Quelle 
kannte, aus der ursprünglich diese Notiz herrührte« und 
trauen ihm unbedenklich zu , dass er deren* Wertb und 
Glaubwürdigkeit zu beurtheilen verstand. Wir glauben 
annehmen zu müssen, dass diese Notiz (so wie alle frü- 
heren fragmentarischen Angaben über Astorga, und wie 
selbst die Kenntniss von seinen grösseren Werken^ ans 
London gekommen war, wo Emanuel sich zu wieder- 
holten Malen, gern und längere Zeit durch, auch, wie 
es scheint, vorzüglich geschätzt, aufgehalten hatte. Wir 
sind auch sehr geneigt, zu glauben, ja wir zweifeln nicht» 
dass dieselbe auf Emanuels rinstmaliger eigener, unmit- 
telbar oder nach Ueberiiererung niedergeacnriebei»er Er* 
Zählung beruhte. Solche UehcrUefernngen ans einer an 
sieh ad^thareo Quelle sind von je her als HUbaiiltel für 
Geschichte anerkannt wnrden; eine verständige Kritik 

C*ttft nur deren innere WabrscbeioliehkeiC und deren 
ebereinstimmung mit den bekannten Umständen der Zeit 
und des Ortes. 

In beiden Beziehungen erscheint ok%e Erzähl«» 
an sich voltkommen glaubwardig, ond selbst das Detau 
einiger angeführten Umstände (wie z» E. das Hioznkei»* 
men der Herzogin von Ursinnj unterstätzi die Vnraqs* 
Setzung ihrer Richtigkeit. Das Jnissvergnügen eines Thei«» 
les der Nazion in dem Königreiche beider Sizilien , als 
durch einen letztwilligen Akt Karls IL über die Krone 
Spaniens und deren Nebenländer zn Gunsten eines Nef- 
fen Ludwigs XIV., Philipps von Anjon, verfügt wurde; — 
die Verschwörung des Adels» welcher die Trennung des 
Landes von der Krone Spaniens beabsichtigte; — der 
misslungene Aufstand in Neapel im September 170U 
welcher mit Hinrichtungen und Verbannungen endete, 
sind historisch bekannte Thatsachen. Die Verzweigun- 

fen jener Verschwörungen dehnten sich anch über die 
nsei Sizilien aus ; und es ist begreiflich, dass nach dem 
Misslingen jenes Aufstandes in Neapel die unter den 
Waffen Gebliebenen kaum noch wie nebellen, sondern 
nur wie Räuber (brigands) betrachtet, und gleich sol- 
chen auf schimpfliche Weise gerichtet worden. Hiermit 
erklärt sich so glaubwürdig als natürlich das Scfiicksal 
des unglücklichen Vaters nnsers Emanuel, so wie der 
besondere Umstand, dass Letzterer selbst den verun- 
glimpften Namen seines gesunkenen .Geschlechts fürder 
nicht führen mochte. — Die Herzogin von Ursino» die 
sich, obiger Erzählung zufol^, des unglücklichen Jnnj^- 
Kngs annahm, ist keine fingirte Person ; diese Dame ist 
eben in der bezeichneten Periode durch ihren Binfiuss 
m Spanien, wie früher am Hofe Ludwigs^ ein histori- 
scher Karakter geworden; dass sie aus einer Resung 
menschlichen Gefühles, vielleicht auch ans staatskioger 
Rücksicht, sich des unschuldigen Veriassenen annahm, 
ihn zuerst zur Heilung seines irreif Geistes in der kl^ 



*) Mao sehe die Aanerkans *} S. 199. 



fiOl 



1839. März. No. II. 



208 



sleriichen Stille sa Asiorga versorgte, danD bei seinem 
AosIriUe in die Welt ihm durch ihren mäcbligen Ein- 
flusa auch fortgesetzle Unlerslälzoogen auswiriile» ist 
gar nicht unglaublacb, und Letzteres um so erlilärlicher, 
als ja die eingezogenen Guler der Familie dem neuen 
Herrn anheimgefallen waren *). Eben so glaublich ist 
femer Emanuels zeillicber Aufenthalt an dem Hofe des 
ilerzoes von Parma, dann die Empfehlung von die- 
sem Herrn an den Kaiser in Wien ; denn, indem Ema- 
'noels Empfang und seine Behandlung am kaiserlichen 
Hofe nicht die eines reisenden Kunsllers oder Duellan- 
ten, sondern die eines ausgezeichneten Fremden edler 
Herkunft gewesen, und derselbe bei dem Kaiser (wie es 
bei den Biografen überall lautete) selbst „persönlichen 
Umganges'^ gewärdiget worden sein soll, muss man wohl 
eine vorhergegangene sehr gewichtige Empfehlung vor«> 
aasselzen; eine solche konnte unter den damaligen Ver- 
bältnissen nicht von dem Madrider Hofe, wohl aber von 
dem Herzoge von Parma ausgegangen sein» 

So weit wäre gegen die Erzählung nichts zu erin* 
nern; nur von da an durften einige Berichtigungen in 
Nebennmständen eintreten müssen, welche Herr Roch- 
, litz — seine (zuverlässigere) Notiz zur Erzählung run- 
den wollend, und zu deren Ergänzung — nur eben von 
den bisher bekannten früheren Sammlern entlehnt zu ha- 
ben scheint« 

Die Empfehlung Emanuels von dem Herzoge von 
Parma „an den Kaiser'^ kann wohl noch an Leopold I. 
gelautet .haben; allein diesen tJeirn konnte EroanueJ 
nicht mehr antreflen. Da nämlich nach dem unglück- 
lichen Ende des .Vaters im Späljahre 1701 ein verhält- 
nissmässiger Zeitraum verlaufen sein musste, bis die 
Nachricht von dem Dasein des von gutmülhigen Men- 
schen geborgenen und einstweilen verpflegten Sohnes nach 
Madrid zu der Herzogin von Ursino gelangt, und durch 
Korrespondenz ein Aufenthalt für ihn in Spanien ausge- 
mittelt sein konnte, so war sicherlich noch ein Theil des 
Jahres 1702 verflossen, ehe Emanuel nur erst zu Astorga 
anlangte. Angenommen auch nnr einen zweijährigen "") 
Aufenthalt daselbst, ehe er in die Welt hinaustrat (1704); 
angenommen ferner, er habe sich zunächst in Parma 
auch nnr ein halbes oder drei Viertel Jahr aofgeballen, 
so fiel seine Reise nach Wien frühestens in die ersten 
Monate des Jahres 1705 , als Kaiser Leopold auf dem 
Krankenlager und dem Tode nahe war, welcher den 
5. Mai dieses Jahres erfolgte. Es kann daher nichi 
mehr, wie Emanuels Biografen von je her erzählt ha- 
ben, Kaiser Leopold, wohl aber Joseph I. gewesen sein, 
der die Empfehlung von Parma empfing; dessen Gunst 
der durch seine Bildong, wie durch sein Schicksal für 
sich einnehmende junge Edelmann za erwerben das Glück 



') Die Gescliichte hat es angemerkt, dsfs der Hof in Spanien 
ilb«r die H'drie, ttic weleber der ViielLioig in Neapel, Heneof 
v«B Media« -Geli, aeeh nseh UalerdriiekaBg des Aafstandts 
gegea dessen Theitnelimer verfulir, sehr uasufrieden war; 
seine AbbernfaDg war hiervon die niichste Folge ^ auf welche 
die damals allmaebtige Herzogin von Ursino sicher nicht ohne 
Ei^fluüs gehliebeo war. 
**) »,1i»ige Jahre,'' lantet es bei Herrn R. 



hatte ; und von welchem derselbe dann mit Bezeigung 
kaiserlicher Gnade, vielleicht auch schop damals mit Zu» 
Sicherung von Unterstützungen, verabschiedet wurde« 
Wahrscheinlicher noch wird später die Gewährung von 
Unlerstülzungen aus der Huld des nachgefolgten t^isers 
Karl VI., als zumal Sizilien (seit dem Badner Priedep 
1714) uuler den Szepter von Oesterreich kam; worauf 
eben Emanuels spälere wiederholte Reise nach Wien, 
welche in das Jahr 1720 gesetzt wird, zn deuten scheint. 
(fiescbUss folgt.) 



Praktische Orgelschule. 

Zweiter Theil , und fortgesetztes Handbuch dazu. Von 
Friedr, fFtlk. Schütze. Dresden und Leipzig, bei 
Arnold. 1838. 
Der erste Theil ist im verfioisenen Jahre besnro- 
dien und empfohlen worden ; die vorliegende Abtheilung 
fordert zu wiederholter Empfehlung auf. Der Heraus- 
geber verlangt von einem solchen Werke, dass es, ne- 
ben methodisch geordneten Elemeotarubungen zur Besei- 
tigung technischer Schwierigkeiten im Manual und Pe- 
dal, einen Schatz kiassücher Komposizionen enthalten 
muss, weil sich der Kunstjüiiger nur an solchen, die in 
artistischer und äslbelischer Hinsicht ausgezeichnet sind, 
zur Vollkommenheit heranbilden kann. Die Anfangs- 
übungen bis zu den 10 kleinen Präludien, diese mit, 
sind von dem Verfasser selbst gearbeitet worden, „Von 
nun an, '^ sagt der Verfasser in der Vorrede, „schickt 
der Herausgeber die Zöglinge gern in die Schule tüch- 
tiger Meisler des Orgeispiels.^^ Er hat darum schon 
im ersten Tbeile, wie bereits angezeigt, auserlesene Too- 
stücke rühmlichst bekannter Tonsetzer folgen lassen, und 
ßhrt damit in diesem zweiten Tbeile fort. Die Aus- 
wahlen sind durchgängig sehr gut und zweckmässig. 
Zuvörderst erhält man Figwrirungen verschiedener Cho* 
rale und Cboralvorspiele von Rtnk, Oley, Becker, Fi- 
scher, Seb. Bach u. a.; Fughetten von (tembl; Fugen 
von Albrechtsberger nnd Seb. Bach; Doppeißtgen von 
Kellner, Albrechtsberger, Seb. Bach; kanonische Ton- 
stücke von Seb. Bach. — Damit, wie mit dem Folgen- 
den wird Jeder übereinstimmen : Der Liebrer soll dem 
Schüler nicht blos in technischer Fertigkeit, sondern auch 
in vollständiger Einsicht bilden; der Zögling muss die 
Gliederung, den ganzen Bau der Tonsätze verstehen ler- 
nen; er muss also grössere und kleinere Abschnitte^ 
Perioden, Sätze, Motive gehörig unterscheiden, und in 
der Darstellung den ganzen Organismus deutlich vor das 
Ohr bringen lernen. Hierin gebr nun das Leichtere dem 
Schweren voran, so dass die Aufeinanderfolge trefflich 
ist. Nur, meinen wir, helfen zu viele gedruckte Ana*» 
lysen weniger dazu, als hier angenommen zu werden ^ 
scheint, nämlich im Texte, welcher jedoch so viele über- 
aus nützliehe Auseinandersetzungen und Winke enthält, 
dass auch selbst diese Analysen vielen Schülern nicht 
allein, sondern auch vielen Lehrern zu Gute kommen 
werden. — Ganz recht soll ferner auf Karakter der 
Tonstücke und auf Ausdruck genaue Riicksicht genom- 



fiOS 



1859. März. No. 11. 



204 



men werden. Das AusweDdiglerneu mebrerer TonsStze 
wird gleichfalls und mit Recht Tür wichtig erachtet. Da- 
mit soll zeilig angefangen werden, weil das Gedächlniss 
in der Jugend geübt sein will. -— Der Schüler soll das 
fiber jedes Tonstuck Bemerkle vorher durchlesen , dass 
er dem Lehrer das HauptsSchlichste auf Verlangen an- 
geben kann; natürlich so weit er es fassl. Das Meiste 
wird wohl eine Zeit lang vom Lehrer mit den Schulern 
gemeinsam durchgegangen werden müssen. Das wird 
jedoch bei jeder gedruckten Schule so bleiben. Ein we- 
niger tüchtiger Lehrer oder Gehilfe kann nach keiner 
Schule in einem Geiste mit einem tüchtigeren Lehrer 
arbeiten, wenn auch nach gleichen Grundsätzen» — Sehr 
zu bemerken ist des Verfassers Satz: ,, Slan lasse hei 
schwachen Schülern die schwereren Tonstücke bei Seite 
liegen*' (sie werden angegeben). Dennoch machen auch 
solche Schwächere, die von den schwierigem Aufgaben 
befreit bleiben müssen, im Ganzen einen wohlgeordne- 
ten Kursus durch. — Noch dringt der Verfasser darauf, 
dass die Seminaristen in jeder Orgelstunde eine halbe 
anf der Orgel sich üben können. Das ist sehr nöthig. 
Ueberall sollten die Einrichtungen so getroffen werden, dass 
diese Forderung in*s Werk gerichtet werden könnte. — 
Der Anhang gibt noch Beispiele zur ersten Anleitung 
im Pantasiren. Der Gedanke des Verfassers ist weiter 
zu verfolgen; er kann schon zu etwas Ordentlichem 
führen, wenn er gut angefasst wird. — Die Druckfeh- 
ler sind sorgPältig angezeigt worden und die zum Schlüsse 
als sehr werthvoU dringend empfohlenen Orgelwerke 
sind : von Rink Op. 8, 37, 57, 1U5, 12Ü und der Cho- 
ralfreund; von M. G. Fischer: Op. 9, 10, 13 und 14; 
von C. £. Gehhardi : Op. 8. — Offenbar gehört das 
Werk unter die sehr nützlichen und ist der Iteachlung 
aller Seminarien bestens zu empfehlen. 



Nachhightea. 



lieber das Verhältniss der Kunst »um Ciiltus. Ein Wort 
an alle gebildete Verehrer der Religion und der 
Kunst, von Karl Meyer. Zürich, 1837. S. 71 in 
8. Preis 8 Gr. 

Herr Karl Meyer findet es noch nölhig, die Ver- 
wendung der Kunst in den Kirchen zu verlheidigen, be- 
weist, dass sie immer der Aeligion diente und dass ihr 
Wesen ganz dazu geeignet sei; die Gegner hätten also 
durchaus keinen Grund, sie von gottesdienstlichen Zwe-, 
cken entfernt zu halten, im Gegentheil völlendiete sie 
erst das Wirksame jedes echten Kultus. Gewiss sind 
alle unsere Leser, wie wir selbst, mit dem Manne voll- 
kommen einverstanden, so dass sie nichts befremden 
wird, als dass es noch jetzt eine Gegenpartei unter den 
Reformirten gibt. Würde diese durch das kleine Buch 
auf andere Gedanken gebracht, so wäre der Nutzen des- 
selben bedeutend genug. Wer noch etwas gegen Kunst, 
als Förderungsmitlei der Andacht hat, mag diese kleine 
Schrift besonders beachten. 



Frankfurt a. M. , den 8. Februar. Das Wichtigste 
was ich Ihnen diesmal zu melden habe, ist das Erschei- 
nen eines Violinisten aus Lütticb, Prume, der hier »II* 
gemeine Sensazion erregt hat. ' Ich hätte nicht geglaubt 
an die Mögliebkeil, dass nach Paganiui noch ein Geiger 
Aufsehen machen könne, wenn ich es* nicht selbst erlebt 
hätte. Beriot, Molique, Lipinski, alle drei gewiss Gei- 
ger von der höchsten Perfekzion , waren hier , geigten 
hier, gefielen, erregten aber kein Aufsehen. Dies war 
hier Herrn Prume vorbehalten. Ob er es nach den eben 

fenannten Männern verdiente, mag vielleicht ans dem 
'olgenden erhellen. Unser Publikum ist leicht erregt, 
leicht sogar entbusiasmirt , und besonders das , welches 
sich in den Museumsabenden versammelt, und vor die- 
sem liess sich Herr Prume zuerst hören. Am Schlüsse 
eines nicht sehr interessanten Abends trat plötzlich Ka- 

teihneister Guhr vor^ und hielt eine Anrede an das Pu- ' 
likum, worin er sagte : dass der Vorstand erst, nach- 
dem schon das Programm gedruckt gewesen., die Be- 
kanntschaft eines ausgezeichneten Künstlers gemacht, den 
heute noch dem Publikum vorzufuhren er (der Vorstand) 
nicht unterlassen könne. Nach dieser Ankündigung und 
vorläufigen Kritik trat ein junger Mann von etwa 24 
Jahren vor, hübsch gebaut und mit einem äiisserst schö- 
nen Kopfe, in dem ein Paaf Augen, . die- nicht schwär- 
merischer und schöner sein können. Diese Augen sa- 
hen wie träumend in die Versammlung, er setzte die 
Geige an, und nun erklang ein Ton, schwach, aberzart 
und weich , ein Ton so schwärmerisch wie die Augen 
des Spielers (so sagte mir 'eine Dame nachher). Er 
spielte ein Tonstück, ,, Melancholie^* betitelt, in der Form 
von Variazionen. Er spielte, und die Frauen waren ent- 
zückt und schwärmten von Orpheus (manche wäre viel- 
leicht gerne eine Eurydice gewesen), und die Männer wa- 
ren begeistert. Sie klatschten so lange und riefen so 
lange bravo, bis Herr Prume das ganze Mnsikslück wie- 
derholte., natürlich unter dem allgemeinslen Jubel. — 
Am andern und den folgenden Tagen hörte man von nichts 
als von Prume reden, gegen den Paganini ein Pfuscher 
sei. Bald darauf gab Herr Prume im Theater ein Kon- 
zert, in dem er drei Stücke spielte. Das Haus war ganz 
voll; auch' Referent, der im Afus^im diesem Hailoh nicht 
mit beiwohnte und Obiges -nur aus. guter Quelle erfahren, 
war so glücklich^ einen Platz zu bekommen. . Nach der 
vortrefflich exekutirten Ouvertüre zum Wasserträger er- 
schien denn Herr Prume. Er erschien wirklich ,' d. ;b. 
er kam langsam, langsam an^schliche^i wie eine Er- 
scheinung. Er machte «inige Pizzikatos und das Tutli 
eines Konzertes aus Ddur begann. Es versprach we- 
nig und brachte wenig ausser, einigen Fortissimo-Pau- 
kenschlägeiu Nun schwieg das Orchester und das Solo 
fing an mit Akkorden und Doppelgriffen, aus denen iie 
leere D- und in A gestimmte G'' Saite überall heraus- 
klangen. Referent traute seinen Ohren kaum, das war 
ein Ton wie er ihn noch von keinem Geiger gehört, ein 
Ton wie von finer Kindergeige, so dünn «na flatternd. 



20S 



1859. März. No. II. 



206 



Nan Folgten Passagen und Gesang abwechselnd, nicht in* 
teressant komponirl, einige wenige Stellen abgerechnet, 
aber mit einer Vollendung in der Technik vorgetragen, 
die nichts zu wünschen übrig liess. Alle möglichen Bo- 
genstriche, Flageolet, Pizzikatos, Alles kam vor, und 
Alles wurde von Herrn Prunie mit der grössten Voll- 
kommenheit ausgeführt. Referent aber hatte gnr nichts 
gefunden, was ihn interessirle, denn wo Ton und Geist 
mangeln, da ist für ihn kein G'enuss beim Geigenhören. 
Dem aus einem Allegrosatze bestehenden Konzerte folgte 
die schon im Museum gespielte ,, Melancholie/* Hier 
wurde auch Referent bewegt und mit fortgerissen, und 
er rief am Ende sein Da' capo herzhaft mit. Es liegt 
jein eigener Zauber in diesem Musikstück , ein Zauber, 
dem sich so leicht kein Hörer entziehen wird, und Herr 
Prume spielt es wirklich exzellent. Besonders kann er 
hier seinen zarten und schmelzenden Ton geltend ma- 
chen, denn, da es mit der höchsten Einfachheit instru- 
mentirt ist, so kann er so weich spielen wie er will^ 
ohne gedeckt zu werden. Neues ist in diesem Stücke 
nicht, die Variazionen sind alt, in den Figuren selbst 
schon veraltet, aber das überall durchklingende Thema 
wird wohl den Zauber bewirken. Die Schlussvariazion 
ist in der Streichart, die Beriot in seinem berühmten 
Tremolo gebraucht, und die Herr Prume mit einer grossen 
Schnelligkeit ausführt, inde^s lange nicht so kraftvoll und 
deutlich wie Beriot. Zum Schluss spielte Herr Prume 
Varialions militaires, in denen er grosse Schwierigkeiten 
mit der grössten Leichtigkeit überwand. — Herr Prume 
macht Effekt, aber er verschmäht auch, kein Mittel, ihm 
ist nichts zu schlecht, wenn es nur wirkt. Er spielt 
8ul ponticellQ, wendet das Spielen mit dem Bogen mit- 
ten auf denr Griiibrct an, wodurch eine Art Flötenion 
entsteht, dreht die Hand um ulid fahrt mit dem- ersten 
Finger auf der G- Seite auf und nieder, wie man es sich 
wobl einmal zum Spass erlaubt, und was noch sonst Al- 
les. Sein ganzes Erscheinen, sein Auftreten, sein Ab- 
gehen, seine Manöver mit dem Bogen, die Koketterie 
seiner Augen, Alles ist studirt und Alles benutzt er, um 
Eindruck zu machen. Indess ist und bleibt er immer ein 
ganz ausgezeichneter Geiger, dehn die Vollendung, mit 
der er Alles macht, was er macht, stempelt ihn dazu. 
Die Mannichfaltigkeit seines Bogens ist wirklich ausser- 
ordentlich,' eben so seine Reinheil in Griffen, seine Net- 
tigkeit und Sauberkeit in Allem, was er spielt. Hätte 
er mehr Kühnheit und Grösse im Vortrag, der immer 
weichlich bleibt, und vor allem mehr Ton, es wäre nichts 
mehr an ihm zu wünschen. Herr Prume ist unverkenn- 
bar in der Schule von Beriot gebildet, obgleich er die- 
sen verleugnet und sogar schmäht, der denn doch als 
wirklicher Künstler immer noch viel höher steht als er. 
Ueberhaupt. hat sich Herr Prume nicht anspruchlos und 
bescheiden gezeigt, was junge Künstler doch so schön 
kleidet. Er hat über Baillot, Spohr und Beriot gespro- 
chen als wären sie nichts, was denn doch etwas stark 
ist. Referent hat alle drei Meister gehört und Ersteren 
sogar oft gehört; jeder Vergleich des Herrn Prume mit 
diesen wurde aber sehr zu seinem Nachtheil ausfallen. 
Hat allerdings Spohr auch keine Bogenfahrnog» die mit 



der Mannichfaltigkeit der neuen französischen wetteifern 
kann, so ist denn doch sein Ton und Vortrag etwas, 
wonach Herr Prume sein Leben lang vergebens streben 
möchte. Referent ist .der Meinung, dass alle die Sa- 
chen, die Herr Prume macht, gelernt werden können^ 
wenn man den Ton opfert. VKie viele Geiger von eh- 
renfester Gesinnung aber möchten das? Wie hat Rhode 
oft durch einen einzigen Ton mehr Wirkung hervorge- 
bracht, als jetzt alle Hapriolen hervorzubringen im Stande 
sind I Zu bedauern ist gewiss, dass die eigentliche Schön- 
heit und Grösse der Geige so zu Grunde gegangen ist. — 
Herr Prnine spielte noch einmal im Theater und zwar 
ein Rondo in Hmoll und die „ Melancholie ^< und diese 
wieder Da capo. Er wird von hier gen Norden gehn 
und ganz Teutschland bereisen, wo sich dann ein llr- 
theil über ihn bald feststellen wird. 

Die Oper brachte Einiges von Interesse, wozu wir 
den „Blaunart** von Gretry und die ,,Jessonda** vob 
Spohr rechnen. In beiden Opern sang die Hauptnartie 
Dem. Capitain und znr Zufriedenheit des Publikums. 
Dies junge Mädchen, die vor etwa anderthalb Jahren 
zuerst die Bühne betrat, gehört sichtlich zu. den Auser- 
wählten unter den Berufenen. Ihre Stimme (hoher So- 
pran) ist schön, ihr Gesang natürlich, ihre ganze Er- 
scheinung angenehm und sichtlich den Stempel der Ge^^ 
liialftät tragend. Sie wird gewiss einst zu den bestea 
teutschen Sängerinnen gezählt werden. — Eine Dem, 
Freyse-Sesst aus Hamburg gastirte iii mehreren Bellini- 
sehen Opern, ohne sich die Gunst des Publikums erwer- 
ben zu können. Ihre Stimme ist dünn, jedoch in den 
böhern Tönen nicht ohne Klang, ihr Spiel noch ganz 
unbeholfen. Ohne Talent aber ist sie gewiss nicht, und 
Wenn sie davon abgekommen,. Partieen wie die Norma 
zu singen, so wird sie gewiss recht Erfreuliches leisten. — 
Einen Tbeaterversuch machte ein junger Mann, Herr 
/W«, als Jakob in der Schweizerfamilie. Wir werden 
hier gar oft auf diese Art in Versuchung geführt, indess 
diesmal war es zu ertragen. Herr Ditt hat eine ausser- 
ordentlich schöne Tenorstimme, die, ganz gleich von der 
Tiefe bis zur Höhe, mit dem rührendsten Schmelz eine 
grosse Kraft verbindet. Sein Gesang sprach daher un- 
gemein an, und auch sein ganz einfaches und natürliches 
hpiel machte den angenehmsten Eindruck. Wir wer- 
den ihn bald wieder hören. 

Im Museum hörten* wir Sinfonieen von Mozart (G moH 
und Cdur), Beethoven (Fdur, No. 8), die Ouvertüre zm 
Cantemire von Fesca, eine neue recht brav gearbeitete 
Sinfonie vom Kapellmeister Strauss in Karlsruhe, eia 
Klavierkonzert von Beethoven (Cdur), von Herrp Lutz 
nicht besonders gespielt, und die beiden Quintette für 
Pianoforte und Blasinstrumente von Beethoven und Mo^ 
zart, worin die Pianopartie Herr KapeHmeister Guhr 
ausführte. Namentlich die grossen Orchesterstöcke wor^. 
den von . unserm treCBichen Orchester höchst gelungen 
ausgeführt. 

Der Instrumental' Feretn gab ein Konzert, wori« 
die Ddur- Sinfonie von Beethoven, die Ouvertüre zur 
Zaide von Mozart und zur Räuberbraul von F. Ries, 
so wie ein Klavierkonzert vo» Aloys Sehmill wirklich 



1107 



,1839. März. No, 11. 



S08 



reehl gehtngc« exekolart waHen. Der Verein wird siohtr« 
lieh besser. 

Riefitahts viertes and fXnfles QaartetI waren nicht 
weniger inleressant wie die früheren. Wir hArten darin : 
Quartett von Beethoven (Fdur» Op. 59), Quintett fiir 
Pianoforte von Alovs Schmitt (auf allgemeines Verlan- 
bngen wietterholt), Quintett für 2 Violinen, Viola, Vio- 
ioncell und Koatrabass von Onslow (Fmoil). In dem 
fünften : Quartett von Haydn (Bdur), Quintelt für Klari- 
nette von Mozart, von Herrn Springer sehr brav vorge* 
tragen, und Quartett von Beethoven (Cdur, Op. 59). 
Die grossen Beethoven'schen Quartette wurden mit einer 
Meislerschaft sowohl des Ensembles wie des Einzelnen 
vorgetragen, die kaum etwas zu wünschen übrig liess. 
Besonders zeigte sich Herr RiefsUhl als ein wahrhaft 
geistreicher Geiger. Unter den Liedern, die immer als 
Abwechslung mit den Quartetten dienen, zeichneten sich 
zwei von Riefstahl über Texte von Shakespeare kompo- 
nirte durch Genialität der Erfindung aus. 

Nachschrift vom 14. Da durch Zufall dieser Be- 
richt noch nicht abgeschickt worden, so müssen wir noch 
über einige Konzerte des Herrn Prume in den Zwischen- 
akten des Theaters sprechen Er spielte noch zwei Mal, 
einmal Konzert von Beriot (D dur) und Fantasie über 
Motive aus dem Zweikampf, und dann Letzlere wieder- 
hott und die „Melancholie" zum fünften oder sechsten 
Male. Je öfter ieJi Herrn Prume hörte, je uninteres- 
santer ward mir sein Spiel, üas Konzert vou Beriot 
spielte er höchstens mittelmässig, denn an die Schönheit 
vnd Vollendung, mit der Beriot selbst dies Konzert hier 
erst vor Kurzem spielte, war gar nicht zu denken. Das 
Spiel des Herrn Prume hat wenig Geist, wenig Schwung, 
wenig Kraft, eine weichliche Süsslichkeit beweist er ein- 
mal wie immer. Hat man die Netligkeil, Saub^keit und 
Reinheit seines Spiels bewundert, so bleibt nichts mehr 
für künftig übrig. Mit Gewissheit lässt sich sagen: 
wäre Herr Prume nicht mit der „Melancholie" zuerst 
anfgetreten, er hätte nimmer diese Sensazion gemacht. 
Ausser diesem Stück sind alle seine Komposizionen noch 
unter der Mittehnässigkeit. 



Erfurt. Am 8. Februar gab Herr loseph Rüttele 
Flötist aus Halle, ein Schüler von A. B. Fürstenan, im 
Saale des Gasthauses zum Scblebendoru, freundlich von 
dem Herrn Kapellmeister Loose und Herrn Brandenburg 
nnterslützt, ein Vokal- und Instrumental -Konzert. Es 
begann mit der sechsten Ouvertüre von Kalliwoda, welche 
sich durchgebends (Kleinigkeiten bei den Blasinstrumen- 
ten abgerechnet) einer vortrefflichen Ausführung erfreute. 
]>fach dieser Ouvertüre folgte ein Flöten - Concertino von 
A. B. Fürstenau (Op. 104), vorgetragen vom Herrn Kon- 
zertgeber, wodurch sich derselbe als einen eben so ge- 
schmackvollen, als fertigen, seinem Lehrer Ehre ma- 
chenden Flötenbläser, welcher seinem Instrumente die 
herrlichsten Töne auf die iiebiiehsle Weise zu entlocken 
versteht, zeigte. Eine Bassarie aus Camilla von Pär 
mit reiner lotonazion gesungen schien nicht ganz zi ge- 
fallen > so wie das Quartett „Der Sänger,'^ in Musik 



S setzt von L. Fischer, im sweiten Theiie dureh die 
enge der Verse ermüdete. Die darauf folgende wun* 
derscböne Romanze „Liebliche Flöte" für eine Sing- 
stimme mit Begleitung der Flöte und des Pianoforles, 
komponirt von A. B. Fürstenau, vorgetragen von FräuL 
Bachmann und dem Konzerlisteu , fand a%emeinen Bei* 
fall, so wie auch die sehr schwierige^, ebenfalls von 
Fürstenau komponirten Konzertvariazionen für die Flöte 
über ein Thema aus Marschner's Templer nnd Jüdin 
(Op. 98) von dem Konzerlgeber meisterhaft und mit der 
besten Wirkung ausgeführt wurden. Herr Organist Bran- 
denburg spielte Konzertvariazionen für die Violine^ von 
eigener Komposizion über den so beliebten „Letzten Ge- 
danken'* von C. G. Reissiger. Sowohl durch seine wohl- 
gelungene Komposizion, als durch sein nieislerbafles Spiel 
erwarb er sich ungelheillen und wohlverdienten Bcitall. 
Seine technische Fertigkeit ist in hohem Grade ausgebil- 
det, uud der elegante, fein nuan^irle Vortrag berechtigt 
zu den besten Hofinungen für die Zukunft. Das Lied 
;,Abendläuten'^ für Tenor mit Begleitung des Pianoforta 
und Violoncello, komoonirt von Brandenburg, machte 
sich vorthcilhaft bemer&bar durch die Komposizion, welche 
dem Texte genau angemessen war und von einem gu- 
ten Geschmacke zeigte ; nur ist nicht unbemerkt zu las- 
sen, dass diese Gesangpartie etwas unsicher vorgetra- 
gen wurde. Das Orchester zeichnete sich au diesem 
Abende durch gute Begleitung vorzüglich aus, nur hätte 
man wünschen müssen, dass die Blasin.struinenle bei oblir 
gaten Konzerts teilen zarter beigestimmt hallen. Be- 
sucht war das Konzert diesmal zahlreicher, als es gC" 
wohnlich der Fall bei öffentlichen Konzerten zu sein 
pBegt. Möchten wir recht bald uns eines ähnlichen ho- 
hen Kunstgenusses zu erfreuen haben. — Schliesslich 
noch die Nachricht, dass im Verlaufe des kommenden 
Monats der Erfurter Musikverein den „Faust von Goe- 
the,'^ vom verewigten Fürsten Jladziwill in Musik ge- 
setzt , zur Aufführung bringen wird ; aber leider soll^ 
wenn wir recht berichtet sind, nur eine Auswahl der 
Musik daraus und nicht das Ganze zu Gehör kommen. 

IVüh. Kömer. 



Jena. In unserem akademischen Musikwesen sind 
nenerdings mehrere wichtige Veränderungea eingetreten. 
Bald nach dem frühzeitigen Tode des Musikdirektors 
Herrn Reichardt legte Herr Gebetmehofratb Professor Hand 
die Oberdirekzion der akademischen Konzerte, nachdem 
er dieselbe eine lange Reihe von Jahren hindurch mit 
dankeswerlhem Eifer besorgt halle, nieder, und dieselbe 
ging nun an ein vom akademischen Senate erwähltes 
Quatuorvirat über, gebildet von Herrn Kirchenralh Pro- 
fessor Dr. Hoffmann, Herrn Oberappellazionsralh Pro- 
fessor Dr. Guyet, Herrn Professor Dr. 0. B. Wolff und 
Herrn Amtsakzessist Gille. Die hochgesiiannlen Erwart- 
ungen, welche das Publikum von dem Zusammenwirken 
dieser ausgezeichneten Musikfreunde uud Kenner hegte, 
wurden in der Weise befriedigt, dass sich unsere Win- 
terkonzerte bisher eines ausserordeollich zahlreichen Be- 
suchs zu erfreuen hatten* Nächst den zweckmässigen 



209 



{»39. Märe. No. IL 



210 



Veranstältinigeii jener ViermlniDersebafl hallen sie die- 
ses vorztigK«» der geschickten und krift^en Direkzion 
und dem beharrlichen Streben des neoerdings an Rei- 
chardls SteHe benifenen Mosikdirektoip Herrn Stade za 
rerdanken , in welchem snsere Akademie einen jungen 
Knnstfer gewannen bat, welcher den Ansprächen, die 
man an einen akademischen IMasikdirektor zu stellen be« 
rechligt fst, nach allen Seiten bin bestens zu genügen 
rerspricbt. Ein grindlicb gebildeter Zögling der trefüt- 
eben Schneider *8cben Schole in Dessau, vereinigt er al- 
les in sich, was nnser Alusikwesen bedarf, crm ernen ho- 
hem Aufschwang zo gewinnen, und bald hoffen wir über 
seine Leistungen, unter anderem auch als Dozent im 
Fache der Harmonie- und Komposizionslebre, Erfreuli- 
ches beriditeB zu können. 

Zar Verschönerung unserer letzten Winlerkonzerte 
trug nicht wenig auch der längere hiesige Aufenthalt 
eines jungen Künstlers bei, welcher jüngst in diesem 
Blatte mit grosser Auszeichnung genannt worden ist. 
Wir metnen Herrn Kammermusikus Koekg ans Hanno- 
Ter, welcher bei Veranstaltung mehrerer frivatkonzerte, 
auch die akademischen dnrch sein hüebsl ansgezeichneten 
Violinspiel verherrlichen half. Einer näheren Karakte- 
risining des Letzteren können wir uns hier um so mehr 
fiberbeben, da wir in den Hauptpunkten mit jenem ans- 
fiihrlicben Berichte zusammenlreifen. Er spielte hier un- 
ter anderen ausgezeichneten Komposizionen auch den 
ersten Satz ans Liptnskfs sraitdrosem und geistreichen 
Gonceri militaire in einer Weise, nach welcher es offen- 
bar nnr auf das beharrliehe Fort^tudium des jungen Künst- 
lers, unter gunstiger Lebensgestaltung, ankommen kann, 
oh er die allerhöchsten Stufen in seinem Fache, welchen 
cy bereits nahe steht, wirklich erreichen wird. Wie 
wir hören, ist er so eben im Begriff, einem Rufe nach 
Soodershausen zu folgen. Dr J? 5 

Nachschrift* Auch im letztvengangenem Konzert- 
jähre halten sich mehrere gunstige Cmslände vereinigt, 
es zu einem vorzüglich ergibigen und genussreichen zu 
machen. In deji sieben, noch unter Reichardt*s Leitung 
gehaltenen akademischen Konzerten hörten wir Sinfonieen 
von Fesca, Beethoven« Mozart« Onslow; Ouvertüren 
von Spobr, M^ v. Weber, Mendelssohn • Bartholdy, 
Schneider, Lindpaintner und Kalliwoda. Als Konzerti- 
sten erfreueten uns die Herreu Agthe^ Klarinettist in 
Weimar« Montage Klaviervirtuos in Weimar, die Hof- 
musiker aus Rudolsladt Klemm und Sennewald, Horni- 
Sien; Hofmusikus König aus Sondershausen auf der 
Bassposaune u. s. w. Sehr viel zur Verherrlichung die- 
ser akademischen Konzerte trug noch das dreimalige Er- 
scheinen von Fräul. Laegel aus Gera bei, welche in ge- 
diegener Bilduug, geschmackvollem Vortrage und vielsei- 
tiger, alets ansprechender Ausdrucksweise noch fort^e- 
sdiritten ist« Auch mehrere Studirende zeichneten sich 
im Gesänge sehr vorlheilhafl aus. 



Sinusburg. Konsserie. Oeffeolliche Konzerte wer- 
den iuNiier sparsamer. Während des vorigen Winters 
knnnteo deren auf SohsklipBion nur drd aMi Stande ge- 



bracht werden, was wir hier blos geschichtlich erwäh- 
nen wollen, da zur Beförderung der nunst nichts Erheb- 
liches darüber zu saee« ist. — Durch unverrnnthetes 
Zusammentreffen des Herrn Kalkbrentier^ Herrn und iidi* 
iame Stockhaussen und Frei\il.Bildsteim, Nichte der Letz^ 
teren, kam am 18. April ein sehr besuchtes Konzert zu 
Staude, worin die beiden Ersteren ihren Ruf als Piano- 
forte- und Harfenspieler neuerdings bewährten. Mad, 
Stockhaussen bleibt immer eine nebliche, anspruchlose 
Sängerin; wegen ihres schwachen Organs sidgi sie weis- 
lich nicht mit Orchcsterbegleitung. FräuL Bildstein ist 
noch Anrängerin, ihre klangvolle Stimme verspricht jetzt 
schon viel för die Zukunft. — Am 24. Juni liess sich 
Präui. Helene Hebert Mazel^ von Paris kommend, in 
dem Theater hören ; sie snielte auf einen Instrument von 
Pape, das sie mit sieh fünrt; dass sie ihre Nüan^irung 
grösstentheils nnr dnrch die Pedale hervorbringen will, 
können wir nicht billigen. Sie singi sehr angenehme 
Romanzen ihrer Komposizion ; eine teutsdie oallade : 
„Die iagd,'^ fand, so wie ihr Kiavierspiel, allgemeiaen 
Beifall. 

Theater. Die besfchränkte Anzahl tauglicher, und 
die grossen Forderun^n auch nur raittelmässiger Sän- 
ger und Sängerinnen in Frankreich haben in mehreren 
Städten, so wie auch in Strassburg die gänzliche Auf- 
hebung der Oper herbeigeführt. Neben einem französi- 
schen Schauspiel und Vaudeville sollte demnach in die- 
sem Theaterjahr hier blos eine teutsche Oper, beides 
unter der Direkzion des Herrn Hehl bestehen. V^om 13. 
Mai bis zum 29. Juli spielte diese Oper allein ; die fran- 
zösisdien Darstellungen wurden erst am 4. September 
eröffnet. Während dieser ersten Epoche hörten wir 
überaus gelungene Aufitibninren der Bellini'schen Opern, 
der Nachtwandlerin, Noma, Romeo, Puritaner, der Frem- 
den, des Piraten; fernerRobert, Teil, Don Juan, den Postil- 
lon, die Stumme, Enryantfae, Zauberflöte, Oberon, Otello, 
den Vampvr von Marschner. In den Bellini'schen Opern, 
im Teil, b<rf>eri und im Postillon glänzte vor Allen als 
Gast die hochgefeierte Sängerin Fräul. v. Hasselt; ihr 
vollendeter Vortrag im Gesang mit glockenreiner Stimme, 
verbunden mit ibrem vortrefflichen Spiel , erregten stets 
enthnsiastiseken Beifall; in dieser Beziehung nennen wir 
die Biltszene als Julie im Romeo, mit ihrem Vater. 
Madame Janicke, erste Sängerin, hatte sich, nachdem 
man sich an ihre anrdngUch auffallenden Halstöne ge- 
wöhnt hatte, die Gunst des Publikums erworben. Die 
Tenoristen Wapens für hohe, und Nicolini für niedere 
Partieen trogen diese allen Erfordernissen der Kunsl ge- 
mäss vor; Tadler wollen zwar die Stimme des einen zn 
dünn und des andern zu dick Guden, unbekümmert was 
in der Höhe und der Tiefe schicklich ist, aliein es lässt 
sich nicht in Abrede bringen, dass Herr Wapens beson- 
ders ein angenehm darstellender Sänger ist, und dass 
manche Hoftheater keine solche anßiiiweise» haben. Als 
hoher Basis ist Herr Brassin mit Auszetehnu^ zu nen- 
Mtt; sein metalireiches Orpm beberffseht die slärkste 
Inslrumentirong, er gibt das höbe g ebne Anstrengung 
mit Kraft; gelingt es ihm durch anhallende Vebung» mehr 
Biegsamkeit der Stimm« sn erringen, und Seoul seinen 



Sil 



1839. März. No. 11. 



j^lfi 



Vortrag za verbessern, so dSrrie er von wenig Sanpra 
iiberlrotfen werden. Als T«ll leistet er jetzt schon Vor- 
zügliches. Die Bassisten Netz und Rieger, welche mehr 
in ''der Tiefe (es) als iii der Höhe, wo ihre Töne un- 
reine Seiten haben, glänzen, lassen hinsichtlich auf Ge- 
sangbildung und Vortrag manches zu wünschen übrig» 
Ein vollständiger starker Chor, welcher stets die gehö- 
rigen Nüaugirungen aasdrückte, was der vereinigten 
Sorgfalt der Herren Kaibel> Regisseur, und Reiter, Mu- 
sikdirektor, zuzuschreiben ist, erhielt stets die lauteste 
Anerkennung. 

Seit der Wiedereröfiiiung der Bühne für die Win- 
tersaison wurden vom 9. September bis zum 11. De- 
zember' folgende Opern aufgeführt: Anna Bolena; das 
Nachtlager von Granada; der Vampyr von Marschner, 
2 Mal; die Puritaner, 4 Mal; die Nachtwandlerin, 2 
Mal; Teil; Freischütz; Norma; Moses; Taukred; der 
Barbier; der Pirat; Robert; Zauberflöte; Oberon ; Opfer- 
fest; weisse Dame; die Fremde; Romeo. Der Reiz 
dieser Vorstellungen ward durch das Gastspiel des Herrn 
Haizinger und der Damen Mejo und Esctiborn erhöht, 
lieber den vollendeten Gesang des Ersteren etwas sagen 
zu wollen, wäre eine überflüssige Mühe ; er erhielt je- 
desmal ungestümen Beifall, und wir zollen ihm Für seine 
wiederholten Besuche den wärmsten Dank. Fräul. Meio, 
nunmehr in Braunschweig, besitzt mit allem Reize der Ju- 
gend eine wobltöneode Sopranstimme von guter Aus- 
bildung und Geläufigkeit, sie intonirt rein, ihre Kollora- 
turen sind geschmackvoll, ihr Triller gut; zugleich ist 
sie eine tüchtige Darstellerin, wie sie dieses als Nacht- 
wandlerin, als Elvire in den Puritanern und als Isabelle 
in Robert bewiesen. Die Rollen der Pamina und Fa- 
lime im Oberon gewährten ihr zu wenig Gelegenheit, 
ihr vorzügliches Gesangtalent in seinem ganzen Umfang 
zui entfalten. Bei dieser Gelegenheil wurde uns noch 
das Vergnügen zu Theil, ihren Vater, Herrn Mejo, als 
Papageno und als Scherasmin zu hören, die er mit der ihm 
eigenthümlichen vis comicd, mit ungetheiltem Beifall gab. 
Mad. Eschborn leistete als Königin der Nacht, bei ihrem 
ausserordentlichen Stimmumfange, was wohl, selten, bei 
dem Mangel an Sängerinnen Mozart*scher Musik, ange- 
trolfen wird, und erntete dafür lauten Beifall. In den 
Rollen der Rezia und der Elvira im Opferfest sprach 
sie weniger an; sie bewies hier in diesen schwierigen 
Partieen, dass sie zu singen versteht, eine Gerechtig- 
keit, die ihr das gebildete Publikum nicht absprechen 
kann. Ihr Anstand und Darstellungstalent sind ausge- 
zeichnet. Obgleich ihrer Stimme der iugendliche Klang 
entgeht, so bleibt ihr doch bei dem wobiberechneten An- 
schlage Kraft genug, um es mit der stärksten Instrumen- 
tirung der genannten Opern aufzunehmen. Endlich müs- 
sen wir noch der lieblichen Erscheinung dei* Dem. Erd- 
mann erwähnen, welche bei ihrem angenehmen Aenssera 
und einer jugendlich frischen biegsamen Stimme viel für die 
Zukunft verspricht. Vieles leistete sie jetzt schon als 
Myrrha und Julie in Romeo, wo sie alle Anei^kennu«^ 
ihres Fleisses und ihrer schon weil vorgerückten Bildung 
i« Vortrag erhielt. 

Und nun ziehen wir eiaea Schleier über die teodr 



sehen Opernvorstellnngen, weldie seit dem ll.'Dezem* 
her V. J. wegen des ungezogenen Betragens verschie- 
dener nicht eingeborener junger Leute oder Nicht-Elsas- 
ser auf spätere Zeit eingestellt sind. Man will den 
Grund der, wegen BeibehaUung der tentschen Oper auch 
während des Winters, entstandenen Unruhen in einer 

Sewissen beleidigten Nazionalität finden; dafür ist nun 
en Sprach - Gegnern,, unter der fortdauernden Direkzion 
des Herrn Hehl, das blose französische Schauspiel, Drama 
und Vaudeville übrig geblieben, woran sie sich sattsam 
ergötzen können ^ worüber wir aber hier nichts zu be- 
richten haben. 



Fortsetzung der Herbstopem 1838 u. s. w. — 
Anfang derRamevalsstagione in Italien. 

(Fortf etzang.) 

Canneto und Viadana (beide im Mantuanischen). 
Die hübsche Adelaide Sartori, die Antoiiietta Guenzati, 
die Herren Giuseppe Sinico (Tenor) und Luigi Gbisoni 
(Bassist) beglückten und rührten nach einander die Zu- 
hörer dieser Orte mit mehreren Vorstellungen der Norma; 
die Bewunderung würde aufs Höchste gestiegen sein» 
wenn nicht zuweilen, besonders männlicher Seits, dislo- 
nirt worden wäre. 

Der Tenor Feiice Morandi starb in seinem Ge- 
burtsorte Viadana, 33 Jahr alt, in der zweiten Hälfle 
Oktober, als er eben nach Messina, für dessen Theater 
er engagirt war, abreisen wollte. Er gefiel besonders 
in Spanien, namentlich in Cadix, und binterlässt eine 
trostlose Frau und ein Kind. 

Rovigo. Donizetti*s Belisario eröffnete am 20. Okto- 
ber die Stagione, worin sich die Del Sere, bei aller Be- 
schränktheit' der Rolle Antonina, als wackere Künstle- 
rin bewährte, die Pancaldi (Irene) mit ihrer angenehmea 
Stimme und ihrem guten Gesänge interessirte , der 
Bassist Porlo (Protagonist) seine Stimme und Akzion 
geltend zu machen wusste, und der Tenor Pardini (Ala- 
miro) nichts verdarb. Wer beschreibt aber das AuF- 
jauchzen, als am 3. November nach einem Regenwet- 
ter die Sonne aller gewesenen, seienden und binfüro ent- 
stehenden Opern, die unerreichbare Norma des unvergess- 
lich einzigen Bellini am Tbeaterhorizonte mit gespreiz- 
ten Pfauenfedern aufging! .... 

Monta^nana (im Paduaniscben). Verschönertes 
Theater. Doppelter Fanatismus der beiden Opern Lucia 
di Lammermoor und Beatrice di Tenda. Die Forconi, 
die Causa excitans der Ekstase. Die Pelizzoni, hüb- 
sche Slimme. Der Bassist Paltrinieri verdiente die erste 
Klasse, der Tenor Bozzetti erhielt sie mit Noth. 

Verona, Dass Rossini's Matilde Shabran mit der 
Boccabadati, mit dem Tenor Storti, dem Buffo Fontana 
besser als gut gegeben wurde; dass auch Herr Bassist 
Lei zur sehr gelungenen Aufführung das Seinige bei- 
trug, und Alles mithin sich einer besten Aufnahme er- 
freute, mag hier nicht übergangen werden, da es sich 
von einer zwar nicht jungen , aber immer respektablen 
Sängeria und von dem wackern Storti handelt. Daa 



fllS 



1859. März. No; fi. 



Sd4 



Tbema ISbrt *ker. za «IwM ganz . Andenn : zur faie- 
sigea 

Privatschüle der Taubstannnen ^ wo Zöglinge 
sprechen und singen. 

In der Voraussetzung, dass die Leser hier kein ge- 
wöhnliches , sondern nur den Sprach - und Singorganen 
dieser nngluckllüb^n Geschöpfe angemessenes' Reden und 
Singen verstehen, folgt hier das Wesentlichste der vom 
würdigen Gründer dieser Schule, dem von hier gebürti- 
gen Priester Antonio Proooio befolgten Methode. Die 
sonstigen Geberden mit den Händen vertreten hier bei 
denen, welche keine Fehler der Sprachorgane besitzen, 
alle die zum Sprechen nölhigen Bewegungen mit dem 
Munde; und durch langes, mit grosser Geduld forlge- 
setztes Ueben bringt man es dahin, dass die Taubstum- 
men deutliche Worte aussprechen, und z. B. auf die 
ohne irgend eine Bewegung der Hände gemachte Frage : 
eome sta? (wie beßnden sie sich?), laut und deutlich 
antworten: sta bene (ich befinde mich wohl) u. s. w. 

Die vom Abte Provolo für seine Taubstummen er- 
fundene Gesangsmethode omfa.sst sieben Funkte. Der 
Zögling niuss 1) einen Ton allein, 2) mehrere und ver- 
schiedene Töne hervorbringen , 3) einen höhern von 
einem niedern Tone zu unterscheiden wissen, 4) die Ton- 
leiter vortragen, 5) einen jeden Ton kennen, 6) Sprunge 
auf- und abwärts machen, und 7) alles das im Zeitmaasse. 

Damit der !i^ögKng einen Ton hervorbringe, nimmt 
man seine Hand, nähert sie der Brust , und lässt einen 
Laut fahren, wobei der Zögling natürlicherweise durch 
diese Beröhrung eine Bebung fShlt; hierauf nimmt man 
seine andere Hand, legt sie auf seine eigene Brust und 
lässt ihn dasselbe machen. Diesergestalt brachte es Pro- 
volo dahin, dass alle seine Schüler einen Ton hervorzu- 
bringen vermochten, der aber freilich von dem was man 
schönen Ton nennt noch himmelweit abstand und über- 
haupt ein Geseufze bildete. 

Um mehrere und verschiedene Töne hervorzubrin- 
gen, nehme ich, sagt Provolo, die Hand des Taubstum- 
men, lasse mit deren Fläche meine Luftröhre umfassen, 
sin^e mehrmalen do^ re^ do^ re, (/o, dabei zeige ich mit 
meiner andern Hand, dass do einen mindern Eindruck 
von Bebungen als re hinterlasse, und dass re höher sei 
als do'y sodann legt er die andere Handfläche auf seine 
eigene Luftröhre, und sucht dasselbe zu thun, wodurch 
er also verschiedene Töne hervorzubringen im Stande 
ist. Nun erhebe ich die Hand, wenn er einen höhern 
Ton hervorbringt, und im Gegentheile erniedrige ich sie ; 
damit wird also der oberwähnte dritte Punkt Dezweckt. 
. Hat es der Schüler so weit gebracht, so lässt man 
ihn nach Belieben höhere und tiefere Töne, ganz beson- 
ders aber Terzensprünge hervorbringen. Hierauf nimmt 
der Lehrer einen m gieicbe Theile getfaeilten Stab, wor- 
auf die sieben Parbea, nach dem gewöhnlichen Umfange 
der menschlichen Stimme, in derselben Ordnung Vie sie 
das Prisma geben würde, geordnet sind, und auf jeder 
Farbe findet sich der Anfangsbuchstabe der sieben musi- 
kalischen Noten. Re. (D), als lebhafter Ton, ist mit ro- 
ther Farbe gegeben, and so nngerähr die übrigen Töne 



mK den ihnen entsprechenden Farben. Mit diesem Stabe 
in der Hand lässt der Lehrer den Zögling einen belie- 
bigen Ton hervorbringen ; ist er z. B. ein fa (F), so 
wird die gelbe Farbe und das F bezeichnet n. s* w. 

Das Allerscbwierigste ist nun, den Tanbslammen die 
Tonleiter selbst, auf- und abwärts, mit den Namen der 
Töne doj re, m, fa u. s. w. vortragen zu lassen : aber 
Geduld überwindet Alles, und ist er einmal dieses im 
Stande, so sind Terzen- und Quartsprünge u. dergj», 
Zeitmaass, Tempo, ein Leichtes für ihn. 

Dies wäre kürzUch die vom Herrn Abbate Provolo 
erfundene Gesangsiuethode Tür seine Taubstummen. Einer 
von ihnen , tanonimo genannt , weil man weder seinen 
Namen noch seinen Geburlsort kennt, der ungefähr 30 
Jahr alt sein mochte, und nur wenige Monat Uuterriohi 
erhielt, sang letzthin in Gegenwart mehrerer fremden 
Herren und Damen mit schwacher, doch angenehmer 
Stimme einen imrzen Lobgesang auf Kaiser Ferdinand. 
(Fortsetzung folgt.) 

