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Full text of "Militärwissenschaftliche Mitteilungen"

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1 



Crz. 



MITTHEILUNGEN 

ÜBER 

ISTÄNDE 




DBS 



ßTILLERIE- UHD GENIE-WESENS. 



HEBAUSGEOEBEN VOM 
K K. TEOHNISOHEN & ADMINISTRATIVEN 

MILlTÄR-COMITfi. 



ISST- 

HIT 30 TAFELN, 19 FIGUREM UND VIEIEH TABEUEM IH TEXTE. 



WIEN. 

DRUCK UND COMMI8SION8VERLAG VON R. t. WALDHEIM. 

1887. 



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GRÖSSERE AUFSÄTZE. 



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GRÖSSERE AUFSÄTZE. 



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Seite 
Beiträge zur Verwendung der Artillerie. Von Ladislaus Cenna, 
k. k. Major und Batterie-Divisions-Commandant im Corps-Artillerie- 
Regimeut Nr. 14 267 

Praktische Anleitung für den Entwurf von Noth- und halb- 
permanenten Brücken zum Feldgebrauche. Mit vielen 
praktischen Tabellen und zwei Graphikons zum directen Ablesen aller 
Dimensionen von Johann Kropacek. Hauptmann im k. k. Pionnier- 
Regimente. (Fortsetzung) 285 

Praktische Anleitung für den Entwurf von Noth- und halb- 
permanenten Brücken zum Feldgebrauche. Mit vielen 
praktischen Tabellen und zwei Graphikons zum directen Ablesen aller 
Dimensionen von Johann Eropacek, Hauptmann im k. k. Pionnier- 
Regimente. (Schluss.) [Hiezu die 2 Graphikons (Taf. 12 und 13)] . . 329 

Das Schießen und Werfen aus Feldkanonen mit Anwendung 
von Hilf»zielpunkten im allgemeinen und aus verdeckten 
Stellungen. Von Emil Lau f f e r, k. k. Oberst und Commandant des 
14. Corps-Artillerie-Regiments. (Hiezu Fig. 1 bis 5, Taf. 14) .... 351 

Über die Ausnutzung der Schusspräcision eines Geschützes. 
Von Emil Strnad. Hauptmann im Festungs- Artillerie-Bataillon Nr. 6. 
(Hiezu 2 Teitfiguren) 375 

Neuerungen in der Feldausrüstung der k. k. Genie-Truppe und 
ihrer Reserve- Anstalten. A. Detonirende Zündschnur Von Philipp 
He ä ». k. k. Major im Geniestabe und Chef der IV. Section des k. k. techni- 
schen und administrativen Militär-Comite. (Unter Zugrundelegung offi- 
cieller Versuchsdaten bearbeitet.) (Hiezu Taf 15.) fVVird fortgesetzt) . 393 

Überschiff ung von Eisenbahn-Fahrmitteln mittels Pontons 
des k. k. österreichischen Kriegsbrücken-Materials über 
die Drau nächst Warasdin. Beschrieben von Cäsar Mreule, 
k. k. Lieutenant im Pionnier-Begimente. (Hiezu Taf. 16) 415 

Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen 
Feldeisenbahn und Bericht über die Feldeisenbahn- 
Ausstellung in Lundenburg im August 1886. Von Victor 
Tilschkert, Hauptmann im Geniestabe 43I 

Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen 
Feldeisenbahn und Bericht über die Feldeisenbahn- 
Ausstellung in Lundenburg im August 1886. Von Victor 
Tilschkert, Hauptmann im Geniestabe. (Hiezu Taf 19 bis 21.) (Fort- 
setzung) 463 

Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen 
Feldeisenbahn und Bericht über die Feldeisenbahn- 
Ausstellung in Lundenburg im August 1886. Von Victor 
Tilschkert. Hauptmann im Geniestabe. (Hiezu Taf. 23 bis 25.) 
(Sohluss) 503 



Über die Stellung der Aufgaben zu den schriftlichen Aus- 
arbeitungen der Officiere und Cadeten mit Zugrunde- 
legung der Schul-Instruction. VonLadislaus Cenna, k. k. Major 
und Batterie - Divisions • Commandant im Corps - Artillerie - Regimente 
Nr. 14. (Hiezu Taf. 26) 537 

Versuche im Gebiete des Minenwesens. (Versuche mit Gelatine- 
Dvnamit Nr. I und Khexit Nr. I.) Von Heinrich Ritter von Vessel, 
k. k. Hauptmann des Geniestabes 565 

Schnellfeuerkanonen im Landkriege 571 

Neuerungen in der Feldausrüstung der k. k. Genie-Truppe und 
ihrerReserve-Anstalten. Ä. Detonirende Zündschnur. Von Philipp 
Hess, k. k. Major im Geniestabe und Chef der IV. Section des k. k. techni- 
schen und administrativen Militär-Comite. (Unter Zugrundelegung offi- 
cieller Versuchsdaten bearbeitet.) (Hiezu Taf. 27 und 28.) (Fortsetzung) 579 



Der indirecte Schuss der Feld- und Gebirge-Artillerie ')• 

Eine Studie 

von 
J^j^tlxur Ritter -v- «A-rbter, 

k. k. Major det Corpt-ArtillerU-Regimentes Freiherr v. Ilartlieb Nr, 18. 

(Hiezu Taf. 1.) 

Elnleitnng. 

In der vorliegenden Studie habe ich mir die Aufgabe gestellt, zur 
Beseitigung der technischen Schwierigkeiten beizutragen, mit welchen 
der indirecte Schuss oder Wurf beim Feld- und Gebirgsgeschütze ver- 
knüpft ist. 

In der Überschätzung dieser Schwierigkeiten dürfte ein Haupt- 
grund dafür liegen, dass man in den Kreisen der Feld-Artillerie der 
genannten Schussart theilweise noch ziemlich ablehnend gegenüber- 
zustehen scheint. 



*) Diese Studie bildete der Hauptsache nach den Gegenstand einer meiner 
Vorträge für das Officiers- Corps der 1. Batterie-Division des oben genannten Regi- 
mentes im Winter- Sem est er 1886/86. Nachdem ich an dem ursprünglichen Texte 
«einige Ergänzungen vorgenommen, leitete ich den vorliegenden Aufsatz anfangs 
December 1886 an die Redaction der „Mittheilungen". 

Seither ist im J ä n n e r 1. J. die Pränumerations-Eiiiladung zur Broschüre: 
-Studien über die taktische und artilleristische Bedeutung der 
-Masken" (Verd eckungen) für den Feldkrieg" vom k. k. Hauptmann 
<justav Ritter v. Lauf f er, und anfangs Februar die genannte Broschüre selbst 
erschienen. 

Ich constatire dies, um die Aufmerksamkeit des geehrten Leserkreises darauf 
zu lenken, dass die nahezu gleichzeitig erschienenen Arbeiten, welche zum Theilo 
«ia>selbe Thema behandeln, vollkommen unabhängig von einander entstanden 
sind, dass somit von jedem derselben in gleichem Maße die Priorität 
für sich in Anspruch genommen werden kann. D. Verf. 

1* 



2 A r b t e r. 

Xsich meinem Dafürhalten thite man besser, dieser Schossart einige 
Aufinerfc>amkeit zu wiiimen: denn wenn auch in rielen Fällen die Be- 
denki^ g^n die Anwendong des indürecten Schusses berechtigt sein 
m^en. s*> muss d4>ch zugestanden werden, dass derselbe die Wirkungs- 
sphäre der Feld- und Oebirgs-Artillerie erweitert. Wer diese Schussart 
beherrscht, ist um einen Vortheil reicher: ja es konnte sich in künftigen 
Kriegen Hiitunter ereignen, dass einzelne Artilleriekörper vor die Wahl 
gestellt sind» sich entweder des indirecten Schusses zu bedienen. •>der 
untbätig zu bleiben. 

Geschützstellungen, welche nebst allen sonstigen Anforderungen auch 
jene eines roUkommen freien Schussfeldes und einer ungehinderten Über- 
sicht über einen bedeutenden Theil der Gefechtsfront eines grölieren 
feindlichen Heeresk^rpers erfüllen, finden sich nicht überall in aus- 
reichendem Maße Tor. Terrain- und Gefechtsverhaltnisse stehen der Aus- 
wahl guter Geschützstellungen oft hindemd im Wege. Die Raschheit der 
gegenwärtigen Kriegführung bringt es mit sich, dass mitunter Gefechte 
geführt, ja selbst Schlachten geschlagen werden in einem Terrain, welches 
der normalen Entwickelung der Streitkräfte durchau:^ nicht günstig ist. 
Dies gilt Bamentlicfa von Bencontre-4ietechten größerer Heereskörper. 
deren Verlauf oft von nachhaltigem EinÄusse auf den Gang der kriegeri- 
schen Ereignisse ist. 

In ähnlichen Fällen muss «iie Artillerie auch in minder günstisren 
Stellungen, die sie eben findet, den Kampf aufnehmen und darf unter 
Umständen nicht darauf verzichten, aus einer maskirten Stellung oder 
siegen ein maskirtes Ziel zu wirken. 

Ein weiterer Gesichfcspunkt unter welchem der Wert des indirecten 
Schusses für gewisse FäHe hervortritt, ist «iie Bücksicht auf die eigene 
Deckung. 

Alleniings muss bei der Wahl von Geschützstellungen im all- 
gemeinen in erster Linie die möglichste Wirkung, und darf er^t in 
zweiter Linie die möglichste Deckung in Betracht gezt>gen werden, wie 
dies auch der ArtiUerie-Cnterricht im §. 37 verlangt. Auch foniert «iie- 
selbe Vorschrift bezüglich der B«)denbeschaffettheit zwischen der «Ge- 
schützstellung und dem Ziele im allgemeinen ein freies Schussfeld uad 
eine ungehinderte Übersicht. 

Allein an anderer Stelle trägt auch der Jirtülerie-Unterricht der 
Bücksicht auf Deckung Eechnung. indem er sagt: JXe Au&tellun<i hinter 
dem Kamme einer Höhe, hinter einer Terrainwelle. hinter Gebüschen. 
Strai]en«lumnien. Zäunen, hohem <.»etreide. in seichten Vertieftmoreu u. s. w. 



Der indirecte Schuss der Feld- und Gebirgs-Artillerie. 3 

ist vortheilhaft, weil in solchen Aufstellungen die Geschütze der Sicht 
des Gegners entzogen sind u. s. w." 

Dass einer entsprechenden Deckung — wofern die Bedingungen 
einer günstigen Wirkung erfüllt werden — Beachtung zu schenken 
ist, wird gegenwärtig auch von maßgebenden Schriftstellern auf dem 
Gebiete der Taktik verlangt. Dies geschieht keineswegs in der Tendenz, 
der Artillerie eine ungerechtfertigte Schonung angedeihen zu lassen; es 
wird vielmehr gefordert, dass die Artillerie sich nicht vorschnell eiponire, 
sich nicht nutzlos dem Kuin durch das feindliche Feuer preisgebe, damit 
sie dann, wenn sie an dem Kampfe der Infanterie um jeden Preis er- 
folgreich mitwirken soll, auch noch in voller Kraft verfügbar sei. 

So schreibt Thyr in seiner „Taktik" (II. Bd., S. 295) über die 
Aufgabe der Artillerie des Vertheidigers unter Anderem: „In der Ver- 
theidigung geht das erste Streben dahin, das AufEahren der Angriffs- 
Artillerie zu hindern ; gelingt dies nicht, so zieht man die Geschütze 
hinter Deckungen, führt aus diesen heraus einen hinhaltenden Geschütz- 
kampf so lange, bis das Eintreten der Angriffs-Infanterie zwingt, aus 
der Deckung herauszugehen, um sie direct sehen und beschießen zu 
können." Derselbe Grundsatz wird von diesem Autor an anderer Stelle 
noch eingehender erörtert. 

Sich nicht nutzlos dem feindlichen Artilleriefeuer preiszugeben, ist 
besonders dann ein Gebot der Klugheit und der Kücksicht auf das Ganze, 
wenn die eigene Artillerie der feindlichen an Zahl inferior gegenübersteht. 

Mit diesen einleitenden Worten glaube ich dargethan zu haben, 
dass die Feld- und Gebirgs-Artillerie in künftigen Kriegen aller Wahr- 
scheinlichkeit nach öfter in die Lage kommen dürfte, sich des indirecten 
Schusses mit Vortheil zu bedienen, dass es daher von Wichtigkeit ist, 
sich mit dieser Schussart näher zu beschäftigen. 

Bevor ich darangehe, die Anwendung des indirecten Schusses 
näher zu erörtern, möchte ich noch hervorheben, dass der „Schuss oder 
Wurf gegen Ziele hinter Deckungen" — wie der Ausdruck des Artillerie- 
Unterrichtes lautet — nicht zum indirecten Schusse gehört, daher auch 
nicht Gegenstand dieser Studie sein kann. Der Artillerie-Unterricht ver- 
steht unter „Zielen hinter Deckungen" bekanntlich Truppen, welche un- 
mittelbar hinter künstlichen Deckungen aufgestellt sind, und bezeichnet 
als solche Deckungen ausdrücklich: Abtheilungsgräben, Geschützstände, 
Batterien und Schanzen. Für diese Fälle sind genaue Vorschriften fest- 
gestellt, welche sich nur wenig von den Kegeln für den directen Schuss 
unterscheiden ; sie basiren darauf, dass die höchste Linie der, dem Ziele 



4 ' Arbter. 

unmittelbar vorliegenden Deckung iii den Streuungsbereich der gegen 
das Ziel abgegebenen Schüsse föUt. 

Der indirecte Schuss oder Wurf hingegen ist dadurch charakterLsirt, 
dass sämmtliche Schüsse über eine zwischen dem Geschütze und dem 
Ziele liegende Bodenerhebung oder einen deckenden Terraingegenstand 
hinweggehen sollen, dass somit die vorliegende Deckung gänzlich unter- 
halb des Streuimgsbereiches liege. 

Obwohl in solchem Falle das Ziel nicht im eigentlichen Sinne ge- 
deckt, sondern nur durch eine Terrainform oder einen Terraingegenstand 
^verdeckf* ist, wollen wir das deckende Object doch der Kürze wegen 
stets „die Deckung" nennen. 

tber die Znlkssigkeit des Indirecten Schusses und Wurfes im Feld- 
and Gebirgskriege im allgemeinen. 

Die Fälle, in welchen der indirecte Schuss oder Wurf zur An- 
wendimg kommen kann, können in folgender Weise unterschieden werden: 

1. Die Deckung liegt in bedeutender Entfernung von der eigenen 
Geschützstellung, etwa von 600 Schritten an, eventuell näher dem Ziele, 
als dem Geschütze. Dieser Fall, welcher in gewissem Sinne die Analogie 
bildet zum indirecten Demolirschuss der Belagenings-Artillerie, soll in 
den nachfolgenden Erörterungen mit dem Ausdrucke: ^Schuss oder 
Wurf gegen verdeckte Ziele" bezeichnet werden. 

2. Die Deckung liegt nahe vor der eigenen Geschützstellung, etwa 
bis zu 600 Schritte von dieser entfernt im allgemeinen also näher dem 
Geschütze, als dem Ziele. Ein solcher Fall, welcher die Analogie zum 
indirecten Yertheidigungsschusse der Festungs - Artillerie bildet, soll 
kurz: ^Schuss oder Wurf aus verdeckter Stellung- genannt 
werden. 

Diese Unterscheidung mag willkürlich erscheinen, da ja die Deckung 
in jeder beliebigen Entfernung zwischen dem Geschütze und dem Ziele 
liegen kann, somit einer dieser Fälle allmählich in den anderen übergeht. 

Die Gründe, welche zu dieser Unterscheidung und insbesondere 
zur Stipulirung jener Grenze von 600 Schritten veranlassen, sind vor- 
wiegend praktischer Natur und werden von selbst aus den spateren Aiis- 
ttthrungen hervorgehen. 

Zur näheren Charakteristik sei jedoch gleich erwähnt, dass es zu 
den Merkmalen des Schusses oder Wurfes aus verdeckter Stellung ge- 
hört, «lass hei diesem sowohl die Lage des Zieles genau zu ermitteln, 
aN aueh eine verlässliche Schiissbeobachtung möglich ist: denn die 



Der indirecte Schuss der Feld- und Gebirgs- Artillerie. 5 

Deckung befindet sich nahe vor der Geschützstellung, und von einem 
Punkte der ersteren, vielleicht auch von einem erhöhten Punkte aus, 
welcher im Bereiche der Geschützstellung oder hinter derselben liegt, 
kann das Ziel und dessen Umgebung direct gesehen werden. Dies ist 
hingegen beim Schuss oder Wurf gegen verdeckte Ziele nur in seltenen 
Füllen möglich, weil die Deckung von der eigenen Stellung allzu weit 
entfernt oder der gegnerischen Stellung allzu nahe liegt. 

Wir wollen nun versuchen, in Kürze die taktischen und techni- 
schen Bedingungen festzustellen, unter welchen der indirecte Schuss oder 
Wurf im Feld- und Gebirgskriege überhaupt anwendbar ist. Hiebei soll 
vorläufig nur vom Hohlgeschoss-Schuss oder -Wurf die Rede sein. 

Im taktischen Sinne ist die Zulässigkeit des indirecten Schusses 
oder Wurfes insbesondere an folgende drei Bedingungen geknüpft: 

1. Der indirecte Schuss (Wurf) muss nach der Beschaffenheit der 
Lage des Zieles eine entsprechende Wirkung erwarten lassen; 

2. der Gefechtsmoment muss die zu den Vorbereitungen für diese 
Schussart nöthige Zeit bieten; 

3. die Gefechtslage muss die Anwendung des indirecten Schusses 
(Wurfes) ohne Gefährdung der eigenen Truppen gestatten. 

In Bezug auf die erste Bedingung wäre zu bemerken, dass der 
indirecte Schuss oder Wurf nur gegen nicht in Bewegung begriffene 
Ziele, u. zw. vorwiegend gegen Artillerie, dann gegen ausgedehnte, vom 
Feinde besetzte oder zu durchschreitende Örtlichkeiten mit Erfolg an- 
gewendet werden kann. Auf kleinen und mittleren Distanzen müsste man 
— unter sonst gleichen Verhältnissen — den directen Schuss (Wurf) 
stets vorziehen, weil bei der Einfachheit seiner Anwendung die volle 
Wirkungsfähigkeit des Geschützes ungleich leichter, sicherer und inten- 
siver ausgenützt werden kann. Auf großen Distanzen jedoch und nament- 
lich auf sehr großen Entfernungen — über 3000 Schritte — kann der 
indirecte Schuss, namentlich der Schuss aus verdeckter Stellung, in An- 
betracht der Wirkung stets als zulässig betrachtet werden, da ja in 
solchen Fällen ohnedies zumeist mittels des Quadranten und mit Be- 
nützung eines Hilfszielpunktes gerichtet werden muss. 

Die zweite und dritte von den oben aufgestellten Bedingungen 
weisen darauf hin, dass der indirecte Schuss (Wurf) vorwiegend in der 
Periode der Einleitung des Kampfes wird zur Anwendung kommen 
können. In dieser Periode kann sowohl der Angreifer, als der Ver- 
theidiger von dieser Schussart Gebrauch machen. 

In der Periode des entscheidenden Feuerkampfes dagegen wird sich 
die Angriffs-Artillerie wohl ausschließlich des directen Schusses bedienen 



6 



A r b t e r. 



m&^Hen; denn in 4ie8er, i?ieli verhriltnisinäßig rast'h abwiekelnden Phane 
de« Kampfes bat. mau nicht Zeit zu technijitcheij Vorkobruugeiu dm Ziel 
miisö genau erfasHt, ein etwa nötlu^iT Ziplwechsel ohne Zeitverlust durch- 
gofQhrt worden k^iuieu. 

Die Artilk*ne deg Veriheidij^<n's wird in der Periode de^^ ent- 
scheidenden Feuerkainpfes in d».T Regel ^gleichfalls zum directen Feuer 
übergehen müssen, entweder um gegen in Bewegung begriffene Truppen 
zu wirken^ oder um die Wirkung der Angriffs-Artillerie zu panily^iren. 
indem sie diese gleieh nach deren AutVahren auf der Entscheiduni^s- 
IHgtanz — * womöglich «chon wahrend dewsselbeu — energisch l»e kämpft. 
Nur in besonderen Fällen der Detile-Vertheidigung mag es vorkommen, 
diiJiH die Vertheidigungs-Artillerie auch in dieser Kampfperiode au» 
giUisitiger Po8ition ein indirectes und dennoch sehr energisches und 
wirksamem Feuer gegen das vom Feinde zu durchschreitende Deiik^ zu 
richten vermag. 

Was die liuoksicht auf die eigenen Truppen bezüglich der etwaigen 
GefShrdung dundi das eigene Feuer betriftl, so wird derselben beim 
Schusse oder Wurfe aus verdeckter Stellung ebenso Bechnung getragen 
werden können wie beim directen Feuer, da es in diesem Falle möglich ist, 
von der erhöhten Beobachtungsstidhing aus die Bewegungen der eigenen 
Truppen und deren Annilheruug au den Strenungsbereich der eigenen 
Schüsse wahrzunehmen; hingegen wird das Feuer gegen verdeckte Ziele 
— selbst wenn die Deckung weit vor dem Ziele liegt — keinesfalls 
mehr fortgesetzt werden dürten, sobald einmal die eigenen Truppen über 
die Linie der Deckung hinaus vorgedrungen sind. Auch müsste das 
Feuer eingestellt werden, sobald sich Abtheilungen der eigenen Krftfte 
zunächst dem Obertheil einer deckenden Terrainwelle der Schussebi^ne 
eines Flügelgeschützes bis auf 300 Schritte nähern \ 200 Schritte zu beiden 
Seiten der Schusslinie ist bekanntlich die Breite der durch Sprengstücke 
gefährdeten Fljicbei. 

Cber die Zulässigkeit jeder der beiden Art^im des indirecteu Schuss e^ _ 
oder Wurfes im taktischen Sinne wäre noch Folgendes zu bemerken: ^H 

Die Angriffs- Artillerie kann nicht selten in die Lage 
kommen, gegen verdeckte Ziele wirken zu sollen, sei es, dass die ver- 
deckt aufgestellte Artillerie des Vertheidigers zu bekämpfen, sei es, dass 
gedeckt situirte ausgedehnte Orttichkeiten zu bescbieOcQ oder zu be- 
werfen sind. Im erstereu Falle wird der Commandant der Angriffs- 
Artillerie wohl trachten, die Artillerie des (iegners aus einer seitwartigeu 
Position direct und womöglich enfilirend unter Feuer zu nehmen. Ist 
dies jedoch aus localen Gründen und mit Rücksicht auf die Gefechtslage 



Der iiidirecte Schuss der Feld- und Gebirgs-Artillerie. ^ 

nicht ausführbar, so wird man sich — falls die sonstigen Bedingungen 
erfüllt sind — doch zum indirecten Schusse oder Wurfe entschließen 
müssen. 

Auch der Schuss (Wurf) aus verdeckter Stellung kann bei der 
Artillerie des Angreifers zur Geltung kommen. Die AngrilFs-Artillerie 
wird auch aus einer Stellung, welche in der Schussrichtung ganz oder 
zum Theile durch eine Waldparcelle, eine Ortschaft, ein Gehöft, eine 
Anhöhe u. dgl. maskirt ist, gegen ein im übrigen gut sichtbares Ziel 
mit Vortheil zu wirken vermögen. 

Bei der Artillerie des Vertheidigers wird die Möglichkeit, 
ja selbst die Nothwendigkeit des Schusses oder Wurfes aus verdeckter 
Stellung sehr häufig eintreten, weit seltener die Veranlassung zum 
Schusse (Wurfe) gegen verdeckte Ziele, da die Lage solcher Ziele, selbst 
feindlicher Batterien, welche verdeckt placirt sein sollten, nur selten mit 
der nöthigen Genauigkeit zu ermitteln sein wird. 

Fasst man das eben Gesagte zusanunen, so ergibt sich, dass so- 
wohl die Artillerie des Angreifers, als auch jene des Ver- 
theidigers in die Lage kommen kann, von dem Schusse 
(Wurfe) aus verdeckter Stellung Gebrauch zu machen, dass 
jedoch der mit weit größeren Schwierigkeiten verknüpfte 
Schuss (Wurf) gegen verdeckte Ziele seltener, u. zw. zu- 
meist nur von der Artillerie des Angreifers gegen aus- 
gedehnte Objecto angewendet werden dürfte. 

Ich gelange nun zu den Bedingungen für die Anwendung des 
indirecten Schusses (Wurfes) im technischen Sinne. Diese sind: 

1. Die Lage des Zieles hinsichtlich der Schussdirection, der Ent- 
fernung und der relativen Höhe muss mit hinreichender Genauigkeit 
ermittelt werden können. 

2. Es muss eine verlässliche Schussbeobachtung möglich sein. 

3. Lage und Gestalt der Deckung müssen den Schuss oder Wurf 
nach dem Ziele von der Geschützstellung aus überhaupt gestatten. 

Über die zwei ersten dieser Bedingungen wäre Folgendes zu 
bemerken : 

Beim Schuss oder Wurf aus verdeckter Stellung unter- 
liegt die Ermittlung der Schussebene, der Entfernung und der relativen 
Höhe des Zieles in der Kegel keiner Schwierigkeit, da von einem Punkte 
der vorliegenden Deckung aus, mitimter selbst an einem erhöhten Punkte 
im Bereiche der Geschützstellung oder hinter derselben das Ziel direct 
gesehen werden kann. 



I 



g A r b t e r. 

Die Fmnmg der Sehussebene fär jedes Geschütz durch die Wahl 
oder das Ausstecien tod EOlfsrielpunkteii kann anstandslos nach den Segeln 
des AröUerie-Unterrichtes bewirkt werden. Erheischt es die Entfemung, 
die BeschaffeDheit oder das Profil der Deckung, so sind zur ersten 
Markining der Schussebene 2 bis 3 Soldaten anf die Deckung (eventuell 
in das vorliegende Gehölz o. dgL» zu entsenden, welche sich wechsel- 
seitig in die Linie zwischen Geschütz und Ziel einrichten, worauf der 
Hilfszielpunkt ausgesteckt werden kann. 

Auch die Schussbeobachtung unterliegt beim Schusse (Wurfe) aus 
verdeckter Stellung keiner Schwierigkeit. Findet sich im Bereiche oder 
in der unmittelbaren Xähe der Geschützstellung kein für die Beobachtung 
geeigneter Punkt, so wird ein Beobachter auf die vorliegende Deckung 
oder an einen geeigneten Punkt des deckenden Objectes (Gehöftes, 
Waldes o. dgL) entsendet und werden bei großer Entfemung der Deckung 
Zwischenposten zur Vermitteliing der Beobachtungs-Besultate eingeschaltet. 
Hiebei wäre zu beachten, dass der auf eine entferntere Deckung ent- 
sendete Beobachter, eventuell auch die Zwischenposten, mindestens 
300 Schritte auswärts der Bichtungsebene eines Flügelgeschützes stehen 
sollen, um gegen Sprengstücke abnormer Schüsse oder vorzeitig eiplodirt^r 
Geschosse gesichert zu sein. 

Beim Schusse (Wurfe"! gegen verdeckte Ziele werden 
sich hingegen bezüglich der genauen Feststellung der Lage des Zieles zu- 
meist große Schwierigkeiten ergeben. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, 
dass die Situation des Zieles auf Grund der Karte und einer eingehenden 
Becognoscirung mit ziemlicher Genauigkeit bestimmt werden kann : doch 
wird es oft schwer fallen, die Bichtungsebene für das Einschießen mit 
hinreichender Genauigkeit zu markiren. 

Eine Ausnahme hievon kann j>doch dann eintreten, wenn die Auf- 
stellung des Zieles au dem über die Deckung aufsteigenden Bauche der 
feindlichen Geschütze zu erkennen ist. 

Kann die Schussebene von vorneherein nicht genau, wohl aber 
annähernd ermittelt werden, so ist der Schuss (Wurf) gegen verdeckte 
Ziele immerhin anwendbar, wenn es möglich ist die Schussbeobachtung 
von einor entsprechend seitwärts liegenden Stellung aus zu bewirken. 
Dies kann der Fall sein, wenn die deckende Terrainform oder der 
deckende Terraingegenstand nach einer oder nach beiden Seiten der 
Sohussebene von nur geringer Breite ist. 

Aus Vorstehendem geht hervor, dass, mit Bücksicht auf die 
hinreichend genaue Feststellung der anfänglichen Bich- 
t u n g H - K l e m e n t e u n d e i n e v e r 1 a s s 1 i o h e S c hussb eob a c h t u ng, 



Der indirecte Schuss der Feld- und Gebirgs-Artillerie. 9 

der Schuss (Wurfj aus verdeckter Stellung in den meisten 
Fällen ohne besondere Schwierigkeit, der Schuss (Wurf) 
gegen verdeckte Ziele hingegen nur in seltenen Fällen 
mit Erfolg ausführbar erscheint. 

Eine eingehendere Untersuchung erfordert die diitte der vorstehenden 
Bedingungen, d. i. : 

Die Zulässigkeit des indirecten Schusses oder Wurfes 
nach Lage und Gestalt der Deckung. 

Um in einem concreten Falle des Feld- oder Gebirgskrieges rasch 
entscheiden zu können, ob der indirecte Schuss oder Wurf gegen ein 
gegebenes Ziel aus einer bestimmten Geschützstelhmg je nach der Lage 
und der Gestalt der vorliegenden Deckimg ausffihrbar ist oder nicht, 
ist die Feststellung eines möglichst einfachen praktischen Kriteriums 
erforderlich. 

Hiebei muss nach dem früher Gesagten vorausgesetzt werden, dass 
in allen überhaupt in Betracht kommenden Fällen die Entfernung und 
die relative Höhenlage des Zieles, dann die Entfernung und in gewissen 
Fällen auch die relative Höhe der in Betracht kommenden Punkte der 
Deckung mit Bezug auf die Geschützstellung hinreichend genau ermittelt 
werden konnten. Die nöthigen geometrischen Daten können entweder der 
Karte entnommen, oder durch Messung oder Schätzung der Distanzen 
und durch Messung der wissenswerten Höhenwinkel gewonnen werden 
isiehe Schlussbemerkimg). 

Die Frage nach der Zulässigkeit des indirecten Schusses oder Wurfes 
kann dann stets leicht und einfach mittels des Quadranten und des Auf- 
satzes, beim Gebirgsgeschütze mittels des Aufsatzes allein gelöst werden. 

Die Bedingung für die Zulässigkeit des indirecten 
Schusses oder Wurfes nach Lage und Gestalt derDeckung 
ist im praktischen Sinne dahin zu formuliren, dass jene 
Flugbahngarbe, deren mittlere Flugbahn den Zielpunkt 
trifft, bei normaler Höhenstreuung keinen Aufschlag auf 
der vorliegenden Deckung ergebe. 

Denken wir uns nun diese Bedingung für jene Flugbahngarbe 
erfüllt, welche unter Anwendung desjenigen Elevationswinkels erhalten 
wird, welcher nach der Schießtafel der ermittelten Entfernung und 
Höhenlage des Zieles entsprechen würde. Die mittlere Flugbahn dieser 
Garbe sei in Fig. 1 durch den Bogen O M Z* dargestellt. 

Es ist nun nicht ausgeschlossen, dass — sei es"^ in Folge von 
Messungs- oder Schätzlingsfehlern, sei es aus anderen Gründen — beim 



10 A r b t e r. 

Einschießen mit dieser Elevation Weitschüsse erhalten werden, welche 
zu einer Verminderung der Elevation nöthigen. 

In einem solchen Falle könnte nach angemessener Verminderung 
der Elevation die Flugbahngarbe Aufschläge auf der Deckung ergeben. 
In Fig. 1 mag der Bogen G M' Z jene mittlere Flugbahn vorstellen, 
welche der Entfernung und Höhenlage des Zieles Z thatsächlich ent- 
sprechen würde, jedoch in Af die Deckung trifit 

Es ist klar, dass dann die Beschießung des Zieles von der 
Stellung O aus undurchführbar wäre, dass die Geschützstellung somit 
weiter rückwärts, etwa in 0% gewählt werden oder anstatt des Schusses 
der Wurf angewendet werden müsste, oder endlich dass die Beschießung 
des Zieles von dem gegebenen Terrainabschnitte aus ganz unausfühi*- 
bar wäre. 

Um nun bei Ermittelung der Zulässigkeit des indirecten Schusses 
oder Wurfes von vornherein auf die etwa vorzunehmende Elevations- 
Verminderung Rücksicht zu nehmen, ist es am einfachsten, der Unter- 
suchung gleich anfangs nicht die der ermittelten Lage des Zieles nach 
der Schießtafel entsprechende, sondern eine angemessen verminderte 
Elevation zugrunde zu legen. 

Man wird also, um sicher zu gehen, dem Rohre schon ursprüng- 
lich jene Elevation ertheilen, welche der 

bei kleinen Distanzen um 100 bis 200 Schritte, 
„ mittleren „ „ 200 „ 300 „ 

r großen „ „ 300 „ 600 

verminderten Entfernung des Zieles entspricht. 

Bei den nachfolgenden Erörterungen wird daher vorausgesetzt, dass 
dem Geschützrohre zum Zwecke der Untersuchung über die Zulässigkeit 
des indirecten Schusses oder Wurfes die in diesem Sinne verminderte 
Elevation ertheilt worden sei, welche kurz „die angemessen ver- 
minderte Elevation" genannt werden soll. 

Wir wollen nun folgende Fälle unterscheiden: 
I. Das in der Schussebene liegende Profil der Deckung bietet nur 
Einen deckenden Punkt dar. 

A, Der indirecte ScIhish oder Wurf beim Feldgeschütz. 

B. Der indirecte Scliuss oder Wurf beim Gebirgsgeschütz. 

IL Da« in der SchuHsebene liegende Profil der Deckung bietet 
zwei oder mehrere deckende Punkte dar. 



Der indireetc Schuss der Feld- und Gebirgs- Artillerie. U 



I. Das in der Schussebene liegende Profil der Deckung 
bietet nur Einen deckenden Punkt dar. 

A, Der indireote Sohnss oder Wurf beim Feldgesohütz. 

Es soll ermittelt werden, ob das Ziel Z (Fig. 2) von der Geschütz- 
stellung G aus über die vorliegende Deckung hinweg beschossen werden 
kann. Der Punkt B bedeute jenen in der Schussebene liegenden Punkt 
der Deckung, welcher vom Geschütze aus als der höchste sichtbar ist. 
Wir nehmen an, es sei schon bei oberflächlicher Betrachtung des Profiles 
der Deckung offenbar zu erkennen, dass sich zwischen D und Z keine 
bedeutende, das Ziel maskirende (^onvexität mehr vorfindet. 

Das Geschütz wird mittels des Quadranten unter der „angemessen 
verminderten" Elevation gerichtet. A M Z stelle die, dieser Elevation 
der Schießtafel gemäß entsprechende mittlere Flugbahn vor, welche in 
der Höhe MD über den höchsten sichtbaren Punkt der Deckung hin- 
wegstreicht *). 

Soll die volle Sicherheit geboten sein, dass bei normaler Höhen- 
streuung kein Aufschlag auf der Deckung vorkomme, so muss die 
Höhe M D bekanntlich mindestens der dreifachen öOpercentigen Höhen- 
streuung far die Distanz G D gleichkommen. 

Wir wollen nun für die unmittelbar folgende Untersuchung an- 
nehmen, es sei genau 

MD = 3 8,,. 
oder mit anderen Worten, die mittlere Flugbahn .4 il/ Z habe als 
solche die tiefste eben noch zulässige Lage. 

Man denke sich nun den Punkt M der Flugbahn vorläufig im 
Räume sichtbar markirt und den Geschützaufsatz genau der Distanz G D 
entsprechend gestellt, so dass h m = a als Aufsatzhöhe erhalten würde. 
Die verlängerte Visirlinie m v müsste dann offenbar im Punkte M mit 
der Flugbahn A M Z zusammentreffen. 

Nun werde bei ungeänderter Stellung des Geschützrohres der Auf- 
satzstab so weit herausgezogen, bis die verlängerte Visirlinie d v den 
Punkt D trifft, welche Visur wir im Nachstehenden die „Control- 
visur"^ nennen wollen. 

*) In den mir bisher bekannten Lösungen dieser Frage ist auf die Streuung 
des Geschützes keine Rücksicht genommen. Siehe z. B. Lauffer und Wuich: „Ele- 
mentare Schießtheorie", S. 61. Ich halte es für nöthig, die Streuung zu berück- 
sichtigen, was keiner Schwierigkeit unterliegt, wenn das Controlv erfahren auf den 
Gebrauch des Geschützaufsatzes basirt wird. 



12 A r b t e r. 

Das Maß m d = S, um welches die Aufsatzhöhe a zum Zwecke der 
Controlvisur vermehrt werden muss, steht bei bekannter Länge der Visir- 
linie offenbar zu dem Maße M D = 3 s^^ und zur Entfernung G D in 
einem ganz bestinmiten geometrischen Verhältnisse, auf welches wir so- 
gleich zurückkommen werden. 

Dies berechtigt uns zu nachstehender Schlussfolgerung: So wie einer- 
seits, sobald die mittlere Flugbahn durch den Punkt M geht, somit in 
der Höhe M D = 3 s^^ über die Deckung streicht, die Vermehrung der 
Aufsatzhöhe a um das Maß S erforderlich ist, um die Controlvisur bei 
ungeänderter Stellung des Geschützes auf den Punkt D zu bringen, so 
muss umgekehrt, sobald die mit der Aufsatzhöhe a -[" ^ erhaltene Control- 
visur d V den Punkt D trifft, die mittlere Flugbahn durch den Punkt M 
gehen, d. h. um die dreifache öOpercentige Höhenstreuung über den 
Punkt D hinwegstreichen. 

Denken wir uns nun ein entfernteres Ziel Z^ oder ein näher ge- 
legenes Ziel Z, gegeben, und dem entsprechend — bei gleicher Ladung 
— die Elevation vermehrt oder vermindert, somit auch die mittlere 
Flugbahn entsprechend nach auf- oder abwärts geschwenkt, so dass die 
Punkte Jf,, bezw. 3f, an die Stelle von auftreten. Es ist klar, dass dann 
unter den früher gemachten Annahmen auch die verlängerte Control- 
visur durch entsprechende Punkte X>,, bezw. D^ geht, wobei 

M, D^ = M^ D^ = MD == 3 s,oi 

und ebenso, mit einer für die Praxis hinreichenden Genauigkeit 

w, dj = m, d, = m d = S 
sein muss. 

Geht die mittlere Flugbahn durch 3/^, so streicht sie um das 
Maß 3 s^Q '{- M M^ über die Deckung hinweg; der indirecte Schuss 
(Wurf) ist somit anwendbar. 

Ginge die mittlere Flugbahn jedoch durch A/,, so würde sie sich 
der Deckung bis auf das Maß 3 ««o — ^ ^A nähern. Wäre M M^y> s^^, 
so würde die ganze Flugbahngarbe oder ein Theil derselben die Deckung 
vor dem Punkte D treffen. 

Es ergibt sich aus vorstehender Betrachtung die einfache Kegel: 
„Um zu untersuchen, ob der indirecte Schuss (Wurf) unter gegebenen 
Verhältnissen zulässig ist, wird dem Rohre mittels des Quadranten die 
„angemessen verminderte Elevation'^ ertheilt, der Aufsatz auf das 
Maß a (Entfernung der Deckung) + S gestellt und gegen die Deckung 
visirt. Geht diese Controlvisur über die Deckung hinweg, oder trifft sie 
eben noch den höchsten sichtbaren Punkt derselben, so ist der indirecte 



Der indirecte Schuss der Feld- und Gebirgs-Artillerie. 13 

Schuss (Wurf) ausführbar; trifft die Controlvisur jedoch die Deckung 
vor dem Punkte Z), so ist der indirecte Schuss, bezw. Wurf unaus- 
führbar. "* 

* Wäre obige Bedingung nur theilweise erfüllt, d. h. träfe die Con- 
trolvisur nahe vor dem Punkte D die Deckung, so bliebe es selbstver- 
ständlich dem Batterie-Commandanten anheimgestellt, zu beurtheilen, ob 
er — je nach der Entfernung der Deckung und sonstigen Verhältnisse 
— den indirecten Schuss oder Wurf aus der gegebenen Stellung dessen- 
ungeachtet versuchen kann und darf, auf die Gefahr hin, dass eine ge- 
ringe Percentzahl der Schüsse die Deckung trifft. 

Das Maß m d = S ist mit hinreichender Genauigkeit aus der Re- 
lation (siehe Fig. 2) 

md _ MD 
V h ~ V D ' 

oder — wenn 5 in Millimetern ausgedrückt werden soll: 

1000 V ü 

zu erhalten. 

Setzen wir die Distanz 



3 

V D = n.lOO Schritte = — .n.lOOm, 



so erhalten wir: 



> ^ 10 4 40 8,0 

*" n 3 n 



Bis zur Deckungs-Distanz von 600 Schritt kann der Wert von X 
als constant gelten, da die Werte der öOpercentigen Höhenstreuung bis 
zu dieser Grenze den Distanzen direct proportional gesetzt werden 
können. 

Man erhält für n ^ 6 für den indirecten Hohlgeschoss-Schuss so- 
wohl bei der 9cm, als auch bei der 8cm Hinterlad-Feldkanone : S = l'3mm. 

Der eben angeführte Wert von S gilt somit für alle 
Fälle des indirecten Hohlgeschoss-Schusses aus ver- 
deckter Stellung. 

Für den Hohlgeschoss-Wurf, für welchen die Aufsatz-Scala nur die 
Eintheilung von 500 Schritten aufwärts besitzt, müssen zum praktischen 
Gebrauche für Deckungs-Distanzen unter 500 Schritt die Werte a + S, 
bezogen auf den Nullpunkt der Millimetertheilung, berechnet werden. 

Diese Werte, sowie die Werte von S für den Schuss oder Wurf 
gegen verdeckte Ziele, d. h. für jene Fälle, in welchen die Entfernung 



u 



A r b t e r. 



der Deekun^ vom Gesehütx mehr als 600 Schritte beträgt, sind in nach- 
stehender Tabelle zusammengestellt: 



Talbell« I. 



u. s. 1 


H. W. 1 


QMohatB ia 

UuadeMvii you 

Scheint 


»k^ dem 


CUfttferatta« d«r 

4«ekeB4tfft 

Uoki« vom 

Q«mrhtfei in 

Boadertett Yoa 

SehHts 


9rM : Sem 1 »r« ' frn» 1 


Hislertad-FtM- 


mBttfrlatlFelAAnoiitf X. l^^TS 1 


Yerm«hvttBCO Ar 


Asftatxiidhe ^a ^ Ol 

Ar 4m CmkioI- 

VLmr 


Aa£iau- 1 
T«rm«hrvBc$ Ar I 
die CoacroI>Ti(vr 1 




«a» 


1 


bi.s $ 


1-3 ■ 13 


1 


130 i 130 




S 


15 : Vö 


3 


23 


5 32 





. 


10 


l (i X^ 


S 


33 


•0 , 33 


•5 


. 


13 


17 1-7 


4 


44 


; 43 


•0 


, 


u 


IS , 1-7 


5 








t>-0 7 n 


1« 


V^ ■ IS 


6 








60 7-0 ' 


IS 


20 IS 


S 








7-5 9 


20 


2-3 ' 3 


10 








S-5 12 i 


:ö 


3 4 3-3 


12 




, 




11-5 15 


24 


3 7 3-3 


14 








13-5 IS 


2rJ 


3-9 , 2 « 


16 








170 31 ! 


2S 


3 3 3^ 


IS 








ISO 250 • 


m 


35 3 3 


30 








310 30 ' 


35 


4 5 46 


33 








23 35 


40 


6-5 b 2 


34 








240 390 


45 


S-5 S-3 


. 








, 


50 


11-4 11 e 


. 






. 


55 


13 2 < 17-4 


• 






- 


• ■ ■ 1 
Anmerkung. Beim Hohlgescfaoss - Schieäen für BQtfemiingHn «ier 


DeckoBg von 4000 Schritten und darubt^r. dann beim Sohlgescboss- Werfen wxxr«ien 


für die Beredmaiig Ton o die Werte der SOpercendgen Höhenstrenunir aus den 


öOpercentigen Längenstreaimgen and den bestticbenen (gedei'kten' Käumen tnr 


Im Zielhohe bestimmt. Kleine ünrejjeinMÜigkeiten in den bert?chneten W»^rr^n 


▼on 0« welche :>ich daraus eridSren. «las;» zur Berechnung nur «iie ;ibg«^ninderen 


Daten der Schießtafeln benutzt wenlen konnten, wunien dun-h tfnT^iprevh•^nde 


Ausgleichung 


obiger EU^ihen be 


e*?itigt. 











B Dttr iiwilreote Sduu» odar Wlirf 



Gebii^sgeacliilts. 



Die Untersuchunw: über «Ue Zulä4isigk»?it deji indirecten S\'liuss^>i 
oder Wurfes kann beim <7ebinrsgf*schfitz gleichMls nach der tur das 
Feldgeschütz angegebenen Methode durchgeführt werden; nachdem jediK^h 



Der indirecte Schuss der Feld- und Gebirgs- Artillerie. 15 

beim Gebirgsgeschütz der Gebrauch des Quadranten ausgeschlossen ist, 
muss schon die anfängliche „angemessen verminderte'^ Elevation mittels 
des Aufsatzes ertheilt werden. 

Da die dem Geschütze vorliegende Deckung eine directe Kichtung 
nach dem Ziele verhindert, so muss ein einfaches Verfahren gesucht 
werden, um die anfängliche Elevation mit Benützung eines Hilfsziel- 
punktes ertheilen zu können. 

Sind die Entfernungen und die relativen Höhen des Zieles und der 
deckenden Linie mit hinreichender Genauigkeit bestimmt worden, so 
unterliegt dieses Verfahren keiner Schwierigkeit. Es besteht einfach in 
der Kichtung nach einem bei D (Fig. 3) gewählten oder markirten 
Hilfszielpunkte mit einer nach den gegebenen Verhältnissen bestimmten 
Aufsatzhöhe *). 

Es sei (Fig. 3) das Ziel Z von der Geschützstellung G aus über 
die Deckung 1) hinweg zu beschießen. 

Durch Messung, eventuell Schätzung und Kechnung seien folgende 
Größen bekannt: 

X die horizontale Entfernung des Zieles vom Geschütze; 

«s der Ten*ainwinkel des Zieles, 

rirf der Terrainwinkel der deckenden Linie, beide bezogen auf den 
Horizont v H des vorderen Visirpunktes v. 

Hiedurch ist ferner der Gesichtswinkel DvZ=z-f bekannt, unter 
welchem vom Punkte v aus die Punkte D und Z im geometrischen 
Sinne erscheinen. 

Es ist offenbar 

Y= nrf — n,, 

wobei die Vorzeichen der Terrainwinkel gehörig zu berücksichtigen sind ; 
oder mit anderen Worten: 

Der Gesichtswinkel Dv Z kommt der Differenz der beiden Terrain- 
winkel gleich, wenn die Punkte D und Z bezüglich des Horizontes v H 
beide erhöht oder beide vertieft liegen (Fig. 3 a, i); der Gesichts- 
winkel kommt aber der Summe der absoluten Werte der Terrain wink el 
gleich, wenn Z vertieft, D erhöht gelegen ist. 



') Die nachstehende Lösung enthält im Principe nichts Neues. So findet sich 
z. B. in der „Elementaren Schießtheorie" von Lauffer und Wuich eine Andeutung 
dieses Verfahrens. Es dürfte jedoch nicht überflüssig sein, der Darstellung des 
praktischen Vorganges eine kurze Erläuterung der demselben zugrunde liegenden 
Theorie vorauszuschicken. 

2 



1* 



1 r t. t - r 



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"^ I 

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2 w 













Der indirecte Schuss der Feld- und Gebirgs-Artillerie. 19 

um den Gebrauch der Tabelle in der Praxis zu erleichtern, können 
jene |Elevationswinkel e als Argumente gewählt werden, welche den in 
der Schießtafel angegebenen Zieldistanzen entsprechen, und es können 
dann unmittelbar die Distanzen an Stelle der Elevationswinkel als 
Argumente eingetragen werden. 

Auf diese Weise gelangte ich zu nachstehenden Tabellen far das 
indirecte Hohlgeschoss - Schießen und Hohlgeschoss -Werfen aus der 
7cm Gebirgskanone, aus welchen für jede beliebige Zieldistanz und 
jeden noch in Frage konmienden Gesichtswinkel y di® entsprechende 
AufeatzTerminderung für die Visur nach dem Hilfszielpunkte D direct 
entnommen oder durch eine leichte Interpolation gefunden werden kann. 

Diese Tabellen ermöglichen, wie man sieht, ein sehr einfaches, 
schnell ausführbares Verfahren zur Ertheilung der ersten Höhenrichtung. 

Beispiele: Es sei ein Ziel in der Entfernung von 2400 Schritt 
aus der 7cm Gebirgskanone indirecte mit Hohlgeschossen zu beschießen. 
Der Terrainwinkel des Zieles wurde mit — 3®, der Terrainwinkel des 
höchsten sichtbaren Punktes der Deckung mit + 2® bestimmt. 

Man erhält somit den Gesichtswinkel y = 5**- 

Die Tabelle II ergibt für die „angemessen verminderte" Distanz 
von 2100 Schritt, und den Gesichtswinkel von 5* 

d = 83'7wiw. 

Der Aufsatz wird demnach auf 2100 Schritt gestellt, und sodann 
nm 83'7mm vermindert. Mit dem so gestellten Aufsatze wird nach dem 
Hilfszielpunkte D — welcher vorher auf der höchsten sichtbaren Linie 
der Deckung in der Schussebene gewählt oder ausgesteckt worden ist — 
gerichtet, wodurch dem Bohre die entsprechende Elevation ertheilt wird. 

Hiebei muss selbstverständlich der Quer-Arm der Zieldistanz ent- 
sprechend gestellt sein. 

Das weitere Verfahren zur Ermittelung der Zulässigkeit des indirecten 
Schusses (Wurfes) ist im Principe identisch mit dem unter I, A fftr 
das Feldgeschütz angegebenen. Es muss jedoch bemerkt werden, dass 
die Visur auf den Punkt D zum Zwecke der ersten Höhenrichtung 
bereits bewirkt wurde, dass also nur noch erübrigt, am Aufsatze selbst 

die Controle auszuüben, ob die angewendete Aufsalzhöhe A d = a -j- S 

ist, wobei a wieder die Aufsatzhöhe far die Entfernung der Deckung, 
S die dieser Entfernung entsprechende Aufsatzvermehrung für die Control- 
Visur bedeuten. Für hd^a + ^ ist der indirecte Schuss (Wurf) zulässig, 
für Ä < a + S jedoch unzulässig. 



^^^^^^20 ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^*^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^H 


^^^H Die Wert<» von S^ bezw. n -j- X, sind in nachstellender Tabelle 1 


^^^^ verzeicbnet. i 1 




Tabelle IV. 






7cm G e b i r ^^ s k :l h u n .> 








H. 8. 


H. W 




Frülferauuer der 
deekrodeiD LialG 
vom OesobtltK In 

Hunderten Ton 
Sohritt 


AhUaU- 

rar die Control- 
Vi»ur 


EnTfemang der 

deckenden Linie 

von» Ge»üb{>ti: In 

Hunderten yoa 

Schrill 


(a -1- S) mr di« 
Control-Vliur 


AQf^ilillt- 1 

Tenn^ltmiic 5 

mr die Control* 

Vifiur 




mm 


1 








hu 6 


3 5 


1 


12^0 










8 


2 8 


2 


21-7 












10 


30 


3 


32 2 












12 


3-5 


4 


43a 










bci 


14 


41 


5 




6 






£ 


A 


16 


5-0 


6 




6 






Q 


-u 


18 
20 


5-7 

6-7 


8 
10 




6*6 
7-6 








OD 


22 


7-G 


12 




8-7 








M 


24 


9-0 


14 




9 7 








si 


36 


10-0 


. 












a: 


28 


11-5 














^ 
-< 


30 


140 














30 


6-8 


14 




4*7 




£ 




32 


7-0 


16 




6*4 










34 

3C 


9 
9-2 


18 




8 




^^^H Knüpfen wir an das t'nlher angeführte Beispiel an, indem wir hiii- 


^^^ zufnj^^en, dass die deckende Linie sieb auf 300 Schritte vor dem Geschütz 


^H befinde. 


^H Nachdem das Bohr mit der Aufsatzhöbe für 2100 Schritte, ver- 


^B Diindert um 83'7mm, auf den Punkt i> gerichtet worden, wird der Auf- 


^H satz ab|Tc*noramen und nachgesehen, ob die durch den Schuber marklrte 


^H AiifnatzhCihe gröiJer, gleich oder kleiner ist als die Aufsatzhöhe für 


^H 300 Schritte, vermehrt imi 2'5mm. 


^M Nachdem anf den ersten Blick zu erkennen ist, dass die durch 


^H den Schuber markirte Aufsatzhöhe iu der That p^rößer ist als die eben 


^H geforrteiie, ho ist die Zulüssigkeit des indireeten Schusses in diesem Falle 


^M erwiesen. 



Der indirecte Schuss der Feld- und Gebirgs- Artillerie. 21 

Wäre die durch den Schuber markirte Aufsatzhöhe kleiner als jene 
für die Deckungsdistanz, vermehrt um S, so wäre der indirecte Schuss 
unausführbar. Dies letztere wäre in unserem Beispiele der Fall, wenn 
— unter sonst gleichen Annahmen — die Deckung sich in einer Ent- 
fernung von mehr als 500 Schritten vor dem Geschütze beftnde. 

Es mag noch bemerkt werden, dass die punktirten Felder der 
Tabellen II und III jene Fälle sofort erkennen lassen, in welchen der 
indirecte Schuss oder Wurf a priori als unmöglich bezeichnet werden 
muss. Es sind dies jene Fälle, in welchen der Gesichtswinkel DvZ^=^ 
größer ist als der Visirwinkel « v ä = e. 

IL Das in der Schussebene liegende Profil der Deckung 
bietet zwei oder mehrere deckende Punkte dar. 

Gesetzt, es würde — wie in Fig. 4 — das in der Schussebene 
liegende Profil der Deckung derart beschaffen sein, dass sich vom 
Geschütze aus — selbst nach vorangegangener Eecognoscirung der 
Deckung — nicht a priori entscheiden lässt, ob eine Flugbahn, welche 
unter einer bestimmten Elevation von G aus über D^ hinwegstreicht, 
die Deckung im weiteren Verlaufe trifft oder nicht. 

Es ist dies ein Fall, welcher sich in der Praxis leicht darbieten 
kann, da bei etwas ausgedehnteren Terrainformen oder Terraingegen- 
ständen, welche dem Geschütze als Deckung vorliegen, und bei gewissen 
Höhenverhältnissen die Zulässigkeit des indirecten Schusses selbst dann 
noch zweifelhaft erscheinen kann, wenn sie bezüglich des höchsten, vom 
Geschütze aus in der Schussebene sichtbaren Punktes der Deckung 
keinem Zweifel unterliegt. 

Es sei beispielsweise ein in einer Thalniederung liegendes Ziel 
von einem Höhenzuge aus zu beschießen. Terrain- und Gefechts- 
verhältnisse nöthigen der Artillerie eine Stellung auf, welche theilweise 
durch eine bewaldete Partie jenes Höhenrückens maskirt ist. Der Wald 
sei derart dicht, dass eine Stellung am vorderen Saume der Höhe 
— bei X>, — von der betreffenden Geschütz-Abtheilung nicht bezogen 
werden kann. 

In einem solchen Falle wird es wohl angezeigt sein, zu ermitteln 
ob nicht von einer verdeckten Position G aus das Ziel indirect beschossen 
werden könnte. Hiebei muss natürlich vorausgesetzt werden, dass die 
Schussbeobachtung von dem vorderen Saume der Höhe aus, sowie die 
Vermittelung der Beobachtung zum Geschütze möglich ist. 



II A r b t e r. 

Wir wulU'it imu di'iu Uattene-Commandanten in diese Situation 
U^l|t^i\ uti^ Udoh.^t'luui. ttuf wi^lche Weise er sich raseh überzeugen kann, 
\^U U^^r Sv^hUvVt \Hler Wurfv welcher über D^ mit der anxmrendenden 
Kl^VdMvm Kiti\i«vp(kr\'ioUt uicht etwa vor dem Punkte />, von der Deckung 
eiu^tdi^i!^ wirvi. 

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Der indirecte Schuss der Feld- und Gebirgs-Artillerie. 23 

Wird nun die Aufsatzhöhe h d^ — welche durch Visur auf D^ 
bei ungeänderter Stellung des Eohres erhalten wxirde — um das, der 
Lage von 2>, entsprechende Maß A vermehrt, so dass im geometrischen 
Sinne die Visur df, v JD, eingestellt ist , so hat man zur Constatirung, 
ob der indirecte Schuss (Wurf) zulässig ist, nur am Aufsatze nachzu- 
sehen, ob die erhaltene Aufsatzhöhe 

ist, wobei a, die Aufsatzhöhe für die Distanz D,, 8, die nach Tabelle I, 
bezw. IV entsprechende Aufsatzvermehrung für eine directe Control- Visur 
nach X>, bedeuten. 

Wird Ä d, > a, -|- S, gefunden, so streicht die mittlere Flugbahn 
in der erforderlichen Höhe über Z), hinweg; ist ä d, < a, -}- S„ so ist 
der indirecte Schuss oder Wurf unzulässig, bezw. nur -mit Verlust einer 
gewissen Percentzahl von Schüssen ausfuhrbar. 

Die den verschiedenen möglichen Werten von h d, und y ^^t" 
entsprechenden Werte von A sind in nachstehenden Tabellen zusanmien- 
gestellt, von welchen 

Tabelle V fQr die 9cm und 8cm Hinterlad-Feldkanone, 

Tabelle VI für die 7cm Gebirgskanone 
gelten. 

Der Gebrauch dieser Tabellen ist sehi* einfach, die ganze Unter- 
suchung daher leicht und rasch zu bewerkstelligen, wie nachstehende 
Beispiele erläutern mögen. 

Beispiel: Von einem Plateau aus sei ein in einer Thalniederung 
liegendes Ziel aus der 9cm Hinterlad-Feldkanone zu beschießen. Das 
Plateau (Fig. 5) ist gegen das Ziel zu, dicht bewaldet. Auf dem nicht 
bewaldeten Theile bei G — etwa einer Waldblöße — bietet sich eine 
Geschützstellung dar. 

Die Entfernung des Zieles wurde auf 3000 Schritt geschätzt und 
fiir das Probeverfahi-en mit 2600 Schritt angenommen. Der Terrain- 
winkel des Zieles — bezogen auf die Geschützstellung — beträgt 3°. 
Die „angemessen verminderte" Elevation ergibt sich somit nach der 
Schießtafel mit 4*» 11' — 3' = V 11', rimd V 10'. 

Das Profil des Plateaus bietet in der Schussebene zwei deckende 
Punkte D^ und D, dar. 



24 



A r b t e r. 



Aof^ulzh^he hd^ bei d«r Visnr nukch D, 



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Der indirecte Sehuss der Feld- niid Gebirgs-ArtUlerie. 



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26 A r b t e r. 

D, ist von der Geschützstellung 300 Schritte entfernt; der Terrain- 
winkel Wj — bis zu den Wipfeln der Bäume gemessen — beträgt 
+ 40'. 

i3, ist von der Geschützstellung 500 Schritte entfernt; der Terrain- 
Dinkel w, — gleichfalls bis zu den Wipfeln gerechnet — beträgt + 10'- 

Hiemit ergibt sich der Gesichtswinkel 

2), V Z), = Y = 40' — 10' = 30'. 

Die erste, mit dem Aufsatze für 300 Schritte, vermehrt um l'Smm 
vorgenommene Control-Visur geht hoch über D, hinweg; die mittlere 
Flugbahn liegt somit in mehr als genügender Höhe über D^, 

Nunmehr wird bei unveränderter Stellung des Geschützrohres die 
Visur auf D^ eingestellt. Die Aufsatzhöhe ergibt sich hiebei mit 8'7mm. 

Für die zweite Controlstellung findet man aus der Tabelle V für 
Ä d, = 8'7mm und y = 30' die nöthige Aufsatzvennehrung A = 8'8wmii. 

Wird nun in der That die Aufsatzhöhe h d^ = S'Ttwm um das 
Maß A = 8'8mm vermehrt, so resultii-t eine Aufsatzhöhe ä d, = l7-6wim, 
welche diejenige für 500 Schritt (Distanz O D^) um nahezu 10mm 
übertrifft, während nach Tabelle I nur der Aufsatz von 600 Schritt, 
vermehrt um l'Smm, für die directe Control-Visur erforderlich wäre. 

Der indirecte Hohlgeschoss-Schuss ist also unter den gegebenen 
Verhältnissen zweifellos zulässig. 



Beispiel: Wir wollen nun auch den, wenn auch selten vorkom- 
menden, aber immerhin möglichen Fall, dass aus verdeckter Stellung 
gegen ein theilweise verdecktes Ziel zu wirken sei, in einem Beispiele 
darstellen. 

Auch in diesem Falle ist das unter II angegebene Verfahren un- 
verändert anwendbar. 

Von einem Höhenrücken aus sei aus der 9cm Hinterlad-Feldkanone 
gegen ein im Thale liegendes Ziel Z — etwa gegen eine Ortschaft — 
zu wirken, welche durch eine vorspringende Form der Thalbegleitung 
ganz oder theilweise maskirt ist (Fig. 6). 

Der höchste Theil des Kückens — bei D^ — sei für schweres 
Feldgeschütz unzugänglich. Die Geschütze müssen daher in zurück- 
gezogener Stellung bei G placirt werden. 



Der imlirecte Schuss der Feld- und Gebirgs- Artillerie. 27 

Folgende Daten wurden theils nach der Karte, tlieils durch Messung 
oder Schätzung eimittelt: 

Die horizontalen Entfernungen G Z = 2400 Schritt, G B, === 
= 100 Schritt, D^ Z = 400 Schritt. Für das Controlverfahren wird Z 
mit 2100 Schritt und GD^=GZ— D^ Z=1700 Schiitt angenommen. 

Die Ermittelung der Terrainwinkel ergab: 

ZG H=^n, = — V',D,G H = n, == + 110; D^ G H ^ n, = 

= — 1^ 30'. 

Somit ist der Gesichtswinkel 

JD^ V Z>, = Y = 12' 30'. 

Der angenommenen Entfernung des Zieles von 2100 Schritt ent- 
spricht nach der Schießtafel für das Hohlgeschoss-Schießen der Elevations- 
winkel von 3* 6'. Bei Berücksichtigung des Terrain winkeis von — 3° 
würde die Elevation von 0° 6' resultiren. Dies lässt gegenüber dem 
Terrain Winkel n^ = -{- W a priori erkennen, dass der Hohlgeschoss- 
Schuss nicht anwendbar ist. 

Es ist nunmehr zu untersuchen, ob der Hohlgeschoss-Wurf unter 
den gegebenen Verhältnissen angewendet werden kann. 

Zu diesem Zwecke wird vorerst dem Bohre die „angemessen ver- 
minderte" Elevation ertheilt. Der „angemessen verminderten" Distanz 
Ton 2100 Schritten entspricht für ein Ziel im Mündungshorizonte die 
Elevation von 14** 50', somit bei Berücksichtigung des Terrain winkeis 
n,= — 3® die Elevation von 11* 50'. 

Diese Elevation wird dem Bohre mittels des Quadi*anten ertheilt. 

Sodann wird der Aufsatz nach Tabelle I, entsprechend der Deckungs- 
distanz G D^ = 100 Schritt auf 12mm gestellten und die Control- 
Tisur vorgenommen; dieselbe geht in einiger Höhe über D, hinweg. 
Die Deckung bei D^ bildet daher kein Hindernis für den Hohl- 
geschoss-Wurf. 

Zur Herstellung der zweiten Controlstellung bezüglich Z), wird 
znerst der Aufsatz so lange herausgeschoben, bis die Visur auf D^ trifft. 
Man erhält hiebei eine Aufsatzhöhe von 14'5mm. Nach Tabelle V ent- 
spricht dieser Aufsatzhöhe h d^ = I4*5mm und dem Gesichtswinkel 
/>, r jD, = Y = 12° 30' die Aufsatzvermehrung A = 222'5mm für die 
Contarolstellung bezüglich des Punktes D,. 



SN A r b t r. 

hu« Aiirf<ntxli/)lio für diono Controlstellung beträgt somit 

I4ß 1- 222-5 = 237mm. 

Mmm Nioltt Hin AufHiitxo Hofort dass diese Aufsatzhöhe gleichkommt 
iliM' AdiMntMitOho \\\v dio DiMtanx ü^ =^ 1700 Schritt, vermehrt um 

0« uuu uwoh 1'ulMdlo I für die Controlstellung bei directer Visur 
\u\\A\ /*, HMr dor A«r>mtÄ (Wv 1700 Schritt vermehrt um 18mm, er- 
UMilorlioh l«t» j<o Ut dio Zuh^ssijfkoit des Hohlgeschoss- Wurfes unter den 



IVi* ^Jh»« «ii^^^Wu^ \>rfiihr^n gilt auch dann, trenn mehr als 
<^v4l ^^l^t^ii^ IHiukh' in 4^ Sohu^^^^h^n^ liegen. 

>»*y^ I^My^ i* 4\<^m F;UW die Ge^i^ioktswinkel •; für jeden der 
^V^V^^ f ^^, t\ Kr^^yisi *uf t\ lu ermitteln und die nach 

tW^sV \ Vt ^^r<N*5t<?3t>t<(t v\>n^rv>lsieUun$en 4m Au&itze zu geben. 
tVt \,^xW^ JS^c xv^«^:v<^irÄ Au^^ulhMiee a li^, *i^_. mit den 
n»s6 tVKxV k s\ ^ iy \ wi^^^NVisÄTv^z ffffxvrderlkkh» Avfsitzlioken 
Ai - K, V ' K 4l»s^ ^ J^!^kis>^eit «v^«- rinifesiefcHt des in- 






Y^.' M. •» < : ♦ > I ^ » 1 I j"^: 1 v>> it> ' ^ ^ ti ;l7fr >A-tliung 

s* yy.*w, luv am fi•\hU1^><*^•>^^<^;•lu^^^ v. l»"'^£in*i> >r ii ihn >l40ftürftffe*lll 

■ la«. ^. T. '. v. Sv. i>in^r »N.»!u>^5 :'.^ »|i i-^»-vt»h': n»v*i {auil. Öi**f 11 
:^i «•... ».ri'.M«;i ** V Slirnni^ «N.»l»i>5< ms »>rt^ Sri.-*" ^^•»Ihmc SHE" Ax»- 

-.»'üliii;^ sinn»-. >x;"*t. ^ :* h^Vv-UuI:-^ fh!»»» .^i>v uiu%«ftl. IJhllll Ölt- l«f3H 

ii -- ^si^j t.» .^'"^.^^ r. v.*»Ttrt5^^- /.Äs^ t!».^-N un dt» n*»: 3ÜfJ- 



Der indirecte Schuss der Feld- und Gebirgs-Artillerie. 29 

Slirapnelschuss vermehrt wird. Diese Differenz beträgt beim Feldgeschütze 
für mittlere und große Distanzen 4 bis 6', also rund 5'. 

Die Eegelung der Tempirung hätte genau so zu geschehen wie 
beim directen Schusse. Für die Durchführung des Schießens kann sieh 
keine ernstliche Schwierigkeit daraus ergeben, dass im Commando anstatt 
des Aufsatzes die anzuwendende Elevation und sodann die Tempirung 
anzugeben wäre. 

Beim Gebirgsgeschütze wäre die beim Einschießen mit Hohl- 
geschossen für die Kichtung nach dem Hilfszielpunkte ermittelte Auf- 
satzhöhe um jenes Maß zu vermehren, welches der Differenz zwischen 
der Aufsatzhöhe des Hohlgeschoss-Schusses und jener des Shrapnel- 
schusses für die Zieldistanz gleichkommt. 

Der indirecte Shrapnelschuss gegen verdeckte Ziele 
könnte — nach vorherigem Einschießen mit Hohlgeschossen — nur in 
jenen seltenen Fällen angewendet werden, in welchen von einem seit- 
wärts gelegenen Punkte aus eine genaue Schussbeobachtung möglich ist. 
Bezüglich der Übertragung der Elevation gilt das oben Gesagte. 



Schlussbemerkung. 

Um die Anwendung der vorstehend erörterten einfachen Methoden 
zur Ermittelung der Zulässigkeit des indirecten Schusses oder Wurfes i n 
allen Fällen zu ermöglichen, müssten die Batterien mit nachstehenden 
Behelfen versehen werden : 

1. Jede Feldbatterie mit den Tabellen I und V (Tabelle I nach 
Calibem gesondert); jede Gebirgsbatterie mit Tabellen II, III, IV und 
VI. Diese Tabellen wären auf Leinwand oder Pappe aufzuspannen und 
gemeinschaftlich mit der Schießtafel in einem Täschchen zu versorgen. 

2. Jeder Batterie wäre ein ganz einfaches, leicht zu handhabendes 
Instrument zur Messung der Terrainwinkel beizugeben. Die Einrichtung 
dieses Instrumentes brauchte keine subtile zu sein, da eine weitgehende 
Genauigkeit der Messung hier nicht erforderlich ist. 

Ein nach Art eines gewöhnlichen Transporteurs geformter, durch 
ein Lineal abgeschlossener Gradbogen und ein um den Mittelpunkt des 
getheilten Kreises leicht drehbarer, mit einem Gewichtchen versehener 
Zeiger würden die Bestandtheile dieses Instnimentchens bilden. Der 
Nullpunkt der Theilung hätte in dem auf der Linealkante senkrechten 
Halbmesser zu liegen. 



30 Arbter. Der indirecte Schnss der Feld- und Gebirgs-Artfflerie. 

Um einen Höhenwinkel zu messen, wäre das Instroment mit dem 
Gradbogen nach abwärts derart vor das Auge zu bringen, dass die Ebene 
des Gradbogens vertical steht ; sodann wäre dem Instrumente jene Lage 
zu geben, dass die Visur über die obere Kante des Lineals naeh dem 
gegebenen Punkte im Terrain geht. Nachdem der Zeiger zur Buhe ge- 
kommen, wäre derselbe durch eine einfache Arretirvorrichtung festzustellei 
und sodann, der Stellung der Zeigerspitze entsprechend, der Höhen- 
winkel direct abzulesen. 



: Fig. 5. 



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J^ Fig. 3a. 



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31 






Minimalscharten- und Verschwindungs-Lafetten. 

Von 

J'u.li'U.B Jb^aAxdxy, 

h. k. Hauptmann de» ArtiUtrU$tahf. 

(Hiezu Taf. 2 und 3.) 

In dem Grade, in welchem die Schusspräcision der Geschütze und 
die Wirkung ihrer Geschosse zunahmen, machte sich auch das Bedürfnis 
nach besonderen Maßregeln geltend, durch welche es ohne Beeinträch- 
tigung der Wirkungsfahigkeit der eigenen Geschütze ermöglicht werden 
konnte, diese vor einem frühzeitigen Kuin durch die Einwirkung des 
feindlichen Feuers zu bewahren. 

Die Bestrebungen in dieser Bichtung führten dazu, dass man: 

1. die Verwendung der Geschütze in eingedeckten Bäumen in Aus- 
geht nahm, wobei die Geschütze, durch „ Scharten "^ feuernd, in Lafetten 
verwendet werden sollten, für deren Einrichtung die Bedingung minimaler 
Schartenöffiaungen in erster Linie maßgebend sein sollte (Minimalscharten- 
Lafetten) ; 

2. die Verwendung der Geschütze hinter oflTenen, entsprechend 
hohen Erd- oder Stein-Brustwehren in Bücksicht zog, wobei für die in 
diesem Falle „über Bank" feuernden Geschütze Lafetten von solcher 
Einrichtung in Aussicht genommen wurden, dass das Geschütz nur so 
lange dem directen feindlichen Feuer ausgesetzt bleibt, als es zur Abgabe 
ies Schusses tmbedingt erforderlich ist, nach dem Schusse aber selbst- 
thätig eine gedeckte Position hinter der Brustwehr einnimmt [Verschwin- 
Jongs-Lafetten *)]. 

Seit einem Vierteljahrhundert schon ringen diese beiden Principien, 
von denen jedes die Existenzberechtiguung für sich allein in Anspruch 
nimmt, um die Hegemonie. Die Bewegung, welche sich anfangs nur auf 
die militärischen Kreise einzelner Staaten beschränkte, hatte bald die 
Wissenschaft und Technik der ganzen Welt ergriffen. Heute indessen 



•) Nach dem englischen disai)pearing gun earriage». Die Namen „Gegengewichte- 
Lafetten". „Senkungs-Lafetten" etc. bezeichnen nur das Constructionsprincip einzelner 
zu den Verachwindungs-Lafetten gehöriger Lafetten-Construotionen. 



32 M a u d r y. 

scheint diese Bewegimg ihren Culminationspunkt bereits überschritten 
zu haben und der Kampf zwischen den beiden Eivalinnen, wenn auch 
nicht beendet, so doch zu einem Stillstande gekommen zu sein: die 
meisten Staaten haben den Panzer auch für ihre Landbefestigungen als 
Deckungsmittel angenommen, die unscheinbare Minimalscharten- 
Lafette hat unzweifelhaft über ihre ältere und imposan- 
tere Schwester, die Verschwindungs - Lafette — vor- 
läufig wenigstens — den Sieg davongetragen. 

Es mag demnach der gegenwärtige Moment nicht nur für historisch 
interessant, sondern auch für zeitgemäß erachtet werden können, um sich 
über die Entwickelung der in Eede stehenden Lafettirungen zu infor- 
miren und sich auf diesem, selten reich bebauten Felde militär-techni- 
scher Arbeit eine allgemeine, orientirende Übersicht zu verschaffen. 



A. Minimalscharten-Lafetten. 

Es ist nicht leicht, den Beginn jener Bestrebungen zu fixiren. 
welcher als der eigentliche Ausgangspunkt zur Schaffung von Minimal- 
scharten-Lafetten angesehen werden könnte. Ist es auch unverkennbar, 
dass mit der in den Anfang dieses Jahrhunderts fallenden Anwendung 
von Reihbalken, deren Pivot unter die Scharte verlegt erscheint, die 
Möglichkeit geboten war, eine von der Größe des Bestreichungswinkels 
— wenigstens in der Breite — ziemlich unabhängige, minimale Scharten- 
dimension zu erhalten, so muss doch hiebei im Auge behalten werden, 
dass nur die Sorge für eine leichtere und bequemere Bedienung und 
Handhabung der Geschütze für diese Anordnung maßgebend war, keines- 
wegs aber das Streben, die Schartenabmessungen zu reduciren. 

Die geringe Schusspräcision der Geschütze dieser Periode gab auch 
keine Veranlassung, eine solche Maßregel zur Erhöhung der Deckung in 
Erwägung zu ziehen. Die Anregung hiezu wurde erst in der Mitte dieses 
Jahrhunderts (1850 bis 1860) durch die Erkenntnis gegeben, dass bei der 
Schusspräcision gezogener Geschütze die erfolgreichste Bekämpfung des 
Gegners durch das Demontiren seiner Geschütze, wofür die großen 
Schartenöffnungen äußerst günstige Verhältnisse boten, erwartet w^erden 
könnte, und erst unter dem befruchtenden Einflüsse dieser 
Erkenntnis wurde die Idee der Minimalscharten-Lafette 
gebore n. 



Minimalscharten- und Verschwindungs-Lafetten. 33 

Gleichwohl konnte zur Eealisirung dieser Idee das Princip der 
Reihbalken, durch welches die Erzielung minimaler Schartendimensionen 
wenigstens im horizontalen Sinne ermöglicht war, beibehalten und ver- 
wertet werden. Um aber auch im verticalen Sinne minimale Scharten- 
abmessungen zu erzielen, musste auch die Schartenhöhe vom Bestreichungs- 
winkel unabhängig gemacht werden. Dieser constructiv weit schwieriger 
zu lösenden Aufgabe suchte man anfänglich durch die Anwendung 
variabler Höhenlagen der Schildzapfenaxe des Bohres in ökonomisch 
einfacher Weise, zumeist durch Anwendung verschieden großer Bäder 
unter sonstiger Beibehaltung der normalen Lafetten des Artillerie- 
Materials gerecht zu werden; es war indessen klar, dass der gestellten 
Forderung nur durch besondere Lafetten-Constructionen, „Minimal- 
scharten-Lafetten", in vollkommenerer Weise Eechnung getragen 
werden konnte. 

Das wesentliche, jede Minimalscharten - Lafette charakterisirende 
Moment liegt demnach darin, dass das Bohr auch für seine Bewegungen 
im verticalen Sinne keine größeren Schartendimensionen beansprucht als 
für seine Bewegungen im horizontalen Sinne um ein unter der Scharte 
gelegenes Pivot. 

Die analytischen Constructions-Bedingungen hiefQr lassen sich leicht 
aus folgender Betrachtung abstrahiren: 

Bezeichne in Fig. 1 MN die Ebene der Schartenenge, S die Schild- 
lapfenaxe eines in einer gewöhnlichen Lafette gelagerten Bohres, a die 
Größe des Elevations- (oder Senkungs-) Winkels, x- den hiebei über die 
Ebene der Schartenenge hinausreichenden und l den innerhalb derselben 
Terbleibenden Theil der bis zu den Schildzapfen gemessenen Bohrlänge, 
ferner f jenen Winkel, welchen die Bewegungsrichtung jedes beim Eück- 
laufe des Geschützes die Ebene der Schartenenge passirenden Punktes der 
Eohraxe mit der Bichtung der Bohraxe selbst einschließt, endlich 2 a die 
for den ungehinderten Durchgang des größten in die Scharte reichenden 
Bohrquerschnittes erforderliche Höhendimension der Scharte, so ergibt 
ach aus Fig. 1 die für eine gewöhnlich« Lafette ober (oder unter) der 
durch die Schildzapfenachse gelegten Horizontalebene AB erforderliche 
Schartenhöhe : 

iZ = Z sin a -|- a? sin Y + « IV 

Für eine Minimalscharte darf jedoch keine größere Schartenhöhe 
in Anspruch genommen werden, als für den Durchgang des größten die 
Scharte passirenden Bohrquerschnittes unbedingt nothwendig ist, d. h. es 



«4 MÄndrj. 

^ntf /|>^»^ Hr.\mri^uMho oJmt (itnifr) der erwähnten Horizontalebene il Ä 

II .-. «. 

I^ltr <ll(iMnn KtiU «^ritlbt Mich zur Erzielung einer minimalen Scharten- 
hnliM MMN OtdlrttiniK 1) <lio Hmün^ung: 

/ Hin a -|- X sin y =» <>» 

wi^loliiM' (l^iitttfo tfob^lntot wonltMi kann durch die beiden Wertepaare: 

/ und a? --- 2) 

l i> und Y 3). 

V\\\ \UI\ot dio Kr^ioluu^ minimaler Sohartenhöhen zu ermiVglicheny 
)iM OA iv^^n Mittoh 

«.♦^ ilu* rvkUs>tUuctiott \Wr l^atVtte so einiurichten, daäs die Aie, 
uw v^vAs^Uo üvch vIä* Rv^iic b^i saunen Bewegungen im Terticalen Sinne 
du^feU m Uw ^*it;w:k«ettge. d. u nach O verlegt erf^^heint wobei das 
Kv^ht \\^l^>it »icM aber Uie Kbene dt»r Soharteneoge hinaasreiehen darf 

tVvvvvr W^Aiivi^u Voi^ieruötg l;wttt tttdeiÄ>ea nur bei Tertetatjgmifiig 
l^ui ^v-a Kv^llfvtt vKjfe.^r bei s^»br ^crviJeit Rrttscw^lirstirteü Recfcumg g^^tragen 
^xH^ISMt ^^it* t^* CbeHSe?^ btäkbett oieaere V^rcuclte iirgecfcait. ifts$ es 
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Minimalscharten- und Verschwindungs-Lafetten. 35 

die BewegiiDgsrichtung der die Schartenenge passirenden Kohrquerschnitte 
in die jeweilige Eichtung der Bohraxe fällt. 

Zu diesem Zwecke wird sich das Bohr im allgemeinen offenbar 
nicht parallel zu seiner Feuerstellung zurückbewegen dürfen, sondern 
muss während der Zurückbewegung nach dem Schusse seinen Höhen- 
winkel allmählich ändern. Die Art dieser Änderung ist dadurch bestimmt, 
dass jede Drehung des Bohres im verticalen Sinne nur um die Achse 
erfolgen darf, so dass die Bohrachse auch während der ganzen Zurück- 
bewegung des Geschützes sich stets um die in der Schartenenge liegende 
Horizontalaxe dreht. 

Es muss daher jeder der die Schartenenge passirenden Bohrquer- 
schnitte, z. B. -4, indem sich die Schildzapfen des Bohres (Fig. 6) in 
einer durch die Geschützunterlage bedingten Bichtung geradlinig von S 
nach 8^ bewegen, eine Curve AA^ beschreiben, welche durch den Punkt 
hindurchgehen muss. Ferner muss die Lage der Bohraxe OS* in dem 
Momente, in welchem der betrachtete Bohrquers^nitt (in unserem Falle -^) 
die Schartenenge passirt, also mit übereinfallt, zufolge der Bedingung, 
dass in diesem Momente die Bewegungsrichtung des erwähnten Bohr- 
querschnittes A mit der Bichtung der Bohraxe zusammenfallen müsse, 
im Punkte eine Tangente an die Curve AA^ sein. 

Beim Vorlaufe des Geschützes (oder Vorführen) beschreibt jeder 
Rohrquerschnitt dieselbe Curve wie beim Bücklaufe, nur in imigekehrter 
Bichtung. 

Als specielle Fälle dieser allgemeinen Art der Bohrführung zur 
Erzielung minimaler Schartenhöhen ergeben sich: 

1. Der Winkel fi = 0. — Dann bewegt sich das Bohr stets in der 
Sichtang, welche die Bohraxe in der Feuerstellung innehat, zurück, und 
die Curve AA^ wird zu einer Geraden, die mit der Bohraxe zusanmien 
fiUlt und stets durch hindurchgehen muss. 

2. Der Bücklauf ist ganz aufgehoben. — Dann wird die Curve A -4, 
zum Punkt, der mit dem Punkte zusanmienfäUt. 



Während nun sänmitliche neueren Minimalscharten-Lafetten aus- 
schließlich nach dem durch Belation 3) charakterisirten Princip construirt 
rind, basiren die älteren Constructionen zumeist auf dem durch Belation 2) 
ausgedrückten, unleugbar einfacheren Constructionsprincip. Allein trotzdem 
wurden schon bei diesen Lafetten die unvermeidlichen Complicationen 
in der Einrichtung derselben, sowie auch die Schwierigkeiten in der 



36 M a u d r y. 

Handhabung, endlich die verhältnismäßig großen Anschaffungskosten als 
ebenso gewichtige, wie allgemeine Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit 
und Kriegsbrauchbarkeit dieser Constructionen angesehen. 

Das königl. englische Eriegsministerium nahm zwar aus den ersten, 
Hcheinbar günstigen Versuchen, welche 1869 mit einer für einen Seehszöller 
bestimmten Minimalscharten-Lafette (System Shaw) durchgefahrt wurden, 
die Veranlassung, solche Lafetten für die zur Armirung des Kuppel- 
schiffes „Prinz Albert" bestimmten Kanonen, wie auch far die Geschütze 
der im Bau begriffen gewesenen Landbefestigungen zu verwenden. Die 
ungünstigen Erfahrungen jedoch, welche in der Folge mit einer nach 
demselben Princip für einen ZehnzöUer erbauten Versuchslafette gemacht 
wurden, veranlassten das königl. englische Kriegsministerium schon 1870 
zu dem Entschlüsse, die in den Panzerplatten der Breakwater- und 
Cunnigsham-Forts bereits ausgearbeitet gewesenen Minimalscharten zu 
erweitern und hiedurch die Verwendung der bestehenden Lafetten-Systeme 
wieder zu ermöglichen *). 

Auch die österreichischen, 1867 bis 1874 gewonnenen Erfahrungen 
fl\hrten zu der Überzeugung, dass es rathsam erscheine, sich zur Anwendung 
von Minimalscharten-Lafetten selbst dann, wenn eine entsprechende Con- 
struction derselben mit der Zeit gefunden werden sollte, nur dort zu 
entschließen, wo räumlich beschränkte Emplacement- Verhältnisse zu deren 
Anwendung zwingen (auf Landzungen, künstlichen Inseln etc.), in allen 
anderen Fällen aber dem offenen Wallfeuer den Vorzug zu geben und 
tHr eine entsprechende Deckung von Geschütz und Mannschaft durch 
hohe Brustwehren und die Anwendung von Verschwindungs-Lafetten in 
einfacherer Weise Sorge zu tragen*). 

Ja, die scheinbare Unmöglichkeit, eine entsprechende Minimal- 
soharten-Lafette zu finden, ließ 1873 sogar die Idee entstehen, der 
Construction solcher Lafetten durch die Anwendung verschiebbarer Minimal- 
scharten, d. L beweglicher Schartenverschlüsse mit minimalen Scharten- 
öffnungen, welche die Verwendung der normalen Lafettirungen ermög- 
lichen sollten, aus dem Wege zu gehen. Zur Durchführung dieser Idee 
kam es indessen nicht. Denn als mit der allgemeinen Anwendung der 
l^ressionsfuhrung und der Anwendung des Kupfers als Geschossführungs- 
Material die Geschütze einen ungekannt hohen Grad von Schusspracision 
erreichten : als mit der fortschreitenden Entwickelung der Geschütztechnik 
die Constniction der größten Geschütz-Caliber durchfiüirbar wurde und 



*) ^Repnrt of the Special Commütee on muzzle pivotmg cat-riaye* 1870,^ 
*i ^Bericht des Militär- Comit es an das Reichs-KriegsiAiiiisterium 1873.** 



Minimalscharten- und Verschwindungs-Laffetten. 37 

Geschütze von enormer Leistungsföhigkeit und kolossalem Werte in den 
Dienst der Artillerie eingestellt wurden ; als hiedurch das Bedürfnis nach 
einem verlässlichen Schutz dieser oft riesige Capitalien repräsentirenden 
Kampfmittel dringend fTihlbar wurde und man endlich bei der in der 
Industrie inzwischen vielfach in Anwendung gekommenen Massenverwen- 
dung des Eisens in dem Panzer das einzige, einen ausreichenden Schutz 
verbürgende Deckungsmittel gefunden zu haben erklärte: da war auch 
das BedürJhis nach wahrhaft minimalen Schartenöflnungen schon im 
Interesse einer möglichst geringen Schwächung des Panzers so dringend, 
dass alle Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit und Kostspieligkeit ent- 
sprechender Lafetten schwanden; da war die Lösung der. Aufgabe, eine 
brauchbare Minimalscharten-Lafette zu finden, zur Lebensfrage für den 
Panzer selbst geworden. 

Hiedurch erklärt sich auch die Erscheinung, dass die in der Panzer- 
frage betheiligten Firmen zu den eifrigsten Mitarbeitern an der Lösung der 
Minimalscharten-Lafetten-Frage zählten, ja dass es sogar zumeist ihrer 
Initiative und Energie in der Durchführung einschlägiger Versuche zu danken 
ist, dass diese Frage so rasch zu einer befriedigenden Lösung gelangte. 

Im Folgenden mögen nun in aller Kürze jene mehr oder weniger 
bekannt gewordenen Lafetten-Constructionen Erwähnung finden, die geeignet 
erscheinen könnten, ein möglichst anschauliches Bild der allmählichen Ent- 
wickelung in der Construction der Minimalscharteh-Lafetten zu geben. 
Es wird hiebei im Interesse der Vollständigkeit des Ganzen nicht zu 
vermeiden sein, hie und da von einzelnen Constructionen, welche mit- 
unter auch in diesen „Mittheilungen" schon beschrieben worden sind, 
nochmals, wenn auch nur in gebürender Ausdehnung, Notiz zu nehmen. 

Dem chronologischen Momente dürfte am besten durch das 
Schema Fig. 3 entsprochen werden, welches ersichtlich macht, in welche Zeit- 
periode die ersten Projecte von Minimalscharten-Lafetten-Systemen fallen, 
his zu welcher Zeitperiode die constructive Fortbildung der wichtigsten 
Systeme verfolgt wurde, und welche Systeme endlich zu praktischer 
EinftUirang gelangten. 

1. Mallet's Minimalscharten-Lafette. 

(Fig. 4.) 

Die vom englischen Ingenieur Mallet nach einer Idee des englischen 
Generals Sir John Burgoigne (1856) construirte Lafette besteht aus zwei 
hölzernen Lafettenwänden W^ welche durch die erforderlichen Quer- 
verbindungen miteinander verbunden sind und vorn und rückwärts je 



«KOü^ Ac&m^ mic Ef^ILiHi «- chuc^hi. Ah aar Säm w^fties & LiA^tSHEwaBde 

^ Sü^&D^ wärtt&fi. Duccfi. <iw^ Tr»K&*f ii^ Itaitm £»&c ttpiMili ein 

iLtii it^OL «HrriäiiCMi )riinfitHr*«fi tijiDHr^jisiML T^teiif&HL jsiL üiifiR' dem 
KtttUMr^fOi»^ t&^ S^br^ ftiMimi^ icdL m «cubb. ^ia«7ä«^ s^h^fTL eüe 

71)» nüä: OKU JLD£jüt«a äf^ r^^nrii^ StErjn Zäsak ISBk ^^astamne 
lKbiUBmi^Jiurmi-Zja^K:i^ >c ii&^ ^tontD^DHö*««! -trafuu?! imi vxi auf ^nem 

r^"^. m«!L IL cHrSii*»^ imt Tiiiirwit^ au: vm^ ^^hüsösü&ihthl ärfüilui 
^niiCL out a^>«b'i imnsuQGiiHr Urtüaaaf: moRr ckhl ifHfnHMi ScäaEneB- 

^i»«TlwU3wt •w>ak'»'«kjätfmt lutj-tUBWid**: "tcimiiofiL smt 

7t^ ^)^ti.*u^K)iiiot TTiipM. mD*n inn* Ari»» mr rw?^ Ikfi3ifi£ «ad 
■-♦'•'=: ö-*x an o-i 3^»kb.'»i r äT«iimcr»»i l;»iirsÄO:»»l J. I»*5»*a riiÄviräfies 
?->«d- ^irpi. mp-.*i -in- lb{*iß!(nlniaii%t :? iiici«>c^ci&x. ö*»rsL Xnsur in 

T^Ä dv ^jÄi-^tT- «-*! ösawihir'»! J^^irnii?t*« -onsatr^^sMiii in 



Minimalscharten- und Verschwindunga-Lafetten. 39 

dass bei größeren Flankirungswinkeln eine genügende Widerstands- 
fähigkeit der Schartenwandungen kaum mehr erwartet werden könnte. 

Es hat auch keine dieser Lafettenconstructionen Eingang in die 
Praxis gefunden. 

3. Schumann's Minimalscharten-Lafette*). 
(Fig. 9.) 

Diese 1865 von dem damaligen Ingenieur-Hauptmann Schumann 
oonstruirte Lafette ist gleichfalls zur Verwendung auf einem Kahmen 
eingerichtet. Das Kohr liegt in einem bronzenen Lager /, welches in 
coulissenartigen Einschnitten der Lafettenwände sich bewegt imd durch 
eine unterhalb desselben angeordnete Verticalschraube s getragen wird. 
Die Mutter m dieser Schraube ist in einem Querriegel angeordnet imd 
wird durch ein Schneckengetriebe h mittels eines Handrades bethätigt. 

Unter dem Hinterstücke des Kohres befindet sich eine zweite 
Schraube, welche, um deren Länge zu beschränken, entweder verstellbar 
angeordnet oder als Doppelschraube construirt ist und deren Mutter 
gleichfalls in einem Querriegel der Lafette gelagert erscheint oder 
wie in Fig. 9 angeordnet werden kann. 

Durch eine entsprechende gleichzeitige Bethätigung beider Schrauben 
ist es möglich, die Bewegung des Geschützrohres beim Ertheilen der 
Höhenrichtung so zu bewirken, dass sich dasselbe stets um eine in der 
Schartenenge liegende horizontale Drehaxe bewegt. Es ist hiezu nur 
nöthig, wie aus Fig. 8 ersichtlich, die Bewegung beider Schrauben so 
zu regeln, dass, während die vordere den Weg a' a" zurücklegt, die 
rückwärtige den Weg 6' 6" zurücklegt. 

Allerdings ist die Drehaxe, um welche sich das Kohr beim Er- 
theüen der Höhenrichtung bewegt, nicht vollkommen fixirt, indem sich 
dieselbe infolge der verticalen geraden Coulisse im horizontalen Sinne 
stets verschiebt, doch ist diese Verschiebung so geringfügig, dass sie, 
bezw. die aus derselben resultirende Vergrößerung der Schartenöifnung 
praktisch vollkommen vernachlässigt werden kann. 

Wenn nun auch das theoretische Princip der Kohrbewegung als 
ein ganz correctes angesehen werden muss und die Lafette überdies ein 
ziemlich tiefes Einreichen des Kohres in die Scharte und die Verlegung 

') Dieses Capitel bietet eine wiin^ommene Ergänzung zu dem Wenigen, was 
in dem Artikel: „Drehbare Panzer für Kanonen in Landbefestigungen" von Haupt- 
mann Klotzmann über dieselbe Lafette aus Mangel an Quellen vom Verfasser blos 
angedeutet werden konnte. (Siehe diese „Mittheilungen", Jahrg. 1886, Größere Auf- 
sitze, Seite 547 und Taf. Vin in „Schumann's Kritik des Mougin'schen Thurm- 
systems«.) (A. d. R.) 



^i^"« ki^il^hHi Sv'tKirWii^ui!'r^*^hnilte$ in die iuSere Bni^twehnrind ge- 
<l<ilMv ^^ ^K^n diNT i^nikli^ii^keQ Anweidun^r dieser Ltfetteacoiislnietioii 
4vH'^ )^>irKk^l^ HeUettken e«i^e«feii. Dieselben liegen haoptsieUich in 
vMr ^M^r^P!^^^«^^ Wevtr^tt^MellKHle: deiui diese ist tob inJlefst pioMe- 
wäHrev^i^ \Ve<tev vib e«;^ eicier :?eliir ^^lieit An&Derfcsuiikeit «nd einer 
N^^tv4^«iiKV<i^ ^vy<^^ttktö\^bH( K^brl die Beweguor des Rohres beim 
Ktes'^tlim ^hM\^ f «v< ml^ittsiihier itt keicer Jain^mt^igAMi Verbindvng 
xQ^^ )yt^^ltevii^$^^ ^iter^irt ;Ms:5SSt!9ilüreflL jbsi^ ^ifi <ift< BAr that- 
N^"^^ ^IM ^^ ^ <i^r Sidbürwueii^ &^ys4e H^KtBMEC&Iakxe drekt. 

^^w )«hi^<^MN9^ f eÄ Ä X:i!$oaiidL 3i!(6fiii V»fi5»*S«m^Ä?e i»ä 4*r dem 
Xv^sit!^ vt^»tr^ir/i:<S5r4^Kt tÄÄ<J5e SEr ecuf >tääIiMrDf 13itfjifc EkDN^^ C 6* 

)^t>i^;t^t^ ""Vit I tfeaii ?t Vf*»Ti:fa. 

\i?^pwä«Äfet<isi<*r V:rt>tiK4!* in ^«ß^fcäüiaic Ibaci l^lß. iu*Hi ö*?e 
"K^^^^it^^T ^'•tMl^i. 'Kft««:;:^?!* m^t ipcic^ r^sfi^aif,. oitf^ imÄ ch^ I-wH^e 
%t.aK^ Vi^^v-'i^tit^ ii ÖL*r T'^dÄT^ imö«i ^fnaw.. 

^fewt* -^««ir w»Srx3::^ij«T 5%3Si^Qmtti»nf ^»önsö£f*?T- rtuTtifiÖETnic o** 

^4M><i]itrfrit «Kr ». v-*i*jK- dirwl. r*fjv ?^Bicrr -r^ijii^i. ancp^Hiraiiflser 
s^fi^fwtt^ir > c^-. >;fc TAÄ ^,»%.*JH^ H«iu?l«^ 4»^q:t^?^4 v^!?wl öi^ -saA 



Minimalscharten- und Verschwindungs-Lafetten. 41 

Capitän Scott gegebenen Idee, durchgeföhrt. Scott schlug nämlich vor, 
die Geschütz-Platnform den erforderlichen Elevationswinkeln entsprechend 
zu heben oder zu senken und dadurch die Anwendung einer minimalen 
Schartenhöhe zu ermöglichen. Inglis trug dieser Idee dadurch Kechnung, 
dass er das Geschiltz mittels eines Kahmens R derart auf einem schwenk- 
baren Unterbau U placirte, dass dasselbe durch eine Hebevorrichtung 
gehoben oder gesenkt und durch die gleichzeitige Handhabung der Richt- 
schraube die Bewegung des Kohres um eine durch den Mündungsmittel- 
punkt gehende horizontale Drehaxe ermöglicht werden konnte. Aus der 
unverkennbaren principiellen Ähnlichkeit dieser Construction mit dem 
Constructionsprincip der Schumann'schen Lafette lassen sich auch für 
diese Lafette unmittelbar jene Bedenken folgern, welche der praktischen 
Anwendbarkeit derselben hauptsächlich entgegenstehen. 

5. Eschenbacher's Minimalscharten-Lafette. 
(Fig. 10.) 

Diese von dem damaligen Artillerie-Oberlieutenant E. v. Eschen- 
bacher construirte Lafette bildet eine modificirte Art der constructiven 
Durchfahrung des der ersterwähnten Inglis'schen Lafette zugrunde- 
liegenden Princips. Sie ist far die Verwendung auf Eeihbalken ein- 
gerichtet — welcher Anordnung ob der Einfachheit der Vorzug gegeben 
wurde — und besteht aus zwei parallelen, entsprechend miteinander 
verbundenen Lafettenwänden W aus Eisenblech, welche die Coulissen für 
die bronzenen Gleitstücke enthalten, in denen die Schildzapfen des Rohres 
gelagert sind. Das Rohr ruht auf zwei Schrauben S und /6\ von ver- 
schiedenen Ganghöhen, deren Antrieb durch ein mehrfaches Zahnradvor- 
gelege mittels der Kurbel K erfolgt, welches mittels Halbachsen in den 
Lafettenwänden gelagert ist. 

Das Übersetzungsverhältnis der Zahnräder und die Ganghöhen der 
als Summenschrauben construirten Doppelschrauben S und S^ sind so 
combinirt, dass sich wieder die in gleichen Zeiten zurückgelegten Wege 
der vorderen und der rückwärtigen Schraube so zueinander verhalten, 
wie a' rt" zu 6' 6" in Fig. 8. Eine Elevationsänderung um 6 Grad kann 
Mebei in 1 Minute erreicht werden. 

Wie ferner aus Fig. 8 ersichtlich, findet beim Geben der Höhen- 
richtung stets ein Gleiten des Rohres auf den Auflagerflächen der beiden 
Schrauben statt, indem die Entfernung dieser Auflagerflächen von der 
Schildzapfenaxe mit der Größe des Elevations- (Senkungs-) Winkels 
wächst. Um nun die aus dieser gleitenden Bewegung resultirende Reibung 



42 M a « d r T. 

XU Timeftiai^ni. :$i&d di^ \>Wt>^]i Eiideii der Sdumnbeii mh Frictioas- 

£23^ &M^ie«bnnfts^ R. dei^a Einhdinu^ lud Fmictkwimiig aus 
F^. 10 lebete eit^'utef >uk1 di»t nur HmuBMU^ d^ Rackknfes in 

Lt^I^Tüig *fet TrT>:bw'iri>ri»fer 3riK.eL> Kslbocäi^t?!! — :?ia»i h^i i^ aa- 
>oa>0;a ior •ifcnts^^lätja Früicb«? batirt^a Al":^r3ai7-4r.)a:jcru«!ti«>a der 

^md ^ ivwiriL whIcoi* micüieL^ 2w**itfr Kirttjü i bxDih -fine i»*!ii*fizi2SMifce 
-vdndea soaiii; ^jeta^rr; i2?t D^^r Z;i2?aiiim»f!m2in!£ 2WT2?ciiea Knft lui«£ Lil^^t 

f ^ = — 

?T^. IL btn£*^^^ci^üte!i loo» Kanons IL io(>I in I Minucif r*mt: Cevaczmä- 
iaüemn^ "'*Q -fr 'inuL 

Zur Hadjkrcon^^ ivr Sriuuabra vmq i«^r Sui:&iririiui^ it^ Schaäses 

^ea tAfWitlrpM i Aaf'omt^niü^*fEi i««xüKüi:a Z^*^kni<iüi^keiL Eincuriiiieiii 
miL WIiti»2>aaiiäiätU!dKeit m T^Q^pnH''tieQ iüiui^iu >ciadfQ zunüciir^c und 
iakapOKkiiiidi *inmd«' iniULUeiLi^r Nocur ^cg^*«$if(i. 



- ui*i -, = 3ja.b!iir«**<r irr .»»ri'irn S*fir:»aiKn 



Minimalscharten- und Verschwindungs-Lafetten. 43 

7. Shaw's Minimalscharten-Lafette. 

(Fig. 15.) 

Diese von dem englischen Obersten Shaw construirte Lafette, welche 
für den Gebrauch auf Eahmen bestimmt ist, besteht aus zwei Wänden, an 
deren Innenseiten sich zwei bronzene bogenförmige Führungen // befinden, 
zwischen welchen ein schmiedeeiserner Kohrsattel s sich bewegt, welcher 
für die Lagerung der Schildzapfen des Eohres eingerichtet ist, und dessen 
vordere und rückwärtige bogenförmige Begrenzung mit Verzahnungen g 
versehen sind. Die Mittelpunkte dieser Verzahnungen, wie auch der 
bronzenen Führungen befinden sich in einer in der Schartenenge liegenden 
Horizontalen, um welche sich daher das Kohr beim Nehmen der Höhen- 
richtung dreht. 

Der Antrieb erfolgt mittels eines Handrades und wird durch ein 
aus Stirn- und Schneckenrädern combinirtes Zahnradvorgelege auf die 
innerhalb der Lafettenwände gelagerten Triebräder übertragen, welche 
in die Verzahnungen der Kohrsattel eingreifen. Durch Bremsen 1 1 wird 
bewirkt, dass die Kohrsattel an die Lafettenwände gepresst und somit 
von diesen getragen, die Getriebe und Verzahnungen aber von der 
Rückwirkung des Schusses entlastet werden. 

Eine solche für einen 68-Künder mit hölzernen Wänden und guss- 
eisernen Rädern construirte Lafette wurde in England erprobt und, in 
Schmiedeeisen ausgeführt, für die beiden Sechszöller des englischen Kuppel- 
schiflFes „Prinz Albert", allerdings, wie erwähnt, mit wenig günstigem 
Erfolge, in Anwendung gebracht. 

Auch die österreichischen 1874 bis 1876 mit einer vom Artillerie- 
Hauptmann Zdenek nach demselben Princip construirten, gleichfalls in 
Holz ausgeführten, für eine 15cm Hinterlad-Kanone M. 1861 bestimmten 
Lafette durchgeführten Versuche haben keine befriedigenden Kesultate 
geliefert. 

Ein großer Nachtheil dieser Construction muss jedenfalls in dem 
complicirten Übersetzungsmechanismus und den hiedurch entstehenden 
Frictionen in der Handhabung und Instandhaltung desselben erblickt 
werden und hat sich als solcher auch bei den englischen und den 
eigenen Versuchen geltend gemacht. 

8. Tunkler's Minimalscharten-Lafetten. 

(Fig. 16, 17 und 18.) 

Die erste, in Fig. 16 veranschaulichte Lafette, welche, wie ersichtlich, 
gleichfalls für die Verwendung auf Kahmen in Aussicht genommen war. 



44 



M a u d r y. 



bildet eine Combination der beiden Lafettensysteme Inglis und iShaw, 
nämlich Bewegung des Rohres um eine in die Schartenenge zu ver- 
legende horizontale Drehaxe durch vertical angeordnete, in Schnecken- 
rädern von verschiedenen Durchmessern gehende Schrauben s von gleicher 
Ganghöhe in Verbindung mit der Kreisbogenführung / der Schildzapfen- 
lager L des Eohres in einem schlitzförmigen Einschnitte der Lafetten- 
wände. 

Die Anordnung von Frictionsrollen r soll auch hier die aus der 
Längsverschiebung des Rohres auf den Auflageflächen am Rohrsattel 
entstehende Reibung vermindern, während die Anordnung von Frictions- 
backen B, welche durch Anziehen einer die Schildzapfenlager durch- 
greifenden Schraube an die Lafettenwände angepresst werden können, 
eine Feststellung des Rohres in jeder Lage desselben und hiedurch eine 
Entlastung der Schrauben von der Rückwirkung des Schusses er- 
möglichen soll. 

Bei der geringen Widerstandsfähigkeit der durch den schlitz- 
förmigen Einschnitt bedeutend geschwächten Lafettenwände konnte in- 
dessen ein Entsprechen dieser Construction, insbesondere für größere 
Caliber, nicht als voraussichtlich angenommen werden. Oberst v. Tunkler 
sah sich diadurch auch veranlasst, eine zweite Construction nach demselben 
Princip zu entwerfen, welche auch für die Verwendung größerer Caliber 
geeignet sein und überdies in Holz ausgefahrt werden sollte, um auch 
den erforderlichen Rücksichten in ökonomischer Beziehung Rechnung 
zu tragen. 

Diese in Fig. 17 dargestellte, von dem damaligen Genie-Hauptmann 
Rühl durchgeführte Constniction ist, gleichfalls aus ökonomischen Rück- 




Minimalscharten- und Verschwindungs-Lafetten. 45 

keit in Anspruch genommen werden, sind dieselben hängend angeordnet, 
und damit auch hier die Keibungswiderstände möglichst herabgemindert 
werden, ist der Kopf jeder Schraube auf FrictionsroUen gestützt. Der 
Antrieb der Schrauben, bezw. das Heben und Senken des Kohres geschieht 
mittels eines Handrades und wird durch ein Kettenradgetriebe von dem 
erforderlichen Übersetzungsverhältnis auf die Schrauben übertragen; das 
Handrad soll hiebei gleichzeitig als Schwungrad dienen, um eine 
möglichst gleichförmige Bewegung zu erzielen. 

Die Schrauben werden beim Schusse entlastet, indem durch einen 
mit einem Excenter versehenen Hebel U die verticalen Lamellen S 
einerseits gegen die Träger E und anderseits gegen die hölzernen 
Ständer der Coulisse angepresst werden und hiedurch eine Keibung 
erzielt wird, welche hinreichen soll, die Schrauben vom Kückstoße 
gänzlich zu entlasten. 

Die unleugbar große Complicirtheit dieser Lafette, welche die 
Zweckmäßigkeit derselben selbst bei einer genügenden Widerstands- 
fihigkeit ihrer Theile fraglich erscheinen lassen musste, wie auch die 
gunstigen Kesultate, welche englischen Berichten zufolge mit der Lafette 
nach dem System Shaw gewonnen wurden, waren die Ursachen, dass 
auch die beabsichtigten eigenen Versuche zur Ermittelung einer ent- 
sprechenden Minimalscharten-Lafette, wie erwähnt, mit einer nach dem 
letzteren System in Holz erzeugten Lafette angebahnt und auf die 
Tunkler'sche Construction selbst dann nicht eingegangen wurde, als die- 
selbe in einer dritten Modification zur Vorlage gebracht worden war. 

Diese aus Fig. 18 ersichtliche, von dem damaligen Artillerie- 
Oberlieutenant Zawodsky durchgeführte Construction kennzeichnet sich 
dadurch, dass zum Heben des Rohres anstatt Schrauben kurbelartige 
Hebel b verwendet werden, welche auf den Achsen a und a, aufgekeilt 
sind, und deren Länge derart bestimmt ist, dass bei der Drehung der 
Hebel um den gleichen Winkel das Kohr nicht parallel, sondern derart 
gehoben wird, dass sich dasselbe gleichzeitig um eine in der Scharten- 
enge liegende Horizontalaxe dreht. Die Bewegungsübertragung von der 
Achse rt, deren Antrieb mittels des Handrades H durch ein Schnecken- 
radgetriebe erfolgt, auf die Achse a^ geschieht durch ein Stahlband «, 
welches über die auf beiden Achsen außen aufgekeilten Scheiben B ge- 
spannt ist. Zur Erleichterung der Bewegung werden überdies Gegen- 
gewichte angewendet, welche auf die Zapfen Z Z der Kurbelscheiben B 
aufgehängt werden können. 



46 M a u d r j. 

9. Heathorn's Minimalscharten-Lafette. 

(Fig. 19.) 

Durch die mit der Shaw'schen Lafette gemachten Erfahrungen ver- 
anlasst, legte der englische Capitän Heathom eine Lafettenconstruction 
vor, bei welcher ohne den complicirten Apparat zahlreicher Badüber- 
setzungen die Bewegung des Bohres beim Ertheilen der Hohenrichtung 
um eine in die Schartenenge zu verlegende horizontale Drehaie erzielt 
werden sollte. 

Die Wände W dieser Lafette haben schlitzf5rmige Bogenfuhrungen/, 
in denen sich die Schildzapfen r des Bohres bewegen, und deren Mittel- 
punkt in der angenommenen Drehaxe des Bohres liegt Außerhalb 
der Lafettenwände befinden sich, um einen Zapfen z drehbar, zwei hebel- 
artige Flügel «, in welchen gleichfalls Führungen f&r die Schildzapfen 
und far einen am Hinterstücke des Bohres angebrachten Zapfen p ein- 
geschnitten sind. 

Diese Flügel sind so geformt, dass sie dem Bohrgewichte gegen- 
über nach vorn zu ein Gegengewicht bilden, welches den Zweck hat, die 
Bewegungen mit dem Bohre zu erleichtern. Wird nun das Bohr durch 
eine unter dem Hinterstücke desselben angebrachte Bichtschraube ge- 
hoben oder gesenkt, so ist es durch die vorgeschriebene Bewegung der 
Schildzapfen in den Führungen gezwungen, sich um die erwähnte, in 
die Schartenenge zu verlegende horizontale Drehaxe zu bewegen. 

Die Bückwirkung des Schusses wird direct von den Lafettenwänden 
aufgenommen. 

Nach diesem Princip construirte Lafetten haben indessen, so.|^nstig 
auch die Anordnung der Gegengewichte namentlich f&r die Handha|>ung 
größerer Caliber beurtheilt werden mag, ein so bedeutendes Gewicht, 
dass dieselben für die Zwecke der Land-Artillerie kaum in Betracht ge- 
zogen werden könnten. 

10. Eads' Minimalscharten-Lafette. 
(Fij?. 20.) 

Das Princij) dieser von dem englischen Ingenieur Eads (1873) 
in einem Modell der Hesichtigung zugänglich gemachten Lafette besteht 
darin, (iurcli Anweiidtnig entsprechend oombinirter Hebelübersetzungen ohne 
Zuhiirnniihmc? soiiHtiger Hewegungsmeohanismen eine successive Änderung 
«b»r Hrthonwinkol des Rohres bei gleichzeitiger Drehung der Bohraxe 
Hin i'iiM' in die Srhartt»nengo zu vorlogende horizontale Drehaxe zu 
iT/i<d<'n. 



Minimal-Sclmrteii- iin«l Verschwiiidmtirs-Lat'ettL'iL 



47 



Dan Bohr einer nach rfiesf^m Prinzip von dem bereits erwähnten 
imaligen ÄrtiUerie -Oberlieutenant Czadek constrnirten Lafette hat 
er Schildzapfeii, zwei schwaehere d in der ilitte des Eohres und zwei 
Bre / nahe seinem rückwärtigen Ende, 

Durch die Anordiniii^ eines eigenthümlichen, aus Figf. 20 ersicht- 
lichen Hebelsystemy, in welchem die erwähnten Schildzapfen des Rohres 
elagert sind, ist es möglich, hei entsprechender Länge der einzelnen 
Hebelarme durch einfache Drehung der rückwärtigen Kichtschraube s 
»lie beabsichtigte Bewegung des Rohres um eine in der Schartenenge 
liegende horizontale Drehaxe zu erzielen. 

Die Detaileinrichtung der Lafette, welche auljer ihrem historischen 
hrte wohl nur ein theoretisches Interesse beanspruchen kaun, ist aus 
erwähnten Fig, 20 zu entnehmen. 



U. Französische Casematt-Lafette der 138mm Kanone. 

(FiK- 12,) 

Diese Lafette, welche auf einem liahmen Ä mit vorderem Pivot 
'rwendet wird, besteht aus zwei schmiedeeisernen Lafettenwänden li\ 
lebe unten durch ein gusseisernes Zwischenstück Z miteinander ver- 
Ibunden sind. 

Das Rohr liegt mit seinen Schildzapfen in einem vorderen bronzenen 
ttel 8, welcher längs der vorderen, senkrecht auf die Eahmenwände 
stellten Begrenzung der Lafettenwande dadurch geführt wird, dass 
*titere durch angenietete Winkel T-tormige Querschnitte bilden, längs 
eichen sich die ebenso gestalteten Ausnehmungen des vorderen Rohrsattels 
egen. Das Hinterstück des Rohres ruht hingegen in einem Sattel s,, 
ticher seine Führung in gleichfalls auf die Rahmenwände senkrecht 
lebenden, durch Winkeleisen gebildeten Coulisseri erhält. 

Der vordere Sattel wird von einer stärkeren mittleren, der rück- 

ge Sattel hingegen von zwei schwächeren seitlich angeordneten 

hrauben getragen, welche durch einen gemeinschaftlichen Antrieb 

wegt werden, dessen Obersetzung so bestimmt ist, dass sich das Rohr 

Heben und Senken um eine, in der Schartenge liegende horizontale 

1^ dreht. 

Der Antrieb geschieht mittels zweier beiderseits der Lafette ange- 
•mincf nr Kurbeln und wird durch ein Kettenradgetriebe und zwei Schnecken- 
if die Schneckenräder übertragen, in denen die erwähnten Schrauben 
*uf- tuid niedersteigen. 



48 



M u u (i r V 



Der Bücklauf d^r Lafette auf dem Rahiü<Mj wird durch z\*w 
güwöhuliche hydraulische Bremsen N gehemmt, deren Brem^cyliiider in 
dem gttsseiaemen Zwischenntöck der Lafette aufgearbeitet suid, während 
die Kolbenstangen an einer Querverbindung des liahmens befestigt 
werden, 

12. Deutsche (26cm) Thurm-Lafette C/74. 
~ (Fig. 22.) 

Dieselbe gestattet principietl die Erziel ung minimaler Schartenhuhen, 
iTie Bedingung, welcher durch successive Änderung der Höhenlage der 
Schildzapfenachse imter Zuhill'euahme einer eigenen hydraulischen Hohen- 
richtmaschine Genüge geleistet wird» 

Die Lafette ist tiir die Verwendung auf einem in der Thumi- 
plateform eingebauten llahmen R bestimmt, auf dessen Laufflächen ;!!ich 
dieselbe mittels zweier vorderer und zweier rückwärtiger Rollen bewegt. 
Die Lafettenwande sind kastenförmig gebildet und durch die erforder- 
lichen Querverbindungen miteinander vereint 

Die Schildzapfenhiger befinden sich in einem besonderen schmiede- 
eisernen Schildzapfenträger T, welcher das Kohr gabelförmig untergreift^ 
Derselbe wird in verticalen Coulissen der Lafettenwände geführt und 
besitzt unten ein gusseisernes Druckstück» g't^gon welches der Press- 
kolben des auf dem Thurmboden stehenden hydraulischen Presscylinders C 
wirkt, um ein Heben oder Senken des Schild zapfen trägers und hiedurch 
des Rohres berbeizulTibren. 

Die den Presscytinder speisende Pumpe steht aulJeu auf dem TUurin-;^ 
boden und communicirt mit dem Presseylinder durch zwei schmied«^| 
eiserne Röhren, von welchen die eine, zum Heben des Kolbens dienende, 
unten, die zum Senken desselben dienende oben in den Cylinder eintritt 

Zur Entlastung des Presscyiindt*rs von der Kückwirkung des 8chus«i» 
sind in den Coulissen der Lafettenwände Fullstücke angebracht» welche 
bei der tiefsten Feuerstellung selbst die Unterstützung des Kohrträgers 
bilden, während für die htihcreu Feuerlugeu auf diese Fullstücke eigene 



') Die gowfihnlirhe hydmaliKchc Bremnc (Miehe Vif^ 2^} bfBteht aas» üincm 
mit iiin«r Brtimiiflfts»ig:k«'it (Glycerin) jjcfüUluii Breniscylindter B, in Hft'lrheiu ein 
mit conMl^inti'n Dijrchfliu'ft*'>f!nungi*n vor»cherK'r Kolben k mittflä finer in libgcdichtx'ton 
Stopf bücbeü 6 ^'oheuilcü Kolbi^nntangc « bin- und hi-rbt^wo^'^t werden kann. Wird 
einer der beiden Theile» BreinÄi-ylindtr und Kolbon&ljinge» mit der Lafette, der andere 
mit icm Ttabtnen verbanden» »*o iitt erwichtlieh» du*» der Kücklnuf de« Gesebütics 
niif in dem MtUio inliUni^' wir«!» ixh die vor dem Kolben betlndliche Hremhtla.<«^igkeit 
durch die OlFnuny'en de» Kolbens nuf die andere 8cite deM^clbai iintweicbt. 



Miniiiial-Soharten- und V**rsL'hwindiiiT|^8-Ijafetten, 



49 



Hnsetzstucke gesetzt werden. Um jcdoi'h die Zahl der Einsetzstiicke zu 
besühränkee iiud hiedoreh die Handhabung der Lafette zu erleichtern, 
st die Zahl der Feuerlagen auf drei festgesetzt Es ist .selbstverständUe^h, 
SS infolge dieser Besehränkiing die Lafette wohl die Anwendung 
resentlich reducirter, keineswegs aber mehr minimaler Schartenhöhen 
[ermöglicht. 

Die Höhenrichtmaschine ist eine Zahiibogenrichtmaschine, welche 
Isich im vorderen Theile der Lafette befindet und durch das Handrad // 
[bethätigt werden kann. 

Die Hemmung des Eücklaufes geschieht durch eine gewöhnliche 
Ihydraulische Bremse, deren Cy linder im rückwärtigen Theile rfes Bahmens 
jfestgelagert ist, wahrend die Kolbenstange mit der Lafette in Ver- 
iung steht. 

Um die Lafette nach dem Schusse an dem selbstthätigen Vorlaufe 
10 hindern, sind an derselben ein Paar Bügeleompressen angebracht, 
H welche außerdem auch zur Unterstützung der hydraulischen Bremse ver- 
Hwendet werden köunen, 

^^^^B 13. Anderson's Minimalscharten-Lafette. 

H Anderson di Wallis hatte 1885 der königl, italienischen Regierung 

^das Modell einer Miiiimalscharten-Lafette vorgelegt, durch welche bei 
Anwendung der bestehenden alteren Kohrsysteme die Erzielung minimaler 
Schartenöft'jiungen ermöglicht werden sollte. 

Hiebei wird die Stirnmauer der Casematte durch einen Panzer 

'jt^^chlossen, in welchen eine Kugel eingelagert ist. Dieselbe enthält die 

j, entliehe Scharte, d.i. eine konische Aushöhlung, deren Konicitat durch 

den größten Elevations- und Senkungswinkel des Rohres mit Eücksicht 

auf die nach dem Schusse eintretende parallele Zurückbewegung des in 

dieselbe hineinreichenden Rohres bestimmt ist Rückwärts ist das Rohr 

durch ein Querstück ^2 *I unterstützt, wobei der auf dasselbe ausgeübte 

Dmck durch Contregewichte // ausbalancirt wird. Außerdem ist daselbst 

Schraubenapparat ss angebracht, weicher den Zweck hat, die Stellung 

Rohres zu tixiren und dasselbe zu unterstützen^ sobald es beim Eück- 

bnfe seine Lage in der Scharte verlässt 

Die Schildzapfen des Rohres, welche sich in coulissenförmigen Aus- 

Ähüitten der hölzernen Lafettenwände bewegen, tragen die beiden Zahn- 

n» welche in eigenen Zahnbogenfühningen / gefuhrt werden. Die 

Bewegung des Rohres geschieht durch ein aus Stirn- und Schnecken- 

7"^ 



i 



50 



M a n i\ r V 



rädtTü combiuirtei*! Getrü^K», welclks durcli zwei »eitliclie Kiirln^h 
an^n'triebon werden kann. l>asi Jtohr dreht sieb biebei, wie ersichtlich. 
beim Nehmen der Höhenrichtung um die in der Schartenenge liegende 
horizontale Drehaxe. 

Zum Ertheiltni der Riebtunp befindeu sieh auf dem Ki»hre die er- 
forderlichen Visirvorriehtiingeii , in der Pauzeridatte der Seharte aber, 
der Viöirebene des Oeschützes entsprechend, ein verschließbarer Visirschlitz. 

p ist ein Pfropf zum Yerschließen der Selartenoffnung während 
der Zeit, als das Geschütz zurückgespielt und noch nicht feuerbereit ist 



14. King'ä Miuiuialscharten-Lafette. 

Der englische Kapitän W. R.King hat eine einfache Constnietion 
einer Miniiualscharten-Lafette {mu^zle jnvoimg carriafj*in, Mündungspivot- 
Lafette) durch die in Fig. 26 veranschaulichte Anordnung zu erreichen 
gesucht. 

Bei derselben wird das Gewicht des Kohres durch ein Drahtseil 
getragen, des.*»en eines Ende an dem Bügel B befestigt ist, welcher die 
Schildzapfen des Rohres trägt, während das andere Ende des Seiles ein 
Oegengewicht O trägt Bei paarweiser Anordnung der Geschütze kana_ 
einea das Gegengewicht des anderen Geschützes bilden. Das über KoUeiJ 
laufende Seil passirt schlieülich eine Rolle /?, welche längs einer bogenn 
förmigen Schiene nach der Seite beweglich ist 

Um die Mündung zu fixiren und den Rücklauf zu regeln, sind 
oberhalb des Rohres zwei Büume SS angeordnet, welche nahezu 
parallel zur Rohraxe laufen und vorne in einem Augbolzen befestigt 
sind, so dass dieselben für das Rohr eine Art Schlitten bilden. Die 
Elevation wii-d dem Rohre mittels einer einfachen Winde gegeben, die 
jedoch in der Figur weggelassen erscheint Die Seitenrichtung wird 
mittels Flaschenzügeu bewirkt, welche einerseits an dem rückwärtigen 
Ende des Schlittens E, anderseits an den Seitenmauern der Casematte^ 
befestigt sind. 

Die besonderen Vortheile, welche Kapitän King dieser Construction 
zuschreibt best<*ben in der Reduction der Schartenöffnung auf ein Minimum, 
in einer möglichsten Reduction des Casemattraumes, in einer gi^oBeu 
Elatftieitilt der Lafettining, endlich in einer grolien Wohlfeilheit und 
leichten Handhabung des Systems. 



MiTiiin:ü-?^rharten- nm\ VfTschiriiuhiniJs-LaiVtteTi, 



51 



15. W a g e n k n e c h t 's M i n i ra a 1 s c li a r t o n - L a f e 1 1 e. 

Die von dorn Maschiiienftibricantcn W a g e ti k n e r h t in Danzig zum 
lieile nach Anga1)f*n des Englatiders Vavasseur coDstniii-te, 1870 ver- 
öffentlichte Miniraalscharten-Lafette besteht aus zwei achariiierartig mit- 
einander verbundenen Theilen e und d, welche den eigentlichen LafHten- 
t^rper bilden. Der Theil e tragt die Schildzapfenlager, wahrend der Theil d 

Iaiil* einer durchgehenden AehHe zwei Blockrüder; die hydraulische Hebe- 
Torrichtung </ h und hinter derselben flberdie.s einen Schrauhen-Hebe- 
Apparat trägt., welcher im Bedarfsfälle als Ersatz der hydraulischen Hebe- 
vorrichtung dienen soll. 
Die Activirung des hydraulischen Hebe -Apparates geschieht durch 
eine einfache Pumpe, die Bethätigung des Schrauben-Hebe-Apparates 
durch ein Kädervorgelege, welches mittels einer Haiidspeiehe k ange- 
trieben werden kann. Beide Apparate bewirken ein Heben und Senken 
Aes Schildzapfenlagers, wobei das Eohr» welches auf der schmiedeeisernen 
Sohle i aufrubt, sich um d^n Scharnierbolzen e dreht und hiedurch seine 
Höhenriehtung erhfili 

Die Seiteurichtung wird dem Kehre durch Schwenken der Unterlage 
I Rahmen oder Eeihbalken) gegeben, wobei sich das ganze System um das 
Pivot n dreht. 

Der obenerwähnte Theil e enthält ferner noch das Muttergewinde 
für die beiderseits des Bohres angeordneten FüljningBschrauben o. Diese 
sind dui'cb das Gehäuse m mit der Sohle i verluindeii, besitzen ein sehr 
steiles Gewinde und tragen in ihrem vorderen Tbeile einen Brems- 
apparat, welcher aus einem Doppelkegel q besteht, der von einer 
konisch ausgehöhlten und mit Pockholz ausgefütterten eisernen Ura- 
büllun^ umgeben wird. Am rückwärtigen Ende tragen die Schrauben o 
j^ eineo Kautschuk pn Her. 

Beim Rücklauf des Geschützes bewirkt der vom Geschütz auf die 
Schildzapfenlager übertragene StoO ein Zurückgehen des ganzen Systems, 
hiedurch eine Rotation der Schrauben o und gleichzeitig ein energisches 
Zurückziehen derselben, infolge dessen der Kegel q in die Umhüllung 
hineingepresst und diese gleichfalls zur Rotation veranlasst wird. Diese 
Itf)ttttion wird jedoch durch ein Bremshand s, welches mehr oder weniger 
iflgezogen werden karm, erschwert und bald ganz anfgehoben, worauf das 
Genehütz, welches sich längs der geneigten Laufflächen n zurückbewegt 
hat, wieder in seine ursprüngliche Stellung vorläuft. Um auch diesen 



1 

i 




52 



M ZI u «l r V. 



\^>rlauC woli"lif*r namf^ntlich bei gröÜpreti Oeschützen gltMchfalls zersttaTiicI 
wirkf-n kann, zu hf^mmon. dient eine ähnliche, jedoch klein»^r<v l»**! t :tri. 
gebrachte Bremavorrichturi^. 

Wie ersichtlirh, vollzieht sich sowohl beim Nehmen der Hnhi*»)- 
richtuüg, als auch beim Rück- und Vorlauf den Geschntzes die zur Er- 
zielung einer minimalen Scharteuhr>he bei aus der Scharte hinausreicheiKleni 
Hohre erforderliche allmähliche Drehung des Ilohrcj*. xlllerdinga findet 
diege Drehunp^ nicht, wie eingangs abgeleitet wurde* um die in der 
Schartenengo liegende horizontale Drehaie 0, sondern um die unter 
der Schartenenge liegende horizontale Drehaie c statt, so Ams die 
Rohraxe nicht, wie in Fig, 3, stets durch den Punkt hindurchgeht 
sondern eine Tangente an den von r aus mit der Entfernung Oc als 
Halbmesser beschriebenen Kreisbogen biMci, Die biedurch bedingte, von 
der Größe des Halbmessers c abhängige Vergrößerung der Scharten- 
höhe ist jedoch so gering, das» dieselbe ffigUch in der Praxis ganz ver- 
nachlässigt werden kann, 

Vernuche, welche in Deutschland mit einer nach diesem Princip 
erbauten Lafette für eine 17cm und eine 26cm Ringkanone durchgeführt 
wurden, haben jedoch ein unbefriedigendes Resultat ergeben. Die Lafette 
zeigte sich nicht ausreichend stabil, namentlich aber l>ewuhrte sich ein 
wesentlicher Theil, die den Rucklauf hemmende Schraubenspindel mit 
Bandbremse, nicht, so dass diese Lafetten-Constniction nicht weiter gefördert 
worden ist 



16. Kotrtsch's Minimalscharten-Lafette. 
(Fig. 30 und 34 ) 

Diese, von Kotrtsch — damals noch Artillerie-Hauptmann — 
construirte Lafette basirt auf dem Princip der Wagenknecht*sehen Lafette 
und besteht aus dem bronzenen Rohrsattel a und aus dem schmiedeeisernen 
Sattelrohre 6. welch' beide Tlieile fest miteinander verbunden sind und 
sich gleitend längs eines Leitrohres c bewegen^ dessen vorderes Ende 
mitk^ls eines Reihklobens k und eines Bolzens mit dem Pivot c ver- 
bunden ist. 

Der Kohrsattel hat an seinem unteren Ende ein Pfannenpaar /» ;* 
rur Aufnahme eine« Mutterstöckes, welches beiderseits die Muttergewinde 
dir die Tragschrnubf^n h Idldet. Diese tragen das Gewicht des Rohres 
und der Lafette und sind an ihrem unteren Ende in der Radachse drehbar 
gdAf^rt welch letztere durch Streben t, die gelbe mit dem Sattelrohre 
rerhinden, in ihrer Lage fixirt igt 



Mininml'Scbarteu- mu\ YersrlnvindunjL,'.S'LaretteiL 



53 



p 



Der iViitrieb der TraffscliFEiulii^n geselüehfc chirch eine konische Ead- 
übersetÄiingr, welche durch Haudspeiehen, die beiderseits iiiHaiidspeicheö-! 
hülsen l eingesetzt werden können, bethätigt wird. 

Auf der Achse sitzen anßen zwei Laufrollen, welche am Umfange 
mit Löchern mm Einsetzen der Hand^peiclien versehen sind. 

Das Leitrohr, welches znr FüliruMi^ des Sattelrohres heim Kücklauf 
des Geschützes dient, enthält auch die znr Hemmung de.s lülckkufes, 
mwie zum Vorführen des Geschützes dienenden Mechanismen (Fig. 34\ 

$ ist die Transportschranhe mit steilen Gewinden, die mit dem Sattel- 
röhre 80 verbunden ist, dass sie sich wohl allein drehen kann, dem Sattel- 
rohre aber in der Längsbewegnng folgen muES. Sie passirt hiehei die 
8chraiibenrantter rß^ die eim-n Jlestandtheil des Leitrohres bildet Tor der 
Transportsehraube ist ein schmiedeeiserner Pnfferkfdben o; der lianra 
zwischen ihm und der Sehranbenmntter m ist durch einen Kautschuk- 
jmfler ausgefüllt. Den Pntlerkolben mnl die Transportschrauhe. welch<^ 
i»eido axial ansgehohlt sind, passirt die Zugstange q, wtdche rückwärts 
durch den Vorstecker r mit dem Sattelrohre fest verbunden ist. 

Spielt das Geschütz zurück, so wird das zurückgehende Sattelrohr 
die Zugstange mitnehmen, welche nach einem freien Rücklaufe von 725mm 
mit ihrem Kopfe an die Schulter tt? im Schafte de.s Putferkolbens anstosst, 
dann auch den Puflerkolben mitnimmt und den KantschukputVer com- 
primii't. Diircb das Zurückgehen des Sattel rohres wird aber auch die 
Transportschranbe zurückgezogen und durch die Mutter w in Rotation 
versetzt, wobei auch das Sperrad d mitgenommen wird, indem der SteHer 
ober die schiefe Fläche der Zahne hinweggleitet 

Wird nach vollzogenem Tlücklaufe der Steller ausgelost, so wird 
das Geschütz zunächst durch die lliick Wirkung des Kautschukpuffers 
vorgedrückt, muss jedoch vollständig entweder durch Handspeichen, 
welche in die Löcher des Handrades einzusetzen sind, oder mittels der 
Transportsch raube vorgeführt werden, zu welch letzterem Zwecke an das 
j rückwärtige Ende des Sattelrohres bei Z seitliche Kurbeln angesteckt 
I terden , durch welche mittels eines konischen Zahnradvorgeleges die 
Drehung der Transpoiischrauhe bewirkt wird. 

Die Bewegung des Geschützrohres ist beim Kücklaufe und beim 
[Vorfiihren analog jener der Wagenknecht'scheu Lafette. 

Bei den mit einem Ibem Kanonenrohr M. 1801 in einer vor- 
iriehenen Lafette durchgeführten Versuchen, l>ei welchen 190 Schuss 
jeben wurden, konnte zwar trotz einzelner aufgetretener Beschädi- 
angen , namentlich der Pivotiruugs - Bestandtbeile, eine vollkommen 
arrecte Functionirung der Lafetten-Mechanismen constatirt werden, es 



54 



M a Q d r y 



isuvde jedoch auch die Cborzciiguug gewoiiueii, dass die Yerw<*ndunj 
dieses Con«trucÜans-Principg seiner grnlien Cömidicirthoit und d« 
Schwierigl(eitf*n einer hinreichend widerstandsfähigen Fivotining wegn^ 
f(lr groß(»re Ladungen oder für größere Caliber ßicht in Betracht gezogei 
werden Ivunnte. 



17. Deutsche (26rm) Thn rra -Lafette C/76. 
(Fig. t7 ) 

In allen Füllen, wo es möglich ist, die SchildzapfenaehKe nahe an 
die rückwärtige Urii.stwehrwand zu bringen, werden selbst bei groLieii 
Elevations' oder Senkung!<witikel« verhüHni.^mäiJig kleine Schartenhuhen 
auch bei gewöhnlicher Lafettirung erzielt werden können* wenn nur dafür 
gesorgt wird, das« die in diesen Fällen oft weit aus der Scharte reichenden 
Bohre beim Ifücklaufe eine den Bedingungen für die Erzielung minimale 
Schurtenliöben entsprechende Führung erhalten. 

Auf diesen Erwägungen beruht die Construction der deut8chei 
2tkm Thurm-Lafett^* C/7ti, Dieselbe beütebt au« einer gewöhnlichej 
Ausrenn-La fette, in welcher da« Bohr mit seinen Schildzapfen in der' 
üblichen Weiwe gelagert ist und welche auf einem gewöhnliehen im 
Thurme eingebauten Rahmen verwendet wird. ^ 

Von besonderer Einrichtung i>it nur die Höhenriebtinaschiiie. 

Üiese ist hauptsächlich am Kahuien angebracht und l>e5tt<L'lit ana 
zwei Verticalstangen a, die oben mit dem Bohre verbunden und unten 
an den Schlitten h angeschlossen sind, aus den Kichtbalken c, welche 
bei d drehbar im Rahmen gelagert sind, und den Richtschrauben a, 
durch welche die vorderen Balkenenden gehoben oder gesenkt werden 
könoeü. Um ein Aujrweichen der Schlitten zu verhindern tmd dieselben 
beim Rückhiufe sicher mitzunehmen, führen Strebestangen e von den 
selben nach Hcharnierstücken i iititer dem Bodenblech der Lafette. 

Durch die Neigung, welche beim Richten der Bichtbalken zu dl 
Laufscbwellen des Rahmens einnimmt, und welche mit dem Elevations* 
Winkel des Rohres in dem aus der Fig, 27 ersichtlichen Zu^^ammenhange 
steht, wird das Rohr beim Rückläufe in der zur Er/ielung minimaler. 
SchartenhMien erforderlichen Weine zur allmählichen Änderung seines Höhen 
Winkels durch Drehung um die Schildzapfenachse gezwungen. 

Die RichUtangen sind auf die seitlichen Zapfen des Richtzapfen- 
bftgels, der am Rubre angeschraubt ist, aufgestreift. Der bronzene Schlitten 
iimfa»8t die Flanschen des f -formigen Bichtbalkens, Dieser trigt an 
moem vordereu Ende die bronzene Mutter, welche in ihm mittels zweier 



Mininial-Sclmrten- uod VerücliwmduiigS'Lef<?tten. 65 

friklicher Zapfen rlrehlmr gelagert ist und die Kiehtschraiibe enthält, 
ie am Rahmen so angeordnet ist, dass sie sich wohl drehen, nicht aber 
&rt«ehreiten kann. Die Drehung der Eiehtsehrauben wird durch ein- 
f mehrfach es Kädervorgelege mittels eines Handrades H bewirkt. 

Auf der Oberlafette befindet sich zum Ablesen des Kichtwiiikels, 
^"Welcher dem Bohre gogebeD wird» ein Höhenrichtungszeiger. 

Der Rücklauf des Geschützeä wird durch eine hydraulische Ventil- 
»remse mit einem Ventil') gebremst. 

18. Armstrong'a Minimalacharten-Lafetten. 
(Fig. 38 und 3fi ) 

AitfähnlicheuConstructions-Principien wie die deutschen 26cm Thurm- 
f Lafetten C/74 beruhen auch die älteren Armstrong'schen^ den Zweck 
Ümnlichst kleiner Scharteuhöhen anstrebenden Lafetten-Constructi^inen. 
Das Ruhr ruht bei tleiiselbeii mit seinen Schildzapfen in beweg- 
Sehen Lagern, die in den Lafettenwändeii nach auf- und abwärts ver- 
[jchiebbar angeordnet sind. Hiezu sind die Wunde, welche aus Schmiede- 
['«iseü erieugt sind^ mit Coulissenbahneii versehen, in welchem die Schild- 
ixaplealager nach Art von Gleitstücken schleifen. 

Die Veränderung der Höhenlage der Schildzapfenachse geschieht 
[durch Heben und Senken des Kohres mittels eines liydraiilischen Appa- 
aten. während das Ertheilen der genauen Höhenriciitung mittels einer 
iJüchtniaschine geschieht, die aus einem Schneckengetriebe mit Zahnbogen 
(besteht. 

Zur Entlastung des hydraulischen Apparates beim Schusse dienen 
W Schraubenwinden. Bei den für minimale Stückpforten construirten 



*| Dieä*e Bremse bi^st^ht auü oineni mit der Ob*?rlafette verbmidenen Brems» 

Ündor B, iii wekhe^i ^ich der mit einem Ventil v versehene Kolben k befindet, 

tlfhvr durch eine YordertJ und eiiir rtlekwfirtigt^ KollienstEingf a und s^^ di<:' durch 

b^«^di»"htct«* StopfbCifhsf'n h der beidt^m CylinderluMtti! hindiirchj^ehen, am Kaluiien 

tgelft^'ert ist. Dus Kidlj^nventil wird dunb eüje starke Feder / ge.scliluRscu 

]ten (Flg. 25). 

Bei rli»»ser Einriehtniifr wird dnrt^h die ^roße Gci^eJiwindijyrkeit, mit weleher 
der an der Lafette bL^festi^e Bremsnliuder naeli rüekwiirts lieweg-t, auf die 
«lern Kolben befiudlielR' Ftüssi^'-keit ein rfo ^»-ri^ßer Druek auü^^eübt, dat^s isieh das 
^estil selhhttbütig ußiiet und die Flüssigkeit hinter den Kcdben überströmt. Mit 
Abnehmen der E(icklaufbjt*wegung t^rhlicßt sich auch allmäldich das Ventil und 
die Oherlafette an jeder Bewegung. Erst wenn mittels des Hebels S da^ 
wieder g^eAffnet wird, kann die Lafette aus rennen. Dureb mehr oder weni^fer 
•Inkes üftien des Ventils l&ast aieb die Ausrentigeschwiiidii^keit beliebig regeln. 