Leipzigs den 8. d. Das erste Neue, was wir nach 
einer zurückgelegten kurzen Reise hier hörten, war 
Guido vnd Giaevra, Die Oper wurde zum vierten Male 
gegeben und der Zudrang war noch derselbe, wie bei 
den ersten AofluhrungeD. Gfänzende Ansslaltnng, gute 
Darstellung und häufiger Applaus der zahlreichen Hörer 
marhen vielfache WiederholiuigeQ dieser bereits bespro- 
chenen Oper gewiss, — Am 5. wiederholte die Euterpe 
in ihrer siebenten Musikunlerhaltung (einigen haben wir 
der Reise wegen nicht beigewohnt) die Vehmrichter-Ou* 
verture von Berlioz, mit Antheil ^der zahlreichen Ver- 
sammlung, den sich auch Herr J^au in einem schönen 
Concertino für Waldhorn von K. 'M, v. Weber ver- 
diente. Sein Ton ist schön und seiqe Fertigkeit beden* 
te4)d. Auch Herr Sipp erfreute mit Adagio und Rondo 
für Violine von Spohr. Den vortrefflichen ersten Sat« 
des Knnzerts büssten wir ungern ein. Fräol. Auguste 
fFemer^ gleich heim Auftreten mit Beifall empfangen» 
sang mit frisch tönender Stimme und vorzüglich gelna- 
gea eine Arie aus Rossini*s Armida, dann ans Robert 
der Teufel (mit Harfenbegleitung), und erntete ranschen- 
den Applaus. Zum Schlus.se des ersten TbeiU liess sieh 
der hiesige Harfenlebrer Herr Job. Aud. Printz bewe* 

6en, Variazionen auf das Thema „Schöne Minka'* zum 
iesten zu geben, deren fertiger Vortrag viele Freude 
machte, die sich laut aussprach. Eben so wurde Beet- 
hoveu's herrliche Cmoll- Sinfonie, sehr gut ausgeführt, 
nach jedem Satze verdient geehrt. — Unser nmmxehn^ 
ies Abonnement ^Kontert am 7. d. brachte uns, unter 
des Herrn Musikdirektors Dr. Mendelssohn'« Leitung, 
eine für uns neue Sinfonie von Dobrovnski, dessen Ma* 
nuskript bei der vor 2 Jahren ausgeschriebenen Preisbe- 
werbuug in Wien den dritten Preis erhielt. Die Aus* 
führung derselben, obgleich zum ersten Male, war, wie 
gewöhalich , so gelungen und angemessen , als man es 
jiur wünschen kann; der Eindrnck, den das Werk 
machte, schien ein getbeilter zu sein. Gerade der ersle 
&itz, den wir in liiiisicht aaf fleissige und geschickte 
Bearbeitung für den vorzüglichsten halten« ging still vor- 



"sris 



1830. März. No. 11. 



Sie 



übet. Vieiletelil liegt das an dem nicht grosMrtigeD Ka- 
rakler deaseiben, den man ron einem Eioleitongssatze 
einer Sinfonie zu rerlanpen sich gewöhnt hat. Das Tanz* 
liehe und polnisch Nazionelle herrscht vor, jener jelzt 
nicht mehr allgemein geschätzte ruhige Zusammenhang 
aehliesst das Odenmässige und das Feuer des Dithyram- 
bischen ans; der Reiz überraschender Anregungen stark 
eindringlicher Art tritt in den Hintergrund, bald einer 
volksmässieen, bald und meist einer stillern Freude Raum 
gebend. Diese allere Haltung der Sinfonie kann sich 
also kaum einer all^meinen Zustimmung erfreuen. Den- 
noch fanden die drei letzten Sätze ihre Freunde, die dem 
Werke ihre Gunst bewiesen , am vorzüglichsten dem 
schlichleH Andante. In dieser stilleren, wir mochten 
sagen mehr lyrischen Form hat auch das Werk viel Gu- 
tes. Im Harmonischen hebt sieh manche Einzelnheil in 
riöekifcfaer Wahl hervor, so wie sich mancher feine Takt 
im Rhythmischen mitten in klarer Arbeit und gut ge- 
haltener Instrumenlazion zeigt. Kann also auch diese 
Sinfonie sich kaum zu einem Lieblinge der meisten Hö- 
rer erheben, so ist sie doch in ihrer Weise und Stellung 
keineswegs zu ladein. Auf alle Fälle haben wir der 
Direkzion zu danken, dass sie uns auch diese dritte Preis- 
sinfonie zu Gehör brachte, und wir müssen ihrem Grund- 
salze, als einem löblichen und fordersam leitenden : Alles 
Meue, was in irgend einer Art sich Antheil gewonnen bat, 
muss in's Leben gestellt werden, damit es sich erprobe, 
durchaus beipilichten. — Arie und Finale aus Jreber's 
Oberon gefiel, wie immer. Mad. Bünau sang die Rezia 
und ihre Arie erhielt vollen Beifall. Dem. Rust^ die noch 
unter uns weilt, halte die Partie der Fatime übernommen. 
Darauf lernten wir in dem Herrn Kammermusikus Schuck 
ans Dresden einen jungen und tüchtigen Violoncellisten 
kennen, der sich in schöner Bogenfuhrung, gutem und 
Tollem Ton , so wie in kräftiger Fertigkeit auszeichnet. 
Seine Leistungen wurden schon in seinem ersten Vor- 
trage von der zahlreichen Versammlung ehrenvoll aner- 
kannt, obgleich das gewählte Stück, Concerttno (pi^ce 
fanlastique) von Kummer, hier nicht unter die allgemein 
beliebten gerechnet werden kann. Noch rauschender hob 
sich der Beifall in den Variazionen über ein Thema ans 
Norma, komponirt von Kummer, die von Vielen anspre- 
chender befunden wurden. Auch der Vortrag schien uns 
noch gelungener, als im ersten Werke. Herr Schlick 
verdient alle Beachtung. Vor den eben genannten Va- 
riazionen hatte eine jietae Ouvertüre von /. </. H, Ver^ 
hülst den zweiten Theil eingeleitet nnd sich bei treffli- 
cher Aufführung lauten Beifall erworben. Der junge, 
thäli^e nnd feurige Mann besitzt bereits grosse Gewandt- 
heit m eifektreicher Instrumenlazion , die nothwendig in 
ihrem vollem Glänze zum wesentlichen Inhalte gehört. 
Die gefeierten Vorbilder des vielversprechenden Kompo- 
nisten sind Karl/ M. v. Weber nnd Mendelssohn - Bar- 
tholdy. In dieser Ouferture war es vorzüglich dererst- 

Eenannte , dessen Wesenheiten in manchen Anklängen 
ervorblickten. Den Beschlnss machte das zweite Fi- 
nale aus Leonore von Beethoven, dessen Solopartieen 
▼on Mad. Bünau, Dem. Rust und den Herren Gebhardt, 
Weiske und Kurzwelly gesungen wurden. Die treCBich 



geleitete Ans(uhnin|f miissfe um so dankbarer an^nom- 
men werden, da diese Musik anf der Bühne seit langer 
Zeit nicbt gegeben wird/ — Mit Scbmerzen fühlen wir 
uns verpflicblet, den frühen Tod einer unserer geschätzt» 
ten Gesangdilettanlinnen anzuzeigen, die nicht wenige 
öffentliche Kunstleistungen zu guten Zwecken in Kirche 
und Konzert rühmlich verherrlichen half. Frau Dr. ^fiTte« 
Carus, geb. Käster, als Mutter und Pflegerin vieler Lei- 
denden, so wie als tüchtige Künstlerin viel betrauert^ 
entschlief, 35 Jahr alt, am 6. d. an einer nervösen 
Brustentzündung. 

Bertin, den 3. März 1839. Auch der Februar war 
sehr musikreich. Grosses Interesse erregte die Anwe- 
senheit des vielgepriesenen und ungleich beurtheillen 
Violinvirtuosen öle Bull, welcher sich hier zwei Mal 
öffeutlich bat boren lassen. Sein erstes Konzert im Saale 
des königl. Schauspielhauses war sehr zahlreich besucht. 
Die gespannte Erwartung der Zuhörer wurde zwar, was 
die ausgezeichneteste Technik im Violiuspiel Ole Bull's 
betrifiX, befriedigt; doch fiel dem unbefangenen Hörer 
die nachgeahmte Sonderbarkeit Paganini's, sowohl in den» 
tbeilweise sehr effektvollen, doch ofl barocken und zer- 
rissenen Komposizionen, als im absichtlich Oulrirten und 
karikirlen Vortrage des selbstgesetzten Konzerts und 
der, den meisten Beifall findenden Polacca guerriera auf. 
Das Adagio religioso zeigte, dass der berühmte Virtuos 
auch im empGndungsvoilen, gesangreicben Spiel Alles lei- 
sten kann, was er ernstlich will. Der Ton von Ole 
Bull ist nicht stark, wegen des zu schwachen Saitenbe* 
Zuges, jedoch weich und seine Intonazion meistens rein. 
Das Staccato auf- und abwärts erscheint ganz vollkom- 
kommen, weniger das sogenannte vierstimmige oder Quar- 
tellsolospiel , welches durch den flachen iMeg und lose 
gespannten Bogen sehr begünstigt wird. Am häufigsten, 
oft sehr zur TJuzeit, benutzt Ole Bull das Flageolet; 
Pizzicato -Stellen mit der linken Hand hörte ich keine. 
Im Ganzen dürfte das Resultat im Urtheile über diesen 
Violiukünstler (sie!) wohl dahin ausfallen: dass bedeu- 
tendes Talent mit seltenem Fleiss vereint ist, die Korrekt- 
heit nnd der wahre gute Geschmack indess in dem Stre- 
ben nach Originalität und der Sucht, Aufsehen zu eiTC- 
gen, um die pekuniären Zwecke möglichst zu erreichen, 
verloren gegangen ist. Schade um die verkehrte An- 
wendung so ausgezeichneter Nalnrgaben ! Was bei Pa- 
sanlni wahrhaft ori^nal, w^enn auä zuweilen in seiner 
Weise bizarr erschien , wird durch seine Kopie häufig 
zum Zerrbilde. . Doch ist es möglich, dass Ole Bull ia 
seinem zweiten, zu hohen Opernpreisen und Va Antheil 
der Einnabme (welche auf seinen Theil über 1000 Thir« 
betragen haben soll) im königl. Opernbause veranstalte- 
ten letzten Konzert Höheres fiir die Kunst geleistet hat 
Da Ref. indess dazu kein Einlassbillet erlangen konnte, 
so bleibt dem verehrten Herrn Redakteur d. Z. (welcher^ 
uns dttixh seinen, nur zu kurzen. Besuch hoch erfreute) 
hierüber das Urtheil in letzter Ipslanz überlassen > 

*) Ans Maogel m Raom folgt noi ere MeiQvoy in oäclistea Blatte. 

Die Re4aksUi. 



217 



1639. Mute. No. lll 



218 



Unniiltelbar nach diesem Ronzetf.lit Qle 9^11 ttBch Bres- 
lan abgereist. — Auch die hier anwesende Familie Itewy 
aus Wien bat sich in einem eigenen und einem Theater- 
Konzert mit vielem Beifall hören lassen. Besonders er- 
regte der neunjährige Wnnderknabe Richard durch sein 
dreistes-^ Wesen , licj^iiches Aeussere vnd den trefflichen 
starken und zarten Ton auf dem chromatischen Wald- 
horn grosses Aofsehn und gewann die besondere Theil- 
nahme der Damen. Auch Melanie Lewy geGel als Har- 
fen virluosin durch ihr zartes nnd fertiges Spiel. Der 
Herr Professor Lewy und sein Sitester Sohn Karl on- 
terstiilzten mehr die Leistungen der jüngeren Virtuosen 
mit dem Waldhorn und Pianoforte, als dass sie selbst 
bedeutend hervorgetreten wären. Docb war der schöne 
Ton und sichere Ansatz des Herrn Professor Lewy bei 
dem, in Höhe und Tiefe exzellirenden Waldhornvortrage 
Dicht zu verkennen. Dem« Löwe unterstützte die Kon- 
tertgeber durch angenehmen Vortrag der Lieder: »^Das 
Waldvöglein** und y,Das Alpenhorn.** — Ihre, dort so 
befiebte Altsängerin Mistress Shaw Kess sieh gleichfalls 
in einem eigenen Konzert, wie im königl. Openihause, 
mit allgemeinem Beifall hören, und veranstaltet Morgen 
noch ein Abschiedskonzert. Der schöne Klang der so- 
noren Stimme und die treffliche Methode dieser angeneh- 
men Sängerin machte sich besonders in englischen Ge- 
sängen von Händel u. s. w. , wie in Rossini's grossem 
Duett aus Semiramis (mit Fräul. v. Fassmann gesungen) 
gellend« Auch Zingarelli's „Ombra adorata*' und Mo- 
zart's ,,Addio** sprach durch den gefühlvollen Vortrag 
ungemein an. 

Die Sing -Akademie führte das gehaltvolle Orato- 
rium Paulos von F. Mendelssohn- Bartboldy, mit erneu- 
ter Anerkennung seines Werthes, vorzüglich gelungen auf. 

In vier musikalischen Soireen des Herr MD. Jl/oe- 
ser hörten wir mit vieler Theilnahme zwei Sinfonieen 
von Mozart, darunter die erhabene GmoU- Sinfonie, fer- 
ner die kunstreiche Pianoforte- Fantasie zu vier Händen 
desselben Tonsetzers, für das Orcbesler von J. B. Schmidt 
bearbeitet, die Beethoven'schen Sinfonieen in Fdor, 
Eroica, und die neunte in Dmoll, ohne den letzten Satz 
mit Gesang, was Kef. für keinen wesentlichen Verlust 
hält, da überdies die Ausführung mit Solo- und Chor- 
stimmen sehr schwer und selten gelungen ist. Auch 
eine Haydn'sche Sinfonie, in Ddur, eine neue Ouver- 
türe von Kalliwoda, sehr in moderner, rhythmisch be- 
wegter Weise , Cherobini's Ouvertüre zu Medea , und 
die klassischen Quintette von Mozart in Cdur, GmoU 
und D dur gelangten zur Ausführung. Letztere erfreue- 
ten die Hörer ganz besonders. 

Die Zimmermann* schtik Soir6en schlössen mit einem 
Quartett von Pesca in Gmoll, dem Beethoven'schen 
Quintett in C dur und dem Spohr'schen Doppel-Quartett 
in Dmoli werthvoll, wie sich solche stets newährten. 
(Beiclilaig folgt.) 



Feuilleton. 

Der Baffo Giuseppe Amhrogeiti (er fta^r 1815 in Peers Gri- 
selda auf der Scale «a Mailaad), teit serauiier Zeit der Ma«ik 



anlrea und ,Trap]^i8l geweMeo, hielt tieh stete in einem Kloster 
in Frankreich auf; seitdem iber der fransSsische Boden diese 
MSoche nicht mehr duldete, wanderte er mit ihnen nach Irland, 
wo er sieh jetst beendet. 



Id Carrarm, seines herrlielieo Marmors wesen weltberühmt, 
wird o'acbsteas ein ganz von Marmor gefertigtes Theater been- 
digt werden. 



Allgemein faeisst es, dss Ronservatorium zn Fiaregio sei be- 
reits nach Luoea verlegt worden*. 



Als Dooitetti's Elisir d*smore erschien, belilagten sieh die 
Franzosen darüber, dass das Buch dem Soribe-Auber'sehen Philtre 
so ganz nachgebildet sei. Eioe ähnlicbe Klage icönnteo wir Teut- 
sche jetzt gegen die Franzoseo erheben. Man höre die Fabel von 
Grisar*s ueoester komischer Oper: Das wunderthätige fFattePM 
Der Dr. TarUglia in Neapel, einziger Besitzer des wunderth&ti- 
gen Wassers, ist zugleich in seine Mündel Argentioa verliebt, die 
aber oatürlicb dem alten despotischen Vormund ihren jungen Nach-, 
bar Bellooi (anter dem Namen Scaramneoia) weit vorzieht. Nach- 
dem der Letztere im ersten Akt sich vergeblich bemüht bat, die 
Geliebte dem Alten zu entreissen , glückt es ihm im zweiten Akt 
auf folgende Weise. Seine Mitverscbworeoe Argeotina erklärt 
ihm (so dass es der lauschende Doktor hören mnss), wie sie kei- 
neswegs ihn, sondern nur den Vormund liebe; verzweifelnd eilt der 
Versehm&hte hinweg nnd nimmt Gift. Vor seinem Tode will «r 
aber grossmülhig Argeotinen den letzten Beweis seiner Liebe ge- 
ben und sie zur Erbin einsetzen — allein es sind Verwandte da, 
welche der Fremden die Brbsehsft streitig machen werden. Doch 
gibt es einen Ausweg: wenn sich Argeotine mit dem Sterbenden 
vermählt; der Witt wo kann das Vermögen nicht entzogen werden. 
Der geldgierige Alte gebt in die Falle und willigt ein; da appli 
zirt Argentine dem jungen Gatten das wunderthätige Wasser und 
— er genest. Der Doktor beruhigt sich mit dem Ruhme, den ihm 
die Rettung eines Vergifteten bringt. — Alles, Zug fdr Zog, nach 
der niten tenUcheo Oper: Der Dorjbarbier von Schenk, — Der 
Klavieranszug des wundertbätigen Wassers ist bereits bei Bernard- 
Latte in Paris erschienen. 



Auch in Algier hat sieb zum Vergnugdn der Fremden wie 
der Eiobetmischen, eine italienische Oper etablirt; bisher hat 
man dort Norme von Bellini, und Belisario, Torquato Tasso, Lu- 
eia di Lammermoor von Donizetti gegeben. Sänger, Szenerie, De- 
korazionea nnd Kostüme werden gerühmt. 



Ein Aoszng ans Ries und Wegeler's Werk über Beethoven, 
von G. E. Anders, ist bei Schlesinger in Paris erschienen. Der 
Ertrag ist für Beethovens Monument bestimmt« 



Im November 1838 — so berichten Pariser Blätter ^ starb 
zn Paris Madame de la Hye, eine Grossoichte des unsterblichen 
Jean Jacques Rousseau, ausgezeichnet als Komponistin, Virtoosfa 
und Lehrerin anf d«m Pianoforte und der Orgue expressif. Ihrer 
iibergrossen Bescheidenheit und Schüchternheit wegen ist sie nicht 
so bekannt geworden, als sie es verdiente, doch war ihr stilles 
Wirken für die Kunst höchst segensreich, und es gebührt ihr da- 
her eine ehrende Erwähnung in den Annalen der Musik. Ihre 
zahlreichen Tondichtungen, von denen nur Wenig durch die Presse 
veröffentlicht worden ist, bestehen in Messen; Etüden, Variazio- 
nen, Notturnen, Duo*s n. s. w. fdr Pianoforte und Orgue expres- 
sif; einer kleinen Oper; einer Menge Romanien, Arien, Lieder u. s. w« 
Auch hat sie theoretische Werke hinterlassen, z. B. eine Piano- 
forteschole, eioe Abhandlung über Harmonie, Schriften über Kon- 
trapunkt u. s. w. Ein Pariser Dichter hstte ihr bereits zwei 
Opernbücher zum Romponiren übergeben, nnd hätte sie noch einige 
Jahre gelebt, so würde ihr Name neben denen der I>est6n Oper»- 
kompoaisten geglänzt haben. (?) 



Andante 

p o u r l e Piano 

compose pur 

S» Thaiberg, 

Piaaitte de LL. MM. rEnperenr d'Aolrieke et le R«i de Saze. 

OeuT. 32. Prix 16 Gr. 



1659. Bfäre. No. 1^ 290 

Ankttndlf^nnifeii. 

Im Verlage von BreltkoplT Jb Hftrtel io Leipzig erschieoen so eben mit Eigenlhuoisrechl : 

A l lg eme ine 

n u ü t k 1 e Jh r e# 

Ein Uülfibuchfür Lehrer und Lernende injedemZweige 
musikalischer Unterweisung ^ 

Dr. A, B. Mar OD, 

(dem Verfaiicr der KompOfitioBsIclire.) 

Ein Band ingr. 8. mit vielen eingedrocklen Noteobeispielen. 

Frei« i TUr. 

Ferner: 
Csemy^ C«^ Rondo über die Anette: Die Eifersucht ist eine Plage ^ aus der Oper: Czaar und 
Zimmermann von A. Lortzingj für das Pianoforle. Op» 548. 12 Gr. 

— — Fantasie aber beliebte Themen aus derselben Oper^ für das Piano forte. Op. S49. 16 Gr. 

— — Impromptu über einen fVaher aus derselben Oper^ für das Piano forte. Op. 5ö0. 10 Gr. 
-«-. — RondoUtio über den Chor: Lustig zum Tanze^ aus derselben Oper^ für das IHano forte. 

Op. SSI. 12 Gr. 
■••nlsettl^ Cr*9 Ouvertüre de Roberto Devereux pour Piano forte. 12 Gr. 
Dotzauer^ CoUection d*airs favoris d*Operaspour Fioloncelle avee Basse ^ a Fusage des Ama» 

teurs et des Commencans. Cah. ß. 20 Gr. 
SLalllwoda, S. inr.y /? Sinfonie a 4 mains. JSouv. Edition. 1 TIdr. S Gr. 
KiuniKe* fi*« fValxer nach Themen aus der Oper: Guido und Ginevra von Hakvg^ für das 

Pianoforle. 20 Gr. 

— — ff^alzer nach Themen aus der Oper: Czaar und Zimmermann^ für das Pianoforle. 10 Gr. 
liOrtzlng:* A*. Ballet (Tanz mit Holzschuhen) aus der Oper: Czaar und 2ünmermanny für das 

Pianoforte. 6 Gr. 

IHeyerbeer^ die GibelUnen in Pisuj Oper von Ott (zur Musik der Hugenotten). Klavier- 
Auszug. 12 Thlr. 

IHozart^ A» W#^ 9c Sinfonie in D. Partitur. 1 Thlr. 12 Gr. 

Osb#me« C« A«^ Morceau de Salon. Fantaisie et Varialions sur des motifs de Guido ei Gi- 
nevruy pour le Piano. Op. 9. 20 Gr. 

SeMehtm ^. Cr.« Motetten in Partitur. 9s und 11s Heft, a Iß Gr. 

Sdiuinanii 9 R«* Rinderscenen^ leichte Stücke fiir das Pianoforle. Op. IS. 20 Gr. 

Spolir« timm Quatuor arr. a 4 mains par Schlums. Neue Ausgabe. 1 Thlr. . 

Tbalbers^ H.^ B^ Schiffer^ Letzter Besuch. Zwei Gedichle für mne Singstimme mit Be- 
gleitung des Pianoforte. 12 Gr. 

Zumsteeg. Lenorej Ballade von Bürger mit Begleitung des Pianoforte. Neue Ausgabe. 

1 Thlr. 16 Gr. 

Unter der Presse sind: 
liei-tlniy II«y Sextnor pour PUnoforte, 2 Violons, Alto, Yioloncelle tit Bmm. Oevr. 79. 
Csemy^ C»^ 8 Scheni pour le Piano. Oear. ttStf. 

JD ByUI f Wm ) VarUüonf poar le Violen ayec acconp. d^Orcbestre ou de Piano. Oenv. 1 1. 
HoniBettiy €^.9 R^Terief napolitaines. 6 Ballades italiennes a allemandes arec «cctepagneBen« de Piano. 
«. — Lucresia Borgia en 5 Actcf. Opera. Partition de Piano. 
.— — Ronnance de TOpcra: Roberto Devereux, ayec I^ano. 
JHfaleY^y IF.f Guido et Gineyra. Opera arr. pour le Piano k 4 mains. 
Menselty A.9 Imprompt«^ arr. a 4 ii^ains. 

liOrtBln^y A»9 Czaar und Zimmermann, Oper, arr. für das Pianoforte mi fi H&nden ohne Worte. 
BleilllelSSOliny 2me ConceHo, arr. ä 4 mains. Oeny. 40. 
_ 5 QuatooTS pour 2 Vlolons, Allo et ViolonceUe. Oeuv. 44. 

Leipzig y bei Breitkopf und Hartel. Redigirt von Br. G. fV* Fink unter seiner FeranhvorÜichkeü. 



S2I 



SS» 



ALLGEMEINE 

MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den 20'*« März. 



M 19. 



1859- 



Parti tnrkenntniss^ 

^in Leitfaden zai^ Selbstunterricht für angehende Ton- 
setzer oder solche ^ welche Arrangiren, Partituren 
lesen lernen oder sich su Dirigenten von Orchestern 
oder Miliiärmusiken bilden wollen. Von Dr, Ferd. 
Simon Gassner ^ Grossherzo^l. Badenschen Hormusik- 
dfrckloT. Erster Band — Text. Zweiler Band — 
Notenbeispiele. Karlsrahe^ bei Christian Theodor 
Groos. 1638. 

Ijei j«dem aeue» Baclie, nanenllich des UnlerrichtSt 
kommt es nicht darauf an; dass der Beurtheiler, ein ein- 
zelner Mann, das WerJc mit pomphaften Redensar- 
ten des Lobes 9 «der mit witzelnden Abweisungen ver- 
folgt ^ sondern vor Allem darauf, dass er gewissen- 
haft anseinandersetzl, was für eine Lehrordnung be- 
folgt word«n ist, weiche Gegenstände und wie, ob klar 
und bündig, oder dunkel nnd weitschweifig u. s. w., 
darin verhandelt werden sind, damit der Leser in mög- 
lichst gedrängter, aber doch auch umfassender Uebersicht 
erkenne, ob das Buch für ihn ist oder nicht. Gibt es 
auf diesem Wege wenig Siechendes, so gibt es dafür 
stets Nützlichiss und für nicht zu Flatterhafte zugleich 
binJändich llBterhaltendes , was durch Nachweisungen 
und Bemerkungen des Anzeigenden bedeutend werden 
kann. Zugleich ist diese Methode die einzige, die völ- 
lige Ungerechligkeiten uBMÖglich macht. Wir wollen 
also diesen Weg der Anzeige, als den geradesten, zum 
Gewinne der Leser und des Verfassers, beibehalten. 

Die Schrift wird mit der Bemerkung eröffnet, dass 
man 4iese wichtige Lehre in den meisten Unterrichtsbu- 
chera der Komposizion entweder gar nicht, oder nur 
oberBächiich bebandelt findet. In den Literaturbüchern 
trifft man auch nichts ; sogar die einzige Abhandlung der 
Art, die vor 100 Jahren bei Michael Funken 1738 in* 
Erfurt erschien, wird vermisst. Ist das Werkeben auch 
nndeullich und sogar kaum zur Belehrung über alte In- 
strumente zu verwenden, die ausser .Gebrauch gekom- 
men sind, so ist es doch geschichtlich merkwürdig, wes- 
halb wir den Titel nicht übergehen wollen ; er heisst : 
„Musicns dv%oSt8a%xos 9 oder der sich selbst informi- 
rende Musicus, bestehend sowahl in Vocal- als üblicher 
Instrumental -Alusique, welcher über 24 Sorten sowohl 
mit Saiten bezogener als blasender und schlagender In- 
strumente beschreibt, die ein Jeder nach Beschaffenheit* 
seines Naturells, sonder grosse Mühe, in kurzer Zeit, 
nach denen Principiis fundamentalibus erlernen kann. . 

41. Jahrgang. 



Allen Liebhabern dieser Edlen Kunst zum besten ans 
Lichl gestellt, und mit vielen dazu dienlichen Figuren 
und Hai^dgriffen erläutert von einem der in praxi erfah- 
ren.'* — Der HatL|)tzweck nnsers Verfassers gebt da- 
hin, auch solchen Dilettanten verständlich zu sein, denen 
Berufsgeschäfte keine Zeit zu gelehrten Forschungen ge- 
statten. Er will den Fehler vieler Lehrbücher vermei- 
den, welche mit grosser Ausführlichkeit Dinge erklären, 
die dem Anfänger zu hoch sind, wodurch er nur ängst- 
lich gemacht sich die Sache schwerer vorstellt, als sie 
ist. Durch Andeutungen soll ein weiteres Studium vor- 
bereitet werden. Er begreifl und bekennt sehr wohl, 
dass man aus keinem Lehrbucbe Alles erlernen kann, 
was ein Musiker zu wissen nöthig hat n. s. w. Der 
Verfasser muss also denMiith haben, seiner Ueberzeugung 
zu folgen. •— Sehen wir nun, wie die Gegenständ« ge- 
ordnet und behandelt sind, wobei wir die kurze Ein- 
leitung übergehen« 

Im ersten Kapitel wird über die im Orchester übli- 
chen Saiteninstrumente im Allgemeinen gesprochen, so 
dass die Kennlniss ihres Karakters und ihrer Eigenlbüm- 
lichkeit bis in's kleinste Detail ausser seinem Zwecke 
liegend angenommen und für die, welche dies wollen, 
auf Fröhliches allgemeine Musikschule (Systematischer Un- 
terricht zum Erlernen und Behandeln der Singkunst u. s. w. 
Ir Tbeil. Würzburg, 1822; Systematischer Unterricht 
in den vorzüglichsten Orchesterinstrumenten u. s. w. Würz- 
burg, 1829) vei*wiesen wird. Das letztgenannte Werk 
ist sehr ausführlich; dagegen liebt unser Verfasser die 
Kürze, den Grundsatz festhaltend: Wem ein Lehrbuch 
mehr als Leitfaden zur Entwickelung innerer Kraft sein 
muss, der gebe das Studiren auf. Talent und Geniali- 
tät lassen sich nicht aus Büchern lernen. — Es wird 
hier lediglich auf Karakter, Tonqualität und Umfang 
Rücksicht genommen, was im zweiten Kapitel, die nä- 
here Erklärung des Bogenqaartetts- enthaltend, fortge- 
setzt wird. Die Bemerkungen sind zweckdienlich, wenn 
auch Manches wiederholt wird trotz der Kürze. Dass 
bei der Beschreibung der Violine das tiefe g nicht mit 
einem Strich {g) bezeichnet stehen sollte, wäre keiner 
Erwähnung werlb, wenn das Buch nicht für Unerfahrene 
bestimmt wäre. Der höchste Ton wird auf das viermal 
gestrichene a gesetzt und bemerkt, dass wohl höhere 
Töne mögUch, aber nicht von guter Wirkung sind. Das 
Vei'sehen der Bezeichnung der Töne 4ut*ch otriche über 
den Buchstaben findet sich anch bei der Bratsche, wm 
um so auflaliender ist, da es beim Violoncell richtig 

12 



9SBi 



1859. März. No. 12. 



924 



Sieht. — Ceberall ist aof die Noteobeispiele im zweiten 
Theile verwiesen» die eben daram in einem andern Bande 
zasimmengedruckl wurden, damit man sie zur ansebau* 
licbsii Erläuterung des Textes desto bequemer gebrau- 
dhen kann. — Ii» drillen und rierten Kapitel wird das 
Ailernölhigsle über die Holzblasinstrumente verständlich 
beigebracht. Unter den Bemerkungen über das Piccolo 
ist folgende sehr zu beherzigen : Das Studium des Pieco- 
losatzes mache man ja nichl in den neuen italienischen 
Partituren 9 wo man es statt zu gebrauchen, nur miss- 
br^Miebaa ieni«ii würde. — Im Uebersichtlicben von den 
Klarinetten können wir folgenden Satz nicht unterschrei- 
ben: „Wenn man annimmt, dass jede Klarinetle die 
Stimmung derjenigen Tonart hal, deren Namen sie fährt, 
so ist es wohl begreiOich, dass in Cdnr die C-, in 
Bdur die B-, in Adur die A- Klarinette n. s. f. die 
beste Wirkung thun muss.*^ -^ Die Klangfarbe ist zu 
verschieden, und darauf kommt'es doch hanptsächliehan. — 
Das fünfte Kapitel lehrt das Nolhwendigste von den 
Blech- oder Becher - Blasinstrumenten mit guten Be- 
merkungen, z. B. : Bei hohen Tönen der Trompete gehe 
man vorsichtig zu Werke, weil das sogenannte Clarin- 
blasen nicht mehr so üblich ist als sonst. Für Manche 
dürfte die Erinnerung auch nicht unnütz sein, dass ehe« 
mals die hohe Trompete Clarin und ihr Bläser Clarinist 
hiess; ferner dass man sich in früheren Zeiten noch 
einer dritten ganz für die liefen Töne bestimmten Trom- 
pete J>ediente, welche Principal genannt wurde. — Im 
sechsten , siebenten und achten Kapitel wird über Mili- 
tärmusik und die dabei üblichen Instrumente gesprochen, 
wo auch der Serpent und die Ophicieyde kurz abgehan- 
delt werden, ferner Gotlfr. Weber's Doppelposaune (s. 
18. Jahrg. unserer Zeitung), Klappen- und F'eniü-' 
Trompete, wie Ventilhorn (chromatiscbe). — Das neunte 
Kapitel erwähnt kurz die Schlagwerkzeuge. Das zehnte 
Kapitel liefert das Unentbehrlichste über die Orgeln wo 
die Ueberscbrift „Kirchenmusik** nicht an der Stelle sein 
dürfte. Desgleichen werden im eilften Kapitel, unter der 
Aufschrift „Konzert-, Kammermusik,** Pianoforte, Harfe» 
Gttitarre und Mandoline abgehandelt; im zwölften Kapi- 
tel (Gesellschaftsmusik?) mehrere ausser Gebrauch ge- 
kommene Instrumente, was im Grunde nicht hieher ge- 
hört, doch wenig Raum wegnimmt. Das dreizehnte Ka- 
pitel behandelt die Singstimmen. 

. Nach diese« vorgängigeu Uebersichleii wird im vier- 
zehnten Kapitel, S. 64, vom Arrangiren gesprochen. 
Es ist gewissermaassen ein Uebersetzen in eine andere 
Sprache ood eben so nötbig und nützlich. Der Verfas- 
ser tbeilt es ein 1) in das verkleinernde, der Effekimit- 
\A nach 9 was viel Umsicht und Ueberlpp;iing erheisehl. 
Nur darf ein Qrchesterwerk nicht für 2 Flöten oder Vio« 
linen verringert werden, aber eine Verringerung der Ton- 
massen kaim sehr wohl Statt finden; 2) in das ver- 
' grössernde» z. B. Klavierwerke für Orchester; 3) in das 
nmlaoschende , wo aas.Neth statt. Hörn Fagott, statt 
lUayier Guitarre genommen wird ; 4) in das komponirte 
Arrangiren oder iü*pangirte Komponiren, was keins von 
Beiden völlig ist, sondern Beides zngleicb, wie das Pot- 
pourri. Um gut zu arrangiren, moss man die Partitur 



nichl nui* lesen können, sondern sie bis ins Kleinste ver- 
stehen. Daher (fünfzehntes Kapitel) Partiturregeln, un- 
ter welchen hier keine Romposizionslehre, sondern jene 
Abbreviaturen und Zeichen verstanden werden, deren 
sich Komponisten und Kopisten bedienen, um schneller 
schreiben zu können. Eine allgemein angenommene Auf- 
einanderfolge der Instrumente in der Partitur (Sparte) 
gfbl es nicht, wohl aber Grundprinzipien, welche den 
ILeh^^rblick deutlich machen. So werden immer Instrn- 
mente zusammengestellt, welche gleiche Eifekte hervor- 
bringen, ond zwar so, dass die höher liegenden über die 
liefer klingenden gesetzt werden u. s. w. Alle diese 
Regeln sind nur äasserliche der gewöhnlichsten ersten 
Erkenntnisse ^,über den Entwurf und die Ausarbeitung 
einer Partitur, so wie über die Art, wie Anfanger der 
Setzkunst Partituren studiren sollen,** wird auf die 
erste Ablheilung des zweiten Tbeiles von H. Ch. Koches 
Versuch einer Anleitung zur Komposizion verwiesen. 
Darauf wird das Arrangiren in allerlei Form an Beispie* 
len erläutert. Die äusseren Stimmen sollen zuerst, die 
Mittelstimmen zuletzt gesetzt werden. An solchen Bei- 
spielen lernt der Anfänger das Meiste. Es ist auch gut, 
dass ein Beispiel zo verschiedenen Arien beibehalten wor- 
den ist. Der Anfanger gewinnt auf alle Fälle durch 
Arrangiren der Meislerwerke, welche freilich dadurch 
verlieren; allein sie sollen ja deshalb nicht gleich ge- 
druckt werden, vielmehr nur zor Uebung dienen, S. 76 
beginnt die Lehre vom Imtrumentaleffekt. Zuvörderst 
wird Manches mit Bedacht wiederholt und im Nolen- 
buche werden nützliche Tabellen über das Verhällniss 
der Inslrnmenle geliefert. Es ist recht gut, dass diese 
Tabellen nicht bis auf das Geringste, was sich von selbst 
versteht, ausgeführt wurden^ man sieht sonst den Wald 
vor allen Bäumen nicht. — Die Beschreibung der Wirkun- 
gen der verschiedenen Touwerkzeuge , zum Tbeil aus 
einer andern Feder, was redlich angezeigt worden ist, 
werden Vielen nützlich ond Allen angenehm sein; Um- 
sicht, Deutlichkeit und Kurze werden nicht vermisst wer- 
den. Einen fortlaufenden Auszug liefern wir nicht, weil 
er wenig Vortheil bringen könnte; die Erfahrenen sind 
damit bekannt und den Unerfahrenen dient eben das 
Ganze. Nur eine Warnung, die wir oft ausgesprochen 
haben, die aber unserer Zeit nicht oft genug wiederholt 
werden kann, den Missbraueh der Blasinstrumente he- 
treffend, heben wir aus; sie bezieht smh im Werke na* 
menllich auf Klarinette und Hoboe, mag aber immerhin 
*mil leicht zu findenden Nebenbestimmnngen auf andere 
Blaswerkzcuge angewendet werden. „Die Verschwend- 
ung dieser, so wie der meisten Blaaiastrnmente , thnt 
in der Musik eine ähnliehe Wirkung« als die zu grosse 
Häufung und das zu starke Aurtraj^en vieler abstechen- 
den Farben in einem Gemälde; die Sinne werden da- 
durch wohl gereizt, aber 'die Fantasie wird beschränkt, 
die schöne Form verdecki oder verdunkelt.*^ — Möchte 
man dies doch, endlich wieder beherzigen. Der Vorwurf 
des zu starken Blasens und Paukens trifil nichl nur An- 
fänger in der Komposizion, sondern selbst Männer, die 
über solche Lärmsucht hinaus sein sollten. Man hascht 
damit nach den Wohlgefallen der leeren Menge und 



825 



1859. Man. IVo. 12: 



1226 



verdirbt die fiunsl. — MÜeberbaopl soll mao laMrnnieiite^ 
deren Töne im Äosiöoen und Verhallen, im Zuoehoen 
und Abnehmen den grösslen Reiz haben, and welche 
den Verlust dieser tieren Wirkung durch nichts Ända- 
res ganz ersetzen, nicht leicht zu sehr schnellen Be- 
wegungen mit schnellen Figuren gebrauchen/* — Die 
IJnterhaltung über Verbindung verschiedener Jnsirumenle 
und über das verschiedenartige Auftreten irgend eines 
aolchen, wie als alleiniges Konzertinstrument, nur zu 
einzelnen eingewebten Solostellen verwendetes, als der 
Harmonie dienendes oder blos begleitendes, wird den 
Anfängern gleichfalls gute Dienste thun. Dass hingegen 
dergleichen Gegenstände aus keinem Buche der Well 
vollständig erlernt werden können , sondern dass auf- 
merksames Hören, möglichste Bekanntschaft mit den In- 
strumenten selbst und sorgfältige praktische Uebongen 
dazu gehören, ist im Buche selbst vielfach ausgesprochen 
worden. — Auf Uebereinstimniung und Kontrastiruog 
der Instrumente, auf Aehnlichkeit und Verschiedenheit 
der Tonfarbe muss viel Aufmerksamkeil verwendet wer- 
den. Bei der Wahl der Instrumente muss nicht allein 
darauf, sondern auch noch stets auf den Karakter der 
Tondichlnng, ob angenehm oder erhaben, tragisch oder 
komisch u. s. w., ja selbst auf den Ort der Ausführung, 
ob Kirche, Konzertsaal, Theater oder Kammer, Rück- 
sicht genommen werden. Da denke nach, bemerke selbst, 
lerne mit Bewusstsein empfinden und zeige dann den 
Standpunkt deiner innersten Bildung durch die ThaU — 
9, Man hat sich überhaupt sehr vor nur eingebildetem, 
papiernem Effekt zu hüten/' Man unterrede sich mit 
den Inslrumentalisten und lerne das vermeiden, was sich 
in der Wirklichkeit auf irgend einem Instrumente nicht 
so herausbringen lässt, als es sich der Tonsetzer in sei- 
nen Gedanken vorbildet, u. dergl. mehr. Ideen sind mehr 
wertb, als aller Insirumentenlärm, meinen wir und ha- 
ben es oft gemeint. Solleu sie gut ausgedrückt werden, 
so muss es in der Rede mit den entsprechenden Wor- 
ten, in der Musik mit den reiü^len Instrumenten u. s.w. 
geschehen. Nicht auf Quantität, sondern auf Qualität 
der Ton Werkzeuge kommt es an. Wer immer blasen 
und pauken lasst, macht Ohr und Seele unempfindlich. — 
Was in der Abhandlung über die Behandlung der Bo- 
geninslrumente und der Blasetonwerkzenge beigebracht 
wird, besonders über die Letzten, verträgt bei der 
kurzen Hallung keinen Auszug, ist aber unterhaltend 
nnd zweckmässig, wozu auch gehört, dass die Blasin- 
strumente, die seltener Neuerungen unterworfen sind 
und am meisten gebraucht werden, auch am vorzüglich- 
sten beschrieben worden sind. Man bemerke im Allge- 
meinen : „Kein Instrument ist vom Beginne seines Um- 
fangs an bis zu den äussersten Grenzen desselben gleich 
stark im Toue. Das sich zur Höhe neigende wird in 
den mittleren und tieferen, das mehr der Tiefe sich nä- 
hernde wird in den hohen Tönen schwächer sein." Dar- 
auf sehe man bei der Zusammenstellung der Instrumente 
und bei Vertheilung der Intervalle. — Allesi Gegebene 
beschränkt sich auf die nothwendigsten Andentungen, die 
für Begabte auch hinreichen werden. Am £nde lässt 
sieli nicht Alles erklären ; man soll Grund gewinnen nnd 



XU eigenen Beobaclktnngen attg#i>egt werden, r- tm acht- 
zehnten Kapitel wird über Poruj und Anlage, Schreibart 
und ästhetische Einrichtung musikalischer hompbsizionen 
gebändelt (S. 106), fast zu kurz und obendrein mehr ne- 
gativ als positiv, was Anfängern nichts nützt; das ver- 
neinende Prinzip ist schon von selbst in Jedem mächtig 
genug. Und doch sind auch hier treffliche Bemerkun- 
gen mancher Art, z. B. ! „ Die Originalität suche man 
mehr in dem Geiste, der aus dem Ganzen spricht, als 
in einzelnen Gedanken/* So oft dies auch gesagt wurde, 
es bleibt bei dem fortwährenden Witzfabriziren in ein- 
zelnen Phrasen immerhin noch nöthig. ,,Am Besten ist 
es, wenn der Komponist nichts dafn'r kann, dass seine 
Arbeiten schön sind.** — Das ängstliche Nachahmen 
irgend eines Eigenthümlichen , sei es der Person oder 
irgend einer Zeit, sei vermieden ; die Form ist gut, aber 
der Geist ist höher. — Neunzehntes Kapitel über mu- 
sikalische Literatur, natürlich nur in Bezug auf solche 
Werke, in welchen nber einzelne in diesem Buche nur 
Qüchtig berührte oder kurz besprochene Gegenstände aus- 
führlicher abgehandelt ist. Unter diesen Werken wird 
auch zum bessern oder leichtern Gebrauche unserer Zeitung 
des Registers der ersten »wonsiig Jahrgänge Erwähnung 
gelhan, der Fortsetzung dieses Registers von 1819 bis 
mit 1828 dagegen nicht. Wir bringen diese Fortsetzung 
in Anregung, weil Allen, die unsere früheren Jahrgänge 
zum Nachschlagen benutzen, durch dieses fortgesetzte 
Hilfsregister viel Zeit erspart wird. — Im zwanzigsten 
Kapitel, Schlussbemerkungen überschrieben , werden die 
Notcnbeispiele des zweiten Bandes von Neuem berück- 
sichtigt und ^^Ein practicum** darüber gehallen, was von 
vielem Nutzen ist. Ein Anhang von S. 132 — 144 gibt 
nachträgliche Bemerkungen ; ein alphabetisches Inhalts- 
verzeichniss beschliesst. Die Notenbeispiele sind tref- 
fend nnd werden das Studium sehr erleichtern. Dem 
Verfasser gebührt Dank für seine Arbeit zum Besten 
"Vieler. 



Bemerkungen zur Lebensgeschichte Erna- 
nuels^ genannt der Baron von Astorga. 

(Besehlnss.) 

Diesem Kaiser Karl VI. war indess Emanuel nnd 
dessen Komposizionstalent schon von früher, und zwar 
von Spanien her, persönlich bekannt. Wir besitzen hier 
in VVien ein Exemplar der Oper Dafni*) von alter, 
augenscheinlich exotischer, obwohl nicht italienischer, 
glaublich von spanischer Hand geschrieben, dessen Ori- 
ginaltilel also lautet: y^Dqfnij Dramma Pastorale ver 
Musica Tenuto a BarceUona avanti ie loro Maestä Cat- 
tohche. Uanno VJ9H alii di ,.,. Giagno. Musica del 
Barone d^Astorga **). Wie geschichtlich bekannt,' war 



*) Dafai, Maontname, oieiit Da^ae, wi« «f bei dem Biografen 
lautet. Auch ist es keine ,tÖpereHe/^ soodero eine töehtiipe 
Oper,, dereliens mit Rezitativ üod Gettng, im italienischea 
Style danaliger Zeit. 
*') Dieaea fizcmplar ist im Beattse des Herrn ftofralftfi R. G. Kie- 
sewetter» eattammt abs der SaSimlvDg «iaea vomekmcn aater- 



987 



1859. März. No« 12. 



228 



es Bari» damals in S|miiieD König Karl III., welcher 
sein Hoftager in der Stadt Barceilona hielt, die er erst 
im Jahre 1711 (desselben königliche, nun kaiserliche Ge- 
mahlin erst im Jahre 1713) verliess. Die Oper Dafni 
datirt demzurolge zuverlässig nicht erst vom Jahre 1726; 
wenn es auch nicht gerade unmöglich ist, dass sie (wie 
Hawkins mnd nach ihm die späteren Biograren angege- 
ben haben) in diesem Jahre zu Breslau aufgeführt wor- 
den *); wir zweifeln gar nicht, dass Emanuel diese Oper 
für den Hof von Barceilona verfertigt, auch daselbst per- 
sönlich in die Szene gebracht habe, am Hofe Philipps 
(in Madrid) können wir kaum andere, als französische 
Opern (Lully, Caropra, Desmarets u. dergl.) vermuthen; 
Karl aber unterhielt zu Barceilona eine Kapelle italieni- 
scher Künstler unter der Leitung des berühmten Giu- 
seppe Porsile, welcher später mit mehreren Miigliedern 
dieser Kapelle an den Hof seines Herrn Karls VI. nach 
Wien kam. *♦) * 

In Beziehung insbesondere auf die zweimalige Reise 
Emanuels nach Wien können wir nicht umhin zu be- 
merken, dass sich hier vom musikalischen Wirken des- 
selben durchaus keine Spur findet. Erwägen wir nun, 
wie die kunstliebenden Herren Joseph I. und Karl VI* 
alle Talente in Anspruch nahmen, und dass £mauuel per- 
sönlich bei beiden Kaisern in besonderer Gunst stand, 
so folgern wir, dass desselben beidesnlaliger Aufenthalt 
in Wien, nicht durch Kunstzwecke veranlasst, auch nur 



reichiscfaen Herrn, vhd war anf einem der SchlSsser dieses 
Herrn in Mähren, mit mehr anderer italieniccher Opernmnsik 
aus dem ersten Drittel des vorigen Jahrbnndertd hinterblieben. 
*) la Wien (wie Her^ Fetis, den 'altern Biografen nachbeirend, 
mit seiner gewohntea Znversicbtlicblceit angribt) ist sie — wie 
wir znverlässig rersichern können, niemals anfgefährt wor- 
den. Herr R. scheint deren Anffiibrung in Breslaa ia 

Zweifel zu sieben, nnd wie uns dünkt nicht ohne Grnnd; 
mit Räcksieht auf Zeit, Ort und Mittel bat die Angabe ge- 
ringe Wahrscheinlichkeit. 
") Immer scheint in der damalige^ Epoche Emanuels Zusammen- 
hang mit dem österreichischen Regenteohanse eotscbiedeoer ge- 
wesen tu sein, als mit dem französisch-spaoisebea. Ware 
anf die Angabe Hawkins — Emanuel habe während eines Auf- 
«nthaltea in Spanien den Titel von Astorga erbaUen -^ nur 
einiges Gewicht zu legen, so wäre es nicht schwer zu mnth- 
maassen, es sei ihm dieser Titel von Karl III. während des- 
sen Residenz in Barceilona verlieben werden ; in dessen Folge 
er daon aueh den Namen von Astorga mit Fug und Recht 
hätte führeo können. (Auch nach dieser Snpposizioa wäre 
Emanuels früherer Aefenthalt in dem Asyl zu Astorga nicht 
minder glaublieh ; es könnte Tiehnehr eben dieser Umstand 
die Wahl des Titels bestimmt haben.) Wir sind aber nieht 
gemeint, auf die wenig zuverlässigen Angaben Hawkins eine 
(zudem ganz überffussige) Hypothese zu bauen; die Herrn 
RoehKtz vorgelegene Notiz hätte vermuthlich ein so wichtiges 
Factum angezeigt. — Uebrigeas sei hier noch angemerkt, dass 
es früher ein edles Geschlecht la Spanien mit dem Titel von 
Astorga gegeben hatte, aus welchem ein Marquis dieses Na- 
mens im Jahre 1C74 als Vizekönig zu Neapel vorkommt. 
(Le Bret, Geschichte von lulien. 9r Tbeil. 4s Buch.) Ob 
dieses Geschlecht in dem Zeitalter unsere Emanuels taoch ge- 
blüht habe, konnten wir nieht ermitteln, glauben aber es be- 
zweifeln zu müssen« indem wir, nach dem persönlichen Ka- 
rakter und der Gemüthsrichtung Emanuels, ihn Ton der An- 
maasanng frei sprechen müssen, den Namen eines noch blü- 
kendea fremdeo Geachleehtas aDgüBommcii so haben. 



von kurzer Daoer und dorch keine musikalische Hervor- 
briBgung bezeichnet gewesen sein müsse. 

Wh* haben so eben des Meisters Giuseppe Porsile 
zm Barceilona erwähnt j dieser tüchtige nnd frucht- 
bare Komponist, von dessen Arbeit in dem reicbhaltigen 
Sobatze alter dramatiscbei; JUusik in Wien sich eine be- 
deutende Zahl grosser Werke aufbewahrt findet, war 
früher als königlicher Vizekapellmeister in Neapel, wo-^ 
her er eben im Jahre 1704 den Ruf zu dem Könige 
Karl III. als dessen Kapellmeister für Spanien erhielt. 
Mit diesem seinen neuen Herrn (ergenlKch im Gefolge 
der nunmehrigen Kaiserin im Jahre 1713) kam Porsile 
nach Wien, wo er mit dem Titel Maestro giubilato^ als 
Lehrer der Herzoginnen, Töchter des Kaiser Jo- 
seph 1., angeslellf, später in den Personalsland der kar- 
serlichen Hofkapelle als Hofkomponist eingereiht wurde, 
in welcher Stelle er am 1. Mai 1750 im 78. Ailersjahre 
sein Leben bescbloss. War nun auch unser Emanuel 
zur Zeit seines Aufenthaltes in Barceilona schon ein ge- 
wandter Tonsetzer, und der sich schon an ein grosses 
dramatisches Werk (Dafni) wagen konnte, so ist es 
darum nicht minder glaublich, dass er dort an der Seite 
eines Porsile, dorch Aufmunterung und selbst durch An* 
leituug, an Fertigkeit und solider Kenntniss noch gewon- 
nen haben kann. Muss man aber allerdings annehmen, 
dass Emanuel schon im elterlichen Hause unter einem 
tüchligen Meister seine Studien gemacht haben musste, 
so können wir nicht umhin, auf einen Francesco Scar- 
latti zu deuten, welcher gegen Ende des 17. Jahr- 
hunderts an der königlichen Kdpelle zu Palermo ange- 
stellt gewesen war und der Lehrer Emanuels in der 
Setzkunst gewesen sein könnte. Derselbe war es, der 
(nebst Porsile) im Jahre 1715 in Wien als Caldara's 
Mitwerber um die damals an der kaiserlichen Hofkapelle 
erledigte VizehofkapeUmeisterslelle mit einigen Ansprü- 
chen auftrat, indem er sich auf seine Verdienste als ehe- 
maliger Kapellmeister in Palermo berief, woselbst er we- 
gen seiner Anhänglichkeit an Oeslerreich seine Stelle 
verloren habe. Er scheint sich nachmals, da er i\t ge- 
dachte Stelle nieht erhielt, von hier nach Venedig gewen- 
det zu haben. Seine weiteren Schicksale sind uns nicht 
bekannt. Die von seiner Arbeit in Wien vorhandenen 
Proben bewähren ihn übrigens als einen gewandten und 
erfindungsreichen Kontrapunktisten; er war des berühm- 
ten Namens der Scarlatti vollkommen würdig. *) 

Indem wir diese unsere Bemerkungen über Ema- 
nuels Lebensgeschichte scbliessen, wollen wir nur noch 



*) Dieter Franceseo Scarlatti, hechtt wahraehainHeb ein Bruder 
oder naber Verwandter des beriüimten Adessandro Scarlatti, 
war bisher allen Lexiltograren nnd Histor?ografea der Mnsik 
entgangen. Wic^ haben Grand an gtaaben» nnd werden ea 
wabrscheiolish mit ZuverJässigkeit an einen aaden Orte aneb 
dartbnn können, dass Ginseppe Scarlatti, welcher die längste 
Zeit ia Wien gelebt« aneb hier 1771 starb nnd insgemein 
fdr einen Eolcel von Alessandro Scarlatti und Sohn des be- 
rähmten Cembalisten Domenico Scarlatti ansgegeben wird^ ein 
Sohn eben jenes Fraaeesee Scarlatti gewesen , der ihn noeh 
in der Jagend von Wien naeb Venedig mitgenommen, wo nach- 
mals dessen (des genannten Giuseppe) erste Opernkomnosisi»* 
nen entstanden aind. 



229 



1859. März. No. 12. 



230 



eines ganz sonderbaren Quiproquo erwähnen, in des- 
sen Folge irgend ein schnellgläubiger Sammler von »»Le* 
serrüchten*^ über kurz oder lang wohl gar die EAisteaz 
eines Emanuel von Astorga in Abrede steilen könnte. 
Die zu Leipzig erscheinende ».Neue Zeiischrift für JMu- 
sik ** hat in dem Jahrgange 1835 einen Korrespondenz- 
arlikel aus München milgelheill, in welchem von den am 
letzteren Orte statigehablen musikalischen Aufiiihrungen 
der eben abgewichenen Charwoche Nachricht gegeben 
wurde: Alan hatte unter Anderm auch ),ein Stabat ma« 
ler von Astorga" aurgefUhrl, ^»einem Spanier, — eigent- 
lich einem in das Spanische übersetzten Teutschen, Na- 
mens Aengstenberger aus Augsburg/* -^ Dieser Aeng- 
stenberger (recte Angsleoberger) ist bei uns in Wien 
noch in gutem Andenken, und unsere Sammiongen enl- 
halteo manche seiner Koroposizionen, nur eben kein Sta- 
bat mater. Man sieht, dass der Mönchner Ueferent 
durch eine irrige Aufschrift auf der von ihm gesehenen 
Abschrift verleitet, gedachtem Angslenberger (aus Augs- 
burg fugte er vermuthiich aus Eigenem hinzu) das Werk 
bona fide zugeschrieben liatte; es scheint, dass der Re- 
ferent in der musikalischen Literatur und Kunstgeschichte 
wenig belesen, zufäliiger Weise früher so wenig von 
einem Astorga, als von einem Angslenberger jemals ge- 
hört hatte. Beide hätte er in Gerlicr's allem und neuem 
Lexikon angezeigt linden können , wenn ihm aach Roch- 
lilz (für Freunde der Tonkunst) unbekannt, und das 
neue Stuttgarter Lexikon noch nicht erschienen war. 
Besagter Michael Angslenberger aber war (nach Dlabacz 
Statistik von Böhmen, VII. Heft. S. 137) zu Reichstadt 
in Böhmen am 2. Januar 1717 geboren; als Sänger- 
knabe kam er in das Stift des ritterlichen Ordens der 
Kreuzharren mit dem rothen Stern in Prag, wurde im 
Jahre 1738 in den Orden aufgenommen, und im Jaiire 
1743 zum Priester geweiht; und nachdem er durch viele 
Jahre theils in seinem Kloster, zu Prag, theils zu Karls- 
bad ausgesetzt, sich in dem Dienste der Seclsorge ver- 
wendet hatte, war er letztlich noch 21 Jahre lang 
als Kommendator des Ordens an der St. Karlskirche 
(und Pfarre) in Wien, wo er im Jahre 1789 im Al- 
ter von 72 Jahren mit Tode abging. Wenn aber auch 
die ganz zuverlässigen nnd hödhst genauen Daten von 
Dlabacz nicht vorlägen, könnte man doch nur mit einem 
ungeheuren Auachronism den, seit seiner bekannten letz- 
ten Reise nach Böhmen (1720 oder 1721) verschollenen 
Sizilianer Emanuel von Astorga in der Person Pater 
Michael Angstenberger's, des Kommendators bei St. Karl 
in Wien, wieder finden wollen. Eben so unstatthaft 
aber wäre die Vermulhung, dass dieser Geistliche, der 
nie die Grenzen der österreichischen Monarchie über- 
schrillen hatte, der Autor jenes Slaba^ mater sein könne, 
welclies in London, zur Zeit als Avison (1751) seinen 
Essay on tnusical eocpression schrieb, schon lange be- 
rühmt, daselbst von jeher für ein Werk des, in der per- 
sönlichen Erinnerung von Kennern und Liebhabern noch 
lange fortgelebten geschätzten Sizilianers gegolten hatte, 
und sich noch lange darnach im Alleinbesitze der So- 
ciety for ancient mosick befand. ") 

') Kaum noch verdient es einer ErwähnnDg^ dait Gorbtr im al- 



Wir können alle Besitzer des unter dem Namen 
Astorga jetzt auch in Teutschland schon ziemlich ver- 
breiteten (neulich in Halle im Stich erschienen) Stabat 
mater — eben desselben , welches auch die Münchner 
(mit neuer Inslrumentirung von Neumcr) besitzen -— 
über dessen Echheit als eines W^erkes des Sizilianers 
vollkommen beruhigen. 

Simon MoUtor. 

Zusatz der RedakzioD. 

Wir sind dem geehrten Verfasser für seine treff- 
liche Abhandlung, die einiges Wichtige aus dem Leben 
Aslorga's näher erörtert und manches Neue zur Berei- 
cherung der Kunstgeschichte beibringt, den lebhaftesten 
Dank schuldig, den wir ihm hiermit öffentlich abstatten.* 
Nur finden wir es nothwendig, die Verfasser des Stutt- 
garler Lexikons in diesem Punkte zu vertheidigen. Ein 
Arlikelschreiber, der seine Quelle nennt, ist nicht zu 
verklagen, wenn er nach Quellen fragt, und zwar wie 
folgt: ,,Da diese Quellenangabe vielleicht auch Manchem 
nähere Spuren für ein weiteres Forschen ausfindig ma- 
chen könnte, so wird der geehrte Erzähler (Herr Hof- 
rath Rochlilz) sie uns gewiss nicht länger vorenthalten, 
da er durch Anzeige derselben der guten Sache nützt, 
sich aber nicht schadet, sobald nur die noch unbekann- 
ten Quellen nicht gar zu nichtig sind, was wir hier nickt 
im Geringsten zu beßirchten haben.*'* Es wird also im 
Lexikon eben sowohl als in Herrn M/s Abhandlung vor- 
ausgesetzt, dass Herr Hofrath Rochlilz die Quelle kannte, 
aus der ursprünglich diese Notiz herrührte, ja dass diese 
Quelle nicht unbedeutend sein wird, was aus den ange- 
führten Worten klar hervorgeht. Der Verfasser jenes 
Artikels gibt nur an, dass es ZweiOer gibt. Diese sind 
nur gerahrlich, wenn sie ihre Einwehdungen im Geheim 
verbreiten, so lange der* erste Erzähler noch am Leben 
ist, wo er sich also mit ein paar Federstrichen siegreich 
vertheidigen kann, was ihm ausdrücklich zugetraut wird 
und nach seinen eigenen Werken werden muss. Siehe 
2r Theil, S. 88, Für Freunde der Tonkunst. — Kann 
da die Bitte um Angabe jeuer Quellenwerke mit Recht 
ein sonderbarer Pyrrhouism genannt werden? spricht sie 
nicht weit mehr für als gegen Herrn Hofr. Rochlitz? Wie 
kann wohl eine solche Bitte, deren Erfüllung dem gluck^ 
liehen Entdecker so leicht und jedem Wissbegierigen so 
erwünscht sein muss, eine Anmaassung nnd ein Entge- 
gentreten heissen? Ja, der geehrte Einsender vorstehen- 
der Abhandlung tritt weit entschiedener als theilweiser 
Gegner einiger chronologischen Angaben auf, als irgend 
Einer bisher, in einem Punkte, den der Artikelschreiber 
nur bescheiden durch die eingeschaltete Jahreszahl (1705) 
anzudeuten scheint. Diese Anachronismen bilden aber 



t«o LexiltoQ, vermothtich Dach irgend einem eoglitebeir M«- 
aikbäodter. Katalog, eioen J. 0. Astorga aDfuhrt, der 1760 
von seioer Romposizion 6 Flöten -Trtos, und 1780 sein zwei- 
tea Werk in \% italieoisehren Arien nnd Duetten, in Londoa 
herausgegeben babea aoUte. Dass dieses nicht aaf Emanvel 
von Astorga bezogen werden könne, bedarf wolil keiner Eria- 
nerang. Von jenem obskuren , mnlhmaasslich Pseudonymen 
Astorga ist nirgend mehr etwas zu vernehmen gekommea* 



251 



1839. März. JVo. 12; 



252 



eiDen Hauplpunkl der genannten Zweifler an der Echt- 
beit der Quellen. Dass im Uebrigeii jene Erzählung mit 
den ZeitverhätlBisseD übereinstimmt, sieht Jeder, der die 
Geschichte kennt: aber von der JMöglichkeii bis zur Ge- 
wissheil ist noeh ein Absland. Auch ist es längsl durch 
Erfahrung erwiesen: Wenn irgend ein Mann, den Be- 
sten nicht ausgenommen, irgendwo und noch dazu un- 
verholfl, eine so höchst erwünschte Entdeckung macht, 
empfindet er zunächst eine solche Freude, dass der Glaube 
daran , widerspricht er nicht der Möglichkeil, wie in die- 
sem Falle, auf lange Zeit die Oberhand gewinnt. Kann 
und soll dies nun keinem Menschen zum Nachtheil an« 
gjerechnel werden, so kann und darfauch Niemand einem 
Andern es zur Last legen, w.enn er zur Besiegung eini- 
ger Ungläubigen um Angabe der Quellen bescheiden bit* 
lel und zwar für eine Erzählung, die wirklich einige 
Zweifei zulässl. Wir selbst müssen daher jene Bilte 
für eine gute und durchaus wohlgemeinte erklären, die 
eben so sehr zum Besten der Sache als des Erzählers 
ausgesprochen worden ist, der sich ganz leicht und ohne 
alle Mühe wohl bei seinem Leben, aber nicht mehr nach 
seinem Tode gegen solche Einwendungen Einiger ver- 
wahren kann. — Im Grunde hat jene Bitte auch schon 
ihr Gutes gewirkt, nämlich vorstehenden Aufsatz, und 
wird uns hoffentlich auch noch das Gute bringen, dass 
wir durch eine freundliche Angabe der noch unbekann- 
ten Quellenwerke, deren Kenntniss für jede neue Er- 
zählung wünschenswerth bleibt, auf einen Weg gelei- 
tet werden, auf dem sich vielleicht um so eher das noch 
Fehlende uud Ungewisse dieser anziehenden Geschichte 
auffinden iässt. So viel aus Liebe zur Gerechtigkeit und 
für alle hierin Betheiligte* 

Die Redaksiofi. 



Tydschriß voor grondige Musikale Kritiek en Antp- 
kritieki ter werin^ van Philistery ^ voor het eerst 
verschijnende te Utrecht. 1839. 
V^erteutscbt : Zeitschrift für gründliche musikalische 
Kritik und Antikritik zur Abwebrung der Philisterei, 
zum ersten Male erscheinend zu Utrecht. Dieses uns 
vor Harzern übersandle Blatt hat manches Eigene. Erst- 
lich enthält es nichts als eine satyrische Gegenkrilik über 
ein zu Utrecht gegebenes und in der dortigen Zeitung 
(iees Mengelwerk der Utr. Courant van 8. Febr.) mit 
übertriebenem Lobe besprochenes Konzert. Der Bericht- 
erstatter muss vorzüglich darum viel leiden, weil er al- 
len in jenem Konzerte vorgetragenen, bis ins Unkennt- 
liche verschnörkelten Musikstücken in einer Sprache ge- 
huldigt hatte, die nicht genug schöne Redensarten und 
iijcbt genug liebliche Bilder aus .tausend und einer Nacht 
zum Preise der Erhobenen auftreiben kann. Vorzüglich 
trüft das den Violinspieler Ernst ^ der in jenen Gegen- 
den überaus beliebt ist und diesmal Variazionen von 
Mayseder Op. 40, gleichfalls sehr verziert vortrug, zu 
dessen Ruhme unter Anderm gesagt wurde: Er folgt 
seinen augenblicklichen Inspirazionen* Dagegen meint 
der Gegner, der übrigens den Violinspieler nicht gänz- 
lich verwirft : Er macht ihnen Fratzen statt guter Mu- 



sik vor, um der Thoren willen, die nichts als Charla- 
lanerie ^u bewundern im Stande sind. Zweitens hat 
diese gut holländisch geschriebene Antikritik noch das 
Besondere, dass sie .in der gegenüberstehenden schmä* 
lern Spalte allerlei passende und witzige Zitate, gröss- 
tenibeils aus leutschen Schriften beibringt. Am meisten 
wird Goethe und Naute Strumpf angeführt, z.B.: „Die 
Welt ist eine Glocke, die einen Riss hat, sie klappert, 
aber klingt nicht/* — „Sie wollen ein jebildetes rubli- 
kum sind*' — ,,Madamke, wo kriegt der Trompeter al- 
len Wind her, mit dem er blast? '^ — Oder von Wie- 
land : „ Die Dummheil bat ihr Sublimes so gut als der 
Verstand, und wer darin bis zum Absurden gehen kann, 
hat das Erhabauc in dieser Art erreicht, welches für 

Sescheute Leute immer eine Quelle von Vergnügen ist. 
lie Abderilen (und der Claqueur — so wird jener Be- 
richterstatter genannt) hatten das Glück, im Besitze die- 
ser Vollkommenheil zu sein.'' — U. s. w. Drittens 
haben wir noch aus Kechlschaffenheil einer Blattfülluog 
zum Schlüsse zu gedenken, die aus einer dialogisirteu 
Anekdote, zwischen einen^ Musikdirektor und dein Ehe* 
mann einer Sängerin besteht, welcher letzte schlechthin 
verlangt, das puze Orchester müsse sich in Allem durch- 
aus nach der Sängerin richten uud die Bläser sollen eine 
Quarte tiefer stimmen oder, wenn sie das nicht können, 
tiefer transponiren. Viertens werden wohl auch hier 
bei diesem Blatte Anfang uud Ende Aufschluss über das 
Ganze geben. Oben steht „68e Jaargang No. 9846," 
und zum Ende „Probeblalt, dem das eigentliche Werk 
folgen soll'' u. s. w. Das merkwürdige Flugblatt hat 
oflenbar einen Verf., der es mit der Kunst gut meint. 



J. C. D. WildVs 

leiste Vergleichung unserer Oktave in Dur und Moll 
mit dem ovgr^fjLa TsXeiov der Gnechen. Hannover. 
2L Dezember 1838. 
Die früher von demselben Verfasser herausgegebe- 
nen Tabellen. über griechische Musik-Scala im Vergteiche 
mit der unsern sind von uns angezeigt worden ; wir ma- 
chen daher die Freuode solcher Unlersucbungen auch auf 
diese neueste und letzte gebührend aufmerksam. Natür- 
lich sind diese Tabellen nur für solche, die mit dem Ge- 
genstande bekannt sind und mathematische Verhältnisse 
berücksichtigen. Auf alle Fälle werden die Liebhaber 
die ganze Reihe dieser Tabellen, die zur vollkommenen 
Einsicht oöthig sind, beim Herrn Verfasser in Hannover 
erhalten können. • 



Naghuighten. 



Magdeburg, im März. Fast in jeder Woche gab 
und gibt es hier zwei Konzerte; jedes beginnt in der 
Regel mit einer vollständigen Sinfonie. Der Musikdi- 
rektor Herr A. MühUfig, welcher vor Kurzem von dem 
unter der Protekzion des Fürsten Friedrich von Uohen- 
zollern- Hechingen und der Direkzion des Kapellmeisters 



2253 



1859. März. No. 12. 



fiS4 



L. Spobr besteheoden tMäithtn Nüshnal* Ferein ßtr 
MusiJc, und ihre fVüsenschaJi in K^trUruhe zuin Ehren- 
iiHt^liede ernannt wurde» brachte Sinfoitieen von Uaydn, 
Mozart, Beethoven, Spobr, Ooslow, Mendelssohn, KaU 
liwoda, Reissiger n, A. zu Gehör, desgleichen die eilekt- 
vollsten Oavertaren anerkannter Meister. Herrn Müh- 
lings bedeutende% Oratorium Abbadona wurde mit vor- 
ziigiicb guten Mitteln auf dem Ralhhaiissaale wiederholt 
and wirkte fast noch vorzüglicher als bei der ersten Auf- 
führung in der Kirche. Der Saal war gefüllt und die 
Aufnahme von Seiten der Zuhörer sehr erwünscht. Ausser 
den gewöhnlichen Konzerten finden den Winter über 
noch vier des unter Mühlings Leitung stehenden Siug- 
vereins Statt, in welchen meist nur klassische Werke 
ausgeführt werden. Im ersten dieser Konzerte wurde 
der erste Theil des Paulus von Mendelssohn • Bartholdy 
gegeben, der in Rücksicht auf manche Hiudernisse, welche 
sich bei Geslaltong des Orchesters zeigten , doch ziem- 
lich gut attsfiel. Die grossartigen Chöre besonders zo- 
gen auch die weniger Kunstverständigen so an, dass 
man auf den zweiten Theii begierig ist, der auch bald 
gegeben werden soll. Das zweite Konzert enthielt In- 
trodnkzionen und Finalen aus Spohrs Jessonda und Ros- 
sini's Belagernng von Korinth. Es geschah für diese 
trefflichen und grossartigen Sätze, was in unsern Kräf- 
ten stand. — Unser guter Vater Haydn, der bei dem 
heutigen Mnsiktreiben aus Kurzsichtigkeit und dünkelhaf- 
tem Ilrlheil zuweilen bei Seite gelegt wird , bat in die- 
sem Winter mamchen Triumf gefeiert. Die Leute wuss- 
ten vor Freute über die einfache Sinfonie in Cmoli mit 
dem unschuidvoilem Andantino und der romantischen Me- 
nuett gar nicht, was sie sa^en soUten. Nach einem ern* 
sten Männerchor von C Kreutzer und einer herrlichen 
Kavatine für Sopran mit Begleitung liefer Stimmen ans 
Righini's Tigranes folgte Haydn's zweite Missa aus C 
Welche Frische, welche Abrundung in den Sätzen ! wel- 
ches Qui loliis — , Agnus Dei ! — In den gewöhnlichen 
Konzerten erquickten sich die Hörer an H.'s Sinfonieen 
in Es, % (mit dem edlen Adagio Gmoll, ^f^)^ und in B, 
*%, der lebendig heitern, deren inniges Adagio in F, 
y4, nicht genug gespielt werden kann. Von Beethoven 
kamen No. 1, 2, 3 und 7 an die Reihe» — Die Kon- 
zerte in der Gesetlschaft zur Vereinigung und im Gasino 
leitete Herr Mnbling Sohn. Im Anfange des Winters 
erfreute uns auch die hier überaas beliebte und allge- 
mein geschätzte Sängerin Frau Musikdirektor Johanna 
Schmidt ausH^He mit ihrem schönen Gesänge. Die Fa- 
Biilie Lewy aus Wieit hat sich hier zweimal mit vielem 
Beihll hören lassen. Aneh dem ausgezeichneten Violin- 
virlaosen Ndchy haben wir manchen Genuss zu verdan- 
ken. Jetzt haben wir bereits einige Male den noch sehr 
f'uDgeii Violinspieler Hohnstock ans Braunsebweig, Schti- 
er Mtilkrs, gehört, der ungemein gefällt und für sein 
Alter ausserordentlich viel leistet. Auch sein Spiel prima 
vista ist zu bewundern. — Unser Posaunist Märker trug 
da.« schöne Konzert vonfFerd. David sehr gut vor. Die 
Pianistin Robena Atma Laidlaw spielte mit Beifair in' 
einem eigenen KoD^erle, danb im Theater und einmal in 
dem Fesoa'schea Orcfa^sstenrereiiie , in welchem M8h> 



i; 



Kiig Jon. dirigirt. Man war mit der Wahl der ron ihr 
fertig exekutirten Musikstücke nicht zufrieden, wie 'es 
auch anderswo der Fall gewesen ist. Unsere hiesige 
Pianistin Fräul. Siegfried^ Schülerin flummels, vervoll-i 
kommnet sich immer mehr und gewinnt den Beifall dee 
Publikums zunehmend. Auch der vortreffliche Violon- 
cellist Sehaapler erregt durch sein Spiel immer neue 
Freude. Er besitzt jetzt ein sehr schönes Instrument 
von Amali. In dieser Zeit veranstaltet hier noch der 
Musikdirektor Ktoss sogenannte historische Konzerte. — 
Manches Andere übergehend, bemerken wir nur noch, 
dass Herr Musilidirektof A, Mühiing sein zweites Ora- 
torium in 3 Abtheilungen vollendet hat, auf dessen Auf- 
führung wir sehr gespannt' sind. Wahrscheinlich wird 
es diesen Sommer zu Gehör gebracht werden. 



NeU'Ruppin, Auch diese freundliche und lebhafte 
Stadt, die ein gutes , von tüchtigen Lehrern gehobenes 
Gymnasium besitzt, zeichnet sich durch trei&iche Musik- 
leistnngen aus. Der dortige Musikdirektor Herr Priedr, 
ff^ilke, der durch vieljährige und uneigennützige Thätig- 
keit, so wie durch seltene Kenntnisse im Fache des Or> 
gelbaues längst rühmlich bekannt ist, verwaltet hier nicht 
allein die Orgel, den musikalischen Kirchendienst über- 
haupt und den Musikunterricht an der gelehrten Schule 
mit dem redlichsten Eifer, sondern fährt immer noch fort, 
mit dem glucklichsten Erfolge unter den £!inwohnern der 
Stadt 2ur Verherrlichung einer anziehenden Geselligkeit, 
Liebe zur Kunst und gehaltvolle Ausübung derselben 
treulich zu fördern. Erst vor einiger Zeit bat der un- 
ermüdlich strebsame Mann , der in zwei Jahren bereits 
sein 50jähriges Amisjubiläum feiert, einen städtischen 
Singverein erneuert zu Stande gebracht, welcher durch 
regelmässige Uebungen schon so weit vorgeschritten ist^ 
dass von Zeit zu Zeit tüchtige Werke von demselben 
unter Wilke's Leituno; aufgeführt werden können. Es 
gibt dies ein neues Zeugniss, wie viel rechtschaffener 
Eifer, der Liebe zur Kraft bringt, auszurichten vermag. 
Auch der Militärcbor, aus ungefähr 38 Mann bestehend, 
muss unter die tüchtigen gezählt werden, und zwar so- 
wohl im Blasen als im Singen. Der musikalische Leiter 
desselben, dem er seine Geübtheit verdankt, ist Herr 
PoUinächer^ ein junger Mann, den wir als Yorstebenden 
Musikmeister, als ausgezeichneten Virtuosen auf der Kla- 
rinette und als geschickten und begabten Komponistenr 
für Harmoniemusik schätzen lernten. Wir hatten das 
besondere Vergnügen, diesen Mnsikchor unter Pollmä« 
cher's Anführung bei einem gelegentlichen Morgengruss 
und einer Abendmusik Ouvertüre und Finalen «us I>on 
Juan, die Ouvertüre aus Gluck's Iphigenia in Tauris, 
einen neuen Festmarsch von Pollmächer u. s. w. , ab- 
wechselnd mit gut gewählten neuern und altern Gesän- 
gen, vortrefflich ausfuhren zu hören. In den drei Ta- 
gen unseres dortigen Aufenthaltes hatten wir sogar Ge- 
legenheit, einem Konzerte zweier reisender Künstler, 
des Violinspielers J, Heinrich und seines Sohnes , des 
Fagottisten Karl Heinrich beizuwohnen, worin sich das 
Orchester recht gut bewährte und Herr Pollmächer sich 



S35 



1859. Man. No. 19. 



5236 



auf der Klirmett« mmUrlich leigle. D«r jooge Fagol- 
iiat bewies gute Fertigkeit und hübschen Ton» so weit 
das nicht vorzügliche lostrument ihn gestattete. Als 
etwas Auffallendes muss noch angezeigt werden , dass 
vos der Vater Heinrich^ sonst in der Hapelle des Für- 
sten Eslerhazy unter Haydn, unter Anderm mit einem 
Quartett für eine Violine unterhielt, das er recht gut 
spielte» wenn auch die Koroposizion selbst nicht beson- 
ders, aber doch grösstenlheils vierstimmig war. Der 
Bogen war so locker gespannt oder entspannt, dass aich 
das Holz desselben unter dem Bodeu der Violine bewegte. 
Noch gehörte es unter unsere Genüsse,' in dem nahe ge- 
legeneu Protzen auf seinem Gute den Herrp v. Drieberg 
und dessen Familie persönlich kennen zu lernen. — Und 
so findet denn unsere Kun^t auch in iener Gegend wa- 
ckere Freunde und einflussretche Förderer , die auf öf- 
fentlichen Dank die gerechtesten Ansprüche haben. 



Berlin. . (BeschlnssO Einer Soiree des Herrn C. 
Decker konnte Referent nicht beiwohnen, da solche mit 
dem ersten Konzert von Ole Bull gleichzeitig Statt fand. 
Als Klavierspieler und Komponist soll Herr Decker in- 
de&s gute Fortschritte an den Tng gelegt haben. Das 
köoigl. Theater halte eine vortheilhafte Eionahmeperiode 
durch die Wiederkehr der Dem. Löwe, welche am 6. 
V. M. als Norma mit unendlichem Jubel zuerst auftrat, 
und uns die Eindrücke ganz frisch vernehmen liess, welche 
die Pariser Opernleistungen auf ihr empfänglich lebhaf- 
tes Naturell gemacht hatten. Referent fand indess die 
Auffassung dieser tragischen Rolle im Spiel zu heftjg 
und i'oll Pathos, im Gesänge, bei vielen Schönheiten, 
gleichfalls häufig mit Verzierungen oder im Ausdruck 
chargirt, die ganze Darstellung und Gesangleistung aber 
dennoch von einem eignen Reiz durchdrungen, welchen 
nur das Genie bewirken kann und der Zauber persönli- 
cher Anmuth. Wäre die Inlonazion nur oft reiner! — 
Fräul. V. Fassmann war längere Zeil von der Bühne 
entfernt geblieben, trat dann aber in Meyerbeer's „Ro- 
bert der Teufel *^ als Alice gleichzeitig mit Dem. Löwe 
als Isabeile, neu engagirt, wieder auf. Dies bisher bei- 
spiellose Kunstereigniss hatte einen ausserordentlichen 
Andrang von Schau - und Hörlusligen ^ beider Parteien, 
schon bei dem Begehren nach Billeteu, in solchem Grade 
erregt, dass polizeilicher Beistand nothwendig wurde. 
Während der Opern Vorstellung kämpften nun die Ritter 
Cur ihre Damen, durch Empfang, Applaus, HervoiTufen 
nach jedem Akt, laute Opposizion u. s. w. mehr als 
rillerlidi, wenigstens sehr Icidenschafüich. Dass die Oper 
von allen Kräften, namentlich auch von den Herren Ba- 
der und Zschiesche als Robert und Bertram auf das Treff- 
lichste ausgeführt wurde, wird der verehrte Herr Re- 
dakteur als Augen - und Ohrenzeuge bestätigen können 
(was er mit gutem Gewissen thul). — Dem. Löwe wollte 
nach diesen Parteikämpfen nicht sogleich wieder auftre- 
ten, liess sich indess durch eine Serenade milder stim- 
men, und erschien als „Nachtwandlerin** siegreich be- 
kränzt, mit Blumen beworfen und besungen » hat aach 



im „Postillon ven Lonjamea«,*' dem „Liebeatrauk'' und 
der „Gesandtin'* ihre Kunstlriumfe wiederholt gefeiert. 
Dem. Hedwig Scbultze hat in Boyeldieu's „weisser Dame*^ 
die Anna sehr gut gesungen und gespielt, wenu gleich 
noch einige Befangenheit leicht erklärlich und das Sprach* 
organ noch mehrerer Ausbildung fähig ist. Die Gesang-> 
stimme der Dem. Schnitze ist sehr volUönend und sonor, 
für die Volubilitäl vielleicht weniger, als für getragenea 
Gesang und deklamatorischen Ausdruck geeignet. Eia 
neues Singspiel in einem Akt war das ganze Resultat 
der, freilid) durch die fast täglichen Proben und vielen 
Opernvorsteliungen sehr in Anspruch genommenen kö* 
niglichen Oper. „J9?> Flucht nach der Sehweis ^* ist 
von Herrn Karl Blum nach dem Französischen recht 
wirksam gedichtet, wenn gleich in der Handlung etwas 
zu gedehnt. Die Musik des bekannten und Miebtea 

1'ungen Liederkomponisten Friedrich Kücken (eines Mek-* 
enburgers) ist recht fliessend, leicht natürlich und me- 
lodisch, auch gut instrumenttrt, mehr im Lieder- ah im 
Operettenstyl gehalten, zuweilen daher musikalisch brei* 
ter ausgeführt, als die Bühne es zulässt, im Ganzen 
jedoch recht gelungen. Der Beifall war ongetheitt und 
sehr lebhaft, da der hier schon längere Zeit anwesende 
beliebte Komponist viele Freunde zählt, welche densel- 
ben auch durch Hervorrof auszeichneten. Dem. Schultze 
sang und stellte die Schweizerin recht anmuthig dar. 
Noch mehr aber trat das derb komische 'Spiel und der 
angenehme Gesang des Herrn Mantius in der, mit be«^ 
souderer Vorliebe durchgeführten Rolle des Ursus Söm- 
mering hervor. Auch die Herren Zschiesche und Bader 
waren vortheilhaft gestellt. Dem. Lebmann sang eine 
Arielte sehr angenehm. Das ganze Singspiel unterhielt 
daher ganz befriedigend, und, wenn auch auf Neuheit 
der Ertindung nicht eben besonderer Anspruch gemacht 
werden kann, so findet doch auch kein Effekthaschen 
und nichts Entlehntes statt. Im Allgemeinen sind Au- 
ber*s und Adara's Vorbilder freilich nicht zu verkennen. — 
Das königssiädter Theater wird in diesen Tagen Hale- 
vy's Guido und Ginevra zur Aufführung bringen, wor- 
über das Nähere im Märzbericht erfolgt. 

Sehlüsslich ist noch der Gedächtnissfeier zn geden- 
ken, weiche die Sing -Akademie am 26. v. M. einem 
vieljäbrigen weiblichen Mttgliede und dem am 16. v. iM. 
plötzlich verstorbenen Komponisten und Pianofortevirtno- 
sen Ludwig Berger zu Ehren veranstaltet hatte. Joh. 
Seb* Bach's Choral: „Wenn ich einmal soll scheiden*^ 
begann die Feier. Hierauf sprach der Direktor Rungen- 
hagen Worte der Anerkennung, welche der treuen Thcil- 
nahme der Verstorbenen galten. Berger's Verdienste 
als Lehrer und Klavierspieler, ao wie seine ernste, wür- 
dige Richtung in der Konnosizion wurden hierauf ehren- 
voll erwähnt. Dann folgte ein Requiem von Fasch, 
Ludwig Hellwig's schöner Traueivesang: ,,Himmelsrnh* 
und Frieden,** Sanetns und Benedictus aus jllozart*s He- 

?|uiem, und zuletzt ein Kvrie aus L. Berger's Nachlasa 
ür vier Solo- und acht Coorstimmen. So sind der Ton- 
kunst hier in diesem Winter drei eifrige, wfii*dige Künst- 
ler im besten Sinne des Worts durch den Tod entris- 
sen: G. Abr. ScMeider» Ludwig Hellwig und L. Ber- 



837 



I8S9. Mäia. JSQ.m. 



Wo SMgl flkh£Mils 
«Scft darauf. 



gcr» 



dMlMVedwi?— Wir 



O l e Bull. 



Am 18. Februar hörlen wir in Oparahaose m Bcis 
lin den vielbesprochenen Vioiiiivirtuoica und Killer dea 
Wasa* Orden« in seinem zweileu und leUlen durligea 
Konzerle» welches von fiinbeimisehen und Fremden an 
überaus besucht war« dass Mancher aich Glück wünschle» 
wenn er ein Biliet um den doppelloOt scbnn auf 1 TUr. 
8 Gr. erhöhten Logenpreis des ersten Hanges erhaken 
konnte. £r spielte Lauter Slücke seiner eigenen^ Kom* 
posizion» was uns om so erwünschter war, je versohier 
dener sich die JUeinnngen anoh über des Mannes musi*^ 
kalischea Diebtonffstaient ausgesprochen haben. 1) Pra- 
ffhiera dolente e Kondo ridenle -^ also Modekontraste» 
Weinen und Liachens 2) Quarleilo a Violino solo» und 
3) auf Verlangen die oft gebörln und besonders belieble 
Polacea guerriara wurden zum Beslan gegeben. Wie 
Paganini hat er aaine vortreffliehie Geige mii dünnen Sai- 
leo besofen» was manchen Schwierigkeiten ^ nur nicht 
dem vollen Tone frommt. Sein Ton ist daher niohia 
weniger als gross, auob nicht zum Herzen gehend. Aein 
hingegen spielt er i nehmen wir nur einige scbwankendo 
Töne aus, ao möchte diesmal an der genauaa^en Rein- 
heit seines Spieles nichts zu tadeln sein. Auch seine 
FlagooletlÖBe , ja diese besonders, waren immer völlig 
rein und schön. Daher muss jedoch bemerkt wei*den, 
dass wir ihn im Flageoletspiel , das er allerdings viel 
xm oft anwendet, keine eigenthcben SchwierigkeiUn aus* 
führen hörten ( Alles, was er in einem Rbytlmibs macht, 
wird mit einem Fingereinsatze hervorgebracht. ^ Beson- 
ders ist seine Bogenrührnng zo rühmen und sein Stae- 
osto, das auch stets das Meiste wirkt. Fertigkeiten be* 
sitzt er freilich, er könnte sonst selbst der Menge nicht 
imponireo i alieitt so gross sind sie nicht, dass man ihn, 
wie es gesclieken ist,- mit Paganini vergleichen und um 
die Palme ringend darstellen konnte. Hat er Paganini 
offenbar zu seinem Vorbilde gewählt, so hat er ihn doch 
nur in einigen Aeusserlichkeileo erreicht, nicht im We- 
senhafilen. In seineu Komposizionen fanden wir eben 
•so wenig Meisterstücke echter Kunst; sie sind so wun- 
derlich znsammengepflückt , wie sich das in der neumo- 
dischen Weise gebührt« wozu bekanntlich eine Cffektha- 
soberei gehört, die nicht selten komiseh wird, wenn sie 
ernst thnt. Nennen dies auch die.Neumetster mannich- 
fach und fantasiereich, alle Stufen der Empfindung (?) 
durchlaufend bis zum Erstaunen: so können wir doch 
nicht sagen, dass wir erstaunt oder empfindsam gesMeht 
worden wären; solbst die Polacea gneriera, die doch eine 
ganze fiiUergallerie nach Andern ersetzen sollte, hat 
iina nicht zur Verwunderung gebracht« Sein Quartett 
für die Violine alleio ist gar kein eigentliches Quarlell, 
Weniges ausgenommen. Den grössten Theil desselben 
nimmt ein einsümnuffer Flageoletmittelsftz ein, der in 
die sonderbarsten Tonreihen «herapriagt. Bei allem 
Wechsel des Drei- und Zweistimmigen mit den volleo 
Akkprden ist es jedoch immer mehr ab Mull ; es kam* 



moA rtchi 

die freilich durch den eigen zngeseknilteneB Stett sieh 
sehr ermässigeu. — Man wird nun fragen ^ „vTarum 
wirkt Mher der Mann so viel? warum weit mehr aiadie 
meisten Violinisten, die ihr gross nennt?'' Es ist niehta 
an sehr zum Erstaunen, ab dass man dies immer nodi 
nicht weise. Er kennt seine Zeit und seine Leute, ond 
nimmt keinen AnsUnd, diese z« beoatzeo« Er karri* 
kirt srin Spiel nach Möglichkeit, macht zu seinem wahr* 
haft Guten noch allerlei Mälzchen, die zom Theil gar 
nicht zur Sache gelwreo, die aber die kindlich scbaiSn» 
stige Menge possirlich frsppireu and amüsireo; er my- 
atidairt sie, uud es geschieht den Leuten ganz reeht^ s^ 
dass wir darüber laohen würden, -wenn nur dabei die 
Kunst selbst nicht zu viel in daa Niedrige gezogen würde» 
Was für Diiige haben denn die Leute am meiaten applan- 
dirt? und zwar dass das Haus bebte ! Wir wollen mnige 
derselben erzählen. Das Orchester sehweigt, da laset 
er ein paar hohe Flageolettöne von der Septime auf die 
Quinte fallen und nach einem halben Takte Pauae wir-^ 
,belt die grosse Trommel anderthalb Takle lang ein 
knallendes Solo; er wiederholt sein Flageokt auf Ters 
und Gruiidten den näshaten Akkordes und die grosse 
Trommel antwortet ihm mit aagebarner Lauterkeit, und 
beschämt verstummte sie alsbald vor dem «ogehenren 
Bravo der entzückten Menge und der Gefeierte verneigte 
sich. Nach einem andern Solo Hess er, kräftiger als 
Paganini, vom mächtigen Stampfen des Pusses die Bra^ 
Ur erdröhnen, die die Welt bedeuten, und die Weit des 
Hauses dröhnte es bnndertfiieb stärker nach im Knall 
laut schlagender Hände. Ujtd abermals prasselte onend* 
lieber Donner des Beifalls durch die weite Halle, denn 
ein arpeggirender Strich von der Spitze des Bogens bis 
zum Frosche hatte daa behaarte Holz in die Höhe ge- 
schnellt, wo es in graziöser Haltung einif^ Sekun^sa 
stille stand, beschaut vom Blicke des Meislers. Und 
abermals reihete sich an ein wogendes, in Schnelle wach* 
scndes, gut, nur nicht nnerhört beendetes Sehlnsssoio 
ein neckischer Anhang des zierlichen Flageolets, nage- 

SÄ 



fahr so: 




unmittelbar 



darauf Verneigung — Abgang — ungeheures Braiseft 
der Entzückuttff. — Und dennoch wurde diese Genialt- 
Uit, die wir selbst als eine nützliche beläoheln rnnssten» 
von einer andern überboten, welcher Niemand die Fein- 
heit absprechen wird, die auch darum zweimal vorkam, 
oboe ihre Wirkung zu verfehlen. Der Virtuos liesa 
nämlicti nach Beendigung der Stücke die zarteste Fla- 
geoletoktave piano vom Brosche an sehr langsam gestri* 
chen und moi*eodo lispeln, bis sie nadi etlichen Sehan- 
den im Verlispeln dam lauschenden Ohre sich gänziidh 
entzog, so dass niehta mehr übrig blieb, als ein bis an*s 
Ende des Bogens fortgesetzter Strich, der unfehlbar mit 
magischer Gewak in der tiefsten Seele der Hörer wie- 
derküngen musste, denn das Unerhörte reinster Geister- 
qonlkät jener Tonleiehe rief j^lötnlieh ans dem Nichts 
ein Janehzen hervor« als yirJke man versuchen, was 
ein menscUichas Ohr muhallen könne. Mit Staunen 



mß». msm. No.im 



2<0 



ytrniJMMto my^M,WmikmiA mmmkwMnn BüMh 
«od fftiidieii' es liegreifitcb, 4ms txmn bei den vonBÖglictH 
•le» LftUtung^D des Virtuosen es gar nicht versuctile, 
dieseb Jabel der aurgercgteslen Kra^cHlladunji^ tn ilhtr* 
bieten; nun fiiblle die llnmeglicbkeil ond schwieg. Weis« 
fliaof »an», warnoi der Virtuea dergleicben liwil? Liegen 
doch diese. JttiUei ganz effen yer Augen nnd Obren; es 
i$l Richte Verstecktes darin, scbleiehi nicbl im Verhör-» 
gene» und wirkt auf eigene Gefahr.—^ Dennoch stände 
^ seblimm , wenn der Mann niobte Besseres bitte , als 
das eben < Dargestellte; er bat Flebs angewendet, Man- 
cbea und Vieles trefiUob gelernt« nicfal allein Konststiieke, 
sondern anoh Gesang» Ein Anderer ist er, wenn er 
offenblieb» ein Anderer^ wenn error dem Ktkisller steht; 
echte iSunst weiss er za sdiätzen, nnd unterscbefddt sie, 
wie e& sübeinty vom — 'Konzertepiel. Hai «r, was der 
Welt oad des Menseben ist, so wind er aoeh wobF ge* 
ben, was. des liünsüers ist& Das gebe er hald, damit 
difi'Welt nicht seine zweite Natur wird in VerwUhnong. 
£s wäre dn- Verlust för ibn und die Kunst, Hesse er' 
sich läuscheii vom kurzen Sciieb». fis flogen zum Schlus^se 
des Koazectfl drei grttne Kränze ihm zu , auch regnet« 
es Gedichte» (Von denen Leins in nnseroLof^ zu fiattern 
beliebte. Mögjo au« einem dieser Kränze ihm die Göt* 
tin der Wabrbeii za seinem Frieden enlgegengelacbt ha- 
ben, damit für Gegenwart und Zuknnft gleich gut ge» 
sorgt sei. Wir hörten, er sei diesen Abend nicht vöU 
iig wohl gewesen; so wünsche» wir ihm volle Gesond- 
heil and jede gute Kraft, die der Künslier besonderruitd 
^or Vielen nötbig bat. lieber Breslau gedenkt er nach 
Wien,. Festb, JMänoben n. s. w. zu gehen, so dass er 
mt Messe in Leipzig sein< kann. Wir erwarten ihn 
hier mit Vergnügen und werden dns hoch freuen, wenn 
wir seinen Aluin und Sinn frei und echt in den Regio- 
ttea wajuklu sehen,, die des Künstlers Heimoth sind. 

G. fV. Fmk. 

• 

Leipzfgr 4m f5.. d. Zorn Besten onsers hiesig««^ 
Theater 'Penaionsjondä wurde ani 11. d. Rmf-Biat^ 
Drama in 5 Hahdiuogen von Viktor Hugt>^ übersetzt von 
Ur&xi»r^ Manfred ^ als Neoigkeit auf die Bühne ge** 
bracht. Da das Schauspiel unserer Beurlheiluog nicht 
apheim fallt, würden wir diesen Vorfall, gar nicht z« 
erwäbnen haben, häHte uiehi unser Alusikdirektor der 
Abonnement- Konzerte, Herr Dr. Mendelssohn -Bartholdy 
die Güte; gehabt, zum Vortlieile dieser Darstellung dem^ 
Wcr^« c>>^ o^ue Ouvertüre und einen Gesang zu der 
ia der zweiten Hnndlung vorkommemlen Romanze sa 
scbreiheuv Durch das Geräusch und 'Gedränge der An*" 
kommenden und vorwärts Schreitenden ging uns der Zu^ 
saeMuenhaog der Ouvertüre, deren sanfiere Verbiodungs* 
Sätze ans nur undeutlich ummurmelien ,. ganz verJoreuo 
Die voranstehenden' Hörer bewiesen ihr- Wobigefallen 
diircb* die gewöhnlichen^ Zeichen drs Beifalls. M^n 
wirdr tfie im- letzten Abonnement -Konzert wiederholt 
za Geh^p briogen., damit man ungestört sich derseU 
b^' erfreaev \^t Romanze (der Blumen mädcfaet^) bör^ 
t^en- wir viel besser^ ob sie gleich hinter der Szene mit 
aifibi. starker , nur gnitaixettähiiiichfiP Begleitonip yorge^ 



Irage» wurdis^ Sit ifi''vMig- sngelnesiea und angenehm 
wirksam. Es wird aber auf der Szene hei- forlgebendetf 
Handlung während des Gesanges gesprochen , was die 
Aufmerksamkeit der Meisten theilli ^o. dass die Musik 
ausserhalb des Theaters gewinnen muss. — Die W^ie* 
derbolttogen der Oper G<uido nnä^nevm tolgen rasch 
auf einander I am 13; fand die fünfte Darstellung Statt, 
was hier viel sagen will. — Am 15. im Saale de^ Ge- 
wandhauses Konzert zum Besten des Institut -Fonds Vxt 
alte und kranke' Musiker. C. G. Reissiger*s Ouvertüre 
mit dem Motto: ,,Was mir wohl #brrg bliebe^' ti. s. w. 
erijffnete es sehr wirksam und ansprechend. Üdrs kräf- 
tig gehaltene, Freudigkeit alhmende \^'erk wurde tikb- 
tig ausgefüfart und erregte laute Zuitrmmurtg, der wir 
mit Vergnügen beitreten. Ke Direkzidn hatte diesmal 
d€rr vorigen Sommer an Herrn St^gmafer's Steife ein* 
getretene Theaterdirektor, früher in derselbeii Bigenaehafk 
in Nürnberg, Herr Back gefällig übemommeir, da Herr 
Dr. Mendelssohn -Biarthoidy mit mehren Sokvorl'rügca' 
aaf dem Pt^noforte uns zu erfreuen die Güte hatte, die 
es durchaus nicht erlauben, sich durch den Taktirstab 
Vorher Arm and Pinger zu ermüden oder schwer za 
machen; was onaushleiblich i^ft. Die Herren Schmidt 
uiid Pögner lieifsen uns ein Duett aus der noch unge- 
druckten Oper; „Ein Besuch in Sf. Cyr*^ von J. D^s- 
sauer M>r^: „Könnt* iieh da« Liebeln,' das l«iebeln nur 
lassen *^f es gefiel. Herr Musikdirektor Dr. Merfdels* 
soha>-Barlholdy, gleich beim Auftreten von der Versmtim- 
long hot und fretid^ begrübst, trug darauf ein Pastoral-- 
Konzert für das Pianoforle von Moscbeks vor, gleich- 
falls noch Manuskript, und erntete für sch*5ne, kunslsi- 
cliere Dai«stdlung des mit gespannter Aufmerksamkeit 
gehörten Neuen eines beliebten Komponisten allgemeinen, 
gewohnten Beifall. Dass die Kom^osizion anziehefid, 
dem Titel sowohl ia den Instrumental • ab Solosätz^n' 
»ngemessen und nicht selten überraschend war, darf und 
iiird Jeder voraussetzen: dennoch- wollte Manchem die 
Idee eines Pastoralkonzerts weniger glücklich solieiiien, 
als einer Pastoralsinfonie» Kurz die Ausfuhrung des 
öfter zu hörenden Werkes fand ongfeioh lebendigere Zu- 
stimmung, ak die Dit^tung selbst, mit weteher man sieh* 
vertrauter macheh muss, bevor man zu einem Urtheit 
über da» Werk eia^s' solchen Tonset^ers'berecbfigt ist, 
dem auch in dieser Leistong Keiner die gewandteste- 
Durchführung überhaupt und rei^ertde Stellen absprechen- 
kani». Das Quintett mit Chor ous der Oper „Bäba<< 
von Marschn«r: „Vergessen und vergvbn»'* war Wer 
auch noch nicht gehört worden ; es erbieh durch gelun- 
genen Vortrag der Damen fivers nnd Pranchetti , der* 
Herren Schmidt, Grünbaum u'nd Hiehler, so* wie des 
tüchtigen Orchesters und Chors visifen Beifall*. Am rau- 
scbendsten unter Allen crklürte sich das sahlreicbe Pu- 
blikum Ihr zwei neue, noch ungedruckte Lieder ohfio 
Worte für das Pianoforte, komponirt ond vorgetr^n 
von» Herrn MD. Dr.MenMlelssobn-Battb^M)*-. Das erste 
üheraus gesangreiche 8chmeich(>lte- steh' sehr lieblich ein' 
uf»d das zweite, leidenschafKlicber und düster vorwärts- 
stürmend, erregte lebhaft , so dass beiden der friscbeste 
Afpljku« folgte. iSehr wülkornffien^ w«ren aueh twei Lie- 



8411 



ie69. Ma»z.^ No: m 



&#2 



der i»a FlBD^TorttpAyl 4J^teipJilftii»4Ue ^ U Sji^y 
und M. EbeiVcin, vorpclragen* Von Maa.^BüirauV Herrn 
Dr. Mendelssohn* und JHerrn Heinze jun. Den schönen 
Liedervortr^g der p'nAnnfen* Sängerin haben wir im Ein- 
versländuisse niil Allen öfter gerühml. Die trefflichen 
Komposiziooen wirklen 4)tesiDti> um so inniger, ds'alle 
drei Vortragende so gcdregen und herrlich in einander 
griffen, dass der Errolg nicht anders als Lochst erwünscht 
sein konnte. Die Lieder: »Jm Fliederbusch ein Vöglein 
sass'^ und „Wie die Nacht mt heiligen Beben '^ «r* 

Joickten, wotor der Dank nicht aussen bleiben konnte, 
lass die herrliche Bdur 7 Sinfonie Beethovens vortrcfl^ 
lieh ausgeführt und Werk und ^pj^l^gereelit gewürdigt 
wurde, darf bei einem so geübten und ausgezeichneten 
Orchester ohne weitere Worte immerhin angekommen 
werden. Jeder sieht selkst, wefebe Ckanüsf^ dieser durdl 
Wahl und Vortrag v^*&errlichte Ab«nd uns gewährte. ' 



e u 



i l l e t ö 



Hi 



Der Sßhlaßrunk, komische Opei^vftii C £, F. #>y#e, l»t' 
ia dieieai Wioter in Kopeebageo oech 4jäbriger Rabe, die dorch 
deo Tod des Uauptkoinikers in dreier Operderstellen^ ver^olaat 
worden war^ wieder auf die Bübae ^ekemmeo^ i&it grossem £a- 



tfciiti«<BW Mptmimn «fi«'b#i»i«t 4 Jltl« kelfiUvr^lem Haost 
irefreben worden. Dns Meiste in diesem Werke wurde im J^Jlre 
1800 IiompMirt. -^ F^rMrUt Auber^t-Domipo^ n^ dort bei der 
HcQge ODgebedVes Cflüfek gemacbt, womit dfe Keboer freilieb nicht 
zurrieden sind. 



Herr /. L. B,^Ptmstketf Paator (n Loeseao (ftiefland), bat sieb 
seit länger als 15 JahffBn all« Mähe gegeben» den ia jenen Prnviozen 
überaas traurigen Kircliengesaog der Gemeinden sO' verbeisern, 
und xa dem Ende ein M-riodieenbncb und ein naeb des v«irzäg» 
liebsten Cboralböchera barmonistrtes ChoralbuehTür die Ostsee* 
gegeaden verfasat, wetebe beiden Werke nun der Henansg abe nah« 
sind. Ueber diese wichtige Aogetegeobeit za seiner Zeit mehr. 
Vor Kurzem ist der Pastor Punschel sum KonsistfHalratbe er- 
ütBiit worden. 



In Hont denkt msn ernstlich an Verbesseronc derKircbenmn- 
sik, die allerdiogs uünnc^rnswcrth ist. Der Ritler Spootini, wel- 
'chir von Kam nach rieapel reiste, fapt bekaoDliicb dein Papste 
Voi<scbläga Jbierin gemacht^ nnd ter l^rdinaU Bischof von Jesi, 
Ostioij hat bereits desbatb verdieosilicbe Anstalten getroffen. Man 
hofft, heisst es, anf Uoterstütznog von bedeateoden Teatschon. 



fm Theatre de la Renaisssnce zo Paris bst man eine neue 
oder wenigstens erneuerte Art dramatischer Tondichtung auT die 
Breter gebracht : Dm jüngste Gericht^ heiliges Drama von Burat 
de Gnrgy, Mnsik von f^ogel, Gedicht und Komposizion werden 
sehr gelol>t. 



A n k ü n d I g n n g e Da 



STeae empfelilensivertlie ]fliuslkallei| 

im Verlage 
', * ran 

C« A« Klemm in I^elpzl^« 

Gr. 
Becker, Jul., Op. 19. Das IlMleflerz, Pr«Min^Hed^ tind 

' Vcnesianiscbes Gondellied für eine Siii^rgtiinine mir Pia- 

nofwte 10 

Brvnner, €. T., 0|». 12. Klänge lur Kinder oder erste 

Bclebranf; för kleine* Anfänger auf dem PiAiioforte. Binc 

Keihe'der leichtesten lielraiHrtstfiekc zn d nml 4 Hftnden. 

Heft I, 8, 5 a I* 

Op. 15. .Inf^cndlttst. Eine Rtiihe seftr leichter Tftiize 

ttÜ i?lii^cr«alz n» PkineilbHe. Heft 1, S a 6 

Conrad, C, K., Jubcllöne, schottischer Walzer für das Pia- 

Doforte . 6 

CoBCordia. Galoppe ft»r das Pmnalorle .1 ^^....v.» 5 

Hall, G u s t. , Op. 7. Cbapipairncr ^Sejjinuin ». Galoppe für 

das Pian^ftrtc .:.......: ....TT. . » 

ReissSger, C. G., Op. IIQ. Gcp)in(re und Lieder für eine 

Sineslimme mit &%lrilang de* Gnübi^;^ No. 1 — 7. 

Einzelne Nummern h 4 Gr ^.....' Komplet 16 

Romanzcpsaal an der Seine. Eine Snmnilunj; von Liedern 

der hcdenfeiiditfcn franzAsischeii T^ 6 «lichter f&r den^chcn 

Gesang mit Begleitun{r des PkittOforle. Lief. I 12 

Dasselbe Werk ohne QetMig fiftfi Pkino(JMP|c dHein. Lief. 1. 8 
Sammlnng, Neueste, beliebter und tanzl»arer Rutscher lur 

Pianoforte. 

No. 7. Concordia- Galoppe von C. E. Conrad t 5 

No. «. Cbampagiier-8cknam, Gatoppe.von Guf t..Ha|L . -,# 
Samrolfangj Neueste» bclicb|f:r uipd taiMBbarcr schöUischar . 

Walzer lur df s PjanoCortc. . « -• 

No. I. ' Drei schottische Walzer in D, fi. C. von CT.* 

Brunner .'. !7... ,., [ 4 

No. Ü. Drei schottische Walzer in G. D. A.' von dems.. * 4 

Ifa. 5.. 4iff»cllfi«c. Sidiot(is^^r1$:aWfoiif;.fi;|Go9M4. 6 



Gr. 

Siegel, D. S. , Op. 60. Variations non diflieitcs snr nn 

Duo de rOp^rat Norme pour le Pianoforle fS 

Truhn, F. H., Die Käferknaben, komisches Gedicht von R^ 

Rcinick für 4 Mannerstiiumen (Basso soloj 8 



IWeae Musikalien 



m 



Verlage 



J(*Vi.Jloiffaielmte» i» I«el]pmis« . 

Alkan, 6 Morceauxcaraclc^slt^iiespou# Pianoforte. Op.l8. 80 Gr. 
Blumenthaj (Jos. de), 6 graudes Duos concertants pour S Yio- 

lons. Oenv. 80. Liv. I. t Tbir. 8 Gr, 
Lis z t (F.) , Etudea pour Pianoforte en douze Bxercicna. OeuT. I. 

Ur. t.^ 16 Ör» Ur. «. «O Gr. 
Löwe (Karl), sammUiche Lieder, Gesftngc. Romanzen nnd ßalla- 
. den für eine Sini^stimme mit Pianoforte. Op. &. lOs Heft-^ 

(Ö Lieder Ton Herder und Gruppe.) 19 Gr. 
Le jenne Pianiste. Choi'x de Compositions amusanfes ponr Pianof. 
Gab. IS. Dk'jozeti(.l.)^ Fanfaisie sur le lUablc Boitenz'.j IS Gr. 
. Gab.. 6. Mocker, Rondoletlo. Waise sur un Tbeme du Vam- 
pire de Marcchncr. 8 Gr. 
Taubere (W.)» 6 Lieder Ton Reinicjt ftir eine Siilgstlmme mit 

Plbnoforie. Op. 48. 10 Gr. ' 

--^ — 4 Duetten für S Soprane (oder Sopran und Tenor] mit ^e-\ 

Teilung des Pianoforte. Op. 43. 18 Gr. 
Toiebwann (Ant.), Soiroea muaicaics de Varsovie. CoHoction de 

8 Anettes ef Romancea et un Nocturne k- Ü^ Voix a?.. Piano- . 

foHe.. 1 Thlr. 8 Giv 
WiUmers (Rod.). 6 Etades ponr Pianoforte. Oeot. i. i'Tblr.. 
Mäsikaliscb- literarischer Monatsbericbt neuer MustkaKen, mosik». 

liscber Schriften nnd Abbildungen ftkr das Jahr 1898v 1% 



i >. 



NoBuneni' (^ogan^ fr. 8. 18 Gi^* 



S43 



«59. MSffi. No. 19; 



944 



Bei 9. B. C* liMi#llttvt i* SvMlMi kl •• ikM cfci. 

Jtiptf a; Monatines 

po-ur le' Piano 
par 

4B« T a 11 li e r t» 

0«uT. 44. No. t, ft A IS Gff. 
Bei de» Mnnffcl «■ Icichteii Bai jg^eMiiHSreicbai KlftTiemlftck«« 
dürfe» «vir diMcs ncneile Werk eiiiet Mis(;c«eickiieleB KonpenU 
flien, «1« ciB clictt «• nMlmkUyee alt aanMHlüi^eN » allea Lewem 
md FteandcB dei Klai^rapidU» bctIeM enpColilea. 



M UelNilig<^ <Br Ale Tloline 

▼oa 

m« S e h d !!• 

Brstet H«f(. Freie 14 Gr. 