Mmvif j. 



Affttrstes 
Bohr- 



So wM 



It jwii dereji 
! Wcis^ erreicht 
«hs 38 TMi-Gesehnti 
Hehcfofrichtmig 
hrdimuli^lie 



Bei 



ftrUdBO« 



»«-Zilkr> 



iTm* 25 för emen 
i rmdialer Ansätze so 
vsder eine Li a g unüsc hifhMg, moch eiiie Drehang 
i in den SddiUeii tlittiBdea hua. 

V ScUittfa # seUeift Mf enon lihaieii iS, wd^cr sas zwei 
Trigini gebildet wird ittd n du mleihin» dir Scharten- 
aipiifaehie Sthmier C uch mvf- md mbwirte pesehvenkt werden 
. Ueae Bevegnig^ durch wekbe den Bahre die erfordi^rlich^ Hohen- 
eiOeitt vird, wird ditreh eine miterhslh des SahmeBs etablirte 
He hgT OiTkhtmg P bewirkt die bei Ucineii Citibem doreb 
Hiidtili k' h , hei grMteren C^ben durch Dtnipf* oder acmmlat^rischeTi 
Antiieb beäiitigt werden kmim. 

Der BArhlaiif erfolgt gtei» in der Bichtmig der Bohrmxe, tiud 
iit diher Uedireh allein ohne eine besondere BiAifthrnng die Anwen- 
dung minimaler Sdiartaihlihen mdglieb. Allerdings bewegt i^ich ancb 
hier dM Bohr beim Xehmen der Höhenrichtnng nicht um eine in der 
Scharteq^ige; andern onter derselben liegende horizontale Drehaxe. 
do^ ist, wie schon erwähnt die hierans resaltirende Vergrößerung der 
Sehartenhöhe m gering, dass sie prdtü«>ch als belanglos angesehen 
werden kann. 

Die Hemonmg des Bücklaufet geschieht durch eine hydraulis^che 
Bremse B^ welche zwischen den Bahmentrigem angeordnet ist und die 
rückwtitige Teriraidmig derselben bildet. 

Für das I^den^ Vorfuhren des Geschützes etc^ sind insbesondere 
bei größeren Calibem besondere Mechani^i^men und Vorrichtungen an- 
geordnet, deren Handhabung in der Regel auf hvdraulischem Wege durch 
die Activirung von Ventilen in einfachster Weise bewirkt werden kann. 



Miiiinml-Srhartcn- uiitl W^rsciiwiinluiii^^s-Lafetten, 6T 

Fig. 38 stellt ixe auf denselhpii Prinoipien basirende Lafette rtf^r 
Bf Armirung der italienii>elieii Kriegsschiffe ^Italia'* und „Lepanto'^ 
estimmten Armstrong'scbeii 100 Tonnen-KaBonen vor. 



19. G r u s n*s M i ri i m a 1 s c h a r t e n - L a f e 1 1 e n. 

(Figr. 28-aL 32. 3:i, 3:1—37. 40 nm] 11 ) 

Die auf dem Gebiete der Artillerie-Tecbiiik weltbekannte Firma 

Grusen in Buckau bei Magdeburo; Latte schon am den mit der 

fbiinianu'schen Mininial^eharten-Lafette 1865 66 durchgeluhrteii Ver- 

öchen die Überzeui^unt,^ gewonnen, dass die Handbabnng, ii]sbH>!onderf* der 

^öOeren Kohrcaliber, nur durch die xViiwendung hydraulischer Apparate, 

dcbe eine große ÜbersetzuEg bei möglichster Eeduetion aller Keihungen 

[loglicbte, in zweckmäßiger Weise eijeicbt werden könnte. Die Firma 

te daher schon 1867 die Con^truction einer Minimalscbarten-Lafette 

eine 21^m llingkanone vor, bei welcher das Heben und Senken des 

tihres durch einen hYdraulischeii Hebe-Apparat uad die Hemmung des 

Söcklaufes durch eine pneumatische (Luft-) Bremse bewirkt wurde. 

Fig. 35). 

Diese Lafette konnte jedoch auf Grund der von der Firma selbst 

durchgeführten Versuche nicht als kriegsbnuichbar angesehen werden, 

id die genannte Firma mh sich deshalb veranlasst, unter Berücksieh- 

ing der bisher gemachten Erfahnm gen eine NtMicnnstructinn dieser 

ifette vorzunehmen, welche, nachdem die Versuche ihre volle Kriegs- 

nichbarkeit erwiesen hatten, anch auf die 15cm Kingkanone C/72 und 

die 28cm Kanonen übertragen wurde. Dieselbe besteht (Fig. 31) aus 

zwei Lafetten wrmdeu W. welche durch ein gusseisernes Bodenstück m, 

durch ein giisseisernes Schwanzstück r und einen oberen sehmiedeeisernen 

-1 / miteinander verbunden und auf den Innenseiten mit je einer 

. isernen Bogenführung k versehen sind, in denen sich die Schild- 

nlager c des Rohres bewegen. Diese werden viui einem gusaeisernen 

i(«>hrträger b getragen, welcher durch eine hTdraulische Hebevorrichtung 

gehoben oder gesenkt und wodurch auch die Schildzaptenaxe des Rohres 

in eine höhere oder tiefere Lage gebracht werden kann. 

Um die Erzielung minimaler Schartenhöhen zu ermöglichen* besitzt 

das Kohr einen am Vorderstück aufgezogenen Ring, welcher mit der 

t..f.-tt^ und mit den Schiblzapfenlagern des Eohres durch ein derart 

dnirtes Hebelsystem in Verbindung gebracht ist, dass sich das Bohr 

beim Heben und Senken der Schildzapfen stets um eine in der Scharten- 



bS 



M li n (i r V. 



oiif^a lipffondt'' horizontale Drehaxe bewegt. Die Wirkung dieses Hebel- 
j^iyHieniH int am besten aus dem Vergleiche der beiden Dar^telliingen 
Fig, 31 und Fi«. 32 ersichtlieb. 

Die hjflnuilische HebeTorrichtnng besteht aus einem Presscvlinder 
welelier in dem Builenstuek der Lafette gelagert ist, und welcher z 
hilnisurtijkf ineiniuulergehende Stempel S und b in sich aufnimmt die 
durch Eiu|nimpen von Glycerin in den Presscyünder successire auf" 
getriel>en werden kruuien. Pas Einpumpen des Glyeerins geschieht durch 
twei eiulikch wirkende, miteinander lösbar gekuppelte Pumpen, welche 
auf einen vor dem Presscvlinder Hegenden Glycerinbehälter e aulgesetzt 
und mit dem Presscvlinder durch ein Dnickrohr / verbunden sind. 

Die DetuUeinriebtung der Pumpen ist aus der Fig. 28 ersichtlich. 

Die Bethatigung der Pumpe geschieht durch zwei außerhalb der 
Lafettt^nwände tn handhabende PumphebeL Das Senken des Bohres rird 
bewirkt durch Offben eines Bui^J^Dussventiles mittels der Veotilmder ir, 
w^urch eine directe Verbindung ded Presscylinders mit dem Glycerin- 
Wbälter hergestelU und durch ins Gewicht des Bohres ein Zuröek- 
fiielWtt de$ Glyeerins aus dem Presscvlinder in den Glycerinbehälter ver- 
mnlibist itinl. 

\\ ie erwähnt, haben die Versuche die volle Kriegsbrauchbarkeit 
dStoiNr Lafette nachgewiesen und d^en Besdiaffung for deutsclie, itmlie- 
nil^» ud Mgisehe Befes^ngn» flir I5em^ 2Um und 28^« EasMieii 
mr Folge geMbt 

Bei der Ab veoAng Üiffiiw B«hie kitte ini i wsei i üeet Dnaftnie- 
tiptt amrerbittBimilif gl«Bt Tto» tewi ■iiiiiiMi etltedert da nr Eiu- 

lü B^kr — wetugsteoa nicht 
reichf« durfte. Die Caartnictioii 
Wagenkn^lik^a hsfete nrir mkiM %m Weg gewiesen, auf welchem die 
rSd^ntetUhot wmk b^ weit aw darS^airle teiehm 



d»r 



iwv^k» 



Bing r iiM Bafel 




Mi iiirn al- 8 cli u.riv n - und \' e v^i eh w i 1 1 fi u j i ir> - Lu f et t en . 



59 



Beim Küeklauf des CTeschützes zieht sich das Rohr aus dem Riuge, 
der sich hiebei entsprechend dreht und da^ Rohr veranlasst sich auch 
beim Rücklaufe um die in der Scharteueiige liegende Achse der King- 
iftpfen 211 drehen, so dasH bei dieser Anordnung der eingangs aufgestellten 
theoretischen Bedingtmg zur Erzielung minimaler Schartenliöheo that- 
äfteUicb T 1 1 k m ra e n entsprochen wird. 

Das Bohr ist selbstverständlich, insoweit sieh dasselbe im Ringe r 
Un- und herbewegt, auüeii cylindrisch hergestellt. 

Lafette und Rahmen haben ansonst die allgemeine Einrichtung df r 
Lafetten C/72. 

Solche Lafetten hatte Gnison für mehrere Projecte von Panzer- 
tiiärmeD füi- die schwersten Küstengeschütze theils für Italien, theils fiir 
Sptnien ausgearbeitet; allein die unverkennbaren Nachtheile, welche 
dieser Constriiction anhafte«, und welche hauptsächlich in einer bedeu- 
tenden Schwächung des Panzers in der Umgebung der Scharte besteben, 
bWn. noch bevor es zur Ausführung dieser Lafette kam, dazu geführt, 
die Drehaxe des Rohres unter die Schartenenge nach C zu verlegen 
und dieselbe durch einen mit dem Rahmen verbundenen schmiedeeisernen 
Pivottnlger T (Fig, 36) zu fixiren. Die erforderliche Fixirung des Rohres 
Wm Nehmen der Hohenrichtung wie auch beim Rückläufe des Geschützes 
»ird in diesem Falle durch eine um die erwähnte Axe C drehbare 
Ffthniügisschieüe / bewirk t, welche mit dem Rohre derart verbunden ist, 
ikig eine Verschiebung desselben nach der Richtung der Rohraxe, 
oielit aber eine Drehung desselben iiiöglich ist. 

Bei dieser Einrichtung findet allerdings die Drehung des Rohres 
leim Nehmen der Höhenrichtung, wie auch beim Rücklaufe nicht mehr 
eine in der Schartenenge selbst liegende horizontale Axe statt; allein, 
schon mehrfach erwähnt, ist eine so geringe Verlegung der Drehaxe 
\r die absolute Größe der Scharte praktisch belanglos. 

Mit der Führungsschiene ist in der Regel ein Gradbogen ver- 
en, auf welchem der Hohenwinkel des Rohres abgelesen werden 
in. Die sonstige Einrichtung dieser C/83 benannten Lafetten ist 
niocipiell jener der vorhergehend beschriebenen Lafetten C/72 gleich. 
I>i*» Bethatigung der hydraulischen Hobevorrichtung geschieht indessen 
i grfiUeren Rohrcalibern in der Regel durch accumulatorische Kräfte. 
Iliirch die Anwendung eines DiÖerentialkolbens zum Heben und Senken 
de« Geschützes wird es überdies möglich, das Robrgewicbt zum Heben 
Accumulatorgewichtes zu verwenden und hiedurch der wilnschens- 
en Ökonomie in der Venvendung der Kräfte thunlichst Rechnung 
tu tragen. Fig. 38 stellt die Anordnung einer hydraulischen Hebe- 





tiO 



H II u t! r V. 



Tonitlitung mit Differential k olheTj bgi einer 28cm Mitiimal 
scharten-Kauuiie vor. Das Rohr i> und 1>, führen ans dem Pn 
eyliüder, in welehein sieh der Differeutialkolben C bewegt» in 
Veotilkasten K während zwischen diesem und deui Accnmulator du] 
da» Ausziehrohr />, eine Verbindung hergestellt ist; da*? llohr 
endlich führt in das Beservoir der Accimiulatorpumpe. Zum S«^nken d\ 
Rohres wird der Veutilhebel Q nach links geleg^t und hiedureh der 
unter dem Kolben befindliche Raum, wie auch der ringtormige Raum 
zwischen Kolben und der Cylinderwand mit dem Accumulator in Ver- 
bindung gebracht Der Druck auf die obere Ringtluche des Kolbens hältl 
sodann einem äquitalenten Theile des auf die untere Kolbenfläche | 
wirkenden Druckes das Gleichgewicht; die verbleibende Druckdifferenz 
ist aber kleiner als das Geschütxge wicht, welches auf dem Kiviben 
lastet. Es wird daher das Gevschützrohr £^tnken, während gleichzeitig 
der Accumulatorkolbeii in die Hohe getrieben wird. Letzterer braucht 
nur um i^o liel mit der Accnmubitor[Jumpe nachgehoben zu werden, ak 
dem Volumen dei* ringförmigen Raumes über dem Kolben C entspricht 

Die Hemmung des Rucklaufea erfolgt in der Kegel durch gewöhü- 
1 i c heb y d r au H 8 ch e Bremsen (Fig. 29 ), welche bei kleinen Calibern 
außerhalb, bei größeren Calibeni. um compendiö^ere Con^tructionen und 
geringere Thnrmdimensionen zu erzielen, zwischen den liahmenwänden 
angeordnet werden* 

Die Seitenrichtung wird dem tieschutze durch Schwenken des Rahmens 
lim das nnter der Schartenenge gelegene Rahmenpivot oder in Thürincn. 
wo der Rahmen in die Thurmplateform eingebaut ist durch Drehung des 
Tlinrme!^ *(egeben, Geschütz nnd Thurm sind hiezu mit einer directcn* 
letzterer überdies mit einer iudirecten Visirvorrichtung versehen. 

Lafetten dieser Construction sind in den neuereu Befestigimgeu 
Österreichs, Deutschlands und Italiens vielfach in Anwendung. Fig, 2^6 
stellt beispielsweise eine solche Lafette für eine österr. stahlbr. 12cm Kanone 
IL 1880 vor; dieselbe gestattet Hohenwinkel von 2j (irad Elevation bis 
10 Urad Depression. 

Für dif» H^urtheilung der Kraft- und Last\crhiiUnisse kennen aus 
der unschwer auffindbaren llauptrelation 

« + " = '■ (7)" ST»'-- '>■ 

die Wesentlichsten Beziehungen leicht abgeleitet werden. 



'» Rirriri brdititfn : 

^ = dtt» Cteviicht dfis ßolire^ , . lT(WJilv. 

O = dAs Gewicht der mit dcuwelbfn tn bebeiiden andorcn ThciU«, aoOÄ-y, 



Minimal-Scharten- und Verschwindongs-Lafetten. Ql 

Bei der Lasthebung sind hiebei zwei Perioden zu unterscheiden, 
i^m zuerst beide Stempel ineinander, d. h. gleichzeitig aus dem Press- 
Under aufsteigen, während dann, wenn der äußere Stempel seinen Hub 
Uendet hat, der innere Stempel allein weiter aufsteigt. Die Kraft Pm 
: daher in beiden Perioden verschiedene Werte. 

Desgleichen variirt auch die Spannung im Presscylinder in diesen 
den Perioden; sie beträgt beispielsweise bei der 12cm Kanone (Fig. 36) 
der ersten Periode der Lasthebung 

Q4- ff 
p = — ^ ,^ 15.3 Atmosphären 



'■(tA-) 



d in der zweiten Periode 



p^ z^ — -— ! =: 25*5 Atmosphären. 



'(f^-) 



Die Zeit für die Hebung der Last ergibt sich, wenn die Zahl der 

unpenschläge per Minute mit 90 angenommen wird, in der ersten 

rriode mit 

450 

'^t = , > V , ^^ = 36*8 Secunden 

^ / a V "0 

id in der zweiten Periode mit 

'• "" / d V 90 ^ ^*"^ Secunden, 

. die Hubhöhe des äußeren und inneren Pressstempels je 450mm 

trägt. 

Die Zeit zum Übergange aus der tiefsten in die 
chste Kohrlage beträgt daher 61*3 Secunden, während zu einer 
♦-vationsänderung von 5 Grad ein Zeitraum von ungefähr 
Secunden erforderlich ist. 

,1 — _ Durchmesser des Pumpenkolbens 50mm, 

/> =^ „ „ inneren Press-Stempels 100mm, 

JJ^ =^ „ „ äußeren „ 125mm, 

p =i der einfache Hub der Pumpe 50mm, 

/ 1^- Länge des Pumpeuhebels 800mm, 

J'^ =r- die an dem Ende desselben wirkende mittlere Kraft, 

r, =^ der Wirkungsgrad des Mechanismus 0'75. 



>f A n d r T. MlniiEiiil-8cIjaften- und VefMebiriadimgB*Laft?ttcii. 



*) Fortii nnd aiialjliseht» UutemuchutiK' diet<cr Curvcn liissm erlceniien, dass 
.iu....n...t. ^'onclialden »imi, dtTcn iillgomfine Üluklmiig durch die Relfttion 

rtiitit ciiiii-l wird, w«nn unter 6 die LÄn^i« O M, Wjsw, O M' und unter « di«? L«ng(« 
/l ^, l>ojEW A' S* verwunden wird, je nttt^lnUnn Elcvationü- oder Senkung'Ä- Winkel der 
ßct^clitting SU Grund« gelegt werdi^n 



Über die Art der Hohrbew ei^nintr bi'i diesem Princip der Rolirlenku 
gibt da^s Graphikoii Fig. 40 rteutliciiffi Aiit^chlti^i.s. Wüliretid iM'i.spii.'lsvveiae 
»icli die Sehildzapfen des Bohres bei dem zulä^^igen Maximal-Wwcklai 
von SOOwjM geradlinig von S nach S^ bewegen, beschreibt der Mündungs- 
mittelpunkt und der Mittelpunkt der nickwä^itigen LadeÖÜDUirg an der 
Bodenfl;lche die Curren Ä A^, bezw. B B^ '). 

In neuester Zeit (1886) hat das Etablissement Uruson's, welches 
inzwiüächen unter dem Namen Grusou-Werk in die Hände einer Aetien- 
gejieUschaft fiberging, eine weitere Verbesserung der letzterwiihnten 
Lafetten-Cbnstruction durch eine compendiösere Anordnung aller Lafetten- 
bestsndtheile angestrebt. Bei dieser aus Fig. 41 ersichtlichen Anordnung 
(C/84) ruht das Bohr mit seinen Schildzapfen in einer kleinen Lafette L ' 
auf einer Plattform P, welche sich in verticalen Coulissen zwischen den 
beiden Wänden eines auf Rollen aufruhenden und tim ein rorderea 
I'ivot drehbaren Rahmens R bewegt. Die Aufliegeflachen dieser Plateform 
Mind nach vorn geneigt, so das« das Geschütz nach dem Rückläufe stotu 
verl&Hslich selbstthätig auszurennen vermag. 

Die Plateform P ruht auf dem Stempel einer hvdraiüischen Hebe- 
vorrichtung //, wodurch es in ähnlicher Weise wie bei der Constructian 
C/83 möglich wird, dem Rohre die erforderliche Höhenrichtuug zu 
ertheilen. 

Der Antrieb der hydraulischen Hebevorrichtung geschieht durch 
eine Hand pumpe, welche seitlich des Geschützes etablirt ist, und deren 
Druckrohr unten in den Presscylinder einmündet Die Seitenrichtimg 
wird dem Geschütze durch Schwenken des Rahmens gegeben. 

Der Hfieklauf wird durch zwei hydraulisclie Bremsen beherrscht, 
derHi Cylinder an den Fiihrungsbacken des Rohres angeordnet und deren 
Kolbeuj^angen an der Fühiiingsschiene befestigt sind. Die innere Ein- 
rirbinni^ der Bremsen ist speciell dadurch bemerkenswert, das» die Größe 
di'H iMirohriussquerschnittes der Bremsflüssigkeit durch nach Bedarf die 
HandhubiHJg des Ventiles V regulirt werden kann, 

Die Lafette gestattet Höhenwinkel von 25 Grad Elevation und bis 
10 Grad Depression. (8cbinM f»i«i.> 



63 



Der gegenwärtige Stand der militärischen LuftschifTahrt. (a) 

vutl 

uud 



EinlettiiQ^. 

Seit dem letztvergaogeDeD (leiitHrli-fraDZösiseheji Kriege, also seit 
i*twa drei Lustren. datirt bekanntlich die Periode des raschesten kriegs- 
techniijchen Aufsi'hwuüges, wekhe sich vielleicht durch die beiden ihrer 
heiTurragendsten Axiome ; Jeden 'Fortschritt der Technik nach Möglich- 
Vdt ttir niilitörische Zwecke zu verwenden^ und „sich von deti HiltV 
mitteln der Nachbarmächte nicht überholen zu küsen" am bebten 
'^harakterisiren lässt. 

Eines der meistgehätschelten Pflegekinder dieser reformenreichen 
r )\e de« roilitärischen Fortschrittes ist wohl die Aeronantik, deren 

„ _ i sich im Laufe der letzten Jahre Infinahe sämmtliche großistaatlichen 
' ArxueeD zu sichern getrachtet haben. 

Wenn nun auch die militärische Leistungsfiihitrkeit der Luftschiffiihrt 

ffne — seihst in der Deutung derselben kj'iegsgeschichtlichen Facten zu 

fw»obachtende — sehr getheilte Beurtheiluug gefunden hat und die volle 

Verwendbarkeit des Luftschiffes heutiger Conatruction als eines Kriegs- 

verkzeiiges selbst von Optimisten kaum behauidet wird, so ist es doch 

üe praktische Tragweite der oben angefrilirten beiden Axiome, auf welche 

fti«f mehr oder weniger weitgehende Eingliederung des aeronautischen 

^^toarates in den Organismus df*r Heeresausrilstungen zurückzuführen ist, 

^F Au«-*b mag von mancher Seite die Überlegung mitgewirkt haben, 

die Luftscbiffiibrt, wenn schon heute noch nicht vollkommen kriegs- 

krauchbar, dies doch durch die heschbnmigten technischen Fortschritte 

JJei^t**^ ^" "^'^hr kurzer Zeit werden dürfte, und dass man für diesen 

*T !i,(^nt ein technisch vorgebildetes Persunal brauche, um die taktischen 

ii#ale dieses Kampfmittels der Zukunft auch sofort ausnützen zu können, 

i<«bald die technischen Schwierigkeiten überwunden sind. 



*y Über die Bedoutiinjf dor fett äji^iinn-liteii Buclistjibrn iai ib) u s. w im 
Ftißiioto siuf S 72 (A, d. R.) 




(i4 



II 11(1 W a r h t e r. 



\\H *lüi"llr iiiHu iiKslK'stmdefi' gejj^iniüber den riesijjfen Anforderungen, 
\u«lrln* heiiti* srhon die 7ji Wasser und zu Lande aufgeboteneu Kriegs- 
luitiel an die Steuerknitl der Bevölkerung stellen, am Platze seiu. eiu- 
f^elHMul m erörtern, <^h denn wirklich auch die Luftschiffahrt in ihrer 
heutigen (Sestiilt oder mit Rrteksieht auf ihre etwa im Laufe der nächsten 
ZukunR in fijewürti^enden Vervollkommnungen in jenes Stadium der 
Kntwickeluug getreten an, welches die eingehendere praktische Pflege 
die??er Technik filr Kriej^iwecke, bezw. die Schaflimg einer sspeciellen 
i^rgaui^atiou hiefftr zu einer militärischen Xothwendigkeit macht 

Bevor wir an die directe Beantwortung dieser Frage heraatreten, 
wir^l es nothweudig sein, die mÜitÄr-aeronautischen Arbeiten der letzten 
Jabrt^ in den verschiedeuen Armeen zu überblicken, die Verwendbarkeit 
der Lttftfahneuge auf Ürund technischer und militärischer Erwägungen 
la bewrlheileu und die Biebtigkeit dieses Crtheiles an Hand der Erfahrung 

Me nUitär^erouaiitistliea ArlH^itea der GegeawArL 

l. Frtükreiek. 

Im J«lav 1S71 tf«lste ims ftutüsbekie Kriegsniiiisteriam eine 
i^'ttk^dttwhsmi euk uui die Terw^iiAuig der LcftbalkBe Or MHittr- 
l«9ck^ Ibeuretisek umi fnkÜsck eiBem eiigielbesidei SivdiiDii wm iratfr- 
iw i k i m > Ab CM dMetr Omumsmb tagvtt Oberst Laassedii ni wmren 
fie Ofiltoe Bnwl «■< BduAre lagelfcdiL Glekhieitig 
im Mfmkm ^ m Jakfip 17^1 erricktete wad 1T96 rm XifuleM L ^ 
Sekiik wied^ m*$ Lekta gtinft« , 
fei 4ir frslem ImI ihres B(«sle^i^ k<«$ckift%fer siek fie 
wA 4ft€ Ulmtsg rnklfeckfr Vtkamwgm^ vk WaU da* 

Sbimd ter Seife nd Sckutoe. nBü^gagK imd 
iwojfc»^ All ihr Arffeia g — g der 



. wfktkif dvs Wa 



OK |<t 



Ba-, 



Ttfki£^, 



Der gegenwärtige Stainl tler militünBchon Luftsciliffjilirt. 



^ 



chen Ankers ein eiserner WiirfspioB nach Meusnier und eine Art eii^ernfr 

i(ge, nach Construction des Infanterie-Capitäns de la Haye, erprobt Zur 

InstTiIirung dieser praktisrlien Yersuche wnrde der Coinmission nrspruncflich 

I^Q Pnuiichale Ynn 950.000 Francs bewilligt Bis zum Jahre 187^ waren 

lese Gelder verbraucht niid wnrden für das genannte Jahr durch einen 

applementar-Credit von 200.000 Francs ergänzt 

Nähere Details über die in den Jahren 1871 bis 1878 erlangten 
pgnltat^ der Comniission scheinen ntcht in die Öffentlichkeit gedrungen 
sein, und es ist nur aus Tagesjournalen zu entriehmen, dass im 
^ahre 1875 sowohb wie 1876 öftere Luftballon-Auffahrten unteniomraen 
ad hie1)ei auch photographische Momentaulnahmeu des Terrains aus 
pm Ballon versucht wurden. 

Bei einer Auffahrt im December 1875 erhielt der Ballen einen Riss, 
id es stürzten hiebei Oberst L*aussedat, (?"omraandeur Mangin und Oapitän 
pnard aus einer Hohe von 250m mit dem Ballon herab^ wobei die 
eiiienden verschieden schwere Verletzungen erlitten. 

Im Mai 1877 beantragte Oberst Laus.^edat die Wiedererrichtnng 
»« Corps der militärischen Luftnchiffer* und es wurde dieser Antrag mit 
iegstministerial-Erlass vona 11. Juni 1878 genehmigt, das Luftschifiahii- 
ftrps mit der aeronautischen Ceutralstelle in Meudon wieder errichtet 
fSnä dem D*'pof des forfißcotions unterstellt 

Im Militär-Budget pro 1879 erscheinen 8odann eingestellt: 

Ftir Militär-Luftschiftahrt 200.000 Francs 

^ Feldtelegraphie 100,000 

^ optische Telegraphie und Brieftauben . 100.000 
Im October 1879 wurde ein Captif-Balloii bei den Manövern des 
Vf. Armee-Corps versuchsweise zur Kecognoscirung angewendet 

Im Juni 1880 wurden in Kouen Versuche über photographische 
[Terrain aufnahmen aus dem Ballon gemacht welche bessere Resultate als 
I frühere derartige Versuche ergaben, 

Ini Budget pro 1880 erscheinen für Luftballon versuche 100.000 Francs 
stellt: ftirdie Jabre 1881, 1882 und 1883 beziff^^rt sich das bezug- 
liiiilget mit je 80.000 Francs. 

Im Jvilm* 1884 machtH ein von dem Meudoner Etablissement aus- 

f'ter Versuch mit einem lenkliaren Luftschiffe nach System Krebs 

lienard außerordentliches Autseben, da es diesem Ballone zum 

• male — allerdings bei günstigem, windstillem Wetter — gelang, 

I Ttnnöge seines elektrischen Motors eine selbständige Fahrt in Form 

[mtr Selileife auszuführen und an dem Punkte des Aufsteigens jiuch 

eder zu landen, (b). 

8* 





66 



IT.- 



nui\ W acht t* r* 



XU im wesentlichste Resultat dieses Versuches, welchem seit 
noch mehrere w^eitere Auffahrten mit im wesentlichen gleichen Erfo^ 
nachgefolgt sind, ergibt sich» d:is\s es gelungen ist, einen lenkharen Lttf 
ballon mit einer Propulsivgeschwindigkeit von 5"5m pro Secunde zu 
construiren, wrilirend die fnlher erreichten Geschwindigkeiten nur hiis 4fii 
betrugen (Henry Giffard 1852). (cK 

Der Umstand, das.s diese Geschwindigkeit der Eigenbeweguug bisher 
nur für eine Dauer von 30 Minuten dem Ballon ertheilt werden konnte, 
schließt jedoch vorläufig die praktische Verwendung eines derurtigpn 
lenkbaren Balbiris aus. Auch ist der Tnistand, dass es zur Erzielung 
dieser Mehrlf^istung der Pro|Milsivgeschwindigkeit um l*5m pro Secunde 
scheinbar eines Zeitraumes von 32 Jahren des Studiums und Experimen- 
ttrens bedurfte, nicht sehr ermuthigend. — 

Das Budget für LuftlKillonversuche im Jahre 1884 betrug 
200.000 Francs. 

Im Jahre 1885 wurden die Versuche mit dem lenkbaren Luftschiffe 
fortgesetzt, um Modificationen und Verbesserungen an der elektrischen 
Batterie, dem Stenerrnder und der Gondel zu studiren. 

Dem ^tAvmur Mi/äaiie" zufolge soll das aeronautische Etiiblissenieut 
in Meudon weiters mit der Erzeugung und Montirung von vier fahrbaren 
Ballon cap//J- Einrichtungen ftlr die vier Genie -Kegimenter beMchaftigt, 
gewesen sein. Eine solche Einrichtung für einen Ballon cnptif besteht 
aus einer Colonne von fünf Wagen, u. zw. zwei Wagen mit dem Wasser- 
stoffgas-Erzeugungs-Apparatt einem Wagen zum Transporte des Ballons, 
der Gondeb Instrumente etc., einem Wagen mit einer Dajnpfniaschine 
sammt Kessel und Drahtrolle, um das Aufsteigen und Senken des Balbuis 
nach Belieben dirigiren zu können , enellich einem \V agen mit Brennkohlen 
und Wasser fiir die Dami»fmaschine, Gl) noch weitere Wagen zum 
Transporte ffir die Materialien znr Erzeugung des Wasserstoffgases er- 
forderlich sind, ist nicht angegeben. 

Im laufenden Jahre (1886) wurde die Organisation der militärischen 
Aeronautik durch einen ErliL^is des Kriegsministeriums geregelt. 

Diesem Erlasse zufob„n* bat das Etablissement in Chalais-Meudon 
nunmehr den Titel: „Service de taerostation milämre^ zu führen und 
besteht aus: 

a) der Central-Luftballon-Anj^talt, 

b) einem Experimentir-Atelier, 

c) dner a^ronautit<cheu Schule. 
Bei den Genie*Hegiments-Schulen und in mehr»*reii Jesteti Phit/.en 

rercb^i iirTostatisehe Parks <*rri('htet nnd ist je eine Gompagnie jede» 



> g^^enwjLrtif e Stond der mjlitjlritichen LuftschilTahrt. 

TW Geüif^^R-egimenter für den Militär-Luftschiffahrtsdieust bestimmt. 

M^te Leitung de!^!*elben fällt dem Generalstabe anheim. Eine specielle 

ii30 ^üll die Details der Ort^anisation regeln. 

Was die Anwendung der Luftballone im Ernstfälle aabelangt, so 

ie im Jahre 1884 von den Franzosen eine Compagnie A^rostatiker 

il BallrtiiHiaterial nach Tonkin entsendet und soll bei Baeninh und 

iotk unter Leitung des Hauptmanns Aroo Verwendung gefunden haben, 

pr hiebet erzielte praktijsche Resultate fehlen die Angaben. 

2. England. 

I>i# eagÜBche Kriepverwaltung ist gleichfeUs seit dem Jahre 1871 
dem Gehiete der Luftschiffahrt thätig gewesen, doch ist über die 
pit^IIen Arbeiten sehr wenig in die Öffentlichkeit gedrungen. 

Nich vielen eingehenden Versuchen wurde mit Ende (Ins .Inbres 1879 
militäriiehe LuftschUter-Compagnie formirt. 

AIk Cammandant derselben wurde Oberst Nobel ernannt und ihm 
[itleute Templer, Lee und Esdall zugetheilt. 
aeronautische Corps scheint sich ausschlielilich mit dem Studium 
'itT BnÜimt taptifs zu beschilftigen, welche iia Sj^ecial- Werkstätten des 
%^ Her Arsenals hergestellt werden. Bis Mai 187^ sollen schon 

iv'her Ballons fertig gewesen sein. Eine bestimmte Formation des 
chiffiT*Corps im Frieden i^ nicht nonnirt, dagegen hat man, wie 
»ebeiiit, die Absicht, bei Beginn eines Krieges mehrere Lufschiffer- 
nie» zu formiren und jeder derselben zwei Captif-Ballons mit- 

Im Jahn* 1885 enteendete die englische Kriegsverwaltung mittels 
Trni lupfers ^Qu^im'' drei Luftballone nach Äg>i)ten, welche 

Sudaii w, „♦■ndung tinden sollten. 

J>m zur Füllung nr>tliige Gas wurde in 12 FulJ langen Eisen- 
flindem V0B 1 Füll Durchmesser und 0*5< Gewicht mitgefuhrt. Eine 
iportalit^ Einrichtung zur Gaserzeugimg war ebenfalls mitgegeben. 
{leirbeo befanden sich bei der Luftballon-Colonne 100 kleinere, 
je Kinem Mann tragbare EisencvUnder, jeder 9 Füll lang und 
iSa OubikftiÖ comprimirten Wasserstoffgnses enthaltend. 

IVr ^Ttmes'* zufolge soll einer dieser Ballons, nachdem er mii 
C'abtkfnii Q^ getrollt wurde, nach einem befestigten Punkte in die 
Sükimfi gebracht worden sein. Bei Sonnenaufgang erhob sieh 
aWrauat Makenau mit dem Ballon auf 600m Hohe. 

D«*r Ballon war an einem eigenen Wagen befestigt, welcher 
|^lLrt*ad deü Harsches <lurch Truppen gedeckt wurde. Die Bewegungen 



68 



Hess und Wächter!'' 



des LuftbaUoiiwagens wurden von Major Templer überwacht, welcher 
mit den Leistungen des Ballons angeblich sehr zufrieden gewesen 
sein »olL 



3. Deutschland. 

Von Seite Deutschlands wurden während des französischen Feld- 

^ugeB 1870 71 vor Straßburg mehrere misjsglückte Tersuche mit Luft- 
ballons ausgetiihrt. Vom Jahre 1871 bis 1882 scheint man sich jedoch 
ilortselbst mit Luftballon versuchen nicht weiter praktisch beschäftigt zu 
haben. Erst seit die Organisirung des französischen und des englischen 
Militär -Aerouauten -Instituts bekannt wurde, erschienen auch Berichte 
über Luftballcnversuche der deutschen Armee. 

Im Jahre 1882 wurden zunächst Versuche über pbotograpbische 
Aufnahmen aus dem Luftballone ausgeführt. 

Im Jahre 1883 wurden von militärischen Commissionen Er- 
probungeii des lenkbaren Keilballons von Professor Wellner aus Brfma 
und des lenkbaren Ballons nach System Baumgartner -Wölfert vor- 
genommen. 

Im Jahre 1884 endlich wnirde mit der Bilduntc eines milit^r- 
aeronautischeii Ins^tituts begonnen* welches der Leitung des Majore 
Buchholtz Luiterstellt wurde, und dem mehrere Officiere zugetbeilt 
erseheine«. Bei den Arrairfibungen nächst Köln fanden feldmäOige Ver- 
suche unter Assistenz des Luftschiflfers Opitz statt Hiebei wurde ein 
kleiner Ballon obne Gondel mit einer angehängten elektrischen Glüh — ^j 
lampe Rir optische Signal versuche angewendet; ein großer Ballon vtn 
150t> Cöliiktiili Inhalt diente hingegen bei Tage zu Recognoscining.H^ 
versuchen, bei Nacht vermittels einer kräftigen elektrischen Bogenlauiji 
zur Erleuchtung des Vorfeldes. 

Im Laufe des Jahres 1885 wurde in Schöneberg bei Berlin ij 
einem ebemaligen Bahnhofgelninde das militär-aeronautische Etablissemei 
installirt 

IVw Organisation des Luftballon^Detachements für den Kriegsfj^I 
ist iiorli nicht nonnirt Das Hallon-Detachement ist vorläufig derEisei 
bahn- Brigade zugetheilL 

Dem Vernehmen nach beschfiftigt sieh das Detachement ausschüel 
Hell mit <lrr Herstellung nnd Erprobung vf^n Ba/Iom cnptty$, dagegen %t 
die (jinstructiiin lenkbarer Ballons nicht in Aussicht genommen. Für di^ 
Dirigirun^' der iitülum capiifs werden fahrbare Dampfmotoren mit Seil' 
winden coustruül. 



Der gegenwärtige Stand der rnilitärisdien LuftseUitliihrt. 



4. Italien. 

In Italien wurde im Juni 1885 zirni erstemnale ein transportabler 

ballon des Systems G a h r i i^ l Y o n vor dem Kriegsminister experi- 

iDtirt imd vnri der italienischen Kriegs verwaltnnp^ angekauft, (d), (f)- 

( Dieses System transportahier laiftliallon- Stationen i^clieint den 

■ügliehen französischen Militar-BiillonH analog zn sein und besteht 

t folgenden Theilen: 
1. Einem Wagen mit schrai^*deeisenien, innen mit Bleibleeh ver- 
deten Getanen zur Erzeugung von 250 \m 300m"' Wasserstottgas 
i Stunde. Zur Mischung des Wassers und der Säure ist auf dem 
Igen ein Pnmj»ensysti'm angebracht, welches durch einen eigenen 
jinen Dampfmotor in Thätigkeit gesetzt wird. Gewicht dieses Wagens 

2, Einem Wagen zur Regulirung der Steighöhe de« Ballons» bestehend 
eiü^^m stehenden Fiekf sehen Thim]»fkesseL einer zweicylindrigen fiinf- 
digen Daoipimaschine, einem Zahnradsystem sammt Drahtseil und 
eltrommeh), einer pneumatischen und einer Sicherheitsbremse, endlieh 

Drahtseil und TelephonkabeL Gewicht dieses Wagens 2500Ai/. 

3, Einem Wagen zum Transporte des aerostatischen Materials 
onhülle, Gondel , Takelage, Aufhängevorrichtung , Dynamometer, 

enten etc»). Gewicht des Wagens 2200%, 
Ferner sind noch gewöhnliche Lastfubr werke zum Transporte der 
icentrirten Schwelelsäure, der EisentJrelisprihne, des Wassers zur Er- 
lang des Wasserstoffgases und für die Dampfmasebinen, endlich znm 
Hiijporte der BrennkoMen erforderlich. 

Da eine einmalige Füllung des Ballons mit Wasserstotfgas 4500% 
k'eiitrirter Schwefelsaure unil 2500% Eisenspäne, die XacbfüUnng 
D0% eoacentrirter Schwefelsäure und 000% Eisenspäne beansprucht^ 
berechnet sich, dass bei der üblichen Verpackimg der Schwefelsäure 
Streifwägen zum Transporte des genannten Säurefjnantums H bis 
ilgen notbwi^iidig sind. 

Der Transport der Eisenspäne erfordert 2 AVägen, Für den Kohlen- 
ist ein weiterer Wagen zn rechnerL Der Wasserbedarf beziffert 
"mit uogetahr 25.000%, ohno das tiewicht der Wägen und Wassei- 
ilti^r. 
Eine eomplete transportable Luftballon-Station setzt sich demnach 
wie folgt zusammen: 
14 Fnbrwerke, 
36 Ptcrdf^, 



70 



H «' #^ » tnid \V a c h t <' r 



100 Mann Bedif*nuii^smannschaft 

100 « Bedeck inig. 

Hiebei i«t nur ein Wasserwagen angenommen, welcher lur ein- 
raaligen FttUuug den Ballons den WaMnerbedaif durch aihtmalige Zu- 
fuhr zu besehaffi^n liiUte. Ferner kömmt noch das Erfordernis an Offi- 
cieren hiezu. 

Per Preis eini*r einmaligen Füllung des Ballon^t aammt Nach- 
Füllung beträgt rund 700 Lire für Schwefelsäure, Eisenspäne und Chlor- 
calciutii. 

Die Besehatfungskosten einer solchen BalloneiDriehtung sind in der 
bezüglichen Literatur nicht angegeben, dürften aber voraussichtlich mehr 
als 70.000 Francs betrugen. 

Dem Vernehmen nach soll Italien bereits zwei solcher transpor- 
tablen Balloneinrichtungen beschafft haben, wovon jeder Ballon eine 
Tragfähigkeit für zwei Personen besitzt. 

5, Kussland, 

In Kus8land ist man gleichfalls seit einigen Jahren mit praktischen 
Lnftballonversuchen beschäftigt, 

Schon im Jahre 1883 verlautete, dass demnächst ein lenkbares 
Kicsen-Kriegsluftsehiff nach dem System des Capitäns Kosztowits werde 
erprobt werden. 

Dieses gigantische Luftschiff soll eine Länge von über 200 Ful», 
eine H^ihe von 80 Füll erhalten, mit einer öOpferdekräftigen Dampf- 
maschiüe versehen werden und eine Geschwindigkeit von 40 deutscheu 
Meilen IV) pro Stunde bei einer Beyatzuijg m>u H> Mann und 250 Pud 
Ballai^t erlangen. 

Bis dato ist jedoch eine Erprobung dieses Luftsehifles nicht vor- 
genommen wt»rden. und man kann diesem Projecte, nach Maügabe der 
bekannt gewordenen, kaum glaublichen Angaben vorläufig nur mit 
grr^Utem Misstrauen entgegensehen* 

That^üchlich UelJ man bisher nur im Juli 1884 einen kleinem 
Ballon gewöhnlicher Form mit 650 Cubikfnli Inhalt von der Oroü-Uchtaer 
Werfte versuchsweise aufsteigen. 

Dem Ballone war eini» elektrische Bogenlampe mit automatischer 
Regulirung angehängt, welche angeblich iu einem Ftnkreise von 63 bis 
65 \Ver!*t (8 deut Jüchen Meilen» Hichtl>ar gewesen sein nolL 

Derartige Ballon atpfifm Hollen zunächst dazu bestimmt sein^ um 
Befehle von dem Admiralsehifle dem Geschwader in einer viel deut- 



Der gegenwärtige Stand der militärischen Luftschiffahrt. 71 

?r^n und weiterhin sichtbaren Weise zu übermitteln, als dies mit den 
heute angewandten Laternsignalen möglich war. 

Der genannte Ballon soll schon bei den nächsten Flottenmanövern 
Anwendung kommen. 

Im Jahre 1884 ließ Capitän Kosztowits weiters einen großen 
jlfbrmigen Ballon von 40.000 Cubikfuß Inhalt frei aufsteigen, imi die 
nschaft zur Bedienung des im Bau begriffenen großen lenkbaren 
ons „Eossija" vorzubereiten und einzuüben. 

Im September 1885 wurde eine russische Militär-Mission unter 
ung des Generale Boreskow nach Paris entsendet, um sich mit 
Jen Etablissements zur Erzeugung von Luftballons in Verbindung zu 
en und für Kriegszwecke geeignete Ballons anfertigen zu lassen, (e), (f). 

Die Commission einigte sich, das bereits von den Italienern accep- 
, vorbeschriebene System von Gabriel Yon anzuwenden, und soll an- 
ich zwei solcher Balloneinrichtungen beschafft haben, welche im 
ler 1886 in St. Petersburg anlangten. 

Diese russischen Ballons unterscheiden sich jedoch von den italie- 
lien dadurch, dass dieselben eine Tragkraft für drei Personen besitzen, 
it größere Dimensionen haben müssen und infolge dessen auch größeren 
arf an Schwefelsäure und sonstigem Material erfordern, somit noch 
rerföUiger wie die italienischen Ballons sind. 

6. Belgien. 

In Belgien hat der Kriegsminister im Jahre 1886 (g) die 
ung eines militärischen Luftschiffer-Corps angeordnet. Dasselbe wird 
en Sitz in Antwerpen haben. Für diese Festung ist zunächst die 
L*haffung eines Ballon capiif durchzuführen. 

7. Nordamerika. 

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika, welche 
bereits im Kriege 1861 bis 1866 der Luftballons bedienten, wurde 

ifalls eine militär-aeronautische Versuchsanstalt errichtet und der 

laltruppe zugetheilt. 

Resumirt man das im Vorstehenden Mitgetheilte, so ergibt sich, 

bis gegenwärtig die Heeresverwaltungen Frankreichs, Englands, 

tschlands, Italiens, Russlands, Belgiens und der Vereinigten Staaten 

damerikas es für angezeigt befimden, militär-aeronautische Eta- 

{eraents zu errichten und organisatorische Bestimmungen über die 



Tl 



intl W f\ c ii t e r 



Verwendung der Luftbullous im Kriege zu treffeu. öaterrö 
dorzoit dip einzige enropuij^rhe UrAilmacht welche diesem 
mittel, von älteren Versuchen — inshescmdere mit dem 
hauten und experimentirten H ä n l e i n'^jchen lenkbaren Lufts 
»resehen, noch keinerlei prEkti^ehe ('onceü.sionen gemacht 
mit der Evidenthaltung dieser Frage im allgemeinpn nnd 
^ä^uglichen Detail« begnügt M, 

Die^je Thatsache begründet wohl zur Genüge die einge 
Erwägung, welche Vortheile un^^ere Armee von der Einl 
tuilitäri^chen Luftschiffer-Corps zu erwarten hätte, und ob dli 
derart große und sicher zu erwartende sind, dasn das NicM 
praktische ÄnsÜhnng des militärischen Luftballondiensted # 
üb Versätunnis angesehen werden könnte. 



*) Welch' rc^<?8 Intercäae »pecidl da« MilitÄr-Comit^ der En 
Laft4*t'hiffahrt*'Frai^e Kti?U rui;»»w<'udct hntt t*ni^ am besten die „ 
Zeichnung nud eingeheniLste Besehn^tban^ uller namhaft »ri Furt'^rlifl 
TiMitik in tilgen «Mitibeilungün** 

AU Beleg hiefür diene ein kurzer BOckhllek «uf die wKhtig.st*n d 
Artikel nuÄeri*» Orjyfane*iT aaf wt^lcho au pasuender Stelle in vunstehendr 
Berichte» mit (a), (b) etc. hinge wieöen wird. 

Man vt*rtrlei«'he adi 

(•) D^>T IcUte «r6ö«r« ArÜkeJ d«r ^HkUiHluofiiQ*« briitftlt: .Der fi 
4«f LüfUelitffvlirt'' flia Jmhrf lB«r>, vow (S«inAllffea Kodftct«ivr d<>rMlb«u, 
Celpek de* OfiaJ«ft4b<j, nut OrttndlJigf vXur» B«rjeblca Am MUltir^CorolUa «fi I 
miiiUl*rl«m vuiti IH. JiMUüt IBKI aod n^t.ln Bnd«reB Qn«llcn b«Arbelt«lj» befind«! I 

4li) »Uai te«%h*r«i l*ariflChUr von lt«D jird iitid Krubt.*^ nSr«l« < 
Uf^Ddnnvr Litfib&llou «ni ». Atttf, lsi«( N inU'XS i Ta%tAfurvii.^ Mlt«-rlbtfLU von ] 
MMt)itmftnn im <ieatn»%Ah*. ühnr« iSM. Qr^^ßtir« A\it»Hi%m, H. 457—470 ) 

{«^ ,Dt« »ivrlte Aorrftbrt mit dorn M endo oer Luftbiilloa Am lt. 04 
i^. Xoremben »imi*^ itt» Ueiriiiwaft dt« fhm»6al*cbitii Krl«^iiJilul«t«n). (Jbr(| 

«Dfti FUktrlicii« aelir«»b«it«LarUilil ff d«r Gab rüder Ttt*1 
Tfti; Si,) (Aaftttfif *m n. i><rtob«*r 19S3 und Stf. 8«i}t»8ih««r Igf^i.j (Jbrirr^ If^N. Kolli 
«l'botogrApblrn» vois L afiba Hon eilt* iDtt**(iiu ujid TU«€ii dir r, F( 



1 







/Tci^fo»* ^ayti/* der f leUenUeben ar 



Tiifjßi 2. 




Fiq, 23, (%) 




Auloy IH' YY\ 'j^\!\\V- '" 



TnM 2. 




AulQf ir:^kk:!r?i!vl;iii Cn:i:ilL= 



73 



Minimalscharten- und Verschwindungs-Lafetten. 

Von 
k. 1-. Hauptmann den ArtiUerieHaltg. 

(Hiezn Taf. 5 und 6.) 

(Mchltisii.) 

20. Osterreichische Minimalscharten-Lafette M. 1885. 

(Fig. 42, 43, 46.) 

Ohne die Kriegsbrauchbarkeit der Gruson'schen Lafette C/83 irgend- 
wie zu schmälern, haben doch die eigenen Erfahrungen bald erkennen 
lajwen, dass die Einrichtung dieser Lafetten, insbesondere der hydraulische 
Hebemechanismus ziemlich complicirt, sehr subtil und schwer in Stand 
zuhalten ist, und dass namentlich bei kleineren Calibem und den bei den- 
selben zu überwindenden geringen Gewichten eine solche Complication der 
Lafetteneinrichtung nicht hinreichend motivirt erscheint. Nachdem überdies 
die eiugehende Erprobung einer nach dem Muster der Gruson'schen Lafetten 
C/83 für einen 12-Centimeter erzeugte Lafette schon bei Senkungen von 
10 Grad keine hinreichende Widerstandsfähigkeit einzelner Theile, vor allem 
der gusseisernen Bogenführungen ergab, für die Verhältnisse der österreichi- 
schen Befestigungen aber mitunter auch noch größere Senkungswinkel 
erforderlich sind, so sah sich die österreichische Kriegsverwaltung bestimmt, 
vorläufig allerdings nur für das 12cm Caliber, eine Minimalscharten- 
Lafette zu schaffen, bei welcher Bichtungswinkel von 20 Grad Elevation 
Ws 15 Grad Depression zulässig, im übrigen aber die thunlichsten Bück- 
«ichteii auf die Einfachheit in der Handhabung und Instandhaltung für 
•lie Construction der Lafette maßgebend sein sollten. 

Für diese vom Artillerie-Hauptmann K u c z e r a entworfene Lafette 
(Fig. 42), welche gleichfalls für die Verwendung auf Bahmen bestimmt 
ist, wurde von Hause aus das erprobte Gruson'sche Eohrlenkungsprincip 
«ir Erzielung minimaler Schartenhöhen angenommen, anstatt der guss- 
Hsenien Bogenführungen der Lafette C/83 jedoch bronzene Führungen 
lind anstatt des gusseisernen Bohrträgers ein stählerner Bohrträger Ä an- 
geordnet. Das Heben und Senken des Bohres geschieht durch eine starke, 
ak Doppelschraube construirte Bichtschraube «, Fig. 43, deren bronzene 

10 



7^ sc » n (1 r j 

\fiiif,^r m in fnn^^m C^ii^rbl^rb^d<>rrliafftttf^ gelagert nnrt mit einem konischen 
/nhnkfttn'/ vr^fi^ehen Mt, in welchen die beiden kleinen konischen Antrieb- 
f^^M f Aingrmfrr», welche dnrch zwei seitliche, an den Außenwänden der 
f/HMf^ HngAhfaf:htfi Krirbeln i? angetrieben werden können. 

\y\^ iS%t\^h\\f\ der Hcbranben irt 80 bemessen, dass der Hebe- 
m^^\\%\\m\\m )««Y|bMtHperrend ist nnd demnach die Nothwendigkeit jedweder 
\\f^it\n\\\\% i^ntfAllt. Um die Keibangen, welche mit jedem solchen 
\^^i^m\^^nmm iin^f^rrnfMdlich verbunden sind, möglichst zu reduciren, ist 
dl^ Miiftnr di»r Ulrhtflchraiibe auf einer Kugelrinne gelagert und der 
Kohrlrli«!'!', mir wrlchi-m die Hchildzapfenlager aufruhen und beim Nehmen 
d«r llAh*»iirl«^hlMiiK Kl<'it«Mi, mit FrictionsroUen / versehen. 

Ih^r ZtfMf|||||||^nhang zwischen Kraft und Last ist in diesem Falle 
tfMU('t><'H dtnoh dl(f Uolatlou 

Ol. u ^Q +fl^rtga 1 

YJ U 

\\U^ boi d«»i UruMtnrMoht^n l^afette, ergeben sich auch hier zwei Perioden 
d«n (««iMMu'tMiuUi rnWwx vunAohst beide Schrauben gleichseitig au&teigen. 
\m\ iMni» ytmw {\W ttuUort' Schraube ihren Hub von 450mm vollendet 
Im^Ii \\W \\um\^ Schraube mf weitere 500mm Hubhöhe allein aufsteigt 

\^U^ Mi iXi\ dit^ ha.Hthebung in der ersten Periode ergibt rfA 
\\\MMi ii\\ KuvbrUuudtvhuu^^n per Minute angenommen werden, mit 

t» ^ V — :r-. -^ 56^25 Sekunden 
3 TT r tg X dl> 

um4 n» Uoi <wi'rtv« l*^ri^«ie luit 



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♦ Vit. ^nrnq. 



'UtiHTtr'i iviirault' !• Sir 



Miuimalscharten- uiid Verschwindungs-Lafetteu. 75 

daher die Zeit zum Übergange von der tiefsten in die höchste Rohrlage 
2 Minuten 12 Secunden beträgt, während für eine Elevationsänderung 
von 5 Grad ca. 19 Secunden nöthig sind. 

Beim Nehmen der Höhenrichtung, wie auch beim Rücklaufe des 
Geschützes dreht sich das Rohi- in analoger Weise wie bei der Gruson'schen 

Lafette C/83 um die unter der Schartenenge liegende Axe C, wobei 

eine der Gruson'schen ähnliche Führungsschiene die Führung des Rohres 

bewirkt. 

Die Henunung des Rücklaufes erfolgt durch zwei zwischen den 

Rahmenwänden angeordnete hydraulische Bremsen mit constantem 

Widerstände '). 

21. Krupp's Minimalscharten-Lafette. 

(Fig. 51.) 

Diese der Firma Friedrich Krupp in Essen im Jahre 1881 
patentirte Lafette besteht aus einer niedrigen Oberlafette, welche mit den 
vorderen und mittleren Rollrädern a und a^ die Leitschienen b b umfasst 
und mit den rückwärtigen Rollrädern d auf den Tragbalken e aufruht. Die 
Leitschienen b b sind mit dem Bremscylinder einer hydraulischen Bremse 
fest verbunden und mit dieser um das Charnier c drehbar. Die Trag- 
balken e sind mit dem Rahmen R durch das Charnier / verbunden und 
um letzteres im verticalen Sinne drehbar. Am vorderen Ende sind die 
Tragbalken mit Zahnbögen Z versehen, durch welche dieselben mittels 
pines am Rahmen befindlichen Windwerkes k und k^ gehoben und 
gesenkt werden können. Durch eine mittels eines Handrades zu be- 



*) Dieselben (Fig. 46) sind der Krupp'schen hydraulischen Bremse C/82 nach- 

;'ebil(iet. Die stählenie Kolbenstange s ist hohl und an ihrem Ende mit einer kolben- 

i^rtigen Platte versehen, in welcher sechs Canäle angebracht sind, die in die cylindrische 

Höhlung der Kolbenstange führen und das Durchströmen des Glycerins von einer 

Kolbenseite zur anderen gestatten. In der hohlen Kolbenstange befindet sich die 

^>;'en den Cylinderboden sich verjüngende und in ihm festgeschraubte Ventilstange t. 

^tztere wird durch ihren cylindrischen, mit einer Messinghülse versehenen Kopf 

in der Kolbenstange geführt und verkleinert vermöge ihrer konischen Gestalt beim 

'Rücklauf die Durchströmöffnungen des Kolbens in eben dem Maße, als die Rücklauf- 

?»n*chwindigkeit abnimmt, so dass der Widerstand während des ganzen Rücklaufes 

»iahezu constant ist. 

Diese Bremse gestattet sehr kurze Rücklauflängen, ermöglicht daher geringe 
Thurm- oder Casematt-Dimensionen und schont Lafette und Geschützstand, indem 
*iie Rückstoßarbeit auf die Dauer des ganzen Rücklaufes gleichmäßiger ver- 



76 M a u d r y. 

dienende Frictionäbreinse werden die Tragbalken in ihrer jeweiligen Lage 
festgehalten. 

Durch Heben oder Senken der Tn^balken e wird das rückwärtige 
Ende der Oberlafette gehoben oder gesenkt und hiedorch das Bohr 
elerirt oder inclinirL wobei sich dasselbe iiin die unter der Seharten- 
enge liegende horizontale Drehaxe c dreht Für das Nehmen der 
Seitenrichtnng ist das ganze CFeschütz um das Pivot p auf den Bollen r 
schwenkbar. 

Während des Rücklaufes erfolgt infolge der Neigung der Trag- 
balken e eine allmähliche Drehung des Bohres um die Axe c, wodurdi 
der aufgestellten Forderung zur Erzielung minimaler Schaitenhöhen ent- 
sprochen wird. 

Die hydraulische Büddaufbremse ist so reguliit, dass nach be- 
endetem Bücklaufe die Oberlafette mit den rückwärt^n BoUrädem über 
dem Chamier / steht, in welcher Stellung sie durch Klinken s fest- 
gehalten wird. Die Tragbalken sind in dieser Stellung, wie ersichtlich * i. 
entlastet und können leicht so weit gehoben werden, dass das ausgerannte 
Geschütz in der verlangten, zum Laden erforderlichen Depression steht 
Das Vorlaufen des Geschützes erfolgt selbstthätig nach dem Auslösea 
der Klinken s. 

22. Bussiere's Minimalscharten-Lafette. 

(Fig. 48.) 

Die Lafette, welche sich die Firma AlfredBussiere in Paris im 
Jahre 1883 patentiren ließ, besteht aus einem Lafettenkörper, welcher 
durch ein Hebelsystem H (Parallelogramm) so mit dem Panzerthurm 
verbunden, bezw. in einer bogenförmigen Coulisse C desselben gefuhrt 
ist, dass sich das in die Lafette eingele^ B-ohr beim Nehmen der 
Höhenrichtung stets um eine in der Schartenenge liegende horizontale 
Axe bewegt 

Das Heben und Senken des Rohres geschieht durch einen hvdrauli' 
sehen Apparat, welcher durch eine gleichzeitiir als (^gengewicht fungirende 
hydraulische Presse bethätigt wird. 

Der Rücklauf des Geschützes wird durch zwei seitlich des Bohres ' 
angeordnete hTdropnenmatische Bremsen gehemmt. Die aus dem Brems- 
cylinder austretende Bremsflüssigkeit ( Wasser i ^ird durch ein regulirbares 
Ventil in ein mit Luft gefülltes Reservoir / gej^resst während die nack 

•) XdTgl. ^zn Fig 51*-. 



^ 



nini verlängerte Kolk^nstange jeder Bremse auf ZiiöaiüiMenilrfiekung einer 
Säule von iim (') linder L liiiitereinandergela^^erten) KorkscheilMqi wirkt 
irnd diese coiupriinii't. Nach beendetem Rüeklaute wird einerseits dureli 
e Gegenwirkung der cnmprimirten Luft, anderseits durch die Beaction 
der KorkpuflFer das Geschütz wieder in sinne Ursprung! iche Stellung zurück- 
geführt. 

Das Rohr bewegt sich heim Kücklaufe stets in der Kichtung der 
nmehaliendeii Eohraxe zurück, so dass zur Aiiwendbarkeii minimaler 
Schartenhöhen keine besondere Kohrtuhning iiothwendig wird. 



23. Mougins Miniraalscharten-Lul'ette. 

(Fig, 44.) 

Diese für die Verwendung in den Panzcrthünueii d^v Comjiapue des 
HouU-Föunieaujc, Forges et Acieries de la Marine et des Chmmm de Fer 
ä8t,Ckamond (Loire) in Aussieht genommene von Genie-Major Mougin 
ÜB Vereine mit dem Ingenieur Darmancier entworfene Lafette besteht 
ito zwei .schmiedeeiserne« Lafetten wänden W, in welchen das Rohr 
mittels rechteckformiger Gleitstücke y gelagert wird, welche die Stelle 
^er Schildzapleii vertreten. In den Lafettenwänden befinden sich ITir die 
'ileitstucke des Rohres Aussparungen m, welche einen genügenden Rück- 
lauf des Rohren gestatten. 

Die Lafette trägt vorne einen in verticaler Ebene beweglichen Hebel H, 
dessen Pivot c unter die Schartenenge verlegt ist. An dem anderen Ende 
wt dieser Hebel, resp. seine (den 2 Zinken einer Gabel entsprechenden 
föcbrärtigen ) Verlängerungen mit einer Führungstraverse verbunden, 
welche von einer hydraulischen Hebevorrichtung getragen wird und beim 
Heben und Senken des Kolbens der letzteren in bogenförmigen Coulissen L 
glritet welche in den Blechträgern des Panzerthm^mes angebracht sind. 
Um der Bewegung des Kolbens folgen z« können, ist der hydraulische 
'Vlinder an seinem unteren Tbeib* mit zwei Zaid'en Z versehen, um w^elche 
dtTgelbe hin- und hersebwingt. 

Das Gewicht jeder Lafette ist durch ein ( ■ontregewicht von 3b0i}kff 
annähernd ausbalancirt. derart, dass für die Kamine und Lafette ein Über- 
.^f'^richt von ungetrihr 500% verbh^ibt. Die Gontregewichte sind zur 
Vermeidung von Schwingungen getiihrt und mittels je zwri Ketten auf- 
gehimgen, welche über je -zwei Rollen «,, s, laufen und an dem rückwärtigen 
ITieile der Lafette befestigt sind. 

Die Pumpen für die hydraulischen Hubcylinder Tu^findeii sich in 
nächster Nähe der Lafetten. Das Heben des Rohres gescbieht durch Ein- 



78 



M ä o d r T. 



(tumpea von tihcerio nnter dea Hubcylinder« dsLs Senken des Sohre« 
dtirch Uflnen c^ines Bückäass?eiitils. 

Die EucUaufbremse besteht aus zwei übereiü&ndergelagertt^n 
h;drauliscben CjlinderD, deren innere Querscbnitte sich yerbjilten wie 
1 : 2*8, Diese Cylinder bilden die Verlängerung des Pivothebels und UnfeB 
beiderseits in die erwähnte Föhrungstraverse aus* Der Kolben k des 
oberen, kleineren Cjlinders ist an dem Bohre befestigt und treibt bei 
jedeni Bücklaufe ein bei^timmtes Quantum Glvcerin au£ dem obereo 
Cylinder in den unteren hinein. Der Kolben K des letzteren wird infolge 
dessen vorgetrieben und spannt hiedurch einen Aecumnlator. gebüdet 
an« zwei nebeneinanderliegenden Reihen von je 26 Paaren ?on BelleTÜle- 
Pedem. deren Detailanordnung aus der Fig. 44 ersichtlich ist Die 
Anfangsspannung dieser Federn ist so regulirt dass sie das Bohr unter 
dem höchsten Schusswinkel noch in der Feuerstellung zu erhalten 
vermögen. ^H 

In dem Bohre, durch welches die beiden Cylinder communicire^ 
ist ein Ventil V angeordnet welches jrich heim Kücklaufe von selbst 
öffnet und die Verbindung abschließt, wenn die Compression der Federn 
die Arbeit der Pulvergase absorbirt hat 

Um das Bohr in die Feuerstellung lu bringen, wird durch m 
Ventilrad R das Ventil V geöffcet, die Federn treten alsdann in Wirk- 
samkeit und treiben die Flüssigkeit aus dem großen Cylinder in d<^n 
Meinen, bis das Bohr in der Feuerstellung angelangt i^. 

Das Geschütz besitzt keine directe VisirTorrichtung. Die Höheii- 
riehtung wird stets mit dem Quadranten oder mittels eines Höhengrarf- 
bogens gegeben, welcher an den Gleitbahnen der Lafette angebracht \»t 
Die Seitenrichtung wird entweder im Thnrminneren auf Gnind der vor- 
handenen Pläne des Schussfeldes, oder mittels directer Visur durch dir 
Bohrseele gegeben. Hierauf wird auf einer horizontalen* Eintheilung aw 
inneren Bleche des Bollenkranzes, der Lage des zu be^cJiießenden Objectcs 
im Terrain entsprechend, ein elektrischer ConUctiipparat eingeschaltet, 
an dem sich die Geschütze, welche die der Distanz eiiti^prechende Ek- 
vation erhalten haben, bei der Drehung dc^ Thurmes selbst entzündeiK 
wobei der Thurm im Momente des 8rhn?!ses durch eine starke Feder 
etwas in seiner Bewegung verhalten wird, nach Überwindung dea Wider- 
standes dieser Feder aber seine Botation fortsL»t7.t so dass die Seharien 
und die aus derselben ragenden Rohie nur rinen Moment dem feind- 
lichen Feuer ausgesetzt bleiben. 



Miüimalscbarteu- und Vcrscliwiiidungb-Lafetteii. 79 

24. Schneiders Minimalscharten-Lafette. 

(Fig. 49.) 

Von der Firma Schneider &Comp. in Creuzot wurde 1886 eine 
besondere Lafettirungs-Construction zur Erzieluug minimaler Scharten- 
öffinungen in Aussicht genommen, deren sinnreiche Einrichtung in der 
Pig. 49 veranschaulicht erscheint, welche die Lafette eines in einem 
Panzerstande etablirten 15cw Mörsorrohres zur Darstellung bringt. 

Das Kohr ruht mit seinen Schildzapfen in zwei brillenformigen 
irmen -ß, welche an ihrem untersten Ende durch eine Traverse ver- 
bunden sind, die mit dem Piston einer hydraulischen Elevator-Vor- 
richtung F verbolzt ist. An einem Punkte unterhalb der Schildzapfen- 
lager stehen diese Arme mit Druckstangen d in Verbindung, deren rück- 
wärtige Traverse H die Kolbenstange einer hydraulischen doppeltwirkenden 
Bremse G trägt, welche so angeordnet ist, dass eine gewisse Kotation des 
Bremscylinders in der Verticalebene des Geschützes möglich ist. 

Ein am Casemattboden pivotirter Lenkermechanismus •(Parallelo- 
gramm) ist so mit dem Bohre und den Druckstangen verbunden, dass 
i durch alleinige Bethätigung der Elevator- Vorrichtung, welche durch eine 
\ neben dem Geschütze etablirte Handpumpe geschieht, das Rohr auto- 
I matisch die für die Anwendung einer minimalen SchartenölBfhung 
erforderliche Bewegung anninmit. 

Die Wirkung der hydraulischen Bremse wird durch zwei starke, 
seitlich derselben angeordnete Federn /unterstützt, welche auch das Vor- 
bringen des Geschützes in die Feuerstellung bewirken, wobei die nick- 
wirkende Bremse die Repulsionskraft der Federn moderirt. 
Der zulässige Maximal-Bücklauf beträgt 120mm. 
Beim Schießen unter kleinen Winkeln hat das Geschützrohr das 
Bestreben, sich zu (erheben. Um dies hintanzuhalten, enthält die hydrau- 
lische Elevator- Vorrichtung ein specielles Detail, durch welches dieselbe 
in diesem Falle in ähnlicher Weise functionirt wie eine hydraulische 



25. Gruson's PanzerschiM. 

(Fig. 50.) 

Als eine besondere Gattung von Minimalscharten-Lafetten sind jene 
Constructionen anzusehen, welche auf der gänzlichen Aufhebung des 
Rücklaufes basiren. 



80 



i\ r s. 



Dir riiti'rdriR'kting den KficklautV^ sei es aus Constnu'tion»* 

pnlnden nder zur Erleichterujig der Bedii*nung der Geschütze — ist 
übrigens, wie schon Schuoiann in seinem Werke: ^Die Bedeutung dreh- 
barer Geschütipanzer: .Panzerlafetten" ^k,^ hervorhebt, keine Errungen- 
schan- der neueiften Zeit : Cavalli schlägt dieselbe bereite in seinen 1862 
erschienenen ^Ap&ix^ *"'* '**^ ranoua rayh^ vor, doch gehört die prak- 
tische Verwertung dieser Idee allerdings erst dem letzten Jahrzehnt an. 

Den Vortheilen, welche durch die mehr »ider wt^niger vollständige 
Aufhebung des Rücklaufes angestrebt werden, stehen indessen jene Be- 
denken gegenüber» welche mitunter aus der hiedurch hervorgerufenen 
Mehrbeanspruchung einzelner Theile, insbesondere des Rohres, abgeleitet 
werden. 

Diese Bedenken sind jedoch ganz unbegründeter ?Catur; denn einer- 
seits lässt sich reell nuiigsmäliig nachweisen, dass die Mehrbeanspruehung 
des Bohi'es, welche aus der Aufhebung des Rücklaufes erfolgt, nii- 
bedeutend isi und anderseits liegt es ja in der Hand des Constnie- 
t^urs, diejenigen Tbeile des Rohres, welche durch die Aufhebung Ah 
Rücklaufes einer Mehrbeanspruchung ausgesetzt sind, entsprechend wider- 
standsfilhiger zu dimensioniren. 

Thatsichlich kann auch ein nachtheiUger Einfluss gelbst der ganz- 
lichen unelastischen Aufhebung des Rücklaufes hei richtiger Dimen- 
sionirung der mehr beanspruchten Theile aus der Erfahrung nicht nach- 
gewiesen werden * i. 

Die Firma H, Gruson hatt^ schon 1878 für Gebirgsgeschütx^ 
welche nnr Ton feindlichen, seihst schw^eren Feldgeschützen beschosi'^'n 
werden könnten, einen zerlegbaren, auf Gebirgswegen noch fahrbaren 
Panzerschild aus Eisenhartguss construirt wobei das Schussfeld mit60iira4 
agenommen wurde. Die für die Verwendung der Geschütze hinter diesen 
Panzerschilden bestinimte Lafettirung basirt. auf der vollständigen Auf- 
hebung des Rücklaufes und emioglicht die Anwendung raiinmaler Scharten- 
dimensionen. indem die für das Xehmen d«*r Bohennchtung erft^rderliflie 
l>rehung des Rohres im verticalen Sinne um eine in der Schartenenpc 
liegende horizontale Prehaxe O eiiHgt.. während die Seiteniichtiing 
dem Rohre durch Drehung des Panzerschildes um das Pivot C 
ortheilt wird. 



') Siehr KnippV V**r>ticbe mit der 15*«* PÄiii!eTk»oujH'. mit der ItxiBi Piv<'i- 
kattf^ne, mit dom \htm M^^s<*f und die Schicßver8Ufh(^ im Sommer lS8ä atif d^n» 
CumtucrKdorfiT Srhit'ßplnt^Ro mit Srhuni»nn's PiMiterlitfcttc 



Minimalsi'lijirt+t'ii^ itml Vt'rseliwjnHiiii^'s-Ljircttin 




Hirzu verwendet ürusoii zwei 8chmiedeei«erDe Ai'iue a, WL4i]io mit 
den am vorderen Ende der.se!ben befindlichen Zapfen in Lagern L 
des Panzerschildes drehlmr eiugetfetxt sind, wähi'eud da^J Hohr mit 
seinea Sühildzapfeii in dm riiclcwartigen Theilen dieser Arme gelagert 
tist. Das Bohr ruht hiel)ei in eint^ni Rohr-sattel. welcher diircli 2 Kieht- 
f schrauben s, die dnrch ein anf dem Verbindungsbalken T gelagertes 
[Räder Vorgelege mittels Knrheln k angetrieben werden, gehoben nnd 
[gesenkt werden kane. 

26. K r u p p*H P a n t e r k a n o n e. 

(Fig. 47.) 

Bei derselben trägt das Kohr am Kopfe eine antgeschranbte Kngel, 
widcbe, in einem kugellormigeii Lager des Stirnpanzers ruhend, die Ver- 
bindung von Kohr und Panzer herstellL nnd den Rückstoli anfniDimt, 
m daas der Kucklanf des Geschützes gänzlich anfgehoben erscheint. Der 
nk'kwartige Theil des Kugellagers besteht ans einer hohlen Schraube Ä 
welche in ein Muttergewinde der Stirnplatte eingeschraubt ist und durch 
welche der Konus des Rohres hindurchgeht Die rückwürtige ÖffYiung 
tosCT Sehraube ist so gestaltet, dass die Kanone die erforderlichen 

Sdten- und Höhenbewegungen machen kann. 

Die Lafette besteht aus dem Lafettengestell mit den Laufrollen, 

dem beweglichen Schildzapfenlager, der Höhenrichtmaschine und der 

Seitenrichtmaschine. 

Das L a f e 1 1 v n g e s t e 1 1 L ist nach rückwärts geneigt, so dass die 
Kanone durch ihr Gewicht nach rückwärts gezogen und die Kugel 
somit stets zur festen Anlage in der rückwärtigen Hälfte ihres Lagers 
gezwungen wird. 

Das stählerne Schildzapfenlager bewegt sich zwischen den 
Ufettenwänden auf und nieder. Die Bewegung desselben wird durch die 
an der linken Lafettenwand betindliche Hüb en rieh tmasch ine, aus 
mem Zahnstangengetriebe // bestehend^ bewirkt, während zur Feststellung 
desselben nach bewirkter Hichtung eine Sperrklinken-Bremse und eine 
selbatthätige Dille rential-Bremse angeordnet sind. 

Die Seitenrichtmaschine besteht aus einem Räderwerk mit 
Grifirad und einer SchranbenbreniseT welche mit der Achse der rechten 
Utifrolle verbunden ist. 

um das Visireü nach dem Ziele, sowie eine Beobachtung des 
Schussfeldes zn ermöglicheu, ist oberhalb der Müudungskugel eine 





Viäirluke angebracht und das Ii<ilir mit eiiirr directen Visirvorrlchtiiiig 
versehen, 

Dit? Versuche, welclie die Yiniiii Knipp uiit eiuer I5cm Panzer- 
kanoue der erwähnten Constructiau seit 1878 durchführte, und welche 
nach den bezüglichen Berichten ei^e leichte wnd ru8che Bedienung, 
grolle Feuerschnelligkeit und vollkomimme Beckinig von Geschütz und 
Mannschaft ergaben, lassen nunmehr, nach Durchführung einiger cnn- 
structiver Detailanderungeu, üueh eine hinreichende Yerlässlichkeit iiod 
Widenstainlytahigkeit dieser Constniction — welche ullerdings vorläutig nur 
b(M* Anwendung stählerner Kanonenrohre tils nachgewiesen angesehen 
werden kann — erwarten. 



27. Schuinaun's Panzerlafette 'K 
(Fig. 45) 



Die in |Fig. 45) veranschaulichte Panzerlafette Schmuanu's besife 
eine ans eiuer xweckentsprechenden Combination von Eisenhartguss und 
Walzeisen hergestellte, von einem starken Pivot P getragene Panzerdecke, 
welche beim Schusse jedoch auf dem durch eine Betonvorlage gedeckten 
Vorpanzer aufruht. Die Walzeiseuclecke ist nur gegen Bombeuwurf in Be- 
tracht zu ziehen, indem der Auftreffwinkel geschossener Projectile kaum 
20 Grad im Maximum beträgt M 

Die die Verbindung der Panzerdecke D mit dem Pivot veimi^ 
teinden Cojiatructionstheile bestehen aus einem ringRirmigen Blech 
träger t f mit Winkelarmirnngeii, welcher durch 4 mit Winkeleisen vei 
stärkte Consolbleche mit den eigentlichen Liifetteuwanden W vei 







*) Eine umfassende synteniatiachcr <l«^n 8t oft' in ji'dtr Kirhiung timl iu idleii 
vreHt'ntlichL'n Einzelheiten eröchopftMid<? Darstellung: d<T 8rhunjiinnVlion „Panzer- 
Ittfeiten", u. KW vergleichend mit den zwei aii|y:enhlirklirh wichtigsten, nn't 8elumiiinuV 
(NiUistnictionen rivaliüirendi?n Thurrn«y8t» tnen — Mon^nn'» franzAsihrhen Thtinneii 
auf der einen, Oru^ons Jhirt^'ussthttrmen ;inf der Jiiideren Heite -- betindrl sich 
in liiefiLMi ^Mittheiluni^eiC' unter dem Tit< 1 : „Drehbare Fan st »^r för Kanonen 
in Liin(ibefesti«,'ungcn.** Von Franz KlotKjiiann, k k Hauptmann ilea 
^JeTiir^tabeH 

Bei Verfiifjjsnn^ dietier Arheit .sind nUf wicht if^rn^n rub]icution<'n - liirninter 
ini^befeickndere jene, erschienen im Tjjiufe drs rhcn vcrfl">4«seneu« den Bukarester Sehifll- 
vertfuchen gefolgten Jahre&i. u. zvi\ unter Hrirung aller Parteien mit deren nidit selten 
heterogeiihteu Ansichten und »ScldtiBfifcilgerungen — benutzt worden Dt-r Artikel 
eryeheint auch In einem »Sonderabdrucke 

A d. Ucd. 





Mininmls^'hart^^n- mid Vcröchwmdnngs-Lii fetten. 



83 



b 



binden ist. Letxtore bestehen uns ^ewalzton Platten, die. ohon mit einem 
* Querstöck ^ gegeneiiiainler versteitt, unten aber mit dem Pfanneiistück p 
T^rbokt sind und zwischen denen sieb dan Kohr bewegt. 

Ein Hauptprincip SclitimanE*s iat jenes der Einrohrigkeit: Mit 
Ausnahme des sogenannten Batteriethnrmes (füi' 4 — 15'wi 
Hin g ka II n e n ) s i n d 3 ä m in 1 1 i c h e P a n z e r 1 a fe 1 1 e n S e. b u ni a n uh 
anf bloß Ein Eolir berechnet 

Beim Geben der H ö h e n richtnng bewegt yieh Ans lUAn um z\v*^i 
am vorderen Tbeile desselben befindliehe und in der Pauzerdeeke ge- 
kigeiie DrebzMpfen Z. Die Hrihenriebtuiig des auahahineirten Itrdires wird 
mit einer 8cbneckeawinde iv dadurch genommen, dass der Hewichts- 
überschnss der Contrebalance C ztirückgewunden wird. Das Kolir bangt 
Webei m zwei starken Gliederketten, die mit ihrem vorderen Ende an 
eiüer Öse des Tragbügels befestigt sind, während das freie Ende sich 
mterlialb des unteren Kahmens der Lafette ablagert. 

Für die Hör izontalrichtimg muss die Lafette von ihrem Auflager 
auf dem Vorpaßzer abgehoben werden. Die Last der Panzerlafette ist biezu 
durch das an deoi Hebel li wirkende Gegengewicht B ausbalaneirt, so 
im, wenn die Mutter m mit einem Heb(d>aum niedergeschraubt wird, die 
gernnrnte Lafette sammt Eohr sich leicht heben lässt, denn es kommt beim 
Auhube nur die Differenz zwischen der Totallast und der Contrebalance zu 
tewiuden. Die ganze Manipulation des Anhebens geht daher in wenigen 
Secimden und ohne besonderen Kraftautwand vor sich. Da ferner uach 
Jem Anheben das ganze Gewicht auf dem Pivotzapfen P ruht, so ist 
Ji^ Reibung nur gering und die Drehung der Lafette kann sehr leicht 
Ijimrkt werden. Dies geschieht entweder mitt*ds eines Zabnhebels mit 
Zahnkranz od(U' mittels FrictioiishebeL 

Hinsichtlich der VisiruQg iat zur Orientirung und /um Feuer auf 
jirriLie Distanzen idu Topvisir, zur treuam^n Rrtbeiliing der Seiten- 
richhmg am Kohre eini* directe Visirvorricfitmig und endlich für nahe 
Üinliazen zur Visur mit abgewendeter llohruiriinluiig eine Visirvorrichtung 
"iwttTbalb tles Mannloches. 

Der K ü c k l a u f des Oeschutzes i s t ga n z 1 i e b a u f g <■ h n )► e n. Als 
Widerlager fyr den Rüekstol] dit^iieu dii* Lafettenwande selbst, welche tw 
Jii**jem Zwecke mit zwei kreisbogeiitorniig(Mi Coulissen / für ein Pührungs- 
sitück F versehen werden, welch letzteres aus zwei in der Schildzapfen- 
pHeiie getheilteii Hälften bestidit, die dem Rohrk^rper und uach vorn 
Jeu iSchildzapfi^nangilssen entspreeht*nd aitgepasst und durch Schrauben 
luiteüiauder verbundeu sind. 




I 



84 



M a u d 



Um oine genil^cndp Lichtmengp im den Panzer einzulassen, wozn 
das Mannloch allein nicht ausreicht, jiowie auch um »nne elastische Auf- 
lage für cÜL' Panzerdeeke zu erzielen, ruht die Decke auf Holzkeilen. 
welche .scbwalbenschweifartig in gewissen Abständen in den Vorpanzer 
eingesetzt sind. 

28. OrusoüVche Panzer lafett»- '). 

Fig. 62 stellt eine Panzerlafette für zwei 16cm Bingkaoonen vor* 
[♦^^Ären Decke nur aus Walzelsenplatten besteht und zu deren Unter- 
stützung zur Erhaltung des Gleichgewichtes vier zur Abschwäch ung der 
Stoßwirkung des Schusses mit Pufferfedern versehene Frictionsrollen F 
augeordnet sind. 

Ein Heben und Senken der Decke geschieht infolge dessen nur dann, 
wenn etwa eingetretene Klemmungen beseitigt werden solleij. Es fehlt 
daher bei dieser Lafette •) auch die Ausbalancirung des Lafettengewichtes 
wie bei der vorerwähnten Lafette*). 

Per Bücklauf wird durch zwei parallele Widerlagsbarren B auf- 
genommen, längs welcher das Rohr bei der Auf- uiiJ Abwärtsbewegung 
gleitet, und gegen welche dasselbe nach dem Bichten angepresst wird. 
Hiezu dient inne am Bodenstficke des Rohres angeordnete Brems* 
schraube /V luii stählerner StoUphitte, welche beide auf das Caliber 
durchlHibri .Mind. um das Ija<leii zn ermöglichen. 



•) Wit? nu» dein Stadium Aller PulH<'ÄtHmcii des Erfindern der ^rauzcrlÄfenen** 
henorjfeh! - vt-ixl- u. ». <\u^ „Einbitim»!** \H 540 « IT.), dir ^ÜWrsirht Ober dir 
vt«rHi'lut^d»'tii*n Ty]>en von Piinxcriiif«*tfcii*' (S. 549 u, Jl» ni8bt»ii<itidi-*n* Fußnote 1 nnd 2 
auf H. 550), haiii»tÄH4'h!i«^h nln-r dn» ijipittl: ^l)iis CujunuTsdorffr Priürip ond d<*f 
dfUtJiche TImrni in BukÄTCHt* (8 579 a. iTj dcsArtikds ^Drchliju-i^ Piiuicr ftlrKünoni-u ia 
L>indlH*f*'«<tijf!jiitjen** — weitft d«*r*ü»dbi' hiuKit'UÜJi'h der OriiHtinVcb*'« SÄW»'irohri>ri*n 
rMfiMtmrtioneri j<*d»' SoHdnrität mit d»'r jrt*iiftn»itru Finim Kurö^k A d Wvd 

•) hiff!r> Lftft'tt«* nh^rsi'in'n v»tn diMn TVin«'i|n' <!**r Einrrdin^ktMt. von il«*r 
AMWi'iiiiiinif d*'** Liini»dl»'iJtirin<'iiH*f« bei <%iiiKlructi<>n tlvt Ihvkis tvfuvr ih'V V'i'rw*'iidutijr 
mm 8id«iiiodfci*t*n-Phittt'ii tm L\m%tnicthtn d«';* VoqjjiiixL'P* int in alb'iii \V«»)iriit* 
ludien Hu»? Xarhbildiiii^ d<*i* (*ununf'i^d<>rf«T Vi*rj«uohj.-Objt'»*ttis |VL*r|/rl f* 552 bin 55H 
dis« ArtikHk; ^Dri'hbftri« Vamvr für Katn>n*'ii etr **) A d H»-d 

*) Hvim t*umn»i»nidurft*r Hiiu^jirbifLni«* hÄttf Srhouiunn aoch ni<^bt aunbabwH irf 
»T timt ili«** i»r>t niifh d^n t^t^tungem^n ranuuiTüdorftT Eqiriibuij^fii sciu<*» Keitbvr 
jilljfr'Tnitinrr bvkannt ){i' w*»rd«*nfii ;4og C ii ni ni i« r »< d o r f *• r T r i ii e i j» i- & ( vorgl 8. 562 u fl* 
i<iii ,l»r»dib,'*n' I*JU»Ä»'r i'tr "^ bi*i d*»ü v<>ii ihm v»*rb«'*«i«n*tr'n PanÄorbifrltrii mit Auf- 
bi*bitn^^ dt*» IJflrklnnf»*'* iiti di*n Sr!indxii]ifi*ii iinr«tntl. wi«* frDbtT» «im Hodi^ri* 
««Arkrdr» U<dtr*'4 \ d, l<t*d. 



MinimaLHchark'n- uml Verschwiiidimgs-Ljifirtten. 



85 



fchumanii's PanzmiatVtten und des^leiclu^ii iiurh (irusnti'j« derlei 
Coüstructionen. vuii Sehumiinti bloO hinsichtlicli rlenni Zweirohri^keit 
mi»!*hinigt. zeichnen sieh diiieh den WegfätU alhv eiimpliinrten, immeut- 
M hydraulisdien MechauiHnien aus und gestatten mit geringem Kraft- 
aufwände, durch Anwf-ndnnj; der einlaclisten miisehiiif Ibn Hiltsmittel das 
Fetit»r aus Kanonen .selbst gröberen Calibers bei lüiiiiniabui Srharten- 
dimensionen. Als Nachtheil muas jedoch hervorgehnbeu werden, das» 
diu FuQctionsßlhigkeit dieser Lafetten infolge ihrer innigen Verbindung mit 
der Puuzerdeeke sehr von der Intaktheit dieser letzteren abhan^iuj ist 



Jl Ver8eitwindung§«Lafetteii, 



Die den VersehwindnngH-Lafetten zugrunde liegende Idee, dii.s Ge- 
schütz nur m lange dem directen t>indliehen Feuer ausziLsetzeii, als es 
Jm fiichten und Abfeuern desselben unbedingt erfordert, kann unschwer 
W» in das vorige Jahrhuudert verfolgt, werden» Schon 1775 soll Cor- 
ii4m Kedlirhkeit zu La Haye den Vornchlag gemacht haben, zur Ver- 
theifhgUDg des gedrckten Weges Lafetteu zu verwenden, welche es dem 
ft«»cliftt2e enuöglichtc»iu übtn* den Glaciskamm /u feuern, nach dem 
^thme aber hinter der Deckung zu versehwiiidni un(] sieh ilen Blicken 
lit'n Uegners vollständig zu entziehen. 

Seither hat es niijht an Bestreliungeii und Projecten gefehlt nuj 
dad erwähnte Constructious-Princip in die Praxis einznfilbreii. Aliein wie 
W Minimalscharten-Lafetten. so war auch hier die mehr od(U' weniger 
mik Complication in der Einrichtung der Lafetten, die hieraus her- 
Tör^ehenden Schwierigkeiten in der Handhabung derselben, sowie endlich 
fe p*ol5en Anschatfnngskesten die vvesentliclisten Momente, web'he der 
Anwendung solcher Construetionen in der Praxis entgegenstanden. 

Die Fortschritte in der Ausbildung des Geschützwesens und dn 
'IVfhuik im allgeiueinen hätteii indessen auch hier diese Bedenken t»ald 
nim Schweigen gelnacht. Eine weit gröOere (refahr drohte abf^r der 
Kxijjtenz der \' erächwijulungs-Lafetten durch die A n ii a h m e des P a n z e r h 
ak Schutzmittel für Geiiächütz-Emplacements ; denn fladurch wurde die 
Hegemonie der Minimalscharten-Lafette gewisseniiaüen sanctionirt 

Der ungeheure Kosteapreis von Panzerhauten jedochi sowie der 

ans der Anwendung des Panzers entspringende ^a<'litheil einer un- 

Lgemeiti beschränkten l'bersicht über das Ausschussfebl, die Zweiftd endlich 




86 



M II u tl r V, 



nbf*r das Vorlialten solrlirr PHii/erkoIrmH^' sowohl im «?igi*Tiftn 
wie auch gegen die liinwirkiiiijj rle.s feindlichen Feuern - blieben Qnd 
aus welchen die Idee der Verschwindungs-Lftfetton aueh fernerhin Nahil 
und Lebenskraft schi'ipfte. 

Tn der Thni gaben auch wirklich die ersten Erfahrungen 
Panzerihurmen zu einer 8o pej^siinistiHchon Auffassung dieser iiK»dei 
fSchutzmittel Veranlassung *v. dass für die Beibehaltung der alten, 
wahrten, durch eine vielhundertjahrige l'radition geheiligten MethcnJ 
die Goschütze hinter offenen Unistwehren /ai verwenden, die vnllstci 
reehtigung gegelMHi .schien. Da alM*r offenbar bei Verwendung gew5| 
lieber Lafetten das Artiüerie-Materiale — eines jeden Schutzes bar — dttl 
das feindliche Feuer sehr bald kampfunfähig hätte werden mflssen,| 
war man gezwungen, in der Vr'rsrhwindungs-Lafett*^ den Retter in 
Noth zu begrüßen* 

Heute haben diese AnschauungeQ, wenn auch noch keines 
alle Bedenken gegen die Zweckmälligkeit der Panzerbauten geschwuil^ 
sind, doch eine wesentliche Wandlung zu Gansten derselben erfal 
Thatsächlich hat auch der Panzer und mit ihm die Mißimalschar 
Lafette, namentlich in letzter Zeit» eine weit größere Beachtung, JÜl 
erkennung und Verbreitung gefunden ab die Verschwindangs-Lafettjj 
allein daraus kann noch keiju-swegs die Folgerung 
geleitet werden, da^s die Versch wi nd u ngs -La fetten il 
Kolle 8chou gänzlich ausgespielt haben. Die KTfahrung all 
kann berufen sein, hier das letzte Wort zu sprechen, 

Pass der conipücirte Apparat der l^anzerbauten seihst im Friedei 
nur in der Hand eines äußerst geschulten, fachlich vorgebildeten Persona 
seinr'r Besliinuiung zu entsprechen vermag, i^st zweitVdlos bewiesen du 
das aus der bisherigen Erfalirung resultirende, uUenthalben zutage treten 
Streben der thunlichsteu Stabilisiiung jener Trup|)enkoi'per, welche ti 
Ernstfalle zur Handhabiiitg dieses Apparates beruft*» sein werden, Pii 
Staaten, zu d**ren Katiipfnruttelu Panzerbautüi zslhlen. werden der Noth-J 



•) 80 Matlonirt»' iKMitin^l-virfisi» d»*r riijiilaiur d*»?< ^.Monitor" im in»r<buii*Tik/iui- 
»eben Seci*s.-«igni.><ti*iikni*^(\ ^tmn trntR d*»r Vt'Mtiliitioii im Tbunih' «'tn länjft.Tt'r Aul- 
imthjilt in ilcm»N«4UMi utiUH^^lbli war ^\Viihrt?in3 dt't AftiMU am Ifj. Miirz 1862, 
i<ebrenii vr, ,,küiidi^tL» »irh ait^hnii bei dr-n iTstcn 8clitiü»jen dur Mangfl tU'r in*H* 
wendir»^!«'}! Hodiii^cuni^eti i\r% Wohlseins äii lh\H 'i1iprmomi>ti*r lelgt«* im Iinuri« 
4i*x TliiiTiu«'* 4 60*Cd«iu«; <Ah* Mmimchnlt war U\ ein^r f^tuijJr vollkiimuhH 
i«r»c!i(kpft. das Utfeeht öiasalt' ab^fcbrofhcü werden ** 



Miniraalschartoii- und Verschwindunfjs-Lafetten. 87 

endigkeit besonderer Maßregeln zu deren Handhabung sicherlich nicht 
itrathen können *). 



Das Constructions-Princip der Verschwindungs-Lafetten betreffend, 
n erwähnt, dass dasselbe am l)esten durch die Bedingungen charakterisirt 
ird, welche eine solche Lafette zu erfüllen hat, nämlich das Geschütz- 
ohr unmittelbar nach dem Schusse selbstthätig unter die Kanmi- 
inie herabzusenken, um es in dieser Stellung gesichert laden zu können, 
nd dasselbe im schussfertigen Zustande, in der Regel gleichfalls selbst- 
hitig, wieder in Position zu bringen. Zumeist wird die Energie des Rück- 
koßes zur Durchführung dieser Arbeiten herangezogen, u.zw. in der Weise, 
•88 — wie bei älteren Constructionen — durch die Kraft des Rückstoßes, 
Btweder auf mechanischem oder hydraulischem Wege ein Gegengewicht 
rtoben und in der hiedurch angesammelten Energie desselben die Kraft 
i dem folgenden In-Position-Bringen des Geschützes gewonnen, oder dass 
' irie bei neueren Constructionen — durch die Kraft des Rückstoßes ein 
ftrolumen (zumeist mit Zuhilfenahme eines hydraulischen Apparates) 
bprimirt und die Expansionskraft desselben als motorische Kraft zum 
"ttckführen des Geschützes in die Feuerstellung verwendet wird. 

Die ersteren Constructionen sind unter dem Namen Gegen- 
•richts-Lafetten, die letzteren unter dem Namen hydropneu- 
tische Lafetten bekannt. 

Ohne aus dieser Bezeichnung jedoch einen besonderen Eintheilungs- 
nd zu machen, sollen im Folgenden vielmehr, ähnlich wie bei den 
limalscharten-Lafetten, alle jene Systeme der Verschwindungs-Lafetten 
^ner Verbindung vorgeführt werden, welche geeignet erscheinen 
■pliei). die allmähliche Entwickelung dieses Lafetten-Princips bis zum 
^^en Tage zu veranschaulichen. 



Ar. 



1. Galateo's Verschwindungs-Lafette. 

(Fig. 53.) 

■ JDer italienische Major Galateo machte 1804 den Vorschlag, an 
*&<ler der im Gebrauche gestandenen Belagerungs-Lafetten L zwei 

* j 8o wurden erst kürzlich in Holland durch ein königliches Decret einige 

•*^ gen in der Organisation der Fcstungs-Artillerie getroffen, deren wesent- 

:in der Errichtung dreier Special-Compagnien für Panzerforts besteht. Die 

-^n dieser 3 Compagnien sind Hehler, Haarlem und Haag. (Armeeblatt 1886.) 

U 



88 



M a u 4 I' V 



Elfn'ut<jr('!i yl , iW nm bi*Hrtiltit(tMM:ii Eirhenhlooki^ii przni|^^t waren. 71 

Willjreiid dir Laicttv jitm ztim 8('1iiins<» imf diesen Eichenblöckei 
hinter ih*Y Brustwehr <*rlmlji'jj stand, si^nkte sieh diesHlht* nddi Am 
Schuss«^ hi'lm ZunlcksiM(d(ni rie^s rU*s<chüt7j*s sidl»stthnti»( m hin^r. hi.s m 
auf die Höhf^ «Ich Halbiorwsers der tugtMien llador ;(tdjni|j^te. 1\(A diese 
Sttdlun^f wstr das Oi'sdiütz so weit von der Brustwehr entfernt, um ge 
reiiiij^t und gdadf^n werden zu können. Heim naelifnltifenden Vorführe 
des (lesrhilizes mnsste sieh dir Lafette in dem Maüe wieder heben, al 
die EhMaUren mit der Hettun;^ in Herrdjrnn^i; kamen. 

Der Hiicklanf wnrde tln^ls dnreh die iiaeh nlekwäii;*! aufsteigend 
Hettun[(, theils rlureli die Elevatoren, welche als Gegengewichte wirktei 
L^emiiliigt. 




2. r h a s s e 1 o u |v 's V e r s e h w i n d n n g s -L a f e 1 1 e. 
(Fig. 54,) 

Die von dem franÄOsisehen (ieneral C h a s s c 1 u u p 1804 ennstriiirt» 
Lafette |)i\steht aus einer gewöhidiehen Belagerungs-Lafette L auf welche 
ein mit 4 Kollrädern veisehener hnlzerner Lafettenaufsatz a gesetzt ist 
der das (ieschiitzrolir zu tragen hat und hlngs der Lafettenwüude, di« 
zugleieli als Führung dienen, sich hewegeii kann. Dieser Aufsatz W 
durch eine Bandkette // an einer auf der drehfiaren Lafettenacbse md- 
gekeilten Scheibe c befestigt, ho dass ioi iVIomeiite des Srliusses, wo i^i 
ganze System zurückspielt, der Lafettenanfsatx Inngs der Lafettenwrindf 
Hicll zunlckbewTgt und die Bandkette hieliei abgewickidt \^ird, Naehdimi 
das Oesebütz gereinigt und geladen ist, wird heim Vorführen der LatVttt 
auch die Bandkette wieder aufgewickelt und durch dieselbe der Lafetteii- 
aufeatz und das in demselben gelagerte Rohr wieder in die urspröuj;- 
liehe Lage gehobeii. 

Veräuche, welche im Jahre 1804 mit einer 32iifünd. piemontt'^ 
siisclien, auf einem Drebrahmen etablirten Kanone in Jiniland durchgelTiW 
wurden, srdlen ein gnnz befriedigendes Hesultat ergeln^ii linhen. 



3, De Bus8\^s V erscb w in dungs-Lafett ( 



i 



1835 hatte der amerikanische üeiieral de Bussy eine Lafetb 
coustruirt, in weleber unschwer die wesiMitliehsten firundziige der vv^k'i 



J 



MinimHlscliarten- und Vcrschwiiiduii^'s-Lufetten. g9 

MoncriefiF'schen Lafetten - Coiistniction erkannt werden können. Diese 
Lafette ist principiell in folgender Weise zusammengesetzt: 

Auf einem horizontalen, mit zahnartigen Vorsprüngen versehenen 
Bahmen bewegen sich zwei große Kader, deren Felgenkranz eine Anzahl 
Vertiefungen, entsprechend den Zähnen des Kahmens, hat, so dass ein 
Gleiten der Kader auf dem Kahmen ganz ausgeschlossen ist. 

Die Lafette ruht vorne auf der excentrischen Achse dieser Kader, 
und schleift rückwärts mit zwei Kollrädern auf zwei gekrümmten Lauf- 
schienen. Am vorderen Ende des Kahmens sind zwei Ständer angebracht, 
welche ein Kädervorgelege und eine Bremse tragen, durch welch' letztere 
der Rücklauf des Geschützes gehemmt wird. Zu demselben Zwecke sind 
ancli die in der Feuerstellung des Geschützes am tiefsten liegenden 
Speichen der erwähnten Kader aus Metall, die andern aus Holz erzeugt, 
80 dass die ersteren gleichsam ein Gegengewicht bilden. 

Das Vorfahren der Lafette geschieht mittels des erwähnten Kader- 
Torgeleges, dessen Windetaue mit der Achse der Lafettenräder verbun- 
den sind. 

4. Moncrieffs Gegengewichts-Lafetten. 
(Fig. f)b) 

Die erste Construction der von dem englischen Capitaiue A. M o n- 
frieff 1858 construirten Lafette besteht ihren Haupttheilen nach aus 
«lern Kahmen, den beiden Elevatoren mit dem Gegengewichte und der 
rigentlichen Lafette. 

Der Kahmen ist aus Eisenblech erzeugt und kann mittels eines 
Öetriebes um sein Mittelpivot gedreht werden. In der rückwärtigen 
Hälfte erheben sich auf der oberen Kahmenfläche zwei geneigte Schienen d, 
anf welchen die Kollräder der eigentlichen Lafette sich bewegen. Die 
^Vi^ng dieser Schienen ist so bestimmt, dass die Kohraxe während 
•ler Abwärtsbewegung des Kohres nach dem Schusse annähernd parallel 
zur ursprünglichen Lage J)leibt. 

Die Elevatoren B sind unten durch den zur Aufnahme des 
^f<*gengewichtes bestimmten Kasten, sowie durch Querbleche und Bolzen 
niiteinander verbunden. Damit dieselben beim Niedergange des Kohres 
"ich auf der oberen Kahmenfläche abrollen und nicht schleifen, sind auf 
Mzterer prismatische ZäWie und in der rückwärtigen Begrenzungsfläche 
Jnr Elevatoren entsprechende Vertiefungen angebracht. Die erforderliche 
Größe des Gegengewichte« wird durch Einschlichten von Ballastziegeln 
in den Gegengewichtskasten t hervorgebracht. 



m 



M ik u d r y. 



Die eijToiitliche, zur Aufnahme des Rolirf*s Imstiinintf Lafett 
besteht au« zvvoi LafetteuwüudtTi, di<' mit den El«natorHu durch »^inen Quf*r» 
bolzeu und rückwärts durch eiue Traver«^ verbunden sind, welche di# 
Richtmaöchiue und zwm HoHrader trfij^t. denen die gefnOgten Schienen c< 
zur Führung dienen. 

Di<* Hoheuriebtung kann ilurch direetes Visiren nach dem Ziele 
mittels des Aufsatzes oder aber, um vollkommen gedeckt richten xn 
können, mittels des Schiblzapfenzei^er« oder eines SpiPgfda|>f>arateH (i 
^fgeben werden, 

Tm die mitunter gewaltigen Massen solcher Lafetten '} beherr»elieii 
zu können und da« GesehÖtzrohr in der untersten Position für das uaüh- 
fölgernl»» Lad^'U zu erhalteju ist beiderseits des Kahmcris eiru* Sperr- 
vorriehtun^ angebracht welclie s<*lbstthiitiK wirkt Zu diewem Zwecke 
hetindet sich an den Aultentläcben der Klevatoren das unrunde Zahnrad g^ 
welches m ein cylindrisches dri^trieln» eingreift, auf dessen Achse das 
Schaltrad h sitzt d*'ssri» Schalter / eine n^trograde liewegung des 
Systems verhindert welche erst dann erfolgen kann, wenn der Schalter i 
mittels des Hebels ff ausgelöst wird. Vm jedoch ein vehementes Nieder- 
sinken des Gegengew ichtres hintarizuhalten. so ist an der gemeinschaft- 
lichen Getrieb- und Schaltrad-Achse eine Bandbremse / festgekeilt durch 
deren Handhabung Uiittels ib\s H*'bels / »*in lanirsames Emporsteigen de» 
Geschützes ej-möglirht wird. 

Der Hehel n dient Ahul um das Xieilerbnlen des Geschützes auB 
der Feuer- in die Ladeposition auch tdine die Abgabe eines Schnasw*» 
mittels des Getriebes bewirken zu können. 

(M>wnhl nun wiederholte Versuche mit Lafetten dieser Cimstructiou 
ganz iiefriedigrnde He?<ult4ite ergebi»n h«l)en, so kunn doch nicht ge- 
leugnet werden« dass der ganze Lafettenbau eomplicirt riullerst ge- 
wichtig und »lieh sehr kostspielig iat Mancriefi' selbst sah sich daher 
veranlasst eine Vereinfachung seines Systems dadurch anzustrehen, ilass 
er die eigentliche Lafette und die führenden Leitschienen am Rahmen 
eliminirte, Indern er das Hohr direct in die Elevatoren lagert4' und das- 
selhe nur durch zwei Scheiben, von denen die eine mit]den Sehildzapfen ver- 
bunden, die andere beiläutig im Mittelpunkte der kreisförmigen Elevat-or- 
bogen angebracht war. in Verbindung mit einer endlosen Üandkette 
wfthrend seiner Bewegung stets parallel m seiner ursprunglichen Lagt» 
xtt erhalten suchte. 



h Riiir Mom'Hrfl-Liifetti! für **iri Itfiü. (ITTSwui; [Mit wit»frt b^^UpiVk- 
weii« tm. bd einem Uohrirpwieht v>ti 7f; ftlr tin 9tvA] {^2H^mm) Tiolir H7 2i 
Kft «»Itieui n<»lirg»swii*lit von 9;ji 



Miiiimalscharten- und ViTschwindunf^'K-Liifotteii. 91 

Allein trotzdem sind die Dimensionen und Gewichte Moncrieff'scher 
üegengewichts-Lafetten kolossal. Beispielsweise wiegt eine für ein 12'5t 
schweres Bohr nach dem vereinfachten Princip erzeugte Lafette 35t; 
die verticale Herabsenkung des Kohres nach dem Schusse beträgt bei 
derselben 3"lw, wodurch eine Sicherung gegen den directen Schuss bis 
zu einem Einfallswinkel von 14 Grad erzielt wird; Peuerhöhe vom 
Bettangshorizont 5'9w. 

5. Tunkler's Gogengewichts-Lafette. 
(Fig. 57.) 

Die 1872 von Genie-Oberst Kitter v. Tunkler construirte Lafette 
war ursprünglich für die Ausführung in Eisen entworfen, wurde jedoch, 
um die Kosten der Erprobung thunlichst zu reduciren, für die Aus- 
(Shrang in Holz umgearbeitet. Diese Lafette besteht aus zwei drei- 
seitigen, aus Balken gebildeten Lafettenwänden L, welche durch die aus 
der Pig. 57 ersichtlichen Querverbindungen miteinander verbunden sind. 

Die Lafette ruht mittels der Achsen E und F. auf vier Halbrädern, 
welche beiderseits auf den Zapfen k und / Gegengewichte tragen^ 
deren Summe ungefähr gleich ist dem lV,fachen Gewicht des Eohres 
und der Lafette. 

Die vorderen Hallirüder sind zur Erzielung der eiforderlicheu Stabi- 
lität durch Querverbindungen miteinander verbunden, während die rück- 
wärtigen solche Verbindungen nicht erhalten können. 

Auf der Achse ist eine Bremsscheibe aufgekeilt, welche von dem 
stählernen Bremsband b umschlungen wird. Dieses kann mittels des 
Hebels H mehr oder woniger angezogen werden, so dass hiedurch eine 
Reibung, entsprechend der GroHe der in Anwendung stehenden Pulver- 
ladung, hervorgebracht und hiedurch unter allen Verhältnissen eine 
richtige Puuctionining der Lafette ermöglicht werden kann. 

Die Lafette wird auf einem Rahmen mit Mittelpivot verwendet, 
dessen Sohlenbalken vorn und rückwärts mit Puffervorrichtungen P und 
rückwärts überdies mit einer Hemmvorrichtung versehen sind, welche 
das Emporheben des Eolires durch die Wirkung der Gegengewichte nach 
Jem Schusse erst nach dem Auslösen einer Sperrklinke mittels eines 
Hebels möglich maclien. 

Die mit einer solchen für ein loctn Kanonenrohr construirten Lafette 
im Jahre 1874 durchgeführten Versuche haben ein ziemlich negatives 
Kesultat ergeben, welches haui)tsächlich auf Mängel zurückgeffthrt werden 
inus8t<% die in dem Princip <ler (N^nstruction begründet sind, und welclie 



92 M a u d r y. 

Im»! \i'\'Wv\'iM\\\i <ii''*^«*rt Priiirips iii8b(*s(>iKlere für Lafetten gröÜeriT 
raliber dio Kriegshrauchbarkeit Holcher Constructioneu als äußeret 
fraj(lich ürHC/hoinen lasöen muHsten; von einer weiteren Ausbildung 
(lieHHM HyHtem« ist man daher gleich nach den ersten Versuchen voll- 
kotrimon abgHlconnnen. 

H. IJuffingtiurs (i e go n ge w ich ts -Lafette. 

(Fig. 58.) 

liei der von (b»ni englischen Oapitaine A.KBuffington entworfenen 
<iegeiigt»wlchts-Lafette liegt das Kohr mit seinen Schildzapfen in einem 
llHlimtm Ä, der von zwei Paaren verticaler Ständer S getragen wird, welche, 
untt^n durch ein Querstück q miteinander verbunden, solcher Art ein ge- 
hMikiges Parallelogramm bilden. In der Mitte der Verticalständer S sind 
Hollen rr gelagert, mit welchen das ganze Sys'tem auf der oberen Fläche 
eines rahmenurtigen Untergestelles C7 aufruht Das untere Querstück j 
trÄgt einen zmu Theil zwischen den Lafettenwänden liegenden Kasten i, 
welcher, entsprechend belastet, das ertbrderliche Gegengewicht bildet. 

Hei der Rückbewegung des Rohres nach dem Schusse bewegen 
sich die Rollen rr auf der oberen Fläche des Rahmens nach rückwärts, 
während das Querstück 9, beiderseits vorn mit einer Bolle versehen 
und durch diese Ungs der vorderen Begrenzung des Rahmens gefuhrt- 
geradlinig aufsteigt und hiebei das mit ihm verbundene Gegen- 
gewicht hebt. 

Aus dem Ihincip dieser ('onstruction geht unmittelbar hervor, dass 
sich eiuei^seits das Rohr bei seiner Zurückbewegung nach dem Schusse 
nicht wie bei den bisher betrachteten Lafetten - infolge der Drehnng 
um eine feste Achse in einem Kreisbogen, sondern in einem elliptischen 
Rogen nach dem rriucijk» von Kvans' Ellipsenlenker > bewegt und d»ss 
das^selbe infolge der ^>arallelognimmatischeu fieradtulirunir während seiner 
ganzen In^wegung seiner ursprünglichen Lage parallel bleil»t. 

\N ühr^nd der Aufwärtsbcweiruui; d^*> «ieij^»Hii:e\\ichtes s.hleitt eio 
in dem Querstücke •/ uelavrerter Steiler s luuirs eiuor Zahnstange und ver- 
hindert nach dem VolU'uden de< Rücklaufes die >elb>tthatisre Aufwärt«»- 
''^r'wev:;uM^ .{.j^ ♦ieM-hUt^es, uolcho »r^t durch Auslrkseii des Stellerseil- 
^vleitec uti^t mittr'N des auf der Rtdlenachs^ au^«:* brachten Bn*m>ihebelj? * 
lu eutspivcheiidtT Ueise regulirt werden kauu. 



MiiHiiialschai-ten- und VersrhwHidunjrs-Lafetteii. 9*^ 

7. Eschcirbacher's G egenge wiclits-Lare ttc. 
(Fig. 60.) 

Bei dieser von dem damaligen Artillerie-Oberlieuteuant Ritter von 
Eschenbacher construii-ten, für den Gebrauch auf einem Drehrahmen 
eingerichteten Lafette trägt der Kahmen A in seinem vorderen Theile 
zwei Zapfenlager-Ständer, an welche sich gegen rückwärts bogenförmige 
Führungsschienen B anschließen. 

In den erwähnten Zapfenlagern b der Ständer A ist ein doppel- 
armiger Hebel E gelagert, welcher an seinem untersten Theile den zur 
Aufnahme des Gegengewichtes bestimmten Kasten F trägt, während 
oben die Schildpfannen zur Aufnahme des Bohres angebracht sind. 

Die Hebel E stehen ferner oben mit Gelenkstücken G in Ver- 
bindung, welche an ihrem entgegengesetzten Ende durch eine Traverse- 
verbunden sind, die die Richtmaschine trägt und mit zwei Rollen versehen 
ist, die sich längs der Bogenflihmng des Rahmens bewegen, wodurch 
das Bohr während seines Niederganges nach dem Schusse stets in einer 
zu seiner ursprünglichen Stellung parallelen Lage erhalten wird. 

Auf der Achse b befinden sich überdies die erforderlichen Schalt- 
und Brems-Mechanismen, welche denselben Zweck wie die gleichen 
Theile der Moncrieflf-Lafette zu erfüllen haben. 

Eine solche für ein 15cwi Kanonenrohr construirte, in Fig. 60 dar- 
gestellte Lafette wurde 1874 mit günstigem Erfolge dem Versuche unter- 
zogen. Ökonomische Rücksichten ließen es indessen als vortheilhafter er- 
scheinen, im eventuellen Bedarfsfalle auf das durch eine langjährige 
Eiperimentirung und mehrseitige praktische Anwendung bereits als erprobt 
anzusehende System Moncrieff zu reflectiren, als die Ausbildung der 
E«chenbacher'schen Construction weiter zu verfolgen. 

8. Hoog's Gegengewichts-Lafette. 

(Fig. 59.J 

Üas Princip, welches (1868) der englische Ingenieur-Lieutenant 
•I. Hoog seiner Lafetten-Construction zugrunde legte, besteht darin, zwei 
'iureh ein starkes Drahtseil gekuppelte Geschütze auf einem geneigten 
Üoppelrahmeu R so zu verbinden, dass die durch den Rückstoß des 
einen Geschützes erzeugte Arbeit dazu verwendet wird, das andere 
in schußfertigem Zustande in Position zu bringen. 

Der DoppelrahmcMi ist unter 30** gegen den Horizont geneigt, ruht 
mit s(*inen beiden Enden auf Rollen und kann mittels eines Wind- 



94 



M a 11 d r y. 



Werkes w liirig^ des «^^anji**!! Werkes hewejri wenleii. Auf der ober 
KahmeiiHache gleiten die bdden riesi-hützsehlitten *S^, welche dnrch eiii 
starkes Drahtseil, das über eine Rolle getuhrt ist verbunden sind. Die 
mit starken Rueklanfbremsen jiiisf,^eni stete Lafette hat anf dem Sehlitt^Mi 
nur einen Rücklanf von ^Orm; die nbrige Kraft des liüelcatolJes reicht 
unter allen Umständen hin. um das abgefeuerte Geschütz bis Kur Mittt^ 
des Bahmens hiiiabzusehiehen und das untere (iesehiitz ebenso hoeh xu 
heben, in welcher Stellung biide Geschütze durrh Sperrklinken anf- 
gefangeii und erhalten werden. In dieser Mittelstellung werden die KmIir' 
gereinigt, bezw. geladen und dann mit Hilfe eiue^ kleinen Windwerkes 
abwechselnd in die Feuerstellung gehoben. 

Die Idee, den ßückstoü des Geschützes dazu zu verwenden, 
ein anderes Gesehfitz in Position zu bringen, wurde auch von ande 
durchzuführen gesucht, beinpielnweise von dem amerikanischen lugenis 
Mr- John Ridyway, welcher zwei Geschütze in einem, um eine verticale Achs 
drehbaren Thurm so placirte. daj^s die Geschützuiittellinien zwei Sehni'ii 
der kreisrunden Thuruiidateform bildeten, die Mündungen der Geschütze 
aber entgegengesetzt gerichtet waren. Die durch den Rückstoß des einen 
Geschützes geleistete Arbeit soll die Drehung des Thurmes um 180 Grad 
bewirken und hiedurch das zweite, inzwischen geladene Geschütz hiott^r 
die in der Schussrichtung betindliche Scharte bringen. 



9, Versenkbare 6 e s c h ü t z p 1 a t e f o r m e n. 
(Fig. 56, 61 und 63 ) 

Schon im Jahre 1800 hatte Genenil Chasseloup den VorschlÄ^ 
gemacht, das Geschütz auf einer Plateforni zu gebrauchen, mit welcher 
dasselbe nach dem Schusse entweder selbstthätig oder durch maschiuellen 
Antrieb der Einwirkung des feindlichen Feuers entzogen, d. h. ver^eokt 
werden konnte. Fig. 56 zeigt die constructive Durchfuhrung einer nach 
dem Entwürfe Ghasseloup s angeordneten versejjkbaren GeschützplatetVrrin. 

Seither wurde diese Idee, die Geschützplateform mit dem anf d<?r- 
selben stehenden Geschütze durch mechanische, hydraulische oder Dampf- 
kraft im verticalen Sinne zu heben und zu renken, wiederholt construrtiv 
zu lösen versucht: so von dem amerikanischen Oberst S ereil (1865t, toh 
dem österreichischen Genie-Lieutenant Rudolf (1866)» von dem mW* 
reichischen damaligen Genie-Hau]»tmarin Grai Geldern 1 1867). vonMaxiiö 
in Lmidon (1886 ), Mm dem englischen Lieutt^nant h\ M a u n s e 1 i 1 1886) etc» 

Das Princip aller dieser ("onstrucMiHien erläutert die in Fig. 81 
dargestellte i'oiistrnt'tit>n einiM* bydranliscben versenkbari^i Geschfitx- 



rsystoin mit dftr intf^iitlicheii Geschiitzplatrfonii P Mn-hnnAm ist 
4 imil links betinden sieh iii eigenen Hrmmfii die erforderlichen 
lulator- und Pinu]*enaii]aL(Hn, welche iJnreh die für die Zuffihrung 
en AbfliLss der Druckflüaj^igkeit erforderlichen, mit \'eiitileii ver- 
tu Bohren mit dem Presacylioder in Verbindung stehen. Kiem- 
en während der Bewegung der Platefann werden durch die Führungs- 
j|K, ein V(^rdrHhen des iSystems infolge excentriseh wirkender 
Bircb die Führungen H verhindert 

H praktischer Anwendung gelangt-e indessen das System der ver- 
mn Plateformen unseres Wissens nur bei den in ^k^r gepanzerten 
rie Cnnstaiitin in Kronstadt etablirien zwei 28rm Geschützt^iL Dort 
be man 187273 versenkbare Plak^foriiieu für je eines dieser Ge- 
le, deren Einrichtung durch Fig. 62 veranschaulicht wird. 
Das Geschütz steht auf der Plateforni A, welche gleichfalls in 
irrihningen gefiihrt. mit den Gegengewichten B versehen und von 
ichraube C getragen wird. Die Bewegung dieser Schraube imd 

auch der Plateform geschieht mittels eines durch zwei Handräder 
tivirenden Schneckengetriebes. Um das Geschütz nach dem Schusse 
üken, wird *dtj Theil a* der (legeiigewichte mittels einer eigenen 
laischen Vorrichtung abgekuppelt und hiedurch ein Überdruck der 
form über das Gegengewicht herbeigeführt, so dass es nur Einlei- 
der Abwärtsbewegung derselben nur eines verhiTltnismälJig geringen 
aafwandes bedarf. Zum Heben d^s Geschützes werden die beiden 
H( wieder mit den Gewichten B verbunden und dadurch die 
TOngsverhültnisse derart geändert, dass schon durch das Niedersinken 
fegengewichte der grollte Theil der Hubarbeit verrichtet w^ird. 

Thatöächlich sollen zwei Mann genügen, um da» Geachütz von der 
ftellung in die Feuerstelluiig (2^5m Höhenunterschied) in einer halben 
te zu heben. 

II U>. Ha8kazoft\s Vergeh windungs-Lafette. 
I (Fig. 65 und m.) 

Ir rilssische Oherstli^utenaut Baskaxi^ff hat im Jahre 1882 durch 
pig der beHteheiiden Belagerungs- Lafetten für die 24pfünd, 
anonen die in Fig. 65 .srhematisirte Verschwindimgs-Lafette cmi- 



In die SclnldpfaiüKMi <b^r l^itrrttc ist oiin* Achse eingcb^gt. di< 
►rehaehHe Itir die bfidnt Gabelstiitiicn H dient. Piese b^tzteren b(>- 




m 



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.i r f 



Hilion oUim div zur LagiTuii;; ilrs Uolires piii^t»nebU4L'n Schiltlplaiiiii'U. 
wähn-»iJ(l tiiii^ iiiiten^ Ende mit den Mitueliiueni m ^jeleiiki^ verbunden 
ifit DieHe tragen an ihrem nlckwäHi^en Ende eine Scheibe />, welche 
auf einer vierkauti^'en, zwischen den Laf(»tten wänden festgel alerten Stande 
atifgest^H'kt i«t: aurilies*^' letzteren und vor der Scheihe U i.st ein Federii- 
AccnmulaWn bestehend auK 45 Paar Uelleville-Fedem, angeordnet. 

Beim Schusse bewegt sich da« Hohr in einem Kreisbogen nach 
rüek- nnfl abwärts, wobei da^* untiMv Ende der Stützen H mit Hilfe der 
MitnHlinier m die Sclieibi* tJ auf der Stange nach vorwärts schiebt imd 
hiebei du* Helleville-Federn comprimiiii. Um da« Kohr in seiner tiefoten 
Lage zu «erhalten und ein «elbsttthatige« Zuriickweiehen infolge d»*r Keai-- 
tion der Federn zu verhindern, steht mit der Scheibe JJ eine Frietions- 
bremse ^) in Verbindung, nach deren Auslönung er«t mittel« der Hand- 
liabe /* .da« Emporsteigen de» Kohrej^ möglich ist 

Die Elevation wird dem Rohre mittels des Getriebes A* und df»n 
ElevationjistÄugeu e ertheilt wobei entweder von der directen Viöirvor* 
richtung am Rohre oder von einem Spiegelapnarat der liblichen Coo- 
struction Gebrauch gemacht wird. 

Wie verlautet, sollen die von 1882 bis 188H durchgettthrten Ver- 
suche mit dieser Coiisitruction zwar einige Änderungen in der Detail- 
Einrichtung, darunter vor allem den Ersatz der Richtbögen durch Ri(Vht- 
seliranbeii zur Folge gehabt, im übrigen aber so tieJViedigende Kcsultate 
ergeben haben, das» die KinfiUirung von Laietten dieses SystHinH nicht 
nur frir Kanonen, wie eine solche in Fig. 65 und 6(1 dargestellt int 
sondern auch für die Mörser grölieren Oalibers in Au.s)>ficbt gi*üommeü 
worden nein soll. 

1 1. H v draul i 8c h e u n d h y d r o p n e u m a t is c h e Ve r *ch w i n d u u g 8* 

Lafetten. 

(Fig, 63, 6i 57, 08. BD and 7m ► 

Die im Vorstehenden schou mehrfach erwähnte in der Maschinen- 
"erhnik hingst verwertete Idee, Lasten von bedeut*»ndi'rrm lifwichle mitt4»1a« 
hydraulisrher Krftfte zu bewegen, bildet auch die <irundlage der hydrau* 
li«$chen und hydro|uieumatiseheu Verschwindungs-Lafetten. 

Das Princip diener I^afetten beütt^ht darin» dans durch die nieder- 
gehende lb'w«*gung des Ilohrrs nach dem Schusse ein Koliken in einen mit 
einer Fllissigkeii (Ulvirriin *irf(illtrji Cvliiidi'r irrdruckt und dundi die hie- 



>| Hiidi»* luiil \n^\ i ^m ¥i^ Ufi" 



Miiiimulsrluirton- uml Vfr!sclnviinliiiij,'s-Liiletteii. 97 

durch verdrängte Flu^sigkeitsmi'iige, welche ein Rückschlagventil zu passiren 
gezwungen wird, entweder ein Gegengewicht (Accumulatorgewicht) ge- 
hoben oder eine in einem besonderen Räume befindliche Luftmenge com- 
primirt wird. Öffnet mau dann das Rückschlagventil, so wird durch die 
ßeaction des Gegengewichtes oder der comprimirten Luft die erwähnte 
Flüssigkeit wieder in den Cylinder zurückgepresst und demzufolge — durch 
den allmählich zurückweichenden Kolben — das Rohr wieder in die 
Feuerstellung gehoben. 

Als Repräsentant der hydraulischen Heb- und Versenkungsmecha- 
nismen für Verschwindungs-Lafetten möge die in Fig. 63 versinnlichte, 
vonCapitaine Biancardi dem italienischen Militär-Comite (1871) vor- 
gelegte Construction angesehen werden. Hierin bezeichnet / den Uruck- 
kolben, F den Presscylinder, T das Rückschlagventil, N den Accumulator. 
Ein zweites Project des genannten Capitaines stellt Fig. 64 vor, 
bei welchem dem Zwecke einer Verschwindungs-Lafette durch Anwen- 
dung hydropneumatischer Kräfte nachzukommen gesucht wird. Die 
hydropneumatische Druckvorrichtuug besteht aus dem Druckcylinder D 
sammt Stempel, aus den beiden cylindrischen Luftkammern L — welche 
zwischen den Seitenbäumen des Fuhrwerkes etwas geneigt gegen den 
Böden eingelagert und mit comprimirter Luft von solcher Spannung 
geftllt sind, dass letztere dem Rohre das Gleichgewicht zu halten imstande 
ist— endlich aus dem mit einem Rückschlagventil versehenen Verbindungs- 
rohre Q. Beim RückstolJ wird die hydraulische Druckflüssigkeit aus 
dem Cylinder 1) durch das Rohr Q in die Luftkammern gedrückt und 
kier eine Vergrößenmg der Spannung der comprimirten Luft bewirkt, 
welche dann zum Erheben des Rohres in die Feuerstellung verwendet wird. 
Das gegenwärtige Stadium in der Entwickelung der hydropneu- 
matischen Lafetten wird jedoch vor allem durch Moncrieffs Con- 
structionen charakterisirt. 

Moncrieffs hydropneumatische Verschwindungs-Lafette Fig. 67 
besteht aus zwei schmiedeeisernen Trägern A, welche miteinander zu einem 
festen Rahmen verbunden sind, der mittels des Windwerkes Ho um sein 
Ifittelpivot gedreht werden kann, wobei derselbe auf den am vorderen und 
rückwärtigen Ende angebrachten Rollen sich bewegt. Auf der oberen Seite 
des Rahmens sind beiläufig in der Längenmitte zwei Lager F ))efestigt. 
welche eine schmiedeeiserne Achse O aufnehmen ; diese trägt zwei schmiede- 
eiserne Doppelhebel i/, deren obere Enden zur Aufnahme der Schild- 
zapfen des Geschützrohres geformt und eingerichtet sind, während die 
unt^'ren Enden durch einen Rolzen s mit einer Pleuelstange P in gelen- 
kijji^r Verbindung stehen, deren vorderes Ende in einen hohlen Plungei* 



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«1 r T 



gertLMi DriR'kcvliTHlfr K sich bewegt. 

OlitvrlialJ» und beidiirseit» des Druckeylinder« K hefinden sich die 
lM'id«»ii schul] edeoiseriMHi LiiftkesKel ^*V; dieso stehen miteinandor utid 
mit di'in vorderon Ende dvH DnickcyliTnlf^rs durch die Ui'ihre M mit den 
iM'iden Kilrkfiillvoutileü LL in Verlnndim*;; Beim Xiedt*rgimge di*.s Gf*- 
Hchiltzeji nach dem Schusse wird die Driickflfissigkeit durch die Ventile L 
in die ß^hre M und weiterj* in die LuftkesHel gepresst. 

In die Kohre M ist noch ein Schruubenventil r eingeschalt^*!, 
welche» zum Erheben des Geschützes in die Feuerüätelluiig dient. Die 
von diesem Ventil in den Cyliiider tiihrende dfiniie Röhre m tritt in den- 
seilten durch eine t^ffnnng. welche durch den zurückgehenden Plunger 
umsomehr geschlossen wird, je mehr das (jeschütz «ich erhebt 8o dans 
dieses ganz allmählich in die Feuerj^tellung gelangt, l'iiffer pp begrenzeu 
überdie« sowohl die Anf-, als Abwärtsbewegung des UeHchützes resp. der 
Hebel 

Vm ein Heben des vorderen lüüiJuenendeH beim Aufschlagen de« 
Hohres auf die Puller nach dem Schusse zu verhinrlern, sind oberhalb 
degsellien die beiden hydrauliHcheu Puffer »• angeordnet. 

Die Vorrichtnng zum Krtlieilen der Hdhenrichtun^' besteht aus zwei 
Eievation^st^ingen R, deren ««tiere Kndeu gelenkig mit den am Hinter- 
stftcke des Hohres angebrachten Zai>fen Q verbunden 8iml wAhrend die 
unteren gleichfalb gelenkig mit «ileitbacken in Verbindung «tehen^ 
welche in eigenen Fübruiigen an iler Innenseite des 1{ ah mens sich bewegen. 
Die Beweguni^ der Uleitbacken, durch welcfir ilas HintersUlck de« Kohreg 
gehtd)er» oder gesenkt wird, geschieht rinrcli iSchranben, welche durch 
die üleitbacken htridurchgeheu und mitt-els des Handrades h und eine» 
Konnsgetriehes in Ijndrebung gesetzt werden kimiiiMi. 

Die Seitenriclttung wird dem <4eöchutze durch Drehung des Kuh- 
tneuH gegeben* Da,8 UenchiUz kann auch ahne Abgabe eine» SehuHse» ia 
die I^adepoHition gebracht werden, wenn die Ihnektlüssigkeit vor dem 
Plunger mittel« Pumpen in die Lullke^sel gedrückt wird. 

Lafetten dieser An<»rdnung «ind dermalen in den Werken der Firmil 
Mr. Kasttfu Ik Andertton in Erith titr die 12z<rll i:{0'5<?m) HinU«r- 
bid-Kanouen des ntsHiKclieu Panzerschitt'es ^Katharina IL" im Hau. 

liei Laletti'n für Lundbefestigungen wird in der Hegel nm möglichst 
kbMne Kmplacement«« zu erzielen, vnn d«*r horizontalen Anordnung de« 
Dnickcylijiders und der Luftkeüstd abgr'sehen und einer mehr oder 
weniger gentdgten l*age derselben diM Vorzug gegeben. 



Minimalscharten- und V'erschwindungs-Lafetten. 99 

Eine solche, im Etablissement Armstrong, Mitchell & Cie. in 
idon für eine 6zöll. (15cm) Armstrong-Kanone erzeugte Lafette stellt 
;. 68 dar. Dieselbe ist gleichfalls auf einem rahmenartigen Postamente 
aürt, welches mittels eines Windwerkes Ho längs des Zahnkranzes U 
Ireht werden kann. Das Postament enthält die Lager für die Schwin- 
igsachse, um welche die einarmigen, mit den Schildpfannen versehenen 
bei H sich drehen. Diese beiden Hebel sind in der Mitte durch ein 
erstück verbunden, in welchem der in dem Druckcylinder K sich bewe- 
ide Kolben P befestigt ist. 

Der hydropneumatische Ai)parat, d. i. Cylinder und Luftkessel sammt 
i erforderlichen Ventilkästen, ))ildet ein Gusstttck und ist in dem 
stamente hinter der Schwingimgsachse um Zapfen Z drehbar gelagert. 

Die Handhabung der Ventile erfolgt von der Seite der Lafette aus. 

Über die Kraft- und Lastverhältnisse bei dieser Art von Lafetten 
)en die folgenden Daten Aufschluss, welche auf die in Fig. 68 dar- 
stellte Lafette sich bezieh(»n, deren wesentlichste constnictive Daten 
ten*) angeführt sind. 

Die im Anfange der Rücklaufbewegung, d. i. unmittelbar nach dem 
husse auf das in Bewegung gerathende System wirkenden Kräfte sind 
ig. 69): 

L Die Centrifugalkraft, deren Größe sich in diesem Falle ergibt mit 

i.==?.4'^i^lX^== 9-374 Tons. 
g . L 32-2 X 66 

Nachdem das Gewicht der Kanone selbst 3*39 Tons, so ist die in 
r Sichtung der Centrifugalkraft thatsächlich wirksame Kraft 
F- G = 9-374 - 3-39 = 598 Tons. 

2. Der Effect der Reaction nach dem Schusse in der Richtung 
ic(ential an den Schildzapfenweg ergibt sich mit 

cos(^ — a) 0-93 

<l der Wert dieser Kraft, reducirt auf das Schildzapfenmittel, ist 

16 T-pr sin ? = ^ sin 49« = 604 Tons. 
OC * 2 



') G =-- Gewicht des Rohres 75% Pfuncl n\<rl = 3 39 Tons 

ö, = Üewi«^ht der rürklaufenden Theile . 8983 „ ^ = 401 „ 

D = Durchmesser des DruckcyUnders 10 20 Zoll engl. 

p = indicirter Initial Spannung im (-vlinder 16"37 Tons 

Po = Jitmosphjlrischt'm Druck 54 „ 

IV — Maximum der Kücklauf«reschwindi*;keit '3212 Fuß onjjl. 

L =^ Länge der Hebel /' 650 „ „ 



im> 



M ii u <1 r V. 



In ähnlicher Weine können <lieHp iwhh'U Kräfte (nr jenen Momen 
ermittelt werden, wo flas Osrhfit/ am Ende s*>iner Ahwartsheweg 
angelangt ist. 

Das Maximum der Pressung iio Druckeylinder findet am Ab 
der Rücklautl^ewegung statt und 1n4nigt pn* Quadratzoll 



15-37 — 54 



82 51 



X 2240 = 402-6 Pfund engl 



Der Weg. welehen die Sehildzajjfen während des Kobrnit^def 
zurücklegen, betrfigt 5= 7'19 Füll engl 'k Es ergibt sich daher die! 
für den Niedergang des Rohres, wenn die Hücklüiifgesebwindigkei^ 
Anbeti^aeht der kurzen Dauer (h^v Bewegung lih eonstant angenon 
wird, mit 

f == — = ^^,^ = 0-65 Seeunden. 
V 2212 

Versuche, welche im Fnibjalire 1886 mit eiüer solchen Lafeti 
Portland diirchgeluhrt wunb*n, sollen ein .sehr befriedigendes Re; 
ergeben haben. Da.s Emidacement, in dem die Ltatette etitblirt war 
von welchem die Fig, 70 eine Vue d*oiseau urnl Fig. 68 auch eine Innenausid 
gibt, wurde schließlich einem lebhaften und andauernden Feuer von doi 
englischen KriegsscbitlV ^Hercules" ausgesetzt, und bliid>en ..Kanone 
Elii]ibn'ement v^dlknmmeu unversehrt^ *). 

Dem V»'rnelimen nach sollen mehi'ere Verschwindnngs-Lai 
dieser (Joiistnictioii demnächst sowohl an der euglischen Kiiste, als 
in den ridnuii^Ji ;<Mfgestellt werdfMt. 



m 



12. KreisetMle la fetten. 
fFig< 71.) 

Als eine besoiiderr fJattung v«ui in die Oruiipe der Vrrscliwin 
dmigs-Lafette« gehörigen (Vuistructionen müssen jene Lafetten angescke 
werden, bei welchen die Uückstnllarbeit dit/.ii vervvenilet wird, das (rescbüt 
in eine, seitwärts der Aufsiellung bcrindüclie -^ed^^i^l^Je fNisition zu luiu*^<*i 
um dass{\|lH' hiedurch deui ft^indliefi^n direrteii und selbst iiueh M 
rcctcii F<*uer zu iMitzielieiL 



d 



') 7 ly Fuß engl. = 2Wm. 

'j Siele«: „SL'bicGverHTicbLMkH „Henni^e^^^ 7a\ I'ortbind gofr^MU'iii Kftst.fln^eKcM 
in Mohcri^rHr-lH-r Wrsi^liwiJwbnitrs-Lafetto iNovrinl.rr lÖHFii" | „MitrhHnmi;''n 
JhriLa'. 1885. Kleiiii" Noli».'ii, S 218 ) A «i H 




Miiiiiualsoliiirteii- und V'er«ehwinduiij^s-Lafettfii. 101 

Dif fonstructive l)ur4*litTihrung dieses Princips erstreckt sich in 
dff Begel nicht auf eine ))(»sondere coiistriu-tive Kiiirichtung der Lafette, 
*indeni nur der Pivotiruiij^^ des Kahinens, welcher einen seitlich angeord- 
:Heü Drehpunkt erhält. 

Die Idee für eine solche Anordnung ist indessen auch schon sehr alt. 
vkf.n 1742 sollen die Engländer auf Havanna Lafetten in der eben 
nrihnten Weise angewendet haben. In neuerer Zeit wurden Vorschläge 
IT eine ähnliche Verwendnng von James Hyde (1862) und von dem 
2£lischen Oberst Houston (1868), endlich in neuester Zeit von 
1 w T e r ( 1885 ) gemacht. 

Nach dem Vorschlage Sawyer's (Fig. 71) befinden sich Bohr und 
jüette auf einer Plateform, welche mit vier nach dem Radius gestellten 
U'llen auf einer kreisbogentormigen Schienenbahn b sich bewegt. Das 
nrTichütz steht hiebei aut* einem auf der Plateform angeordneten Rahmen, 
rrkher auf einer Kugelrinne aufruht, so dass es möglich ist, dem 
^^?rhütze auf der Plateform die erforderliche Richtung zu geben. 

Die Geschutzplateform ist durch zwei Zugstangen s mit einer ver- 
dien Drehachse verbunden, welche sich im Mittelpunkte der kreis- 
kivgenformigen Schienenbahn befindet. Diese Schienenbahn ist unmittelbar 
yawr der Scharte horizontal, auf die ganze übrige Länge jedoch sanft 
aasteigend, so dass das Geschütz einestheih) durch das eigene Gewicht aus 
irr gedeckten Lafettenstellung A in die Feuerstellung B gebracht werden 
kiniL anderentheils aber die Kraft des Rückstoßes noch genügt, um das 
•lHN4chütz auf dieser Bahn aus der Feuerstellung B in die Ladestellung A 
Z8 bringen. 

Jede Scharte dient demnach für zwei Geschütze, deren kreisbogen- 
SrfTDisr** Schienenbahnen sich hinter der Scharte kreuzen. 



102 M a u d r y. Minimalscharten- und Verschwindangs-Lafetten. 



Benützte Quellen. 



1. Acten des Artillerie- und (ienie- Archivs des technischen und administratiTen 

Militär-Comit^s, 1800 his 1880. 

2. „Mittheilungen** des ehemaligen k. k. Artillerie-Comit^s. Wien 1866. 

3. „Üher moderne Artillerie etc.** von Oberlieutenant J. R. v. Es chenh acher 

Weimar 1872. 

4. „Die Minimalscharten-Lafetten (772.** Beriin 1876. 

5. „Report of iht Chief of Ordnance to tht Secretai-y of War.*" Washington 18tt. 

6. „Die deutschen Schiffs- und Küstengeschütze etc.** von Galster. Berlin 1876. 

7. „Waffenlehre für Officiere aller Waffen** von 0. Marcs ch, Hauptmann etc. Wies 

1876 und 1880. 

8. „Mittheüungen über Gegenstände des Artillerie- und Geniewesens**, bis 1B8S 

9. „Aide-M^maire ä Vusage de* officiers d'artiüerie.* Paris, bis 1886. 

10. „ProfeMsional Fapers of the Corps of Royal Eiigineers, edUerl by Capfain Franeii 

J. Day^ 1884. 

11. „RU)iata d'artiglieria e genio.^ Rom 1885. 

12. „La fortifictUion du temps present. Par le Iteutenant-g^neral Brialmont.^ Brüssel 1886. 

13. „Die Bedeutung drehbarer Geschützpanzer : Panzerlafetten etc.** von Schumann, 

kOnigl. preuß. Ingenieur-Major a. 1). Potsdam 1885. 

14. „Ptoceedlngs of the Royal Artillery Jmti/ntion.^ Woolwich 1876 und 1887. 

15. Patentsohrifton. Zeitschriften, militärische und technische Tagesliteratur. 



103 



Der gegenwärtige Stand der militärischen Luftschiffahrt. 