DiM UelMMgcn, TU« dncm rfth«lielMl jMslia««tea SeMbr 
SpeUr«, liaben de« Zvreck, jung cb Violipitlmi , weiek« die crBtca 
Aafan|{ftgräade übcnckritlcii» Gele|;rnbei( an locken, sieb in den ver- 
schiedenen Strickarten and Pingcreataen auszuhiltleu, und werden 
■m eo willkommener Man , alt die mualkaliseke Lileralvr derc^ei« 
cken Ucbungen neck aekr wenig kielet. 



BiniiiM[EI.'8 1WACHLA88. 

Bei dea DoterzcichBetcii ersckeioen mit Eigeathomsrechl : 

Kap«IIiiiei«ter za Weimar, 
summt He he naeh gelassene 

l¥erke für das Planoforte^ 



3) 



besieheod la : 
1) Grosses Konzert in F für Pianoforie «ind Orchester* 
Dasselbe mit Quartett -Begleitung. 
Dassel Im mit Begleitung eines zweiten Pianofort« 
(vom Tonsetzer selbst arraagirt). 

4) Dasselbe fiir Pianororle allein. 

5) Introd4iclio4i et Variations sur ua air allemand pour 
Piano et Violoii. 

6) &otah-Coiintrydanee- Rondo poar denx Piaaoi. 

Leipzig« im Februar 1839. 



7) Grosses Quarteltsläck für Pianoforte, Violine, Brat« 
sehe und Cello. 

8) Introduction et Rondeaa poar deux Pianos. 

9) Capriocio poar Piano seul. 

10) iPraelddium and zwei Fugen für die Oi^l. 

11) Ricercare (eine musikalische Berecbnang). 

12) Sammlung von Stammbuchblältern, Canons u. s. w. 

llreitkepf ds HftrteL 



Im Verlage der Unten^eicknefen iet $• cken ersek&eneni 

AUgetneine JftuHMehre. 

Ein Hitlfsbach 

fiir Lehrer und Leraende in jedeü Zwtiga tnoiikalischer 

Unterweisnag 

r4»n 

PMfesior «ad Doctor der Mnaik, anck Mnaikdkyefcte» an der Unir 
▼cnkat an BcrKn» 

Ein Band in gr^ 8. mit vielen eingedruckten 

NotenbeiMpieleu. 

Preis 2 Thlr. oder 3 Fi. 36 Kr. rhein. 

Diese Maniklekrey ein «ncntlicIirUckee Elcmentarwerk , nnd 
dne erale rotUttndigc seiner Art, entfaaU »Ue fer- nmd HiOftkenni' 
niugßkr jedkn Sfusißser mud JH^tsSt/remnd, er besckSAige sick nnn 
■fit Gesang oder Instmnentalspiel, mit Unterricht, Direetion oder 
KompnsilioB. Sie erCkeilt ansser den cigentticken Eiementarkennf- 
niMRen (Tonlekre, Nntenlekre, Taktiebre u. s. w.) grfindlicken nnd 
UlektfiseliekeB Unten^ckt über Tonarkm » HamMnin, ModnUtln«, 
Keantnias der Instrumente; gibt AnleUung snm PkiÜtBr- Lesen nnd 
Bpieb», lebrt die Metbode der Mnsikkildnng, nnd |^l dnrdigrei. 
fisnde Ratksektig« für AeMem und Emftsket kinsiektlkk der mnei- 
katiaeken BildnM ikrer Ancceknrigen. Znglcick ist sie das Vor-* 
•tpdiaav ^ der KompnsitfonJckre. 



Uekcr den Bemf des Veifrssert nun Ldirer der Musik bat 
diese Kompositionslekre (»»Die Lekre rnn der musikaliscken Kom- 
position, praktisck • tkeorelisck, Ton Dr. A. B. Man. Zwei Bände 
in gr. Q. PreU 6 Tkir. , im Verlage derselben Bqebimndinng). 
ein Werk , dessen TdUig nene Metkode einstimmig mit dem gross- 
ten Beüall aufgenommen worden» auC eine Weise entsckieden, dass 
der gegenwärtigen Mosiklckre der aUgemeine Eingang in alle 
Kreise mnsikaliscker Bildnag nnfricblig an wunscben ist. 



In deasseUien Veriage erscbcint niekiteM mit Eigenlkamtrcckt i 

94 Pr^ludeü 

poorlePiano 

compotes et dedi& 
k Kr. Camllle Fleyel 

pnr sea nna 



Ferner.: 
Bwena^yi Deax Cavaflnet de DonixetCi tirieei de Roberto 

d*BTefenx, tarMes pour le Piano. Oeny. 94. lir. i et Sl. 
Cl^aal^aat Dens Airs de Ballet. (No. 1. Cracoricnne de In 

CSipsf. IVo. n. Gnlop des Goisaires.) nrranges en 

pour le PSnno. 



ijsijmgj bei Breäkapfund BärteL Bedigirt von Dr. Q.fV. Fink erntet seiner FerantwortUeUieit. 



245 



246 



ALLGEMEINE 

MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den 27"« Mära. 



M 13. 



1839. 



Henri Bertini jeune 

4irandeiEtuJes artüiiques pour le Pianoforte. Oeav. 122, 
liie, II, III, IV et Vne Suite. Mayeitce, chez les 
fils de B. Schott. Preis jedes Heftes % PI. 42 Kr. 

ABgesei(rt tob 6. W. Piak. . 

Jlis ist nicht zu leugnen, die Et&den (Br das Pianoforle 
vermehren sich ausserordentlich. Wer auch nur immer, 
mit der Zeit fortgehend, sich die besten angescbaffl bat, 
'Wird einen bedeotenden Stoss aufzuweisen und ein büb- 
scbes Sümmchen daran gewendet haben. Es mag daher 
sianchem Kttosth'ebhaber bei der Anzeige neuer Etüden 
selbst von angesehenen Meistern der Ausruf enlschlüpfen: 
Nun hört einmal auf zu segnen ! Dennoch hat er Un- 
recht, sobald von meisterlichen Arbeiten der Art die Rede 
ist. Das Wesen der Bttide bat sich so ungemein erwei- 
tert, dasses, eine gute Wahl vorausgesetzt, Jedem schwer 
werden sollte, irgend einen Meister aus der Masse völ- 
lig und fir immer zu entfernen ; vielmehr wird er bald 
und um so lebhafter, je slrenger und unisiohliger seine 
Musterung ist, inne werden, dass er an diesen Samm- 
lungen einen Schatz besitzt, den er sich gar nicht schmä- 
Jeni lassen mag, so lange er die Kunst des Klavierspiels 
eifrig pflegt, oder aus Wohlgefallen an ihr irgend ein 
Glied seiner Familie sie pflegen lässt. Die rechten Etü- 
den unserer Zeit sind seit lange nicht mehr blose tech- 
nische Oebungssätze , sondern bei allem Vortheil tüchti- 
ger FingerfertigkeitspHege zugleich Genuss bietende Ka- 
raklerstücke, von denen sehr viele sogar im Salon Ver- 
gnügen, ja Begeisterung wirken werden, die sich immer 
wieder erneuen, sobald es der Spieler nur versteht^ mit 
glückUchem Takt einen Meister nach dem andern in 
seinem Zeitgemässestea and Eingreifendsten wieder her- 
▼orzusuchen. 

Zu diesen durchaus guten, von innen nnd aussen 
dazu beßhigten Verfassern gehört Bertini unbedingt. Wer 
des Mannes karakteristiscne Etüden kennt, wird ohne 
Widersprach damit übereinstimmen. Liest nun ein Kla- 
vierspieler die aaf dem Titel gegebene Bemerkung, dasis 
der Komponist die gegenwärtige Samminncf aosdrückliish 
für eine Ergänzung seiner karakteristischen Bttiden erklärt« 
so wird er schon dadurch sich angelockt fühlen, auch diesie 
Foi^e von 25 ansgefahrten Tonsätzen sich anzusebaffen. 
Und er wird es auf keinen Fall bereuen. Sie sind so 
vortreflSich, dass er sie haben moss. Selbst wenn er 
sich eine Zeit lang weigern and seiner Neugier nur so 

41. Jalirsaiig. 



weit nachgeben sollte, dass er dieselben aus irgend einer 
Leihbibliothek versuchsweise auf sein Klavier legt : er 
wird sie dann nur um so schneller kaufen, wenn er auch 
dabei seufzen sollte : „Die Kunst kostet doch erschreck- 
liches 6eld!*< Was hilft's? Umsonst ist der Tod, aber 
keine Etüde! 

Wie sollen wir nun nnsem Lesern diese Sammlung 
am besten würdig beschreiben, um ihnen für edteren Be- 
sitz das Geld aus der Tasche locken zu helfen? Es 
würde etwas Brtlecklicfaes geben, wenn wir Nummer 
für Nummer durchgehen nnd mit bezeichnenden Worten 
in Hinsicht auf das ästhetische Wesen derselben und dann 
noch auf den beabsichtigten Nutzen für besondere Fer- 
tigkeiten versehen wollten. Allein der letzte Punkt 
würde reinhin überflussig sein. Klavierspieler, die nicht 
einmal und gleich bei. erster Ansicht sich selbst sagen 
könnten, welche besondere Fingerübung in jeder einzel« 
oen Nummer vorherrschend bedacht, ist, sind diesen Etü- 
den gar nicht gewachsen; es gehären Leute dazu, die 
das von selbst begreifen. Wir können also der unan- 
genehmen und unnützen WeitläuBgkeit, in unserer An- 
zeige eine Art Klavierschule einzuschachteln, überhobea 
sein. Eine sorgfältige Angabe der ästhetischen Beschau 
fenheit jeder einzelnen Nummer scheint mehr für sich 
zu haben ; aber auch dies ist bei näberer Ueberlegnng, 
im Angesichte vieler ähnlicher Versuche, nur in zwei 
Fallen wahr: einmal wenn das zu beschreibende Werk 
von der herrschenden oder natnrgemässen Art anfiallend 
und v6rtheithaft abweicht; zweitens wenn es uns in nam- 
haften Eittzeltiheiten in die unbequeme Lage versetzt, 
beschrankend oder verneinend eingreifen zu müssen. Das 
gibt unterlialtende, belehrende und oft sogar neue Ge- 
danken. Man hat tlwas Bestimmtes, Wesentliches und 
zum Bessern Zurückführendes anzuzeigen , weil die Ab- 
weichungen vom gesunden Zustande tausendfältig sind', 
folglich immer neue Maassregeln nicht nur zulassen, son- 
dern erheischen. Der Normalzustand hingegen bleibt sich 
immer gleich, ist beschrieben und kann auch nur einmal 
Svit das andere beschrieben werden, wenn nicht blose 
Redensarten gemacht werden sollen, die im glücklichsten 
Falle nichts fördern. — Diesen Geständnissen zufolge, 
die man auch auf andere Anzeigen übertragen mag, wird 
man es meist für einen Vorzug solcher ästhetischer 
Werke anzusehen habend wenn ,wir nur im Ganzen, sel- 
tener dabei in's Einzelne gehend unsere Urlheile fassen. 
Hier haben wir vollen Grund zu folgender AUgemein- 
«figabe: 

15 



.m 



1859. Man. No. 13. 



2<f8 



Die am der Tediaik willen ftie'^^mtchlsHsigten M^- 
lodieen siod sämmllich schön and ausdrucksvoll, die Har- 
Dioprle-en^iftisdl^riT'boffekirfn^rißicb; Kfeide ztr^ammen 
geliörend, eine Gefall bildcid,. Üe j<;den Reiz ,d<!r Un- 
Hebttog htbl^nd^efle Wib c f>g c^ ekc n " bk4i zu f^winnen 
und unterzuordnen verslebt. Einheit herrscht überall in 
guter Mannichraltigkeil, führend jedes einzelne Slück 
einen hesondern Karakter träc^t, dem nie das Leben rnnt^ 
l^elt. fiilänzendes und Prächliges wechselt bald mit Bei« 
term, bald mit Seh wermälhigem oder still Sehnendem; 
die. HieisU» Sat^ «mmL- 4]^riseh«r, nettebe draoMltseber 
Natur; in allen Verhältnissen aber edel, voll, innig, so 
.dass. nur immer eine I^nmmer die andere öfaertrißl, ohne 
dass die übertrqffene beschämt zurückzutreten sich genö* 
Ibigt fühlen darf. Es ist, als habe der Komponist das 
Schöne anderer Meister, treu in sich aurgenommen und 
ohne Origiualsucht in sich selbst zum besten Eigenthum 
verarbeitet, zu edlem Gesänge mit bedachtem Gefühl die 
^anze Fülle . und Cigenbeit de$ l(laviers verständig nu- 
izendt in Alleni küostJefisch fordernd. — Während dea 
Vortri^g» dieser 25 Etüden äusserte sich eine junge Künsl- 
]erin ungeHibr so: ^, Es liegt etwas Wenderbares in viele« 
dieser Etüden; man fühlt sich dabei so ruhig und doch so 
lewegt, glückselig still und doch voll himmlischer Sehn- 
sucht ; es ist als ob die lleSnang »n der Hand der Weh* 
inuth uns näher träte. ^* — iJnd so wird wohl jeder 
Künstler diese Etüden zu Genuas und Vortheil verwenden* 



Ch. H. Rinek 

i) B&r Ckoraljretmd oder Sttidienftir das Choralspie^ 
im. 7riahrgang. Op. 122« iMlainz, bei B. Schot t's 
Söhnen. 1838. 
l) 2i ßigirte OrgehtUcHe nebst Uebungen durch alle 
Tonarten ßXr angehende and für geübtere Orgel* 
Spieler. Von demselben. Op. 120. Ebendaselbst, 
Preis 3 Ff. 12 Kr. 

Jeder Musikfreund, nicHt btös jeder Organist unse- 
rer Zeit , ehrt mit Recht einen Mann , der sich durch 
unermüdliche und überaus nützliche Thätigkeit um Ver- 
edlung des Orgelspiels zum Besten der Audaebi ausge- 
zeichnete Verdienste gewann. Man weiss es, dass er 
zum Verdienstmitgliede .des Holländischen Vereins zur 
Befördernng der Tonkunst und zum Ritter des Gross- 
lerzogl.Uess.Ludwigprdens ers^r Klasse erhoben wurde, 
nicht minder» dass er sich sowohl durch seine Komposi- 
zioosweise als durch dienstwillige Menschenfreundlicnkeit 
die Liebe aller, seiner Kollegen und Schüler sicherte» 
Kein Orgelkompqnist kann sich einer grössern Anhäng- 
lichkeit erfreuen 4 als er. Einen Beweis davon liefert 
von Neuem das Subskribenten -Verzeichniss zu dem sie- 
benten und letzten Jahrgange seines Choralfreundes, das 
1298 voraus bestelUe Exemplare angibt. Unter solchen 
Umständen und nach vorher gegangenen Besprechungen 
der früheren Jahrgänge bleibt uns nichts hinzuzufügen, 
als dass nun durch .diesen letzten Band gerade 100 Cho- 
räle mit Veränderungen» meist 2 oder 3» versehen wor^ 
den sind. — Auch von dem unter 2) angegebenen Werke 

I 



wurden' ^ir* kaum* etwas Anderes zu berichten haben, 
als was schon oft ffesao^l worden ist, da der Verfasser 
s^iiier gediegenen ^eise völ% Ireii fafeilt ,' fllnden wir 
es nicht zum Besten der Oi|celspieler woblgeihan , aus 
den« Vorworte des geehrt^ Kompomsten Uas HaupYs9clt^ 
lichste milzutheil^n. Der Verfasser sagt: „Das gegen- 
wärtige Werk ist zunächst und vorzngsweise tbeils für 
wegeilende (aber nicht in den ersten Anfängen Begriffene), 
t)ieils aber auch für schon fortgesehnt lene Orgels|iielelr 
bestimmt, welche, wollen sie etwas Tüchtiges leisten, 
aUactiige Uebnng bedärien. Zu dem Ende hebe ieh den 
Präludien der 12 Dur- und 12 Molltonarten Uebungen 
in kurzen Sätzen, welche den ganzen Q^in^^^zirkel vor- 
und rückwärts enthalten , zum Einüben vorangeschickt« 
Ha( durci} solche Uebungen der angehende OrgelspieieV 
eine gewisse Fertigkeit erlangt, dann mag er zu den fn* 
girten Präludien übergehen und diese sieh relisht zn eigen 
machen. Ist er auch mit diesen vertraut geworden, dann 
wird er, nun in den 12 Dur- wie in den 12 Mollton- 
arten bewandert, i«i Stabde sei«, die' Orgelstücke eineis 
Seh. Bach, Albrechtsberger, Krebs, Kittel, Job. Schnei- 
der, A. Hesse u. s* w. zu spielen. < — Doeh nicht allein znr 
Uehung dienen diese Ofgelstücke, sie können auch als Vev^ 
und Nachspiele bei Gottesverehmngen gebraueht werden» 
iind ich hoffe, sie werden auch als solche ihren Zweck 
erreichen. '* — Das Letzte wird ihnen Jeder so gut, ab 
den früheren beliebten Werken dieses Verfassers znge^ 
stehen. Das Ganze zerfallt in 4 Hefte nnd jedem dei^ 
selben geht eine Uebung voran. — Neeb jetzt bei sei* 
nem herannahenden Alter rastet der eifrig thätige Mann 
nicht» und bestrebt sieh, seine vielen anerkannten Leistuur 
gen durch eine solche zu rermehren^ die ganz beson*- 
ders dem Alter angemessen ist. Er bescbifUgt sich jetzt» 
alle seine Erfahrungen in eine Orgelschule niederzulegen, 
deren Druck bereits rasch vorwirtsschreitct. Das Werk 
fuhrt den Titel: 

Theoretisch-praktische Anleüung uwt Orgelspielen von 
Ch. H. ninck. 1. und 2. Liefening, Doppelheft — 
und so fort bis zur 7. und 8. Lieferung des ersten 
Theiles. 'Op. 124. Darnisladt, im Verlage von Job. 
Phil. Diehl, 183». Preis jedes Doppelheftes 14 gGr. 
oder 1 FI. 
Dass auch diesem neuesten, noeh fortlaufenden Werke 
des im Orgelfache berühmten Verfassers ein reiches Sub- 
skribenten • Verzeichnis^ voranstebt , wird ieder voraus- 
setzen. Wer van den Organisten sollte nicht auf diese 
thepreliseb- praktische- Anieiinng zum Orgelspielen, die 
diesen Namen an der Slirne trägt, aufmerksam sein? 
Dieser erste Theil enthält eine Einleitung tiber die Orgel 
nnd deren Spiel überbennt. S. 1 bis 11» Man wird hier 
jLewe genaue Auseinandersetzung der Geschichte der Or- 
gt\ suchen, auch nicht verlangen. jManches Bemerkens- 
werlhe findet sich dennoch , z. B. die Disnosizion der 
von Jiil. Antonius 1585 erbanten Orgel in der St. Mar- 
tinkirche zu Danzig, nach dem Prätorios» Dieser reihen 
sich noch einige Disposizionen neuerer Orgelwerke an, 
als der Orgel zu Lund in Schweden, erbaut von Peter 
Zach». Strands der neuen Orgel zu Fulda, erbaut von 



249 



4859. Mä»z. No. 15. 



S3Ö 



G. F. Ratzmann ilnd dessen Söhaen stts Ohrdrttff; za 
Fr«nkr«rt a. M., arbatit von E. Fr. Wakkor aus Lud- 
wipburgi der neuen Or^ei zn Mainz in der I«nazkirclie» 
I^Caui 1837 VOR Bernh. Dreymann zn Muinz. Dann 
wird die mecbanisehe Einrichtung der Or»:el ubersk^hu 
lieh besprochen und zuletzi auf die vorzügSicbslen Schrif- 
ten verwiesen, in denen vollstXndiger davon gehandelt 
wird. — Von den ersten Anfängen an wird nun das 
Mweistimmige Spiei in allen Hatiplpuuklen, knrz nnri bün- 
dig im* Text, mii geböngeii Br.isnielrn in Noten verse* 
ben, gelehrt, als« die nöihigen Fingeriibungeu , Tonart'» 
leilera. Alles mii Applikatnrregein ; S. 43 vom Vortrage, 
sehiicbt, knrz und deutlich, zugleich mit Erklärung ila* 
lieniscber Wörter, die Tempo und Ausdinick andeuten. 
S. 4d das Notkwendige von den Verzierungen, worüber 
dann Vebnogeu folgen, denen sich 31 Nachahmungen 
freier und strenger Art anschiiessen, die zum doppelten 
Kontrapunkt übergehen in kanonischen Bearbeitungen und 
kurzen Fugensätzen, was weit mehr durch Nolenbei* 
npiele als durch Worte erklärt wird. EndUch einige 
sweistimmige Choräle, mit einer Hand ßgurirt, während 
die andei'e die Melodie vorträgt. — i Der zweite Theil 
kriftgt das dreistimmige Spiel und der dritte das vier* 
stimmige. Interesse und Nutzen müssen sich also, wie 
flian sieht, mit jedam Schritte vorwärts steigern. Möge 
der geehrte Verfasser seine nützliche Arbeit in bester 
Kraft der Gesnndbeii und zum Segen vollenden. 



J. «T. H. y er hui st 

Omeffure eti Si mneur ä grand Orchestre. Rotter- 
dam, Aez J. H. Paling et Comp. 1838. 
Un die HeNMMgabe dieser Ouvertüre in Stirnmen 
kat sich der umsichtig thätige Holländische Verein zur 
Beförderung der Tonkunst verdient gemacht und sich da* 
durch von Neuem nicht nur den Dank des jns^endlichen 
«nd strebsamen Verfassers, sondern auch der Musikwelt 
erworben. Zum Besten der Ausfuhrung dieses Werkes 
kemerken wir zuvor «inen Druckfehler in der Stimme 
9,Clarini in £,** wo die beiden ersten Takte des vier- 
ten Systems mit bis bezeichnet werden müssen, eine Klei- 
nigkeit, die aber von EiuHuss ist. Die Ouvertüre ist 
zweimal in Leipzig anfgefuhrl worden und bat lebhaft 
angesprochen. Da uns die Partitur vorliegt, können wir 
dem fenrigen jungen Manne das Zeugoiss geben, dass 
er in geschickter Instriimentazion und zusammenhangen- 
der Darstellnng bereits 'Tüchtigkeit und Kraft gewonnen 
bat. Das Orchester ist in seiner Fülle benutzt, wie dies 
SMiwohl die Zeit als der Inhalt mit sich bringen. Durch 
die sehr lebhaften Bewegungen des Ganzen (Vivace, -%> 
^t 120) zieht sich jene unheimliche Macht in schauri- 
gen Einmisohungen, di« frischen Jugendgefnhlen fast un- 
entbehrlich geworden ist, ein Träger fast aller neuen 
Tongebilde» wozu namentlich verminderte Sept- oder 
öbermässige Seztakkorde mit kiriner Quinte die besten 
liilfen bieten, zuweilen mit kleinen rhythmischen Ein- 
«ohnttten auf Sextakkorden, iit im zweiten Grade der 
Vem^andtochafi das folgende B.hyihmttsglied wieder mit 



netttsm Portschritt im' Sextakkorde ergreifen » was das 
unheimliche fördert, als : fe 3.-ia8^F =i| — j Nicht 



Lorne ergreiren» 

.ff.. :'.. .. 



dass wir es tadelten, sonilern damit wir die Art der Dar- 
legung eines an Schwankendes und Ungewisses^ Streifen- 
den, oder jenes Unheimlichen in Einigem bezeichnen» 
was der vorherrschenden Stimmung frommt. Dazu die 
Vorhalle von oben und Fortschritte M'ie : 

Blasinslr. 



^^^^ 



Nehmen wir nun noch folgende Miltelmetodie dazu: 




so sehen wir, dass vorzfiglieh K. M. t. Weber*s Vor- 



bild das Gemnth des Verfassers ergriff, ein Vorbild, das, 
an sich gut, aneh nnter den ncoern Komponisten Hol- 
lands, so wie unter den Hörern grossen Anklang findet. 
Natürlich geht die Ouvertüre zum SoUusse in Hdnr, ff^ 
mit starken ModulasiMen und mit einem bis an's Ende 
gesteigerten Tempo. Die WiriLung des Ganzen kann 
nicht fehlen. ^ 

Der sehr bofinnngsvella mid thfttige Komponist wurde 
am 19. März 1816 im Haag geboren*, wo sein Vater 
köttigl. Beamter ist, die Familie meht' musikalisch, aber 
mit Anlagen dafür. Seinen ersten Musikunterri<dit er* 
hielt er im künigl. Konservatorium der Musik z« Graven«» 
baag seit 1826 bis 1835 im Mai. Zorn Mttdiede der 
Kapelle als erster Geiger aufgenommen, versuchte er sich 
in mancherlei Komposizionen, unter denen 2 Ouvertüren 
besonders anerkannt worden. Die Gesellschaft zur Be» 
förderung der Tonkunst liess 2 drucken und unterstützto 
ihn, wie auch der Könir und die Intendanz der Musik* 
Er begab sich dann 1837 nach Bonn and Köln , wo er 
nnter Joseph Klein, (ruber darin gefördert von Hansens; 
den Konirapnnkt stvdirte, wozu er haoptsächlick Reicha*s 
Werk benutzte. Im Winter 1837 begab er sich nach 
Leipzig, wo ihm Dr. Mendelssohn -fiarlholdy's Rnth* 
schlage und Durchsichten fSr seine Leistungen sn Gute 
kommen. 1838 wurde er hier num Musikdirektor der 
Enlerpe gewählt, welchem Amte er noch eifrig vorsteht* 



Nachbichten» 



fFiefi. Pautns , Oratorfitm van Feiijp Mendelbsokn*' 
Bnrthotdjf. Aufgeführt am 1. März im Vereins-Saafo. — 
Die Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen 
fiaiserstaales^ beharrlich und mit nanichtfger -Regsamkeit 



^1 



.1859. Man. No. 15. 



252 



ihr schönes, hocbrerfienidiehes Ziel reiifolgeMl, oho« 
durch ungünslige Verhältnisse jemals sich enlmulhigen 
zu lassen, errollte durch die bewerkstelligte Aufluhrung 
ies genaiinten, so vielfältig ond nibaivolf besprochenen 
Tonwerkes einen allgemein ersehnten Wunsch; freilich 
vorerst mir mit jenen, von der Lokalität bedingten Mit- 
teln, und gewjssermaassea blos als dan^eboleneii Vorge- 
schmack eines aus nicht allzurerncr ZukonlX entgegen 
glänzenden Hochgenusses; aber demiuigeachtet auf die 
befriedigendste Art. Der Erfolg lohnte nicht allein 
dKe gemeinsamen Bemühungen, sondern übertraf noch die 
nicht gering gestellten Erwartungen. Selbst die in der 
Regel minder empfangliche Menge, welcher nimmermehr 
das tiefere Erfassen so zahlloser Kunstschönheiten zu^e- 
mnfhet werden darf, fühlte von, dem Tolalimpuls sich 
hingerissen und enthusiasmirt durch der Tonsprache ewige, 
allgewaltige Wahrheit. Sämmlliche Kunstkenner pdich- 
len uabescbränkt alten bisherigen, audi in diesen Blät- 
tern von stimmbefähigten Kritikern gerällten Urtheilpn 
bei, dass die neuere Zeit in dieser Gattung nichts Aebn- 
liebes, oder damit Vergleichbares hervorgebracht habe. 
Selbständig, schlechterdings keine vergleichende Paralle- 
lisirunj duldend, sind und bleiben, Haydn's ,, Schöpfung,*' 
„die Jakr«szeilen'* und „des Erlösers letztes Worte am 
Kreuze'*; — r Beethoven'« „Christus am Oelberg*'5 — 
höchst schätzbar all jene Gaben , womit der fruchtbare 
Friedrich Sehneider, Spebr, Nenkoram, nebst anderen» 
dieses Feld mit gleichem Fleisse and verzichtender Re- 
signazto» bearbeitenden Zeitgenossen, die Kunstwelt be* 
a^nkieo ; — keiner aber hat mit so inniger Vertrautheit 
»einen erhabenen Vorbildern^ Händel und Sebastian Bach, 
akh angeschlossen, — keiner hat, ohne ein knechtischer 
fiacbah^er zu werden, mit erstarkten Pitiigen zum Aie- 
fe^ejst jenes Heroenpaars sich so emporgeschwungen, — 
keinem neck geUog es, die Formen der Vergangenheit, 
in ihrer tntiken Geistakung so swanglos eingängÜch mit 
|etien der Gegenwart zu amalgamiren, und damit, nach 
den Gesetzen eines wohlbereehneten Oekonomiesystems, 
den zeilgemässen Orchesterreichthom zu vereinbaren, ^^ 
keinem ist also der srosse Wurf gelungen, altteutsche 
Gröiidliehkeit und ecbtgediegene kontrapunktische Kunst 
mit jenem blühende« Infilrumentalreiz, welcher Haydn*s, 
Mosart's und Beethoven's unvergängliche Tongebilde aus- 
achmückt, in einen Gnss zu verschmelzen, als eben 
diesen dreimal glücklichefl Felix , der sdioo im 28. Le- 
l^ensfrählinge durch jenes Oratorium seinem Künstler- 
yobme ein felsenfestes Monument begründete. Unmög- 
fich lässt es iii Worten sich beschreiben, mit welch kind- 
lich frommer Pietät die heiligen Schrifttexte durchgefühlt 
und aufgefasst sind; wie stelig konsequent, in reinster 
Klarheit und harmonischer Fülle der streng religiöse 
Styl festgehalten ist, welcher einzig nur psychologisch 
treu, bei den Heidenchören, in weltlichen Prunk und 
aüssscfameichelnde Weichlfchkeit ausartet. Namentlich 
sind es die meisterhaft deklanrirten Rezitative, so wie 
die, mit fester, kunstmwandter Haini überrasehend har- 
nonisirleii , und dnrch die originellste Figurazton reich- 
belebten Choräle, welche recht eigentlich in die Katego- 
rie der bervotrtreteAden GUnzmomente gehören. Von 



letzteren beTurchlete man, woU nicht ohne Gmnd, dasa 
selbe, deren Grundideen und rhythmische Einschnitte dem 
katholischen Kullu» gänzlich entfremdet, kaum verslan* 
den, sofort auch keineswegs ansprechen würden; — nnd 
gerade diese waren es, welche vorzugsweise die ganze 
Versammlung zur andächtigen Erhebang stimmten, mit 
einer noch ungekannten Allgewalt, die aller Gemüther 
sich bemeisterte, und recht eigentlich in den Tempel des 
Herrn versetzte. Wahrbeitgcmäss ist die Thataache, 
dass jede Nummer, von der ersten bis zur letzten Note, 
ein spezielles Interesse erregte, dass vier derselben un- 
ter nimmer endendem Jubelbeifall wiederholt werden mnss- 
ten, und eine gleiche Auszeieiinung noch viel mehreren 
widerfahren sein würde, wenn nicht Rücksiebten der 
Dauer und ohnehin bedeutenden Anstrengung die Unter- 
drückung dieses Wunsches zur Pflicht gemaeht hätten* 
Ungleich lohnender noch als jener dröhnende, weitaus- 
hallende Applaus, gestaltete sich aber der stilte nur durch 
einzelne Laute sich kund gebende, in so manchem vor 
beseligender Wonne fast verklärten Antlitze sich abspie« 
gelnde Beifall , wie solcher immerdar nur da sich oflen* 
hart, wo nicht allein der Verstand beschäftigt, sondern 
mit siegreicher Uebermacht auf das Herz und die inner* 
sten Tiefen des Gefühls eingewirkt wird. Nach der so 
überaus kunstvoll, Ibematiscb durobgeführten Ouvertnri» 
impouirte gleich die grossarlige Einleitung: „Herr, der 
du bist derGott/* im ergreifenden Gegensätze zur wür- 
devollen Einfachheil des sich anschliessenden Chorals : 
,, Allein Gott in der Höh sei Ehr';** — ferner traten 
Bewunderung erregend, alsv leuchtende Punkte noch be- 
sonders hervor das herrliche Rezitativ No. 6, mit dem 
Voikschor: „Weg, weg mit dem; er lästert Gott!** 
und Slephanus Ausruf: „Siehe, ich sehe den Himmel 
offen!*' — die Arie No. 7: „Jerusalem! diedntödtest 
die Propheten,** welche eine patriarchalische Simplizität 
athmet; — No. 8, der dramatisch wirksam sieh gestal- 
tende, Wuth und Rache schnaubende Chor: „Steiniget 
ihn! er lästert Gott!**, so wie die beiden folgenden 
Nummern, die mild versöhnende Cboralmelodie ^ „Dir» 
Herr, dir will ich mich ei^eben,** und das fromm erge^ 
bene Cantabile: ,, Siebe, wir preisen selig, die erduldet 
haben;** — No. 12, die wogende, sturmiscb aufgeregte 
Arie des Paulus: „Vertilge sie, Herr Zebaotbl** — 
No. 13, die unaussprechlich liebliche All-Cavaliue : „Doch 
der Herr vergisst die Seinen nicht,** so wie die wun^ 
dersam aufgefasste Stelle: „Saul! was verfolgst dn 
mich? — Ich bin Jesus von Nazareth!** wo Gottes 
Stimme durch unsichtbare, über mächtige Posaunenakkorde 
gebauete Chöre der Cherubim und Seraphim vcrstnnliebC 
wird; und worauf der Jubelgesang: „Mache dick auf« 
werde Licht!** im majestätischen Frohlocken ertönt* 
No. 16, der bereits durch die Ouvertüre mobvirte Che* 
ral: „Wachet auf!** welcher aber nunmehr als Vokal* 
Quadricinium bearbeitet ist, indem nach jedem Einschnitte 
sämmtliche Blech -Instrumental -Massen die Gebetsignale 
gleichsam von den beben Zinnen herabblasen. No. 18«- 
20, die ganze Scene des Paulus: „Gott sei mir gnädiji; 
nach deiner Gtile; — ond tilge meine Sunden nadi dei* 
ner grossen Barmhci'zigkeil; — ich. danke dir. Her», 



255 



1839. Man. No. 15. 



254 



snein Colli '< worin der Ansdmck innigsler Rührung, 
und Herzenszerknirschnng waltet, und im harmonischen 
Nexus steht mit dem wehmülhig sanTlen Volksgesang; 
„Der Herr wird die Thränen von allen Angesichtern 
abwischen/* — Wenn der erste Tbeii mit dem erha- 
benen Chor: „0! welche Tiefe des Reichtbums!*' in 
erschütternder Kra Fl fülle endet , so eröfinet den zweiten 
nicht minder imponirend die Prachtruge: „Der Erdkreis 
ist nun des Herrn ;*^ -^ freundlich anmulhig stimmen 
Paulas und Baroabas ihr Duettino an: »»So sind wir nun 
Botschafter an Christi Statt;** und in gleicher Tonfarbe 
reiht sich als Fortsetzung daran der reizende Chor, 
No. 26: „Wie lieblich sind die Bolen.** Wer allen- 
falls einige profane Anklänge herausfinden wollte , der 
müsste wohl Huch die Pastoralstellen des Handeischen 
Messias dahhi robriztren. — Der Macbtsprnch : ,, Ich bin 
der Herr, und ist ausser mir kein Heiland!** kann un- 
möglich wirksamer hingestellt werden; des Volks 6e- 
mormel aber: ,,l8t das nicht, der zn Jerusalem verstörte 
alle?^* als Muster einer parlanten Durchführung, selbst 
im ernsten Style gelten.. — Die beiden Choräle No. 29 
«od 30 unterscheiden sich durch eine eigenlhnmliche 
Struktur; den ersten begleiten sanfte Bläser in melo- 
dieenreichen Zwischenspielen; heim letzteren intonirt blos 
das Metatlorohester den Cante fermo, worunter das Chor- 
quartett in freier Figurazion gelegt ist. — Höchst ein- 
fach, dabei durchaus edel und karakteristisch gestaltet 
eich der Zweigesang von Paulus und Barnabas: „D«nn 
also hat nns der Herr geboten;** — kühn anstrebend^ 
Ulli schimmernder Ausschmückung, sehroflT kontrastirend 
zu den frommen Weisen der Christeugemeinde, erheben 
sich die Heiden: „Die Götter sind den Menschen gleich 
geworden;** und bereiten ihr, dem Jupiter geweihtes 
Opfer mit üppig reizenden, die Sinne bestechenden Ge- 
sängen : ,,Seid uns gnädig, hohe Götter! ** — Warnend 
und drohend tritt gegen sie Paulus auf, in seiner mar- 
kigen Arie: ,, Wisset ihr nicht, dass Ihr Gottes Tem- 
pel seid?** — Stürmisch tobend vereinigen sich noch- 
mals Juden nnd Heiden auch gegen diesen Gesandten des 
wahren Heilands: ',,Hicr ist des Herren Tempel! — Stei- 
niget ihn! er lästert Golt!'** wobei der sinnige Meister 
das früher, bei Stephans Martyrium angewendete, ener- 
gisch grässliche Motiv wie<ler aufnimmt. *- Trost und 
Frieden spendet die Tenor- Cavatine, No. 40, mit obli- 
gatem Violoneell: ,,Sei getreu bis in den Tod !** — nicht 
minder gefühlvoll ist der Scheidemoment des zu Schüfe 
sich begebenden Apostelfürsten : ,, Was machet ihr? dass 
ihr weinet,** — und die herzzerreissenden Trauerchöre 
No. 42 und 43: ,, Schone doch- deiner selbst!" — „Sc* 
hetj welch* eine Liebe hat uns der Vater erzeiget;** — 
dann aber erhebt sich, trium6rend in siegreicher Glorie, 
der jubelnde Schlossgesang No. 45 : ,,Dcr H^rr denket 
an ims! ' — Ihr, seine Engel, hibet den Herrn !*^ und 
mil einer Begeisterung, als ob der Tondichter eben erst 
die Feder angesetzt und sein kolossales Werk begon- 
nen, spinnt er den Faden* in ruh- und rastlosem Strome 
fort bis zum fetzten, aushaHenden Akkorde. — Dass 
dieser Paulus auch für unsere Baisersladt zu einem knnst- 
historkeh wichtigen Ereignisse sieb gestaltet, i»t iiim« 



mermehr zn bezwerfeln; die überglücklichen Zuhörer 
preisen ihr Loos, nnd in gleicher Akkordftnz sprecheti 
sämmtliche literarische Blätter sich ans. 

Die Auiltibrung^ von Herrn /. B. Schmieiel gelei- ^ 
tet, war, kleine Schwankungen abgerechnet, und bei dem ^ 
Umstände, dass die Verhältnisse nur zwei Ensemblepro- 
ben gestatteten, sehr befriedigend. Die zahlreichen Chor* 
nnd Orchestermassen, von Eifer, Liebe und Kunstsinn 
beseelt, leisteten hoch Verdienstliches. Eben so wurde 
den Solisten, Dem. Tticzeck und Bnry, Herren Schmidt 
bauer und Krause die gebührende Anerkennung zu Tbeil» 
Besonders hatte Letztgenannter noch niemals^ wie hier» 
Gelegenheit, sein volltönendes, sonores Orgas und, den 
ausdrucksvollen, echt oratorischen, durch die deutlieliate 
Aussprache und die zartesten Abschatiirun^gen nur mehr noch 
{gehobenen Vortrag so geltend zu machen. Solche Vor* 
Züge konnten hiebt unbeachtet bleiben, und jede Ernzelo- 
heit ward durch lohnenden Beifall gewürdigt. Auch die 
Uebrigen Hessen besonders in der rezMsrlivischen Dekla- 
mazion, auf welche der Meisler so bedeutendes Gewi«iit 
legte, wenig zu wünschen übrig. Die so überaus schö- 
nen Arien No. 7 und 13 sangen Dem. Tuczeck und 
Bnry mit warmem Gefühl und reinster EnpSndung; nur 
hätten in Ersterer die begleitenden Bläser weniger vor- 
laut sein sollen; denn diese Aeolsbarmonieen haben niekts 
Menschliches nnd scheinen vom hoben Himmelsdom her- 
abzuklingen. Herr Schmidbauer besitzt eine minder starke, 
aber sehr angenehme- nnd biegsame Tenorstimme, welche 
in mehreren Stellen, z. B. ,,Ich sehe den Himmel of- 
fen^** — ,,Als er das gesagt, entschlief er;'* — „Sei 
getreu bis in den Tod,** — in beiden Duetten n. a. die 
reizendste Wirkung hervorbrachte. — l>em VernehmeA 
nach wird dieses Oratorium im letzten Gesellschaftskon- 
zerte nochmals wiederholt und alsdann' zum diesjährigeit 
grossen Musikfeste aufgespnrt werden. — 

Als vorläufige Notiz sei noch erwähnt, dass Lind» 
pamtner's ntike Oper i ^^TDieGefiueserin^^*' von ihm selbst 
einsittdirt und in den ersten drei Vorstellungen persön- 
lich geleitet, den rauschendsten Beirall erhielt. Ein Nä- 
heres künftig. Die Herausgabe des vollständigen Kla- 
vier-Auszugs, sammt andern Arrangements, hat Tobias 
Haslinger^s Hof- Musikalien -Handlung äbcrnommen* 



Fortsetzung der Herbstopern 1858 u. s. w.-r^ 
Anfang der Karnevalsstagione in Italien • 

(Fartsetzuttj;.) 

Venedig, (Teatro alla Fenice.) Der ruhmlieh le- 
kanate Impresario Alessandro Lanari, welcher stets eine 
grosse Sängerscliaar, die er gewöhnlieh auf mehrere Xahre 
engagirt, zu seiner Verfügung hat, darunter dermalen 
die Ünger, Streponfr Mazzarell», Leg», Piombanti, die* 
Herren Moviani, Balestracci, Morini, Cossellr, Martinez, 
Profili n. a. m., versah auch dies^em Herbst^ bei Gele- 

ßenheit der Anwesenheit Ihrer kk. MM. und* so vieler 
[errschaflen und Fremden, unser grosses Theater mit 
seinem Besten, worunter das Jetzige auserlesene Sänger-^ 
kleeblatl: Unger, Moiiani,. LosseUi und die Maxxarellv 



25a 



1859. Man. No. 13. 



256 



ztt verstehen ibt Den Anfange madile DoMseltrs Be- 
berlo d*Evreax, leider mit oogiinsligein Erfolg. Oiet« 
Ope«* hat gewiss Gutes aufzuzeigen, ist aber mu Gansea 
veiiig anziehend und wird weui^ Glück machen, bei al- 
ler Cxaltazion, mit welcher der Neapolitaner Omnibns bei 
ihrer Entstehung davon gesprochen. Die nachher gege- 
fcene Locrezia Borgia, ebenfalls von Deniselti» war erst 
in der Folge glücklicher. Dass es aber bei alldem in 
beiden Opern den Sängern nicht an starkem Applaus 
fehlte, so folgt zn Ende dieses kurzen Berichtes ein auf 
nie in Druck erschienes gar artiges Gedicht, mit der 
Ueberschrift Corona di Fiori (Blumenkranz), in welchem 
cnletzt benanntem Lanari das Lob erlheilt wird, dass 
er sie so gut zu vereinigen versteht. 

Auf dem Teatro S. Samuele beglückte die Norme- 
Leva sammt der Gigoii (Adalgisa); Tenor, Chor und 
Orchester .... Auf dem Teatro S. Benedetio beglückte 
Lanuer mit seinen Walzern. In demselben Theater gab 
man zu Ende der Slagione einigemal Donizetti*8 Betlf 
mit gnlem Erfolge. 

Am 2. Dezember debütirte auf der Feniee die ta- 
Icntvoile Engländeriu Adelaide Kemble in der Norme mit 
Beifall; sie bat eine schöne Stimme nnd nadere gnte 
Anlagen. — 

Corona di Fioru 

Dt S«ri uD defrno terto 
Aecogli, bionilo Dio, 
Pento na Tardir m\», 
Ti pre^o doI «dt^oar. 

Di Pafo nel friardioo 
Mescbio« nao li colse. 
In «erto li raccolse 
Ch' ora coosacra a te. 

Nclia vermiglia Roaa 
L'tJMGEä io ti presento, 
CuU'i che con Paccealo 
Fa planier e si^ic- 

n aoo i^raditn odore 
Ovonqtie ulpzxa e vota; 
Col caoto ci consAta, 
Col seit« fa tremar. 

II vafco Gelaimiaa 
MORUNt tieoe eapresso 
11 Qomo sao, ehe impressa 
Sempre fra noi sarL 

Di lui che degoo figlio ^ 

Delle Caveae snon, 
GiAia, aospiri, amore 
Col caato fa gustar. 

11 forte Sem per vIva 
Image h di COSSBLLl, 

I merti seai aoe qaelU 
Cha il fecer caro a ta. 

See le radicl Atta 
Di seo gradito fiore. 
Che Viva deU' atiore 

II mcrto rimarra. 

La MAZZ/^aELLI iafiac 
Vedi Bella Gasia, 
fie' err6 ta aeelta mta 
D'aa deUeato fior. 



EgU e gfadka c eami 
Da e<(|ieria mae eorata 
Odor piü prelibato 
Un di potra niandar. 

Un vario-pinto aaftro 
II si*rtfi tien compressOf 
LANARI porta ioipreaaa 
Che t ftori aeppe «air. 

Qaalnnqiie ale II mioiiaDO, 
L^aocogli , hiooda Die, 
Prrdoaa Tardir mia; ^ 
Mal paoi, aol d«i adegnar. 
(BeachUia folgt.) 



Leqfxig, am 22, d. Ehe wir von onsern Koniser* 
ten spreche^, sei zuerst kurz erwähnt, dass die Oper 
Guido und Gi'nevrm hier bereits .snm seebsten Male xnr 
AuffÜhrnng gekommen ist. — Am 16. d. fand die achte 
und letzte mosikaliscbe Untei*baltung der Eulerpe Statt» 
die mit des Dirigenten Herrn Vervulst ,<;edr|tckter und 
S. 249 besprochener Oyvertnre in Umoll eröffnet und nach 
goter AnsriibiMing beiräilig aufgenommen wurde. Ein Con* 
certante für 2 Violioen von Maurer trog der Konzert- 
meister des Vereins Herr Uhlricb mit seinem jungem 
Blander Eduard, welcher sich hiermit zum ersten Maie 
öffentlich zeigte, sehr gelungen imd zu allgemeiner Freude 
vor. Fräel. ScUegtl^ von der Versammlung mit Bei- 
fall empfangen, sang Rezitativ und Arie (mit obligater 
Klarinette) aus Sargino von Paer vortrefflich «nd ver«» 
diente die rauscbende Theilnahme» die sie erhielt* Herr 
Konzertmeister Uhlricb führte uns darauf neue und sehr 
schwierige Variazionen eines noch wenig bekannten Kom* 

Sonisten Leon Herz vor und besiegte die Schwierigkeiten 
erselben auf so ausgezeichnete Weise» dass schon nach 
dem Thema und nach jeder Variazion der lauteste und 
verdienteste Beifall erscholl. . JBeelboven*s Ador» Sinfo- 
nie erquickte abermals die sehr erfreute V^rsaoHnlung. — ^ 
Unser letztes Abonnement- Konzert am 22. machte nns 
zunächst mit einer nns noch völlig unbekannicn grossen 
Sinfonie aus C dur» noch Mannskriptt von Frans Schu^ 
keri bekannt. Die Ausführung war unter Dr. MendeU- 
söhn - Bartholdy^s Leitung oo meisterUcli» als wäre das 
Werk schon öfter vorgetragen worden. Der Beifall 
wurde wiederholt laut, obgleich das Ganze nur 5 Minu- 
ten wenisper als eine Stunde dauerte. Halte den über- 
aus begabten und beliebten Konipooisten der Tod nicht 
so früh ereilt, er würde gewiss sein Werk seihst ge« 
küi'zt und dadurch das vielfadi Anziehende noch anzie« 
hender gemacht haben. Schon der Anfang mit dem Uom- 
solo nahm für dasselbe ein. Ueberhaupt ers<*hienen die 
beiden ersten Sätze ziemlich allgemein als die inleres«» 
santesten. Wäre es auch möglich, dasy <Ües einzig darin 
gelegen heben könnlCj dass die Hörer noch nicht von der 
zn langen Dauer jedes Satzes in ihrer Aufmerksamkeit 
erschöpft worden waren: so wollte es uns doch selbst 
vorkommen» als ob die ersten Sätze vor den letzten wirk- 
lich den Vorzog verdienten, de da» Scherzo gar zu viel 
wiederholte und der Seblusssatz mehr einem Operußnale 
ohne Worte glich. Die Instrumenüizinn war ausserordent- 
lich vollj im Ganzen sehr gewandt usmI de.r For|ging der 



SS7 



SaS9, Mfe«. No. IS. 



358 



rhylhmigcben ZusammeiifBgnDgeD gin«. öfter siebr ans 
gehäiifleD, nicht seilen äberraschendeii Modulazioiien, als 
aus den Melodieen hervor, die meist iu cigcnlhümlich^r 
Welse sich aussprA^hen , wenn aach zuweilen Beetho- 
ven's Einfl^ss nichi saa verkennen war. Dass hingegen 
nach einnialt«;eni Anhören einer so lang ausgeluhrlen und 
eig«*n gewebten Sinfbiiie ein klare» Bild des Werkes 
kaum im Gemülhe. bleiben konole, wird man natürlich 
finden. Dankbar erfreut waren aber Alle für dk neue, 
hörhl bestimmt und schön dargebrachte tiabe. Nicht 
minder vortrefflich war die AuflFuhrung des öfter bespro- 
chenen 42.. Psahns von Fei. Meni|eIssohn-Bartholdy, 
dessen Soloparlieen von Mad. BuHau nnd die Chöre von 
eiuer Anzahl hiesiger Dilettanten gefällig übernommen 
und eindringlich schön vorgetragen wurden. Der Bei- 
fall war abermals höehst lebhaft, wekber auch der neuen, 
für die Vorstellung des Theaterpensionsfonds komponir- 
ten Ouvertüre desselben Meisters zu The(l wurde. Es 
liegt in der Nator der Sache, dass diese Ouvertüre, für 
einen solchen Zweck geschrieben, in ihrem Wesen sich 
nicht an jene Werke des Verfassers anschli^ssen kann, 
iTic, zwar gleichfalls Ouvertüren genannt, doch eigent- 
liche Tongemälde ausgeführ lerer Art über einen bestimm- 
ten und bekannten Gegenstand oder nach einem solchen 
sind, sondern mehr d^m hierrscheuden Begriffe und Baue 
eines solchen Werkes folgen muss, und in solcher Weise 
erwies sie sich wirkimm und wurde von der zahlreichen 
Versammlung vollkommen gewürdigt. Den Schluss machte 
Uiiydn'a immer schöner Frühling ans den J»i>reszeiten. 
Solo sangen Mad. Bünau und die Herren Gebhard und 
Mitterwurser aus Wrenw Des Leistern IBassbariton ist 
schön, wie sein Gesang rund und fertig, was ihm laute 
Ehre brachte, üeherhaiipt wurde Alles herrlich dtirch- 
gefnhrt. Und so ist denn abermals ei» Winterhalbjahr 
glänzend und reich an vielfachen und grossen musikali- 
scben Genüssen zurückgelegt worden , auf welches wir 
mit dankbarem Wohlgefallen zurttckblicken können. 



fViehtige Ferhesserting der Posaune. 

Durch mehrfache Versuche ist es dem längst rühm- 
lich bekannten Henrn Messinginslrumentenmacher Satt- 
ler in Leipzig gelungen, der wirksamen Posaune die 
letzte, höch>t erwünschte Vollendung zu geben. Chri- 
stian Fnedr. Saltler ^ Sohn des Holzinstrumenlenma- 
chers S. in Leipzig, wurde hier am 20. Januar 1778 geb., 
kam 1704 bei dem hiesigen Messiugiustrumentenmacher 
Sattler auf die Lehr« unil etablirie sich 1809. Seit 
lange waren seine Messinginstrumenle die gesuchtesten. 
Jetzt hat er nun sowohl zum Vortheil der Bläser als 
der Komponisten an der Tenor -Bnss- Posaune eine Vor* 
richlung angebracht, wodurch die bisher in Orchestern 
nnd Musikehören geh]*auchle Quart- und Qninlposaune 
▼Öllig ersetzt wird. Durch diese eben so einfache als 
sichere Vorrichtung sind die bis jetzt auf der Tenor* 

Bassposaune fehlenden Töne — ^-r-j — -^ - ^ ; krSflig 

und ßckSü gewonnen vforAtü nnd zwar dergestalt, das« 



sie von jedem llläsir, pbne die Züge zu verändern, durch 
einen Druck des Daumens der linken Hand mit aller Si* 
cherheit hervorgebracht werden können. — Herr Karl 
Qoetsser in Leipzig, der allgeknnnte Posannenvirtuos, 
hat die Gefälligkeit gehabt, das neue Instrument sorgfäl- 
tig zu probiren. Er hat es in jeder Hinsicht höchst 
empfehlenswerth gefunden. Wir hörten es von ihm bla- 
sen ; alle Tone von. der Hcibe bis zur Tiefe klangen über- 
aus herrlich, und die Kontr^löne £«,/), DcSy C, Ces, 
B kamen in grösster Rundung, Fülle und Schönheil her- 
aus. Das so verbesserte Instrument mnss also alten 
Orchester* und SolohlSsern als sehr zweckmässig bestens 
empfohlen werden. Es braucht nnr der kurzen Anzeige; 
die Vorlheile sieht jeder selbst. G. tV. Fink. 

Feuilleton. 

Der InstrmneDteniDacber j4dlcr ia Ports [flo« Man^r, 8) hat 
am Fagott €ia« weaeolUebe Verbeaseraog aofebracht, wödureb 
d^r Too dieses lostnuneots nicht our am ein Dritttheil alärber, 
sondern aoeb viel heiter und gonnrcr geworden sein snll. Die be« 
sten Künstler der französisrhen Hauptstadt haben sich über diese 
Verbessemng mit dem g^rössten Lobe ansgesprochen. 

DamUm ia Paris, van dem wir nenlieh berichteten, dass er 
Donizetti's Büste verfertigt, bot jetzt aach die von Haleoy vollen- 
det. Sie soll sprechend ähnlich sein* 

Vierte» diesjährige» Romert des Pariser Ronsei^vatoriumi, 
(9, S. 178.) Sinfonie von Beethoven fin F); Stacke ans Mozarl'a 
ZauberflSte (Herr Dopont); Fantasie für die Geige (Leudet)« An- 
daata aas einer Sinfonie von ScbnettzhSffer; Chor aus Weber'» 
Earyaatha; Sinfonie la Kdur von Ua}dn. 



Farinelli, neoe Oper von dem Engländer Bamet, hat in Los» 
don wenig gefallen« Die Schuld liegt naiurtiHi an dem Diehterl- 
(Jm jedoch den jongeo Tonselzer aufisomuntera^ hat steh die Kö> 
aigin Vietori«, eine Absehrifl von der Partitar aasgebetca. 



Meferbeer*s Hugmotten haben in Genf stürmiseben Beifall 
gefanden; Alles ist entzückt von der Musik wie von der Auffiibrang, 
Dos Orchester hat nie besser gejipielt; Mad. Pepin (Valentine), zu 
deren Vortheil die Oper gegeben wnrde, hat sich selbst übertroifeD«' 



Maslkdirektor RasirelU in Dresden, Komponist der Oper Ber- 
the Ton Bretagne , hat eine neue Oper : jß/e Neuvertnähiten ge» 
schriebeo, welche mit grossem Beifalle in Dresden aufgeführt wor*. 
den ist ; der Tondichter nebst allen Darstellenden wurde gernfen. ' 
Das Buch ist von der Prttfzessin Amalle von Sachsen nach dem 
französischen Vandevilla La Inne de miel — • wie es htisst, mit 
vieleie Gesahiake ^ bearbeitet. 



Thalberg hat sieh anf seiner Reise nach Petersburg aach 10 
Mftau und Riga hören fassen. Dass er einen Beifatlsstarffl eri* 
regte ^ versteht sieh von selbst. 



Päganfmi ist dereb die Entsebeidang eines Paris«r Gertehts« 
bofes zn 20,000 Fr. Entschädigaog an die dortige Gesellschaft 
Casino Pagnnini verurtheilt worden. Psganioi, der Stifter dieses* 
Vereins, halte sich nUmlich anheischig gemacht, denselben darck 
•eia Spiel %m nntaratätzen ^ dies jedoch nachher Terweigtri. 

Toi^/Sa9, Ladurner^ Prof. der Mosifc am Pariser Konsenra* 
toriom, ist gestorben. — Adolphe Nonrrit, der beröhmte Tenorist, 
bei sieh ta Neapel io einem Anfslle von Schwermut h aas seiner-. % 
Stockwerke hohen Wohnung herabgestürzt. Er binterrdssteine Wittwe 
ead Rinder^ daneben cm Vermögen von einer halbea BUlKonPr» 



Anküiitlii^viifeii. 

Im Verlage von Breltkopf 4? Hftrtel io Leipzig erscbienen so eben mit Eigenlhuniirecht; 



Fantal ül 

poar le Piano 

sur des Ihimes de I'Opera 

Meise de G. Rossini 

par 

S^ Thaiberg. 

Oear. 33. Prix 1 Thir. 8 Gr. 



jD e r S 2. Vsalun 

(„Wie der Hirsch schreit**) 

k«inponirl tob 

Felix nieiidelssolin-Bttrtlioldy» 

48fl Werli« 

Partilur. Preis 4 Thlr. 

Basselbe IRTerfc. Stagstimmi». Plrds 1 TUr. 
_ — OrelicfilcnllAibe». Preis 5 TUr. 
^ ^ KlmvicrMuai«ff. Pk«ia S Thlr. 

Ferner: 
BSUaelL« C«« Malinees mnsicales. 10 Gesänge (ilalieo, und deolsch) mit Begleitung des Pianororte. Op. 28. 
2s und 38 (lefl h 20 Gr. 

— ^- Salon de Concerl. Dichtungen voo 0. L. B. Wolff mit B^ieituog des Pianoforte. Op. 33. No. 1. 
Lifbesreigen. 8 Gr. No. 2. Der Poslillon. 16 Gr. üo. 3. Bergmanns letzte Fahrt. 12 Gr. 

Ilertltll^ !!• JF* Jenne, Premier grand Sextuor pour Pianoforte. 

DtflOilJBettl 9 Cir.« Röveries Napolilaines. 6 Ballades (paroles italiennes el aliemandes) avec aceomp. de Piano. 
(complol) 2 Thlr. . 

— — Les mßtues separees No. 1. 11 Pescatore. (Der Fischer.) 10 Gr. 

• 2« La ninna N^nna. (Wiegenlied.) 10 Gr. 

- 3. 11 Trovatore in Garicalura. (Der unglückliche Troubadour.) 8 Gr. 

- 4. La Sollana. (Die Sultanin.) 8 Gr. 

- 5. L'ühiroa notte di un novizio. (Die Nacht vor der Priesterweihe.) 10 Gr. 

- 6. L'Addio. (Lebewohl.) Duett. 8 Gr. 

-... — Romanze aus der Oper: Roberto De vereux. „In des Unglücks, des Kammers Stunden.*' (AU' afflilto i dolce 
il pianto.) Mit Begleitung des Pianoforte. 6 Gr. 

Cteraldy^ «V») Notturno für 2 Soprane und Bass. ,,Schon schlägt der Trenaung Stunde." (Eceo qud fiero is* 
tante.) Mit Begleitung des Pianoforte. 6 Gr« 

Henselt^ A*^ Etüde (Liebeslied) für das Pianoforte. 6 Gr. 

•^ — Impromptu arr. pour le Piano k 4 maios. 4 Gr. 

Keller^ C«^ 4 Gesänge mit Begleitung des Pianoforte. Op. 45« 18 Gr. 

Kunze ^ <v«9 2 Galoppen nach Themen aus der Oper.- Guido und Ginevra» für das Pianoforte. Op. 32. 10 Gr. 

XilplnsKl^ C«^ Rondo alla Polacca pour le Violon avec accompagnem'ent de Piano. Op. 7. 1 Tbir. 

IVoivalLOlirslil^ 2 Polonaises pour le Plauo. Op. 14. 14 Gr. 

PimoflLil) II«9 Rendino facile el brillant pr^cede d'une lutroduction sur des motifs de Gnido et Ginevra de 
F. Halevy, pour le Violon avec accompagnement de Piano. Op. 22. 1 Thlr. 

IPaiiSermi^ 12 Romanees (paroles fran^aises et aliemandes) avec accompagnement de Piano. 1 Thlr. 12 Gr, 

■Uellter^ £• V.^ 6 Hymnen für eine Alt* oder Mezzo-Sppranslimme mit Begleitung des Pianoforte. 1 Thlr. 

Sebleilt^ Um Cr*^ Motelien in Partitur, 10s Hefl, enthält: Holde Hoifnung, Kind des Himmels u. s. w. — Schon 
raiht von Nacht und Staub u. s. w. — Da Sie, ihr Name wird im Himmel u. a. w. — Steig empor in stiller Abend- 
stunde u. R. w. 16 Gr. 

Sebumailli. ll«^ Fantaisie pour le Piano. Op. 17. 1 Thlr. 8 Gr. 

Slesel^ I^«l9r; leichte Variationen über eine Cavatine a. d. Oper : Norma v.Belltni, für das Pianof . Op.67. 14 Gr. 

VUIOll^ Fantaisie sur des th^mes favoris de Domino noir pour la Flute avec acc. d*Orchestre. Op.78. IThlr. 12 Gr. 



Imuu Berger^s Pianoforte'Kompo^üiQnen. 

Trois pieees carHctensfi^es. Op. 24. 93 aGr. 
L^iBR^cewi«» II eordo|^liOy Rondo capricctOM 4 J RÜilr. 
Deu ^fndtM Sooatct. Od. 9. 10. (ia F- aad Etdor). Nene 
Tcrbcstcrie Anfliigc 4 1 RÜtlr. 
Die Sonate in £«dar erMii Heiv RelUiab fiir eine der fcbda- 
«teu, di^ ttberkaupt konipouirt worden und. 
AlU Türen. Op. 8. Zweite AnOnge. J Rthr. 



Prcludet et Fagnet. Op. 8. §. RtUr. 

Onrcrtiire d*Ipliigenia de Glncli arr. par Ber(rer. 18| iGr. 

Was L. Berger geiiefeH, «teilt sieb nteht nur dem Besten io 
•einer Zeit Geleisteten glcieh , sondern fi»t dnrehweg gerade <far- 
über ,' wir wiederkolen es oiinc Sekeu, naeb Beethoven bat 0eafaiel»- 
land bcinen Musiker gebabl, der an Tiefe, Schönheit ^ Anmuth 
der 'Erfindung , ror AJlem aber an lebt bflostieriscber Gestallung 
derselben L. Berger übertroffen bätte. — Vorsiebendes ist Hemi 
RettsUbs Ansiebt ! 

ScMe0imS^V^><^^ Bneb- und Musikbandinng in Berlin. 



Leipzig p bei Breitkopf wkd HärteL Redigirt von Dr. G. f'V. Fink unter seiner VeranttvorÜickkeit. 



261 



262 



ALLGEMEINE 

MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den 5'" April. 



M 14. 



1859. 



Aneient Seotish Melodies 

from a Manuscript of de Reign of King James Vl^ 
with an introductori/ Enguify iliustratine the Hislory 
of the Mtmc of Scotland. By fFilliam Dauney^ 
Jllsq. P. S. A. Scot. Bdinburgh: the Edinburgh 
Priiiliiif^ and Publishing: Comp.iny ; Shtiih, BIder etC.5 
CorohilU London. 1838, in 4. S. X, 390. 

AD(;ezeigt tm G. W. Finli. 

Je mehr es noch immerzu ihun gibt, mit dem geschidit- 
lieh sorgtällig erörlerlen und (halsachlicb bewieseaea Bild« 
«ngsgantrc der Tonkunst auf das Ueiue zu kommen, desto 
dankbarer haben wir j^uf Alles zu achten, was uns auf 
diesem Gebiete des Wissens von irgend einer Seite her 
fördert, also auch auf das Buch: ,,Alte scholtisebe Me- 
lodieen von einem Manuskript aus der Regierung Königs 
Jacob VI, mil eioteitender Untersuchung über die Ge* 
schiebte der Musik in SchoUUiid.^' Wollen und können 
auch nicht alle Musiker und Musikfreunde solchen aus- 
führlichen Auseinandersetzuopn oder Nachforschungen 
folgen, so müssen ihnen doch zuverlässig übersichtliche 
Darstellpngen des Gewonnenen höchst anziehend sein, 
der Liebhaber des AUerthumlieheu zn geschweigen, de- 
nen es stets lieb ist, zu erfahren, was sie in irgend einem 
Werke der Art zu suchen haben. -^ Der eben genannte 
Ueraugeber des Werkes, Verfasser der einleitenden Ab- 
handlung, wclehe 214 S. zählt, erwähnt zuvörderst die 
grossen Scbwier^keiten , die ein solches Unternehmen 
mit sich führt, gesteht,' dass er die Arbeit gern Andern 
überlassen haben würde, wenn er jene Schwierigkeiten 
Tor dem Versuche in ihrem ganzen Gewichte gekannt 
hätte, preist sich glicklieh, nkht wenige des Altertbüm* 
liehen kundige Männer gefunden zu haben, die sein Werk 
begünstigten und ihn mit ihren'Kennlnissen unterstützten. 
Dennoch gibt er bescheiden zu, dass sein Buch nioht alle 
-wichtige Gegenstände, umfasse, auch wobi, trotz aller 
Mühe, in dem Dargestellten mancher Irrthum sich ein- 
geschlichen haben werde ; hält es dagegen, and mit Recht, 
immerhin für nützlich, den Fund nnd die Erörterungen 
darüber, als Anregungen fSr Andere, ungesäumt zu ver- 
öCfentlichen. Br beklagt es, dass das Manuskript, von 
welchem sogleich die liede sein wird , in einer so an- 

irlücklichen Zeit entdeckt worden sei, welche dergleichen 
ange nicht so begünstigt, als es zu Burney's und Rit- 
son's Zeiten der Fall gewesen sein wordo« wo es von 
den Gelehrten nnd vom Publikom mit mehr Buthasias- 
mus, als jetzt, begrüsst worden wäre. So ist es- deoa 

41. Jahrgang. 



in Schottland wie bei ans$ indem man sich an die Ge- 
genwart hält, was nicht zn tadeln ist, schiebt man zu- 
gleich fäUcblicb das Vergangene bei Seite, als ob es kei« 
nen Segen in die Gegenwart zn tragen habe, Dante*s 
Aasspruch für nichts achtend: 

Wehe dem Volke, das mit geioer Vorzeit gebroehen 
Hat; es hat auch keloe Nachwelt kü erwartea. 

Unter den älteren Untersuchungen über altsehottische 
Musik heben wir namentlich Tytler^n Schriften, z. B. 
Dissertation on Seotish Musie, erschienen -1779, darum 
hervor, weil in dv* ««systemaliseh-chroifologischen Dar- 
stellung der musikalischen Literatur*' 0. s. w. von Karl 
Ferd. Becker dieser Name in Tylten verwandelt wor- 
den ist. Auf eine Sammlung alter Melodieen : Flores 
rousioae or the Scots Musieian (oder der schottische Mu- 
sikant) achtete Tytier deshalb nicht , weil sie nach alten 
Manuskripten für verschiedene lostromente Arrangirles 
brachte. Auch das Publikum nahm wenig Rucksiebt dar- 
auf, es würde sonst mehr davon erschienen sein. Von 
alten Mannskripten spricht Tytier übrigens gar nicht, 
am wenigsten von gedruckten. Wichtiger in dieser Hin- 
sicht ist RiUon^ der in teutschen Büchern g^nz fehlt, 
wogegen Ram$ay*s Verdienste um diesen Gegenstand 
▼on einigen teutschen Darstellern, nur nicht in allgemei- 
nen Schriften, wohin der Mann vorzüglich gehörte, beach** 
tet wurden. -^ Von dem neu aufgefundenen Manuskripte 
versichert der Herausgeber des oben genannten Werkes, 
es bringe weit mehr Licht über die schottische Musik, 
als sämmtliche frühere Untersnchungen der gelehrtesten 
Männer, und hofl\ für die Zukunft, dass es nach seinen 
hier mitgetheilten ErofTnongen an genauem Verhandlun- 
gen darüber nicht fehlen werde. 

Diese hier besprochene und in unserer Notensehrifl 
bekannt gemachte Sammlung alter Musik ist das Eigen- 
thom der «foristenfakullät zu Edinburg, welcher das 
Manuskript nebst einer Dokumentenkiste vor etwa 20 
Jahren von Miss Elisabeth Skene testamentarisch über- 
lassen wurde. Es war längst Besitztfaum dieser Familie 
gewesen und vom Ur-Urgrossyater ererbt worden. Das 
Ganze besteht ans 7 abgerissenen Theilen, welche, ob- 
wohl nicht zusammengebunden, ofPenbar zusammen ge- 
hören. Die Folge des Inhalts wird (altenglisch) ange- 
geben; die hier genannten 114 Lieder und Tänze ste- 
hen in einer ganz andern Ordnung, als in den S. 216 
folgenden Ucbert ragungen in unsere Noten unter dem 
Titel „the Skene -Manuscript,** wo die Stücke auf 85 
beschränkt worden sind» weil sich im Maouskrtpt selbst 

14 



S65 



1859. April. No. 14. 



264 



manche Wiederbolangen mehrerer emzeloen Tonslücke 
vor&ndeny woraus sich ergibt, dass es zu verschiedenen 
Zeilen, mutbmaassKch in einen Zeiträume von 20 bis 
30 iahren, geschrieben wurde- Das JUanuskript selbst 
ist ohne Datum, was auch schwerlich g^anz genau zn br* 
iklimmen sein dürfle. Ein Theil desselben scheint v.oa 
1615 bis 1630 geschrieben zu sein, weniu^e hur mögen 
über den angegebenen Zeitpunkt zurückreichen, ja die 
meisten flieser 'Stücke mögen erst zum Anfange, des 17, 
Jahrhunderts komponirl worden zu sein, was sich von 
roebreii bestimmt nachweisen lisst; die frühes teil Ken* 
posizionen gehören dem 16. Jahrhundert und zwar dem 
letzten Viertel desselben. Im ersten Theil des Manu- 
skripts sieht z. B. ,,Prince Heori^*s Maske ^^ (in der 
gedruckten Sammlung No. 67). Dieser Prinz war der 
i>ohn Jakobs VI, wurde ihm 1593 geboren und 1610 
zum Prinzen von V^ales ernannt, zu welcher Gelegen* 
beil diese Maske geschrieben wurde unter dem Titel: 
„Operon, oder Prinz Heinrichs Maske. *' Ferner ,,Som- 
merset's Maske, ^* das 17. Stück des ersten Tbeils im 
Manuskript, in der gedruckten Sammlung No. 7&, ist 
1614 komponirl worden. Der Mann, für welchen diese 
Maske geschrieben worden war, hitss Robert Carr, 
Viscount Rochester, ein Liebling Jakobs VI, welcher 
1613 zum Grafen von Sommersei ernannt und 1614 mit 
4er verwittweten Lady Frances Howard, Komtesse von 
Essex, vermählt wurde. Der Text war von Dr. Gam- 
pion, die Musik von John Coop&r oder Coperario^ wie 
tv sich lieber nannte (ma^i sieht leicht, was sich aus die- 
ser Eitelkeit schliessen lässt), von l^aniöre o. A. Sie 
wurde in der Stephansnacht am 26. Dezember 1614 auf- 
geführt (HawkinsUI. S. ä72). — Auch „the Ladie Eli- 
zabclh's Maske,'' im ersten Theile des Manuskripts, die 
69 No. der gedruckten Sammlung, bezieht sich auf jene 
Zeit. Sie war die Tochter Jakobs VI, welche den Prince 
Palatine vom Rheine 1613 heiralhele und 1619 Königin 
von Böhmen wurde. Andere Thatsachen, die das Aller 
dieser Komposiziooen beweisen, müssen wir hier über- 
gehen. Mehrere dieser Musikstücke sind noch neuer, 
was die Ucberscbriften, so weit sie sich auf damals aus- 
gezeichnete Personen bezieben, darihun. — Nur der 
fiinfte und sechste Tbeil des Manuskripts ist etwas älter, 
also vor 1615 geschrieben., was die Beschaffenheit des 
Papieres, die ältere Hand und ältere Soiireibform beklau* 
bigcn. Man meint, diese Tbeile wären von Sir John 
Skene selbstgeschrieben, welcher 1617 starb; sein Sohn 
desselben Namen», starb 1644. — Genug, um daraus das 
Alter des Manuskripts zu ersehen und klar zu erken- 
nen,, dass hier eigentlich von (dien Metodieen, von wahr- 
haft alterthämlicheii Gesangweisen der Galen oder be- 
stirimtter der Knledonier gar niciit die Rede sein kann. 
Werden diese Gesangweisen aite schoUische M^/odieen 
genannt, so kann und mus» man dies freilich zugeben» 
da der Begriff voa neu und alt unter die relativen ge- 
hört; dann ist aber notbwendig ein grosser Unterschied 
zwischen ahsehottisdien und altkaledoniscben Tonstückea 
zu madieo, von welchen nur die letzlgenaimlen dem Al- 
tertbum angehören, die altsdiottischen hingegen alle Wege, 
ebwoU noch den alten Ursprung verratbend, zur neti- 



enropaiscben Musik zu rechnen sind. Ueber die eigen* 
thümiich altert hümliche Musik der Kaledonier, die eine 
und dieselbe mit der allirischen, hebridisehen n. s. w. 
ist, haben wir verhandelt in 6. W. Fink*s ,, Erste Wan- 
derung der ältesten Tonkunst*' (Essen, bei G. D. Bäde- 
ker, 1831). Dasselbe ist bereits von uns in Nu. 9 vom 
Jahr 1823 dieser Zeitung geschehen, wo wir einen mi( 
unsern Anmerkungen versehenen Auszug ans einer Reise 
des Herrn L. A. Necker de Saussure durch Schottland und 
die Ucbriden millheilten, womit Fiiik's angeführtes Werk 
S. 85 u. f. verglichen werden kann. — Denwoch ist 
das aufgefundene und in unsere Notirung gebrachte Skene- 
Manuskript, so wie das Buch darüber in vielfacher Hin- 
sicht höchst wichtig und verdient unsere volle Aufmerk- 
samkeit, sobald uns auch nur die Entwickelungsgeschichte 
der neueren , d. i. unserei^ noch heule geltenden Ton- 
kunst wichtig ist, was doch wohl bei jedem Gebildelepr 
vorausgesetzt werden muss. Der Verfasser des. obeii 
genannten, hier besprochenen Werkes legt darum grossen 
Werth darauf, weil nach seiner Behauptung dieses Ma- 
nuskript schottischer Tonstücke doch wenigstens 100 Jahre 
älter sei, als alle bisher bekannt gewordene Sammlungen 
sogenannt altscholtisdier Weisen. Zum Beweis führt er 
den Orpheus («aledonins von Thomson an, der 1725 un4 
1733 herauskam. Konnten aber nicht in diese Samm« 
lungen, die später gemacht wurden, als das Skene- Ma^ 
nnskript geschrieben wurde, weit alterthümlicbere Ge-r 
sänge aus dem Munde des Volkes aufgenommen wordeq 
sein? Ist vom Verfasser der Einleilnng nicht darge-r 
than worden, dass das Manuskript wenigstens grössten« 
theils auf solche Musikstücke Rücksicht genommeii 
bat, die in jener Zeit, als das Manuskript verfassl 
wurde, erst auf namhafte Personen oder zu Ehren der* 
selben komponirt nnd Mode wurden? So sehr dies auch 
einleuchtet, eben so und noch weil mehr zuverlässig gibi 
uns das Skene -Manuskript Anfschluss über den wahr« 
haften Zustand der im 16. und 17. Jabrhi/tiderl in Schott- 
land herrschenden Musik volkslhümlieh nnlerhaltender 
Art, was in der That nichts Geringes ist, nnd woraua 
sieb , wie wir sehen wei*den , vieles Bedeutsame auch 
für das Wesen der älteren Tonkunst * jener Länder fol- 
gern lassen wird. 

Nicht selten wird V4ni Englands Schriftstellern über 
Musik, desgleichen auch in dieser Einleitung behauptet, 
Dr. John Biow, der von 1(V48 (eigentlich von 1673 an, 
wo er Mitglied der Kapelle wurde) bis 1708 blühete, 
habe zuerst die schollische Alusik in England eingeführt ; 
man nennt seiue Komposizionen gefällig und sehr sang- 
bar, schreibt ihnen besonders noch durch eine Miscliung 
des Scbotlischen und Engtändischen eine ganz netie und 
reizende Wirkung zu. . Davon macht Burnejr eine grosse 
Ausnahme; er nennt Blaw*s KomposizionenVob. Es ist 
möglicli, dass wir gerade die besten nicht kennen; was 
wir aber keanen, ist so, dass wir B. beistimmen. Den 
mag jedoch sein, wie ihm wolle, genug, wir sehen dar- 
aus, dass erst damals die sehottiseben Weisen in Eng- 
land beliebt wnrden, was ausserdem noch durch Dryden, 
durch Marien, Gemahlin Wilhelms HI, Karl II o. 5. w. 
gefiedert wurde. Wir werden ia dkaem Wei-Ite belehrt. 



285 



1839. April. No. 14. 



286 



ibss sich die Masik in SchotltftiMl (d. h. in neuer W^ise) 
besonders seil liiiiZ wieder gehoben habe, was der Her- 
zug von Yoi k, nachmals JamfS II, vei^olassie; zugleich 
wird richtig; beiiierkl, das« freiüch die politische Lage 
keine grossen Fortschrille erwarten liess. Forbes C^n- 
tos, 1666 erschienen, werden angeführt, um von der 
damaligen kirchlichen Musik einen oegriff zu geben, denn 
nazional schottische Lieder eulhalleu diese Gesänge nicht. ^ 
Alan weiss, dass durch ciie kalvinische HeÜgionsverän- 
derung die Orgeln und andere Inslruniente von den Kir- 
chen ausgeschlossen wurden und dass vorzüglich der 
Eiferer Kuox jene einfachen Psalmengesänge einführte 
oder begünstigte. Mehrere alte Kirchenlieder jener Zei- 
ten werden mit ihren TejLten beigebracht, unter andern 
ein Kirchenlied ans Forbes Sammlung, was Jesum als 
Jäger darstellt, weshalb die lieben Christen auch jagen 
wollen. Dergleichen war zu seiner Zt^it auch in Teutsch- 
land Mode, wo Jesus bald als Jäger, bald als Cbimrg 
abgereimt wurde. — 

Da dieser Forbes eine uns neue Person des 17. 
Jahrhundert^s ist, für die Geschichte des Kirehengesaii- 
ges in Schottland nicht ohne Bedeutung, wollen wir hier 
auf ihn aufmerksam machen. — S. 40 beginnt der Ver- 
fasser etwas über die alte schottische Poesie zu spre- 
chen. Wir wissen, was er unter all versteht. Er 
meint ganz richtig, es sei unmöglich, einen Begriff von 
ßchoitischer Musik früherer Zeit zu bekommen, wenn 
man nicht auf die Art ihrer Gedichte Rücksicht nehmen 
wollen beide, Musik und Wortpoesie waren noch weit 
inniger verbunden, als jetzt; die Erfinder derMelodieen 
waren keine besonderen Personen, sondern Musiker und 
Dichter zogleicb^ was weilläufig auseinander gesetzt wird. 
Da die frühesten schottischen Gesänge selten aufgeschrie- 
ben wurden, gingen die meisten mit ihren Sängern un- 
ter; es gibt also nicht viel aus der Vorzeit. Das Ael- 
leste, was sich tinden lässl nach der Angabe des Ver- 
fassers, hat uns Andrew fVyntoun im Rhyming Chro- 
jiicle ef Scotish Hislor^', ungefähr 1420, aufbewahrt. 
Der erste Keim bezieht sich auf Alexander III, der durch 
einen Sturz vom Pferde 1286 starb* Ein anderer noch 
geringerer Reim bezieht sich auf die Einnahme von Ber- 
wick^ dessen Einwohner durch den Sieger (l^duard) 1296 
iiiedet^emachl woixlen. Die meisten aufbewahrten Reime 
M'are«. gelfgenllich vou Slaalt^escliicblen hergenommen, 
keine eigentlichen Gesänge, sondern epigrammatische 
EiiiräUe, für Musik fast unlauglich. Ausser einem un« 
bedeutenden Schlachtgesange von 1314 und einigen an- 
dern finden sic4i nun gar keine Reime bis auf Jakob I^ 
wo etwa um das Jabr 1430 einige Strofen Volksreime 
Buitgetbeilt werden, so wie S. 45 und 46 mehrere An- 
lange damals gebräuchlicher Volkslieder. Auch das 16. 
Jahrhundert gibt sehr geringe Ausbeute, und das We« 
uige, nicht einmal Volisländige, was aufgefunden wu^rde, 
nennt der Verfasser selbst ungehobelt, was nicht ver- 
wunderlich ist, da die Hälfte der Unterhaltung jener Zeil, 
selbst beim andern Geschlecht, in Flüchen bestand. Oiefa- 
rere in verschiedenen W^erken aufbewahrte Balladen bis 
auf 1568 mAcben den Uebergaog zum Skene- Alanuskripl, 
wo jedoch , wie man aus den Notes and lUuslrationa 



sieht , auch nur wenige GesSoge den Worten nach an- 
gegeben werden können, ^ie meisten aus Forbes Cantus. 
S. 58 beginnt die Untersuchung von den aitsohot- 
tischen Musikhistrumenten. Vor Zi*iten sollen, nament- 
lich in Niederschottiand, eine grosse Menge im Gebrauche 
gewesen sein. Der Verfasser hält sich aber dabei nicht 
auf, sondern fuhrt uns sogleich auf den Giraldus Cntn- 
brensis, also unter Heinrich II. von England und Wil- 
helm dem Löwen von Schottland, gegen das Ende des 
12. Jahrhunderts. Dieser für jene Länder und ihre Mu- 
sik damaliger Zeit wichtige Schrtflstelier bemerkt in sei- 
ner Topographia Hiberniae: ,,Die Irländer gebrauchen 
nur die Harfe und Hamipauke, die Schotten zu diesen 
beiden noch den Dudelsack (er war aber nie in Scholl- 
land ; es können also noch andere Instrumente daselbst 
gebräuchlich gewesen sein), und die Walen die Harfe, 
Sackpfeife und the pipe.*^ Die Sachsen und Normän- 
ner mögen mehrere Instrumente mitgebracht haben; we- 
nigstens siebt man in der Melrose- Abtei, gegründet vott 
David I. 1136, verschiedene andere Musikinstrumente 
abgebildet, unter diesen eine Flöte mit 6 Löchern, eine 
Violine mit 4 Seilen (Crwtb?) u. s. w. Da aber diese 
Abtei von einem Franzosen gebaut wurde, kann dieser 
auch wohl die Instrumente seines Landes dort verewig! 
haben. Uebrigens wtirden bereits seit 1180 französische 
Sitten nach Scbotliand übergesiedelt. — Nach diesem 
Allgemeinen beschäftigt sich der Verfasser im Resondem 
mit der Har/cy die den G^len und Briten zuverlässig be- 
kannt war und zur Begleitung ihrer Hymnen religiöser 
und festlicher Art', bei ihren Schlachten nnd Gastmäh- 
lern angewendet wurde. „Ob es aber unsere Harfe war 
(fährt der Verfasser fort), ist unmöglich zu sagen.*' Zum 
Besten des Zitats : Vossins de Poem. , Cantu et Viribus 
Rhylbmi — bemerken wir, dass S. 60 nicht p. 18, 
sondern p. 118 gelesen werden muss. — Dass die Harfe 
der Barden, deren Beschaffenheit in späteren Zeiten an- 
g^eben wird, keine Erfindung der Kelten war, ist ge- 
wiss. Der Verfasser nimmt mit Pinkerton an, sie stamme 
von den Skythen oder Gothen, welche sie aus Asien 
brachten. Ob sie die Griechen nnd Römer kannten, 
wagt er nicht zu entscheiden. (Es findet sich im Aller- 
Ibume dieser Völker keine Spur davon.) Venantius For- 
tunalus, der bekannte Bischof von Poitters gegen 60U» 
erwähnt sie zuerst unter dem Namen Harfe in folgen- 
den Versen: 

nomaousqae Lpa, plaodet tibi, Uarbanis Harpa, 
Gnec«« AebiUiaca, Crotta Britaooa etnat. 

Wird die Crotta (Crwth) auch als das Nazioaalinstrn- 
roent der Briten ^ die erst durch die Sachsen mit der 
Harfe bekannt geworden sein sollen, angegeben : so muss 
doch das Unsichere dieser Annahme nidit ausser Acht 
gelassen werden, da die Kelten diesen Vorläufer der 
Violine längst ebenfalls kannten und liebten, was nicht 
der Fall gewesen sein würde, wenn sie die Crwth von 
ihren Feinden erst erhalten hätten. Natürlich wird auch 
der von Bruce entdeckten ägyptischen Harfe gedacht, 
wohin sie die Skytheo gebracht haben sollten. (Ueber 
Ursprung der Harfe ist noch immer viel zu untersuchen 
übrig.) Was von den Drnidca gesagt wird^ ist nicht 



^67 



1859. April. No. 14. 



268 



bedeutend gennf;, nnd von den Barden fast nidits; 
dabei siod die Sprünge bis auf den \'erfail derselben za 
ungeheuer, wenn gleich ihre Gescbichle mit allerlei ro- 
mantischen Fabeln, z. B. von Arthur, vermischt ist. 
Ueberbanpt ist der Gang dieser Untersuchung besonders 
schwankend, was der Dnvollkommenhett der älteren Chro- 
nikenschreiber zur Last gelegt wird. — Ist auch den 
Iren zugestanden worden, dass sie sehr Icidenschafiliche 
Liebhaber der Instromenlalmusik waren, worin sie nach 
dem Zeugnisse des Giraldus, der doch einen grossen 
Theil Eoropa's durchreiste, keinem Volke nachstanden, 
and dass vop ihnen die Harfe nach Italien gebracht wurde : 
so will der Verfasser doch nicht zugeben, dass sie die 
Walen von ihnen erhalten hätten, ol^leich sogar der 
wälscbe Name der Harfe «,Teiyn^^ von dem irländischen 
5,Teadhloin^' abgeleitet wird. Der eigentliche Name der 
irischen Nazionalharfe war Clatrseach. * (Es gab verschie- 
dene Harfen.) War auch die Crwth (Eiogeninstrument) 
das Lieblingsinstrument der Walen, so mdss es doch 
meiner Ueberzeugung nach ebenfalls von Irland nach 
Wales gebracht worden sein, was mit den ältesten An- 
deutungen der Geschichte am meisten übereinstimmt. 
Vergl. G. W. Fink: Erste Wanderung der ältesten Ton- 
kunst S. 125 u. f. — Die Angeisnchsen nannten die 
Harfe mit dem neoeren Namen derselben Uearpe und 
die Isländer Uarpa. Bei dieser Gelegenheit wird ein an- 
gelsächsischer Dichter Cedmon angeführt, welcher 6H0 
starb und von dessen Gedichten noch welche vorhanden 
sein sollen* Dm die Beliebtheit der Harfe zu zeigen, 
wird natürlich Alfred genannt und Mehre, so wie zu- 
gleich beigebracht wird, die Sachsen hätten ihre Gesänge 
zur Harfe mit Gebehrden und Akzion ausgeführt. Nach 
einem langen Abstecher über Aiinstrels, ihre ungeheuere 
Zunahme, die auch wohl übertrieben wird und dadurch 
sich ermässigt, weil im 16. und 17. Jahrhundert in Schott- 
land alle Musikanten bis auf die Trommler so genannt 
wurden (es schweiften in Schottland gegen 100,000 um- 
her), ihre zunehmende Verschlechterung, die im 17. Jahr- 
hundert ein Verbot gegen das Herumziehen der Banden 
nöthig machte; ferner über das Versinken der Barden 
(die Troubadours nicht zu erwähnen)', von denen nicht 
mehr, wie früher, in ehrenvollen Ausdrücken gesprochen 
wurde, da sie sich mit Magie nnd anderm Treiben ab- 
zugeben angefangen hatten — kommt der Verfasser erst 
Sl 86 auf die Harfe wieder zurück , welche nach der 
Königin Elisabeth Regierung seit der Zeit der Bürger- 
kriege seltener gebraucht wurde. Der Verfasser sucht 
darzuthun, die englische Harfe sei mit Darmsaiten be- 
spannt gewesen, die irische und schottische dagegen mit 
Drahtsaiten. Das Letzte ist gewiss für Eine Art Harfe : 
ob aber der Bezog mit Drahtsaiten in Irland nnd Schott- 
land einzig Sitte gewesen ist, dagegen in England der 
Bezog mit Darmsaiten, mnss doch noch in Zweifel ge* 
zogen werden. Sehr zu beachten ist die S. 90 n. f. 
erwähnte Untersuchung zweier alten Harfen, deren eine 
vielleicht über 1014 hinausreiolit ; Mr. Gunn fand sie im 
Museum der Universität zn Dublin, wo sie noch aufbe- 
wahrt werden, nnd gab eine Beschreibung derselben, 
welche wir hier ausführlicher nilgetheilt gewünscht hat* 



ten, besonders da die Sache selbst nicht mehr unter die 
nnt>ekannten gehört. Die irische Harfe war 32 Zoll hoch 
mit 28 Saitenbaltern. Die Stimmung wird diatonisch an- 
gegeben. Wenigstens stimmte der letzte irische Harf- 
ner von grosser Auszeichnung 0*Kane 1770 seine Harfe 
nach diesem System, was auch alle Harfner aus allen 
Gegenden des Landes, welche 1792 auf dem Musikfeste 
zu Belfast zusammenkamen, gleichfalls ihalen. • Die zu- 
fälligen Halbtöne müssen also durch Konstgrifle hei^or» 
! gebracht worden sein.* Im 14. und 15. Jahrhundert sol* 
en Harfen mit mehr Saiten chromatisch gestimmt wor* 
den sein , bis vor etwa 100 Jahren Simon von Brüssel 
das Pedal erfand, wodurch die Stimmung in halben Tö- 
nen überflüssig und die Harfe auf die alte Einfachheit 
zurückgeführt wurde. Wir müssen hier fragen: Wer 
ist dieser Simon von Brüssel? und wie kommt er zu der 
Ehre dieser Erfindung? Wir haben bis hierher den ge- 
schickten tentschen Harfenspieler Hoehbrucker in Donau- 
werth für den Erfinder des Harfenpedals (1720) gehal- 
ten, was wir uns auch ohne triftige Beweise nicht neh- 
men lassen können. 'Wollte man jene Beweise versn- 
oben, so würde es damit gehen, wie mit der Erfindung 
der Bttchdruckerkunst. — Von den Veränderuno^en, die 
seit den ältesten Zeiten nach und nach mit den keltischen 
Harfen, hier also namentlich mit den irischen, kaledoni- 
sehen und walischen vorgegangen sind, erfahren wir frei- 
lich nichts Znsamnieuhaiigendes , was auch sehr schwer 
aufgefunden werden dürfte, sind also schon für Andeu- 
tungen und einige bestimmte Hinweisungen dankbar. Im 
Allgemeinen wird angenommen, dass die Provenzalen vom 
11. bis zum 14. Jahrhundert grossen Einfluss auf Ver- 
änderungen in der Musik der meisten Länder übten, 
was zugestanden werden mAss, so lange man diesen Ein- 
fluss weder auf allzuvieie, noch auf zu bestimmt ange- 
gebene Punkte, sondern mehr auf Anregnngen bezieht. 
Diese Provenzalen (Troubadours), heisst es hier, müssen 
auch nach Schottland gekommen sein, vorzüglich unter 
David I, den man für einen Franzosen hielt. Das gute 
Vernehmen Schottlands oder des schottischen Hofes mit 
dem französischen bestand bekanntlich bis anf Marie Stuart, 
die selbst Harfenspielerin war. - Frankreich wird also 
auch einigen Einfluss auf die Musik Schottlands gehabt 
haben. Sie brachten vorzüglich die Viole mit, welche 
häufig znr Begleitung der Harfe gebraucht wurde. — 
Eine zusammenhangende Geschichte der Hnrfe Irlands, 
Schottlands nnd Wales mit Anscbluss des übrigen Eng- 
lands zu geben, hat der Verfasser, wie schon gesagt, 
nicht beabsichtigt; es sind nützliche Materialien oft sehr 
anziehender Art. So verhält es sich auch in den Dar- 
stellungen des Folgenden , wovon wir nur die wichtig- 
sten Instrumente hervorheben. Zunächst das Monochord, 
das sich nach einem Testamente Eduard Henrysoun*s, 
des Meisters der Singschule zu Edinburg, 1579 uuter der 
Verlasseuscbaft befand.' Es gehört. zu den neuen Ein- 
fShrongen, und ist schwer zu sagen, was man darunter 
verstand, da es drei Arten desselben gibt, nämlich das 
bekannte und eigenthümliche Monochord, oder das grie- 
chische ; das mebrsaitige, eigentlich Polychord, ein Vor- 
littfer des Harpsichords, Clavichords n. s. f. $ die M<iri^ 



2i}9 



1839. April. No. 14. 



5270 



netrompete (anch znweilen Marienlrompete genannt, das 
tealsche Trumscheit, das meisl nur von Herumzüglern 
aof Dörfern und Jahrroärklen gespielt wurde), ein eiu^ 
Faches, mil einer etwas dicken Saite bezogenes histru- 
nent, das mit einem Bogen angespielt und Oageotelar- 
tig gegriiien wird, einen trompetenähnlichen aber dum- 
pfen Ton gibt und nur noch von den Nonnen in den 
Klöstern zum Ersatz fehlender Trompeten gebraucht wird. 
(Eine Abbildung desselben fiudet man in Aiusurgia Olto- 
mari Luscini. Argenlorali, 1536. S. 11.) — Mil Ueber- 
gehung verschiedener in Schottland eingeluhrter Lauten 
und mehrerer Blasinstrumente schreiten wir zum Dudel- 
sack (ba^pipe), der nirgend wichtiger ist, selbst für die 
Untersachuugf n der Fortschritte in der harmonischen Mu- 
sik, nämlich der Stimmung der doppelten oder dreifachen 
Sumsen wegen, als in Schottland. Es ist eine auffallende 
Erscheinung, dass man ihn in der Schlacht von Harlaw 
1411 noch nicht genannt findet , es werden nur Trom- 
peten und Trommeln erwähnt. Selbst der Ausweg, den 
der Verfasser nimmt, dass er wahrscheinlich im Kriege 
noch nicht benutzt worden sei, ist befreufdend. Aus- 
drücklich wird angezeigt, der Dudelsack werde zum er- 
sten Male als Kriegsinstrument genannt bei der Erzählung 
dnr Schlacht von Balrinnes 15§4. Dennoch soll dieses 
jilleniJngs sehr alte Instrument zu den Zeilen des Giral- 
dus in Irland und Schollland bekannt gewesen sein; er 
nennt es Chorus, was freilich unbestimmt ist, da unter 
Chorus nicht immer «in Dudelsack verstanden werden 
inuss. Luscinius gibt z. B. in seinem angeführtem Buche 
eine gan2& andere Abbildung des streitigen Chorus. Un- 
ter andern wird auf Mr. Strutt's oldest series of Saxon 
Anliquities (älteste Reihenfolge der sächsischen AlterthS- 
mer) aufmerksam gemacht, wo sich eine Abbildung fin- 
det, die aus einem Manuskript im britischen Museum, 
bezeichnet Tiber, c. VI., genommen worden ist. Als 
gewiss wird angegeben, dass sich die Schotten des Du- 
delsacks im 12. Jahrhundert bedienten, was auch die Ah- . 
hildungen in der schon erwähnten Melrose- Abtei bewei- 
sen. Ob er früher daselbst vorhanden war, kann eben 
so wenig ausgemacht' werden , als oh ihn die Norweger 
und Dänen oder die Waliser dahin brachten. Da^s er 
aber die Harfe, doch nur in den letzten Jahrhunderten, 
nach und nach in Schottland verdrängle, ist bekanntlich 
gewiss. Es ist Schade, dass von der BeschafTenheit der 
Sumsen, ihren stehenden oder fori klingenden Tönen, be- 
sonders von der Zeil ihrer Ü^inführung gar nichts vor- 
kommt. — Die Beschreibungen der Hirteninstrumente 
(S. 129 — 131) übergehend, wenden wir uns sogleich 
zu' dem für uns wichtigen Kapitel über alte Manuskripte 
schottischer Musik, nebst Untersuchung über ihr Aller 
und den eigenthumlichen Karakter ihrer Tonslücke. 

* (Beschlass fol{;t.) 



Präger mimkalisclies Alhrmi^ 

abwechselnde Sammlung van Pianoforte- und Gesangs* 
Komposizwnen u. s. w, aum Besten der Mälfsbe- 
dilrjh'gcn in Ofen und Pesik^ redigirt und heraus- 
gegeben von Ludw, Riltei' ^on Riitersberg. 



ErsfKch empfiehlt der ^ntfe Zweck das Werk durch- 
aus, und zweitens haben fast alle kunstwiclitige Männer 
Prags etwas dafür gelhan, woraus ihr Geschmack in un- 
terhaltender Kammermusik mehr oder weniger ersehen 
werden kann. Nach einer einleitenden Dichtui^ des an- 
erkannten Karl Egon Ebert folgt ein Lied vor einem 
Standbiide der Madonna, gedichtet von Juliana Glaser^ 
geb. Ebert', komponirt von IV, J. Tomaschek. Wir 
haben von diesem Komponisten und Musikgclehrten noch 
nichts gesehen, was nicht irgend ein Kunstinteresse in 
Anspruch nähme. Hier ist die Begleitung in der volks- 
thümlichen Weise der calabresischen Landleute anziehend. 
Eine Rhapsodie von Karl Ludw. Hofmami wird fertige 
Klavierspieler befriedigen. A. Emil Tiit hat Heines 
Bergstimme gut und wirksam komponirt. F, H* P^eit 
lieferte ein gesang- und harmoniereich schönes Nollurno 
für das Pianoforte; man mag es nifr gut spielen. Hei- 
ue's Lied „Lieb Liebchen , leg*s Händchen auFs Herze 
mein*^ hat Joseph Dessauer einfach und schauerlich aii- 
surecbend komponirt, das Pochen im Innern malenil, 
ohne Ueberlreibung. All. soherzoso für 4 Hände, aus ein^r^ 
-Sinfonie von Joh. fVittasek^ ist unterhaltend. With. Blu- 
mcnhagen's Lied: ,, Blume wendet ihre Blicke zu dem 
schönen Sonnenstrahl'^ ist von Ludw. Kleinwächter rerJht 
gut in Musik gebracht worden. Die VSiriazionen über 
ein Originalihema für das Pianoforle von Frdr. Diomjs 
fVeber sind alterthümlicb, zuverlässig eine hervorgesuclile 
Jugendarbeit, weil der vielbeschäftigte Mann wahrschein- 
lich keine Zeit für eine neue Komposizion gewinnen 
konnte. J. Frdr, KittCs Gesang zu: ,, Klage nicht!-** 
ist zu gesucht. Dagegen ein fugirtes Impromptu von 
Bobert Führer ganz gut, wenn es die rcchlen Spiekr 
findet. Der Gondolier von Wilh. Marsano, komponii*l 
von Leop. Eugen Mieckura ist doch wohl zu schlicht. 
Die Variazionen über ein originelles Originaltljcma von 
Mex. Dreischock sind schön und wollen gespielt sein. 
Ludw, Bitter v, BiUersberg hat für seine Komposizion 
,,Der Verlassene," ged. von Feodor Löwe, ziemlich tra- 
dsch gewählt, was die Jugend in der Regel gern thut. 
Eben so ist es strebsamen jungen Talenten eigen, dajss 
sie in einem Einzigen die ganze Tiefe ihres Gefühls ni<*- 
derlegen wollen, was zu viel gibt. Je mehr man sich 
nun bei einzelnen Wendungen gedacht und fühlend ge- 
träumt hat, desto mehr Werth legt ein junges Gemüth 
in solche Arbeit, für welche es wirklich empfindet. Ntar 
nehmen Andere, als sie selbst, nieht solchen Aniheil daran, 
als sie überzeugt sein müssen, dass es geschehen müs.s«. 
Sie glauben daher in der Regel, man fühlt nicht, wenn 
man ihnen sagt : Es ist zu viel ! Diese Schmerzen 
scheinbarer Verkennung muss aber gerade der Künstler 
am meisten überstehen, der es recht gut, meist zu gut 
machen will. Es muss Maass hinein, was durch Er- 
fihrung und Abreibung erst kommt, die ohne solche 
Schmerzen selten erlangt werden. So ist es auch mit 
seiner Fuge in der Gegenbewegnng. — Das Ganze von 
65 Folioseiten enthält also gegen Einiges, was nicht ge- 
fallen wird, sehr Gelungenes und Schönes, was den gu- 
ten Zweck, der nicht aus den Augen zo lassen ist, er* 
wünscht begünstigte. ____. 



271 



1839. Aprü. No. 14. 



272 



Jllbum des Pianistes povr i859 par 

Henri Herz. 

Auch unter deui Titel: 
VI AfnuaefnenU pour le Piano forte, Op. 107. Mayenee 
et Anvers, chez les 61s de B. ScIioU. Preis 4 PI. 

Diese 6 Unterhaltungen am Pianoforte sind den Zog« 
lingen eines französischen Instituts gewidmet worden, 
was die Art und den Zweck derselben bezeichnet. No. 1 
führt die Ueberschrift , Jes Bayad^res** und gibt auf eine 
indische Arie 2 massige Variazionei) mit einem Finale. 
No. 2 liefert einen lang gehaltenen JMarsch mit Einleitung. 
Mo. 3 inlrod. , Chansonette Siciltenne und Variazion, 
die in ein Paslorale Romaine leitet. No. 4 bringt nach 
kurzer Einleitung Chanson Saxon mit 3 Variazionen und 
Schluss. ' No. 5 ist das fur*s Klavier bearbeitete An- 
dante aus Bfelhoven's Adur- Sinfonie. Den Beschluss 
macht ein Wiener* Walzer , worauf 4 Variazionen und 
ein Finale gebaut worden sind, Alles in der iänsst be- 
kannten Weise dieses immer noch für Viele beliebtea 
Komponisten. 

Deutsche Volkslieder mit ihren Original* 
J^Veisen. 

Nach handschriftlichen Quellen herausgegeben von A. 
Kretschmer. 5s und 6s Heft. 
Das %'ou uns in den ersten Lieferoogen besprochene 
Werk wird demnach rasch forlgesetzt und hält sich» wie 
es begonnen hat. Bis jetzt sind auf 416 Oklavseitea 
mit den TejiLtea 232 Noleuueisen geliefert worden. 



NACHKICHTElf. 



Fortsetzung der Hcrhstopem 1858 u. s. w. — 
Anfang der Karnevalsstngione inltnlien. 

(Besch Inss.) 

Mailand. (Teatro alla Soala.) Auber's Bluta di Por- 

tici in 5 Ablheilongcn , und Monticini's grosses Ballet 

Catterina II. in 7 Abt heil ungcn, erölfiietcn die Slagione> 

eraiere mit Va» letzteres mit v? Fiasco. Von der Muta 

Eeiiel kaum die zweite und dritte Abtheilung, und ohne 
foRzetli und Galli (MasanicUo und Pietro) hätten auch 
diese nicht viel angezogen ; dena weder die Goldbei^ 
(ENira) noch Koppa (AJfouso) waren in ihren Rollen 
vorzüglich zu nennen. Eine gar arge Aufnahme fand 
darauf die am 8. Januar gegebene, von Herrn Ferdinand 
HiHer eigends für die Scnila komponirte neue Oper Ro^ 
nutda. Im ersten Akte wurde zwar Einiges applaudirt, 
alles Ucbrige ab«^ und der zweite Akt verunglückten. In 
der zweiten und letzten Vorstellung (der ich erst bciwoh- 
neo konnte) lieK« man im ersten Akt vieles weg und 
einige Stücke lic«6 mau nicht endigen; letztes Schicksal 
traf dea kaum b^-gonneuen zweiten Akt ganz, der also 
kaum aogefangcu mit der ganzen Oper Rir immer ver- 
schwand. Dies ist leider mit wenigen Worten im All- 
gemeinen di4£ Geschichtliche der ungünstigen Aufnahme 
dieser Oper. Das Buch an sich, dessen Szene in Sach- 



sen spielt, ist zwar von dem al(en Diohler Rossi, wel- 
cher den Tbeatereflekt gewiss kennt; demungeachtet ist 
der Slolf eben nicht neu, und es lohnt sich gar nicht der 
Mühe, ihn hier auseinander zu setzen. Von deu Säu- 
gern hatte Herr Hiller im Grunde nur die einzige Scho- 
berlechner; Herr Roppa ist mit seiner guten Stimme im 
Ganzen ein sehr millelmässiger Tenor, Herr Baizar mit 
seiner guten Bassstiinme noch Anfänger und Herr Ba- 
diaii, ein Amphibium von Bariton und Bassist, kein JVlira- 
kel. Aus der Musik wird man nicht klug. Sie hat uur 
streitig manches Hübsche und Eflcklvolle, wie die In- 
trodukzion sammt der darin vorkommenden Romanze der 
Schoberlechner mit Harfcnbegleitung^ ein A tre mit un- 
termischtem Chore im Finale, zum Theil die nicht be- 
sonders rühmenswertbe Ouvertüre in Edur; alles Uebrige 
ist meist seltsam , wenig anziehend und ohne Wirkung, 
Ein Kapitalfehler dieser Oper, nach meinem Dafürhalten, 
ist der, dass Herr Hiller die Behandlung des Orche- 
sters — wenigstens in der Scala — bis jetzt gar nicht 
versteht; er hat sehr Vieles so tief für dasselbe geschrie- 
ben, dass ^ich das Ganze und damit die beabsichtigte 
Wirkung verliert. Souderbar ist ihm sogar ein Klari- 
nettsolo als Ritornell nicht gcluno;en, uod der sehr brave 
hier beliebte Klarinettist Cavallini wurde damit ausge- 
zischt. Schreiber dieses hat für viele Ballete in der Scala 
JMüsik komponirl und spricht daher aus Erfahrung. Vi^eigl 
hat Anno 1807 in seiner ersten hier komponirlen Oper 
Cleopatra denselben Fehler begangen , in seiner darauf 
gefokten zweiten Oper aber ganz anders instrumentirt 
und Furore gemacht; Weigl singt aber auch ganz an- 
ders als Herr Hiller. Nun ist noch zu wissen nöthig, 
dass Letzlerer, nämlich Herr Hiller, diese seine Oper 
hier bereits vorigen Winter, während Rossini*s hiesigem 
Aufenthalt, wenn auch nicht ganz unter seiner Leitung 
s;escfarieben , doch ihn häufig kousullirt. Verwichenen 
Hcrbsl schrieb Rossini daher an eine hiesige wichtige, 
auch auf die Scala sehr einflussreiche hohe Person einen 
hierauf Bezug habenden Brief, der mir zum Lesen in die 
Hände gegeben und dessen im Mailänder Echo von d. J. 
No. 2 abgedruckte teutsche Uebersetzung so lautet: 
,,.... Herr Hiller bat seine Oper Romilda, von der iVh 
Ihnen im verflossenen Winter sprach, nun vollendet; 
ich habe sie sorgfältig geprüft, nicht hinsichtlich musika> 
liscben Wissens , denn ihr Verfasser ist darin Meister, 
sondern in Bezug auf Melodie und italienischen Geschmack. 
Ich muss Ihnen erklären, dass dies Werk mich vollkom- 
men befriedigte. Einige Abänderungen , zu deuen ich 
rieth, sind von Hiller mit einer Wilirährigkeit vorge- 
nommen worden, die seinem Talente und seiner Beschei- 
denheit gleiche Ehre bringt. Ich empfehle Ihnen den 
Maestro dringend. Nicht Bürgschaft kann ich leisten 
für den Erfolg, den Romilda bei der Aufiührung finden 
wird, leider hängt dieser nur zu oft von der guten oder 
üblen Tafel Verdauung der Zuhörer ab ; aber dass die Mu- 
sik höchst (gelungen ist und dass Kenner sie als solche 
schätzen müssen, dass kann ich Sie versichern. Glau- 
ben Sie meinen Worten und werden Sic diesem ausge- 
zeichneten Talente gütiger Beschützer.'^ — Was ist 
hierüber zu sagen? Hat Rossini geirrt? ist es eine sei- 



1873 



1839. April. No. 14. 



274 



ner gewöhnlichen IMiKlifikaKionen »' oder Beides znsam* 
men ! .... Während nun die Mola di Porlici immer fori 
gegeben wird, studirt mnn eiligst Ricci^s (Pederico) al- 
lere Opera buffa: Monsieur de Chaliimeau ein, daher 
auch Herrn Scliobertevhners neoe Oj^era seria^ welcher 
gutes Glück zu wünschen ist, sonst* könnten wieder gewisse 
ßemcrktingen über die Musik der Teulschen laut werden. 

Venedig, (Tcatro alia F*enice.) Bei aller treiHichen 
fiesellschaft (die Unger und MazzarcUi , Herr Moriani 
lind Ronconi) fand Mcrcadante's Giuramento eine laue 
Aufnahme. Die hiesige Zeitung sagt unter andern dar- 
über: ,,Die Musik des Giuramenlo ist von der Galtung 
*des Erhabenen, von jener, welche die wahren Kenner 
nnd Meister in Obninaehi fallen ISfsst, eine Behandlung 
der Theile (lavoro di parti)^ die sinnlos, ein starkes Ge- 
lö<;e, ja taub macht. Das Publikum verhielt sich ruhig, 
beklatschte in allem das Largo iu der inirodukzion« das 
Duett zwischen den beiden Damen und Ronconi's Gebet 
im zweiten Akt/* In den folgenden Vorsteltungeii zog 
die Oper etwas,' aber uicht viel mehr an. 

Tftrin. (^Teatro Regio.) Abermals eine gute Ge- 
sellschaft : die Boccabadati , die Herren Poggi und Ma- 
rini, nnd abermals ebenso wie zu Venedig, eine laue Auf- 
nahme des Giuramento von Mercadante. Dasselbe Schick- 
sal hatte diese Oper seil ihrem Entstehen zu Mailand, 
w*o sie eben so wie nachher in Wien und Neapel Glück 
onacbte, zu Triest nnd Palermo. 

Novara. Hier, wo Herr Mercadante sesshaft ist, 
hat sein Giuramento mit den unbedeutenden Sängern, 
der Praoceschiui und den Herren Castella und Polooioi 
eine glänzende Aufnahme gefunden. 



Orlando de Lasso. 