Bearbeitet 

von 
PKllipp XSIesB, 

Major de» OfnUat<the», 
und 

Dr. ph. Frlodiicli. "TT^äcHter, 

technUcher JteamUr de« k. k. ttehniMchen und wlministrativen Militär- Comiti», 

(Sebluss.) 



Über die militärische Verwendbarkeit der Luftballons. 

Im Nachstehenden wollen wir die verschiedenen Verwendungsarten 
der Luftballons für militärische Zwecke einer kurzen Erörterung unter- 
riehen und daran die Betrachtung knüpfen, inwieweit die Luftballons 
nach dem gegenwärtigen Stande ihrer Ausbildung geeignet erscheinen, 
den an sie zu stellenden Anfordeningen Genüge zu leisten. 

Da die militär-aeronautischen Etablissements von Franki'eich und 
Bussland die freibeweglichen, lenkbaren Luftballons gleichfalls in experi- 
; mentelles Studium gezogen haben, dürfte es angezeigt erscheinen, zu- 
nächst die Frage der lenkbaren Ballons zu behandeln. 

A. Die lenkbaren LuftsckifTe. 

ft) Lenkbare Luftschiffe als Reoognosoimngsmittel (eventuell mit dem Hilfs- 
mittel der BaUonphotographie). 

Als nächstliegende Aufgabe des lenkbaren Ballons (mit seiner 
dermal noch zu erhoffenden Leistungsfähigkeit) würde es wohl erscheinen, 
größere Terrainstrecken — allenfalls mit Hilfe der später noch gelegent- 
lich unserer Betrachtungen über Ballon captifs näher gewürdigten photo- 
graphischen Aufnahme — zu recognosciren, um den Aufmarsch und die 
Schlachtordnung des Gegners zu erforschen. Zu diesem Behufe müsste 
die Möglichkeit vorliegen, den in einer bestimmten Richtung durch- 
flogenen Weg wieder zurückfahren zu könöen resp. müsste das Problem 
g4)st sein gegen den Wind fahren zu können. 

12 



104 Hess und W ä c 1» t e r. 

Erwägt man, da.s.s nach mehrjäljrigi^B Beobacbtungen im mittlerea 
Europa im Durehschriitte eines Jahres an: 

244 Tagen eine WindgeschwiDiiigkeit vod 2 bis 8m 
38 „ ,, ^ „ T? 8 „ 15m 

82 „^ „ „ y,0„2wi 

iu der Nähe der Erdoberfläche herrscht und ein Eecognoscirungs-Lnft- 
Bcbiff zu seiner eigenen Sicherung Tor friedlidiera Feuer mindestem 
lOÜOni hoch, also in zumeist bewegteren Luftschichten') zu fahren hatte, 
so mtlsste der lenkbare Ballon mindestens eine Eigengeschwindigkeit von 
9 bis 12m pro Secunde und dies für die Dauer von mehreren Stunden 
aufweisen. 

Von dieser Leistungsfähigkeit sind die bisher construirten lenk- 
baren Ballons noch weit entfernt, so dass von deren Verwendung fiör 
den gedachten Zw^eck derzeit nicht die Bede sein kann, ganz abgesehen 
von anderen Schwierigkeiten, die wir später erörtern werden. 

h) Lenkbare liUftscliiffe als Gommanioationsmlttel im Kriege. 

Eine weitere Aufgabe der lenkbaren Ballone — zur (^ommunicati^m 
zwischen einer belagerten Festimg und einer Entsatzarmee, resp. den 
nicht occupirteii Landestheilen zu dienen — erfordert eine noch größere 
Leistungsfähigkeit der Ballone, indem dieselben bedeutend größere Weg- 
strecken zurLkkzulegen haben und daher eine längere Betriebsdauer de» 
Motors besitzen nulssten. 

Die Schwierigki^it, welche sich der Conatruction leistungsföliiger 
lenkJiarer Luftschifte entgegenstellt, besteht bekanntlich hauptsächlich JB 
dem Umstände, dass die Tragfähigkeit der Ballons eine zu fjeringe ist 
um Motoren von geungeuder Kraft emporhebeß und gleichzeitig das zum 
Betriebe des Motors erforderliche Material trausportireii zu können» 

Chancen für die Lösung der Lenkbark eitslrage. 

Die Luftballon-Constructeure sind nun wohl übereinstimmend zu der 
Überzeugung gekommen, dass diesem Übelstaadc nur durch VergröÖt'- 



*) Nach den „vlnnai«* da Bureau Cefilral Mlt^orologiqfte de Fj*ance^ f^VÄwt^ 
9cientißgtie ef indn^trkUr , PüHt, Hacheü« tM^y ist durch die Unters uf hangen Dr. Piin?^* 
in Perpignim dortaclbst die Windstärko in einer Höhe von 31w* bereits 18- Vi*- 
l'9mal so ntark hIö in einer Huhe von 7m ^t^fnndeo worden. Glairiher liiit bei sdneD 
Biinutifahrt**!! zuweilen in den von ilnn durelifulireneii »Schiebten eine lofskehe Wind* 
i^'e^ebwiudi^fkeit gegenüber der am Boden messhikren gefunden. Naeh Brisgouii«^ 
(M*iei!tfbeck» S. 88) betrug die Gesicbwindigkeit der Fortbeweg-ung der Luftschichten, 
web*be von den während der Pariser Belagerung dort.^elbst entsendeten Bull»»m 
iM'initzt wurden, im großen Durchschnitte en. 13 bis 14wt. 



Dex gegenwärtige Stand der niilitärischeii Luftschiffahrt, 



Tl(*r Ballons, resp, Yerinehriing ihrer Tragkraft abgeholfen werden 

Man stützt sich hiebei auf das Princip, dass die Tragtahigkeit mit 
Kubus, die Widerstaod leistenden Ballonflueheu, sowie der Wider- 
&d selbst dagegen nur mit dem Quadrate der linearen Dimensionen zu- 

Eoen; hiebei ist innerhalb gewisser Grenzen noch die Möglichkeit ge- 
n, durch Forimlnderung des Ballons die Widerstandsflächen (somit 
eik den Luftwiderstand) unverändert zu belassen und nur die Trag- 
ligkeit durch Yolumvermehrung zu vergrößern. 
I Die Tragtahigkeit wüchse also jedenfalls in weit rascherem Ver- 
pms mit der Vergrößenmg des Ballons, als der zu bewältigende 
(iderstand. Von diesem Grundsätze ausgehend, mag der russiache 

P'ie Kosztowits die Erbauung seines Kieseii-Kriegsluftschiffes iu 
genommen haben. 
, Würde das oben genannte Princip allein geltend sein, so wjlre 
lerdiflgs das Problem des lenkbaren Ballons wesentlich erleichtert und 
irde hauptsächlich darin bestehen, Ballons von entsprechend großen 
bd ausreichenden Dimensionen zu construiren. 

' Es bestehen Jedoch noch anderweitige Verhältnisse, welche den 
IDrch die Vergrößerung erzielten Vortheil sehr bald compensiren und 

Celben eine a jviori bestimmbare Grenze setzen. 
Es ist nämlich zunächst nicht ausfCihrbar (beispielsweise bei cylindri- 
I oder cigarren tonn igen Ballons), den Voluminhalt durch Verlan- 
l^ing des Ballons beliebig zu vermebreu, nicht aber gleichzeitig auch 

{Querschnitt der vorderen, Widerstand leistenden Fläche zu ver- 
Bern, weil sonst das Gewicht der zur Versteifung des Ballons erforder- 
mr^ Construction in einem höheren Verhältnis ansteigt als die Trag- 
Ift und somit ein bestimmter Grenzwert für die Länge des Ballons 
Iht überschritten werden kann. 

Daher erscheint es nothwendig, bei Vergrößerung der Tragkraft 
Vergrößerung der Widerstandsttäehe eintreten zu lassen. 
[ Weiters wächst der Arboitsbedarf zur Erzielung größerer Geschwin- 
pLmi mit der dritten Potenz der Geschwindigkeit. 
\ Wenn sonach beispielsweise Krebs und Kenard zur Erzielung einer 
jBch windigkeit von 5«i pro Secunde eines Motors von 6 Pferdekräften 
lluft^ so würden sie zur Erreichung einer Geschwindigkeit von lOn* 
ken Motor von 48 Pferdekräften uothwendig haben. 

Um eine so kräftige Maschine, wenn dieselbe nicht nach einem 
llz besonders leistungsfähigen — derzeit noch unbekannten ~ Systeme 
PRiit wäre, fortzubringen, würde sofort ein Ballon von weit größeren 

12* 



106 



Hess und W ä c li t r. 



Dimensionen erforderlich sein, iL zw. von 6facher Tragkraft oder l'82fach 
gröüeren linearen Dimensionen *), 

Ein solcher Ballon hätte jedoch auch 3-3fach größere Widerstanck- 
flilehen, mirde somit nicht die ermmsehte Geschwindigkeit von lOm. 
sondern bestenfalls ron 6 7m erreichen lassen: man wfirde sonach 
diesem vergrößei-t-en Ballone den Motor auf 160 Pferdekraft verstärl 
müssen, ura 10m Geschwindigkeit zu erzielen, hieffir reicht aber die 
Tragkraft wieder nicht ans. 

Außer den angedeuteten theoretischen Bedingungen bietet bekannt^ * 
lieh die praktisch-technische Ausführung lenkbarer Ballons noch 
lose Schwierigkeiten dar. welche in der Regel die theoretisch 
mittelten günstigsten Co nstnictions Verhältnisse in der Praxis compei^ 
siren und illnsorisch machen. 

Wenn daher ein theoretisch entworfenes Project auch aUen A fl^ 
fordermigen und Erfahningen auf dem Papiere tadellos entspricht soj 
doch stets die Wahrscheinlichkeit vorhanden, dass dasselbe in prakti^c 
Ansföhnmg weit hinter den erwarteten Leistungen zuriiekstehen wird.' 



') Wenn die Arbeitsleistungen verscliieden starker Motoren gleichen Ijf» 
»icb in einander verhalten wie 1:2:3:4:5:6, &q verhalten sich nach n*di- 
stehender Tabelle die Gewichte derselben beilänfi^r* wie: 1:16: 23 : 3 : 36 : 4 Ij 
einander. Die 3«ml so schwere Maschine hat daher nnr die 4fache ArbeitsleiF 
nicht etwh aber die 9fache. oder gar 27fache Leistung', wie es bei dem qu 
tidchen, resp. knbii^ben Verhältnisse der Fall »ein müs^e. 

Relation zwischen Gewirht und Arbeitsleiutnng verschie? 
Dampfmotoren gleichen Trp», 











It .• l*r 1 o ri 1 




dea Motors in 
Pferflekriflea 


Geviieht de« 

MoiorA in Kilo- 

grmtBm 




der OcwicMvl 




GlDCOwakl & 8ob& ia Wim 


50 

SO 

10 

5 


iS.OOO 

a.-ioo 

5.000 
S.200 


l :2:4:6 


1: t C:S't£41 




Sebrmav & Rödlfir In Wl«» 


16 

S 

4 


f. 000 
3,S60 
2S00 


1:1:4 


1:1 7 : S 5 




Friedrich ia WUa 


16 

^ 1 


sooo 

9.0QO 
1.7S0 


1:^:4 


l:l'f :J4 




CO In 


40 


to.yio i 

5.7T0 
3610 


t i8 :4 


1: 1 6tt^ 




Meiler, ILlAMck k Co« ia 
Wlfn 


4 
t 


i.aoo 

7<»0 


l ti 


1 : 1 r 




Voo« k »ra&clL in K<>kii 


13 


i.;oo 

1 100 


i : 3 


1:1 




Cb«Biiite 


500 
lOO 


iO:5.5oo 

46 000 


1:5 


• r 



Der gegeuw&rtige Stand der militärischen Luftschiffalirt, 



107 



ir wollen jedoch die militärische Yerwendbarkeit ler*l<T»ar»^r Lofl- 

och von einem anderen Gesichti^punkte aus lietrachten. Zu diesem 

ßt»hufe setzen wir voraus, es sei einem genialen Erttnder gelungen, die 

der gegebenen Sachlage der Dinge aljsolut gOiistigstea Verhält- 

für die Constructioii eines lenkbaren Luftschiffes zu ermitteln; es 

ferner auch die fcechni.schen Schwierigkeiten l>ei Ausführung dieses 

ßchifles glücklich besiegt worden und dasselbe weise thatsüchlich 

fcrtira die oben angegebenen Bedingungen — Propiiisivgeschwiiidigkeit 

|fon 9 bis I2m pro Secunde durch mehrere Stmiden — aus, so wird erst 

zu erwägen sein, ob mit Sicherheit auf den Nutzen und die prak- 

Verwendbarkeit dieses Luftschiffes im Feldkriege gerechnet 

irerden kann. 

[lilfsausrüstung lenkbarer Luftschiffe. Grad ihrer Feld- 
mäßigkeit. 

Wie bereits obeo dargelegt, erfordert die tahrbare Ausrüstung eines 
gewöhnlichen Captif-BaHons, welcher eine Tragkraft für zwei Personen 
Wsitzt, eine ('olonne von 14 Wagen, 36 Pferden und ca, 100 Mann 
Bf^dienungsuiannschaft. 

Ein leükbaier Ballon, welcher außer imindestens) zwei Luftschiffern 

l^cL noch einen Motor, eine oder mehrere Luftschrauben, Steuerruder, 

I Br^niimateriaL diverse Maschineobestaudtheile, größere Takelage und 

gröüere Gondel zu tragen hat muss naturgeniüß auch bedeutend größere 

Dimensionen besitzen. In gleichem Maße vermehrt sich daher auch das 

(lür Erzeugung des Füllgases erforderliche Material. 

Wenngleich nun der U'iiklmre Ballon des Fuhrwerkes mit Dampf- 

^iDde nicht bedarf, so werden an Stelle dessen mindestens ti bis 7 Fuhr- 

fke mehr zum Transporte der Schwefelsäure, der Eisenspane und des 

{fiB^rs nothwendig. Welche Aussicht auf Erfolg es aber hat, wenn eine 

iwertallige Colonne von ca. 20 Wägen, w^elche zu ihren Operationen 

IZeit von mindestens 9 Stunden landeniCalls müssten noch zwei 

ritere Wägen zur Gaserzeugung vorhanden sein) bedarf, an der Tete 

D^r Feldarmee manö\Tiren soll, vermag jeder Taktiker wohl am besten 

beurtheilen. Hiel»ei ist weiters zu erwägen, dass eine zutöll ig während 

jks Marsches eintretende Havarie eines einzigen dieser Fuhrwerke die 

Itigkeit der ganzen Colonne lahmlegen kann. 

Überdies reicht der ganze umständliche Apparat nur für eine ein- 
eiig e Füllung des Ballons aus, und dürfte die Nachbeschaffung so 
siger Quantitäten Säure, wie sie hier eribrdert werden, mit den gröWten 
erigkeiten verbunden sein. 



lOÖ Hess and W a c h t v r. 

Aiirh ist. die ilofrlit^hkeit für den Betrieb einer solchen Ballon- 
einricbttijig daran gebunden, dass sieh in unmittelbarer Nähe des Op»>ra- 
tionsplatzes hinreiehend Wasser vorfinde, da andernfalls die Vorbereitungea 
zum AnMiege des Ballons in's Unendliche verzögert werden. 

Weiters wurde die Möglichkeit der Verwendung des stipponirten 
lenkbaren Ballons an die Bedingung geknöpft sein, dass nicht ziifalligiT- 
weise am Tage und in der Stunde des Bedarfes eine Windbewegung 
vnn mehr als 8m per Serunde lierrsche. 

Ob demnach ein solcher lenkbarer Ballon jemals für Becognoöcirung»- 
zwecke im Felde verwendbar seio wird, ist Doch sehr zu bezweifeln. 

Hinsichtlich der Möglichkeit» von einem solchen Vehikel aus — quaä 
aus einer nenen Dimension — den Feind zu bekämpfen, indem man ihu 
bombardirt, wollen wir die Erwägung der diesbezüglichen Chancen im 
PebikTiege nicht speciell anstellen, da das im Nachfolgenden für den 
Festungskrieg Gesagte mitiafh mufandis auch auf die Verhältnisse des 
Peldkrieges angewendet werden kann, und weise« hier nur darauf hin, 
dass die Ausrüstung einer Feldannee mit einem Traio lenkbarer Luft- 
schiffe so enorme Summen beaospruchen würde, dass dieses Kriegs- 
mittel — insbesondere in Anbetracht seines probleraatiseheu Nutzens — 
gerade dazu benützt werden könnte, die Anforderungen der Armee ad 
{Asurdum zu fuhren. 

c) IfOnkbare Luftschiffe als Minen tr^tger. 

Eine der bedeutungsvollsten Verwendungen, welche man einem 
Vollkommenheit lenkbaren Luftschiffe der Zukunft zu vindiciren 
möchte, jene als Minenträger. wäre zwar an und für sich zwingend gem 
sich die Möglichkeit der Anwendung einer solchen Waffe in dem AugeO' 
blicke zu sichern, wo auch die Nachbarmächte an deren Einführung 
schreiten, aber nur dann und insoferne z^ringend, als man sich von einer 
derartigen Verwendung lenkbarer Luftschiffe solche positive Erfolge ver* 
sprechen darf, welche zu den grollen Kosten eines solchen Kriegsmitl 
im richtigen Verhältnisse stehen. 

Erwogt man zuwuchst, wa.s denn eigentlich mit einem lenkbai 
Luftschiffe als Minenträger erreicht werden kr»nnte, so ergibt sich, im 
ein solches Fahrzeug, in einem günstigen Momente im Belagerungsparto 
ausgenistet und flott gemacbts so hoch zu steigen hätte, um vor defll 
auf dasselbe gerichteten Feuer lei<*hter Geschütze (Ballongeschütz i^t 
Preußen 1871), si^wie vor Infanterie-Salven sicher zu sein. 

Qambettas Erfahrungen bei seinem Ballonaufstiege während der 
Pariser Belagening (sein Ballon wurde noch in einer Höhe vau 2500 



Der gt^genwartige Staiul dor militriribchcu Luftaehiffahrt 



109 



von Projeetileu d^irchlöchert, Gambetta verwundet), sowie die Portee und 
Flugbahnrasanz unserer modonien Feuerwaffen lassen die Prognose zu, 
iMss man unter I0i}0m Höhe nicht gut wurde fahren dürfen. 

Denken wir uus nun ein ?iolehes Luftst-hiff in sicherer Höhe dem 
Zenithe des zn bedrohenden Olijectes zusteuernd ußd für die Zwecke 
lier Vernichtung mit einer oder mit mehreren Djnaniitiüinen versehen, 
«elehe es, ohne sich selbst durch den plötzlich eintretenden stfirmischen 
Auftrieb zu zerstören, in beliebigen Momenten ausli^aen und hinab- 
f&ilen lassen könnte, und welche beim Äuftreffen auf die Erde infolge 
[der Anwendung eines geeigneten Percussionszünder» mit entsprechender 
Sprengwirkung zur Function gelangen. 

Wenn eine große Wahrscheinlichkeit dafür bestünde. da8s man das 

itt hekämidcnde Fej^tungsöbject auch wirklich gefährlich treffen und \er- 

rid»t/*n oder beschädigen könne, so wäre mit dem hiezu geeigneten leni- 

fciren Minen-Luftschiffe that sächlich eine Walle von unerreichter Furcht- 

it gewonnen. — 

Wt^nn man aber erwägt, dass das lenkbare Luftschiff in jener Höhe, 
wdche es zur Sicherung seiner ungestörten Arbeit nothwendigerweise 
pinklt^n muss, voraussichtlich auf mehr oder weniger lebhafte, zumeist 
Äiif KU'\ sürkere Luftströriiungen stoßen wird, als sie m unseren tieferen 
Luftschichten beobachtet werden — auf Luftströmungen, deren Geschwin- 
digkeit und Effect, sowie derjenige der eigenen Bewegung des Luft- 
»chiffes im Räume nur sehr beiläufig geschätzt werden kann — so fehlt 
ichoD das wichtigste Element zur Beiu'theilung, in welchem Augenblicke 
^ini Passiren des Zieles das Ihnaniitgeschoüss eigentlich ausgelöst werden 
II Die nnvermeidlichen Bewegungen des automobilen Luftschiffes müssen 
dem auch den Gehrauch einer für den letzteren Zweck rnierlasslichen 
lOthrisur nahezu ganz unmöglich machen^ so dass die Wurfmine aller 
ahrscheiulichkeit nach gemdezu in's Blaue hinein geworfen werden würde. 

Es unterliegt nun wohl keinem Zweifel, dass, wenn sie luirh bei 
filier mittleren Fortbewegung des Luftsehilles von etwa 10m und bei 
' r Fallhöhe von 1000m genau über dem Ziele hatte fallen gelassen 
' i^ü können, sie doch nicht dort, sondern in einer der Fallzeit und 
r gegebenen horizontalen Bewegungscomponente entsprechenden, w(dil 
ih^r lOOwi betrageßdon Entfernung von demselben unlangen w^firde, 
reiche Katfernung sieh bei den ohnehin unvermeidlichen Fehlern im 
isiren und Abkounnen noch ganz erheblich multipliciren muss, 

W'enn man aber weiters erwilgt, dass bei der heutigen Constniction 
r Ballons es gar nicht gut abzusehen ist, wie man sich ungestraft die 



Jl 



110 



Hc»0 



Wicklet. 



kfikM Thftl geiUttCB doifte. da DrumiletsciMm tob grdSoioi i 
ab die GeiehMie der FfstB^^-Aitillerie mus der BaUiM^ge^Aei ieltnt 
XD wrrfeii« fesp. dsn eigem Ball« fidtilkb um doea BcAng u 
tümthkn, der «einai Aidknd» in IwdraUidotan Mite {AMdkk W 
fSmm Stade, m» emtcfal Uefios die NoUnreiidi^ßBil, 
ToipedobaEoAS aiuxürfieleiL weldie ¥on dem lentbueD Luftsclolb 
sdilefipl werden. 

Die Torpedo» iHnnfflftii mai tob dem iMigsireadeii Lofteliin 
^Tom ToTfeiobäüom f etremt md dieser aelbst 
rerdeiu um den Bemorqueur tot einer Kit aetwiplte 

Da^ durch £ese Notliireiidigieit die Trellin^igliehteit ton Ballon- 
'fnyeeälea £ut edum auf die Gimsl des ZnfrUes redoctrt wird, i^ leii 
m begreife«. 

£§ ist daher nur wenig Wahrscbeinlieiikett Torfaanden^ dass 
am» ebera lenkharpn LuftscMflS^ geseUend^ie PTBamitmine daä 
bekimpfeDde Ziel trefffi-n werde, es ist rielmelir anzunehmen, dass 
nntdosea Bewerfen des Fe-^^tungs-Innem pUtzgreifen wird, welches sdüie 
li^h nur in seinen KnaUeffecten, kaum aber in der moraliäeheD oder 
materielleo Wiriimg einem gut geleiteten Bombardement überlegen 
aein haiuL 

Nor wenn sehr ansgedehote Ziele^ insbesondere das Innere 
volkreicher Festangen <befiB8^ter Hauptstädte K vorhanden sind, alsaj 
einten seltenen Fällen, könnte ein Angreifen der barbarische Mafir 
nicht scheut, Ton einem vollkommen lenkbaren Luffc«ehiffe als Minentr 
mit einem Tandalischen Erfolge Gebranch machen, und e^ lässt sich 
leicht vorstellen, dass da» belagerte Paris im Jahre 1871 durch Einstreoeii 
einiger Ballonminen-Oeschosse zwischen die tatisende der beim Bombarde- 
ment verschossenen Projectile einen verstärkten moralischen Impuls 
Übergabe wohl empfangen hätt^. 

Ob aber die Möglichkeit einer derartigen Verwendung eines der 
einst zu perfectionirenden Kampfmittels in einem oder dem and 
Lii^nahmsfalle schon heute einem finanziell nicht ganz besonders bep 
'9tigt€n Staate die XothweDdigkeit auferlegen soll, sein Kriegsbudget i 
einer nach Hunderttausenden zählenden normalen Luftballon-Erfindu 
Dotation zu belasten, das mochte bei nüchterner Erwägung wohl er 
lieh verneint werden, insbesondere wo heute noch so viele kriegst 
nische BedCirfniiä{i4e von reeEem Werte und actuellster Dringlichkeit mit 
Küek.sicht auf die Finanzen de^ Reiches nur theilweise und sehr allmiih- 
liche Befriedigung zu finden vermögen. 




legun- 
et ^L 

'i 

rstecP 




T^r !^lfeiiwärti|^* StÄüd der milMriweb^u LiiftscUiifiihrt 



in 



in 



X 1 11 IJ 



'_ 'iM' d^r vorstehend dargelegten Verhaltnisse können 
I Irakbaren Luftballon in dem ^gegenwärtigen Stadiitm 
.11^ entschieden keinen militärischen Wert beimessen. 



\}nr d ; 



T e 111 p des a e r o n a u t i s c h e n F n r t- 
ü c b r i 1 1 e s. 

Waichu Yerbesöeruiigen und VervoUkommnungen die lenkbaren 
r in iipateren Zeiten erfahren werden, muss allerdings der 

i erteilt werden. Es Lst jedoch nicht zu verkennen. da88 
h im allgemeinen viel zu sanguini.sche Erwartungen hegt. 
Die groliartigeu* fiberras^chenden Erfolge, welche die moderne Wissen- 
' Trvhnik dey XIX. .lahrhumlerts errangen hat und unan^genetzt 
rtn haben das große Publicum vorbereitet jeden Moment 
mie4er ein« Dtfue, ungeahnte, epochemachende Erfindung zu erwarten, und 
BMI hnt^^t aich ängstlich von einem Projecte oder Unternehmen von 
f«fmliereiii zu behaupten, es sei absolut uaausfuhrhar — mag dasselbe 
lach Dach m unwabnscheinlich und schwierig sein: die Wissenschaft 
iftd T^hnik hat eben in der That vieles erreichen lassen^ was früher 
fb h gehalten worden ist. 

, .„r iveniger wird daran gezweifi^lt, das.^ die Menschheit in kür- 
M/e^T Zeit ebenso zahlreich und sicher in den Lüften umherfahren würde, 
miiu dies gegenwärtig auf dem Meere und den Eisenbahnschienen 
da mau diesem Probleme scheinbar schon ganz nahe ist. 
DiT Fachmann und S{ie*'ialist mus8 jedoch diese Verhältnisse anders 
eilen. 

Für ihn »tind die Neuerungen in der Regel nicht in jenem Grade 

' ** ■ d, da er die einzelnen Entwickelungsstadien schrittweise \er- 

rt Jahre und Jahrzehnte vergehen, bevor die Sache technische 

erimogc und aus dem Lalioratorium heraus fertig in die Öffentlich- 

tn^ti'n kann — den Laien überraschend, d«r van den Vurstadien 

Kpntitiiisi hatte, 

E^ ist »I»er charakteristisch für alle jene techubchen Zweige, welche 
gruKer Bedeutung bestimmt eracheüien^ das» dieselben — wenn auch 
nur Iaiif(i$mme — so doch stetig«* und continuirliche Fortschritte auf- 

Iktnchtet man da^J Problem der Luftschifl^hrt, so sind wohl Ver- 
hinsichtlich des Ballonstottes, der Ventile, des Firnisses, der 

rte, zn verz^'ichnen, aber die Fortschritte bezüglich des Luftfahreus 
«Ibsi «»d seit mehr als hundcrtjalirigen, jene bezüglich der Autoom- 
Hao seil melir ils dreiüi^jahrigen Bemühmigen ganz minimale (von 



112 



H p 8 *. uhil W 11 ♦' h t ♦* 



Oiffard 1852 bis Kenard 1884 wurde vveni^ iiifhr ah Im 
digkeit des selbstbewegten LufLschiffen gowonneD), und man kann auf 
Grund dessen kaum glauben, Anss Am Problem der Lenkbarkeit deiner 
baldigen Lösung entgegensieht: ja man i»t sogar versucht daran tu 
zweifeln, das« der Luftschiffahrt überhaupt eine große Zukunft l»e8timmt 
Hei. Dieser Zweifel erseheint nm.somehr gerechtfertigt, nU die Luft^nehiff- 
fahrtsfrage durchaus kein vernachlässigtes, unbeachtetes Stiefkind der 
Erfinder ist, sondern sich im tJegentheile eines ganz ungemein lebhaften 
Strebens zu erfreuen hat und auch pecuniüre Opfer durchaus nicht ge- 
scheut wurden. 

Wenn unsere MilitÄrverwaltung sich daher derzeit noch nicht da 
entschlielit. praktische Versuche und Beschaffungen von lenkbaren Krieg 
Luftschiffen vorznnehmen und vorhlutig jene zahlreichen Ertind»^r, die sich 
mit — zumeist sinnlosen Projecten lenkbarer Luftschiffe um Unter- 
stützung an ilas Beichs-Kriegsministerium wenden, abweist, so erscheint 
uns dies nach dem dermaligen Stand der Angelegenheit vollkommea 
berechtigte 



B. Nicht lenkbare Luftschiffe. 

Wir wenden uns nun der Betrachtung der nicht lenkbaren Ballons 
und deren militärischer Verwendbarkeit zu. 

Die Verwendungsweise der gewnlmlicheu, kng*^lfr>rniigen Ballons 
für Kriegszwecke kann im allgemeinen eine zweifache sein, u. zw. für 
Kecognosciruug. Signalisirung und Beleuchtimg als Bnlhn eaptif und 
zum Botendienst, eventuell auch zum Transporte von Wurfgeschossen 
— als freischwebender, der jeweilig herrschenden Wiudrichtung über- 
lassener Ballon, 

a) Ballons oaptlfs für Heoa^noBoimngazweolEe. 
X) Im Feld kriege. 

Die wichtigste Aufgabe durfte au<'h hier die Kecognoscirnng sein^ 
und wird man hiebei die Kecognuscirung mittels Luftballons im Feld- 
kriege und beim Festungskriege unterscheiden. 

Von verschiedenen Seiten wird die Anwendung des Ballon caf^ 
zur Uecognoscirung im Feldkriege lebhaft, empfohb'n, und werden groüe 
Erwartungen v«>n dieser Verwendung gehegt. 

Auch scheint der Umstand, diiss keiner der Transports wagen einer 
Luftballonstation — wie die verHchiedeneu Kriegsverwaltungen dieselben 



Der gegenwärtijife Staml der railitlkrischen L^ftsoliiffivhrt. 



113 



beschafft halieD — ein grfifif^reÄ Gewicht als 28OOÄ7/ besitzt, 
hinzudeuten, dasn iiian eiiu^ Verwendun^^ derj^elben fiir Zwecke 
der mobilen Armee nicht ausscMieOeii will. 
K In der That, weiiD man nich vorstellt» dass etwa in der Nacht vor 
Hlinem entscheideuden Zusammenstoße großer Tnipiietiraasseu alle Vor- 
■bereitungen für die Action eines BaUon mpHf getroffen würden, derselbe 
mit Tagesanbruch emporstiege, der gesammte Aufmarsch der feind- 
lichen Streitkräfte au8 der Yogelperspective Ciberbückt und dem ei^^eiien 
Olier-Commandanten gemeldet würde ; wenn weiters infolge dieser Walir- 
neliraungen Vorkehrungen getroffen werden könnten, welche die feind- 
lichen Alisichten vereiteln, der eigenen Armee hiednreh zu vollständigem 
Sege verhelfen und vielleicht da^ Schicksal des ganzen Eeiches einer 
Jtostigen Entscheidung entgegenführen würden, so wäre ein solcher 
Wölg mit dem Aufwände einiger Millionen Gulden nicht zu t heuer 

Diesem verlockenden, lichtvollen Bilde gegenüber dürfen aber auch 
üe Schattenseiten dieses Kriegsmittels nicht übersehen werden. 

Wir haben bereits bei Besprechung der lenkbaren Ballons auf die 
Seliwerfiilligkeit der transportablen Liiftballon-Stationen und den Übel- 
»tatid verwiesen, dass die leicht mögliche Beschädigdng oder das Zu- 
JUckbleiben eines einzigen Fuhrwerkes einer Luftballon-Colonne die 
TMtigkeit des ganzen Trains vereiteln könne. 

Weiters wurde auch darauf hingedeutet, dass der ganze uuistand- 
liche Materialtransport einer Ballon-t'olimne nur für die einmalige 
Püllung des Ballons ausreicht und eine Ersatzbeschaflung des ver- 
brauchten Materiales sehr schwierig oder oft ganz unmöglich sein wird. 
Man mnsste also mit der Verwendung des Luftliallons äußerst 
•m zuwerke gehen und denselben in der That nur vor der 
wichtigsten Entscheidungsschlacht activiren (was wohl im vorhinein 
schwer zu bestimmen sein dürftei oder andernfalls genügend viele Ballon- 
Ktationen mitführen, winiurch die Ballou-*'o!onne bald den Umfang eines 
ganxen Corps-Trains erlangen w^ürde. 

Aber auch bezüglich der taktischen Verwendung des BaUon capiif 
im Feldkriege ergehen sich mehrere Bedenken. 

Man könnte die Balbmstation einerseits nnr so weit hinter die 
figen« Vorhut zurückziehen, dass die Wagen-Colonne des Ballons nicht 



•y Alierdinjrs darf dabei niübt vergessen werden, daäs der fie^ner sieb 
' VortlieilH eines i^ulehen Ballon eaptif erfreuen kaioi mul die Entt:eh''idmj|ij 
ir'Ut dünn wieder — iso wie eä gegenwärtig der Füll ist — von den besHeren 
pMition«» and Dispositicmen alibilngt. 



114 



s und W a t li t e r. 



»olbrt iMuer Vernichtung ilureli das feindliche Artillerie- UDd lafant^ri^ 
IVu»»r prtvLsgojijebcn er8clii'iiit. 

MoedcKeck • \ hält hicftir die DistaDz voa 3000w von den feindlichen 
Positionen frtr geml^end, um das rasche Niederschießen des Ballooi» 
eini|[ermalieu tu ei-^jchweren. 

hl iliöi^eui Falle wäre der Bevibachter im Ballon ton jenen 
TerrainÄtrecken, auf welchen sich der Anmarsch der feindlichen Hanpi* 
krÄfte voliiieht, vonmaäelltlich 6000 bis 7000m und darüber entfernt 

Vm aber mit dem achwertUlUgen Ballon-Train, ini^hesondere mit dem 
den Captif-Bailon haltenden MasehiB^Bwagen nicht allzu oft Podtatfii 
weeh;$«*lii III mikssen, wird es vorau^chtlich oft nöthig sein, auch erheblieli 
weiter von de^* Gegners vorderster Position absabldben. wodnrch dano 
der VV ert der Kecognosicirung^-Ergebaissi^ noeh viiler redaeirt wird. 

Ki^ kaiui »leh Bim leicht jedermaim durch eigenei AugeDsduil 
Mft^raMgiNi» diss iter Ausblick tob eisern 400 bis 500ai holi«« Piakli 
i^imf B«rg99ikt^> airf «000 bis 7i)0Obi entfemt liegende lmmuitsmd»m k 
dvr BffBl kein derart beherrschender isl um den AwUmtiik tiair 
Anaee lybftWrkift n kttiieB, UBd entdehl halbwegs weUeBßnBifei» bbI 
MqpirtBB TefTBiB den gr5BleB TheÜ der i>petmücMieii den Bfickea im 
•iwawMBiei^ 

Auch k^mMt itr ncÜMüge UmstaDd hien, disa ier BmKm 
r ip <y stlb^l bei ntluger Lofk UMMnüMiiitil pmMt mi achaakelt d^^T 



«e 



mAdU^ 



D^f 



VMmribsagt iu» 4b9 A«^ iOh» rrtfadt 



HüttBL Mptfffaitfei. 



Der gegenwilrtige Stand der Militürisi'hen Lnftsi^birtalirl. 



115 



1 Die Schwiengkeiteii einer Bpobacbtnn^ uus dem Luftballon werden 
leh aus aaderen Gründen zugegeben. Mac delLm verlangt eiüe „ver- 
(ßidisweise waldfreie Region^. Capitaine Beaunwnt erwähnt, dass 
irellentoriaiges. zwar Ackerlaiid, aber auch Waldungen enthaltendes 
erraiu" Schwierigkeiten bereite. 

j Wollte man hingegen den Beobachter im Ballon in die Lage ver- 
jben, die feintUichen Bewegimgen aus größerer Nähe deutlich beobachten 
|l könneu. so rausyte die Rallon-Colonne bis in die Vorpostonzone vor- 
|fc8chohen werden. In diesem Falle ist aber wieder zu befürchten, dasa 
fcr Gegner, solmld ihm der feindliche Ballon unbequem erscheint, 
■ßdelben heruiiterschielSeu oder sich durch eine raach aufgeführte 
fltaque in den Besitz der Ballon-Colonne setzen dürfte. 
i Zudem bleibt auch bei «on.st günstig gewühlter Position die Wirk- 
■liit einer Ballon-Recognoscirung immer davon abhängig, ob Wind 
mi Wetter, die Lagerung des Bulverdampfes etc. nicht die Beoiiachtung 
pmöglich machen oder doch wesentlich erschweren, Erschwernisse, 
lekhen ohne Ballen operirende Recognoscenten zwar auch, aber keines- 
in 80 störendem Grade unterworfen sind, weil sie erstens die 
Irke kaum alterirt und zweitens einer ungünstigen Windrichtung 
'wo dies überhaupt möglich — durch Positionswechsel leichter als 
Ballon aus abgeholfen werden kann. 

Aus den angeführten Daten scheint uns hervorzugehen, dass die 
ons cnptifs im Feldkriege unter gunstigen Verhältnissen zwar gute 
Henste leisten können, dass aber nach den Wahrscheinlichkeitsregeln 

feJQn den Ballons zu erwartende Nutzen in keinem rationellen Ver- 
iflse zu dem durch dieses Kriegsmittel bedingten Aufwände an 
rial, Bedienung, Geld und Mühseligkeiten steht, und dass eine nicht 
fit Ballons cnptifs versehene Feldarmee es immerbin ohne besonderes 
pico wagen könne, einer anderetL mit Ballons ausgerüsteten Armee 
lifcgegenzutreten. Zum mindesten könnte mit Ruhe abgewartet werden, 
b die verbesserten Ballons der Gegenwart sich im Ernstfalle bewähren 
iDten, da die früheren Versuche, den BaUon captif im Feldkriege zu 
hrwenden, stets eelatante Misserfolge ergeben haben, wie wir im dritten 
fc»chnitte dieses Aufsatzes darlegen werden, 

I 

I ß) I m F e s t u u g s k r i e g e. 

I Etwas günstiger gestaltet sich die Anwendung der Ballons im 
Igtungskriege. da es sich hier nicht um so groLie Mobilität haruielt 
llf! beim Feblgebrauche. Nichtsdestoweniger hat man auch hier mit 
Ideatenden Schwierigkeiten zu karapfeiL 





llö 



Hess und Wacht e r. 



Kleinere Festimgeü ohne Vorwerke* welche nur verschanzte 
plütze liildeu, haben keine große Bedeutung, bedürfen daher auch nickt 
der luxuriösen AusrustuDg mit Luftballons. 

Große Lagerfestungen hingegen umschließeö so ausgedehnte Tem 
strecken* dass die Kocognoseinuig aus eiuem in dem centraleu Ha 
werke etablirten Ballon ca/?/// kein befriefJigendes Resultat lietern w 
die Ballonstation inuss also auch hier fahrbar eingerichtet sein, 
jeweilig an die bedrohte Angriffsfrniit disponirt werden zu können. 

Es ist mii) eine nicht wohl allgemein zu beantwortende Frage, 
die Beobachtung der Angriflsarheiten aus dem Ballon für den Belagerten 
so großen Wort habe, daas die Beschaffung des umständlichen Ballon- 
Apparates sammt allen seinen Consequenzeu gerechtfertigt erscheine- 
insVicsondere wenn man in Betracht zieht, dass der Ballon nur an o 
allzu windbewegten Tagen angewendet werden kann und dessen Wi 
samkeit überdies durch den aufsteigenden Pulverdampf und Dunatwolken 
sehr beeinträchtigt wird. 

Der einzige Ballon captif\ welcher zur Zeit der Cernirung 
Paris im Kriege 1870/71 fertig vorräthig war^ wurde — nachdem 
ein einzigesmal zur Eecognoscirung verwendet worden war — frei, 
die Provinz geschickt, und von den übrigen wahrend der Dauer d^ 
Behigeruug in Paris erzeugten 60 neuen Ballons wurde keiner wieder 
zur Eecognoscirung benutzt, sondern alle aus Paris forttüegen gelassen. 
Diese Thatsache scheint offenbar darauf hinzudeuten, dass dia 
Ballon-Kecognoscirung viel geriugeren Nutzen gewährt hatte als die Ver* 
WL'udiiiig flu" Nachrichtendienst. 

Die deutsche Armee versuchte vor Strasburg die Reeogüosc; 
mittels Luftballons, und während des Aufstieges des Ballons konnte 
auch in der That guten Einblick bis in die Festuugsgräben nehm« 
alsbald stieg aber der Pulverdampf in so dichten Massen in die Höh8, 
dass alle Aussicht benommen wurde und der Ballon nach längerem v 
geblichen Harren resultatlos wieder zu Boden gezogen wurde. 

Dieser nämliche Ballon wurde dann später vor Paris hin t: 
portirt neuerdings zur Recognoscirung bestimmt, kam jedoch nicht 
Verwendung, denn man gelangte babl zu der Überzeugung, dass lii^ 
selben Resultate, wie die Ballonbeobachtung sie ergeben würde, in virf 
rnüheloserer, bequemerer Art und gleicher Güte durch Beolrachtung von 
den die Stadt Paris umgebenden Höhetizngeri gewonnen werden kounteD, 
und versetzte infolge dessen den Luitballon in wohlverdienten bleibendeB 
Ruhestand. 




Der gegenwärtige Staiid der rüilitärLsrhen Luftdühiffiibrt. 117 

Auch währemi des ffmtjährigeii Krieges (1864 bis 1869) zwischei] 
Paraguay und Brasilien mirden von Seite der Brasilianer Liiftlialloiiö zu 
BecognosriruDgen im Poaitionskriege verwendet. 

^ Naclidem der erste Versuch bei Tuyuti und Tuyucue günstige Kesultate 
Vgeben Latte, vt^rwendeten jedoch die BrasilJauer im weiteren Verlaufe 
dei* langen Krieges bei den darautlblgeiideu Verschauzungea von Humaita, 

tm Fernando, Pikysyry ii. s. w. unter ganz ähnlichen Situations verhält* 
säen die Luftballons nicht wieder, was zu dem Schlüsse führt, dasa 
drr wirkliche Nutzen für die Kriegführung ein niclit •/nfriedonstcllender 
ßsen sein inui^.^. 

Die eingangs erwähnte Verwendung der Luftballons durch die 
iglünder in Ägypten und die FraHzosen in Tonkin scheint auch kein 
enswertes Eesultat ergeben zu haben; wenigstens ward nirgends 
T etwas mitgetheilt, und doch waren diese Ballons mit allen Yer- 
gen und Einrichtungen der modernfii Technik ausgestattet und 
Inem speciell eingeschulten Personale bedient 
Diese Beispiele beweisen nun allerdings nicht dass die Luftballons 
iWi anderen Umständen zur Kecognoscirung uu Festungskriege nicht 
tute Dienste leisten können, sondern es wird damit nur dargelegt dass 
4ie«e guteu Dienste nicht von vornherein mit großer Wahrscheinlichkeit 
loraiiszasetzen sind, 

a) Ballona captifs zur SchussbeobaohtTing, 

Eine besondere Bedeutung möchte man in neuester Zeit den Ballons 
optjjf« für artilleristische Zwecke beilegen, insofern als durch Ballons die 
bachtuüg der Schussbahnen und Schiisswirkungen im Festungskriege 
einer wirksamen Weise ermöglicht würde. 

Eh lässt sich nicht leugnen, dass in unserer Periode des indirecten 
Khieliens ein Mittel zur Schussbeobachtung und Schnsscorrectur will- 
Wmnen sein muss, weil in dem Kampfe zwischen der angreifenden und 
Festangsbatterie diejenige überlegen bleibeji dürfte, welche sich 
it eingeschossen hat, demnach die Präcisionswirkung der schweren 
ixe voll ausnützen kann. 

Eine sichere Schussbeoliachtung ist sonach nicht nur wüuschens* 

frt» aonderu geradezu noth wendig, und man würde ohne Zweifel die 

haffuDg von Ballons captifs schon dadurch genügend motivirt halten. 

s gieh dieselben alli^n falls als die verlässlichsten und einfachsten 

ttel zur Schussbeobachtung erweisen sollten. 

Dom ist aber — wenigstens für die groiie Mehrzahl der Fälle — noch 
t*haus nicht so, indem der Angreifer seine Positionen mit Aussicht 




118 



H e s Ä und Wächter, 



auf Erlolg kaum dort wählen liih-fte, wo er von der Festmigr in so 
ei'heblichem Grade domiuirt wird, um eines Ballon capiif zur Beobaehtua| 
der SchusHwirkung zu bedürfen. 

Für jene Fälle, wo ein seitlicher oder ein im Gelände vorfindlicher 
erhöhter Beohachtuügsstand sich nicht vorfindet, bleibt immerhin das 
einfaehste, zunächst von der russischen Artillerie angewendete Hilfe- 
mittel die Improviairuiig von Ansingestellen auf hohen Masten, welche 
mit Hilfe geeigneter Vorrichtungen auf den hiezu geeignetsten Stellen 
leicht und rasch aufgestellt oder niedergelegt werden können. 

Solche Mäste, durch die Steigleiterwägen der Feuerwehr noch sehr 
voii:heilhaft m ersetzen, würden jedenfalls Beobachtung-sstandorte voa 
geringerer Auffälligkeit als ea ein Balhn capfif ist, abgeben, zudem 
Standorte, mit welchen nach Bedarf sehr leicht roqnirt werden könnte, 
welche gegenüber einem Ballonpark äullerst hillig zu acquirireu sind^ 
Nothfalle sogar aus requirirtem Material e improvisirt werden können 

Endlich wilrde man von solchen feststehenden Beobachtungspnnk 
au«, selbst wenn sie da.s Ziel minder dominiren, die Schnsswirkung 
voraussichtlich noch inmier besser coiitroliren können als von der 
schwankenden Ballongondel aus^ weil man auf festem Standpunkte Fern- 
rohiT von belieliiger Leistnngsföhigkeit benützen, vom Ballon aus aber 
zumeist nur mit dem freien Auge ijeobachten kann, was auf den grolii»B 
Distanzen zur sicheren Angabe von Schusscorrecturen ja keiueswe 
ausreicht. 

Es iiit also zum mindesten sehr unwahrscheinlich, dass mit 
Verwendung von Ballons captifs ein Mittel zur Schnssbeobachtung 
funden wäre, welches nicht mit Hilfe anderer, viel wohlfeilerer, 
beschränkter verwendbarer und von störenden Einflüssen unabhängigem 
Mittel vortheilhaft ersetzt werden könnte. 

Berücksichtigt man zudem, dass das Niederschießen von Capt 
Ballons bei einigermalSen zweckmäßigem Vorgange nach den diestalligea 
von der preußischen Artillerie auf dem Cummersdorfer Schießplatze 
geführten Schießversuchen eine durchaus nicht schwere und dabei hiP 
länglich expeditive Sache ist, so wird man den thatsächlieheu NutxeiK 
den man im Ernstfälle von derlei Ballons für die Sicherung der eigenenj 
Artilleriewirkung sich versprechen dürfte, als eiuen ziemlich belangk 
veranschlagen müssen *). 



*) „Über daß Schießen der Artillerie preffen gefesselte BaHon»**, j,Neie 
tari^eh« Blatter*-, 14. Jahrg., 3 H^-ft. S \m u rt*. 



Der ffegeiiwartiKc Stand der toüitärischeii Luftschiffahrt. Hf 

Nach der uns vorliegenden Quelle wurden von Seite der Artillerie- 

jeßschule zwei Captif-Ballons, welche in wechselnden H5hen von etwa 

I bis 250m gehalten wurden, aus der Distanz von SOOOm, d^r eine 

10, det andere mit 26 Shrapnels, der eine iti '/« Stunde, der 

ere in kaum y^ Stunde zum Sinken gebracht 

Es dürfte nicht einmal viel pyi'otechnisches Baffinement dazu 
»reu, Shrapnels — bekanntlich die wirksamsten Ballongeschosse — 
art zu acyustiren, dass schon der geringste Ballontreflfer eine so- 
üige Entzündung des Ballons zur Folge hat, und die Chaäce, den BaUon 
kürzester Frist durch das Feuer zum Sinken zu bringen, noch 
^entlieh erhöht wird. 

Der Autor der oben citirten Note schließt seine Mittheilung mit 
\ Worten : ^Die Verwendung gefesselter Ballons zu artillenstischen 
«eken, wie Beobachtimg etc., erscheint nach diesen Erfahrungen i^ehr 
jBch, da 5000m wohl die Maximalgrenze för eine Beobachtung ohne 
>ße Femrohre bildet und bei geringerer Entfernung das Schießen mit 
wtigeren Verhältnissen zu rechnen hat. Ob über 6000m eine Be- 
ichtong größerer Objecto, wie Tnippenkörper, Transporte möglich ist, 
rftber fehlen dem Verfasser die nöthigen Erfahrungen." 

Wir dürfen diesem Ausspruche hinzufftgen, dass es wohl nur einem 
r guten Auge unter besonders günstigen Verhältnissen gelingen 
fte, die letzterwähnten größeren Objecto in einer für den taktischen 
wk ausreichenden Deutlichkeit ohne künstliche Hilfsmittel wahr- 
ehmen, dass aber auch der wirksame Gebrauch solcher, insbesondere 
größere Distanzen berechneter Instrumente von der unausgesetzt 
egten Gondel aus so ziemlich ausgeschlossen erscheint. 

Ist ja schon der Gebrauch der einfachsten Binocles, sobald zur 
öhung ihrer Leistung eine mehr als ca. fünffache Vergrößerung 
der hieraus constmctionsmäßig resultirenden Beduction des Gesichts- 
es angewendet wird, für jeden Keiter, der nicht ilber ein besonders 
iges Pferd verfQgt, wegen der dann unvermeidlichen, wenn auch 
alut geringen Bewegungen des Instrumentes wesentlich erschwert, ja 
mancher persönlichen Disposition ganz unmöglich gemacht. 

Perspective mit etwa zehn- bis zwölffacher Vergrößenmg können 
)n, entgegen den Darstellungen auf gewissen Schlachtenbildem, nur 
ir in fester Position mit Erfolg, zu Pferde aber erfahrungsmäßig so 
wie gar nicht mehr gebraucht werden. 

Zu dem Captif-Ballon würde demnach, um aus demselben auf die 
bwendige Distanz noch mit Erfolg recognosciren zu können, zumeist 
fiecognoscent mit Adleraugen erforderlich sein. 

13 



IM He»»nidWiehier. 



^) Frda B»llimii svm Boten- 

Eine weitere Verwendmig der LnfttNdloiis im Fcstiuigskriegi 
bestellt diriiu mit Hilfe derselben aus einem eennrlen Platu ni eit 
kommen oder sich überiianpt mit der eigenen aolienstehenden AmM 
nnd dem Linde in Verbindung zo setzen. 

Ist es in dieser Hinsicht aneh nnTerkennbar. da8S schon das Eit 
kommen 6ambetU*s ins Piris den Luftballon ils den TViger wesent 
Kcher politischer Entscheidmigen hit erscheinen lassen, nnd diss di 
dnreh die Billons rermittelte Correspondenz der Cipitile mit dem Hinter 
linde ron großer politischer and militärischer Bedeutung geworden isl 
so kann doch der FiU Ton Paris nicht leicht irgendwo anders imd spe 
ciell in Osterreick wenigstens dermal kaom, ein Analogon finden, d 
weder Wien noch Budapest befestigte Plitze sind, deren BelageruBj 
und Einschließung in Betracht zu ziehen wire. 

Der Depeschenrerkehr aus einem sonst abgeschnittenen befestigte 
Platze ist weiters nur dann von höchster Wichtigkeit wenn sich in den 
selben eine für Offensivst<^ße geeignete Armee befindet 

In diesem Falle ist aber wieder die vollkommene Cemirung u 
wahrscheinlich« denn woUte man von der Voraussetzung ausgehen, £ 
complete Einschließung einer mobilen Armee innerhalb einer Lagerfestmi 
sei eine aus taktischen Principien hervorgehende Consequenz. so mfisflt 
es zum allgemeinen <Trundsatze gemacht werden, dass der Rückhil 
eines verschanzten Lagers überhaupt ohne Wert sei. 

Somit ist schon die Xothwendigkeit eines Bedarfes au Luftballoi 
für Botendienst in Lagerfestungeu an sich unwahrscheinlich. 

Der Wert eines Luftballou-Botendienstes sinkt aber durch weiter 
Erwägungen noch mehr herab. 

Betrachtet man die österreichischen Festungen, so ist bei dal 
Umstände, dass gerade die wichtigsten derselben, wie Krakau und Przemjd 
so nahe der nördlichen Keichsgrenze liegen und bekanntlich in unsert 
Gegenden den größten Theil des Jahres hindurch West- und Sfidwest 
winde herrschen, mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, dass ein Luft 
ballon. welcher aus einer dieser Festungen emporstiege, in der Mehrzab 
der Ftlle nach Kussland hinübergefuhrt und somit zwecklos, wenn nidi 
gar unheilvoll sein würde. 

Außer diesen Festungen wÄre aber nur Komorn übrig, welches W 
Dotirung mit einem Lnflballon-Detachement in Betracht kommen könnti 

Der LuftbaUon-Botendienst erscheint ferner darum weniger wichtäf 
weil er zwei mindestens ebenbürtige, zum gleichen Zwecke verwendbar 



Der gegenwärtige Stand der militärischen Laftschiffahrt. 123 

rarrenten hat, welche mit unendlich bescheideneren Ansprüchen auch 
Midienst leisten können. 

Dieses sind einerseits die Brieftaubenpost, anderseits die optische 
-graphie; abgesehen davon, dass ja auch geschickte und schlaue 
idschafter aus einer cemirten Festung unter Umständen heraus und 
inkommen, abgerichtete Hunde, auf Flüssen schwimmende Körper und 
fre Xothbehelfe mitwirken können. 

Was die Brieftaubenpost anbelangt, so ist deren Wirkungsfähigkeit 
olieh aUgemein bekannt, und würde es zu weit führen, hier auch auf 
»es Capitel des näheren einzugehen. 

Die optische Telegraphie ist gleichfalls mit Anwendung der gegen- 
tig zugebote stehenden Mittel, insbesondere der in den Festungen 
luLDdeDen, lichtstarken elektrischen Beleuchtungsapparate imstande, 
en großen Theil des Jahres hindurch auf Distanzen yon 60, 60 und 
M 100km (die Spanier signalisirten sogar bis auf mehr als 3002^!) 
;iale abzugeben, welche über die Köpfe des Belagerers hinweggehen 
iw. derart, dass er dieselben kaum verhindern, oft überhaupt nicht 
mal wahrnehmen kann. 

Der von den Luftballons zu erwartende Botendienst ist somit im 
semeinen nicht derart vielversprechend, dass für diesen Zweck die 
KbaAing von Ballons dringend empfohlen werden könnte, wenngleich 
kt in Abrede gestellt werden soll, dass in Ausnahmsfällen eine nütz- 
te, vielleicht selbst sehr wichtige Anwendung davon gemacht werden 
IL (Beispielsweise wenn irgend eine wichtige Persönlichkeit, ein 
ppen-Commandant o. dgl. zufällig in einer Festung durch den Gegner 
:eschlo8sen werden sollte.) 

»Schramek empfiehlt kleine Montgolfieren, welche äußerst billig, 
»r in großer Zahl hergestellt werden können, im Nothfalle als 
pschenträger zu verwenden. £s wäre dies thatsächlich ein Mittel, 
:*he«K. geschickt und mit Benützung von Chiffemschrift und einer den 
id irreführenden scheinbaren Viel-Depeschirerei verwendet, unter 
«tänden mit gutem Erfolge benützt werden könnte. 

Die Möglichkeit, mit einem Luftballon in eine cernirte Festung 
^ijizokoiiimen, ist so gering, dass dieselbe kaum in Betracht gezogen 
deo kann. Bekanntlich gelang es trotz mehrfacher Versuche keinem 
äg**n Balloa in die Weltstadt Paris hineinzukommen; umsoweniger 
anzonehmen. dass in eine Festung von bedeutend geringerer Flächen- 
delumiig ein Ballon seinen Weg finden würde. 

Außer zum militärischen Kecognoscirungs- und Botendienste wird 
■ähnlich noch vorgeschlagen, die Luftballons zum Signalisiren, zur 



122 H f s « und W i c h t e r. 

Beleiiehtung di*ä Vorfeldes der Festungen bei Nacht zur phoiognphuekei 
Terrainaufhihme und zur Bewerfung belagerter Plätze mit Znnd- ud 
und Sprengmitteln zu verwenden. 

c) BaDon-aignaliirfnuig. 

Die BalloB-Signaliäining soll entwedn* derart geschehen, dids M 
Tage Ton Seite der Aeronauten Signale mit bunten Flaggen abgegeben 
werden« oder aber bei Nacht durch verabredete Zeichen mit elektrisdusa 
Lampen« welche entweder an den Ballon angehängt oder im Innern des- 
selben angebracht sind, in welch letzterem Falle die Ballonhülle ans 
einem mdglichst durchsichtigen StolEe angefertigt wird. 

In Anbetracht der großen rm5tändlichkeit4?n. welche mit dem Arf- 
stiege eines Ballons stets verbunden sind« andeneits in Berucksiclitignig 
der nkht nur relativ« sondern auch absolut geringen Leistung der optisckoi 
BalloKignale — wie selbe durch die bisherigen Tersnche ermittdt 
wwden. kennen wir in dieser Terwendung der Ballons entschieden keinci 
Voitheil erblicken, umsoweniger als andere optische Apparate, wie z. & 
Lichtprojectoren mit verschiedenen Lichtquellen, in viel ein£frrherer Weise 
weitNKs Beäseres leisten, ohne ihr Material der feiodlichett Sicht und 
Zer>ldnuig zu exponiren. 



Tj ffil tprqi ec ti oM« resp snr Batouclitgas 

Ke Anwendung dt»- Luftballons zur Beli^uchauig des Vorfeldes voi 
FestUDtgen i$t unserer Cbeneugung nach und auf VTnicid der Er&hruBgn 
bei aftierweitigen nichtiichen elektrischen BelruchtU!lg^Vie-^^Qchrn nidlt 
nur nicht ntttztich. sondern gerad<*'£u schädlich und verwerflich. 

Eüie an den Arifoa oi|i<»>' angehängte «elektrische Lamf^e — mag 
dieseibi^ auch noch ^ iichtssark sein — reicht bei i*^ UiimC-glichkeit 
Ti^n eisern Ballon aus Lichtschirme •>der Iichtpn>j>ct*>r*ii erf->ii:reich ii 
hu«ikab*»L wohl nie aus. xsm bis an die F«>>i:i-?ce2 «ies Feizdes hii 
geni^iides licht im weff»: maa ist vieLcnehr k^:2<«:^Wie^ sicher, nkkt 
nweiML ohne es zu w-iiiet die eigene S^itoc^ la b-»i«icht*a. wÄ- 
md der Feind ün Paxk^lE bleibt ti=^ ik:ii s»?:zi: 4i^ y^^s^^t Gelegea- 
heil fe^?fd«H£ wird, ^e F-f^stLs^sw-erk^« wie ja s^xs: w^4 rsoichst anck 
4en RLd«m seifet b^i^aiec: b^sck:»*&»a ra i«!«?;:. 

üAd^ B<i[i!«£htungsis:tftlr>ie. wel*? lz2Z^^ ;-?a-er 3Kt des 
FaliiäirTiLEitrtea if.vi ^rk*;41xa 2'irif:k^«fiei iirfte. wirf 

aiKS; arälaiDii ia eüi»Mi ErLSSäll-? li«? 4i:^W'ei»i'*c w^erjes. d* 

iir •ccstsi T«!fli»:n aicf iem C^u^^l&Kif i-^rfi Uxiw-sfksudigkeit 



Der gegenwärti^^e Stand der iniliturisrhcn Luftschiffahrt. 123 

VTeT da weiß, wie schwer es schon auf festem Standpunkte er- 
int, das elektrische Licht bei Nacht auf ein genau bestimmtes Ziel 
ubringen, resp. dieses Ziel wieder aufzufinden, und dass hiezu die 
lilfe von exacten, bei Tage ausgefahrten Alignements erforderlich 
L der wird nicht zweifeln, dass man von einem Ballon aus mit Hilfe 
s Lichtprojectors den Gegner nur aus solcher Nähe mit einigem 
dire beleuchten könnte, welche das Niederholen des Ballons durch 
feindliche Feuer beinahe zur Gewissheit macht. 

e) Ballon-Photograplile. 

Die Terrainaufnahme und Recognoscirung aus dem Luftballon 
teb» photographischer Apparate wirdin den aeronautischen Zeitschriften 
r häufig als besonders vortheilhaft hervorgehoben. Es dürfte dieses 
> jedoch meistens von Leuten ausgesprochen werden, welche mit den 
leren Details der photographischen Technik wenig vertraut sind, denn 
• besondere Zweck und Nutzen photographischer Aufnahmen aus dem 
fthallon iät schwer einzusehen. 

Zur Begründung dieser Anschauung mag Folgendes dienen. 

Wie schon dargelegt, ist es nicht wohl thunlich, mit einem Ballon 
t^ auf geringere Distanz als 3000m an die feindlichen Vorposten- 
ifo heranzugehen. Die größeren feindlichen Truppenmassen werden sich 
ler auf 4000 bis 6000m von dem Ballon entfernt befinden. 

Man kann sich nun sehr leicht die Überzeugung verschaffen, dass 
einem photographischen Bilde — mag dasselbe auch mit den besten 
! größten photographischen Apparaten in aller Kühe und Bequem- 
keit, von einem festen Standpunkte, etwa einer Bergspitze, und flber- 
pt unter den denkbar günstigsten Verhältnissen erzeugt sein — auf 
Om Distanz einzelne Personen (Vorposten) und auf 4000 bis SOO©-//« 
b (froße Truppenmassen selbst mit der Loupe nicht mehr zu erkennen 
zu unterscheiden sind. 

Wenn somit die Photographie überhaupt nicht imstande ist, auf so 
ISe Entfernungen zur Kecognoscirung feindlicher Streitkräfte verwend- 
e Bilder zu erzeugen, so ist die.^ von der Luftballon-Photographie 
ehe nur mit Momentaufnahmen arbeiten kann, schon gar nicht zu 
arten. 

Die in verschiedenen Journalen und Broschüren reproducirten Ballon- 
otofpraphien sind gewöhnlich dazu geeignet, bezüglich der militärischen 
rwertbarkeit solcher Photographien beim großen Publicum optimistische 
theile lu erwecken, da diese Photographien, wenn sie genügende 
-taii* des Terrains wiedergeben, aus Entfernungen von nur etwa 



124 Heiift und Wächter. 

100 bis 600»it aufgeDommen wurden« also aus Distanzen, die im Erie 
und Ernstfälle nicht möglieh erscheinen, da der Ballon in so geriiq 
Entfernung längst lerschossen oder gefangen wSre, bevor das phoi 
graphische Bild rollendet würde. 

Hiezu kommt noch die Erwägung der zahllosen Schwierigkeit 
welche sich der Ballon-Photographie mit Kücksicht auf die nur s€ 
selten günstigen Beleuchtungsverhältnisse, die Xothwendigkeit. einer ric 
tigen Graduirung der Plattenempfindlichkeit und der Geschwindigk 
des Momentverschlusses, die schaukelnde Bewegung des Ballons e 
entgegensetzen und die nur der Photograph von Fach in vollem Umfan 
zu würdigen vermag. 

Es könnte allenfalls zugegeben werden, dass in gewissen Stadi 
des Festimgskrieges oder des Positionskampfes überhaupt eine durch ( 
lenkbares Luftschiff aus schussicherer Höhe oberhalb der Festungswei 
oder Schanzen vorgenommene photographische Momentaufnahme nni 
günstigen Umständen gewisse gröbere Aufschlüsse über Tracedetails, Anb 
von improvisirten Unterkünften, Herstellung von Abschnitten u. d 
bieten könnte, welche auf andere Weise nicht wohl zu erhalten sii 

Von dem auf große Distanz von der Artillerie gebannten Bali 
cnpiff wären dagegen solche Leistungen nicht zu erwarten. 

Weiters ist zu bemerken, dass die photographischen Ballonaufnahm 
nicht unverweilt zum Gehrauche verwendbar sind, da dieselben erst zal 
reicher Operationen bedürfen, welche mindestens drei Stunden in Anspm 
nehmen, während \i elcher Zeit sich bei militärischen Vorgängen ( 
Feldkrieges die Situation zumeist schon irründlich verändert hat u 
dem Erirebnis der Recognosciruns^ oft nur uu'hr einen historischen W< 
belässt. 

Wir glauben daher nicht, dass die Photographi** aus dem Lu 
ballon geeignet ist, für Zwecke der militärischen Rt»cognoscining n 
Terrainaufnahme Befriedigendes zu leisten. 

/) Freie Bellona xu mrtUleristiscl&en Zwecken (Ballon-Bombardemeiitj. 

Die Verwendung der Luftballons zur Bewerfung und Zerstöm 
belagerter Plätze mit Zünd- und Sprengmitteln wird zumeist von i 
Erfindern und Projectanten lenkbarer LuftschiflFe — und gerade in diesi 
Fache gibt es der Unbenifenen nicht wenige! in den glänzendsten Pari 
geschildert, und würde nach den Annahmen dieser Erfinder die gai 
heutige Kriegskunst durch die Kinfiihrung lenkbarer Belagemngs- i 
Zer^ni&gslnftischiffe zunichte gemacht. 



Der gegenwärtige Stand der militärischen Luftschiffahrt. 125 

In der That würde ein lenkbares Luftschiff jener Leistungsfähigkeit, 
B wir gelbes in dem bezüglichen Abschnitte dla für Kriegszwecke 
'orderlich supponirt haben, unter Umständen und mit den dort aus- 
ADdergesetzten Einschränkungen ein gefiährlicher Gegner gewisser großer 
ätungen sein, vorausgesetzt, dass jenem Luftschiffe neben seinem starken 
*or und großen Materialvorrath auch seine sonstige Einrichtung noch 
itatten würde, Minengeschosse von entsprechender Zerstörungskraft 
izuführen. 

Derzeit liegt jedoch noch keinerlei Gnmd vor, sich vor einem 
kharen Zerstörungsluftschiffe zu furchten, und ist dies vorläufig noch 

vages Luftgebildo der Zukunft. 

Die Bewerfung belagerter Plätze mit Sprengladungen vermittels 
ftballöns ist gegenwärtig nur in der Weise möglich, dass zunächst 
t Hilfe kleiner Versuchsballons ermittelt wird, ob im gegebenen Zeit-> 
iikte derartige Luftströmungen vorhanden sind, welche einen von dem 
mdpunkte des Belagerers aufsteigenden Ballon in der Kichtung gegen 

zu bewerfende Festung hintreiben. 

Ist dies der Fall, so versucht man durch Beobachtung von zwei 
mdpunkten die Geschwindigkeit der jeweilig herrschenden Luftbewe- 
ng zu ermitteln. Nach diesen Daten kann ungeföhr calculirt werden, 
welcher Zeit der abzusendende Ballon über der Festung anlangt, und 
in sodann demselben ein entsprechend tempirtes Geschoss angehängt 
rden, welches sich nach bestimmter Zeit automatisch loslöst und in 

Festung - dortaelbst Zerstörung und Unheil bewirkend — herab- 
rzt. 

Bei der großen Unsicherheit dieser Yorausbestimmung^n, dem Zeit- 
*rvall zwischen dem Aufsteigen des Probeballons und des eigentlichen 
stönmgsballons, den Variationen der Windgeschwindigkeit, der un- 
ichen Steigkraft der beiden Ballons, der vielleicht nicht eiact functio- 
'nden Tempirnng und sonstigen störenden Einflüssen ist es jedoch 
f(ut wie vollständig dem Zufalle überlassen, wo ein solches Geschoss 

Erde fällt. Will es dabei das Missgeschick, dass sich während des 
steigens des Zerstörungsballons etwa die Windrichtung ändert, so ist 
Möglichkeit vorhanden, die unangenehme Bescherung aus den Lüften 

die eigenen Köpfe herab zu erhalten, und tritt dann das bekannte 
ichwort in Geltung: „Wer andern eine Grube gräbt etc." 

Die Verwendung nicht lenkbarer Ballons zur Bewerfung des Feindes 
Sprenggeschossen ist daher ein Kriegsmittel von sehr fraglichem 
rte. 



126 



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h \ .• r 



Bei der Bela^eniug voi» Venedig im Jahre 1849 wurdon von den 
öaterreicbischen Truppen hekanntUeli Ballonbdiiilion in der vorgescWl» 
derten Art über die Stadt lancirt; der volMäntli^^t* Misserfolg dieser 
Kxperiment^? ist gleicliftlls bekannt, da keine einzige Hoiiibe einen nennens* 
werti»!» Schaden annehtet«'. Diese>s Ballon-Bombardement konnte nielit 
einmal den EHoIl^ eines inoraliMehen Eindniekes für sich in AnspruA 
nehnnm, da die revolutitinirendeii Venetianer sieb über die niitzlo« iir*» 
W'äHser fallenden Bomben rinr beinstiiften nnd in dem (lefühle dw 
Uneimieliiijbarkeit ihrer Lagune ustndt hiedureh bestärkt wurden. 

Wenn somit der Heeo^fnoseiruni^^s- und Botendienst der Lnftbnlloffli« 
wenig Ausijicht unf Nutzen nnd Erfolijr darbietet, «o ist von andere» 
militäri^cben Verwendungen der Luftballons noch viel weniger 2« erwart**ii, 

i'hancen der Verweiid lur keit der Mon t^olfieren nnd <h'r 

Eh mapj hier noeb am Platze sein, zu erwägen^ ob nicht Vfl 
Ballone anderer Svstenn* als den (-'barlierrn, insliesoiidere von Mont(,'ollief 
eine günstigere Lüsung der Frage von der uiilitürisehen Brancbbark 
di*r Luftschiffe zu erwarten wäre. 

Man niüchte zunächst leicht zugelien. dass die Ausrüstung 
Motitgoltieren^ für deren Betrieb nur Brennmaterial in genügender Men 
mitgeführt werden mi'isste, eine viel einfacbere werden kann als jene \ 
tlashidions, Pafilr wären aber Montgoiliereu au sieb ihrer Natur na 
viel grölier und dauiit unendlich sehwerfitlliger als t'harlieren. 

Bedenkt man uamlieh, dass die Luft in <4n<*r Mimtgolfien- 
Kücksicht auf denm Stotl' kaum weit übt»r 100" i\ eruaniit werd 
bann, weil scbon In^i 150^' C. die Verkühlung organischer SubstauH 
beginnt, ja das-H sogar die meisten der bekannten Biilbuistoffe ein wiede 
holtes Erhitzen auf 100" C, ohne Alteration der Festigkeit, Brilck 
vvi^rden der Faser etc. schwer aushalten, und erwagt, dass der Auftr 
von Im" reinem Wasserstofl'gas l'20%, jener von Iwj* der bis zu 70*^ 
erwärmten LuA 0^2HA/y. der bis 100* H erwärmten Luit 0*35A'/7 betr 
so uiüsste di(^ Montgolfiere an sieh allein etwa viermal so viel 11 
fassen als eine Charliere, um die gleiche Tragkraft zu besitzen. 

Erw^ägt man weiters, dans zur Bedienung des Feuers und zur 
liebsten Einschränkung der Fein^rsgefahr selbst bei der ingeniöses 
Feuerungsanlage mindestens zwei Mann eigens mit der Feuenmgaanl 
und mit Ldschvorkehrungüu beschäftigt sein müssen uud das Persoi 
somit auch das Volumen des Ballons eine weitere Vermehnmg erhei 



Der gegenwärtige Stand der militärischen Luftschiffahrt. 127 

eine Montgolfi^re, bevor sie durch Hitze gebläht ist, eigener volu- 
ter Vorkehrungen bedarf, um gehisst und zum Steigen vorbereitet 
srden; dass das Heben und Senken durch Regelung des Feuers 
imgBgemäß weit langsamer als das Spiel der Charliören erfolgt; 
infolge der geringen Ausdehnimg der Luft durch die Hitze größere 
a, welche zur Sichenmg vor dem feindlichen Feuer eigentlich fort- 
»nd einzuhalten wären, von Montgolfi^ren gar nicht gut erreicht 
u können; dass man sich endlich aus allen diesen Gründen und 
I der bisher nicht zu bannenden Feuersgefahr nach einigen wenigen 
sehr lehrreichen Versuchen schon vom Hause aus von den Montgol- 

abgewendet hat: so mussten auch an diesen Apparaten ganz beson- 
weitreichende, bisher noch unerfundene Verbesserungen angebracht 
in, um sich von ihnen für die Zukunft Besseres zu versprechen. 
Von der Combination der Feuer- und Gasballons, den insbesondere 
lem Italiener Zambeccari bis zu dessen Tode experimentirten söge- 
en Bozieren, kann endlich wegen ihrer voraussichtlich gar nicht zu 
nden besonderen Gefährlichkeit, und weil sie eigentlich die Nach- 

beider ersteren Ballongattungen vereinen, ohne ihre Vortheile zu 
"n, für militärische Zwecke wohl nicht die Rede sein. 

bisherige kriegsmäßige Verwendung der Luftballone. 

Zur weiteren Begründung und Kechtfertigtmg unserer vorstehend 
legten Anschauungen über den militärischen Wert der Luftballons, 
e Anschauungen vielleicht manchem Leser als zu pessimistisch 
?inen mögen, berufen wir uns schließlich auf das Zeugnis der 
lichte, indem in kurzer Skizze jene Fälle recapitulirt werden, in 
en die Luftliallonn in militärische Action traten, unter gleichzeitiger 
)e ihrer jeweiligen Erfolge oder Misserfolge. 
„Im Jahre 1793 kam bei der Belagenmg von Valenciennes der 
Luftballon zur Verwendung. Die vom Prinzen von Coburg hart 
ugte Garnison ließ einen Ballon mit wichtigen Nachrichten an den 
'al Cnstine aufsteigen und gab sich der Hofifhung hin, der Ballon 
\ den zwischen Bouchain und Cambrai lagernden Franzosen zuge- 
in werden. Der Ballon nahm anfangs eine günstige Richtung, fiel 
r jedoch gerade in das Lager der Feinde nieder, welche die so 
nten Absichten der Belagerten mit Erfolg ausbeuteten^ (Löbell 1880). 
Die nächste Verwendung fanden die Luftballons im Jahre 1794 
er Vertheidigung von Maubeuge, bei der Belagerung von Charleroi, 
md der Schlacht bei Fleurus, dann bei Lüttich, Chartreuse und 
ihoven. 



128 HcKR ana Wächter. 

Diesbezüglich bemerkt Schrtmek Folgendes: 

„Gewöhnlich berufen sich jene, welche von der Verwendung der 
Lnftscfaiffe für Becognoscimng einiges erwarten, anf den beröhmten 
Recognoscimngs-Ballon von Flenms. Diese Bemfang ist typisch gewordeH^ 
und ein A^ronaut überliefert sie dem anderen. Aus dem (xange der Schlacht 
entnimmt man jedoch, dass dieser Ballon gar nichts geleistet hat" 

Im Jahre 1794 erschien Hauptmann Coutelle mit einem Luftballon 
vor Mainz, wurde jedoch bei seiner Auffahrt (im December ) vom Sturm 
erfasst und in einer Höhe von 300m so heftig hin- und hergeschleudert, 
dass 64 Mann, welche an zwei Tauen den Ballon dirigiren sollten, kaum 
imstande waren, denselben zu halten, und weite Strecken mit^eschleift 
wurden. 

Im Jahre 1795 wurden Ballons eapUfg von der französischen Armee 
noch bei Mannheim, Düsseldorf, Neuwied verwendet und beendigten im 
Oefecht bei Wflrzburg. in welchem die Aerostaten-Compagnie gefangen 
wurde, dann vorläufig ihre Thätigkeit 

Dem Expeditions-Corps nach Ägypten wurde gleichfalls eine Aero- 
staten-Compagnie mitgegeben, scheint dort aber keine nennenswerte 
Thätigkeit entfaltet zu haben. General Jourdan, sowie Bonaparte zeigte 
den Luftschiirem keine großen Sympathien, und löste der letztere iml 
Jahre 1798 das Aerostaten-Corps gänzlich anf. 

In vereinzelten Fällen wurden später von der französischen Armee ; 
noch Ballons verwendet, so 1814 bei der Belagerung von Antwerpen,^ 
1830 in Algier und 1859 bei Solferino, jedoch ohne günstige ErfolgA 

Die Versuche der österreichischen Truppen, mittels Luftballoni; 
während der Belagerung Venedigs im Jahre 1849 Bomben in die Stadt 
zu werfen, wurden bereits besprochen. \ 

Im Jahre 1854 aollen die Russen Luftballons in Sebastopol ve^ 
wendet haben. i 

Im Jahre 1861 sollen die Nordamerikaner mit Glück einen Bnlhm 
captty bei der Schlacht von Uichmond verwendet haben. Während dei 
frefechtes war der Ballon unausgesetzt in telegra]>hiseher Verbindung 
mit dem Hauptquartier. Die Ausfälle der Feinde wurden dem General 
Mac Clellan augenblicklich vom Ballon aus telegraphiit. und konnte dieser 
den Generälen Heinseimann und Summer rechtzeitig seine Marschbefehle 
ertheilen. Der Ballon machte hiebei seine Beobachtungen in so unmittol* 
barer Nähe des Feindes, dass er von gezogenen Kanonen beschossen 
wurde und der Sicherheit halber seine Position wechseln musste. 

Von der Thätigkeit der Luftballons im Kriege zwischen Paraguay 
nnd Brasilien (1864 bis 1869) wurde bereits erwähnt, dass die ersil 



Der gegronwärtige Stand der militäriBchon Luftschiffahrt. 129 

Dg bei dem Angriffe auf die Befestigungen bei Tayuti und 
ein günstiges Resultat ergab, die Brasilianer jedoch im weiteren 
des langen Krieges die Luftballons nicht wieder zur Anwen- 
4$hten. 

) größte Anwendung fanden die Luftballons, wie allbekannt, im 

ranzösischen Kriege 1870/71, und war es mit Hilfe derselben 

lern möglich, trotz der von den Deutschen mit bewundernswertem 

ausgeführten, vollständigen Cernirung einen Briefwechsel mit 

zu erhalten. Wie schon besprochen, muss der wesentlichste 

reichen die Ballons damals leisteten, in dem moralischen Effecte 

Verden, welcher durch die Ballon- und Taubenpost auf die große, 

egbare Pariser Bevölkerung ausgeübt wurde, und welcher wesent- 

L beitrug, den Widerstand der Belagerten zu einem so zähen 

anhaltenden zu gestalten. 

die Pariser Ballons direct militärischen Zwecken in der Art 
laben, dass durch dieselben Depeschen vermittelt wiurden, durch 
Jnternehmungen der Belagerten in Übereinstimmung mit der 
e ermöglicht wurden, ist nicht bekannt. Es könnte dies — 
?rhaupt geschehen — nur in einigen wenigen Fällen vermuthet 
da die große Mehrzahl der Ballondepeschen nur mit sehr 
den Verspätungen ihre Bestimmungsorte erreichten. 
II 60 während der Belagerung aufgestiegenen Ballons wurden 
Belgien, 1 nach Holland, 1 nach Solingen, 1 nach München, 
orwegen getragen ; 16 Ballons fielen in die feindlichen Stellungen, 
s fielen in das Meer, 1 Ballon verscholl gänzlich. 
?rlieutenant Schrainek bemerkt diesbezüglich: 
'enn wir annehmen, dass von je 3 Ballons 2 ihre Depeschen 
Ligen Zeit und unversehrt ablieferten, wenn wir uns ferner 
dass von Je 6 Tauben nur eine Paris erreichte, so ist die 
?inlichkeit für die Ballons '/g, für die Tauben */., mithin jene 
Erledigung der Depeschen überhaupt %, d. h. unter 9 ab- 
Ballons befindet sich nur einer, bei welchem alle Bedingungen 
»itung einer gemeinschaftlichen Action eintreffen." 
e Leistung von großer, direct militärischer Bedeutung ist jedoch 
usbeförderung Gambetta's aus dem ceniirten Paris mittels Luft- 
md es ist wohl nicht uninteressant, die näheren Details dieser 
kennen zu lernen. 

m 7. October 1870 gelangten Qumbetta und sein Secretär mit 
on ^Aimand Barbö"*, der überdies den Aeronauten und 20 Centner 
ften trug, aus Paris. Jenseits der Linie der Forts erhielten sie 



I 



i , 



130 Hess und wachte r. 

auf einer Höhe von 1900 Fuß Gewehr- und Geschiitzfeuer. Sie waren g 
zwungen zu steigen; aber bald begann der Ballon rasch zu sinken w 
kam auf einem vom Feinde verlassenen Lagerplatze zu Boden, u. zw. 
kleiner Entfernung von einem preußischen Posten. Durch Auswerfen V( 
Ballast erhob er sich wieder, kam aber auf 700 Fuß Höhe bei Creil abc 
mals in das Feuer einer Abtheilung Württemberger, welche jedoc 
größtentheils ihre Gewehre in Pyramiden angesetzt hatten; bevor di 
Gewehre ergriffen waren, hatte der Ballon durch Auswerfen von Ball» 
2500 Fuß Höhe erreicht, und von der nachgesendeten Salve kamen m 
wenige Geschosse in seine Nähe; eines davon verwundete Gambetta i 
der Hand. Auf mäßiger Höhe, welche der Ballon wegen geringen Au 
triebes nicht zu überschreiten vermochte, erhielt er aus einem Lap 
am Bande eines Waldes abermals einige Salven und gerieth schließlic 
auf eine Eiche, wo Gambetta durch Verwickelung des Takelwerks emif 
Zeit mit den Füßen aufwärts zu hängen kam, bis die herbeigelaufene 
Bauern den Ballon aus seiner gef&hrlichen Lage befreiten." 

Die Bef5rdenmg Gambetta's aus Paris war somit gelungen, abi 
allerdings kam derselbe in ziemlich buchstäblichem Sinne nur ,,ni 
einem blauen Auge" aus dieser AfTaire davon. 

Der Umstand, dass Gambetta in einer Höhe von 2500 Fuß = 800 
von den Infanterie-Gewehren noch erreicht und verwundet wurde, füh 
uns noch ziu* Besprechung eines Gegenmittels der Luftballons, welch 
wir bisher noch nicht erschöpfend berücksichtigt haben, nämlich d 
directe Beschießung derselben. 

In der That weist die Kriegsgeschichte mehrere Fälle auf, wo d 
Luftballons mit Erfolg beschossen wurden. 

Der Ballon von Fleurus wurde durch eine österreichische Battei 
(mit glatten Geschützrohren!) zum Höhersteigen veranlasst. Vor Ma 
beuge wurde derselbe Ballon durch Geschützfeuer verjagt; bei Ehre 
breitstein soll ein anderer Ballon zerschossen worden sein. Bei Bio 
mond wurde der Ballon durch das Geschützfeuer genöthigt, seine Positi< 
zu wechseln. 

Der Ballon „Armand Barbe" kam, wie erwähnt, dreimal in fein 
liches Feuer. Der „Washington", welcher am 12. October 1870 auffiil 
erhielt auf 500m Höhe ein lebhaftes Gewehrfeuer, einige Kugeln traft 
der Ballon sank, und es musste der ganze Ballast ausgeworfen werdi 
um ihn wieder in die Höhe zu bringen. Aber der Wind führte ihn ab( 
mals in feindliches Feuer. Indessen kam er nach einer höchst gefäü 
liehen Landung, wobei zwei der Luftfahrer von bedeutender Höhe s 



Der gegenwärtige Stand der militärischen Luftschiffahrt. 131 

im, Nachen geworfen wurden, der dritte aber gezwungen war, die 
MonhiUle mit dem Messer auäuschneiden, glücklich davon. 

Desgleichen wurden der „Daguerre" und der „Niepce" angeschossen; 
ersterer gerieth wahrscheinlich nur dadurch in Gefangenschaft, leteterer 
rettete sich mit Mühe. 

Die Pranzosen sahen sich durch das erfolgreiche Beschießen der 
Sallons zu nächtlichen Luftreisen genöthigt, welche aber unglücklich 
losfielen. Die Deutschen construirteu dagegen auf Grund der günstigen 
Irfahrnngen der Ballonbeschießungen eigene Ballongeschütze. Diese 
(fesehütze lagen, wie seinerzeit die österreichischen Tschaikenkanonen in 
imer Art Kollgabel, und die Bichtvorrichtung gestattete ein unmittel- 
liwes Verfolgen des Zieles ; die Hohlgeschosse wogen 1 Pfund, das Caliber 
ktmg ly, Zoll, die Anfangsgeschwindigkeit 1500 Fuß; das Geschütz 
wurde &hrend fortgebracht und aufgeprotzt bedient. 

Man sieht, dass schon die ersten Versuche, Ballons mit den 
modernen Feuerwaffen zu bekämpfen, sehr wirksam ausgefallen sind. 

Mit weniger günstigem Erfolge als in Paris kamen Luftballons 
k\ der im Felde stehenden französischen Armee (1870/71), u. zw. 
toptsächlich zu Recognoscirungszwecken zur Verwendung. Nach der 
Schlacht von Coulmiers^ richtete die Delegation in Tours für die Loire- 
iimee einen Ballondienst ein. Den betreffenden Aeronauten wurden 
160 Mann des 39. Linien-Regimentes zugetheilt, welche an vier Tauen 
im in Orleans mit Leuchtgas gefüllten Ballon etwa lOÄm weit nach 
Bttan bei Cercottes hinter die Front der Armee transportiren mussten. 
im 16. November fand die erste Becognoscirungsfahrt statt, jedoch war 
Hm Feinde nichts zu sehen; desgleichen auch am folgenden Tage nicht, 
h Nebel die Fernsicht hinderte. An den weiter folgenden Tagen trat 
Wind ein, welcher den Ballon hin- und herschleuderte und demselben 
kmtige Beschädigungen beibrachte, dass der Ballon nach Orleans zur 
Heparatur zurücktransportirt werden musste. Unterm 7. December wurde 
lodann von der Delegation die Organisirung von zwei Luftschiffer-Com- 
fagnien angeordnet, bestehend aus: 8 Aeronauten mit Kapitänsrang, 
4 Material-Chefs, 8 Operations-Assistenten und 300 Mann Bedienungs- 
lannschaft, ferner 2 Aeronauten in Tours und 2 anderen in Bordeaux, 
welch' letztere den Nachschub an Material zu leiten hatten. 

Die Thätigkeit dieser neu formirten Truppe war folgende: 

^Bei der Armee des Generals Chanzy in der Stellung bei Marchenoir 
faun die Compagnie zu spät und musste, in Blois angekommen, schleunigst 
umkehren. Nach Tours zurückgekehrt, erhielt sie Befehl, sich nach Le 
Mans zu wenden, woselbst die zweite Loire-Armee sich zu neuem Wider- 



132 Hess tuid Wächter. 

stände vorbereitete, aber auch hier wurde der richtige Moment verpasst 
Am 12. Jänner war der Ballon gefüllt zum Aufsteigen, als plötzlidi, 
Teranlasst durch die Misserfolge auf dem rechten Flügel, südlich tod 
Le Mans der allgemeine Bückzug eintrat. In Loyal machte sich die 
Compagnie von neuem an's Werk, doch setzte nunmehr der Waffenstill- 
stand ihrer Thätigkeit ein Ziel. Andere Ballons sollen nach Lyon, nach 
Besan^on zur Ost-Armee und auch zur Nord-Armee geschickt worden 
sein, über ihre Thätigkeit ist indessen nichts bekannt geworden.^ 

Die Ballonversuche der deutschen Armee im Jahre 1870 vor 
Straßburg und Paris wurden bereits erörtert; desgleichen geschah der 
neuesten Verwendung der Ballons 1884 in Tonkin und 1885 in Ägyptea 
bereits Erwähnung. 

Schln sswort 

Nach den im Vorangehenden gegebenen Daten und Erwägungen 
ergibt sich der kriegstechnische Wert der LufkschiflBahrt in ihren 
dermaligen Zustande als ein problematischer, jedenfalls noch sehr ein- 
geschränkter und noch keineswegs so intensiver, dass er zu dem Auf- 
wände an Zeit, Arbeit und Kosten, welchen die Einführung der prakti- 
schen Aßronautik in die Armeen mit sich bringt, in einem richtigei 
Verhältnis stünde. 

Der eine von uns hat vor mehr als 8 Jahren in einer Abhandlung 
über denselben Gegenstand *) das damalige, in den competenten Kreisel : 
unserer Armee ziemlich allgemein geltende Urtheil über die militärisch«^ 
Bedeutung der Luftschiffahrt wie folgt wiedergegeben: I 

„Dass verlässliche Luftfahrzeuge, mit einer wenig beschränkten 
Lenkbarkeit ausgestattet, auch wesentlich wirksame Kriegsmittel — »ei 
es für den Kecognoscirungsdienst oder für Postzwecke, oder als eigent- 
liche Kriegsschiffe — abgeben könnten, darüber kann wohl kaum eil- 
Zweifel herrschen, wenn man sich des weitgreifenden Einflusses erinnert^ 
den Eisenbahnen und Dampfschiffe auf das Wesen der modernen Krieg- 
führung genommen haben. 

„Die Technik verfügt aber mir über den gewöhnlichen, fast ein 
Jahrhundert alten Ballon in freier oder captiver Form. Alle bis tvm 
heutigen Tage an diesem Vehikel angebrachten Veränderungen sind un- 



M „Die Naturwissenschaften im Dienste des Krieges", von Philipp Hess, 
k. k. Hauptmann im (Jeniestahe. Wien 1878. E. W. Seidel & Sohn (Capitel 3: 
„LuftbaUons und Aöronautik", unter Benützung der am Schlüsse dieses Capitels an- 
gegebenen Quellen-Literatur bearbeitet). 



Der gegenwärtige Stand der militariHchen Luftschiffahrt. 133 

vesentlich für die Verwendung des Ballons zu Kriegszwecken. Mit diesem 
ursprünglichen, mangelhaften Apparat hat man also zu rechnen, und es 
Ij^ekt lebhaft f&r die technische Phantasie des Menschen, dass dieser 
myoUkommene Apparat — wenn auch meist mit unbedeutenden Erfolgen 
zu 80 verschiedenartiger militärischer Verwendung gelangt ist." 
„Die bis heute erworbenen Erfahrungen berechtigen zu der Ansicht, 
liss Luftballons in ihrem jetzigen Zustande zu Becognoscirungen nur 
in eaptiver Form, und auch da nur mit einem Erfolge zu verwenden 
and, der zu den aufgewendeten Kosten, Mühen und zu den Chancen des 
KiBslingens meist in keinem richtigen Verhältnisse steht, und der zumeist 
Mf anderem Wege besser und billiger zu erreichen ist. 

„Die Verwendung der Ballons zur Aufnahme von Terraintheilen 
«scheint ganz illusorisch, und die Benützung derselben zum Tragen und 
Loslassen von Zerstörungsmitteln an so viele günstige atmosphärische 
Bedingungen geknüpft und im Gegenfalle für die eigenen Truppen so 
gefahrbringend, dass man darauf, insbesondere bei der Leistungsfähigkeit 
inserer heutigen Feuerwaffen, nicht zurückkonmien wird. 

„Was endlich die Verwendung von Ballons zum Depeschendienste 
inbelangt, so ist sie immerhin in Fällen, wie bei der Correspondenz 
Wagerter großer Festungen mit dem Hinterlande, als ein vorzügliches 
inskunftsmittel zu betrachten, welches durch die Activirung der Tauben- 
post und durch die Benützung der Mikrophotographie an Leistungs- 
Ihigkeit noch enoim gewinnen kann." 

Dieses Urtheil haben wir heute, nach der Periode der ursprünglich 
m sehr bewunderten neueren Experimente mit lenkbaren Luftschiffen, 
lur wenig zu ergänzen, resp. zu modificiren. 
I Das lenkbare Luftschiff, im Sinne der militärischen Anforderungen, 
■ iit auch heute noch nicht erfunden, und es ist noch keine Gewähr dafür 
I vorhanden, dass schon die nahe Zukunft uns die Lösung dieses Problems 
I Vescheren wird. 

I Dagegen haben sich die Communicationsmittel zwischen cernirten 

f »der belagerten Plätzen und dem Hinterlande in den letzten Jahren 
durch die ausgebreitete Etabliining von Brieftaubenstationen einerseits, 
mderseits aber durch die sehr einfachen und wirksamen Mittel der 
•ptischen Fernsignalisirung derart vervielfältigt und verbessert, dass man 
ier Aeronautik auch für die Ausnahmsfälle, die hier in Betracht kommen 
könnten, immerhin entrathen kann. 

Die Verwendung des Captif-Ballons zu Zwecken der Aufnahme, 
Kecognoscirung und der Schusscorrectur ist endlich durch die Präcision 
der modernen Feuei*waffen und die leichte Entfaltung ihrer Wirksamkeit 



134 Hess Qiut Wächter. 

auch gegen Ballons erwiesenermaßen äußerst eingeschränkt, wenn i 
geradezu unmöglich gemacht. 

So «ist denn auch heute noch die Aeronautik, vom militari» 
Gesichtspunkte betrachtet, als ein Hilfsmittel anzusehen, weichet 
einigen äußerst speciellen Fällen unter Concurrenz mancher günst 
Verhältnisse und bei Abwesenheit störender Umstände mehr oder mi: 
gute Dienste leisten könnte, welches aber im allgemeinen nicht 
lässlich genug ist, um sich seiner in einer noch acceptablen Percent 
zahl von Verwendungsfällen mit Zuversicht bedienen zu können. 

Die Chance, mit einer entsprechend entwickelten und doti 
Luftschiffahrts*Organisation im Ernstfalle lohnende Erfolge zu em( 
ist noch zu klein, um den dafür mit Sicherheit zu verausgabe! 
Mitteln äquivalent zu erscheinen, und charakterisirt sich damit s 
heute noch der kriegsaSronautische Apparat als ein Luxusartikel, de 
Acquisition sich nur ein Land mit einem Überflusse von Hilfsquc 
gestatten soll 

Wien, December 1886. 



Der gegenv&rtige Stand der militärischen Loftechifbhrt. 135 



Inhalts- Verzeiclinis. 



Seite 

Itungr 63 

lilitär-a^ronautlsclieii Arbeiten der Gegenwart 64 

1. Frankreich 64 

«. England 67 

3. Deutschland 68 

4. Italien 69 

5. Eussland 70 

6. Belgien 71 

7. Nordamerika 71 

die militärisehe Verwendbarkelt der Luftballons 103 

Ä. Lenkbare Luftschiffe 103 

d) Lenkbare Luftschiffe als Becognoscinmgsmittel (eyentuell mit 

dem Hilfsmittel der Ballon-Photographie) 103 

h) Lenkbare Luftschiffe als Communicationsmittel im Kriege . . . 104 

Chancen der Lösung der Lenkbarkeitsfrage 104 

Hilfsausrüstung lenkbarer Luftschiffe. Grad ihrer Feldmäßigkeit 107 

c) Lenkbare Luftschiffe als Minenträger 108 

Reflexion über das Tempo des aeronautischen Fortschrittes . . 111 

B. Nicht lenkbare Luftschiffe 112 

a) Ballons captifs für Recognoscirungszwecke : 

a) im Feldkriege 112 

ß) im Festungskriege 115 

Ballons capHfs zur Schussbeobachtung 117 

6) Freie Ballons zum Boten- und Depeschendienste . 120 

c) Ballon- Signalis irung • 122 

d) Ballons zur Lichtprojection, resp. zur Beleuchtung feindlicher 
Arbeiten 122 

e) Ballon-Photographie 123 

/) Freie Ballons zu artilleristischen Zwecken (Ballon-Bombardement) 124 

Chancen der Verwendbarkeit der Montgolfiären und der Rozi^ren 126 

isherlsre kriegsmäßige Verwendung der Luftballons 127 

isswort 132 



14 



136 H e ■ 8 und W & e h t e r. Der gegepvirtige^ Stand etc. 



Literatur-Nachweis. 



% 



H. Moedebeck: „Die Luftschiffiüirt unter besonderer Berücksichtigt 
militärischen Verwendang". Leipzig 1886. ; jj 

f ischer-Treuenfeld: „Die Eriegstelegraphie*'. Berlin 1879. 

Tissandier: „La Photographie m Ballon*', Paris 1886. g 

Gabriel Ton: ^MaUHd Airo9talique Mmain". Paris 1886. ' 

L. Fignier: „L'Ann4e »eientifi^ue et indueMeüe''. Paris 1886. 

C. Schramek: „Über die militärische Bedentang der Luftschiffe and.j 
schiffiihrt*". Wien 1878. 

„L'Ä4ronaute*^: ^B^iUeUn menettel itUenuUional de la nmvigatUm aSriemä 
1868 bis 1886. 

^Zeitschrift des deutschen Vereines zur Förderung der Luftschiffahrt.' Beriii 
1886. 

Lob eil: „Jahrbuch der deutschen Armee und Marine*'. Berlin 1871 bis 1 

„Neue militärische Blätter. <* Berlin 1886. 

Ph. Hess: „Die Naturwissenschaften im Dienste des Krieges". Wien 1878i 
in diesem Werke ausgewiesenen Quellen. 

Sodann einzelne Mittheilungen der idlgemeinen Tagesliteratur. 

(Vgl. auch bezüglich der seit der Niederschrift dieses Artikels bekannt gl 
Organisation der deutschen Luftschiffährts-Abtheilung die diesfäl 
theilung: „Deutschland. — Veränderungen bei den tech 
Truppen vom I.April 1887 angefangen." Notizen, Seite 48, ii 
1. J. dieser Zeitschrift.) 



Taf/i 5, 



l w 



m. 




Tig.5Z,(^ioK 




Autü^inikkiajsMi'itCriMlf' 



137 



Avsftndische Versuche zur Schaffung von Gewehren mit 
verkleinertem Caliber. 

f. 
Nach den einschlägigen Publicationen zusammengestellt 

von 
k. Je. Hauptmann de» ÄrtiUeriettabe*. 



/ 



H I (ffiezu Taf. 8.) 

>| Die in der neuesten Zeit so vielfach erörterte Frage einer weiteren 
Henbminderung des Calibers der Infanteriegewehre unter die heute in 
den meisten Armeen eingeführte Grenze von rund 11mm repräsentirt 
«igentlich nur das Wiederaufleben einer von hervorragenden Fachmännern 
schon vor Jahrzehnten eingehend gepflogenen Discussion über die Caliber- 
frage bei Gewehren, u. zw. aus Ursache des allgemeinen Überganges 
»rfBepetirwaffen. Wir verweisen diesbezüglich bloß auf die weltbekannten 
^^h von W. von Plönnies; „Neue Studien über die gezogene 
ftuenraffe der Infanterie. Darmstadt 1861 und 1864" (L, Seite 182 
^dff.); dann „Die deutsche Gewehrfrage 1872" von demselben Verfasser 
öDdE Weygand, Seite 106 bis 109, dann 221, wie 225 •), weiters 
»Die Ballistik der gezogenen FeuerwaflFeu" vom holländischen Infanterie- 



') hl dieser Schrift wurde aruf die Nothwendigkeit der äußersten Verminderung 
des Calibers hingewiesen und bedauert, dass bei dem Übergang zum kleinen Caliber 
nicht genau dem Schweizer-Modell von 10"4mm gefolgt wurde. Die beiden Autoren 
plaidiren ftlr das Caliber von 10mm mit einem 2Sg schweren Geschosse, welches 
bei genügender Präcision, bei einer Ladung von 5 bis 6^ die Anfangsgeschwindigkeit 
▼ön nind 500m erlangen sollte. Diese Zahlen : Caliber 10mm mit mindestens 3^ 
Blei und 007 bis OOSg Pulver pro 1mm' des Geschossquerschnittes wurden von 
den Verfassern als Grundlage der Reform nach der ballistischen Seite hin bezeichnet. 

16* 



138 



H 1 z n e r. 



Haiiptmanti J. v a o Dam v a u I s s o 1 1 ( dt^iitsrh \ nn H, Weygand k 
Seite 203, daan 207 u, ff, il il m. 

Vor Kurzem hat der östeiTeichische Artillerie-Major N. Ritter 
von Wuich in seinen Vorträgen an der k. k. Armee-Sehützenschule, 
welche mit Geöehniigung des Keichs-Kriegs-Ministeriiims unter dem 
Titel: „Anwendungen der Tabellen der Schieü-Iustruction und einiger 
ergänzender Tabellen''* veri^ffentlicht wurden, in dem 11» Vortrage die 
Calibeilrage bei den Handfeuerwaffen eingehend besprochen. 

Mit Rucktjicht auf den Lesekreis diei^er ^Mittheilnngeu**, welchea 
die vorcitirteu Werke gewiss bekannt und zugänglich sind, glauben wir 
unter Verzichtleistuug auf eine eingehende ErÖrtiTung der Vor- und 
Naehtheile, die einer weitergehenden Verminderung des Gewehrcaliberg 
zugeHchrieben werden, dieselben hier nur kurz anfahren zu dfirfeii. 
Es sind dies einerseits die balliytisehen Vortheile einer Vermehrung 
der Bahnrasanz, Vergrößerung der Schussweit© und Schusspräcision, 
dann der Durchschlagskraft, anderseits der für die Schnellfeuerwaffö 
der Infanterie eminent wichtige, praktische Vortheil der Verringerung 
des Patronen-Gewichtes, wodurch hauptsächlich die nothweudige Erhöhung 
der MunitioDS-Dotation des Soldaten wie auch der Munitions-Reserve 
ermöglicht ist *). 

Als wesentlichster Einwand gegen jede Möglichkeit einer l^alibei^ 
Reduction galt bisher die Thatsache, dass die Festigkeit des Laufes 
mit der Verringerung des Bohrangsdurchmessers rasch abnimmt und 
derselbe sehr leicht Verbiegungen ausgesetzt ist. Eine Vergrößerung 
der Wandstärke sowie Anwendung eines besseren Guss-Stahls vermag^ 
dieser Befürchtung wohl in gewissem Maße abzuhelfen; anderseits mus» 
jedoch bemerkt werden, dass heutzutage diesem Umstände weniger 
Gewicht beiznlegi^n ist nachdem eine Verwendung des Gewehres mit 
gepflanztem Bajonnett zum Handgemenge seltener geworden ist, so dasd 
man auf diesen Ausnabtnsfall allein nicht mehr die Construction der 
Feuerwaffe zu basiren braucht Es dürfte auch kaum eines der jetzigen 
Neumodellc ein töchtiges Handgemenge mehr aushalten, wie der russiseh- 
türkische Kri^g 1877/78 beweist. Der Kampf bei Gorny-Dubuiak z. B, 
war so heftig, dass Bajonnette und Kolben abbrachen und sogar Verbie* 
gungen des Laufen der Berdan-Oewehre vorkamen •). 



^) In t weiter Lina* wird ikorh die rvliitiTi) Erleichterung ilor pNtrononlidlaeii 
iriHtrcbcn sein» um ilftii to<lti3 Gcwi<^Ut der Patron«* thnnticbst xti v**mündem 
«) ^Jfthrbachi^r t^r dk* d<»uti*ehi! Aimee ind Muiii«*' 1882, Seit« 971 



nsländische Versuche zur Schaffung von Gewehren mit verkleinertem Caliber. 139 

Die Eeinhaltnng der engeren Bohrung idt gewiss schwieriger 
«Torden, dürfte aber doch nicht solchen Hindernissen begegnen, um 
ä Princip zu alteriren. Ebensowenig sind die Befürchtungen bezüglich 
r Vergrößerung der seitlichen Ablenkung der Geschosse bei rationellen 
mstructionen stichhältig. 

Obwohl nun die Frage einer weitergehenden Caliber-Beduction in 
ist allen Staaten einer eingehenden Würdigung unterzogen wird, so sind 
lennoch wenige derselben — soweit aus Journalnachrichten verlässlich 
^escklossen werden kann — zu einem ganz befriedigenden Besultate 
gelangt, was für die großen Schwierigkeiten zeugt, welchen die an- 
scheinend leichte Lösung der Patronenfrage in der Praxis begegnet. 

Die kleinen Staaten können sich dem Beispiele der großen Militär- 
rtaaten bezüglich der ßepetirgewehre nicht entziehen, anderseits besitzen 
rie meist Gewehre größeren Calibers als letztere (Schweden, Dänemark — 
Bemington-Gewehre mit 12'12wm und ll-44ww Caliber; Belgien — 
Albini -Brändlin, ein älteres Modell mit nur llww), so dass sie natur- 
gemäß beim Übergang zum Eepetirer auch das Caliber wechseln und 
gleid auf die untere Grenze* hinabgehen. 

Aus diesen Gründen halten wir es für angemessen, imseren Lesern 
an der Hand der uns bekanntgewordenen Journalnachrichten den Stand- 
puntt zu kennzeichnen, welchen die auswärtigen Versuche zur Schaffung 
von neuen Gewehren kleinsten Calibers bis jetzt gewonnen haben, woraus 
sich die auf diesem Gebiete noch erübrigende Thätigkeit beurtheilen 
l«sen wud. 



Schweiz. 

Gleichwie die Caliberfrage far die Neubewaflfhung der Infanterie 
nach langjährigen Experimenten mit verschiedenen Caliberstufen von 
15'9 bis 9mm durch Annahme des Normal-Calibers von 10'4wm im 
fahre 1863 ihren Abschluss fand *), so ist es auch diesmal die kleine 
Schweiz, wo durch den Züricher Professor Heb 1er und durch Major 
^öbin zuerst der Weg einer ausgiebigen Caliber-Beduction betreten 
urde. Die „Allgemeine schweizerische Militär-Zeitung" Nr. 25 und 



«) ,AUg. Schweiz. Mil.-Ztg.", Nr. 14 v. J. 



140 ^^BHH^^ z 

Nr 21> vciiü Jahre 1882, macht uümlich die erste Meldung vou den 
durch Frolessor Hebler in Zürich mit einem (lewehre von S'^mm aus- 
gefahrteu Versuchen. Hiebei hatte der Lauf vier breite, concentriscli« 
Züge niit Olbmvi Tiefe und 28ümm Drall ; die Ladung von 4*5^; Rott- 
weiler Gewebrpulver ertheilte dem 3'öww/ Csililjcr laugen, 18*2^ ach wereü 
Hartbleigeschosse eine Anfangsgeschwindigkeit von 500«*. Im Laufe der 
Jahre hat Professor Heb 1 er sein Uewehrsystem vervollkommnet und 
ist schließlieh bei dem Minimal-Caliher von 7'53mm angelangt. Die 
diesbezüglichen privaten Studien und Ejcperiraeijte veröffentlichte er in 
einem — erst kürzlieh erschienenen — Buche: ^Das kleinste Caliber 
oder das zukünftige Infanteriegewehr'', auf welches wir i^päter zarück- 
kommen werden. Bereits im Jahre 1879 hatte ^ich aber Major Kuh in*), 
Director der eidgenössischen Munitionsfabrik zu Thun. in Erkenntnis der 
Unmöglichkeit, die ballistische Leistung des I0'4m7« Infanteriegewehred 
durch Vergrößern der Ladung, Anwendung eines brisanteren Pulvers und 
schwererer Geschosse etc. wesentlich zu verbessern, ohne andere Nach* 
theile — wie u. a. z. B. heftigeren Rückstoß, schwerere Patronen, geringere 
Schusspräcision — in den Kauf zu nehmen, veranlasst gefunden private 
Studien und Versuche mit Waffen kleinsten Calibers (9» 8"5 und 8mm) 
zu beginnen, welche ihren ersten Edblg und Abscbluss in einem Gewehre 
von 9iwm Caliber erhielten. 

Außer dem starken Drall kennzeichnete dieses System das Kupfer- 
raantelgeschoss — welches sich ganz besonders zur Erzeugung großer 
Kotationsgeschwindigkeit und sicherer Führung eignet — und das Principe 
welches für die Anordnung der Pulverladung gewählt wurde; letztere 
bestaml nämlich aus einem einzigen Korn oder Kuchen, dem durch 
Pressen die erforderliehe Dichte gegel»en ward, was gestattet, selbst bei 
großem Lailungsverhältnis eine verhältnismäßig kurze Patrone anzu* 
wenden. 

Nachdem Ladungsverhaltnis, Drallcurre und Geschossform richtig 
ausgemitt4*lt waren, konnten bereits im Frühjahre 1881 die ballistischea 
und Präcisionsdaten erhoben und dem schweizerischen Militär-Departement 
vorgelegt werden. 

Die bei diesem ersten Verjjuche verwendeten 9mw Patronen hatteo 
Cftntralzönduog und eine K<^>miu'imirte) Pulverladung von 4*7j Puher 
Nr. 3, rundes Korn. 



<) ^Schwell. Zeitii'iinft für ArUUerie und Ueoi«-, Ht?ft XI v J. 1883. 



asländische Versuche zur Schafi^g von Gewehren mit yerkleinertem Caliber. 141 

Das Gewicht des Geschosses betrug 205^, dessen Länge 3*6 Caliber, 
L einer Querschnittsbelastung von 0'3g pro Quadratmillimeter und mit 
chfolgenden Leistungen: 



Distanz 


Elevations- 


Einfalls- 


Be- 
strichener 
Baum 


50**/o Abweichung 
nach der 


Halb- 
messer ftti 

50% 
Schüsse 






Win 


kel 




Höhe Seite 


n 





' 





i 


m 


cm H 


100 




11 




11 


220 








aoo 


, 


23 


. 


24 


286 








300 




36 


, 


39 


364 


8 


6 


12 


iOO 




48 


, 


56 


117 








500 


1 


3 


1 


15 


84 








600 


1 


19 


1 


36 


65 


12 


18 


23 


700 


1 


35 


2 


1 


52 








800 


1 


53 


2 


28 


42 








900 


2 


12 


2 


58 


35 


27 


16 


41 


1000 


2 


33 


3 


31 


29 








UDO 


2 


54 


4 


8 


24 


7 








1200 


3 


18 


4 


48 


21 


4 


62 


51 


87 


1300 


3 


43 


5 


33 


18 


5 








1400 


4 


7 


6 


20 


16 


1 








1500 


4 


38 


7 


14 


14 


2 








1600 


5 


5 


8 


12 


12 


5 


85 


73 


115 


1700 


6 


39 


9 


16 


11 











1800 


6 


13 


10 


26 


9 


8 








1900 


6 


47 


11 


39 


8 


•7 






. 


2000 


6 


25 


13 


1 


7 


•8 


240 


87 


285 



Da voraussichtlich die gegen die normalen 10'4wm Gewehre weitaus 
güngtigeren Versuchs ergebnisse des Systems Bubin namentlich bezüg- 
lich der Kasanz der Flugbahn bei weiterer Verminderung des Calibers 
durch Anwendung günstigerer Ladungsverhältnisse noch verbessert werden 
konnten, wurden die weiteren Versuche auf Gewehre von 8'5mm und 
8mm Caliber ausgedehnt. 

Die Patrone des versuchten 9mm Gewehres mit ^'7g Pulver und 
20j Geschossgewicht ergab nämlich bereits einen erheblichen Rückstoß, 
^0 dass mit diesem Caliber so ziemlich das Maximum bezüglich Gestreckt- 
heit der Flugbahn erreicht war, da eine Vergrößerung der Ladung den 
fiückstoß noch verstärkt hätte, welcher Umstand allein Veranlassimg gab, 
"och kleinere Caliber zu probiren. 



142 



Hol z B e r. 



Die Geschosse d^r :8'Ef.mtn und 8mm Cäliber wurden dem 9mm 
Kupfermantelgcschoss geometrisch ähnlich erseeugt 

Zu den im Jahre 1882 unter Oberaufsicht des Waffen-Chefs der 
Infanterie, Oberst Feiss, beginnenden officielleu Versuchen wurden 
zunächst je vier Vetterli-Gewehre mit den Calibern von 9mm, 8'5mm 
und Smm auf Distanzen von 300, 600, 900, 1200, 1600 und 2000m 
experimentirt, dann auch die Anfangsgeschwindigkeit, Durchschlags- 
kraft etc. bestimmt. 

.le vier solcher Gewehre gleichen Calibers hatten unter sich den- 
selben Drall jedoch Züge von wechselnder Zahl, um gleichzeitig den 
Einfluss dieser letzteren zu constatiren. 

. Von den vier Gewehren hatten je zwei 5 Züge und je eines 4. 
bezw. 3 Züge, wobei die Felder gleich breit wie die Züge gehalten 
waren. 

Munition und Waffen hatten folgende Abmessungen und Gewichte 
und ergaben nachstehende Resultate: 



Gewicht des Gi?schossei mit Kupfermantel . , 
Gewieht der Ladung (Nr 3» Rundkcnii) . . . .. . 

Än&tipgeAelLwiiidigkctt r,i 

Leb<?ndige Kraft des Gese-böases auf 25#»i Tor 

der Mündung ,......,.,,...,.«...* 

RücVHtofi ,,.. .-,^. 



<'aliber in mm 



S'5 



15 
505 2 



18 
4 76 
464 7 



9 



2Ü 
4 75| 

458 t 




kiidi:i(rhf' Vewuche zur SchafTung von Gewehren mit verkleinertem Oaliber. 143 



'>i5tanE 




Caliber 


5OV0 Abweichung nach der 


Halbmesser für 1 
50«. Schüsse 1 




Höhe Breite 


- 


mm 


« 




1 


9 


8 


6 


12 


:j(>o 


1 

1 


8-5 


7-5 


6 


12 




8 • 


6 


6 


9 5 




1 


<J 


21 


15-6 


287 


ÖOO 


1 


8-5 


18-3 


13.3 


25 




8 


16-5 


16 5 


23 7 




1 


9 


33-7 


87 


48-7 


<>V) 


) 


8-5 


29-3 


24-7 


48 




8 


28 


28 


46 




{ 


9 


78 


78-5 


163 


1:^K) 


8-5 


71 


27 


82-3 




8 


52 3 


37-3 


82-7 




1 


9 


228 


164 


249 


i»;i>*> 


1 

) 


8 5 


171 


65 


198 




8 


118-5 


56 A 
119 — 5 


142 5 




1 


9 


600 


665 


5000 


) 
1 


8r> 


880 


150 


475 




1 


8 


271 


111 


337 



Die einzelnen, nicht unter durchaus gunstigen Verhältnissen 
össenen Trefferbilder zeigten, dass die Anzahl der Züge bei dem 
rendeten Geschoss-System keinen Einfluss auf die Treffsicherheit 

Zur Ermittlung des Durchschlagsvermögens wurde gegen ein Ziel 
osf^en, welches aus mehreren, auf 9cm Entfernung hintereinander 
nden 3cm Bretterwänden von l*8m» Fläche bestand; die nach- 
ide Tabelle enthält die bezüglichen Resultate: 



r> i j^ t a n z m 


400 


800 1 


Calibor j mm 


8 


8 5 


9 


8 


8-5 


9 


.ihl <ier von allen 11 Sohüsaen 
'icr^h^chlajf^non Wünii*» ..-,-.... 


7 
8 
2 
1 


7 
10 

1 


7 
10 

1 


3 
10 

1 


5 
9 
1 

1 


8 

10 

1 


''"h*«'hla>fon<ie t 
,1 ui- U-. if ♦»schösse in der) 
.^«.«.bhebene ^ „ochsten Wand) 

r»--rh!Ä^ene 1 



I 



144 H 1 2 A e r. 

Zar UDtenachiiiif. inw ie w eit ein starker Wind die Flugbahn der 
Geschosse beeinlliuiäe. wurden Ter^eichsweise mit den Bubin-Gewehrei 
der Caliber ^mm^ S'omm and 9mm« dann dem 10'4mm Ordonnanzgewehr 
Soheibeabilder anter ganz gleicher Loftströmang geschossen, nachdem 
schon früher -üe vier Yersuchsgewehre bei Windstille genau auf dei 
Zielpunkt einsieschossen worden waren. 

Die hiebei erzielten Resultate ergaben, dass nicht die Größe dei 
Calibers* sondern vielmehr die Größe der Querschnittsbelastung und 
lebendigen Kraft des Geschosses dasselbe widerstandsfähiger gegen seit^ 
liehe Abweichungen infolge des Luftdruckes macht. 

Die durch den starken Drau erzeugte große Rotationsgeschwindig- 
keit des Geschosses machte eine das Überreißen der Züge verhindernde 
solidere Führung desselben nothwendig. als sie durch den Papiermantd 
gewährt wird. 

Infolge dessen war beim System Subin schon damals das Ge- 
schoss mit einem Kupfermantel versehen, welcher automatisch mittdi 
der Geschosspresse gleichzeitig mit dem Prägen des Geschosses über 
dasselbe angepresst wird, so dass auch bei der Massenfabrication die 
Herstellungskosten sich nur um den Metallwert des Kupfers erhöhen und 
mit Berücksichtigung des geringeren Bedarfes an Blei per Geschoss so 
ziemlich die gleichen bleiben, wie bei den gebräuchlichen 10'4wi Geschossen 
mit Papiermantel. 

Zum Centriren in der Bohrung haben diese Bubin-Geschosse erster 
Construction in einem Theile unmittelbar hinter der Geschosspitze den 
Durchmesser der Bohrung, während im weiteren Verlaufe der Durch- 
messer des cylindrischen Geschosstheiles kleiner als der Rohrcaliber und 
fTst am rückwärtigen Ende demselben wieder gleich ist. Am Boden länft 
überdies das Geschoss in einen stärkeren Theil aus, welcher allein die 
P'ührung des Geschosses in den Zügen bewirkt. 

Nachdem die officiellen Versuche mit den drei Calibern Smü-^ 
H'fmjn und 9mm bei ersterem Gewehre die besten Resultate sowoÜ 
b<v/üj(lic.h dfr Rasanz der Bahn als der Schusspräcision ergeben hatte»-» 
H(» wurdf» der Laufcaliber noch weiter auf 7*5 wm verringert, um di«* 
uiiicrHt*' (in»rize desselben für die Erhöhung der ballistischen Leistunge^i 
zu «Tinitteln. 

Da di(^ Patronen für die Verwendung beim Vetterli-Repetrr- 
iiM-clijuiisniuM eine zu große Länge {8lmm und darüber) hatten, sO 



Ausländische Versuche zur Schaffung von Gewehren mit verkleinertem Caliber. 145 

machte Major Kubin längere eingehende Versuche, um die Patronen- 
l&nge herabzumindern, ohne an Anfangsgeschwindigkeit einzubüßen, in- 
dem er auf die Verwendung von Schießbaumwolle und comprimirtem 
Pulver überging und mit letzterem endlich auch günstige Kesultate 
erzielte. 

Die aus diesen Versuchen zunächst hervorgegangene 8mm Patrone 
hatte 67mm Länge, ein Geschoss von Ibg Gewicht, fasste 5*4^ com- 
primirtes Pulver mit einem centralen Zehrloch und ergab eine Geschwindig- 
keit F25 = 552m ; mit dieser Patrone wurden weitere Versuche durch- 
geführt. 

Für ein 7'5mm Gewehr, welches gleichfalls comparativ erprobt 
werden sollte, wurde eine Patrone mit einem 12g schweren Geschosse 
nnd mit der Ladung von 5'^g construirt, welche eine Geschwindig- 
keit F25 = 600m ergab. 

Bei beiden Patronen zeigte sich — trotz der erheblich größereu 
Geschwindigkeiten — kein besonderer Gewinn an Kasanz der Flugbahn, 
weü nicht auch gleichzeitig die Querschnittsbelastung entsprechend erhöht 
worden war. 

Nachdem diesem Umstände durch Vergrößerung des Geschoss- 
gewicktes — wobei die Patrone um 2mm länger (69mm) ausfiel — 
Bedmung getragen worden, erfolgte die Beschaffung von je drei Stück 
ftuTO und 7'6mm Gewehren (mit je 3 Zügen) und deren Erprobung im 
Jahre 1883. 

Nachfolgend sind die wichtigsten Daten dieser Gewehre und die 
dimit erhaltenen Kesultate angeführt: 



Öeschossgewicht 

AnzaU der Züge 

Ladung (besteht ans einem einzigen comprimirten 

Pulverkom) 

lÄnge der Patrone 

Geschwindigkeit (25m vor der Mündung) 

Energie (25m vor der Mündung) 

Maximum des bestrichenen Raumes bei 1 * 8m Zielhöhe 



C al 1 1) e r 



8mm 



16-4^ 
8 

big 
69mm 
542m 
265milr^ 
436m 



7* 5mm 



14-5^ 
3 

5-4^ 
69mm 
563m 
257m% 
460m 



146 



H 1 z n e r. 
A. Flngbahnverhältnisse. 



Distanz 


Elevations- 


EinfallB- 


Bestrichener 
Kaom für Ita 






w 


i n k e 


1 bei 


m 






Zielhohe heim 










Cal 


i b e r 








7-5mm 


o^'ft 


7 • 5w«» 


öwiwi 


7*5wm 


8inin 


m 





< 


1 4 





t 





1 





t 


100 




6 




7 


. 


7 




9 






200 




12 




15 


. 


15 




17 




, 


300 




21 




24 


. 


25 




28 


, 




400 




29 


. 


34 


• 


37 


. 


41 


214 


173 


500 




39 


. 


45 


• 


51 




56 


128 


115 


600 




50 




57 


1 


8 


1 


14 


93 


85 


700 


1 


2 


1 


9 


1 


28 


1 


34 


71 


66 


800 


1 


15 


1 


23 


1 


51 


1 


57 


56 


58 


900 


1 


30 


1 


39 


2 


18 


2 


24 


45 


43 


1000 


1 


46 


1 


55 


2 


49 


2 


54 


37 


36 


1100 


2 


4 


2 


14 


3 


25 


3^ 


28 


30 


80 


1200 


2 


23 


2 


38 


4 


6 


4 


7 


25 


36 


1300 


2 


44 


2 


55 


4 


52 


4 


50 


21 


81 


1400 


3 


8 


3 


18 


5 


45 


5 


38 


18 


18 


löOO 


3 


34 


3 


43 


6 


45 


6 


29 


15 


16 


1600 


4 


2 


4 


10 


7 


52 


7 


32 


13 


14 


1700 


4 


33 


4 


39 


9 


8 


8 


38 


11 


18 


1800 


5 


6 


5 


11 


10 


32 


9 


52 


10 


10 


1900 


& 


4E 


1 ^ 


45 


12 


6 


U 


18 


8 


9 : 


200f» 


6 


n 


6 


3? 


13 


50 


1$ 


41 


7 


8. 



»4«^ 




^m 



hcht Ver8ii*^he «ur Hchaffang von G€ wehren mit verkleinertem C&liber. 147 



jberinifim 



mo 



7-5 8 



600 



7 5 8 



9(10 



7-5 8 



12CH} 



7^5 8 



IGOO 



7 5 8 



20OO 



7^5 



* 



Höhe 

Breite 

KadiuE 



L7'0 13 0; 



53 
15-7 



IvO 
15 7 



^3-3 23 7 
10-3 10 
28 0127 7 



20l'3 

96 3 

1263 



Der Kückfitolt betrug bdm — - mm Caliber 

8 



11 
17 



m kg. 



Obige Pracisionsdaten sind im Verbältni.s zu jenen des I0*4mwi 
lomianzgewehrfs auf den nalten Distanzen um M%, aef den großen 
|10O*/^ günstiger. — 

I Behufs Ermittelung der zulä8.sigen Toleranzen des Bohrungsdurch- 
fMrs beim Smm Caliber wurden zwei Gewehre, u. zw. je einen mit 
f» Qud 7'Smm Caliber hergesteUt. Bei Anwendung der normalen Smm 

£"ßofl (5'4^ Ladung, 16*4<; Gesehotiöge wicht wurde die Präcision auf 
Distanz noch nicht naehtheilig beeinflusst, weshalb man Bohrungs- 
lenzen von 4: 0*2mm noch als zulässig erklärte* 

Wie aus den vorstehenden Tabellen ersichtlieh ist» waren die Flug- 
Verhältnisse, sowie die Pnicisioni^ergebnisse bei den zwei verbuchten 
bera ziemlich gleich, während die Fercussionskraft des 7'5wim trotz 
fttedeutend größeren Anfangisgeseh windigkeit des Geflchosses hinter 
migen des 8mm Gewehres zurückbleibt; iiaebdera ferner die Be- 

Kimd das Reinigen der üewehrläuie mit dem Kleinerwerden des 
schwieriger wird, so erklärte man fTir die Praxis das Smm 
Is untere Grenze für Kriegsgeweh re. 

Die Eubin-Patrone vom Jahre 1883 charakterisirte sich durch die 
eentralem Zündeanale in die Hülse vor dem Einziehen (Konussen) 
letzteren eingepresste Pnlverladung, dann durch das KupfermanteJ- 

K, welches seinen gröOten Durchmesser am Boden-Ende hatte, 
es auf ein kurzes Stück (ca- Bmm Höhe) cylindrisch geformt 
gegen die ogivale Spitze zu sich schwach konisch zu verjüngen. 
Geschoss ist vom Pulverkorn ohne Zwischeiilage eines Fettpfropfens 
I ein dünnes Carte nplättchen getrennt; es ist außen mit Virginia- 
lin, einem Mineral fett, eingefettet. 




U8 



i l z n e r 



In den Figuren 1, 2, 3 der Tafel 8 ist die Kubin*äcbe 8mi» Patroneo- 
Ulse 7or und umh dem Laden, daa KupfemukDialgdBehasa, eadlidiwdk 
Patrone M. 83 dargestellt, 

1 ^Nacbdem schon im Jahre 1883 in der Schießscbule zu M aUen- 
^dt 15 ftir die Rubin-Patrone ron 8mm transfonnirte Vetterli-G^wehit 
itait ganz befriedigendem Erfolge Tersncbt worden waren *), gelangten im 
Jahre 1884 allein 130 Kepetirgewehre M. 1869 zur ausgedehntere! 
Erprobung bei der Truppe, welche Gewehre mit Ersatzläufen des Callber^ 
7'5 und 8mm versehen und nach Bedarf für die längere Patrone her- 
gerichtet waren ' ). 

«Es handelte sieh aufler der Beobachtung des Unterschiedes in den 
ballistischen Leistungen und der Bückstoßwirkung auf den Schützen auck 
um den Versuch, ob im Falle eines Überganges zum kleinen Caliber dift 
schweizerischen Bepetirgewehre der verschiedenen Constructionsstufeii 
umänderimgsahig seien, bis zu welchem Grade und mit welchen Kosten. 

„Diese Versuche hatten bis Ende 1884 ihren Äbschluss nichl 
g^efunden. Wohl wurde ein sehr günstiges Ergebnis für die ballistische 
Leistungsfähigkeit des Lauf- und Munitionssystems Bubin constatirt, wo- 
gegen dessen Anwendbarkeit, rückwirkend auf die gegenwärtige Bewaffnung, 
mit gutem Erfolge und Kechtfertigung der Kosten fraglich erschien. 

fJ&B wurden daher diese Proben im Jahre 1885 fortgesetzt und 
erweitert namentlich nach der technischen Bichtung der Frage hiiL 
Rrfahrungsgeniill? kann oft eine Änderung an Lauf und Munition anstandslos 
bei der Coni^truction einer neuen Waffe angewendet werden, wogegen 
diese Anwendung auf eine nicht dazu specieU gebaute ältere Waffe 
Anstünde erfahren kann, welchen zu begegnen man nicht von vornhereifl 
erwartete. Dies gilt namentlich filr die schweizerischen Bepetirgewehre 
mit ihren verschiedenen Constnietions- und Ausffihrungsstufen*). 

liDie neueren Besultate der ofßciellen schweizerischen Versuche 
werden nicht mehr ven>ffentlicht. Laut der militärischen Tagesliteratar 
Rind iudt»s griißere Verbuche in Wallenstadt, sowie in den Officiers- und 
lUiterofticiers-Schiellschuleu befriedigend ausgefallen, jedoch ist von einer 
Uinllndernng der auch heule e>r$t recht noch wissenschaftlich bervor- 
Itf^nden »rhweiiertschen Oniomiani-Bepetirwaffe M. 1869 81 des Calibfr« 



V .L*)bi^rii *Uhn**Wrichte' pi\^ 1883* ä^t^ite 374 

•) «Alln »ohwi'U MÜ^Xtir • Nr. 5 vom 17 Jinner 1885 

•i •.AHic M^l»w«^i» Ui\ ,Zt|E • Kr a v«wa U Jinaer 1885. 



(landiäcbe Versucli^ ziir Sdiaffung von Gcwebnui mit vorkJcMnertenii CuHber, 149 

[mm noch immer nicht die Rede ^l Oberst Feiss» Waft'en-Cbef der 

üterie, spricht in seinem neuesten Buche Tom Jahre 1886: ,,Die 

eizerisehe Infanterie, ihre Entwickeinng iiiid Fortbildung", die Ansicht 

dass eine Abändenmg des jetzigen Gewehres auf das kleinste Caliber 

nicht genügen werde, sondern dass die Herstellung einer neuen 

— im Anschlüsse an die vielseitig versuchte kleiiicalibrige 

ne — in's Auge zu fassen sei*)." 

Im Mai 1886 wusste übrigeDS die „Darmstädter Allg, Milit.-Ztg.^ 

melden, dass die schweizerischen Schießversuche im Jahre 1885 

blicli die Herstellung einer Patrone für das Caliber 7'7mm (?) 

eckten, wobei eine Ladung von 4'5^ eomprimirten Pulvers verwendet 

trotz dieser gegen früher hedeutend reducirten Ladung immer noch 

Anfangsgeschwindigkeit von Vis = 553m des 14.7 schweren Geschosses 

finales 10*4mm Gewehr 440wi und ein maximaler bestrichener Raum 

V8m Zielhohe) von 440 bis 450m erreicht wurde. Als Vortheil des 

n Patronen-Modells wurde ferner bezeichnet dass die Hülsen 10 bis 

Dal hintereinander mit Kriegsladung verwendet werden konuen, was 

I M. 83 nicht möglich war, nachdeoi hier — wie früher erwähnt — 

Piilver in die konische Hülse eingepresst Und letzterer erst hierauf 

I FlaacheBfonri gegeben wurde. Nach dem ersten Verschießen der 

irfeo Patrone mit comprimirter Ladung war daher ein erneuei-tes 

gsen derselben in der Hülse nicht mehr ausführl>nn weshalb Rubin auf 

hier später — in dem Abschnitte ^ Schweden^ — näher beschnehene 

rone mit Bing überging, welche in obiger Meldung der „Darmstädter 

f. Miüt.-Ztg."* auch gemeint sein dürfte. Überhaupt ist die neueste 

mckelung des Patronensystems E u b i n bei der Beschreibung der 

medischen Versuche gegeben, da hierüber schweizerische Quellen nicht 

Hegen. Im Militär-Wochenblatt Nr, 9 vom 29. Jütiner meldet Major 

«ygand, dass wahrend der Herbstübuogen 1886 drei Bataillone mit 

von Oberst Feiss befürwoiieteu 8 mm Repetirge wehre bewaifnet 



Wie auf Seite 140 angeffüirt ist, wurden auch von nicht militäri- 
4er Seite* nämlich dem Professor F. W. Heb 1er (ehemaliger Artülerie- 
Bdlt) in Zürich schon im Jahre 1882 die Resultate von Versuchen 
St emem Gewehre verminderten Calibers veröfleutlicht. Dasselbe hatte 



*) ,Löbcll*8 Jaliresberiehte** 
•) ffLobdVs Jahresberichte'^ 



pro 1885, Seite 448. 
pro 1885, Seite 323 




150 ^^^^^^S H o 1 z n e r. 

8*Bmm Caliber, vier concentrische, 0*2 mm tiefe Zü|^e mit 28rwj Drall- 
länge und schmale Felder tum leichten Einsclineiden des Hartblei- 
geschosaes. Letzteres war 32'8mm, d. i. 38 Caliber lang, war aaf 24inm 
Höhe mit Papier umwickelt und hatte ein Gewicht von 18^, somit eine 
Querschnittsbelastung von 0'3i5^^/. Die lose eingelullte Ladung von 4'% 
Rottweiler Gewehrpulver ertheilte dem Geschosse die Anfangsgeschwindig- 
keit von 600 m; die Patrone war 86 wm lang und 35^ schwer. Da« 
Gewicht des Gewehres betrug 4*3% und es war der Rückstoß um ^ia 
Drittel geringer als beim Vetterli-Gewehr. Die bestrichenen Räume waren 
sehr bedeutend, so t. B, ergab sich das Maximum des bestrichenen 
Raumes für l'8m Zielhöhe mit 405 w für die Visirschussweit^ von 
343i» *), 

Die spanische Schießschule zu Toledo erprobte im Novem- 
ber 1883 ein Hebler-Gewehr von 8*7mm Caliber im Vergleich mit dem 
llmmOrdouimuzgewehr, System Kemington. Unsere „Mittheilungen** haben 
hierüber bereits im Jahigang 1884 auf Seite 50 der ^Notizen** berichtet» 
weshalb wir — unter Hinweis auf jene Zeilen — heute nur kxin 
erwähnen, dass das versuchte Kleincalibergewehr bessere ballistische 
Leistungen aufwies als das normale Gewehr (i. B. Fi = 528nt gegen 
416m), aber auch bedeutende höhere Gasspannuugen in der Bohrung 
erkeunen ließ^ als sie bei dem llmm Gewehre gemessen wurden, sofeme 
man in beiden Fällen das lose (in Kömerform) eingefüllte Pulver ver- 
wendete. Hebler^s damalige Bohruugs- und Patronen-Constructioa iat in 
Tat 8, Fig. 4, 6. 6 dargestellt, während die folgenden Figuren seiiit 
neuesten Projecte, aufgebaut auf langjährige Versuche. versinnlicheiL 
Charakteristisch ist hiebei der Übergang zum Comprimiren der Ladung, 
jener vom papierbemllntelten Qeadioflse schließlich zum StahlverbiiDd* 
(Compound-) Geschoss, die Verminderung der Zugzahl und Vergrößerung 
der Dral länge u. a. m. 

Außer iu Spanien ist Heble r's damalige Oewehr-Constmctioji 
auch in Schweden erprobt worden : das Wissenswerteste hierüber iit 
an späterer Stelle dieses Berichtes angefahrt und auch aus der Be- 
schreibung der schwedischen Gewehrversuche im Jahrgänge 1885 unsotr 
».Mittheilungen**, Notizen, Seite 19 und ff.) zu entnehmen. 

Aq dieser Stelle bescluränken wir uns auf die Darlegung des letxtn» 
von Professor H e b l e r als vollkommen ausgebildet beieichneten Modells 



n »UWU's JfthmVenekto'' pro 1888. S^itif 375 




Ausländische Vcrsncli« mr SchartijnjBf von Gewt?hr«ni mit verltleinf^rteni Caliber 151 



?iaer Kleinealiber-Gewehr** unrlfiil^on l»iebeiljiyq>t&!;lchlich Heineiu Werke: 
>a« kleinste Caliber oder da^s zukünftige Infanterie- 
gewehr", welches als Frucht seines Hiebenjährigen Studiums angesehen 
rerden mus8. Natürlich können wir da.s Entwicklnngsstadiuni des Svi^^tems 
lebler nur i» groflen Zügen kennzeichnen und verwf'isen jeden Wifls- 
pgierigen auf da^s vnrgenaniite Buch, dessen Ausführungen in der heutigen 
^Gährungsperiode"* äulierst interessant und zeitgemäß genannt werden 
fen. 

Professor Hehh'F beginnt mit der Praei.sirung aller Vortheile der 
reitergehenden Caliber-Verkb.*inerung, wie sieh ihm selbe bei seinen 
ttehr als siebenjährigen Versuchen dargestellt haben, und nennt ak 
[»Icke * ) : 

„1, Die leichtere Munition, 

^2, GroOere Rasanz der Flugbahn, also größere bestrichene Käurae, 

„3, Größere SehusspriiciHton. also kleinere Radien der Streuungs- 



^4, Größere Durchschlagslcraft der Geschosse. 
^6. Geringere Ablenkung des Geschosses durch Seitenwind. 
^6. Humanere Verwundungen (nur bei Anwendung von Compound- 
?e»eho8sen). 

^7, Verminderung des Ruckstoßes;" 

Die wichtigste Frage, jene nach dem Minimal caliber, beantwortet 
lebler aiii' Grund seiner langjährigen Versuche mit verschiedenen Calil)er- 
fiD (8*7, 8, 7*5 und 7mm) dahin, dass mit Rücksicht auf das Bohren 
Imid Ziehen des Lautlos, sowie dessen Reinigung noch ein Caliber von 
I ungeKbr 7*5wim gewählt werden könne, bis zu welcher Grenze auch be- 
kanntlich Major Eubin herabgegangen ist. Hebler erprobte neun ver- 
schiedene Drallängen u. zw. 36, 32, 28, 24, 22, 20, 18, 15, 12 und 
10fi>*, dann Geschosse von allen möglichen Längen uiid etwa 40 ver- 
schiedenen Formen, deren Material aus Weichblei und mehreren Legirungs- 
arten von Hartblei (Blei mit Zinn, Blei mit Antimon, Blei, Zinn und Anti- 
mon) bestand; weiters erprobte Hebler eine Reihe von Dichtungsscheiben 
Äiiu Wachi^, aus Paraffin, aus einem Gemenge dieser beiden Stoffe, 
f'artoii und auch Filz, in Wachs getränkt, Leder, Kautschuk, Kork u* s. w» 
Es «rurde auch mit verschiedenen Zugtiefen experimenttrt, von O'OH bis 



') Die im Verlauf^l5 dieser Schrift folgenden Citate — soweit ukhi an Ort 
Stelle eine Andere Quelle angejL,'ebeii — ötamiiieii durchwegs ans* dem oben 
^en neneeten Hehler sehen Werke, A. <i K. 

17 



J 



152 



H i> l z n r, 



0*3^?//, ferner mit breiten vuid Si'hoiaU'n Felderru mit t^ckigoü uml au 
germideten Ziigen, sowie mit verschiedener Anzahl fi(T Züge (12, 8, 6, ij 
Man versuchte dahei Geschosse ans Weich- oder Hnrthlei, u. zw. ok 
und mit PüpieniirihüUung. mit Kupfer- und Messingmantel iverU»thet nfl 
unverlothet), endlich GesehoHse mit verlüthetem Stahlraantel, kurz 
nach jeder deokharen Kirhtung hin wurde experimentirt. 

Aus* allen seinen seit sieben Jahren ununterbrochen fortgesetit 
Versuchen folgert nun Hebler, dasta tur das kleinste Caliber von ca. 7*5ii 
Geschosse mit Papienimhüllung nicht verwendbar seien, weil sich info^ 
der grollen Anfangsgeschwindigkeit und des starken Dralles der Lauf schfl 
nach einigen Schüssen zu verbleien Ijegaiin. liesonders bei warmem» 
trockenem Wetter und schnellem Schiellen, Xuch seiner Ansicht miuf 
daher ein Mantelgeschoss in Anwendung kommen. 