Etwas zur „ biografischen Notiz über Rolaid de 
Lattre, bekannt unter dem Namen Orland de Lassus^ 
L'ebersetzt nnd mit Anmerkungen von Ä. ßV. Dehn^' 
(siehe 1837 d. Z. S. 313) von Jnton Sohmid, Skriplor 
der k. k. Hofbibliothek in Wiei». — Unter diesem Titel 
ist uns einneiir schätzen« wert bes xManuskripi von 32 S. 
in gr. 8.. Berichtigungen jenes Werkes enthaltend, ein.- 
gesandt worden. Zuvörderst wird DIabacz gegen Herrn 
Delmotle nnd Dehn's Uebersetzung vertheidigt und be- 
wiesen, dass es dem Diabaez gar nicht in de» Sinn ge- 
kommen ist, den Lassus zu einem Böhmen zu machen; 
er nennt ihn ausdrücklich einen Niederländer von Geburt. 
In einem chronologischen Verzeicliuisse folgen die Werke 
des Orland, welche in der gedruckten Mon^raße gar 
nicht oder fehlcrhan vorkommen. Solcher Werke wer- 
den vom Jabre 155ß an 54 angegeben; dann noch aus 
der Handsehriftensammtung der k. k, Hofbibliothek in 
Wien 5 Werke. — In Nacht r^e zu den Werken des 
Ferdinand de Lassus werden ä, zi» Rudolph de Lassus 
4 genau verzeichnet. Dann kommen Sammlongen an die 
Keihc, welche unter Andern Komposizionen von Orfan- 
dns enthalten; es werden t7 genannt. Eodiieh sind 
.0 Portrait» des berühmten Orlando de Lassns angezeigt 
worden, darunter eins An^^ Greises %'om Jahr 1593, von 
iuh. Sadelcr iui München sehr schön gesLochen, — Es 



wSre sehr zweckmässig und dankenswerth , wenn diese 
flcissigen Nachträge der Ijeberselzung des Herrn Dehn 
von der Verlagshandiung des oben genannten empfehleos- 
werthen Buches beigedruckt würden oder als Anhang 
erschienen; kein Besitzer des Buches kann .sie unge*. 
kauft lassen. — In eine aligem. musikal. Zeitung kann 
freilich ein solches jetzt unmöglich aulgenommen^ wer- 
den; es nähme zu viel Raum in Beschlag und ist allein 
für Liebhaber des Alten. Gut wäre es, wenn eine Mos 
für Geschirhlliches der Musik bestimmte Vierteljahrschrift* 
hinlängliche Förderer fände, wo Aehnliches an seinem 
Orte wäre. Dem Verfasser der Nachträge aber gebührt- 
für seinen Fleiss ößentlieher Dank, den wir, auch in 
Hoffnung auf nützliche VeröU'entlichung seiner Nach- 
träge, hiermit abstalten. 

Fetit.lleton. 

Das Htga^aehe Theater wird von mehren Ohren- nnd Aofrea- 
zengcn belobt, was die DarstellunKe» betriffl ; das Haus findet maa 
za klein, am meisten die ßübue selbsl. Das unlcrbrocbene Opfer- 
fest wurde anter Andern, so wie Dum's neue Oper, über «eiche 
berichtet wurde, sehr pul gegeben. Ilaupisänj^er und Säiigerinnen 

I sind gut, die Chöre befriedigten, und das Orrjiesler, ob es gleich 
etwas starker sein könnte, xeigtc sieb vorlheilbaft: selbst Kostüme 
und Dfkoraziouen fand man gcsrhmackvoll. Herr Hottei\ durch 
den Tod seiner liehens\\ürdigen Frau in tiefe Trauer versetzt, bat 
die Leitung des Theaters niedergelegt und sich entfirrnt. Das 
städtische Koinite bat die Direkzion dem dortigen talentvoUen 
Schauspieler Herrn Hofmann tibergeben. — Herr Kantor Doru 
fährt fort, durch Klavierunterricbt und Leitung eines freilich klei- 
nen Singvrreins uro die dortige Musik sich verdient v.u machen. 
Die Liedertard besteht noch und in geaellschafllicben Vereinen 

* werden auch Streichquartette ausgeführt. — In Dorpat bemüht 
sich Herr la Trobe, ein in jenen Gt^geuden lünfpsl ausgezeirhaeter 
MusikTorderer, um Anfrechtbaltuiig der Ki&ust; er hat ia diesem 
Winter dort wieder Konzerte veranstaltet. 

Allen, die sich um Beförd«'rong und Verbreitung der Kuotl 
verdient machen, gebührt ehrende Erwähnung. So sei Herr Lami 
feoaont^ welcher in Dole (im Jura) seit VI Jahren Tiir den Gesang 
aa den Elemeutarscbulen mit grösstera Erfolge wirkt, zahlreiche 
Schüler gezogen und dadurch den Mnsikstand der dortigen Gegend 
bedeutend gehoben hat. Seine Sera üb an gen, in denen er von dem 
dortigen Organisten Müller eifrigst unterstützt wird, sind um so 
aoerkenneoswertber, da er nicht das geringste Entgelt dafür empfangt. 

Die aeiie Oper voa Mimpou , welche wir neulich erwttbniea, 

i der Pflanzer betitelt» ist nsn in Paris in die Szene gegangen und 

hat lebbafl gefallen» die Maaik wird ihrer Frische, Leichtigkeit 

und Anmolh wegen gelobt. Die Fabel ist kürzlich folgende: Sir 

. Jack.4on, ein reicher Pflanzer in Louisiaea, liebt seine Naehbariu 

: ieony Mackeaaie , eioe jttoge Waif e , wird aber kalt von ihr zu- 

I rückgestos^en , deno sie liebt bereit« einen, jungen Wüstliog» ^if* 

I Arthur. Gerade ab aie sich mit Letzterem ve'rmableB will, kommt 

I die Nachrieht» dass Jenny dtirch einen Schiifbmch ihr ganze» Ver- 

I mögen veriorea hat; die GlÜnbiger stürmeo sogleich hereio-r man 

! eatUerkt, daas Jeoay*s Matter eine Sklavin war, nod ao wird die 

I Tochter als Sklavin — verkauft. Der Kisarer ist SirUaekson. 

Arthur, ein grundschlechtes Subjekt, ist doch so edel,, die junge 

Sklavin befreien zn wollen, natürlieb durch Entführung; Jenny 

entdeckt aber durch einen Zufall sein schwarzes Hers — Jaek- 

aon srhenkt ikr die Freiheit nnd willigt grossmütfairer Weise in 

ihre Ebe nit Arthnr; Jenny aber, geröhrt von snleher Güle, 

•chenkt dem Edlen ihre Hnnd» wod der Andere ■••» nii Schimpf 

nnd Sehn ade abziehen. 



Unser (Leipziger) Konzertmeister David ist r* JDoiu&i» eioge- 
troffen und hat sieb bereits, mit den grossten Beifalie geehrt, öf- 
fentlich hören lassen. 



275 



1039. April. No. 14. 
Ankflndlgang^eii. 



876 



N t i ^, 

Die im Yorigen JaLrc ftir 830 Friedrich8d*or «nsgebotcne Tor- 
treflliclic Gros« - Straduvary - Geige des Kapeil ibeistcrM C. 
O. Müller in Berlin hat der Itöaigl. preuw. Geheime -Kabinete- 
Ruth Müller daselbst (ein guter Violinspicler und grosser Henner 
guter Insürunienlej au «icb gekauft. ^^ 



Mendelssohn- Bnrtboldj-, F., Paulus, Oralorium. Vollstän- 
diger Klavier - Auszug ohne Text für Fiauo solo. 

Presto pour le Piaiio% 

(>p. 43. Serenade und Altegro giojoso für das Pianofortc 

mit Begleitung des Orchesters. 

Op. 43. mit Begleitung des Quartetts. 

Op. 45, für Piano solo. 



üTene Maslkallen 

i m V e r I a g e 

von 

IV* Slmroek. in Bonn. 

Ansehütx, Ch.» Les Adieuz. Impromptu pour Clarinette (on Vio- 
Ion) et ViolunccUe aTec accomp.. de Piaiio. 

Baudiot, Ch, , Op 8tS. Methode de ViolonccUe adopte pour 
l*enseignement de TBcoIc Huyale de musi<|ue. ViolonceUschnlc. 
Franz. und deutscher Text. 

Belli ni, V., Bianca e Fernando. Klavier- Auszug mit ital. und 
deutschem Te\t^ daraus einzeln: No. i. lutrod. Bec. e Coro. 
Teiiore e Bnt>so (Sgonibra quel). O lass den Schmerz, t Fr. 
SuCl. -^^o, 2. Cav. Ten. c Coro (A tanto duoi). Jich mci- 
ner Seele, i Fr. uO Ct. — No. 3. Bec. c Aria. Basso (Ks- 
tinto). Was hört* ich. 2 Fr. ^0 Ct. — No.4. Terz. 8 Te- 
nori e Basso (Di Fernando ifon). Vou Fernando sind die Züge. 
2 Fr. — No. 5. Finale Coro (Viva Bianca). Bianca lebe. 
6 Fr. — D::r»u8 einzeln : Rec. e Aria per Sopr. (^C outen to 
appicn). Vergessen sind. I Fr. 26 Ct. — No. 6. Rec. e 
Aria. Basso (Ailor che uotte). Wenn Nacht die £rde. 2 Fr. 
25 Ct. — No. 7. Rec. e Aria. Sopr. (Sorgi o padre) Blich 
hernieder. 1 Fr. — No. ö. Rec. e Ductto Sopr. c Ten. (No, 
uo, mia suoia). Nein, nicht Schwester. 5 Fr. — No. 0. Rec. 
e Cavat. Ten. e Coro (All udir da padre). Als sie hört'. 2 Fr. 
ßO Ct. — No. 10. Rec. e Terz. Sopr., Ten. e Bnsso (Quäle 
error). Grosser Gott. 2 Fr. UO Ct. — No. 11. Rec. eTers. 
Finale. Sopr., Ten. e Basso. ^Deh non ferir) Ach schone. 
2 Fl. 2Ö CL 

Burgmüller, Fred., Op. 3. lutrodnctioa et Polonaise brilUnt 
pour Piano. 

— — Op. 11. Galop brillant pour Piano. 

Op. 12. Variat. brillantes preced. d*une Introd. pour Pinno* 

Czerny, Ch., Op. o5i. Krönungsmarsch Ferdinand I. pouv 
Piano solo. 

— — Derselbe h 4 mains. 

-— '— Grande Marehe hriU. Priuce de Cambridge pour Pinno solo. 
Derselbe n 4 mains. 

— — Beclhoven*s Kriegsgesang. (Chant de Guerre) en Rondino 

pour Piano seul. 

— — Dassellie ponr Piano a 4 mains. 

Les plaisirs du Salon. BQnadr. pour Piano senl. No. I. La 

Straniers. No. 2. Montecchi e Capulelti. No. 3. Norma. 
No. 4. Blisir d'am^ro. No. Ö. Arventum di Seanunuccin. 
No. 0, Fausla. 

— -— Dieselben li 4 mains. 

Ersti*r Klavier . Unteriidil in 100 Erholungen ftr das Pia- 

noforte mit Fingersatz 'nnd Jn fortschreitender Ordnung für 
die ersten Aftfanger. Instruetioiis ou -100 reereal. mosic. 

des Premiers commeneans. 



duigtes et progressifs u Tusage 
Heft i. 2, 3, 4. 



•— — Op. 522. Trois Rondeou« agr. et brillant pour le Piano, 
Tfaemes No. 1 et 2 de POpeni : Geaima de Vergy. No. 3. 
U Ginmmento, de Donizetli. No. I, 2, 5. 

Blendelssohn • Barthol dy. F., Paulus, Oratorium zn 4 Hän- 
den ohne Text, die einzelnen Nummern No. i a 45 zu ver- 
schiedenen Preisen. 



So eben sind bei uns mit Eigenthumsrcchl a i| Thlr. er- 
schienen X 

ß Xltudes hritiantes 

pour le Tiolon avec aecomp. de Piano ad libit. pomposees par 
Ch. de Beriot. Op. 17. 

Selilcalniper'sche Buch- nnd Musihhandlung in Berlin. 



BTene Mnisikalien 

i m y e r 1 a g e 

* von 

Fr« Hofntelater In I^elpslff« 

Alard. Introd. et Variations brillants pour Violon avec accomp, 
de Pianoforle. Op. 3. iO Gr. 

Anacker. Bergmannslieder für Bariton mit Begleitung dcf 
Pianoforte. 12 Gr. 

Frisch. Souvenir de Tltaliana in Algeri. Introd. et Variation» 
brili. pour Flute avec acomp. de Pianoforte. Op. 16. iÜ Gr. 

Köhler. Allemaade und scbotti&che Quadrille für Pianoforte. 4 Gr. 

Krogulski. Quatuor pour Pianoforte^ Vioion, Alt« et Violon- 
ccUe. Op. 2. I Thlr. ö Gr. 

Kunze. Schottische Quadrille. 3 Gr. 

Mazas. L*ccole du Violiniste, ler Degre. ift petite Dnos progr« 
pour 2 Violon. Op. 70. liv. I, 2. i 20 Gr. 

Mercadante. Die Nebenbuhlerin (Le Duc illostri rrvair). Tra- 
gische Oper. Klavieranszug mit Italien, und deatsehem Text. 
No. 4. homanzc (Sopran). Sorte avversa. B Ott, No. 5. 
l)uett (Soprau und Tenor). Dal cid. IB Gr. No. 10. Arie 
(Tenor). Quel Celeste. 12 Gr. No. l2. Rumanze (Sopran). 
Jo la 80|piai. Gr. No. 13. Duett fSoprän und Tenor). 
Ah, si tun. 12 Gr. No. 19. Duett (2 Soprane). Lcggo gia. 
lö Gr. 

Metz, Waldcshlange. 6 leicht , ausführbare Gesänge für Man - 
iierchöre. Op. 5. . Partitur und Stimmen. f2 Gr. 

Molique. 6 Lieder für Bariton oder Mezzosopran mit Piano- 
forle. Op. 12. IB Gr. 

Pctschke. 3 Gesänge für Sopran oder gTenor mit Pianoforte. 
Op. Ö. i2 Gr. j 



Von der Sammlung von Musikwerken der vorzügUclisten Kir- 
chenmusikkomponiiilen früherer Zeit, zum Selbststudium und be- 
sonderen Gebmuc)i für Singvereine nnd Gesanginstitute, Halle» 
bei C« A* I&Ihmntely ist das dritte Hell erschienen und enthält : 

. Psaitn MMO von JLeo, 

Klavier- Auszug nnd ein Exemplar Stimmen 19 Bogen, 3 Thlr. • 

Stimmen allein der Bogen 2} sGr. (2 gGr.) 

Die geschriebene Partitur i> Thlr. 

Das erste Heft enthält de Profandis von Clari. 1} Thlr. 

Das zweite Heft enthalt Litania von Durante. IJ Thlr. 



Leipzig , bei lireilkojffund Härtet. Redigirt von Dr. G. fV. Fink unter seiner Verantwortlichkeit. 



277 



278 



ALLGEMEINE 

MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den iO»«" April. 



M 15. 



1839. 



Aneient Scotish Melodics 

Jvom a Manuscript etc. By }Villiam Daitney, fidio* 
burgh aud London, 1838. 

(Beschlnss.) 

indem der Verfasser über alte Manaskripte und den 
eig;nen Genius echt schottischer Musik zu reden beginnt, 
beklagt er zuvor die grosse Seltenheit der Dokumente^ 
die über die Volksmusik früherer Zeiten Aufscbluss ge- 
ben, und beglaubigt von Neuem, dass sich über das AI- 
terlhümlichste dieses Volkes gar nichts aullinden lasse, 
was uns genaue (und schrifkliche) Aufklärung biete. Alle 
bisher aufgefundenen Manuskripte, auch das Rowallan*- 
sche, werden von dem Skene- Manuskript überlroSen, 
sowohl an Alter als an Echtheit in Bezug auf schotti- 
sche Volksmusik. Davon und vom Nutzen des Sketie- 
Manuskripts muss man den Verfasser selbst zu Rathe 
ziehen, wenn man Vortheil davon haben will, der Eine 
aus dieser, der Andere aus einer anderen, gerade ihnen 
nützlichen Notiz. Einiges Eingemischte wollen wir ne- 
benbei daraus anführen : 1631 stellte man die königl. 
Kapelle wieder her, nfie man nur mit ausgezeichneten 
Alännern beselzen wollte; man hatte Orgeln, Ftölen, 
Violinen and alle Instrumente aufgestellt, wie sie in Bei- 

E'en, Frankreich, Italien, Spanien, England und Scholt- 
nd (man wollte die schottische Kirche der englischen 
gleich machen) gebräuchlich waren; man sorgte für iUu- 
sik jener Zeiten und Völker. Altschottische Musik wurde 
ausdrücklich mit genannt, also nicht absichtlich vernach- 
lässigt: sie wurde aber mit ausländischer Musik aller 
Art sowohl für Ge.sang als für Instrumente vermischt. — 
Um so mehr muss Künstler- und Volksmusik unterschie- 
den werden, was gewohnlich nicht geschieht. — So wird 
auch erzählt, dass im 16. Jahrhundert in Schottland noch 
gar keine Gesänge herauskamen, obgleich Komposizionen 
vaterländischer Art dagewesen sein müssen, weil es so 
viele Musiker gab, die auch in schottischer Tonkunst 
anterrichtet waren. — Früherhin halte Sir fVilliam Äo- 
grfTs in der schottischen Musik eine Epoche gemacht. 
Alan fins an, die alten Gesänge, welche das Volk er- 
funden hatte, nachzuahmen. Von diesem W. Rogers 
berichten uns Gerber und das Stuttgarter Lexikon nichts; 
selbst über Benjamin Rogers (nicht Roger, obgleich der 
Name auch von Ferrerius so geschrieben wird) bringt 
das letzte nur, was Gerber in seinem alten Lexikon von 
ihm erzählt, mit Ueber^hung der Zusätze, die aus Bus- 
by's Geschichte der Musik hätten genommen werdcD 

41'. Jabrgaoi^. 



können. Von Sir fVilL Rogers wird hier erzählt: „Er 
war Einer der 6 Günstlinge James III, welche zu Lau- 
der 1482 umgebracht wuhden.^' Ferrerio, ein italieni- 
scher Geschicbtschreiber dieses Fürsten, berichtet, W. 
Rogers habe mit damals berühmten italienischen Musi- 
kern Umgang gehabt, welche die schottische Musik nicht 
minder, als die Freigebigkeit James III. rühmten. Wahr- 
scheinlich gehörten diese Italiener unter den zahlreichen 
Chor, welchen James III. in seinem Palaste Stirling er- 
richtet hatte. Nach seinem Tode (James III.) waren 
sie in ihr Vaterland zurückgekehrt. Aus dieser Er- 
zählung schliesst Dr. Henvy in seiner History of Great 
Britain (Vol. V. p. 496) zu viel, wenn er 'behauptet, 
die schottische Musik sei damals ai^h in Italien in ho- 
hen Ehren gehalten worden, am meisten im 16. Jahr- 
hundert. W. Rogers, ein angesehener endändischer 
Musiker, war von Eduard IV. mit andern Abgesandten 
nach Schottland geschickt worden, um eilte 20jährige 
Handelsverbindnng abzuschliessen. Rogers nahm den 
König durch seinen Gesang und sein Instrumentenspiel 
.so ein, dass er ihn mit seinem Willen, nach abgemach- 
tem Geschäft, bei sich behielt und ihn zum Ritter er^ 
hob. Aus des Ferrerio Erzählung ergibt sich, das« 
Rogers nicht wenige Grosse in der Musik unterrichtete, 
was sie sich noch 1529 zum Ruhme anrechneten. Ro- 
gers mag also in Schottland eine Musikschule errichtet 
und den Schotten eine Kenntniss mitgetheilt haben, wie 
sie damals in England Statt fand, von welchem Laude 
Erasmus urtheilte, es habe den Vorzug, das vollkom- 
menste Land in der Musik zu sein (?). Rogers wird 
dagegen von Ferrerio „rarissimus Musicns ex Anglia'* 
genannt, ob er gleich weil mehr als Praktiker, denn als 
Theoretiker sich auszeichnete. Er muss gerade damals, 
als John Hamboys, den man für den Ersten hält, wel- 
chem die Auszeichnung der Doktorwürde der Musik za 
Theil wurde, gegen 1470, die Anfangsgründe der Musik 
in England erlernt haben. Aus diesem ersiebt man, dast 
W. Rogers Musik zur künstlichen gehörte und dass die 
Epoche, die er in Schottland machte, mehr wider als 
für die eigentlich nazionalschottische Musik lief. — Dass 
übrigens ausländische Musiker in Schottland grosse Rol- 
lep spielten, braucht keiner weiteren Beglaubigung, so 
wenig als dass Manche dem David Rizzio zu viel Mn- 
sikkenntnisse und zu grossen Einfluss auf die Landes- 
musik zuschrieben.' 

S. 173 kommt der Verfasser auf die Frage : Gibt 
es irgend ein Mille! ^ das Alter und die Echtheit nazio- 

15 



279 



1859. April. No. 15. 



280 



naIschoUischer Masik za prüfen? Die Antwort ist na- 
lüriick bejahend und mit Recht. Tyller machte sich schon 
durch fieantwortuDg dieser Praee herühmt. Er nahm 
die Gesäuge für die ältesten» welche die einfachste Skala 
und di£ einfacbsien Instrumente anwendeten; dabei soll 
auf Keime, Verse und Rhythmen geachtet werden; vor- 
züglich war ihm die eigene Skale , welcher die Quarte 
und Septime fehlen, am geeignetsten, das Alte vom PVeucfn 
^a unterscheiden, was später vorzüglich Thomso9 in der 
Abhandlung vor der Herausgabe altschottischer Gesänge 
weiter besprach. (Nur mit manchen Annahmen, denen 
.wir nicht beistimmen können. Man vergl. G. W. Fink's 
Erste Wanderung der ältesten Tonkunst S. 100 — 108.) 
Schon der Gebrauch der kleinen Septime soll eine neuere 
Erfindung sein, was wir eben so wenig, nämlich in 
Uebergangsrällen in eine andere Tonart, zugeben, als 
dass in altsoholtischen Gesängen überhaupt gar keine 
halben Töne vorgekommen wären, was nur als möglich 
angenommen werden könnte, wenn sie stets in einer 
Tonart geblieben wären, also gar i^icht modulirt hät- 
ten. — Zugegeben wird übrigens, dass schon die älte- 
sten Chinesen die halben Töne kannten und dass sie un- 
ter wilden Völkern sogar nicht selten vorkommen. Ausser 
Vielem, was im Werke darüber verhandelt wird, ist uns 
vorzüglich eine Melodie merkwürdig, welche Kapitain 
Alexander in: ,,yoyage of Observation among the Co- 
lonies of Western Africa in 1835,*^ herausgegeben 1837, 
miltheilte. Es ist ein Finge - Kriegsgesang, den wir 
nicht übergehen wollen 




l)as ist nun offenbar ein Gesang aus Cmoll mit einem 
Uebergange in Fmoll, worin auffallend genug weder von 
der Quarte noch von der Septime Gebrauch gemacht wird. 
Eine solche Melodie hat die grös&te Aehnlicbkeit mit den 
ältesten und einfachsten schottischen, was freilich der 
Verfasser unserer Schrift, welcher die schottischen Ton- 
leitern nach der Angabe der Abhandlung in Thomson's 
JSammjung konstruirt, nicht zugeben kann, so lange er 
jenen Skalabau vertheidigen will» dem er doch auch an 
andern Orten zu widersprechen scheint. Nicht minder 
weichen wir vom Verfasser ab, wenn er behauptet, die 
Verschiedenheit von Dur und Moll sei erst im 16. Jahr- 
hundert entstanden (S. 175). — Desto giltiger scheint 
yns nicht nur in Hinsicht auf keltische Völker, sondern 

f' anz im Allgemeinen des Verfassers Bemerkung: Die 
obere Belebung und grössere Mannicbfaltigkeit der Vo- 
kalmusik in Irland und Schottland (auch schon in älte- 
ren Zeilen) ist zum' Theil der Geschicklichkeit dieser 
Völker . im Instrumentenspiele zuzuschreiben. Gewiss, 
denn wo das Instrumentenspiel an Fertigkeit wächst, 
was eher geschieht als bei Jen Sängern, da wird auch 
immer der Gesang bunter, ja nicht selten zn viel. — 
Vorzüglich waren schon im Mittelalter die irischen Harf- 
ner berühmt, von. denen Giraldus Cambr.,. selbst ein gu- 
ter Musiker (?), 1187 in einer Versammlung z& Oxf<n:d 



sagt: „Das irische Volk ist einzig in der Instrumental- 
musik, steht höher darin, als jede andere Nazion (in 
Schottland war er niefit gewesen); ihr Slyl ist nicht 
langsam und nnbehilflich« wie in England ,. s'oqdern leb- 
hal>, angenehm nnd wirksam. Es ist wundervoll^ wie 
sie bei solcher Fingerschnelligkeit die Verhältnisse mit- 
ten in den verwickeltsten Modulazionen so durchaus feh- 
l^os zu erhallen verstehen, die Melodie stets vorklin- 
gen lassen bei so verschiedenartiger Harmonie. Wenn 
ein Ucbergang vermittels der Quarte oder Quinte ange- 
bracht wird, wird dieser beständig auf eine sanfte und 
feine Art angefangen und eben so beendet, dass Alles 
rund und höchst angenehm bleibt. Sie gehen in ihre 
Modulazionen so zart ein, als sie sich wieder daraus 
entfernen, und die Vibrazionen der Höhe geschehen mit 
einer ausserordentlichen Ansprache nnd einem seltenen 
Glänze in Verbindung mit den tiefen Tönen des Basses, 
was sich so lieblich einschmeichelt, dass die grösste Aus- 
zeichnung ihrer Kunst klar wird, oh es gleich ein Ge- 
heimniss bleibt, wie sie dies erreichen. Es ist übrigens 
bemerkt worden, dass Schottland und Wales, das erste 
durch Verkehr und Blutsverwandtschaft, das letzte durch 
Unterricht von den Irländern stammend, sich mit grosser 
Nacbeiferung üben, mit Irland zu rivalisiren. Nach der 
Meinung Anderer jedoch hat Schottland nicht blos das 
Ausgezeichnete Irlands erreicht, sondern es sogar in mu- 
sikalischer Keuntniss und Fertigkeit so weit übertroffen, 
dass es jetzt der Zufluchtsort und die eigentliche Quelle 
der Kunst ist.^* — So auffallend diese nede des Giral- 
dus, dessen hieher gehörige Schriften zwar in unsem 
bekannten Literaturbüchern, jedoch nnr in ganz allge- 
meinen Andeutungen sieh angezeigt finden , auch Man« 
.chem sein mag, so wird doch Vielen folgende Stelle ge- 
wiss noch weit auffallender sein: ,,Die WaKser (the 
IVeUh) singen nicht unisono zusammen, sondern in ver- 
schiedenen Tönen, so dass bei einer Menge Sängern, 
wie bei ihnen gewöhnlich, eben so viele verschiedene 
Stimmen und Partieen sind, aU Köpfe, welche sich alle 
sanft vereinigen und i^n einen einzigen reinharmoniösen 
Sang vermischen. In den nördlichen Theilen von Gross- 
britannien, hinter dem Humber und in der Nachbarschaft 
von Yorkshire stimmen die dortigen Engländer in ihren 
Gesängen in eine ähnliche sinfonische Art von Harmo- 
nie, jedoch nur in zwei verschiedenen Stimmen und Tö- 
nen, die Einen murmeln die Tiefe und die Andern zwit- 
schern auf eine eben so sanfle und gcßillige Weise die 
Höhe. Und diese Fertigkeil hat durch alten Gebrauch 
so tiefe Wurzeln in jenen Gegenden geschlagen , dass 
keine Melodie in der Regel allein gesungen wird, son- 
dern in verschiedenen Partieen. lind was noch merk- 
würdiger ist, die Knaben, und gerade die kleinsten, neh- 
men, wenn sie zn singen anfangen ^ dieselben Manieren 
an.'^ — Freilieh müsste schon der letzte Umstand der 
Erzählung, dass schon die kleinsten Kinder, wenn sie 
kaum zu singen anfangen, in dieser harmoniösen Weise 
sich vernehmen lassen, so wie die ungebenere Ueber- 
treibung, dass die Walen eben so vielstimmig singen, 
als Sänger beisammen sind, ein weni^ misstranisch ma- 
chen, selbst wenn das Zeugniss des Mannes nicht gegeu 



28t 



1839. April. No. 15. 



282 



alle erwiesene Geschichte liefe, die uns ober solche Be- 
hauplangeii nolhwendig ein kopfscbiiUelndes Lächeln ab- 
zwiii«rt. Mau weiss, dnss die Englüoder ond unter die- 
sen Bumey selbst ihren ersten mehrslimmigen Versuch 
in dem Kanon finden »»Sumer is icumen,*^ über dessen 
Alter (er wird in der Re^et in's 15. Jahrhundert ge- 
setzt) wir uns in keinen Wettkanipf einlassen, so sehr 
wir auch der herrschenden Meinung beipflichten. Ge- 
wiss ist es , woiron sich Jeder mit eigenen Augen und 
Ohren überzeugen kann, dass die ältesten und einslim- 
inigett aufgefnndenen Melodieen Englands 1377 und 1433 
noch ganz kirchlich, ohne irgend eine Lebhaftigkeit und 
Anmuth sind , was der Verfasser selbst sagt. Diese 
schwachen Gesänge sind S. 199 mitgetheilt. Der Un» 
lerscbied gegen die schottischen ist klar; die englischen 
sind zahm und ohne Ausdruck» die schottischen wild und 
Wen in Worten ausgesprochenen Gefühlen angemessen. 
Es muss aber zum Besten der alten Briten bemerkt wer- 
den, dass sich von ihrer eigentlich nazionaien Musikart, 
bevor sie sich dem gregorianischen Kirehengesange hin- 
gaben, durchaus keine Spur nachweisen lässt, die auf 
einige Gewissheit Anspruch hStte. Vor Allem muss 
demnach den Schölten nachgerühmt werden, dass sie an 
der Nazional weise ihrer Musikart viel länger und fe- 
sler hingen, wozu allerdings auch der langsame Fort- 
schritt in der Kultur das Seine beigetra£;en hat. Daher 
behauBtet auch Dr. Beattie in seinem Essay on Poetrv 
and Music, dass sich eine grosse Verschiedenheit zwi- 
schen Sehottlands hoch- und niederländischen Melodieen 
gar nicht bezweifeln lasse, was der Verfasser dieser 
^ Dchrift nicht unbedingt zugibt; er meint, die ganze Ver- 
schiedenheit hestehe allein im Ausdrucke und im Style, 
aber nicht in der eigenthumlichen Skala, die völlig gleich 
sei. Davon sind wir gleichfalls überzeugt, nur dass wir 
hinzusetzen, dass in Schottlands Niederlande diese alter- 
Ihu'mliche Skala weit eher als im Hochlande mit fremden 
Einmischungen sich befassle. — Die alten irischen Ge- 
sänge sind ganz wie die schottischen gebaut, die neue- 
ren sind dagegen diatonischer oder chromatischer Struk- 
tur, was von dem in Irland weit längern und allgemei- 
nem Gebrauche der Harfen kommt, welche , wie wir 
hörten, diese Stimmungen angenommen hatten. Wich- ^ 
tig ist uns noch die Annahme des Verfassers , die alt- 
Dorwegeoschen Gesänge wären in Skala und Ausdruck 
den schottlättdischen gleich gewesen. Diese Annahme 
stützt er auf folgenden Vorfall : Als Ole BuH 1837 sich 
in Bdinbnrg hören liess, legte man ihm auch altscholti- 
sche Melodieen vor ond der Virtuos Norwegens erkannte 
in ihnen denselben Karakter, den die Volksweisen sei- 
aes Vaterlandes zeigten ; er spielte auch einige der schot- 
tischen Melodieen mit einem Geist und Ausdruck, der 
kaum ein anderer als ein angeborener gewesen sein mag. — 
Nach dem früher hngezeiglen Ausspruch des Girald über 
das Wesen der schottischen Weisen im 12. Jahrhundert 
schliesst der Verfasser: Wahrscheinlich waren unsere 
ältesten (?) Tönstücke von lebhafter Art und unsere lang- 
samen Gesänge sind neueren Ursprungs , weil sie die 
meiste Aehulichkeit mit den kirddichen haben. Im An- 
fange des 17. Jahrhunderts soll sich Schottland in kla- 



genden Melodieen ausgezeichnet haben, die frBher wenig 
gebilligt wurden und den Tanzliedern weichen mossten. 
Morley's Ausspruch über schottische Weisen lautet i 
,,Auch der beste Sänger wird keine schottische Melodie 
machen , wenn es auf Natur und' Ausdruck ankommt.*' 
Auch Shakespeare stimmt bei in ,,Much Ado about No- 
tbing,** Akt If, Szene 1 , wo er sagen lässt: „Wun* 
scbcnswerth, wie eine schottische Jig, die heiss ond het- 
tig ist, voll und fantasiereich."— Atfch in einer Pariser 
Sammlung ,,chants des branles communs gais" 1564 
wird die schottische Fröhlichkeit gerühmt. Und so ist 
tienn, fährt der Verfasser fort, der langsamere Styl ge- 
wiss neuer und vom Geiste der Nazion verschieden. — 
Oswald in seinem Pocket Companion und Caledonian far 
the V. or German Fl., welcher in den letzten 20 Jah- 
ren des verflossenen Jahrhunderts Einiges drucken liess^ 
wird, so sehr ihn auch Will. Tytler in seinem Aufsätze 
darum lobte, von unserm Verfasser mit vollem Rechte 
getadelt, als einer, der die alten schottischen Weisen 
vorzüglich veränderte $ verkehrt durch seiue Zeit, nach 
deren Geschmacke er Alles umformte, stellte er künstliche 
Schlüsse unter und machte allerlei beliebige Kadenzen, 
vielleicht in der Meinung, den Früheren Geschmack da- 
durch zu heben. Dadurch werden die alten Melodieen 
alles Karikkters und jeder Leidenschaft beraubt; in so}- 
eben Dingen muss man gar nicht ändern. — Und nun» 
fährt der Verfasser fort, können wir mit mehr Sicher« 
heit über das. Skene- Manuskript sprechen,, das wirk- 
lich unverändert seiner Zeit eigen ist, wo keine Verun- 
staltungen eingeschwärzt worden sind. Ob diese mit- 
getheilten Stücke dem frühern, echtschottischen Karakter 
entsprechen (wir werden uns darüber erklären), können 
wir nicht sagen: aber sie sind doch 100 Jahre älter, 
als jede bisherige Sammlung, die bis jetzt dem Publikum 
bekannt gemacht worden ist. Es sind doch keine neuen 
künstlichen Komposizionen, sondern volksmässig einfach» 
belebt, mehr originell als elegant. Man hai eben die 
Originale nicht verändert (wofür wir dankbar sind). Ab- 
gesehen von ihrem musikalischen Werthe, hat die Mit- 
theilung doch das Verdienst, dass sie frisch und echt aus 
den Händen unserer Vorältern kommt (wenn auch nur 
aus dem 16. und 17. Jahrhundert). Die ältesten Ori- 
ginale, heisst es, sind leider verloren gegangen und ist 
keine Hoffnung da, sie wieder aufzufinden; der Werth 
dieser Ueberbleibsel wächst daher bedeutend. Uebrigens 
ist freilich die Grenze der echt schottischen Weise schon 
sehr erweitert worden. Das Aelteste muss der Tradi- 
zion überlassen bleiben und den Aufspürungen in den 
verschlossenen Theilen dieses Landes. In den meisten 
Bezirken ist allerdings schon längst das Hirtenmässige 
Irornber, die nazionale Musik verstummt und servHe Nach- 
ahmung ist an die Stelle origineller Erfindung getreten. 
Das Skene «Manuskript ist in Lautentabuiatur ge- 
schrieben, welche auch zuweilen für die Viele gebraucht 
wurde (?). Die Uebertragung der Tabulaiurschrift in 
unsere Noten hat üv. George Farquhar Graham^ Ver- 
fasser des Essay on the Theory and Praclice of mosical 
Composition , übernommen. Ein Facsimile des Skene- 
Manuskripts geht der Erklärung dieser Tabuiatur voran/ 



283 



1839. Apfil. No. 15. 



284 



wovon nur das Bioplsachlicbsle hier stehen nag, weil 
ein genauer Unterricht über die Lautenlabulalur vom 
Herrn Hofrath Kiescwelter in unsern Blällern bereits 
1831, No. 9» niederj^elegt worden ist, auf welchen wir 
Alle verweisen, welche Ausführiiches davon zu wissen 
hegehren. Es heisst hier : Die Noten sind durch Buch- 
stanen über 4 Linien gesetzt, welche die Saiten des In- 
struments bezeichnen. Diese Buchstaben a, b, c, d^ e^ 
fi gf K h ^ ti. s. w. bedeuten nicht unsere diatonische 
folge, sondern die chromatische von jeder offenen Saite 
an (oder die Aufeinanderfolge der Bünde). Für jede of- 
fene Saite steht o, der nächste Halbton wird mit b und 
der zweite mit c angegeben u. s. w. Die Dauer der 
Töne ist durch halbe Taktnoten, Viertel o. s. w. über 
den Linien, unmittelbar über den Buchstaben gesetzt, 
wo diese Dauer beginnt, welche so lange gilt, bis eine 
andere Geltung der Notenfigur über ihren Buchslaben 
folgt* Eigenlnch war das Manuskript für die Mandoi*a 
oder Mandour geschrieben, welche aber wenigstens fünf 
Saiten gehabt haben muss, weil noch Buchstaben unter 
den 4 Linien stehen. Allein die Stimmun); dieses In- 
strumentes war nicht immer dieselbe, und es scheinen in 
diesem Manuskript zweierlei Stimmungen vorzukommen, 
von denen die andere im Manuskript die alte Stimmung 



heisst, so: 



raa: 



I2S: 



Im Originale sind 



Schlüssel und Tonart nicht bemerkt (was bei der Lau- 
tentabulatnr nicht für nöthig befunden wurde), worauf 
man freiücb bei der Uebertragung sehen musste. Die 
genaue Höbe der Stimmung ist also nicht zu geben ver- 
sucht worden, weil man die Stimmung jener Zeit nicht 
bestimmt weiss. Das wird am Ende nicht viel ausmachen. 

Das hier mitgelhetite Facsimile des Skene- Manu- 
skripts liefern wir in der Beilage um so lieber, da wir 
jbereits 1831 zu No. 9 verschiedene leutsche, italienische, 
französische und niederländische Lautentabulaturen mit 
Entzifferungen gaben, die also hiermit durch die schot- 
tische TabüJatur bereichert werden. Verschiedene Aus- 
hebungen nach der Uebertragung in unsere Noten, welche 
im Buche von S. 217 bis ^51 gehen, dienen nicht blos 
als Entziffernng, sondern auch als Beweise des damali- 

fen Geschmacks nnd Musikzustaudes in Schottland. •— 
leber diese sämmtlichen Musikstucke folgen nun von 
S. 253 bis 312 Anmerkungen und Erläuterungen (2Vo- 
tes and lUustrations) von Mr. Finlai/ Dun , welche über 
Modulazionen der sehottiscben Arien, ihre melodischen 
Formen,. Kadenzen, Schlüsse nnd Rhythmen sprechen; 
über ihre Aehnlichkeit mit dem Canto fermo, Vergleich- 
nng beider, Eigenthümlichkeiten der schottischen Wei- 
sen, welche der alten Skala zugeschrieben werden müs- 
sen, die möglichst erhalten werden sollte; Weise der 
harmonischen Behandlung derselben. — Alles kurz nnd 
mit angebangenen Notenheispieleu. Der dritte Anhang 
bringt Attszüee aus den Rechnungen des Lord Schatz* 
»eisters in Schottland; der vierte Nachricht über die 
königl. Kapelle; der fünfte Nachschrift (vom 1. Novem- 
ber 1838 unterzeichnet) and Index. 



Das Badi ist demnadi für aBe Prewide der Ge* 

schichte der Musik in vielfacher Hinsicht anziehend und 
das Skene -Manuskript selbst bleibt in Ermangelung äl- 
terer nicht allein, sondern auch an sich von Bedeutung, 
ob es gleich aus einfer Zeit stammt, wo die echt alle 
kaledonische Musik, namentlich im Niederlande der Schot- 
ten, schon längst mannichfaltigen Einflüssen der euro- 
päisch neuern Tonkunst unterwürfig geworden war. 
Fast jedes Stück dieser Mitlheilungen beweist das so 
augenscheinlich, dass wir darüber nichts weiter zu sagen 
haben. Werden also diese Sang- und Tanz weisen mit 
Rücksicht auf den neuesten JZustand der Musik in Schott- 
land altschottisch genannt, so geschieht dies mit noch 
geringerem Hechle, als wenn man sie hinsichtlich auf 
Kaiedoniens früheste Heldenzeit neuschottüch nennt. 
Sowohl durch Kirchliches als Weltliches unserer allge- 
mein sich verbreitenden abendländischen Musik sind grosse 
Veränderungen des Urschottiscben von den Herausge- 
bern selbst zugestanden worden, was unvermeidlich war, 
mochte man nun auf Führung der Melodie oder auf Zu- 
that einer, wenn gleich noch so geringen Harmonie se- 
hen. Das diatonische Element einer mit der Quarte und 
Septime bereicherten Skala wird man nicht blos durch- 
leuchten sehen, sondern ihm sogar schon einen gewis- 
sen Sieg über das Allschottische zugestehen müssen. 
Dennoch aber ist auch wiederum das Urgepräge einen 
von den geregelteren Ordnungen einer neu sich 'bilden- 
den und immer siegreicher um sich greifenden Zeit all- 
seiliger Reformazion, die sich nicht hlus auf Religion, 
sondern auf alle menschlich wichtigen Verhältnisse er- 
streckte, durchaus abweichenden, patriarchalischen Gei- 
stes so fühlbar und sichtbar, dass man, hätten wir auch 
wirklich keine zuverlässig weit älteren Dokumente, wie 
wir sie jedo«;h zum Glück zu haben versichert sind, schon 
ans diesen sichern Ueberbleibseln jener bereits viel ver- 
wandelten Jahrhunderte die ungeheure Kraftfülle einer 
ungleich einfacheren, einerseits freieren, andererseits ge- 
bundenem Lebensharmonie schottischer Vorzeit beweisen 
könnte. Diese alterthümliche Einfachheit, diese verhältr 
nissmässig gegen das Neuauflebende grössere Freiheit 
und willig bewahrte grössere Gebundenheit waren es, 
die jenes Riesenhafte und Felsenfeste durch Genügsam- 
keil und Treue, die gern anf bemoosten Steinen und in 
den Hallen der Lanzen vorbildliche Grossthaten der Ent- 
schlafenen auf väterliche Weise verherrlicht, so lange 
ernährte. Denn dass wenigstens in den schottischen Nie- 
derlanden einer dort später einseifenden Kultur jenes 
Festhalten am Alterthümlichen nicht allein zugeschrieben 
werden; kann, erweist sich ehen vorzüglich aus dem We- 
sen des hier theilweise abgedruckten Skene -Manuskripts^ 
dessen Tondichtungen in Zeilen geschafien wurden, die 
schon längst von Seiten des Hofes nnd der Grossen des 
Landes, hauptsächlich der Geistlichkeit, dem Europäisch- 
Neuen Thor und Thür geöfi'net hallen, die aber dennoch» 
sei es aus Klugheit oder ans eignem Anhänglichkeitsge- 
fühl, ihrer altväterlichen Musik immer noch eine beson- 
dere Unterrichtsahlheilung der Musikschulen gelassen hal- 
ten, und deren mit der diatonischen Tonleiter und der 
darauf gebanelen Harmonie längst bekannte Tonselzer 



285 



1859. März. No. 15. 



286 



die «UertbteKebe Skala in ihren Meloflieen so wenig ver« 
gessen konnten, dass sie überall hervorbiiclLt, ja gerade 
da am herrschendsten sieh zeigt, wo irgend ein tieferes 
Gefühl laut wird. Selbst die Unbefaoifenheit in Ver- 
wendung der diatonischen Skala und in Anbringung der 
geringen harmonischen Beigaben, die oft kaum mehr als 
Oklavenverdoppelungen sind, bezeugt es, wie schwer es 
den Schotten wurde, dieses von Aussen neu Erworbene 
mit dem in ihrem Innern fortlebenden Alten zu vereini- 
gen. Was von Ausländern im Geschmacke jener Zeit 
koniponirt wurde, unterscheidet sieh a'uf den ersten Blick. 
Naehweisungen, in welchen Tbeilen der Melodieen bald 
das Alte, bald das Nene vorherrscht, wie seltsam Bei- 
des sich mischt, wie abweichend besonders manche Schlüsse 
von alter gewöhnlichen Musik neuenronäischer Art sich 
gestalten u. dergl. m. , übergehen wir als unnütze Dioge, 
die für gebildete Leser, nadi Allem, was dafür bereits 
gethan wurde, nur einer Andeutung bedürfen. Genug, 
das schottische Doppelgesicht spricht auch ans diesen 
Weisen, so weit sie von Inländern sind, auf eine über- 
raschende Art und es wird klar, es könne auch das 
christliche Schottland seine alte Liebe zu den Nebelge- 
stalten nicht vergessen, die im, Sturm auf dem Saume 
leuchtender Wolken reiten. Ist dies nun schon in dem 
schottischen Niederlande der Fall, das, sich ohne Ver- 
gleich williger und früher dem allgemeinen Bildungsgänge 
der europäisehea Völker anschloss, um wie viel stärker 
und unbiegsamer wird sich djeses feste Hangen am AI- 
terthümlichen unter den Hocbschotten und vor Allen in 
solchen Gegenden heraussteilen, die in Abgeschiedenheit 
von der übrigen Welt nicht einmal der Versuchung zu 
irgend einer lebhaft eindringlichen Umwandlung ihres in- 
nern Wesens ausgesetzt sind? In jenen unzugängliche- 
ren oder in seltenem Verkehr mit Fremden stehenden 
Landesstricben , in jenen klippenbewehrten, bäum- und 
geldlosen Inseln der Hebriden suche und höre man aus 
dem Munde des Volks Tänze und Gesänge, will man 
das Altschotlische in seiner nnverkunstelten Eigenheit 
erfassen. ^ Hier mnss der Natur der Sache nach noch 
Manches aufzuspüren sein, was theils schon gewonnene 
Resultate bestätigt, theils auch wohl unerwartet neue 
Ansichten über das alterthümliehe Wesen einer Musik- 
art verbreitet, die als Vorläuferin und Mutter unserer 
fleueru Tonkunst unserer dankbarsten Liebe werth wäre, 
wenn sie auch nicht, wie sie es doch war, einst laden 
entschwundenen Tagen ihrer jugendlichen Kraft und 
Schönheit als Freudenspenderin die gesammte Vorwelt 
siegreich beherrschi halle. Und so würde denn durch 
solche Förderungen genauerer Kenntniss des Altkaledo- 
nischen nicht blos tkv eine merkwürdige Vorzeit eines 
einzigen Volkes, sondern zugleich für das Wesenhafle 
der Tonkunst der ganzen »Iten Welt eesorgt, und »war 
in einer Gegend , die in dem treuen Bewahren des Ur- 
zustandes der Kunst jeder andern in Eoropa den Rang 
streitig macht, mit welcher hierin nur allein noch die ab- 
gesonderten Völker Hindostans und die Chinesen sich in 
einen Weltkaropf einzulassen Recht und Kraft haben« 
Wem der Gebildeten aber sollte dies nicht anziehend 
sein? Und sa hoffen wir mit den geehrten Herausge- 



bern des besprochenen Werkes noch airf manche nähere 
Erörterung solcher Gegenstände, die hier theils unbe- 
rücksichtigt bleiben, theils nicht bis über das 12. Jahr- 
hundert hinausgeführt werden konnten. Ganz beson- 
ders machen wir die Männer solcher Untersuchungen 
darauf aufmerksam , dass sie bei Auffindung altertbümli* 
eher Instrumente, nameutlich der drahtbesaiteten Harfe, 
genaueste Beschreibungen des Baues, der Saitenzahi und, 
würde sie noch irgendwo gebraucht, der Stimmung der- 
selben in Hinsicht auf Höhe und Toufolge lieferten; dass 
sie bei Vei*handlungen über den hochschottländischen Da- 
delsack nicht blos die Tonlöeher der Pfeife und die Ton« 
reihe derselben, sondern auch nicht weniger sorgfältig 
Zahl und Stimmung der Brummer oder der Sumsen he- 
acliteten, weil daraus gerade manches Licht für Ein- 
führung und Wachsthum des Mehrstimmigen, namentlich 
für Einführung der Terz als eines harmonisch verwen- 
deten Tones, was er früher nicht war, hervorgehen 
wurde ; dass sie endlich nicht blos auf Melodie nach Ton- 
folge und Rhythmus, welchen letzten sie ja nicht in un* 
sere heutigen Taklarlen einzwängen mögen , sondern 
eben so gewissenhaft auf Volkstexte achten und unter 
diesen am vorzüglichsten wieder auf solche, deren In- 
halt geschichtliche Namen und Sittenverhäitnisse liefern, 
welche, wie die Beschaffenheit der sprachlichen Aus» 
drucksart, Zeugnisse für das Alter der Lieder dind oder 
werden können. 

Und so bleibt uns, wollen wir uns nicht über Ge- 
bühr bei einem Gegenstande verweilen, nebst unserm 
Danke an Alle, die sich um Herausgabe des Werkes 
Verdienste erworben haben, nichts weiter'übrig, als noch 
einige Bemerkungen über unsere in der Notenbeilage ge- 
gebenen Wahlen aus einem Manuskript, das uns nicht 
allein wahrhafte Volkslieder und Volkstänze der genann- 
ten Zeiten, sondern auch schon künstlich von Künstlern 
nachgeahmte und mit dem neuen Systeme verschmolzene 
Unterhaltungsstucke, z. B. die Masken, bringt, deren 
Entstehung bis auf das Jahr bestimmt wurde. In jeder 
unserer Aushebungen haben wir darauf gesehen , dass 
sie irgend einen wichtigen Punkt des damaligen nieder- 
tändiseh schottischen Musikzustandes vor Augen stellt 
und somit als Beweis dafür gebraucht werden kann. 
Enthalten wir uns, die verschiedenen Rocksicfaleii , die 
uns dabei .leiteten, näher auseinander zu setzen, so ge- 
schieht dies aus Achtung vor den Einsichten unserer Le- 
ser, die solche und ähnliche Analysen in ihren fiesehauun- 
!en und Selbslauflindungen mehr stören als färdem wär- 
en. Wir zeigen also nur noch au, dass die eingeklam- 
merte Zahl nnter den laufenden Nummern der einzelnen 
Sätze die Nummer des in unsere Notazien öbertra^e«- 
nen, gedruckten Manuskripts bezeichnet. Alles Uehnge 
spricht fär sich selbsti q ry p'L 



Nachrichteii. 



Leipmg'^ den 5. April. Wir haben hier in der 
Osterwoche abermala vortreffliche Kirchenmusik gebörl. 



%a 



1859. April. No. m. 



Unser Thomanerehor nb uns yonHiiler; „Alles Fleisch 
ist wie Gras ;*^ von Schicht: »»Wir drücken dir die Au- 

Sn zu;** zweimal von Graan den Tod Jesu ; eine schöne 
tlerkanlate von Th. Weinlig. Die Musik hat die An* 
dacht Aller» die wir darüber sprachen» gefördert; ob 
anch derjenigen» die aus der kircbe laufen , wenn der 
letzte Ton der Musik verklungen ist und die vielleicht 
mit Ansprüchen wie in's Theater kommen» wissen wir 
freilich nicht, gestehen aber auch» dass uns wenig dar* 
auf ankommt. Es gibt allerdings welche» die sich in 
^ der Kirche zierlicher and genialer unterhalten wissen 
wollen» als wir. Darüber richten wir nicht mit ihnen, 
auch nicht mit ihren mancherlei Ausstellungen. Sonder* 
bar ist es nur, dass nns die Kirchenmusik immer gut 
und zweckmässig erscheint» wenn wir sie boren» ob wir 
gleich zugeben» dass manchmal irgend ein Ariensänger 
eine Passage runder und überhaupt meisterlicher vortra« 
gen könnte» wenn es von solcher, noch obendrein im- 
mer wechselnder Jugend nur einigermaassen billig ver- 
lai^ werden dürfte. Nie» so lange wir den Thoma- 
nerchor hören» hat einer aus ihm wie eine Sontag, Ma- 
libran u. s. w.^ gesungen» anch zu Bach's Zeiten nicht» 
was des Meislers eigene Aussprüche beweisen. Was 
in einer solchen Anstalt möglich ist» wird geleistet and 
nach anserm Ermessen sehr ehrenvoll» dankenswertb 
und der Andacht förderlich: das Unmögliche geschieht 
nirgend. Ausserdem werden von den besten Komponi- 
sten die verschiedensten Werke zu Gehör gebracht, als 
von Bach» Uaydn» Eybier n. s. w.» zuweilen auch von 
nenern und jnngen Verfassern » was der Aufmunterung 
wegen, so weit sich diese mit der Kirche verträgt, gut 
ist. Kurz wir haben sowohl der leitende» Thätigkeit 
des Herrn Kantors Weifdig ah auch dem Fleisse des 
Chores für ihre Leistungen zu danken und dürfen ver- 
■ichem, dass es sehr viele sind, die es mit uns thun. — 
Am Cbarfreitage hörten wir noch in der Pauhner Kircbe 
unter des Herrn Musikdirektors A. Fohlens Leitung 
Nachmittags nm 4 Uhr Händeis allgekannten Samson» 
der von anserm Orchester» der Singakademie» vielen nn- 
serer Dilettanten und von geschätzten Solosängern treff- 
lich ausgeführt wurde. Die Soloparlie des Soprans hatte 
Fräut. Schlegel» des Altes Mad. Bünan-Grabao, des 
Tenors Herr Schmidt» des Basses Herr Pögner geßllig 
übemommenl Die Kirche war von Zuhörern sehr ge- 
füllt und der Antheil sichibar and fühlbar» so wie die 
Aasftihrang des Werkes werth. — Am 3. liess sich in 
unsem Theater der belgische Violinspieler Herr Prume^ 
den meisten Verehrern der Musik unerwartet» aber nicht 
unwillkommen» hören. Unsere Leser erinnern sich viel- 
leicht» was von Frankfurt a. M. aus über diesen- jangen 
Virtuosen ia diesen Blättern S. 204 und 207 berichtet 
worden ist. Je mehr dies und das Urtheil einiger Künst- 
ler, die Herrn Prume in Weimar gehört hatten, von an- 
dern Berichten über sein Spiel und seine Komposizionen 
abweicht, desto begieriger waren wir, nns ein eigenes 
Urtheil zu bilden. Wir hörten ihn also folgende seiner 
Tonsätze vortragen : Souvenir du Village Tilff; Air mi- 
litaire; La Mäancolie. Nach dem ersten Vortrage 
war der Beifall massig, nach dem zweiten nahm er zu» 



888 

und beim dritten Aaftretett warde der Virloos gleiebmit 
Beifall empfangen» der auch während und nach diesem» 
seinem beliebtesten Tonstücke sich slark wiederholle. 
Morgen, als am 6. d. , spielt er abermals im Theater 
«nd zuverlässig hören wir ihn wieder, um in keiner Hin- 
sicht ein vorschnelles Urlheil abzugeben. Man bat es 
hier öfl'entiich ausgesprochen: »»Prume ruft, wenn man 
ihn zum ersten Male hört» eine zu grosse Masse über* 
wältigender Eindrücke durch den raschen Proieus-Wecb- 
sei seiner Spielweisen hervor; je länger, je öfter man 
diesen geheimnissvollen Tönen lauscht, desto mächtiger 
schlingen, sie sich um unser inneres Leben. << Diesem 
Winke , der doch woM von einem Manne kommt , der 
den Virtuosen näher kennt » wollen wir Folge leisten ; 
wir geben also unser Urtheil über ihn später. — An 
4. d. gab Herr F. Bieron. Truhn aus Berlin im Saale 
des Gewandhaoaes ein anziehendes Konzert, das nach 
Beethovens Ouvertüre zu Leooore No. 1 eine neue Kom- 
posizion des Konzerlgebers »,Lord Guy^^ brachte, ge- 
sungen von Mad. Schmidt -Möllinger» beifällig aufgenom- 
men» gut karakteristisch und besonders eigen in den Ein- 
schnitten und Schlössen, was eine Räthselhafligkeit her- 
vorbrachte, die jetzt nicht wenige Freunde zählt. Möge 
man darin nicht zu weit gehen. Das vom Herrn Dr. 
Mendelssohn - Barlholdy kompooirte und vorgetragene 
Rondo brillant für Pianoforte mit Orchester, dem er eine 
schöne in der gedruckten Ausgabe nicht stehende Bin* 
leitung für das Klavier allein vorangeben liess, erhielt 
pturmischen und wiederholten Beifall. Das Werk selbst 
ist hinlänglich bekannt und besprochen, wie der Vortrag 
des geehrten Mannes. — La Gondoliera für Tenor und 
Orchester komponirt vom Konzertgeber verlor dnrch 
Heiserkeit des Sängers; dennoch sprach der Gesang ziem- 
lich an. Das Männerquartett von Truhn: „Die Käfer« 
Knaben,** eben so bekannt als bübsoh» gewann auch dies- 
mal, wie immer» freudige Zustimmung. „Die 3 Schnei* 
der am Rhein»'* Gedicht von Herlossobn» komponirt vom 
Konzertgeber» blieben ans ; wer weiss» wer sie a^ehal* 
vten hat. Der zweite Tbeil wurde mit Vorlesung histo- 
rischer Notizen über E. T. A. Hoffmanu den Musiker 
vom Konzertgeber eröffnet. Sie betrafen Hoffnianns 
Musikbildung nnd Komposizionen» von denen mehrere 
folgten, besonders ans der Oner„Undine.** Ein Schlacht- 
gesang aus Z. ff^emer's Kreuz an der Ostsee sprach 
Alle» so viel wir vernahmen» am wenigsten an» der zn 

grossen Monotonie wegen, wurde jedoch laut applaodirti 
ie Ouvertüre zu genannter Oper zeichnete sieh vor- 
züglich durch Eigenthümlichkeit und Frische ans» gefiel 
anch lebhaft, nicht minder das Duett für Sopran und 
Bass (Mad. Schmidt nnd Herr Anschütz) ; das Sextett 
für 2 Soprane und 4 Bässe wollte nicht so ansprechen, 
ob es deich nicht ohne Beweise goter Theilnahme blieb. 
Auf alle Fälle hat sich Herr Truhn ein Verdienst er- 
worben» uns mit einigen Komposizionen eines Mannes 
bekannt zn machen» der als Dichter gefeiert» als Musi- 
ker fast Tergessen ist. Nach diesen Proben wäre es 
der Mühe wohl werth» die Oper Undine wieder irgend 
Wo auf den Bretern zn versuchen. 



289 



1839. Aprn. No. 15. 



290 



J, G. Schicht 

Motetten. Paiiitur. 9s, 10s und 11s Heft. Leipzig, 
bei Breilkopf und Härtel. Preis jedes Hefles Ib Gr. 
Man hat öfienilich den Wunsch ausgesprochen, es 
0iöchlen die von Vielen gelieblen, noch nicht gedruckten 
Motetten des entschlafenen Meisters zum Besten guter 
Kirchenmusik und zur Freude der Siugvereine \i^ie vie- 
ler Privatzirkei an's Licht gestellt werden. Der Wunsch 
ist erfüllt; wir haben drei neue Hefte anzuzeigen, wo- 
mit Alien Gelegenheit gegeben worden ist, ihre Liebe 
zu bethätigen. Was der Verewigte in diesem Fache 
leistet^, weiss «He Welt, so dass die Kritik, die bereits 
so viel und nm meisten für die Motetten dieses fortwäh- 
rend geschätzten Komponisten gethan hat, keinen Grund 
hat, ihre Empfehlung wortreich zu machen. Wir geben 
an , was wir für Tonsätze empfangen haben : 1) Wir 
nahen uns von heisser Dankbegier n. s. w. , eine schön 
ausgeführte, durch guten Stimmenflnss nicht schwer vor- 
zutragende Motette; 2) Ach schwer und donkel schwebt 
die Zeit u. s. w. (mit freudigem Ausgange); 3) Heil 
uns, des Vaters Ebenbild u. s. w. und 4) Auf Brüde^, 
Jasst am trauten Ueerd u. 8. w., alle drei in liedermässi- 
ger Arieltenform. — Im 10. Hefte : 5) Hold« Hoffnung, 
Jiind des Himmels u. s. w., eine freundliche kurze Mo- 
. lette, mehr im galanten Style; 6) ,, Schon ruht, von 
JVacbt und Staub bedeckt^' u. s. w. , Mötettino^ ein ein- 
lacher Gesang am Grabe; 7) „Da Sie, ihr Name wird 
im Himmel nur genennet^' u. s. w. , Sterbe-Ode (im 
zweiten Takte des Basses in der dritten Klammer ver- 
wandle die beiden Vierif I b in ^f) ; 8) »»Steig empor, in 
stiller Abefidstuude*^ u. s. w., Abschieds -Ode (am Grabe 
eines Lehrers oder Meisters). — Im 11. Hefte : 9) „Gott 
ist uusre Zuversichl^^ u. s. w.; 10) „Auf Gott und 
nicht auf meinen Ralh'' u. s. w. Nur die beiden letz- 
ten Motetten haben kurze Fugen : alle übrigen sind ohne 
üie. Uer Wunsch Vieler hat sie neu in's Leben geru- 
fen; der Preis ist kein übermässiger: es wii^d ihnen also 
»n Freunden u^d Vej4)reitern nicht fehlen, die sie auch 
verdienen. 



Felix Mendelssohn - Bartiioldy 

Der 42. Psa/m. Partitur. Op. 42. Ebendaselbst. 
Preis 4 Thir. 
Das Werk ist bereits hinlänglich bekannt durch Auf- 
führungen, Nachrichten, Ausgaben des Klavicrauszuges 
lind der einzelnen Singslimmen, so wie durch eine aus- 
fuhrliche Würdigung in unsern Blättern S. 119. lieber 
die Komposizion selbst haben wir daher nichts Wichti- 
ges hinzuzufügen, um so weniger, da auch die Art der 
InslrumenliruHg dieses Meisters bekannt und besprochen 
worden ist. iJass aber Partilurausgaben^ die durch kei- 
nen Klavierauszug völlig zu ersetzen sind, so willkom- 
men sie auch Privatvereinen und Dilettanten mit Recht 
sein müssen, allen Kennern höchst erwünscht, allen Di- 
rigenten durchaus unentbehrlich sind, ist eine nicht min- 
der bekannte Sache. Wer ein Werk recht kennen 
lernen will, studirt es nach der Partitur. Alle junge 
Musiker sollten vorzüglich nach Partiturbesilz streben^ 



nm ihrer Bildung willen, 
empfiehlt sich selbst. 



Das Werk ist empfohlen and 



Feuilleton. 

Ans Breslau meldet Herr Mosewins über Herrn Jlex, Drey^ 
schock, welcher daselbst drei AbeodanterhaltUDgeo gab: ,, Unser 
DreyschoelL bat jede tecboische Scbwierigiceit auf dem Piaooforte 
gelöst; er übern iodet sie mit grosser Freiheit, Kraft und gewaad- 
ter Elegaoz. Dabei ist sein Spiel voll Feuer, Leben and Aus- 
druck. Wie entfernt auch seine Komposizionen von denen der 
nenesten Schule stehen mögen, so zeichnen sie sich doch dnrck 
Robe, Klarheit und Ebenraeass ans. Ueberali tritt eine treffliok 
gefiüirte Melodie heraus^ die er, wie gross auch die Schwierigliei- 
ten der Passagen, welche die Melodie umspielen oder begleiten, 
sein mögen , immer klar und deutlich mit dem Vor(raf;e eines gu- 
ten Sängers darzuitellen weiss. Mit einem Worte, 'wie Bedeoten- 
des er auch ia Besiegung des Schwierigsten leistet, dieses alleio 
tritt Dirgenda sieh spreixend oder aufdringlich hervor^, es ordnet 
sich vielmelu* neben und unter dem überall deutlicji sich kundga- 
benden Gedaakea, hat nichts Krankhaftes oder Gesuchtes, sondern 
zwingt mit Gewalt den Hörer zur Aufmerksamkeit, belebt und be- 
geistert ihn, da seine Flamme nicht blos flackert, sondern aus 
kerngesundem Lebensqnell hervorglübt. — Die echten KUvierspie- 
1er sind der Meinung, ich verstände nichts vom Klavierspiel, vor- 
züglich, wenn es romantisch ist. Dafür danke ich dem Genius 
der Kunst, der mir das Wobibchageu an dieser Tcufelsromantik 
der nenesten Zeit verschloss , in der man bei musikalischen Fao- 
tasieen, welche ein so romanlischer Jünger auf dem Klavier schlägt, 
an grosse Säle 'mit blühenden Mandeljiäumen und nach Belieben 
an Cypresseohaine erinnert werden soll, wo blinkende Kronleacb- 
ter in tausend Farben spielen^ bunte Vögel seltsamer Art und Ge- 
stalt bernmniegcn, Wohlgerüche duften und im Hintergründe gl&- 
heude Gletscher sich neigen. — Mich freut es, wenn ich einen 
durch und durch gesunden Künstler, Hie Drcyschock, antreffe; wir 
entnedmen von ihm, wie all das lange Zeit als Hauptsaihe be- 
trachlcte Klaviergt-rnmpel eo<IIich durch die erworbene Herrschaft' 
über das früher unglaublich Scheinende dahin gewiesen wird, wo- 
hin es gehört , als untergeordnetes Beiwerk des sich melodisch 
kandgebenden Gedankens. Ans diesem Zeitalter der ansgebilde^- 
sten Mechanik wird sich in der musikolisctieo Knust die Men- • 
schenseele wieder über das leere Spielen mit Formen erheben, die 
Gemüthswelt wird wieder lebendiger werden und die erworbenen 
hoben Fertigkeiten als Mittel zum Zweck verwenden. — Drey- 
seboek ist aoeh^sehr jang (21 Jahre). Wenn er fest auf den be- 
tretenen W^ege fortschreitet, wird die Welt später mehr von ihm 
hören, als dass er einer der tüchtigsten Klaviervirtuosen ist; und 
da sokhe Erschcianogen niemals einzeln auftreten, wean die Zeit 
sie gereift hat, so werden wir ähnlich Tüchtige fulgea sehen und 
die Qual and Marter, dieser masikallschen Uebergangsperiode wird 
eia Knde nehmen. Wir wünschen dem jungen Manne alles Glück 
und ferneres Gedeihen auf seiner so tüchtig und ernst betretenen 
Künstlerbabn. *' 



Der Fürst von der Moskwa hat eiae komisehe Oper geschrie- 
ben, welche ia Paris aufgeführt werden wird. 



Herr Slrutt, Besitzer einer grossen Fabrik zu Belper in Eng- 
land, läüst seine sammtlichen Arbeiter in der Musik unterrichten. 
Die Leute sind zu diesem Bebufe in zwei Klassen gelheilt, die 
eine bildet das Orchester, die andere den Sängerchor. Es herrscht 
unter ihnen der grösste Eifer, den Herr Strott duroh allerhand 
kleine Mittel zu nähren und zu verstärken weiss; so fuhrt er 
z. B. diejenigen, die sich besonders auszeichnen, bisweilen in das 
Theater. Besonders drollig soll es aussehn, wenn einige Schmiede 
in ihrer Arbeitskieidnag aas Leibeskräften die Ophyelelde oder 
Posaune blasen. 



Die Ronpontsten Onstow und Adam in Paris sind zu korre- 
spondirenden Mitgliedern des berühmten Instituts der heiligen Cä- 
cille in Rom ernannt worden. 



29t 



1859. April. No. 15. 

AntLündlgiiiigeii. 



292 



Bd Hlkna Cle«I>i; IVftfCell ia ZArlcIl etMUea M 

elicn mit UiiiCutUuniiircclK das erst« Kcft ciucr 

Bibliotliek des Männeriresang^es, 

in Partitur. (PrcM 1^ Tiilr.) Dasselbe eiill^atl oO üiuserst wcrth- 
Tolle Kompositionea yon Marschner, Reissigcr, F. Sclinei- 
der, L. Maurer, Nftgeli, Silehcr, ReicbardI, Nau- 
mann, Rolle, Stfilsel und andern beliebten Tonsctsern ; welcbc 
bestehen : in Liedern , durchkoni|»onirten Rund • und Wechselte- 
•fingen, Hymnen, Motetten, Fugen n. s. w., deren Texte, sowohl 
heitern als ernsten, auch zum Thril religiösen Inhalts, von den 
beliebtesten Dichtern Terfaast sind. Durch Gediegenheit und Man- 
nicbfaltigkeit des Inhalts, so wie durch schöne Ausstattung, zeich- 
net sich diese Sammlung von Männergesiingen gegenüber ihnli- 
eben Anthologieen , forlheilhafl ans und dürfte sich deshalb bei 
allen Sangerrcreinen, bei denen ein gebildeter Geschmack herrscbt, 
der Einführung zu erfreuen haben. 

Die Suhscriplion anf die Slimmbl&ttcr - Autgabe , welche sieb 
bereits anter der Presse befindet, bleibt bis zum Erscheinen einer 
Fortsetzung des Werks offen. Uer Subseriptionspreis für jede 
-Slimmc betrügt nur Gr. sicbs. — Die Herren Direktoren Ton 
Sangerrereinen , welche sich zur Suhscriplion cntschliesscn , sind 
ersucht, Tollstündige NamensTcrzeichnisse der Mitglieder derselben 
einzureichen , damit solche in die, dem zweiten UeR beizndraekende 
Suhscriplion sKste aufgenommen werden können. 

.Tedtr Minik- , Kunst- oder Buchhandlung nimmt BestcUnngcn 
auf die „Bibliothek** an. 
Zürich, den I. MSrz 1859. 



Folgende Ton dem Holländischen Vereine zur Befördeivng der 
Tonkunst herausgegebenen Werke sind durch Herrn G. F« Pe* 
ters in Leipzig, N. Simrock in Bonn, wie auch durch die Un- 
terzeichneten zu beziehen : 

Verbulst, J. .1. H., Tantum ergo, Hymne mit Orchester - Be- 
gleitung in Partitur mit untergelegtem Klavier- Antsnge. 
— — Ouvertüre a grand Orchestre en Si min cur. 

Nächstens erscheint: 
Verbulst, J« J. H., S^me OuTcrtore k grand Orchestre en Ut 
nineur. 
Rotterdam, im Man 1859. 



In meinem Verlage erschien so eben mit Eigcntbumsrccht t 

Wüviftes j^uiniett 

für 2 Yiuliaeuy 2 Violen, und Viuloncell 

von 

Iiouls Spohr« 

Op. IOC. Preis 2 Thir. 112 Gr. 
Dasselbe Ivr Pianoforte zu yier Händen arrangirt Tom Rompo- 
nkten. Preis 8 ThIr. 
Dresden , im M&rz 1859. 

irUltelm Paul. 



ATene IfEusillLalleii / 

im Verlag« der UofiunsikalieuliaudloDg 

ron 

Adolph Ifüffel In Humtover. 

Damcke, B. , Choralgesangc fikr 4 Männerstimmen. Partitur und 

Stimmen. 4s Werk. Heft S und 5 a 8 Gr. 
La RcTeuse. Rondcan pour Pianoforle. Oeny. IS. 10 Gr. 



r. Hannorer, Rronptinz, 4 Gedichte ron Sehiller fUr 4 Män- 
nerstimmen. Partitur nnd Stimmen, i ThIr. 

Der Ball am GeburUUge. Walzer zu 8 Händen iO Gr. 

zu 4 Hnndcn 18 Gr. 

Lfttitia, No. 17. Nicolai - Marsch fikr Pianoforte 4 Gr. No.18 
und 19. Schottische Tanze nnd Lindler a 4 Gr. 

Löwenthal, L., Poionaiae liir Pianoforte.' No. 8. 4 Gr. 

Marschner, H.;, Liedx Ach wenn dn wärst mein eigen, mit 
Guilarre. 5 Gr. 

Nicola, Karl, Das Vater unser likr eine Singstimme mit Pia- 
noforte. lOs Werk. 6 Gr. 

Rose, Bd., Das Ständchen für eine Singsümmc mit Pianoforte. 
4 Gr. 

Sauerbrey, Reminisccnces pour Tamusement et rcxercicc cont. 
6 Pieccs tres fac. a 4 mains. Ocut. II. 12 Gr. 

Schüler, W., 19 dreistimmige Gesänge fUr Frauen- oder Mäd* 
eben -Chor. Ss Werk. 8 Gr. 

Volkslieiler mit Pianoforte oder Guitarre. No. 80. Schweizerheim- 
wehlicd. No. 21. Wenn der Schnee auf der Alma, a 4 Gr. 



Bei F. IV, BctzliOld in ElbcrfoM erscheinen bin- 
nen Kurzem mit Eigenthumsrecht x 
L6we, Dr. C, 5 Balladen Ton Ferd. Freiligratb. No. I. Scbwal- 

benmahrcben. No. 2. Der Edelfalk. No. 5. Der Blumen 

Bache; für eine Singslimme mit Begleitung des Pianoforte. 

Op. 68. Prcb 1| Thlr. Einzeln No. i und 2 ä ^^ Thlr., 

No. 5 f Thlr. 
— — In die Feme, Preislied Ton Klätke, filr eine Singstimme mit 

Begleitung des Pianoforte. Ptreia /^ Thlr. 



JUeyerbeei« neueste Komposltfon« 

, So eben ist mit Eigen (humsreeht bei uns erschienen t 

Medtaiifund Cfebet, 

eingelegt in die Oper 

Robert der Teufel 

uuH komponirt für 

Herrn Iflarlo (Tenor). 

Mit deutschem und franz. Text mit Begleitung des Pianoforte. 

Preis Va Thlr. 

Den Darstellern des Robert in der ber&bmten Oper gleiches 
Namens empArhlen wir diese Binlage anfii Angelegentlichste, d^ sie 
zu dem glänzenden Krfolg beim Debüt des Herrn Mario (Grafen 
V. Candia) so wesentlich beigetragen hat nnd jetzt ein Licblings- 
■t&dc auf der Pariser Buhne geworden ist. 

9e1tle«llli^r*scbe Bneb- und Mnsikbandlnng in Berlin. 



Im VerUge des M OrltB "VircatpliAl in Berlin sind 
mit Eigenthnmsrecht erschienen und bei Karl Drobisch in Leipzig 
(Auerbachs Hof) zu erhaltent 

Die belicntcstcn Tänze nnd Aiärsche aus 

▼on 

li¥. «fthrielia 

OuTertnre n 2 und 4 Händen a 8 Gr. und 12 Gr., Manch da 
Gamachs 4 Gr. , Marsch des Don Quizote 4 Gr. , Saneho Galopp 
8 Gr., Pas de cinq 8 Gr., erster Walzer 4 Cir., Festmarscb 4 Gr.^ 
Arlequin - Galopp und Arragonaise 4 Gr. . Scbaellwalzer 4 Gr.» 
BallabiUe 8 Gr.; — das Ganze in Eins geheftet i Thlr. 12 Gr. 



p^ Hierzu Beilage No. 2. 



Leipzu/y bei Breitkopfufid Härtet. Itedigirl von Dr. G. JV. Fink unter Heiner Feranttvorllichkeit. 



295 



294 



ALLGEMEINE 

MUSIKALISCHE ZEITUNG. 



Den I7*«" April. 



M 16. 



1839- 



Versuch einer Philosophie des Schonen in 

der Musik j 

oder Aesthetik der Tonkunst. Von Dr. GuUav SekU- 
Ung. Mainz, bei ScboU's Söhnen. 1838« 

Xjs ist eine bekannte Thatsaehe» dass zur Zeit lebend!« 
ger künstlerischer Produkzioo der Kunsibetracblung nur 
ein verhäUuissoiässig geringer Raum gestaltet wird. Un- 
sere Kunst ist die iüngste von allen, es sind noch nicht 
fiinrzig Jahre seit dem Tode ihres grössten Repräsentan- 
ten verflossen , und noch gegenwärtig bieten uns treff- 
liche TalenteJ^feues und kaum Erwartetes. Ist es daher 
iiberrascbend» wenn es ihr bis jetzt am wenigsten gelun- 
gen ist, sich ihres eigenen Wesens bewusst zu werden? 

))ie Geschiehtschreibuag der Tonkunst erhob sieh 
erst in neuerer Zeil über die frühere Weise einer un- 
kritischen j gedankenlosen Zusammenstdlung von Tbat- 
Sachen; gegenwärtig ist sie noch auf den am meisten 
bearbeiteten Gebieten mit Vorarbeiten, obsehonim höhe- 
ren Sinne beschäftigt; eine innere Eotwickelung, Philo- 
sophie der Geschichte erscheint als ein Ideal, zu dessen 
Verwirklichung jetzt noch wenig Aussicht vorbanden ist. 

Die Kritik war bis jetzi nur der Reflex der jedes- 
ma%es Kunstrichtung, sie durchlief eine Reihe einseiti- 
ger, der jedesmali^eü Kunstgestaltung enlspreckender 
Standpunkte, ohne bis zu einer alle besonderen Sphären in 
sich befassenden Universalität durchdringen, zu können. 
Mangelnde Objektivität des Kunsturtfaeils kann als Folge 
davon betrachtet werden. 

Obsciion die Lehre vom Kontrapunkt die reichste 
Literatur aufzuweisen hat, so unterscheiden sich doch 
sehr viele dieser Werke nur dnrch abweichende , aber 
willkürliche Umstellung und Verknüpfung der Hauptge- 
genslände, wiederholen das oft Gesagte und vermögen 
nicht sieb in den Besitz eines höheren, der gegenwärti- 

Esn Kunst wahrhaft entsprechenden Prinzips zu setzen, 
er neuesten Zeit war es vorbehalten, einen seinem 
Wesen nach nur erst wenig erkannten, auf der Einsicht 
in die von der Natur des Inhalts, der Idee, abhängige 
Berechtigung der Komposiztonsregeln und Verbote be- 
ruhenden Fortschritt zu machen. Für Ergründung der 
physikalischen .Gesetze für Ton - und Akkordverbiodun- 

fen, der Basis einer wissenschaftlichen Betrachtung, wurde 
is jetzt nur Geringes gethan ; die Untersuchungen Opelts 
scheinen wenig beachtet, weil die Bedeutung derselben 
fiir die Tonkunst nicht erkannt wurde. 

41. Jatirgans. 



Diese kurze Karakleristik, die nicht im Geringsten 
beabsichtigt, die angedeuteten Leistungen herabzusetzen, 
mag daran erinnern, dass auf dem Gebiete der Tonkunst 
das Nächstliegende noch als Gegenstand der Erforschung 
betrachtet werden mnss, dass folglich bier eine sichere 
Grundlage für weitere Untersuchungen nicht zu gewin*- 
nen ist. ' — ^ 

Die Philosophie trat in neuerer Zeit immer mehr aus 
dem Kreise ihrer Absirakzionen heraus, näherte sich der 
Kunst und erkannte ihre Verwandtschaft mit derselben. 
Die ausgezeichnetsten Denker nahmen ihren Weg durch 
die Kunst zur Philosophie, bezeichneten die erstere als 
Vorschule, als die die Tiefen des Geistes zuerst entbnl* 
lende Sphäre, und wurden dnrch diese Vertrautheit in 
den Stand gesetzt, unsere heulige weltumfassende Kunst- 
wissenschaft aufzustellen. Am wenigsten beachtet wurde 
bekanntlich bis jetzt die Musik; die zunächst sich dar- 
bietenden Gründe daflir sind folgende. 

Der Philosoph, dessen Aufgabe es ist, das Gegebene 
mit den ursprünglichsten Begriffen des Geistes zu durch- 
dringen, kann sich nicht mit Herbeisehaffung dieses Ge* 
ffcbenen, des empirischen Stoffes und den ckizu nöthigea 
Vorarbeiten bescnäftigen , muss das Material seiner Be- 
trachtung überliefert bekommen und folglich solche Ge- 
biete, die dies nicht zu geben vermögen, von seiner Be- 
trachtung ausschliessen. Sodann : Andere Künste gestat- 
ten dem gereiften, von wissenschaftlichen Gebieten her- 
kommenden Betrachter wenigstens ein theil^eises Ein- 
dringen. Malerei und Skulptur bieten die bekannte mensch- 
liche Gestalt, Poesie das Allen geläufige Wort; nur die 
Werke der Tonkunst erbauen sich aus scheinbar will- 
kürlichen Komposizionsregeln und verlangen deshalb spe- 
zielle Vertrautheit, ein besonders geübles Auffassungs- 
vermögen, dass nur durch in früher Jugend begonnene 
Studien erlangt werden kann. Demohngeachtel sind in 
neuester Zeit auf streng philosophischem Gebiete in grösse- 
ren ästhetischen Werken ein paar musikphilosQphische 
Versuche hervorgetreten, die durch Tiefe der Auflassung 
All^s, was in dieser Art in rein musikalischer Sphäre ent- 
stand, bei Weitem übertreffen nnd deshalb den lebhaf- 
ten Wunsch grösserer Ausführlichkeit erwecken. 

Es ergibt sich aus dem Gesagten als Endresultat, 
dass die Philosophie auf ihrer gegenwärtigen Höhe im 
Stande sein würde, eine erschöpfende Aesthetik der Ton* 
kunst zu liefern, wenn die letztere mit den ihr speziell 
zugehörigen Untersuchungen weiter gediehen wäre. Nur 
derjenige wird daher eine befriedigende Lösung hoffen 

16 



S0&: 



1859. Aprü. No. 16. 



2d6 



dürfen, der, aof den Gebieten der Pfiifosopliie und 'Ton- 
kunst auf^gleicbe Weise beimisch, es unlernimmt, das 
empirisehe Material z«näehst als reiner lümpiriker bis zu 
derjenisen Reife zu beafbeilen, in weicher es der pbilo- 
80|ibiscnenfietl*Dcbtang tfbergeben werden kä>in, und, durch 
diese Arbeit nicht erschöpft, das auf diese Weise Ge- 
'Wonnene zum erneuten Gegenstand seiner nun philoso- 
phischen PorschuDg maeht. Diese grosse Arbeil detr In- 
•insbildimg von zwei bis jetzt noch ziemlich weit«uft»ii^. 
anderliegenden Sphären dürfte nur einem Talente ersten 
Ranges geüngen. 

Was folgt daraus für unsere gegenwärtigen Zu- 
ftände? Soil das ganze Gebiet bis zu diesem glücklichpu 
Znsammentreffen unbebaut bleiben? SoU die Kunst den 
ausserordentlichen Gewinn, den ihr e.ne geiunp;ene Aestbe- 
tik bringen würde, so hnge entbehren? Ich antworte: 
Mein. Die Aufgabe der Gegenwart ist es, beide Sehen, 
vorzugsweise die musikalisehe gesondert, dock mit stetem 
Hinblick auf eine künftige Bereinigung derselben^ zu 
bearbeiten. 

Die Piiilnsopbie halte .demnach die Aufgabe, sieh das 
Wesen der Tonkunst im Allgemeineri zum Bewusstsein 
SU bringen, «ich in den Besitz der wahrhaft dem Grgen- 
•lande eo Ispreckenden Prinzipe zu setzen; die musikali- 
sche Forschung im engeren Sinne, das empifische Ma- 
terial überhaupt zu einem razionalen z«t erheben, ohne 
Rücksicht darauf, ob es in dieser Gestalt schon dem 
höchsten Bewusstsein der Zeit entspricht. — Es kann 
dabei als völlig gifeicbgillig belracblet werden, ob Musi- 
ker oder Dilettanten sich dieser Arbeit widmen. Wird 
die Aufgabe in dem oben hezeiebneten umfassenden Sinn 
gefasst, so verlieren diese Unterschiede ihre Gellung; 
weder der Eine noch der Andere vermag allein densel- 
hen zu genügen; wird sie in beschränklerem Sinne gc- 
fasst, so ist es wunscbenswerlh , dass Musiker und Di- 
lettanten, Gelehrte und Philosophen verschiedene Aus- 
sehnitte des Kreises der gesammten Aesthetik zum Ob- 
jekt ihrer Betrachtungen machen, um Vorarbeiten für 
einen späteren zusammenfassenden Bearbeiter zu liefern. 

kh habe mit etwas grösserer Ausführlichkeit, ob- 
schon so kurz wie möglich , auf die Bedingungen , die 
eine gegenwärtige Aesthetik der Tonkunst zu berück- 
sichtigen hat, hingedeutet, und hielt dies um so mehr für 
BÖtbig, als das ^^rfehlte der beiden neuen, diesen Ge- 
genstand betreffenden Werke von den Herren Hand und 
Schilling zum Theil' ans Vernachlässigung dieser Be- 
trachtungen entstanden ist. Beide versuchten umfassende 
Werke zu geben, obschon sie Weder wissenschaftlich 
noch künsilerisck zu einer solchen Aufgabe hinreichend 
kefabigt waren; sie würden Tüchtiges und sehr För- 
derndes geleistet haben, wenn sie mit grösserem Be- 
wnsstsein über sich selbst, über die Zeilbedingungen und 
die Natur ihrer Aufgabe eine beschränktere Lösung ge- 
sehen hätten. Ich sehliesse diese Einleitung mit dem 
Wansefae, dass es mir gelungen sein möo^e, auf die Be* 
dingungen, nnter denen gegenwärtig al^ein eine Aesthe- 
tik zn Stande kommen kann, aufmerksam gemacht, 
für künftige Werke die Riohton^ angedeutet zu bä- 
hen. — 



Der oben nicbt'voll^tändig milgetheilte Titel des vor- 
liegenden Buches .befrei^dete. mich; er. verspricht eiue 
Philosophie der Tonkunst für die Gi' bildet in aus allen 
Ständen. Diese begnügen sich bekanninrh mit zusam«* 
mciihangtoser Aunassung der Resultate, höchstens einer 
oberflächlichen Gesammtanschauung des Objekts. Wie 
kann man für solche eine Philosophie ausarbeiten wollen? 
Ich durchlief die Vorrede; der Anfang derselben, 
der die^ Bestimmung des Buches ,,darzuthun, dass rin 
blosses Spiel mit schönen Aeusserlichkeiten ohne höhere 
Belebung durch innere ästhetische Ideen völlig werlblos 
sei'^ ausspricht, machte auf mich einen sehr günstigen 
Eindruck. Doch bald gelange ich zu der folgenden wun- 
derliehen Stelle: ,,Ich meine, ein rechtes Buch muss im- 
mer ein zweites erzeugen, im Kopfe des rechten, d. h. 
verständigen Lesers; gibt es mehr, so gibt es zu viel und 
übersättigt. Dies kann mit einigem Hecht von einem 
Aufsatze, einer Brochüre gesagt werden, die es unter- 
nehmen, irgend eine paradox scheinende Ansicht durch«? 
zuführen, um dorch Widerspruch die Aufmerksamkeit 
auf den behandelten , vielleieht vernachlässigten Gegen» 
stand zu ziehen, — und auch hier möchte der Scheiii 
nicht ganz zu vermeiden sein, dass nur Trägheit des 
Denkens, Wunsch des Verfassers, die HälHe der Arbeit 
mit dem Leser zu theilen, die bescheidene Bestimmung 
des Anregenwollens hereinbringen — ist das Werk ein 
wissenschaftliches, ist wohl gar der behandelte Gegen* 
stand ein dem Bewusstsein der meisten Zeitgenossen noch 
völlig fremder, so muss diese Ansicht, als zur Halbheit 
führend, als dem Begriffe der den Gegenstand in seiner 
Totalität entfallenden Wissenschaft widersprechend mit 
Entschiedenheit ^urüdcgewiesen werden. 

Ein näherer Einblick in das Buch überzeugte mich 
endlich sehr bald, dass hier von einer Philosophie in dem 
Sinne unserer tetitschen Wissenschaft nirhl die Rede 
sein könne. Ich habe nicht uöthig, auf die Forderungen 
derselben hinzudeuten, daraus den Maassstab für die Beur^ 
tbeiluiig zu entnehmen. Das Werk bewegt sich durch- 
gängig nur in den Grenzen der gewöhnlichen empirischen 
Wissensrhafllicbkeit, trägt diesen Rarakler offen an der 
Stirn, und es genügt daher zum Beweis die kurze Dar- 
legung eines Abschnitts. 

Die Einleitung beschäftigt sich mit Begriff, Umfang 
und Zweck der Aesthetik. Der erste § bespricht meh- 
rere Definizioneu derselben, denen der Herr Verfasser 
dann seine eigenen, zu subjektiv gehaltenen, an die Seite 
stellt. Man kann es sich gefallen lassen, wenn eine De*» 
ßnizion, um dem noch ganz unkundigen Leser eine vor- 
läufige Vorstellung zu geben, au die Spitze gestellt wird. 
Alles Weitere gehört an den Schlnss des Werkes, denn 
nur hier erst ist der Leser in Stande, die Angemessen- 
heit der Erklärungen zu bcurt heilen. Philosophisch 
kann ein solcher Anfang nicht genannt werden. — Es 
folgt eine kurze Geschiäle der Aesthetik, die höchstens 
zu einer ganz äusstrliclien Oricntiruttg dienen kann, nicht 
wie es hier den Ansehein bat, zur Begründung des Stand- 
punktes. Hieran sefaliesst skh ein §, der sehr unklar 
die Au%abe unserer Wissenschaft näher zu bezeichnen 
I sucht. Die Einleiinng schiicsst mit Anordnung des Stofis. 



297 



1839. April. ]Vo. 10. 



Der folgeede »llgiunetii^ Th«il begiont mit Uotersucbuii- 
gen über Scböubeil. Sehr bnU tritt eine DeßHizion auf; 
3, Schön ist, was Verstand und Einbildungskraft auf «injB 
so.ieichle nafi regelmässige Weise besdiifli^t, dnss da- 
durch unser Lebettsg< fühl erhöht wird«** In dieser Vn- 
besliinmlheit könnte dieselbe, «Iwa mit Weglassung des 
Ä\^orle.*i , Jeichty*' von vielen andern Gegenständen, z. Bu 
üer Geometrie dienen, denn aiinii diese beschäfligl Ver- 
stand and Ei/iMdu/iffsArqft auf regelmässige Weise nnil 
erhöht das Lebcnsgefätil des Forschers bei Aullindung 
lieuer Beweise u. s. w« Einige Zeilen weiter gelangen 
.'wir ohne Uebergang und Vorbereilung zu der Einsicht, 
,,dsiss die höchste Schönheit in Golt, und ihr lichtestes 
Abbild auf Erden der Menseh ist.'< Dieser (Winkel- 
mann'sche) Satz wird durch Plato^s Lehre der Erinnerung 
erläutert. Rein empirisch werden dann die Eigenschaf- 
ten des Scbönea und d«s «cbönen Kunstwerks aufgegrif- 
fen Q. s. w. 

Diese Mittheilungen mögen genfigen, um meine obige 
Behauptung zu rechtfertigen. 

Der Herr Verfasser zitirt im weiteren Verlaufe des 
Werkes durchweg Schriftsteller, die in de«* geschichtii- 
cben Eni Wickelung der Philosophie nur eine untergeord- 
nete Stelle einnehmen (Krug, Bouterweck u. s. w.), die- 
jenigen, die in neuerer Zeil die allgemeine Aeslhetik zu 
ihrer ausserordentlichen Höhe emporgearbeitet haben, 
kennt er niclit; seiner Versicherung, sich auf den Stand- 
pund Hegels zu stellen, können wir keinen Glauben bei- 
messen, müssen dieselbe als hios zui* Zierde aufgestellt 
betrachten, denn im ganzen Werk findet sich keine Spur 
dieser Weltanschauung, wenn nicht etwa einige von dorl- 
lier entlehnte Gedankensplitter, die aber zu keinen Pol- 
gerungen verarbeitet werden , dafür angesehen werden 
sollen. Solger findet sicli nirgend ermähnt, und doch 
war es gerade dieser mit Tiefe der Anschauung, so weit 
wie möglich, Popularität der Darstellung verbindende 
Denker *) , von dem der Herr Verfasser unenditoli viel 
z. B. in der Entwickclung des Begriffs der Schönheit 
hätte lernen können. 

Der Herr Verfasser darf sich nicht überUngereeh* 
tigkeil beklagen; er selbst fordert durch die an vielen 
Stellen ausgesprochene IJeberzeugnng, eine Philosophie der 
Kunst gegeben zu haben, die Anlegung dieses >laasssta- 
bes von dem Beortberler« 

In dem F)olgenden werde icli von dieser Seite ganz 
abstrahiren,' um hiebt bei jedem, neuen Gegenstande den- 
selben Tadel wiederholen zu müssen« 

Bevor ich zur Beurlheilung des Einzelnen übergehe, 
ist es nötln'g, die zweite wesentliche Seile, die musika- 
lische, zum Gogenslahd einer gesonderten Besprechung 
zn machen. Es entsteht zunächst die Frage : Habensich 
die Tiefen der Kunst dem Herrn Verfasser in unmillel- 
l)arer Anschauung erschlossen? Leid thut es mir, auch 
})ierauf nicht günstig antworten zu können. Der Herr 
VerHisser besitzt eine gute Keontnifis musikalischer und 
allgemein ästhetischer (nur nicht wissenschafilicher) Schrif- 



•) I<*h rerhne vorzfi^lu* bierhef: Solg^r*! Vorlcsongco über 



Ich, IsC, so weit €Ji tioh a«8 i^ ntdit aüzithilDflg ang«» 
führten Beispielen entnehmen lässt, bekannt mit den Toik 
Schöpfungen der verscbieiloiiefl Perioden*); bis za völli* 
ger Aufnahme, bis zum TöUigen Eingetaoschtsein in daa 
.musikalische Element durehzudriogen, hat er nicht ver* 
mocl^t. (Zum Beweis würde ich vorzugsweise geschichtlich- 
kritische Bemerkungen anführen, wenn sich nicht gerade 
iiierin, zum grosseh iVachlbeü des Werks, ein auffallen- 
der Mangel zeigte.) 

Die ,, philosophisch begründele'^fiintfaeilöng der Künste 
im zweiten Ahscbniit mag mir daher zum Beleg meiner 
Behauptung dienen. Ich fas»e mich £urz, um für das 
später Folgende noch Raum zu behalten. Der Herr Ver* 
Insser nimmt, von der nenern Phibsophie längst als un- 
tergeordnet erkannte und bei Seite gestellle Künste wie- 
der auf, und gibt deshalb folgende hlassifikazion. ^//r- 
bUdende Künste: Poesie und Musik, Gyntnastik, Orche- 
stik und Schanspielkunst. Nodibiidtnde Künste t Bild« 
nerei und Malerei« f^erschönmde Künste: Rethorik, 
Kosmetik« Architektur, Gartenkunst« — Bildnerei und 
Malerei werden als ganz untergeordnet, Architektur ai« 
kaum zur Kunst gehörig, Gymnastik und Orohestik aig 
höher stehend, Schauspielkunst als höchste, allumfassende 
Bildnngskunst betrachtet. Fürwahr, es wird sich Nie- 
mand finden, der mit dieser, des Befremdlichen ausser- 
fH'denllich viel enthabenden Anordnung übereinzusttm« 
•«en im Stande ist. Obsehon es anerkennend bemerkt 
werden muss, dass der Herr Verfasser in den jetzt all- 
zusehr vernachlässigten, untergeordneten Künsten Ssthe- 
tiscl»en Gehall aufznfind^n vermochte, so ist es doch ein 
ganz Anderes, ihn höchsten Geistesgebalt zur Erschein- 
ung bringen zu können, oder nur zur Darstellung eines 
bescin'änkten Gedankens Tiihig zu sein. Dies letztere gilt 
von jenen Künsten zweiten Ranges. Auf Vernachläs- 
sigung dieses Unterschieds, zu dessen Auffindung es kei- 
ner weit ausgreifenden Gedankenbildung bedarf, gründe 
.ich meinen oben ausgesprochenen Tadel. Wem es gc- 
lungenist, nur einmal ein bedeutendes Werk der höhern 
Künste ffanz in sich aufzunehmen, der wird alsbald den 
ungeheuren Unterschied zwischen diesem und dem schön- 
sten Tanz oder Ballspiel u. s. w. finden. — Verlangt 
der Herr Verfasser weiteiie Beweise? Sic bieten sich 
mit Leichtigkeit dar. In dem Abschnitt ,, Formen des 
rmusikaliscben Ausdrocjts'^ (eine ganz falsche Bezeich- 
nung) wird das Erhabene, Naive, Elegante, Palheti- 
sehe u. s« w. behandelt. Nor die wenigsten der hier 
gegebenen Erklärungen genügen, nnd die Beispiele sind 
oft falsch oder wenigstens nicht schlagend gewählt. En 
haben z. B. nennt der Herr Verfasser S. 829 den Ca- 
iabresischen , hinter einem mit vier Stieren bespannten 
Pfluge hergehenden Feldbanerl «. «• w. In der Episode 
über moderne Pianoforfetnusik (romantische Schule) wird 
ohne alle Ahnnng des neuen hier sieh gellend machen- 



*) Doch finj^D flicii AMnahmen.. ..So wlH ISL 55t Sber Bt3<f« 

. nar Folgendes gesaj^; „DmM Bxoroisieo and BiäHeo enthat- 

teo durcäaas oline weitere Bedeutuoi; qnr alle nothiseo \<it^ 

{il)anfr<'D tecbnisefaer Fer(i|^1ceit.*^ Dem Herra Verf. iclieioea 

die MeisterweHw dieser fiittasg s<^bz nnbekanot za teio. • 



1859. April. No. 16.* 



500 



den Prindps das gew^SboIidie Gesehwälx von der Um- 
stiirzung aller früberen Regeln nachgesprochen. 

Der Gang meiner Heseution» die sich von allgemein 
ner, mehr negativer» zn besonderer, mehr positiver Ka- 
raklerislik zuspilzl , führl mich zu der Frage nach dem 
eigentlichen Karakter des Buches. 

Dichter, Philosoph, Künstler sind im ursprünglichen 
Besitz der darzustellenden oder zu entwickelnden Idee, 
der Gelehrte ist eenölbigl, eine geistige Richtung durch 
Arbeit sich anzueignen ; in jenen ist der Gegenstand stets 
in seiner Totalität lebendig, bei diesem überwiegen ver- 
einzelte» einseitige Beziehungen; jene arbeiten aus dem 
Ganzen, des letzteren Thätigkeit beschränkt sich mehr auf 
Zusammentragen» äusseriicbes Verknüpfen eines äusser- 
licb Gefundenen, und <)ie Darstellung vermag die Ent- 
stehung des Werkes aus einzelnen Notizen nicht zu 
verbergen. lo diesem Sinne ist das vorliegende Werk 
als ein gelehrtes zu bezeichnen; auch unser Verfasser 
ist nicht im ursprünglichen Besitz seines Gegenstandes» 
und vermag nicht frei über denselben zn gebieten. Als 
nächstliegenden Beweis meiner Ansicht kann^ich die grosse 
Menge von den in den Text aufgenommenen Zitaten, die 
fowohl Philosoph als Künstler vermeiden würden» an- 
führen ; § 59 z* B. besteht fast nur aus entlehnten Stel- 
len; der WichtiekUt der Sache glaubt der Herr Ver- 
fasser auf diese Weise Genüge geleistet zu haben. — 
Als nächste Folge solcher gelehrten» äusserlichen Zusam- 
mentragung kann eine dnrcb das ganze Buch hindurch- 

Sehende Unkrarhett und Unentschiedenheit betrachtet wer- 
en. S. 78 wird die Poesie richtig Kunst des Geistes» 
Musik Kunst der Seele genannt; im Gegensalz dazu 
w ird S. 159 die Musik , weil der VersUnd über ihre 
Wirkungen keine Rechenschaft zu geben vermag und 
auch nicht nöthig bat, als die geistigste der Künste be- 
zeichnet, die in diesem Sinne noch höher als die Dicht- 
kunst gestellt werden müsse. Diese Worte mögen als 
Beleg für das oben Behauptete und als karakleris tisch 
für das ganze Werk betrachtet werden. Die Verkehrt- 
heit springt in die Augen; bei solcher Ansicht hätte der 
Herr Verfasser die Abfassung einer Aesthetik äberkanpt 
unterlassen sollen. 

Aus' dem jetzt Gesagten und dem früher schon be- 
rührten Mangel an Kenntniss neuerer wissensehafilicher 
Schriften ergibt sich eine andere Eigentbümlichkeit des 
Buches. Der Herr Verfasser bewegt sich durchaus/ auf 
einem schon überwundenen Standpunkt und bringt» das 
bisher Geleistete nur zusammenrasseod , im Grossen 
und Ganzen *— manches Einzelne naiürltcb ausgenom- 
men — fast nicht das geringste Neue. Das Lob» was 
sich derselbe am Schlüsse der Vorrede spendet, „mehr 
als ein Anderer vor ihm gethan zu baben,*| kann daher 
nur sehr bedingungsweise, nur im Vergleich etwa mit 
den bisherigen Leistungen auf musikaltsehem Gebiete — 
nnd hier kaum — zugegeben werden ; wird seine Arbeit 
an dem Gresammtbewusstsein der Gegenwart gemessen, 
so stellt sich ohne Widerrede sein Zurückgebliebensein 
Unter derselben heraus. Zwar ist das dem Ganzen zum 
Grunde gelegte, der neueren Philosophie entnommene Prin- 
zip, im Tonspiel ein Inneres» eine Idee» sa erkennen» 



richtig» nnd l^ann Impuls zu den tiefdringendsten Unter- 
suchungen geben; der Herr Verfasser hat jedoch nicht 
vermocht» sich in den wahrhaften Besitz desselben zn 
setzen, die Ausführung dem Grundgedanken entsprechend 
zn machen. Statt dieses Innere, als die immanenten 
Gedanken im Technischen zu erkennen, ßlllt er zurück 
auf den bisherigen Standpunkt einer psychologischen Be- 
schreibung; an die SteHe objektiver .iJntersucbungen, die 
allein einen Fortschritt bewirken können, tritt das bis- 
herige Gerede von Eindrücken, die das Gefühl bekommt« 
In wohlhergebraehter Weise wird eine weitläufige Ka- 
rakteristik der Takt- und Tonarten und Instrumente ge- 
geben, während der Haupigegenstand der musikalischen 
Aesthetik geradezu vergessen ist, und das wichtigste 
Problem : die Nachweisung des Eindrucks im Kunstwerk 
selbst, ungelöst bleibt. 

Ich bin genöthigt abzubrechen, um nicht allzusehr 
die einer Rezension in diesen Blättern gesteckten Gren- 
zen zu überschreiten. 

Es findet sich in dem Werke unsers Verfassers im 
Ganzen nichts geradezu auf Abwege Leitendes, nichts 
völlig Irriges; das Prinzip nnd die den Untersuchungen 
zu Grunde gelegten Fragen sind, wie bemerkt, der Haupt- 
sache nach ricbtig; eine würdige Kunst- und Weltan- 
scliauung kann den noch ganz im Aeusseren Befangenen 
zur Ahnung der Tiefe leiten. Wer folglich nicht posi- 
tive Belehrung, nur Anregung zum Denken und Wei- 
terstreben sucht, dem kann das Buch, besitzt er einige 
Sicherheit der Einsicht, aufrichtig empfohlen werden» 
einen solchen wird die überall am Tage liegende Unreife 
und Oberflächlichkeit zu tieferem Bindringen veranlassen. 

]cb spreche Herrn Dr. Schillinff nicht alles Talent 
für erfolgreiche Arbeit auf diesem Gebiete ab; widmet 
er einerseits, statt jenen alten, häufig gedankenlosen 
Schrirtslellern , der neueren Wissenschaft Aufmerksam- ^ 
keit und Studium, sucht er andrerseits, um sich mehr in 
das künstlerische Element einzutauchen, in lebendigen 
Verkehr mit bedeutenden Musikern zu treten, so hoffe 
ich künftig reiferen, den Forderungen der Gegenwart 
mehr entsprechenden» Leistungen von ihm zu begegnen. 



üeberste.ht 

der ia den ersten drei Monaten d. J. heransge* 

kommenen Musikalien« 

Für Orchester f %ugl&ich mit Harmoniemusik. 
Neue Sinfonieen werden abermals vermisst. Von 
Mosart wurde die Sinfonie in D No. 8 in Partitur her- 
ausgegeben. Von Orchester- (htverturen erschienen 3: 
eine von L. Klein Wächter, Op. 1; zu Bcllini's Norma» 
und zn Adam^s treuem Schäfer. Alles Uebrige sinl 
Tänze und Harmoniemusik. Unter den letzten befindet 
sich Liv. 25 von J. H. Welch. Zusammen 14 Nummern* 

Für Violine 
natürlich meist mit Begleitung sind 30 neue Aoagaben da. 
Unter diesen von Ford. David 6 Caprimi für im Via- 



501 



1859. AprO. No. 16. 



\ 



^ 



line allein, Op. 9; von jP. Mazas TEcole duVioHniste; 
Ton Baillol fort^setzle VioliDscIiaie , 14» und 158 Heft 
(bei Schubert); von /. N. Hummet Qaiotelty Op. 13; 
von C. LipiDski 3 Capricen, Op. 47; von L. Maurer 
zweites Konzert mit PianoForte ; von B. Molique Varia- 
zionen ober Norma, Op. 13 ; von L. Spohr erstes Kon- 
zert mit Pianoforle ; von TägHchsbeck Variazionen, Op. 
12; von A. M. v. fVeber drittes bis (mit) sechstes Quin- 
telt, Op. 34, 70, 49 und 65 (bei Richanit in Paris). 
Für die Bratsche nichts. 

Für das Fioloncelle 
nur 4 Werkchen, darunter von C. Baudiot: Methode de 
Yioloncelle, Oeuv. 23. Ir Theil. 

Für die Flöte 
14 Nummern, von denen wir nennen: 6 grosse Duet- 
ten von L. Drou^t, Op. 74; Yon Fürstetiau Bravourva- 
riazionen über ein Thema aus Reissigers Fetsenmüble, 
mit Orchester oder Pianoforte, Op. 1^, und Les Deli- 
ces de TOpera, Oeuv. 126; von Soussmann 2 Quartet- 
ten für 4 Flöten, Op. 27. 

Für die übrigen Blasinstrumente, 
die oben erwähnte Harmoniemusik ausgenommen, gar nichts. 

Für Phtfsharmonica ein einziges Werkchen von 
C. G. Liekl, Op. 54. 

Für Guitarre 4 Werkchen, von Carcassi, CaruIIi 
und Lanner. 

Für Harfe 6 Nummern, darunter 2 von Parish- 
Alvars, Op. 39 und 40. 

Für Pianoforte 
a) mit Begleitung anderer Instrumente 21 Werke, wor- 
unter mancherlei Arrancirtes. Davon beben wir ans : 
von FeL Mendelssohn -ßartholdy Serenade und All. sjo- 
coso mit Orchesler, Op. 43 ; Sonate mit Violonccll, Op. 
45; — von Frdr. Kücken Sonate mit Violine, Op. 16, 
No. 2. — b) FierhändigeSf worunter viel Arrangirtes, 
zusammen 51 Werke und 7 Ouvertüren. Davon sind 
etwa namhaft zu machen: J. Haydns Sinfonie in B. 
No. 12; Heinr. Hers Variations^ brillantes , Oeuv. 55; 
Einiges von C. Czerny, Will. Bennett, Heinr. Dorn und 
S. Thalberg. — c) Zweihändiges : 81 verschiedene Werke 
und 9 Ouvertüren. Darunter sind bedeutende Ausgaben 
von Seb, Bach*s Meisterslücken und manches bereits Be- 
sprochene, z. B. ^er^m*^ Eludes artistiques; Dr. Afen- 
aelssohn- Barlholdy s Anianie canlabile e Presto agitato 
(in H) ; H, Hers Album des Pianistes. Ferner von Cho- 

Iin, Henselt, Thalberg, Bennett, Czerny, Hüntefn, Kalk- 
renner, Kuhlau, und neue Auflagen von mehrern Num- 
mern J. N. Hnmmels, auch Fortsetzung der Werke Dom. 
Scarlalti*s. — Fariasionen zählen wir 20, meist von oft 
Genannten; Märsche nur 3 Hefte; aber Tänze 82! — 
J. N. Hummels Pianoforteschule ist mit der 13. ^ 14. 
tind 15. Lieferung fortgesetzt werden. 

Die Orgel 
bat 9 Werke erhallen, von denen, da die neuesten von 
Rinek sehon besprochen sind, nor noeh von Adolph Hesse 
2 Fuge« flüi Biueiiiuig, Op« Gt» hier anaazcigen äbrig 
kkibtii« 



An Gesangwerken für die \ 
erhielten wir 14 Nummern, von denen wir^^ 
bereits beurtheiit haben. Di« namhaftesteit. 
Mendelssohn "Bartholfy der 42. Psalm; von^ 
Hefte Motetten; von Fasch, sämmtliche Werk^ 
ferung; von Rungefihagen Stabat mater, Op. a 
Adolph Hesse: „Singet dem Herrn,** Motette, 6^ 
von Andr. Romberg der 110. Psalm. ^. 

Die neuere Art der Konzertgesänge\ 
mit Begleitung einiger, meist zweier Inslrum^nle finden 
noch Liebhaber. Wir haben 5 Nummern erhalten, un- 
ter denen 3 von Franz Lachner, Op. 57 bis 59. 

Mehrstimmige Gesänge, 
von denen gleichfalls viele angezeigt wurden, sind in 26 
Heften erschienen, z.B. von Curschmann; Pauny u. s. w. 

Unter den Opernwerken, 
die 18 Ausgaben zählen, alle mit Begleitung des Piano- 
forte, befinden sich vollständige Opern: von Jnl, Bene- 
dict „Die Warnung der Zigeunerin *• ; von Coppola „Po- 
stiglionedi Lonjomeau*^; von Caj\ Donissetti „Belisar*'; 
von Lortzing „Die beiden Schützen**; von Onslow 
„Guise**; von A, Thomas ,,Der pariser Peruquier**; 
von N- Vaccai „Marco Visconti." — Ferner neue Auf- 
lagen von Mozart „Don Juan" und „Titus,** dazu 
„Zaide** (bei Andr6); von Meyerbeer „Die Gibellinen 
in Pisa" (umgearbeiteter Text zu der Musik ,,Die Hu- 
genotten^*); endlich Gluck's „Iphigeuia in Aulis." 