Hiebe! zieht Hebler, gestützt auf seine Versuche, die Geschosse 

Stahl mantrd ') allen anderen Mantelgeschoss^*n bei weitem vor. und h" 
bedfirfen dieselben behufs ihrer guten Führung nur sechs abgescliragt^r. 
ausgerundeter, concentrischer Züge mit sehr schmalen Feldern, wie selbe 
als ^Hebler'sches Zugsystem" patentirt wurden und in Taf. 8, Fig, 7 dar- 
gestellt sind. 

Es entfallt hier jede Dichtungsscheibe t Wachsspiegel etc.) liint^r 
dem Geschosse, deren Entbehrlichkeit in dem Ruche länger nachgewieseo 
erscheint. Der Kern des Geschosses besteht aus 97" ^ Blei und 3" ^ An- 
timon und ist dem Mantel verschmolzen; dieser ist aus papierdönnem 
Stahlblech erzeugt, das gegen vorne zu an Dicke (bis zu r5wiwi ii»- 
nimmt und gut ausgeglüht wird, bevor man es innen stahlrein ma 
und verzinnt 

Nach Heblefs Angaben, die sich auf die Comparativ-Versuc 
mit verschiedenen Geschossen in der Fabrik Lorenz iö Carl 
und von Oberstlieutenant Dr. Bircher in Aarau i Schweiz) stützen, 
forrairt sich dieses, in Fig. 8 dargestellte Frojectil beim Durchsclilagen von 
weichem und hartem Holz nicht im geringsten, beim Durchdringen von 
Erde, Sand etc. nur sehr unbedeutend. Seine Anfangsgeschwindigkeit i^t 
um 7— 10«! gröDer als jene eines Kupfermantelgeschosses. üeberhaB 



*) D&s verlftüiete (Terschmuhene) Stahliuftatvl-Compuund-Gescho«« wurde sei 
im Jahr^^'un^e 1885 der „Mitlheilungon" wicdorbo!t bt?sprocli»Mn u tw in Notii 
Seite 63, BflcluT- Ameise, 8eitc 31 an«i 40. so «las^ nur auf j**ne SteUen xa verwüli 
ist, um Kälteres lu i^rfahren A. d. IUm 



AaslÄüdJsche Versuche stur Sehaffutig von Ge\v*)hr(3ii mit vcTkleiriertPin CiiHber 153 

chr<«ibt Hebler dem LoreDz'^ctien (Jompouiid~(Tescrho88 gegenüber der letzt- 
|enannten Geschosscon^triiction folgende Vortheile zn: 

„1. Der Stahlmantel ist 4- bis 5nial hilliger uls der Kupi'ernmntel. 

^2, Ersteres fiesehoü^s deforrnirt sich beim Durchdriiigen eines Körpers 
w\ weniger, bat daher eine viel gröüere Durchschlagskraft als das 
upfenuantelgeschoss. 

„3. Der gefettete Stablmaiitel erhält sich unverändert, während 
der Kupfermaiitel blau und grün anlauft und die Tauche durch den 
GrönspäD verdirbt, 

y,4. Ein Stahlmantel- VerbundgeschosM erzeugt viel humanere Ver- 
wnndaiigen als ein unverlöthetea Kupfergeschoss, weil es sieh nieht leicht 
deforrnirt wie dieses und der Kern sich nicht vom Mantel trennt, letz- 
rer also nie wie dort zersplittern kann'). 

^ß. Ein Stahlmantel-Compound-Geschoss hält einen so starken Drall 
18, dass es bis auf große Distanz *<tabil bleibt, während dies beim 
upfermantelgeschoss (verlöthet oder unverlöthet) nicht zu erreichen 
ieiii soll. 

^6, Ein Stahlmantelgeschoss erzeugt keine Bhitvergiftung, wenn es 
im Leibe stecken bleiht^ während dies beim Kupfermantelgeschoss, resp. 
teinein Mantel, der Fall sein könnte, worüber indes die Aerzte bis jetzt 
[noch nicht einig sind." 

Aus einer Keihe von Versuchen mit neun verschiedenen Drallängen 
folgerte Prof. Hehler die Nothwendigkeit, dass bei der von seinen Patronen 
enielten Geschoss-Anfangsgeschwindigkeit V^ von rund HQOm die Drallänge 
Tftn I2cm erforderlich sei, um den etwas über vier Caliber langen Ge- 
»chossen bis auf die größten Gewehrdistanzen eine vollkoiunieiie Stabi- 
lität der Rotationsaxe zu sichern ; das GeschoHs hat hiehei beim Ver- 
lassen der Mündung pro Secunde eine Tourenzahl von 5000 Um- 
drehungen. 

flDem Bedenken, dass durch die Stahlmantelgeschosse die Felder 
'Dl Laufe stark abgenutzt oder gar zerstört werden, stellt Hebler die 
ThaUache entgegen, dass aus einem Laute 1500 Schüsse mit solchen 



*) Alfl Beleg für fliesen Aafi.spnn'h dient-ii die Versuche th^ii deutseli'.'ri liMinTal- 
'Uites Dr B. von Beck, weicht? dieser in einem großen Werke niedergtde^t liut, 
^^ in den „Mittlieilung:en** vom Jühre 1886, Bückt^r-Änzeiger» Seite M, W- 
^mhen wtirde A d IL 

17* 



154 



H o l in e r 



Ue^choaa^en gemacht worden »iod, ahn«t auch nor die geiiagslis AIk 
nCltzung des Laufes zu zeigen. Er behauptet die^bezügUclu da» iai 
IniMTi* des Laufes sogar immer feiner and sehöoer auspolirt mid dadnitli 
widerstAiulsfabiger gegen die chemischen Eiuwirlnuigea d^ PalTergaÄ 
werde. 

^Es sei nämlich lu bedenken« dBss sich die schmalen Felder nkH 
in den Stahl einschneiden, sondern dass äe den papiefd&niieB, gut wm- 
gegMhten weichen Stahlmantel \ Stahlhiiitdieii) bloß abUeges mmi m d» 
weiche Oe^chossmaterial eindrücken iL iw. genau m wie bei etnüm Knpfff* 
oder MessingmanteL"* Erst naeh Abgabe einer anßerordettUkli graOeo Aa- 
lalil Sehüase ans demadben Laufe dürfte — nadi Hebler> Attädit — 
eine merkbare Abnttning der Felder festzusleUeii sein. 

Professor Hebler propoüirte ursprUnglicfc Ar mm leCilei SMacaliber- 
Gewebr (7-53aiM) Patnmen mit eintihei&geii od iwfjtkeSig«, aaSen nad 
imm Temckehen StaUktHsea, to« tem crstere mit 4*% lagern EatByaliia, 
Mall«« mit &*li9 eamprinuftm Pwlver gd^ 

Itilliajim iiiiiil !■ fli « Fifciiii i a 1 miil 10 flutpirtiill 'bianiiilfiii flu am ilia 
sribea aidit m entBelmif!Bdeii Dates sri ttmuM» iam in betieA fWes Im 
lA F|g.fi vnsmalkMe StaU- 

wwrle; te Gewielit der 



'2 1»^ 



Vi vrafs^gape ww 



wTv^wt^ liOMima ami 






lltMlJ 



iKländischc Versuche im Schaffung wm fjpwaliren mit verlcle liierte m Caliber 155 



108 



i Dem Gewicht»! nach geheo auf 80 Mauser-Patronen ' Stuck 
[ 102 

^theilige Patronen. 

Den Anlass zur Construction zweitlieiliger Patronenhülsen fand 
ifessor Hebler hauptsächlich in der Nothwendigkeit, den Maximalgas- 
ck in der Hülse möglichst zu erniedrigen, nachdem schon die ein- 
igen Patronen (4'8y loses Pulver) einen solchen von 2500 Atmo- 
Iren ergaben* ohne sich jedoch zu klemmen. 

Das Comiuirairen eines hiezu besonders geeigneten, specifisch 
bteo Pulvers (S == 1'41) bis zur vollständigen Erzielung eines eom- 
m Körpers mit centralem Ziindcanal glaubte nun Hehler am besten 
bli theilhare Hülsen bewerkstelligen zu können, deren Detail-Anordnung 
ig. lOri skizzirt ist. 

,Die stühlerne, außen und innen vernickelte Hülse besteht aus dem 
"e c mit dem Kapsel und aus dem beiderseits offenen, in gewöhn- 
r Weise ausgearbeiteten Schafte a, m welchen nacli dem Laden 
ehliiell von rückwärt^s der Kopf eingepresst wird, dessen Hals l beim 
nsse die Patrone innen gasdicht iibschlielU. Das Laden dieser Patrone 
iiieht derart, dass der Schafttheil - mit dem Geschossraum abwärts 
D eine Matrize gesteckt wird, wobei ein fixer Stempel diesen Batim, 
6 jenen für einen centralen Züiidcanal ausfüllt. Zum Comprimiren 
rendete Hebler ein eigenes, zuerst von der Pulverfabrik in Eöhnsahl 
tötphalen) hergestelltes Pulver von geringerem specifischen öewicht 
die üblichen Sorten, bei welchem der Gasdruck infolge der gänz- 

rtAufhebnng der Form der einzelnen Korner und der schichten- 
n Verbrennung von innen aus, trotz der hohen Guschossgeschwindig- 
?ou rund 600m nicht gröiier war als gewöhnlich. Nach dem Pressen 
Ladung von b'^^ in eine compacte Masse (mit einem centralen Caual) 
fd der Hülsenbodeii eingeschoben, bis sein Rand auf jenem des Schaft- 
i\m festsitzt. 

^Nach dem (gebrauch kann der Bodentheil wieder herausgestoßen, 
t der Hülse gereinigt und so wiederholt verwendet werden." 

Die Gründe zur Annahme dieser gewiss complicirten Adjustirnngs- 
ise sind in dem Hebler'schen Buche eingehend erörtert, wo auch Rubin^s 
|ere und neuere Methode der Patronen-Adjustirung besprochen sind, von 
Den erstere darin bestand, dass in die Hülse vor ihrem Einziehen der 
aprimirte Pulverkörper eingeführt wird, worauf sie oben auf den 




15t) 



H *) 1 Ä n i' r 



(ie8chossdiirehTiiesser Miogezogen wurde. Bei der andt*reii MetliiMiowiT 
nach dem Einbringen des Prilverkorpers ein metallen««!' Ring eiügpHchobeji, 
in weichten das Gesclioss eingesetzt wird. Beide Vorgänge finden nicht 
den Beifall Hebler's, 

Trotz der mit stählernen zweitheiligen Patronenhülsen und coni- 
primirtem Pnlver erzielten günstigen Resnltate war Profesor H«^bler 
dennoch fortwährend bedacht, i»ine einfachere, billigere, leichter an- 
zufertigende Munition ftir «ein 7'6mm Qt^wehr zu NcbafTen, Wie nun die 
Daruistfidter „Allgemeine Militär-Zeitung^ in Nr, 92 vom 17. N<w 
vemher 1886*) nach einer directen MittheDiing HeblerH berichtete, 
kinniti* zu Ende October die Frage der geeignetHten Munition für Klein* 
caliber-Gewehr endgiltig als gelöst angesehen werden. Zu jener Zeit 
waren in Carlsruhe behufi^ Auffindung des znm Coiuprimiren geeignet2»teil 
Pulvens drei specitisch leichtere und vier speeifisch schwerere i^ulver- 
sorteu der eingehendsten Prüfung unterworfen worden, von denen 
eine dichtere Pulversorte der Fabrik Konsahl (WeHtphalen) den Steg 
davontrug. 

Während der Anwesenheit des Erfinders in Carlsrnhe gelang 
Herrn Lorenz, ein Verfahren zu entdecken, um das Pulver in der 
Wühnlicheu eintbeiligen Patronenhülse zu pressen, wogegen es dem Pc 
fessor Hebler geglückt ist, das Pressen des Pulvers in einer solci 
Weise vorzunehmen, dass hiedurch die innersten Schichten, welche 
Wand des Züudcauals Inlden, am dichtesten werden (radiales ('om^ 
priniiren»; dadurch hoII der maximale Gasdruck bedeutend erniedrigt 
werden. 

Da nnn das Pulver direct in der eintheiligen Hülse coraprimirt 
wirdt so ist die zweitheilige Patrone ganz aufgegeben worden, 
nachdem die neueste Adjustirungs weise eine bedeutende Vereinfachung 
und Krieicliterung, sowohl in der Erzeugung der Hülsen, als auch belia 
Comprimiren des Pulvers repr&s4Mitirt '). 

^Die Hülse lüsst sich viele Male gebrauchen; sie enthüll keind 
Ring iHolilcylinderh worin das Geschoss steckt wie dies bei Itubil 
neuestem System der Fall ist Über den Comprimir-Apparat, sowie ül 
die Art de» Comprituirens werden nähere Mittheilungen nicht gemac 
and nur erwähnt dass Herr Lorenz die Pateute auf die Art des Cot 



*i Abur nach imintr nicht gunt vUtt^h la nennen i«t- 



A d Hvt] 



I Ausliudisclit' Versuche zur SrhaflFuii^' vuij fiowelirtri mit vijrkl*fiiifrtt*m CaÜbiT 157 

^riioirens in der r-inthdli^c^n Hülse auf seinen Xaiu(*ii und seine Kosten 
' auuint^ wälyend er ProfeH8or Hebler i^nen Antheil am Gewinne gibt, 
weÜ es ihm gelungen Ist, da.^ Ceraprimirverfahreii so einzurichten, dass 
dadurch der maximale Gasdruck beträehtlieb erniedrigt wird. Die Erlinder 
sriiid ferner von der Verwendung der Patron enli üLsen au« 
Stahl a b ff e 1 m m e n , weil die Fabrieation solcher Hülsen viel zu 
schwierig ist. und verwende n nun wieder Messinghülsen, u, zw. 

rgeiiaonte h a r 1 1( e % o g *- n e Messingliülseiv welche fast ebenso elastisch 
od wie diejeni*^fen aus Stahl, 
^Auch am Geschosse ist eine kleine Änderung vorgenommen 
j Wurden; sein Gewicht il4*%) ist dasselbe geblieben, aber seine Form 
Hptwtä raodifioii*t worden; statt nämlich dasselbe vollständig cylindrisch 
za halten, wie bisht-r, besitzt es nun, wie Fig. 11 'ztdgL rückwärts einen 
tnrzen cvliiidrisehen Theil von \mxm Länge, diesem folgt ein kurzer 
Konus von %mm Länge, dann i^n langer, schwach konischer (beinahe 
tt)'lindrischer) Theil auf welehen die ogivale, vorne abgeflachte Oesehoss- 
^»pitze folgt 

^Der vordere, beinahe cylindriscbe Theil des Geschosses passt 
xwiMihen die Fehler des Laufes; es muss sich also nicht mehr die ganze 
^HillgiB (mit Ausnahme der Spitze) des Geschosses vollständig in die 
HBi)ge einpressen, sondcM n nur eine Länge von 5 Ids 8mm und der übrige 
^vordere) Geschosstheil nur theilweise: dadurch wird die Hcibung ver- 
ringert. 

^ ,J>a3 Geschoss hat dabei, wie die Versuche gezeigt haben (auch 

Wi erweitertem Laufe), immer noch vollkommen genügeade Führung, 

5^1 al»er um \mm länger geworden (34 statt 33?«^), Die soeben he- 

Mihriebene Geschossconstruction ennoglicht es zugleich» hetreftend den 

RDereu Durchmesser des Laufes, gröbere Toleranzen gestatten zu können, 

es bisher möglieh war, iiideui man einfach den normalen inneren 

nrchmejiser des Laufes etwas kleiner nimmt, als es bis jetzt der 

LFall war. 

pDie Patron e n b ü l s e besteht, wie schon gesagt, aus hartgezogenem 
MeiisiDg, ist 60//H/i lang und hat überhaupt ganz genau dieselbe äullere 
[Form und die nämlichen äußeren Dimensionen wie die bisherige ein- 
theiligü Hülse; sie wiegt 13'9// und ist so solid, dass sie 40 Iiis 50 Mal 
gebraucht werden kann. Die Länge der Patrone beträgt l%mm. Das 
iieschoss steckt \^mm tief in der Patronenhülse; es lässt sich von der 
Hand bloß 3 bis ^mm tief in dieselbe einschieben; hierauf wird es Ids 



^ --^ 



160 



H f> 1 t n 



„2. Bif' Schiisspräoisiou koiiiiiit jinier des normaleu 11 mm Gewehr«« 
bei Verwendung des neuesten PatronennuLsterH M. 79/83 gleich, 

„3, Die Eindringungstiefe in einen Buclienklotz auf 50m Eütferoung 
betrug beim ^/IXmm Gewebre I] /10c??t; die Tannenhrdzscheibe wurde 
vorn 8mm (rescboHse auf 2000ffi Entferniiii^ dureliseblagen : auf 2050fli 
tand man einen Biium d^^s angrenzenden Waldes ganz flurehsehossfit 
Da^ Durcbschlagsvermögen des 9mm ilewelires ist jenem des nonnalea 
llTwm. fast gleich. 

^Biene Ee^ultate hatten die roinmission der Normal-SeliießschuU 
bewogen, in ihrem SchlussbericMe beim Krieg^ministerium die Einstel- 
lung der Versiiidie mit dem ^mm Gew^ehre als gegenstandslos zu bejui- 
tragen, dagegen die Erprobung des 8w/m Gewehres in größerem Maßtitahe 
vorzuschlagen, da letztere WaftV die grollten (*haiicen für die Zukunft 
habr. Hieliei sollte jedoch das Gewicht des Gew^ehres (durch Dünner- 
DJUi'hen des Laufes) um 100//, d, i, auf 4^12/v/, jenes der Patrone um^l 
auf 30_^ reducirt werden. Weit(*rs enipfaiil die Comuiis.sion die ein- 
gebende Erwägung der Frage, ob es nieht empfehlenswert, die 811« 1 
Läufe iii die Versehlössgehäuse des Gras-Gewehres M, 1874, nadr 
dem Abschneiden der normalen 11mm Lünfe, einzuschrauben. Sollt^ö 
die Ausdayervt'rsuche dies zulässig erscheinen lassen, so hatte die Trann- ' 
forniation der Infantcrie-Bewaflnung mit verhältnismäßig geringeren 
Kosten und in kürzerer Zeit vor sieh gehen können," 

Wie das französische Militärldatt ^L' Armee iernionah^ g^g^ 
Ende November 1885 berichtete, sollte die parallel mit der Normal- 
Schießschule exiierimentirende Uewehr-Studienconimission unter General 
Tramond damals die definitive Annalmie des kleinsten Calibers von 8»*«, 
sowie die Verwertung der vorhandenen Läufe des llmm Gras-öewehr«8 
ÄL 1874 — durch Einziehen einer FuttinTnhre — anzutragen beah- 
sielitigt haben, nachdem man für die 8mm Patrone eine ent-sprecheöd^ 
Gesehossform, sowie ein leistungsfähiges Pulver gefunden zu haben glaubte, 
Ib'züglich dieses Kleincaliber-Gewehres fehlen uns niihere Angaben, dock 
bringt .JJAtimir mlihurt'^ mit einem Artikel vom 26. August 1886 
wieder eiiii^i-s Licht in dieses Dunkel Derselbe behandelt die Repetir- 
gewehrfrage und führt unter anderem an, dass di*^ damals in der Truppen* 
erprobung stehenden Uiivm Iie]i et irgew(4ire sieb nicht besonders bewülirt 
haben sollen. Während dessen hatte die Gewehrcommission unter Gene 
Tramond ihre Versuche mit zwei Modellen von 8mm Gewehren 
gesetzt, deren eines von der staatlichen Gewehrfabrik, das andere voT 
der Xormal-Sehießschule vorgelegt wurde. Ihre Verschiedenheit bestteht 



»ländisrlu* Versufhi^ zur SohiifTuB^ von Gcweliren mit verkleinertem Caliber. IQ\ 



Ißtlicti nur im Yerschlu^äsmeclmDismus ; jener des ersteren Modelle 
|eiiem des Svstems Vetterli nachgebildet, wobei die Pulvergase tu 

Richtung der Laufaxe vt>iü Verschlusskolben aufgehalten werden. 

ODter dem Namen ^fmä jwrmal'^ odt*r ^ßml Ltihd^ *) auch y.fmii 
Chälons'' bekannte Hwnm Gewehr schitißt ein Stahlmantel-Verbund- 

oss, bei welchem der Kern üus Blei, der Mantel aun Stahl besteht. 

ibe erhält mit dem ..pöittlm V** eine Anfangsgeschwindigkeit von 
(?). Der balli^tisehe Wert des Lebel-(jewehre.s ist fiist doppelt so 

^s jener des llmm Gewehres IL 1874, und die Streckung der 
n eine solche, dass hiedureh noch SchätKungsfehler beim Ein- 

Ben ausgeglichen werden, tVu* dnjipelt m groÜ sind, als sie beim 

Modell zulässig waren. 

Im October 1886 wussten die französischen Blatter zu l>erichten, 
1 der Kriegsminister gelegentlich seiner Anwesenheit in ChiUon« von 
Leistungen des ^fmil Jiormal'' sehr befriedigt gewesen sein soll 
faaf braebtp xuerst das Journal „ Vo/fmrtr die Nachricht, das,4 die 
feDfabrik zu Tnlle mit der Lieferung von 10.000 Gewehren des 
«ms Lebel beauftragt worden sei, welche nach ihrer Fertigistellung 
die Truppen in Tongking (an 10 Bataillone) und die 30 Fulljäger- 
jliUono ausgegeben werden sollten. Vor ihrer Einführung bei der 
»D-Irifanterie sollten aber noch gröOere Veri^ucbe in ('babuis und 
^nne stattfinden. 

Diesmal wurde auch schon * ) die Anfangsgesehw^indigkeit des vorne 
BrirteQ und aur rückwärts in den Zügen geführten Stahlmantel- 
chosses genauer — mit 530?i/ — angegeben, wobei das vom 
igen Brigade - General Brugöre iChef den Militärcabinets des 
ndenten) ertundeae Pulver zur Verwendung kommt, welches wenig 
leh, fast keinen Knall und einen geringeren Rilckstolt als das bisher 
jche hervorbringen soll, 

i Bezüglich dieses Präparates werden wir durch den Namen des 
liderd sofort — in Erinnerung an unsere Schulzeit — auf die Natur 

leiben als Pikrat geführt. Brugcre hatte bekanntlich noch als Capi- 

\e der Artilh^rie im Jahr(! 1869 ein aus ca. 54 Gewichtstbeilen 
nsaurem Ammoniak und 46 Tlieilen Salpeter bestehendes Schieli- 

iTer - von Professor Abel als Pikrinpulver bezeichnet — vor- 
lagen, welches daouüs mit etwas geänderter Dosirung auch als 



') Kaeb dem Coininandaiiteri der Ni>mittl-Schieß!ichule zu riiuKiii.s, ÖWrst Leliel. 





162 



H l X II f r, 



GeKohoss-Sprenglsdiing Rir Granaten bis 23cm CalibPr mit Ladnn| 
bis 19*6% olino Unfall vorsiicbt wurde. 

Als Eigenschaften des Pikratpulver« von Brug^re werden 
Seite 740 des ^T\*mt4 sur la poudre, le^ rorp» explmift d, la 
tt'chme par Dvsotimux, ISTS"^ angegeben, (Iehs es weniger hygrogkäpii 
sei als das gewöhnliche SchieOpulver, bei gleicher Gewichtsmengt* stä 
wirke als letzteres, viel weniger festen Eückstand (hauptsächlich koblj 
saures Kali) hinterlasse — welcher überdies die Laufwandung uicht 
greife endlich dass das Pikratpulver sehr wenig und fa,st geruchlo 
liauch ergehe. AI^ da8selbe bei meinem ersten Auftreten beim CImHi«e|| 
Gewehre erprobt wurde, leisteten 2*ö</ dieses Präparates ehenHOviel 
die normale Ladung von 5*5^ Schwarzpulven 

Nach der von Brug^re damals aufgestellten theoretischen For 
für den Z«^rsetzurigs- Vorgang seines Fikratpulvers sollten z, B, U 
desselben 69*l4j gasförmige Producte und als Rest feste Bestandthc 
ergehen, welch' erster« bei 0* Temperatur und 7i)0min Barometers 
ein Volumen von 52*05/ einnehmen sollten; eine direete BestimmnAl 
hatte aber nur 48/ ergehen* Vergleicht man dieses Resultat mit den] 
gleichnamigen Angaben von Bimsen und 8 chischko ff betreffs 
gewöhnlichen Gewehrpulvers (19'049/), so findet man filr das Verhält 
der beiden Volumen der erzeugten Gasiiiengen den Wert 2*5:1. 

Brugere nannte sein Pulver aneh sehr stabil, gefahrlos zu 
zeugen und zu handhaben, dem gegenüber jedoch sein Preis 4 Fra 
pro Kilogramm — etwas hoch stand. 

Ob und inwieweit dieses Pikratpulver v, J. 18tJ9 mit jenem 
parate von Brugöre identisch ist, welches neuestens für das Lei 
Gewehr angenommen wurde, Iflsst sich nach den diirftigen Journal-Na 
richten nicht heurtheilen; ebenso fehlt uns der Beweis, ob die diel 
Pulver zugeschriebenen glänzenden Eigenschatlen sich auch in der Pra 
bewilhrten - namentlich was sein Verhalten gegen atmosphari»cJ| 
Einflüsse: Feuchtigkeit etc., dann bei längerer Aufbewahrung anhell 
-- wenn man eben nicht die in Frankreich angeblich erfolgte Aunal 
des neuen Präparates') schon als voUgiltigen Beweis für dessen vi»l 
Entsprechen ansieht. 

Was nun die Erprobung der 8wim Lebel-üewehre hei den 'rrup| 
Qbelangt, so meldete der ^hot/reä määaire^ Ende December If 



*j VN elchi'« w:ilir^«'lH*inlirh untrr ätm iin früherer StcUe tTwähnti'ii ^pnn 



Tpwurlif ttir Schaflftmg von Gewehren mit ?erkleiii<?rtein Caliber. 163 

|ittB die dftmaljS beuiidigte& Verbuche des 20. Jä^er-BHtaillQii8 ui \ er- 

bezAgUcb der Tragweite, Seliusöpräcision und Handhabimg eheiiüo 

«QjigeüiUen seien* wie die Proben in Chälons und bei den Grenz- 

Hienaeh wäre die ümäudenuig der lüfanteriebewaffnung ali* bevor- 

itt betrachten gewesen. In dieser Voraussetzung war bereits ini 

!ct 1886 eine französische Comniission unter demOeneral-In^pectar 

fnwe^^DS, Oberst Graf», nach Nordamerika entsendet worden ')» um 

eiop Anzahl Bohrmaschinen etc. fttr Oewehrläufe kleinen Caliber« 

^n, nachdem die Patent-Inhaber solcher Maschinen vollkoinmenster 

deren AnfiTtigung in Frankreich nicht g«\sta.tten wollten, 

^ionnmitglieder haben sich nun am 27, November v. X mit 

im« tines in Amerika zurückbleibenden wieder nach Frankreich 

nachdem zuvor bei den Firmen : P r a 1 1 - W h i t n e y & Comp* 

^Bir t f o r d, J n a s & L a m p H n zu W i n d .s r, I L ü r o w n & S h a r p 8 

iffÄTideDCe Maschinen für die Oewehrfabrication um den Gesammt- 

foii angeblich fünf Millionen Francs bestellt worden waren, Sobald 

PO in df»n drei Fabriken: Saint-^^tienn^, Chätellerault 

rolle aufg^^Ätellt üein werden, sollen täglich 300 Gewehre geliefert, 

iiie bbherigo LeiÄtuugsfShigkeit verdreifacht werden können. Die 

ra Tulle hätte angeblich die Erzeugung tler Smm Gewehre schon 

ler beginnen Hollen, um bis zum Frühjahr eine größere Anzahl 

oeaeo Waffen fertig zu stellen. Ob diese Massen - Erzeugung 

wirklidi begonnen hat, und wie weit dann dieselbe vorgeschritten 

«ich aus den Zeitung^- Nachrichten begreiflicherweise nicht 

IL Doch begegnen wir neuostens in grotleren Journab^n ernsten 

if<?ii. da.^8 der gegenwärtige Moment för eine so radicale Um- 

air der lofanterie-Bpwaffnung kaum opportun sei So ffihrt ^L'Ävtnnr 

w^** in verschiedenen Nummern der letzten drei Monate d. J. 

ly t üilt alt aiia, dass trotz der jüngsten rreditforderung einer Rat« 

M Millionen (auf 360 Miliinnen) mit ihrer Hauptwidmung zur 

' 'Jra«*-Lebcl-(fe wehren es vielleiclit momentan .ter 

.1 einfach da** bestehende llmm Gewehr zum _ , irer 

»u ab auf eine ganz neue Waffe Oberzugehen, deren Erzeugung 

drei Jahre hinaus erstrecken aolle; hiedurch mil^fsten die Truppen 

fir mit zwei Calibern und Patronen iSmm und llmm) ins Feld 

rpirhrr \ lUHlmd unub^trlibure Consequenzen haben könnte. Ein 



>r ifü vt»m J»hr*' 1886 und Nr 3 vt«m Jahm 18^7 



«It 1^:1^11143 int? MilitiLr- 



164 



H 1 z n e r. 



ganz neues Modell bedürfte zu seiner glatte» Erprobung und Groß- 
Erzeugung einer längeren Friedensperiode, als sie in Aussicht steht, um 
nicht als technisch unfertig zur Ausgabe zu gelangen. 

Die deutsche Kriegs Verwaltung habe doch ein nachahmenswertes 
Beispiel geboten und Frankreich sollte sich heute ebenso nur auf d'w 
rasche» billige |20 bis 25 Francs per üewehr) Umgestaltung d« 
bestehenden Systems zum Repetirer beschränken. Die Kleincaliber- 
Frage sollte daneben mit Muße nach jeder Richtung hin studirt 
werden, tun sodann bei gesichertem FriedeB ihre wohlerwogene Lösu 
zu finden. 

In ähnlichem Sinne spricht sich auch ^Le. Monitmr de rArmit'^, 
dann „in RepuhUque frnnr/me^ aus, welch* letztere fordert, man solle 
sich bei Erneuerung der Bewaffnung nicht überflügeln, aber auch nicht 
m unnützen Ausslagen liinreilJen lasseiu Überhaupt seien die Meldungen 
verschiedener Bliitter über die endgiltige Annahme des Lehel-Gewehr^ 
dann über die angeblichen grolien Bestellungen in Tülle und Saint-ßtienße 
vollständig aus der Luft gegriffen. Es erscheine noch besser, die neueren 
Untersuchungen des Auslandes (z. B. jene Hebler's) zu verwerten, 
bevor man 26ü Millionen zur Herstellung eines neuen Gewehres ausgebe; 
anderseits seien auch noch die Versuche in Chälons und Versailles, 
sowie bei den mit dem ^/^^ fwruHtl'-* betheilten Truppen fortzu^ietzen, 
um dieses Gewehr noch weiter auszubilden. 

Wie sich diese Dementis mit der schleunigen Beschaffung VW 
Maschinen etc. zusammenreimen, darüber feblt uns, nur aus Journalen 
Schüpfonden, Jeder Maßstab ; ebenso sind den Blattern auch weiter keil» 
zitfiMuuiiJigen Angaben über das französische Zukunftsgewehr zu entnehmei 
gewesen. Erst ^Le MomUtur da l'Armee^ berichtete in seiner NumjDer 
17 vom 27. Fe1>ruar d, J., dass Dr. Chauvel die Wirkung der neiefl 
Gewebrprojectile gegen Cadaver studirt habe, und ey beschreibt diu 
Blatt diese 8mm Geschosse dabin, dass sie 3^mru lang, I69 schwer 0Jl4 
als Stahlmantel-Verbundgesehosse mit einer 2mm starken Spitze construiii 
seien; ihre Aufangsgeschwindigkeit betrage 550wi. 

Bezüglich des neuen Pulvers sagt das Blatt ^LAvimr mi/itarre* 
in Ntmimer 1138 vom 24. Februai% dass selbes bekanntermaßen eine 
problematische Conservirbarkeit besitze, so dass man nicht wissen körioe, 
zu welchen Täuschungen dieser Umstand noch Veranlassung bieten möge. 

Seither ist die Militar^Akademie zu St. Cvr mit den neuen Smrn 
Hepftirgewehren ausgerüstet worden. 




über officiello Versuche mit (tewehren kleinsten r*ulil>prs kann an« 

_|r J^rnal-Liti^nitur nichts entnouimeii werden, ihi«jegen lie^'eu folgeuJe 

Tön ober private Versncbe zur Lömmg der Paironenfrage vor: 



VerHuehe der Pulverfabrik Roti vroil - Hamburg. 

Die neuesten gelungenen Bestrebungen dieser Fabrik zur Ver- 
^fttiijj des Triebmittels hei Gewehren haben ihren Erzeugnissen 
bobeti Kang uoter den jetzigen Pulverarten verschafft. 

Die Fabrik hat bereits im Jahre 1884 vers-chiHlene Versuche mit 

I6^v^hrla4lttiigeri aus neuem Schwarzpulver, im Vergleiche m älteren 

iKifffuten« dttüu aus zusammengepresstem Rottweiler Gewehrpulver, 

TvmhMt^nor Art und Dichte mit limm und ^mm Gewehren ausgeföhrt. 

fc»«(Bipriiiiirte Pulver erzeugte hiebe! zwar weniger Hauch und Rückstand, 

jt*dtM:h nur mittelmäfiige Treff-KesuH-itte» was hau|»tsächlich der 

Erhitzung de« Laufes (5*2^ comprimirtes gegen 4*3 loses 

beim 9mm Gewehre zugeschrieben wurde ')• 

J»hn* 1885 erprobte (laut der ^Allgemeinen Militär-Zeitung**) 
ctrik d».*8halb ein neues, mit der Marke R. C. P. bezeichnetes 
ifT im Vergleiche zum Itottweiler Gewehrpulver vom Jahre 1883 
deutschem Gewehrimlver M. 1871 "). Hiehei zeigte «ich im 
r, dass dem R. r. R-Pulver infolge der geringeren Erhitzung 
'^ deö unbedeutenden, nur lose sitzenden Rückstandes eine 
Präcision gesichert sei als dem Schwarzpulver. Von 
treflfbiJdern tu je 30 Schusß (auf 300m k zwischen welchen je 
»Sdlu^ im Srlui»dlfeuer abgegeben wurden, war das mit dem R, C. IV 
r«r mletit erschossen«» Uild das beste, während beim deutschen Gewehr- 
M. 1871 die Treffliilder der Reihe naeh an Güte abnahmen. Bei 
lg des letzeren Pulvers war die Bohrung ziemlich verbleit, 
bciiu R, C, P.-Pulver nur ein geringer, lose sitzender Rückstand 
jrn war, der durch einmaliges Durchwischen des Laufes entfernt 
bleute. 



.L' ImjIi is .)alirr*r<brnf'lit<'" pro 1885. S«'itf Ml u ff : dAun „Da» Uewithr 
qnd ZoJkunft*'» Ernt«: Folge 188H 



166 



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3W»i 1 e«X)m 1 lt'<><)fn| 


in cm filr 7« f^'-lnt. 




*iowirht iii(/ 


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50|10«) 


50 


90 


\hnfn M.mI l| 
9mm Mod u[ 


Uuttweik^r 1883 

n C P, 

Ki»ttweiler 1883 
HC P , 


4 4 

^ G 
4 3 
3 5 


1-1 

W gl 


maiitel 
Jlurt- 


i:i4 

45G 


16 
15! 
21 
18 


64 

59 
55> 


31 
33 
51 
51 ' 


78 
95 


135 
134 
145 
lt*5 


180 



lYu' Treffahigkeit des neuen R, C. P.-PulverH war der mit den 

besten anderen Palversorten erreichten mindestens gleiehzuhftellen ; eilt» 

phieden ii)>erra|^e es aber die anderen Sorten dadnrrh, das.^: 

1. der Rauch bedeutend geringer war, 

2. eine Verbleiuug des Laufe» nieht eintrat, 

3. die ßewebrpatrone der geringeren Ladung entHpreehend 
kb'iner und leichtt-r -wird. Hierdurch int es möglich, _ die Ausrottung 35? 
MaiiUüH und d<U' Munitioi*y-I'uhr werke auf eine grullere Patronenzalil m 
erhöhen, underHeitiH bei Ut?petirgewehreü mehr Patroneu als bisher ioi 
Magazin imkrzubringeu. kurz die bekannten praktischen Vortheile dei 
kleinsten GewehrcaliberH auszunutzen. 

Über diese letzten Versuche äußerte sich die „Deutsche Heen 
Zeitung" (in Nr. 4 voEi 13. Jänner 1886) auf Grund des ihr vorliegen^ 
au>{tubrlirheri Hnriehtesf dahin, dans bei der großen Ver8chiedenh^'it 
Fliighahn-Momente aus den Versuchen nur mit Vorsicht Schlüsse gezo] 
werden könnten. Es wäre z. B. durchaus ungerechtfertigt, wenn muii 
den geringeren Leistungen des 9mm (lewehres, Modell II, mit bei 
Pnlversorten im Vergleiche zu jencnt Modell I, auf einen geringer 
W**it orsterer Gewehr-Construction scbliellen wollte, 8o kam auch auf 
1200//' trotz der geringeren Geschosa-Anfangsgesehwindigkeit - di« 
größere Querschnittsbelastung des Hartlileigeschosses beim Modell 11 
(0'318^ gpgvw 0*244i^ pro mw* beim Modell 1} in der Schuss-Präeiai 
zur Geltung, 

Die vorgenannte Z«Mtung weist auf eine Stelle des Berichtes d«r 
eingangs genannten Pulverfabrik bin, w»» der Eiüfluss des Windes 
da» PräcisionH-Schielien besonders hervorgehoben ist Ein in der Kichtiil 
und Starke stetiger Wind wird auf die Güte der Treflerhilder wenig 



*] Steh« ^LolMiU'i« Jahre#boncht^** pro 1885* Heitc 411 n (T ; dutm ^Dtit» Q«ir«lf ] 
An Oegcnwiul untl Zukuaft^, Erst« Folge 1880 



^läJuitJ^^K Verauelie Kiir SrUnffiinir von Gt'webrfn uiit vt-rkU iii^Tteni Cftljb«^r |t>7 



iKss hüben, Wüge*(i^D ilie EiüwirküiijL,^ oiiu's in Kirlitun^^ lunl Stiirke 
ig wechselndeji Windei* sdii>ii betniehllicli sein wird, Die.se« Uiii8landeK 
pn musste aucL bei den Versuehen das ErsdiicIJeLi von Tretlerbilder« 
12O0m wiederholt uiiterbrocheii und von neiieiu begonnen werden. 

Die ^Deutsche Heereszeitiing** erbtickt nun hierin eine der bedenk- 
II Seiten der Caliberverriniceriüit,'. anf die .^ie schon öfter aufmerksam 

ht habe. Weiters glaubt 8ie die Entscheidung noch nicht gefallen» 

4as E. C. P. Pulver bereits das beste Kriegspulver sei. Die Stimmen 
' den Wert der Verminderung des Pnlverrauches j^ind sehr getheilt 

mancherseits schreibt mrin derselben selbst Nachtheile ku. Auch 

Verminderung der Pulverladung soll durch die, bei sehr kleinen 

lingen fühlbareren, unvermeidlichen Fehler beim Einwägen der 

Dgen die Pracisionsleistungen empliodlich beeinträchtigen, ebenso 

den »ich alle auf das \' erderben hinarbeitenden Einflüsse Feuchtig- 

inKiehung, Verstaubung, chemisch zersetzende Eigenschaften der 

lliTilsen in höherem Malle geltenti machen. 

Ohne dem genaunten Blatte in seinen Ausiiihrungen weiter zu 
bemerken wir nur, «hiss alb? Argumente desseliien auf ein 
r zu iiunsten comprimirter Ladungen hinaushmten, was auch 

Ver«tündnis8e der vorstehenden Stellen beitragen mag. 

ß. Das Seh II 1 1 L e' s c h e P u 1 v e r. 

Denselben Zweck wie die L**itung der Uottweiler Pulverfabrik 
Jgt der iireufliscbe OtM^rstlieutenLint a. D. Schultze mit seiiiem 
iten Hohpulver *). 



„Er will mit einer geringereu Menge Pulvers dieselbe oder größere 
bkraft entfaltcJi, wie das Schwarzpulver und dabei zugleich die 
e Kuucbentwicklnng und den grollen Knall vertneiden. Diesem 
mrale dient das natürlich gewachsene Hotz als liasis, urni es werden 
-erera die H^jIz- und Isirbstulle auf chemischem Wege entzogen, 
so bearbeitete Holz wird hierauf mit Saljtetersäure behandelt und 
Xitro-Praparat noch der für die Erzeugung der riehtigen Gasnuuige 
hweudige Saui^rsioll-Lieferer, der Salpeter, hinzugefügt, um das 
mlie^'äche Pulver zu (»rhalteu, welches kleine, zum Theil runde 
(rner von gelblich brauner Farbe zeigt*}. 



*J „Lo*»eirs .hllln^^h*TNhto- ]no 188f», Seite 443 
*) Watfeuldirt^ wm Müftäcli. Seite 59 




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t^brr iliiHt's in »lor i»!',sk»n iirül.s<.lj<'ii Hi»lz|»ijlv»»rriibrik zu nptzfiac 
im thiernvald erzt'uji;ic' Schirlize'srhe Piilvt-r lie^t mhm an<lerün Ziniv''*"" 
iuich dsi:? Guturhteii oiiior nülitäriächen AutariUt. do^ k«1ri. bayr. v, 
z, D* Mieg vor, welcher an die betroffondo Firma iVoltz, Lieh 
litT^^tM' & ToiniK in LiidwitrKlmtVn u, Uhj .Hclir*»il*t.: „Narli diMi nnjx«\^t*'lli 
VrrsiirlnMi liulifii 2'5</ ItiiVM Hol/.pulvrrs dii* j^dcicht* Aiiftmg^guscljwindij; 
ergeben und dabei in ik^r Patrone den gleichen Itaum bei lock 
Fnllnn^ einj^miommea, wie 4*7,^/ von dem besten, im Handel vorkomnien 
Hclnv;ii7,en Kriegüpulver, Du dieües fast durrhgehends etwiis mehr Un 
fih i\ü^ übliehe Jiigd- und Scbeibenpulver, so folgt daraus, dass 
Holzpuker dem letzteren au Triebkraft entisehieden riberk*geii 
Gegpunber dem Sebwarzpnlver überhaupt zeiehnet ?tieh das Hitl/4tri]v5r 
fladurch aus, dass e^ bei aebwachereui KiuiU fast gar keinen liii 
gibt und den Lauf nicht ver«rlibM'mt, Eigeusehaft-^^ru die keineswegg 
unterschätzen sind. 

^Vom miliüirisehen Standijunkh' -mis w;in* »r^ j^iicntalls v»ui jxro 
Bedeutung, wenn es gebinge, ein idetUes Kriegspnlver berzust«db*n. 
wek*hes bei schwaehcr Detonutton keinen Hauch entwiekelto, denn wilhren4 
einerseits auch bei heftigstem Sehnellfener der ychütze st<:*ts sein Ziel 
erbliektui und scharf aufs Korn rühmen kann, wird es dem (legner, 
namentlich der stets in weiter Entfernung stehenden Artillerie, sehr 
erschwert, ja oft unnii^glicli, die Stellungen der feuernden Linien heraiifl^ 
zuHnden und dies»dben mit sirher treffendem Fener zu uberscbuiten* 
tls muss daher wirklich belVemden, dass die Technik «ler Neuzeit 
80 wenig mit der Aufgabe befasste, ein Kriegspnlver herzusteHen, wel 
keinen Hauch und womuglicb nur ganz schwache Detonation beim Seh 
gibt. Das b'tztere Moment gestattet den feuerleitenden t)fficieren 
mit der Stimme durchzudringen und das t'omuuuub» über ihre 
theilungon aufrecht zn erhalten, m das» es nicht so leicht vorkom: 
kant», dass eine wohl disciidinirte Truppe, wie man sagt, im Fi 
dun'hbrennt» das heiüt, das einmal begonnene Feuer (Schnellft:* 
ohne auf die Befehle der Führer zu Mtpu, in rasendi»r Eile und 
fortsetzt, btÄ di*» letzte Patrtuu' verkiuillt ist. 

^Sollte das Holzpulver auch sonst aUe jene Eigenschaften besi 
welche man an ein Kriegspulver stellt, süllte es insbcsonderts 
längerer Lagerung seine Leistung behalten, so durfte demselbi^n 
militärische Zwecke nicht nur aus obigen Gründen, sondern auch wi 
der Krleichterung der Patrone» eine grolle Zukunft bevorstehen, 

^Heziiglich der Anwendung des Holzpulvers in Jagd- und Sch<*i 
gi^wohren mochte zu erwähnen sein, im^ einzelne unliebsauie Vorkommni 



lisch e Versucht* zar 8ohatfun|* vofi Gewehren mit v erklein erlern Caliber. I<j9 

rie Laufsin-engiingen, dem geckchteri Pulver nicht zur Last fallen köiineu; 
la>3^elbe hat einen ^röl]eren Trieh als dtis schwarze I'ulven und es ist 
klt^Ihstverstüiidlich^ dasH alte, vielleicht schein 30 Jiihre in üehrauch 

ehende und dnrch Reparaturen, wie Ausi^chmirgeln (Frischonl, oft ganz 
ibnorm geschwächte Laufe der stärkeren iTasspaiinung des Hnlzpulvers 

Licht gewachsen sind. Ein gutes Gewehr wird beim Schiellen mit Holz- 
Iver keinen Anstand ergehen. 

^Zu diesen Ausspröehen des Major Mi eg bemerkt die ..Zeitschrift 
klbr die schweizerische Artillerie'S dass nach den angestellten umfangreichen 
limd sorgtaUigen Proben das HolKpuher auch bei längerer Lagerung 
[•aeine volle Kraft hewahrL Zunächst ist durch ein eigeiithumliclies 
[Verfahren jedes Piilverlvorn durch eine Art Glasur gegen Anziehung 

roo Feuchtigkeit geschützt, Sollte aber seihst das Pnlv<*r längere Zeit 
Wasser liegi*j*, so wird es si(di nach einer einfacheiK schindlen und 

inrchaus gelahrlosen Trockiiungsmethode als vollstämlig leistungsfähig 
['«nrei^!etK Es verliert dabei nichts von seiuen charakteristischen Eigen- 
[thüBÜichkeiten.'* 



^Trotz alh'r dieser Lobpreisungen ist indes hiü jetzt von neueren 
Tentuchen militarischersdts mit dem Schultze'schen Holzpulver nichts 
Bin^Atlicb bekannt geworden." 

Zorn Schlüsse dieses Abschnittes glaüb(*n wir noch eine, im 
lüitär-Wocheiibhitt'* vom 2. März 1887 enthaltene kurze Betracbtung 
heutigen Entwicklungs-Stand jiunktes der Kleinoaliber-Frage hier 
!itir»*n zu sidlen, nachdem ^lieselbe die verschiedenen Schwierigkeiten 
^bci deren Lösung in inn richtiges Licht stellt und nn^glicherweise den 
Deutschland Duiligebenden Ansichten nicht ferne stehen durfte. 

«Kepetirgewehr und kleines Caliber kennzeiehuen die Thätigkeit, 
reiche die Waftentechnik im letzten Jahrzehnt zur Yervollkommnung 
Jdes Infaüteriegewehres entwickelt Init, 

»,Das Repetirgew^ehr soll die Scbneüigkeit des Feuers in eiitschei- 
I At'ndea Gefeehtslagen bis zur ^jrenze des praktiscjj Möglichen steigern, 
da» kleine Caliber dem Geschoss eine gröJlere Geschwindigkeit, eine ge- 
strecktere Flugbahn und damit auch größere bestrichene Räume geben. 
Es ist dies nieht nur bei den nnvi^rmridiicben Fehlern im Entferimngs- 
sdiätzen von Wert, sondern ermöglicht auch, eine gunstigere Visirung 
bezw. denselben Haltepunkt selbst bei niedrigen Zielen beizubehalten. 

18* 



170 



H o\ 7, n ^ r 



„Auiterd«}«! gt\stattet diw kleine ('aliber eine ßrleiffeternn^öSr 
Patronen^ so daä^ dem Soldaten au8tatt 80 deren 100 bm vielleicht HO 
mitgegeben werden k^tniien, ohne Am Gewicht des Gepäcks tu vergröüeniu_ 

*,Kepetirgewehr wie kleines (Jaliber bieten daher ujibeatreitba 
Vorzüge'), iiire Vereinigung in einer Waffe bildet das angestrebte Enddl 

«An der Erreichung des letzteren nehmen, wie die zahlreicli 
Artikel in offentliehen Blattern und anderseitige rnblicationen erkenn 



') „Obtsr dA» Maß der für dh Praiiü mit dem kleiiuij Caliber ru erreichend 
VorthclU* lit?rn*i*hf« viLrlfiich fuJucho und Qbtfiirifbcnt! Ännchiiuungvn vor 

„Wünicn «lio Gi'^cboÄM? deu »*o^cnftnutt'n bct^lrichcneii Uanni s4teU ilnrclimc»» 
k«'»nneii, wif^ rs ilerikluir wUrc, wenn man ^h\\ <lenKftm|if|ibiU als* mm* ii**im\i buriiunti 
uml völlig riin'ktc Kbene, etwa uK Jijsplialtirt»' F^läche, voi>telU. so wÜnl^ *;dioii 
*?infm llmm-tiewelir bis auf Entfrriittnp'n vnn :\Ty(hn mit AiiM^hlii^ im Li''j?''n nnt 
HtAivpmxkU ^'AhAmUhmni*, jeder marHoliir»Tiide «jo^ner ^otrutfcfi werden. Ex betri^ift 
näuiUi'h dj«? Flughöhe «ks Cii.*8elioi^et!i über der horizoiitaleti Vixirlfnio beim Gewehr 
M 7! IS'K'f«; dn^U die AuKoliliitfKbrdu* des (Jewehresi Über dem Boden mit li(}cm^ 
ergibt {rtikm, ii1m> etwa di*' duri'h.sehiiitiliehe Manne-shnhe Iteim kleinen raliber 
verrinirert nkh die Flit^rbAbe bei der !iM>r*^^r«d>enen Krilfernung nm 25 bi^ l\Ocm, d L 
etw« eine K^ipHiohe, un» welehe der Anwelilug hi>her i^etiommcii werden köunlü. 

,,<jan2 jiuderi« ge^it^iltcn »ich inde^tsen diu Vt^rhytitisisc auf 4en wirkUc| 
Sehlftiditfeldcm, wu wir bowaehsene>i. durebiichnitteneK, bfifeeliifet», a. «. W* Te 
htiben l>ie meiwten (ieselioMwe bulteit die liCÄbnir b 1 i^ te Hiehinn^ wepjen 
dnreli die. Eindrücke des <iefei*htj» bedingten erliehlichen ZieUeblcr uberhiuijit nie 
itine und treffen hM auf einen Gegon^land (Baum, Siraneli, Heeke, Auls^bfitHiij 
Mauer u. ^ w.i, der »ie uufftuij^^t oder »neh thua der 8ebuh«nchtunK »blenkt: 
Kteip^endem Bodoii i*chlji|fen »ic in diesen selbsst ein, bei fjillendem geht der be^trictit 
Rjvum melif (jder weni^'^'^r vcrloron. 

^Bel einem Schielivorsucb, der mit versehiedenen Cahbern auf ^r«ßc Entfenmng 
und bei müni^^ ^lArkem Winde (B h\n 8tfi in der Heeundel i^tHttfHnd. eririiWn Hieb 
AUt I8fM>F?» Kntternnri^: llute^^e^lie^k♦ in der 1'rell'weite von 200 bi» 3(K)m, d b mit dem 
Vinir fi\T mOfhrt wurde mit dem Winde nut' !^UX>, gre^en den Wind auf tfiOt»« 
l^e>ich<ko«(5n Beim HcbieÜen nuf löOOm uiunnto je nach dem W^echücl der Windriett- 
tunik* bisi 5<»m rechte* öder linkst von der Hcbeibe ^ebalten wer«b'n. Hiernaeb nerdj 
An^nilien Ober die Uudieti der 5<>|tr*iceiiti#ren Treff-Fläehen nul lJ(MM)m Eutieniiinf»» 
*ieh in ven'df'Mifliehte neMultnten mit dem kleinen Cidiber finden, doch noeh in dS~ 
t'mllM ilen (ieroehlH m über^etjsen und ^ebr bernb/uminderu ^ein. Eine Entt^Tuoitg 
v»m ^50m bexeiehmit bereitis beim 8cheibemichießen die (irente, von wo nb da» Sdl* 
verm^ljfen und da> Kennen de« Sehfltxen die Treliye^altate merkbar äu becin<iaÄi>eft 
bi'irinnen, 

^Immerbin wird die (fe«t eiferte lU^ftUK den VortbeH der grOÜeren Unabbüngigkeft 
fon Fehlem im fiehlt/en Art lYninnt nnA, WÄi< tbatHÄeblieh auf da^^elbe heraiiB- 
komml, die M^^ticbkeit gewahren, mit dem Vüir seltener wechseln SU mü^t^en. 



. % «ThUeJu' ?iir ^^<*ll^ulm1L' \^*n 



ön mit vrrkli iTuTtriii Calibcr 171 



taM. Äi^ lreiii»;strMi KroiKO Jen lohhafteüten Aiitluil: diö Armoe, welche 
sdi m r - Ihr«>r widititr.^ton Stivitmittol nwUt \\h9vl\(\^(An lass^oii 
tili: dir ,1, w«>lrlM» in don Fortsrhritteu \\or Xvuum* dii* ois^eno 

Sdi^flieit ürtiUfkt: hiriU*r bcidi^ü ein Hr'or von iinteniehniii»oft*luHtigen 
Mndfm und Falirikanteii, welclit^ darauf nn^lrnrn. bei einer Uhiwalztinp 
V 4er Bewaffnuii|jf ein guto*? (loficlifirt zu niaelu»n. Jeder will mit neiner 
hJMliiiig der pfj^tf! sein, einer ilViertriHt iniiner den andern, und wenn 
drii ofletiilifhen Anpreisnn<,'eii der ver5»rltiedenen Systeme (ilsuiben 
pu k^intiie, so wflre da*< beste Hepetirt^'eweljr mit dem Uesi»*n 
m Caliber — naeli Wahl 9. 8 nd*r T^Tthim -jelmn lan^rst in 

iidt»li fon Modellen vorbanden. 

^D^nige^eiiülHT ist es eine aufliillende Tbutsaelie» dass bis jetzt 
^Hfi2*»liti* der groUen Armeen ein KeiNdirtjfewehr, jedorb ohne Änderung 
GtlilM^n« angenommen haben und dass das kleine Culiber sieb bei 
JIn^ noch immer im Statlium des Yersiirhes beiindei. 

^ ^Dges^ichts des«en verlohnt es sieh wohl der Mühe, die Ur^aeben, 
die Einlfibrung eines kleinen Calibers bi^ jetzt veriündert baben, 
d etwo^ näher zu betrachten. 

Jiie von den meisten Seiten thr das kleine Oaliber erstrebte proße 

Ijwindi^^keit (55(1 bis <:i(K)»j *<e*^en 430m beim I Imm Paliben 

.. ».Ut werden durch eine Erleiebterung des (iescho^sseü, tlurcb 

^^i^brutitr der treibenden Kraft des Pulvers* oder diuch beides*. Die 

bierung des Genehüjises findet eine Grenze in den Antordcnnmgen^ 

lüf Durcbsehla^'skraft gestellt werden')* Letzten* nimmt 

iiinj^ um so sehindler ab, je b*iehter das (lescbogs int 

mi daher gezwungen, m^ben der Erleichternn^ des Oej^ebosses 

lurhr treibende Krall anzuweiulen. Durch i^infarhe Vermehrung 

tt-ittj^^n Puherhidun«,' lässt sich dies nicht erreichen, weil «cbon 

lN»i der ftir da^ Uewehr zulilssit^^^n Lanriän^^e da,s (jef^choss den 

Jierlaij^Meo liat^ bevor die ganze Pulverladung znr Wirkung gekommen 

1 Ei mnm daher ein krilftigeres Pulver gentuumen werden. Dasselbe 

1 4k Erlci«*ht«TOiiK de« Gr^ehoicsfji tn w<?it getni»lj<m. a« rficheu Ver- 
dmiil iti vi«*len FälWii mehl mrhr aiiM, um x H Vktdc knuipfmiflibig 



•>»E» WirrUt «eh die»« daratis, dtiKK ilii- Aiifanjri^firet<cliwirMiijfkiMt d*^sMi»deHi» 71 
m Bldue U«r{n«*r win beim Clcwt^hr utid bi^im rarnbiiH^r kleiiit»r wf«? bei df^r 
trorla i!«»t j?t<»Jcbi:*n Pairon«» Pijr»"b Wrliinp-erun^ <1i's Lauft*» beim <j«»ift'hr 
A»ftui|r»K**»^'hiiiutli^'^kt?it tHmtiB trli'lil ^cnku " 



172 



H -M 



dar!' hIhm' noiite ganz«* Kraft nicht uul i*iiiin;il «Titwft^fBr 
üefahi" vorhaiidi^ii int, thsn der Lauf zersprengt oder \m genügeml 
Stärke söhr sühnell erlützt wird — was bei Hohn»*llem Fi*ut*r Am fe 
Aimetzeii von Piilverrückstuiid und damit eine Hebl*»cbte SchuüHlei^ti 
zur Folge hat — ferner dii«8 die Patrononhülsieii zerstört oder so üt 
ausgedebut werden, ims .nie sicli Ifeim iiflnen des SchloHHen niebt iiB 
ziehen la^^en, oder endlich, dasn die ZüTidbötcbeii durehschlftgen werdfl 
was Hemmungen itii Sehbxssgang \erurNaebt, l)m neue kralligere Pulii( 
mnsH daher seine treibende Kraft allniühlieh entwickeln und dumit 
dein Aiigenblieke fertig sein, in welchem das Gesehosy den Lauf verl 
Nur wenn dieser Vorgang bei jedem Schusse ganz gleich ist, kann 
eine gleichmäßige Treff leistung gerechnet werden. 

^Anßer den angegebenen EigenHchaften uums da» neue Pulv^ 
eine gleiehmHÜigi* Her.stellimg im »J rollen gestatten und eine Lage 
beKtändigkeit von 10 bis 15 Jahren hubeD, d. h. es darf in diener 
wieder beim Eiidagern — lose in FäsKeru oder verarbeitet zu Patronen 
noeli durch Transporte in «einer Znndungj^Rihigkeit und in rler (ileic 
niitliigkeit der Kraft einlmlJen. Es erhellt hieruuH, das« in der Calib^ 
frage da« Pulver die größte KoUe spielt und der peinlichsten Prfifuil 
bedarf: wird die UmbewaftViung auf ein neues Pulver gegründet und 
Feblgi'itr ersit i^päter erkannt, -**o steht die Armee vor eiruT Kata.<^tro]il 

,,Ohne ein entsprechendes T*ulver ist die Erlangung eines klein^ 
Calibers mit großer Anfang.sgeschwindigkeit nicht un^glieb; um in unser 
Botracbtung foi-tfiibren zu kennen, nehmen wir an, da^ richtige Puh 
sei vorhanden. 

^Damit die dem Geschossi* vom Pnlver gegebene große (fe«ehwind| 
keit wrdirend Keinen Fluges nicht zu schnell abnelnue, mnss die Qi« 
schnittsbehistung des iieschosses, d. i. das fiewieht an Ulei auf eiiij 
heHÜramten Theil Heiner QuerachnittKtljlche, eine un>glicU.st hohe seinJ 

„Dies bedingt Geiichosse von vcrhültni^smtLflig großer Länge (3 - 
Caliber lang gegen 2\\ Caliber bei M. 71)*)* Um diesen langen 
schössen die nothige KotationsfeHtigkeit zu geben, d. h. nie vor ein« 
Pendeln und CeberHchlagen während des Flügels zu bewaJiren, bet 



') ^(itf»chon»v von 8 bi« i Caliber Lün^^«* erleidr'n wUAgc ikr Feflttjk'ktnt 
'tiiti Oll wach»*' rill«'« »flit'bbcli tfr''Ü*TiMj l.unwicl<»r«tjii><l. ti\a iheor»»tiM'li aiijetjn<»lin 
wÄre. lUi* VurÜiHU' ilcr |fn«i;i'n (.|u«M>rliuiU>l*il;iKfiHi|f gflu'u hiirtlun-li zum Tliij 
Wiifiltfr vt*rl«»reii *" 



j»«ii**'D<^ 1 rr^uoiM- *iir ScUäffnn^ von i 



fiftem r&libir ] 73 



i^wt^hriauf eines sehr starken Dralb. Geachosse von Weichblei sind 
prwenelbar, weil da^* Blei von den scLarfen AV indiia<ren zerriHgen 
M*i*choH>^ aI;io den Zilien nicht TolgL Die AlrhüU'e wird in 
Ibrtbk*! (Blei mit einem Zusatz voo Zink oder Antimon) gesucht, und 
laoh die» tticbt ausreicht , in einem Ummatitelri des rJeschosses mit 
pr- • M^»Kiujj- oder Stahllileeh. Bie^e sogenannten Corapoiindge- 
•) vi^mrsachen — wenn ihr Mantel nicht reißt — einfachere 
jTeitiAilijngea wie BleigesehosÄe und sie werden daher auch vora 
iponktc* der Humanität empfohlen: ihre nteU gleiehmriDige Her- 
ist ind<*Äsen sehr viel nchwieriger wie nun Blei, und da.s 
Material greift auch die Läufe mehr an, deren Felder eher wep- 
lifleo werde u. 

JHü kleincalibrige (rowehr muns eine Treffgenauigkeit haben, die 
jetzigen Gewehrs zum mindesten gleichkommt. Die Treff- 
Hit Ut u* a. abhängig von den Schwingungrn, in welche der Lauf 
imtk dt*Ji Sdmsg versetzt wird. Der Lauf des kleincalibrigen Gewehrs 
dm Verluiltnifises der l^adung zum Ge8chossgewicht, des 
Ml Puhers und des .stärkeren Dralls in gradiere Si^hwiugungeu 
iTifi mehr angestrengt, wie der Liuf dei* jetzigen Gewehrn, «eine 
igkeit mu8*i denlialb eine gr5ßere sein. Die Biegmigsfeötjg- 
\ci u^t Ut MÜngt Villi den äußeren Durchmessern des Laufs. Werden diese 
odor auch nur gleich denjenigen des Laufä M. 71, so wird der 
ilibriije Lauf >üchwerer wie dieser, und der Vortheil der leichteren 
ht zum Theil wieder verloren» Ein leichterer Lauf von der 
li !ii''gtmgHfestiglceit wie der jetzige wilre nur durch ein liessereii* 
iiattTial zu ermoglii'heu, doch musste eiu snlches erst geschaffea 

«Die Anforderungen, welche an ein Truppengewehr gestellt werden 
m, rdnd gainz andere wie die, welche etwa der einzelne Jäger oder 
/b^ribrascliöke an sein Gewehr 8tellt, und eine Wade* welche (dr den 
jpLUt vorzüglich ist. kann filr die Truppe ganz unbrauchbar 
OiTM* fordc^rt, namentlitdi für den Feblgebranch, da««» im Gewehr 



•) ,1« ilrm AnfMiita in Xr, SBdc.'i ^MilitAr-Wi>clit>iiblattCM** von 1885 ist auf djis 
iitoiMI*!! «IrrMAntt^l^e^chüMts aii^tutt iiut Ftl«*! mit di^m ^pocifUch schwertTetiWtJfrani 
W ifcg y W fTi lU't »li-ni Jt«'itig«-Ti Marktpri'iKe ilrs Wolfram würd<ni wich die Ki»sttn 
fU? »n. Kfm r^.in'nl-l'irti* vtmr AniMM» wit* js li die iHMitwi-li*» an Infaiit»nt';f«-\srhos-st*n 
imf ^(M)OMiniorvi'ii Mark IfhiüiVii. voraUHv'*'«Hxt, tluÄ»» WHlfnuii 
nru wn »»jirriliti-hrti U»'wifOit (Hi..^» lU 18,25) in p'nti^'*Mid«^r Mi-M>:e 



174 



H f» 1 Ä n e r. 



df»n iiTTfiff^nMtif^stpn Wittpmngaeinflfissen geg^^nüher Stanti hält uud m 
fLnhn\U*mUUf\ (j^hmiahe nicht versagt, auch wenn fTir di*^ F?-^^-^ "• - l) 
nur wenig Zeit i\hn<f i.««t Es ^toht in Frage, ob di<* k : n , 

O^Wf'hrc, ilvnm U^ini^nng und InstaudhaltnDg eTSchw«! ift, (i«Hi 
fordpninj(<^n ffir *lon Fi^Uli^f^braneh orpwachsen sind. 

^Wir Hihm aus iÜener kurzon Brtrachtiiiig, dass ilir* Fra^r 
kh*ijH*n ('alilMTS nicht einfacher, sandeni recht verwicki^ItrT Xatiir Üj 
iiiifl jjitr dirn*h die nnifasseiidi^ten und grundlichsti^n Versuche Olli 
Losung finden kann. Erwägt man zugleich. da>?8 eine Armee nicht lüwgfi] 
Zeit zwei verschiedene Caliber zu führen vermag, ohne in ihrer Eiob 
liefikeit ujul Schlagfertigkeit Einhulie zu erleiden; dass das kleine Ca 
ein jn*ue« Gewehr, ein neues Pulver und ein neues Geschossmaterial 
ftirderi und deshalb von der nmfangreichsten Rückwirkung auf das xi 
linudern- Kriegsmaterial ( Waffe n an «rilstnng. FeMfahrzeuge iL s. wj 
Einriehtnng, Ausstattung und IJetrie!) der Waffen- und Pulverfahril 
nuf die Neuiinfertiguiig der Munition selbst u, s, w. ist; femer iin 
^auiuienhange dauiit, die iinnn/Jelle Seite und endlich den Anfwand 
Zeit, welchen eine derartige Neuerung bcuusiirucht: so gelangt man 
dem iSchlusse, dass, ehi^ eine Armee einen Schritt von «olcher Tr 
thun kann, derselbe nach allen Seiten hin wohl erwogen und auf 
wnudlVeii* Thutsneheii begründet sein muss. 

„Kljens*! wii' ein Zaudern im Ergreifen des erreichbaren 
würde eine l Iterstürzung in Annahme <les noch unfertigen und ted 
iils sitlclies vinausgesetzten Bi»ssereu nur \erhangnisvolI für die 
werden konnten/* 



l>ie vorstidiendi^n Ausftdiruneren des „Militär-Wochenblatt'* aUJÜ 
für die linsung der Kleinealiber-Frage in erster Linie die Foid«*ruii?l 
naeli tbunliidister Erhöhnrig der halHstischen Leistungen des Infanterie- 
gewehres, wobei alier aueh «ler Erleichterung der Munitiau Kechiiliu!j 
m tiagen wäre. 



««•Hl» fnv l^cMWdnf^ ton Cl^w^hr^ tnit vHrkl**ifiert<^iii f;nlili*»r 



EiiirlaiHr 

Z« * * h^T SMmgüt Jahiv taiifhtf'ii in Eiitjland mHlirscits Zweilrl 
4er i - .. nheit <lrs nornialfn Miirtini-Hcnry-iiewelireM ^^epf*n dio 
in etiTAj>fii«»chon < *rdoniiaTiznKidfllo niif, wrU-Iu* Zwi'ifid dnreh spinnelle 
iti I*yiid d/iliin bostati^twiiTclfm. dass daHMartini-Henry-dowHir — 
ii»T gröüpron Bpla^tiiiit^ seines n<'scIios>iinier.schtiittrs - nuf IHMtanzeii 
Yard allen anderen neueren Armeogewidireti nbede^^on sei, da- 
biis ÜOO Yard hiiiNichtlieh der Oeschos«ge«diwiudigkt»it und Fliig- 
trt*c'knii^ hinter den rdtrij^cMj rirdonnanz^eweliren zuriu-lvsfehe * i. Diese 
Tlite^rhe, Howit« die zalilroichen Ivlageu über den starken Itüek.stoll und 
Uli jrnillt» t!f*wicht (in nornial«*n Patronen führten zur ron8truetion eines 
9im M<»d«41s mit einer anderen Paironen-Oon»tnietian, welehe^t iiieder 
fr xlt<* Üherlepenlieit des engliseben riewelires ^et^'en die nndere Waffe 
p»llea j^idlt^. Dieses vom Heamten Mat^ee der krmi^'lirben iipwelir- 
xii Enfif^Id «Mltworfr^^ offieiell als ^Enfleld-Martini-G<^welir" 
ir ''ux r<*|»rüsentirt etiM^ Verklein«*run<( des ralibers um 0"05 Zoll 

■/tt. Hiidiei sind die Hauptandeninj^en an dem Laufi'^ ein- 
hrend der Fal 1 bl o ek v e rsrli lu ss auf directen Befebl 
jamalt«{«^n Kriojrsministei^s Chi Iders beibehalten und nur mit oin*»r 
►r* ' »^rre versehen wtird«», 

vonichiedenen ens^lisehen Joiirnalstimmou seheint es jedöeh^ 
km irich di«?f» neui* Waffe in Ent(lai»d noch keiner a<*hr günstigen 
B»vibr*ili]ng t*rfn>ne, indem mehrseit?« wine weitere Caliberverriii^erung 
I» ai ^Mm oder gar Smm, nach dem Beispiele d<^r eoritinentalen Heere 
hAnrart^L m^wIi» fu«t einstimmii^ der Ersatz des Fallbloekes dureh den 
i4W>«vc»rHr1iIUMS gefordert winl, um ilniih ersti^ra« Mittel die ballisti- 
•W« L* I des* Oewehres, dureh letzteres seine Handhabung noch 

in *T\u 

Anrli haben «ich die mit 1000 Störk Oewehren de» neuen Äh>*lel|s 

iie^nieuter Aber die i'unstruetionsdetails des VetHchliisöei»» 

IL des Sehatles. der HajonnetpHanznu^ ii. a. m. nicht 

m| ansgesproehen * I. wilhrenil bezüsjlieh der Sehiel]* 

ilüf neuen Waffe die Heridite yJenilii^h einstimmij? nur günstig 

\kk hiemirh die ersterwähnten hetails t^eändert und dann wieder 

werden i»iri:*sen* wfihrend die Lauf* und Patronen-r'onstnietion 

_fr|)Mft brj dem vieHaeh herürworteten und aueli soeben ex[»eriuientirten 

Di(e xiim I{e|»etir*(ewehre kaum ein«» wesentliehe Modifieation 

n ^J^rw0t*/th^ R»s/al UuitrJ S^^iHiT htMÜHiSmi*, l^i^ß, Vnl XXX, Nr CXXXVl 



llii 



H ♦♦ 1 /. II e r. 



orlcirleii «JfiHte, so iH-sdirünken wir uns entsprechend unserer Auf- 
^iibe - nur auf ^Ue IJe^jut'chuug dieser für die biillistisehe LeiHtiirig 
niliit^'keit uiaU^'ebeuden Factoren, 

Die ersten Versurhe zur Verkleinerung des Gewehnialiber»* fand 
niilLrinren stritt deren Bölinnigen innerhalb 0'45 bis 0\'i5 Zoll (ll'4a 
8*89wm) UinvhniesHer iie.saBen*): (bib^i wählte man stets das tJeselnj 
Ljewicbt au, da^s der (in England -/ur Beurtheüunc,' der Bewe^in^ 

Verzögerung durch den Luftwiderstand gebnluehliche ) Ausdruck 

inuner iiahezti rjen gleichen, möglichst niederen Zahlenwert von rund ; 
hatte. Nachdem mit tlen kleineren Calibern nicht durchaus gleich günst 
PnicisiouHwertt» gewonnen wurden, so blieb man bei dem Bohruiij 
durchuiesser vtm genau 0'402 Zoll engl, d, i. 10*2 Im??*, bei dem 
andauernd gute TrettsichiHheit gefunden hatte. Ein w^eiterer Grund 
diene Wahl liegt auch darin. das.s man iiei den kleineren Calibern 
geringere Liltigeuschnitt^ilfiehe de.s Oe.'^chöf«.se8 erhalten hütte und de^hl 
den gröberen Eiiitbiss tk-r .seitlichen Luftstrumungen fürchtete. Der 
von 33V, ( Zoll (838*2»iw) Länge besitzt 7 Züge von dem in Taf. 8,' 
Fig. 14 dargvstelltrn Qiiersebnitte, mit 15 Zoll (381«n//| Dralläng^ 
welchr an d(*r Jlüudung 0^005 Zoll (Di 27mm), zu Beginn aber 0^006 
iO' 152mm! tief sind. 

Die neue ÖewehrpatroDts von M^elcher der Mann 70 Stück erha 
8olL ist in Taf. 8, Fig. 13 dargestellt; ^ie besteht aus einer gezoge 
üa^icheniormigen Hülse, in welche 85 grains (5*5f/) Pulver, darauf 
WuchiiHpiegel nml obenauf da« fieschoss von B2mm Lange und 384 
i24*%) GiMvicht eingesetzt wird*). An diei^iem wird der Paiiiermi 
mit Feit-Tauchung durch zwei mit Wachs gefrillte.Canneliruugen 
hintt-reii Theile des Ut^schosses er^setzt. Bei den vielen Versuchen 
verschiedenen Arten des Wachsspiegels hat sieh für die Heinhaltuug 
Itolnnng jene Anordnung am besten erwiesen, hei welcher der 0*25 ! 
(ti*35mm ) dicke Spiegel je zur Hälfte aus Uienenwachs und hartt^m Car 
l>aiiier hergestellt ist; erstere weiche Schichtt* liegt nächst dem Gestcl 
das Papier an der Pulverladung. 




•) ^Jommal of iki Ut^ UmU^ SkrHm MmtihHUm?'. Va. IXX, Nr. 

•) D ü<^8oho$8ealiber in Zoll, W Gescho^si^iricht iii Pftind Dtfr Att;$dni4?k ' 

kibt Itlr d^Ä MArtbi-Henrr-Gt^wehr, d«^ m-o«» Enliidil-Maittitk i-ndlicli fttr Am» 
ri4chbelir Wi^rttdMI^wehr f^l||;«Bd« W«rl«: t*9&a, 8 917. 3 547. 

•> l*U» mtruiid*' lU»ier-Patr«>tii» für das Martiiii*Htnirv ^j«riri-hr hat dt« g)« 



|älD»1i^<^^M Vi')*5*U(*he zur SchafTmigf von Gewehren mit verkleItiei-triiH'aUlH*r- ] 77 

Mit obiger Patrone lieffri das Gewehr eine Geseho^y-Aiifuiij^^- 
ijiwindi^^keit V^ vuii 1570 Fuli (478^5m| ^ ), weiche hiiher ist als jene 
aiiiteren Ordonnaiizgewehre und anf deu verschiedenen Distanzen auch 

weniger a!>niiumt als die ühri)^en analogen Werte, wie naeli- 

>ende — iineh (li(^ PlVilhohen der Flujjjlnihnm «mithaltende - Tahelle 

deren Daten naeh den Formeln von Dusliförth berechnet wurdi'U. 



s V V i o lik 



(.1 1,^ s e b ü H J5 ^ e s h w i n il i gltei t 
in Fnl) für 



Miui- 

duTi«' 



Flugbahnördiiiatr 
in FuÜ für 



6m I KXX) 1 1500 20O(> 500 | 1000 I Ihm \ 2000 



Y a r lU 



Ezifidtl-Marlini . . 
:iüi- Henry . . . 
'ontQ M. 1877. 



1570 
131f. 
1439 



G 704 
8 -094 



39 00 
47-90 



8 2521 49-41 



122 298 47 

147'i:i57'85 
ia2'6 12C 



1 Fuß = 3i)4'8mff>; 100 Yanh = 91 44«. 
Das neue EDfi^ld-Martini-Geschoss durchschläfst auf 200 Yards 
P '/^zoll. HS'ibtnni] Ei«enplatte. 

Wie bereits an früherer Steli«^ erwähnt wurde, ist das entl^jjiltiye 
Wl für die XeubewafFnung der englischen Infanterie noch nicht fest- 
Uk worden, nachdfMii sieh die Truppen nur hezüglicli der guten 
fßleistungcn des von ihnen in DJOO Exemplaren erprobten l{}'2vim 
ehres günstig aus^^prechen, sonst aher eine Reihe von Änderungen 
Um Versuch,smodell forderten, welche dasselbe ganz anders gestalten *) 
iu i*rsterprohte Älodell, das vom Director der köuigl Gewehrfahrik 
!nfie1d. Oberst Arbuthnot bei seinem Vortrage in der y^Roi^af^ 
bil Sitrvire Imfthtuym^^ am 16. Juni 1886 vorgr/cigt find hesproch<u*i 
|e. Arus diesem (J runde glauben wir berechtigt zu sein, von der 
Itlürten Wiedergabe dieses, lumite nicht mehr ganz zutrettendcn Vor- 
« ahsebeii zu dürfen und erwähnen nur noch, dass jedeui (lewcbre 
iDi^Uarc Maga-^ine mit je H Patronen beigegeben werden sollten, um 
Laden zu beschleunigen. Während indes die ofHciellen Versucbe 
l4?n. da.^s obige Scbusszabl in 25 Sccnrulen, gegen 40 Secunden heim 
eu aus der Patioiieiitasche, abgefeuert werden konnten \k spnicbcn 
die Truppen dahin aus*J, dass der Schiiell-Lader, wenn er nicht 



*) Beim nonnalen Martini-Henry-lb^Widir b^trii^^ dw Anf:kn>^«^'i'xfJiwirMli|jrkeit 

81«! 

*) Lauf und Putroni." ausj^'^L'iH'irnni^n, 

») ^JouJiiai of tht i%fi/ (tiUrd SfYvhe hitHtutvm^, \u\ XXX, Nr. CXXXVl, 




17H ii M I / II f V \m\"un\hü]ii: Vorsiichr zur StbuiTim«? v^m Oewelir^n fft 



j^^cbijuirlit wild, iiirlit It'irlit mitgf^fnlirt worJon kann, wodurcli <lris 
ihn <*riiit'i^lif[!lt* Irirliti^rr Laden im iSfbiH'lltVner [iiifgew<ig*^ii wird. Mi 
unter mu\ imrh hv\ Benfitzimg des Scbnoll-Laders Klpinmnngen 4 
l'iitrniipri vort(pkojiimeiu welche aber zum Tlieit der verw»:^ueleten Muiiitij 
XügeschritdKMi werden. ' 

Di** witditigslrn, im Vorhergehenden noeh nicht henihrten I)alj| 
iiImI" d;is Knliidd-MarürH-Uinvehr iim Vergleich zum Martini-Ht^nr 
Hewefin sind : 



MArlini Henrv 
M 1871, ' 
Murlif III 



EnfieU' 
MatlM 



Ut'.s iioxvchns 



^ mit 



' „ mit 



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1188 7 




tSOO Ytfütt 



Ui'wicht doH Lim ff > 

t*iln>?»* (nhf»r drr Mflinlu»>f) di»si Bajrtmit'ts . . . 

(lowiolil dt'H Hujoinit'ts 

„ von 70 PjitrtMM'n 
RjilbmoKKtTd Kn.Msi» f .W ft'rreflVrauföOO Yard?« 

Kai^kstoü 

Miuiiuttlf^r tk«-3lt^it'bl^n4^r Raum fUrl IWZielhAlie 



•Je« 4Mia%^r»tt 0«f«kB««*rff« 4m ÜArtiMJ B»ary L»ttrct bei Vsrtniadi^nug d«» Oillfctti^ 

Fftr dit* vou vieli^n Autorit^^n befürwortete Erproben^ Tcm 
^i*wehrt*n siud au die damit Wtraute Comnii.<'^]0]i eine Vi 
3lodelleti oii!tliseber iiod fremder Erfinder gelangt darunter i. R 
System Eiifield-Jöne!? mit BWk\erschliiÄ^ dünn die Sjainiie LJ 
und Lee* Burton. Wide mit Koibenversrhlass ; ii Ende Hn^tbI 
wiinle aiich iu den ^TVm^^- die bevar^teheDde Er)%nibiug desiSehuIliI 
Uei^ehieis angeböudigt und das^Ilie in bekamiter WeiM» benror^habi 

I^ut der Nummer vom 7. A(»ril d. J. der ^Arm^ mmi ^ 
(7«€i^#^ wurden von der Uevebr-CommLssian m den TersiiAa bri^ 
Trtii^lH* die Alt^iiii^webre der Systeme L^ und L«e-Burtae ettfiiy| 




I 



'IS83). 

Pig.6. (\i). 




Tat 8, 



nUfrrrJformÄ'^t), 
(Lorenz.) 






1 

1 



9; 
«9 



-' THii 



' I 



I 






^uTiüroue.(%) 

; HfieldrMariua . 



ng.Wa(zuFig.10). 

%furifhfiliye i\ümnenhulse, 
BitdettthriL i^ih 



a Hälse 
h Hals 
c Kojif 








Autii^ im k k.t ^^a Miiii Comite. 



179 



iisländische Versuche zur Schaffung von Gewehren mit 
verkleinertem Caliber. 

Nach den einschlägigen Publicationen zusammengestellt 

von 

IPraziz XZolsxi^r, 

k. k. Ilaujftmann de* AriUltriftahe*. 
(Sehluss *).) 

Schweden " ). 

Obwohl durch die Cabinets-Ordre vom 28. März 1881 für die 
ubewaffiiiing der schwedischen und der norwegischen Infanterie das 
15mm Eepetirgewehr, System Jarmann principiell angenommen er- 
leint, so ist dieses, aus einer zweijährigen Thätigkeit (1878—1880) 
r combinirten Gewehr-Commission hervorgegangene Modell dennoch 
J jetzt erst in 1000 Exemplaren zur Erprobung bei der Tnippe gelangt, 
il seit jener Zeit viele Stimmen eine weitere Herabminderung des 
Übers forderten. Bei der Behandlung dieser Frage war aber keines- 
gs eine weitergehende Verbessenmg der ohnehin schon beim Wlbmm 
liher als vollkommen zufriedenstellend angesehenen ballistischen 
istnngen des Infanteriegewehres geplant: die jüngsten Fortschritte der 
affentechnik sollten hauptsächlich dazu ausgenützt werden, um das Gewicht 
' Munition und der WaflFe selbst möglichst herabzudrücken. In dieser 



1) »Siehe: ^Mittheilungen«, 4. Heft 1. J. 

*) Nach „Kongl. Krigtretenskaps-Akademiena handlingar och tidakriß". Noveni- 
1885. 

21* 



180 



H 



KichtiiDg wurd»»Ti iniii in <1<^n Jabrrii 1882 um\ 1883 zu Hus^^ 
diircli die Schießschule und auch nach Bei*ndigang der Ciirüc durch 
CommigHion raehrfacbt^ Vi^r.siichf^ angestellt, wobei dasselbe Iiailun| 
verhÄltiiis und die gleiche Querschnittsbelastung des ßeschosHeg A 
Wendung fand, wie beiiu lQ'l2mm Gewehr, jedoch keine be^ond^j 
günstigen Itesultate erzielt wurden, da man bei der Construction der zd 
Versuche bestimmten Waffen und Munition auf technische Details 
wenig Kncksicht genoiumen hatte. Es blieb jedoch der Coramissiuu je< 
Zeit- und Üeldaufwand zur Erforschung und Beseitigung der Fell 
durch den glucklichen Uraj^tand erspart, dass Professor Hebler 
bereit erklärte, sein damals fertig gewordenes 8*6min Gewehr in Schwi 
zu produciren. 

Die ersten Versuche im December 1883 auf dem Felde zu L»4i 
gÄrd lieferten zwar kein genügend gunstiges Kesultat; dies wurde jedo 
durch Ursachen erklärt, die aullerbalb di*r Waffe lagen. Aus Aimi 
Grunde gelangte Hebler's 8*Gmm Gewehr im Jahre 1884 nochmals 
Erprobung durch eine ständige Commission in Bosersberg, diesmal jede 
schon im Vergleiche zu einem 8mm Gewehr von Rubin. Hiebei solH 
aber auch gleichzeitig die Caliberversuche in der früher angegebec 
Richtung wieder aufgenommen werden, nachdem beide Erfinder - Rul 
wie Hebler — mit der Venuiiidernng des Calibers ihrer Waffen dur 
EIS nicht die Herabsetzung des G<?wiehtes der Munition und des Gewel 
"»ondern nur die Verbesserung der ballistischen Eigenschaften dersell 
bezweckt hatten, (jewicht und L^nge der Waffen waren deshalb glei^ 
wenn nicht größer als bei den anderen Kriegsgewehren, und hatte 
eine geringe Verminderung des Patronengewichtes — ohne Zuthun 
Oonstructeure - nur als Folge des Systems von selbst ergeben. 

Bezüglich der technischen Details ist zu erwähnen, dass Hebl^ 
Patronen damals noch die bei den heutigen Ordonnanzgewehren üldi^ 
Form besalien; das papierbemuntelte Geschoss war aus einer LegirH 
von 97 Theilen Blei, 3 Theilen Antimon erzeugt und besafi eine 
grollt* i^uersclmittsbelastung, deren Einfluss beim Schießen auf große 
fernungen durch die bedeutende Streckung der Flugbahn besonders 
vortrat Die Züge des Hebler-Gewehres hatten, gleich den Feldern, 
gerundete Eck*^n. Im Gegensatze hiezu wendete Kubin bereits dac 
dai« Kupfennantelgeschoss, die comprimirte Ludung mit rmtralen^ Cai 
und 3 sehr seichte Züge bei seinem Gewehre an. 

Die wesentlichsten ('onstructions- und ballistischen Daten der 
Schweden zuerst versuchten Gewehre kleinsten Calibers sind — im 



osländische Versuche zur Schaffung von Gewehren mit verkleinertem Caliber. 181 

iiche zu den für das lO'lbmm Jannann-Gewehr seinerzeit gewonnenen 
nachstehend tabellarisch zusammengestellt ^) : 



















B«f.irh r 






Dpi* 


D*?r Zfli5«= 




Di?« G»«cH(?q.-ieii 


Der 


i^t« Auf 


e1i<an«r 






Walfe 








!**tronn 




Hanin 




















































« 












ein r»w 








* 
















IS» 












hohii 








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Aus obigen Ziffern ist zu erkennen, dass Kub[in's Srnrn Gewehr 
liek in ballistischer Beziehung den beiden anderen Waffen überlegen 
wigte, was sich auch beim längeren Schießen ohne Laufreinigung erwies. 
We lusgeschossenen Hülsen konnten jedesmal leicht entfernt werden, 
'ikrend sie beim Hebler-Gewehr oft im Laufe stecken blieben. Bezüg- 
ck der Eindringungsfllhigkeit rangirten die Waffen: Hebler-, Kubin-, 
um das lO'lbmm Gewehr. Auch bezüglich des ßeinigens der Waffe 
]g&b sich kein Anstand. 

Dagegen bemerkte die Commission in ihrem Berichte, dass das 
twehr und die Patrone des Systems Bubin ein größeres Gewicht be- 
tau, als es den geforderten ballistischen Eigenschaften desselben ent- 
rißt und dass eine Reducining des Gewichtes sehr erwünscht wäre. 

Um nun am schnellsten und sichersten Aufschlüsse über die damals 
der Schweiz durchgeführten, ziemlich ausgedehnten Versuche mit 
tbin-Gewehren zu sammeln, wurden im Herbste 1884 zwei Officiere 
3 Ausland entsendet. 

Für die Versuche des Jahres 1885 lagen hierauf der wieder zu- 
nmentretenden Commission zur Erprobung vor: ein 7-5mm Gewehr 
i Carabiner, System Hebler , je ein (neues) 8mm Gewehr und Cara- 
ler, System Rubin, dann ein 7*5w?;i Gewehr und das schon im Vor- 
re erprobte 8mm Gewehr desselben Systems. 

*) Nähere Angaben über die schwedischen Gewehrversuche im Jahre 1884 
nden sich in den „Mittheilungen" 1885, Notizen, S. 19 u. ff. 



182 



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Hebl^^r'.s 7'5mm Waffen besiil]i»n diesmal schon ein StahlmantM- 
Verbnnd^esehoss, wahrend die FulverladuB^ noch immer lose eing</tuUt 
nnd wie beim älteren, 8'6mm Oewehre — vom beschösse nnr dnirt 
ein Cnrtonpiüttchen getrennt war, 

Kuiiin's neues 8mm Gewehr hatte ein etwas geringeres Gewicht ali 
das ältere Modell; seine Patrone war länger und etwas leichter als jene de$ 
älteren Oewohres gleichen Calibers, Das 1-bmm Gewehr dieses Svi^tems scho;«» 
eine* der anBerenForni nach jener des 8j^^w>t'aliber8 gleiche Patrone. welcJi# 
nnr oben znr Aufnalmu« den 7'bwm Geschosses etwas mehr eingf»zogen war* 

Für die 8inm Patrone war aiil]er der in der Hülse {xov den 
Einziehen ihres oberen Theiles i zusammengepressten Ladung noch tU« 
Füllung mit losem Gewehrpulver in Aussicht genomiueu. um so dif 
Hühen wiederholt verwenden zu können, indem das erneuerte Pregy«^i 
des Pulvers wegen des bleibenden (starken) Einzuges nicht mehr erfolgea 
konnte. 8otcbe* uiit loseiu Pulver gefrillte Patronen sollten nur für minder 
wichtige (■bungen verweiuiet werden, bei denen an der -— gegen dif 
Kriegspatroneu mit gepressten Ladungen - geringeren Geschosf- 
geschwindigkeit nicht so viel gelegen wäre. 

In nachstehender Tabelle sind meder die T'onstructions- und balli- 
stischen Daten, sowie diesmal auch die mit dem (Vusher gemeÄsenen 
Gasdrücke auf den Verschluss in Kilograuim nnd in Atmosphären aU 
Gcsannntdrnck zusammengestellt. 




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ausländische Versucht' zur ^ohaifting von Gewdjren mit verkleinertem Calihfr 183 

Obige Ziffern bedilrfen, immentlich was die ballistischen Leistungen 

belangt, keiner be.sonderrn Besprechung; doch muss bemerkt werden, 

die auB dem Berichte des bestandenen Gewebr-ComiteB entnora- 

ieneri Streiumg.s-Diaraeter des lO'lömwi Gewehres günstiger sind, als 

ie bei dem beschriebenen Versuche im Jahre 1885 von der Com- 

Bsion gewonnenen ihier eingeklammerten) gleichnamigen Daten, 

Als Folge der ungewöhnlich hohen (Ta,sdrücfce bei den versuchten 
iffen kleinsten Calihers traten folgende Erscheinungen auf: 

1. Bemi 7*5wiw Hei) ler-Carabiner sprang der Laut" in der Gegend 
Patronenlagers, sowie der Mechanismus schon beim 7. Schusse, 

2- Bei einem, mit dem Bemington-Verscbiusse versehenen Hehler- 
rehre knimmte sich der Schlu.sstCickboken, so dass die Handhabung 
gehindert wurtb>. 

3. Beim anderen Hebler-Gewehre, welches den Jarraann-Ver- 
Ims besail traten ebenfalls Schwierigkeiten in der Functionirung des 
iteren zu Tage, 

Beim 8mm Ruhi n- Gewehr M, 1884, welches bei seiner ersten 
obung ohne Anstand gehaiidhabt werdeo konnte, begann diesmal nach 
KW Zeit der Verschluss infolge des Gasdruckes sich selhstthätig zu 



Beim 8ww Rubin- Gewehr IL 1885 stauchte sieb das Geschoss 
im Laufe <lerart. tlass seine Spitze eine unregelmäliige Form 
demzufolge die bailistischen Eigenschaften - namentlich auf 
größeren Distanzen — nicht ganz den gehegten Erwartungen ent- 
chen, 
6. Durch die während ib^s Versuches periodisch vorgenommene 
lime von Schwefelabgüssen des Laderaumes wurde eine — wenn auch 
merkbare Erweiterung des Patronenlagers hei Rubin's 8 und 
Gewehr constatirl 
Beim Hehler-Gewehr konnte diese Messung nicht vorgenommen 
rden, weil das Patronenlager nicht gerundet w^ar; da überdies das 
ießen bald eingestellt werden musste. indem der Mechanismus nicht 
ir functionirte, so konnte diese Waffe in ihrem damaligen Zustande 
it als Vu-aucbbar erklart werden. 

Beim 8mm Rubin-Gewehr lieferten die Patronen mit compri- 

tem Pulver zu hohe Gasdrucke, wuhreml andererseits die Coinmission 

den ballistischen Leistungen der mit losem Pulver gefüllten Smvi 

Tonen nicht stehen bleiben wollte, sondern annalim, man werde zu 

lern gQnstigen Resultate gelangen, wenn man den Mittelweg zwischen 

oiit großen Gasspannungen (3762 Atmosphären] erkauften Geschoss- 



184 



H O 1 2 II 



AnfäD^sge^ichiriDdigkeit von 595m bei den Patronen mit compriaurkia ^ 
Pulver und den Leistungen jener mit lotiem Pulver (5(^1«!, 2548 
Sphären) betrete* Gleichzeitig mit der Vorlage ihres Bmeltles 
richtigte die Comraisüion den Major R u h \ u von ihrem Bedenken 
sichtlicli deis neuen Gewehres; dieser gab in seiner Antwort zu, 
dem Streben nach möglichster Steigerung der Gesehos8g«schwindJ| 
den auftretenden GaMrücken zu wenig Beachtung geschenkt wordeai 
bei dem bereits besteUten 7'5mm Gewehre werde er auf diesen Cii 
geburend Kücksicht nehmen. Das fragliche Gewehr langte im Laufe 
Curses der Schießschule zu Kosersberg an und mirde — au^ Mangel u ] 
Zeit — vorläufig nur mit 11 Schnss-Serien belegt. 

Das Gewehr M. II 1885 weist folgende Ändenmgen auf: 

L Um den Gasdruck auf den VerschluÄii zu reducireiu i^t 

Durchmesser de» Hülsenbodens verminderL 

2. Um die ausge.schossenen Hülfen mehrmals fllr comprimii 
Pulver verwenden zu können, sind sie vorne überhaupt nicht eingezo 
sondern es ist der Raum zwischen Geschoss und Hülse von einem Me 
ring ausgefüllt, welcher sich im Laderaum gegen eine Kante im Pat 
lager lehnt. Nach dem Schusse wird dieser Ring, in der Hülse sit 
mit derselben extrahirt. Zum lieconstruiren der Hülsen h&t maa 
den King hemiiszuziehen, die Hülse zu reinigen, rückzupressen nod 
zu bekapseln, worauf zum Anfertigen der Patronen ein gepresster Fulf 
cylinder eingeführt darauf der Messiugring eingeschoben und wieder 
Geachoss eingesetzt wird M. 



*) ProfetMfor Hebler schreibt in geiaem triiher erwähnti^ti Buche ^I)sl!» kldfUU] 
Caliber» oder das zukünfti|re lufanteriejjewehr*" auf Seite 55 dieser Ädjtt^ttniD|»'l 
weise ^die in kleinem Maßstabe in Österreich bereit* 1884 in älinlicher Fun» f»^] 
sucht wurde) die folgenden Nachtheile zu: 

1. Mus« der vorn in der Hfllse eingesrhobeue Rinfr ein ziemUch bcdea 
Gewieht habcm da er, tun gcnü^^end abxuachließen, nicht zu kurz sein daif. 

2^ Auf diese Weiije kann ein hennetiseher Abschlus:» nicht erreirlif ^ 
der King kann wohl mit der elastischen Hülbe «licht abscliließen, weil . 
fedenid iiri den fe^^t sitzenden Ring an|)resst ; der King kann hingegen mit i 
tieschui^se niemals einen hermetischen Abschlusjs bewerk*ieUi|Bren , weil er 
elaüti^ch und «iL^dehnb&r ist wie die Höli^e. Wird nun die Munition längere 1 
Stößen und Erschütterungen ausges^etit — wie die» beim Tragen in der Pat 
tUHche» iin Türiiister oder beim Tmnisport im Munitii^ns^wagen der Fall ist 
wird das lM'seh<tt8s in meiner starren Umfasisung locker, wenn es die« nicht •fli«a| 
vttrhor war, und Ift^st die Luft und Feuchtigkeit anstand&lus mit dem Inhalt 4rtJ 
Habt' coininuiifcirt'n. So wird dann die Ladung von der Feuchtigkeit angegrilNj 
und \erdorhen 




sländische Versuche zur Schaffung von Gewehren mit verkleinertem Caliber. 186 

3. Um die Reibung des Geschosses an den Laufwänden zu ver- 
fern, war der Durchmesser desselben so verkleinert, dass es nur mit 
I Bodentheile in die Züge eintrat. 

4. Die gepresste Ladung besaß, entgegen den anderen Rubin-Patronen, 
flen centralen Canal. 

Das Kupfermantel-Geschoss wiegt 14//, die Pulverladung 4*755' ^^^ 
ganze Patrone 29g, 

Die ballistischen Leistungen des neuen R u b i n - Gewehres» 
wie die mittleren Gasdrücke bei demselben sind, im Vergleiche zu den 
IS früheren Versuchen bekannten gleichnamigen Daten für das Jar- 
ann- Gewehr in nachstehender Tabelle eingetragen: 





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Die Handhabung des Verschlusses beim neuen Rubin-Gewehr 
urde in keiner Weise durch steckenbleibende Hülsen u. dgl. gestört. 
eich den anderen Versuchsgewehren dieses Systems bewahrte auch das 
mm M. 11/85 seine guten Schuss-Eigenschaften, selbst nach längerem 
üeßen, u. zw. bei ungereinigtem Gewehre, während das Reinigen selbst 
nach Anfertigung geeigneter Geräthe hiezu ~ keinerlei Schwierig- 
ten bereitete. 

Dagegen muss bemerkt werden, dass die Differenzen der Einzel- 
ssungen der Geschossgeschwindigkeiten ungewöhnlich groß waren, u. zw. 
Maximum 26m: es erklärt dies auch die beim Schießen auftretenden 
ßeren Streuungen, u. zw. liegt die Ursache hievon in der Pressung 
I Pulvers zu einem cylindrischen Korn ohne Zehrloch. Dieses Korn 
d an der rückwärtigen Fläche entzündet, und es verbreitet sich das 
ler — während das Korn durch die entwickelten Gase in die Bohnmg 



186 



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^'pworren wird — sowrilil längs d«*r Manielttäcbe d»?s C\ixnd«^r«, aU 
Hchiclitenwoist.» mich der häMy^t* df8sell>eu, so da^üs auf die»o W^iiio die 
Verbrenniingsfläche stets wechselt als auch keini* gUiclimälügo Etil- 
Wickelung der Piilvergase ^tattfiiideu kaiiiL 

Ganz anders kiiiiii man sich die Verbroimung einos. mit t^critraleni 
Canal versehenen rationell gepressten Pulver-Cylinders erklären: hier 
längt zuerst die Innetiflaehe de« Canals zu brennen an; dieser wird all- 
mählich immer weiter, d, b, die Rrennfläclie immer größer und «^j* ent- 
wickeln sich immer mehr Gase, so das.s sich eine gleichförmige und pr 
gressiv*- Entwickelung der Fulvergase auf diese Weise ergibt 

Außer der grollen Streiaing heim Schießen mit dem neuen 7'5« 
Gewehr*) war bei demselben - wie der Vergleich der Tabellen zei^jt 
— auch der Gasdruck in AtmoHphtlren ebenso groß wie beim 8mm 
Rubin-Gewehr M. 85, wenngU^ich der Druck auf den Verschluss (Boden* 
drucke nicht viel größer war nls beim 1015?«^ (iewehr. Es ist dem* 
nach zu besorgen, das« nach einigem iScbießen sich auch hier der Lade- 
raum erweitere; aus alF den entwickelten Gründen konnte' das Gewehr 
noch nicht annehmbar genannt werd«a. 

In welcher Kichtung die schwedischen Versuche im Jahre 1886 
fortgesetzt wurden, lüsst sich aus der am 12. Juni hei der schweize- 
fischen Industriegeßellschaft gemachten Bestellung *) von 8000 Stficlf 
7'bmm Gewehrpatronen nach Eubins 2. Modell unit comprimirtein Pulver)| 
6000 Stück 8mm Rubin-Hölsen. 10,000 Stück Smm Kubin-Geschossea 
und 12.000 Kapseln schließen. 



Portuc^aL 

Zu Ende des Jahres 1885 wurde eine Commission eingebet 
welche die Einlader-SystiMrit^ (l n J* d e s, M e s n i e r und P i e r i, sowie da^ 
Kepetirgewehr von Mauser behufs Wahl eines Neu-ModelliJ ftir die 
Bewaffnung der portiigiesischen Infanterie zu prüfen hatte*). Infolge des 
{^einstigen Ausganges der Versncln^ mit den Systemen Gul»de<j und 



«) BIffiMbe iftt jtnloi'li nicht jrrr.ßor nl» bciai 10 Vomm iivwvhr. 

»I ^ArHlltri^TkUkriß'*, 8 und 4. Hi-ft, 1886, Seite 2i der Vcrordnmigen 

•J .AUk Mil -Ztg - \m\ Nr 74 



he Vernüche zur Sdiiiffan^^ von Gewehren mit verkleinertem fVlilM/r 187 



erfolgte im November 1885 eine BeRtellun^ yon 40.000 ih^- 
les erstgenannten Systems bei der «sterreichisclieii WaftV-nfaliriks- 

tpt in Steyr tmd angeblich aiieh von 6000 liepetir^ewebren. 
ansen in Oberndorf a. X. Indes ergaben ^icb zu Heginii 
.SHO-Erzeugnng des Guedes-Gewehres (vom Caliber Smin) anf 
n**lipiatxe zu Tancos mehrfache Cbelstände, deren gänzliche 
mg dem Erfinder nicht gelingen wollte. Aus diesem Griuide 
e Regierung von der Annahme dieses Systems ah innl traf 
Waffenfabrik in Steyr ein Cbeieinkommen, wonach statt der 
des-6ewehre dieselbe Anzahl von Kropatschelc- Repetir- 
it Smin Odlilm' als M. 188f> zu liefern ist.'j, 
dem Jäunerhette 1887 der portugiesischen „Revütn das Sritn- 
'^^ köuuen vnv nachfolgende Angaben über die Kleincalilier- 
ehre imd Carabiner iL 1886 (System Knipatscheki bringen, 
Üx auf die Ermittlungen der im September inid ih*tober 1886 
,as-Xovas tagenden Yersiichs-*.'ommission gründen. 



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I Gewehre« 

8abe!bBJ cm nettes - . 

er Wiitfe mit leerem Magnziii 
„ , ^ jji^miltt'iii ^ 

[es Sähelbiijoaneties 

ler Bajonnetti<cheid<' 



. . * ( nindi'ten KaJift^in 



' Patrone 

ielit der Patrone , 

ler Puherlmlutig 

eit der Pulverladun^^ 

i G^^scbosses 

le» GeschoHseH 

le*> (Jeschos^es , , 

k'<«'lio«?<i"ührnntr * . 



I «' nehr t.'anibiiior 



.\r IHgg 



Itüttwent'rOi'wi'brpuhcr, 



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n.tritilei (.Vutimuü£uiiii(x1 



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»re de f^lmnger*^ vom 15. Juui 1886. 



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iBsiliadisrhe Versuche zur Schafiiing von Gewehren mit verkleinertem Caliber. 189 



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i>. Präcisionswerte für den Carabiner M. 1886 bi^ 800 



Scbu»»dii)tanz in m 


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Treuem fti;^ 


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Als theilweiser MaBstab Mr die Beiutheilung der ScbiBSpräcttti 
des Smm Gewehres M. 1886 mag der für die Entt'ernang van 200iii 
mit 13 5cm bekanute Halbmes.ser de« Streuiingskreises für 50*/, 
daBD der Ziektreifen. in welchem alle Schösse Hegeo, von OOcui 
imd 45nn Breite dieiieiL 

Für die <^eiTibrdete!i Räume ist die Rk-htung auf die Mitte 
Zieles ausgeführt zu d^^uken. Der Erhebungswinkel wurde bei den $fJ 
wehreu M. 1886 .mit 21' bentinimt. 

Bei den portrigiesiseheii Versuchen drangen die Geschosse im 

Cre web re ^ 
^ — V. auf bOm vor der Müuduug in einen Casquiohaholz-Würfel jif 

— — -m»» ein und durchschlugeu bi.s auf die gröliten Aiüsatz-DistaM^f 

die venscbiedeueu Seheibeubrett^r, was eine Dicke von — -em repräseoeirt«». 

Die Ermittlung der Feuerschnelligkeit ergab, dass beini Gebrauthr 

gezielten 10 

des Uewehre?* als Eiuzellader im ■ . .,— Feuer — Schüsse in 

ungezielteu 20 

Minute gemacht werden können, während die Feuerschnelligkeit b«d 

15 

Ke[*etireii sich auf - - Schusse in der ilinute erhöhte. 

Dt-r Rückstoß beim Schießen mit dem —x-zr — Magazin wunii? 

gefüllten ^ 

2" 13 

hidm (T«*\vehre mit —^—m Geschwindigkeit gemessen, wiihrend diese | 



ausländische Vcrsm'hü zur Schiiffimg von Gewehreu mit verkieinei-tera Caliber 191 

2 '28 
ibiner ^—r^^^ betniof. Zuiri Laden dt*s Magazins beim Gewehre mit 

^D 9 PatroneQ waren 13 8eeimdeu, zum geEielten Yerschießeii desselben 

Secunden erforderlioli. 

(if^weiifen 
Die aus ,, abgegebene Maximal - SchiisazaM betnig 

Schösse, bei welchen sich kein Anstand bezüglich der Fuuctionirung 
Pft Vf-rHehhisses imd de« Kepetirmeebauiämiiö ergab. 



Dänemark. 

Von den im Jahre 1883 und 1884 erprobten (fewehreii kleinsten 
lib«?rs der Sy^teDie Rubin, H e b 1 e r, < i a r b e und K e i 11 e r gaben 
beiden erstgenannten Waffen i Caliber Smm, v^n\h 8'7 mm) derartige 
ate bezüglich ballistischer AVirknng und Sebnas-Sicherheit, dass 
Bche damit in groüerem MaBstabe begonnen wurden. Hiezu ver- 
wendete man einerseits Smm Läute und kupferbemäntelte Geschosse, 
andererseitB dehnte man die Erprobung des Systems Hebler auf dessen 
T'b&mm Gewehr mit Stahl-Yerbund-Gesehosseii aus 'l 

Bezüglich des Systems Keif 1er sei hier bemerkt^ dass dasselbe zu 
B»er Zeit auch in Österreich erprobt wurde*). Dasselbe lehtite sich 
bezüglich des Verschlusses an das Hemington- Gewehr (Klappenver- 
chluss) an und besaÜ zwei Züngel. \'on welchen das eine da^ Ofthen, 
andere das Schließen des Yerscblusses bewirkte, sobald ein Druck 
isselbe ausgeübt wurde. Beim Öffnen ward der Hammer gespannt 
die Patronenbülse extrabirt. beim Abziehen des anderen Znngels 
»Igte das SchlieUen des Versoblusses und die Entzündung der Patrone. 
Der Lauf — vom Caliber S'ömm — war 940m/» lang und mit 
trapezoldlonnigen Zügen verisehen, deren Drallänge 383wm betrug. 
ie Patrone hatte eine flaschenir*rmige Messinghülse mit einfacher Kapsel 
|ind enthielt 5fj Eottwi-iler Gewehrpulver; das papierbemäntelte Weich- 
pleigesehoss wog 16' 7^. 

Mit dem Gewehre wurde eine mittlere Geschoss-Aiiffingsgesch^^indig- 
bit von 508ff», aber auch eine sehr ungünstige Schusspräcisinn auf 300 



*) „Löb*?irii Jahrt'Hljt rirht»'^ pro 18&4, Seite 5ö, 

*) Unuere „Mittheiluny'eri" Jbr^^^, 1883» tJrüßere Aufjsätze^ Soite d2'i und 
r, 1884, GrOÜere Aufsätze Seite 109. 



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192 



H o 1 z n « r 



und 600 Scliritte erreicht, weiters stand auch die DoreliftdiUgskiift 
B5miu Geüchotisje jener der Patrane M. 1877 nact 

Diese nng&nstigeo Schießergebnisse führten zur EtnstoUiing 
Erprobung des Systems Keifler in österrricL 

In Dänemark war die Lösang der Gewehrfrage im Jahr^ 1885 
weit vorgeschritten *), dass das Kriegsministerium 545,000 Kronen 
erste Bäte für die Beschaffung neuer Gewehre iu das Budget pro 1 
einstellte. Die Versuche mit Srnm Gewehren hatten als Grundlage 
Maximal-Gasdruek im Laufe vod 1600 Atmosphären bei 525m An! 
geschwind igkeii Letztere Forderung bedingte die Anwendung com] 
mirter Ladungen, deren Herstellung endlich durch eine geeignete 
der Pressung des Pulvers in der Hülse und bei Anwendung einer, 
der staatlichen Pulverfabrik hergestellten Pulversorte gelang. 
anderen versuchten ( fremden} Pulversorten hatten bedeutende Gas< 
in der Bohrung und — im eomprimirten Zustande — keine gnl 
Resultate ergeben. 

Als Krgebnis der dänischen Versuche mit Kleincaliber-Gewe! 
liegt nun ein Lauf von 8mm Oaliber mit H Zügen vor; die Patrone 
eine flaschenformige Messinghfilse mit Centralzündung und bg com 
mirten Pulver>j. Die fertige Patrone wiegt 31*7// und ist 77mm lang. 

Das kupferberaäntelte Gesehoss erhält auf 25m vor der Mündung 
Geschwindigkeit vcm 630m, der maximale Gasdruck beträgt 1624 Atmö^ 
Sphären. Die Schusspräcision und Bahnrasanz gleichen jenen der besteo 
bisher conf^truirten Gewehre, 

Von den Versuchen mit verschiedenen Kepetir- und Versehlui^?- 
mechanismen hatten nur jene mit dem Lee-Magazin zufriedenstellende 
Besultate. 

Die Treffsicherheit des dänischen Bmm Versuchsgewehi-es lässt mA 
durch den Zielstreifen für die bessere Hälfte der Schüsse beurtheflia. 
welcher beträgt'): 



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*) «Uvbell» Jahresbtfrichtt?** ^iro 1885, Seite 73 und 75, 
■) „V'nrt F.l^sva^^ Nr. 156 B vom 12. Pt?c«fnib<?r 1886 



|lttiyidi8eli€ T ersuche zur Schaffiii]^^ von Gewehren mit verkleiiit'rtem CuHher. 193 



In der jüngsten Btulget-Deliatte im Volksthin^ kam iiiicli die (lewehr- 
^e zur Sprache, indem der Kriegsminister zur Eef^cliaftimg Tfm 
1,000 Stuck Siiim Maga^insgewehren (zu 5 Patronen nh Ladung des 
ee-Magazins) 4,100.000 Kronen (in fünf Raten) forderte: die Bewilligung 
bser Summe scheint jedocli vorhiufig aus politischen (iründen auf- 
choben zu nein, nachdem die Majorität — die Versuche noch nicht 
Äbgeschloggen ansehend — keinen besonderen Aiisschuss zur Prüfung 
.Dringlichkeit etc. einsetzen wollte. 

Um aber den Reichstag doch möglicherweist* zur Bewilligung des 
tiis zu bewegen, fand vor dessen Mitgliedern aoi 28. Februar auf 
Ingtel A mager ein Vergleiclisschietlen zwischen dem neu einzu- 
enden Smm Repetirer und dem norniaien IVbvtm Kemingtnn-dewehr 
1867 atntU hei welchem erstere Wafl^e groOe Vortheile erwies 'J. Die 
ögeschwiiidigkeit dei!i tupferbemäntelten Smm Geschoases betrug 
kr 1700 Fuß f533'5w), d. i. um 177w mehr, als jene des 25// schweren 
;5ww K»^mington-<Teschossps ist (1200 Fuß = 376'6ni). Der maxi- 
le bestrichene Raum gegen lufanterie (Zielpunkt: Hohenmittej hat sich 
11 T42 Ellen - 46f/8m. (620 Schritt) gegen 517 Ellen -^- 325m des 
lemington-<iewehres ergeben. Die 8mm Patrone wiegt 33^ gegen 35.^ 
pr Kemington- und 43^^ der Mauser-Patrone, wobei bemerkt sei, dass 
Remington-Patrone ihr geringes Gewicht hauptsachlich der nur 5'5*7 
tiweren PatroiierihülBe verdankt, während auf das ll'ö^mn Geschoss 
auf die Pulverladung 3*9// entfallen. Das neue dänische Gewehr- 
iver verschmutzt den Sinm Lauf viel weniger als das ulte, und konnten 
100 Schüsse» ohne den Lauf zu reinigeo. aiigegel)en w^erden, ohne 
die TreÜsieberheit abnahm, 

Nachdem di^ Kesultate des Productionsschieliens nicht zu Stodieu- 
leeken bestimmt waren, glauben wir auf ihre Anführung hier verzichten 
kdonen, und erwähneji nur, dass im Schnellfeuer von nemi Schützen 

188j#» (300 Ellen) Distanz während 33 Secunden heimv. — - — r - 

Remmgton 
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rwf^lire — - Schüsse mit -— Treffer u in der Cavalleriescheibe gemacht 
54 31 ^ 

ardeu. 

Das „Militär- Wochenblatt** (Nr, 40 vom 11. Mai 1. J.) bemerkt 
Ell der vorstechenden ^littheüimg der Zeitschrift j,Vnrt. Forsvar" über 
dänische Stnni Repetirgewehr, es scheine hei dem Verfasser des 
original artikels „der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen zu 



*) ,Von Foravar", Nr. 102 vom 6. März l J,; ^Mihtar- Wochenblatt" vom 
\n. Apnl 1887, 

93 



194 



H f> l « n <* r 



sein, ili*iiii fast ?uurht*^ tnaii nach Lt^HUüg lien AiÜHatsSs 
CS Däniauark gfliingea nei, ein kriegsb rauch bares K^r^petirKt'Wfi 
von 8mm Caliber fertigzustellen» ein« Aufgabe, die bisher von keinem 
<i«*r ilbrigou StaattMi endgültig hat geb^Ht werden kouueir» 

^AJlü Staaten, wenn sie auch vnn den Vortheilen der VerringeruDg 
des Calibers \un llmm auf 8mm für die Uestreektheit der Bahnen, lur 
die Erleichterung der Munition u. a. w. überzeugt «ind, kämpfen nock 
mit den ti'chni^elien Schwierigkeiten, die namentlich die Puh erfrage för 
das kleine Gewehrcaliber darbietet und stehen noch vor der Losung von 
Aufgaben, die erst ik* Zukunft herbeifuhren kann ^). Selbst die SchwtMi, 
welche zuerst ernstlich der Frago der Caliberverringerung durch die 
arntliehen Verbuche des Major Kuh in in Thun und durch die privaten 
Versuche des Profes^sor Hebler in Zürich näher getreten, ist, wie ver-» 
lautet, trotz jahrelanger Bemühungen noch keineswegs dahin gelangt,, 
ein kriegsbrauchl)ares Gewehr von Sfum Caliber mit kriegöbrauchharer 
Munition fertigzuntellen, und denkt vorläufig noch nicht daran, ihr vor- 
trefflichey Vetterli-Uepetirgewehr von 10'4n*m Caliber durch eine Waffe 
von bis zu Smm oder noch weiter verkleinertem Caliber zu ersetten**. 

,.Und da sollte es Dänemark gelungen sein, ein krieg-sbrauchbares 
Snim Hepetirgrwehr fertigzustellen V Das erscheint weder wahrscheinlich, 
noch deuten darauf neuere Nachrichten hin. Im Gegentheil la.ssen letzti?re 
erkennen, das.s trotz der im Vorhergehenden nach Vort Forsvar dar* 
gosjtellten Besultate des am 28. Februar 1887 auf der Insel Anv-'t^- 
10 Gegenwart des Kriegsministers Bahn so n vor den Mitgliedern i- . 
KammerD des dänischen Keichstage.n ausgeführten FrobeschieÜen» die 
Bewilligung der zur Beschatfung der neuen Ciew»dire verlangten Kumme 
nicht stattgefunden, sondern vorläufig vertagt worden ist, und zwar so lange, 
bis aich die Ergebnisse übersehen lassen, welche die Bewatliiung eiued 
Kekrutenbataillons mit Gewehren neuen Modells liefern wird. So meldete 
z, B. die Norddeutsche Allgemeine Zeitung in der Nr. 153 vom 1. April 1887 
in einer Correspondenz aus Kopenhagen vom 28. März, der Volksthing- 
Au*?schnss habe vorgeschlagen, in Betreff der Beschaffung der neuen 
Gewehre noch keinen endgültigen Beschlwss zu fassen, sondern erst die 
Proben bei einem Kt'krnti'iibataillun :ilr/jiw:irt<'n: ilagegen habe er — beiüt 



'» In dt*r „l>eutrtt*li< u H<.^i»r*hÄ''iluiii;'', <Uüü iimh lü Nr 32, 36 und 37 de^ 
BUttea liofuidi?ii «ich xwei längere inU*n'tii»anto Abh»fidlun^ini vuti ^ivm biika .: _ 
Major Ewftld Thiel» iwf welch« wir wc|ren der vollcmicten Pruckbt^mig dieser 
^tudit* — lidder nur viTwoi^Mi kAimuü. Ihro Titel niiid: ^Ua» kleine Cülib.T und 
n^iii Palvcr*', diLnu ^UepetirgcweUr und kleint:^ Caliber*^. 

A. d Ki'd 



[ Aaslttodis che Versuche zur SchaffDnjr von Gewehren mit verkleiiu-rtetn Cnliber X95 

weiter — bpantragt. vorläufig 415.000 Kroaeu zur Errichtiiog oiüor 
eilen Gewebrtabrik zu bf^willi^f^n,*^ 

j,Nacb tausendfältigen Erfahrungen baben Versuche mit wenigen 

lemplaren von Oewebren sehr oft die gliinxendwten Ergebnisse geliefert, 

pnd spater dieselben Gewehre l»ei der Massenanfertigung und bei 

Massengebraiieh sich als kriegj^iinbrauehhar erwiesen, Noi^h die 

Zeit hat hiefftr ein Beispiel geliefert, da das in Portugal ziur 

aniug beistimmte Guides-Gewehr, nachdem bereits eine erhebliehe 

desselben bei der WatFentabrik in Steyr in Bestellung gegeben 

r, 80 viele Mängel zeigte, da^s die portugiesische Kegierung von 

en Eintuhniiig Abstand zu nehmen gezwungen war. Daher erseheint 

Se in Dänemark beobachtete Vorsicht vollständig gerechtfertigt. Man 

rird abwarten müssen, ob sich die portugiesischen Erfahrungen in 

Inemark wiederholen werden.** 



Belgien. 

Über die belgischen Versuche rait Kleincaliber-Gewehreö liegen uns 

keine anderen neueren Nachrichten vor, als zwei Notizen {„La Franm 

%miWmre'^ von Ende August und Anfang September 1886). welche be- 

Psgeu, der Kriegsminister gewärtige die Beendigung der vergleichenden 

r VrriJache zu B e v e r 1 o o mit Gewehren verschiedener Systeme und weiters, 

n seien laut Meldung der ^Bdtjiqm milttfiire^ Versuche mit 7'5nim 

Lebler- Gewebren, Bmm Xagant- Gewehren und llmm Alhini- 

Jewehren zu Beverloo auf der Weitschusslinie ausgeführt worden. 

Ende August inforrairte sich General Pontus persönlich in der 
[lewehrfabrik zu Lütt ich über den Stand der Gewehrfrage, wobei 
e^iiouders «las R e m i n g t o n - L e e -Gewehr mit seinem mobileri Mittel- 
|tliafk(-M3gazin für 5 Patronen als vorzügliches Kepetirgewebr hervor- 
lehoben wurde'). 

Die am 8. Februar 1887 eingebrachte Creditfordernng von 
|l^*,573.836 Francs enthält als erste Kate (von drei gleichen) für die 
Seubewaftnung der Infanterie den Betrag von 5 Millioneru olme sich 
Iher das System oöen auszusprechen''). Indes sprechen nach obigem Stande 



»j ,Keuc militärische Blätter*', Noveitiber-Heft 1886. 
«) ,Mil^tär-Wf>dl.'nbliltt^ Kr. 18 v. J. 1887, 



23* 



196 



H *j 1 z n e r. Außländisehe Vereucli^i etc. 



»ler l>in^e alle Anzeichen (Jafün dass sich Belgien fiVr ein 8rnm Hepetir- 
^^^wehr mit bewt'ijflichi'm Mittclsehat'ts-Magazin entschieden habe. 

Unverbüroften Nachrichten zufolge soll dieses 8mm Gewehr an« 
<iieblich di-ei Züge von 29<'m Drallänge besitzen und ein 32mm lange» 
15*ö/; schweres Stahlverbund-Geschoss mit 3*75.^ Ladung lese eingelullteo 
Kottweiler Pulvers schielien u. zw. bis auf 2100/n, mit einer Durch* 
sehlagskraft von noch 9bmm Tanne nholz auf dieser Distanz, 



Andere Staaten. 

Die Heere Hussland^, Italiens, Deu tischlands bleibend 
ihrem lusherigen Gewehrcaliber von 10'66mn^ 10*4wf;// und 11mm. — 
In der rus.sischen Armee sprechen .sich maligebende Stimmen — wie z.B. 
( jeneral-Lieutenant C e b i s e f f und D r a g o m i r o f f ^ g^gen jede we^te^ j 
gehende Caliber-Keductiorj aus ; die beidei! anderen Staaten habeü 
bekaimtlicb ihr Ordonnanz-Einladergewehr durch entsprechende Adaptiri 
zum ßepetirer umgestaltet. 

Das serbische Infanterie-Gewehr M. 1880 (System Mauser*lt 
vanovic) mit Wl^mm ist den Lesern der ,,Mittheilungen** eben- 
bekannt wie die Ordonnanz-Modelle Kusslaiids^ der »Schweiz und It i 
mit kleinerem Caliber als llwm. 

Die außereuropäischen Gewehre dieser Art. wie J a p a i 
Murata-Gewehr (10'fl5mmK Argentina'n Coata-Gewebr ( 10*3n 
Ideten uns für ein näheres Eingehen zu wenig Interesse, da ihre Leistimg 
durch die neuesten Kleincaliber-Waflen weit übertroffen werden. 



-^ses2^- 




197 



Praktische Anleitung für den Entwurf von Noth- und halb- 
permanenten Briiclcen zum Feldgebrauche. 

Mit fielen praktischen Tabellen und zwei Graphikons zum directen Ablesen aller 

Dimensionen 

von 
J'oKajan. SlropaSelc, 

Hauptmann im k. k. Pionnitr-Rtgimtnt*. * 

(Hiezu Taf. 9.) 

Vorwort. 

Das vielfach empfundene Bedürfnis nach einfachen praktischen 
Kegeln, welche den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken 
ohne Durchfuhrung weitläufiger Berechnungen — sozusagen an Ort 
und Stelle und aus dem Kopfe — ermöglichen sollen, gab die Anregung 
zu der vorliegenden Abhandlung, in welcher der Verfasser sich zur 
Aufgabe gestellt hat, auf wissenschaftlicher Basis und mit Zugrundelegung 
der reglementären Bestimmungen die Constructionsdaten füi* alle im 
Felde vorkommenden Noth- und halbpermanenten Brücken in einfache 
und praktische Formeln und Graphikons zu bringen. 

Die erlangten höchst einfachen Besultate, welche den zum Entwürfe 
oder zur Beurtheilung der Brauchbarkeit solcher Brücken berufenen 
OfBcier in die Lage versetzen, die erforderlichen Dimensionen aller 
Constructionstheile für jede beliebige Spannweite und jedes Brücken- 
Svstem sofort aus den beigegebenen Tabellen oder dem betreifenden 
Graphikon abzulesen, sind übrigens auf eine Form gebracht, die sich 
leicht dem Gedächtnisse einprägen lässt und so im gegebenen Falle 
auch ohne Zuhilienahme jedwedes anderen Behelfes eine zuverlässige 
Beurtheilung der vorliegenden Verhältnisse ermöglicht. 

Die Graphikons sind von solcher Einrichtung, dass dieselben 
schon allein — ohne jede weitere Berechnung — das Ablesen der 
Dimensionen für alle Constructionsdetails gestatten. 

Bei der vorwiegend praktischen Kichtung, für welche der Verfasser 
j*ich entschieden, war es unvermeidlich, zur Erlangung geeigneter Resultate 
hie und da — den praktischen Bedürfnissen angemessen — nur 



198 K r p a 6 e k. 

Näherungswerte abzuleiten : möge daher der Fachmann dieser Abhandlung 
eine nachsichtige Beurtheilung zu Theil werden lassen und die aufrichtige 
Versicherung entgegennehmen, dass mir etwaige Vorschläge für Ver- 
besserungen an meinen Anträgen oder zu weiteren, zweckmäßigen 
Neuerungen — im Interesse der wichtigen Sache, um die es sich hier 
handelt — hoch willkommen sein werden: ist es doch der Anstausek 
der Meinungen, welchen der Fortschritt von jeher die Bahn geebnet hat 
Möchte das Ergebnis dieser meiner Arbeit recht zahlreichen 
Officieren aller Waffen — namentlich der technischen Truppen xaA 
der Infanterie-Pionniere — die ausgebreitetste Verwendung .finden; 
möchte denselben daraus — im Felde wie am Übungsplatze — der 
beste Dienst erwachsen: ich habe dann den schönsten Lohn für meine 
aufgewandte MQhe gefunden. 

Johann EropaSek, 

k. k. Hauptmann im Pionnier-Regimentc 

Wien, im Jänner 1887. 



Anleitung für den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 199 



A, Allgemeines. 

1. Grundsätze für den Entwurf. 

Der Entwurf der Noth- und halbpermanenten Brücken wird umso 
chneller erfolgen, je einfachere Regeln und Formeln für die Ermittelung 
ler einzelnen Constructionstheile gelten. Durch die nachfolgenden Zeilen 
rird angestrebt, so einfache Gesetze für die Ermittelung des Quer- 
ehnittes einer Brücke zu ermitteln, dass selbst ohne Anwendung von 
Tabellen die rascheste — sofortige — Bestimmung der Dimensionen 
tUer Constructionstheile für die am häufigsten vorkommenden Brücken 
möglich ist. 

Bevor jedoch zu der eigentlichen Ermittelung der Stärke einzelner 
Constructionstheile einer Brücke übergegangen wird, soll vorerst über 
die zulässige Anspruchnahme des Holzes nach der in der neuesten Zeit 
von allen Technikern gebräuchlichen Methode und dann über die zu 
wählende gleichmäßige Belastung pro m* Fahrbahnfläche gesprochen werden. 

2. Zulässige Anspruchnahme des Holzes. 

Den Festigkeits - Coefficienten, d. i. die Belastung pro r-m*, wenn 
die Trennung — Bruch - der Theile eines Trägers erfolgt, gibt 
Prot Dr. E. Winkler in seinem Brückenbau wie folgt an: 



Tabelle I. 



Art der Anspruchnahme 



Nadel- 


Eichen- 


holz 


holz 


820 


965 


410 


487 


615 


724 


665 


784 


46 


86 


125 


125 







Ztt^esti^keit Z 

iMckfestigkeit J) 

Bnifhfestiffkeit B, rechteckiger Querschnitt 

„ B^y kreisfjjmiiger „ 

Schabfestigkeit 5 _L zu den Fasern . . . 

n '-I II » « » • • • • 



200 



K r o p a r e k 



Die Belastung» welche der Elasticitatsgrenze entspricht Greoi- 
belaHtujjg - gibt derselbe Autor zu 270% imd den Ela^ticiUts* 
furTlieienteii m 114000% iiro ^m* an. j 

Uieni^ Angaben dienen dazu, um dieselben mit der spateren Ai- 1 
naiime vergleichen und dadiireh den Sicherheitsgrad auch nach die^ii 
Zahlen beurtheileu zu können. 

Für die im Felde zu erbauenden Xoth- und halbpermaneuteD 
Brücken wird im Folgenden, ühereinstimmend mit den Kesultaten der 
im Jahie 1877 im technischen und administratiren Militär-CoDiitf 
ausgf'inhricn Fi'stigkeits-Ver.^uchen, der Brueheoefficient für Xadelholi 
zu 514, der Grenzcaefticient zu 230% pro rm* augeuommen. 

Daa Mall der zulässigen »Sicherheit gegen Bruch - Bmchsicherheit — 
»owie gegen die bleibende Durchbiegung — Greuzsicherheit eiae* | 
TiHgers hängt bei Xoth- und halbperrnanenten Brücken von d«a j 
Zwecke der8ell>en hIk Dem Namen nach könnten Xothbrücken bis lörl 
Elasticitiltigrenze belastet werden, wobei noch immer eine 2'4faehej 
Sicherheit gegen Bruch stattfindet. 

Halhpernuinente Brücken müssen naturgemäß eine größere Sieher 
erhalten, weil sie einen längeren Best^ind haben, dürfen niemals bis 
Ela^ticitSt^igrenze belastet werden und keine in großen Dorchliie 
leigeu. Die bei diesen Brücken erforderliche Sicherheit resp. m 
Belastung pro cm* wird später angegeben. 

Gemäß den neuesten Anschanungen mössen bei den BerecliiiangfliI 
der Brücken die Stöße und die wiederholten Belastungen der Constructioni-] 
theile berücksichtigt morden, weil ein TrÄger. wenn er oft belastet ist] 
und riele St4>ße erleidet gewiss mehr beanspmcht wird, als durcij 
diei«elbe constante Belastung. 

Die wiederholten Beanspruchungen resp. St^ße werden 1ierxick;$ieliligtiJ 
wenn man ein Vielfaches der zufalligen Last in die Kt^liiii 
eiuföhrt weil eine kleinere mobile Beladung den Triger ebenso bt| 
An^pnich nimmt, als eine größere ruhend«*. Nennt man daher N^ ik\ 
Spanonng, welche sich Aurch das Eigengewicht pro om» ergibt^ 
dnrdi die znßlllige Belastung N^^ so ergibt sich die totale Ansf 
Imlinie pro cm^ bei mobiler Belastmig aus 

K=K-^mK,') l 

wob^i m ein CoMeieil kk im fffduagsgraiS bei halbptfmaiieiitfaj 
^timOenbrikken mit 1*75 Mtmaammm wir! 



n IV E, WimUtt« 



1 BA 



Anleitung für den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 201 

Die ADspruchnahme k bei ruhender Belastung, welch' letztere bis 
etzt zugrunde gelegt wurde, ergibt sich aus 

k = N, + N, .2) 

Werden beide (xleichungen durcheinander dividirt und dann 
N^ = n N^ gesetzt, so ist 

k — N, + N, 
K 7n n -f. 1 _ 1-75 n + 1 
T" ~ n+ l ~ n + 1 
K l-75n-t-l-75 075 



k n + 1 7? + 1* 

^=^('"-^) ') 

Die Anspruchnahme bei mobiler Belastung ist daher um so größer, 
je größer das Verhältnis der letzteren zum Eigengewichte ist. 

Nennt man den Bruchfestigkeits-Coefficienten B und den Sicherheits- 
grad bei mobiler Belastung Yh l^^i ruhender v, so ist 

'U 
und 



A-.A 



daher 
und 





K:k = ';:-, 


K 

k 


= '=1-75 'l' 



4) 



d. L, je größer die mobile Belastung im Vergleiche zum Eigengewichte, 
desto größer muss der Sicherheitsgrad y genommen werden. Bei Noth- 
und halbpermanenten Brücken ist 

daher 

-r = %v. 6) 

Der Sicherheitsgrad y muss demnach Vjmal so groß sein, wenn man 
iJie mobile Belastung nm* einfach in den Berechnungen annimmt; oder 
umgekehrt der Sicherheitsgrad Yi wird nur V^mal so groß, wenn man 
die l'75fache mobile Belastung in die Berechnungen einführt. Bei Be- 



202 



K r o p a <' «? k. 



rück^ichtiping der mhendeii Belastung nmss der Sicherheiti^grad imr 

groik»r angenommen werden, als bei mobiler. 

Wird als mittlerer Brochcoefficient 514%, als Grenzcoefficient 2301:; 
pro rm* firirt und weiter angenommen, dass Nothbrüekeri bis zur 
Klasticitätsgrenze, d. i. mit K = 2Z0hf pro cm* beansprucht werden 
könoen. so ergibt sieh die zulässige Ansprnehnahme bei Aunahme van 
ruhender Belustnng [k ^ N^ ^ N,) mit 230 : *\ = 138% pro em\ 
Der Sicherbritsgrad -,\ ist demnach bei Berttcksiehtigimg der mobil 
Bela.stung mit 

bei Annahme von ruhender Belastung mit 

^-~ 138 -"* ♦ 

ZU nebiiipn. 

Bei halhpermaneriteu Brücken, welche längere Zeit al8 Nothbrück^ 
halten mfissen, mnss daher ein größerer Sicherheitsgrad als 2^^ genau 
werden. Nimmt man bei halbpermanenten Brücken den Sicherheit'^gra^ 
nm die Hälfte großer ak bei Nothbrücken an, so ergibt sich bei 
ersteren Yi mit rund 3; bei dieser Annahme ist noch eine * j, fache 
Sicherheit gegen die bleibende Durelibiegung — Elasticitätsgrenze. Eil 
urrfißere Sicherheit bei halbpermanenten Brücken gegen die Ela^ticität 
^^renze als */, ist nicht nothig, eher naehtbeilig, weil dann stärkere 
Dimensionen bei den Constructionstheilen platzgreifen müssten. 

Bei Berücksichtigung der mobilen Belastung, indem man diese! 
l*/^fach einsetzt, ist daher die zuläsNige Anspruchnahme pro rm* 
halbpennanenten Brücken 

Wird jedoch die mobile Belastung, wie dies bisher gescbah, 
einfach genommen ik ^^ N^ + AVK äö muss der Sicherheitsgrad 



und die Anspruchnahrae pro rw* 



514 



=: 103% iHo (ftr hclragt*n. 



Nachdem bei <\it*i\ eingangs erwähnten Festigkeitsversuchen swl 
ergah, dass bei Rundhrdzern der Coetticient ffir die Bruchbelastung grßßer 
al« 514% pro nn* ausßlllt; nachdem ferner auch in der anfange Ton 
l>r. E. Wiukler angegebenen Tabelle sowohl für die Bnieh- als Urem- 
belastuDg gröflere Werte als 514. resp, 230 ersichtlich sind, so ist e4 



Aiil«itiiiig fttr den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 203 

wofcl erlaubt, ein Calciil mit größeren Coefficienten zu machen. An- 
genommen also, die genannten Coefficienten wären etwas größer — es 
wire die Belastung pro mi* beim Bruch = 540% und an der Grenze 
ier Ueibenden Durchbiegung = 230% — so ist der Sicherheitsgrad bei 
is Grenzbelastung 

540 _9^ 

230 ~T' 

bhtr der Sicherheitsgrad bei Xothbrücken, wenn die mobile Belastung 
sor einmal genommen wird. 



• 4 3 

ni die zulässige Belastung pro cw* 

540 



15/4 



= 144%. 



Bei halbpermanenten Brücken ist bei der Annahme, dass die 
sobfle Belastung l'4mal so groß eingesetzt wird, der Sicherheitsgrad 3, 

540 
diker die Belastung pro cm* — — - = 180%; wird jedoch die mobile 

5 
Belaatang nur einfach genommen, so ist der Sicherheitsgrad 3 . — - == 5, 

ö 

540 
hktr die Belastung pro nn^ — — ^= 108%. also ebenso groß, als im 

letknischen Unterrichte angegeben ist. Dies zeigt, dass die gewählten 
ia^nichnahmen, u. zw. bei Nothbrücken zu 144% pro cm\ bei halb- 
fcmanenten Brücken zu 108% pro rm* vollkommen entsprechen. 

Wegen den starken Schwingungen langer Balken wird bei Xoth- 
hltken von mehr als 6m Spannweite die Anspruchnahme pro cwi* ebenso 
pifi angenommen wie bei halbpermanenten Brücken, also zu 108% 

3. Zulässige Belastung der Kriegsbrücken. 

a) Durch Wagen. 

L Allgemeines. 

Zur Bestimmung der zulässigen größten Belastung von Xoth- 
brikkeD wird vorher die Tragfthigkeit der Kriegsbrücke erörtert, weil 
die Dermale (leichte) Kriegsbrücke die beste Norm für die leichte Xoth- 
krücke und die schwere Kriegsbrücke für die verstärkte Nothbnlcke gibt 



204 



K r o j» Ä c e k 



IL Normale Kriegs brücke. 

Diese hat eine Spannweite von 6*Ö4wi (lichte Weite 6'48m} eij» i 
Breite von 3m und hat fünf Balken in jedem Bruekenfelde, ' 

Die i^'ößte Belastung der Balken hndet statt durch den Batailkitf- 
Munitionswagen M. 1863/75 mit Cavallerie-Munition. Bei diesem Wa^#t 
ist der Druck eines Vorderrades 323kg, eines Hinterrades 689% und drf 
Radstand 2*61?«, 

Ruht ein Vorder- und eio Hinterrad gerade über einem Balkfiv 
80 ist bekanntlich das Moment dann eii) Maximum, weun die Kesultireair 
der beiden Räder und das schwere Hinterrad gleich weit von der Balk^^n- 
mitte allstehen. tFig. l). 

Die Entfernung der Resultirenden von dem Hinterrade ist n^ 
finden aus 

1012 ar-- 323. 2-61 
X = 84w, 

Es muss deshalb das Hinterrad bei der ungtinstigsten Stellauj^ 
um iy^2iii von der Balkenmitte abstehen. 

Das Maiimalmoment M. der zufälligen Last ergibt sich aus 

wobei der Stötzendruck 



A = 



1012,2 82 



6-48 



daher 



M, = 124I'93Ai7iii, 
nmd Ititkfpn ist , 
Nachdem das auf einen Batken entfallende Eigengewicht 
Wert E = 224% hat so ist das Moment M, des Eige »gewichtes 

224 - 2-82 



M. 



112,2 82 



1-41. 



6-48 
i/, = i78-39A7iij. . . 

Das totale Maiimalmoment Ai ist demnach 

M=^M, -^ M, ^ U20 3Uym 
Bei I2cfii Breite und 16ciii Hdhe der Balken r^soltirt die Anspnidi- 
imhme A* der Bidken pro cm* aos der Gleichimg: 

K 



T) 



er 




1420-32 = 



12 . 16» 



K = 2r7i;5? . . . . J) 

Die der Wagenbelastung entsprechende gk-iikmaüige La^t G, <to 
dai^dbe Maümalmomeut (^I242A:yMi^ erzeugt, ergibt äieh aus 



Anleitung för den Entwurf von Noth- und halbpennanenten Brücken. 205 

Gl G6-48 ,„,^ .^ 
— = -y- = 1242 mit 

G = 1533% 10) 

Die totale Belastung eines Balkens ist demnach 

P = 6? + £ = 1533 -f 224 = 1757% 
Heißt q die zufällige Belastung pro m* Brückenfläche . . . .11) 
80 muss: 

G = 6-48 . 0-76 q = 1533% 
dein, weshalb 

y = 311-5% 12) 

Die Belastung p pro m* durch das Eigengewicht berechnet sich aus 
224 = 6-48 . 0-76 p 

i? = 45-5 13) 

Die totale Belastung g pro w* ist dann 

g = 357kg 14) 

in. Schwere Kriegsbrücke. 

Die Anspruchnahme eines Balkens durch den BataiUons-Munitions- 
wagen ist dieselbe wie bei der normalen Kriegsbrücke, das Maximal- 
moment daher 

M, = 1242%m. 
Das auf einen Balken entfallende Eigengewicht ist hier 172% und 
das Moment desselben im Querschnitte C 

^. = 86 . 2-82 - -^^1^ . 1-41, 

M, = U7kgm 15) 

Die Maximalanspruchnahme K pro cm* durch den erwähnten 
Mnnitionswagen und das Eigengewicht findet sich wie früher aus 

M=M,-^M, = 137900 = 4^ . 12 . 16* mit 

o 

^ = 269-3, rund 270% 16) 

Die der Wagenbelastung äquivalente gleichmäßige Last ist wie 
früher 

G= 1533%, 
daher die totale Belastung eines Balkens 

P= 1533 + 172 = 1705% 17) 

Aus der Gleichung 

1533 = 6-48. 0-5^ 
ergibt sich die zufällige Belastung pro m', u. zw. ist 

q = 473% 18) 



im 



K r o p a e k. 



«las K 



In älinlicber Weise ergibt sich die Belastung p pro m* dtirri» 
igengewi 



L'ht au8 



172 =1 6*48 . 0-5/) mit 



53%. 



Jl»> 



daher 



die totale Belastung 

(j = 526ÄV/ 20) 

Überblickt man die vorhergehenden Resultate, so fällt auf, da» 
durch die ungünstigste Wagenbelastimg die Balken der normalen Kriege 
brücke mit 277. bei der schweren Kriegsbrücke mit 270%, also über 
der Elasticitätsgrenze, beansprucht erscheinen, was jedoch erfahruni?^ 
emäÜ nicht eintritt, da die Balken nach PassiruDg vieler Munitions* 
"und anderer Wagen, sowie durch dichte Colonnen keine bleibende Durch- 
biegung zeigen. Dies, sowie ein flüchtiger Blick auf die Belastungswei^e 
lehrt dass die Pfosten jedenfalls die Raddrucke auch auf die nebcB» 
liegenden Balken übertragen, dass also der unter dem Vorder- und Hin 
rad befindliche Balken nur einen Theil der ihn treffenden Wagenbelas 
übernimmt, während der Resrt Ton den nebenliegenden Balken aiit 
genommen wird. Wie grofi der von dem Balken aufzunehmende Gewichw» 
theil ist kann luittols Rechnung wegen der bedeutenden CompHcirthfit 
nicht gefunden werden, w^ohl jedoch leicht durch praktische Versucl 
Wird der ungünstigste Fall — der jedoch erfahrungsgeniäß weitaus 
eintritt — genommen, das« die Balken durch den Munitionswagen W 
zur Elasticitatsgrenze beansprucht werden, so ergibt sich der von ei 
Balken aufzunehmende Gewichtstheil. 2. B. bei normalen Kri 
brücken, da 

2 HO 
.—- = 83 = % ist, aus \ , , 1533% 

d, h. der Balken übernimmt nur den */, Tbeil der ihn treffenden Waj 
helastung. während *'\ derselben von den Xebenbalken aufgenoi 
wird. Wie schon erwilhnt^ ist dies die ungünstigste Annahme; hö( 
wahrscheinlich wird jedoch auf einen Balken nur der • , bis % Theii 
der ihn treffenden Wagenlast faetisch übertragen. Bei schweren Kriega- 
brücken ergeben sich auf ähnliche Weise nahezu dieselben Verhältnis- 
zahlen. 

Werden hinlänglich starke Untenüge (Landschwelleu) an ö» 
Balken gut befestigt, so kann man nahezu mit Sicherheit annehmen, 
dass die Wagenlast gleichmäßig alle Balken beanspnicht 

Es ist einleuchtend, dass die im Vorhergehenden bestimmtPii 
Iquivalenteu gleichmäßigen Belastungen pro m* gleichfalls zu groß sind 
^unil in den angegebeneu Verhältnissen reducirt werden müssen. 



Anleitung fftr den Entwurf von Notb- und halbpennanenten Brücken. 207 

Bei normalen Kriegsbrücken ergab sich die zufallige Belastung 
> m* zu 

q = Sll'bkg. 

Entfallt nun 0'8 von der Wagenbelastung auf den Tragbalkeiji, so 
auch die äquivalente gleichmäßige Last gleich 
311-5 . 0-8 = 2b0kg pro cm* 
nehmen. 

Bei schweren Kriegsbrücken ergab sich q zu 

q = 473A^. 
Wird nun diese Belastung nach dem Verhältnisse 

230 _ 23 
270 ~ 27 
dacirt, so ist die äquivalente gleichmäßige Belastung pro w* 

23 
rund 473 . — — = MOkg. 

Diese beiden Zahlen 250 und 400 stimmen auch mit den später 
LS der gleichmäßigen Last direct ermittelten Werten überein. 

b) Durch gleichmäßige Belastung. 

L Allgemeines. 

Die gleichmäßige Belastung, welche einen Kriegsbrückenbalken bis 
ir Elasticitätsgrenze beansprucht, kann aus folgender Gleichung gefunden 
jrden : 

^^.jvioo^im^. 22, 

O D 

Hier ist z die gleichmäßige Last pro Längenmeter, K die Belastung 
ro CTO» bei der Elasticitätsgrenze = 230%, h und h Breite und Höhe 
es Balkens in cm. Die von früher bekannten Werte eingesetzt, 
■gibt sich: 

P . 648 _ 230 . 12 . 16' 
8 ~ 6 • 

Die totale Belastung P eines Balkens ist daher bei der Elasticitäts- 
•enze 

P= 1454% 23) 

id die zufällige 

G = P— E=: 1454 — 172 = 1282% 24) 

Die zulässige totale Belastung g pro m* bei der Elasticitätsgrenze 
ann nun gefunden werden, u. zw.: 



208 



Kropa<^ek. 



IL Bei normalen Kriegsbrücken. 
1454 = 6-48 . 0-76 g. 

^ = 296 oder SOOit^r 26) 

j = 296 — 46 = 260% 26) 

d. i. nahezu 14 Doppelreihen auf ein Feld oder rund 3 Mann pro m* 
(vollkommen feldmäßig ausgerüstet). 

Hiebei ist, wie früher erläutert wurde, mindestens eine 2y4faelie 

Sicherheit gegen den Bruch der Balken; diese würden also bei einer 

9 
Totalbelastung von 296 . - - = 6664^ pro m^ Fahrbahnfläche brechen ; 

die fremde Belastung wäre beim Bruch 

666 — 46 = ^20ky pro m», 
welche Belastung durch Menschengedränge nicht erreicht werden kann. 
Das Verhältnis der zufälligen Last zum Eigengewichte ist 

260 : 46 = 6-4 27) 

III. Bei schweren Kriegsbrücken. 

Die größte totale Belastung eines Balkens ist, wie bei der normalen 
Kriegsbrücke, 

P=1454Asr; 
die Belastung pro wi* folgt aus 

1464 = 6-48 . O^^' mit 

g = 449%, rund 450 hj 28) 

die zufällige Belastung q pro w* 

y = j — p ^ 449 — 53 = 396% rund 400 kg 29> 
Das Verhältnis der zu&Iligen Last zum Eigengewichte isit hier 
396 




Anleitung für den Entwurf von Noth- iuk! halbperman<?nten Brücken. 20S 

t?lehe Belastunor diireli Mensehengeclrituge gar nicht erreicht 
*rileü kann. 

Bei der größten znftilligen Belastnng der schweren Kriegshrücke 
it 396kff pro m* gehen anf ein Brückenfeld {20\\m^) 

.4^ . 396 : 77 = 104 
4 

lüig ausgerüstete Männer^ jedoch ohne Tornister; pro Mann entfällt 

»fiatim TOB 

81 
— — : 104 = 0195m\ 
4 

t9 kommen 5 Mann auf einen m*. 

Bemerkt wird hier noch, dass bei normalen Kriegsbrücken der 
beilige Ponton, welcher abzüglich Aes Eigenge^richtes rnnd 9000% 
rermogen bei Xul! Bordhöhe bat, erst bei einer Belastung von ca, 450% 
po m* untertancht d. i, bei der größten zulässigen totalen Belastnng 
Mihalb der Elasticitatsgrenze bei schweren Kriegsbrücken. 
■ Der dreitheilige Ponton hat bei Null Bordhöhe ein Tragvermögen 
n mod 13500% (abzüglich des Eigengewichtes), kann daher die größte 
Ma^ttmg von 449A^ pro m* mit einer Sicherheit von 

^,^ = 1-49, ru,ul ly. 

4 

\en, wird daher nur % der Bordhöbe getaucht. 

Endlich wäre hier noch zu erwähneu, dass der GrenzcoeflScient 
pro rm^ verhriltnismäßig gering gewählt ist» daher bei einer Ver- 
dräng dieses Coefficienten ein noch größeres Tragvermögen der beiden 
abdicke ngattungen resnltiren würde. 



4. Zulassige Belastung der Noth brücken. 

Die leichten und versturkten Nothbrücken haben den Zweck, die 

le, resp. schwere Kriegsbrücke zu ersetzen. 

Die leichten Nothbrücken hahen demnach die Bestimmung, das 
sir^n einer gedrängten Marschcolonne zu ermöglichen, die verstärkten 
ibrficken dagegen müssen ein Menschengedränge aushalten. Nach 
?in köUDien also die leichten Nothbrücken total mit 300% pro m*. 
versUlrkten Nothbrücken mit 450% pro m* belastet werden. Bei den 
jenaunten Belastungen 300 und 450% pro ni* ist schon das Eigen- 

it eingerechnet; dieses wml si>ecieil nicht ermittelt weil dasselbe 
ens bei Nothbrücken verbaltnisraäßig klein ist und weil zweitens die 

23 



210 



K r [i a ^ e k 



Nothhrücken nicht mit einer so groOen Sorgfalt berechnet und ausgef 
werden müssen wie z. B, die halbiieraaiinenten Brücken. 

Erwägt man jedoch, dass Nothbrfieken ein etwas größeres Eige 
gewicht als Kriegsbrücken besitzen, so müssen auch die für die Bereii 
niiBg dt^r erstereii dienenden Belastungen pro m' Fahrbahnfläche r« 
größert werden. E^j wü*d deshalb die Belastung für leichte Nothbrfick 
zu 320 i325) Ä'^ pro vi* und für verj^tarkte Kothbrücken zu 480 i475»i 
pro m^ Fahrhahiiflache vorgeschlagen; bei diesen Zahlen ist natxirUcl 
auch dan Eigengewicht eingerechnet. 

Dh8 Eigcngewiclit kann bei Idchten Nothbriickeii zu Sl^bOkg, bei < •* 
stärkten Nutbbrüeken zu 8 / + 50ä:j ])ru «i* Fahrbahnfläche E^euommen wenl^n, 
wobei die »Sjmiimreite t in Meti^ni ei nstu setzen ist. 

Die biü jetzt nurrairten gleiehiiiäßi>?eri Belastungen, u, zw, 375% bei leicbta 
ond 475% bei verstärkten Nothbnicken, genügeii nicht, weil 1. der Co^fficient STSJtf 
bei leichten Noth brücken im Verhältius zn den normalen Kriegs brücken zu gTMli 
istj 2. weil das Yt^rhilltniiS der Beliistungen für kncbte ün<I verstärkte Nothbröckea 
375 : 475 /u gerinj? ist, yo «iass für die am hnoflgsten vorkommenden Spannw^i^ 
namentlich hei khin^iren — sich dieselbe Balkenzahl ergibt, daher beide Br i k 
gwttungen gleiche Anzahl und Starke der Balken und Pfosten erhalten (die Tbeiltaf 
der Brückenbreite dureh die ermittelte Entfernung der Balken liegt in der Bc^ 
zwischen zwei ganzen Zahlen ond es wird naturgemäß stets die größere genommfft). 
3, weil die Bidastung von 375%, welche für leichte Nt^thbrdeken normirt ist, ^^ 
einigen Autoren sogar ftlr pernianeute hölzerne Brücken als genügend eraeblH 
worden ist. 

Die gewählten Belaötungeii 320 uml 480 verhalten sich wie 2 : 3, also ebeöH 
wii' die Belastungen und Balkenentt'eniungen bei den genannten zwei Arten TdU 
Krieg^'ibrüekenj bei diesem Verhultnisse ergibt sioh auch factisch ein Unterschied lA 
Tragwerk bei leichten und verütürkteii ^Xothbrieken. 

Die gleichförmige Last welche einen Balken ebenso beauspmcU 
als ein Vorder- und Hinterrad des Bataillons-Munitionswagens, ist 
einer kleineren Spannweite als 4'76m gleich dem doppelten Drucke il 
Hinterrades, also 

G = 1378%. 32) 

hm grölieren Spannweiten als 4"76m: 

0-833 Y 

/ ; 



if« 



Cf = 2024 1 



wobei / in Metern angegeben ist 

Bcido Ausdrücke ergeben für /=^4*76=**'^ gleiche Wt*rtf. 
d. h.. dass bis zu dieser Spannweite das schwerere Bad in der Balken- 
mitte das grollte Masimalmoment erzeugt, über 4*76m jedoch beide Ki^cr 
auf dein Balken sein und so gestellt werden müssen, dass die Resultaut* 
beider Kader und das Hinternid gleichweit vod der Balkenmitte entfernt 



tnleituBg für »kii Entwurf von Noth- und halbpernianeuten Brücken. 211 

ind* Damit alle Rechniingsresiiltate sowohl für die normiilien, als auch 
ir die vorgesehlageiieu Belastungen Brauchbarkeit haben, so sind in den 
fabellen, welche auf Nothbrüokeii Besjug haben, alle Daten für folgende 
Jelastungen pro w* berechnet: 

q = aoo, 320, 325, 375%, 

Im Graphikon ist jedoch nur die normirte Belastung (375%) herück- 
htigt. 



5. Zulässige Belastung der halbpermanent en Brüeken, 

Bei halbpermanenten Brücken ist wie bei den Kothbrücken der 
ehwerste die Bnicke passireude Wagen für die Berechnung der Balken 
und Bohlen maügebend. Als schwerster Wagen gilt hier eio Lastwagen, 
reicher mit einem 2lr7n Hinterlad-Morserrohr beladen ist. Der Druck 
Des Vorderrades oder Hinterrades ist bei einem so beladenen Wagen 
L511% und der Radstand 2'6lnL 

Die grollte gleichmüßige Belastung der halbpermanenten Brücken 
^wird, ßach Versuchen beim Pionnier-Eegimente, durch das größtmögliche 

bedränge von Infanterie erzielt, welche feldmäßig, jedoch ohne Tornister 
'tiugerttstet ist Diese zufällige Belastung beträgt. 475% pro m\ wofür, 

ier leichteren Eechnungsweise halber, 480% empfehlenswerter wäre. 

AulJer der zufalligen Belastimg muss hier das Eigengewicht der 
)rücke berücksichtigt werden: dasselbe beträgt pro m' Fahrbahn- 
ehe 10 (l + dt) %. Hiebei ist l die Spannweite in Metern und d die 
icke der Bohlen in Centimeter gegeben. Bis zu 4"4m Spannweite ergilvt 
Uich das ilaximalraoment am größten, wenn ein Rad in der Balkenmitte 
»ich befindet; über 4'4^^^ Spannweite müssen zwei Räder auf den Träger 
gebracht werden, u. zw. findet das Maximalmoment in diesem Falle 
[ibuiD statt wenn ein Rad O^tiSm von der Balkenmitte absteht Tnter 
|4"4i/i ist die dem Raddrucke äquivalente gleichmüßige Belastung 

ff = 3022% ^ . . 34) 

4-4m ist diese (Fig. 2) 

G = 6044 (l — i^y % 35) 

[wobei dit' Spannweite / in Metern einzusetzen ist 

Damit die später frdgenden, auf halbperraanente Brücken bezug- 
ihalii^Ddeü Tabellen sowohl für die normirten, als auch für die vor- 
[geschlagenen Belastungen volle Brauchbarkeit haben, so sind alle dies- 
es* 



212 



K r u |i a ^ e k. 



bezüglichtni Kechnungen füi* die BelastungeD pro m' 450, 475 und 4? 
{hirchgefährt 

Iei Graphikoii ist mir die iiormirte Belastung (475%) beruc|| 
sichtigt. 



6. Regeln über Belastnngen, 

Betrachtet man die Formel 
100 PI 
8 

wo P die totale gleichmäßige Belastung, / die Spannweite, b nnd h 
Breite und" Höbe und k die Anspruchnahme pro cm^ des Balketu 
bedeuten, so findet man, dass mit der Belastung P des Balkens dij^ 
Anspruchnahme pro cm* proportional wächst, resp. abnimmt. Ist 
zufällige Belastung G bei zwei Balten gleich und bezeichnen q und 
die Belastungen pro m\ e und e, die Entfernungen der Balken, so mn 

qe 7= q^ e^ oder 
q:q,=e,ie. . 
sein, d, h. die zufiilligen Belastungen pro jii* sind umgekehrt proportion 
den Balkenentfernungen. 

Je größer also q pro m' Fahrbahn, desto näher müssen die Bali 
aneinandergerückt werden. Würden deranaeh die Belastungen pro m* 
den leichten und verstärkten Notbbrücken zu 320 und 480% pro 
angenommen werden, so müssen sich die bezüglieben Entfernimgen « und i 
umgekehrt wie die Belastungen verbalten, daher e: 
t:e, = 480 : 320 = 3:2, 
3 2 

d. h. die Balken bei der verstärkten Nothbrücke sind nur *^j, so wi 
als bei der leichten zu legen. 

Je größer das Wagengewicht ist, desto größer ist die äquivalentn 
gleicbmäliige Belastung oder, anders gesagt, desto großer die entsprechend 
gleichförmige Belastung pro w*. 

Es verhält sich also 



G:G, = 



?:?! 



Wird ein Balken so entlastet, dass durch den Bohlenbelag, Unter 
Züge etc. etc. ein Theil der ihn treffenden Wagenbelastung auf die neben 
liegenden Balken übertragen wird, so können diese verhältnismäßig io 
Querschnitte schwächer gehalten werden. Wird z. B. durch Bohlenbel 
'4 des halben Wagengewichtes übertragen, so brauchen die Balke 




Anleitung fftr den Entwurf von Noth- und halbpennanenten Brücken. 213 



•Vj^mal so hoch sein, als sich nach der gewöhnlichen Annahme ergibt. 
Wird allgemein nm* 
übertragen, so muss 



Wird allgemein nur das Gewicht — , wo n >• 1 ist, auf einen Balken 

n 



^^=1'»- -) 

woraus sich 

kn 
dafür aber die Entfernung der Balken nmal so klein ergibt. Würde man 

jedoch dieses verminderte Gewicht f — j bei der Berechnung der Balken 

zugrunde legen, so möchten, besonders bei größeren Spannweiten, zu 
kleine Balkenentfernungen resultiren. Man pflegt deshalb die Balken nach 
den ganzen Baddrücken zu berechnen, was namentlich bei gekuppelten 
Trägem nothwendig ist. 



214 



Kropaöek. 



B. Entwurf der Nothbrttckeii. 

1. Wahl der Brückenform. 

Die Spannweite der Brückenfelder wird sich meistens nach der 
Stärke der vorhandenen Balken richten, kann daher nach diesen nnd nach 
der Beschaffenheit des Hindernisses festgesetzt werden. Die Breite der 
Nothbrücke wird in der Kegel mit 3m und nnr, wenn Mangel an Material 
ist, kleiner angenonmien. 

Die Träger sind meist einfache Balken, welche in der Regel über- 
greifend angeordnet werden ; bei continuirlich laufenden Balken (Trägem) 
müssen unbedingt Sattelhölzer angeordnet werden. 

Der Belag besteht aus Brettern, die Unterlagen sind gewöhnlich 
einfache Joche, Böcke mit Sohlschwellen, Mauer- und Coulissenböcke, 
Schiffe und ausnahmsweise Flöße. 



2. Entwurf des Oberbaues. 
a) Bereolmung der Balken. 
Man ermittelt entweder die Dimensionen des Balkens, oder aus 




AnleitüDg für den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 216 
Wird b= y^ Ä gesetzt, so ist 

•AA» = i^P/, daher 

» .i^ 

A = y 0-694 PI --= 0-886 VFI 41) 

Ist J = A = «, so ist 

8 = V 0-521 PI = 0-805 V^l 42) 

beim Enndbalken ist 

hh} = 0-6 rf' = ^^'. demnach 

il = V 0-868 i^i = 0-964 »^^ 43) 

Bei Brücken über 6ot Spannweite ist k = 108% 

™* ^Ä. = i^p^ = |pz = y,p; 44) 

Für 6 = V.A folgt: 

Ä = V 0-926 PI = 0-98 Kpi 45) 

Ist 6 = A = 8, so ist 

« = 1^0-694 PI = 0-88 »^FZ 46) 

b«im Randbalken wird 

6A« = 0-6 . d» = ^ P/, demnach 

d=:Kil57/^/= 105 VTl 47) 

Annähernd ist 

ä==\%s^) 48) 

rf - 1 %. A 49) 

Ä = 11 « 60) 

s = 0-9Ä 61) 

Bestimmt man die Höhen der Balken nach Formel 41) und 45) 
fiir die Spannweiten 1 bis lOwi, so erhält man eine arithmetische Reihe 
ersten Banges, deren allgemeines Glied die Form hat: 

A = 1-5 / + 10 52) 

wobei A in Centimetern gegeben und l in Metern einzusetzen ist. 

') Die Formeln 48) bis 51), welche auch bei halbpermanenten Brücken allgemein 
Giltigkeit haben, sowie eine der Formeln 52) oder 53) kann man leicht dem Gedächtnisse 
einprägen und die Balkenstärke sonach im Kopfe bestimmen. 



216 



K r i> [► u t' e k 



Berechnt^t man nach Formel 42 > und 4()) die Quadi'iitsi'itoü flir 
verschiedene Si«annweiten, no hcfkommt man auf ähnliche Weis^ als Hr^ioi 
des quadratischen Balkens 



« = 1-5 / + 8c»n , 



:.:i 



wobei / ebenfalls in 


Metern einzusetzen 


ist. 










1 


Zum Beweise, dass die durch die Formeln 52) und 53) angegebene 1 


Ermittelung den Balkenquerschnittog vollkommene Brauchbarkeit bat | 


sind in der fol^^eriden TabelbN 
nähernden Werti' für Spannwei 


b«duij 


's Verdeicbes, die L'enauen und an- 1 


ten von 1 biiä IQrn angegeben. 1 


T n h e l l e 11. 1 


J^ItÄnn weite in t-i 


i ' if 


n 


4 


5 


i; 


: 


v«irw«udiilv &? , , . . 


nw 


1S7«I 


un 


1378 


1414 


1608 


157» 


tfttS 


160« 


17III 


Qovr*cbDJncw«rt , . ■ , 


TIS 


ua5 


1159 


SiSTl 


3««9 


4ll{^ 


T644 


903» 


10414 


imil 


cm , } "»"i ' 






















^ 10 


^1 U 


u u 


11 la 


in 17 


13/19 


16 6S2 


tti'6 26 


idn 


l»SS 


1 htrnd i 


Sötlft 


»■5lff 


1114 6 


Ulli» 


1117*6 


14 19 


]5 6;<0 5 


Uä 12 


16X16. 


16 6, «6 


Ihcnjfl) 


9 
95 


11 

n 


lä 

IIA 


14 

U 


166 
16 6 


165 
17 


U6 
lf6 


11 

10 


n 

115 


1 



Gleichzeitig sind aus derselben Tabelle die der Wagenbelastung äquiva- 
lenten gleichmäßigen Lasten, sowie die Querschniitswerte iA' zu ersehen. 

Bei Keitstegen müssen, falls dvr Munitionswagpn passiren soll, 
ebenso starke Balken genommen werden wie bei Nothbröcken, Gewöhnlich 
genügen drei Balken, welche dann am vortheilhaftesteu liegen, reip. 
gleich stark beansi»rucht werden» wenn die Mittellinien der beiden üußerea 
Balken l'ttär» voneinander liegen. 

Ist die Fahrbahn 2m breit zu halten, so sind vier Balken nHhig^ 
weil sonst der mittlere Balken zu stark beansprucht werden würdig 

Soll hei Reitstegen der Munitionswagen nicht passiren — ahiO 
z. B. nur Infanterie in Beihen oder Cavallerie einzeln — so kann man 
die Belastung eines Balkens zu IQOkg pro Längenineter augeben* Bei 
zwei Balken wird dann die Breite des Reitsteges 100, höchstens ISOwi. 
und bei drei Balken 1 65w bis VSm. 



Anleitung für den Entwurf von Noth- und halbpennanonten Brücken. 217 
Die Belastung eines Balkens ist in diesem Falle: 

P= 100/, 

2 2 ' 

h=ywl\ b=l\h 54) 

iA« ^-= 0-6e/« = 50/«, 

(l-^ l^83F 55) 

Annähernd ist filr die graphische Darstellung 

A= 1-5/ + 4 55a) 

d= 1-5/4-5 55 Ä) 

wöWi / in Metern einzusetzen ist. 

Erhalten Gehstege zwei Tragbalken, so muss jeder die Last 

Oleen: der Querschnittswert ist in diesem Falle 

b -»AA, 

A ^ y^SsF 56) 

0-6 d* = 26 l\ 

d=y'l2l^ 67) 

Annähernd ist für die graphische Darstellung 

A r^ / + 6 58) 

and 

d = l ^ Gern 59 1 

' \< in Metern einzusetzen. 



218 



Kropa^ek. 



Nachstehende Tabelle gibt die Balkenstärke f&r Reit- und Qdi* 

Stege an: 

Tabelle III. 



Spannweite 


1 


t 


8 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


naa / 


1 


G-6 


8 5 


10 


12 


13-5 


15 


16 


17-5 


19 


RaiUtege (.lebt -\ll^i] 

für d. Munition«- v f ffe- i 

Waffen passirbar)* j nau ) 

«— lann4-\ 

herndi 


5 5 
4-5 
6 


7 
7 

8 


8-6 
9 
9 5 


10 
11 
11 


11-5 
18 
12 5 


18 

14 5 
14 


14-5 
16 
15 5 


16 

17 5 
17 


17-5 

19 

18-5 


19 

201 

20 


naa j 


3 


8 


6*6 


8 


9 5 


10-5 


12 


19 


14 


15 


'^^^annl-j 

Oehiiege < f ge- 5 
naa f 


6 
8 5 


7 
6-5 


8 
75 


9 
8 5 


10 
10 


11 
11-5 


12 
12 5 


18 
14 


14 
15 


15 
16 


«=lann4-\ 
l Uernd/ 


7 


8 


9 


10 


11 


12 


18 


14 


15 


16 



Gehstege erhalten häufig statt Balken (Stangen) nur Bretter, welch« 
in der Längeurichtung des Steges laufen. Ist b die Breite und i die 
Dicke der Bretter, so erhält man den Querschnittswert aus: 

68' = ^, b = 25cm 



265« 



60 i» 



5 = ;. 



60) 



Es können deshalb Pfosttu (Bretter) so viele Meter frei gflegt t 
n, als dit' Pii'kt' Contimeter heträirt. 




Anleitnng fQr den Entwarf von Noth- und halbpennanenten Brücken. 219 

Wacheren Querschnitt bekommen, da sie dem Baddnicke der Wagen 
[erstehen müssen. 

Heißt die der Entfernung e entsprechende Belastung eines Balkens Q^ 
i der Entfernung e^ entsprechende G^ , so verhält sich oflfenbar 

G:G, = e: e,. 

Bei Nothbrücken unter 6m Spannweite ist — da -B vernachlässigt, 
iher (? = P wird — 

ftA* = 4', 62) 

1er 6to Spannweite 

iA«=7, PZ; 63) 

» Terschiedenen Belastungen und gleichen Spannweiten ist daher : 

G:G, = P:P, =6A«: J,Ä,« 
id 

bh^ib^h^* = e:e, 64) 

t: Je größer die Entfernung der Balken, desto größer muss der 
lerBchnittswert des Balkens sein und umgekehrt. 

Die Entfernungen der Balken lassen sich annähernd aus folgenden 
ladrficken ermitteln: 

Für y = 320 und 326 ist 

^ = y; 65) 

q = 376 ist 

e = y; 66) 

q = 480 (476) ist 

« = T «^) 

Da das Eigengewicht bei Nothbrücken nicht in Bechnung genonmien 
. so ist 5^ = y. 

In der nachfolgenden Tabelle ist die Entfernung der Balken für 
Belastungen q == 300, 326, 376, 460 und iSOkg pro m\ sowie die 
ihl der Balken für eine 3m*) breite Nothbrücke angegeben. Ergibt 
die Entfernung der Balken zu klein, so kann man je zwei über- 
nderlegen und verklanmiem; solche zusammengesetzte Träger können 
1 auf die doppelte Entfernung gelegt werden. 

*) Bei größeren oder kleineren Brückenbreiten als 3m mass die Anzahl der 
en proportional vermehrt oder vermindert werden. 



220 



Kropacek. 



TabfUi- IV. 



1 



Sp.\ii£iweit« in tn 



1 


s 


s 


4 


5 


Ü 


7 


B 


1 1 




11 


11 


OH 


oas 


0-75 


0-87 






4 


4 


5 


5 


5 








11 


l 07 


88 


ÖT8 


n> 


0-68 






4 


4 


5 


5 


6 








11 


106 


0-87 


76 


69 


(»63 






4 


4 


& 


5 


6 








11 


0-91 


75 


t* 67 


OflO 


&I 






* 


S 


5 


B 


n 








1 Ot 


77 


a 6S 


56 


D-flO 


45 






4 


5 


i\ 


7 


T 








96 


78 


m 


Q 2»1» 


iT 


43 






5 





6 


7 


S 






11 


9ö 


7« 


w 


6f 


47 


0*4J 






5 


fi 


6 


7 


g 


8 



Leiehie 



Noth* 
brQcke 



U.Bulkeuf 



Anzahl ) 
LBalkenl 



I Atizaljl I 
Id Balkeul 



IdJ 



Anzahl \ 
[.Balken f 



Id Balkan j 

1 = 475i Aüiaül I 
Id Balken j 

^ = *^{ Anzrtbl 1 
U.BaVk^Qi 



08S 

I 

T 

7 
014 



Oll 
9 



Nimmt mau das Eicfeugewicht zu V« der totalen Laist an, so 1 
die iu der Tabelle IV augt^gebenen BalkeueiitfemuDgeü um *^ 
selbst UDch etwas mebr vergrößert werden. 

Bei dieser Annahme kann demnach: 

bei leichten Nothbrüeken für q = 320 (325) 



B = 



r 



für q = 375 



« := -^, und 



bei verstärkten Xothbrücken 1/^=475 

4 



sein. 



Diese letzteren Formeln genfigen für die Praxis voUkommei 
lassen sich dem Gedächtnisse leicht einprägen. d 

Bei Reitstegen zu drei Balken müssea die Mittellinien der äi 
Balken lQ5m von einander abstehen. Dies ergibt sich aus Folgej 





Anlfiitiiiig fÄr den Entwurf von Noth- und halbpennanenten Brücken. 221 

Ist B die Belastung eines ganzen Feldes beim Beitsteg, B^ die 
astnng des mittleren und -B, eines äußeren Balkens, so ergibt sich 
:eDde Relation: 

^•=^(^-2l^> ««) 

W ist V die Geleisweite (l'lwi), 2x die mittlere Entfernung der 
ndbalken. 

Sollen nun alle Träger die Wagenlast gleichmäßig übernehmen, 
muss 



=M>-^) 



3 

2a; = 6« — 3*3, 
2x= l-65m 69) 

0) St&rke des BxUokenbelages. 

Der größte Baddruck beim Bataillons-Munitionswagen beträgt 689A^ 
od wirkt am ungünstigsten in der Mitte zwischen zwei Balken. 

Ist b die Breite und d die Dicke der Bohlen, so ist nach Früherem 

6.5« = ^, P=2.689. 
Wenn b = 25cm, so ist 

2,^ = ^-1^.1 

5 = 6*A KT 70) 

i<t die Entfernung der Balkenmitten). 
Wenn b = 30cm ist, so ist 

5 = 4-8KTcm; 71) 

im quadratischen Staffelholz ist 

6 = A = «, daher 

« = 8-83 K"« cm; «==2X 72) 

q4 



222 Kropaiek. 

Bei Prügelholz (Bundholz) ist 

6S«=:0-6d» = 689e 

d = 10-6KT=lV.« 

(TergL Fonnel 48). 

Näherangsweise ergibt sich für die graphische Darstellung, 
i = 26 bis SOcw ist, 

S = i-(e + 4) 

(Wenn b = 25cm, so ist $ um 0'5cm zu TerstSrken.) 
Für quadratisches Staffelholz ist 



•73) 



J = S = « = 4-(« + 7) = 2a(mnd); . . 



für Prügelholz 



d = -l(eH-9) = |., 



wobei e in Decimetem einzusetzen ist. 

Für die graphische Darstellung wird e in Metern angegeben, wesli 
die Formeln 74, 76 und 76 Obergehen in: 

X = -|-(10e + 4) 7* 



• = Y(10e + 7) 
d = Y(10e + 9) 



.75^1 
.76«) 



Nachstehende Tabelle zeigt die Bohlendicken für die gebrftuchlichstti ' 
Balkenentfemungen. 

Tabelle V. 









^^^^B 










^^^m 


Entfernang der Balken In m 


0-4 


5 


6 


0-7 


0-8 


9 


10 


11 


Stärke der Bohlen **!^ { 

Qaadratisches Staffelholz » = 

Dicke des PrügelhoUes d, = 


8 8 
3 
6 5 

7-7 


8-6 
8-4 
7 
8 8 


4 

8 7 
7 4 
8-8 


4 4 

4 

7-8 

9-8 


4 6 
4-3 
82 
9-7 


5 

4 6 

8-6 

10- 1 


58 

4-8 
8-8 
10-5 


»1 



Wenn der Belag nach der lichten Entfernung der Balken aus- 
gemittelt wird, so ergeben sich die Dimensionen etwas kleiner ak i» 
(h'Y Tabelle, u. zw. so, wie ans den Formeln 74, 75 und 76. 



Anleitnng für den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 223 

3. Entwurf der Unterlagen. 

a) Belastung der Unterlagen. 

Die Belastung der Unterlagen Z hängt von der totalen Last pro w' 

Brückenfeldes ab und ergibt sich für leichte und verstärkte Noth- 

icten, da das Eigengewicht vernachlässigt wird, für ^ = j = 300, 

0, 325 und 375, bezw. q = 450, 475 und 480^^^ aus nachstehender 

helle VI, in welcher i die Brückenbreite bedeutet. 

Tabelle VI. 



Spannweite in 


«i 


1 


2 


8 


4 


t 


6 


7 


8 


• 1 


10 




'2 = 500 


" 




" 




900 


1200 


1500 


1800 


2100 


2400 


2700 


3000 


Leichte Kothbrflcke 


7 = 320 
<Z = 325 










960 
976 


1280 
1300 


1600 
1625 


1920 
1950 


2240 
2275 


2560 
2600 


2880 
2925 


3200 
8250 




7 = 375 










1125 


1500 


1875 


2250 


2625 


3000 


3375 


3750 




17 = 450 










1350 


1800 


2250 


2700 


3150 


3600 


4050 


4500 


Vmtirkte Noth- 
brücke 


7 = 475 










1425 


1900 


2375 


2850 


3325 


3800 


4275 


4750 




l 7 = 480 










1440 


1920 


2400 


2880 


3360 


3840 


4320 


4800 



Die Unterlagen der ßeitstege müssen, wenn Bataillons-Munitions- 
igen passiren sollen, eine Belastung von 2000A*^ mit Sicherheit tragen 
Qnen. 

Ist jedoch der Eeitsteg nur für einzelne Reiter oder für Infanterie 
der Beihencolonne bestimmt, so ist die Belastung einer Unterlage 

Z=215/%, 
Gehstegen 

bei / in Metern einzusetzen ist. 

b) Bereohnimg der Joche. 

I. Berechnung der Kappschwellen. 

Vorerst wird hier angenommen, dass das Joch nur zwei Piloten 
>e und dass die Kandbalken nahezu über den Piloten gekantet seien. 

Die Stärke der Kappschwelle ergibt sich bei Nothbrücken aus der 
rmel 40) 

Zu 



hh} = 



77) 



224 Kropaiek. 

wo Z die Belastung der Unterlage und u die Entfemung der Pilotei 
Ton Mitte zu Mitte bezeichnet. 

Wenn die Bandbalken nahezu direct von den Piloten onterstötit 
werden, so kann man die Last eines Brackenfeldes als gleichmftßig re^ 
theilt auf der Kappschwelle annehmen, da in diesem Falle fast ganz 
selbe Maximum des Moments resultirt, als wenn man isolirte 
berücksichtigen würde. Für die verschiedenartigen Belastungen ergeben sick 
demnach bei Vernachlässigung des Eigengewichtes (p == 0, daher ^=f) 
folgende Querschnittswerte bei 3m Brückenbreite: 

2 = 300; ftA« = -^ = A . 3? . 300, 
3 ,, 2700 Z 

T* =-2-' 

s 
A = K1800/ cm 71 

2 = 320; 'A A' = 4- • 3Z . 320, 

h = K1920/ cm 7») 

y = 326; V, h} = \.%l, 325, 

h = KT95Ö7 cm 80) 

2 = 375; •AA« = 4--3^.375, 

3 

A = K2250/ cm 81) 

2 = 450; % A* = 4- . 3/ . 450, 
2 

s 

A = K27ÖÖ7 cm 82) 

y = 475; % A» = -?- . 3i . 475, 

A = K2860 icm 83) 

j = 480; y. Ä» = ^ . 3 . 480, 

8 

A = K2880i cm 84) 

In diesen Formeln ist l in Metern einzusetzen. 



Anleitimg ftür den Entwnrf von Noth- nnd halbpermanenten Brücken. 226 

Die Stärke der quadratischen Kappschwelle ergibt sich ans: 

«» = y^ h\ $=0'9h (Formel 51) 86) 

Das heißt, die quadratische Kappschwelle ist um y^^ niederer als 
3 : 4 behauene. 

In der nächstfolgenden Tabelle ist bei der Annahme von zwei Piloten 
1 3m Brückenbreite die Kappschwellenhöhe für die Belastungen 300, 
Ä, 326,. 375, 450, 475 und 480% pro w» angegeben, wobei gleichfalls 
IS Kgengewicht (p = 0, daher g = q) vernachlässigt ist. 

Tabelle VII. 



^annweite in 


m 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 




7 = 300 


12*2 


15-4 


17 6 


20 


21 


221 


28- 1 


24-4 


25 3 


26-2 




g = 320 


12-4 


15-6 


18 


19-7 


213 


22-ß 


23-8 


24 9 


25 9 


26*8 


ficbke der Kapp- 


q = 325 


12 5 


15-6 


18 


19-8 


21*4 


22-7 


23 9 


25 


26 


26-9 


•ehvcUen b«i der 


g = 875 


131 


16-5 


19 


21 


22 5 


24 


25 


26 


27 


28 


B«kstanff Yon 


7 = 450 


14 


17 6 


20 1 


22- 1 


23 9 


25 3 


26-7 


27 9 


29 


30 




« = 475 


14-2 


17-9 


20 5 


22-5 


24 2 


25-8 


27-1 


28-4 


29-5 


,30 6 




9 = 480 


14-2 


17-9 


20 5 


22-6 


24-3 


25-9 


27-2 


28 5 


29-6 


80 7 



Bei verstärkten Nothbrücken wird man in der Regel von 6w oder 
i »gefangen drei Piloten anwenden. Werden statt zwei Piloten drei 
igerammt, so braucht die Kappschwellenhöhe nur % von den an- 
jebenen Werten betragen oder, mit anderen Worten : bei drei Piloten 
m der Querschnittswert viermal so klein sein. 

Ist allgemein die Kappschwelle durch die Piloten in n Theile getheilt, 
miiss in dem Ausdrucke 

Zu 
2 

ohl die Belastung, als auch die Schwellenlänge durch w, daher — —- 



6A« = 



ch n* dividirt werden; die Kappschwellenhöhe ergibt sich in diesem 



le nur 



V? 



mal so groß, daher 



2n*' 4 ' V 3 n»' 

bei t die Brückenbreite (Entfernung der äußersten Piloten von Mitte 
Mitte) bedeutet. 

24 



22« 



K r p a c ö k 



Indes kommen meist zu kleine Piiiiensionen heraus, so dass 
die für zwei Piloten angegebenen Dimensionen ancb bei mehre 
Piloten wählt. 

Ist / die Spannweite eines Bnlckenfeldes in Metern und die Brüc 
breite 3m, m ist bei leichten N'othbrücken für 7 ^ 300 die Ki 
achweileuhöhe h im Mittel 

A = 1^5/ -h I2nn: , . . , 

wenn q -^ 320 bis 325 gewählt wird, so ist 

h = 1-5/+ Unn , 

und bei q = 375 

h = P5/ + l^nn 

SO dass die Kappj^eliwelletihöhen im Durchschnitte um 2, 3 und 
grölier sind als die denselbi*n Spannweiten entsprechend**!! Ba1kenh5li 
In ähnlicher Weise findet mau fiir verstärkte Nothbrnckf^n. wä 
q = 450 

h = V51+ 16m 

und weuB q ^= 475 bis 480 ist, 

h -^ 1*5 / + I7em 
so daas im ersten Falle iq = 450) die Kappschwellenhöhe am 6cm,,j 
zweiten Falle [q =^ 475 bia 480) diese um 7rm größer ist als die die) 
Spanniveite« zukommenden Balkenhöben. Die quadratische Kappschi« 
ist immer um '/V^ niederer als die 3 : 4 beschlagene. 

Die in den Foi'meln 86 bis 90 angegebenen Nähenmgsw« 
dienen dazu, um die graphische Darstellung zu vereinfachen. 

Bei Reitstegen, welche den Bataillons-Mnnitionswageu tragen soll 
ist die Belastung einer Unterlage Z ^^ 2000%. Wenn die liandbaD 
nahezu über den Pfählen bei Jochen oder über den Füßen bei Man« 
bocken liegen, so ist die Anspruchnahme ebenso, als wenn die Last rooj 
2000% gleichmfißig fil»er die ganze Schwelle — welche höchste« i 
laug sein darf — vertheilt wäre: Es ist demnach 



i = % h, h 

I. ,1 6 10 

h =^ 14rm, -^ = TY^'^' 
Ä 14 



*4 . 2000 ^ 2667, 



Bei runder Schwelle ist 



0-6 d* ^ 2000, 



Anleitung für den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 227 



Wenn anf den Beitstegen nicht Munitionswagen zu passiren haben, 
ffOMfeni nur Beihencolonnen, resp. Cavallerie, einzeln, so ist die Belastung 
filier Unterlage 

Über bei Jochen und Mauerböcken mit 2m weit entfernten Pfählen oder 
FÜeii: 

Zu_ 
2 ' 
Vft> 215Z,2 



iī = 



Ä = K300/; 93) 

0-6d* = 215/, d = K 360 i cm 94) 

Für Spannweiten von 1 bis lOw ergeben sich daher die Schwellen- 



rtä^en: 



Tabelle VIII. 



■aiBsa 

6 7 



Spannweite in m 



10 



c 



6-7 
71 
4 5» 

4Ä 



85 
9 

Ä'7 



»7 
10 3 
6 

6 6 



10 

113 
6ß 
71 



U 5 

7 1 

7*7 



12-9 
7-5 
8 « 



12 8 

13 6 

7 9 

8 ß 



18 4 
142 

8 3 

9 



14 
14 8 

8-ß 
9 3 



14 :» 

15 8 
8 9 



Annähernd ist für die graphische Darstellung bei Beitstegen 

Ä = / 4- 6cw 95 ) 

r/ = Z -j- 7cm 96 ) 

Die Schwellen bei Gehstegen, welche in der Begel nicht über Im 
bog sein dürfen, haben eine Last von 

Z= 1051 kg 
m tragen. Es ist demnach 



h = 1^701;. 



97) 



l>*-i der runden Schwelle ist 



0-6 d' = 



105/ 



d = »''907 



98) 



2V 



228 



Kropüfek, 



Die am diesen beiden Pormelii resultireDdeii Werte 3ind in 
vorhergebeudeii Tahelle enthalten. Annähernd ist für die praphiüc 
Darstellung 



d = — i^l -\- 11) cm 



u 



wobei die Spannweite l in Meteni einzusetzen komint. In der Kegel 
die Kappschwellenbreite gleich der Pilotendicke gemacht, \m\ bei! 
Theile bündig mit Klammern verbinden zu können. 

Bei Böcken mit Sohlschwelten sind dieselben Kappschwellenstilrke 
wie hier angegeben, nfjthig. 

Die Qnadratseite der Ständer muss •/^ vom Pilot**n- «Pfahl- 1 Dun»! 
mesaer betragen, 

li Piloten im allgemeinen bei Nothbrilcken *). 

Für die Piloten wühlt man meistens nicht unter 15^*?^* «tarke Run^ 
holzer und es darf der cm* bU zu 4m ^'^age^ wegeu der geringen Ei 
rammungt^tiefe, mit höchstens 3Qkg, über 4m Länge jedoch proportior 
weniger belastet werden* 

Das einer Pilote aufznbürdende Gesammtyewicht darf jedoch 
keinem Falle mehr als 5000% betragen. 

IIL Piloten bei leichten Nothbrücfcen. 

Bis zu einer Belastung von q = 325kg pro m' genügen bis |( 
Spannweite zwei 15e?ii dicke Piloten, wenn die Joche bis 2m hoch fiini 
sind diese jedoch 4m hoch, so sind 20c?» dicke Piloten nöthig. 

Bei derselben Belastung (q = 326ä:^) genügen bis 7m Spanuweitj 
drei 10cm starke Piloten, wenn die Joche 2m hoch sind; sind aber di4 
selben 47/* hoch, so müssen 15cm starke Piloten genommen werden 
gleicher Zahl 

Bei der normirten Belastung von q = 375% pro m» kann man 
zwei Ibein starke Piloten bis incl. 8m Spannweite und 2m Htihe wählen. 
Von 9ni angefangen sind mindestens drei Piloten nöthig. Sind die Joch« 
4m hoch, so müssen 20cm starke Piloten in gleicher Anzahl eingerami 
werden. Sind nur lOcwi starke Piloten vorhanden, so kann man bis inc| 
4m Spannweite zwei, bei 5 und 6w drei, bei 7 und 8m ner, bei S* uk 
10m Spannweite filnf Pilott^n ffir ein Joch nehmen; bei 4m hohen Joch^ 
sind Ibcm starke Piloten in gleicher Anzahl uöthig. 



*) B«i größerer odtr kleinerer Brückenbreite als 8m mvn» die AiiitU 
Pflotoi fPfJlhle) proporiloDAl Tennefart oder vermindert wc»rden 



ftir ihn Entwurf von Notb- und halbtiemmuenUii Brücki^n 229 

IV, i"ii.rn»D bei verstärkten NothbrÜcken. 
Ist die Bekstiiog bei der verstärkten Nothbröcke pro m^ 9 = 450, 
t480) kg, m mfissen bis 6 oder 7m Spanoweite iind 2m Höbe zwei 
k 15cm dick genommen werden; für 8* 9 und 10«» Spannweite 
*iir*i 15**m starke Piloten zu nehmen; bei 4m Hohe genügen 20rm 
ke Piloten in gleicher Zahl. Sind nur lOrm starke Pfähle vorhanden, so 
tatrn bis 4m Spannweite drei, bei 5 und 6m vier, bei 7 nndSm fnnf, bei 9 
ol 10m Spannweite sechs und sieben Piloten genommen werden ; bei 4m 
Filrtten werden 15cm starke Piloten in derselben Anzahl genommen. 
V* Pfühle bei Beitategen. 

Bt-i Keit^tegen genügen bis 10m Spannweite und 2m Höhe zwei 
bis 10cm dicke Ptahle, bei 4m Höhe j*ind zwei 12 bis 15rm starke 
Ic* tiothig. 
VI. Pfahle bei Gehstegen, 

B^i Geh.<*tegen genügen selbst aas 5c??? Stangen zusammengesetzte 

mit einfach gekreuzten oder verstrebten Füßen. Sehr hohe Böcke 

ph^ti^e werden etagenartig und mit rechteckiger oder quadratischer 

pyramidal aufgeführt. Als Pfthle können selbst 6cm starke Stangen* 

^ -n werden, dieselben müssen jedoch in der Regel gegen 

^amgen und Schwankungen entsprechend versteift werden. 

TIL Tragfähigkeit der Piloten. 

^Die Piloten < Pfähle) haben bei 30% Belastung pro cm' nach- 
les Tragvermögen: 



Tabelle IX. 



20 



■9f«a io fejF 



LI- 

^B Die grtüeren PUotenstärken 
^ Ainrgoiiffng finden. 



5000 



10.000 



15000 



20000 aooüo 40.000 



können bei halbpermanent^n Brücken 



o) Berochnung der Mauerbooke. 
Die Schwelle erhält hier dieselbe Stärke und Lange wie die Kapp- 
\en b«i Jochen. Bei einer 3m breiten Nothbrücke dürfen die Bock- 
tttcht ober 3m voneinander entfernt sein. Die Schwelle selbst kann 
tami odtf rechteckig { quadratisch) sein. Der Durehmesser der Rundschwelle 
M IV^mal so groO als die Höhe der 3 : 4 beschlagenen Kappschwelle 
fcr KatbbrQcken bei gleicher Betasttiugsart pro m\ Die Quadratseite 



230 



K r o p a c e k. 



i 
1 



ist gleich 0'9miü der Höhe der 3 : 4 hehanenen Kappschwelle. Da^ 
Herstellung der Jlauerböcke sehi* häufig Anwendung finden kann, d 
Böcke einfach und ra.sch zu erzeugen sind, ein großes Tragrennö 
hesitzen, so scheint hier ein genaueres Eingehen in die ConstnM 
nöthig: letztere findet man rergchiedenartig , vielfach jedoch f 
unpraktisch diirchgefTihrt, Mittels einer nach einem Mauerbock le 
herziijjtellenden Schablone lassen sich die einzelnen Theile fabrik: 
herstellen. Die Constniction der Mauerböcke soll möglichst einfacl 
für alle Schwellen und Fußqiierschnitte anwendbar sein. 

Der Maoerbock hat gegenüber dem Coulissenbock den Vortheil i 

1. die Schwelle nicht so stark gehalten werden muss, weil 
Schwelle der Coiüissenböeke ob des Hineinragen^ der Fuße in die Brü 
bahn um 1 bis IV,^ größere Länge erhalten müssen; 

2. dass der Mauerbock stabiler ist und namentlich bei torre 
artigen Flüssen — wo das Einschlagen der Piloten nicht möglich 
in ähnlicher Weise \vie Steinkästen Verwendung finden kann. 

Eine einheitliche und feste Construction des Mauerbockes 
Fig. 3, bezw. 4, Taf 9 dargest^dlt. 

Ohne Rücksicht auf den Querschnitt der Bockschwelleu und 1 
ist die Neigung dieser in der Verticalebene des Bockes 1 : 10, in 
darauf senkrechten Ebene 1 : 5. Wenn sowohl die Schwelle als auch 
Eüße aus Rundholz bestehen, so ist die Stärke der Füße gleicbi 
kleiner als der halbe Durchmesser der Schwelle, bei rechteckig ( quadrai 
behauenem Holze gleich der halben Schwellenbreite. Die obere Zai 
breite ist bei nmdem und rechteckigem Holze gleich der halbei 
untere Zapfenbreite gleich *4 und Vi der Fußdicke. Außerhai 
Füße und unterhalb der Schwelle sind starke Brettstücke mit 
Eisennägeln zu befeBtigen; überdies kann man durch Diagonale 
dem ganzen Bocke Steifigkeit geben. Im Nothfalle hält die ange| 
Verzapfung auch ohne jeden Xagel. 

Ist Z die Belastung der Bockschwelle, so hat ein Bockfuß in 
Axe einen Druck von 

S=i/,Z 

auszuhalten. Dies ergibt sich aus Folgendem (vergl. Fig. 13): 






Es ist der Druck 



wenn 




A=Y/i>' 



+ 



100 



1006 D 



I> = — - ist. 




Aaleitmig für den Entwurf \^m Xuth- mi<3 halb permanenten Brücken. 231 
ergibt sich S aus: 

■^ - V "T" + Töö- = iö V ^ ^öö-' 



Ä = 



51 Z> 



10 



pBei 4m hohen Böcken kann man pro cm* Fußquerschnitt mit bei- 
Sg 4'5facher Sicherheit lOkg rechnen. Bei anderen Bockhöhen stehen 
Belastungen pro cm' im umgekehrten Verhältnisse zur Bockhöhe 
_4w. 

)er Querschnitt/ eines Fulies ergibt sich aus 



1 






•^ ~ 13' 














[►bei q die Belastung pro m* bedeutet 


Die Qnerschnitts-DimeDsioneu der FilCe, im Höhe angenoranien, 


nd ans folgender Tabelle zu entnehmen: 


Tabelle X. 


Spannweite Ju m 


. 


i 


:l 4 


5 


i\ 


7 


. « .0 1 




f ^= 1 
3»0— 325 f 


4 1 


6% 


8,10 1 9/12 


10; 1» 


U/14 


12; 15 


i2/n 


13/18 


U/IS 


XiMTbaeke ... 


f = 375 


57 


0/10 


t/lO 10/ia 


11/14 


18 Ja 


IJ in 


if n 


14 li^ 


14 21 


' 


475—410 ! 


5« 


K 10 


« U KVlfi 


11/17 


um 


i;t/üü 


U äl 


ir. 2i 


16/23 


HK^ Wtrd nur i 


»ine 2V J*rl3 
E'ii in der T 
a der ban»t>i 


c 8lchi 
nbclle^ 
1 ÜJrliw 


rbelt, 
tlUmbr 


aImo jtOAtjj' pro 
■„mal Bo pn»! 


3; di« 

meu w 


Domme 
quadr 
erden. 




eotfAllen die QuiT- 1 
de* FuJi«i kiinD In I 



dl Berecbnting der CoullsseitliOcike. 

Dieselben erfordern starke Sehwellen, weil die freie Länge derselben 
5ßer ist als die Brückenbreite. Bei 3m Fahrbahnbreite miiss die Bock* 
bweUe eine Länge von 4 bis 4'5m haben. Heißt Z die Belastung der 
Bockschwelle und u ihre Lfinge von Mitte zu Mitte der Coulissen, so 
tiasi sich der nöthige Querschnitt, ähnlich wie bei den Jochschwellen, 
bestimmen; da jedoch hier die Unterstötzungen nicht gerade unter den 
Randbalken, sondern außerhalb derselben liegen, so ist das Moment, 
wenn die Belastung gleichmäßig über die ganze Länge der Schwelle ver- 
beut gedacht wird» kleiner als das von den isolirten Lasten entstandene. 
Das wirkliche Moment ist, wenn die Belastung der Schwelle gleich Z 
Eigenommen wird, bei 4, 5, 6, 7, 8, 9 und 10 Balken 
?, Z, 0-76 Z, % Z, 0-74 Z, % Z, 74 Z %m. 




V„Z, bezw. 



232 EropaSek. 

Wird die Länge der Bockschwelle bei Sm breiter Fahrbahn zn 4'5« 
angenommen, so ist das Maximalmoment, wenn die Last Z über die ganze 
Bockschwelle gleichmäßig rertheilt ist, 

24 ' 

das wirkliche Moment ist im Durchschnitte 

daher ist das Moment durch die isolirten Lasten 

18 13-5 4 , 

24 24 3 

so groD, als bei Annahme einer gleichförmigen Belastung, was sich and 
allgemein aus der Fig. 9 ergibt. 

Das Maximalmoment in der Mitte des Trägers ist hier, wenn 2 die 
Belastung pro Längenmeter der Schwelle bedeutet, 

''=T(f + -)-X = T(" + *"- •••'"' 

Wird angenommen, dass die Last zu auf die Länge u -{- 2 x gleick- 
mäßig vertheilt ist, so ist das Maximalmoment 

M^ ^ '^. (" 4- 2x)« ,^ 

O 

M z u (u 4- 4 X) 



daher 

Gewöhnlich ist 
weshalb 



M^ 2, (tt + 2 xY ' 
z u =. Zj (ti + 2 fic), 

Jf ti + 4a? 



3 
« = — , u = 3, 

M 3 + 3 4 



104) 



105) 



M, 3 + % 3 

Das Maximalmoment kann deshalb angenonmien werden zu 
400 Z.4-5 * 3 -. 

^ = "T"-8- = "6-T*' 

100 = ^^ = 6 . 3 . Ä«, 

25 . Z = 6 . A', 

s 

a=»^y2; 1061 



Anleitung für den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 233 

für q = 300 ist Z = 3/ . 300, 
s 
Ä = K3760Zci?i; 107) 

für j = 320, Z=3;.320, 
s 
h = K4000/cwj; 108) 

für y = 325, Z=3Z.325, 
s 
h = K 4062-5 /cwj ; 109) 

für j = 376, Z=3/.375, 

Ä = K 4687-5 / cm ; HO) 

für 9 = 450, Z = 3^450, 

A = »^^6625/ cm ; 111) 

für 9 = 475, Z=3;.475, 
s 
Ä = K 5937-5 ; cw ; 112) 

für 9 = 480, Z = 3;.480, 

3 

h = K6000/cw 113) 

Die folgende Tabelle gibt fQr Spannweiten von 1 bis lOw und 
ftr die maximale freie Länge der Bockschwelle (4-5m) die Schwellen- 
diBeftiiionen 

b 3 



Tabelle XL 



BpftOBWclt« ia fpi 



10 



isfci 



■Boek 

•B 

1:4 



^£«8 



f f » 300 

fl = 3T5 
b«l I 
ai4 i v4»0 



icrrt£#v9 ^ ITA 
l4TSUt4M>} 



15"« 

le ? 

,t7'* 
ISl 



10 

so 



9/1» 
KQI« 



ÄS -4 
«1 i 
»S 
14 1 

IST 

10'5,'lftfi 



S4 7 

25*3 
Sfl « 

f« t 

ig g 

11-5 IS-S 

1A19 

13 *J 



i« 6 

«1 
17*3 
18 « 

30-4 

31 

Sl 1 
14.fl0 
I4t8 5. 
14 18 5 



2» S 
so 4 

3fi 

31 » 

14 5^3 
lAt5 
15 31 



S9 ^ 
304 
303 
St 
34 1 
34 T 
34 S 
13 

l$f7 A 

ff 11 



&I3 



Sil 

Ire 

33 A 
S3 » 
3« 3 
M 4 
11 ft 
1710 
1J»U 



» A 
37 
f T T 
37« 
l«St9-A 

1(1 ai 



»4 1 
S44 
3ff 

38'3| 

sa 

9t I 

If 



234 K r a ]> a e e Ic. 

Die quadratische Bockschwelle hat zur Höhe 

s = 0'9A; 
die runde Bockschwelle muas einen Durchmesser 

haben. 

Annähernd ist ffir die graphische Darstellung: 
ffir 9 = 300: 

A = 2/+ 16cm; . .1! 

für q = 320 bis 325 : 

Ä ^ 2 / -h n^m ; . . 
ffir 7 = 375: 

k=2l-\- 18cm;. 
ffir q ^ 450 : 

Ä ^ 2 / + 20cm ; . 
ffjr q = 475 bis 480: 

li = 2/+ 20*5cm. . 
Die Spannweite l ist in Metern eiiiiusetzen. 
Was die Stärke der Boekfüiie anbelangt, so gilt hier die Keg 
dass bei 4m hoben Bocken die AiispruchnahBie pro cw* IQkg hetragei 
darf, bei höheren Böcken propoi-tional wenigen 

Die Breite des Fußes b wird ^ h/X V, h bis '4 ^ geuomin« 
wenn h die in der Ebene des Bockes befindliche größere Dimensiif 
(Hohe) des Bockftißes ist. Auch bestimmt man die Breite h des Fuß« 
darnach, dass dieselbe 0"6mal der Schwellenbreite, bei runden SchweU« 
kleiner als der halbe Durchmesser ist ■ 

p^ Wenn Z> ^ — = der halben Belastnng einer Sehwelle Ist, so l| 

der Druck Ä in einem Bockffiß (vergL Fig. 8) 

S^llDkg, W 

weil 

und 

Ib == —^ — = l'l D ist 
5 

Die Neigung der Füße ist derart dass die Anlage gleich d(* 
0'4fachen Höhe gemacht w^ird« 

Aus der vorhergehenden Tabelle sieht man, dass Coulissenbockl 
jbei verstärkten Xothbrucken bis zu 6m Spannweite angewendet wer 





Anleitung für den Entwnrf von Noth- und halbpermanenten Brücken. £35 
lönnen. Der Querschnitt eines Fußes ergibt sich aus/= ^, wobei q die Be- 

D 

lastung pro m} ist. 

Die in der Tabelle XI angegebenen Fußquerschnitte beziehen sich 
tüf die Belastung von lOÄy pro c^'^. Wird nur eine 2 V4 fache Sicherheit, 
ilso l^kg pro cm} genommen, so entfallen die Querschnitts-Dimensionen 
et V,mal so groß als in der Tabelle XI ; die Quadratseite eines Fußes 
kkiB diesem Falle gleich der 0'6fachen Schwellenbreite. 

Bei Beitstegen wird als maximale Länge der Schwelle des Coulissen- 
boekes von Mitte zu Mitte der Coulisse 3m angenommen. 

Das Moment der isolirten Lasten ist hier gleichfalls ca.y3mal so groß, 
ilg wenn die 2000% gleichmäßig über die ganze Bockschwelle vertheilt wären. 
[* Es ist demnach 

I ir^y-^.100 = 246A\ 

i ,,, 4 Z.M 2 ^ 

V^ A» = -?- • 2000 . 3, 



_y/i«^ = y/6333«», 



A = I7*5c»n, 
6 _ 13 

Ä ~ 17-5 

Der Durchmesser A der randen Schwelle ergibt sich aus 



119) 



0-6 d* = -|- ' 2000 . 3 

mit 

d = K 6667 = 19cm 120) 

Wenn den Beitsteg keine Munitionswagen passiren sollen, so erhält 

nun die Stärke der Bockschwellen aus 

400 Zu k 
3/=-^. — =-.6A', 

100 . ^^ « 6 . 3 . Ä», 

wonach 

h=.y^^^l=^lcm 121) 

wobei l die Spannweite in Metern bedeutet 



236 



K r o p a c e k. 



Hiebei ist gleichfalls die Länge der Bockschwelle von Mitte i%f 4 
Mitte der Coiüisse zu Maximum 3m augenommeu worden. 
Bei runden Schwellen ist 

„...=i.-_i-. 



f/ = r 720 /cm; 122: 

/ ist in Metern eiiizusetzeiu 

Für h und d erhält man die Werte aiis nachstehender Tabel 

Tabelle XIL 



Spftiinweiti.' lu fr, 


1 S 

1 


3 


4 


S 


& 7 S ' y tti 


Btlrke d*?r BockÄchwelle 

bei Roittteffeti in «'m (" — 
(td.BnUilloDf-MiiDltfont* \ 
w»g«ii Hiebt pÄMlrbar) ^'^' — 


8-5 
9 


10 N5 
11^5 


1» 
13 


ISA 
U 3 


U'5 
15 3 




16 
17 1 


17 
IT 9 


17-5 11 
SS « M^ 



Wenfi / in Metern gegeben, sö ist annähernd für die graphi« 
Darstellung 

A = / -f- 9cm . , II 

d = l + lOcm. . 11 

wobei die Spannweite l in Metern einzusetzen ist. 

e) Bereolmiing der SohilF©, 

Das totale Tragverniogen eines Schiffes in Kilogramm wird gefunden, 
wenn man das Volumen J des Schilfes in dm* bestimmt und dann da« 
Eigengewicht i des Schiffes abzieht. 

Das sichere Tragvermögen Z eines Schiffes Murd in der Begel mit 
7, von dem totalen angenommen. 

Es ist demnach: 



Z = ^iJ-') . 



1] 



Wird nun wieder die zufSllige Belastung pro m* der Brückeß- 
fahrbahn mit q, die Spannweite mit l und die Breite mit f bezeichnet 
so besteht nachfolgende Gleichung bei Xothbrücken: 




— (J — i") =^ qlt, wobei j == j, . 



. 12S) 



Anleitung ftür den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 237 
l bei halbpermanenten Bi-ücken 

A (J- e) = qlt + 10 (i + 15) It, 

A(J~ i) = ;<(9 + 10Z-h 150) 127) 

Das Eigengewicht des Schiffes wird entweder nach dem ein- 
inchten Theil des leeren Schiffes abgeschätzt oder es wird das 
tnmen J^ des eingetauchten Theiles des leeren Schiffes in dm' bestimmt, 
1 es ist dann 

Eigengewicht des Schiffes. 

f) Bereohnting der Flöße. 

Die Tragkraft eines Floßes wird im allgemeinen ermittelt, wenn 
I das Gewicht des verdrängten Wassers beim untergetauchten Floße 
timmt und das Eigengewicht des Floßes hievon abzieht. 

Wird das specifische Gewicht des weichen Holzes zu 0*6 an- 
koiomen, so kann ein dm* eines Floßstammes (S'ikg fremde Belastung 
gen. Heißt d der Durchmesser eines Floßstammes in Decimetern, so 
das Tragvermögen eines Längenmeters desselben 

^.10.0-4. 

Sind die Rundstämme zu einem Floße vereinigt, so entfallen 
Floßbäume auf die Floßbreite von Im. Das Tragvermögen von -r- Floß- 
iimen von Im Länge ist daher: 

4 d 

\ nnn d in Centimetem ausgedrückt, so ist demnach das Tragvermögen 
TO* des Floßes 

Zdkg. 
Wenn F den Flächeninhalt des Floßes bedeutet, so ist das Trag- 
rmögen des ganzen Floßes 

F.Zdhg. 
In der Kegel wird auch bei den Flößen nur •/, von der totalen 
agkraft als sicheres Tragvermögen Z genommen; es ist deshalb dieses 

Z==F.2dkg 128) 

Das Tragvermögen eines doppelten Floßes: 

Z^F.idkg 129) 



238 ^^^^^^V K r jj a c e k 

eines ^Ireifachen Floßes: 

Z^ F. 6 dkg. ..... 

wobei F in w* nnd (/ in Centimetern einzusetzen kommt. 

Bei FlölJen aus Fässern ist die Ableitung eine ähnliche. 

Ist d der mittlere Durchmesser eines Fasses in Centimeter 

das Eigengemi*ht höchstens V^ des totalen Gewichtes vom 

Fasse, so erhfilt man das sichere Tragvermögen bei Va Tauchu] 

Z= F, 3-5 d kg. 
wobei F den Flacheninhalt des Floßes im vi* bedeutet. 



g) B^reohmmg der Zwangwerke. 

I. Allgemeines. 

Zwängwerke werden selten angewendet und erfordern verl 
muHig starke Holzer. 

IL Einfaches Zwängwerk. 

Der ünterzug hat *4 ^''^^ ^^^ Belastung des ganzen Bf 
fehles AB (vergL Fig. 10) zu tragen {Z= V^ B\ 

Gewohnlich werden nur zwei Zwängrippen, seltener drei angew 
weil die mittlere Kippe im Verhältnisse viel zw tragen hat 

Der Dnick D ist bei zwei oder drei Zwängrippen 

o = | = -/..fi. 

Per Druck D wird zu gleichen Theilen auf die Auflager über! 
Die Zwtlugbalkeu sind an einem Ende eingespannt und am anderej 

mit — als belastet anzusehen. 

Wenn der Zwängbalken diesem Drucke widerstehen soll 50^ 

^./, , 100 = 24^/**, 



&A* 



0^^d*^2Df^ =^ *;B/, . 



sein. 



Wird ein frei auf liegender Balken von der Spannweite \ 
seihen Last D^^ belastet, so ist 



es verhält sich 



^v = ^= 



Dl, 




ÄA»:6. A,« = 2Z>/, :^ = 8:1. 
h ^ mh. Ä, = m A, . 



Anleitung für den Entwurf von Noth- und halbpennanenten Brücken. 239 

A = 2A,; 132) 

gleiche Weise ergibt sich 

d = 2 d. , 
i. die Querschnitts-Dimensionen der Zwängbalken müssen noch einmal 
groll sein als bei einem auf beiden Enden frei aufliegenden und 

c hmäßig belasteten Träger von derselben Spannweite l^ und Belastung -r-. 

^ Zwängbalken werden daher verhältnismäßig stark beansprucht. 
Der Unterzucr wird so berechnet, als ob die Last 



*© 



ichmäßig über denselben vertheilt wäre, demnach 

,H^ = 0-6ä'=.^ = ^ 133) 

bei u die freie Lange des ünterzuges bei zwei Zwängrippen bedeutet; 
. Nothb nicken wird m = 3 sein, daher: 

Ib 4 



3 



I^Äm, 134) 



Bern 136) 



Bei 3m Brückenbreite entfällt der ünterzug ebenso stark wie eine 
appschwelle von der Spannweite —l; die Dimensionen können daher 

o 

nmittelbar aus den bezüglichen Tabellen entnommen werden. 

Die Balken werden ebenso berechnet, als ob sie die Spann- 

eite AC = — hätten ; die Dimensionen der ersteren können daher aus 

?ii Tabellen oder durch das bezügliche Näherungsverfahren l)estimmt 
erden. Die Zwängriegel können etwas schwächer als der Unterzug 
ehalten werden, da sie nur wenig beansprucht werden. 

III. Doppeltes Zwängwerk. 

Durch das doppelte Zwängwerk wird die Spannweite des Brücken- 
des in drei Theile getheilt. Man will durch das doppelte Zwängwerk 
ie Balken in zwei Punkten unterstützen, es ist daher jene Anordnung, 
n welcher der mittlere Kahmen ganz kurz ausfallt, die Art der ünter- 
ützung sich also wenig vom einfachen Zwängwerke unterscheidet, un- 



240 Eropadek. Anleitong fOr den Entmizf etc. 

zweckmäßig, da es in diesem Falle vortheilhafter wftre, ein ein&cbet 
Zwängwerk herzustellen. 

Die Brückenbalken ruhen entweder unmittelbar auf den Zwäng- 
riegeln oder auf ünterzügen, welche knapp neben diese gelegt werden 
Die Anbringung eines ünterzuges auf der Mittellinie des horiiontalei. 
Bahmens ist gleichfalls unzweckmäßig, da man das Zwängwerk möglidull 
in den Knotenpunkten belasten solL 

Jeder ünterzug hat V, von der Belastung des ganzen Brftcken- 
feldes zu tragen. 

Der Druck D ergibt sich daher bei zwei oder drei Zwäng- 
rippen zu 

In den Punkten F und O wirken die Beactionen D nach aufwärti 
und haben das Bestreben, die Zwängbalken zu biegen. Das Momeik 
von D ist: 



M=Dl,== 



16 



lOODZ. =-^ÄZ, =24 6ä«, 
lo 

16 . 24 * 32 • ' 
6Ä« = 0-6d»= ^Bl,, 

h = yBl^cm 136) 

d = 1^11 Bl, cm IST) 

b und h resp. d sind hier die Querschnitts-Dimensionen der Zwäng- 
balken. 

Der Querschnitt der Balken wird nach der Spannweite A C ermittelt 
Die ünterzuge werden wie Kappschwellen für die Spannweite */, l 
berechnet. Die Zwängriegel können, wenn sie nicht als Auflager der 
Balken dienen, schwächer als die ünterzuge gehalten werden. 

Doppelte Zwängwerke erfordern ebenso wie die einfachen verhältnis- 
mäßig sehr starke Balken, sind complicirt, daher womöglich nicht anzu- 
wenden. (Fort»eUUBf folgt.) 



241 



sieht der vorziigllehsten Versuche auf dem Gebiete 
des Artilleriewesens während des Jahres 1886. 

Nach officiellen Acten lusamra engest eilt 

von 
OUriituUnatit d<r ^cfuvrrtn ifatttric • Division Nr. "iL 

im Jahre 1886 (liiri-hgcfrihrteTi Yersiielie bezweckten zimi 
rile die Fortsetzung )>egnTirieiier Erprobungen, znni Theile die Prüfung 
|er. auf die Vervollkommnung der Handfeuerwaflen und Gesichütze 
röglicher Vorsehlägo und Erfindungen. 

Von den erj5t*?reii wfirc* besonders zu erwähnen di** weitere Aus- 
jlnig der Gewehre mit Geradzugverschluss und der zugehörigen 
mitioQ, die Versuche mit 7rw und 9fM Hülsenshrapnels und jene 
Schaffung wirkungsfahigerer Fulversorten. 
la die zweite Gruppe gehören die Erprobung mehrerer neu- 
pistruirter Repetirgewehre, ferner die Versuche mit flaehkopfigen 
hoüseD und die Anwendung einer verminderten Patroüe für das 
eßen der 12r??i Shrapnels iL 1880 gegen Ziele hinter Deckungen. 
Zum Abschlüsse gelangten im abgelaufenen VersucLsjjihre die 
tirgewehr- Frage, die Versuche zur Erweiteraug des Shrapnel- 
les bei Feldgeschützen und die Construction eines wirkungs- 
D Shrapoels für %rm Belagenmgsmorser. 
Die im Jahre 188ö >taust noch ausgeführteo, jedoch nicht zum 
iliws gebrachten Versuche werden seinerzeit besproohen werden. 



I- Versuche mit Handfeuei'waffeu, 

A, Gewehre. 

1. Rerpetirgewelir mit Gon^dzugT^rsoliliiBs, System MamiUolier. 

Von den im Jahre 1885 erprobten Repetirgeweliren erwies sich 
B**^ mit Geradzugver.schluss, System Mannlicher, als das voUkommenf^te 
pd kriegsbrauchbarste. Die Erprobung dieses Gewehres bei der Truppe 
infolge der vielseitigen Benützung einige Anstände, welche durch 
Bstmctive Änderungen an einzelner) Bestandtheilen in zweckent- 

25 




242 



S c li u b e r t 



sprechender Weise behoben wurdeiu Eine wesentliche Verbesseruii;: |l 
erfuhr diei^es fiewehi' durch die vom Ober-Iügeuieur Maonlicher vi>f- ' 
geschlagene Änderufig für das automatische Auswerfen der geleertem 
Patron enmagaziue, Xachdem auch diese« mnrtificirte Gewehr durch dif j 
Truppe erprobt, die letztere überdies bezüglich der Bajonnetpflanm 
Form de3 Bajonnettes, des Putzstoeke» und des Aufsatzes ent<;chi6 
hatte, wurde die endgiltige Conatruction für das Repefcirgewehr 
Geradzugverschluös festgesetzt und dieses als ^Repetirgewehr M. IE 
eingeführt. 

um die Tragweite uod Präcision der neuzusehalfenden Gewel 
zu steigern, w^urde eine wirkufigsföhigere Patrone mit 5^ Pulver M. 188t J 
und papierbemänteltem Hartbleigeychosse construirt, welche jedoch b«-] 
züglich Form und Gewicht jener iL 1877 vollkommen gleich ist. 

Die Gewehrpatrone M. 1886 ergibt eine Geschossanfangsgeschi 
digkeit von nahezu 490m; der maximale bestrichene Raum für 
Auächlaghöhe von l*öm gegen ein l'Sm hohes Ziel bei der Zieh 
auf die Durchschnittsmitte beträgt 441 Schritt. Der Aufsatz ges 
das Schießen bis 2300 Schritt. 

Zur Ermittlung der Widerstandsfähigkeit de^ Laufes und 
Verschlussmechanismus der Gewehre mit Geradzug^^erschluss wurden, 
dauerversuche ausgeführt, welche ergaben, dass selbst nach 6000 Schfl 
eine Einbuße an der Schusspräcision, oder eine Störung im Mechanis 
des Gewehres nicht eintritt. 



Z. Repetirg^wahra dee Lieutaiiaiil Karl Krmka des Isfajitezie- 

Regfimaiäts Nr, 36. 

Die vorgelegten Gewehre haben einen Geradzugverschluss, 
dem Constructionsprittcipe Mannlichers, doch erfolgt die Verrieg«Iii 
des Verschlusses durch die drehende Bewegung eines Verschlussbestaod- ' 
theiles. Sowie das Gewehr mit Geradzügverschluss, System MannUcber, 
gestatten auch diese Gewehre das Ausfeuern der Magaziusladuug oto| 
dieselben aus dem Anschlage bringen zu müssen. 

Daa Laden erfolgt mittels Lee-Magazinen ähnlichen Patrond 
hältern für 5 und 10 Patronen, welche von unten in das im MitI 
Schafte befindlicbe Gehäuse eingelegt werden; schließlich ist auch 
Laden einzelner Patronen bei eingelegtem Magazine zulässig. 

'^'htung dieser Repetirgewehre zeigte sich bei den wieto*^ 

Erprobungen als unfertig. 



Icht der voriüglic listen Versuche auf dem Gebiete des Artilleriewesens. 243 

's, Katmllolier*a Oeradz^irgowekr, modlfloirt duroli die östeireiolilBclie 
Waffenfabriks-GeseUacliaft. 

Die Einrichtung dieses Gewehres basirt auf der Verwendung von 

Einen zu 5 Paü'onen, welche im Principe dem Lee-Magazine gleioli 

Die Miidifieation bezieht sich auf den Entfall der VoiTichtung filr 

Aiisweifen der geleerten Patroienmagazine, indem durch das ein- 

Hinabdnlcken des neuen Magaziss in das im Mittelschafte be- 

che Gehäuse das leere* nur durch eine Bandfeder gehaltene Magazin 

unten offenen Gehäuse entfernt wird. Die von der k. k. Armee- 

Eenschule Torgenommene Erprobung zeigte diese Gewehre als nicht 

sbrauchhar. 

4. Wemdrs neucoiiBtruirtas Hdpetirgawelir mit Odr&dzugversoMuaa. 

Dieses Kepetirgewebr ist im Principe dem vorbeschriebenea Ge- 
hre gleich, hat jedoch einen den Kepetirgewehi^en Krnka ähnlich con- 

pu Verschluss. 

Sowohl Gewehr als Verschluss erwiesen sich als nicht kriegs- 
achbar. 

dchulliors Repetlrgewelir mit QeradzugyersoMuas mnd MittelsoliaftJi- 

Tf ommelmaga^in . 

Das Priiicip dieses Trommelmagazins ist ähnlich jenem des Sy- 
Männlicher mit Uhrfeder -Bewegung, welches im Jahre 188& 
lirobt w'orden ist. 

Das Drehen der Trommel erfolgt durch eine Spiralfeder, das 

aen der letzteren durch eine Kette, welche mit der seitlichen 

seklappe verbunden ist. Die Magazinstrommel fasst 10 Patronen 

gestattet bei geöflftietem Magazin das gleichzeitige Einlegen von 

ren Patronen. 

)er Verschluss gleicht nahezu dem von Lieutenant Kriika vor- 
?gten Oeradzugverschluss, 

Dieses Gewehr wurde nicht kriegsbrauchbar befunden. 

6. Br. Al£f6d Ritter Jumltsohek toh Weliratedt's Hapetlrgewelu', 

Bei diesem Gewehr ist das Magazinsgehäiise im Mittelschafte 
edernd angeordnet, so dass dasselbe, wenn es nicht mit einem Magazin 
gefüllt istr nach dem Auslösen eines Drückers in den Mittelschaft 
licktretend gemacht werden kann. Die Magazine sind für die Auf- 
ae von 5 nnd 6 Patronen eingerichtet 




244 ^^^^^^m' 8 c li n b c r t, 

Die FiinctiouiruMj^ dos R^petirniechaüi^iDn^ ist übnlich jea 
des Gewehres mit Geradm^versohlus!^, Syatem Männlicher, rait m 
oben auszuwerfenden Patroneümagaziuen. Der Versichluss — Svi 
Mauser — ist durch Anbringung eines Versohlu^sdeekels mit Griff 
einer Führungsleiste, welche in den Verschlusseylinder eingreift, 
einen GeradzugverschlusB umgewandelt. 

Dieses Gewehr wurde in Anbeti'acbt bereits vorliegender hm^ei^ 
Constnictionen abgelehnt. 

7. Repetirgewdltr Sr. kalserUohen Hoheit, des durohlauchUgsten Ueu 
Erzherzogs Karl Salvator, 

Dieses Bepetirgewehr, mit einem links zeitlich aufsteckbaren 
gazin fiir ß Patronen, hat einen besonderen Blockver^^ehluss, welcl 
durch Ziehen an einem Griffe geöffnet wird; das Seblielien erfolgt selbi 
thätig durch eine Feder. Die Erprobung dieses Gewehres ist wegen 
demselben noch vorzunehmender Ändeningen noch nicht abgeschlc 

B. Revolver. 
1. Revolrer^ System Kauimaaj}. 

Die Versuche mit diesem Revolver bildeten eine Fortsetzung 
Versuche des Vorjahres. Das erprobte Kevoh ennodeU war fiir die deutsc^ 
Bevolverpatrone (mit einfacher Kapsel) eingerichtet und gestattete 
Hilfe einer noch schwächeren Schlagfeder eine noch leichtere Han^ 
habung als die vorher erprobten Modelle. Sonst ergaben sich beim heu 
erprobten Revolver gegen jene, welche im Jahre 1885 in der Truppe 
erprobung gestanden waren, keine Vortheile. 

iL VersQolie mit Ravolvem kleinen CaUbers. 

Die Versuche beschränkten sich nur auf den Revolver von 8« 
Caliber und fahrten zur definitiven Feststellung der Patrone fiir d^ 
etwa neuzuschaffenden Revolver dieses Calibers. Die O'S^r Gewehrpulvai 
M. 1886, betragende Ladung ertheilt dem 8% schweren Oeschosste 
26 Schritt von der MClndung eine Geschwindigkeit von rund 200m. 

C. Handmitra i Ileus e. 

Der Ober-Ingenieur Männlicher legte eine für die Qewehrpi 
M. 1877 construirte Haudmitrailleuse vor, Dieselbe ist eine gewehrahnUc 



rbersicht der vorzüglic hstm Versiidie auf dem Gebiete des Ärtilleriewesens. 245 



etirwaö"? m\t CrliDderrerschliiss und aiifschiebbarem Magazin für 10 

in 12 PatroDeD; alle Fimctknieu des Verschlusses iied des Repetir- 

faaoismus, mit Ausnahme des Abfeuerns, werden bei dieser \Yi\Se 

eh eine eonstiuctive Aiisniitzimg des Kuckstoßes eingeleitet. Diese 

fe, welche sammt gefülltem Magazine ein Gewicht vöo etwa 5*5% 

tann wie ein Gewehr im Anschlage gebrüueht werden und gestattet 

aus dem Ansehlage gebracht zu werden, das Auswechseln der ge- 

rten Patronenmagazine. 

Die Erprobung ergab, nafh Vornahme unwesentlicher Aendenmgen 
der Waffe, glinstige Ee^äultate imd wird fortgesetzt werden. 



II* Versuche mit Feld- and Gebirgsgeschtttzee, 

'ortsetzniig der Yersnolie zur Erwelterang des SlirapnelertrageB bei 
Feldgesoliütxea M. 1876. 

Anschließend an die im Voijahre begonnenen Versuche zur Er- 
^itening des Shrapnelbereiehes bei Feldgeschützen wurde im Jahre 1886 
ie rberprüfuug der während eines Jahres depoairt gewesenen Zünder 
ait längerer Brenndauer vorgenommen. Dieselbe hat ergeben, dass diese 
f durch die Deponirung bezuglich der Gleichförmigkeit der Brenn- 
ler und der damit im Zusammenhange stehenden Streuung der Spreng* 
keiüerlei Einbuße erlitten haben. 

j&ie eri>robten Zünder sind vereinfachte Pereussions - Eingzünder 
^ 1875, deren aus Messing hergestellte Satzscheiben mit Brandröhren- 
gepresst sind. Bei beiden Calibero reicht die Tempirscala bis 
Schritt, um beim Shnipuelschießen auf 4500 Schritt noch allen- 
oötUg werdende Tempirungsvermehrungen vornehmen zu können. 

Nebst den zur Ermittlung der Tempining und Geschosswirkung 

chgeffthrten Versuchen wurde aus beiden Feldcalibern auch ein in 

3$ß]ger Weise durchgeführtes Schießen auf 3800 Schritt vor- 
[jmmen. 

Als Ziel dienten 3 im Abstände von 20m hinter einander auf-*° 
eilte 2*7m hohe, 36m lange, in je 60 Kotten getheilte Seheibenwände. 
bei diesem Schießen erzielten Resultate sind in der umstehenden 
kelle enthalten. 

Eine ausgedehntere Erprobung des Shrapnelschießens auf große 
aüien findet noch durch die Truppe statt, . 



1 



246 


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allen Wunden 








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I Übersicht der vorzügliclisteii Versuche auf dem Gebiete des Ärtilleriewesens, 247 

2. Sülileßen von 9cm ErsatzliohlerBaoliossen M. 1875, 

Ein comparativ ansgefühi'ter SchieÜversiicli mit ycm HoMgeschossen 
, 1875, und mit gusseiserneii Ersatzgeschosseu von der Forni und dem 
ewichte der 9(*m Stahlgeschosse M. 1875 hat ergehe^n, dass für das 
iMen bis 500 Schritt bei beiden Gesehossgattiingen die Kifht- 
m«Qte anzuwenden sind, während auf Distanzen von 500 Schritt bis 

S Schritt beim Schießen der Stahlhohlgesehosse eine Elevations- 
hning von TV ^>is 2y,' erforderlieh ist. 
fcii 



8. Varsnolie bei O^bir^sgesoliützeii M. 1875« 



lUr Steigening der Geschosswirkung wurden bei der 7cm Gebirgs- 
loae Schießversuche mit Hülsenshrapuels verschiedener Canstruetion 
li Eneugungsart ausgeführte 

Aiif Grund der im Jahre 1885 gewonnenen günstigen Eesnltate 
lit Sei« Hülsenshrapnels aus getempertem Gusseisen (Eisenweichguss) 
^ sowohl das Material als die Constructionsprincipien derselben auf 
" I«n Hülseushrapnel (i bertragen und folgten zunächst Versuche, um 
1^^ Variirnng der Wandstärken den grOÜten Fnlladniigsraiim zu er- 
Wßi ohne die Haltbarkeit der Hülse in Frage zu stellen. Die diesem 
^ehe beigezogeueu Shrapnels enthielten 73 bis 78 Stuck 13mm 
Dingein und eine Sprengladung von 0*031% bis 0'044Ä*jt^. Die Er- 
btiDg erfolgte durch Schießen aus einer 7rm. Gebirgskanone auf 
^ Sehritt und ergab die vollkommene Widerstandsföhigkeit der 
*^n tjur bei einer 0*034% nicht Ql)er.<teigeuden SprengladuII^^ wobei 
fel^öüere oder kleinere Wandstärke keinen Einfluss übte : die guss- 
^^ti CommunicatioDsröhrchen haben hiebei nicht entsprochen. 

I^^r die Fortsetzung der Versuche wurden Hülsen verwendet deren 
dstärke 5mm zunächst der Gewinde. 6wm zunächst des Stoßspiegels 
^K; die Comumnicationsröhrchen wurden gU^ch den Hülsen aus 
*^^ichgU88 erzeugt, die Sprengladung betrug 0*034%, die Fül ladung 
^ttkck 13mm Bleikugeln; das Gesammtgemcht des adjustirten Shrap- 
^ar 3101%. 

Bei der wie vorher erfolgten Erprobung durch Schießen blieben 

HfUüen vollkommen intact; eine ausgiebige, für die Erhöhung der 

^^^^ionski*aft der Füllgeschosse wünschenswerte Vergrößerung der 

^^«ngladung erschien nicht zulässig, da ^chon bei 0*040% Sprengladung 

*^o gesprengt wurden. 

Aus diesen Versuchen ist demnach folgende Shi*apne!-Construction 
^i Adjustirung hervorgegangen : Hülse ans getempertem (Jusseisen mit 




248 



ö c li u b e r t. 



einHchraublmr*^r giiä^eberoer Cresehoßs-Spitze ; Stoßspiegel aus Sclimi< 
eisen und Communicationsröhrchen aus getempertem Gusgeisen mit eil 
DiirchiiieHser der Hr^hlung von 7«*;^? nnd 2'5«?m Wandstärke. Der FüB 
ladniigsniuiii faj^ste 68 Stuck 13m/» Bleikiigeln, die Sprengladung 
tru^ 0'034% Gewehrpulver, das Ge8ammt<^ewicht des adjni?tLrteü Sb| 
nels 3*1 kg. 

Um über die Wirkung dieser Hülseiishrapiielsi gegenüber }{ 
von norriialen Inn Shrapneb M. 1875 einen vergleielienden AuW 
in erhalten, wurde je eine Serie von scharf adjustirteu 7cm Hüll 
^dirapneli auf 2500 Schritt und 2900 Schritt mit der Ladung 
0^35% :il(gegebrn; die Shrapnels der letzteren Serie waren mit Züi 
für längere Brenndatier adjiistirt. 

Von den verwendeten 25 Shrapaels t>ind 23 explodirt und hi$ 
hei etwa 9 Procent die Hfili^en zeirissen; die Gesehoss-Spitzen ' 
Stolispiegel blieben intaet; die Communicationsröhrchen wurden schw 
gehngen. 

lUe beim Schießen erzielten Treffresultate zeigt die nebensteh€S 
Tabelle. 

Insoweit bei der geringen Zahl der abgegebenen Sehfisse eioe 
gebende Schlustifolgerung gestattet ist, lasi^en die Besultate erkendl 
dass bei Beibehält der aormakm Schusspatrone und Anwendung der q 
Hftlsenshrapneli* aus getempertem Gusseisen, eine Erweiterung des ■ 
berigen Shrapuelertrages um etwa 500 Schritt, also etwa das erreic 
werden kann, was mit 7cm Shrapnels M. 1875 bei Anwendung 4 
Ladung von 0'40^v/ erreicht wird, HielKi ist die Trefferzahl der Hüki 
shrapnels auf 2500 Schritt erheblich größer als jene der gewohulich 
Shrapnels; auf 2900 Schritt sind die Trefferzahleu beider Geschoi 
gattungen nahezu gleich, stehen aber noch gegen die Wirkung der 
der zerlegbaren Gebirgskanone geschossenen Shrapnels zurück. Eine 
geioiüg der Perciissionskraft der Füllgeschosse, die in dem VerhiÜtfl 
der durchgeschlagenen Partikel zu der Gesammtzaht der Treffer 
Ausdrucke gelaugt, ist bei den Hülsenshrapnels nur auf der Distani 
2900 Schritt in Tage getreten. 

Cid den mit der erprobten Shrapnel*Constnittion überhaupt 
stellMureii Gewinn an Geschoss Wirkung auf billigerem Wege m erhalfl 
wurde Tersueht^ ob sich nicht, wie dies bei ^m Hülsenshrapnels n 
Erfolg geschehen ist, der Eisenweichgoss dareh den minder kodtspiei 
Eisenhartgoas bei den HlUseo und dureh geblrtetes Scbmiede^iMi 
CommunifütiaDsr^hrehen ersetzen Imfise« 



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250 



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Die Verbuche ergaben Diir in letzterer Beziehung ein gtinsl 
Be^ulUt; hingegen wt die Anwendung des Hartgusseidens für 7cm HüUcj 
nicht zulässig. M 

Aus den bisher durchgeführten Veri^achen konnte gefolgert werdei 
daHH Mue weitere Steigerung der Wirkungsßhigkeit des besteheiÄj 
Gebirgsgeschützes noch möglich sei. wenn die Percussionskraft 1| 
FüllgeschoHiie eine Steigerung erfahrt; da dies aber nur durch eine am 
giebige Vermehrung der Sprengladung bis etwa 0*044% erreichbar is 
m miisste auf ein widerstandsfähigeres Hülsenmaterial — also St 
übergangen wenleu. 

Ein Sprengverauch, welcher mit mehreren von der österreicMf 
alpinen Mantangeselbchaft gelieferten Hrilsen^hrapnelö aus Tiegelaf 
Fa(,'ongusa ansgefflhrt wurde, bestätigte die Anwendbarkeit dieses 
terials ffir Hülfen. Die Versuche behufs Vergrößerung der Sprenglad 
werden fortgesetzt 



III. Versuche mit Belagerungs- und FestungsgeschOtzenJ 

1. Jortaetzun^ der Auadauererprobnng des mit einer elngepresi 
Futterrohre yeraebenen löcw etahlbrc^BzeiLen Belagertmgskano&enro 

Nr. 6v 

Aus diesem Rohre wurden im abgelaufenen Versuchsjahre 246 Sei 
abgegeben, womit die Geäaromtschusszahl auf 1930 Schösse gel 
worden ist 

Wahrend die Schusspräcision nach 1808 Schössen eine 
immerhin gute war, nahm dieselbe in der Folge raseh ab, so dassj 
1900 Sehftsi^seo die mittlere Höhenab weich img 2*25 w und die mit 
Seitenabweichung Vl5*ti erreichte. Die tleschossgesch windigkeit m 
vor der Mihiduüg war nach 1830 Schlissen noch 447*3m, also nur^ 
29m kleiner al^ beim neuen Rohre; nach 1900 Schüssen zeigte sieht 
der Distanz von 2000m eine Portee-Einbulie von 200m, Beim Schieft 
gegen eine 50»» entfernte Scheibe ergaben sich dm-ckwegs elliptisd 
Oeschossdurchischläge. womit die Grenze der Ausdau*^r »^nvit^ht undj 
volle ünbrauchbarkeit des Rohres constatirt war. 

Die Visitirung des Rohres ergab, das3 die Bohningserweiter, 
^TpieB 1930 Schlissen nahezu ebenso groß waren, wie jene beim u ] 
gfeffttt erten Ro hre nach 1000 >^ch»ssen . ^^ ^ 



Cbersicht der TöKüglicbBten Versuche anf dem Gebiete des ArüUeriewesejis. 251 



BrprobiiBg des neuireMUerten mit einer durobgrelfenden Futt^rrölire 
versehenen 16cm stahlbronzenen Belagemngskanonenrohres Nr 6. 

Um das 15cm BelageningskanoneErohr Nn 6 ffir die Verwendung 
fi Versuchen wieder geeignet zu machen, wurde dasselbe erneuert ge- 
u. zw, mit einer durchgreifenden eingeschraiihten und einge- 
lessten Futterrohre. 

Die beim Hessen der Geschossgeschwindigkeit und beim Prücisions- 
ießen erhaltenen Kesultate entsprechen den bezüglichen Schieß tafel* 
PH, weshalb das Knhr zu Versuchszwecken wieder vollfroinmen ge* 
»et ist. 

Aus dem ßohre wurden bisher 128 Schüsse abgegeben. 

Der zugehörige Verschluss ist bei 3269 Schüssen im Gebrauche 
aden uDd noch lirauchbar. 



Gomparativer Sebießvefstioh mit flaokköpfigen und nonnalan 16cm gnss- 
Ersatzgesoboaien ans der löan stahlbronzeiien Belagemngs- 
kanone, H, 1880. 

Da bei Versuchen, durchgeführt gegen Objecte mit geneigten 
icheu, die Wirkung der auf 50m Entfernung geschossenen flaehkopfigen 
|U<fschösse sowohl gegen Panzer als gegen Granit jene der normalen 
bohlgeschosse nicht unbedeutend überragte, so wurde auf 1500m, 
Pf Grenzdistanz für das Beschießen von Panzern, ein comparativer 
bießversuch mit beiden Gesehossgattungen vorgenommen ; derselbe 
lODte Aufschluss geben, ob die Endgeschwindigkeit und Schusspräcision 
^r flachkuptigen (leschosse auf dieser Distanz noch für eine wirksame 
ekämpfuug von Panzern ausreichen* 

Die Resultate dieses Versuches zeigt die imostehende Tabelle. 

Ein Vergleich der darin enthaltenen Zahlen ergibt, dass flachkopfige 
hosse auf 1500m nicht ohne merkliche Einbuße an Prfieision und 
üebeodiger Kraft geschossen werden können. 

Es werden daher die Versuche zur Feststellung eimat ge^gneten 
^ -constmction fortgesetzt» -um bis auf 1500m mit flaehkopfigen 
>^n den zuoi Bekämpf eu von Panzern erforderlichen Geschoss- 
bei thunliehster Einschränkung des Muuitionsaufwandes zu 
Itticheru. 




252 



Schubert. 



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4* 37'« 



4. Erprobung der verstCLrkten Hicbtsaachine für die 15cin Batteri6laüfl| 

IL 1880. 

Die seit dem Jahre 1884 in der Erprobung stehende verst 
innere Richtächraube aus Besusemeri^tahl Nr. 6 W iaft beim 1561» Schi 
gebrocheo, die Ausdauer dieses Lafetten-Tlieiles ist also Tollkoi 
genügend. 

Die bei diesem Versuche benützte hohe Batterielafett« war 
1769 Schössen iin Gebrauche* 



6. Erprobung eines Handrades far Riobtmaschineii M. IBSO und 
Steges für RichtTorrioht;ang#n M. 1S80, beide Gegenet&nde ans St 

ersengt. 

Um Über die Anwendbarkeit des Stahlgnsses für schirierige 
Bessemerstahl, Schmiedeeisen oder Schmiedestahl zu erzeugende Schmie 
stocke Auftchlliss zu erhalten, wurde ein in der k. k. Artillerie-Zeu 
Fabrik erMo^ea Handrad für Bichtma^schinen il, 1880 und ein 
für Richtrorrichtnugen M, 1880 der Erprobung Iwm Schießen unl 
sogen. 

Da^ Handrad, welche? an die Bichtmaschine einer l%tm Batte 
Ufelte monlirt wurde, war bei 164 Sehüssen, der Steg bei einer IS 
BiltorieblCpIte bei 118 Schüssen im Gebraaebe. Beide Lafettenbest 
theile haben bisher keinerlei Veränderung erlitten und werden we 
erprobt 



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Ülenicht der vorzüglichsten Versuche auf dem Gebiete des Artilleriewesens. 253 



]lIiTTlertr Ab 

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Streuung nach 

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% FortaeUting des Ansdanerversnolies mit dem 12cm stahlbronzenen Bela» 
gerungskanonenrohre Nr, 3. 

Programmgemäß war beim I2cm Belagerungskanonenrohre Nr. 3 
.& öesammtschusszahl auf 2000 zu bringen, und hierauf das Eohr — 
wie das 15cm Belagerungskanonenrohr Nr. 6 — mit einer durch- 
ifrafesden, einzuschraubenden Futterröhre zu versehen. 

Nach abgegebenen 2013 Schüssen war bei diesem Bohre that- 
KrirUieh die Ausdauergrenze erreicht und dasselbe zu weiteren Ver- 
nicht mehr geeignet. 



Irproltmiig des mit einer durohgreilenden Futterröhre versehenen 12cm 
stahlbronzenen Belagemngskanonenrohres Nr. 3. 



I Die nach dem Einsetzen der Futterröhre aus dem 12cm Bohre 
rJh 3 abgegebenen Serien zeigten bei einer die Schießtafelgeschwindigkeit 
f toersehreitenden Anfangsgeschwindigkeit eine auffallend ungünstige Schuss- 
fElciflioii, obgleich bei der nach 80 Schüssen vorgenommenen eingehenden 
Yintimiig des Bohres die Bohrung keine bemerkenswerte Veränderung 
lofwies; auch die aufgefundenen Geschosse zeigten an den Fuhrungs- 
bftndern eine vollkommen correcte Führung. 

Da bei den bisher abgegebenen Schüssen das Bohr in der zuge- 
hörigen Batterielafette lag, welche bereits bei 2079 Schüssen in Ver- 
wendung gestanden ist, konnte die beobachtete ungünstige Fräcision 
des gef&tterten Bohres durch die Beschaffenheit der Lafette hervorge- 
infen worden sein. 



254 



Schubert 



Es wurde daher das Eohr in eine vollliommeÄ fißiie Batterieli 
eingelegt, doch blieb auch jetzt die Sehu.sspräcision eine ungü] 
Weiteren Yersitchen bleibt die Tollkommene Klarstellung der die 
günstige Schusspräcision herbeiführenden Ursachen vorbehalten. 

Daa Bohr, aus welchem bisher 172 Schüsse abgegeben wiu 
ist in dem gegenwärtigen Zustande nur zu Pulverversuchen geeigni 



8* AtLadauBrrarsuok mit dem i2cm stahlbroms^nen BelAgerunerBkaBa 

rolire Nf» 4, 

Das 12c«i Bohr Nr, 4 war bis nunzu bei Ä25 Schüssen im 
brauche. Dasselbe wurde als Exereirgesehütz an die technische lliliH 
Akademie abgegeben, und damit die Erprobung dieses Cfeschutzea 
geschlossen, 

0. OrlentiraBgsveraucli zur Ermittlung der Gesoliosa Wirkung beim Schi 
der I2cm Slirapiiels M. 1880 mit verminderter Ladimg gegen Ziele lil 

Decknngen. 

Zur Orientirung über die bei der 12rmBelagenmgskanoneM. ' 
enielbaren Wirkung beim ShrapnelschieÖen mit einer verminA 
Ladung gegen Ziele hinter Deckungen, wurde ein kurzer Versuch 
geführt. 

Um bei diesem Caliber bis auf 2500»? die zur erfolgreii 
Bekämpfung gedeckter Ziele mindestens nothwendige Bahiikrünuni 
zu erhalten, muss die Ladung bis auf 1*8% des 13mm Geschützpid 
vermindert werden. 

Der Versuch wurde auf 2000m gegen 4, in Abständen von 
hintereinander und hinter einer 2'5w hohen Brustwehr aufgestellte 
hohe, 24m lange in je 40 Rottenstreifen getheilte Bretterwände 
geMirt; die vorderste Wand war 2"6m von der deckenden Linie 
fernt und der Boden zwiseheu den Bretterwänden mit Scheibenpll 
belegt. 

Die Shrapnels waren mit Percussionsringzündern M. 1866/J 
Satzscheibeu, gepresst mit Brandrohrensatz, adjustirt. 

Die folgende Tabelle enthillt die Resultate mehrerer Schüsse 
Anwendung verschieden langer Tempirungen und spricht für die w( 
Ausbildung dieser Schnssart. 



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10. Attsdauervarsiicli mit dem IScm atalilbronzenen Bela^erungskanon 

röhre Nr. 1. 

Bei dem IScm Belagerniigskanonenrohre Xr. 1 wurde die Gesai 

schusszahl auf 2125 Schusse gebracht, das Rohr ist zu weiteren 
suchen noch geeignet. 

11. Fortsetzung der Ortentirungsveranclie zur Schafftmg eines wiri 

f&liigerea Peatungsgosoliütz-Systema. 

Die im Laufe des Jahres 1886 durch gefühi'ten Yer.suche hab 
ergehen, dass bei einer Verhlngerung des Laderaumes beim 12r»i Ve 
suchsrohre bis auf 463wuff, beim I5cm Versuchsrohr bis auf SOOmi 
noch eine Steigerung der Anfangsgeschmndigkeit voa 10 bis 15 w 
Anwendung der günstigsten Pulver.Horten zu erzielen sei, jede weiti 
Vergrößerung des anfänglichen Verbrennungsraumes aber, bei der 
gebenen Länge der Versuch srohre, eine Wii-kungssteigerung ohne Übö 
Bchreitung der zuhissigen Gasspannungsgrenze aussehließe. 

Von den versuchten Pulversorten zeigte auch heuer das brao 
13mm Geschützpulver und das hraune prismatische Pulver vom Kor 
cöliber des schwarzen Tcanaligen Pulvers das gilostigste Verhalten. 

Bei den bisher besproebenen Versuchen wurden 2*5 Caliher lang 
Geschosse verwendet. \jm bezüglich der Anwendbarkeit längerer öd 
schösse Aufschi US8 zu erhalten, wurden bei der 12r»i Kanone 3 
4 Caliber lange Geschosse erprobt Bei ersteren, welche ein Qemt 
von 2r75% haben, wurde ohne Überschreitung der Gasspannung 
1000 Atmosphären eine Geschoasgeschwindigkeit von 365m, bei 
letzteren, welche 26% wiegen, 339m erreicht. 

Aus den bisher durchgeführten Orientirungsversuchen geht hervo 
das8 die erzielten Resultate auch aus den bestehenden Kanonen M, li 
unter Anwendung des brauneu Pulvers erreicht werden kdnnen, wfi 
der Laderaum entsprechend erweitert wird und die sonstige Bohrung 
anordnung keinen wesentlich ungünstigen Einfluss ausübt. 

Die weiteren Versuche werden daher zu erweisen haben, ob 
erhöhte Leistungsfähigkeit bei eisernen Kanonen M. 1861 praktisch 
reich bar ist. 



id. TersTiolie ztxr Wirkungasteigening der normalen Kanonen M. 1861 

a\ Anwendung der Geschosse M. 1880. 
Obgleich schon im Vorhinein gegen die Anwendung der 
ttärkeren Drall erfordernden Geschosse M. 1880 bei Kanonen iL 1861 



Pbenicht der vorzüjrli«*hst«'ii Versuche auf dem Gebiete des Artilleriewesens. 257 

Bedenken obwalteten, ^vurde ein kurzer Versuch aus einer 15cm Kanone 
M. 1861 bei Verwendung von braunem ISmm Geschützpulver durch- 
frfthrt. Dieser Versuch zeigte, dass eine Wirkungssteigerung bei den 
laonen M. 1861 auf diesem Wege nicht zu erreichen ist, weil der 
ottlbare Vortheil einer um etwa 60m größeren Anfangsgeschwindigkeit 
fath die ungenügende Schusspräcision aufgehoben wird. Zudem zeigte 
«sich, dass keine der bestehenden hölzernen Lafetten M. 1861 der 
tedi die Anwendung einer größeren Ladung bedingten stärkeren Bean- 
i^niehung des ganzen Systems genüge. 

b) Erprobung einer neuen Liderung für Kanonen 
M. 1861. 

Ein weiterer Versuch zur Vervollkommnung der Kanonen M. 1861 
bnog sich auf eine Erleichterung in der Bedienung dieser Geschütze. 
Zu diesem Zwecke wurde bei einem 15cm Kanonenrohr eine neue 
Udemng. bestehend aus einem mit dem Verschlusskolben fest ver- 
bundenen Abschlussringe aus Kupfer, erprobt 

Diese Liderung hat bei Anwendung der Schusspatrone entsprochen : 
hörn Schießen mit verminderten Ladungen sind störende Gasausströmungen 
ao^^reten, weshalb die Versuche mit elastischeren Abschlussringen fort- 
fe«rtzt werden. 

laTenmohe mit dem 0cm stahlbronzenen Belagemngsmörser M. 1880, Nr. 2. 

Die aus dem \U'm Belagenmgsmörser Xr. 2 zur Verification der 
ladi den Versuchen des Jahres 1885 aufgestellten Wurftafeln für 
%rm Shrapnels M. 1880 und die zugehörigen 9rm Einschießshrapnels 
abgegebenen Serien ergaben die Xothwendigkeit, die Port^eversuche aus 
Üesem Kohre zu erneuern. 

Die Resultate dieses Porteeschießens zeigten, dass mit den an- 
Ifwendeten acht Ladungen von 005, 0055, 006, 007, 008, 0095, 
»12 und O'Hkg die Distanzen von 300m bis 1450m vollkommen be- 
herrscht werden, und dass sich alle Ladungen mit ihren Bereichen 
fenOgend übergreifen. Auf Gnmd dieser Daten wurden nun die bezüg- 
lichen Wurftafeln neu berechnet. 

14. Xriirobtmg des für die Broadwell-Iiidenmg adaptirten 21cm eisernen 

Körsers K. 1873. i 

Im Jahre 1886 wurden aus diesem Rohre 15 Würfe mit der ! 

Ladung 5*97Äv/ abgegeben. Auf der erreichten mittleren Wurfweite von 

4466-9ni betruL^ die mittlere , ,f Abweichung -v.-tw». 

»weiten- o l 

26 






fbenicht der vorzüglichsten Versuche auf dem Gebiete des Artilleriewesens. 259 

üi»flbe mit einer durchgreifenden, eingeschraubten Futterröhre ver- 
«ken and för die Abfeuerung mit Frictionszündschrauben eingerichtet. 

Das gefutterte Kohr ergab beim Schießen mit 51% schweren 
Tormentirgeschossen und der Ladung von l\'5kg des 2hnm Geschütz- 
[•ulrers auf 50w vorder Mündung eine Geschossgeschwindigkeit von 494m. 

Dieses Bohr, aus dem bisher 21 Schüsse abgegeben worden sind, 
wird fallweise bei Pulvererprobungen und sonstigen Versuchen dazu 
benfttzt werden, um die Befestigungsweise der Futterröhre zu erproben. 

2. Venmohe mit dem 28cm stalilbronzenen Küstenmörser. 

Die im Jahre 1885 beim Schießen aufgetretenen Beschfidigungen 
n Rahmen des 28cm Küstenmörsers wurden bei gleichzeitiger Ver- 
tfrkong des Bahmens behoben; auch wurden die gusseisernen Kugeln 
ies Pivots, welche eine unzureichende Widerstandsfähigkeit gezeigt und 
4aha auch zur Deformation des Bahmens beigetragen haben, durch 
«tSUeme ersetzt. 

Der so reconstruirte Bahmen wurde bei 131 Würfen erprobt und 
hat. abgesehen von den noch immer aufgetretenen — übrigens unschäd- 
lichen — Abplattungen der Kugeln im Pivot, volle Haltbarkeit gezeigt. 

Gleichzeitig mit der Erprobung des Geschützes auf seine Haltbar- 
keit wurde auch das Verificiren der Port^e desselben vorgenommen, was 
anch noch im nächsten Versuchsjahre fortzusetzen sein wird. 



V. Pulverversuche. 
1. Verbessertes Gewehrpnlver K. 1881 der k. k. Pulverfabrik in Stein. 

Von der k. k. Pulverfabrik in Stein wurden im abgelaufenen Ver- 
nchsjahre zwei Pulverproben eines verbesserten Gewehrpulvers 11. 1881 
hergestellt welche nach dem vom k. k. Beichs-Kriegsministerium ge- 
Briunigten Arbeitsprogramme ffir die neue Werkseinrichtung und mit 
geänderten Dosirungen erzeugt wurden. 

Dieselben haben bei Gewehrpatronen M. 1877 und Carabiner- 
pitronen M. 1882 eine nicht unbedeutend größere Geschossgeschwindig- 
keit ergeben, als das normale Gewehrpulver; beim Präcisionsschießen 
zrigte jedoch nur die Gewehrpatrone befriedigende Besultate. 

Die weiteren Versuche in dieser Bichtung wurden eingestellt, weil 
« mittlerweile der Firma Mayr & Both, sowie der k. k. Pulverfabrik 
in Stein gelungen war, ein Pulver herzustellen, welches dem als bestes 

26* 



260 



Schubert 



Scbwarzpulver bekannten Puidiifte der Fabrik in Rottweil (Marke RFi 
in jeder Beziehung gleietikonimt. Dieaes inländische Pulver erhielt 
Bezeichnung ^Gewehrpnlver iL ISSß"^. 



In Fortü 



2. BraTiiiea ISmm Gösohtitzpnlver, 



seUuug der im Jahre 1885 begonnenen Versuche i 
im Pulverwerke zu Felixdorf 500% brauues 13mm Geschützpulver i 
der im Vorjahre am besten entsprochenen Probe in Bestellung gebra 
um die Verauche zur Schaffung eines wirkungsfiihigeren Festun 
geschfitz-Systems weiter zu ffibren. Diese Serie ergab bei der 12*? 
lageningskanone auf BQm vor der Miindung eine Geschossgeschwindigk 
von 494-26 m bei einer Oasspanuiing von 1085 Atmosphären. 

Auf Grund diese« Ergebninses wiirAe für die Hauptversuche 
SchaffuDg eines neuen Festuugsgeschütz-Systems eine gröüere Quanti 
braunen ISmwt GeMchützpuIvera bestellt Die eingelieferte Probe, m 
sechs folgende Proben haben jedoch nicht mehr den gestellten Be 
gungen entsprochen tiöd nmssten als inisslungen bezeichnet werden. 

Braunes prismatisches Pulver. 

Parallel mit den Versuchen zur Schaümg eines braunen Idmm \ 
schützpulvers wurden Versuche rait braunem prismatischen Pulver 
Korncaliber des alten schwarzeu Teanaligeu Prismapulvers durchgef 
und haben die im abgelaufenen Jahre vom Pulverwerke in Felix4 
Bingelieferten Proben ebenso günstige Ecsultate ergeben wie im V^ 
^jahre, da beim Schießen aus der 12rm Belageiiingskanone auf 50 w 
der Miindung eine Geschossgeschwindigkeit von 498'38m bei 1212 At 
Sphären Spannung erreicht wurde. 

Sollte keine branchbare Probe braunen 13mm Geschützpulvers e8 
geliefert werden, so ist ttir die Fortsetzung der Versuche zur Schaffun»? 
eines wirkungslahigeren Festun gsgeschutz-Sjstems das braune prismati^^che 
Pulver in Aussicht genommen. 

Braunes 2lmm «lescb ü tzpul ver. 

Die im Jahre 188ti gelieferten Serien braunen 2hiim Gesch 
pulvers haben noch nicht zu einem vollkommen befriedigenden AbschW 
der Versuche zur Darstellung dieser Pulvergattung geführt Diese 
suche werden vorderhand nicht fortgesetzt, da ein Bedarf uach die 
Pulver nicht besteht 

Erprobung des eingelieferten Pulvers. 

Nebst der Durchfuhrung der Versuche zur Schaffung neuer, 
saraerer Pulvergattungen oblag dem Militär-Comit^ auch die Prüf 




Cbereicht der vorzüglichsten Versuche auf dem Gebiete des Artilleriewesens. 261 

des TOD der k. k. Pulverfabrik zu Stein und von Privatpulverwerken ein- 
gefirferten Gewehrpulvers, dann des von der Pulverfabrik in Stein er- 
zragten 7fnm und des von Mayr & Both angefertigten I3mm Geschütz- 
palTers nach den bezüglichen Vorschriften. 

Endlich sind vom Militär-Comite auch die erzeugten Serien extra- 
fffinen Jagd- und Scheibenpulvers nach den vom k. k. Beichs-Kriegs- 
ministeriam genehmigten provisorischen Übernahms- Vorschriften erprobt 
worden. 



VI. QeschossTersuche. 

1. Erprobnng der eingelieferten Oeaohosse. 

/ Im Jahre 1886 wurden auf die Oompletirung der Vorräthe 7cm 

1^ Sem Hohlgeschosse M. 1875, 12cm und 15cm Shrapnels M. 1880, 

Jbrm M. 1875 und 15cm M. 1880 Stahlhohlgeschosse eingeliefert, deren 

/ Erprobnng und Classification vom Militär-Comite nach den bezüglichen 

Vorschriften durchgeführt wurde. 

9. bprolmng von scharf a^Jnstirten 12cm Hohlgesohossen K. 1861, die seit 
dorn Jahre 1871 in einem fenohten Dep6t hinterlegt waren. 

Im Jahre 1871 wurde eine Partie scharf adjustirter 12cm Hohl- 
geschosse M. 1861 in einem feuchten Depot hinterlegt, um den zer- 
ist''>renden Einfluss der Feuchtigkeit auf diese Geschosse kennen zu lernen. 
Bei der im Jahre 1886 vorgenonmienen Besichtigung befanden sich 
i £ese Geschosse in einem Zustande, welcher Bedenken in die Eriegs- 
bnnchbarkeit derselben aufkommen ließ. Es wurden daher 8 Hohl- 
f»chosse einer Erprobung unterzogen, u. zw. wurden von diesen Ge- 
ichossen 2 in der Grube gesprengt und 6 mit der Ladung l'l^ gegen 
4ie freie Ebene geschossen. 

Beim Sprengen haben diese Geschosse ebensoviele Sprengstücke 
geliefert, wie Geschosse normaler Beschaffenheit: beim Schießen sind alle 
tiesehosse rechtzeitig explodiri 

Aus diesem Besultate geht hervor, dass die Sprengladung durch 
die langjährige Deponirung an ihrer Wirkungsf&higkeit nichts eingebüßt 
kit: da ferner beim Schießen die Zünder dieser Geschosse ausnahmslos 
rechtzeitig functionirt haben, so können Geschosse von der äußeren 
Beschaffenheit der erprobten noch als kriegsbrauchbar angesehen werden. 

Von der weiteren Aufbewahrung der noch verbliebenen Geschosse 
io dem feuchten Depot wurde abgesehen, weil angenommen werden kann. 



u 



2&1 



S c h u h f r t- 



iiüHs die (teschosse kein«* vv>*sfntlirhe Anderurijßf mehr erleiden, dann 
auclL, weil in keinem der bestehenden <Tesehossdep6ts die Geschah 
zerstörenden Einttftsgen ausgesetzt sind, wie in dem vorliegenden Fat 



3 Versnobe zur Schaffung eines Sbrapnela fdr 9cm Belagern ngsmora 

Bei dem im Jahre 1885 letzterprübteii ShrajMjelmode!l mit ü-0651 
Sprengladung^:, welehe die Sprengladangskammer vollkommen aiiHfüllt 
wurden die Hülsen nach der Explosion bi.s gegen ^OOm zurückgesehleuded 
ITm diesem Übelstande ahzubelfen» wurde die 8prengladnngskanira€ 
der Shrapnels M. 1880* gleich jener der Einäcliießshrapnels geinuebf 
welche 009% Pulver fasst, jedoch die Sprengladung von 0*0*15% bei- 
behalten. Durch die.se Anordnung w^nrde das Zaruck.schlf?udern der Hola 
thatsärhiich bis auf 220m eingc^sichrankt dabei weichen die Hftlsen thej 
rechts, theils linkn von der Wurt'linie ab. 

Hiemit erschien die Constniction der 9rm Shrapnels ^f. 1880 
Hfilsen aus getempertem Ousseisen <Eisenweichgu.ss) abgeschlossen. 

Am Schlüsse des Jahreg 1886 wurde von der Betriebs-In>?pection 
der k, k. Artillerie-Zeugsfabrik als Hülsenniaterial für Shrapnel-» M. I8i 
ein Gu88eisen jener üattirung, wie es zur Herstellung von Hartgu»s 
gewendet wird, in Von^chlag gebracht. 

Da mit diesem Materiale in ökonoujischer Beziehung wenentliche 
Vortheile zu erzielen sind, wurde in die Erprobung dieser Hülsen ein 
gegangen. 

Zwei derlei Hülsen, welche aus massiv in .Sandform gegossenen 
Stangen durch Ab**cbneiden uml Ausbohren gewonnen wonleii sind, ver* 
hielten sich bei einem Spiengversuche wie die HiHaen aus Eisenweicb^ 
giiSH de» Shrapnels« M, 1880. 

Für den folgenden SchietJversuch wurden die Hülsen auf Urnnd 
des günstigen Ergebaisses riues Orientirungsversuches. zur Vereinfachung 
der Erzeugung und Verminderung der Herstellungskosten direct durch 
Gießen über einen Kern hergej*tellt. 

Zur Herstellimg der (.'ommunicationsrohrchen wurden an Stelle de« 
kortspieligen getemperten GusHei:?tens gewohnliche, im Handel vorkomTf^*"''^' 
5/lB" itasröhren versucht, w*elche, um »ie gegen den Stod etwas v 
standsfähiger zu machen, durch Einftetzen gehärtet wurden. Ein dies- 
bezüglich vorgenommener Sprengversuch hat auch dargethan, das» das 
VerhalU*n dieser letzteren r'«»mmunicution>8röhrchen, wenn nicht ein be««er«k 
so doch ein ganz gleiofie^ igt, wi« jene^ der mn getempertem (fUHseiseii 
hergestellten* 



Übersicht der vorzüglichsten Versuche auf dem Gebiete des Artilleriewesens. 263 

Der mit derlei adjustirten Shrapnels ausgefahrte Schießversuch 
gke, dass dieselben den Shrapnels M. 1880, deren Hülsen aus getem- 
!lBin Gusseisen hergestellt sind, vollkommen gleichwertig sind, weshalb 
mehr für die Erzeugung der 9cm Hülsen endgiltig Hartgusseisen 
mndet wird. Die Versuche mit 9cm Hülsenshrapnels sind hiemit 
lAIossen. 

4. Erprobung von 8cm und 10cm Shrapnels M. 1863. 

Die durchgeführten Versuche hatten den Zweck eine Abhilfe gegen 
IS unzulängliche Verhalten dieser Shi-apnels beim Schießen zu schaffen. 

Die von mehreren Artillerie-Zeugsdepots zum Versuche eingesendeten 
fipnels wurden zum Theil in ihrem Zustande belassen, zum Theil 
t neuen Satzscheiben adjustirt. Bei allen Shrapnels wurde die alte 
wehe entfernt, und der Mantel vor dem Laden mit einem gefetteten 
ergbauschen abgewischt. 

Bei den durchgeführten Versuchen konnte die Zahl der Blindgeher 
cht unter 4 Procent herabgedrückt werden ; doch zeigten die Versuche, 
m das Entfernen der Geschosstauche und das Einfetten des Geschoss- 
intels mit einem gut gefetteten Wergbauschen vortheilhaft sei und 
SS femer die Zahl der Blindgeher vermindert wird, wenn die Shrap- 
Is M. 1863 mit der Anfeuerung des Zünders nach abwärts eingeführt 
den. 



Sonstige yei*siiche. 

1. Erprobnng von Friotionszündsohranben. 

Die auf Grund der im Jahre 1885 durchgeführten Versuche vor- 
nommene Umgestaltung der Frictionszündschrauben für die Anwendung 
r Frictionsvorrichtung M. 1880 hat beim Schießen mit der vollen 
^ung aus den 15cw, 24cw und 28cm Küstenkanonen das Auftreten 
Her Anstände zur Folge gehabt. Infolge des hiebei auftretenden hohen 
«dnickes, wurden nämlich die Köpfe der Frictionszündschrauben ab- 
^rifisen und nach rückwärts geschleudert, wodurch Störungen in der 
?di«rang und dem Gebrauche der Geschütze hervorgerufen worden sind. 

Die Ursache dieser Anstände konnte einerseits in der Schwächung 
r Wandstärke der umgeänderten Zündschrauben, dann aber auch in 
ler nicht entsprechenden Beschaffenheit des Erzeugungsmateriales 
legen sein. 



264 



8 « h ti li e r ! 



Um di^HliezCi^lich üeiri^sheit zu erlangen, wurden comparatke 
keiUverHtiche mit Zöiidschrauben aus Ter^chiedeiiem Materiale rorgenii 
len. IM dmer mechanischen Eqiröbiing zeigten sieb «lie aus CoqniU« 
memAuK hergestellten ZQndi^ehrauben. unter Bück^ichtuahme auf 
PremerhflltniMse. als die geeig^netsten für »lie Fortsetzung der V>r8ua 

Die ZftridHchraubeii haben auch beim Schießen aus der lofm Köstj 
kanorjK vollkomiBen entsprochen. 

Da jedoch bei der Ijcm Kiisteükanone Gasspannungen von hoch 
2200 Atmosphüren auftreten, während bei der 2^cm Küstenkanone m 
Anwendung des Tcanaligen schwarzen prismatischen Pulvers Drücke 
'm liOOO Atmosiihären vorkommen können, so ist zur verlässliel 
Sicherung gegen das AbreiDen bei Aufrechthaltung der Adjustirun 
weise die Wandstärke des Schraubenkorpers vergrößert und das 
des L*anals für den gasdichten AbschUiss etw*as tiefer in den Gewind 
thiMl der Schraube herabgesetzt worden. Diese verstärkten Frictioii 
zümlseliranhen bedingen wohl, dass das Lager im Zöndlochstollen etn 
^•rweiteri und verlängert wird, dueh dürfte die dadureh vernrsach 
Seliwäebung des Zündloehstollens belanglos sein. 

Zidni solcher Zündschrauben haben beim Schießen ans der 15*mKüst<i 
kau<Mn* Nn 2 vollkonmien entsprochen: die weitere Erprobung wird 
einer 24<"m und einer 28cnt Küstenkanont' im Jahre 1887 durchgefiU 
werden. 



d. Erprobang eines Pl¥otl>acke9 aus Stahl^usa fUr Batterldbettungea 1 

M. 1880. 

Aus dem gleichen Anlass, wie nntfr IIL5 erwähnt, gelaugte aiich< 
I*ivotbock aui* Stahlgüsse für Batt^ni♦d^ettnngen M. 1880 zur Erprobuli 
Derselbe ütiind bei 121 Schüssen theils au^ der 12rm Kanone, theib^i 
der I5cm Kanone iL 1880 in Verwendung und zeigt keine Verändenu 
Diese Erprobung wird fortgesetzt. 



3, Erprobung Je einer Pate&t-Sioherheitswinde mit 



Solmeoken* 



-Antriel}! 



R&der- 
lO.OOOi^ Traffkr&fi der nnaa Qebrüder Dickertmaim zu Bielefeld. 

Die Patentwinden der Firma Gebnlder Dickertmann sollen 
ichtlich Sicherheit beim Gebrauche und Leichtigkeit der Handhabo 
*"mt»biTre Vortheib» gewahren, weshalb j»» eine Winde mit Schnecke 
bexw. KsVdemn trieb behufs Erprobung beschafft worden ist 

Diese Winden wurden hn Handhabungen mit dem 21riii llön 
rorwend«»t und genügte eine derselben lum Heben des Geschütiest, 



übereicht der vorzüglichsten Versuche auf dem Gebiete des Artilleriewesens. 265 

Erprobungszeit lässt jedocb noch kein erschöpfendes Urtheil über 
Brauchbarkeit und Dauerhaftigkeit der Fatentwinden zu. 

\[^ Sohleßversnoli mit einer 12em stablbronzenen Marinekanone L/36. 

Die Marine-Section des k. k. Eeichs-Kriegsministeriums hat im 

lusse an die im Jahre 1885 versuchte Krupp'sche 35 Caliber lange 
iMarinekanone eine 12cm stahlbronzene Kanone L/35 in der Artillerie- 

abrik erzeugen lassen und wurde das Militär-Comit^ mit der Er- 

ög dieses Geschützes betraut. 

Das 12cm stahlbronzene Marinekanonenrohr mit Flachkeilverschluss, 
beim Versuche in der Schiffslafette des Krupp'schen Geschützes. Das 

Btz stand auf einer Bötonbettung. 

Die Versuche umfassten: 

a) Die Ermittlung jener Pulvergattung und Ladungsgröße, welche 
Überschreitung der Gasspannung von 2200 Atmosphären, dem 

^i wiegenden, 4 Caliber langen Übungsgeschosse eine Anfangs- 
Findigkeit von 535m ertheilt. 
^ Diesen Bedingungen entsprach eine Ladung von 9kg braunen pris- 
■väiBhen Pulvers; dieselbe ergab auf 50m vor der Mündung 524*86m 
|p €iner Spannung von 1582 Atmosphären. 

b) Bestimmen der Friedensladung mit 5*5% des braunen pris- 
hen Pulvers; dieselbe ertheilt dem Geschosse eine Anfangs- 

^pMhrindigkeit von 405m, bei 865 Atmosphären Spannung. 

c) Ermitteln der Port^e und Schusspräcision auf lOOOw*, 2000m, 
und 40007/{. 

6. Fahrversnolie mit einem zweispftnnigen Oompagnie-Mnnitionswagren 
nnd einem zweispftnnigen Projeots-Trainwagen. 

Die beiden Wagen repräsentiren neue Fuhrwerkstypen leichtester 
flattung, welche vom Militär-Comitö construirt und in der Artillerie- 
ieugsfabrik hergestellt worden sind. 

Bei den Fahrversuchen, welche durch sechs Tage währten, wurden 
Mde Fuhrwerke in der mannigfaltigsten Weise erprobt, indem mit 
denselben steinige, beschotterte und lehmige Wege mit Steigungen bis 
211 14 Grad befahren, Gräben von verschiedener Tiefe und Breite über- 
Mzt nasse Wiesen, frisch geackerte Felder, schlammiger Grund und 
%ölle passirt und Wegstrecken bis s\x Skm im Trab zurückgelegt 
^den. 



266 Schubert. Übersicht der vorzüglichsten Versuche etc. 

Das Ergebnis des Fahrversuches war folgendes: 

Für beide Fuhrwerke hat der zweispännige Zug, wobei 46<li^ 
Munitions-, bezw. 520% beim Trainwagen als Zuglast pro Pf<nti 
fielen, in allen Fällen ausgereicht. l 

Die Widerstandsfähigkeit der Wagen bei einem Eigengewidi 
355kg, bezw. ^lOkg und einer Nutzlast von 565kg bis 630%, ^ 
dem P/ifachen W^agengewichte entspricht, hat sich als vollkomnu 
nügend erwiesen. 

Die Fahrbarkeit der Wagen, die Lenkbarkeit, Deichsel- und^ 
freiheit, sowie die Stabilität der Fuhrwerke war ganz entsprechend, 
allen diesbezüglichen Forderungen anstandslos genügt wurde. j 

Die als wünschenswert erkannten Änderungen sind bei dei| 
nitiven Construction entsprechend berücksichtigt worden. 

6. Erprobung des Küstendistanzmessers, System Roskiewloz. 

Zur Herabminderung der Pointirurigsfehler sind alle Fadenl 
durch planparallele, mit sehr fein eingeritzten Linien versehene 
plättchen ersetzt worden. 

Die auf verschiedenen Distanzen ausgeführten Messungen i 
wohl eine Steigerung des Genauigkeitsgrades der Messungsresnlt») 
geben, jedoch erkennen lassen, dass eine weitere Verbesserung hin 
lieh der Visireinrichtungen kaum zu erreichen sein dürfte. 





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267 



Beiträge zur Verwendung der Artillerie'). 

Von 
Xjadislaixa Oexxxxa, 

k k. Major und BiUterif-Divijtions-Comniandant im Corj»»- Artillerie' Regimtnt 2fr. 14. 

Allgemein wird beim Angriffe angenommen, dass die Angriffs- 
Artillerie an Zahl stärker sei als die Vertheidigungs-Artillerie. Obwohl 
lieh gegen die Bichtigkeit dieser Annahme nichts einwenden läsat, so 
darf doch der Fall nicht übersehen werden, dass die Überlegenheit der 
Infanterie allein auch zum Angriffe berechtigen kann. 

Geht man aber nicht mehr von der sehr bequemen Annahme aus» 
dass beim Angriffe die Artillerie zahlenmäßig überlegen sein müsse, so 
finden wir in der Verwendung der Artillerie eine bedeutende Lücke. 

Es verlohnt sich daher der Mühe hier stehen zu bleiben und zu 
untersuchen, wie auch eine an Zahl schwächere Artillerie im Angriffe 
bis an die äußerste Grenze ihrer Leistungsfähigkeit auszunützen sei. 

A. Der Angriff. 

In künftigen Gefechten wird der regelrechte Angriff beiläufig fol- 
ftude Stadien durchlaufen, als: die Einleitung des Gefechtes oder das 
Torgefecht — den Entscheidungskampf der Artillerie — endlich das 
biuiteriegefecht, welches mit der allgemeinen Entscheidung abschließt 

Diese Gefechtsstadien sind aus der Port^e der Waffen — des Geschützes 
mi Infanteriegewehres — gegeben, und selbst das Terrain und andere 
ItfUligkeiten werden daran nicht viel ändern. 

Die Artillerie schießt dreimal so weit als die Infanterie mit einer 

b jetzt nicht gekannten Genauigkeit und Wirkung. Das Infanteriegewehr 

IC auf nahe Distanzen geradezu vernichtend. Diese zwei Thatsachen 

Weinfinssen jede TruppenfQhrung im höheren Sinne, und sie bilden die 

Grundlage f&r alle Erwägungen bei der Conception des Gefechtsplanes. 

Die richtige Auffassung von der Wirkungsfähigkeit der Artillerie 
fUirt aber zu der Erkenntnis, dass die Artillerie thatsächlich zu einer 
Haoptwaffe« u. zw. zu gleichen Theilen mit der Infanterie geworden ist. 

•) Vortrag, ffehalten im militär - wissensohaftlichen Vereine zu Wien, am 
11 Man 1887 

28* 



268 



e n n a 



In dem MaÜe, als die Wichtigkeit des Feuers in der Taktik 
geoonimeu hat, hat jeue des Stoßes abgeuommen; dadiu*ch wurde 
Artillerie eiße Haiiptwaffe und wird es so lange bleiben, Hb sieh die^j 
Verhältnis nicht wieder umkehrt, was nicht vorauszusehen ist. 

Die aus der Pörtee. aus der Genauigkeit de^ Schusses und au« i 
Wichtigkeit des Feuers überhaupt mit elementarer Nothwendigkeit 
aufdrängende Gleichwertigkeit der Artillerie mit der InhuUi 
wird künftighin zwingen, diese zwei Waffen mit gleich reifer Erwäg 
daher mit gleich tiefer Erkenntnis ihrer Individualitäten zu ihrer gegej 
seitigen Unterstützung zu verwenden. 

Diese Gesichtspunkte sind nun bei den nachfolgenden Uli 
suchtingen über die Verwendnogsweise der Artillerie, bei besouici 
Berücksichtigung der schwächeren Artillerie, maßgebend gewesen. 

Die Einleitung des Gefechtes oder das Vorgefecht ' 

Die leitende Idee für das Vorgefecht wird demnach sein, so 1 
als möglich jenen Baum zu besetzeu, aus welchem das nächste St 
des Gefechtes, der En tscheidun gskamp f der Artillerie, 
den gilostigsten Vorbedingungen aufgenommen werden kann. 

Man muss sich der Erkenntnis erschließen, dass vor der Artill«! 
gerade nur so viel Infanterie zu marschiren hat, als zur Vertreilm 
des im Vorterrain etwa *^tablirten Vertheidigers und zur Sieherang 
Artilleriestellung nothwendig ist. Das Gefecht hat nuo einmal die Eig^ 
art angenommen, dass die Infanterie — natürlich Überraschungen 
sonstige den Gang desGefeclites nicht unwesentlich beeinflussende Znßflf 
keiten ausgenommen — nur unter dem Schutze g r o li e r B att 
rien zum Angriffe kommen kann. 

Zwischentalle, die während der Einleitung des Gefechtes eiütrei 
könnten, dürfen die ausgesprochene leitende Idee nicht zurückdrän? 
oder gar auflieben. Wo dies möglich wird, ist auch der Ausgang 
Gefechtes fraglich. 

Die Verwendung der Artillerie im Vorgefechte hat besonders 
schwacher Artillerie, eine äuOerst sparsame zu sein. 

Der groiSte Theil der Artillerie verhält sich zuwartend. Die liöte^ 
Artillerieführer bereiten durch Recognoscirungen im Terrain in 
Maße, als die Vortruppen vorrücken, die allgemeine Vorrückung 
Artillerie auf Entscheidungsdistanz von 

Die wenigen Batterien (Vorhut -Batterien ), welche Stellung neton 
müssen, um etwa einen zäheren Widerstand des Gegners im Vorterrafi 
zu brechen, lassen der vorrückenden Infanterie ihre volle, ungeschmälert' 




Beiträge zur Verwendung der Artillerie. 269 

Müoömrfreiheit, damit sich dieselbe nach ihrer Weise bis über die Ent- 
»^rbeidoDgsdistanz vorschiebe. ^ 

Ich kanu nicht umhin, hier auf einen Fehler aufmerksam zu machen. 
4en die Artillerie oft in der Einleitung des Gefechtes begeht. Es konoimt 
limlich nicht selten vor. dass der Artillerie-Commandant (Batterie- oder 
httvrie-Divisions-Oommandant) die Stellung für seine Geschütze nur vom 
irtilleristischen Standpunkte aus beurtheilt und — sucht. Die taktischen 
Rtkksnchten werden hiebei außeracht gelassen. Zum Glück decken sich 
nmeist die Anforderungen, welche die jeweilige taktische Situation einer- 
»its und die Artillerie als SpecialwaflFe andererseits von einer guten 
Irrilleriestellung verlangen. Wo dies aber nicht der Fall sein sollte, 
bleiben im Vorgefechte die Anfordenmgen, welche die Gefechtsweise der 
In&nterie begünstigen, allein maßgebend. 

Es darf daher nicht vorkommen, dass die den Vortruppen zuge- 
theilten und mit ihnen fechtenden Batterien weit ab zurückbleiben oder 
entfernt gelegene Höhen seitwärts aufsuchen, nur weil sie von dort 
ans artilleristisch besseren Ausschuss haben. Sie beein- 
flussen dadurch unwillkürlich die Bewegungen der Infanterie, welche um 
deren Sicherheit besorgt ist. Bleiben beispielsweise die Batterien zurück, 
so verlangsamen sie die Vorrückung: fahren sie weit ab seitwärts auf, 
»^ ziehen sie mehr Infanterie von der Hauptvorrückungslinie ab, als es 
sich taktisch rechtfertigen lässt. 

Diese Batterien brauchen daher nicht ängstlich nach Hügeln 
ud Höhen zu suchen. Sie bleiben vor allem eng an die Infanterie 
ttfreschlossen und schießen von überall, sobald sie nur das Ziel sehen 
ud eine gute Portee haben. Ist die Gewinnung jener Stellung, aus 
vrfeher die Artillerie den Entscheidungskampf aufnimmt, das unverrück- 
kre Ziel des Vorgefechtes, so ist natürlicherweise die nächste Frage: 

Wo liegt die Stellung für den Entscheidungskampf der Artillerie? 

Die Stellung für den Entscheidungskampf der Artillerie liegt auf 
iMfernoDgen unter 3000 bis 2000 Schritt von der feindlichen Stei- 
nig d^r Vertheidigungs-Ai-tillerie. u. zw., wo es angeht, besser unter 
2360 Schritt als unter 3000 Schritt. 

Dts ist freilich artilleristisch — wenn man auf den erweiterten 
%apnelscbass und andere Details Bücksicht nimmt — sehr nahe. 

Doch der Fortschritt in der Waffentechnik hat die Bedeutung 
xwfrier Factoren in der Taktik, u. zw. den des Zeitgewinnes und 
4ra der Überraschung, nur noch vergrößert Je mörderischer die 
Waffen geworden sind, desto gewichtiger der Grundsatz: 



2ro 



1 II je kürzere Zeit die iiesaiiimtaction desGefeckl 
gedrängt werden kann, um so ^^eringer werden die V< 
1 II s t e sein* 

Nachdem sich aher die Actiouen, wenn die Truiipen in den Ber 
des Infanteriefeiiers kommen, nicht mehr zusanimendrüngen lassen. 
ein rasches Daraiiflosgt^hen öJine gründlich«^ vorhergehende Vorhereiti 
nicht mehr leicht denkbar ist, .so t-rgibt ,sich von selbst dass 
Angreifer den Z ** i t g e w i n ri , il i. das Zuäammensehieben der ActiOB^ 
nur außerhalb der Aiüsatzschui^.s weite detJ Infanteriegewehres, ako 
eii'ca zur Entscheidnngsdistanz der Artillerie .suchen mu.ss. Je nä 
rascher der Aufmai'Hch der Infanterie au die Vertheidigungsstellii 
rückt werden kann, deatn vortheilhafter wird es ffir den Angriff i 
Dem wird unhestriiteu am besten entsproehtML w^nn die Artillerie 
(ind tingeschwächt auf Entscheidnngsdistanz auffahren und da.s Gros 
Infanterie unter ihrem mächtigen Schutze aufmarsehiren kann. 