Für eine Singstimme 
mit Begleitung des Pianoforte sind uns in diesen 3 Mo- 
naten, wenn wir die 2 Hefte mit Begleitung der Gui- 
tarre dazu rechnen, bereits 103 Werke geliefert worden. 
Wo will es damit hin?! Sind auch darunter die fortge- 
setzten Volksliederherie von Erk und Krelschmer, so 
wie einige neue Auflagen als von Franz Schubert, von 
Gluck „Klopstocks Sommernacht" und von Zumsteeg 
,, Bürgers Leonore" : es bleibt immer viel. Bedeutende 
Namen sind darunier, fast alle, die jetzt in diesem Fache 
arbeiten. Das Wichtige ist oder wird besprochen. Wir 
gäben gern Alles gleich, wenn es nur möglich wäre. 
Auch für Gesangübunsen sind 3 Werkchen erschienen : 
Rossi : 12 Esercizi di Bravura p. Vocalizzo ; G. Ros- 
sini : Vocalises et Solföges avec Fianoforle ; Giac. Toia : 
12 Yocalizzi per Voce di Conlralto o B^sso» Op. 14.J 

Theoretische Werke 
empfingen wir 3; von 6. Bisozzit* Die nenscfalidie 
Stimme und ihr Gebrauch fSr Sänger und Säugerianep; - 
vtfn Dr. A. B. Maroni AUgenciae Musiklebre; von Dr. 
Gust. Schilling X Polyphonomoa , 2e Lieferung. Dazu 
nodi eis Texthuch: Warnunff der Zigeunerin. 

Die mfuikatischen Zeitschrißsm 8in4 die bekannten ;. 
nur das Wochenblatt fiir Musikalienhändler für 1839> 
(Va Bogen) haben wir beizufügen. Von den pariser mu- 
Bikalisehen Zeitschriften sind nur Revue musicale pour 
lea Artistes el poor lea Amateurs da tbeatre und Revue 
ei Gazette musieaU de Paris m den diesjährigen musika- 
lisch-literarischen Monatsberichten angezeigt; La, France 
Mn^fiale darf hier nicht fehlen. In Tetttsehland besie- 



fSi 



1859. April. No. m. 



504 



ben also mit- iem nräen WocheiiblaU C masikaliscbe 
Zeilsobrifleo. 

loi Ganzen haben wir also io dem ersten Viertel- 
jahr erhalten : 

Für Orchcsier 14 Werke. 

. Violine 30 - 

. Violonccll 4 

. Flöte 14 . 

- Physharmonica 1 

. Gu'itarre " 4 

. Harfe : 6 - 

- Pianoforle 265 

. Orgel 9 - 

. Kirchengesang 14 

Konzcrllieder 5 

Mehrstimmige Gesänge 26 

*0|>f roausgaben .« 18 

Einstimmiges 103 

Gesangübungen .' 3 

Theoretische Werke und Opernlextbuch.... 4 

Masikaliscbe Zeitschriften 9 * 

In Summa: 539 Werke. 



G. F. Händel 

sechs Fuffen vnd ein Cnpriccio ßlr Piano/orte oder Or- 
gel, Berlin, bei Traulwein. Preis % Tbir. 
Wer wird noch j**lzt, schreibt er nicht ein Lehr- 
bnch, über Handels Fu;:en, und wäre es über ihre Klar- 
heit, reden wollen? Sie sind weltbekannt. Nur zu 
freuen haben wir uns, dass in unsern Tagen nicht We- 
niges von alten Haupt mrislern wieder verölFentlicht wird 
zum Gewinne der Kunst. Genug, sie sind da. Das 
Capriccio ist zweistimmig und unter den Fugen ist die 
oft angeführte und gedruckte aus Emolt. 

.Friedrich Schneider 

Gethseniane und Golgatha, Charfreitags-Oralorium. Par- 
titur. Op. 96. ZeVb^l,beiG. A.Kummer. PreisSTbIr. 
Wir haben dieses vnrlrefllirbe Oratorium nach dem 
Originalmanuskriple des Meisters bereits im vorigen Jahr- 
gange S. 777 nach voller Ueberzengung gewürdigt und 
mit Freuden alle Kirchenvorstetier und Oirigmlen auf 
dieses tüchtige und überaus zweckmässige Werk, das zu 
den herrlichsten dieses eifrig tbätigen Mannes gehört, 
aufmerksam gema4*Jvt. Wir empfehlen es hiermit wie- 
derholt ohne alte weitere Hinzufiügnng, deren das Werk 
nicht bedarf. Die Ausstattung ist schön, der Drack s^hr 
dentlich nnd korrekt. Möge es sich znr Förderung der 
Andacht weit verbreiten! Ein Wunsch » der gewiss io 
Erfüllung gehen wird. ' 

Von der tn Utrecht neu erscheinenden Tydschriß^ 
die wir S. 231 ankündigend besprochen, ist am 12. März 
ein zweites Prob^blatl eines ganzen Bogens erschienen, 
das eine „Aulwort an die wenigen Kenner der Musik 
in Holland^^ g<^gen das Menget werk der Utrechtscite Mou- 
rant Yom 8. und 11. März entbilt in der gessbiMerlen 



Art. Es ist eine Verlhcidigong ^es ersten Blattes» 
worin hanptsäclilich erklärt wird, wie sich ^^^^ Publikum 
von Vorklatschern nnd befreundeten Lobhudlern bei der 
Nase herumführen lasse. Die ordentUche Zeitschrift soll 
nun bald folgen und darin auf höhere Gegenstände Kück* 
sieht genommen werden. Wir sind begierig, wie die 
Herauügcber gegen die Philislerei mit Gründlirbem fech- 
ten wollen, was ihre Absicht ist. Wird man nicht fra- 
gen müssen wie Pbilippus den Kämmerer aus Mohren- 
land: Versiehst du., was du liesest? £r aber sprach: 
Nein. So setze dich auf den Wagen und erkläre die 
Räthsel mit Anmulb. 



Naghuichten« 



Dr. Friedrich Schneider's Oratorium 
Gethsemane und Golgalhtty 

zum ersten Male aufgeführt am Charfreitage, den 29. März» 
in der Scbloss- und Sladlkirche zu Dessau. 

Den Lesern der musikalischen Zeitung wird es ohne 
Zweifel erwünscht sein, über die erste Aufführung des 
obgenannten neuesten Meislerwerkes von Fr. Schneider 
etwas Näheres zu hören. Dass es ein Meisterwerk sei» 
darüber hat sich schon der Herausgeber dieser Zeitschrift . 
nach Einsicht des Manuskriptes ausgesprochen, welches 
jetzt auch dem grössern Publikum der Kunstfreunde in 
Partitur und Klavieranszug gedruckt vorliegt, und nach 
dem bewältigenden Eindruck, welchen die. Auflührung 
selbst bei den überaus zahlreich versammelten Zuhörern 
hervorbrachte, kann fast kein Zweifel darüber sein, dass 
der berühmte Komponist nächst seinem Wellgerichte kaum 
etwas gleich Ergreifendes geschafien habe. Allerdings 
mag die grossartige Wirkung, die sich so weit erstreckte, 
dass gar manches Auge von Thränen der Rührung über- 
ging, zum Theil mit in äussern Umständen ihre Erklär- 
ung linden. Die feierliche Cbarfreitagsstimmung, welche 
an srch schon für hötiern Seelengenuss empfänglicher 
machte ; der heilige Gegenstand, welcher im Texte schon 
einen erbaulichen Eindruck bereitete; die thätige Mit- 
wirkung endlich, zu welcher die Versammlung selbst 
durch eingetlorhiene und mit dem Ganzen in ^genauester 
Verbindung stehende Cboralgesänge herbeigezogen wurde : 
das Alles mag wohl seinen Theil an der tiefen inneni 
Bewegung haben, mit welcher die Zuhörer so sichtbar 
die Kirche verliessen. Aber die Hauptsache bleibt dodi 
immer, dass die Tonschöpfung selbst sich als ein Zcug- 
niss des Geistes an dem Geiste bewährte» dass sie als 
etwas aus dem innersten Born des Gemüthes Bnlsprun- 

Senes, auch allgewaltig ihren Strom in die Herzen der 
lörer nahm. Gleich die Einleitung (Hmotl) liess deta 
Hauch des Geistes spüren, der hier in beitigi<n Klangen 
der Milde und Kraft reden würde, und als nach dem er^ 
sten Cboraigesunge . der Chnr No. % (Gdur) ertönte: 
über alles wadit 4er. ewige Uiiter u. s. w» , da ging das 
volle Herz aol^ und- was neoh übrig war von kritbiren- 
den Verstände, völlig aoter. Bei der darchgängigea Kunsl- 



30» 



1839. AprU. No. 16. 



506 



Vollendung^ iles Ganzen hX ts dem Referenten wirkirch 
schwer, etwas Ktnzelnes herau!(2uheben« und die foltren- 
den fiemerknnr^en mögen deshalb nor dasjenige beireffen, 
was nach der äussern Beobachlnnj^ den stärksten und 
allpremeittsteH Eindruck zu inacben schien. Von den 
Chören wären ausser dem scbou erwähnten No, 2 in 
dieser Beziebunci; zu nennen: No. 4 (llldur): Das Ge- 
bet des C^erecbten dringt durch die Wolken u. s. w. ; 
feruer der wehmüthig ernste No. 7 (Ctnoll); Er wird 
wie ein Lamm u. s. w. ; dann der Frauenchor No. 16 
(Gmoll): Unsrc Harfe ist zur Klappe worden u. s. w,; 
wo auch die ausdrucksvolle Begleitung (pizzicato) das 
ihrige wirkte; und vor allen No. 25 (Edur) : Ich habe 
dich einen Augenblick verlassen — spricht Jehovah, der 
Herr Zebaoth, worauT wohl in jedem Herzen das Amen 
ertönte: Ja, so spricht der Herr. Unter deuNSolostel* 
len sind zuerst die sämmtlicben Worte Jesu auszuzeich- 
nen, welche jedesmal durch feierlichen Posaunenton an- 
gekündigt werden, wie eine Mahnung: Seid stille« denn 
der Herr redet. Die höchst einfachen Noten, von der 
trefflichen Tenorstimme des Kammersängers Herrn Dfe- 
dicke gesungen, brachten stets die erhabenste Wirkung 
hervor. Nicht minder effektvoll in ilurer Art waren die 
Bass- Solos, welche der Herr Kammersänger Krüger vor- 
zutragen hatte, ein mit Hecht in Dessau sehr geschätz- 
ter Künslier, dessen klangreiche Stimme eben so schön 
den tiefern Parliecn des Judas und Pilatus, wie dem hö- 
hern Baryton des Johannes fi;enügte, ausgezeichnet na- 
mentlich -in der seelenvollen Stelle No. 22 (Edur): So 
sieht der Tod dich, wie dich das Leben sab u. s. w. Als 
das bedeutendste Sopransolo stellte sich die ebenfalls in 
No. 22 enthaltene Klage der Maria (Pismoll) heraus: 
Du bist vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern 
u. s. w. , obgleich der sonst lobenswerthe Vortrag der 
Kammersängerin Fräulein Rust rücksichllich der Aus- 
sprache manches zu wünschen übrig liess. Für den 
Alt waren der eigentlichen Solostellen nur wenige kurze; 
er wirkte mehr in den Ensemblestellen der Solis, von 
weichen als die ansprechendsten sich etwa folgende be- 
währten : Das Terzett No. 12 (Es dur) : Nein , tödl' 
ihn nicht n. s. w. , welches im Alt und Sopran von 
den Fräulein Geschwistern Bürkner und im Bass vom 
Herrn Krüger sehr befriedigend vorgetragen wurde; 
nächstdem das Duett No. 18 (G moll) : Stimme meines 
Freundes a. s. w. , gesungen von Fräul. Schneider, im 
Sopran von Fräul. Rust; und dann das Quartett No. 21 
(Emoll), in welchem sich der frevelnde Uebermuth der 
Spötter des Gekreuzigten in den Stimmen, wie in der 
Begleitung höchst malerisch ausdrückte. Was bisher an- 
geführt wurde, war als Einzelnes in seiner Wirkung aus- 
gezeichnet; aber es ist nun auch noch ein grösseres 
hervorzuheben, in welchem alle Strahlen der Begeisternng 
deiehsam wie in einem Brennpunkt zusammenflössen, Re- 
ferent meint die Schlnssszene , welche mit den Worten 
Jesu beginnt : Es ist vollbracht. War man bisher schon 
im Heiligen gewesen, so wurde man hier vom Kompo- 
nisten in das Allerheiligsie gefuhrt. Denn in jenen Wor- 
ten Jesu selbst und in der mehrfachen Wiederholung der- 
Mlbeu vom Chore ula Antwort auf die dazi^ischen lie- 



genden Alt-, Bass-, Sopran- und Tenorsolos schlössen 
sich alle Blülhen des heiligen Gesanges auf, um in dem 
Chorsatze: „Wahrlich, der ist Gottes Sohn" zu einer 
vollen Krone sich zu vereinigen. Das lief erregte Ge- 
fühl bedurfte und fand Sammlung in dem nun folgenden 
Choralgesange, an welchen sich dann die eigentliche ' 
Schlusschorfiige No. 29 (Ddur) scbloss. Es liegt ihr 
die bekannte Doxotogie zum Grunde:' Würdig ist das 
Lamm u. s. w., welche, wie von Andern, so auch von 
Fr. Schneider schon einmal in einer Osterkanlate kom* 
ponirt worden ist. Natürlich aber hat sie hier eine 
ganz andere Behandlung erfnhren , so dass sii^ mit der 
frühern Komposizion keine weitere Aehnlicbkeit darbie- 
ten möchte, als die der gleichen Vorirefflichkeit. Ein 
Choralvers, nach der erhebenden Melodie: Wachet auf 
ruft uns die Stimme, machte endlich den völligen Be« 
schinss dieser wahrhaft erbaulichen musikalischen Char* 
freitagsfeier , welche im Ganzen genommen etwas über 
eine und eine halbe Stunde währte, gerade die rechte 
Zeit, um her einem aus Kennern und Nichtkennern ge- 
mischten ZuhöVerkreise der erzielten Wirkung niclit durch 
Ermüdung zu schaden. Leber die bi&her noch uner- 
wähnt gebliebenen Choralgesänge ist zu bemerken, dass 
sie sämmtlich nach alten Kernmelodieen gesungen" und 
mit der Orgel begleitet wurden , jedoch ohne alle Zwi- 
schenspiele und auch ohne ein weiteres Vorspiel, als drei 
einfache Akkorde. Wie erhebend nun auch sonst die 
Orgclbegleilnng zum kirchlichen Gesänge wirkt, so hätte 
man sie doch hier fast hinwegwünschen mögen, da sich 
daraus der freilich unvermeidliche Uebelsland ergab, dasa 
der von der Erwärmung höher gewordene Ton der Blech- 
instrumente zuletzt nicht mehr recht mit der Orgel stimmte, 
Dass sonst in der technischen Ansführung nichts versc- 
hen, sondern vielmehr das Beste* geleistet wurde, braucht 
wohl kaum versichert zif werden, da der Komponist selbst 
die Leitung des Ganzen führte, und die Tijchtigkeil der 
Dessauer Kapelle allgemein bekannt ist. Und so schliesse 
ich denn meinen Bericht mit Dank und Freude über den 
Hochgenuss, welchen mir und Hunderten die Aufführung 
eines Werkes gewährte, das seinem rcichbegabten Ur- 
heber ein Denkmai der' Ehre ^fur immer bleiben wird* 



Frankfurt a. M. , den 2J. März. In der Oper ist 
seit meinem letzten Bericht wenig Interessantes vorge- 
kommen, ausser dass wieder einige Versucher in ihr er- 
schienen sind. „Der Postillon von Lonjumean,'* ,,Der 
Freischütz/* ,, Die beiden Füchse,** ,, Die Falschmünzer** 
und „Die Zauberflöte,»* das ist das Reperloir der veN 
flossenen sechs Wochen. Die Versucher waren Dem. 
Meyrad und Herr Abresch. Die junge Dame wagte einen 
grossen Sprung und wenn sie nicht den Hals brach, so 
ist daran nur die Gutmütbigkeil nnsers Publikums gegen 
Versuche der Art schuld. Sie sang, denken Sie, als 
ersten theatralischen Versuch die Königin der Nacht in 
der Zauberfiöte. Wenn man mit sofchen Partieen ao- 
tängt, was bleibt dann noch übrig? Vielleicht verführte 
sie ihre hohe Stimmlage zu dieser Wahl, denn sie singl 
das hohe F wirklich ^nz rein und klar, wie auch die 



S07 



1859. AprH. No. ißi 



306 



Übrigen kohen Tlfne. U^brigeiis ist tob Methode nod 
BiiduDg bei ihr gar keine Rede, und die Stimme aa sich 
ist durchaus nicht schön, klingt vielmehr schon sehr ab- 
gesungen und alt. Der beste Ratb, den man dieser Dame 
geben kann, ist gewiss, diese Laufbahn nicht za verfol* 
gen, denn sie. hlit nicht die erforderlichen Mittel, um za 
einen günstigen Resultate auf ihr zu gelangen. Anders 
ist es mit Herrn Abresch, der zuerst als Max jiil Frei- 
schütz die Bühne betrat, und zwar mit jener sichtbaren 
Sicherheil, die stets Bür^e des innern Berufes ist. Seine 
Stimme ist zwar kein eigentlicher Tenor, vielmehr hat 
ihr Ton oft den Klang eines Bariton, allein sie hat viel 
herzliches Element, und ist, obgleich noch etwas unslät, 
doch schön und ansprechend. Sein Gesang ist nicht ge- 
rade gebildet zn nennen, aber er werss und fühlt, was 
er singt, und das ersetzt schon zum Theil die noch feh- 
lende Bildung« Auch sein Spiel war sehr ungezwungen 
und natürlich. — Seine zweite Partie war der Tamino 
in der ZauberBöte, den er wirklich ganz vortrefflich sang. 
Herrn Abresch glauben wir ein günstiges Resultat seiner 
Bestrebungen vorhersagen zu können. 

So scheint es denn jetzt, als ob ein Anfanger uns 
belohnen wollte für die Qualen, die uns andere seiner 
Art bereitet. Herr Seiler, Herr Ernst, Herr Klein und 
noch ein halb Dutzend Herrn probirten ihre Fähigkeiten 
an unserer Langmutb, und Alle sind verschwunden wie 
sie erschienen siud. Nur Herr Klein ist uns noch ge- 
blieben, dies kleine Talent mit der grossen Stimme. 
Wirklich Herr Klein bat eine Tenorstimme, wie man 
vielleicht keine zweite mehr findet; es will aber nichts 
aus ihr werden. Was er kann, hat er von der Natur, 
lernen tbut er nichts, obgleich sich mehrere Lehrer mit 
ihm die erdenklichste Mühe geben. Er hat in drei Jahren 
drei Partieen gelernt, und diese drei kann er nicht or- 
dentlich. Schade, schade, dass ein so ganz talentloser 
Mann eine solche Stimme hat. — Unserer Oper droht 
ein bedeutender Verlust. Dem. Kratky, heisst es, werde 
•nns verlassen, um einem Rufe nach Wien zu folgen. 
Ist das, so verlieren wir eins unserer besten Opermit- 
slieder, das nicht so leicht ersetzt werden dürfte. — 
Eine Dem. Scbeurich vom Theater in Strasssurg ist en- 
gagirt. Sie trat als Zerline in Fra Diavolo auf, und ge- 
fiel recht gut, obgleich sie eigentlich eine sehr unbedeu- 
tende Säugerin ist. — Für die Messe wird allerlei Neues 
erwartet, Opern (Beatricc di Tenda von Bellini und der 
schwarze Domino von Auber) und Sängerinnen (Dem. 
Lutzer von Wien und Dem. Jazede von Hannover). — 

Am 18. Februar war im Theater das erste Konzert 
des Liederkran»as zum Bf^slen der Mozart Stiftung. Es 
war ein recht bübsi^ltes Konzert, aber auch eben nichts 
weiter als ein gewöhnliches Konzert, den theatralischen 
Beisatz davon abgerechnet. Schöner wäre es gewesen, 
wenn man uns ein ganzes Werk des grossen Meisters 
gegeben hätte. Den Anfang machte Cherubini's Ouver- 
türe zu Anacreon, dann folgte ein Prolog, welcher mit 
einer Bekränzuug der Büste Mozarts schloss. Eine Arie 
aus Cosi fan tutte, gesungen von Dem. Kratky, Varia- 
zionen für Violine, gespielt von Herrn Prume, und Quar- 
tett aus Lodoiska von Cherubini machten den eraten 



TheH. Zweite Abtbtiingt Onverlnre tob Mäinl za 
llthal, Fantasie für Piano» Orchester, Solo- und Chor- 
stimmen von Beethoven, gespielt von Herrn AloysScbmitt, 
Männercböre des Liederkranzes und Szene mit Chor 
aus Iphigenia auf Tadris. Dritte Abtheilong: Ouvertüre 
zur schönen Melusina von Mendelssohn, Terzett und 
Quintett ans Cosi fan tutte, ein Epilog und ein Fest- 
lied, oder vielmehr das baierische Walhallalied vom Ka* 
pellmeiste Stunz mit verändertem Text. 

Den 22. Febrnar war das letzte Quartett des Herra 
Riefstahl, Wir hörten Quartette von Haydn (Ddur), 
Beethoven (Esdor, Op. 75), Cherubini (Dmoll, No. 3). 
Die Leistung der vier Herren an diesem Abende setzte 
den übrigen die Krone auf. Ea war ein Spiel wie ans 
einem Guss, aus einem Geiste. Jeder Zuhörer bedauerte, 
dass dies Quartett das letzte sei, denn so befriedigt hat- 
ten wir noch nie den Saal verlassen« Herr Riefstahl 
zeichnete sich vor allen aus, und spielte an diesem Abend 
so schön, wir wir uns selten ihn gehört zu haben erin- 
nern. Er ist ein Quartettspieler erster Klasse, seine 
geistreiche Auifassung und Mannichfalligkeit des Vor- 
trags steni|telt ihn dazu. Besonders in den Adagios ent- 
wickelt er einen grossen immer poetischen Reichthum. 
Seine Mitspieler sind Herr Geissler (2e Geige) ^ Herr 
Posch (Viole) und Herr Eisner (Violoncell). 

Das Museum hatte drei Zusaramenkünlte. In der 
ersten hörten wir Ouvertüren zu Anacreon von Cheru- 
bini und zur schönen Melusine von Mendelssohn, und 
die Fantasie für Piano, Orchester u. s. w. , .die Herr 
Aloys Schmitt schon in dem Konzert für die Mozart- 
sliftung spielte, und welche er auf allgemeines Verlan- 
gen hier wiederholen musste, so wie die Ddur- Sinfonie 
von Beethoven. Am zweiten Abend eine sehr tüchtig 
gearbeitete Sinfonie von Schnyder von Warlensee, meh- 
rere Lieder und ein Piano - Konzert von Chopin nebst 
einer Fantasie von Thalberg, gespielt von dem jungen 
Pianisten Baldenecker. Der Kritiker eines hiesigen Blat- 
tes nennt den jungen Mann „einen der ausgezeichnet- 
sten Klavierspieler unserer Zeit.*' Diese Kritik mag 
nun wohl sehr gut gemeint sein, ist aber auf jeden Fall 
sehr unvernünftig. Abgesehen dass sie nicht wahr ist, 
so bringt sie einem so jungen Menschen leicht einen 
Dünkel bei, der für sein ferneres Streben binderlich sein 
muss, denn unsere heulige Jugend leidet so nicht an 
überflüssiger Bescheidenheit. Allerdings besitzt der junge 
Baldenecker eine bedeutende Fingerfertigkeil, auch Net- 
tigkeit nnd Sauberkeit des Spiels , aber damit ist immer 
erst das Wenigste gethan , denn das lässt sich lernen. 
Von dem aber, was sich nicht lernen lässt, kann nur 
die Rede sein, wenn man einen Virtuosen so hoch stellt, 
und da mankirt's denn doch noch gar sehr. Seinem An- 
schlag fehlt noch die gehörige Kraft und seinem Vortrag 
Seele und Geist. Doch kann man das füglich seiner Ju- 
gend zu Gute halten und wird es auch, wenn nicht so 
übertriebene Kritiken zur Aufdeckung solcher Mängel 
herausfordern. — Am dritten Abend hörten wir die 
Cmoll- Sinfonie von Beethoven, die Ouvertüre zum Som- 
mernachtstraum von Mendelssohn, Anselm Webers Mu- 
sik zu Schillers «» Gang nach deai Eisenhammer,** Yio- 



sod 



«59. ApoL No. le« 



310 



finkonzerl Ton Maysedar^ geniicll tüi Herrn Potcb« Arie 
«US Sargili, |(es«Bj|^N von Herra Dobrowikjr» und eiM 
Denmodische ranlasie für Punio (von wem? war nioki 
angegeben)» gespielt von Dom. Girsebner aus Beriin^ 
und zwar recht brav, mit grosatr SanberiLeit nnd Prä* 
eision. 

Den 4. MSrx irar ein Benefitknnzert für mnen, 
üeit 58 Jahren beim hiesigen Orohealer thätigen Bratschi* 
Bten, Herrn Schqffraneek. Die Tbetlnabme des Pabli- 
knms sprach sich bei dieser Gelegenheit dentlieh ans, 
denn der grosse Weidenbnsch - Saal war ganz gefüllt* 
Ouvertüren zu Teil und der Euryanlbe eröffneten die 
beiden Abtheilungen des Konzerts und Mänaerehöre aus 
der lelzlern Oper und ans der Räuberbraut von Ries 
schlössen sie» Dazwischen wurden mehrere Arien nnd 
Inslrnmeiitalstucke vorgetragen, unter denen sieh ein 
Konzertino für Klarinette von Crusel hervorhob, vorge« 
tragen von Herrn Springer, einem Mitgliede des hiesi- 
gen Orchesters; Herr Springer ist ein sehr tüchtiger 
KlarineUist, der mit grosser Fertigkeit einen seelenvol- 
len Vortrag verbindet. Besonders zeichnete sich an die- 
sem Abend D^m. Kratky in einer Arie ans Tor(|uato 
Tasso von Donizetti ans, die sie mit ausserordentlicher 
Bravonr ausführte. Dem. Capitain sang recht hubsdie 
Lieder von Gollmick sehr gelungen, wie denn fast alle 
Lieder dieser jungen Sängerin gelingen. Eine Ballade 
von Haujit: „Die Windsbraut, *< gedichtet von Vogel, 
wollte nicht recht ansprechen ; es ist in der Komposizioa 
wenig BrGndung und wenig Haltung. Mitunter tauchen 
einmal nicht üble Gedanken auf, sie verschwinden aber 
bald wieder, denn dem jungen Komponisten gehen noch 
die Kenntnisse ab, um einen Gedanken festhalten und 
Tcrarbeiten zu können. 

Herr Wefotahl machte mit einem Konzerte in sei- 
nem gewöhnlichen Quartettlokale für diesem Winter wohl 
den Beschluss derselben. Er spielte noch einmal das 
schon oben erwähnte Dmoll- Quartett von Cherubini, 
dann das Tremolo von Beriet, welches er aus dem Ge- 
dächtniss nachgeschrieben, und zum Schlüsse Variazionen 
nnd Rondo seiner Komposizion. Das Tremolo gelang 
ihm vollkommen , wir erinnern uns nicht es von fieriot 
selbst schöner gehört zü^- haben, wenigstens nicht deutli« 
eher und tonvoller. Riefstahls Vorzüge im Spiel sinds 
Kraft nnd Keckheit, eine mit fortreissende Fnsche und 
Lebendigkeit des Vortrags, ein seelenvoller Gesang nnd 
ein markiger, sehr voller und schöner Ton , wozu denn 
seine ausserordentlich schöne Straduari- Geige wohl das 
Ihre mit beiträgt. Dass er auch eine grosse Gewandt- 
heit des Bogens besitze, hat er nicht allein in dem Tre- 
molo , sondern auch in seinen sehr schweren Variazio- 
nen gezeigt. Sein Bogen tanzt und hüpft leiebt wie eine 
Feder auf den Saiten, die er doch so fest berührt, dass 
immer ein voller Ton hörbar wird, nnd iin Le^aio ist 
es als ob er ihn gar nicht umkehrte. Besonders in einer 

fanz geschliffenen Variazien war es so ; wenn nran da 
ie Augen zumachte, so konnte man glauben, er spiele 
Alles auf einem Striche. Die Komposizion seiner Varia- 
zioiien war als Solostnck gelungen, wie Altes, waa wir 
ans setner Feder kennön, darchaus geistreich «ad gehallt 



T«ll ist. Seine drei oder tier ViäliakenBerle gehören 
sicher mit za den besten, die in neuerer Zeit gescbrie« 
ben worden siad, und wenn er einmal seine Lieder ver- 
öffentlicht, so werden diese gewiss keinen nachstehen« 
Herr Riefstabl ist ein ausgezeichneter Musiker und ae^» 
benbei ein sehr gebildeter junger Mann , der hier auch 
alle die Achtung geaiesst, die er seinem Talente nach 
verdient. 



Dresden^ im Februar «ad März. RmmertrmA Thea* 
ter. Mittwochs, den 13. Februar. Zum Besten der 
Armen. Erste Abtheilung. Ouvertüre zun Beherrscher 
der Geister, von K.- M. v. Weber. Gewiss einer der 
genialsten Sätze ans Webers Feder. Ausführung vor* 
trefflich. Chor, Terzett, Rezitativ und Schiasschor des 
zweiten Akts ans Idomeneo , ausgeführt von den Damen 
Wiist, Botgerscheck, Herrn Tichatscbeck nnd de« Chor- 
personale. Zum ersten Male. Grandios, sehr gelungen 
in der Ausführung, aber doch offenbar mehr für die 
Bühne als fiir*s Konzert geeignet. Zweite Abthtilung. 
Nottnrno für Blasinstrumente, von Spohr. Sechs Salze* 
Ward meisterhaft gegeben, and genei dad«f*ch so win 
durch seine schöne Komposizion ausserordentlich. Eben« 
fsUs neu. Dritte Abiheilung. Die Glocke von Schiller^ 
Musik von Dr. A. Homberg. Ein so vorherrschend di- 
daktisches Gedicht in Musik zn setzen, bleibt iauner ein 
Missgrift. Werden die lehrenden «ad beschreibenden Stek 
len deklamirt, wie in Ltadpaiataer'a Bearbeitung, so ist 
ein grosser Uebelstand beseitigt. Indessen schadet hier 
die Musik allezeit, weil der Dichter anf Schönheit unÜ 
Wohlklang des Verses so viele Soi^gfalt und mit so giän* 
zendem Erfolge gewendet hat, dass die unvermeidlichen 
Dehnnngen, Rueiuingen und Trennungen dieses künstli- 
chen Ganzen durch die Bioiaisclning Stv Musik der Poe<* 
sie immer Eintrag thun and verhindern, dass man den 
schönen, tiefen Sinn derselben gana vemisMat. Dichter 
and Komponist schadea einander hier wechselseitig. Wie 
man aber gar alle Uandwerksgebräaehe in Musik setzen 
and Stellen wie 

„ülehniet HoU vom Fkhlesscaaiiiia , m. s. ar. 
und ähnliche kompouiren könne, bleibt mir und wohl 
jedem Vernünftigen ein Rälhsel. Möchte es auch Mo-« 
zart oder Beethoven komponirt haben, eine vei*stän« 
dige Kritik, die Zweck und Mittel der Musik in Er- 
wägung zieht , wird dergleichen iainer für aiaea ästhe- 
tischen Missgriff erklären. 

Dienstags, den 19. Februar. Einsender ward veiw 
hindert, dem Konzerte beizuwohnen, trägt aber nach, was 
die allgemeiae Stimme gewesen zn sein scheint. FesU 
oavcrture von Lindpaiatner (aea). Nach Weber's Vor* 
bild gemodelt, ab^r mit wenig Gläek. Unaiäsaig lang; 
die gestochene ViolinsiimaM sieben Bogen! Arie von 
Mariiaui (aen), brav g^sangen vini Madame Schubert* 
Goacertino (neu) für Violine^ kompeiiiri and vorgetra* 
gen von VizekonaerlUMisler Schabert. GeSd sek^ond 
ward trefflich gespiell. Duett ana Leoaora (Fidelb), hier, 
nea, mit oblinter Violine and Violonoell^ gespielt von 
den Herrn S<»nheri und Kummer ^ gesungen von den 



s» 



A5&.'~M«E..'.No. la 



51S 



Baoien Soknbert -iiiid Schrilifcri-Dtvfieiit. Zu liebini^^^ 
vm aiirs erftte Mal aach Würden genossen zu werden. 
Man erinnere sich, dass Beeiboven's erste Komposixion 
dieser Oper in Wien gar niebl ansprechen wollte, und 
dass er sie unter dem Namen „Fidelio*' bedeutend um* 
arbeitete. Auch dies Duett gehört zur ersten Komposi- 
xioD. Duett aus Wilhelm Teil von Rossini , von Herrn 
Schuster und Zezi brav gesungen. Grosse Fantasie (neu) 
über die russische Volkshymne und andere Nazionalme- 
lodieen flir's Violoncell, komponirt und vorgetragen von 
Herrn KM. Kummer. Gefiel ausserordentlich. Elüdc 
von Bordogni und zwei schottische Nazionaigesänge mit 
Begleitung von Flöte, Violine, Violoncell und Pianoforte 
▼on K. M. V. Weber, gesungen von Mad, Schröder- 
Devrient. Duo für Violine und Violoncell ohne Orcbe- 
sterbegleitung (neu), über Motive aus Fra Diavolo, mit 
4er bekannten Virlü der Konzerlgeber exekutirt. 

Donnerstag, den 7. März. Musikalische Soiree im 
Saale des Hdtel de Pologne, gegeben von /. Troplang^ 
Violin - Virtuose (?) aus Paris. Der Mann war zu kei- 
ner glücklichen Epoche in unsere Residenz gekommen. 
Die Kapelle, bereits zum Konzert der Madame Shaw ver- 
aprocbcn, er ohne alle Empfehlung auftretend, konnte 
nur Quarteltbogleitung von Mililairmusikern erhalten, die 
auch nicht Zeit gehabt haben mochten, die Stimmen an- 
zusehen. Er selbst, keinesweges ein junger Mann mehr, 
spielte nicht weniger als sechs Sätze, wovon di^i von 
Hodc, und drei von ihm, ohne alle Abwechslung hinter- 
einander, vor etwa fünfzig Personen in einem Saale, der 
ihrer 400 fasst, demnach mnss er anstatt Vortheil, Ein- 
küsse gehabt haben. Talent hat der Mann Hir sein In- 
strument, und ungemein viel Bogen- und Fingerfertig- 
keit, aber das macht noch nicht Alles. Er erinnert in 
seiner Spielweise sehr an den bekannten Violinspieler 
Boucber, der vor mehren Jahren Teutschland durchreiste. 

Montag, den 11. März. Konzert der Mad. Shaw^ 
der bekannten englischen Sängerin. Stimme, Schule, 
Intonazion sind schön, es fehlt nur ,,Erz^* (Herz), wie 
der verstorbene Kontraltist Ceccarelli zu sagen pflegte — 
wir setzen hinzu — und Gemüth. Der Ilabener hat 
Glutb, der Teulsehe Tiefe und Gemüth, der Engländer 
nur kalte Korrektheit. Wer je die Malibran, Pasta, 
Sonnlag oder Sab. Heinefetter singen hörte und ein wah- 
rer Kenner ist, wird dies empfunden haben. Herr Poh- 
landt jun., Mitglied der Kapelle, spielte das schwere 
Solo von Lrpinski vortrefflich. Eben so brav zeigte sich 
der junge Oboist Uiebendahl auf seinem schwierigen In* 
strumente. 

Freitag, den 15. März. Absehiedskonzert der Ma-^ 
dame Shaw. Der Saal war keineswegs geliilU. Erster 
Thetl^ Ouvertüre zur Oper: Hiltrude von Lintpaintner. 
Gut erfundeft und meisterlieh durehgefiihrt. Arie von.' 
Morlaechi, von Mad. Shaw gesungen. Krakowiak, kom- 
ponirt und gespielt von Herrn Wysocki. Brav (nur et* 
was zu lang) erAuideii und trefflich gespielt. Die Be- 
reitung, das Musikkorps der Kommvoalgarde, war niehl 
mmer im Einverständniss mit dem Pianisten. Arie vo» 
Händel: Holy^ Holy, recht sehöa gesungen» Zweiter 
Theil. Ouvertüre zum Sommemachtstrauffl, von Mendels* 



sbte - BtHhoIdy . Dies^ aebSn^ Mnaikfttiicik ,* . was dif 
Musiker oft gespielt haben mochten, kam gut genug her- 
aus. Arie von Mercadaole» gesungen von der Koazert* 
geberin. Mercadante, den ich seit 20 Jakren kenne, ist 
und bleibt immer derselbe j ein Nachahmer Rossini's« 
Variazionen für das Piano über russische Tbema's voa 
Thalherg, vorgetragen voll Herrn Wysocki. Ward mit 
verdientem Beifall kelobst. Englische und schottisdie 
Nazionallieder, gesungen von der Konzerlgeberin^ mach- 
ten den Beschluss. 

(Beschln«;« folgt.) 



Adolphe N u r r i t 

wurde 1802 zu Paris geborep. Sein Vater, erster Te- 
nor an der grossen Oper daselbst, suchte die sich früh 
entwickelnde Neigung des Sohnes zur Musik zu unter- 
drücken, und brachte den Widerstrebenden als Commis 
in ein Handlungsbüreau ; allein der junge Mensch konnte 
dem Drange seiues Herzens nicht widerstehen und nahm 
heimlich bei einem allen Professor Musikunterricht. Als 
ihn dieser nichts mehr lehren konnte, kam er, immer 
noch ohne Wissen des Vaters, zu dem berühmten Sän«- 
ger Garcia, und hier entwickelte sich seine Stimme so 
glänzend, dass man es wagen durfte, dem Vater die 
Sache zu entdecken. Dieser zürnte anfangs heftig, gab 
jedoch bald nach, und ertbeilte nun selbst dem Sohne 
in demjenigen, was dramatischen Gesang betrifft, die 
sorgrältigsle Unterweisung. Neunzehn Jahre alt, trat 
Adolphe Nourrit zum ersten Male auf, und zwar als 
Pylades in Glucks Ipbigenie auf Tauris (1821), mit 
grossem Beifall, welcher sich noch höher steigerte in sei- 
ner zweiten Rolle, dem Demaly in den Bayaderen (voa 
Catel oder Gyrowetz?). Nach und nach übernahm der 
junge Sänger die ersten Partieen in allen damals belieb« 
ten Opern, und a4s 1826 der Vater Nourrit vom Thea- 
ter abging, erhielt der Sohn alle seine Bollen. Er ver- 
vollkommnete sich immer mehr, namentlich in der De* 
klamazion und Wahrheit des Ausdrucks; eben so edet 
und wahr, wie sein Gesang, war sein Spiel, und so 
zahlreich auch, namentlich in der nachherigeu Zeit, seine 
Rollen waren, so erschien er doch in jeder als ein An- 
derer, indem er jede in ihrem Wesen aufiasste und als 
ein in sich abgeschlossenes fiarakterbild darstellte. 

Das Jahr 1826 brachteanch in anderer Hinsicht eine 
neue Epoche für Nourrit, — es erschien in diesem Jähret 
Rossini's Belagerung von Korinth, für Paris gescbrieben» 
auf der dasigeo grossen Oper. Diese Musik war eine 
ganz andere, als man bis dahin von den französiscbea 
Sängern gehöi*t halle $ das Glänzende, Verzierte war dea 
Letztem noch fremd» und Rossini hatte manche Mühe 
damit. Nourrit war «ntcr den Franzosen der Erste» 
weldier die neue Bahn einschlug, und obgleich ihm die 
Beweglichkeit der italienischen Tenore fehlte, obgleich 
ihm die Natur die Leichtigkeit einer italienischen Kehle 
versagt hatte, so brachte er es doch durch angesti^ng- 
tan Fleisa aocb in dieser Ciattung zur Meisterschaft. Er 
kai an dieser bedeutenden Revolozion im französischen. 
CicaaBgir«»en deii grösatea Antheil, --» Gleich ,$ro9s^fk 



315 



lasa, Apttt. No. 10; 



514 



Yerdieost hatte er mn den nigelieareD Erfolg der Slooi- 
men von Portiei %'od Aaber : 4h Rolle des Masanieilo 
war eine seiner vorzüglichsten. — - Uebrigens wirkte 
Mourrit auch als Lehrer , denn nach Lay's Abgange 
wurde er zum Professor der lyrisoben Dellamazion am 
Pariser Konservatoriiim ernannt, und in dieser Stellung 
erwarb er sich neue glänzende Verdienste um die Bildung 
der jungen Künstler, welche ans diesem Institute her- 
vorgegangen sind. 

Vor zwei Jahren wurde neben ihm Duprez als er- 
ster Tenorist an der grossen Oper zu Paris ansestellt; 
man verlaogle von Nourrit, dass er seine Rollen mit 
diesem neuen Sänger theilen sollte, allein hierdurch ver- 
letzt, nahm er seinen Abschied. Er reiste nach Belgien 
nnd trat in Brüssel mit stürmischem Beifall auf; schop. 
dort aber zeigten sich bei ihm Spuren von Melancholie. 
Hierauf ging er nach Italien » wo er nun freilich eine 
ganz neue Sehnle beginnen Bussie^ da die Italiener nichts 
verlangen, als Gesang, und daher sein edler Vortrag, 
sein geistreiches Spiel, die Harmonie in seiner ganzen 
Darstellung hier nicht am rechten Orte waren. Obwohl 
schon 36 Jahre alt, sebente Nourrit doch die Hinder- 
nisse nicht; er trat in Neapel auf, und wurde mit einem 
Beifall emphngen, der jedem Andern genügt haben 
würde; ihm aber, der mit der Absicht nach Italien kam, 
auch dort im Gesänge eine Revoluzion hervorzurufen, 
wie er es in Frankreich gethan — ihm genügte dies 
nicht; bald überzeugte er sich von der Unmöglichkeit, 
seinen edlen Plan durchzuführen, und seine Scbwermuth 
nahm' immer mehr fiberhand. Bei seinem letzten Auf- 
treten drang mitten durch die lebhaftesten Beifallsbe- 
zeugungen ein Zeichen des Afissfallens in sein Ohr; 
zwar wurde er so|^leich unterdrückt, allein schon hatte 
es den reizbaren Sinn Noqrrits im tiefsten Innern ver- 
wundet, verzweiflnngsvoU eilte er nach Hause, schrieb 
einige Briefe, machte sein Testament nnd nahm sich auf 
die von uns bereits gemeldete Weise das Leben (den 
8. März d. I. J.). — Unter allgemeiner Theilnahme, 
begleitet von einer angeheuren Menge, wurden seine 
sterblichen Reste anf dem Kirchhofe der Madonna del 
pianio beerdigt, nnd ihm einige Tage daranf, eine Tod- 
tenfeier veranstaltet, wobei ein Requiem aufgeführt wor- 
den ist« 

Man kann von Nonrrit sagen, dass sein GKiek sein 
Unglück wurde. Sogleich bei seinem Auftreten mit Bei- 
fall überschüttet , 14 Jahre lang als der Erste und Höchste 
anerkannt, als derjenige, von dessen 'Mitwirkung das 
Bestehen der grossen Oper in Paris abbange, glücklich 
in seinen Familienverhältnissen — kannte . Nourrit das 
Leben nnr von der scbposten Seite^ nnd der erste, wahre 
oder eingebildete, Schlag, der ihn traf^ mnsste ihn ver- 
nichten. Recboet man dann seinen angebornen Ehrgeic,! 
so wird seine krankhafte Empfänglichkeit für Wider- 
wirtigkeiten nnd die daraas nervorgebende Handlang* 
erklärt und — entschuldigt. ' 

Nonitif war fibrigens nieht blös grosser Säuger, er 
hat sich auch ab Schriftsteller , Dichter und .Tonsetzer 
hervorgetban. 



F e u"{ l l e t o n. 

Meyerbeert Crociato in Egitto ist iiac]i den Joniieb^ loselo 
gewandert, und gefiel sehr io seiner ersten Vorstellnng verwicbe- 
nen 6. Oktober auf dem Tbeoter zu Coifit, obwobl die SXnger van 
QBgleiebem Ralib«r waren. Die Meogbini (Palmira) und die Toc- 
cbioi (Armaado) baben srböne. Stimmen und singeagat; beide Da- 
men* und der zicttilicb brnve' Tenor Magcani. waren di« Glaac« 
{lunkte der Oper. Der Basalat Lanri und die Anfaogenn Car- 
otta Orlandi (Felicia) werden sieb vielleicht in einer andern Oper 
besser anszeicbnen. Am 25. desselben Monats ging Donizettfs 
Biisir d'amore in die S^ene, worin der Buffb Giaeoma ManeinelU 
den Dnleamsra bübseb «laebte, dia Meogbioi und Herr Magnaol 
ibre Rollen ebenTaUs gat gaben , und das Ganze gleicbfalla einer 
aebr gnlon Avfoabme siob erfrente. 

Anf dem Tbeater St. Carlo zu Littahtm «aekte nnläBgtt 
Mayerbeers Reberta il diarolo Furore. MaggiaraUi uod die oaeh 
der guten alten Schule aageböriga Sängerin Fariotti wurden wü-* 
tl^end beklatscht. Der einst sd viel versprechende Tenor Paga- 
nini ist wahrhaft zu bedanvrn, zu seinem Aufkommen scheint keine 
Hafibung mefar; als Küaatler niamt er immer ab, und man be- 
liauptet, er habe sieb vor' seinei mit der Lisaaboner Impresa ein* 
gegangenen Verbindlichkeiten ebenfalls losgesagt. Die Tavoia, 
Maggiorotti und der Buffo Campagaoli, 4ie vier bis fdof Jahre auf 
diesem Theater mit Beifall sangan^ kehren bald nach Italien zu- 
riiek; die eben erwShnte Fertotti (Santini) und ihre Schwester 
Clandia sind aber fürs Theaterjabr 1839 und 1840 mit erböbtam 
Hooarar aufs Name eagafirt worden» 

In der 48 Nummer der Revue et Gazette mueimU vom %. De« 
zember 1838, S. 495» in der letzten Nachriebt der Cfaronique 
etraagere beisst es: Donizetti'a Lucraaia Bargia sei anfallen Thea- 
tern der Lombardei verboten gewesen $ nachdem der Fürst Melter- 
oich diese Oper vorigen Herbst zu Lucoa gebort und so viele mu« 
alkalische Schöubeiten darin gefunden, sei das Verbot aufgeboben 
worden; unmittelbar daranf habe man diese Oper in Venedig und 
Trieat gegeben. Hatte die Revue mnsieale die Ailg. Mus. Zeitung 
gelesen , eo würde sie gesehen baben , dass die Lucrezia Borgia 
sogar Für die Scala zu Alailaad im Karneval 1834 kompanirt, dar- 
auf in Brescia und Vincensa, also im Österreichischen Italien ge- 
geben worden ist; dass man sie aber seither uicbt in mebreren 
aadern Städten dieses Rünigreirns gab, davon iat die einzige Ur- 
aaiahe, wail ai» nirgeada aanderlieb gefieL 

Herr j4ndrea Cotta ana Brescia, eia zu Laadon sieb anfhaU 
teader Musiker und Singlehrer (die einst famose Borgondio and 
die Alberiaazi- ^ aiae Engl&nderia — aoUen seine Sebölerianeil 
sein), hat vor einiger Zeit eioe nüter dem Titel : Analitieal oon« 
aideratioos an tbe art of siaging verfaaste «ad der Küatna vair 
England dedizirte Singmethada ia Jeoer Hauptstadt in Drocke 
berauagegebaa. 

Haar Frikd. ÄTanaa/ Festäds, VioliMaC aai Bübman, der aieh 
seit einiger Zeit in Mailand aufhält , apielte MiUiagst bat Ralla 
Quintetten von Beelbovea nnd Spohr mit jenen Geiste, mit wel- 
chem diese Koroposizionen vorgetragen werden müssen. Die mit 
Ihn apieleaden Italiaaer (Greis Rolla die zweite Violiae) hatten 
diaaa berrliebaB Q^nlettea erat jatzl recht kanaeo gelernt. TeaU 
acbe laatraneatalnaaik wird äber^aupt ia llalien ganz aadara «Ia 
in Tentscbland vargelragea. 

Das diasjübrige rheihtiehB Mueififiist wird zu Pfiagstea in 
BMiseldorf f efalcrt .Hindus Maaalaa» Baetbaveaa Siafoaia eroloa, 
Mendelssohns 42r Psaln , GUick's Iphigenia uad eine Hynae vob 
Spohr aiod z«r AalTttbriiag bestimni. Harr Dr. Maadelaauka-Bar^ 
tboldy wird dirigiren. 

Aat 5. Mars hat nan In Mffiirt JtadtthailU Fmuet sar greaaen 
VwvUm atter ZsMrer gegebMi. -- in daraelbea Stadt faad der 
Geiger Prume aaa Lütticb eine enthusiastische Aufnabne. P. bat 
in Leipzig bereiU zweimal im Theater geapklt «ad gilt ia die- 
•ea Tagen ein Konzert im Gewandhaase. 

• . » ■ .1 . • .. ■ , *^ 



315 



1859. Apr». No. 16. 

Aii]£ttnill{jpiiiis^eii. 



316 



Dfe der Vomtli «nierer frfilicfen Ausgabe der 

Pinrtltiir toü mozarTü Don Juan 



ImImh wir im« oiUcUomcii, ilavon 

el 



enckdpfl Ul 

u s s a^b e^ 

die d«rck gi^Seele Blcgaas des Stielies «»d ■M»|s;liclislc KorrekllicU den Anrorderangcn der Zicit, wie de« WapCKe det Wttltae eateprechca 
ktaae, *n nmMtalten, and dictelbe nwk im Uerbele diese» JnJires den Freunden und Verehrern Moxui*s xn übergeben. 

Diese nene Ausgabe wird neben dem tevtschen Texte (naeh RoehIita*s Bcarbeitnng) auch den ilalicniscben entbalfen, nnd wir brau- 
chen kaum zu erwähnen , das« dieselbe ganx ToUsl&ndig sein » also auch alle , bei den gewihnlielien Thealermiffubmngen wegbleibende 
RecitatiTe u. s. w, enthalten werde. 

Bei der Sorgfalt, die wir anf die Hemnsgabe rerwendcn , nnd der Scb^nbeik der insser« Ansstaüvag derselben wird sieb der L.i. 
deapreis bedeutend böber stellen« als der de» früheren Auflage. Wir haben uns jedoch, im Interesse derer, welche sieb dieselbe anxu- 
•ttbnfioi gedenken« nnd im Ycrtranen, dass unser Unternehmen eine recht warme Aufnahme finden werde, entschlossen, 

eine ü ii b s c r i p 1 1 o n 

I« eftUben, «rnd den Frcis der ncnen Ausgabe für alle diejenigen, wekbe bis £j»de jiuyugi dJuti /nbirs dnmuf talitCffilkim iwciden, auf 

Zwölf Thaler oder Achtzehn Gulden Conr. -Münze 

sn stelleu, während der mit Krscheinen des Werkes eintretende Ladenpreis 

Achtzehn Thaler oder Siebenundzwanzig Gulden Conv.^ Münze 

be tra ge n wird. 

Da wir das Verzeiehniss der Terebriieben P, T. Herren Subseribenten» die uns in nnacrem Uulemebme» untetftntiMiy dem Werke 
selbst Tordrucken wollen, so ersuchen wir Sie, uns ihre Namen, recht genau und deutlich gesehrieben, bis spAlestens Ende August die- 
ses Jahres, mit welchem Termine die Subscription unwiderruflich geschlofscn wird, einzusenden. 

Die neue Ausgabe erscheint in einem sehr starken Polioband auf feinstes Mnsiknapier gedraekt nnd wird mit dem tou bewahrter 

Wir dCBncM 



Rfinstlerband gefertigten Portrait des unsterblichen loodiehters geniert sein 
ves, nnd swar für die Herren Snbscribenten elegant eartonnhrt, aussugebeu 
Alle solide Buch- nnd Mnsikhandlnngen nehmen Subacriptioncn an. 
Leipzig, im AprU 1859. 



kca dieselbe 



finde September dieses Jab« 



Breltkopf Os HftrteL 



Subscription bis i. Juli 1859 

auf die hintrrlassenen Werke 

Karl Harlans tou iJTebero 

1. fie Sinfonie es ut (Cdur) po«r rOrcbe^t«, dito nvr. ponr PiuM 

k 4 mains. 
9. Concertino pour VioUneelle aree Acc. de TOrehestre, de Qun- 

tuor on de Piano. 
8. Romanza Sieiltana per il Flaute principnie eon Ace. di Ov- 

obestra, dito eon Aee. di Pianolbrte. 

4. Qnintetio zur Oper RAbezabl ftr 4 Sopran- und 1 B a ss ati nw n e 
mit BegleÜnng des Orcbestem, dito mit Piano. 

IS. Duett für Sopran und Tenor mit Begleitung des Orcbesters 
oder Piano. 

e. Romisehe Arie Ar eine Tenorstimme mit BegleÜnng des Or- 
ehesters, ditn mit Piano. 

7. Grtbgesang im Quailelt oder für eine Stimme. 

8. S Rithselcanons. 

Da die Theilnnhme fdr diese Werke ohne Zweil^ aUgcnmift 
•ein wird, so bietet die Verlagshnndinng gern die Hand, um aneh 
¥nbomillellett die Anscfaaflhn|]p zn ericicbtem, desbnib stellt sie fest t 

f. Es kaon auf jedes einzelne Werk subseribirt werden. 

5. Der Subscriptioiisprcis ist per Bogen gr. Folio in elegantester 
Ausstattung «| Gr. (also die Hldfte des «blieben Preises«) 

3. Der Snbseripüonslermin giU bis 1. JnU e., dam tritt der Imt 

denpreis, d. i. 4 Gr. (K sGr.) per Bogen , ein. 
JL Wcs wunigalens auf 4 Werke der Sammlung subMsribiH , er- 
hält gratis das Portrait R. M. ?. Weber*8 (gestoehen tou J&- 
gcl, gr. Folio) nnd ein Fae-Simile seiner Handschrift. 
Dns Arrangement flir Pianolbrte hoben naerimnni iMitig« 
in diesem Fnebe, die Henua Fr. Mockwils nn ~ ~ ' 



lomnwn. 

ggfcl— ingWP'sche Bueb- nnd Mnrikbandlung In Berlin^ \ 



Bei II* flcMOtt*« 95lUieii in Malm erscheinen mit 
Bigenthumsreeht: 

Burg m Uli er. F., Une matlnee an bord du lac de Come» 2 
Rondinos pour Piano. On. 48. No. I et 9. 

— — Rrakowiak , k 9 et k 4 mains pour Pimo^ 

— — Galop des Corsaires k 4 mains pour Piano. 

et La fönt. Tont pour toi« Romance Tariee pour Piano et 

Violon. 
Durernoy, J. B., Sourenirs du Brasoeur de Preston, 9 Fan- 

taisies pour Piano. Op. 95. No. i et 9. 
Hers, H., Grand Galop ponr Piano» Motils du Brnsscur de 

Preston. 
Variations brfllants et fac. snr un Cayatine de la Cenercn- 

tola, Op. 80, arr. k 4 mains pour Piano par L. Farrcnc. 
*