Inwieweit das gleich gelingen wird, darüber kann man sich 
retisch nicht einlassen, aber Dian kann sagen: 

Einer der gr^ßt+'U Kunstgriff** der Truppenführung wird im 
tigeii Angriffe sein, den Artilleriekanipf so rasch als möglich mit all| 
Geschützen auf En tsch ri d n ngsd is tanz aufzunehmen 
während der Zeit die rückwärtigen Infanteriemassen unbehelligt — 
die Vertheidigungs-Artillerie sich vollauf der Angritfs- Artillerie 
erwehren müssen — aufmarschiren zu lassen. 

Das ist vornehmlich die Ursache, warum das Vorbringen der 
Artillerie auf Entscheidungsdistanz als uiiv*^rrflckbar»\s Zitd di\s 
gefechtes hergestellt wurde. 

Das eben Gesagte gilt allgemein für jede Artillerie. — Einej 
Zahl schwächere Artillerie kaan aber davon ich sage absolut 
nicht abweichen, wenn sie die Chancen des Sieges nicht geföhrden 

Ein Truppenkörper mit viel Artillerie kann auf großen Ei 
nungen mit mehr Batt-erien herumplünkeln — gut ist es auch niclil • 
aber es bleiben ihm für den Entscheidungskampf noch immer gpfl 
Geschütze übrig. 

Eine schwache Artillerie kann auf Entscheidungsdistanz k( 
Geschütz enthehren, es muss hier alle Kräfte u ngesch wa cht «U 
vollzählig einsetzen, w^eil von da allein der gröMmögLiche Effect 
erwart^en ist, 

Es ist daher nachtheilig, dieselbe vorzeitig und in weit abgelegen 
Stellungen abzumüden. Abgesehen jedoch von der vorzeitigen 
düng, wird sie durch das Verweilen in Stellungeo auf große DistauÄ. 



Beiträge zur Verwendung der Artillerie. 271 

xößere Verluste erleiden, als es bei umsichtigem baldigen Vorrücken auf 
«ntscheidungsdistanz der Fall sein wird. Hat aber die Artillerie schon 
nf Distanzen über 3000 Schritt Verluste erlitten, um wie viel schwie- 
iger wird es sein, sie auf Entscheidungsdistanz vorzubringen. 

Eine auf Entscheidungsdistanz sofort vorfahrende Artillerie hat 
Bdglicherweise auch den Vortheil der Überraschung für sich; denn es 
Bt nicht ausgeschlossen, dass sie beim Beginne des Artillerie-Duells 
veht die ganze Vertheidigungs-Artillerie in Stellung findet. Es ist keine 
Seltenheit, dass der Vertheidiger nicht alle Greschütze in Position hat. 
Rine zielbewusste, wenn auch schwächere Artillerie kann aber den Zeit- 
moment, bis die rückwärts reservirten Batterien des Vertheidigers vor- 
foogen werden, sehr zu ihrem Vortheile ausnützen. 

Schliefllich räumt eine weitabbleibende Artillerie dem Vertheidiger 
fttdgend Zeit ein, um sich zu orientiren; er wird daher bis zu ihrer 
iweiten Vorrückung seine Gegenmaßregeln zu ergreifen wissen. 

Freilich ist die Anschauung ziemlich allgemein, dass eine sofortige 
Vorrückung auf Entscheidungsdistanz, wenn auch nicht unmöglich, so 
doch 8ehr erschwert ist 

Aber selbst das zugegeben, so muss man sich über Folgendes 
bar sein: 

Von den großen Distanzen aus kann die Artillerie die Vorrückung 
<ier Infimterie nicht unterstützen, weil sich die Vertheidigungs-Artillerie 
bald von ihr ab- und der Infanterie zuwenden wird. Die schwächere 
Artillerie muss also doch einmal auf Entscheidungsdistanz vorrücken — 
Wbst auf die Gefahr hin, sich aufzuopfern — soll die Infanterie nicht 
Inf ihre Unterstützung ganz verzichten. Nachdem man dieser gebiete- 
rischen Nothwendigkeit nicht ausweichen kann, so bleibt nichts anderes 
ibrig, als die Zahl der abgängigen Geschütze durch große Entschieden- 
leit und von oben her geschickte Führung zu ersetzen. Einer ener- 
pschen und noch in ungeschwächter Kraft; stehenden Artilleriemasse sich 
ca erwehren, wird auch einer starken gegnerischen Artillerie viel Mühe 
hosten; diese wird alle ihre Geschütze aufbieten müssen, um Herr der 
?itiiation zu werden — damit wird aber die Angriffs-Infanterie degagirt 
ind kann mit relativ geringereren Verlusten bis an jene Zone vorrücken, 
on wo aus sie ohnehin das Gefecht übernehmen muss. 

Dieser Verwendungsweise der Infanterie und Artillerie im Vor- 
efechte steht scheinbar noch die erweiterte Port^e des Shrapnelschusses 
ntgegen. 

Ohne die Wirkung des Shrapnelfeuers auf große Distanzen zu ver- 
ennen, halte ich dieselbe im Ernstfälle aus dem Feldgeschütze nicht 



272 



C enn ft 



■ 



für ausgiebig genug, um allzu zagbaft zu machen. Ich möchtv demiwclj 
warnen, sich bezüglich des Shrapnelfeuers der Feld-Artillerie auf 
Distanzen ühiiiichen Irrungen hinzugeben, als es bezüglich des We! 
feiiers der Infanterie theilweise der Fall war. 

Eine der weaentlichstcB Bedingungen tur das gute Schießen igt 
Möglichkeit guter Beobachtung, Diese ist aber auf grnlje Entfernn 
im allgemeiueu, für den Shrapnelschuss aber insbe^ton^ 
schwierig. Der Shrapnelsehuss wird also, selbst wenn die techn 
Schwierigkeiten der Coustimction ganz behoben wurden, aus applicÄt/i 
risehen OrÜTidcii nicht jene?* Mali der Wirkung erreichen, um d« 
frischen Zug nach vorw;lrts allzusehr zu begfmRtigen. 

Auch geht es nicht an, das Shrapnelschieüen auf groüe Dist 
aus dem Fesfcungskriege frischweg auf den Feldkrieg zu öbertragen. 
Verhältirisse, unter welchen die PHd-Artillerie zur Anwendung de« 
Schusses (über 4000 Schritt f kommen wird, sind grundverschif 
von jt^nen bei der Festunga-Artillerie. Ich erinnere nur an Einen Fa 
an die Zeit und an alles, was damit zusammenhängt. Wie weit Ter*" 
schieden ist die Dnurr einer Feldschlacht von der einer Festunp?* 
Schlacht ! 

Wie war es mit den übertriebenen Hoffnungen, welche bei Einßk- 
rung gezogener Geschfitze an deren Wirkung auf große Distanzen : - 
knüpft wurden;' Und wie harmloa war ihr Feuer in den ersten Schlaili: 
als sie, pochend auf die Tragweite allein, weit ziirückblieben V 

Die Zeit hat diesen Irrtljum richtiggestellt. Ähnlich wird es ftuek 
mit dem Sbrapiielschuss der Feld-Artillerie auf große Entfeniungeö d«f 
Fall werden. 

Aus den bisherigen Untersuchungen resuinire ich noch kun 4i< 
Anschauungen, welche meiner Ansicht nach für die VerwendunL'^- 
der Artillerie im Vorgefechte allgemein emptehlenswert, für eine schv .u. 
Artillerie aber unbedingt maßgehend sein werden. 

Die Einleitung des Gefechtes zielt dahin, durch die vor der 
lerie marsi4iirende Infanterie sobi^ld als möglich das Vori"eld des GefeeM 
terrains bis auf ca, 2000 Schiitt vor der feindlichen Ariilleriestelltl 
zu «erobern. Hiezu entwickeln sich — wenn es nothwendig eein soiltt^ 
nur wenige Batterien (Vorhut-Batterien). Die überwiegend gröBere 
der Batterien erwartet in gut gedeckter Stellung die Befehle des 
lerie-iJhefs (AiiiBerie'BrigaJiers) zur Vorrückung auf EntscheiduDl 
distanz. 

Das« diese Vorrückung nicht ganz ohne Verluste sein kanu, 
selbstverständlich j aber eine noch im Vollbesitze ihrer physischen ti»i 




Beiträge zar Verwendung der Artillerie. 273 

alischen Kräfte stehende Artilleriemasse darf sich durch das Znrück- 
ben einiger Geschütze nicht beirren lassen; diese werden bald die 
äden herstellen und in die Stellung nachrücken. 

Unstreitig gehört sehr viel Geschick und Umsicht dazu, um bei- 
ilsweise die große Zahl der einem Armee-Corps zugetheilten Batte- 
i unter einheitlicher Leitung des Artillerie-Brigadiers auf Entschei- 
;gsdistanz an den Feind zu bringen; aber dieses Problem muss man 
in können, weil nach dem auch jetzt giltigen Grundsatze der Krieg- 
rung schwächere Truppen nur durch überlegene Führung das Gleich- 
seht herstellen oder das Übergewicht erlangen können. 

Entscheidungskampf der Artillerie. 

Ich nehme an, dass es dem Artillerie-Chef im Sinne des Gefechts- 
ines gelungen ist, den größten Theil der Artillerie in breiter Front, 
)möglich gedeckt durch das Terrain, wo nicht, mit großer Schnei- 
jkeit, unter genügendem Schutze der Infanterie, auf Entscheidungs- 
3tanz zu etabliren. 

Alles geschah auf Befehl des Truppen-Conmiandanten, nachdem 
18 Terrain früher auf seine Vor- und seine Nachtheile durch den 
rtülerie-Chef wohl erwogen war, nachdem er früher klar die Wege, 
e Direction und die einzunehmende Stellung bezeichnete, nachdem er 
e Ziele vertheilte und die Geschossart zur Eröflftiung des Feuers bekannt 
b. Ich glaube das alles erwähnen zu müssen, weil bei einem Schwanken 
3 Truppen-Commandanten oder bei unentschlossenen, unklaren Disposi- 
oen des Artillerie-Chefs das Vorbringen von Artilleriemassen gar 
ht denkbar ist. Der ganze Erfolg hängt ab von der entschiedenen fast 
ichzeitigen Eröffnung des Feuers aller Geschütze. Der Artillerie-Chef 
iB es somit verstehen, in richtiger Würdigung der Situation den 
terie-Divisions-Commandanten ~ und för die Einleitung des Gefechtes 
in Verwendung getretenen Batterie-Commandanten — klare Befehle 
;eben. Nebelhafte Andeutungen über das, was geschehen soll, das Sich- 
lassen, dass die Cnter-Commandanten schon das Richtige treffen 
den, stellt nicht allein das ganze Unternehmen in Frage, sondern 
n verhängnisvoll werden. 

Ein tüchtiger Gegner zertrümmert die ohne Vorbereitung und 
e einheitliche Leitung aufs Gerathewohl ins Unbekannte hinein irrende 
illerie, noch ehe sie in Stellung konunt. Die Zeiten, wo sich die 
•Wendung der Artillerie fast ausschließlich aus der taktischen Auf- 
lung der Batterie-Commandanten herausarbeitete, sind für immer 
über ! 



C e f) n Ä 



Der Artillerie-Briginlier leitet in der grellen Stellung — das 
schießen aufgenommen — t\nvh das Feuer und macht seine ins tri 
tiven Bemerkungeil hiezii, Dhne sich in Details einzumengen, entw<!^ 
persönlich, oder schickt diestdlM-n durch seine Adjutanten, 

Ist das Feuer ans der großen Artilleriestellung eröffnet, so hak 
die im Vorgefechte verwendeten Batterien nachzufahren, um da<i Ma 
teuer auf Entscheidungj^distanz zu verstärken, 

Dieses Feuer ist mit größter Heftigkeit und Sicherheit zu fal 

Der Artilleriekarapf muss von hier aus mit ganzer Kraft dij 
Uegnei" aufgedrungen werden» weil nur in dieser Art das feindh 
Artillerieteucr von der nachrückenden Infantt*rie abgewendet werden ka 

Unser Exercir-Regleinent Ktellt im Punkte 1052 fest, da«9, liel 
das? mittlerweile aufmjirschirte Gros seine Vorrfickung beginnt. 
gegnerische Artillerie niedergekämpft rider doch deren Feuer gedia 
werden müsse. 

Inwieweit eine an Zahl schwächere Artillerie dieses ReimH 
erreichen kann, ist unbert*chenhar, 

H i IM" liHgt künftig das gro He tak t i sehe Fragezeictj 
aller T r u }» p e n m i t s c h w a c h e r A r t i 1 1 e r i e. 

Auf alle Fälle wird i\h*^r die Angriffs-Infanterie trachten rntsi 
iu der Zeit, als der heftige Artilleriekampf wüthet - wo also die V|| 
theidigungs-Artillerie, wenn auch stärken vollauf beschäftigt ist — i 
dem Aufmarschraume bis zur oberen Grenze der mittleren Distanz 
Gewehres U20(> bis 1000 Schritt vom (ilegner) vorzurücken. 

Das In f a n t e r i h - G e f e c h t. 

Tritt die Infanterie endlich in jenen Haum ein, von wo aus dt 
Ton ihrer "Wufte mit Vortheil Gebrauch machen kann — beiläufig 
1000 Schritte abwärts so haben hIIh taktischen Impulse von ihr aus- 
zugehen. Die Artillerie darf nunmehr nicht vergessen, das« das 
I II f a n t e r i e g e f e c h t zu r H a u p t .s a c h e w i r d. 

Bexilglich ihres weit<?re!i Verhaltens muss auch die «chwächeit 
Artillerie von nun an den l*unkt 1053 de.s Reglements beachten. Dkm 
sagt im ersten Alinea: 

^Sobald der entscheidende Angriff beginnen soltr 
ist v r A 1 1 e m d i e f e i n d 1 i c h e I n f a n t e r i e zu beschießen.** 

War der schwächeren Artillerie möglich, die Vertheidit'^M - 
Artillerie zum 8chweigeii zu bringen oder deren Feuer zu dämpft m 
hat sie sich durch große Oescliicklichkeit die taktische Überlegenheit 
erobert, und sie tritt in die normale Verweiidungsweise einer stärker^'O 
Artillerie. Ist das aber nicht gelmigen, so hat sie von nun au alle \m^ 



Beiträge zur Verwendung der Artillerie. 275 

fechtsfthigen Geschütze, ohne Bücksicht auf die eigenen wahrschein- 
;herweise großen Verluste, gegen die Einbmchstelle zu wenden und 
it ihrer Aufopferung der Infanterie den Weg in die feindliche Stellung 
i bahnen. 

Aus welcher Stellung die Vorbereitung des Infanterie-Angriffes 
irch die Artillerie zu geschehen hat, ist nebensächlich; denn die Wirkung 
ty ein gutes Einschießen vorausgesetzt, auf den Distanzen von 2500 bis 
200 Schritt beinahe gleichwertig. 

Die große Kunst wird hauptsächlich darin bestehen, dass die 
kppenfuhrung es der Artillerie, noch bevor sie demontirt wird, 
frmöglicht, mit dem letzten Beste ihrer Energie die Einbmchstelle un- 
Kttelbar vor dem Einbrüche zu erschüttern: 

Das ist der zweite Kunstgriff der Gefechtsführung, um bei schwacher 
Artillerie zu reussiren. 

Die weitere Vorrückung der Artillerie, falls es die Sicherheit 
1er jetzt vorne im Gefechte stehenden Infanterie und 
las Terrain bedingen, geschieht staffelweise. 

Der Artillerie-Chef (Artillerie-Brigadier ) muss dieselbe vorbedenken 
md hat hiezu die Dispositionen zu geben. — Die Batterie-Divisions- 
Commandanten, eventuell die Batterie-Commaudanten führen dann per- 
lönlich ihre Abtheilungen bis auf 1200, weitestens bis 1000 Schritte 
or QDd entrücken damit — aber erst jetzt — den unmittelbaren Be- 
Men des Artillerie-Chefs. Die Erklärung hiefür ergibt sich aus der 
efeehtslage der Batterie zum Zielobject einerseits und zur eigenen 
ifimterie andererseits. Es werden nämlich jene Batterien zuerst vor- 
icken, welche zuerst maskirt sind. Eine weitere Vorrückung über 
)00 Schritte ist entschieden fehlerhaft. 

Wir müssen uns darüber klar werden, dass in dem Gefechtsraum 
>n 1000 Schritt abwärts für die Artillerie kein Platz mehr ist Von 
mer Distanz aus konmit endlich die Infanterie in die Lage, ihre 
moderne Waffe voll zur Geltung zu bringen. Die Artillerie, deren 
''iikang auch auf Distanzen unter 1200 Schritt nicht besser wird, 
arde nur die Infanterie in ihrer Bewegungsfreiheit behindern. — Und 
3 moralische Stütze ist die Artillerie hier auch bedeutungslos; sie 
irde nur im Falle eines Rückschlages pele-mele mit der Infanterie 
rloren gehen, während sie andererseits in Stellungen bis zu 1200 oder 
^00 Schritt ruhig die geworfene Infanterie aufnehmen kann. 

Schließlich müssen wir die alten Überlieferungen von der Kar- 
tsche fallen lassen. Die Kartätsche kann vielleicht in der Ver- 
eidigung ausnahmsweise noch Verwendung finden — mit dem 



276 



Cenn ft 



Aogriff hat sie nichts mehr zu sehaffeu. Das Verhältnii d€r 
von 1200 önd 1000 Schritt zur Wirkiingsweite des jetziges 
gewehres ist gleich dem Verhältnisse der alteu Kartit^lieBfiMaBi 
bk 200 Schritt) zur Wirkungsweite des damaligeQ Gewehres. Di* ; 
Distanzen, welche die Artillerie jetzt gegen die Infanterie m Behm 
sind 1200 liis 1000 Sehritt, wie sie ernsten-^ 300 bis 200 Schritt 

Die Distanzen von 1200 Schritt und selhü 1000 Schritt 
aber die Artillerie — wenn es sein mnss — flieht ans öbettrie 
Beachtung des Infanteriefeuers meiden. Vergleicht man die Scki| 
technik beider Waffen, so springen sofort die Vort! ' ' r 
ins Auge, Diese gipfeln darin, dass die Artillerie den - ati5 

festen System, welches vorher genau gerichtet werden 
überdies ist sie in der Lage, durch wahrnehmbare Baochei 
am Ziele sich in kürzester Zeit genau einzuschieöeD. 

Die Infanterie hat so gut wie gar keine Mittel sich eini 
und gibt die Salve auf große Distanzen in den meisten Fällei 
älschem Aufsatze ab: und sollte zufallig der Aufsatz der Di^un 
rgprechen. so ist der Fehler im Anschlage — da Mann ubA 
bewegliches, unnihiges System darstellen — so groß, dass die 
resultate ein Minimum werden. Und so lange wir nur die sogen 
fällst reff er!? zu befilrcht^n haben, sind wir glöcklicht!* >i»-ir.'Hi 

Aber selbst angenommen, dass ein oder zwei Geschütze im An 
ciren zurückbleiben, so kommen noch immer ihrer genug in die St 
an, um auf dieser nahen Distanz der Infanterie furchtbar zu 
Die Artillerie darf daher keine Scheu tragen, sich der Infanit'rie 
bis 1000 Schritte zu nähern. 

Allgemeine Entscheidung. 

Wie der ScMussact des Angriffes, die allgemeine Entschaii 
sich künftig gestalten wird — wer weiß esV 

Das ist der dunkelst^^ Punkt der gegenwärtigen Taktik, w4j 
viel theoretisches Licht als man auch bemüht ist darüber zu ver 
die Finsternis will nicht recht weichen. — Das einzig Richtige» 
nach meiner Ansicht durch das Chaos von Vermuthungen und 
thesten langsam dUmmert ist: 

Man muss durch welche Mittel immer es dalilj 
bringen, unmittelbar vor dem Einbruch noch einen B< 
gefechtsfähiger Artillerie zur Verfügung zu haben. 

Das Kepetirgewehr ist in der Hand eines geschickten und gesck 
Vertbeidigf*i> eine furchtbare Wafle, uud ich furchte, dass eine Ao 



Beiträge zur Verwendung der Artillerie. 277 

lii&nterie, welche einen mit Repetirgewehren bewaflBieten und infolge 
kssen seiner Stärke sehr bewussten Vertheidiger ohne vorhergehende 
pflndliche Bearbeitung durch Artillerie angeht, sich genau in jener 
taktischen Calamität befinden wird, wie sich die Sturmcolonnen des 
Wdzuges 1866 vor dem Hinterladgewehre befanden. 

Zur letzten Entscheidung bleiben die Batterien auf wenigstens 
000 Schritt von der Einbruchsstelle ab. 

Ist die Stellung des Gegners oder nur ein Theil derselben (die 
Snbruchstelle) genommen, so eilen die zunächst befindlichen noch ge- 
»htsfähigen Geschütze gegen die eroberte Stellung, um diese zu krönen — 
■1 der Infanterie in diesem kritischesten aller Momente beizustehen. 
fc nach der Situation werden die in der feindlichen Stellung ein- 
enen Batterien mit ihrem Feuer entweder die Infanterie decken 
den abziehenden Gegner verfolgen. 

Von dem Zeitpunkte an, als einzelne Batterie-Divisionen oder 

irien bis auf die Distanz von 1000 Schritt vorrücken, hört die 

eitliche Leitung von oben auf: Selbst die Divisions-Commandanten 

TOden nicht mehr in der Lage sein, für jedes Verhalten Befehle zu 

•ducken. Von nun an tritt der Batterie-Commandant in den Vordergrund. 

Seine Oeschicklichkeit und persönliche Tapferkeit beeinflussen die letzten 

Stadien der Artillerieverwendung. Er kann, wenn die Verhältnisse dazu 

tingen, eigenmächtig Ziel und Geschossart wechseln. — Kann er nicht 

JDehr die feindliche Infanterie beschießen, so wendet er sich gegen die 

Artillerie oder ninmit die rückwärtigen Räume der feindlichen Stellung 

Jirter das Feuer, um das Vorbringen der Reserven zu erschweren u. s. w. ; 

*r rückt endlich aus eigenem Impulse gegen die feindliche Stellung vor 

tm sie zu krönen. 

Hier überwiegt die Detailarbeit die höhere Leitung. 
llles das darf aber nicht dem Zufalle überlassen werden. 
- Der Artillerie-Chef (Artillerie-Brigadier) muss es taktisch zu moti- 
irai wissen, wo seine Führung aufhört und die der Untercommandanten 
»eginnt. 

Diese Untersuchungen über die zweckmäßigste Art der Verwendung 
ud auch — wie schon einigemale angedeutet — für stärkere Artillerien 
laßgebend. Auch bei diesen muss der Grundgedanke festgehalten 
erden: alle Anordnungen in der Einleitung des Gefechtes bezwecken 
or die baldige Entwicklung der größtmöglichsten Zahl 
on Geschützen auf Entscheidungsdistanz. Doch lässt eine 
ci Zahl stärkere Artillerie mehr Freiheit in der Art der Combination, 
ie dieses Ziel zu erreichen ist. Sie kann beispielsweise mehr Batterien 



278 



C f n n Ä, 



(den Überj^chUÄs) im Vorgefechte auftreten lussen, iiui thfHlweiüe - 
deren Schutz aber Doch immer niit mindestens gleicht^r Zahl Qe 
ala dem Tertheidiger zur VerffigTing stehen — den Kampf auf Krjt*i**ii^ 
dungsdiRtanz aufzunehmen. 

Der grolle Vortheil einen mit Artillerie 8tark dotirten Trapiwl 
körpers — sei es eine Armee oder eine l!ifauterie-Trupi>en-Divb*i«>u 
wird meiner Ansicht nach künftig darin Gestehen, dass viel Artilleri 
die etwa begangenen taktischen Fehler der zwei anderen Waffen, n 
lieh jene der Infanterie, durch die ihr zu Gebote stehende verui>:i- : 
Gewalt leicht verbessern kann. Bei mit Artillerie schwach dotirt«» 
Trnppenkörpern ist diea nur schwer — ich will nicht sagen — 
unmötflirlh 

K Tertheidi^un^. 

Nachdem die VertheidigungH-Artillerie in den taktisichen 
'traehtungen allgemein ak -schwächer angenommen wird, üo werden 
nachfoigendeu Untersuchungen über die beste Art ihrer Nerwea 
nicht viel von den aUgemeinen An^chaunngen abweichen. Als Einleil 
hiezu setze ich den Punkt 1060 de« Exercir- Reglements ab maßge 
voran; flieser lautet: 

„ A u f ga l) e der Artillerie i ü t e ü d a ä T e r r a i n, welche« d#f 
Angreifer zu durchschreiten hat* wirksam zu hehermche 
aomit daa Herankommen des Gegnern zu ersehweri^a 
dem sich allmühlich en twickelnden Angr i ffe mit d 
Aufgebote aller Kraft rechtzeitig en tgegenzutretea;* — 
und ich werde im Folgenden untersuchen» wie die Artillerie den xwfl 
For<lernngen, 1. day Herankomm^vn des Gegnern* zu erschweren and 3. 
^dem sieh allmählich entwickelnden Angritfo mit aller Kraft rech 
entgegen t\\ treten, am bej^iten entsprechen kann. 

Ab erste Frage drängt sich sofort auf: welche von dienet 
Forderungen ist die wichtigere? 

Unstreitig die zweite, denn das Herankommen eines t 
Gegner« wird man nicht hintertreiben können; das Reglement 

BPh nUT, dass man m erschwere. Der eigentliche Erfolff 
Ifomit in der Krfüllung der zweiten Forderung zu michen: man mtt 
dem Angriffe rechtzeitig und mit aller Kraft entgegen 
treten. 

Damit \%i 8chon die Kicbturig im grotten und ganzen fBr dit 
Verhalten der VerUieidigungs-Artillerie gegeben. 



280 



C ♦» n II rt 



**mptiphlt Hieb hier bf^Äoiw^ra 



aus dvY HfiUptstf'Uuü^ nur y^ 



lieber Artillerie ausgesetzt »ein wüidei 
die Aufstellung hint-er Terrainmasken 

La5ii<*^ii das IVrniin- oder S' 

von BatterieQ nicht zu, ho s<ind ,_,..,^ — „^ ..„ 

Batterien mit der Erofftiuug des Feuers auf Distanzen über 3000 Schritt I 
ui betrauen. Auch diese Hatterien sollen, um Ober die groHe Bar 
gtellung irre zu führen, mit grolien Intervallen von einander viTiuüL 
stehen und können» wo e« angeht, in der Haupt^tellung selbst bis in di# 
vorderste Linie der Infanterie vorgeschoben werden. Diese mit dem 
Einleitungskampf auf Biatanzeii über 3000 Schritte allein zu b*^traih 
Batterien richten ihr Feuer ausschlielilich gegen die feinrllichen Infaui: ., 
Colonnen. Die feindliche Artillerie ist nur au8uahni>iwei«e, wen» eini^ 
große Wirkung zu erwarten ist, etwa bei Passirung von Defih*en ete. 
zu beschießen, Sie niÜHsen sich vergegenw^ärtigen. dasis. wenn die Infaa* 
terie im Vorrücken aufgehalten wird, nothgedrungeii anch die Artillerie 
zurückbleiben muss und so der entscheidende ArtiUeriekarapf hinan;»- 
geschoben wird. Das Feuer selbst wird mit Entschiedenheit» aber rück- 
sichtlich der Wirkung mit artilleristischer Genauigkeit und Heciachtigkeit 
geführt. 

Mittlerweile wird man mit ziemlicher Gewissheit jene ßegenstellung 
im Terrain bestimmen können, aus vrelcher die AngrifTs-Artillerie den 
Entscheidungskampf führen wird, um nun denselben im Sinne de$ 
Reglements mit aller Kraft rechtzeitig aufnehmen zu kt^nnen. 
wird die Vertheidigungs-Artillerie, wenn sie uicht schon in der Haupt' 
Stellung gedeckt steht möglichst unbemerkt in diese einfahren unil 
mit geladenem Gegehütz bis zur Vorrückung des Gegners auf 
Entscheidungsdistanz bereit stehen. Das Reglement sagt im Punkt 1(164: 

„tn die Stellung selbst ist gewtihnlich erst dana 
einzurücken, wenn das Feuer nnmittelbar begonnen 
werden soll"* 

Ich will diesbezüglich nur criunern» daus ein taktisch und artille- 
figtoch sehr geübtos Auge dazu gehört, um diesen Gefeeht^morn ".ht 

zu verpassen. Das Keserviren der Batterien hinter der Ifcusi ..jof 
wird daher — stdbst wenn gute Verbindungen in dieselbe führeo — 
immer eine missliche Sache sein und erfordert sehr viel Anfmerkaamkili 
uiid Umsiebt, damit der Vertheidigung nicht Abbruch gei^chehe. 



') IHv tnoiUmt tukfisL'hf-' AnÄcbauung über «Üe Vertheidigunjj verwirfl jini^ 
VciMchichrn von Abth<*ihniKt*H flbrr di<^ \Vrt1ieidi|ruug^fn>nt stum 7wL*fke liKȧ vity^ 
ergnheiidt^n WideiMtaft4«fi* ; wir verw«5iB»*n in dieuer B^rii^hnu^ auf AW Puiüct«* 87S 
079 de» hltt^TciT-H^*^]fm*^nt* fftr die k. k. Fuütrapp**!!» IL Theil iX. d flM i 



Beiträge zur Verwendung der Artillerie. 281 

Ueristischen Vorbereitungen in der Hauptstellung, welche 
das vorzügliche Geschütz bis an die äußerste Grenze der 
:keit auszunützen, setze ich als bekannt voraus und wende 
} den Untersuchungen zu über das Verhalten der Verthei- 
erie, während die Angriffs-Artillerie auf Entscheidungs- 
rt und dieselbe den Entscheidungskampf aufnimmt und 
Tar es bis jetzt zweckmäßig, nur die feindlichen Infanterie- 
w. nur mit wenigen Batterien zu beschießen, so wird von 
I an, als sich der Angreifer anschickt mit seiner Artillerie 
ungsdistanz vorzurücken, nothwendig werden, das Feuer 
Q gegen diese zu richten. 

i der Vorrückung und Entwicklung der Angriffs-Artillerie 
lungsdistanz ist für die Vertheidigungs-Artillerie der 
;isch denkbare Moment gegeben, wo sie — an Zahl 
genommen — möglicherweise die Oberhand gewinnen 
Uxercir-Reglement verlangt im Punkte 1066: 
r Vertheidigung muss das Feuer der Artillerie 
?1 gegen die feindlichen Angriffstruppen ge- 
n und sich gegen diese vereinigen." 
'n Momenten ist die Angriffs-Artillerie auch die 
uppe. Das mag vielleicht entgegen der allgemeinen An- 
i, welche nur die Infanterie- und Cavallerie — letztere 
h bedingt — als Angriffstruppe gelten lässt; doch darf 
ersehen, dass, um die Infanterie im künftigen Gefecht zur 
I zu machen, früher zwei Bedingungen erfüllt werden 
. : zuerst muss die Angriffs-Infanterie bis auf den wirksamen 
Gewehres intact vorgebracht und dann muss die Infanterie 
gers erschüttert werden. 

weit diesen zwei Vorbedingungen nachgekommen werden 

aber hauptsächlich vom Entscheidungskampf der 

Diese gewaltige Voraction der Artillerie kann also mit 

als Entscheidungskampf u. zw. nicht im artilleristischen 

sondern im Sinne für das G-esammtgefecht aufgefasst 

liese einfache Wahrheit hilft die einseitige Theorie des 
chtes nicht hinweg. So lange die Artillerie eine dem Infan- 
überlegene Port^e hat ; so lange ihre Wirkung mit dieser 
;o gewaltige, wie gegenwärtig der Fall, ist: insolange muss 
er Artillerien gegenseitig früher ausgetragen werden, damit 
? daran denken könne, sich der feindlichen Stellung zu 

29 



282 



r ^^ n n i 



Iheni. Nur eino bedoutende Überlej^puheit au Infanterie kann tu 
'kiii^nahnip hievor» berRchtigen, Und selbst in diesem Falle wird 
Veiilieidiger nicht frontab d. h. nicht gojL^eniiber dem Wirkuiigsber 
der Geschütze aua seiner Stellung vertrieben werden. Da aber 
Artilleriekarapf zur u nub w eis l iche n taktiisrheri Xothwerid| 
keit geworden ist, so muss dit« Vertheidigungy-Artillerie von 
Moraeiite an, ab die Angriffs- Artillerie auf die hiefTir beste Diirianij 
kommen sucht, denselljeii mit aUen ihr zu Gebote stehenden Mil 
aufnehmen. Sie nutzt damit der Vertheidigung nudir» als wenn Hie 
entsebit*den während dieser Zeit habl Infanterie» bald Artillerie liestehiü^l! 
würde. 

r>ie im Terrain vorgestellten Batterien ziehen. sobaM die Angrid 
Artillerie auf Entscheidungsdistanz vorrückt, das Feuer von der Infante 
ab und verfolgen erstere so lauge mit Shrapneb, bis sie in die 
seheidungsstellung einrückt. Von da an haben sie ihre Rolle im Xd 
terrain au8geapielt und haben m ranch und so gedeckt nU möglich 
der vorgeschobenen Stellung in die Hauptstellung einzurücken , 
welcher sie im weiteren Gefecht das Feuer der ArtilleriemaHse xt 
starken. 

Welchen Ausgang der Geschützkampf auf Ent^cheidnngsdista 
nehmen wird, kann, analog wie beim Angriffe erwähnt wurde, nie 
voraU8geseheu werden. Aber die* Folge wird sein, daas entweder 
Offen^sivkraft der Angriffs- oder der Vertheidigimgs-Artillerie gedSmjj 
wurde. 

Unterliegt, die Angriffs-Artillerie, so ist der Vertheidigungs- Artillerie 
gestattet, im weiteren Verlaufe das Feuer zu theilen. Ein kleiner Bruch- 
theil wird mit verdoppelter Energie den Geschützkarapf gegen 
bereit» unterliegende Angriffs-Artillerie fortsetzen, um ihr im Retablir 
(Sammeln) nicht zu gestatten; der übrige weitaus größere Theil wend 
sich - wenn es nicht schon früher geschehen konnte, so doch spfl- 
teilten 8, wenn die Angriffs-Infanterie auf die Portee von 1800 Sehr 
anlangt g<*gen die^e und überschüttet sie mit Shrapnelfeuer. 

Hat jedoch die Vertheidigungs- Artillerie stark gelitten und verliert 
8ie die An^^icht siegreich auö dem Artilleriekampf hervorzugehen, so UsSt 
sie, sobald die Angriffs-Infanterie die Zone von beiläufig 2000 Sc 
betritt, vom Geüchützkampf ah um sich mit allen noch intiel 
Qe«chützen gegen die Infanterie zu wenden* 

Es versteht !«ich von selbst, dass auch von jetzt an die Artillef 
noch uumilUdbar unter dem Befehl des Artillerie -Chefs (Artillerie 
Hrigadiersi verbleibt, und dass dieser im Sinne der vom Trupped 



BeitrJljjfe Sttr Verwendung der Artillerie 



283 



t«o ( Corps - Oominandaüten) ansgegebeuen Vertheidigiings- 

iHfff^ofiitioD planmäßig seine Waffe zu vei'wendeo hat Die Fenar- 

Tion bleibt in seiner Haud: er bestimmt, ob alle oder welche 

lieo da.^ Feuer und mit welcher Geschossart gegen die feindlidie 

iff*-lufanterie zu eröffheu haben und weist ihnen, wenn nothwendi|^% 

EmpIacemeDts hiezu. Ein loses Batailliren der Batterien oder gar 

riner Geschütze, wie es nach einem vorhergegangenen Oeschützkampf 

bt eintTeten könnte, würde für die Gesammtwirknng sehr oachtheilig sein. 

hier bedarf es vieler Ruhe und Umsicht, um die Trümmer einer 

1 0^ßeu Artilleriemasse, nach einem heftig geführten Gesehützkampf, noch 

m einer zielbe wusste n 8chlu ssaction zu vereinigen. Der 

ArtiUerie«Chef < Artülerie-Brigadier ) muss das jedoch im künftigen 

1 •»efecbte verstehen, soll man nicht Gefahr lauten, dass sich seine 

Ritlilogigkeit allen anderen mittheilt. 

Ich wende mich nun zu der Frage: ob es zweckmäßig sei die 

Vfrtheidigangs-Artillerie, wenn sie sich einer überlegenen AngrilR*- 

jArtiUerif» gegenüber befindet, in der Absicht zurückzuziehen, um sie 

'ßter hei der entscheidenden Vorrückung gegen die Angriffs-Infanterie 

^m Verwendung zu bringen. 

Bä« Eeglement welches womöglich alle Fälle tmifasst lä^st dies- 
zQglich dem Tnippen-Coramandanten, beziehungsweise dem Artillerie- 
iVf im 2. Alinea Punkt 1067 den weitesten Spielraum. 

Ich glaube, bevor der Entschluss gefasst wird die Oesrhfitze zurück- 
xaD>ken, Folgendes der Beachtung empfehlen zu sollen: 

Durch Am Zurückziehen der Geschütze erklärt sich die Verthei- 
**'**■• /--Artillerie vorzeitig für besiegt, was beinahe gleichbedeutend 
.11 Aufgeben der Sehlacht wäre; — und wie entmuthigend dieses 
rprb2ÜU*n auf die Vertheidignng wirken müsste, das will ich gar nicht 
Ir untersuchen. Wollte man aber selbst absehen von der nachtheiligen 
jachen Einwirkung, so sind auch die damit verbundenen praktischen 
der Vertheidigung abträglich; denn von dem Momente an, als 
Vt?rtlieid)gungs-Artillerie den Geschützkampf aufgibt, überlässt sie 
■^'-Artillerie das ungestörte Verfögungsrecht über das Schlaeht- 
i^ kann sich sohiu mit aller Wucht gegen die Vertheidigungs- 
tüfmiit^rie wenden. Dieser Eventualität muss aber die Vertheidigungs- 
^rtillerie vorbeugen, selbst auf die Gefahr hin, ganz demontirt zu werden* 
WVit«*n* ist zu befürchten, dass die zurückgegangenen Geschütze 
fht mehr rechtzeitig und vollzählig zu dieser Entscheidung vorgebracht 
^rrden können und dass somit die ohnehin schwache Vertheidigungs- 
^rtillerie iiar verzettelt wird. 

89' 



sst 



C ^ o II ft. BeitriiT tvr V ei w cijdim g te^ 



lät «9 ab^r DOch nolhwendig, die Artülerie filr Ae 
keldiuig aafzaspareQ? 

Ich glaube nicht 

IHe verbej^serten HancUeoenraffen haben die Ba» 4» Na 
stark venfiekt Früher, als noch durch ein kähae« 
Vertheidiger emfaeh aos seiner Stelliuig hinaiKsgfirQi£» wi 
das Feuer seiner Qewelure selbst auf 15a Sduüt ucfel ¥ici 
anrichtete, übten einige re^nirte Gesehutze nüt ibifa 
hi^el fiir die VertheidiguDg wahr** Wnnder. Kdnfti^in, 
In&nterie über einen Itamn bis zu 600 Schritt nad dartt« 
jn5rdeni«ches Gewehrfener Tertrauen kann, wird die Verwe 
Artillerie in den letzten Momenten nebeiwirliBfh — Diea 4tT 
— meiner Meinung nach — warom es seltener noi 
die Artillerie eigens für den Nahkampf ao&njsparen «ad 
g^enden ijefedilsBiomfinlen. for welche sie ihrer Porte« 
ptidcstinirt isL anszuweicben. 

Ich halte denundi die früher ge^duMerte YerweftdngrwtKv 
db Artillerie mcbt mrdekgexo^n wird^ mmimn — je m^A ier Wli 
keit der auf das Oefeditsfeld auftretenden Waffen — die Zide 
tb die gewohnliehfTe imd im Sinae der gegg aaeil ig i« üi 
Ar die tweAMoälägsn^ Obwohl dch daher die letitew M« 
Yeitheidigitng tob finbmche hanpt^dilick auf das Imbrnt 
iUttieB werden, wo hat adhatrersHmlliA aodi die AftSkwie, 
m noch gefechtäSAtg iät ^mangnitm, md es darf in die««i 
Verlkei£giing9-In£uiterie wicU^rten GeÜM^taiMiBenlen ki^a 
ob» aftsMcklklien Befehl aeinen Platz Terlasaen. 

Ist der Angriff ahgeisrUages, ao hat die ArtiQim d 
geUiebe<nen Best ihrer KriAa mr YtgMgßaig das Gtgßos n 

Qelrt €9 nrtck, m iiAssn latolme lad Artükrie rm 
etttsgen Gedanken beandl sein, sieh gcgema eity de 
und m erletehtem. 

Wie im Angriffe so werden anch bei der 
liteteii Stadien des f^frchle^ die TiiiGerkeit £iMCit od üi 
der rnttTaktheilnng^-OonBaiidanten ene herrorrafMiie BoOe 



^85 



ische Anleitung für den Entwurf von Noth- und halb- 
permanenten Brücken zum Feldgebrauche. 

len praktischen Tabellen und zwei Graphikons zum directen Ablesen aller 

Dimensionen 

von 
Joliann IB^xopa.<Se]ac, 

Hauptmann im k. k. Pionnifr-Regimente. 
(Fortsetzung*)) 

C Entwurf der halbpermanenten Brücken. 

1. Wahl der Brücken formen. 
Jis zu 8 und selbst lOw Spannweite können bei halbpermanenten 
n einfache, darüber hinaus müssen jedoch gekuppelte Träger an- 
let werden. 

)ie Spannweite der Träger hängt meist von der Länge und dem 
hnitte der vorhandenen Balken, aber auch von der Beschaflfenheit 
ndernisses ab. Wenn die Spannweite festgesetzt ist, so kann man 
Näherungsregeln sogleich die Anzahl der zu kuppelnden Balken 
men. 

)ie Breite der halbpermanenten Brücken wird in der Regel 5m 
3n und sollte auch normirt sein. Eine größere Breite, welche 

der starken Frequenz und wegen des Anschlusses der Brücke an 
e Straßen nöthig wird, sollte speciell anbefohlen werden. Eine 

von 3m sollte nur dann zur Anwendung kommen, wenn Mangel 
iterial und die anschließende Straße nur für Eine Wagenreihe 
bar ist. Brückenbreiten zwischen 3 und 5m sind unzweckm&ßig, 
iterlagen dienen gewöhnlich Joche, Joche mit Sohlschwellen und 
e Schiffe. Bis zu 1 6m Spannweite können einfache Joche, bis 25m 
Ijoche und darüber hinaus dreifache und mehrfache Joche ange- 
: werden. 

2. Entwurf des Oberbaues. 
a) BeUusittixig. 
Die halbpermanenten Brücken haben außer dem größtmöglichen 
tengedränge noch das bei diesen Brücken bedeutendere Eigen- 
[i zu tragen. 



') Be^nn im 5. Hefte, Größere Aufsätze, Seite 197. 



286 



Kropacek. 



Im Nachfolgenden sind bei den Berechnungen außer der normirtei 
Belastung 475% pro m* auch die Belastungen 450 und 480% pro «• 
berücksichtigt. 

Das Eigengewicht, welches mit der Spannweite wächst, kann Tor- 
läufig pro m* Brückenbahn zu 

E= 10 (1+15) kg 1381 

angenoDunen werden, wobei l die Spannweite in Metern bedeutet. 

Die Ermittelung des Balkenquerschnittes erfolgt wie bei Noth- 
brücken nach dem schwersten Fuhrwerke, welches die Brücke passiren 
soll. Als schwerster Wagen gilt für halbpermanente Brücken ein mit 
dem 21cm Hinterladungs-Mörserrohr beladener Wagen, welcher 2*61« 
Radstand und einen Raddruck sowohl beim Vorder- als Hinterrad von 
1511% ausübt. Die der Wagenbelastung äquivalente Last ist mit G, 
die totale Belastung eines Trägers (Balkens) ist mit P bezeichnet, wobei 
P=G'j' E ist. 



b) Bereohnong der einfaohen Balken. 

Bezeichnet l die Spannweite eines einfachen Balkens von der 

Breite b und Höhe ä, P die zulässige größte (totale) Belastung, so gilt 

folgende Relation 

100 PI , 

kgm 



M 

100 PI 



8 



= _6Ä« = 18 6A*; k = 108 
o 



"»'-lii-^i-'^ 



-PI 




Anleitung fOr den Entwarf von Noth- and halbpermanenten Brücken. 287 



Bei rundem Holze ist 
25 



0-6 d' 



36 



PI 



d = K"ll57 PI = 105 y^l cm 142). 

Die Verhältniszalilen zwischen A, a und J sind wie in den For- 
In 48 bis 51, nämlich 

d = ly. 8, d = ly., A, Ä = 1-1 8, 8 = 0-9 Ä. 

Berechnet man nach den Formeln 140 und 141 die Balkendimen- 

aen für die Spannweiten von 1 bis 10m (oder auch nur einzelne 

innweiten und für die übrigen durch Interpolation), so findet man, 

s die Querschnittshöhen eine Beihe bilden, deren allgemeines Glied 

3 : 4 beschlagenen Balken 

A = 3/+ 12 cm 14H) 

quadratischen Balken 

s = 2-5 ^ + 12 cm 144) 

Diese beiden Formeln 143 und 144 dienen zur Construction des 
aphikons; eine derselben lässt sich merken, so dass man aus dem 
pfe die Querschnitte bestimmen kann. 

In der nächsten Tabelle sind die Belastungen, Querschnittswerte 
1 die Querschnittsdimensionen für rechteckige und quadratische Balken 
rohl nach der genauen, als nach der praktischen Methode angegeben, 
bei man sich von der Richtigkeit der letzteren überzeugen kann. 



Tabelle XIII. 



*pfciiliwi'ii<> in m. 


t 


2 


;i 


l 


Ä 


« 


7 


^ 


!t Ul 1 




MUt 


BOSf 


2WJ*^ 


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^i 


aioi 


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4410 


4:iT« 


pwkhi ..... 


1^ 


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MO 


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1000 


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IMO 


lUit 


tim 


X.tOD 


attit-l^nuire . . . , . 


3lgä 


i^'Hlä 


^^i» 


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4701 


5-41 


tio;:^ 


tkMH 


7070 


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4r.7(l 


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1050« 


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SUflTl 


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4tlt» 


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"* anni*! 


10 5 14 ü 

10 5 i:« 


lasitÄ 

13 5,1» 




n 5/34' 5 
Ubß4 




tt/^O'S 
S1f.30 


f4^5S 




a^'.'i IUI 


Ml 40 




IM 


16'* 
17 






Ä4'i 




30 


3as 




Hl 



288 Kropac«k. 

Die einfiurheii Triger (Balken) werden in der Rcfd 
gelegt: bei continairlich laufenden Balken 
angeordnet werden. 



L Allgemeines. 

Wenn die TragOhigkeit einfacher Balken nicht genügt, so 
deren mehrere öbereinandergelegt and so zu einem Triger tc 
werden, was am h&nfigsten durch eingelegte Döbel oder Kldtae i 
durch Schrauben geschieht: auch genügt bei sehr flicbtiger Coi 
eine bloße Verschranbong der übereinander liegenden Balken, 
wird eine Verzahnung der Balken Torgenommen. Im Folgenden w 
einfache, praktische Methoden gezeigt wie nach einer gegebenen 
stung und Spannweite der Querschnitt eines Trigers gefunden we 
kann, und auch das umgekehrte Yerfidiren. Um nun auch den Grad 
Genauigkeit dieser Näherungsmethoden zu zeigen, werden auch die ge 
Berechnungen vorgenommen, um die Resultate miteinander Tergldchal 
zu können. Sind die Träger f Balken» fortlaufend tcontinuirlichi gdc(^| 
so müssen unbedingt Sattelhölzer angewendet werden. 



II. Berechnung dtr verdübelten Träger. 

A Kfrt*chnunir der Trigrr 

Es bezeichnet im Folgenden P die gleichmälage totale Belastnaf 
eines Trägers in Kilogramm, ! die Spannweite in Metern. Ä und A, die Btpüp 
und Höhe eines Balkens, ä, und c die Höhe und Breite eines Dübels, h die 
ganze Höhe des Trägers, d die Dicke der Schrauben, h^ die GröBe d« 
Zwischenraumes der aufeinanderbefindlichen Balken, i die znlissigr 
Anspruchnahme pro rm* == lOSit^, mobile Belastung Yorausg«setit | 
Weiters ist p das Eigengewicht, q die zufallige und p die totale Hf- .' 
lastuttg pro m« in Kilogramm. | 

Träger aus zwei Balken iTat 9. Fig. 5». j 

Es ist das Maximalmoment: 

' 8 ' 8 " f 



Anleitung fttr den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 289 

100 f^ _ 2k bh*( _ d\ ( _ v^ 
8 ~ A ■ 12\ bJV h'J 

3 

, / aoo Fl 

"V"x(-4)('-¥y 

Gewöhnlich ist b = A h,. d = O'l i, A, = 0*3 ä^, h^ = O'l A„ 
4 

= 2-1 \, k = 108kg, 

h = 1-3 K"p7 146) 

h, = 0'62\^Pl 147) 

Träger aus drei Balken (Fig. 6). 

100 PI _ IkT 



3 



600 PI 



Q 1 

J = ^ A„ Ä = 3-2 A„ J = -i, A, == 0-3 A,, k = 108%. 

A = 1-53 VPl 148) 

A. = 0-47 Vn^ 149) 

Träger aus vier Balken (Fig. 7). 

100 P/ 2kT 

'•=Ä"-(-I)['-(^)' + (^)'-Ct)". 



9 

V 



600 PI 



''x(-y)[-(ni^)"+(^)'-(^)'] 

A =4-3A, 

A = 1-71 V^Tl 150) 

A, = 0-4 »^ 151) 



Kropft^elc 



Man ktmiiie hier, tun einfachere Kegeln ITlr die Balkengtärkea ] 
erhalten, rmch den angegebenen Formeln die Höhen der Balken fiLr \| 
?^rhieden»' Spannweiten be.stiraraeii und dann aus der sich ergebeaJI 
Reiht' diis üllgenjeine Glied berechnen. Hier soll jeduch eine m 
Mt>tb«id*^ angewendet werden. 

Fftr den einfaehen 3:4 be.schlageneii Balken i^oirde friTher gef 

h = 98 l^TZ 

lind Cor den tjuadratisehen 

8 ^ 0-88 » "'P/ 13 

IjH Hnihni diese beiden Formeln als Basis liii die Krmitttduftg i 
Qnt'rHehnitte alU^r Arten gekuppelter Träger dienen, Dividirt luan 
lieb die (tlei€hungen HO, 147, 149 und 151 durcheinander. :^o 
man folgendes Resultat: 

0118 y"Pl : 0i)2 y^Pl : 47 ^P/ : 0-4 » "p7= 1 : */, : V; : 4 . . 15 
iL h. bei gleieber Belastung und Spanoweitt* verhalt-en sieh die Hft 
iWr t*iiifachen Balken zu den Höhen eine:* Balkens im verdübelten Tr; 
m 2, 3 und 4 Balken wie l:*\:\: 0*4. 

£h sind demnach im verdübelten Träger zu 2 Balken die^e 
bei 3 Balken Vt-i b^i 4 Balken 4mal so hoch, resp. breit wie beii 
einfachen Balken. 

Ist demnach der Querschnitt des einfachen Balkens für irgend i 
SjMiad weite gegeben, so lassen sich aus dem erstereu die Dimens 
der ejttielnen Balken im Terdubelten Träger bestimmen. 

30 

Für 10m Spannweite genügen z, B, t^^ starke Balken ; hat 

nicht so starke Halter, so kann man iwei Balken verdübeln: 
bmuchen daher nur einen Querschnitt von 

\ 30 20 

•, 40 "27^"^ 
tu haben. Auf gleiche Weise würde der rerdfibelte Triger zu drei \ 

'/, »0 15 



Hi^lzer vom Quer^hnitle 



'; 40 



erfiMNkfu. 



Hat. man quadraü^be H6l»»r. m kam aum die Hdhen der 
in den ti^üKeltai Trl^m auf glekhe Weisse, mit densdbM Ter 
zahlen, mt 4e«i «isfochen qmdnlisdMi Trilg«r befitnuMiL 

Wie man die I>imen^<^iie« der riilftifhftt I M gc r Im Spannweä^ 
\m 1 big lOm pnküsch hegömadu zai mkim feMlgt ipordea. 



Anleitung fftr den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 291 

Es ist nämlich die Höhe des 3:4 beschlagenen Balkens 
h = 3l-\' I2cm 
die Seite des quadratischen Balkens 

8 = 2'&l-\- I2cm. 
Für Spannweiten von 8 bis 30m kann man auf die früher gezeigte 
mittels Beihen oder Interpolation und Beihen die Höhe des recht- 
igen 3 : 4 beschlagenen und des quadratischen Balkens finden, der 
dem verdübelten Träger gleiche Tragkrafk, also auch gleichen Quer- 
littswert hat. Diese Dimensionen des mit dem verdübelten Träger 
ivalenten Balkens dienen daher nur dazu, um die Construction der 
lübelten Träger zu bestimmen. 

Die Dimensionen dieser idealen einfachen äquivalenten Balken 
5ben sich für 3 : 4 behauene Balken bei Spannweiten von 8 bis 30m aus : 

A = 2 Z -t- 21cm, 155) 

quadratischen Balkens aus 

s = 2 / + 16rm, 166) 

»ei gleichfalls 

8 = O'Qh und h = l'\8 ist. 
Eine der beiden Formeln 155 oder 156 lässt sich leicht merken, 
ihalb es mit Hilfe der zugehörigen Coefftcienten (Formeln 154, 196, 
a, 235) leicht möglich ist, alle Arten der gekuppelten Träger im 
)fe auszurechnen. 

Beispielsweise erhält man bei 18m Spannweite als Höhe des ein- 
len Balkens, welcher mit dem zu wählenden gekuppelten Träger 
dvalent ist, 

A = 2 . 18 + 21 = 57cm. 
Will man Träger zu zwei Balken nehmen, so müssen diese eine Quer- 
inittshöhe von V, . 57 = 38cm und eine Breite von 7% • 38 = 

Y . -- . 67 = — = 28'5cm haben. Werden drei Balken verdübelt, so 

8sen diese -jr- == 28*5cm hoch und —-.-—. 57 = — -. 28*5 = 21cm 
2 4 2 4 

it sein. Will man vier Balken verdübeln, so muss jeder 

0-4 . 57 = 23cm 

h und 



0-4 . 4- • 57 = -I- . 23 = 17cm 
4 4 



it sein. 



^^m 292 ITrofftSeL 


^^^f Wie aus diesem Bei8[(iele zu ersehen ist, kaiiü man mittels 


^ äquivalenten Balken rasch und schnell die Stärke der verdübelten Til 


^H ermittplii. Hat man sich diese zwei einfachen Formeln eigen gemacht i«i 


^^^^^ e« klar, d^sn man auch im Kopte die DimenHionen schnell t-rmitteliila 


^^^B In der folgenden Tabelle ^ind die Höhen der 3 : 4 angenonuM 


^^^' und auch die qnadratischen iii|uivalenten Balken ersichtlich. Die Tal 


^H enthalt anch die zufällige Belastung, das Eigengewicht und die Qi 


^H^ tichnittswerte von 11 \m 30m, so dass es ein leichtes ist, die I 


^H Mf^thode hezfiglich ihrer Richtigkeit zu prüfen. ^ 


^^^ Tabelle XIV. 








'X. 




T 


Hi'tlie des rtchtecJiägt'U 


Itrilii» a<>» «4i4»ilr>iiifl^| 






§11 


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'S «^ 


ai(utvak'ntoii BalktstiK 


Ü4luivAleu(c<iu a«Jki^H 




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nach der Farinel 


n»c*b der Konawl ^ 


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Hl 


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» 


t U. Berechnung der DQbel. ^M 


^H Nielldem sich die Berechnung der Dübel nach den MiM 


^H Methoden meist sehr langwierig und complicirt gestaltet, so solleBlB 


^H einlache Kegeln angegeben werden, nach welchen die ConstructtoÄ 


^^^^ Verhaltnisse der Dübel schnell gefunden werden können. ■ 


^■.^ -M 



Anleitung ftlr den Entwarf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 293 

In den folgenden Berechnungen (vergl. Fig. 14) bedeutet h die 
he des Trägers, b und h^ die Breite und Höhe eines Balkens, A„ c 
I r die Höhe, Breite und Entfernung der Dübel, h^ die Höhe des 
ischenraumes. St die zulässige Zugspannung des Schmiedeeisens, k^ die 
Issige Druckspannung des Holzes, «r. und <;, die zulässige Schubspan- 
ig parallel und senkrecht zu den Holzfasern, d die Dicke der Schrauben, 
leren Anzahl auf die Länge r, R die von einer Schraube erzeugte 
bung, 9 den Keibungs-Coefficienten von Holz auf Holz, <r die hori- 
tale Schubkraft pro Längenmeter. Damit durch die auf einen Dübel 
kende Schubkraft 

fs r — nR 
eingelassene Theil des Dübels a nicht zerdrückt werde, muss die 
ichung bestehen 

Gr — nR = k^hoi 157) 

Wenn der zwischen zwei Dübeln befindliche Theil des Balkens 
it abgeschert werden soll, muss 

er — nR = G, (r—c)b 158) 

u 

Weiters muss, damit der Dübel nicht abgeschert werde, 

ar — nR = (j^bc 159) 

n. 

Die Gleichstellung der rechten Theile der Gleichungen 157 und 159 
?bt 

k^ boL = G^ bc 
A 

c = ^x 160) 

k 
Der Quotient -^ beträgt im Mittel 0*5 — 0*6; a ist gewöhnlich 0*1 Aj, 

dker 

c = 0-55 A,. 
In der Kegel wird 

c = 0-5A, 161) 

^acht, kann aber auch 0*6 A^ betragen. 

3 

Wird J = — A^ gesetzt, so ist 

Ä, ft a = 80 Y A. . ^ = 6 A,', 162) 

)pi A-j == 80% pro cm* gesetzt ist. 



■ — r^ 

K f p a r e k. 
mg R findet man aua 

wobei d = — und bei provisorischen Stralltnbröekf n nach Dr. E, \riil 
f = 0*5, n = * ; und R = 800% pro nn^ ist 
Es ist demnach 

flÄ = n^A,* ........,, IS 

und 

7 
ff r = e Ä^ * + — A/ n , . , 

Für n = — gesetzt, ergibt sich 

55 A.« ,- 

8 «I 

Die Schubkraft t ist, wenn F die TransTersalkraft bfdeutft 
Tr&gem aus zwei Balken 

3 V 

bei Trägern aus drei Balken 

*^ IC 

bei vier Balken in der mittleren Trennangsfläcfae 

3 '^ 1« 

in den beiden anderen Trennon^flScben 

9V 
"=8^= 

demnach ist bei Tri^m aus Ewei rerdflbelten Balken 

^ 55ft.' ^ 55A,'.2A 110ft.'.21ft, 77*,' -,j, 

8 <7 ~ 8 . 3 P" ~ 24 K ^ 8 r ■ ■ 

bei Trägem au? drei Balken * 

. ^ 55/t.' ^ 55fe,'.3 ft 165. 3-2 A," _ 16-5 t.» 
* 8*7 8.4F~" 32 r ~ V ..-1' 



j 



AnleitUDg für den Entwurf von Noth- and halbpermanenten Brücken. 295 

Bi Trftgern ans vier Balken für die mittlere Trennungsfläche 

_ 55 A/ _ 56 h/ , 2 fe _ 110 A,' . 43 \ _ 473 /i/ 
*~8(7~ 8.3K ~ 24 K ~24F • *^^^ 

ij die beiden anderen Trennungsflächen 

55 Ä,» 55Ä/.Ä 55 A,'.4'3A, 2365 A/ 



8(7 9F 9F \i V 



173) 



Die Entfernung der Dübel ist demnach gerade proportional der 
litten Potenz der Höhe eines zu verbindenden Balkens und umgekehrt 
er Transversalkraft. Nachdem die Balkenhöhe für alle Querschnitte 
[mstant, die Transversalkraft jedoch variabel ist, so hängt die Dübel- 
itfemung nur von der letzteren ab. Je größer die Transversalkraft, 
C8to kleiner die Entfernung der Dübel und umgekehrt. Die Transversal- 
nft ist bei den Auflagern ein Maximum und beträgt hier, eine mobile 
leichmäßige Last vorausgesetzt, die halbe vom Balken aufzunehmende 
iWt P, daher am Auflager 

»^=1' 174) 

n der Trägermitte ist V ein Minimum und beträgt hier 

8' 
Bt daher 4mal so klein als am Auflager. 

Dies ergibt sich aus Folgendem (Fig. 11): 

Bedeutet A die Auflager-Keaction und z die Belastung pro Längen- 
*eter des Trägers, so ist 

*iBd die Transversalkraft in dem Punkte C 

y^lSL=fiL 175) 

Die negative Transversalkraft ergibt sich, indem man l — x statt x 
€itzt, daher 

IT 2*' 

— K mai = —7^. 

Die Curven der positiven und negativen Maximal-Transversalkräfte 
Fig. 12) sind ganz gleich und haben in der Trägermitte die kleinste 
Ordinate. 



2M 



Kropai^ek. 



In der Trftgenniite ist 






daher 



^ 21 8 "•' 

-"=-8- •" 

alfüo nnr * ^ so ^roß als am Auflager, wo 

zl 
ap = und V max = -«- Vf 

ist. 

Man kann mit Rücksicht auf Fig. 12 annehmen, dass die 
versalkraft von den Enden des Trägers gegen die Mitte desselben 
mAUig abnimmt weshalb die Dilbelentfemung vom Auflager gegen 
Mitte Eunimmt : (dir die Praxis ist es hinreichend, wenn man die zu! 
Entfi^rnung der Dübel nur tUr die Auflager bestinunt ond gegen 
Trftgermitte zunehmen läsest 

tn der TrSgermitte k^'innten die Dübel, da hier die Transvei 

* ', von jener am Auf lairer betrüirt und dieselbe mit der Dübelentfeni 
umjrekehrt pn^portional ist 4nial so woit als an den Enden gelegt w« 
Indes wini os wocrii Act meist unvollkommenen Oonstruction der 
trä^rer vorihiMlbaft soin. dieso Entfernung hiVhst-ens dreift-ch zu nein* 
Sotzt man domr.Jiob in dt-n »-ntwickrlv^n Formeln ftr Dübel entfeniinig« 

p 
fi^r rdir MÄXimÄltrsnsvf'TsaiVraft — -^-, ft-mer für ä/ den entsprechend« 

Worts tar. f-rbSlt man Air Dübf-lf^ntfemung am Anflairer. Die änderet 
Dubol "^v-rdf^n dann snci-fssirf immer veiter voneinandergelegt. bis 1* 
Entfei7)nnt in fler TrkireTmirte nahezu Smal sr» viel betrarrt. 

Die Dübel entfeiTiuntren hm Anflairer sind daher Wi zwei BiB« 





TT \^ TT . 2 .0-24 . 




S 1 ' ~ 8 7' 


vohei ' 


IT: Mrterr; eeu'eben irn : 


bei drc 


BMik.'ii 




iH-.^ fe/ a,s . Ol r. 



4-62 .". iTiiid 4-5 l 







10 



v» 



Anleitang fllr den Entwarf von Noth- and hslbpennanenten Brficken. 207 

vier Balken f&r die mittlere Trennungsfläche 

473 h," 473 . 2 . 00 64 PI 9*6 X 000 8 , „ , , .„., 
'•=-2rr= 24P - 3 '==2ß^- 181) 

für die beiden anderen Trennungsflächen 

236-5 A.' 236-5 . 2 . 0064 P/ 10 , ,„„, 

''= 9v = 9P =y ^ ^^^> 

Die kleinste Entfernung, die bei Dübeln zulässig ist, findet man 
der Gleichstellung 

i, Ä a = dj (r — c) b 

r = c -] — -OL 

r = c + 11 a = c + 11 Ä, 

rmin = 0-5 A, + MÄ, 183) 

r min = 1*6 A^ = 1% h^. 



C Dübelyertheilung durch Construction. 

Die Construction der Dübelentfernungen (Fig. 30) ist folgende: 

Es wird bis 1 gleich der halben kleinsten zulässigen Dübelent-« 

amig gemacht, in 1 eine Senkrechte errichtet und beiderseits die 

Ifte der gerechneten Dübelentfernung nach 9 und 10 aufgetragen; 

die berechnete Dübelentfernung -< l'/, A^, so wird beiderseits die 

Ute von 

r min = iVs *t 

getragen. Die maximale Entfernung ist ca. 3mal so groß, weshalb 
— 8 nahezu gldch der ly, fachen Dübelentfemung gemacht wird; in 7 
rd eine Senkrechte errichtet und 7 — 21 und 7 — 22 = 7 — 8 gemacht, 
irch Verbindung der Punkte 9 und 21, 10 und 22 und durch Ziehen 
t unter 46* geneigten Linien 10 — 11, 12 — 13 u. s. w. erhält man 
Punkte 2, 3, 4, 5 ... . wo Dübel hinzukommen haben; wenn die 
Ete schiefe Linie 20 — 21 nicht mit 21 übereinstimmt, so muss der 
lienzug steiler oder flacher gelegt werden. 

Die nun folgende Tabelle gibt die Constructions- Verhältnisse für 
dübelte Träger an, wobei bemerkt wird, dass die Balken sowohl 
ih der genauen als annähernden Methode berechnet sind, um die Ver- 
^lichkeit der praktischen Regeln prüfen zu können. 

30 



^^ 


1 


^ KTopaTTT ^M 


■ 


■ 


■^ 


1 


Tabelle XV. 


* 


V 




in >n 


OAttune 
de«» 


AquivÄl^ntfr H5vilK;»'i], 

(«iDfmober 

Ä : k = S : 1 


; liOhe 


Bd lk<?nf|ncT*rht] i U 
In em 


' ' ' ' 4 


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aniiilifi-Qd 


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1 11 


S4:t3f 5 


ai 5/s» 5 


75 


tau 



in. Berechnung der verzahnten Träger 

A. Allgemeine« 

Obwohl verzahnte Träger fast nie angewendet werden, so 
dieselben dennoch hier behandelt, um vor^'efuDdpne Brocken mit 
Trägern bezuglich ihrer Trugfähij^keit hpürtlieiliMi m krmnen* 



Em bezeichnet A di*» Höhe dey Trager^j» /# und h^ Breite und H8hp 
eines Balkens, A, die Höhe der Zähne, d die Dicke der Schmubf 
2ul2u»sige Anjpriicbnahtue pro nn*. 



AiMtag fSr den Entwurf ron Noth- nnd halbpennanenten Brücken. 299 

Dtt llazimalinoment ergibt sich ans 

, . 100 PI ikT 



r='..(._4)(,_v) 



3 



/ 600 P/ ~ 

°V--T('-i)(-^y 

Hier ist Ä = 2 A,—A,,Ä, = 0-2 Ä,, ä==1-8ä^, 5= '/^ A^, d = 01 6, 

daher 

h = 1-26 ^^F/ 184) 

A, = 0- 7 y^tl 186) 

Vergleicht man diese Höhe \ mit der Höhe des einfachen äqui«^ 
ilenten Balkens, so findet man, dass 

0-7 ypi : 0-98 ^Fl = 7 : 10 186) 

Die Höhe eines Balkens im verzahnten Träger ist demnach 0*7mal 
groß als die Höhe des entsprechenden äquivalenten Trägers; die 
Iken müssen hier also stärkere Dimensionen als im verdübelten Träger 
zwei Balken erhalten. 

Die Verhältniszahlen 7 : 10 (0*7) gelten natürlich anch für quadra- 
rhe Balken ; bestinmit man daher für irgend eine Spannweite die Seite 
I äquivalenten Balkens nach der Formel (156) 

« = 2 / + 16c7n 
i nimmt vom Resultat den 0*7 TheiL so erhält man die Seite eines 
Ikens im verzahnten Träger. 

C. Verzahnte Träger zu drei Balken. 

Diese kommen natürlich noch seltener vor wie die verzahnten 
äger zu zwei Balken. Die Höhe h ergibt sich aus 

,, 100 PI 2kT 

— 8 ^~~Ä~ 

V«t(-^)['-C4^)-+(*-t*^)-I 

30* 



300 



K r p a c e k. 



Hier ist A, = 02 A„ A = 3 A, — 2 A, = 2'6 A., i = •/, A^, «i « O-I > 

weshalb 

A = 1-45 ^''F^ li 

K-j'^i 1« 

ist 

Die Höhe eines Balkens im verzahnten Träger zu drei Balken, 
daher, weil 

V, i^'^ : 0^98 Vl^l = 4 : 7 . . . . . . li 

ist gkich dem V,. Theil der Höhe des äquivalenten Balkens, also et 
größer als im verdübelten Träger zu drei Balken. 

Die Verhältniswahl V^ dient auch üatürlich für quadraÜBche Balke 



IV, Berechnung der Klötzelholzträger. 

Ä. Berech nang der Trftger. 

Gewöhnlich werden Klötzelholxträger aus 2, 3 und 4 Ball 
zusammengesetzt. Diese Constructionsart findet man hflufig bei Stral 
brücken, doch in den meisten Füllen nicht rationell angewendet; 
letztere Brücken eignen sich sehr gut Klötzelholzträger, da ihre Zusammen- 
aetzung sehr einfach ist In der Kegel findet man sie als trageis 
Geländer angewendet obwohl dieselben auch mit großem Vortheile 
die Bahn gelegt werden können. 

Die Träger laufen entweder continnirlich durch, was meist der 
Fall ist oder sie können wie einfache Balken gekantet werden ; im ersten 
Falle müssen unbedingt Sattelhölzer zur Anwendung kommen. 

Trftger aus zwei Balken (Fig. 17)* 

Bei der folgenden Berechnung (vergl. Fig. 17 bis 19) bezeichnel 
'lüie gleichmäüige Belastun^^ eines Trögers in Kilogramm, f die P 
weite in Meiern, // und h die Breitt^ und Höhe d<^s Tragers in '. „ . 
metern, A, die Höhe eines Balkens in Centimetern, ä, die Höh^ der 
Klötze in Oütimetern, ot die Tiefe der Einschnitte Rlr die Klötze, d die 
Dicke der Schraubenbolzen. i 



Anleitiiiig für den Entwarf von Noth- und halbpermanenten Brücken. SOI 

Es ist wie früher allgemein 

100 PI _ 2kT 
8 ~ A ' 



._-..(,_£)(,_v), 

, / 600 Pf 



3 

Setzt man J = — A^, d = Ol ft, a = O'l A^, A, = 1-2 A^, 

*= 2A, — 2 a + A, = 3 A,^ daher 

A = 1-6 yi^l 190) 

OBd 

A, = 0-5 i'^P'l 191) 

0-6 y^Pl : 0-98 l'^l =1:2; 
'ä hat daher die Höhe eines Balkens im Elötzelholzträger zu zwei Balken 
Üe 0-5fache Höhe des äquivalenten Balkens. 
Träger aus drei Balken (Fig. 18). 
Es ist wie früher 

100 P/2Ä;r 



3 
Ä = 



/ 600 PI 

\/"i(-4)['-(^n"+(^^)"j 

h -= -|- A. = 016 h, Ä, = 1-2 Ä, = 0-24 ä, d =s 0*1 ft, « = Ol A,. 

/, ^3A. — 4« + 2/j, =6 A„ 

h = 1-9 y'F'l 192) 

Ä, = 0-38 ^^FZ 193) 

od 

A. --- 0-4 KTv. 

Weil 0-38 ^Pl : 098 vPl ^ 4 : 10 ist, so ist ein Balken im 
lötzelholzträger zn drei Balken 0'4mal so hoch als der äquivalente Balken. 



302 



K f of^l t k 



Triger ms wr Balken (Fig. 191 
Dis MaTimaliDoiDeDt ist 

1 00 PI 2kT 



J/ = 



'-i^l'-^)!- (^n^T+i^^^T^^-' 



600 P? 



•('-4)[' 



A-l- A, + 2 Ä.V . ,'Ä-|-A-2A,V 



2/' 



2A 



y 



Hier ist 4 = — Ä„ d = 0-1 i, A, = 1*2 ä., x -- Ol ä,, at, = Ol] 

A, = 0-3 A,, A = 4 A, + A^ + 2 A, ~ 4 3t^ — 2 Ä = 52 A., A, -= O"!! 
A, = 0-228 A, A, = 0057 h, b = y^ A, = 0-1425 A; diese Werte 
gesetzt, gibt 

h = r9 y"¥l U 

h^ ^ 0-37 t^yt . , - . 1 

h, = 0'40 K'n 

80 claßö bei Anordnung von vier Balken etwas schwächere Hölzer ab 
drei entfallen. In der Praxis sieht man jedoch beide mit genügender Genai 
keit als gleichwertig an, so daea also auch hier die Balken 0'4mal 
stark wie die äquivalenten Balken gehalten werden können. 

Das Verhältnis aller Klotzelholzträger zu dem äquivalenten 
ist daher: 

0-98 y^l : 05 V^l : 38 ^Tl : 37 V^l= 1 : % : 04 : 04 . . 18 

so zwar, dass im Klötzelholzträger zu 2, dann zu 3 oder 4 Balken 
Balkenhöhen */,-, resp. 0^4mal so groß ausfallen als beim äquivahnti 
Balken. Es versteht sich von seihst, dass vorstehende Verhältuisza 
auch für quadratische Hölzer gelten. 

Beispiel: Spannweite 20w und rechteckige (3 : 4) Balken i 
genommen. Höhe des äquivalenten Balkens: 

A = 2 . 20 + 21 = Ol; 
beim Klötzelholzträger zu zwei Balken können diese daher '/, 61 =^ 30'5 ho( 

3 1 

und i =^ — - , ^ . 61 = 23em hreit sein. Beim Klötzelholzträger im 



Anleitiing für deu Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 308 

ler vier Balken ist die Balkenhöhe 61 . 0*4 = 24*5 und die Breite 

- . 0-4 . 61 = 18-5CW. 

Wird angenommen, dass nur quadratisches Holz vorhanden, so ist 
i Höhe des quadratischen äquivalenten Balkens 

« = 2 ^ + 16 = 2 . 20 + 16 = 56; 

i Klötzelholzträgem zu zwei Balken sind diese daher — . 56 = 28cm, 

i drei oder vier Balken 0*4 . 56 = 22'5cwi stark zu halten. Aus dem Vor- 
rgehenden ist ersichtlich, dass die Dimensionen aller Arten gekuppelter 
&ger schnell und mit hinreichender Genauigkeit aus jenen des äqui- 
lenten Balkens ermittelt werden können. 

B. Berechnung der Klötze. 

Ebenso wie bei verdübelten Trägern, verursacht die Berechnung 
or Klötze nach den gewöhnlichen Methoden große Schwierigkeiten, 
lehdem meist langwierige und zeitraubende Entwickelungen gemacht 
erden müssen. Im Folgenden (vergl. Fig. 15) sollen einfache Regeln 
Ir die Construction und Anwendung (Anordnung) der Klötze gezeigt 
rerden. 

Ist r die Entfernung der Klötze von Mitte zu Mitte, A, und c die 
[tke und Länge derselben, d die Dicke der Schrauben, n deren Anzahl 
rf einen Klotz, R die von einer Schraube erzeugte Reibung, (p der 
eibungscoeflficient von Holz auf Holz, a die horizontale Schubkraft pro 
Ingenmeter, j{ die zulässige Zugspannung des Schmiedeeisens, / der 
oerschnitt einer Schraube, k^ die zulässige Druckspannung des Holzes, 

► ist, wie bei den verdübelten Trägem, folgende Relation geltend : 

a r — nR = k^bfx.. 

Setzt man wie früher 

i, 6a = 6A/undß = -^*t*' 

> ist 

<yr = 6A/ + n-^A/. 
4 

Bei Klötzelholzträgem ist 

n=2, 

iher 

7 IQ 
<rr = 6A.«4-yA.« = :^A.' 197) 



. Wtv mi\Hnm fuiio Hölohi^ Lunih^o hubeti» dass sie durc 
iiuitolo Sibiii^kiull lürht mn^okiiv|vt werden köEnen. Das G 
floht gegoQ Umkippen tindet statt, wenn 

9 r . A, s ft/c 

mwlM f den Quersobnitt einer Schraube und St den Sichcxlieib- 
elfinloii de« Ebens (ttr Zug (SOOkg) bedeutet 

tHtr daa Absobeeren eines Elottes gilt die GtetAng 

itiihi r gebt Formel 198 Ober in: 

9, bk^ -^ Stf. 



/-^**t 



Jja ist fiNTuer 



fliiwii 



«, »<* = *i *« + ««; 









F*r V 4^ \V«t aiKs^ l^i« ««v^^e^al ««äc ääi 



y. i^ 



r«U T,Ä^ 



«» 
^ 



= T^«-'-*. 



!-• i ?1 — 






*MT" < 



K^ Liä»< ««r Oltssr i}C ciäifr rm»c rjmrl osr 




Aaldtang fltr den Entwurf Ton Noth- nnd halbpenoanenten Brücken. 305 



202) 



»nm 


19 Ä.« 
'•- 2. • 








esultirt 






Elötzelholzträger ans 


zwei Balken: 




19 A, 


» 19A,'.9A, 
~ 2.4F 
171 A,» 

"- 8V • 


171 A.» 
~ 87 ' 






Klötzelholzträger aus 


drei Balken: 




19 A, 
••- 2. 


» 19 . lOA, 
2.31' 
95 Ä.» 


95 A,« 
37' 




ZV • 




Elötzelholzträger aus 


vier Balken: 




^_19A,' 
2(1 


• 19.10Ä/ 
2.37 ' 

3 7 • 








Für die Dübel ist 


7 




Dd 


55 A.» 65 A,'. 


5A. 




8<T 8 1 
276 A.« 


» 



203) 



204) 



205) 



81 2»«) 

Aus den für verschiedene Trägergattungen ausgemittelten Entfer- 
ngen der Klötze ersieht man, dass diese Entfernungen der Transversal- 
ift V umgekehrt proportional sind, dass daher der größten Trans* 
rsaliraft am Auflager die kleinste Elotzentfemung entspricht 

Wie bei den verdübelten Trägem erwähnt wurde, genügt es, die 
linste Entfernung der Klötze am Auflager zu bestimmen und diese 
itfemung successive vom Auflager bis zur Trägermitte bis auf die 
eifacbe Distanz zu vergrößern. 

Setzt man daher in die Formeln für die Entfernungen der Klötze 

p 
r F-^— und flr A, den bei der Bestimmung des Trägerquerschnittes 



j£ r «> f» » f # 1. 

« wert, so bekommt man sehr einfache Begeb fftr dk 
der mute am Aanager. 

Elötzellioliträger zu zwei BalkeD: 

Die EntfemuDg der Klötze ist hier in em 

171 , PI 



r ^=. 






= 5-5/, 



wem l in Metern angegeben ist. 

Elötzelholzträger m drei oder Tier Balten: 
95 A/ _ 95 . 2 . 0064 P/ 

r = 4i ...,-..... , 

Wenn man die Formeln fär die Dübel- und HotzentferaungeB 3 
Auflager in's Auge fa^st. so findet man^ dass diese Eotfemungen na 
umgekehrt proportional sind zu der Anzahl der überemander 
liehen Balkenhohen ; z. B* bei Klötzelholzträgeni zu zwei Balken iit < 
Entfemimg der Klötze 

e ^ 6"5 l «n, 

bei Klötzelholzträgem zu drei oder vier Balken — welche Träger : 
Balken hoch sind — ist daher die Klotzentfemiing 

I 5 5/:a?/ = 5:3, 

X ^ 3 3, 

Bei verdübeltt^n Trägem zu 2 Balken ist 

r = 40 l, 

daher bei vier Balken nahezu . 



2 



r .4'5/ = 2'25i; 



fOr drei Balken 



r=-,46? 



3^. 



Die kleinste zulässige Entfernung der Klötze ergibt sich tto' 
verdübelten Trägern zu 

r min = c -f- 11 gt = 2'2 K + 11 K^ 



r min = 3'3 h^ = 



10 A, 



I 



Qg fftr den Entwurf von Noth- nnd halbpenimnentcn Brücken. 307 



C, Construction der Entfern tingen der Klötze. 

Construction der Abstände der Klötze voneinander (vergLF)g.27) 
anlich wie bei deo verdübelten Trägern, u. zw. anf folgende 



wird die halbe Klotzlänge von oach 1 aiitgetragen, in l 
chte errichtet und beiderseits nach 7 und 8 Mn der halbe 
stand gemessen. Von der Trägermitte Af wird der halbe größte*) 
potzabstand nach 21 abgezirkelt, in 21 eine Henkrechte errichtet 
\ 21 und 21 bis 19 gleich 21 bis AI gemacht; sodann wird 
fV mit 1^ Yerbimden und durch einen Linienzug unter 45* 
Axe des Trägers die Lage der Klötze in der in der Figur 
U Weise bestimmt. 

^iei Linieaztig nicht durch den Punkt 20, so müssen die 
er oder flacher gezogen werden. Dort, wo die Senkrechten 
' schneiden, sind Punkte für die Klötze. 

nachfolgende Tabelle gibt die für Kl ötzelbolz träger nöthigeii 



iBsdate 


a lur b\ 


)annwen 


en von 


17 bi8 


30 m an 








Tab 


eile XVL 




,8p»nii- 




TrilgiT' 


Qiivriiclinltt leinen ' 
Hauken« 


ijLIci t c fii tf ernu u ^p 1 1 


l^ivflUf? 




liöhtf 






gCHAU 


AnafilifrnH 


Di^t'iinn 


iiuTJiilbi*rii4| 


Hill 

Auf Ijijji'iC 


ju 4l*'r 


1 

17 


ht, 5 


65 


85 


21 28 


20 5/27 & 


D'i 


200 


18 


57 5 


57 


8« 


22f29 


n 5/28 Ä 


ys* 


2(H) 


lU 


Ü9 6 


5» 


iU 


2S/aO 


22/29 5 


10^ 


210 


20 


Bl 5 


61 


»i 


£3 5 ai 


23/90 5 


HO 


220 


11 


es 6 


68 


!I7 


24 32 5 


«3 A/ars 


115 


230 


iii 


65 5 


6fi 


100 


2*33 


24 5/32-5 


121 


240 


•»• 


07 


67 


103 


26,^4 


25/33 -5 


127 


im 


s« 


m-b 


m 


lOti 


2« 5/35 1 


»6/94 5 


132 


2C0 


25 


71 f* 


71 


138 


»1/27 5 


31- 5/28 5 


100 


2U0 


26 


7» & 


7S 


14S 


21/38 5 


»2/29 5 


104 


200 


17 


75 5 


75 


146 


22/29 


22 a^ao 


108 


210 


Sfl 


77 5 


77 


150 


22 5/30 


23/31 


112 


21-0 


» 


7» 5 


79 


154 


23/ai 


24/92 


iii; 


2»0 


80 


ßlÄ 


^1 


1,-1 h 


um ^ 


24 5/32 5 


12 11 


240 



er Trägermitte ist der Abstand der Klotze 2- bis dnml so groß «k 




308 



X r o p 11 1^ c k. 



D, Gel&n dertrilger 

Wk?rdei! die Klötzelholztrager nicht wie gewöhnliehe Balken ge! 
r^nilern nur beiderseits der Fahrbahn angeordnet, ao erhält man üelili] 
rager. 

Man kann beidiTseits der Fahrbahn nur je einen Träger oder 
zwei knapp nelKMirinander — ZwilJingsträger — anordnen. Die Bahn 
meist in der Mitte — ^Bahn Mitte^ — wodurch die Querträger (Unterii 
als Klötzf wirken; seltener und auch nicht empfehlenswert ~ liei^t 
Bahn unter den Trägern — „Bahn nnten^ — auf Unterzogen, welch* 
aufgehängt sind. Bei ^Bahn unten *^ muss raan sieh hauptsächlich auf 
die Schrauben verlaasen, welche manehmal nicht correct ge«ohnitten unl 
daher auch nicht verläsnlich sind. Solider und sicherer ist in alles 
Füllen „Bahn Mitte". 

Jeder Träger hat V„ bei Zwillingstrügern '/^ der Belastung eines 
Briickenfeldes zu tragen. 

Bei der Brückenbreite von 5m entfallen die Querträger i ünt€r- 

ige) bei etwas größerer Entfernung derselben sehr stark, wie dies aui 

^em <Traphikon ersichtlich isft Man wird deshalb in jenen Fällen* wf 

ein«* gn'Uiere Bruckenbreite nöthig ist. lieber zwei Bahnen zu '6m Bri 

knapp nebeneinander bauen. 

Der Querschnittawert des äquivalenten Geländerträgers ergibt 



aus ÄA* = -- P/ und daraus, wenn ä^= V| ä ist A 
30 



V 27 



P/^ wobei. 



die halbe Belastung (bei Zwilligsträgem * ^) eines Bröckenfeldes b«n| 

I Bestimmt man nach dieser Formel die Höhe des ftquivalen 
Geländerträgers <3 ; 4) filr die Spannweiten von ö big 25w, »o erhil| 
man eine Reihe, deren allgemeines Glied bei Brücken mit 3m Ureiti 



= 3/+ 17 



h =3-5/+ 21 



2O0«i) 



20d6) 



und bei 5m Breite 
I 

ist 

Die Höhe eines Balkeus im Klötzelholztrager bestimmt sich wi4 
früher, ist daher bei einem KlAtzeUiolztrUger zu zwei Balken 0*5^ bei 
drei oder vier Balken 0*4 von der Hohe des äquivalenten Geländertrigeiw« 



Allleitimg ftr den Entwurf von Noth- nnd halbpeniianenten Brficken. JQJ^ 

e quadratischen Balken sind, wie früher erwähnt, immer 0'9mal so 
*h als die 3:4 beschlagenen. 

Im Graphikon ist bei der Construction des äquivalenten Balkens 
3 und 5m Brückenbreite angenommen worden, dass nur Ein Geländer- 
^er beiderseits der Fahrbahn ist: bei Zwillingsträgern ist die Höhe 
äquivalenten Balkens 0*8mal so groß zu nehmen. 

Durch die Querträger (ünterzüge) wird ein Brüekenfeld in mehrere 
ine getheilt; jeder Querträger hat die Last eines solchen kleinen 
kckenfeldes zu tragen. 

Der Querschnitt eines Querträgers (Unterzuges^ ergibt sich aua 



Wi 



— Zt, wobei Z die totale Belastung eines kleinen Feldes und t 

ZT 

Brückenbreite bedeutet. 

Ergeben sich die Querträger (Unterzüge) zu stark, so kann man 
»i neben- oder übereinander legen und im letzteren Falle dieselben 
dübeln oder mindestens verschrauben. 

Werden zwei Querträger nebeneinandergelegt, so können sie eine 

fiu!he Höhe von jener eines Querträgers (Untijrzuges) haben. Bei Quer- 

fem aus zwei verdübelten Balken ist die Höhe eines solchen •/,- (0*6-\ 

Querträgern aus zwei verschraubten Balken 0*7mal der Höhe eines 

[sehen Querträgers oder ünterzuges. 

Die Entfernung der Querträger richtet sich nach der StÄrke der 
handenen Hölzer und ergibt sich direct aus dem Graphikon. Über 
1 Querträgem (Unterzügen) ruhen die Balken und Pfosten. 

Die zwischen den Geländerträgem liegenden Balken werden als 
i aufliegend auf den Unterzügen angesehen und nach der Spannweite 
ieh der Entfemung dieser berechnet, resp. nach der letzteren die 
rken aus dem Graphikon abgelesen. 

Kühen die Querträger bei Geländerträgem zu zwei oder drei Balken 

den unteren Balken und werden gleichzeitig Unterzüge angebracht, 

kann man diese mit den Querträgern durch Klötze und Schrauben 

binden, durch welche Verstärkung die Querträger als Klötzelholzträger 

rheinen. 

Nachstehende Tabelle gibt die Höhe des äquivalenten Balkens für 
linderträger, sowie jene für Unterzüge an. 



^^^^310 ^^^^^^^Kro^Är ek ^^^^^^^B 






Tabelle XVI«. "^^ 


1 




ftomung 
der 


Hdhe de« 

Ct eil nde rtriLgf rK 
(:l : 4) bei Ploer 
Bracke ob rette 


Hübft de« Qoer* 

träger« (fl : 4) bvi 

oincr BrOokeu' 

breit« vou 


Anmerkoat 


1 




in m 


VOtl 








Am 


!jm 


Sm 


5 TT', 


I 






ff 


3>«-5 






'i 






SS 

35 5 


84t 








l 






38 3 


40 








5 






30 5 


4i{ 








H 


3ä 6 


58 5 


33 6 


16 








7 


3« 3 


43 $ 


M 5 


4H 6 








- 


^^8 


47 


3« 3 


Äl 










n 3 


M 


37« 


&3 S 


, ^^^^^H 






IM 


4ii 6 


55 l 


39 3 


:»5-4 








11 1 


49 9 


59 












li 


5.1 8 


6S 9 












liS 


56 '.1 


66 5 












\i 


59 4 


70 S 












15 


63 5 


73 9 


^ 


. 








|4| 


es 5 


711 5 


i 










n 


&8 5 


»1 












IH 


114 


*4 4 












iJf 


7a 7 


«7 1 






'^^^1 






L'O 


77 » 


91 4 


' 










äl 


ftO i 


94 8 












ii» 


»3 


99 1 












i^ 


B5 « 


103-1 


. 










u 


88 7 


1(M S 












2=i 


ill Ä 


lOÄ 1 










^^F Bei provisoriaehen Eisenbahübrüekeii entfallt auf einen 




^^r Strang gleichfalls die Belastung eioes halben Brückenfeldes. 


] 


^^H Die Höhe des quadratischen äquivalenten Balkens für einen 


8 


^^B Strang ergibt sich 


• 


^^H a) für Bahnen mit l'A$5m Spurweite: 




^^H I. hei Spannweiten von 1 bis Sm 




^H ß^ei-^nnn 




^^H 2. bei Spannweiten ron 8 — 20m ; 




^^B §=^Al'^26cm; ...... 




^^B h\ für Bahnen mit Im Spurweite: ^H 




^^B L l>ei Spannweiten von 1 biy 7»k ^^ä 




L J 





Anleitang für den Entwurf von Noth- and h&lbpennanenten Brücken. 3XL 
2. bei Spannweiten von 8 bis 20m 

Die Höhe des rechteckigen äquivalenten Balkens ist um — größer 

jene des quadratischen. 

Werden statt einfacher Balken gekuppelte genommen, so gelten 
• dieselben Verhältniszahlen wie bei Straßenbrücken. 

Werden zwei Balken (Träger) unter einen Schienenstrang gelegt, so 

die Höhe des äquivalenten Balkens 0*8, bei 3 Balken (Trägern) 0*7 

wenn endlich drei Balken (Träger) unter ein Geleise (zwei Schienen) 

)gt werden, also pro Schienenstrang 1% Balken (Träger) entfallen, 

ist die Höhe des äquivalenten Balkens 0*9mal so groß zu nehmen *). 

Bei der Ableitung der vorgenannten Formeln für provisorische Eisen- 
nbrücken wurden die im „Technischen Unterrichte", 18. Theil, für die 
t Pionnier-Truppe, enthaltenen Belastungen pro Längenmeter Geleise 
runde gelegt und die zulässige Anspruchnahme des Holzes mit Bück- 
kt auf die bewegte Belastung und wiederholte Anspruchnahme mit 90A:^ 
cm" angenonmien. 

y. Berechnung der verklammerten und verschraubten 
iger. 

Ä. Allgemeines. 

Um brauchbare einfache Formeln für die Berechnung dieser beiden 
Igergattungen zu erhalten, ist es hier vortheilhaft, vorerst über die 
lerechnittswerte der einfachen und gekuppelten Träger zu sprechen. 

B. Qaerschnittswerte der einfachen and gekuppelten Träger. 

Alle bis jetzt behandelten Querschnitte haben die Form eines Becht- 
fe oder Kreises, dann sind erstere voll oder unterbrochen. 

Bekanntlich wird das Biegungsmoment eines Querschnittes aus- 
rückt durch 



*) Sollen n Balken dasselbe Tragvermögen haben wie Ein Balken, so müssen 

i^erschnittswerte gleich sein, daher nh^ Äj* = i/«'; ist nun 4, = m Ä| und J = mÄ, 

3 

*t nÄ,* = Ä* und hl =z h 



Mi- 



r o p ä c e 

wobei Ic die Spanimng des Materiales pro cm», T das Trägheiteii 

T 

und — das Widerstandsmciiiient ist 

Das BieguDgsmoment eines rechteckigen Trägers ist 

M = k , 

wobei -— das WiderätandsmomeDt beißt. 

D 

Das Moment hüDgt allein von dem Werte SA" ab, welcher 
genden für die meist vorkommendeo Querscbmttsformen ermittelt 
soll Entsprechend dem j, Technischen Unterrichte** wird der Ausdm^ 
da er hänfig vorkommt» Qiierschnittswert genannt 

Für getaippelte Träger ergibt sich der Querschnittswert am 
Trägheitsmomente und wird in der Regel dnrch lange, compliciil 
für die Praxis nnbrauchbare Formeln dargestellt 

Id den Eachfolgenden Zeilen werden die Querscbnittswerte 
ganz einfache Ausdrucke bestimmt, so dasa alle ans beliebig 
Balken zusammengesetzten Träger anf ähnliche Weise wie eil 
rechteckige Tragbalken berechnet werden können. 

Bei dem einfachen Balken ist der Querschnittswert 

Q = JA" 

Aligemeiü bestimmt sich der Querschnittswert Q aus dem 
Standsmomente; es ist 

6 6 



daher 



und weü 



tA' = 



or 



ist, 



Q = 



Rnndbalkeu. ^ Bei diesem ist 



T=^undA = cf, 



Anleitnng fttr den Entwurf Ton Noth- nnd halbpermanenten BrOcken. 313 
her 

Q = 0-6d» 213) 

Verdübelter Träger aus zwei Balken: 

Die bekannten Werte für b, d und h, eingesetzt, ergibt sich : 

Q = ~bk* 214) 

Verdübelter Träger aus drei Balken: 

12 T 



Q = 



h ' 



«=¥-'i^('-^-)[-(H^)'+(^^)']. 



Q = -f-ftA' 215) 

o 



Verdübelter Träger aus vier Balken: 

12 T 



_bh^( d \ r ( h + 3h, y i h-K V A.n 

12 />A»/ .Z\r A + 3M ' /A-^V VI 



/>, (/ und //, «lie Werte eingesetzt, gibt 



Q = 4 iÄ* 216) 



Klötzelholzträger zu zwei Balken: 






«>'» 



31 



314 Kropaiek. 

nach Einsetzung der Werte für d, d und h, erMlt man 



i 



Q = 4-**' Jl 



Elötzelholzträger zu drei Balken: 

12 T 



Q 



h 



-=^(-i-)['-C4^)"+e-ii^)']. 

Q = -|6A« J 

Elötzelholztr^er zu vier Balken: 

Q = — T. 

Dach EinsetzuDg der Werte für 6, d, \ und A, ist 

4 

Der Querschnittswert ergibt sich daher bei Klötzelholztr&gein 
drei Balken etwas geringer als bei vier Balken; gewöhnlich wer 
beide jedoch gleich angenommen. 

Verzahnte Träger aus zwei Balken: 






(3 = AjA« 2! 

Ergibt sich etwas größer, u. zw. zu V»; doch nimmt man wej 
der unvollkommenen Wirkung der Zähne den Coefficienten zu V, ui 



Anleifung fftr den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 315 
Verzahnte Träger aus drei Balken: 



h ' 12 



Q = Ajī 221) 



Die Querschnittswerte der Träger sind in den Tabellen XIII und XIV 
Spannweiten von 1 bis 30m ') angegeben, so dass es dann ein Leichtes 
die Dimensionen des Querschnittes rasch auszurechnen. 

C. Berechnung der verklammerten Träger. 

Werden Balken übereinandergelegt und nur mit Klanunern ver- 
lAeii, so haben dieselben nur eine solche Tragföhigkeit wie die ein- 
Beii zusammen. Obwohl diese Träger eine größere Tragfähigkeit als 
pgeben besitzen, so ist es doch vortheilhafter, bei der obigen Annahme 
bleiben, da sich die Verstärkung durch Klammern schwer und unver- 
dieh angeben lässt. 

Zwei verklammerte Balken: 



Q== 


12T 

h ' 




Q = 


26A» 
4 


iA« 
~ 2' 


Q = 


bh* 
2 


1-^ 


6 = 


4*.. 





222) 



h = 1-63 ylPl; h, == 0-75 KTZ, auch ä, -- 08 V^Pl . . 222a) 



') Bei den Normalien der Südbahn zur Herstellung von provisorischen 
Izemen) Balkenbrücken ist die Maximalspannweite für leichte Locomotiven, 
che sammt Tender 30^ wiegen, mit 29 4m (bei hölzernen Fachwerkbrücken mit 
hn) angegeben, wobei eine mehrjährige Dauer der Brücke voraasgesetzt wird. 

31* 



316 Erupacek. 

Drei verklammerte Balken: 






12 r 

h ' 
3bh* 
9 



3 ' 



«-^ = 1-' 

*=!*•' 



223) 



A = 2 »^P/, 



Vier verklammerte Balken: 



0-7 y^l 223a) 

12 T 
h ' 



_ 4ÄA» _ 6A« 
^~ 16 ~ 4 ' 



224) 



A = 2-42 V^T?; A, = 06 ^^Fl 224«) 

Wenn — im allgeoieiDen — n Balken aber- und nebeneinaiidff 
verklammert sind, ist der Qtierachnittswert : 




Anleitung für den Entwarf von Noth- and h&lbpermancnten Brücken. 3X7 

In der Eegel werden nicht mehr als vier Balken verschraubt. Ver- 
ebt man die Querschnittswerte von den verdübelten und verklam- 
ten Balken, so findet man, dass letztere einen kleineren Querschnitts- 
t haben als die künstlich gekuppelten. Die Differenz der beiden Quer- 
littswerte entfilUt daher auf die Festigkeit der Verdübelung und 
schraubung. 

Nimmt man an, dass mindestens ebensoviele Schrauben als Dübel 
Bordnet, resp. die Schrauben höchstens ebensoweit als die Dübel bei 
ißenbrücken angebracht werden, verwendet man auch stärkere Schrauben- 

:en {d ca. — i), geht man mit der Anspruchnahme der letzteren bis 

o 

1200kg pro cm', so haben die Dtlbel und Schrauben nahezu zu 
chen Theilen die Schubkraft aufzunehmen. Es liegt in diesem Falle 
Querschnittswert der verschraubten Träger in der Mitte zwischen 
verklanmierten und regelrecht verdübelten Trägern, ist also dem 
[unetischen Mittel derselben gleich. 

Sind nur schwächere Schraubenbolzen zur Verfügung, so müssen 
lelben verhältnismäßig näher aneinandergerückt werden. 

Man erhält demnach folgende Querschnittswerte für verschraubte 
Igw: 

Zwei verschraubte Balken: 



«=i(^+i-) 



3 
Drei verschraubte Balken: 



Q = A6A« 226) 



«-i(^'+l-)=ä-. 



Q = i-6Ä. 2*27) 



Vier verschraubte Balken: 



«=ic-r+i"-) 



Q-y-ytÄ* 228) 




rcnii]0g iler Sehrsnbrii un Auflager ist wlt bfj 
em tu beititmnei], hetiigt iklier bei zwei Balk^ 
fji •*/a4 b«fi ri#r Balkf^n 2*5 L In der Trägermitte i 
tr äcliranbi'ii Sinai io groß. Für eiii&cbe Balken beq 
I itraikübil&ekeii wwtde frtlier gefonden, dass der 
lüittowert 

OB mfplfjmyr Formel fQr alle Arten von Yerscbranbten Ti 
«9t, «0 erhalt man b^i xwei verschraubten Balken: 

3 3 

Wenn ä «» — A| = -^ * ist, so ergibt sich h zu 

A = 1-4 y'pi 



A, == or l^i; 



)i venchraubten Balken: 



Ä 3 , A 



A^l''^/, 



A, = 0-6 KP^; . . . 
bei vier versohraubten Balken: 



«=i«, 



4 



\/'^'-~ 



9 
A = 2^'^, 






2 » "P/. 



A, ^ 0-5 ^^^ 

Vergleicht man die eben gefundenen Höhen mit jener des 
valeuten einfachen Balkens, so findet man folgendes Yerhiltnis: 

^ ^ jj <j 

OiW y^l : 0-7 ypl : 0-6 KT/ : 0-5 V^Pl = 1 : 0-7 : 0-6 : 0-5 . . 



Anleitung für den Entwurf von Noth- und lialt)pernianenten Brücken. 31Ö 

bei zwei verschraubten Balken ist jeder 0*7-, bei dreien 0*6-, bei 
1 0"5mal so hoch als der äquivalente Balken. 
Es versteht sich von selbst, dass diese Verhältnisse auch gelten, 
die Balken quadratisch sind. 

Beispiel: Spannweite l2m und zwei verschraubte quadratische 
!n anzuwenden. 
Höhe des äquivalenten quadratischen Balkens: 

s = 2Z + 16 = 2 . 12 + 16 = 40, 
im verschraubten Träger zu zwei Balken jeder 
0-7 . 40 = 28cm 

uadratseite. Wären rechteckige, 3 : 4 beschlagene Balken vorhanden, 
: nach Früherem 

h = 2l+ 21 = 45, 
• die Höhe der einzelnen Balken 0*7 . 45 = 31*5cm. 
Für verschraubte Träger kann man aus nachstehender Tabelle für 
im häufigsten vorkommenden Spannweiten direct den Querschnitt 
Jalken, sowie die Entfernung der Schrauben am Auflager imd in 
Crägermitte entnehmen. 

Tabelle XVII. 







Höhe doii 


äquiva- 








— 


:tuiiff 

igen* 


Spann- 
weite 
in m 


lenten Balken»* 
6 : Ä = 3 : 4 


Trager- 
höhe 


Balkenquer^chnitt 


""""•"1 






genau 


anuähernil 




genau 


annähernd 


am 
Auflager 


in der 
Mitte 




8 


36 


36 


52 


19-5/26 


19/25 5 


39 


80 




9 


38 


39 


55 


20 -5/27 -5 


19/27 


45 


90 




10 


40 


42 


59 


22/29-5 


22/29 


48 


100 


fr- 

*ubte - 
Iger 


11 


42 5 


43 


62 


23/31 


23/30 5 


50 


100 


12 


45 


45 


64 


24/32 


24/32 


54 


HO 


ialken 


13 


47 


47 


67 


25/33-5 


25/33 


59 


120 




14 


49-5 


49 


70 


26/35 


26/34-5 


63 


120 




ir» 


51-5 


51 


73 


27/36-5 


27/36 


08 


130 


/ 


16 


53-5 


53 


94 5 


24/31-5 


24/32 


53 


HO 


'\ 


17 


55-5 


55 


100 


25/33 5 


25/33 


56 


120 


aubte ) 
i^er \ 


18 


57-5 


57 


103 


26/34-5 


26/34 


60 


120 


19 


59-5 


59 


107 


27/36 


27/35 5 


63 


130 


l 


20 


615 


61 


110 


28/37 


28/37 


66 


130 




21 


63-5 


63 


130 


24/32-5 


24/31-5 


53 


HO 


er- 


22 


65-5 


65 


134 


25/33-5 


21-5/32-5 


55 


HO 


aubte 


23 


67 


67 


138 


26/31-5 


25- 1/33-5 


57 


120 


ialkf-n 


24 


69-5 


69 


142 


27/35 5 


26/31-5 


60 


120 




25 


71-5 


71 


146 


27/36-5 


27/35-5 


63 


120 

1 



^^ Kropadek. 

L k.:w»^n'iung der Querschnittswerte bei einfacl 
, . - i^i .•;»r'I:ea Trägern. 

>r -ir » vorstehend besprochenen einfachen und gekuppel 
-.^-^ -:iiTüli3i:ite. verzahnte, Klötzelholz-, verklammerte und verschraul 
^^^-./•mni iiewchnittswerte können bei allen Arten Brückenconstri 
. -1.. *.-. >^di- und halbpermanente Straßen-, sowie provisori« 
-i^.^.ürtüui.tKÄQ. Anwendung finden. Es braucht nur der Querschnit 
^. ri Xcäörücken 

«=?. ^ 

». jM.^fn>ttKUKaceu Straßenbrflcken 

Q = ^Pl 2J 

«5 

^^ ^^ ic*v- tierischen Eisenbahnbrücken 

= 1^^ 2: 

,^j,^^j, Ä «ifnieo. um sammtliche Constructionsverhaltnisse zu fim 
• ^ & wtale Belastung eines Tragers (Balkens) in Kilograi 
«^ 4r >5*taweite in Metern.] 

7h« >7««ehenden Querschnittswerte Q gelten für den Fall, als 
ituti^rt <^^«»*^ Tannen-, Fichten-, Birken- oder Kieferholz genomi 

?Hr *w»w Holzarten ergeben sich nachstehende Querschnittswe 

to Jört*«-* Espen- und Buchenholz '\U; 
te Äx-h^uholz r\ Ci 




Anleitung fQr den Entwurf von Noth- ond halbpermanent«n Brftcken. 321 
Tabelle XVm. 



Gattung des Träger« 


Minimal- 


Maximal- 1 




Querschnlttawert H 


rSQbelter Tr&ger aus Balken ^ 3 

rzalintcr Tr&ger aua Balken i 


V, bh* 

ytbh* 
V, bh* 

V46Ä» 

V46Ä» 


•/,bh* 

•A ftÄ» 
•A 6Ä» 
•AftÄ» 


l 8 

f * 

(txelholzträger aus Balken .... / 3 

l 4 
/ 2 

irtchraubter Träger aus Balken 3 

4 



Bei nicht gesundem Holze miiss der Querschnitsswert des Trägers 
ch Schätzung vermindert werden. 

d) Entfernung der Träger. 

Ebenso wie bei den Nothbrücken, muss auch hier die in gleich- 
ste Belastung verwandelte Wagenlast gleich der Colonnenlast sein, 
ker 

G = qel 



e = 



ähemd ist 






12 



239) 



e = -T- (lin Metern) 239 d) 

Wie aus Tabelle XX ersichtlich ist, wird die Entfernung der 
ger bei zunehmender Spannweite kleiner, bei Spannweiten über 20m 
klein. Um diesem Übelstande abzuhelfen, ist man gezwungen die 
iger stärker im Querschnitte zu machen, in welchem Falle größere 
Lgerentfernungen genommen werden können. 

Wie von früher bekannt, sind die Belastungen proportional den 
jrschnittswerten und Entfernungen der Balken (Träger). 

5 4 3 

Will man demnach die Balkenentfernung -r— , — -, — -, . . . n-mal so 

4 o 2 

ß machen, so muss auch der Querschnittswert der Träger in dem- 

len Verhältnisse größer genommen werden. 





«rf 



Uk in der Proportion 
^ÄÄHnffAj » mA,, go folgt 

-r • - A:A.=l^:l''^ 

li It. A\^ IVftgfrhAheti rerbmlten sich im die dritten Wm-xelii a 

Wlhlt man dahir die EittfemuDg der Baliei -r-^-^-t-^^-^X-d 

'ft 3 Z 

»0 ftnC^ *o mtnm die QiiprscIlinttsdinieiisionffD der 




- \ 

auch die allgeinem^teL Weite ftr fl| 
ZiUeB Tnii1ti[tlidreii imd dsnB «1^4 

Beitfi«!: li- .^^uiiiiwdte iriMAfeB md TTfri iTImiIiIiHp 
IImAm. Kidi l^iMk IX kt O^l dk fiB^^ 
(lad) Ha wil jeAcN^ die Irriger 1« wsit Tonauaidedflem J 

«;, 1^ __ 

Sollen S : 4 beschlagene Balten verwendet werden, sc» ist i 
des äquivalenten Balkens 

h={2l + 21) 1^ = (2Z + 21 ) . -^, 

h = 2-6Z + 26: 
ftr Z = 22 ist Ä = 81cm. 

Bei Kl6teelholzträgem zu zwei Balken wäre die Hohe 

h, -^ ^ = 40-5 und i = ^ . 81 = 305««, 

2 o 

Diese Dimensionen für Balken sind schwer erhali2»ar, 
Balken gekuppelt werden sollen. Die Höhe eines solchen isd 

3 

81 . 0-4 = 32-5CW und ^> = — . 04 . 81 = 24-5<m- 

4 

bei gekuppelten Trägem wird man häufig in die Lage tr /w— m it, , 
größere Entfernungen derselben zu wählen, weil man g-«z«aqf 
kann, die Anzahl der Trager mit jener der Piloten in 
zu bringen. 



Anleitung für den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 323 

Bei verdübelten Trägern muss die Entfernung der Träger so groß 
, dass die Dübel nachgetrieben werden können. 

Wie aus dem angefühi-ten Beispiele ersichtlich ist, kann man auch 
Annahme von größeren Trägerentfernungen die Dimensionen der 
rtructionstheile leicht bestimmen. 

e) stoße der Balken in den Trftgeim. 

In der Eegel werden bei allen Brückengattungen die Stöße über 
Auflagern angeordnet, weshalb die Träger als frei aufliegend und 
t als continuirlich zu betrachten sind. 

Gekuppelte Träger werden gewöhnlich fortlaufend über die Auf- 
r gelegt, weshalb hier Sattelhölzer wegen Verbreiterung des Auf- 
rs unbedingt angewendet werden müssen. 

Ist man jedoch gezwungen, innerhalb der Unterlagen Stöße in den 
en anbringen zu müssen, so muss dies womöglich an gedrückten 
te oder in der neutralen Axe stattfinden, u. zw. inmier möglichst 
; von den Maximalmomenten. Stöße an gezogenen Stellen können nur 
jangewendet werden, wo das Moment klein ist, und müssen durch 
^ Seitenlaschen sowie durch Sattelhölzer gedeckt werden*). 

/) Bereohnung des Belages. 

Die Bohlen werden wie einfache Balken von der Breite b und der 
k (Dicke- 5) berechnet. 

Der größte Kaddruck ist hier Ibllkg; derselbe wirkt auf die Bohle 
|er Mitte zwischen zwei Balken. Die gleichmäßige, diesem Kaddrucke 
prechende Belastung P ist gleich 3022%. 

Die Querschnittsdimensionen der Bohlen ergeben sich aus 

I '«•=i"~i'''. ^♦«) 

|Bi e die Entfernung der Balken (Träger) von Mitte zu Mitte be- 
iet; genauer jedoch wäre die Berechnung, wenn man für e den lichten 
land der Balken nehmen würde. 
Wird b zu 25cm angenommen, so ist 

S -- y^80~e; 241) 

4 = 30cm ist 

8 = ^70^ 242) 



•) Die Entfernung der Stöße in den über- und nebeneinanderliegenden Balken 
mindestens 2m betragen. 



824 Kropaiek. 

Bei qnadratischein Staffelholz ist ft = S = i, diher 



rund. 



Bei Bundholz ist 



$ =:K2000« = 2} 






daraus 



=v/^ 



10000« 



= ly.* 



Die Besnltste aus diesen Fonnelii sind in nachstehender 1 
angegeben. 

Tabelle XIX. 



Satferiuiag der BaUten- 
mitton 


0-4 


0-6 


0-6 


0-7 


0-8 


0» 


lO 


Sllrko der Pfosten] ^ = *» 


6-5 


6 5 


7 


7 5 


8 


8-6 


9 


8- 16 = 80 


6» 


G 


6 6 


7 


7-6 


8 


82 


Qaftdratiaehes Staffelhols 


9 5 


10 


10-5 


11 


11 5 


12 


12-5 


RundhoU dl = 


11 


12 


12-5 


IS 5 


14 


14 6 


15 



Wird statt der Entfernung von Mitte zu Mitte die lichte 
genommen, so ergeben sich die Dimensionen um ca. l'bcm klein 
oben angegeben; man kann für die graphische Darstellung nehme 
bei Pfosten 



= — (« + 4)ow., . • , 



beim quadratischen Staffelholz 



und bei Kundholz 



= -r- « 4- 5cm ^=28, rund. 
4 



d -■= — 4" 6'5om = ' ', », .... 

wobei e in Decimetern einzusetzen ist. 

Im allgemeinen ist der Belag bei halbpermanenten Brückei 
die Hülfte stärker als bei Nothbrücken. 



Anleitung für den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 327 

Bns drei 20cm starke Piloten bei 2m hohen Jochen nehmen. Bei 
1^ hohen Jochen sind 25, bei 6m hohen Jochen 30cm starke Piloten 

ig- 

Die auf eine Pilote entfallende Belastung darf bei 4m Höhe nicht 
er als lOMOkg sein. 

Bei höheren Jochen ist die Belastung im umgekehrten Verhält- 

zu 4m Höhe zu nehmen. 

Die nöthige Zahl der verticalen Tragpiloten ergibt sich bei einer 
'breiten Brücke aus der nächsten Tabelle. 

Bis zu I5m Spannweite genügen einfache, von 16 bis 25m 
elte, darüber hinaus drei- und mehrfache Pilotenjoche. Die An- 
chnahme pro cm» bei Piloten kann bis 8m Höhe mit 30%, über 

Höhe mit 20% pro cm* angenommen werden. 

Bei Jochen mit Sohlschwellen gelten dieselben Eegeln, nur beträgt 
I Quadratseite der Ständer V^ vom Pilotendurchmesser. 

In der folgenden Tabelle ist nur die Zahl der verticalen Trag- 
en angegeben ; es sind deshalb bei einfachen Jochen zwei, bei dop- 
jtn vier, bei dreifachen sechs Strebepiloten — welche 10 bis 20° Nei- 

haben - zuzuschlagen. 

Bei starken Eisgängen sind die stromaufwärtigen Strebepiloten, 
lie zugleich als Eispiloten dienen, doppelt, selbst dreifach zu nehmen. 

Als schwimmende Unterlagen werden meist größere Schiffe, u. zw. 
ehmlich Schleppschiffe verwendet, deren Tragfähigkeit in der bereits 

Uten Weise ermittelt wird (Formel 127). 

Zur Beurtheilung der Zeit, welche für das Einranmien sammt Auf- 
Bn und Abtragen des Gerüstes und Schlagwerkes für die Piloten 
ist, dienen folgende Anhaltspunkte: 

1. Ist d der Durchmesser und w die Einrammungstiefe in Metern, 
fordert das Einrammen der Piloten, wenn w < 2m, im leichten Boden 

N == 2-5 dw, 
littleren 

N=3dw 
lim festen 

N= 3-5 dw 

liwerke ; wenn u; > 2 m ist, so sind die bezüglichen Werte 
N ^= 5 dw, 7 du7, 9 dtc. 

2. Für Brückenpiloten, welche über 8m lang oder mehr als 1:6 
^igt sind, sind die angegebenen Tagschichten um lOVo zu erhöhen, 
ergl. „Baugebühr- Ausmaß^, Seite 82.) 



328 








K 


r 


p & e i k. 






« 


■ 








Tabelle 


XX. 










8piUi»w«1te 

in «. 


BfllMtan« ÜBT UBt«fl*Fe 


d j( 

11 


< 


='5 

3 ja 




mikrkr der 

■chwcinen 

h = 


4 


? = 4fti^ 


^ = 47& 


^ = 480 


g = 


= 4Äü 


q = 47^ (4eo> 


g^450 


(4IO'i 


i 1 




S3fi< 


040^ 


1 l 






6 








1 


■ 


l*90i 


I^OÜt 


11 






6 








$ 


iStüf 


lueft« 


U*»Qf 


11 






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S7 9 


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l 


1.^00* 


2(.t6ü( 


9&mt 


11 






^ 


^«■5 


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S400f 


11 






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f y e 


3ti 4 


Ifl 


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4U0f 


1 1 






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25 5 


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1 1 






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*Ä 7 


26 « 


1 


I» 


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«U|j$5f 


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1 03 





14- a 


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1 


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U 


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7 


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11 


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15 


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lU^bt 


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Q 


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Ü 71 


B 


2.7 ,1 


2» H 




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itsmt 


1«*{40* 


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il 


22 


22 4 


t» 


n 


t^mt 


i^siht 


I^fiOO' 


II 


«7 




tu 


y 


22 4 


22 a 


16^ 


m 


tmm 


lUWt 


I45KÜ< 





ei 


s 


dt 


» 


22 7 


231 


l«l 


m 


IfiDlOf 


lM»5t 


lii5W< 





il 




.^ 


1(» 


£4 i 


2fi-4 


U 


tu 


IßtHiOt 


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1««(MH 





fv§ 




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li» 


Ȁ'3 


S5 a 


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Kl 


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&« 




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2U 4 


2W 2 


19 


n 


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2a 7 


27 Ä 


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a 


27 1 


27-7 


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47 : 


11 < 


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11 


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13 


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1886. 



SeUenausldiL 



Tilfdil 



geÄTwiehtA 




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^ r^~T 




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I 



Autnc ;t!i fiki.^aMsiioOmiU' 



329 



|aktii 



sehe Anleitung für den Entwurf von Noth- und halb- 
permanenten Brücken zum Feldgebrauche. 



Tielen praktischen Tabellen und zwei Graphikons zum directen Ablesen aller 

Dimensionen 

von 
Johari-n SZropa6«]K, 

Hauptmann im k. k. Pionnier -Regiment e. 

(Hiezu die 2 Graphikons, d. i. Taf. 12 und 13.) 

[Scbltu«*}.] 

D, Entwarf der Yerstärkangen Ton Brücken. 

1. ünterzüge. 

ünterzüge erfüllen bei gewöhnlichen Balkenbrücken, wenn dieselben 
die Bandbalken befestigt sind, nur den Zweck, letztere ebenso zu 
tnspraclien, wie die anderen Balken. 

Ist der Unterzug an allen Balken befestigt, so wird die Last 
Ihezu gleichmäßig auf alle Balken vertheilt. Bei starkem Wagenver- 
sind deshalb ünterzüge vortheilhaft, weil die Eaddrücke auch auf 
nebenliegenden Balken übertragen werden. 

Bei einfachen Balkenbrücken befestigt man die ünterzüge häufig 
starke Saumschwellen, welche ebenso stark oder stärker als die 
lalken gehalten werden, und erhält dadurch nicht nur eine gleich-^ 
;e Vertheilung der Last, sondern auch eine Brückenverstärkung, 
die Saumschwellen wie die Balken mittragen; die Saumschwellen 
in in diesem Falle von Unterlage zu Unterlage reichen. 
In den genannten Fällen wird die Stärke des ünterzuges constructiv 
Ihlt und dieser in der Begel ebenso stark oder schwächer als die 
;en gehalten. Bei kleinen Brücken wird man keine ünterzüge an- 
iMftden, weil der Bohlenbelag auch zum Theile die Last vertheilt. Bei 
!*luppelten Trägern wendet man die ünterzüge oft nur deswegen an, 
DOQ eine horizontale Windverstrebung anbringen zu können. 



*) Beginn und Fortsetzung dieses Artikels vergl. Größere Aufsätse, S. 197 
^ 5. und S. 286 des 6. Heftes, Jahrgang 1887, dieser „Mittheilungen". 

36* 



330 



Kro^i£«k 



Bei Häng- und Sprengwerkea, El^tzelbolztrigern, welche mi 
Oeländerträger verwendet, werden die Unterzüge wie die ^Kaffatk 
der Joehe beansprucht and bereebnet. 

Da die Randbalken bei diesen Oattangen der Brücken kna^ 
die HanpttrSger ansebliefien, so kann dia anf einen Untenrag 
Lirt all gleiebmiffig ? ertheUt angenocuiieii irtrdeiL 

Die Momente der in den Balken c^ncentiirtan Lasten sind 
ganz gleich jenem der gleichmäßig ?ertheilten Last 

Ist Z die Belastung eines tJnterzuges bei den letzt] 
Brfickenconstnictionen, t die &eie Weite desselben, so sind die 
niomente wie in nachstehender Tabelle angegeben: 

Tabelle XXL 



AtiTAbl <l<*r TlaULt^n 



1 f 



10 



üttKlttul-Hoiiinl > 



jgff £f 

VI' 






XI 






8J 



15 _ 



£t 



t«» 



lä 



Der Unterzug wird demnach nach dem Momente 



resp. nach 



8 



3 



berechnet; wird jedoch der Unterzug in anderen Punkten noeh 
Htützt, m dasä er in n Theile getheilt wird, $o ist 

3 11* 



Genauer ist es jedoi^h. wenn man wie bei Kappschwellen d*^r 1 
permant^nten Brücken dio freie L^nge de* Unterznire^ durch dif^ 
ettifemuntr dividirt, n;lnilich 



n 



und, tucbdtnn n zwischen i> und L 1 und 2^ 2 und 3 tL >, w 
2 1\ t P \h s, w. %h gleichinaüitre Rt^]a.<tiin^ df s freien Thril'^ 
rnterruir«^?; anitimmU 



Anleitung fttr den Entwurf von Noth- und halbpennanenten Brücken. 331 

2. Sattelhölzer. 
a) Einthftilung. 

Man unterscheidet Sattelhölzer mit und ohne Streben. 

Bei Sattelhölzern ohne Streben sind vier Hauptanordnungen möglich : 

I. Die Balken sind über den Sattelhölzern gestoßen und mit diesen 
i verklammert. 

IL Die Balken sind über den Sattelhölzern stumpf gestoßen und 
diesen durch Schrauben, eventuell auch mit Dübeln verbunden. 

III. Die Balken laufen continuirlich über die Sattelhölzer und 
l nur durch Klammern befestigt. 

lY.' Die Balken sind continuirlich und mit den Sattelhölzem durch 
trauben, eventuell auch mit Dübeln (Zähnen) verbunden. 

b) Sattelhölzer ohne Streben (Fig. 21 und 24). 
I. Die Balken sind gestoßen und verklammert. 

Nennt man z das totale und z^ das Eigengewicht pro Längenmeter 
Iken, so ist das größte auf das Sattelholz wirkende Moment von der 
alen Belastung 

»in a die halbe Länge des Sattelholzes bedeutet. 

Die ungünstigste Belastung tritt für einen Balken ein, wenn dieser 
itt belastet ist, jene der angrenzenden Felder jedoch nicht belastet 
id, denn in diesem Falle rückt der im Punkte C wirkende Auflager- 
ttk von C gegen A, während das Eigengewicht des anschließenden 
Ikens am Ende des Sattelholzes in D wirkt. Die Spannweite des 
asteten Balkens wird also ' durch diese Belastungsweise vergrößert. 

Am Sattelholze findet Gleichgewicht statt, wenn 

%zja= V^zla, 266) 

woraus sich ergibt: 

Ze « 

"• = — 



;, =;_2va 256) 



332 K r p s c e k. 

Das Moment in der Balkenmitte isrt 



ztl, 
4 



8 



oder 



M = -^zl{2l,-l) 




Setzt man den früher gefuDdenen Wert von f^ ein, ao ist 

A, = |,;.(,-i^«) m 



Nack Dr, E. Winkler's ^Brückenbau** ist die halbe Sattelhohliiip 

s ~ der Spannweite* Hier wii 
o 

die letztere Zakl gewählt^ daher 



— bis ~ der Spannweite* Hier wird analog dem „Technisehen Untemcktt* 
5 o 




Anleitung fflr den Entwurf von Noth- und halbpennanenten Brücken. 333 

weite /,, so wird durch die Anbringung des Sattelholzes diese um die 

halbe Länge desselben oder um -~ vermehrt. 

Ist beispielsweise die Höhe des 3:4 beschlagenen Balkens 33cni, 
so entspricht diese Dimension einer gewissen Spannweite, die sich aus 
folgender Gleichung findet: 

3 i + 12 = 33, 
3Z =21, 

;,= 7. 

Wird ein Sattelholz angewendet, so kann die Brückenfeldlänge 

^=7 + y = 8m 

betragen. Heißt h die Höhe des Balkens, \ jene des Sattelholzes, so 
ergibt sich h aus: 



und h^ aus 



6 



6 ' 2 16 



Dividirt man beide Gleichungen durcheinander, so ist 
A/ ^ z ZV 64. 8 _32 ^ 2 
A« "■ 16 .2.49/« ~49 "" 3' 

^ = 0-8 261) 

d. h. das Sattelholz könnte nur 0*8 A als Höhe erhalten. Berechnet man 

auf die angegebene Weise -Y-fur verschiedene Werte von — , so erhftlt 

n z 

man stets eine kleinere Sattelholz- als Balkenhöhe. Praktisch jedoch 

nimmt man beide Höhen gleich, d. i. 

A, =A 

an. In der vorhergehenden Rechnung wurde, wie dies ersichtlich ist, die 
Sattelholzbreit^ gleich der Balkenbreite angenommen. 

In den Endfeldem würde der Balken bei gleicher Felderlänge, da 
nur auf einer Seite ein Sattelholz angebracht ist, mehr beansprucht 
werden als in den Mittelfeldern, denn der Balken müsste in den End- 
feldem nach der Spannweite l — Ti: = 17 ' berechnet werden. 



334 Xropa^ek. 

Da aber bei allen Feldern gleiche BalkenstiLrken Anwendimg I 
so muss die Spannweite der Endfelder derart verkürzt werden, das 
hier die Balken nach der Spannweite Vt^ ermittelt werden li 
Diese Verkürzung müsste genau 0*1 der Spannweite betragen: g< 
lieh macht man das Verhältnis der End- zu den Mittelfeldern wie 
die Endfelder sind deshalb nm */« verkleinert 

Ist jedoch in der Brücke nur Ein Zwischenjoch vorband 
werden die Balken nach der Spannweite "/^^ / berechnet. Die 
Bechnnng zn nehmende Balkenlfinge wird demnach immer bis zn: 
der halben Sattelhölzer gemessen. 

IL Balken, stumpf gestoßen und verschraubt ( 
and 25). 

Wenn die Balken solid mit dem Sattelholze verbunden sii 
jeder Seite des Sattelholzes mindestens zwei Schrauben )« so können 
als continuirliche Träger berechnet werden: das größte Maiimali 
ist daher 

Um die Träger wie fireiaufliegende behandeln zu können, so 
für diesen Zweck eine kleinere Spannweite gewählt werden : diese 1 
ergibt sich aus 

zf* z{xh* 



12 8 

3ir« = 2 

Der Balken kann deshalb als ein freiaufliegender von der l 
weite V« / betrachtet werden. 

Entspricht also irgend einem Balkenquerschnitte eine Span 
von /, iw, so kann diese durch die eben besprochene Art Satte 
um • , vergrößert werden. 

Diese Vermehning der Spannweite \ um V, /, entspricht 
der * .fachen Länge des Sattelholzes. 

Nachdem hier das Sattelholz das ganze negative Pfeilern 
allein aufEunehmen hat und dieses nach der Lehre vom continui 
Träger «Dr. Winkler's ^Brückenbau'* i ca. l*61mal so groß als das j 
Moment ist, so muss auch der Querschnittswert iA/ des Satte 
l'61mal so viel wie jener des Balkens betragen. 



Anleitung für den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 335 

Bei gleicher Breite von Balken und Sattelholz muss demnach 

6A/= 1-61 iÄ* 263) 

er 

h, = 1-27 Ä= V/^h 264) 

Aus diesem folgt, dass beim stumpf zusammenstoßenden Balken 
bei fester Verbindung mit dem Sattelholze dieses y^mal so hoch 
i muss wie der Balken. 

Entfiele ein Sattelholz als zu stark, so müssten zwei solche ge- 
mien werden, wobei 

2iA,« = 1-61 bh\ 
er 

h^ = 0-9 h 
i würde. 

In den seltenen Fällen, wo zwei Sattelhölzer genommen werden, 
sa das obere Sattelholz etwas länger als das untere genommen werden. 
3 Verhältnis der End- und Mittelfelder ergibt sich auch hier wie 5 : 6. 

ni. Continuirliche Balken, verklammert. 

Bei gleicher Höhenlage der Stützen würden sich die Balken in 

Mittelfeldern nahezu wie continuirlich verhalten. Nachdem sich jedoch 

Balken vom Sattelholz abheben kann und die Stützen (Joche etc.) 

genau gleich hoch sind, ist es verlässlicher, den Balken als frei auf- 

[end nach der Spannweite %l wie im Falle I zu berechnen. 

Die Höhe des Sattelholzes entfällt hier, wie im Falle I, niederer 
jene des Balkens. 

In der Praxis wählt man jedoch, der Einfachheit und gleicher 
istructionstheile halber, beide Höhen gleich. 

Das Verhältnis der Spannweiten zwischen End- und Mittelfeldern 
ragt hier gleichfalls 6:6. 

IV. Balken, continuirlich und verschraubt. 

Die Balken sind in diesem Falle nahezu als an beiden Enden ein- 
»annt zu betrachten, daher nach der Spannweite ■/«/ zu berechnen. 

Da die Balken mit dem Sattelholze verschraubt sind, so müssen 
le das negative Pfeilermoment aufnehmen. Da letzteres, wie bekannt. 



336 Kropa^ek. 

gleich ist dem l*61faohen positiven Momente^ so muss hier die Summe te 
Qnerschnittswerte von Balken nnd Sattelholz gleich sein dem 1*61: 
Qnerschnittswerte des Balkens. Wenn nnn b und h^ resp. b und \ 
Breiten nnd Höhen vom Balken und Sattelholz sind, so muss 

6Ä« 4- JA,« = 1-61 bh* , 

A, =Al^Öh6i 

A, = 0-8 A 26^ 

sein. 

Die Höhe des Sattelholzes wird auch hier aus constmctiven Qrflnd» 
gleich der Balkenhöhe gemacht. 

In der Regel findet man in der Praxis nur die Fälle I und E 

Das Verhältnis der End- und Mittelfelder wird hier wie 6:6 ao- 
genommen. 

c) Sattelhölzer mit Streben. 
I. Eintheilung. 

Man unterscheidet hier zwei Fälle: 

1. Die Balken sind mit den Sattelhölzem nur durch Elammcn 
verbunden. 

2. Die Balken sind mit den Sattelhölzern verschraubt. 
Continuirliche Balken kommen bei Sattelhölzern fast gar nicht vor, 

in der Regel sind die Balken über den Sattelhölzern stumpf gestoßei. 

II. Balken, mit Sattelholz verklammert (Fig. 28 und 33). 

Die Länge des Sattelholzes ist von früher gleich dem vierten Theila 
der Spannweite. 

Der Balken verhält sich hier wie ein frei aufliegender von dtf 
Spannweite 

/, = V,/. 

Entspricht also einem Balkenquerschnitte eine Spannweite von ( *S 
so wird die Spannweite bei Anbringen von Sattelhölzern mit Strebü 

um -^ vergrößert, es ist daher 

mau kann auch sagen, dass die Spannweite l^ um die ganze Länge des 
Satt^lholzes vergrößert wird. 



Anleitung für den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 337 

Das Sattelholz wird hier nur durch die Componente H beansprucht, 
welche bei unter 45® geneigten Streben 

fl = 2> = ^ 
2 

ist, der Querschnitt entfällt daher immer gering. 

Bei excentrischer Anspruchnahme muss der Zug H gleich viermal 
so groß genommen werden, d. i. 

H=iD = bh^k 267) 

Der Druck in der Strebe ist bei 45® geneigten Streben 

5=r4i2>, 

bei etwas größerer Neigimg 

S=V/^Ü 268) 

Wirkt, wie gewöhnlich angenonmien wird, der Druck eicentrisch 
an der unteren Fläche der Strebe, so wird der Druck S vervierfacht, 
daher 

,S^ =4Ä=6i) = ««t, 269) 

Die Sattelholzhöhe wird hier, da sie immer zu gering entf&Ut, 
constructiv gewählt und gleich der Balkenhöhe angenonunen. 

Die Quadratseite der Strebe ergibt sich zu 0*45 bis 0*85, im Mittel 

zu 065 der Balkenhöhe oder zu — . 0*65 = 0*9 der Balkenbreite 

ö 

(Sattelholzbreite). Praktisch wird die Quadratseite der Strebe höchstens 
gleich der Sattelholzbreite, jedoch nicht weniger als V4 derselben gemacht 
Die Endfelder werden '/.mal so groß als die Mittelfelder an- 
genommen. 

IlL Balken, mit dem Sattelholz verschraubt (Fig. 29 

und 34). 

Bei wirklich solider Verbindung der Balken mit den Sattelhölzem 
und gleicher Höhenlage der Stützen könnten die Balken als beiderseits 
eingespannt angesehen werden; dies wird jedoch selten alles genau zu- 
treffen, weshalb es verlässlicher ist, die Balken als frei aufliegend mit 
der Spannweite 

zu berechnen. 

Die Höhe der Sattelhölzer ergibt sich hier zu 0*75 bis 0*95 der 
Balkenhöhe, im Mittel zu 0*85 h, wird jedoch aus bekannten Qründen 
^'leich der Balkenhöhe gemacht. Die Stärke der Streben ergibt sich nach 



338 



K r p a c f k. 



Dr. E. Winkler zu 0*55 bis 1*00 fe, im Mittel zw 0'78/* oder rujid * =< 

Balken- (Sattelholz-} Breite. Bei eontinuirlielien Trägern gelten dies^^lh 
Kegeln wie bei I nnd II, nämlich wie fiir die Verbindung mit 
mern cnler mit Schrauben. 

Die Länge des über die Strebe reichenden Sattelbalztbeiles (Tj| 
kopfes) nmüs gleich der l'/,fachen Sattelhalzbreite sein. 

Die Starke der Schrauben soll mindestens *\^ der Sattelhokbr 
betragen. 

Das Verhältnis der End- and Mittelfelder beträgt hier gleid 
falls 6:6. 



d) Anw en dang der Sattelhölzer. 

Wird das tlber Sattelholzer und über die Kopfbüge Gesagte 
sammen gezogen, so ergeben sieh nachfolgende Kegeln: 

I. Gewöhnlich werden die Balken stumpf über den Sattelhab 
gestoßen und mit diesen durch Klammern verbunden. In diesem Fal 
int die Höhe des Sattelliolzes gleich der Balkenhöhe, die Länge 
selben gleich einem Viertel der Spannweite. Die Bere(*hnung der BaU 
erfolgt so, alsf ob dieselben eine Spannweite von ', / hätten; diese 
um die halbe Sattelholzlänge vergi-Ößert 

IL Ist die Verbindung der gestoßenen Balken mit den Sattel! 
zern mindesteii?^ durch vier Sclirauben hergestellt, so werden die Ball 
nach der Spannweite *4/ berechnet; letztere wird um */', der Salt 
bolzläuge vergrollert. Die Hohe des Sattelholzes ist hier gleich 
^/^fachen Balkeohöhe, Ist ein Sattelholz zu stark, so können zwei lo 
der Balkenhöbe geßoramen werden. 

II L Bei Sattel hölzeni mit Streben werden die Balken nach 
Spannweite *4/ ennittelt: letztere wird um die ganze Länge des Saö 
holzes verlängert. Die Höhe des Sattelbolzes ist immer gleich der Balkd 
höbe, die Breite der Streben entweder gleich oder etwas schmäl« 
die Breite des Sattelholzes. 

rV. Die Endfelder werden immer V^ von den Mittelfeldern 1^ 
gemacht. Niir wenn hei den Widerlagern auch Streben angebracht 
können alle Spannweiten gleich «ein. 

V. Bei gekuppelten Trägern wird auf die Tragfähigkeit des SaÖ 
holzes keine Kücksicht genommen, da dieselben nur zur Verbreiter 
des Auflagers dienen. Die Länge des Sattelholzes kann hier desii 
kurzer als gewöhnlich ibis '/, so lang) gewählt werden. Die Sattt'l- 
holzhöhe wird meist gleich der Höhe eines Balkens im gekupp^^lt«*» 
Träger gemacht. 




Anleitung fttr den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 339 

Streben werden bei Sattelhölzern, welche unter gekuppelten Trä- 
n liegen, nicht angewendet, weil erstere nicht so stark gehalten 
den können, um die Träger nach der Spannweite %^ berechnen zu 
nen. 

Nachdem bei halbpermanenten Brücken die gekuppelten Träger 
it als continuirlich angeordnet und berechnet werden, so sind deshalb 
Streben in diesem Falle zwecklos. 

f) Besondere Gonstmotioneh bei SatteUiölserD mit Streben. 

Die früher über Sattelhölzer mit Streben besprochenen Construc- 
en bedingen gleiche Anzahl Piloten und Balken; dies kann jedoch 
nanchen Fällen nicht eintreffen, und man wird zu besonderen Con- 
ictionen greifen müssen. 

Das einfachste, jedoch viel Holzmaterial erfordernde Mittel ist die 

mngung von ünterzügen ober den Sattelhölzern (Fig. 20); gewöhn- 

L nimmt man drei solche ünterzüge und kann auf diese die Balken 

bei den einfachen Balkenbrücken nebeneinander (übergreifend) legen. 

Die Anzahl der Piloten und Balken ist hier vollständig voneinander 
ibhängig; es können Sattelhölzer unter jedem Balken und ober jeder 
lote angebracht werden. 

Es kommt auch vor, dass Sattelhölzer unter jedem zweiten oder 

(tan Balken angebracht werden; in diesem Falle muss der Quer- 

nittswert eines Sattelholzes auch ebenso oftmal so groß sein. Gleiches 

f&r die Streben, wenn nicht unter jedem Balken diese angeordnet 

1: der Querschnitt muss dann 2-, 3- mal so groß werden. 

Ist die Zahl der Piloten und Balken verschieden, so kann man auch 

»r jedem ein Sattelholz und unter diesen zwei Unterzüge anbringen, 

m welche sich die Streben von den Piloten aus stützen können. 

nicht verstrebten Sattelhölzer sind dann von den ünterzügen unter- 

zt. Die Stützen müssen in diesem Falle einen entsprechend größeren 

rschnitt erhalten. Die ünterzüge werden nach der freien Länge u 

chen ihren ünterstützungspunkten berechnet. Es wird demnach als 

^bmäßige Belastung eines solchen Theiles von der Länge t/, wenn 

u 
i e die Entfernung der Balken bedeutet, — P angenommen; P ist 

s 

u 
gröütmögliche Belastung eines Balkens, — wird zwischen und 2 zu 2, 

chen 2 und 3 zu 3 u. s. w., wie dies bei den ünterzügen gezeigt 
de, angenommen. 



340 



K r »> p a e k. 



Eine Schraube hat bei diesen Unterzügen ebensoviel zu tr 
als die Belastung zwischen zwei Schrauben ausmacht, und darf w^ 
der vielen Erschütterungen höchstens mit 600% pro cm' beanspr 
werden. 

3. Spreng werke» 

ö) Einfaches Sprengwerk (Fig, 26). 

Durch ein einfaches Sprengwerk wird ein Brückenfeld in zwei U 
nere getheilt, wodurch also die freie Länge der Balken auf die 
reducirt wird. Auf die Continiiitat der Balken wird keine Ruck^i^ 
genommen, sondern e.^ werden die Balken so berechnet, als ob sie 

aufliegend gleichmäßig belastet wären und die Spannweite — - 

hatten. 

Wird mit B die Belastung des ganzen Brückenfeldes bezeici 
so entfallt auf einen Unterzug die Last 



Der unterzog wird ebenso berechnet, als ob die Last Z glrid 
mafiig über denselben vertheilt wäre. Seine Höhe entfällt daher ebea 
stark wie die eines Querträgers t Kappschwelle i i>ei der Spannweite *J 
Ist die freie Länge des ünterzuges zwischen zwei Sprengrippen gleich! 
die Entfernung der Balken gleich e, so ist die Anzahl Balken, wdci 
zwischen zwei Sprengrippen eiitt^Ilt. 



und die Belastung des Unterzuges zwischen zwei Sprengrippen — . P. w4 

für — die nächst größere ganze Zahl, mindestens jedoch 2 g»*!M»a 

werden mnss. Sind nur zwei Sprengrippen vorhanden, die Brückeabmi 
gleich f. so muss der Qtierschnittswert bei halbpermanenten Brücke 



sein, und es ist 



"• = y 2' 



"• = t4«'-S«' 



271] 



Anleitung fBr den Entwarf von Noth- und balbpermuienten Brflcken. 34X 

Bei Nothbrücken: 

Zi 6 < hBt 

Wird der Unterzug durch die Sprengrippen in tu Theile getheilt, 
so ist der Druck in dem Knotenpunkte einer Sprengrippe 

i)=— 272) 

m 

Bei zwei oder drei Sprengrippen entfällt auf jede die halbe Be- 
lastung des Unterzuges, daher in der oberen Formel m = 2 zu setzen 
ist; wenn daher die Unterzüge nicht zu stark ausfallen, so ist es nicht 
rationell, drei Sprengrippen anzunehmen. 

Der Neigungswinkel der Streben gegen den Horizont darf 22*/, 
bis 35* betragen. 

Nachdem in der Wahl der zulässigen Anspruchnahme jedoch für 
Druck, resp. Knickung inmierhin eine Willkürlichkeit besteht und durch 
Berechnung in der Kegel zu kleine Dimensionen der Streben erhalten 
werden, so spU hier für alle gebräuchlichen Strebenneigungen der Mittel- 
wert von 30* eingeführt werden. Bei dem Neigungswinkel von 30* ist, 
wie aus der Fig. 26 ersichtlich, der Druck in einer Strebe 

S = D 273) 

oder genauer 

S= -2-=A 274) 

2sma -^ * ^ 

/ = Querschnitt der Strebe, A\ = zulässige Pressung pro Quadrat- 
centiraeter 

sin 22 V/ = 0-4, 
sin 35® = 0-6. 

Der Mittelwert von den ermittelten Zahlen ist 0*5, was dem Sinus 
von 30** entspricht. 

h) Doppeltes Spren§rwerk (Fig. 31). 

Jeder Unterzug hat beim doppelten Sprengwerk */, <i^r Belastung 
eines ganzen Brückenfeldes zu tragen, daher 

Z=|-i5 275) 

Die Höhe des Unterzuges entfällt ebenso stark wie jener des 
i^ut^rträgers bei der Spannweite V, /. 



U2 



Kropft^ek. 



Duroh die zwei Uüterzü)y^e wird das ganze Brückenfetd iö 
TheiJe getheilt deren Laugen sich oaeh der Lehre der eontinnirlie 
Träger nahezu wie 5:6:5 verhalten. 

Der Unterzug wird mit Kiiek^ieht auf seine eben angegebene 

lajstung wie bei dem eiüfa<^beü Spren^w^erke berechnet 

Bei zwei Sprenginppen ist für halbperinaiiente Brücken 

bei Xothbrücken wäre natürlich 



zu setzen. 

Wird wieder wie früher die Theiluugszahl des ünterzuges miil 
bezeichnet, !?o ist der Druck in einem Knotenpunkte der Sprengripp*» 1 

/ 



D = 



m 



Bei zwei oder drei Sprengrippen ist m =^ 2 zu setzen. 

Die Balken werden als frei aufliegend, gleichuiälüg belastet 
"rechnet und die Spannweite hiebei gleich CE genoniuien. 

Beznglich der Neigungswinkel der Streben gilt da&* bei einfach 
Sprengwerken Gesagte, es wird daher der Winkel a zu 'SO^ angenommd 

Die Strebe hat bei diesem Neigungswinkel einen Druck von 

^^ = 2 Z? , . . 27( 

auszuhalten. Wie aus der Zerlegung der Kräfte ersichtlich ist, wird 
SpannriegeL da H immer kleiner als S ist, weniger beansprucht als 
Streben, konnte de^^halb schwächer gehalten werden. 

Ob der Einfachheit der Construction und der möglichsten Gleichh^| 
der Constriictionstheile, daher leichteren Erzeugung derselben wird 
Spanuriegel ebenso stark wie die Streben gemacht. 



t) Hebrfache Sprengwerke. 

Heißt n die Anzahl Theile, in welche die ganze Brücke du 
die ünterzüge getheilt wird, und B die Belastung des ganzen Feld 

3 ß 

so M der Druck auf das Widerlager -— . — , auf den zunächst befinJ 

^ 8 n ^ 

liehen Knotenpunkt -^ . • — und auf die übrigen Knotenpunkte —, 



Anleitnng für den Entwarf von Noth- und halbpermanenten Brücken"". 343 

Nachdem sich die Continuität der Balken infolge der verschiedenen 
benlage der Stützen durch Senkungen etc. ändert, daher nicht ver- 
ilich ist, so werden die zwischen zwei ünterzügen liegenden Balkentheile 
it als eingespannt, sondern als frei aufliegend und gleichmäßig be- 
et behandelt Es sind deshalb die Balken bei halbpermanenten Brücken 
h der Formel 

M= — bh* = 18 bh* = 



t 



6 8n 



''' = i-^ 279) 

berechnen; P ist hier die totale Belastung des ganzen Balkens von 

Spannweite /. 

PI 
Bei Nothbrücken ist bh^ =: --—z zu setzen 280) 

Die ünterzüge haben der Reihe nach vom Auflager gegen die Mitte 

TD T> 

e Lasten Vg — , — kg zu tragen und werden mit Rücksicht auf diese 

elastong auf die bereits bekannte Weise berechnet. Der größte Druck 
i den Streben ergibt sich aus 

S=^D-±.±=±^^ 281) 

ö Win ö fnn 

Durch die Bedingung, dass die Strebenfüße über dem höchsten Hoch- 
Wwser liegen sollen und den kleinsten Neigungswinkel der Streben 
»gibt sich die Maximalspannweite eines Sprengwerkes. Das Verhältnis 
Itt Längen der End- und Mittelfelder beträgt 5 : 6. 

Das Eigengewicht wird bei allen Arten von Sprengwerken unter 
iigrundelegung der ganzen Spannweite l ermittelt. 

4. Hängewerke. 
a) Einfaches H&ngewerk (Fig. 32). 

Der Neigungswinkel der Streben wird ebenso und aus gleichem 
runde wie bei Sprengwerken zu 30® angenommen. 

Der ünterzug hat V« der Belastung eines ganzen Brückenfeldes 
1 tragen. Die Höhe des Unterzuges entfällt ebenso stark wie die eines 
juerträgers bei der Spannweite y^Z. Nachdem gewöhnlich nur zwei 

37 



344 



K r p a r' e k. 



Häng- (Spreng-) Kippen Anwendmig finden, so ist der Zug 
Hängsäule 



m 



D = 



Zerlegt man D in zwei Componeiiteu, so ergibt sich der Dn| 
den Streben zu: 



S=D^^ 



Da die Streben auf Knickfestigkeit, die HaugsJüuIe auf Zw 
keit in Anspruch genommen werden, erstere Festigkeit jedoch 
als die Zugfestigkeit ist, ferner weil sowohl Strebe, als Hängesäuli 
derselben Kraft io Anspruch genommen werden, so ist e« klar, dasi 
Häugsäule -schwacher gehalten werden kann als die Streben. Weai 
Hängsäule ebenso stark gemacht w^ird wie die Streben, was gewöl 
geschieht, ho ist vollständige Sicherheit vorhanden; die Annahme gU 
Querschnitte hat, wie schon erwähnt, auch den Vortheil, das:^ mt 
Constructionstheile gleich diniensionij't sind, daher die Entengung lei 
ist. Wenn keine zu groÜen Differenzen in den Dimensionen der Ä 
und Streben durch Rechnung resiiltiron, so kanu man die Seita 
Streben und Hängsäulen gleich der Balkeiilireite machen. 

Die Balken sind als frei atifliegeßd gleichiuäßig belastet zu U 

dein, und es ist die Spannweite zu ilC= — zu nehmen- 

Zwischen 1-5 und 3m H5he sind Hängewerke nicht zu empfe 
weil die Querverstrebungen, resp. horizontale Windversteifungeii 1 
angebracht werden können. Die Vorköpfe müssen bei den Balkeu ! 
bei den Hängsäiilen 1'5^ betragen, wobei h die Balkenbreite bedl 

Ein Hängeisen hat den Zug D ausÄuhalten: nachdem diesri 
tigen Erschütterungen ausgesetzt ist, so darf die Anspruchnahmfl 
Schmiedeeisens höchstens zu 600% pro nn^ angenommen werdeit 

b) Doppeltes H&ngwerk |Fig, 35). 

Ein Unterzug übernimmt ^/^ von der Belastung des ganzen 
feldes; die Unterzüge w forden in der Kegel so angebracht, dass si<( 
dadurch entstehenden kleinen Felder wie 5:6:5 verhalten. Die 
des Unterzuges ergibt sich ebenso stark wie bei emem Quer 
bei der Spannweite */g /. 

Bei zwei Hängiippen ist der Zug in einer Hängsäule 

8 16 



Anleitung für den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 345 

Der Druck in der Strebe ist bei 30* Neigung 

S=2D = ^B=fk,, 285) 

^ die Querschnittsfläche der Strebe und k^ den zulässigen Cogfficienten 
Knickung bedeutet. 

Wie die Figur zeigt, ergibt sich durch die Kräftezerlegung H 
er kleiner als S, der Spannriegel könnte deshalb auch hier schwächer 
die Streben gehalten werden ; aus bekannten Gründen werden jedoch 
e Constructionstheile gleich stark gehalten. 

Die Hängsäulen könnten, da /> = — ist, ferner da dieselben auf 

, die Streben jedoch auf Knickung beansprucht sind, bedeutend 
rächer als die Streben gehalten werden (weniger als halb so stark) ; 
Gleichheit der Constructionstheile und der leichteren Herstellung 
Holzverbindungen wegen werden die gesammten Theile gleich stark 
alten. 

Manchmal findet man zwischen den Hängsäulen Streben (Andreas- 
mie), welche den Zweck haben, das Hängwerk bei einseitiger Belastung 
• einer horizontalen Verschiebung zu bewahren. Diese Andreaskreuze 
tden am meisten beansprucht, wenn die halbe Brücke belastet ist, 
fik ergeben sich in diesem Falle kleinere Dimensionen als bei der 
ligsäule. Diese Andreaskreuze, welche in der Eegel nicht anzuordnen 
M) werden deshalb stärker als nöthig, u. zw. meist so stark als die 
|h^ulen gehalten. 

Der Zug in den Hängeisen ist gleich der Belastung der Hängsäule 
Ü beträgt wie bei dieser 

Anspruchnahme pro Quadratcentimeter darf gleichfalls zu höchstens 
}kg angenommen werden. 

Die Unterzüge, sowie die Balken werden wie beim doppelten Spreng- 
•k berechnet. 

c) Mehrfache Hängewerke. 

Die Belastungen und Querschnitte der Unterzüge, sowie die Dimen- 
len der Träger und Streben findet man wie bei Sprengwerken. 

37* 



346 



K r o p 



Jede Hängsäiüe (HänisreiseD» hat bei zwei HängrippeD die halliel 

eines ünterzuges zu tragen, daher bei den ersten HäDgeisen •/,• ^.1 

w 

den übrigen — . 

Die Streben-Eaden müssen besonders gut befestigt werden, 

einem nachträglichen Setzen möglichst vorzubeugen. 

Die Endfelder werden *4mal so lang als die Mittelfelder geji 
Das Eigengewicht wird bei allen Gattungen von Hängwerken 

der ganzen Spannweite eines Brück^^^nfeldes (/f berechnet» 

5. In an Spruch nähme de** Holzes bei Häng- and Spreu 

werken. 

Bei beiden Arten von Constnictionen werden die Streben 
Knickung — Knickfe.stigkeit — hean.^prucht Mit genügender Sich 
heit kann man annehmen, das8 bis zu dem Verhältnisse 1:30 
kleinsten Qnerschnittsdieienision znr Länge einer Strebe der Qui 
eentiraeter des Querschnittes mit 30% belastet werden kann, Ist 
AVrhältniszahl großer als 30, so wird die Anspruchnahrae proportiflj 
kleiner genommen. Auch kann man hier die Regel, wie sie bd 
Piloten aogegeben ist anwendea. Bis 8m Strebeülänge kann man 
und über Sm Länge 20% pro cm'' rechnen. Die gewöhnlich vorkommen^ 
grf^ßien Strehenlängen betragen 8 bis IQm, bei welcher Annahme sich \ 
die Maximalspannweite bei Häng- und Sprengwerken ermitteln Iäs«t] 

£, Orapliikoii^ für Notli- und halbperiuaneiite Briicketi. 

In den Tafeln 12 und 13 sind die im Vorhergehenden ermiti 
Näherungswerte in zwei Graphikons ersichtlich gemacht. 

Für die Constmction der Graphikons wurde das Princip f€( 
gehalten, dass nur zwei Dimensionen abgelesen werd**n müssen, ü. 
die Spannweite lAbscisseii) und die Qnerschnittshohe iOrdiuat-eii) 
wichtigen Constructionstheile der Noth- und halhpermanent^en 

Die tjuerschnittslireite wird ermittelt, indem man die abjE 
Höhen mit 0*95. 0'90, 0"8. 075 muÜiplieirt oder 05/*,, 0^ A,, 0*2*7 
abzieht 

Der Durchmesser eines Riindstammes wird gefunden, imlem inH*' 
die abgeles*nieii Quadratseiten ^ „m:il. oder die Höhe des 3:4 besrl 
genen Balkens ** \,mal nimmt, resp, um l'\8 c^der '^,,A vermehrt. 
Ausmaße der Nothbrücken sind bis zu einer Spannweite von 10m, 



Anldtung für den Entwarf von Noth- nnd lialbpenriaTieiiten Brücken. 347 

halbpemiaiienteu Brfickeii bij* zu 30m aus den beiden Graphikous 
entnehmen. 

In Tafel 13 ist für alle SpaiitiwHten von 1 Ins 30m die Hohe des 
ivalenten Balkens auf den Ordinaten abzulesen, weshalb all** Arten 
halbiiermaRenten Brücken sowohl mit einfacher als gekuppelten 
gern mit Zuhilfenahme der in der Tafel erHiehtlichen Coefficienten 
die rascheste Weise entworfen werden können. In gleicher Art werden 
äquivalenten Geländertrfiger mit Hilfe der Coefficieriten benützt. 
^bei wird bemerkt^ dass die ebenerwähuten Coefficienten für alle 
'bältDi>;se der Breite zur Höhe eines Balkens, also hier V, bis * ^ 
ten; auch kano man für andere VerhäUniszahlen nach dem Augeii- 
iDe mit genügender tlenauigkeit die Querschnittshöhen ablesen. 

Ist die Anzahl der Balken, resp. ihre Entfernung festgesetzt, so 
man die Stärke des Brücken lielages, gleichgiltig ob dieser aus 
>8ten, Staffel- oder Kundholz besteht, ablesen, wobei noch bemerkt 
l, dass die maximale Entfernung der Balkenmitten 11 w beträgt. 

Bei Nothhrücken müssen wenigstens vier, bei halbpermanenten 
icken minde^stens sechs Tniger (^Balken) genommen werden. 
Die im Graphikon angegebenen Stärken der Querträger können 
lur bei Gelanderträgern, i^ondern auch bei Hiiiig- und Spreng- 
und allen Arten von Cnterzügen Verwendung finden. 
Die im Graphikon für halbpermanente Brücken ersichtlichen Uoeffi- 
nten ftir alle Arten der gekuppelten Trüger dienen dazu, um die 
elesene Höbe des äquivalenten Balkens mit diesen einfachen Zahlen 
mnlHpliciren, Durch diese Coefficienteo ist es auch möglich, sogleich 
Zahl der zu kuppelndeo Balken mit Rücksicht auf die Stärke des 
handenen Bauholzes zu bestimmen. Die Tabelle der Querschnitts- 
te kann dazu verwendet werden, um alle Arten von Trägern wie 
he Balken berechnen, resp, bestehende Brücken bezüglich ihrer 
["kraft beuiiheileu zu können. 

Die Maximalwerte werden dann genommen, wenn die Träger correct 
ftniirt sind. 

In dem MaUe, als die Construction der vorgefimdeneii Träger minder 
©et ist wird der Querschnittswert verkleinert. Die minimalen Quer- 
werte gelten für den Fall, wenn die Kuppelung so mangelhaft 
s die Tragkraft des gekuppelten Trägers nur so grob angenommen 
flen kann, als die Summe der Tragkraft der einzelnen Balken betrügt. 
Bei minderwertigem, resp. uicht ganz gesundem Holze muss der 
rschtiittswert überdies durch Schätzung noch weiter vermindert 





348 



K r p II e k. 



Um aiteh Fachvrerltsträger bezüglich ihi-er Tragkraft beurthe3es i 
können, so sei nofh hier erwähnt, dass der Quersebnittawert fjioes «öld 
Trägers, wenn er vollständig correct zui^animengesetzt ist, sich ergibt! 
Q:=6fh, wobei/ der volle Querschnitt eines Gurtes in Qu 
centiinetern und k die Trägerhöhe in Teiitimetern bedeutet; die Sti 
der Balken im Gurt sind daher nicht in den Querschnitt / einzubezie 
wobei es sich von selbst versteht, dass in einem Querschnitte mir 
Stoß sein darf. 

Einfache Balken werden in der Regel übergreifend auf den l'atj 
lagen aDgeordnet, gekuppelte Träger jedoch stets fortlaufend (contiiiii 
lieh), wobei im letzteren Falle, da die Stoße in der Regel über 
Auflagen fallen, immer Sattelhölzer anzubringen sind. Bei Anordul 
von sielten und mehr Balken — bei Xothbrücken — ergibt sich die 
fernung der Balken, wenn diese übergreifend angeordnet werden, zu Bd 
Um diesem Übelstande abzuhelfen, kann man: 

L die Rundbalkeii am stärkeren Ende abschärfen: 

2. die Balken stumjtf stoßen und auf Sattelhölzer legen und 
klammern, was nur ein entsprechendes Absägen der Balken bediDgt;^ 

3. stärkere Balken nehmen, welche man dann weiter auseins 
rücken kann; 

4. je zwei Balken übereinanderlegen und verklammern, wobei * 
Balkenentfernung doppelt so groß genommen werden kann. Solche 
klammerte Balken können dann entweder übergreifend, besser jed<|| 
continuirlieh über Sattelhölzer gelegt werden. Wenn Rundbalken 
klammert werden sollen, so müssen die Berührungsflächen etwul 
schlagen und die Balken so aufeinandergelegt werden, dass das 
mit dem Stamm-Ende ziisammen kommen. 

Statt sieben Balken müssten, um dieselben paarweise verkU 
zu können, acht Balken genommen werden. 

Die geringe Balkenentfernung bei größerer Spannweite der Si 
brücken zeigt eigentlich die ilaximalspann weite (IQm) dieser BriSfli 

Doch kann es auch — wenn auch äußerst selten — vorkommt. ' 

bei Notbbrücken Spannweiten über 10m wählt. In diesem Fil 
ms% man, da das Eigengewicht schon ein bedeutendes wird* K« 
lirücken nach den Gesetzen der halhpermanenten Brücken erbauen; 
werden dann die flüchtigsten Constructionen, u. zw, in der Regel 
klammerte Trager angeordnet Die nöthigen Dimensionen werden 
halb aus dem Graphikon für haibpermanente Brücken und nur ii 
Bohlenbelag nach jenem der Nothbrücken entnommen. 



AnleitoDg für den Entwurf von Noth- und halbpermanenten Brücken. 349 

Bei höheren Jochen, dann bei größerer Wassergeschwindigkeit und 
ei Eisgang muss man auch bei Nothbrücken der Stabilität halber außer 
m Tragpiloten noch zwei Strebepiloten nehmen und außerdem Wasser- 
ithen anbringen. 

Je höher die Joche, desto besser müssen dieselben verstrebt werden. 

Können die Piloten nicht genügend fest eingeschlagen werden, so 
Assen mehr Tragpiloten (verticale) genommen werden. 

Coulissenböcke werden gewöhnlich, da sie starke Schwellen erfor- 
5m, nur bis 6w, Mauerböcke jedoch, welche nur so starke Schwellen 
k die Joche erfordern, bis 8 und selbst noch mehr Meter an- 
ewendet. 

Höhere Reit- und Gehstege müssen gleichfalls verstrebt werden 
id aus gleicher Ursache, wie bei Nothbrücken erwähnt, mehr Tragpf&hle 
Aalten. 

Werden n-mal stärkere Balken, als im Graphiken für Nothbrücken 
Dgegeben, für die gewählte Spannweite genonmien (requirirt), so können 
ie Balken n'-mal so weit als angegeben gelegt werden und umgekehrt: 
IFird die Entfernung der Balken n-mal so groß genommen, so müssen 

3 __ 

Se Balkenstärken l^nmal so groß als im Graphiken ausfallen ; im letz- 
Jim sind für die möglicherweise vorkommenden Fälle die Werte von 

n angegeben. 

Bei halbpermanenten Brücken werden die gekuppelten Träger stets 
ontinuirlich und auf Sattelhölzer gelegt 

Will man bei größerer Spannweite weniger Träger (Balken) ein- 
igen, also letztere weiter von Mitte zu Mitte anordnen, als im Graphi- 
m angegeben ist, so gilt die eben bei Nothbrücken angegebene Kegel. 
Terden also die Träger n-mal so weit voneinandergelegt, als im Gra- 
ükon ersichtlich, so müssen die Balken stärker, resp. die Höhe des 

[dvalenten Balkens ^n-mal so groß genommen werden und umgekehrt : 
ihlt man weniger, jedoch stärkere (n-mal so starke) Träger (Balken), 
kann die Trägerentfernung von Mitte zu Mitte n'-mal so groß sein. 

Im Graphiken fUr halbpermanente Brücken sind fQr den Fall, als 
i allen Spannweiten sechs Träger (Balken) gewählt werden würden, 
^se daher von Mitte zu Mitte Im voneinanderstehen, unter den Spann- 
iten die Coöfficienten angegeben, mit welchen die Höhe des äqui- 
enten Balkens zu multipliciren wäre. 

Wie schon auf Seite 323 unter e) erwähnt wurde, ist man bei 
)ßeren Spannweiten gezwungen, Stöße nicht nur über den Unterlagen, 
idem auch zwischen je zweien derselben anzubringen. 



350 



K r 1 



l Anleitung för d«n Entirurf etc 



In der Regel wird man höchstens 20m lange Balken reqnir 
resp. beschaffen können, so dass daher bei Spannungen, welche pol 
öijid als die Länge der vorhandenen Balken, diese letzteren gesU^iSt 
werden müssen *). 

Der im Graphikon für halbpermanente Brocken angegebene i^ 
valente (ideale ) Balken dient bloß zur Ermittelung der je nacli 
Beschaffenheit des vorhandenen Materiales zn wählenden Construe 
gekuppelter Balken, 

Die Berechnuni^r der einzelnen Elemente dieser letzteren gesclkkl 
sodann nach dem Graphikon auf Gnind des Querschnittes des iq 
valenten Balkens, u. zw. nach den Formeln 154, 186. 189, 196. 22 
und 235, [Vergleiche „c) Berechnung der gekuppelten Träger"*, Seil 
bis 321,] 

Die Joche müi^sen bei halbpermanenten Brücken immer 
piloten erhalten. Bei hohen, besonders aufgesetzten Jochen mn:<ii 
die Zahl der Tragpiloteii vermehren und trachten, die Träger dij 
durch die Piloten zu uuterstützen. Die Kappschwellen der Joele 
hiilbperiuanenten Brücken werden in der Regel stärker gehalten, abl 
die Berechnung ergibt, besonders in jenem Falle, wo die Balken 
von den Piloten unterstützt werden. Wie aus dem Graphikon zu er 
ist, genügen immer 32cm starke Kappschwellen, welche bei groß 
Spannweiten vortheilhatt aus Eichenholz herzustellen sind. 

Die Einrit'btuijg der beiden Graphikous ist so einfach und leiclj 
fasslieh, dass nur sehr geringe Mühe erforderlich ist, um dieselben iu\ 
stielen und sie dann im Kriege oder auf dem Übungsplatze rasche 
gebrauchen zu können. 

Kloster neu bürg, am 10, December 1886. 



*) Am Schlüsse dieser benierkt^nswerten, verdienstvolli-n Studie mdelit^ii ^ 
nur eiije kuntt* Betmcbtiing maelien : sio betrilift die ErmitteUun^fn »ut' ß<fU ^ 
Spantiungeii von 20 biü 30 m. 

Das*! atif die Best^hnffung su langer Balken nicht gerechnet werden ku 
wohl selbBtverstÄndlich : ilie gredrückten Balken lassen sich allerdings trtolkitj 
den i^eatogeneTi ist aher seihst di*^ solideste Stoßhedeckuiijk' von i^ehr gertngemWi^ 
schließHch venirsacht die Mfmtirung «o langer Trailer ganz horrende Schwier 
«0 das« »ich jede?i aiid<?re Brüekeiisyäteni eher eiujtfiehlt 

Eberiyu wird die Gesammt-Änzahl der Tnigidliiten für eine Brücke durch J 
Spuim weite nicht vermindert« wohl aber ist es leiehter mehr Joche tait mt 
Piloten einzuschlagen* uls eine geringere Anzahl von sturkcren Jn^chen mit de 
Aufwände von Piloten A d. M 



351 



»as Schießen und Werfen aus Feldkanonen mit Anwendung 
von Hiifszieipunicten im allgemeinen und aus verdeckten 

Stellungen. 

Von 

> EttiII X.«a.-ix£fer Ms 

Jb. k. Oberit und Commandani des 14. Corps- ArtilUrU-Regimentet. 

(Hiezu Fig. 1—5, Taf. 14.) 

Einleitung. 

Bei jedem Unternehmen ist das einfachste Verfahren, welches zum 
3ele fuhrt, immer das beste ; umsomehr trifft dies zu, wenn es sich um 
Losfuhrungen unter schwierigen Umständen handelt. 

Wir werden es daher unzweifelhaft immer vorziehen, die Eichtung 
Im Geschützes, eventuell nur die Seitenrichtung desselben durch directe 
l^ifv nach dem gewählten Zielpunkte auszuführen, insolange dies mög- 
ieh ist, und zweckmäßig erscheint. 

Aber es kann auch keinem Zweifel unterliegen, dass bei der um- 
lasenden oder vielseitigen Verwendung der Artillerie in einem künftigen 
üiege, infolge von Ziel-, Witterungs-, Terrain- und Gefechts- Verhält- 
issen, sich nicht selten Fälle ergeben werden, welche das normale 
achten überhaupt nicht zulassen oder den Übergang zum Eichten nach 
[üfezielpunkten nothwendig oder doch vortheilhaft erscheinen lassen. 

Um in diesen Fällen mit der erforderlichen Easchheit und Sicher- 
et handeln zu können, ist ein inniges Verständnis des hiebei zu beob- 
jhtenden Verfahrens und häufige Übung desselben unbedingt erforderlich. 

Obgleich der Artillerie-Unterricht für Unterofficiere und Vormeister 
r Feldbatterien im §. 23 und im §. 27 alle bezüglichen Fälle anführt 
d im allgemeinen auch das zu beobachtende Verfahren bei der Lösung 
r sich daraus ergebenden Aufgaben andeutet, so kann dies nach meiner 
isicht doch keineswegs genügen, das nöthige Verständnis zu ver- 
Itteln. 



*) Über den Gegenstand dieser Studie wurden vom Verfasser in den Officiers- 
hulen der 14. Artillerie -Brigade am 16. und 23. März 1887 Vorträge gehalten. 



»2 



L a n f f e r. 



IL Hiezu müsste diese Angelegenheit sowohl im Artillerie-ünten 
PP äncb im Eiercir-Reglement vollständig zur Durchföhrung und 
den Schietlfibungen rar Anwendung gelaogeii. 
Da.s Correetiir-Verfahren mittels Richtscbraubenrad-Umdrehn*-.*^! 
war schon in der ln.stnietion fiVr die Übungen im Geschützriclit- 
Hvom Jahre 1877 — im §. 5, far das Richten gegen sich bewegeDitj 
Tni|ippij — bei jetiem Oescbütz vorgesebrieben, welches ziinä- '^ 

I*Scbuöö iibziigebeü hatte, wenn dasselbe bereits gerichtet war; u; 
glaube kaum zu irren, wenn ich annehme, dass dieses Verfahren bei ( 
Truppe vor Erseheinen des instruij^enden Behelfs für das Schießen ge| 
Zi*'le in B**wegung ira Jahre 1882 wohl nie zur Anwendung kam. 

Wir alle hüben es miterlebt, welchen Auiwand von erläuten 
Instruetiouen. welch* eingehendes Studium, welch" umfassendes 
erfordert hat, um dieses Corn^etur- Verfahren auf den heutigen Sti 
_ punkt <ler geläuligen praktischen Verwertung zu bringen. 
f Analog, denke ich, sollte da^* Schießen aus den Feldkanoneß 

Anwendung von Hilfszielpunkten im allgemeinen und aus verdeckten Sti 
lungen in liie Praxis eingeführt werden. 

Ware auch der dadurch erzielte Fortschritt nicht zu vergleicin] 
mit dem, welcher durch die Verwertung des Correctur- Verfahrens rnitl 

^deö Riehtschraubenrades erzielt wurde, so wäre derselbe doch keine 
ni unterschätzen: denn die F»111e. dass Batterien eine sonst entsprech 
Oeschützstellung nicht beziehen, weil aus derselben das directe Ric 
auf das Ziel nicht anginge, und infolge dessen zu spät, &m anr«cklt] 
Orte oder gar nicht zur Verwendung kommen, würden erheblich f« 
mindert werden. 

Bevor wir auf die Besprechung der besonderen Pille ehjg 
welche die Anwendung von Hilfszielpunkten erfordern, wollen wir 
bezüglichen theoretischen Erläutenmgen über dieselben und Um " 
Schiellen aus verdeckten Stellungen voraussenden, 



Theürie des Hilf^iielpuiiktes. 

Unter Hil&iielpunkt begreift man bekanntlich einen abweide' 
fom beabsiclitigte& Treflfx^unkte liegenden Punkt« mf welcben die KÄ- 1 
tung des t8escKüt2e$ überhaupt, oder bei Aiiweodiuig des Qni^nii^J 
nur die Seiteorirhtimg derart auszuführen ist, dmss das in b6!selii0lilt^1 
Ziel im beabsichtigteD Punkte getroffen werden kmuL 

Dumus folgt «Mutlelhftr« dass die dem Hü&iidpiinkte dea^finil 1 
entsiflfcheiide A^batastelhuig pfmktbdi ermittelt weiden kann. indeiBl 




Das Scliießen und Werfen aus Feldkanoaen, 



8S3 



rorerst dem Oeschütz die für das Beschießen des Zieles entsprechende 
Eichtnng^ ertheilt und dann bei unveränderter Rohrlage dem Autl^atz- 
rii?iir jene Stellung gegeben wird, bei welcher die Visirlinie auf den 
lilfszielpunkt triflPt. 

Es ist selbstverständlich, dasst das Bohr durch die Anwendung der, 
iieser Lage des Visir-Einsehnittes eni^prerhenden Aufsatzstellunif, hei 
ler folgenden Richtung nach dem Hilfszielpunkte, wieder die Ursprung- 
Iche, dem BesehieÜen des Zieles entsprechende Richtting erhält, wenn 
Geschütz auf die anfänglich innegehabte Stelle eingeführt wird. 
Die fik die Richtung nach dem Hilfszielpunkte entsprechende Stel- 
ling des Aufsatzvisirs wird erhalten, indem man das Visir durch ange* 
lessenes Verschieben des Aufsatzstabes und durch Ertheilen der ent- 
prechenden Seitenversehiebung auf den Hilfszielpunkt einstellt 

Nachdem für die letztere am Querarm nur das Mali von 15«i«i 
nach rechts und von 25mm nach links verfügbar ist, so ergibt sich die 
jXothwendigkeit, den Hilfszietpunkt, mit Rücksicht auf etwa erforderliche 
Correcturen der Seitenverschiebung, so zu wählen oder erforderliehen 
Falles zu markiren, dass abgesehen von der Schiefstellung des Aufsatzes 
nur eine Verschiebung des Visirs von 10m?« nach rechts oder 20mm 
nach links erforderlich sei, um der Visirlinie die Richtung auf den 
Hilfszielpunkt zu geben. 

Da 1mm Änderung der Seitenversehiebung die Visirlinie am Ziele 
iftr je 1000 Schritt Distanz «m *\m oder 1 Schritt verleirt, i^o ergibt 
[itcht dass der Hilfszielpunkt 

auf 1000. 2000, 

nicht über 10, 20, 

bezw\ nicht über 20, 40, 

fron der Sichtungsebene gewählt werden dart also in oder nahe der 
[lliehtungsebene liegen rauss. 

Sind bei Benützung eines Hilfszielpunktes auch die Höhenrichtungen 
fiiiit dem Aufsatz zu geben, somit auch die erforderlichen Correcturen 
ich der Distanz-Scala vorzunehmen, so ist es mit Röcksicht auf die, 
lit den Schussdistanzen zu nehmenden Intervallen derselben vortheiIhat\ 
[den HUfszielpunkt nicht zu weit über oder zu tief unter der Verbin- 
[dungslinie Ai Z des llündungs-ilittelpunktes mit dem beabsichtigten 
iTreflfpunkte (der Basis der entsprechenden Flugbahn 1 anzunehmen* 

Ist dies jedoch durch die Umstände geboten, so ist im Auge zu 
[behalten, dass diese Correcturen bei der Aufsatzstellung für den Hilfs- 



3000 Schritt 
30 ^ links. 
60 - rechts 



354 



L41lfl 



zielj^unkt weniger (mehr) an^geben als bei Dormaler Aur^at^iit 
wenn die Aufsatzhöhe für die Richtung nach dem Hilfszielpunkt^ i 
(gröüer) ist. als jene für die Kichtiiug nach dem Ziele. (Siehe Fi; 



Theorie des Schieilens »oh rerdeckter St^Iliing. 

W Unter ^verdeckten** Geschützstellungen wollen wir jene vert^-^»~ 
au8 welchen die Geschütze, durch materielle Hinderni8«e (1 
erhebmigen, Dämme, Waldparcellen, Baulichkeiten etc) dem Einblicke i 
Gegners volIi^tTindig entzogen, gegen ein gegebenes Ziel wirken könii 

Gegen das feindliche Feuer sind solche Geschützstellungen iro 
Bmeinen nur insoferne mehr oder weniger geschützt, als die« di*» 
Schwierigkeit des Beobachtens und Einschießens für den Gegner aal 

sich bringt. 

Für ä£ts Schießen aus verdeckten Stellungen gelten betreffs Anw! 
düng von Hilfszielpuukten im allgemeiüen die vorangehend entwickelt 
Grundsätze, nur muss dem Robre die Hi^henrichtung gewöhnlich mit 
dem Quadranten ertheilt und es muss ein Merkmal festgesetzt werdfn, 
ob die Geschosse bei entsprechend gerichtetem Geschütze über di' 
deckenden Terrainerhebimgen, Bodenbewachsungen oder Bodenbedeck i 
sicher liinweggehen, wenn dies nicht schon augenscheinlich xu 
kennen ist. 

Der Hilfszielpunkt ist je nach den Verhslltnissen, bei Ter 
erhebungen u, dgl. gewöhnlich am zweckmäDigstmi auf dem decken 
Kamme möglichst in der Richtungsebene des Geschützes zu wi 
bezw. zu bestimmen und zu markireu. 

Um dem verdeckt stehenden (leschütze die entsprechende }\ 
ricbtung mit dem Quadranten ertheilen und ermitteln zu kf'Vnnen, "i i 
Geschosse sicher über den verdeckenden (legenstand hinweggehen, inii-* 
die Entfernung und Höhenlage des Zieles und des hüchsteu Punkte* 
des verdeckenden Gegenstandes in der Richtungsebene des betreff 
Geschützes entweder bekannt sein oder mit hinlänglicher Geaan.. 
bestimmt oder beurtheilt werden können. 

Je nach der Verlässlichkeit der hienach zu Gebote äteh^nden 
ist der ersten H5henncbtung eine selbst bis GOO Schritte kleinere 
die ermittelte Schussdistanz zu Grunde zu legen, inn sicher eiiufu Kil 
schuss zu erhalten und d»^ranach eine die Verminderung der EU 
bedingende Correctur Huszuschlie»sen. 



Das Schießen und Werfen aus Feldkanonen. 



die erste Richtung wird dem Geschütz, nacli beiläufig gegeben^ 

tung* die der angemessen verminderten Distanz mit Rücksiel 

öhenlage des Zieles entsprechende Elevation ertheilt, dann de! 

dach der Höhe, bei unvertlndert auf dem Nullpunkte bela^-seneril 

Gliititt ffir den Hilfszielpiiiikt emgeätellt, das Geschütz damii 

llf den Hilfszielpunkt gerichtet und nöthigenfalls die Höhen-' 

verbessert 

Ir Fehler^ welcher dadurch begangen wird, dasg die Seiten rieh - 

il der angegebenen Aiifäatzstellung nach dem Hilfszielpunkte 

rt wird, ist praktisch ohne Belang, da er zumeist nicht größer 

ireim beim directen Richten nach dem Ziele eine um ca. 1mm 

Seiten Verschiebung gegeben würde. 

Einwirkungen dieses Fehlers, sowie anderer kleinerer, liei Fest- 

des Hilfszielpunktes in Bezug auf die Richtungsebene nicht 

vermeidender Fehler werden -- insofern sie sich nicht gegen- 

bsgleichen oder durch die die Derivation der Geschosse beein- 

m Ursachen ausgeglichen werden — durch die Correctur der beim 

fBsultireüderi Seiteimbweichuog aufgehoben. 

i€ Feststellung eines Merkmales zur Controle, ob alle Geschosse 
dem Geschütz ertheilteu Höhenrichtung über den verdeckenden 
ml hinweggehen, ergibt sich unter Berücksichtigung des Um- 
^dass dies nur dann sicher zu erwarten ist, wenn die entsprechende 
[garbe angemessen hoch über den verdeckenden Gegenstand 
t — aus der Betrachtung der Figur 2. 

t/ ^l^ m die der Rohrstellung li M entsprechende mittlere 

Hie diese einhüllende schraffirte Fläche der Vertiealschnitt 

^en Flugbahn garbe. A^ B die durch Visiren nach dem 

kte z des verdeckenden Gegenstandes (den wir der Kurze 

rdcckenden Punkt nennen wollen) sich ergebende Aufsatz- 

der entsprechende über ;: verlängert gedachte Visirstrahl, 

die dieser Aufsatzstellung entsprechende Schussweite und 

e gröOte Längeustreuung ftlr dieselbe. 

1 die Forderang, dass ob der nöthigen Sicherheit das am 
le Geschoss noch um das Maß der SOpercentigen Höhen- 
de Deckung hinweggehen soll, so durchschneidet dessen 
i-sirlinie A^ z um das MaU der ööpercentigen Längen- 
\m Punkte r; das Maß z i/, ist demnach beiläufig 
ichen 50percentigen Lfingenstrenung für die Distanz 



356 



L a ü f f e r 



M A/j, welche sich sonach aus der Distanz M % des rerdpekeiidö 
Punktes, vermehrt um das Maß der dreifachen 50pereeiitigen Lin^f^ 
Streuung für diese Distanz, ergibt. 

Denkt man sich die Flugbahngarbe und das Visirdreieck J, J5 M 
entsi)recheüd einer größereu Rohr-Elevation geschwenkt, so ist klar. 4»> 
der Visirstrahl A^ M M^ über die Deckung, die Flugbahngarhe Ukr 
als vorher über dieselbe hinweggeht 

Führt man diese Schwenkung entsprechend einer kleineren Elemlii« 
des Rohres entgegengesetzt aus, so wird der Yisirstrahl A^ M M, »l> 

Deckung treffen, die Fhigbahngarbe aber in dem Maße, al« diwj höbrr 
oder tiefer stattfindet, weniger hoch über diei^elhe hinweggehen Ddi*r ihV 
selbe mehr oder weniger vollständig treffen. 

Da bei unseren Feldgeschützen beim SchieOen fftr Di^tanxet 
bis über 1000 Schritt, beim Werfen für Distanzen bis 600 Schritt di^ 
öOpercentigen Längenstrenungen nicht über 20 Schritt betragen, m kino 
bei diesen Schuäsarten, wenn der verdeckende Gegenstand sich inrnt- 
halb der angegebenen Distanzen befindet, statt der dreifachen ÖOpercen* 
tigen Längenstreuung, für die Strecke 3f, z das constante Maß Tdn 
60 Schritt gesetzt werden. 

Um demnach bei einem für das Beschießen «^ines Zieles auN Tt-r- 
deckter Stellung entsprechend gerichteten Geschütze ^sa dass ein Kun* 
schuss mit Sicherheit erwartet werden kann) zu erproben, ob alle Ge- 
schosse sicher Über den verdeckenden Gegenstand hinweggehen, stellr 
man den Aufsatz für die um die dreifache 50pereentige Längenstn^uiiK 

, . SohieÜPU j 1 , 1 T^ 1 1 • 14 «V lö^ö ^ . .^ 

(beim -;^ — IT—* wenn der verdeckende Punkt nicht über — r^ Schnti 

Werfen 600 

eutfernt istt für die um 60 Schritt vermehrte Distanz des rerdeckeato 

Pnnktes ein. 

Diese Äufsatzstellung wollen wir künftighin ^Aufsutzstelhing Sr 
die Controlvisur^ nennen. 

Geht die «entsprechende Vi«ur (Controlvisurt durch den dockcadii 
Funkt oder über denselben hinweg, so ist das Schießen ^Werfi^m 

Trifft diese Vlsur den verdeckenden Gegenstand, so könnte in im 
Falle, als di**s zunächst des oberen Bandes demselben st '♦**^' ^ * — ' 
Küi*ksicht auf dip zu Gnmde gelegte verminderte Srhu 
cht werden, ob die Bedingungen für die Zulassigkeit des Sdiitltai^ 



Das Schießen und Werfen aus Feldkanonen. 357 

jrfens) je nach der Distanz bei einer Elevations- Vermehrung von 
bis 20 Minuten (20 bis 40 Minuten) erfüllt werden. Wird dann mit 
rendnng dieser Elevation ein Kurzschuss erhalten, so kann das 
ießen fortgesetzt werden. Anderen Falles muss das Geschütz von der 
ter Deckung zurückgeführt werden. 

Wie weit dies zu geschehen hat, kann praktisch ermittelt werden, 
>m man mit dem Geschütz je nach Umständen mehr oder weniger 
pbig streckenweise zurückgeht, bis die jeweilig vorzunehmende Er- 
)ung die Zulässigkeit des Schießens erkennen lässt. 

Beiläufig lässt sich die Strecke, welche das Geschütz weiter zurück- 
Ihrt werden muss, ermitteln, indem man die pro Meter Höhe des 
leckenden Gegenstandes entsprechende Distanz desselben bestimmt: 
je Distanz mit der Anzahl Meter multiplicirt, um welche die Control- 
ir zu tief auftrifEt, gibt die gedachte Strecke. 

Ist z. B. ein 10m hoher Damm 300 Schritt entfernt, so ist dessen 
itanz per Meter Höhe 30 Schritt, und wenn die Controlvisur 2m unter 
r deckenden Linie auftrilTt, so muss das Geschütz bei horizontalem 
ttioi beiläufig 60 Schritt zurückgeführt werden. 

Bei nach rückwärts ansteigendem Boden ist die gedachte Strecke 
^er, im Gegentheile größer. 

In vorbereiteten Stellungen kann im vorhinein ermittelt werden, 
das Schießen aus einer in Aussicht genonmienen verdeckten Stellung 
lissig ist oder nicht. 

Wir haben früher gefunden, dass das Schießen aus einer verdeckten 
»Ilung eben noch zulässig ist, wenn der Yisirstrahl bei der Aufsatz- 
ttung A^ B — entsprechend der um 60 Schritt vermehrten Distanz 
( deckenden Punktes — diesen Punkt triflFt. 

Es muss also dem, dieser Aufsatzgröße bezw. Distanz entsprechenden 
ktiven Elevationswinkel Er (Fig. 3) die gleiche Bedeutung zukommen, 
hin das Schießen (Werfen) aus einer verdeckten Stellung zulässig 
i, wenn dieser relative Elevationswinkel Er nach der Schießtafel der 
60 Schritt vermehrten Distanz des deckenden Punktes entspricht oder 
ßer ist; es ist nicht zulässig, wenn er kleiner ist. 

Wie aus Fig. 3 ersichtlich, resultirt dieser Winkel bei gegebenen 
rhältnissen aus 

Er = Eg — m, 



358 



L a u f f e r. 



i, h. au« der Differenz des der Aufsatzstelliing für die Di^iirtaiil fa^ 
Zieles* entsprechenden» d. h des Schießtafel-Elevationswinkelü und da 
relativen Positionswinkels m des deckenden Punktes z, welcher j^ otil 
der erhöhten oder vertieften Lage des Zieles aus 






m =1 «, ^ ng 

erhalten wird, wenn w. und »'j? die Po,sitionswinkel des verdf^lerJf^ 
Punktes und des Zieles bedeuteü. 

Werden demnach die für gegebene Verhältnisse ent^^preiii i 
Daten angewendet, um Er zu bestimmen, 8o ist die Controle bezü|:lick 
Znlä8sigkeit des Schiellens ans der ins Auge gefassten verdeckten P<iii- 
tion ohne weiters möglich. 

Das Ergebnis, dass der maßgebende relative Elevatioi»- 

mit Rücksicht auf den der Distanz laut Schielitafel entsprechL .. 

vationswinkel hauptsächlich von der Grolle des relativen PositionswinleU» 
des verdeckenden Punktes abhängt, trägt wesentlich dazu bei, «■ 
über die ZiiUssigkeit des Schießens aus einer zu wählenden Terdecfctoi 
Stellung schätzungsweise zu entscheideit, indem es bei einiger Clnii^ 
in vielen Fällen möglich ist, diesen Winkel mit hinlänglicher Genauig- 
keit durch Schätzung zu ermitteln, dann auf Grund dieses ge^chAtzfirir 
Wertes Er nach obiger Relation zu bestimmen und damit einen Aübaltf- 
juinkt zu gewinnen, ob die ins Auge gefasste Geschützstellung entHpricU 
oder nicht. 

Für die Verhältnisse des Feldkrieges könnte dieser Umstand« irfW 
dem Schießen aus verdeckten Stellungen die gebührende Bea " 

geschenkt wurde, betreffs Auswahl der Geschützstellungen von 
Bedeutung werden. 

Wir wollen darauf später, bei der Erläuterung einiger »peeiell 
Fälle, noch zurückkommen. 

Auf Grund dieser allgemeinen Erläuterungen wollen wir QUfi 
iirt und Weise eingehender besprechen, wie das Feuer einer Feldba 
in den im g, 23 des Artillerie-rnterrichtes für ünterofficiere 
angeffifirten besonderen Fällen, welche außergewöhnliche Maßt 
erheischen oder zweckmäßig erscheinen lassen, einzuleiten oder du 
zuführen ist 




Daa Schießen und Werfen au» Foldkanonen. 



359 



[öTgtTig zur Eröffnung und DurclifOhrung des Feuers 
^r Feldhattorie gegen Ziele, welche schlecht oder gar 
ht wahrnehmbar sind oder keinen deutlich markirteu 
Ipunkt bieten, ferner wenn zu befürchten ist, dass die 
Je infolge des vor denselben oder vor den Gesell ützen 
p 1 a g e r n d e ü R a u c h e s s p ä t e r n i c h t sichtbar s e i n w e r d e n. 



Der für ein einzelnes Geschütz angegebene Spielranm für die Aus- 
eines Hilfszielpuuktes und den Übergang zur Kichtung auf den- 
en wird bedeutend beschränkt, sobald alle Geschütze einer Batterie 
letracht kommen. 



Für die Beobachtung der Schüsse während des Einschieliens ist es 

llgemeinen mindestens sehr erwünscht, wenn die Schu,ssrichturtgen 

wie dies beim normalen Eichten der Fall ist — in einem Punkte 

Zieles zusaoimentretten. Dies würde angenähert der Fall sein, wenn 

sichtbarem Ziele für jedes vorerst möglichst genau nach dem Ziele 

itete Geschütz ein entsprechender Hilfszielpunkt gi^withlt würde. 

Dadurch ergäbe sich bei jedem Geschütz eine andere Seite iiv*^r- 
g und, was noch schlimmer ist, auch eine verschiedene Aufsatz- 
Indern die verschiedenen Hilfszielpunkte nicht gleich hoch liegen 



r Vonnei.ster müsste aonach bei jeder Correctur die Differenz 
idien deu Aufsatzgr5Üen, welche für den ersten Schuss commandirt, 
welche durch Einstellen des Aufsatzes auf den Hilfezielpunkt erhalten 
•den. in Kechnimg ziehen, um die entsprechende neue Aufsatzstellung 
erhalten. 

War z. B. für die erste Kichtung nach deui Ziele der Aufsatz auf 
► Schritt gestellt und würde nach dem Einstellen auf den Hilfs- 
unkt 2050 Schritt abgelesen, so müsste der Vormeister die Diflerenz 
Schritt bei der Aufsatzsteilnng für die nächste Richtung im ent- 
gehenden Sinne berücksichtigen und z. B., wenn zunächst die Distanz 

commandirt wird, den Aufsatz auf 2450 Schritt einstellen. 

Ähnlich wäre auch betreff der Seitenverschiebung zu verfahren. 

Obgleich ich es nicht für unmöglich halte, unsere VormeisVr 
fftufhiü einzuschulen, so erscheint diese Methode in Erwägung desst^n, 
bei jedem Geschütze andere Äufsatzgroßen zur Anwendung kämen 
eine Controle für die correcte Durchführung des Verfahrens fast 
ich wäre, doch im höchsten Grade bedenklich; abgesehen davon, 

;3.s 




L a 12 f f e r 



das« infolge der venschiedeiiHo Auf^aizhöhen für gleiche DiBtani**'"^"- 
turea ungleiche Distanz^calengroßen zur Anwendung kämen, v* 
eine größere Streuung der Gesammtheit der Geschütze verorsaeht -^ 

Damm resultirt die Nothwendigkeit — mindeateoü zum Zw^ki 
des Einschießens - für alle rjeschfitze einer Batterie einßa gdBOi* 
ichaftliehen Hilf^zieipunkt zu wühlen oder, wo dies nicht ziilftssiff •- 
scheint, die Hohenrichtung mittels des Quadranten zu geben. 

Damit wird übrigens die Sache auch insoferne vereinfacht, als fit 
beiden Fälle, da*«« das Ziel schlecht und daas es für die Vormeiirter pt 
nicht sichtbar ist, zusamm entallen. 

Mit Kucksicht auf die erforderlichen Maßnahmen zur CoDcetitriinK 
der ScbuBsrichtungen in einem Punkte des Zieles und im Hinblick auf 
düä Resultat der allgemeinen Untersuchung, den zulässigen Ab^tiüiil i» 
Hilfszielpunktes von der Kichtuugsebene des einzelneu Geschütie* hf- 
treflend, ist es notbwendig, den gemeinschaftlichen Hilfszielpunkt in o4ir 
doch sehr nahe der Eichtungsebene eines der näher der Mitt^ gk4ieiite 
Geschütze — womöglich eines Mittelgeschützes — so zu irählea« im 
derselbe von allen Vormeistern erfasst werden kann, 

Hiebei kommen folgende Fälle in Betracht: 

o) Der gew&Mte Hllfazielpunkt liegt im Bereielie oder nahe tot oäm 
_ hinter dem Ziele. 

Liegt der gewählte Hilfszielpunkt im Bereiche oder uicM Äbff 
100 Schritt vor oder hinter dem Ziele — ist es z. B. der HauchÜitK 
eines Hauses, wenn eine demselben vorliegende Gartenhecke beaich«>«o 
werden soll, oder der Wipfel eines vor einer feindlichen Batterie befiai- 
liehen hoben Baumes — so ist für die ersten Scbusse der nacheiniDJtf 
tum Feuer gelangenden Geschütze betrefl« der Seitenrerschiebung kw 
besonder e Anordnung nothig. 

Was die anzuwendende Aufsatzhöhe anbelangt, so wird der Bait^^^ 
Commandant dieselbe der abgeschätzten Distanz — mit Abzug d«l 
bestrichenen Baumes filr die abgeschätzte H«>he des HillisjEielpiüiWi* 
über dem beabsichtigten mittleren Treflii>unkte — entsprechend aoonfaiti 
und die vunsunehmenden Correcturen darauf basiren. 

Der gedachte bestrichene Ranni kann rasch und mit hinlängtictff^ 
Oenanigkeit, ohne Zuhilfenahme'der Schießbifel bestimmt werden, ind« 
man ftberlegt, welche Sprengh^he bei Anwendung von Shmpnelj fllr «B^ 
gegebene Distanz entsprechen würde. 



Dtts Schießen und Werfen aus Feldkanrjiieii. 



361 



Die abgeschätzte scheinbare Höhe des Hilfszielpunktes über dem 
durch diese Sprenghöhe dividirt, gibt die Aüzahl Himderte von 
tteD, um welche die geschätzte Distanz zu vei-miiideru ist 

Ist z. B. die geschätzte Distanz 2200 Schritt nnd die Hohe des 
■8ziplpin]ktesl2^, so entspricht die Sprenghöhe rund 7m und mit Rück- 
t auf die L a g e des Zielpunktes, diirehsehnittlich 1 m hoch über 
Boden, 6m, Man wird daher, da 12:6 ==2, die Aufsatzstellung mit 
sieht auf einen anzustrebenden Kurzschuss für die Distanz 2000 Schritt 
dnen und für die folgenden Schüsse reglementmäßig verfahren. 

Es genügt in der Praxis für die Bestimmung der Distanzvermin- 
g ein ganz oberflächlicher Überschlag von der Tendenz einen Kurz- 

ms zu erhalten, da der unterlaufende Fehler zugleich mit jenem, 

eher der Distanzschätzung anhaftet, corrigirt wird. 

Soll nach dem ersten oder — was unter Umständen zweckmäßiger 
& dürfte — nach beendetem Einsehießen das Feuer vertheilt werden, st> 
für die einzelnen Geschütze die entsprechende Seitenverschiebung 
feiordnen. 

Liegt ein Theil des Zieles tiefer oder höher, so müsste auch für 
8 Geschütze, welche dahin schießen sollen, die Cörrectur für die eut- 
rechende Verlegung des Treflpunktes angeordnet werden. 

Da es zweckmäßig erscheint, dass dies nach der Distanz-Scala uud 
^ geschehe, so miias die Bestimmung und Benützung der bestrichenen 
ime sehr geläufig sein, wozu abermals, wie oben» die Daten über die 
seogpunktlage beim Shrapnelschuss dienen können. 

Da z. B. im obangeführten Beispiele die Spreughöhe 6n? für ein 
inrall von 100 Schritt entspricht, so ergibt sich pro Meter Spreng- 

i das Intervall -— =16 Schritt, w^elche Größe hinlünglich genau 
6 

. dem bestrichen Räume für Im Zielhöhe üliereinstimmt. 

Schätzt man also, dass der einem Geschütze zugewiesene Theil 
Zieles 3m tiefer liegt, so wird man eine Aufsatzverminderung für 
l 16 =^ 48, also für 50 «Schritt anordnen. 

IDie Einfachheit des Verfahrens, weiui der gewählte gemeinschaft- 
e HUfszielpunkt im Bereiche oder nahe vor oder hinter dem Ziele 
k, weist darauf, denselben wenn möglich in dieser Lage zu wählen; 
[Falle der Nothweudigkeit, wenn z. B. zu befurchten wäre, dass der 
Ifezi^lpuokt in den sich am Ziele ansammelnden Haiu^hwolken ver- 




1 



3H2 



L a n f f e r. 



schwinde, kann nach beendetem Einschießen und durchgeföhrter Feuff-i 
vertheilung — ohne wesentliche Erschwenmg der Feuerleitung and C^ \ 
ti'ole — zur Benßtzting beftonderer Hilfszielpuukte fOr die etnidMi 
(Teschütze übergegangen werden. 

Der Vormeister mas8 hiezu natürlich gründlieh überz^iif?t 
dass die Gmndi'ichtung für diesen Übergang, jene auf den gümeii 
Hiltszielpunfct nait den nach der Feuervertheiliing als zutreffend 
telten Richtunggelementen ist 



&) Der gemelGSOhaftliobe Hilfszielpuiikt rnnss zwischen Geschütz und Ztd 
oder hinter dleaem gewählt werden. 

Ergibt gich im Bereiche oder nahe vor oder hinter dein 7. "- 
kein geeigneter HiUszielpunkt, so muss getrachtet werden» deßi^ilLi 
— mit der früher angeführten Rücksieht betreffs der ^ieitlichen Lage — 
zwischen Geschütz und Ziel oder hinter diesem zu wählen. 

Zwischen Ges^ebütz und Ziel niU88 der zu wählende geoieiiudiiit- 
liehe Hilfszielpunkt näher dem Ziele als der eigenen Aufstelluag Ii»»^ea 
da sonst die Scala für die Seitenverschifbungen nicht ausreichen v^ür^i^ 
um die Schnssricbtun^en, welche sieh bei den ohne Seitenverschiebinj 
auf den Hilfszielpimkt gerichteten Geschützen in diesem Punkte kr ' 
in einem Punkte des Zieles zu vereinigen, wie dies für das Ein^* f 
uotbwendig erscheint 

Um das Zusammentreffen der Schussrichtungeu aller ^Jenchöti^ 
zweckmöüigerweist* in jenem Punkte des Zieles zu bewirken, in w*^ ' 
die Bichtnngsebene eines d»*r nßher der Mitte stehenden Ge^eliAt 
daa wir der Kürze halber Uirectionsgeschütz nennen wollen - auf i» 
Ziel trifft, wenn dasseUiM ohne Seit«^nverschiebung auf den Hllfszielpiiab 
gerichtet ist müssen alle anderen Geschütze mit entsprechender Settö- 
Verschiebung gerichtet werden. 

Um dies rauch durchzuführen, ist abzuschätzen, der wievielte TW 
der Distanz des Zieles der Abstand des Hilf^zielpunktes vom Ziele W; 
um den gleichvielten Thcil des Geschützintervalles hat da^ dem Dir«^ 

tirtnsge«chütze zunächst - . -" tp '»ti^hcnde Geschütz den Tn«flpuitkt «t* 

rechts 
links 



zu verlegen. 



Die demgemülJ bestimmte Seitenverschiebung ist eiit^> rechend 40 
Polireiiibl der übrigen y-^— stehenden Geschütze %n verti«'lfarheü. 



Das Schießen und Werfen aus Feldkanonen. 363 

Ist beispielsweise die Distanz 2600 Schritt, der Abstand des Hilfs- 
unktes vom Ziele 800 Schritt — also rund */, der Distanz — ferner 
Greschützintervall 20 Schritt, so muss die Schussrichtong des dem 

itionsgeschütze zunächst .. , stehenden Geschützes am Ziele um 

= rund 7 Schritt verlegt werden, was eine Seitenverschiebung von 3mm 

- bedingt. 

Der Batterie-Commandant müsste daher nach dem reglement- 
gen Commando für das EröflBien des Feuers noch anordnen: „Schuss- 
jtion fünftes Geschütz!" „Die anderen per Intervalle 3«im Seiten- 
jhiebung!" wonach z. B. das erste Geschütz (den vier Intervallen 
brechend) 4X3 = \2mm Seitenverschiebung nach rechts zu er- 
en hätte. 

Die Feuervertheilung könnte bei der gegebenen Lage des Hilfsziel- 
ctes am einfachsten dadurch bewirkt werden, dass alle Geschütze 

Bichten ohne Seitenverschiebung auf den Hilfszielpunkt übergehen ; 
ier weiteren Beobachtung der Schüsse müsste jedoch im Auge be- 

tn werden, dass das Feuer der .. , des Directionsgeschützes ste- 

links 
len Geschütze gegen den — t-t- (von dem Punkte, auf weichen das- 

) beim Einschießen concentrirt war) gelegenen Theil des Zieles 
jhtet ist, und dass dementsprechend auch die Correcturen far die 
?re Regelung des Feuers zu bemessen sind. 

Vortheilhafter gestalten sich die Verhältnisse, wenn ein entsprechender 
Zielpunkt hinter dem Ziele gewählt werden kann, wobei jedoch die 
lir, dass derselbe eventuell durch den am Ziele sich ansammelnden 
h verdeckt werden kann, in Betracht zu ziehen ist. 

In diesem Falle ist zur Concentrirung der Feuerrichtungen der 

hütze am Ziele, analog wie voranstehend erläutert, zu verfahren — 

ist anstatt der Distanz des Zieles die Distanz des Hilfszielpunktes 

rechts 
ande zu legen und haben die , vom Directionsgeschütze ste- 

en Geschütze die ursprüngliche Schussrichtung vom Hilfszielpunkte 

links 
7^^ zn verlegen. 



364 



L n nt t e r. 



Wegen der BesohräiikuDg der Scala tür dir Seit« ' t«»l 

ßh lioks ist es nothwendig, den Hilfeielimnkt weniger v^r .-r 

Ziele zu wählen, als die Distanz des Zieles betrfigt oder — w^n 
durch die Umstände unTermeidlich ist — die Sache so einzitrichti^D^ daaH 
das rechte MittelgeHchütz Directionsgeschütz sei. 

Ist z. B. die Distanz 2000 Sehritt und liegt der HilfssielpuBki 

ungefähr ebensoweit hinter dem Ziele, so ist dessen Abstand vom Zidi 
die Hälfte der Distanz des Hilfszielpunktes, somit beträgt die Verlegiaf 
der Schussrichtüng per 20 Schritt Geschützintervalle 10 Schritt. 

Hat das vierte Geschütz die Directiou, so müsste das erste Oesehtti 
die Seitenverschiehung von 15mm links erhalten, wozu die Seila aa 
Qiierarm eben noch ausreicht 

Zur Vertheilung des Feuers kann nach Umständen anftoglich rä* 
fach zur Richtung auf den Hilfszielpunkt ohne Seiten Verschiebung llk«f^ 
gegangen oder eine entsprechend gewählte Seitenverschiebung per Getitellttl* 
Intervall sinugemäli angewendet werden. 

Fflr kleinere Distanzen als 2000 Schritt reicht die Scala am 
arm zur vollständigen Concentrirung des Feuers in den Fällen, d&ds 

vor 



Hilfszielpunkt im Abstände der — — Distanz des Zieles 



dm- 



ganzen hinter 

selben liegt, nicht aus, aber auf diesen Distanzen dürfte die Beobac^'^' 
der Schüsse auch bei nicht vollständiger Concentrirung der Schu-^ 
tungen möglich sein. 

Es könnte demnach in diesen Fällen, auf das enti^precheude Dir 
tionsgeticbutz baf^irt, constant 5mm Seitenverschiehung per Ge» 
intervall zur theilweisen Concentrirung des Feuers am Ziele angev« 

werden. 

Vollständiger ist die Concentrirung des Feuers zu erzielen, wü 
man kleinere Geschfttzintervalle annimmt. 

Auch die Feuerleitung bei der obgedachten Lage de^ gemeinschift- 
licben Hilfszielpunktes nähert sich im allgemeinen der normalen und 
unstreitig einfacher und zweckmäßiger als jene bei besonderem 
Zielpunkte für jedes Geschütz. 

Für den Übergang zur Benützung besonderer Hilfszielptinkte, 
die Bauchansammlung am Ziele etc. dies erfordern sollte, gilt da^ tt^ 
Gesagte. 



Das Schießen und Werfen ans Feldkanonen. 365 

Vorgang, wenn sich ein passender gemeinschaftlicher 
Hilfszielpunkt nicht darbietet. 

Wir haben schon früher erörtert, dass in diesem Falle für jedes 
ihütz ein besonderer Hilfszielpunkt gewählt oder markirt werden 
j, diese Punkte jedoch — während des Einschießens und der Eege- 
des vertheilten Feuers — nur zur Ertheilung der Seitenrichtungen 
tzt werden können, während die Höhenrichtungen mit dem Quadranten 
ben werden müssen. 

Um die Geschütze für den ersten Schuss zu richten und die Auf- 
teilung zur Ertheilung der Seitenrichtungen für die folgenden Schüsse 
Berücksichtigung eventuell erforderlicher Correcturen zu ermitteln, 
.en alle Geschütze mit entsprechend der Distanz des Zieles gestelltem 
atze direct — bei nicht sichtbarem Ziele von einem erhöhten Stand- 
tte mittels einer vertical gehaltenen Säbelklinge oder besser eines 
kels — auf einen Punkt des Zieles gerichtet, sodann für jedes 
ichütz ein passender Hilfszielpunkt gewählt oder markirt und der 
Minie — nachdem man vorher die erforderliche Elevation mit dem 
ftiranten ertheilt hat — bei unveränderter Kohrlage die Eichtung 
(ta Hilfszielpunkt gegeben. 

Hierauf ist die Aufstellung der einzetoen Geschütze genau ins Auge 
ikssen, und wenn dieselbe nicht durch Eindrücke auf den Boden etc. 
Ännbar werden sollte, so ist dieselbe, besonders wenn der Hilfsziel- 
tkt nahe dem Geschütze gewählt wurde oder markirt werden musste, 
tk Tracirungen, eingeschlagene Pflöcke oder Faschinenmesser etc. zu 
nehnen. 

Für die folgenden Schüsse müssen die Geschütze, in dem Maße 
der Hilfszielpunkt näher liegt, um so genauer auf die beim ersten 
ass eingenommene Stelle eingeführt werden, weil sonst insbesondere 
Breitenstreuungen vergrößert würden. 

Nach bewirktem Einschießen und geregelter Feuervertheilung kann, 

i bewirktem genauen Einstellen der Visirlinien der entsprechend auf 

Hilfszielpunkte gerichteten Geschütze, auch die Höhenrichtung mit 

Aufsätze ertheilt werden. 

Liegen die Hilfszielpunkte nahe dem Geschütze, so ist es zweck- 
ig, bei der Quadrantenrichtung zu bleiben. 

Als Hilfszielpunkte für die einzelnen Geschütze können scharf und 
er erkennbare Gegenstände und Merkmale des Terrains benützt 
len, beispielsweise einzelne größere Steine, Bäumchen, Sträucher, End- 
ite von Furchen, Erdrisse, Culturflächen, kahle Stellen etc. 



366 



L ä Q f f e r 



Zur Markirung von Hilfszielpmikteu können benfitit werden J*f ~^ ' 
iäbol, Stäbe, Baunizweige, Pikete und sonstige Zeichen, welche \ 
Oeschühen m der Schussrichtiing derselben aufrecht in il^o H : 
gesteckt werden» 

Wenn das Markiren von Hilfsziolpunkten vor den GeschötT^'i. i 
möglich oder absolut nicht zweckmälJig sein sollte, so kurirt^-n au j 
solche hinter den Geschützen ausgesteckt werden, wozu man. nach fci- 
wirkter erster Riehtnn«^, von vorne über das Visirkom und d«?ii Vifir- 
einschnitt visirend, dir Marken in die Visirlinie einrichtet 

Für die folgenden Schüsse wird die Seitenrichtung, nachdem di» 
Oeschütz genau auf dieselbe Stelle eingeführt und die etwa erfardertick^ 
Correctur der Seitenverschiebuog bewirkt wurde, auf die gleich«* Wdse 
ausgeführt. 

IIK Vorgang bei der Beeogiioscirung und heim Einfaliret 

in eine verdeckte Stellung, dann beim Eröffnen und hri 
dej Durchführung des Feuergefechtes ein«-^ F<"Mbatleri# 

aus derselben. 

Ist die Recogno8cirung jeder einzunehmenden ßescbützstelliin^ qs^ 
die Orientirung in derselben von gröUter Wichtigkeit, so gilt di^ n 
erhöhtem Maße für eine verdeckte GeschützHtellung. 

Fasst man die Sache vom feldraälügen Standpunkte ins Ange^ *♦ 
umfassendere Vorbereitungen nur selten zulässig sind nnd zumeist kriw 
anderen Daten zu Gebote stehen, als welche die Specialkarte liefert uW 
an Ort und Stelle mit d«*n zu Gebote stehenden Hilfsmitteln erianft 
werden können, so ist einleuchtend, dass der Rccoi^noscent für diwHi 
Fall besonders geschult und geübt sein muss. 

Obgleich das Schätzen von Boschungs- und i*ositioni>wink*^l 
unserer Nomejiclatur auch Terrainwinkel genannt) noch bedeut«i 
Seliwierigkeiten unterliegt als das Distanzschätzen, also natur^ 
auch verhättniHrnftliig größere Fehler dabei vorkommen werden aL» M 
diesem, so muss dasselbe und die entsprechende Verwertung der didifftk 
erlangten Resultate doch als Grundlage für die Beurtheilung der Taug- 
lichkeit einer als verdeckte Geschützposition ins Auge gefassten örtli^ 
keit betrachtet werden. 

Allerdings wird man gut thun, bei der Schätzung gewisse FeU<^ 
röUen in dem Sinne in Betracht zu ziehen, dass das Endresultal te 
Beurtheilung, wenn ea fftr die Verwendbarkeit einer Positiao liaKi 
durch die praktische I^robe nicht Lügen gestraft werde. 



Das Schießen und Werfen ans Feldkanonen. 367 

In den Fällen, in welchen die Höhenunterschiede zweier Örtlich- 
iten, nach Goten der Specialkarte bestimmt oder dnroh Beurtheilnng 
td Vergleich abschätzbar sind, kann die Bestimmung des Terrain- 
nkels nach der im „Artillerie-Unterrichte für Unterofficiere etc.", 
g. 224 (3. Auflage) enthaltenen Regel erfolgen (vergl. Fig. 4). 

Diese Eegel ergibt sich, wenn y die Erhöhung, x die Entfernung 
Metern des Punktes Z in Bezug auf den Punkt Af, femer n den ent- 
rechenden Positionswinkel bedeutet, wie folgt: 

X 

er, wenn man Winkel unter 16' in Betracht zieht, mit hinlänglicher 
mauigkeit : 

w« . tg P = -^ 

° X 

er 



n" 



a? • tg r 

id da tg 1" = 001745 ist, 

n' = —. ^J^.r. = — . 67-324 
X 001745 X 

er 

n' = ^ . 57-324 X 60 = ^ . 343944 

X X 

ler rund n' = — . 3440 der Terrainwinkel in Minuten. 

X 

Da der Feldartillerist gewöhnt ist, die Distanzen in Schritt in 
rtracht zu ziehen, so gebe ich dem vorstehenden Ausdrucke die Form : 

„. 2"» . 57-324 = yJl . 76-432 = ^, •) 

x"" x^ ^ 



i-i) 



ym 

id indem ich für die Zahl 76*432 fdr die Praxis rund 75 [die Anzahl 
Bntimeter, welche 1 Schritt geben] *) setze, formulire ich daraus die 
Igende Begel: 



*) m bedeutet hier die abgekürzte Bezeichnung von Metern, ^ das Zeichen 
' Schritt. 

*) Als Gedächtnishilfe, womit man sich die genauere Zahl 76 merkt. 



368 



L a u f f e r. 



Um den Pogitionswinkel eines Punktes id Gradif 
zu erhaltenf wenn dessen Höbe und DiBtaoz bekannt üni 
dividire man die Zabl 75 durch die Distanz, weicht f&t 
im der Höhe entapricht '). 

Würde z. B. eine üescbützposition ins Auge gefasBt, deren Dktaü 

von dem 70m erhöht liegenden Ziele 2700 Schritt beträgt, so le* 4k 

Distanz pro Meter Höhe ; 2700 : 70 = nind 40 Schritt und der PodtioiU' 

Winkel 

7ß 
nj^ = — = 19^ = V 54'. 
40 

f 

Will mau ferner die Geschütze 300 Schritt hinter einen Eisenbahn- 
dämm aufstellen, desäen Krone 18m ober der Oeschfltzaufgtellung lie^ 
so ist in diesem Falle die Distanz pro Meter Höhe 

300 : 18 = rund 17 Schritt 

und der Positionswinkel 

^ n^ = 75 : 17 = 4 4" = 4' 24', 

Um rasch den Schluss über die Zulässigkeit des SchieOenä n 
machen, ist es vortheilhaft, über die Größe der Scbießtatel-El#*Taticiiii* 
Winkel orientirt zu sein. 

Diesbezüglich ist es nicht schwer im Gedächtnis zu bohaltea dasi 
die Elevationswinkel heim 9cm Feldgeschütz beim Schießen 

auf 1000 Sehritt rund 1"* 
„ 1600 ^ ^ 2* 

^ 2000 ^ „ 3*^ 




Das Schießen und Werfen aus Feldkanonen. 369 

1, 80 dass die eintreffende Batterie sofort in Feuerstellung gebracht 
ie praktische Controle hinsichtlich der Zulässigkeit des Schießens 
lommen werden kann. 

W^enngleich ich diesen Vorgang — obschon derselbe nur auf 
itzungen gegründet und an Stelle der Eechnung nur ein beiläufiger 
;hlag gesetzt wird — fllr geeignet halte, das Urtheil über die 
igkeit des verdeckten Schießens im concreten Falle zu klären, bin 
eh der Meinung, dass die Mehrzahl der Fälle, in welchen im 
iege verdecktes Schießen nothwendig oder zweckmäßig ist, eine ein- 
3 Beurtheilung der Zulässigkeit desselben erheischen und auch 
:en. 

[ch habe schon bei Ableitung des Verfahrens, wie in vorbereiteten 
Igen die Zulässigkeit des Schießens im vorhinein festgestellt 
1 kann, auf die Bedeutung des relativen Positionswinkels m für 
.ätzungsweise Beurtheilung der Zulässigkeit des verdeckten Schießens 
iesen; ich will nun bei einigen speciellen Fällen die Verwertung 
ümstandes erläutern und auch den Vorgang beim Markiren der 
e einzelnen Geschütze erforderlichen Hilfszielpunkte besprechen, 
l. Fall. In einem ebenen oder gleichmäßig gegen das Ziel anstei- 
i oder abfallenden Terrain soll eine Batterie aus einer Aufstellung 
einem Damme auf die mit Kücksicht auf einen zu erhaltenden 
:huss geschätzte Distanz von 2000 Schritt zum verdeckten Feuer 

werden. 
Ein bei der Eecognoscirung der Stellung an den Damm vorgesen- 
Reiter lässt durch seine Höhe (2-7m oder rund 3m) erkennen, 
ie Krone des Dammes beiläufig 7m über dem Boden, über einer 
die Mündung der aufzustellenden Geschütze parallel zum Boden 
iten Ebene daher 6m hoch liegt. 

Für eine Aufstellung der Geschütze 100 Schritt hinter dem Damme 
mnach der relative Positionswinkel der verdeckenden Linie, da die 

[eter Höhe entsprechende Distanz —^ =17 Schritt beträgt, 

r5: 17 = 4-4" =4« 24'. 

ius dem Vergleiche dieses Winkels mit dem für 2000 Schritt ent- 
enden Schießtafel-Elevationswinkel von ca. 3® ist zu erkennen, 
as Schießen aus einer Position 100 Schritt hinter dem Damme 
zulässig ist. 

fsachdem aber mit hinlänglicher Genauigkeit der relative Positions- 
der deckenden Linie für eine Aufstellung 200 Schritt hinter dem 



La «ff er. 



nMume gleich der Hälfte des für 100 Schritt beätinimteu also in = 2'I|| 
aBgeQOQUDen werdeo kann, so ergibt sich für diese Äuif»tellaug 

Er = E, — m = 2» 54* — 2*» 12' = 42', 

welchem Elevationswiükel laut Schießtafel eine Biätauz von 
700 Schritt entspricht, somit das Schießen aus dieser Aufstellung i 
iSasig ist I 

Da bei diesem Schielleti die mittlere Flugbahu ca, 500 
(^anstatt der erforderlichen W Schritt) jenseits der deckenden Lini^ 
gegen dieselbe eingesteUte Yisirlinie des für die Distanz des 
gerichteten Kohres durchschneidet, so könnte man mit den Geschä 
noch ca, 25 bis 30 Schritt näher an den Damm aorücken; icl 
jedoch der Ansicht, dassaufdas Xäherrücken an den verdeckenden G*] 
stand bis zur äußersten Grenze der Zulässigkeit nur dann zu 
wäre, wenn die BodenverhÜtni^se dies erforderten, weil man 
einen Vortheü der verdeckten Stellung aufgeben würde, indem 
den Streuungsbereich der unmittelbar über den verdeckenden Gegen 
hinweggehenden Geschosse des Gegners käme, welcher sein Feü^j 
nächst gegen die verdeckende Linie richten dürfte, da ihm die 
tirung über die Aufstellung der dahinter postirtcn Geschütze urim^^gbrij 
oder doch erschwert ist. 

Bezüglich der praktischen Coutrole der Zulässigkeit des 
gilt das schon früher Gesagte. 

Ist man hinsichtlich der einzunehmenden Stellung im Raamf 
seitwärts nicht beschränkt, so kann der Recognoscirende die dea i 
zelnen Geschützen zuzuweisenden Schussrichtungen auf dem Dämmt \ 
an der rückwärtigen Bö^^chung zunächst der Krone auf eine gst 
nehmbare Weise markiren und auch die entsprechenden Pmikti. 
welche die Ge.sehütze eingeführt werden müssen, bezeichnen- 

Es kann dies einfach dadurch bewirkt werden, dass mal > 
rückwärtigen Böschung die Marken für die einzelnen fjksekflUie m 
Intervalle von 18 bis 15 Schritt aussteckt und üb^r ^ktm wA^ 
Ziele visirend die zweite Marke einrichtet, endlich in jeder d<r 
ersichtlich geüiaehten Schusaebenen den Gesehützstand mal 

Ist man mit der AufstelluDg der Batterie aa tili« 
Platz gebunden, so markirp man den Punkt M iPig. S> Ar *i 
Stellung eines der Mittelgeschütze und darauf basiit die ( 
Schussebene auf dem Damme, indem man die Aufgabe, eiMS B*ö k 1 
in der Richtung zweier gegenseitig nicht sichtbarer Piakfer Jf 0)'J 
zu bestimmen, praktisch dadurch löst, dass zwei MaMi A waä I 



Das Schießen und Werfen aus Feldkanonen. 371 

dem Damme vorschreitend sich gegenseitig auf die Punkte M und Z 
einzurichten trachten. 

Sobald 5, über A^ visirend den Punkt Af, und A^ über B^ visi- 
rend den Punkt Z in der Richtung findet, sind die Punkte -4, und 5, 
in der Richtung MZ, 

Es dürfte dann für die Praxis genügen, wenn von A^ ausgehend 
mit Intervallen von 18 bis 10 Schritt — je nach der Größe des Ab- 
standes A^ M der Geschützteilung vom Danune und des zu Gebote ste- 
henden Raumes — Hilfszielpunkte ausgesteckt werden. 

Visirt der Mann A von dem zunächst A^ ausgesteckten Hilfsziel- 
punkte A^ nach Z, der Mann B von einem Punkte B^ dieses Visir- 
strahles nach i/^, so ist MM^ das IntervaU, auf welches die Geschütze 
aufgestellt werden müssen, um bei Benützung der zugewiesenen Hilfs- 
zielpunkte annähernd concentrisches Feuer gegen den Punkt Z des 
Zieles zu erlangen. 

Ähnlich ist der Vorgang bei Auswahl der Geschützposition und 
Controle der Zulässigkeit des Feuers, wenn eine Batterie bei den ange- 
führten Terrainverhältnissen eine Aufstellung hinter einem Wäldchen, 
einer Au, hinter Baulichkeiten etc. einnehmen soll. 

Um den Hilfszielpunkt und den Geschützstand für das Directions- 
geschütz bei einem Wäldchen, einer Au u. dgL zu erhalten, wird 
man, wenn ein Durchblick gegen das Ziel nicht möglich ist, von der 
Mitte der in Aussicht genommenen Batteriestellung in der beiläufigen 
Richtung gegen das Ziel so weit vordringen, bis dasselbe er&sst werden 
kann, dort die Direction feststellen und dieselbe nach rückwärts bis in 
die Batteriestellung verlängern und den Hilfszielpunkt und die Aufstellung 
für ein Mittelgeschütz ausstecken. 

Von diesen Punkten nach rechts und links sind die Hilfszielpnnkte 
und die Aufstellungen der anderen Geschütze mit Rücksicht auf die der 
Distanz entsprechende Convergenz far die Concentrirung des Feuers auf 
einen Punkt des Zieles zu markiren. 

Ist z. B. die Distanz des Zieles 2800 Schritt und werden die 
Hilfszielpunkte zunächst der Lisifere des Wäldchens 300 Schritt vor 
den Geschützen markirt, welch letztere mit 20 Schritt Intervall auf- 
gestellt werden sollen, so sind die Hilfszielpunkte mit Abständen von 

2oOU 

Bei einer beabsichtigten Aufstellung hinter Gehöften, Ortschaften u. <1gl. 
wird man die Vorbereitungen in ähnlicher Weise treffen. 



372 



L a a f f e r. 



In matichefi Fällen wird man seibrärfa an einer örtliehkeit j 
ibeii Ausblick auf das Ziel gevrinnen; dann ist es zweckmäßig, dll 
sprechende Blickrichtung auf das Terrain zu übertragen and { 
\mniri die Oeschützaufstellungen und Hilfszielpnnkte, wie früher e 
zu markiren. 

Die Fehler in den Seitenrichtungen, welche sich auf Grund 
Markimrijifen jedenfalls herausstellen werden, müssen nach den 
beobachtungen corrigiit werden. 

I)fr*nkt man sich an Stelle eines verdeckenden Dammes eine 
erhebung oder eine für die zu lösende Aufgabe gleichbedeutende Ti 
form, MO i8t das für den gedachten Fall erläuterte Verfah 
Umständen angemessen zu modificiren. 

Dabei werden die Schätzungen, besonders wenn auch im 
wechselndes Terrain in Betracht kommt, schwieriger, aber dennoch 
f^ bei fini^er Übung gelingen, ein maßgeliendes Urtheil über 
IfiHHigkeit des verdeckten Schusses aus einer sonst passenden Ge- 
stellung zu gewinnen, weim die Hauptform der Bodenfläche im 
br»halten wird. 

2. Fall, Auf sanft ansteigenden Hängen werden verdeckte Gei 
Stellungen gewählt werden können, um über den Torliegenden ] 
rücken hinweg Artilleriestellungeu des Gepers auf einem gegi 
liegenden Hangp oder Huherirücken zu beschießen, 

Vm die entsprechende Battenestelluug zu ermitteln, 
Kecognoscenfc in der Eichtung auf das Ziel auf dem am mei 
bfischteii Theile des ins Auge j^efassten Raumes so weit Torreii 
er über die vorliegende Crete hinweg das Ziel sehen kann. 

Denkt man sich den eingenommenen Standpunkt am Bod« 
dem Ziele durch eine Gerade verbunden, so liegt die Crete — pi 
genrnnuion — 'Am über dieser Linie, woraus mit Rücksicht auf dS 
fernung der Crete und den weiteren Verlauf des Hanges zu 
ist, ob !«id wie viel weiter rückwärts die Batterie aufgestellt 

Ist z. B. die Entfernung des Zieles 1600 Schritt und der 
«Cent sieht das Ziel von einem Standpunkte 90 Schritt rückAäi 
verdeckenden Linie^ so ist mit Itücksicht auf die Müudungsh 

Entfernung der deckenden Linie pro Meter Höhe gleich —^=451 

und der relative Positionswinkel derselben m = 75:45 = 1*7 • = 
iruud». 

l>tt d^r SchieÜtffcfel-Elevationswinkel für die IHstaax 2* 9' 
so schliefe ich, ihs^ bei gleichbleibender Böschung eine Aa&teUiii| 




Das Schießen und Werfen aus Feldkanonen. 373 

25 Schritt weiter rückwärts, welche vollkommen verdeckt einge- 
nmen werden könnte, auch noch zulässig sein wird. 

Für diese Aufstellung findet man wie! vorstehend die Distanz pro 

ter Höhe mit ^ = 38 Schritt, daher w = 75:38 = 2\ 

Damit resultirt 

i?^ = JB, — m = 2* 9' — 2^ = 9', 

l da dieser Elevationswinkel einer Distanz von über 200 Schritt ent- 
icht, so kann die Batterie ca. 115 Schritt diesseits der verdeckenden 
lie aufgesteUt werden. 

Die Markirung der Hilfszielpunkte ist analog, wie dies beim ver- 
kenden Damme erklärt wurde, vorzunehmen, wenn sich kein gemein- 
laftlicher Hilfszielpunkt hinter dem Ziele bietet 

Analog sind verdeckte GeschützsteUungen rückwärts eines Plateau- 
ides zum Schießen in die Tiefe auszuwählen. 

Ich kann mir hier nicht versagen, darauf hinzuweisen, dass auf 
8em Vorgange vielleicht die einzige Möglichkeit beruht, auf die an- 
{ebene Distanz den Kampf mit einer bereits im Feuer stehenden 
Hlerie, welche sich auf die diesseitige Höhe schon vorher eingeschossen 
Ih mit Aussicht auf Erfolg aufzunehmen. 

Ist die Wahl eines gemeinsamen Hilfszielpunktes möglich, so 
rfte weder der Beginn, noch die Durchführung des Feuergefechtes eine 
sentliche Verzögerung erleiden. 

3. Fall. Im wechselnden Terrain kann die Zulässigkeit einer 
Schützstellung in einer Terrainfalte oder Niederung, auf einem weniger 
ilen, dem Gegner zugewendeten Hange oder auf einem sanfter ver- 
fenden Theile eines sonst steilen Hanges beurtheilt werden, wenn das 
i von einem höher gelegenen Punkte in unmittelbarer Nähe seit- 
rts oder rückwärts der ins Auge gefassten Geschützstellung gesehen 
fden kann. 

Es handelt sich dann darum, zuerst so tief herabzusteigen, dass 
in das Ziel eben noch über die verdeckende Linie hinweg erblicken 
nn, oder bis eine entfernter liegende verdeckende Höhe hinter der 
nächst liegenden verschwindet, auf deren Überschießen es augenschein- 
zb zunächst ankommt. 

Von diesem Punkte ausgehend, schätze man mit Hinzurechnung 
'f eigenen Größe, um wie viel tiefer die einzunehmende Geschütz- 
^Uung liegt und wie weit diese von der verdeckenden Linie entfernt ist. 

Aus dem Abstände der Geschützstellung von dem obgedachten, 
irch die verdeckende Linie gegen das Ziel gerichteten Sehstrahl, dann 



374 L a u f f 6 r. Dm Schießen und Werfen «u VeldkuupDan. 

dem Abstände der verdeckenden Linie und der Distanz das Zieles 
sich mittels Näherongsrechnang der Abstand der verdeekradim 
von der Verbindungslinie der Mündung eines der an^estalH 
Geschütze und des Zieles, wonach — wie in den firfiÜfiren PUki - 
der Winkel m bestinmit und durch dessen Vergleich mit dem' SdM 
tafel-Elevationswinkel beurtheilt werden kann, ob die in A.iupi6lii fh 
nommene Geschützaufstellung zulässig ist oder nicht 

Das Ausstecken der Auüstellung eines Directionsgeschfitzes 
HiUiszielpunktes kann nach Umständen von dem erhShten Punkte m 
rückwärts aus vorgenommen werden, oder aber — Wjsnn zulAsolg -r aialif 
wie beim verdeckenden Terrain erklärt, auf der verde^teudea Tanii- 
erhebung stattfinden. 

Dasselbe gilt bekeffii Beobachtung der Schüsse. 

bt der Beobachtnngsposten beträchtlich weit von der Battifie eot- 
femt, so sind Zwischenposten aufzustellen, welche die Anordnmgai to 
Batterie-Cpmmandanten der Batterie zurufen. 

Wien, im Februar 1887. 



TaMf2, 




leichte 
Xoüibrücke 



ventärkJbe 
Nathbrüdte 






g'375 



g-W 

(^4800 



H 



H+-I 



0.el^i 



% 



^M^l 



Sicherem Traf vernvofeiL eines Floßes au^ 
ßaunistdntmeTf. : JS'K zdky; eines d4fjip^l, 
lerv: Z^F. ffd/f eines dreifadietii l^F 6ä^ 
(F'Flätkeninhalt in' m\ d'iniiäenrDimh^ 
messen eines FlofiMtam-tnes in emX 
Tmqjuemiüa^n, eines FloJUs aus FäHern/: 
Z^F. 3-3 d bis F. hd hg (F'Häeheninh^dt m 
d ' mittlerer Durchmu desFafiess in cni). 
Brate der ßidhnif b'^ h^jvenw h 'Qneischnitts^ 
hohe. Jf^n'^tfi^fr 4^s Jj^i^H^t^mn^ d^l^h^ 
(fäadnUirf<t€ S'(r9h,h'tis, d'is. 
Kleinere ilnersehnittsdimensionew der Füße 
bei MiUier*und imUiAnenbdekjew gleieh -^ 
ietvmeUenhSJie, die .andere AtemöJvnMelLiei 



376 



Über die Ausnutzung der Schusspräcision eines Geschützes. 

Von 
Hauptmann im Ftatanga-ArtUUrU-BataUton Sr. 6. 

(Hiezu 2 Textfignren.) 

Bekanntlich wird die Schusspräcision eines Geschützes gegen ein 
gegebenes Ziel dann am besten ausgenützt, wenn der mittlere TreiF- 
punkt in den beabsichtigten verlegt wird. Da jedoch durch das Ein- 
schießverfahren eine thatsächliche Verlegung des mittleren Treffpunktes 
in den beabsichtigten Treffpunkt nur zufällig erfolgen kann, indem das 
Einschießen nur die Mittel an die Hand gibt, um die wahrscheinlichste 
Lage des mittleren Treffpunktes in den beabsichtigten Treffpunkt zu 
bringen, so kann - selbst bei einem beliebig weit fortgesetzten Ein- 
schießen — der thatsächliche mittlere Treffpunkt noch immer um ein 
gewisses Maß vom beabsichtigten Treffpunkte abstehen, so zwar, dass 
die größtmögliche Treffahigkeit eines Geschützes wohl angestrebt, aber 
mit Sicherheit niemals erreicht werden kann. Was jedoch nahezu mit 
Sicherheit zu erreichen ist, ist eine solche Ausnutzung der PrScision 
eines Geschützes, dass dessen Treffahigkeit nicht durch jene eines Ge- 
schützes minderer Präcision übertroffen werden könne. Dass durch ein 
nicht genügend weit getriebenes Einschießen ein Geschütz minderer Prä- 
cision gegen ein gegebenes Ziel bessere Treffresultate erzielen kann 
als ein Geschütz höherer Präcision, leuchtet unmittelbar ein, wenn man 
beispielsweise ein Geschütz supponirt, dessen Streuung gleich Null ist, 
und dessen mittlerer Treffpunkt beim Schießen gegen ein gegebenes Ziel 
sich außerhalb dieses Zieles befindet. Während ein solches Geschütz 
gar keine Treffer im Ziele geben würde, kann ein Geschütz minderer 
Präcision bei gleich ungünstiger Lage des mittleren Treffpunktes noch 
ganz erhebliche Treffahigkeit gegen dasselbe Ziel entwickeln. Es liegft 
demnach nahe, jene Grenze zu ermitteln, welche der mittlere Treffpunkt 
eines Geschützes nicht überschreiten darf, soll nicht die Möglichkeit 
vorliegen, dass dessen Treffahigkeit durch jene eines minder pr5ciae 



376 



S trnacL 



schießenden Geschützes fibertroffen werden könne, lud basirt hienif 
anzugeben, wann man sich als eingeschossen zn betrachten hätte, damit 
der so definirte Grad der Ansnfitzung der Schnsspräcision erreicht sei 
Denkt man sich bei einem angenonunenen Ziele Ton der Ausdelh 
nung z in der Schussrichtung den beabsichtigten Trefifponkt in der MitU 
des Zieles und bezeichnet mit y den Abstand des mittleren Trell^ankt«s 
vom beabsichtigten, so ist die Treffwahrscheinlichkeit eines Geschützes, 
dessen 50-percentige Streuung in der Richtung der genannten Ansdeli- 
uung des Zieles S^^ ist, eine Function von S^^. z und y nnd gegebes 
durch *): 

-=4[">(^-)-*(e-)] •■' 

in welchem Ausdrucke die in Klammer befindliche Fnnctioii d^üiiirt 
i^t durch 



und wobei 



a.(.j^^|e- 



a =y + -j- 



'dl 



i =* 



z 



zu setzen iai 



p,, ^ 0-4769 



Für jeden Wert von 8^^ liefert die Beziehung I in Beoig auf ^ia 
rechtwinkeliges Coardinateji-System WOY (Fig. 1) eine Cnrve ABL 




über die Ausnutzung der Schusspräcision eines Geschützes. 377 

hneiden. Denn betrachtet man die den Werten S^^^ und S^^ -f- h ent- 
rechenden Curven, deren Gleichungen 

nd, so wird für: 

y = ± + 2S,, 

^ praktisch genommen gleich Null, während der dem Präcisions- 
erte S^^ + k entsprechende Wert von W^ eine gewisse Größe hat. 
ür y = erhalten W und W^ ihren maximalen Wert, und da dabei 

^> ^\ ist, 80 muss es einen zwischen y = — -f- ^ *^&o ^^^^ y = 

egenden Wert von y geben, für welchen H^= H^, wird, und dies ist 
er Punkt, in welchem sich die beiden Curven schneiden. Für den Über- 
ang von der Curve ABC zu einer anderen Ä' B' C\ welcher der Prä- 
sionswert S^^ -[- h entspricht, hat man nach dem Taylor'schen Theorem : 

H'. = m.,.) + *.^+^.^.+ .... 

oraus für einen beliebigen Wert von y die Differenz der correspon- 
irenden Treffwahrscheinlichkeiten : 

Igt. Zur Bestimmung jenes y-Wertes, bei welchem die Treflfwahrschein- 
chkeit des Geschützes von der Präcision S^^ gleich der eines Geschützes 
)n der Präcision S^^ + h wird, hat man die Bedingungsgleichung: 

Wird diese Bedingungsgleichung fQr einen unendlich kleinen Wert 
n h erfüllt, d. i. wird y aus der Gleichung: 

dF 

^=» «) 

rtimmt, so ist klar, dass für den aus dieser Gleichung gezogenen Wert 
3 y und für jeden positiven Wert von h die Differenz 

rativ wird; denn da für A = diese Differenz Null und für h = o^ 
nun W^ = wird) selbe — W wird, so muss W, — W für Werte 



378 S t r n a d. 

von K, die zwischen und od liegen, einen zwischen und — WheMr 
liehen Wert haben. Daraus folgt, dass f&r einen aus der Gleichung 11 
gezogenen Wert von y als ungünstigsten Abstand des mittlem 
Tref^unktes des Geschützes von der Prftcision S^^ die erreichbare 
Treffihigkeit nicht durch die TreffBhigkeit eines Geschützes minderer 
Prftcision bei gleicher Lage des mittleren Tref^unktes übertroffen 
werden kann. 

Durch Ausführung der in der Gleichung II angefahrten Operatioi 
folgt: 



^(1:-) ''- "(£•-) 



Da ferner nach dem Verfahren der Differentiation unter dem Inte- 
gralzeichen: 





ist, so erhält man zur Bestimmung von y die Gleichung: 

a . 6 ^'^«^ ^ = 6 . (» '^»• 
und nach Einfuhrung der Werte für a und h: 

l}L±±^e^(:-M'y lU) 

Drückt man die Größen z und y in relativem Maß aus, i i- 
setzt man: 

-^ = Ä und -^ = X, 
SO übergeht die letzte Gleichung in: 

ag + ^ ' __ (2 ?,,)« k.z 

X — k 

Man sieht leicht, dass die Größe x mit k wächst, und dass der 
kleinste Wert von x resultirt für k = 0. 

Der diesem Werte von k entsprechende Wert von y ist offenbar 
der zulässig größte Abstand des mittleren Treffpunktes vom beab- 



über die Ausnutzung der SchnsspräciBion eines Geschützes. 



379 



8|chtigten Tref^unkte, damit bei jeder Dimension des Zieles die Treff- 
fihigkeit eines Geschützes nicht von der Treffähigkeit eines Geschützes 
minderer Präcision übertroflfen werden könne. Um diesen Wert zu be- 
stimmen, folgt aus der letzten Gleichung: 

log» r=(2p..)**», 

1-- 

X 

Md indem man die linke Seite der Gleichung in eine Beihe entwickelt: 

^[v+T-(l)'+ •••]-(»'•.)•*•«• 

Für k = folgt aus dieser Gleichung : 



und 



X = J^ = 1-48 

2pso 

y = 0-74 S,,. 



Für Werte von ä == bis fc = 2-5 gibt ^e Beschränkung der 
leihe im linken Theile der Gleichung auf die ersten zwei Glieder genü- 
gend genaue Besultate für sc, so dass man innerhalb dieser Grenze 



H während für Werte von ä > 2*5 oc nahezu gleich k ist. Hiedurch 
eriüt man folgende Tabelle: 



1 ^ieldlmetukn In Theilen 
1 von S^ 





Ob 


1 


15 


3 


8*5 


3 


3-6 


4 


1 Größter Abstand des mittleren 
Trefl^mnit^s von der Zielmitte 
in Theilen von jS^j^ ,,..., . 


0^74 


0'75 


0*78 


81 


1 Ol 


I2b 


1-60 


1'7& 


2 



Aus dieser Tabelle folgt, dass, wenn die Zieldimension in Theilen 
von 3^^ größer ist als 2, der mittlere Treffpunkt im Ziele liegen muss, 
damit die TrefEähigkeit des Geschützes nicht von jener eines Geschützes 



über die Ausnutzung der Schusspräcision eines Geschützes. Sgl 



Sj-'^^'l'+-(-i)(^)| 



!>der mit Kücksiclit auf die Gleichung III 
*M ^ 

noraus wegen y > -r- folgt, dass -j-j- negativ ist. 

Anschließend an das Vorhergehende lässt sich nur die Frage steUen, 
deiche Treffwahrscheinlichkeit gegen verschieden dimensionirte Ziele 
nsoltirt, wenn der mittlere Treffpunkt der Bedingung entspricht, dass 
dessen Abstand vom beabsichtigten Treffpunkte kleiner ist als das Maß y, 
^d wenn vorausgesetzt wird, dass die wahrscheinlichste Lage des mitt- 
Itten Treffpunktes im beabsichtigten Treffpunkte sich befindet, und ferner, 
^rann man sich unter gleicher Annahme als eingeschossen gegen ver- 
^hieden dimensionirte Ziele betrachten kann. 

Die Größe des wahrscheinlichen Fehlers if, welcher der ermittelten 
'lagesdistanz noch anhaften darf, wenn bei der wahrscheinlichsten Lage 
^ mittleren Treffpunktes im beabsichtigten der wirkliche mittlere Treff- 
imkt mit dem Wahrscheinlichkeitsgrade W innerhalb einer zum beab- 
liehtigten mittleren Treffpunkte symmetrisch gelegenen Zone von der 
Ämension 2y liegen soU, ergibt sich aus der Gleichung: 



=*(,.^). 



w 

Nimmt man fflr W den der Sicherheit nahe kommenden Wert 

W= 0-993 



in, 80 resultirt 
ind daraus 



y . ^ = 1-908 



über die Ausnutzung der Schutsprftcision eines Gesehütses. 



383 



Zieldimejieion lu Theilen 
von i^rt 



0-6 



1'5 



%b 



3-5 



riitfwahr^eliemlicliteit bei deo .^up- 
jMjnirten wabrächeiDlichenFelileni 
&n der Tages dis tanz -,..... 

aiimde TrelfTrahrschemlichkeit . 



24-9 



46 9 

50-0 



B5b 
68-8 



77 5; 

82 s: 



1 

90 8 



89'7 92't)94 4 
95-7 98-2^9 3 



Diese Tabelle zeigt, dass, wenn ein Einschießverfohren die Schuss« 
cision eines Geschützes so weit ausnützt, dass nicht ein Oeschflti 
iderer Präcision einen größeren Treffeffect aufweisen kann, die Treff- 
igkeit nur wenig mehr von der maximalen Trefflihigkeit abweicht, 
l dass es keinen nennenswerten Yortheil hfttte, an das Einsehieß- 
fahren Forderungen zu stellen, welche eine größere Ausnutzung der 
msspräcision zur Absicht hätten. 

Es bleibt noch die Frage zu erörtern, wann man sich als ein- 
chossen gegen ein gegebenes Ziel betrachten kann, wenn an den 
lauigkeitsgrad der zu ermittelnden Tagesdistanz die Forderung gestellt 
d, dass nicht ein Geschütz von minderer Prftcision einen größeren 
ffeffect gegen das Ziel erreichen könne. Die Beantwortung dieser 
ge zerfällt in zwei Theile, je nachdem man nebst dem Sinn der Ab- 
chungen der Geschossaufschläge auch die Größe dieser Abweichungen 
r bloß den Sinn der Abweichungen beurtheilen kann. 

Im ersteren Falle muss die Tagesdistanz aus einer um so größeren, 
einer Gruppe gehörigen Zahl von Schüssen bestimmt werden, je 
iner der wahrscheinliche Fehler R ist, welcher der Tagesdistanz noch 
aften darf, und da die Beziehung zwischen der Zahl n der in der 
ippe abgegebenen Schüsse und dem wahrscheinlichen Fehler, welcher 
aus dieser Zahl von Schüssen bestinmiten Tagesdistanz anhaftet, 
eben ist durch: 

in r die halbe 50-percentige Streuung bedeutet, so hat man n ge- 
en durch: 



-ihr- 



384 



S t r n a d. 



In nachfolgender Tabelle ist die heiläufige Zahl Schüsse entl 
welche nach dieser Relation für die Terschiedea dimensionirkfl 
resiiltirt-. 



Zieldimension in Tlieilen 
von *%f^ 





5 


1 


1*5 


2 


2 b 


3 35 




Zahl der zu einer Gmppe zu zählen- 
den Schüsse. 


7 


7 


6 


6 


4 


3 


S 


2 


j 



Die in dieser Tcihelle enthaltenen Zahlen zeigen, dass nm 
nähme von sehr kleinen Zielen höchstens sechs Schüsse zur Gmppe geil 
zu werden hrauchen, um eine Ausnützung der Sehiissprärision zu erreidjj 
welche nur unwesentlich vtin der maximalen und idealen Treflihig 
verschieden ist. 

Kann man die Abweichung der Geschossaufschläge bloß dem Siä 
nach unterscheiden, so setzt sich das Einschießen bekanntlich aus eil 
orientirenden Schießen — Gabelverfahren ^ und dem daraufMg^a 
Grupponschießen zusammen. Letzteres hat die Bestimmung, die da 
das Gabelverfahren ermittelte und mit einem gewissen w^ahrscheinlid 
Fehler behaftete Tagesdistanz genauer zu bestimmen, und schon da 
folgt, dass in manchen Fällen, d. i. bei Zielen bedeutender Äusdehna 
das bloße Gabelverfahren die Tagesdistanz mit einem Grade der Gemi 
keit liefern kann, welche hinreichend groß ist» um sich als eingesclio« 
betrachten zu können. Um dies naher darzuthun» w^erde angenon 
dass durch das Gabelv erfahren die Gabelverengung bis auf die »i- 
5Ü-percentige Streuung vorgenommen wurde. 

Um das Entsprechen einer der Gabelgrenzen diel 
engen Gabel oder auch der Gabelmitte für Ziele von 
genommeneo Dimensionen beurtheilen zu können, jbÜ 
nothwendig, die wahrscheinlichen Fehler, mit welchfii <li« 
den Elementf^n dieser Gabelgrenzen oder auch derGibd*! 
mitte entsprechenden Distanzen behaftet sind, zu kenne»» I 
und zur Kenntnis dieser Größen kann man auf folgende 
synthetische Art gelangen: 

Sei OX (Fig. 2) die Schussrichtuiig und O^— «' 
die den Elementen der unteren, OB^-a-^mS^^ dffl 
Elementen der oberen Grenze der engen Gabel 



über die Aasnütznng der Schnsspräcision eines Geschützes. 386 

sprechende Tagesdistanz, dann lassen sich leicht die äußersten Lagen, 
welche die als Mittellinie eines Zieles gedachte Einschießlinie ein- 
nehmen kann, bestimmen, wenn vorausgesetzt wird, dass sfimmtliche 
Geschossaufschläge im Bereiche der vierfachen 50-percentigen Streuung 
aich befinden. Offenbar ist dann die möglichst entfernteste Lage des 
Zieles in Z^, d. i. im Abstände 2 S^^ vom Punkte B und die möglichst 
näheste in Z,, d. i. im Abstände 2S^^ von A. Da beide äußersten Lagen 
des Zieles gleich möglich sind, so ist die wahrscheinlichste Lage der 
Einschießlinie Zu, in der Mitte der Strecke AB; da aber bei der 
Annahme des arithmetischen Mittels als wahrscheinlichsten Wertes das 
Wahrscheinlichkeitsgesetz das bekannte Gauß'sche ist, so ist klar, dass 
das Vertheilungsgesetz der Einschießlinie innerhalb der Zone Z^ Z, das- 
selbe sein wird, wie jenes der Vertheilung der Treffer in einem ein- 
fachen Trefferbilde. Man kann demnach 

Z. Z, = (4 + m) S,, 

als die größte mögliche Streuung der Ziellage ansehen und folglich: 

g (4 + m)^,, 



■^«0 



4 



als die 50-percentige Streuung. 

Dies vorausgeschickt, ist der wahrscheinliche Fehler Ä, welcher 
der unteren Gabelgrenze anhaftet, die halbe Dimension der zum Punkte A 
symmetrisch liegenden Strecke CD, deren Größe so zu bemessen ist, 
dass die Wahrscheinlichkeit fär die Lage der Einschießlinie innerhalb 

dieser Strecke -^ wird. 
2 

Setzt man somit: 



Z^A^ 




AC = 


AD^R 


X 


2m 


©« ~ 


4+TO~' 




2fi 


X = 


■@«' 



SO ist X bestimmt aus der Relation: 



W^-Y[«t»(*4-2a)-(*-28)], 



S t r n a d. 



wenn in derselben W ^ 0*5 gesetzt wird. Die Bestini miing der Gp 
für aDgeDommene Werte von W und S kann am eißfachsten nac 
Tabelle XXXIV der dritten Lieferung des ^Lehrbuches der äu 
Balliatik"^ toh Nikolaus Ritter t, Wuieli erfolgen. 

Setzt mau beispielsweise m = 2, d. i* wird die Verengung] 
Gabel — wie die« zumeist Kegel ist — bis aul* die zweifache 5fl 
centige Streuung durchgefilhrt, so resultirt: 



und hierait, für W -^ 0*5 



S = 0-66 



1*438, 



woraus der wahrscheinliche Fehler^ uait welchem die den Elemente 
unteren Gabelgreiize entsprechende Tagesdistanz behaftet ist, mit: 



resultirt. Setzt mau hingegen: 

X 

so resultirt fiir W^-^0'5: 

R = 0-5 



8^0 



0-75 S,. 



als wahrscheinlicher Fehler, mit welchem die den Elementen der 

mitte entspreehende Distanz behaftet erscheint. 

Hat Bun beispielsweise das vorliegende Ziel, dessen Mittellin 
EinschielJlinie betrachtet wird, eine Ausdehnung von: 

Z=8.0'75Ä,, = 6Ä„, 

so ist es nahezu sicher, dass der mittlere Treffpunkt der den Eleme 
der Gabelmitte entsprechenden Distanz ianerhalb des Zieles sich befil 
und dass somit kein Geschütz geringerer Präcision, wenn man mit 
Wahl der Gabelmitte das EinschieOen als beendet ansieht, eine grti 
Treffwahrscheinliehkeit aufweisen kann. Die letztere bestimmt sich 
der Torangeführten Kegel, indem als 50-percentige Streuung 

^«' = 2 S,, l^075*-{-0-5« = 1-8 3,, 
angesehen wird, durch Bildung des Quotienten 



über die Ausnützang der Scliiisspr&cision eines Geschützes. 337 

mit: 

W= 0-9755. 

Auf gleiche Weise findet man, wenn die Verengung der Gabel bis 
auf 4S,o vorgenommen wird, dass man sich mit der Wahl der der Gabel- 
mitte entsprechenden Distanz als eingeschossen betrachten kann bei 
Zielen von der Ausdehnung 

Acceptirt man die Verengung der Gabel bis auf S^^^, so muss bei 
Zielen, deren Ausdehnung kleiner als 4 S^^ ist, zur Ausnützung der 
Schusspräcision das Gruppenschießen durchgeführt werden, weil nur 
dieses auf rasche Weise die nothwendige Verkleinerung des wahrschein- 
lichen Fehlers bewirken kann. 

Es erübrigt noch anzugeben, wann man sich bei stattfindendem 
Gruppenschießen als eingeschossen betrachten kann, wenn der mehr&ch 
definirte Grad der Ausnützung der Schusspräcision erreicht sein soll. 
Die Zahl n der zu gleichen Theilen „kurz" und „weit" zu beobachtenden 
Schüsse wird offenbar um so größer sein müssen, je kleiner der der 
betreffenden Zieldimension entsprechende und in der zweiten Tabelle ent- 
haltene wahrscheinliche Fehler sein darf. Es ist demnach nothwendig, 
den Zusanmienhang zwischen dem wahrscheinlichen Fehler R der ange- 
wendeten Tagesdistanz und der Zahl n der zu gleichen Theilen „kurz" 
und „weit" als beobachtet angenommenen Schüsse zurathe zu ziehen, 
und zu einer für die Praxis genügend genauen Belation, welche diesen 
Zusammenhang ausdrückt, kann man auf folgende Weise gelangen. 

Ist X der Abstand des mittleren Treffpunktes von der Einschieß- 
linie, so ist die Wahrscheinlichkeit, unter n Schüssen — Schüsse „kurz" 
und ebensoviel ^weit" zu erhalten : 



W= 



2 2' 



■(i)"['-*(iT".)r 



und daher auch umgekehrt — nach einem bekannten Satze der Wahr- 
scheinlichkeitsrechnung — die W^ahrscheinlichkeit, dass wenn von n ab- 
gegebenen Schüssen — Schüsse „kurz" und ebensoviele „weit" beobachtet 



388 



8 t r n a d. 



wurden, der mittlere TrefiFpuakt den Abstand x vou der Emschießli 
hat, proportional: 



[-• ^af-'")r 



oder 



„yW,. [i-*(~Pm)] 



In Eücksiclit dessen, dass *I^ [ ^r- . p^^ ) ein echter Bruch ist* 

man, um zn einer nur nähernngsweise richtigen Rektion zu gelang 
in der Entwiclcelung des Exponenten von c in eine Eeihe diese auf i 
erste Glied beschränken, so dass der letzte Auadi'uck übergeht io: 



e » v5t» ' , 

Vernachlässigt man endlich in der Entwickeluog der im 

nenten von e erscheinenden Function *l^ (-^ . p^oj die Potenzen vom ri« 

und höhereu Grade des Argumentwertes, so hat man schließlicli 
den Proportionalitätsfactor : 

e '^ ^^-^ ; 

da aber die Wahrscheinlichkeit, dass der mittlere Treffpunkt den Absti 
von der Einschießlinie hat, auch: 

proportional ist, so hat man die Kelation: 



und somit 



'-{h)'-T-^-m 



woraus man sieht, dass n erhalten wird, wenn man die für die er 
erwähnte Methode des Einschießens erhaltene Zahl mit 1*57 mnltiplic 



über die Ausnutzung der Schusspräcision eines Geschützes. 



389 



)mit sich, nach Abrundung der nach dieser Begel resultirenden Zahlen 
if gerade Zahlen, folgende Tabelle ergibt: 



EieMimension in Th eilen 
von i*?5o 





05 


1 


X 5 


2 , 


2'h 


3 


3-5 


4 


Zibl n der tu gldt-hen T heilen 
„kürz** und ^weit** zu beobachten- 
den Bchüsse 


13 


12 


10 


8 


Ö 


6 


4 


4 


2 





Für das richtige Verständnis der in dieser Tabelle enthaltenen 
Stahlen ist jedoch zu berücksichtigen, dass bei der Ermittelung der letzten 
Äelation stillschweigend angenommen wurde, dass das Gruppenschießen, 
Büt einer beliebigen Distanz durchgeführt, die gleichförmige Vertheilung 
der Treffer beiderseits der Einschießlinie ergab ; da jedoch dem Gruppen- 
schießen das Gabelverfahren vorangeht, welches gestattet, das Gruppen- 
schießen mit Elementen von eingeschränkteren wahrscheinlichen Fehlern 
durchzuführen, sind die in der letzten Tabelle angeführten Zahlen etwas 
«tt groß. 

Man kann zu den richtigen Zahlenwerten auf folgende einfache 
^eise gelangen: 

Bezeichnet man mit R den wahrscheinlichen Fehler der durch das 
€ibelverfahren ermittelten wahrscheinlichsten Tagesdistanz der Einschieß- 
Imie und mit i?, den wahrscheinlichen Fehler der Tagesdistanz nach 

« Schüssen der Gruppe, von welchen — als „kurz" und — als „weit" 

2 ^ 

leobachtet angenommen werden, so ist wieder: 



^==c....[.-.i.(i5...)r 



n 
die Wahrscheinlichkeit, dass unter n Schüssen — Schüsse „kurz" und 

pfbensoviel „weit" beobachtet werden, wenn C eine Constante bedeutet 

und vorausgesetzt wird, dass sich der mittlere Treffpunkt bestimmt im 

43 



;iöO S t r n a d 

Abstände x von der Einschießlinie befindet; da aber hieflkrnrd 

Wahrscheinlichkeit 

vorlif'jft, HO ergibt sich die zusammengesetzte Wahrscheinlichkeit di 
der mittlere Treffpunkt den Abstand x von der Einschießlinie habe, a 
dass unter 71 abgegebenen Schüssen eine gleichförmige Vertheiloog i 
Schüsse beiderseits der Einschießlinie erfolgt, mit: 



6--?^ ri_.p{|^ , )i 



'"• -m 



* e "«''"rfx 



oder, wenn behufs einer näherungsweisen Lösung die vorher durc 
geführten Vereinfachungen vorgenommen werden: 



. e " •''»•' . e " .dx = 



wenn ^S„ = 2 r gesetzt wird. Nun ist nach der oben angeführten lU 
der Wahrscheinlichkeitsrechnung die Wahrscheinlichkeit, dass — w 
unter n abgegebenen Schüssen eine gleichförmige Vertheilung der Tn 
beiderseits der Einschielilinie stattgefunden hat — der mittlere Ti 
punkt gerade den Abstand x von der Einschießlinie besitzt, proporti( 
dem letzten Ausdrucke, und da diese Wahrscheinlichkeit auch 




über die Ausnutzung der Schusspräcision eines Geschützes. 391 

Diese Gleichung übergeht für den Fall, als Ä = c^ gesetzt wird, 
den Ausdruck für den wahrscheinlichen Fehler der Tagesdistanz, wenn 
s Gruppenschießen, mit beliebigen Schießelementen vorgenommen, eine 
3ichformige Vertheilung der Treffer ergab. 

Angenommen beispielsweise, dass die Gabelverengung bis auf S^^ 
rciigeführt wurde, und dass das Gruppenschießen mit den der Mitte 
r engen Gabel entsprechenden Schießelementen eine gleichförmige 
»rtheilung der Treffer ergab, dann ist — wie bereits erwähnt — m 
hezu gleich 1, und es resultirt für n = 4: 

R, =0-53r = 0-265 5,^ 
d für « = 10: 

B^ =0-37r=:0185 5, 



50 t 



itrend — wenn das Gruppenschießen mit beliebigen Schießelementen 
rgenommen, eine gleichförmige Vertheilung der Treffer ergab — nach 



r n = 4: 



id für n = 10: 



R, = 0-31 Ä.. 
i?. = 0-20 S„ 



Aus der Gleichung IV folgt: 






IL JL 

2 ' m* 



»d für TO := 1 : 



"=(Mf— ■ 



oraus folgt, dass — wenn das Gmppenschießen mit den Elementen der 
ubelmitte der auf S^^ verengten Gabel vorgenommen wird — die 
ihlen der zu gleichen Theilen als ^kurz" und „weit" zu beobachtenden 
:hüsse, um sich als eingeschossen betrachten zu können, aus den in 

43* 



ÜBer die ÄasnüiEang der Schnsspräcisioii eines GeechQtir-r 

eile enthaltenea Zahlen hervorgehen, indem man rmidl 
€11 abzieht; hiemit ergeben sich folgende Angaben: 



roeiisruR in Theüen 
von Sg^ 



m gleichen Theikn 
ri^ I „weit** KU Tjeübachten 
» ScnuHt^e 






05 


1 


1-5 


2 


'J 5 


3 


3 5 


10 


10 


8 


6 


4 


4 


2 


8 



— sehr kleine Ziele auagenommen — zeigen, dass das aas ^iirt 

?ou acht Schüssen gezogene Kriterinm genügt, mn tn ^^ 

, ob man sich vom Standpunkte der eingangs definirten Au* 

er Präcision eines Geschützes als eingeschossen betraehteu kiai 



393 



uerufigen in der Feldausrüstung der k. k. Genie-Truppe und 
ihrer Reserve- Ansialten. 

1* Detonirende Zündgchnur* 

Mutjor im Otnie«taf*r uutJ Che/ dtr JW ^trti*m de* k. k. teehniMchen und atimlniatrativett MUUär-Comitl 

{Unter Zu^undeleu^uiig' officteller VersucLsdaten bearbeitet.) 
(Hiezu Taf 15.) 

Vor nicht langer Zeit *) wurde in diesen Blättern auf die Arbeiten 
Igewiesen, welche die französische Explosiv-Coramissiou in 
letzten Jahren behufs Ausmittelung detonirender Zündschnüre durch- 
tohrt hat und welche mit der Einführung solcher Schnüre aus mit 
inpulveriger Schieß wolle gefüllten und dann zu kleinem 
Thmesser ausgezogenen Metallröhren ihren Abschluss gefunden 
en. 

Auch das Militär-Comit^ hat dieser Frage in neuester Zeit 
De volle Aufmerksamkeit zugewendet, ued so ist es nach einer Reihe 
I Versuche E gehingen, nach einem von dem Verfasser dieses Aufsatzes 
fegebenen Verfahren eine detonirende Zündschnur herzustellen, welche 
i der Eigenschaft raschester Detonationseinleitung und Fortpflanzimg 
ih eine Anzahl von Voilheilen verbindet, welche sie zu einem Zünd- 
ttel für Kriegszwecke besonders geeignet erscheinen lassen. 

Die nachfolgeiMlen Mittheilungen bezwecken nun einerseits, für die 
htige Verwendung und möglichste Ausnützung der durch diese Zünd- 
tour gebotenen Zünd-Combinationen die Grundlage zu bieten, und 
erseits zu weiteren rationellen Versuchen mit diesem neuen Zünd- 
ttel Anregung und Anleitung zu geben. 

Der Kriegsmineur und das weitere fachtechnische Publicum werden 
dem Inhalte der nachfolgend beschriebenen Versuche auch darüber 



*) jjÜber ein Verfahren zur Erzeugung' detonirender Ztindsirhnnr " (Mit einer 
Ue,) Tod Major Pkilipp Hesa. (^Mittbeüungen", Jabrgg, 1H87. 1 Heft Notizen* 
11 J Anm d Red. 




394 



Res 



ein Urtheil schöpfen können, inwieweit das neue Zündmittel die Eigonit^ 
beititzt die elektrische Zündmethode in ihrer Anwendung als SimnlU^ 
Ziindmittid in wirksamer und vortheilhafter Weise zu erseUeo* 

Um ein möglichst vollständiges Bild davon zn geben, wie sick 
die Kenntnis der Natur und Verwendungäweis^e der detoniretuleii ZAbiI* 
schnür successive entwickelt hat, .^ei es gestattet, den ganzen Wr- ^ 
Vorgang liiemit — selbst auf die Gefahr einiger Wiederholung^. .. 
welche aber doch immer den Wert von Bekräftigungen oder toö Wider- 
legungen früher gewonnener Anschauungen beansj^iruchen dürfen 
historischer Keihenfolge zu besprechen und ihn einzutheilen iü: 

1. Elementarversuche, durch welche die Herstellung und die 
Eigenschaften der Zündschnur an sich ermittelt, sowie ihre sich zimidiit 
darbietenden Verwendungsweisen klargestellt wurden; 

n. Control- und Erweiterungsversuche zur Verification der Eig«JH 
Schäften der Zündschnur und zur Feststellung der vortbeilluift^'^Trt 
OHbrauchsmodalitüten ; 

IIL Ergänzungsversuehe zur Ausarbeitung einer Gebranchft-lfi* 
struction. 



I, Elementarversuche. 

Wenn von den erfolglos gebliebenen Versuchen abgesehen wiii. 
'verschiedene Explosivstoffe, wie Schwarzpulvpr, Schießbaumwolle, Fifarit* 
pulver oder den Zündsatz der in Österreich durch Decennien bekannteaGonut* 
scheu Zündschnur (Kaliumchlorat und Blei-Eisencyanür) in einer Züji4- 
i^chnur von vollkommener Biegsamkeit so zu fiiiren, dass damit eine di 
Detonations-Impulse activirbare und dann mit der Geschwindigkeit 
Explosivwt^lle explodirende Zündader erlangt werde, so zeigt «ich büL 
dasä es vor allem Knallsätze, resp. Knall praparate von besonderer Briittsi 
sind, durch welche man die eben präcisirte Aufgabe in der eiiifiii^itft 
und sichersten Weise erreicht 

Wahrend die als Sprengraittel dienenden Explonivstoffe, ttod mIM 
die brisantesten derselben, eine gewisse Verdichtung und zudem düt 
Einsdiluss von gewisser Widerstandsfähigkeit verlangen, welcher Ü^ 
HersU'llung unbeschränkt biegsamer detonirender Zündschnüre i»- 
scUlieÜt oder wenigstens bis jetzt, praktisch genommen, ausgeschl<|ji«ts 
hat erhält man durch Application von Knall präparaten und in er^r 
Linie von Knallqui'cksilbiT auf Oespinnstfiiden und entspr V ' Ssh 
hüUung der so geschaflV^nen Zündader eine Zündschnur für 'iiin*- 

zündung von allen diesfalls erforderlichen Eigenschaften* 



Neuerungen in dtr reldaütirä&tmig der k. k. Genie-Trappe. 



395 



Die Herstellung einer solchen Zfindseliniir, als deren Explosiv- 
^raparat ich in erster Linie imd bei den weiteren Darlegungen nur das 
[nallriiieeksilber in Betraclit ziehen will, basirt anf jenem Verfahren, 
^eldie^ schon seit langem bekamit ist iiod im wesentlichen darin besteht, 
System von mehreren Baiimwollfaden dnrch ein mit Hilfe einer 
eigneten Flüssigkeit aus dem Explosivpräparate bereitetes Magma 
•rart dnrchzir/iehen, dass eine genügende Menge des Präparates an 
511 weiterhin vereinigt zu führenden Fäden haften bleibt und die sn 
atstehende Zündader dann in ein durch Umspinnang zu fixirendes Stoff- 
ind und nach der etwa nothwendigen Troeknnng noch in solche Sehutz- 
|en einzuhüllen, wie solche für die praktische Verwendung der Zünd- 
ttur erforderlich hiikL 

Als Explosivpräparat für solche Zündschnüre, welche bisher nur 
lurch Flammen-Impuls gezündet wurden, und — wenn mit dem bekannten 
lomez'schen Zündsatze gefüllt — eine Verbrennungsgeschwindigkeit von 
licht über 70??/ per Secuiide erzielen liellen, das Knallqoecksilber zu 
verwenden, lag wohl nahe, ist aber vor den hier besprochenen Ver- 
nähen — soviel bisher bekannt — noch nicht, und vielleicht in erster 
Linie deshalb nicht unternommen worden, weil die mit der Verwendung 
holchi^r Schnüre schwer zu venneidende Noth wendigkeit, das Knall- 
Uuecksilber bloßzulegen und eventuell zu schneiden, auf den ersten 
[Augenblick bedenklich macht. 

Wenn man aber erwägt, dass auch bei der tlomez^sehen Zünd- 
[ichnur das Schneiden nicht ungefährlich ist, und nur mit gewissen 
[Torsichten ausgeführt werden darf, so erschien die Annahme nicht aus- 
[ricbtslos, dass sich auch eine zweckmäüig aus Fiüminat construirte 
adschnur, in entsprechend vorsichtiger Weise behandelt, werde praktisch 
renden lassen- 

Die Versuche, welche diesfalls vorgenommen wurden, habtMi diese 
nähme vollkommen bestätigt, zugleich aber auch gezeigt, dass man 
I Knallquecksilber einer solchen Zündschnur — entgegen den bisherigen 
»gaben, nach welchen das Fulminat nur einer einzigen Art von 
iplosiver Zersetzung fähig sei — je nach der Art des Initial-Impulses 
im einfachen raschen Abbrennen (Abpuöen) oder zur Detonation ver- 
tilassen könne. 

Bei schwächeren Impulsen, wie z. B, Funke, Flamme, überstarker 

cMag auf die ungeschützte Schnur, unzweckmäßiges und unvorsichtiges 

Schneiden der Schnur etc. wird nur ein rasches Abbrennen der Zünd- 

fhnur nach Art der bisher bekannten schnellbrennenden Zündschnüre 



3 'i 

J 



396 



He:*» 



«•{ngeleitet, während eio entsprecbend starker Im{iiild, wie jen«*r di 
Explosion eines mit der Zündschnur in passender Weise verbann 
Sprengkapseis, die Detonation der Schnur (mit einer Fortpflmn: 
Geschwindigkeit von über 3000m per Secimde) bewirkt. 

M^ar nun einmal die binläugliche Handlichkeit des KnaUijiiack* 
Silbers in der aus ihm hergestellten Zündschnur dargethau, so empbU 
sich die Verwendung gerade dieses Präparates sofort uns fcklg«Bdit 
(iründen: 

L Ist Knallquecksilber der brisanteste unter den techniiich 
groüen verwerteten Explosivstofteu, lässt demnach eine sehr groOe V«r^ 
brennungsges^chwindigkeit im voraus erwarten. 

2. Ist das Knallquecksilher empfindlich genug, um selbst ai 
erschwerenden Umstanden Detonations-Impulse willig aufzunehmen, 

3. Besitzt Knallquecksilber eine im groÜen MaUstabe und wä 
vielen Jahren bewährte befriedigende chemische Stabilität^ 

4. Mfisste die Anwendung des Knallquecks^ilbers als Züudsdiiiar- 
satz die Erzeu^'uug schnellbrennender Zündschmlre wesentlich ve4^b- 
fachen, weil das Präparat im Handel erhältlich ist und die complicirU 
Darstellung eines gemischten Zfindsatzes eliminirt 

Die Elementarversuche mit der neuen detonirenden Zündschnot 
wurden nnn speciell von dem Gesichtspunkte aus durchgeflUirt, du 
Zuhvften der im Vorstehenden ansgesprocbenen Erwartungen uud Ab«!* 
haupt den ^irad der praktischen Brauchbarkeit der neuen Schnur insoweit 
zu constatiren, als dies im Kahmen von Vorversuchen* za welchen im 
Explo^siivraaterial nnr in kleinen Posten nnd mit speciellen V0rsifh1''fl 
im Laboratorium und in der mechanischen Werkst^tt^ des MiUtU- 
(-'omite laborirt werden konnte, möglich war. 

Diese (von der 1\\ Section des Militär-(*omit** ausgeführten) Wr- 
suche umfassen ; 

1, \%»rsuche zur Klarstellung der Zündeignung und Brenn weke Jtf 
detonirenden Zilndschnur. 

2, rhronographische Versuche zur Ermittelung der Uescbwindigket 
der Detonationsfortpflanznng, 

3, Versuebe im Ermittelung des Einflusses, welchen die m 
coraplicirteren Syst^»me von Demolirungsmiuen bei einer durch 
Schnur erfolgenden Simultanzündung zuerst explodirenden MiD<»ii 
ungünstigsten Falle auf die Narbbanninen üben kuuuen. 

4, Versuche zur Ermittelung des Grades der Sicherheit, w< 
der Zündschnur gegenüber gewöhnlichen mechanischen Alteimi 
innewohnt* 




1^. Versiiclie zur Coiii^tatiiuiig des Grades von chemischer Stabilität 
pRitzes imd der Züiidsrhniin 
6, Beschießutigs-Versiiche. 
] 7. Von'ersuche zur Erlangung von Anhaltspunkten für das weitere 
tdium der Gebrauchsweise der neuen Zündschnur. 

^ersuclie zur Klarstellung der ZüBdelguun^ und Brenuweiso der Zünd- 
en soliuur. 

^^u diesen Versuchen diente zunächst Zündschnur, bei welcher die 
ile nur von dem fibersponnenea Baumwollbanile geschützt war, und 
r Kern der Zündschnur, bestehend aus vier mit Knallqiiecksilher 
^rägnirten, durch das erwähnte Band eingehüllten BaumwolltMen, per 
iter ca. bg Fulminat enthielt. 

I Diese Versuche ergaben vor allem, dass je nach der Art und 
Irke des Initial-Impulses die Zündschnur in verschiedener Weise 
fevirt wird. 

' Wird die Seele durch die glühende Lunte, durch eine Fhioiiue 
ler durch einen unzulänglichen mechanischen Impuls — sei er durch 
ibung oder Schlag gegeben — entzündet, so prasselt sie mit lebhaftem 
rausche und mit sehr großer Ungleichförmi^keit zieailicb rasch ab. 
\\ Brisanz, welche der Satz hiebei entwickelt, ist eine sehr geringe; 
i der abgebrannten Schnur wird noch der aus den Bauiuwrdltäden 
jtehende Kern, sowie ein Theil der Band- und Fadenhülle, ersterer 
mhch intact, letzterer meist stark zerrissen, aufgefunden. 

Bei kurzen Stücken (etwa Im) erfolgt das Ald^reuneu meist tür 
\ Gehör in solcher Weise, dass man danach allein dieses Abbrennen 
1 einer kräftigeren Detonation der Schnur nicht wohl unterscheiden 
m. Bei längeren Stücken hingegen zeigt sich insbesondere, dass an 
zelnen Stellen der Schnur, wo entweder Feuchtigkeit zurückgeblieben 

ein sonstiges stellenweises Hindernis der Feuerübertragung gesetzt 
eine wesentliche Verzögerung im Abbrennen eintritt, was das ob- 
rihhte prasselnde Gerifusch der abbrennenden Schnur zur Folge hat 
die Schnur gleichmäßig erzeugt und ycharf trocken, so wird das 
brennen natiirgemiiß rasch und gleichförmig, so dass sich in diesem 
le die Schnur rihnlich der normirten schnellbrennenden Zündschnur 
rlält- 

Wird hingegen die Seele durch einen hinlänglich kräftigen 
Itonations-Impuls, etwa durch dt*n hiezu vollkommen ausreichenden 
puls einer an den Kern der Schnur, «1 i. an die in Band gehüllte 




I 



398 



Hess. 



Schmiraeele angeschnürten, mit diesem noch tlnrch eine gemein 
straff umgehundene Bandnmwickelnng vereinigten 1^ Sprengka 
gezfindet, so erfolgt eine vollkräftige Detonation des Züudsatze» 
brisanter Wirkung, 

Von dem Schniirkern werden sodann fayt nur minimale Fä^ei 
oder allenfalls einzelne Fadenstiicke der Umspinnung aufgefunden 
die Schnur im Momente der Explosion aiif weichem Holze auf, so hin 
lässt sie dort noch eine gut sichtbare, etwa eine halbe Gänsekiels-I 
dicke tiefe Furche; sehr dünne Bretter oder Latten werden sogy 
zerspalten. 

Die luitiirung des Kernes der Schnur durch Sprengkapseln ist 
ganzen wohl über lOOmal die mit elektrischen MinenzüDdern, wel 
solche Kapseln enthalten, unter verschiedenen Umständeu ea. 40mal 
dem gleichen, sicheren Erfolge constatirt worden. 

Die Explosion zweiter Ordnung durch unzureichende TtiitiaMmj 
wurde mit Lunte und Flamme wiederholt, mit ungenügenden S- 
impulsen gelegentlich des Rammens der Schnur, um ihre Empfiii 
keit zu prüfen öfters zußillig, dann gelegentlich des Versuches» 
Detonation einer tSchniir selbst durch sehr starke Hüllen auf eine Xachbi 
schnür zu übertragen, einmal cofistatirt. 

Die Einleitung des Abprasselns der Schnur durch Reibung e 
sich einmal, als ein Stück dieser Schnur mit stumpfer Klinge > 
bf»soiidere Vorsicht zerschnitten und hiebei aller Wahrscheinlichkeit 
der schon herausgefallene Knallsatz in der in der Holzunterlage 
standenen Schnittfurche durch einen zweiten Schnitt gerieben wurde. 

Ein Beweis der geringen Brisanz der so entzündeten Schnur li 
darin, dass das abbrennende Schnurstück in der ungeschützten Hand 
Manipulirenden nur etwa den Effect einer starken Prellung ohne sich! 
Verletzung der Haut hervorbrachte und keinerlei Folgen hinterließ. 

2. ChronogT&pMaohe Versnohe. 

Die Detonationsgesehwindigkeit -— d. i. die Geschwindigkeit 
Detonationsfortpflanzuüg — wurde bei der detonireuden Zündschmir 
Hilfe des Fallstab-Chronographen von Le Boulengt^ in der Weise ge 
dass Anfang und Ende jenes Schnurtheiles, für welchen die Zeit 
Detonation zu ermitteln war, mit den die SchlieÜungskreise der he 
Elektromagnete bildenden Drähten derart verbunden wurden, das^ 
Detonation des im Anfangsprofile der Messung liegenden Schnurtha 
den Schlielhingshogen des Chronographenstabes, die Detonation am 
profile jenen des Enregistreurs zerriss. 






Die zweckmäßige ünterbrerhungevorrielity ng miisste erst experimentell 
hindeii werden. Wendete man dünn**n Knpferdraht in dem zn zerreinenden 
ilo des Stri>mkreisf\s an imd wand diesen einigemal um die mall- 
ende Stelle der Zündseliniir, so wurden wegen der dem Zerreißungs- 
ite vorangehenden Dehnung des Drahtes sehr engleiehförmige 
iltate erhalten. 

Ward aber der zu zerstörende Theil des Si^hließnngsbogens aus 
lem um die Schnur dicht herumgewundenen, mit den Enden an die 
litung^drahte angeklemmten StariniolHtreifen von etwa lern Breite 
ibildet ^0 erfolgte die Stromiinterbrednmg sehr gleichiormig und man 
lielt gut übereinstiDimende Kesultate. 
I Es zeigten sich bei Anwendtißg von Rchniiren ohne äußere Hfillen, 
io bei Detooining des vorbeschriebeneii Zündschnnrkernes — bei einer 
nurlänge von je 5m — Detonationsgeschwindigkeiten von: 
3080w 
3080m 

3301m in der Secunde. 
tin der vollkommen aungefertigten Schnur ergab sich bei 6m 
lunrläiige eine Explosionngeschwindigkeit von 

3452m, 
i einer Schmirlänge von 100m eine solche von 

3514m 
i bei einer Schmirlänge von 35m, innerhalb welcher die Schnur 
'Sprengkapseln in der i^päter detaillirten Weise (vgl. den Versuch P. 7. t) 
feuerte und außerdem drei Stück verbin düngen durch Xebeneinander- 
iden von etwa 5cm langen Schnurkerntheilen der zu verbindenden 
Icke enthielt, eine Explosionsgeschwindigkeit von 

3651m. 
Für Anwendung uneingehüllter, durch 10 Minuten unter Wasser 
egt^r^ also mit W^asser gesättigter Schnurkerne ergaben sich in zwei 
rsnchen, bei je 2m Schnurlänge, Explosionsgeschwindigkeiten von 

esmal 

3273m, 

In zwei Fällen, wo jedesmal zwei vollkommen auisgefertigte, mit 

Eier durch Hilfe eines Sprengkapseis in der .später m beschreibenden 
ohne Oflhung der SchniirhüUen verbundene, zusammen je 2'Sm 
Schnurstücke detonirt wurden, ergaben sich deren Explosions- 
^chwindigkeiten, wenn die durch die Cbertragung der Detonation des 
iten Stückes auf die Sprengkapsel und der Detonation des letzteren 
\ das zweite Schnur stück entstehenden Verzögerungen nur in Form 





venniDderter DetofiatioQi^gesehwitidt^ki^it der Schnur iiij^gedrückt ^ 
diese Gesehwiadigkeiten mit 

2541 «i luid 

2I77-8m 
oder im Mitt^^I: 

2360m. 
AVird oim die Explosionsgedcliwindigkeit der Selioiir ahmt Ter> 
biiiduiigen mit ea. 3300m nach Obigem angenommen, so würden 2*Bm ob»» 
Verbindung in 0000848'', mit einer Verbindung durch Kapsel in 0*00! ! ^'^^ 
detoüiren, »o dass die DetonatiousverzugeniDg durch eine Kaf**-^ 
bindung sich auf 0*000261" berechnet 




3* Versache zur Ermittelung des gegenseitigeii Einflusaea von Mlaas 
SimultanEtiidung bei AnwenduBg der detonireDden ZüBdacluiiir. 

Bisher wurde der Beweis fOr die praktisch auureicheiido LeiÄtiuig 
eine» Simultan zundmittels, dessen Fortpflanzungsg»\^rhwiiidtgkeit nicfct 
wie jene der Elektricität die Geschwindigkeit der £xploäion8rort|it!iniUA|e 
der tSpreügprfiparate weit hinter sich lässt., zumeiÄt dadurch zu ^rhrin^n 
gesjucht, da8.«i imitirte Bröckenprofile oder andere, eoraplicirtt» Demolininign 
anlagen bedingende, imitirte Consti'uctionen durch mej.Ht reducirtt^ •>«kr 
auch durch Züudpatronen ersetzte zahlreiche Ladungen mit sjcl 
brennender Zündschnur simultan geziindet wurden und aua der Vi 
statirung des Zusammenwirkens dieser Ladungen ein ScbluAa iiiif d# 
zulängliche Leistung de.s SiraultanzÜndraitteW stattfand, 

Eine Eri>robung von Simultanzündmitteln an eomplicirtereJi C< 
structionen naturlicher Grölte und mit genauer Einhaltung der to 4» 
Wirklichkeit zu gewärtigenden Verhältnisse ist aus nahe! i- ' . «[rrftodfa 
wenn von einzelnen, vielleicht ausnahmsweise sich darlu- . „ . :. Gel« 
heiten abgesehen wird, zu erzielen umso weniger möglich, &I9 zu rM 
Beweiskraft einer mannigfaltigen Wiederholung oder Variirung der V^ 
suche nicht wohl zu entrathen wäre. 

Ek erschieu deniriHch zweckdienlich, bei dem vorliegenden naia 
Zündmittel ein Verfahren zu dessen Pnlfnng auf die Simultanzöndlrirtim 
zu veri<uchen, welchem die Experimente von der Anwendung der 
«tructionstheile im groüen und von der Ven^endnng der 8pr<^tigiDil 
Udungen gänzlich emancipirt, ohne darum den Versuchen etwu 
ihrer Beweiskraft zu nehmen, ja welches sogar strengere Versudi»- 
hedingungen, als «U** Wirklichkeit sie mit sich bringt iöfolrtrt tui4 ia 
Falle der Bewahrung eines Zftndmittels von der An^ellung kostsriifdlir^m 
Experimente füglich absehen ließe. 



Neuerung^en in <ier PeliiausrüHtutig der k. k. Geiiit^-Triippe, 401 

von mir ad hoc ersoiinene Verfahr**n hej^iteht darin, die 
undeiiden Ladungen durch Sprengkapseln zu ersetzen und 
be Kapseln, in ihrer räumlichen Anordnung nach dera zu repräsentirenden 
hen-Complexe gruppirt , gegen ü'7mm dicke Schwarzhlechtäfelchen 
herzuhalten, welche so tjelagert sind, dass die Detfination des Spreng- 
igels ober der Blechmitte einen Durchschlag des Bleches hervor- 

I Die Kapseln werden insgesaranit entweder durch einen und den- 
ken Metelldraht auf den Blechtafeln niedergehalten, oder an einem 
jhen Draht so angehängt, dass sie in beiilen Fällen, wenn der Draht 
Irgend einer Stelle zerrissen wird — sei es infolge der Schwerkraft 
r aber durch die Sehnellkraft eines mit jeder Kapsel verbundenen 
mannten Gummisch nur chens von ihrer Aufkgerstelle rasch ent- 

fit werden und somit ihre Detonation mehr oder weniger entfernt von 

r Stelle vollführen müssen. 
In einzelnen Fällen kann auch die Einrichtung so getroffen sein, 
6 durch die Sehnellbewegung der Gummischnur anstatt des Kapseis 
Blech oder dass beide bewegt werden, immer aber in Beabsichtigimg 
Effectes, eine rasche Entfernung des Kapseis von ihrer Unter- oder 
rterlage herbeizuführen. 

Erfolgt nun jene Drahtzerreißung, welche alle so vorbereiteten 
Dgementa der Kapseln einleitet, durch die Detonation des im ganzen 
teme einer Simultae-Zündanlage erweislich zuerst activirten Spreng- 
«els, was durch ÄnsehnCiren des Kapseis an jenen Draht sehr leicht 
©rzielen ist, so gibt eine Eevision der Sprengwirkungen der detonirten 
min auf ihren Unterlagsblechen ein scharfes Kennzeichen dafür, ol* 
geprobte Zündmittel streng simultan gezündet hat oder nicht. 

Sind die Sprengwirkungen der Kapsel direet in der Ruhelage 

»er letzteren entstanden, so ist die Zündung eine streng simultane, 

Gegenfalle eine minder simultane, was aus dem Grade der während 

Zündung erfolgten Ortsversehiebung der Kapseln ersichtlieh ist. 

Es ist wohl klar, dass ein Zündmittel, welches unter den hier 

ixirten Bedingungen streng simultan zündet, in Wirklichkeit — wo eine 

Pete Einwirkung des erstexplodirten Kapseis auf den Constructions- 

il nicht vorkommt, sondern das Kapsel erst die Zündpatrone, diese 

Ladung detoniren, diese letztere den Constructionstheil zerreißen 

I diese mechanische Störung sich erst in maßgebenden Nachbartheilen 

I Constructions-Systems äußern muss; wo zudem ein so labiler Zu- 

ipmenhang zwischen den einzelnen Ladungen wie bei dem Probe- 

perimcnte gar nicht besteht — auch unter den denkbar schwierigsten 




i 



402 



Hess 



Verhältnissen der Wirklichkeit sich als SimultaDzündmittel 
weiaeD werde. 

Die genannte Methode kann in dem Falle, wo die Ziindimg Jü 
Kapseln allein 'dh eine streng äimiiltaue nicht erwiesen wird, dad« 
erweitert werden, dass an Stelle der einlachen Kapseln solche mit Zö 
patronen» oder gar solche mit Zinidpatronen und kleinen DynamitladiiDg 
gegenüber entsprechend verstärkten Drähten wirken, so dass dann, 
man in diesen geänderten, der Wirklichkeit schon näher gerückten FäH 
die hinlänglich simultane Zündung erweist sie noch immer für 
schwierigsten Fall der praktischen Anwendung mit erwiesen ist. 

Die Methode gestattet endlich, durch Einschaltung beliebiger V«j 
^ögenmgen zwischen die Action des Zfindmittels und jene des von 
abhängenden Sprengkapsels die Mittel zu studirea, durch welche ei^ 
nicht ganz befriedigende Simiiltanität etwa noch verbessert werden 

Im gegebenen Falle war es» nicht nothwendig, die hier geschild« 
^lethode weiter zu moditiciren, als sie nach der ersten Skinin 
erscheint, denn sie hat schon in der hiedurch bedingten Ausführung 
detonirende Zündschnur als ein vollkommen simultan wirkendes Zua 
mittel erkenneu lassen. 

Die Detail-Anordnung der einzelnen Versuche geht aus 
schematisehea Skizzen Fig. 1» 2 und 6 hervor» in deren jeder die Ho^ 
gerippe und Pflöcke mit A> die detonirende Zündschnur mit /» die Sprea 
kapseln mit S, &\, ä„ S^ , . ., die den labilen Zusammenhang zwiscb 
den Ladungen i Kapseln) imtereinander und mit den Constructionstlieüi 
repräsentirenden \lmm starken) Messingdrühte mit m, die 
.schnüre mit /; bezeichnet erscheinen; i sind die zur Eiplosionsconstatii 
der Sprengkapseln dienenden Eii^enbleche, t Nägel zur Fixirung 
Drähten und Schnüren. — Die Details der einzelnen Verbindungeo 
Sprengkapseln mit der detonirenden Zündschnur» bez. mit der Bickfofi 
Schnur, sowie der detonirenden Znndschnurtheile miteinander sind 
den Skizzen Fig. 3 bis 5, dann 7 Ids 'J zu entnehmen. 

Wo Bickford-Schnur verwendet wurde, erscheint dieselbe in 
schematischen Darstelhmgen punktirt angedeutet. 

Eine l^esondere Serie von Experimenten wird durch die Scher 
Fig. 10, 19 und 20 versiunlicht und hatte die Anwendbarkeit der nett 
Zündschnur zur Simultanzündung sehr zahlreicher Minengruppen da 
thun, wie sie bei Demoliruiig eiserner Brücken vorkommen können. 

Nach Fig. 19 diente die Zündschnur zur gleichzeitigen Zöndal 
von 28 Sprengkapseln in einem Feuerkreise, nach Fig* 20 ru dem 
gleichen Effecte unter Anwendung von Zweigzündleitungen. 




Neaerungen in der Feldausrüstung" der k. k. Genie-Truppe, 



403 



Bei den m Fig. 19 angedeuteten Uralitverbindungen detooirten die 
prengkapselii Nr. 15 und 16, dann 27 und 28, trotzdem Jie Detonation 
von ihnen dureb ca. 20 resp. 36m Zündschnur getrennten Kapseis 
I die Fixirnng über ihren Lagern schon aufzuheben begonnen hatte, 
1 in ihren Eiihelagen, Zwischen 1 und 15, bzw. 16 waren eine, 
ichen 1 und 27, resp. 28 zwei einfache Schnurverhindungsstellen, 
bei dem Versuche am 19. März (vgl. Fig. 2) angeordnet *). 

Ein ca. lt}rm langes Schnurstück zwischen 27 und 28 war blank 

lacht und die Seele mit Wasser völlig getränkt worden. 

Alle Simultan-Zündversuche mit der Schnur gelangen vollkommen. 

Aus den hier beschriebenen Versuchs-Serien ergibt sich sofort die 

rendbarkeit der detonirenden Zündschnur zu Simultanzündungen in 

durch die Schemata Fig. 15, 16, 17 und 18 dargestellten Ziuid- 

ugsaiiordnungen. 



Versuche zur ETmittelung dsr meohaBisohen Stabilität der Ztlndacliner, 
ihrer WiderÄtandsfähij^keit geg-en die gew5haliclicn uiechanUcheii Impulse. 

3t) S c li n i 1 1 T e r s u c h e. 

Die detonirende Zündschnur wurde zumeist ohne Hölle, späterhin 

auch oft mit vollständiger Hülle und auf verschiedenen Unterlagen 
tttrirpapier, w^eiches Holz, hartes Holz), sowie mit verschiedenen 

eidewerkzeugen (scharfe, stumpfe und schartige Messer) geschnitten, 
e besonders intensive Experimentirnng in dieser Kichtung war da- 
irch geboten, dass, wie schon sub 1 erwähnt im Anfange der Ver* 
che ein Stück Zündschnur, beim Abschneiden mit stumpfem Messer 
d ohne Eücksichtnabme auf die hiebei zu beobachtenden, später fixirten 
iTsiehten, einem Mitgliede der Versuch,s-Conimission unter der Hand, 
Erdings mit sehr geringem Offensiv-Effecte, sich entzündete. 

Die einzigen Vorsichten, welche bei den hier in Bede stehenden 

Sclinittversuchen, sowie bei den spüteren einschlagigen Versuchen 
obachtet wurden, bestanden darin: 



') Versuch am 19, März 1886, — Zwiselieii dmn di'n Draht zerreißendeu 
'engkap^el S^ und dem Nacbharkuiksel >S^ waren dm Zilndsehnur, enthaltend zwei 
fbimlungsüt eilen, wi> Kern an Kern der beiden zu verbindenden Stiieke aufeinander- 
chnürt war. 

Bie Ziindsebnur war in Kettenlinien nat'h Fifr 2 Llng^ emes Vertiralprufils 

geordnet und an dem zu dnrchscldagenden Messinia^drahre aufgelüin^^. An dem 

n der Schnur befindlieheu llretto war die Rnheht^^'e der Sehnar bezeichnet, 

Die ^unti} Öcliiinr und aueh die Spreng^kapsel *S"j detonirten, trotzdem sie der 

pbwerkraft und der Schnellkraft der Guiuniischuüre nach dem Dureh^ehltig^en des 

fttfhängedrahtes ausgesetzt waren, noch genao in ihrer Uuhelage. 




404 



Hess. 



a) Ben Schnitt mit einem eiDzigeu Zuge zu vallenden; wean dkf 
nicht gelang, wurde der Schnitt niemals an der schon ^ngeachmttim& 

Stelle der Schnur wiederholt, sondern neu angebmcht. 

Ä) Nach jedem Schnitte wurde der KnallijuecksÜberstauh toö da 
Unterlage und dem Messer weggeblasen. 

c) Die Schnur wurde mit Hilfe eines Stückes Holz dareh dii 
linke Hand gegen die Unterlage gedriickt. so daus sw w^rt^r«^ 
Schnittes nie mit der freien Hand in Berührung kam* Zitm > 
drücken eignete sich am besten ein handgrotfes Brettstückchen* 

Die vollkommen ausgefertigte Schnur wurde endlich ca* 50iiuü ml 
jjcharfem Messer geschnitten und hielt die Commission ein»? ^ * ' 
Fortsetzung dieser mit analogen Vorsiebten bewirkten Vergachr 
nothig, weil ja beim Schneiden fertiger Schnür ein Theil der Oununi* 
und BandhüUe als Unterlage dient und das Schneiden der fettigv 
Schnur demnach zu einer Entzündung umsoweniger YeranlasBnng geklC 
kann '). 

Bei sämmtlichen SohnittTersuchen unterließ man es nicht, den la 
scbneidendt^n Schnurtheil von dem übrigen Schnurvorrathe, dann iöii 
dem Man ipulir enden derart zu isoliren und so zu legen, dass auch ist 
Falle einer Entzündung persönliche und Sachbeschädigung au8ge9chlo^^4>B 
oder doch auf ein Miniraum redueirt bleiben musste. 

ß) Sehlai^* und HtoOvemaclie, 

Zunächst wurde der Kern der Schnur ohne GuinmiliftUe oiri 
'AuÜenschutz fiber eine Tischkante gelegt und mit einem Hol- 
lange geschlagen, bis er auf eine Länge von 5 bis ticm g.i.,„ ^ ,..;. 
gepresst erschien. 

Die Schnur eiplodirte auch bei zweimaliger Wiederholtwg 4m 
Versuches nicht. 

Die weitereu Schlag- und Stoßversuehe an einem Fallap|>ijiil 
zwischen der bisher normirten und der neuen Zündschnur ergaben. Am» 
schon minimale Änderungen in der Anordnung der Hülle daa n«I:itr^ 
Verhalten der beiden Schnüre zu einander hinsichtlich ihrer Empfindlitii' 
keit gegen den Stoß vollständig abändern, der Unterschied in «i^^ 



*) Eine BpHtere. bd dcT Knew^uig detonirender Zun<lsfhrmr<? im 
(fewonncnc Erfahrung hat jfelehrt, tUsn di>? Sch«^*ideklin^'t? rein M^in und imrl 
Svhnittc Kor^fSltig gereinigt werden tnu^s, um Etitzündan^ beim Schiiejdm 
ttUntiitfchUeßen 

W^Tin dr«! Schnar eine klebri(fe Si-hiitzhOlle bat (Waehn, Th«<tr}, 0» li« dB« 1 
«olebe Kciiii^mifc nur durch Abwischen der Klinjfe lo er«elen, 



Neuemiigeii in der Feldüu&rüstuiig der It k Genie-Truppe. 



406 



Ipfindlichkeit der beiden Sätze wonach an und für sich kein bedeutender 
I kaoii, weil er schon durch geringe Yerstrirkung der Schutzhülle 
hr als compensirt wird. 

I Comparatives Eaminen des bloßen Kernes der alten und jenes der 
ien Zündschnur ergibt nun in der That dass bei der alten Zöud- 
IBiir für die Explosion auf den ersten StoLJ unter den erwühnteo 
muchsbedingungen eine Fallhöhe von mindestens 60rm, bei der neuen 
B solche von mindestens 40rm nöthig ist, während bei Fallhöhen des 
timbärs von lOcvi abwärts beide Schnüre schon selbst gegen tdrei) 
lerholte Steiße unempfindlich sind. 

^) Quetscbversu^he. 

Die Schnur lässt sich, nachdem sie U-förmig gebogen, in Messiiig- 
, &n iMetallmuÖe nach Fig, 7, 8 und 14) eingeführt wurde, mit der 
fehzange pressen, ohne dass sie alterirt wird, was vorerst an leeren 
Isea lOmal constatirt wurde. Schließlich wurden sämmtliche 58 Spreng- 
Ijseln für den auf der Schm»^lz bei Wien abgeführten, in deu Fig. 19 
1 20 schematisch skizzirten Zündversiich auf diese Art mit der Zünd- 
piur verbunden. 

I 

(TersEoke behufs Prüfung der ohemischen BtaMUtä,t des KaaliquecksIlberB 
I und der detonirenden Zündschnur^). 

I Xachdem das Knallquecksilber seit mehr als einenj halben Jahr- 
Iflert bekannt und in der Technik angewendet ist; nachdem es in den 
legsfeuerwerken aller Anueen seit vielen Decennien zur Herstellung 
Iter durch viele Jahre zu deponirender Artikel anstandslos verwendet 
ie; nachdem es in allen diesen Fällen, selbst iir Berührung mit 
ffer, mit Chloraten und Nitraten, mit Schellack, Schwefel, Schwarz- 
er, Schwefelantimon und anderen Körpern, zum Theile selbst im 
bteu Zustande, hinlängliche Stabilität im großen erwiesen hat, konnte 
ich im vorliegenden Falle wohl nur mehr darum handeln, ob dieses 

Piarat durch die Verarbeitung in Zündschnüre nicht in Bedingungen 
tzt wird, welche seine chemische Stabilität ungünstig beeinflusseu. 
Unter der Voraussetzung, dass den Füden und dem BaumwoH* 
We, welche neben dem Kuallquecksilber in die Structur des Zünd- 
kurkernes eingehen, keinerlei Verunreinigungen, insbesondere keine 
ke von Chlor oder von Antichlor t unterschwefligsaurem Natron) 



•) Die mit diesen YersucbcTi verliundenen oheuiis« heu Arbeiten wurden vor- 
ich Ton Herrn Hauptuiaön Franz Dietl des Geniestal) es ausgeführt 

44 




406 



H 



innewohnen — was ja durch die eheiiiische Bcaction leicht sich« 
werden kann — hat man es iiu wesentlichen nur mit der Ffigei 
thuu, ob die iiuinittelbare Berührung mit Cellulose dm chemiiicbe Vn 
halten des Knali(|uecksilbers gegenüber schudigenden Iniptdgen erhebik 
alteriren kann. 

Es miisste qud, nachdem eine Vorerhebung gezeigt hatte^ inmi 
gewöhnlichen Metboden der Stabilität^bestimmung bei dem Knallqa 
Silber, welches wähi'end seiner Zersetzung den Nitrokeru keinetwegtl 
werden lä^st sondern so zu sagen in sich selbst cousumirt, ein* 
ausgemittelt werden, welche in sehr kurzer Zeit eine wef6 
Zerstörung des Pulminates hewirkt. und welcher Action dann comj 
freies und in die Schnur eingearbeitetes Folminat ausgesetzt w«» 
könnte. 

Eine solche Einwirkimg, bisher wenig bekannt « wurde ia 
l&ngeren Eiponirong df*s Knallquecksilbers bei der Temperatur ronMl 
95* Celsius gefunden. Durch solche Exponirung in geschlossener tili 
eprourette erfolgt, vor ca. 34 Stunden noch nicht merkbar, eine 
mähliche Verrindenuig des Knaüf|ueeksilbers, welche nach ca. 7S 
ilb*'r 100 Stunden dahin geführt hat, das Fulrainat, ohne daas 
theile als entweichend wahrzunehmen gewesen wären, in ein br 
Pulver von unveränderter Krystallform der Partikelehen zu ver 
welches nicht nur uuexplosiv, sondern sogar schwer verbrennbar isi 

Es scheint hier, soviel vorläufig zu erkennen, eine Ajrt von üe 
nmg der Atome im Äloleküle. vielleicht eine fsomerisirung oder Pjij 
merisirung stattzufinden, deren Auftreten noch einen Gegenstand 
Studiums zu bilden hat, hier aber nur als Hilfsmittel zu c^i 
Erprobung des freien und des in der Schnur eingesponnei 
quecksilbers diente. 

Diese Erprobung bestand darin, dass fünf verschlossene Eprouvt 
enthaltend ledig**s Knallquecksilber (je 0*bff) und vier ' 
Eprouvetten, enthaltend je ein lO^m langes Stück der detonireij 
schnür in einem und demselben Wasser-Luftbade bei einer Tempen 
von 90 bis 95* Celsius erhalten wurden. 

Von Zeit zu Zeit wurden aus der Schnur und vom ledigen Pr 
kleine Proben entnommen und auf ihre Detunirbarkeit geprüft. 

Die Kesultate dieser Erprobung, aus der nebensteheudeii 
er«ichtlii-h, la&*»en erkennen, dass das in der Zftndschuur v^mrb 
Knallqu^H'ksilher zum mindesten eine ebenso lange Haltbarkeit, alt 
loa« Kuallqnecksüber erwarten lÄsst, dessen Stabilit&t nach vieljihri 
Erfahrungen nl» eine vollkommen befriedigende bekannt iit 



Neuerungen in der FeldanniUtung der k. k. Genie-Truppe. 



407 



, 


Präparat, 
welches exponirt wurde 


Zeit in Stunden, 1 
innerhalb welcher die 1 


' 


erste Herab- 
mindemng 


vollständige 1 
Aufhebung 1 


' 


der Explodirbarkeit des 1 

exponirten Objects zu | 

constatiren war 1 




Nasses, loses Knallquecksilber 

Wie vor 

Knallquecksilberschnor (ausgefertigter Schnur- 
kern, Satz, Faden, Band enthaltend, ohne die 
Außenhüllen aus Gummi, Stoff und Wachs), 
während der ersten zwei Stunden der Expo- 
nirung getrocknet 

j Knallquecksilberschnur, Schnurkem, wie sub 3, 
Ijedoch nicht vollkommen trocken, w&hrend der 
(ganzen Eiponirung noch Spuren von Feuchtigkeit 
J rückhaltend 

Loses Knallquecksilber, im Exsiccator getrocknet 

1 Loses Knallquecksilber, durch Waschen mit 
> Weingeist und Äther, dann Abblasen des 
1 letzteren getrocknet 


34-5 
34-5 
67-5 

60 

52 
52 


75-5 

75-5 

mehr als 

91-5 
(ca. 100) 

105 

81 
97 



Die Explosionstemperatur des Enallquecksilbers im losen Zustande 
ab sich: 

bei langsamer Erwärmung von 70* Celsius angefangen mit 
i* Celsius; 

bei rascher Erhitzung mit 187* Celsius. 

Um zu ermitteln, ob die Erzeugung der Zündschnur aus einer 
iserigen Fulminat-Paste, an Stelle der bisher angewendeten wein- 
stigen, die chemische Stabilität der Schnur alterirt, dann inwieferne 
Gegenwart verschiedener Salpetersäuremengen im Knallquecksilber 
Schnur diesfalls, insbesondere gegenüber der langjährig bewährten 
bilität des Fulminat-Satzes der Sprengkapseln, alteriren könnte, 
den die in den nachfolgenden drei Tabellen detaillirten Versuche 

eführt 

44* 



B 408 


Hess. 


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Neueningen in der FeldatisrQstting der k. k. Genie-Trappe. 413 

durch Yennittelnng eines Sprengkapseis, indem nämlich der erste 
Zündschnurstrang aa dem zu verbindenden Ende U-fÖrmig gebogen und 
in die Höhlung des Sprengkapseis eingeführt und dort durch eigene 
Reibung, eventuell bei flach gewürgter Eapselhülle, festgehalten wird, 
und indem man das zweite Zflndschnurstück an die Eapselhülle, da wo 
Knallsatz enthalten, der Länge nach anschnürt (vergL Fig. 11); 

durch Yermittelung eines Sprengkapseis, indem man die voll- 
kommen eingehüllte Schnur am Ende Unförmig biegt, das Sprengkapsel 
so gegen den Bug situirt, dass im Falle der Explosion der Schnur der 
Zündstrahl oder Stoß aus derselben heraus den Satz im Sprengkapsel 
treffen muss und entweder durch ZuhiKenahme eines Naturgummistreifens 
und eines Gummischlauches (Fig. 9) oder einer Yerbindungshülse von 
Messingblech (Fig. 7) Schnur und Kapsel gegen einander in der noth- 
wendigen Stellung und zudem derart abdichtend fiiirt, dass weder der 
Schnursatz, noch auch der Kapselsatz feucht werden können, und indem 
man endlich das zu verbindende zweite Schnurstück an den, den Knallsatz 
fuhrenden Theil der Kapselhülse (Fig. 8) anschnürt. 

7) Explosionsübertragung von der Zündschnur auf das Sprengkapsel. 

Derlei Übertragungen fanden entweder in der sub ß mitgeschilderten 
Weise von dem Schnurkeme aus oder von der vollkommen eingehüllten 
Schnur aus auf das Sprengkapsel statt und sind insofeme unter den 
in a aufgezählten Experimenten mitbegriffen. 

Es wurde aber auch noch außerdem in zahlreichen analogen Fällen die 
Explosionsübertragung von dem Schnurkerne, sowie von der voUkonmien 
ausgefertigten Schnur auf das Sprengkapsel, darunter fallweise auch mit 
der Verschärfung ausgeföhrt, dass das Sprengkapsel von der Schnur- 
seele nicht nur durch die Schnurhülle und eine Gummilage, sondern 
noch durch je zwei Gunmiilagen ä y,mm Dicke getrennt war, somit 
erschwertere als die gewöhnlichen Übertragungsbedingungen geschaffen 
worden, Versager kamen nie vor. 

S) Versuche mit Zopfverbindungen. 

Solche Verbindungen wurden in analoger Weise, wie bei der 
normalen Zündschnur, gefertigt, aber auch so, dass als Kern des Zopfes 
ein Sprengkapsel fiingirte; die erste Art nach Fig. 12, die zweite Art — 
wenn die Zündschnurkerne entblößt verbunden wurden — nach Fig. 13, 
wenn aber vollkommen eingehüllte Schnüre verbunden wurden, nach 
Fig. 14 ausgeführt. 

Alle Versuche gelangen vollkommen. 



414 Hess. Neueningen in der Feldausrüfitimg der L k. Genie-Tropp*- 

i) Ausfüliruiig einer Zilndung im größeren Maßstab«. 

Über diesen Yersnch, bei welchem 58 Zündpunkte aus einer E^ 
fermmg von ea, 100m in Einem Feuer und zwar unter Anwendiif 
zweier verschiedener Zündwei^sen (Zündung mit Zopfverbindung ud< 
Zündung in einem fortlaufenden Feuerkreise, an welchen die einzebft 
Sprengkapseln nur durch Einführung U-förmiger Büge der Schnur i 
ihr Inneres einbezogen wurden) durchgeführt wurden, bieten die *iibl 
und in den Fig. 10, 11* und 20 gemachten Angaben die n6ÜE^ 
Information, 

Der Versuch gelang genau nach den Intentionen des Progmnfls«^ 
iid vollstänclig* 

Die Zündung erwies sich als eine streng simultane, die durOB«^ 
graphischen Daten sind bei den sub 2 beschriebenen cbTonagraphisdn 
Versuchen angegeben. 

X) Versuche zur Ermittelung einer Sicherung der Schnur gegen dit 
Detonation Yon Nachbarsclinüren. 

Je zwei Schnüre wurden durch ein Lattenstück von ca. 5rm BrA* 
und 2'5cm Dicke von einander getrennt und je eine davon detonirt. 

Der Versuch verlief bei dreimaliger Abführung dahin, dass sekm 
unter solchen Umständen die detonireude Schnur vor der Wirkung de 
^'achbarschnur vollkommen sicher ist, was wieder die merkbare Locit 
sirung der Explosionswirkung der detonirenden Zündschnur darthut. 

r,) Versuche zur Ermittelung der Durchischlagiskraft comroasM 
FulDiinatladuQgen geg^n Holz. 

Es wurden drei Sprengversuche mit 1^ Kapseln, dicht an weiikc 
Holzbrettchen von Irm, resp. l'5rm und 2cm Dicke der Länge mA 
angelegt, ausgeführt. Die Brettcheri lagen auf stärkeren Brettern aul & 
ergab sich, dass ein U/ Kapsel ein Irm dickes Brett aus weichem Holw 
durchschlägt, Bretter von l*5cm Dicke aufwärts jedoch nicht m«kr 
durchzuschlagen vermag. 






Mit den bisher beschriebenen Versuchen war die Reihe der Eleme 
Experimente mit der detonirenden Zündschnur als abgeschlossen w*^ 
sehen und dieselbe als ein der weiteren Erprobung mit specieller B*i- 
sichtnahme auf die Zwecke des Kriegsmineurs zuzuführendes Zöndjuitt*! 
zu erkennen. (wm t<>rtg^maL 



Tarn 15. 



Vprdemnsichl. 




Rv Waldheim Wien 



Auto^ imk.k.t8jdMilit.Comile. 



#4 



1 



I 



415 



ÜberschifTung von Eisenbahn-Fahrmitteln mittels Pontons des 

k. k. österreichischen KriegsbrOcken-Materials Ober die 

Drau nächst Warasdin. 

Beschrieben 

Yon 
k. k. Lieutenant im Pionnier-Begimente. 

(Hiezu Taf. 16.) 

Genetische Skizze. 

Der Bau der Zagorianer Bahn, welche die Südbahnlinie 
Pragerhof-Budapest mit der Linie Steinbrück-Agram verbindet, wurde 
Fon Seite der Regierung an ein Consortiom von vier Baaunternehmem 
übergeben. 

Diese Bahn durchschneidet Zagorian in nordöstlicher Sichtung 
und schließt bei Csakathurn an die Südbahnlinie Pragerhof-Budapest 
und bei Zapresiö an die Linie Steinbrück-Agram an. 

Ungefähr Mitte October 1885 begann von den beiden Endpunkten 
der Bahn (Csakathurn und Zapresiö) aus gegen die Mitte das Legen 
des Oberbaues. 

Bis Ende April 1886 waren auf der Nordseite fertig: die Strecken 
von Csakathurn bis zur Drau und von dieser bis Sveti Ilia, dem Einbruchs- 
punkte der Bahn in das Warasdiner Gebirge. 

Bis nun hatte man das Oberbaumaterial per Achse nach Warasdin 
gebracht und von dort aus in normaler Weise gelegt. 

Beim Angriffe der Bergstrecke von Warasdin gegen Sveti Dia 
stellten sich dem Betriebe des Material-Transportes durch Menschen und 
Thiere außerordentliche Schwierigkeiten entgegen, so dass sich die 
unabweisbare Forderung ergab, wenigstens eine Maschine nebst einer 
Anzahl Lowries auf der Strecke zum Material-Transport in Betrieb 
zu setzen. 

47* 



416 M r e u 1 e. 

Dieser Anforderung stellten sich dadurch besondere Schwierig- 
keiten entgegen, dass die Linie Csakathum-Warasdin von der Dna 
durchschnitten ist, über welche, da die EisenbahnbrQcke erst im Baue 
begriffen ist, eine directe Schienenverbindung ausgeschlossen war. 

Da femer ob des Mangels an Montinmgs- Werkstätten in Warasdin 
der Transport der Locomotive in zerlegtem Zustande nicht möglich 
war, so musste dieselbe in vollkonmien montirtem Zustande auf die 
Strecke gestellt werden. 

Der Calcul, welchen man bei dieser Gelegenheit anstellte, ergab 
drei Wege als möglich: 

1. Die Locomotive läuft auf eigenen Kadern bis Csakathurn, wird 
dort mit Wagenrädern versehen und durch Zngthiere über die Straßen- 
brücke nach Warasdin gebracht. 

2. Die Locomotive läuft von Zapresic, ihrem Verwendungsorte, bis 
vor Ort der inzwischen weiter vorgeschrittenen südlichen Theilstrecke 
und wird von dort ebenfalls durch Zugthiere auf der Bezirksstraße 
nach Warasdin transportirt. 

3. Die Locomotive läuft auf eigenen Bädern über Csakathurn bis 
zur Drau, wird überschiffi; und auf die am rechten Ufer fertige Strecke 
gestellt. 

Auf dem unter 1 angegebenen AVege waren nebst kleiueren 
Objecten die StralJenbrucke über die Drau (Jochbrücke), auf der unter 
2 angegebenen Strecke nebst vielen größeren und kleineren Objecten 
auch bedeutende Steigungen zu passiren. 

Die von Seite der Bauunternehmung angestellten Berechnungen 
erwiesen sowohl die Drau-Straßenbrücke bei Warasdin, als auch die 
Brücken und Durchlasse der südlich von Warasdin über das Gebirge 
führenden (jebirgsstralie als zu schwach für das Gewicht der Locomotive. 
Es hätten demnach bedeutende, große Kosten erfordernde Verstärkungs- 
arbeiten an diesen Objecten vorgenommen werden müssen. 

Die unter 3 angegebene Beförderungsart erschien demnach als die 
geeignetste, die sowohl Zeit-, als auch Kostonersparnisse in Aussicht 
stellte. 

Die einzige Schwierigkeit, mit der man hier zu rechnen hatte, lag 
hiebei bloß in der Beschaffung der entsprechenden Fahrzeuge. 

Alle Drau abwiirts kommenden, in Kärnten gebauten Plätten 
eignen sich ihrer schwachen Bauart wegen nicht als Überschiffungsmittel. 
Die auf der unteren Dran befindlichen Schlepj)-, sowie Holzschiffe, welche 



Überschiffung vc»n Eisenbahii-Fahrinittcln über die Drau. 417 

1 hinlängliches Tragvermögen besitzen würden, können nicht strom- 
fwärts gebracht werden, da einerseits die Dampfschiffe den Fluss 
•ht so weit befahren, anderseits der Mangel jedes Treppelweges, sowie 
' ungünstigen Flussverhältnisse ein Gegenwartsschaffen solch großer 
hrzeuge durch Zugkräfte vom Lande nicht gestatten. 

Es blieben nur noch zwei Wege, u. zw. entweder der Bau eines 
hiffes an Ort und Stelle oder die Entlehnung von geeignetem Materiale 
n der in Pettau garnisonirenden Pionniertruppe. 

Da der Bau eines Schiffes sowohl bedeutende Zeit, als auch 

deutende Geldmittel in Anspruch genommen hätte, so entschloss sich 

p General-Bauunternehmung das k. k. Pionnier-ßegiments-Commando 

bitteil, nel)st entsprechendem Materiale ein Detachemeut zur Cber- 

hiffung zur Verfügung zu stellen, welchem Ansuchen auch von Seite 

s k. k. Kegiments - Commandos mittels Befehles Nr. -^ vom 

m 1886 entsprochen wurde. 

In Durchfuhrung dieses Befehles wurde am 17. Mai 1886 ein 

etachement von einem Officier ^), drei ünterofficieren und 24 Pionnieren 

vier dreitheiligen Pontons von Pettau nach Warasdin in Fahrt gesetzt, 

?lche Fahrt auf der Drau in 6V4 Stunden zurückgelegt wurde'). 

(übersichtliche Beschreibung des Terrains. 

(Vergleiche Situationsplan auf Taf. 16.) 

Der Punkt, au welchem die Überschiffung stattfinden musste, war 
irch die bereits hergestellten, an die Drau stoßenden Bahn-Enden 
stimmt. Das der Überschiffungsstelle angrenzende Terrain besteht 

^) Der Verfasser dieses Berichtes. 

*) Die Überschiffung wurde in der Zeit vom 17. bis 28. Mai 1886 durchgeführt 
i erstreckte sich auf die L'berführung von: 
1 Locomotive sammt Tender, 
10 beladenen Lowries, 
10 unbeladenen Lowries und 
1 Caisson-Schleuse. 

Wie aus dein diesbezüglichen Berichte des k. k. Pionnier-Keghnents- 

iimandos an den k. k. Chef des Gcneralstabes henrorgeht, konnte die Überschiffung 

vollkommen gelungen bezeichnet werden. Dem höchst inatructiven Manöver der 

ersetzung der L<»cumotive sammt Tender haben auch der Commandant, sowie 

t' ^'rußere Anzahl Officiere des 4. Feld-Bataillons angewohnt. 

(A. d. K.) 



auijj angPschweiTinitem Laude und überhöht bei einem Was^erstandf 
von lim (}]}fv Null (Pegel Strallenhrilcke) am rechten Ufer die \Vi^^ 
fläche inn 2"0m, am linken Tter um 1*2»*. ^^^| 

Die Bahn Csakathurn-Warasrtin durchschneidet das TerraiB tob 
Norden nach Süden, und es besteht der Bahnkörper aus einem ea. 3i» 
hohen Damme. Auf dem rechten UtVr läuft auf 75m Entfernang nördlicb 
vom Eisenhahndamme die Bezirksstraße Warasdin-Csakathura, während 
selbe auf dem linken Uter in nordwestlicher Richtung abzweigt, Dieselll 
ist iheilweise aiifgedämnit» theilweise im Horizont gelegen. ■ 

Der Ranm zwischen dem Eisenbahndamme und der StraÜe igt 
theilweise für Bauten ausgenützt und dient als Materialplatz sowohl für 
den Eisenbahn- als auch für den Brückenbau, Das rechte Ufer i*t 
oberhalb der Straßenbrücke, sowie bis au den Eisenbahndamm durcli 
Steindossirung geschützt, (^'a. 20m oberhalb des Eiseubahudamm^Ä 
beginnt ein 5Qm langes, l'2m hohes, 2m an der Krone breites, 
Stein hergestelltes Leitwerk, 

Das linke Ufer ist oberhalb der Strallenbriicke — ähnlich dej 
rechten Ufer — mit einer Steiudossirung versehen, während unterhj 
der Brücke bis zum Eisenbahndamme Bnichufer ist. 

Unmittelbar am Kopfe des Eisenbahndammes beginnt ein ans Beü 
hergestelltes, an der Krone 2m breites und durchschnittlich l'bni hobi 
parallel mit dem Stromstriche laufendes Leitwerk, 

Zwischen der Bezirksstraße und dem Eisenbahndamme ist d« 
Brnchufer eine ca. 24m breite Sandbank vorgelagert. 

Die Flussbreite beträgt an der zur Überschiffung bestimmten Stfll( 
ISOwi; die Tiefe wechselt von den Ufern gegen die Mitte von TÖi 
bis 3"8wi. Die Geschwindigkeit bei einem Wasserstande von Vlm ob< 
Null beträgt 3'Om. Der Flussgrund besteht aus kleinerem Geschieh 
welches sich in fortwährender Bewegung befindet. 

Aus drei Armen kommend, vereinigt sich der Stromstrich unmittelbä 
bei der Straßenbrücke und zieht sich gegen das rechte Ufer, von wo 
er wieder gegen das linke zurückgeworfen wird 

Die Verbindung der Straße Csakathorn- Warasdin über 
Drau wird durch eine permanente Jochbrücke, bestehend aus zwei Law 
und neun Stromjochen, hergestellt. Die Länge der Brücke beträgt 151 
und es hat dieselbe eine Fahrbahn von 12m Breite. 

Die Brückenfelder werden durch doppelte Sprengwerke unterstütit 

Zwischen dem fünften und dem siebenten Stromjoche befinden 
— statt des sechsten, vom Strome zerstörten Joches — zwei provisoriJ 




übersehiffung von Eisenbahn-Fahrmitteln über die Drau. 419 

oche, welche jedoch nach ßeconstruirung des sechsten Joches wieder 
ntfernt werden. 

In der Verlängerung der Bahnlinie Warasdin-Csakathurn 
^ar das Baugerüste zur Herstellung der Eisenbahnbrücke in dem aus 
ler Situation ersichtlichen Umfange hergestellt. An der Fundirung des 
echten Landpfeilers wurde gearbeitet. 

Der rechtsseitige Strompfeiler, sowie der Landpfeiler am linken 
Pfer waren in der Montirung begriffen, während für den linksseitigen 
Strompfeiler erst die Gerüstbrücke im Baue begriffen war. 

In der Mitte des Stromes befindet sich eine 30m große Öflfhung, 
welche für die Schiffahrt reservirt bleiben muss. 

Die Gerüstbrücke überhöht den Wasserspiegel um 5m, und es ist 
dieselbe mit zwei, für die Montirung der Caissons und Fundirung der 
Pfeiler erforderlichen Geleisen versehen. 

Leitender Gedanke. 

Bei Ermittelung der Anzahl Pontonstheile, welche dem Detachement 
mitzugeben waren, ist man von den nachfolgenden Gesichtspunkten 
ausgegangen : 

Der österreichische zweitheilige Ponton des Kriegsbrücken-Materials 
ist imstande, bei einer Tauchung von zwei Drittel Bordhöhe 8'Ot mit 
Sicherheit zu tragen, wenn die Last auf ihn so wie in der belasteten 
leichten Kriegsbrücke wirkt. Infolgedessen wären für die Übersehiffung 
der Locomotive mit I6'2t drei zweitheilige Pontons ausreichend gewesen. 
Ein Glied, aus diesen sechs Ponton stheilen zusammengesetzt, wäre aber 
in der Form eines gekoppelten, dreitheiligen Pontons für den großen 
Kadstand der zu überschiffenden Wagen (3'2 bis 3*5m) zu schmal, aus 
drei nebeneinander gestellten Zweitheilern bestehend hinwieder zu kurz 
^'ür ein lenkbares Fahrzeug gewesen; außerdem war der Wellenschlag 
Wi einer so bedeutenden Tauchung des Fahrzeuges und Schwerpunkts- 
la^e der Last auf demselben zu gefährlich. 

. So war mit Sicherheit anzunehmen, dass ein Glied aus doppelt 
.^0 vielen Pontonstheilen mit genügender Sicherheit die Last zu tragen 
imstande sei und überdies in der Form von drei nebeneinander gestellten 
viertheiligen Pontons dem für ein gut lenkbares Fahrzeug erforderlichen 
l^erhältnis der Länge zur Breite entspreche. Ferner musste auf die noch 
licht bekannte Überschiffungsart in der Vorsorge für einen größeren 



420 



M r e u 1 iv 



MtiriipulaHonsrimiii zw Handhabung der Ketteu, Seile u. >\ w. RQd 
yiubi gt^iifiiuTiKMi werden. 

Es war »chon im VorhiniMn in die Augen fiillend, das:* es 
bebten «ei. die Loeomotive quer auf das Glied zu steUen, da erstens 
Anlanden mit der Bordwand an die zu erbanenden Landungsbnlcl 
ein leiehterevS. und zweitens eiüe Ein(,^enlsinni,s welche das Ein- 
Auäbarkiren über Kranzel und Steuer ermögliclit, deu Manipidatioa 
räum verringert hatte. Dabei war das Verbaltnis zwi^cbeii der Entferü« 
der Ack^eii und derjenigen der Kader der Loeomotive (1*80 : l*43Ii) m 
so bedeutend, da^js da^^selbe einen besonderen EinHusü auf die Belaidu 
ausgeübt hatte. 

Dii' Angrillspnnkte der La.st mussten unliedingt in der Mitte 
Uliedes liegen, d. h. in dem Kediteeke tti^cfi (Fig. 1). 

Die Eingenlstimg oiusHte nun so be<scbaflen sein, da«» sie die [ 
welche innerhalb die.se« kieinni Kanun-H auf die Mitte de^ Glif 
dmekte, auf ^ammtliehe Pontonytbeile gleiebmülüg übertragen kooB 

Die Locömotive hatte auf (fuer über die Mitte des Gliedes H 
fenden Selüenen zu stehen, anf denen sie ein- und ausgeschifft Her^l^ 
konnte. Diese Sehieiien iibertrngen nrm schon den Druck auf die 
leren Theile der drei nebeneinander ,sLebenden viertlieiligen Pontons, 
jedoch auch die Kranzel und Steuertheile zu belasten und dadurch 
Beansijruihung der unteren rontonsvei'bindungen zu verringern, wa 
entweder auf oder neben jedem einzelnen Ponton von Krauzel zu Steu 
laufende Lilngsschwellen anznliringeri. 

Damit nun bei ohbeschriebener Belastung <lie HandpontotJS M 
Gliedes nicht nach der Skizze Fig. 2 ausweieben konnten, wurden Que^ 
schwellen nothwendigt welche über alle drei Pontons liefen, 

Bezüglich der Überschi ffungsart erwog das Detachemenb 
Commando die in Betracht kommenden Umstände wie folgt: 

F r e i e s Ü b e r s c h i f f e n ist bei der nothigen Eingeröstung 
tjonstructiou — welche die Anbringung der Kuder unmoglieh machte- 
sowie den ungünstigen Stromvorhältnissen (vergL Situationsplan) au 
geschlossen. 

Eine fliegende Brücke war beim Vorhandensein von lang 
Ketten und Hanfseilen der nächstliegende Gedanke; jedoch auch A'wf^ 




musste aufgegeben werden, da 
sammt Furtel-Zillen mangelte. 

Die im Flusse von der 
OtTnung war ungenügend für die 



es an Phitz zum Gieren des Tu« 

G erüstbrucke freigelassene 30inetr 

knapp stromabwärts liegenden Kamp 



Vberi^chiffung von Eisenbahn-Fahrniitteln über die Drau 421 

Ferners musste man darauf bedacht sein, der Schiffahrt nicht hin- 
dernd in den Weg zu treten. 

Auf Ersuchen wurde vom k. u. Bauamte ein Drahtseil — welches 
im Jahre 1885 bei einer Nothüberfuhr in Verwendung gestanden — 
nebst dazu gehörigen Rollen dem Detacheraent-Coramando bereitwilligst 
zur Verfügung gestellt. 

Aus dem Umstände, als obenerwähnte Überfiihr als Fähre con- 
struirt war und das Seil — 250m lang, 0*035m dick — allen damals auf- 
tretenden größten Beanspruchungen gegenüber, als vollkommen fest sich 
bewährt hatte, ergab sich die durchzufiihrende Überschiflfungsart von 
selbst. Es wurde demnach beschlossen, das Seil beiderseits am Ufer zu 
verankern und eine Fähre zu construiren. 

Die Ein- und Ausschiffung der Locomotive und der Wagen musste 
derart bewerkstelliget werden, dass das Glied schon beim Daraufrollen 
des ersten Rades gleichmäßig tauchte und nicht der eine oder der andere 
Randponton im Moment des Darüberrollens die ganze Axenlast allein zu 
tragen habe. 

Es mussten demnach entsprechend tragföhige Schwellen — am 
Gliede über alle sechs Borde laufend — vorhanden sein, welche auch 
immerwährend über die letzte Unterlage der Landungsbrücke zu liegen 
kamen und hier unterstützt werden konnten. 

Wenn nun eine Last daraufgerollt wurde, so tauchte schon beim 
Rollen des ersten Rades über den Randponton das ganze Glied gleichmäßig, 
um den Unterstützuugspunkt a (Fig. 3) der beschriebenen Schwellen 
auf der Unterlage der Landungsbrücke sich gleichsam drehend. 

Diese Schwellen konnten entweder ein- oder auswärts des Schienen- 
stranges am Gliede angebracht werden. 

Durchführung der Arbeiten. 
(Vergl. die diesbezüglichen Illustrationen auf Taf. 16.) 

Für die Durchführung der Überschiifung war — wie bereits er- 
wähnt — nur der unmittelbar an der Gerüstbrücke befindliche Baum 
in Rechnung zu ziehen, nachdem hier die einfachste Verbindung mit den 
Bahndämmen möglich war. 

Die durchzuführenden Arbeiten gliederten sich in die Herstellung 
der beiderseitigen Rampen zur Verbindung der Dämme mit der Ein- 
schiffungsstelle. Herstellung des Geleises auf diesen und schließlich Her- 
stellung der Fähre. 



422 



M r tj u I «s. 



Am r V c h t ü u Ufer ist das MaäclÜDeiiliauj^ uüd numittelbar streM* 
abwärts der Gerüstbrücke eine 63w* lange Rampe ^wovon 50m au%^dikmiiil 
und 13m eingeschnitten zu sein hatten) herzustellen gewogciL D«i 
Gefölle betrug ea. 60%^. 

Anschließend an die Erdranipen war eine SOw lange Brücke Im* 
zustellen, deren Unterlagen aus SchwellenstöÜen in einer HiMie von tnn 
0'5m und 5 bis 6m Entfernung bestehen sollten. Die Brücke erhielt eine 
Breite von l'öm. 

Am linken VUn* war eine 70/« lange Erdrampe herzustellen, w-<^'»«i 
63m auf Anschüttung und 7m auf Einschneiden entfielen. Dan < 
war gleich jenem am rechten Ufer. 

In der Verlängerung der Erdrampe musyte eine 31m lan^** Bröcl»" 
unter den gleichen VerbüUnissen wie am rechten Ufer hergestt^Ut w^enb'n. 

Die Herstellung der beiderseitigen Erdrampen sammt di?o d&n«( 
befindliehen Geleisen wurde von der Bauunternehmung durchgefeilt 

Es waren im allgemeinen für die Eingerüstxmg dois Gliedes iwh 
Systeme möglich. 

Das Eine bestand darin» das^s man nach Nebeneinanderstelltiiig dff 
drei viertheiligen Pontons Querhölzer über alle Borden legte, iiaebdeii 
mau in jedem einzelnen Ponton?itheile drei Längsböcke emchtet b^tk. 

Die Längsträger befanden sich in diesem Falle seitwärts Qui 
zwischen den Pontons, und konnte man deren vier oder durch Untereimuidfr* 
stellen derselben doppelt so viele, also acht anbringen. 

Die zweite Eingerüstungsart, welche auch zur Durchführonfr (f*^ 
langte, ist in der mit „rberschiffungsglied" bezeichneten Figi 
der Tafel zur Darstellung gekommen, aus welcher auch alle w-i^u- .j 
entnehmen sind. 

Die Eingerüüütung der Pontons wurde mit Schiffs backen Wweri* 
stelligt. 

Diese Böcke bestanden ans drei auf den SehirtsbodtMi j: 
Langschwellen, auf welche in jedem Vorderstucke zwei, in jedem 
stücke vier Reihen Säulen zu je drei Stück aufgeklammert wurden. 

Auf diese Spulen wurden Eiegel geklammert, auf welchen frudan 
in jf^dem Ponton zwei 10'5fii lange und IS 23cm starke Lang^cbwdJif 
gelagert wurden. 

Die Pontons waren über den KraozelschwingeD mittels HCdtm 
zu koppeln und in gleicher Webe nJichst den aozubringendeo 8chti*QH| 
durch Querbalken zu v<^rbinden. 



Uberseliitftinjtr von Eißenljaiin-Fiihniiitteln ober die Drau, 



423 



Die in der Mitte ziinüchst der Schienen angebniclitei] Querbalken 
den derart angeordnet, d-äss selbe 84r??i über die Borde beiderseits 
teheD, um ein Auflager beim Verladen zu bilden, wodurch ein ein- 
iges Senken des Gliedes vennieden werden sollte. 

In der Mitte des Gliedes, senkrecht auf dessen Längenrii'htung, 
den zwei Viguole-Schieuen auf die normale Spürweite aufgenagelt. 

Die Eiügerustuiig des Gliedes ist aus den Figuren zu ersehen. 

Bei dem Umstände, als die Schwere des Seiles, das Spannen des- 
ben in einer die Schiffahrt nicht hemmenden Hohe über den Wasser- 
Bgel nicht gestattet, so wurde dasselbe längs der besteheruleii Gerüst- 
;cke an das jenseitige Ufer geschafft, an beiden Enden befe,stiget, mit 
' Rolle versehen und sodann versenkt. 

Die Fahrt geschah durch Ziehen am Drahtseile mit den Händen 

wurde durch Hiltsseile — welche mittels eines auf dem Gliede 
indlichen Bratspilles gehandliabt wurden — unterstützt. 

Zur Durchfuhrung des Überschiffens wurde das Glied, welches 

rch Seile an das Ufer gehalten wurde, derart an die letzte Unterlage 

Land ungsb rücke angeschlossefi, dass die beiden Arme der mittleren 

tindungsbalken auf der Schwelle der letzten Unterlage aufzuliegen 

Hen und die Schienen der Landungsbrüeke mit jenen des Gliedes 

ch La?ichen verbunden werden konnten. 

Das zu überschiffende Material wurde mittels eines am Gangspille 
festigten Seiles laugsam über die Rampe herabgelassen, bei welcher 
legenheit bei Bremswagen die Sperre fest anzuziehen war, sonst aber 
Räder diireh eingeschobeae Prügel zu sperren gewesen sind. 

Nach dem Einbringen auf das Glied wurde das Material vorerst 
Gleichgewicht gebracht, sodann unverrückbar fixiii. 

War dies geschehen, so wurde die Laschen verbin düng getrennt 
d die mittleren Yerbindungsbalken von den Bocken abgehoben. 

Zeigte das Glied, nachdem es frei geworden, keine vollkommen 
chmäOige Belastung, so wurde vor Antritt der Fahrt durch Verschieben 
Last die richtige Sehwerpunktslage zu erreichen gesucht. 

Nach Vollendung der Fahrt wurde mittels Hebels die Verbindung 
Gliedes mit der jenseitigen Landungsbrücke durch Auflegen der 
leren Verbindungsbalken hergestellt Die Schienen wurden durch 
sehen verbunden und die Lowries über die Landungsbrücke auf den 
buk ör per hinausgeschoben. 

I Als Unterlage für die Landungsbrüeke wurden SchwelleustöJJe in 
r Entfernung von 5 bis 6m abgelegt, auf welchen dann je 5 mit- 




424 



M r f 1 c 



innaiifler verhnndene Lan^seh wellen als Traj^^vriK ^t 
Auf di(*se Schwellen kam dann der Oberbau wie in -i 
normal zu liegen. 

Xachdem jedoch das Wasser am dritten Tage um iOcm 
war, 80 das8 die Trüger ^ammt Schwellen und Schiroen tu ^eh 
begannen und einige Unterlagen v»:insiändig unterwaschen wurden, li! 
man — wo es anging und die Wa^si-rtiefe f(\r SchwelleiiÄt^Ue m 
war — Böcke (gewöhnliche Zimmer- oder Mauerböcke) an. 

Solche Böcke wurden angebracht u. zw. bei der 2., 4., 7., 9« I& 

und IL ruterlago am linken üfer. 

Die SchwellenstöÜe erwiesen sich bei einer großereu Tiefe aU Of« 
als unsicher, da die Unterlage vollständig unterwa^cheü »ein ki^uiiK 
ohne dass dieser Übelstand bemerkt wurde. Die Untersuchung der Lu* 
dungsbrficke geschah mehreremale de« Tage^, besonders vor der bia- 
«pruchimhme. 

Die Laudungsbrücke am linken Ufer war anfänglich in einer folefc^ 
Hohe erbaut» dass der Kopf der auf der LandungsbrCieke hefiii 
Schienen um 15cm tiefer zu liegen kam, als jener der am »r ' 
Gliede angebrachten* Eh musste demnach gelegentlich de** /,..„. 
laschens der Schienen, behufs Herstellung der Verbindung, der Am- 
zeitige Kandponton imi Ibcm mehr tauchen als normaU wÄhreod du 
jenseitige dementsprechend hoher zu stehen kam. 

Durch das Steigen des Wassers bedingt, rausste auch die Landen-*. 
bnlcke um 3(inn gehoben werden, wodurch sich dann später v 
der auf dem unbelasteten Gliede und der auf der LandungsbrAcke »• 
gebrachten Schiene je nach dem wechselnden Wassersstande ein H^Ik«* 
uuterscbied von 20 bis 25cm ergab. 

Die Laudungsbrücke am rechten Ufer wurde aüßnglieh im Siti^ 
jener am linken Ufer erbaut Dieselbe wurde jedoch ungeachtet te 
Stelgens des Wassers nur um ein Weniges erhrdit. da bei der gerinpi 
Wassergeschwindigkeit an diesem Ufer selltst ein t'berrtut*>n der U»- 
dungsbrücke keine Gefahr gebrmcht hätte. 

Gleichzeitig mit der Herstellung der I^ndungsbrOcken wurde 
ilm Glied zusammenge8f»tzt, indem zuerst di»^ Bocke in den 
2usamiuengetugt und dieselben mit Längsschwelleu vergeben wurden. 

Die so ausgi^rOsteteu Pontons wurden mit 12nw SpielraQni nekii* 
einander gestellt und über die Schwingen mittels eine^ ifturken Tl^ 
bindungshoheit mit Sehnürungeu gekoppelt. 



Überschiifung von Eisenbahn-Fahrmitteln über die Drau. 426 

Die Verbindungen der Hölzer untereinander geschah durchaus 
ittels Klammern. 

Im Vordertheile wurde im mittleren Ponton das Auflager für eine 
3lle hergestellt und diese, sowie eine Winde angebracht. 

In der Mitte des Gliedes, senkrecht auf dessen Längenrichtung, 
arden zwei Vignoles-Schienen normalmäßig befestigt; außerhalb derselben, 
►<w entfernt, wurden zwei Verbindungsbalken, welche beiderseits 84cm 
MTorragten, mittels gewöhnlicher Laschen und Schrauben an die unter- 
klb befindlichen Rudergabellöcher befestigt. 

Zum Spannen des Drahtseiles wurde dasselbe vorerst am linken 
Ger verankert. 

Die Verankerung geschah hier, nachdem das Ufer nur aus an- 
»echwemmtem Materiale besteht, zwischen einem Joche der Gerüstbrücke 
ittels eines 180kg schweren dreipratzigen Ankers (vergl. Fig. 4). 

Hierauf wurde das Drahtseil im stromaufwärtigen Mittelstücke 
des viertheiligen Pontons in Leeren gelegt und — von Joch zu Joch 
brend — ober dem Wasserspiegel gespannt, in welcher Lage es durch 
tke in die stromabwärtige Pilote eines jeden Joches der Gerüstbrücke 
«chlagene Klammer festgehalten wurde. 

Über die Öffnung der Gerüstbrücke legte man das Seil direct auf 
n Flussgnmd, damit es die Schiffahrt nicht hindere. Jenseits der Öffnung 
irde das obbeschriebene Verfahren wieder aufgenommen. 

Auf diese W^eise an das rechte Ufer gelangt, wurde das Ende 
les an dem Drahtseile befestigten doppelten Ankerseiles über die Welle 
les gewöhnlichen eisernen Werkkrahnes geführt, sodann die Klammern 
cc^ssive entfernt, das Drahtseil vermittels des Krahnes nachgespannt 
d endlich am Anker befestiget, nachdem vorher die ßoUe hinauf- 
geben wurde. 

Die Verankerung am rechten Ufer musste weiter stromabwärts 
gebracht werden, da die vom Damme herabführende Kampe weiter 
'omabwärts das Flussufer traf. 

Hier >vurde ein 200% schwerer vierpratziger Anker hinter den 
eindamm ohne jede weitere Versicherung abgelegt. 

Durchführung der Fahrten. 

Das Ein- und Ausschiffen der Lowries sowohl als der Locomotive 
schah genau im Sinne der im Abschnitt „Leitender Gedanke"* zum 
isdrucke gebrachten Anordnungen. 



426 



M r e u 1 e 



Die Locfiraotivp stand hiebei unter Dampf, welcher s^o^v«>lji lur 
als Ausfahrt sowie zur Regelimg der Sehwerpuuktjjlage auf dcnj 
in * Tbätigkeit gelangte. 

Am Gliede selbst zeigten sich bei der Locomotive diesellH 
ichcnniingen wie bei den beladenen Lowries, mir musijte der 
Standplatz auf dem Gliede erst nach dem Auflösen der Verbindun 
der Landimgsbrücke dmxh Verschieben gefmnieü werden, da - 
sich zeigte — die Achsendrücke ungleich waren, 

Dieses Verschieben geschah wie erwähnt verinittels Dampf. 

Während der Verladung war das Glied jederzeit nach geg< 
befestigt und an einem einfachen Kriegsbrücken-Ankerseile g< 
dessen eines Ende an einem Joche der Gerüstbrücke fest gemachti 
dessen anderes Ende in einem, auf dem Kranzel des Gliedes befini 
Xrahn eiugezogen war. 

Das Fäbr-Drabtseil lag währenddessen schlaff in der Rolle. 

Sobald die Verladung erfolgt und diis (llied befreit war, ^ 
an das Fahrseil 10 Pionniere gestellt, die Transmission des K 
ausgerückt und das Änkersei! ablaufen gelassen. Sofort hatten atu 
im KranKel befindlichen Leute am Fährseil nach jenseits zu zieh 
Fahrt dauerte 2-5 bis 3 Minuten. 

Am rechten Ufer angelangt wurde nun ein ähnlicb wie am bi 
Ufer befestigtes Seil in den Krahii des Gliedes eingeführt und k 
soweit gegenwärts gezogen, bis die Schienen genau eingerichtet 
Um die Nireaudifferenz zwischen Glied und rechtsseitiger Landungs^ 
auszugleichen, wurden Hel»el angewendet uad mit diesen pntwed 
Glied oder die Landungsbrücke gehoben. Nun konnte die 
erfolgen. 

Die Lowries wurden nun durch Menschenki^aft auf die Lan] 
brücke und über die Kampe hinaufgescholien, die Maschine fuhr , 
mit voller Kraft aus dem Gliede hinaus. 



Bei den Lowries zeigte sich hiebei keine einseitige Tauchimg, 
der Lokomotive wurde jedoch der Schienenstoß stark nach 
durchgebogen. 

Die jew*eilige Kückfahrt mit leerem Gliede zeigte sich mÄ 
als die Fahrt nach jenseits mit dem beladonen öliede, da der p 
rechts fallende Stromstrich zu bewältigen war und die Verankerung 



ILUg, 

;lM 




Überschiflfting von Eisenbahn-Fahnnitteln über die Drau. 



427 



;en üfer weiter stromaufwärts lag, infolge dessen das Glied gegen- 
ts gezogen werden musste. 

Zwei Drittel der Fahrt wurden hiebei am Drahtseil zurückgelegt, 
irend im letzten Drittheil das Glied an dem an der Gerüstbrücke 
3stigten und durch eine Zille zugeführten Ankerseile mit Hilfe des 
.hnes zugezogen wurde. 

Die Kückfahrt dauerte durchschnittlich 15 Minuten. 

Für den Fall, als das Fährseil durch einen unvorhergesehenen Zufall 
]eii sollte, war ein Doppelanker im Kranzel des Gliedes bereit- 
alten. Das Drahtseil war während der Fahrt mit den schwersten Lasten 
il gespannt, es waren jedoch nur ca. 30 bis 35m davon über dem 
isserspiegel, welcher Umstand zeigte, dass die vorgekommenen Lasten 
weitem nicht die zulässige Inanspruchnahme erreichten. 

Die Verankenmg am linken üfer erwies sich als vollkommen fest, 
irend der am rechten Ufer auf angeschwemmtem Boden frei auflie- 
ide Anker um 30cm nachgegeben hatte. Die Veränderungen des Gliedes 
ch die Belastung sowohl wie die Tauchungstiefen sind aus nachste- 
ider Tabelle zu entnehmen. 





Linke Bordwand 


KechteBordwand 


Durchbiegung 1 
in der || 


Vurirekommene Last 


Kranzel 


Steuer 


Kranzel 


Steuer 


Längen- 
axe 


Queraxel 




Tauchung in m 


in m 11 


ei unbelastetem Überschif- 
fuugsgliedo (3 5 Axenentfer- 
nun£r) ... 


0-19 
0-30 

0-38 
0-39 


016 
0-28 

0-32 
0-43 


0-19 
0-30 

0-36 
0-41 


019 
0-32 

37 
0-38 


005 


007 


ei einem Wagen mit 6420% 

Eigengewicht 

ei einem bebidenen Wagen mit 

2500% Ladung = 

= 6420 -f 2500 = 8920% . 
ei der Locomotive mit 16*2/, 

1-8to Axenabstand . . . . 



Die Felder der Landungsbrücken zeigten bei unbeladenen Lowries 
ne, bei beladenen und bei der Locomotive kaum merkliche Durch- 
^mgen. 

Über die verwendete Zeit und die in derselben durchgeffihrten 
weiten gibt das beiliegende Beschäftigungsjournal Aufschluss. 



^^M ^^^^^M 


^H 




Beschäftigiings-. 


r 011 mal ^^^^ 






^Uuu\ 


B t» 8 c h fi 


t i g u ti g ^M 




E 
1 










_n 


Virmittag 


Naehiuitt^H 


17 


1 


3 


24 




Fahrt von Pettau auf der 


^H 


Müi 










mit dreit heil igen Pontons 

Warasdin von \\l bis \'^ 

mit viertelstündij^er Ha 

Frieda 11 ' 




la 


1 


3 


24 


ZübauimeriiäeV^en dt*r Viertheiler, 


1 üaterufficier und fi i 




Mal 








Herbeischaffe:*!! de.< Mater i öl t's zur 
Einärerüstutig dos Glicnlcs. 


{Zinnnerieute) und 4 Zi 
leute derBauunternehniunj 
gcrüstungderftiliede;*- Die 
Man n & c 1 j af t H e rbe i s ch affci 
Ank*'rn und Ketten vnm Bii| 
Warasdin zur DrauJ 




19 


1 


a 


24 


1 niiteiviffirier uud ti .Mium F'»rt- 


Wie Vomiitta^. | 




Mai 








sfitzoij der Eini^'eriiistMri^ Dit* 
Obrii^cMannsehiift Her <t edlen der 
Landmigyilinlcko am litikt'ti Ufer. 


J 




20. 


1 


a 


24 


Wie am W. Mai. Abliolen des 


1 ünterofficicr und 6 Mana 




Mai 








erhält tuen Draiitseiles durch 

in Mann tind Ausdrehen des* 

«elben. 


Ketten der Einjr^rüstunti:; 1 1 
oftieier und 10 Mann Fort 
des Baues der Landungsb| 

1 Unteruflieier und 8 Mai 
stellen der Verankernn 
linken Ufer; Spannen des^ 

seiles. , 

2 ünterofficiere mid 16 Mnif 




21. 


1 


a 


24 


1 Untert^fficier und 6 Manu Fort- 




Mai 








setzen der Einjt^erüistung"; 
1 Unteroftirier und 8 Mann 
Spannen des Urahtseikü; 1 Unter- 
fiffieier und 10 Mann Herstellen 
der Lnndiintrshrüt'ke am rechten 
Ufer. 


t^tellen de? LantV' ^ 

rechten Cfer: 1 1 

8 ^lanti Spannen dc^ Druhl 




22, 


1 


3 


24 


Erste Prohefahrt ; l Unteroffieier 


Wie Vormittai?. Abe^ffl 




Mai 








und 33 Mann Ankcrwaehe; 
Ü Zimnierlente Anhrin^feu der 
noch n»ithig^en AuHbessermi^en 
am Uberjiehiffunp^gliede. Die 
abritte Mannschaft Heben der 
Landungshrftcke in Fulge Steigen 
de.s Wassers». 


.schiffen von zwei Wm 




23. 


1 


a 


21 


Aiikerwache wi«- am 22. Mai. 


Frei, naehdem keine W3 




Mai 








Uher-*chifl"eii von 4 Waj^en und 
Au.shesj;eni der Landhrüeken, 


getroffen $iiid. 




24 


1 


a 


24 


Anlierwaehe wie am 23. Mai. 


Forti^'?4tellen der hM 




Mm 


( 






lTber5<ehiffeu vun 3 Wa^en und 
Ausbessertl der Ictztcü zwei 
Unterlassen der Laielun^s brücke 
am liiilcen Ufer, die vollständig 
unterwu,selien waren 


1 



Überschifliing roti Eistenbahn-Falirmitteln über die Drau. 



429 



Stand 



Beachäftiguii*,' 



Voninttat' 



Nachmittag 



1 3 24 

24 
24 

1 3 24 



Aukerwaclu' wie um 24. Mai. 
Uber>ehiffeii vtm fünf Wag-en 

(bekdeti), 
Aiikerwacbe wie oben. Über- 

8€biffen eines Wagens. 
ÜberschiiFeii eint^r Caision- 
scbkuse (4^) und Abbrechen 

der Fähre. 
Marwch naeb Csakathurn; Ein- 
rücken des Detat'hementa |jer 
Babn nacb Pettau; Ankunft 

7% Ubr, 



Überseh itl'eii vtui fiinf beladen en 
(10—170 Wagen. 

Überöchiffen einer LucomotiTe 
(16 '20 und eiues Tenderwagens, 
Abbrechen det^ Gliedes und 
Schiffen der Pontons nach Csaka- 
thurn . 



Schlussbemerkung. 

L Das k. k. Kriegsbrückeu-Ponton hat bei der im Vorstehenden 
ehriebenen abnorraalen Iiianspriichoahme , d. L iii Verwenduiipr bei 
bersehiffimg von Eisenbahnbetriebsmitteln, vollkaiumen entsprochen. 

IL Die Zusamniensetziing eines Gliedes aus drei viertheiligen 
Pontons stellt ein Fäliniiittel dar, welches selbst eine größere Maschine 
Js die überscliiffte aufzunehmen vermag und auf welches die Maschine 
ait Dampf sowohl ein- als auszufahren, sowie die nöthigeii Correcttiren 
Erreichung der richtigen Schwvrpunktslage durchzuführen imstande ist. 
ni- Bei der Eingerüstung müssen in allen Fällen schwerer Belastung 
SchifFsböcke auf den Boden des Fahrzeuges aufgestellt werden, um die 
Jordwände von der directen Belastung so viel als möglich zu befreien. 

IV. Es erschiene wünschenswert, durch Versuche Kormalien ffir 
line derartige Eingerüstung zu verfassen. 

V. An den Pontons selbst war keinerlei wesentliche Einwirkung 
ier Belastung weder am Boden durch den Wasserauftrieb noch an den 
Verbindungen ersichtUcL 

VI. Für die Ein* und Ausschiffung erscheint es nöthig, dass die 
luf dem Glied liegenden Schienen über die Borde hinaus verlängert 

[werden, um sodann auf den Laadungsb rücken ein gesichertes Auflager 
^zu finden. 

VIL Der Constmction der Landungsbrücken, besonders an den 
^Kandfeldern , wird besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden sein. Für den 

48 



4M Mronlc. ÜbL^röfUiflfUng vöii Ei&eiibabn-Fahnüittdii über die Dran. 

Fall« nl:^ t^röHeru Massen von rollendem Material» insbesondert^ Ma^eliiia 
überscbiflt werden müsseß, wird es wohl nothwtindig werden, dii* htm 
Unterlagen ala feste stehende Hebgeriiste, womöglich mit Schnuk 
hebung einzuiichten. 

VTII, Die Überschi flung muss jederzeit mit fixer Überaehiffiiiievl 
Imie stfittfißden, imd wird sich hiebei die Form der Zugfähre am Filii| 
öeü wohl dls beste erweisen, 

IX. Bei Üherschiftimg von Maschinen wii'd es sich empfeli 
dieselben jederzeit unter Dampf zu stellen, da sowohl die Verschiebi 
aitf der Decke zur Erreichung der Schwerpunktslage als das Aiisbarkirnl 
|>ei rascher Bewegimg der Maschine wesentlich erleichtert wird. 

X. Die unverrückbare Feststellung der Wageü, bezw. Maseluü^ij 
^uf der Decke nach erreichter richtiger Schwerpunktslage mxiBS ätj 
allen Mitteln erstrebt werden. 

Am zweckmäßigsten erscheint die Unterflihrung und Verklamnierm|| 
starker Balken. 

XL Die Schienen der Decke müsgen mit jenen der Landungsbrürlsei | 
bei der Ein- und Ausfahrt jederzeit vollkommen normal verlascht wt'n: i 



Fett au, im Juli 1886. 



^^ 



•>• 




431 



rpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen 
mbahn und Bericht über die Feldeisenbahn-Ausstellung 
in Lundenburg im August 1886. 

Von 

'V'ictor OTllsclilcer t, 

k. k. Hauptmann im Otnüstabt^). 

r üsteiTeiehische Reichs-Forstverein veranlasste gelegentlich seiner 

lerversammluDg eine Ausstellung von Feld- (Wald-) Eisenbahnen, 

n- sich vier deutsche Firmen und eine österreichische betheiligten. 

} Bedeutung, welche derartige Bahnen für die Biiegführung in 

cationsarmeu Gegenden und dort erlangen, wo die vorhandenen 

einer festen Fahrbahn (aus Stein) entbehren, lassen es vielleicht 

iswert erscheinen, auf eine detaillirte Beschreibung der erwähnten 

Systeme einzugehen, welche dem Leser im Verlaufe dieser Schrift 

t und auf Grund persönlicher Anschauung erläutert sind. 

' auf der Ausstellung vertretenen Firmen waren die folgenden : 

Dolberg in Rostock, 

S pal ding in Pommern, 

Koppel in Berlin, 

Studier in Güstrow (Mecklenburg), 

Lehmann & Leyrer in Wien. 

knüpfend an diese Systeme sollen jedoch noch andere von 

g besprochen werden. 

^ ich micli anschicke, auf die Eigenthümlichkeiten dieser Systeme 

heil, soll vorerst die Feldeisenbahn im allgemeinen und im 

le zur Leistungsfiihigkeit des Nachschubes im Kriege mit Wagen 

t werden. 

' <nste FeUleisenbahn mit transportablem Geleis, bestehend aus 

ich langen, meist 4 bis öwigen Schienen, welche durch eiserne 

rschwelleu verbunden wurden, construirte im Jahre 1876 ein 



ortra^, irdialton im November 1886 im Militär-Casino zu Wien. 

48* 



432 



Til4 



Landwirt in Petitbourg, Ihk'äuville aine Vi. Er venveudete dazu V'ignli 
Schienen im Gewichte von 4, 6*3, 8'ö und \&8kg pro laufendea 
(gegen 34% der Normal- und Vollbahn). Mit Rücksicht auf die ungh 
artige, nicht solide Lagerung gab er der Schiene einen der Xonuall 
gegenüber breitern Fuß, welcher ihr eine größere Stabilität aiif 
Unterlage verlieh. 

Die Schwelle bildete ein lOOmwt breitete und Smm dickes 
eisen. Die Spurweite betrug 400 bh 600mm. Die Verbindung 
Schwelle und Schiene erfolgte durch Xiete; der Schwellenabstand 

1 bis I2bm. 
Zur Verbindung der einzelnen so hergestellten 4 bis ömigen h 

coustruirte Decaurille eine Stoßverbindung in der Art> dass er 
Schienenstegen der an einem Ende des Joche« die Schwelle überragi'nl 
Schienen je eine Lasche befestigte, welche bei der Verbindung 
zwischen Fuß und Kopf an den Schienensteg des nächsten Joches lej 
und so eine seitliche Verschiebung verhinderten. 

Das Gewicht eines 5migen Joches betrug bei 0'4m Spurweite 
Verwendung einer 4% Schiene ca, bOk^; das Verlegen war also dimij 

2 Mann bequem zu ermöglichen. 

Diese leicht verlegbareu Schienenjoche sollten nach Decaunlle| 
solchen Örtlichkeiten zui- Anwendung kommen, wo die Plätze, von 
zu welchen der Transport geschieht, oft wechseln und wo nach 
filhrung der Transportsarbeit ohne Schyrierigkeit und ohne erhebhc 
Zeitverlust diese Geleisstucke leicht beseitigt^ bezw. zu anderen Zwed 
verwendet werden können. 

Bei jahrelangem Transporte empfahl Decaurille ein festes Od 
auf Holzschwellen und in Kiesbettung bei sonst gleichem Schi«?» 
material. 

1876 trat Decauville vor die Öffentlichkeit, und bis zum Jahre 18 
kamen in Frankreich 1300Ä:??i Schienengeleiae und 1500 Wag**n 
Verwendung. 

Nach Decauville's fleuestem illustrirten Katalog vom Juni 1^ 
(57. Ausgabe) ist dessen großartige Fabrik jetzt in der Lage, in eia 
Monat 150Ä:/^^ Geleis mit 3000 Wagen zu liefern. 



'J Nach BlenL'k (siehe : „Die Hogt'nannten tratispürtablen schm&Upa 
Industrie* utid Feldeitieuljabuen in PreulJen", in der Zeitütiirift des komgL yti^ 
atatistischeii Burt^au», 1886) wandte die Maseliiiientiibrik t\ 8clilickeisen schon 10 
tragbare sehiiialspurj^e Eif^enbahnen in Ziegeleien und Türfgräbereieii an und »teilt' 
Bolche auch im Jahre 1874 h\ der Berliner Bauausstellung öffentlich aus. 



Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 433 

Sein Gesammtabsatz beläuft sich bis zum Jahre 1886 auf ca. 5000Ä:m 
releise und der Umsatz an diesem und rollendem Material auf einen 
Ifert von mehr als 20 Millionen Gulden. 

Im Königreiche Preußen stehen dermalen mehr als 435Ä;m tragbare 
ichmalspurige Eisenbahnen mit einem rollenden Materiale von 6600 Wagen 
n Verwendung. 

Sie besitzen eine Spurweite von 33*/, bis lOOcw. Mit der Spur- 
veite von 50cm sind 158A:m, mit der von 60cw b3km und mit der von 
[0cm S^km vorhanden (siehe obgenanntes Jahrbuch). 

Dass D^cauville-Bahnen auch zu Kriegszwecken Verwendung fanden, 
st allseitig bekannt. 

Russland gebürt das Verdienst, die Vortheile dieses Bahnsystems 
für die Improvisation von Kriegs-Communicationen zuerst erkannt und 
in umfassender Weise ausgebeutet zu haben. 

Während des Krieges in Turkestan entsendete die russische 
Kegierung eine militärische Commission zum Studium von Feldeisen- 
bahnen nach Deutschland, England und Frankreich, welche dem System 
D^cauville den Vorzug gab, worauf die russische Kegierung 106ä;w 
Oeleise von 50cm Spurweite, 7kg per Meter Schienengewicht mit 
600 Wagen und 2 Locomotiven von 20q Gewicht in Bestellung brachte. 
Diese Bahn wurde vom Hafen Michailow am kaspischen See bis Aiden 
Kizil Arvat gelegt und diente für den Nachschub der Armeebedürfnisse 
und zur leichtern Erbauung einer Vollbahn, für welch' letzteren Zweck 
äie Feldeisenbahn nach Bedarf abgebrochen und weiter vorwärts verlegt 
wurde. Die Generäle Annenkoff*) und Skobelew haben Döcauville nach 
Beendigung des Krieges ihre Zufriedenheit ausgedrückt. Welchen Vortheil 
die Küssen aus dieser doppelten Verwendung der Döcauville-Bahn zogen, 
kann aus den Schwierigkeiten ermessen werden, mit denen die Bau- 
unternehmung Poljakoff beim Bau der Eisenbahnlinie Bender-Galatz 1876 
zu kämpfen hatte, bei welchem auf den fast unfahrbaren Landwegen 
tnit einem Ochsenwagen nur zwei Schienen befördert wurden. 

Weiters fanden Decauville's Bahnen Anwendung in den Kriegen 
der Holländer auf Sumatra mit I3km (O'bOm Spurweite, ^'5kg Schienen- 
gewicht); seitens der Franzosen in Tunis mit 70km (0'60w/, 7 bis 9Vj%), 
^'ovon 8kTn sumpfigen Boden übersetzten; in Tonking mit 50km 



*) Soeben erschien das Buch : „Transkaspien und seine Eisenbahn". Nach 
icten des Erbauers Generallieutenant M. Annenkoff bearbeitet von Dr. 0. Heyfelder, 
»taatsrath in St Petersburg, ehemals Chefarzt der Skobelew- Achal-Teke-Expedition. 
[annuver 1888. Helwing'sche Verlagsbuchhandlung (Th. Mierzinsky, kOnigl. Hof- 
uchhändler). (A. d. Red.) 



434 



Tilscbkert. 



(0*50m, ^kg)\ durch die Italiener bei Massauah mit \Ükm (0'60m, 9V,iy) 
und die Engländer in Afghanistan mit bkm (0'5(h»), TA^). Die letzteren 
haben zur Weiterbeforderung des Materials Elefanten benützt, auf deren 
Kücken ganze Locomotiven von 18y Gewicht und schwere Waggon? 
verladen wurden. 

um die Bedeutung der Feldeisenbahnen für den Xachschub einer 
Armee, der nur schlechte Straßen oder Landwege zur Yerfftgung stehea 
in das richtige Licht zu setzen, soll zunächst die 

Leistungsfähigkeit thieriBcber Zugkräfte auf SiraUett 

uod Feldeisenbahueu 
verglichen werden. 

Nach praktischen Erfahrungen*) beträgt die erforderlicbi 
Zugkraft bei horizontaler Fahrbahn auf 
transportablen Schießenbahnen ..,...,....,..< 0*061 

auf Steinstraßeu mittelmäßiger Beschaffenheit* .,....,. O-OSO 

auf Erdwegen mittelmäßiger Beschaffenheit ......... 0*100 

der zu bewegenden Last; es ist ali^o bei SteiustraUen oin 5m»l 
auf Erdwegen ein 16- bis 17mal so großer Widerstand zu äberirindeiL 
als auf der Feldeisenbahn. 



*) Siehe dfl..s Werk: „Die Waldeisenkihn** von Ädulf BunnebiMiiii. Berlin 1k.=^ 

Springer, 

Nach LaiskU^** ^StTaßeabftu" »ind die W e r 1 e der K e i b ti n g s - C ö ^ ff i* 
g t e n t e n folgende : 

B ü i E r d b a h ti e n. 

Loser Sand ...,.,. V; bis </». im Mittel * 7 = 15 
8chlei'hter Erdwü 




Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 435 

Da im Folgenden beim Betrieb der Feldeisenbahn auf die Kraft 
s Pferdes und die des Menschen reflectirt wird, seien hier 
Dige Daten über animalische Motoren angeführt. 

Die motorische Leistungsfähigkeit von Menschen und Thieren ist 
n der Beschaffenheit der Individuen und der Art der zu verrichtenden 
l)eit abhängig. Obgleich Klima, Kace, Geschlecht, Alter, Nahrung und 
Hing große Verschiedenheiten der Arbeitsstärke bedingen, dieselbe beim 
ansehen insbesondere von seiner Willenskraft und beim Thiere vom 
L sporn desselben, ferner von der Lage des Körpers, den bethätigten 
iskeln und der Form und Größe der auszuführenden Bewegung abhängt, 
lassen sich doch der Erfahrung entsprechend für die Beziehungen 
i sehen Kraft, Geschwindigkeit und Arbeitszeit für die in der Eegel 
rtommenden speciellen Arbeiten (Tragen, Ziehen, Steigen) Gesetze 
Fstellen, welche bei praktischen Kechnungen zu Grunde gelegt 
'rden dürfen. 

Leistung der Menschen. 

Für die Zugkraft Z eines Menschen am horizontalen Seil darf 
ch Erfahrungen in der CanalschiflFahrt bei 8 Stunden wirklicher 
'beitszeit 

Z = 10% bei V -^- O'Sw, 
i. einer Geschwindigkeit von 80cw pro Secunde angenommen werden. 

Die Arbeitsleistung beträgt sonach 
10 X 0-8 = 8%m 
r Secunde. Nach Franzius und Lincke erhält man jedoch für Z und t? 
trächtlich höhere Werte, wenn der Mensch die Arbeit im Accord zu 
^richten hat. 

In dieser Verwendungsweise erhöht sich seine mechanische Arbeits- 
stung um die Hälfte, d. h. sie beträgt statt %kgm \Higm\ Z, die Zug- 
aft, beträgt somit bei v = 0'8w 15%. 

Bezeichnet k die Kraft, mit welcher andauernd in i Stunden täglich 
i 'Meter Geschwindigkeit pro Secunde die günstigste Arbeitsleistung 
delt werden kann, so wird nach Maschek in z Stunden täglich bei 
ler anderen Geschwindigkeit v Meter die Kraft 



Z==i(3-(^-|) 



welcher Formel beim Zug durch Menschen 

k = 13-3%, c = 0-76rw und « = 8 Stunden 
zunehmen ist. 



i36 



T i 1 s c h k e r t. 



Die Tai^esleistnng wird zu einem Maximunu wenn v ^ c iiad : ^ 
in welchem Falle Z = 13'3 (3 — 2 ) ^ 13'3 wird. 

Für V = SOnn wirf Z = 13% 

Nach dem „Berg- und Hütten-Kalender'* vom Jahre 1883 tan 
Arbeiter schiebcDd oder ziehend die Zugkraft 2 ^^ 14% aaliern. ^ 
er sieh mit der Geschwindigkeit von SOrm pro Secunde l>ew<nT I' 
Arbeitsleistung ist somit 14 X Q'8 ^^ ll*2fc^m. In 8 Stunden 1- ' : 
also seine Kraftleistung ca. 320.000A*^w. 

Beim Transport auf Interimsgeleisen (mit V,^^ bi^ 
Bewegungswideri^tand) fordern 2 Arbeit^^r auf die Dauer l'^.m* F 
von 2000% öewicht bei v ^=^ Iw, f^oniit ^ammt dem Wagengewichi ^i 
*4 der Nutzlast (600) 2(500%, woraus sieh bei * ,,p Bewegungjjwi^tr* 

Htand eine Kraftleistnng pro Mann von — — = W'&tffm f^wK 

aus der bei v ^2- 0'8w Z mit 13'5% resuUirt * k 

Bei dea Erdarbeiten haben 2 Arbeiter in 1 Tage 18.000»» de<* 
vollen Wagen mit 2600Ä'^ Bnittogewicht und 18.000/« den leeren Wa^rt ,^ 
mit 600A'^^ Gewicht zu schieben. Die Arbeitsleistung der Fahrt mit dfli 
leeren Wagen von 18.000 X 600%m entspricht der einer VoUfahrt mit 
2600% auf ca. 4000 /i*. Die Tagesleistung von 2 Mann entspricht somit 
einer Lastfordening von 2600% auf 18.000 + 4000 = 22twi bei Im 
Geschwindigkeit, also ca. 68tündiger Arbeit und 28trmdiger Rast 
einer Lastiorderüng von :^200% auf 22km bei 8stündiger Arbeit 
2stfindiger liaHt. Auf 1 Arbeiter entfällt somit eine Last von 160^ 

woraus bei - --- Keibungswiders^tand, wie er bei Geleisen fiir Erdßrder 



angenommen wii'd, eine Zugkraft von 



1600 
120 



13'3% resultirt. 



Nach Decauville (siehe dessen ^InMrucfions pour appUqmri 
.Derauvilh* '^ \ Hchiebt ein Arbeiter mittlerer Starke ohne Mühe »ni 
Decauville-Erdtransportwagen mit 480% Erde beladen, also ein Gesamfl 
gewicht von 640% mit einer Geschwindigkeit von 4fcw per Stunde ♦! 
Um in der Secunde) und fiirdert dieses Quantum in lOstüudiger Tag 
arbeit 40Äm weit Seine Arbeitsleistung betrögt somit 

640 X 40.000%m ^ 25,600.000%!/*. 



*) Hiebei wird 10 Stunden lang gearbeitet, u. zw, eutfÄlli^n 6 Sttiadcßl 
die vollen Hin- und 4 8tttnden auf die leeren Rückfahrten. 



Der Verpflegsnachschab im Kneife auf der transportablen Feldeisenbahn. 437 

Seine Eraftleistung berechnet sich daraus bei einem Beibungswider- 

stand von -— auf dem Geleise mit -— - X 25,600.000 ^ löO.OOOÄ-jn«. 
IbO IbO 

Ist diese EraftäuiSerung nur auf 20km (l Kriegstagemarsch) zu 

leisten, so erhält man daraus als Zugkraft des Arbeiters ' = 

^ Skg bei lim Geschwindigkeit, somit bei 0*8m Schnelligkeit in 

8 X 1*1 
1 Secunde — -— — = ca. 11kg Zugkraft. 

In den weitern Betrachtungen soll die Zugkraft des 
Menschen mit 13% bei 0*8w Geschwindigkeit angenommen 
werden. 

Beim Handkippkarren-Tra*nsporte bewegen 2 Arbeiter die 
Karre auf der hölzernen Karrenbahn mit etwa 0-8m Geschwindigkeit; 
dabei können die Bahnen bis 1% steigen. 

Auf Interimsgeleisen nimmt man im Eisenbahnbau bei der 
FörderuDg mit MeDSchen eine durchschnittliche Geschwindig- 
keit von Iru per Secunde an ^). 



Leistung der Zugthiere. 

Kaven theilt in seinem Werke über Straßenbau •) folgende Tabelle 
über die Zugleistung eines Pferdes mit: 



Beobachter 



Zug- 
kraft 
in kg 



Ge- 
schwin- 
digkeit 
in m pro 
Secunde 



T&gliche 
Arbeits- 
zeit 



TägUcherNuti- 
effect in Kilo- 
gramm-Meter 



Desaguiliers 

Dupin (engl. Zug]>ferd) 

Gengembre 

Gerstner 

Hachette (mit dem D^-namometer) . . 

d'AubuiHson 

Morin (ein Pferd im Schritt am ge- 
wöhnlichen Wagen) 

B<iasson 



90 8 
90 
80 
56 
67 
100 

70 

50 



112 

111 

100 

1-26 

10 

0-8 

0-9 
11 



10 
7 27 



2,928.800 
2,880.000 
2,804.000 
2,088.460 
1,929.600 
1,728.000 

2,268.000 
1,440.000 



•) Siehe Meyer : „Ausführung der Erdarbeiten" im „Handbuch der Ingenieur- 
WiaSHcn.Hchaften" von Heusinger und Waldegg, I. Band, IH. Capitel. 
•) Siehe „Handbuch der Ingenieur- Wissenschaften", I. Band. 



438 



T i 1 B c h k 6 r t. 



Die erhaltenen Werte sind verschieden, aber doch nicht mehr, aU 
es die verschiedene Beschaffenheit der Pferde und die Ungenauigkeit der 
Beobachtung erwarten lassen. 

Laissle nimmt folgende Mittelwerte für die Zugkraft Z nnd da? 
Gevncht G des Pferdes an: 

Für leichte Pferde . . Z = micg, G = 2o0kg. 
für mittelstarke Pferde Z = 75%, G = 350kg. 
für starke Pferde . . Z = 90%, G = 350%. 

Hiebei ist eine mittlere Geschwindigkeit von l'lm pro Secundt- 
und eine mittlere Arbeitszeit von 8 Stunden zu Grunde gelegt. 

Das Gewicht der Pferde schwankt zwischen 200 und 400%, so 
dafss die alte Kegel, wornach die. Zugkraft eines Pferdes etwa */, sein« 
Gewichtes beträgt, ziemlich zutreffen dürfte. 

Nach Meyer ist die Geschwindigkeit beim Pferdekarren-Transport 

auf Interimsgeleisen 30A*m pro 7 Stunden, also V2m per Seeunde. 

Die Zugleistung Q eines Pferdes bei verschiedener Steigung 
berechnet sich nach der Fonnel 



Q = 



G.tgOL 



/+tga 



wobei Z die Zugkraft (60 bis 90%). G das Gewicht des Pferdes, x im 
Neigungswinkel der Fahrbahn und / den Widerstands - Co§fficientei 
bedeutet. 




Der Verpflegsiiachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 439 

Nach obigen Coefficienten für den Beibungswiderstand und den 
voreutwickelten Zahlen für die Zugkraft eines Arbeiters und Pferdes 
inüsste sonach auf den drei vorerwähnten Gattungen Fahrbahnen, wenn 
sie horizontal sind, an Last gezogen werden können, u. zw.: 

von einem Menschen: 

13 

auf der Feldeisenbahn ^^.^. ^= 2166Ä'y, 

13 

auf der Steinstraße -r-r^ = i33kg, 

13 

auf Erdwegen -— = 130%; 

von einem Pferde: 

auf der Feldeisenbahn -r-r-r:: = 10.000kg, 
0-006 ^ 

auf der Steinstraße — — = 2000%, 

U \}o 

auf dem Erdwege -jr-r- = 600%. 

Man ersieht aus diesen Zahlen, dass auf horizontaler Bahn 
der Mensch auf der Feldeisenbahn mehr als das Dreifache 
gegenüber der Arbeit eines Pferdes auf Erdwegen zu 

leisten imstande ist. 

Vielleicht werden es manche lächerlich finden, wenn jemand den 
Nachschub der Armeebedürfnisse durch Menschen auf einer Peldeisen- 
bahn besorgen wollte! 

Und doch ist diese Art der Lastenforderung in der Ebene weit- 
aus leistungsfähiger als jene mit Pferden auf Erdwegen. Kommen diese 
und selbst Steinstraßen, wie im Kriege, durch den massenhaften 
Train bei schlechtem Wetter in einen Zustand, in welchem sie über- 
haupt keine Fahrbahn, sondern ein Kothmeer repräsentiren , in 
welchem selbst die kleinsten Lasten nur mühselig vorwärts gebracht 
werden, dann stellt sich die nur mit Menschenkräften betriebene Feld- 
hahn noch wertvoller dar und überbietet die Lastförderung auf der 
grundlosen Straße sicher um mehr als das 4- bis 5fache. 

Finden sich ferner die zur Erhaltung der Zugkräfte erforderlichen 
LeiMMismittel nicht auf der Straße vor, lassen sie sich also nicht durch 



440 



Tilschkert. 



Requisition beschaffen, müssen sie somit von der Basis nachgefthit 
werden, dann verschwindet mit Rücksicht auf den täglich erforderlicheB 
Nachschub von ca. 10kg per Pferd und 1kg per Mann die Leistoig 
des ersteren auf der Straße gegen die des letzteren auf der Feld- 
eisenbahn. 

Weniger günstig gestalten sich die Verhältnisse, sobald in 
Schienenweg ansteigt. 

Die nachstehenden Tabellen stellen die Leistungen eines Mensckc^ 
und eines Pferdes bei verschiedenen Steigungen dar. 



I. Tabelle über die Zugleistung eines Menschen bei ver-'* 
schiedenen Steigungs Verhältnissen. 



S 'S 



IfH- I 



Erdweg 



Ht t*iii Htraße F elids enb&hn 



mit dem Widers tan ds^^Coeffitienteti / = 



(vino 



0030 



oms 



13 



0100 

13 - 65 X Ol 

0-Uü 

li2kg 



13 



ooao 



13 - 65 X Ol 



13 



0^006 
13 - 65 X Ol 



.3 s| 



"5, b£- B 



1:16 



ß em e T k Q n f 



1) Z^Q/, Q^y 

für bomont«t<- 
Babnrn 




Der Yerpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 441 



Tabelle über die Zugleistung eines Pferdes bei ver- 
schiedenen Steigungsverhältnissen. 



Erdweg 



Steinstraße Feldeisenbahn 



mit dem Widerstands-Co^fficienten / = 



0100 



0030 



0006 






Bemerkung 



60 



100 
600Ä^ 



60—300X0 01 



0030 

2000% 

60-300X001 



OHO 
518Ä;^ 

60-300X0 02 



0040 
U25Jcg 

60-300X0 02 



012 
450A:^ 

60-300X005 



015 
300A^ 

-300X01 



0-200 
IbOkg 

60 — 300X015 



>%' 



0-250 
60*^ 



60 



60 



0006 
10.000% 

60 — 300X0 01 



0016 
3265% 

60 — 300X002 



005 
1080% 

60 — 300X0 05 



0026 
2077% 

60 — 300X0 05 



0080 
562% 

60—800X01 



0056 
802% 

60 — 300 X Ol 



0130 
230% 

60 — 300X015 



0106 
283% 

60 — 300X015 



0180 
83% 



0156 
96% 



1:16 



1:7 



1:5 



1:27 



1:19 



1:1-6 



l)Z=(?/,(?=y 

für horizontale 
Bahnen 



Z-Gtg(x 



bei Bahnen von| 

verschiedener 
Steigung, wobei 

Z die Zug- 
kraft = 60%, 
/den Reibungs- 
' Coefficient, 
G das Eigen- 
gewicht (des 
Pferdes mit 
dOOkg), OL den 
Neigungs- 
winkel der Fahr- 
bahn, Q die Last 
bezeichnet. 



Aus diesen Tabellen ergibt sich Folgendes: 

a) Der Einfluss guter Fahrbahnen auf die Verringerung der Zug- 
ift tritt in dem Maße zurück, als die Steigung zunimmt. Während 
f horizontaler Strecke die Zugleistungen auf Schienen- zu jenen auf 
dbahnen sich wie 1 : 16 verhalten, beträgt dieses Verhältnis bei 2Vo 
eigung 1 : 5 und bei 15% nur mehr 1 : 1*6; je besser also die Fahr- 
hn, um so kleiner muss die Steigung sein, wenn die Zugkraft sich 
:?ht unverhältnismäßig steigern soll. 

Wer jedoch im Kriege, wo die Zeit ein viel zu wichtiger Factor 
, der Armee rasch verbesserte Communicationsmittel schaflfen will, der 
rd von dieser Lehre kaum einen Gebrauch machen können, weil die 



442 



r i 1 H c h k r t. 



Herstelliiug ^nnm üeuen UriterhaiieH im Verbältni» zum möglirlii 
rase he D Legen der Feldeiseobahngeleise viel zu rit?l Zeit erfordl 
ako uütbuulich iüt — Man wird sielt daher begiiugeu, attf dem Jfkoöm 
von StraOea oder Feldwegen, die selbst ungilnHÜge Steigungen be^it 
die Feldeisenbahn zu legen, um nur der Armee mit der leistTing»;f 
Communication auf dem Fuße zu folgen» was nicht ausschließt, dasH i^ini 
spätere Zeit benützt wird, au ungünstigen Steigungen eiiu<*Ine Tliffll 
hesser zu traciren, deren Unterbau herzustellen und tlann rauch d^ 
Feldeisenbahngeleise umzulegen. 

Die rasch gelegte Peldeisenbahn wird das beste Mittel biett^.., ^.. 
für den Unterbau erforderliehen Arbeiten durch Herdnachaming tob 
Werkzeug, Materialien etc. zu fördern. 

Man vergleiche nur, dass sie selbst bei 10"/^ Steigung fgÄt ii$ 
Doppelte als die Erdbahn mit denselben Kraft eo zu |H}4fs 

gestattet. 

J I Die Leistung des Zugthieres auf der Schienenstraße mU ' 
bleibt jener auf Landwegen weit überlegen, wenn auch nichi .,, ... .« 
enormen Maße, wie auf der horizontalen Fahrbahn. Das obige VerliälUiii 
zwischen den Leistungen auf der Erdbahn und auf dem Gelüise, dil 
selbst bei 10 >„ Steigung 1'9 beträgt, wird sich im Kriege auf d#r 
durchwühlten Fahrbahn bei Hegen- und Schneewetter noch mehr tu 
Gunsten des letzteren ändern. 

Bei frisch mit Schotter eingeworfener Straße wird il$ Reibui ^- 
coefficient »\^ =^ 0*157 angenommen, es betrSgt also der Widen^tul 
auf dieser Fahrbahn um ca. 50Vo mehr, als der oben in der TaWUr 
festgehaltene von y^„ auf Erd'wegen. Die vom Armeetmin beotllsf^ 
Straße niuss aber bestandig mit Schotter eingeworfen werdeu, wemi si^ 
nicht bald unbrauchbar werden soll. Für schlechte Erdwege nimmt Lafaifo 
den Retbungseoeffieienten auch mit V; an. 



Für losen Sand i«t/=— , d. h. 2 Pferde von zuaamm^a ll^uiy 

Zugkraft können kaum einen leeren Deckelwagen in der HomojiUliMi 
fortbringen. 

Ein Armeetrain ron beiUafig 6000 Wagen mit I2,04>i> Pferdm 
wird sich sonach, selbrt bei lOVo Steigung, bei Anwendung einm Oeleistii 
auf tiOOO Pferde reduciren. 



Der Veri)flegsiiachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 443 

Hiebei ist vorausgesetzt, dass die Nahrungsmittel für die Zug- 
kraft im durchzogenen Lande gefunden werden. Ist dies nicht der Fall, 
so ändert sich das Verhältnis noch mehr zu Gunsten des Geleises. 

Wie selten wird es aber im großen Kriege vorkommen, dass eine 
StralJe auf Kilometerlängen 10 Vo steigt! 

Bei sehr langer 6% Steigung reducirt sich jenes Trainausmaß 
schon von 12.000 auf ca. 4000 Pferde. Man denke dabei, wenn auch 
alles Pferdefutter von der Basis herangezogen werden muss, an den ver- 
minderten Nachschub von 8000 Fourageportionen, d. i. 10 X 8000kg = 

--- SOO^r. 

c) Die Zugkraft variirt beim Transporte auf der Schienenstraße 
mit mehr oder weniger beträchtlicher Steigung weit mehr, als auf den 
Landwegen, wie folgende Tabelle, in welcher die Zugkraft för die 
horizontale Strecke ^= 1 gesetzt ist, darstellt: 



Miteinander zu vergleichende 
Fahrbahnen 


Steigung der Fahrbahn in % | 


O^'o 


i7o 


2% 


57« 


lO^/o 


15% 


Zugkraftverhältnisse auf 

1. Erdwegen 

2. Schienenwegen 


1 
1 


11 

2-8 


13 

4-8 


2 
12-4 


4 
35 


10 
100 



Hiernach ist beispielsweise der Arbeitsaufwand zum Fortschaffen einer 
Last auf Ikm Schienenstraße von 271, Steigung ebenso groß, wie zum Port- 
schaffen der nämlichen Last auf einer horizontalen Strecke von 4*8Ä:m Länge, 
wahrend bei den Erdbahnen diese Beziehungen günstiger sind; hier ist 
der Arbeitsaufwand zum Transport der Last auf Ikm Wegstrecke von 
2" o Steigung der nämliche, wie zum Fortschaffen der gleichen Last auf 
horizontaler Strecke von l'3km, 

d) Aus dem Vergleiche der beiden Tabellen (I und 11) erhellt, dass 
bei 2". Steigung der Fahrbahn die Zugleistung eines Menschen auf dem 
Schienenstrang der eines Pferdes auf Erdwegen gleichkommt. 

Ein Paar Pferde mit einem Kutscher sind sonach beim 
Trausport auf Landwegen zwei Arbeitern beim Transport auf 
Schienengeleisen gleich zu achten, wenn die Fahrbahnen 
2" o ansteigen. 



444 TiUchkert, 

Was im ersteren Falle eio Train von 12.000 Pfordt»ii 
6000 Kutsehem leistet, besorgt im letzteren Falle eine Arbeitercöli 
von 12,000 MaiiiL Es genügt sonach, zu den 6000 Fuhrlentc^n jM»ci 
weitere 6000 Mana zu geben, um nach Entlassung der 12J>00 "'" 
dasselbe zu leisten wie diese. Die Arbeitereoloune erfordert eint.. :_^ 
liehen Nachschub an Nahrungsmitteln von ea. 12.000A^ ^^ 120f, fb 
Traincolonne von 6000 Wagen einen Nachschub von 10 X 12.000 ^= 1SWI|» 
d. i. das Zehnfache. 

Man kann für allgemeine Vergleiche der mensehlicheu Züjlvr.) 
auf verschiedenen Fahrbahnen mit jener der Pferde mit Küeksichi dr^rjM 
dass pro Pferd eine halbe Menschenkraft (derKut«cher) zur Leitung ertVinir r- 
Hch ist, welche bei Anwendung von Schienenbahneu als Zugkraft dienii* 
bar gemacht wird, die Arbeitsleistung eines Menschen mit einem 50V, Zu- 
schlag in Bechnung bringen. 

Der Arbeiter, der bei horizontaler Fahrbahn an Stelle eine« Pfefik» 
als Zugkraft, u. zw. auf dem Schienengeleise mit einer Zugleistung tw 
2166A'/7 eintritt, erhült eine Zugveratiirkung durch die pro Pferd »I* 
fallende halbe Aj'beitskraft eines Menschen» leistet somit 2166 -f- 108S ^ 
-= 3249Ä^;, 

Es gestalten sich nun die Leistungen, wenn man an Stelle eiat« 
Pferdes auf Erdwegen einen Mann auf Schieuengeleisen rechnet tmd d» 
Fuhrknechte als Zugkraft mitbenutzt, wie folgt: 

Auf Schienen ziehen 1 y. Mann, die an Stelle eines Pferde« treleiL 

bei O»/,. iVo» 2%. 5% Steigung 

Z, = 3249, 1158, 675, 261%. 

Auf Landwegen zieht I Pferd Z, = 600. 518, 450, SOOity. 

z 

Mithin -^=5:L 2:1. 1V,:L1:11Ö. 

Ks sind somit unter den gegebenen Voraussetzungen selbst mkr 
bei 5% Steigung von P , Mann, d. i. bei Ersatz eines« jeden 
durch einen Mann und Heranziehung der Fuhrleute als Zugkraft nati# 
dieselben Leistungen 2U erwarten. 

Der (Ör diese verschiedenen Kräfte erforderliche Nadis^iib u 
Nahrung betnlgt 1*/, X 1 = l'ß» respective ca. 9—10%, iai ilsa i« 

letzterem Falle ca. sechflmal m groß als im ersten. 



Der V<*r|iflegsnachschiib im Krieir* a^f ^^t tranÄportablcn Fddeia^nbahn 445 

Ich hab«> aus be^soiiden^n Gründen den Vergleich der beiden Zug- 
l^rüfte bei verschiedenen Fahrbahnen so weit getrieben, weil ich darlegen 
rollte, wie die Verraindenmg der im Kriege beim Transporte» immer 
&iijtretenden enormen ReUningen von so großem Erfolge begleitet ist, 
iass man selbst mit mindenvertigen Zugkrütten noch Erhebliehes zn 
listen imstande ist Die Möglichkeit aber, auch nnr mit Menschen» 
Iften den Nachschub eines Armeetheiles besorgen zu können, bietet 
manchen Situationen unschätzbare Vortheile. 

Für das Lastentragen in imwegsamei» Landern ist man schon zur 

Erkenntnis gekommen» dass in dem Falle, als die Verpflegung von der 

Jasis mitgeschleppt werden muss, der Mensch brauchbarer als das 
rragthier ist *), 

Wie oft wird es sich »•mplehleu, selbst zu der ächeiiibar nicht 

praktischen Transportsart mit Menschen auf der Feldbahn 7M greifen t 

eren Geleii^e ist leicht und schnell auf das Planum der Straße oder 

elbst des schmalen Landweges gelegt. Bei 40 bis 50cm Spurweite findet 

liese Bahn Raum auf dem Bankett. Die Stralle kann daher oft ohne 

Jeeinträchtigung der marschirenden Tnippencolonue neben dieser sich 

in ziehen. Ein neben dem Geleise hiufendcs Pferd erfordert schon 

linen noch breiteren Streifen dauebenf etwa von lOOc^rt, der gleidifalls 

ien Coloimen entzogen wird. Lehmiger StraÜengnind kann überdies bei 

langel an Schotter oder Sand und beim Eintritt von Regen- oder 

?chneewetter den Pfad für die in groüer Zahl neben dem Geleise zu ver- 

rendeuden Pferde nahezu unbrauchbar machen» was bekanntlich schon 

iei stark frequentirten Saumpfaden im Lehral)oden eingetreten ist. Da 

|i«t die menschliche Zugkraft von unschätzbarem Vurtheile. Abgesehen 

ron dem weniger festen Untergrund, den der Mensch gegenüber dem 

fPferde erfordert, ist für ersteren bei der Feldeisenbahn durch Einziehen 

I einer zweiten Querschwelle per Joch und Einlegen eines Brettes zwischen 

'den vorhandenen Schwellen leicht ein sicherer ITntergnind ges^'haffen. 

Auch ein Lüngsbrett von 30cm Breite und ^Qmm Dicke zwiseheu d«n 

Ißchienen gibt <lem FuOgeher sicheren Halt un<l Stütze, Filr eine 

\00km lange FeldeisenbaJm wiegt ein derartiger Bretterweg nnr fiiOO^. 

gt daher mit Leichtigkeit auf der vorhamlenen Bahn, u, zw. mit 270 Stück 

Doppelwagen in drei Tagen viTfracht^'t uml verthf*ilt. 



') Er>*terer trui^ gftÄr^ um! erhält Ikg Nalirutit. 



dM Tragthier -^ = 



1 

10 



df»r LaduDi; vertehrt. 



livf La- 4. Mä)iri*tid 



19 



lila r b k Sri 



Niibt so rascli wird der Weg für I'terd«» dvirch Hirätixiebtiag 
Schottermassoll, wenn 810 iiieht in d»>r Xiiho vorhanden tnnd, hertunAttli 
tiom. Eiiu' nur 60'//* breite, ca. Hjcm bohf Ant^ichotlerung prlordi^rt 
auf lOOfnn Wo^strecko eine Schotterma^ße von l)00O/i»\ (L i 
I(i2,000v Gewicht zur Herstellung' und dazu die fortlaufende IuaUmI- 
h^^tun^^ 

Bei der Torfgewinnung, wo die Verwenduug roö Pfi^rdeo, ik 
verHiukeii würden, al^^ Zugkraft oft ausgeüchloäseD int, dtiinen Mitni^dlift 
zum Ziehen und SchielHii th^r Wagen auf den verlegljftn^ü Gelfiaeo. 

e) Aus der Tabelle 1 geht hervor, dans man hei Anwenduij 
menschlieher Zugkräfte mit großen Steigungen und, wenn gje auf melir 
als HOOm sieh erstrecken, nur Meine Bruttola^teu zu fördern xermui. 

daher man auf solchen Strecken bedacht sein rauss, entspreeb ' 

Wagen zu verwenf!«Mi, um eine noch jH^mun^uiTii^ \*4u. 
zul>rinj{en. 

Werden beiöpiebweise iu lOV^» »Steigung zwei Menschen mm 
Schiel^eu und zwei zum Ziehen per Wagen j^enürmnuD, so ^iud m 
imattinde, eine Lant von 4 X öl ^ 244% zu bewiiltigen. Bei den atf 
FeldeiHeubuhnen üblichen Wageu-Conatructioiien beträgt deren OiMrieht 
», der BruttoltLst; es milsste somit für die vorbezeichnete^ Liiirt der 



Wagen - 



244 



89% wiegen, auf widehem 155% gefi^rdert wurdisiu 



Die gebräuchlichen leichtesten eii^ernen Untenvagün, welrbe «oek 

für den TransfMu^fc mit Pferden dienen und 130% wiegen, ^nr Af^ 

bej<prorhenen Fall zu schwer. In diej^em Falle nuiyiiten lia:,--,„-i-p*«iii^ 
wagen nnit im langem und 75cm breitem Plsteau ä 60 tl.) verwttiilri 
werden, (Siehe Catalog von Lehmann & Leyrer, S. 17,) 

Erwägt man jedoch, dass auf kurze Steigungen die Kraft 
doppelt werden kann, no steigert sich die mögliche Nettoleisii 
bi*i 2 X 155 =310% oder per T, Mann auf ll*>%, 

Die Belastung der Wagen, die im Jahre 1878 im Aujni^t %«« 
AJt-Oradiska nach Travnik abgingen, betrug 270 bis 280%, tt r -^ 
Pferd 135 lüs 140%'): diese« leistete also nur um IB Im 20'/. 1 
»Iä Arbeiter auf Schienen bei kurzer 10% Steigung, erforderte »ber rW 
mehr zu Heiner Krbaltung f'20Av/ gegen 1%%). 

/) Bei 15", „ Steigung i^nt die Lei.stung eine^ Arbeiter;, ^^^ »r..o», - 
da88 man auf die Anlage einer Aufwindevurrichtung Bedacht neb 



•) Sieh« EggcirV: „Ww Veriifli*j?ttng d<*r k k Truppen väUrvhu uci iM^^ii^mf 
BMOiinV aud der BiTrcgoviuft im JAbre 1H78'*. 



Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbabn. 447 

lim die menschliche Zugkraft besser auszunützen. Bei einer derartigen 
Einrichtung braucht der Arbeiter nicht einen großen Theil seiner Kraft 
auf das Heben seines eigenen Gewichtes anzuwenden. 

g) Wenn das Fuhrwerk tyOOkg schwer ist, so können bei 5Vo an- 
dauernder Steigung zwei Pferde auf Erdwegen nur den leeren Wagen 
befördern. Auf kurze Strecken sind sie allerdings imstande, 600% Xetto- 
last fortzubringen. Eine lOTo Steigung auf Erdwegen wird von zwei 
Pferden, selbst bei doppelter Anstrengung, nur mit dem leeren Wagen 
genommen. 

Soll in diesem Falle dennoch etwas geleistet werden, so müssen 
die Pferde übermäßig angestrengt werden, was deren Erschöpfung her- 
beiführt, wie es das massenhafte Umstehen derselben in Bosnien nur zu 
oft erkennen ließ. 

Auf leichten Landesfiihren von ^OOkg Gewicht können auf kurze 
Steigungen von 10%, wobei die Pferde doppelt angestrengt werden, 
noch 600 — 400 = 200% fortgeschafft werden. 

Bei 15Vo Steigung wird selbst mit diesen leichten Wagen ohne 
Zugrunderichten der Pferde nicht nur nichts geleistet: es kann selbst 
der leere Wagen nicht fortgebracht werden. 

Die russischen Frachtfuhren befordern mit Einspännern auf den 
dortigen Erdwegen eine Ladung von 30 Pud = 450% bei einem Wagen- 
gewichte von 15 Pud = 225%, somit Bruttogewicht pro Pferd 675%- 

Für die dortigen kleinen Pferde kann eine normale Zugkraft von 
50 bis höchstens 60kg angenommen werden, und ergibt sich nach der 
bekannten Gleichung eine Maximalsteigimg von 

120 - -^- . 675 
^^ 675 + 250 — ^/«' 

vvt»lche Steigimgen bei Überschreitung der in der Steppe eingeschnittenen 
tiefen Thalrisse häufig genug vorkommen. Bei schlechtem Wege 
( /* _= \\^ — V/j) haben allerdings die Pferde Mühe, dieses Gewicht auf 
ebener Straße fortzuschaffen (siehe Laissle ^Straßenbau^). 

h) Auf der Feldeisenbahn ist im Vergleiche zum Erdweg, selbst 
bei continuirlicher lOV^ Steigung, die Leistung von zwei Pferden eine 
nennenswerte. Sie ziehen hier 566%, oder bei 130% Wagengewicht 436%. 
Ist jedoch diese Ansteigung kurz, so steigert sich letztere Ziffer auf 
2 X 566 — 130 -^ 1002%. Selbst bei 157o Steigung — wenn sie 
600m nicht überschreitet — können zwei Pferde auf der Feldeisenbahn 
noch 384 — 130 = 254% Nettolast fördern. 

49» 



^^^^^48 ^^^^^ ^^^^^^^^^^^^H 


^^H /) Wesentlich größere Zugleistiinj^en erhält man in den Stei^^ ] 


^^^ weüii man, wie Euunehaiiin * i, bei Berechnung der Zugkraft diis i'itros^ 




gewicht (^oder das des Menschen) unbeachtet lässt'l. Bei einem n^^lrh^H 




») Siehe des 


sseji Werk tlber Waldeisenbiilinen, J 




•) Kunnebaam brinjjt in seinein Werke über Waldeisenbahnen fo]|;en«le TaU«Ik: 1 




k 


Erd- 
bahn 


St ein - 
bahn 


Sehienen- 
balin 


•« ^ ^ - ^ 


liemerknngeis 


0] 


it dem Widerstands- 
Coeffi<i eilten w 


im 


030 0()6 1 


ziita] 1 


O'IOOO 
750% 


0O3OO 
2500% 


0-00«iO 
12 500% j 


1:5:16 


l) Z = Q , w i^T horixontAle Vmka* 

bahnen. 






0*110 

6H2% 
(» 120Q 

625% 
150 

500it<? 
0*200 

375% 


0040 
1875^5 

050 
1500fcy 

0-080 
937% 

0130 
577% 


0016 0; 

4700% 1 

0-026 1 

sHa^ 1 

05Ö0 
I340fc^ 

imso 

707% 


^ 1:3:7 
1:2:5 
l:l'4:l-7 
1:12:10 


i) Z = «in a 4- «» • © CO» « «Ml<r 

genügend annähernd 

= Q (y? -h tang a) für FahrtAhiMB 

mit Steigung» wenn tP den Wiilcf^ 

btand^-Cot^ffleienten d. Falirbalui 

(w = / nach Tab I ' r 

die zu bewegende Lii 
^ Xeigungti Winkel der ' 

u. ^die Zugkraft anzei^ ■ 

wicht der Zugthiere i 

in Rechnung gestellt 

gaben in % geb- " 

Pferdekraft von 7 

ehende Last bei l»i u. . .. „ ...... . 

keit pro 8ecuQdt 1 


^1 Nach dieser B*?rechnang^Bwei«t% hm welcher das Gewicht des Pferde wmth ll 


^H i^roßcn Steigungen außer Acht gelassen wird, erhält man su i^Afifrtige Resultat» Af 


^H die ZugleiMtuni; der Pferde, anf <lie thatsftchlich nicht m rechnen itt. 


H Für Pferde von 60% Zuj?kraft erhllt man naeh Runn«>baiuii di< Zai;lei«limfpi 


^^1 


io. \vi«' sif> fn|)T,"ihlH Tul>*'11»* l»riiiL''t - ■ 










Ver^ 






^teijfnn^ii- 
Proivht 


Erd- 
bahn 


Stein- 
bahn 


Schienen 
liahn 


* hrdtni^Hij 
der 
Zuk'kriVtt*' 


B*emerkatir 


Horixontid 


OOO 


srooo 


10000 


1:5:16 


Zugkraft dea Pferde» mit dn% 




1% 


545 


1500 


a.750 


1:3:7 


gerechnet. 




r,. 


500 


1900 


2.300 


1 : 2 : 5 






^\ 


400 


7^ 


1.071 


l:l'4:2'7 








800 


mt 


5(>6 


1:1 2:1 t 





Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der traneiportablen Feldeibeubatiu. 449 



lYorgaiige bereeboet sieh allerdiugs die Lcristung um eia ErklecklicheB 

13 

bdher. So beträgt sie bei 10 und 15*4 Steigung beim Menschen 



md 



U 



0106 

odor 122 und 83% — also das doppelte und rierfache — 

lud beim Pferd 560 und 384% auf der Feldeisenbahn, 

il;in erkennt daraus den hohen Wert der Drahtseilbahn bei Be- 
rältigung von continuirlichen Steigungen, die 10 und 16% überschreiten. 



Vergleicht man diese Ziffern mit den von mir ia der Tabelle IT ^'fbrachteö. 

erkennt man sofort die groüe Differenz Kwiächen beiden. In den größeren 

Steigungen kann somit das Gewicht des Zugthieres nicht Ternacli- 

l&s»igt werden ! In diesem Sinne «ind aaeh ¥on Laisale die Zngleii^tungen be* 



zw für ein mittebtarkea Pferd mit 75^^ Zugkraft nnd 3501^ Gewicht KUi^mmen- 
F|[res teilt «iind. 



Km Steigung 

r 


Asphalt 
bahn 


Fflajiterbahn 


ChaU8SiH' 


Erd 


weg 


Frisch 
einge- 
worfene 
Cliau^s 




?5 


';W 


1 f 


1 




1 

»0 


1 

7 


l:C^ 


lO.OOt) 
5860 

iom 

2475 

1 1720 

UM 

lim 

800 

r>as , 


5640 

4O0O 
3067 
2040 
1490 
1144 
908 
737 

503 


3750 
2930 
2888 

1700 

1290 

1017 

821 

675 


3000 

2441 

2043 

1511 

1173 

938 

766 

636 

532 


2250 

1312 

1651 

1276 

1019 

363 

690 

57^ 


1500 

1332 

1192 

974 

806 
678 
575 


750 

698 
65(3 
567 


524 


r/o 

2% 


495 
467 
417 
373 
333 
29^ 
266 
237 
211 
181 


5«o 


496 
436 
383 
337 
297 
261 

2<K» 


6% 


491 ; 

421 

362 

311 

267 


1\ 


489 
415 
353 
300 


S% 


470 
3^5 
333 


448 
378 
320 




i46 
372 


421 
353 



Die 8taffcllinie in der Tabelle deutet an, dt^a bei einem mittl«iren Wagen- 
Gewicht von 500Ä^ pro Pferd auf Steigungen unter d^r betreflendcn Linie mit ciaer 
eschwindifkeit van Mm keine Nutilai^t «i«»lir befr»r<iert werden kann. Vergleicht 
nan diese Daten mit den von mir g<^rcchncten in Tabell*^ II, fo findet »ich nur die 
ins den verschiedenen Zujfkräften 60 ife^^en 75% reKultiremle Dilferenx. wie z, B. in 
rabelle II bei lO*/o Stüijping und */|^, Reibung, 150% Zagleistung^, bt»i Lai.«»sle 200fc^, 
In Blick auf die It tit«n twei Vertical-Rubriköö äitt Tabellen I find II Ut Allen 
empfohlen^ dt« «ich mit dem Verpflepi*XaehschQb im Kriege befanaen mO^^en 



4/>0 



Ti 1 -^ ^' I. k .' r r. 



Bp] lüpser hat dri8 am Göpel aiigesjjajuUe l'lerti st-uie figeiie Last 
der Horizontalen zu bewegen und nur die bewegte Laut Q ia 
Steigungen zu hehep; es leistet somit schoD bei 15% Steigung In'iiiikf 
das vierfaobe gegen das auf der Feldeisenbahn und da« sechaifaehi« gfg« 
das auf Erdwegeu verwendete Pferd. 

Hier muss noch bemerkt werden, da.^s auf der Seilbahn 
dem Anstieg folgenden Abstieg die gleichmülJig vertheilt-en L-. ; 
das Gleichgewicht halten, somit in solchen Fällen ein La^itenbebeo nickt 
wie bei den zusammenhangslosen Wagen der Feldeiseubahn einzntretüii 
hat. In der Seilbahn kommt für da,s Heben der Last nur die Hf»h-*Ä- 
ditferenz der Endpunkte in Betracht, bei der Feldeisenbahn die HtVhfii- 
differenz in jeder Theilstrecke, was für die erhöhte LetstungsflUiidcett 
der Drahtseilbahn besonders hervorgehoben werden muss. 

In größeren als 15** ^ Steigimgen tritt dieser große Vorlhtrii arr 

Drahtseilliahu noch bedeutender hervor. 

Mau nehme beispielsweise eiae Steigung von 25V«t also Taa L;4 

an, die bei Drahtseilbahnen schon genügend Anwendung fand* 

In dieser Steigung ist die Zugkraft eines Pferdes auf der F«4I- 

leiseubahn 23V,%: auf der Prabtseilbahn selbst bei Annahme gleirhf? 

Widerstandscoefficienten 234%, also das zehnfache der vorh«*r- 

gehenden* 

Um über den Aufwand an Kr&ften für den Nachschub einer AnBdf 
hei verschiedenen Commnnicationsmitteln vollkommen orieutirt su werd^ 
erlaube ich mir im Folgenden einen Vergleich der Lei^tungsißi' 

von Pferden oder Menschen, wenn der ganze Verpllegsbedarf ffa '^i- 
auch nachgeschoben wird, durchzuführen, 

I.Vergleich der Leistung eines z weispS n nigt^n W; 
auf Erdwegen mit der des z weispännigen Wagens ain ur 
Feldeisenb&hn, wenn der Fütterbedarf nachg^scbohe» 

werden muss. 

Um die Leintungsfähigkeit eine« Wagens zu ermittelß, gi^uögt *« 
"riicht, die meist übliche (selbst in ausgezeichneten Abhandlnngi*5 üWr 
die Verpflegung vorkommende) beiläufige Berechnung, wie folgt, an^ 
zufuhren : 

Ein Waagen ladet 400%, IHe 2 Pferde entnehmen dte^r Lidiur 
ti&glieh 20A-«; Futter, Bei einer 13tägigen Hin- und Ttilgigeo Rfkckfalir^ 



Der Verpilc^snachschab im Kriege auf der transportablen Feldcisenbahn. 451 

wird somit das ganze verladene Quantum aufgefressen, d. h. der Wagen 
leistet tjarnichts. Diese Kechnung ist ungenau, denn der Wagen muss immer 
mit der Volladung auf der Straße sein und damit dies möglich werde, 
haben eigene Traincolonnen die Futtervertheilung auf der Etapenlinie 
zu besorgen. Dann aber kann der Wagen selbst an das 13 Tage ent- 
fernte Ziel noch immer eine nennenswerte Nettolast schaffen. Diese wird 
erhalten, wenn von der Arbeitsleistung des vollen Wagens die für die 
Futtervertheilung auf der Etapenlinie erforderliche Arbeitsleistung ab- 
gezogen wird. 

Um mich verständlich zu machen, wiederhole ich die in einer von 
mir verfassten Studie über den Verpflegsnachschub im Kriege und die 
Drahtseilbahn M entwickelte Berechnungsweise. 

Die Weglängeneinheit sei mit l Tagmarsch (T^) angenommen (^für 
die Verpflegung ist nur die Zeit, der Tag, maßgebend, nicht die während 
dieser Zeit zurückgelegte bald größere bald kleinere Wegstrecke) und 
die Gewichtseinheit mit lAy/ Gewicht, multiplicirt mit zurückgelegtem 
Weg. also Zahl der Kilogramme X Zahl der Tagmärsche repräsentirt 
nach den Lehren der Mechanik die geleistete Arbeit einer Kraft (hier 
der 2 Pferde) auf einem bestimmten Wege (hier ersetzt durch die zur 
Zurücklegung desselben erforderliche Zeit). 

Bei einer gegebenen Arbeitsleistung einer Traincolonne (oder eines 
Wagens), z. B. 10.000% Tg und einer gegebenen Anzahl Tagmärsche, 
z. B. 10 Ttr, erhält man die auf diese Distanz verfrachtbare Gewichts- 
nienge in Kilogramm, wenn man die Zahl jener Arbeitsleistung, aus- 
gedrückt in Kilogramm-Tagmärschen {kg T^), durch die Anzahl der 

Tagraärsche dividirt, also im vorliegenden Beispiele — ^-- — --^- lOOOkg. 

Ist n die Entfernung des Marschzieles von der Basis in Tage- 
märschen, so erfordert ein Wagen, dessen 2 Pferde täglich zusammen 
ca. 20A7/ Futter benöthigen, an Arbeitsaufwand für die Vertheilung des 
Futters auf der Etapenlinie auf dem Hinmarsche, u. zw.: 

Am ersten Tage 1 X 20kg --^ 20*77 Tjr, 
,, zweiten „ 2 X 2O/V7 = 40*^ Tjr, 

')„Per Vt-rpflejrs nach Schub im Kriege und die Draht- 
s i 1 b a li n " Al«^ D^ispiel ciiuT Drahtseilbahnanla^e die große Siebenbflrger Draht- 
^eilbahn {SO\/tkm liiig) Von Victor Tilschkert, k. k. Hauptmann im Genie- 
stabc. Mit ein»T Tiifol. Wien 1885. Verlag des k. k. technischen und administrativen 
3Iilitiir-(.'omitei? (Pp'i> eines Separaten fär Armee-Angehörig«* 60 kr., sonst 1 fl.) 



452 TilHchkert. 

Am dritten Tage 3 X 20% = 60kg 1^, 
„ wten j, n X 20kg = 20vJcg Tg, 

also zusammen (1 + 2 + 3 + • • -f- ^) 20% Tg, was der Formel 



»t=^(^+l) X 20% Tg. 



1) 



gleichkommt. 

Für einen Basttag am Ziel und einen am halben Wege ist 
analog zur HerbeischalTung des Futters (20%) eine Arbeitsleistong 
nöthig von 

«, - (n + y) X 20% Tg 2\ 

Für den Rückmarsch, der (weil mit leeren Wagen) doppelt «o 
schnell als der Hinmarsch, also in — Tagen erfolgt, entfallt analog: 

1^ ^ A [1 _^ (,i _ 1)] X 20% Tg = ^ X 20kg Tg . . 3l 

Die GeBammtarbeitsleistung zur Vertheihnig itf 
Futters auf der ganzen Etapenlinie, welche erforderlich ist damit das 
Paar Pferde, welches eine volle Wagenladung ivon 400% > an diu 
10 Tagemärsche entfernte Ziel zu bringen hat, verpflegt werde, betrl^ 
daher 




ugkraft, somit 



Der Verpflegsaachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahii. 453 



20 
20 



1%. 



2 X 20 
20 



2% ^P^P- ^ — 3% 



utter benöthiget werden. 



Der für diese Vertheilung erforderliche Arbeitsaufwand berechnet 
h fiir jede Station nach der Formel 4), in welche für n die ver- 
liedenen Werte, also im vorliegenden Beispiele 10, 9, 8 l>is 1 zu setzen 
Ud an Stelle von 20Ä;jr die Größen 1, 2 oder 3/'*; einzuführen sind. 

Diese Werte, addirt, geben die Gesammtarbeitsleistnng Ä, für die 
ttervertheilimg in zweiter Linie, d, h. för jene Pferde, welclie das 
utter der Pferde erster Linie auf die Strecke zu schaffeü haben. Eine 
eitere Berechnung in dritter Linie kann ihrer Geringfügigkeit wegen 
die Zwecke der Praxis außerachtgelassen werden. 

Die Summe S^ -j- S^ repräsentirt somit den Gesammtarbeitsauf- 

id, der zur Erhaltung der Betriebskraft eines mit voller Ladung ana 

iel zu bringenden Wagens geleistet werden muss. Wird derselbe von 

Bf pro Wagen geleisteten Arbeit in Abzug gebracht so erhält man die 

fective nutzbare Leistung eines Wagens, 

Ersetzt man in S^ 20kg, den Verpfiegsbedarf der 2 Pferde eines 
ins, durch 8kg oder durch 1 l>is Vokff — den Verpflegsbedarf 
Tragpferdes (Tragkraft 80%), bezw. eines Lastträgers (Tragkraft 



\kg) 



und dementsprechend in *9, die Coefficienten 



20% 
20 



^ 1%, 



-^ÖT^^ 2% etc. durch -^.— ^ etc., bezw, ^^, -^^— etc., 

► ergeben obige Formeln den zur Erhaltung der Betriebykraft zweiter 
Äie erforderliehen Arbeitsaufwand, wenn sie zur Fortschaffiing von 
iten an ein n Tagemärsche yon der Basis entferntes Ziel verwendet 
erden sollen. 

Der vorerwähnte Arbeitsaufwand zur Erhfiltung der Betriebskraft, 
le in n Tagemärschen bei Landesfuhreu auf schlechten Straßen höchstens 
10 X «% Tg, bei Tragthieren 80 X nhjTg und l*e! Lastträgern 
i X «%Tg Arbeit leistet, ist von dieser abzuziehen, wodurch man, 
b schon erwähnt, die effective Leistung der verwendeten Kraft erhält. 

Diese restliche Arbeitsleistung, durch n {Ta£(eraärsche) dividirt, 

die Last, welche pro Wagen, Pferd oder Träger an das u Tag- 

Bche entfernte Ziel gebracht werden kann. Es sei beispielsweise 

10 (Tagemärsche). Es beträgt dann die Arbeitsleistung für die 




464 



Tilschkert. 



Pferdeverpflegung eines Wagens nach Formel 4) für n = 10, u, zw. a 
erster Linie: S^ = 1900% Tft; hiezu tritt in zweiter Linie 4S, = dff 
Summe aus der vorstehenden Formel, wenn successive n = 10, 9, 8, T, 
6, 5, 4, 3, 2, 1 gesetzt und 20 durch 1, resp. 2 oder 3 ersetzt wiri 

sich ergibt: 



Für n = 10 ist 20 durch 2 zu substituiren, woraus 


95 X 2 = 190; analog resultirt: 


Für 


n_-.9 78-75 X 2 = 157-60 


^ 


n ^ 8 64 X 1 -- 64 


n 


n=.7 5076 X 2 = 101-50 


n 


n - -. 6 39 X 1 = 39 


« 


n -6 28-76 X 3= 86-25 


n 


w .= 4 20 X 1 = 20 


n 


M = 3 12-75 X 2= 25-60 


n 


n .-- 2 7 X 1 ^ 7 


It 


f»-=l 2-75 X 2= 6-50 




Knaotninan Ji -^^ {tan- 9^ 



oder rund 700% T^, Daraus folgt: 

&\ + Ä, = 1900% Tg -h 700% T^ = 2000% % 

Briügt ein mit 400% beladener Wa^fn diese an das 10 
mär9*!he entfernte Ziel, leistet *^r also 400 X 10% Tg = 4000% Te,«» 
beansprucht er zu seiner Erhaltung eine Leistung von 2600% lg ; ^int 
Nettoleistung beträgt daher 4000% 1^ — 2600% Tg = 1400% Tg, od«: 
Mit einem Wagen kann auf eine Entfernung ron 10 Tag^ 




Der Verjiflegsnaohschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 455 

Die in erster Linie nöthige Futtervertheilung erfordert einen 
Arbeitsaufwand von (siebe Formel 4, wenn n ■-= 10) S^ = 1900%. 

«S, berechnet sich, bei borizontaler Bahn, indem für n = 10» 

20 2 yc 20 3 ^ 20 

9, 8 zu substituiren und 20 durch -^^ttt, — ^^ — und — —— — zu 

oOO oOO oOO 

12 3 

ersetzen ist, d. i. durch -rm t-t» -rj^i daher 

40 ' 40 ' 40 

für» .10 95 X -5^ = ^ = 4-7 

- " - «^«-^SX 40=-^ = *« 

1 3Q 

. n . 639 X-^=^=0-9 

- « - 3 12-75X^=-f =0-6 

""-27 x-^==-^=oi 



l6'6kgTg, 

d. h. eine verschwindend kleine, gar nicht zu beachtende Größe. Die 
Xettoleistung beträgt daher auf horizontaler Feldeisenbahn 16.000 X 10Ä*^Tg 
— 1900A-5r Tg = leO.OOOÄvy Tg — 1900ik^ Tg = 168.100% Tg, d. h. 
ein Wagen bringt 15810Ä-^ an das 10 Tagemärsche entfernte 
Ziel! 

Man ersieht aus diesem Beispiele, dass die Futtervertheilung auf 
der Strecke im Verhältnis zur Nettoleistung fast gar nicht in Betracht 
kommt, während sie bei längeren Fahrten auf Erdwegen die Leistung 
eines Wagens auf ein sehr kleines Maß herabdrückt. 

Die Leistungen zweier Pferde verhalten sich sonach bei der Feld- 
eisenbahn und bei Erdwegen wie 15.810 zu 140, also ca. wie 100 : 1 ! 

Ein l^aar Pferde leisten somit, wenn der ganze Futterbedarf des 
Trains auch nachgeschlej^pt werden muss, auf der horizontalen Feldeisen- 



456 



T i 1 i< c h k e r t. 



bahn das lOOfaehe gegenüber der Fördemug auf dem hör 
Lütidweg, 

Ich habe hierbei die in Bosnien coBstatirte Leistung eines Pf» 
mit 200% Wagenladung und 200kg (y,) Wageogewicht, also mit 
Zugleistung (die einem ßeibongswiderstand von V. entspricht i undiil 
wie in obiger Tabelle mit 600% angenommen, Thatsächlich wurdai| 
Bosnien 1878 die Wagen mit Bücksii'ht auf die Steigungen meist i 
mit 300 big 350% beladen. 

Das. wie dargetharj, für die Feldeisenbahn äußerst günstige \h 
hältnis ändert sich natürlich wesentlich, sobald ansteigende Falirhil 
in Betracht kommen. 

Ich wähle absichtlich das eitreme Beispiel: eine auf 
mit 10"/«, d, l unter 1 : 10 ansteigende Straße. 

Für diese berechnet sich die Arbeitsleistung eines vollen Wag?»| 
bei 10 Tagemärschen mit 10 X 452 ^ 4520% Tg. 



äS; ist wieder = ISOOAv^ T^; S^ ist — da -^ von -— - 

2« zu 



uaweseaw 



abweicht — so groß wie beim Transport auf Landwegen, also wie obeil 
berechnet ^-= 700%. 

S, -f- 1?^ ist daher ^ 1900 + 700% = 2600%. 

Die Nettoleistung ist somit 4520% Tg — 2600% T^ ^ 102OA'^t!.| 

1920 

der Wagen auf der Feldeisenbahn bringt 



d. h 
d, i. 



10 



- 191.1 



ca. 200% au das 10 Tagemärsche entfernte Ziel 
Bei lOVrt continuirlicher Steigung fördern 2 Pferde auf Landweg^^a 
(siehe Tabelle 11) 2X150^300% Bruttolast, sie sind somit 
nicht imstande, einen leeren Wagen fortzubringen, 4«^ 
selbst bei leichter Construetion 400//^ wiegt. Es soll daher in die?eiB 
Falle ein Vierspänner in Betracht kommen, der imstande ist höcbt^n^ 
600% Bruttolast, somit 600 — 400% ^- 200% Nettolast fortzu8chalÄ| 
Bei 10 TagTnärschen beträgt somit die Arbeitsleistung der 4 PffiW 
2000% Tff, Ä, -j- 6\ ist wegen der doppelten Anzahl Pferde 2 X 2600^ 
-= 6200% T;^., somit größer als die geleistete Arbeit der 4 Pf< 
man ist auch mit einem Vierspänner nicht imstande. 
Landwegen bei continuirlicher Steigung von lOV^ et 
tn leisten» während auf der F eld eisen bahn schon 2 Pfe 
200% Nettoleistung bei einem 10 Tagemärsehe entfero 
Ziel aufweisen. 




Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 467 

Besitzt die Straße eine durchschnittliche Steigung von 
Vo» so erhalten wir folgende Zugkraftverhfiltnisse und Leistungen bei 
O Tagemärschen. 

Auf der Feldeisenbahn vermögen 2 Pferde (s. Tabelle II) 
leOUg Brutto-, oder % X 1604ä^ = 1280% Nettolast zu ziehen. 

Die Marschleistung mit einem vollen Wagen beträgt bei 10 Tage- 
Irschen 12.800% Tg. 

S^ ist wie oben = 1900% Tg. 

S^ berechnet sich, da 20% ca. — - Wagenladung repräsentirt, 

'^weiin man in der bezüglichen Formel — -, — - und — -, also */„ Vt 
"ttnd y, statt 1, 2, 3% setzt; es folgt daraus 

för nr^ 10 95 X % == 633 

„ «= 9 78-75 X V, = 52-5 

„ 7?= 8 64 X y, = 21-3 

^ n= 7 50-75 X y, = 33-82 

„ n= 6 39 X y, = 130 

,, n^ 5 28-75 X % = 28-75 
^ 71 ^ 4 20 X y. == 6-66 
„ n= 3 12-75 X % = 8-50 
„«=27 X y. = 2-33 

^ n= 1 2-75 X V, = 183 

Zusammen Ä, = 232% Tg. 
5, + /S, = 1900 + 232 = 2-132% Tg. 

Die Nettoleistung eines Wagens beträgt daher 12.800 — 
' — 2132 = 10.672% Tg, oder der Wagen bringt 1067% an das 
Xo Tagemärsche entfernte Ziel. 

Auf Landwegen ist die Bruttobelastung eines Wagens bei öy^ 
Steigung für 2 Pferde 2 X 300 = 600%, daher die Nettolafit 600 — 
— 400 = 200%. Da 3^ -^ S^ = 2600% ist, bringt ein zweispänniger 
^agen bei durchschnittlich 5% Steigung des Landweges nichts an 
^s 10 Tagemärsche entfernte Ziel. 

Anders verhält es sich mit einem Vierspänner. Derselbe kann 
^ine Bruttolast von 4 X 300 = 1200%, somit eine Nettolast von 
i200 — 400 = 800% fördern. In 10 Tagen leistet er 8000% Tg. 
Seine Erhaltung erfordert 2 {S, + /S,), also 2 X 2600 = 5200% T^. 



458 



T i 1 s c h k *> 



Die NettoleistUDg beträgt also 8000 — Ö2Ü0 = 2860^^^ '%• ^ ^ ^^^ 
Wagen briögt 280ÄN/ aa da« 10 Tagemärj^cbe eütfern t ^ 7*- 
Pro Paar Pferde entfallt somit eine Leiötimg vun 140% Dieüe» ge^« . 

IflNI? 

von lQ67kff auf der Feldeisenbahn gehalten, ergibt aiif dieser eine -p— 

fast 8mal so groOe Leistung. 

EineFeldeiaenbahn ermöglicht dalierböi 6*''^ Steigotr 
eine 8mal so große Leistung mit Pferden als amLandw^^. 
Erfordert letzterer beispielsweise 24*000 Trainpferde, üo besorgeo ui 
finsterer 3000 Pferde dieselbe Arbeit 

Der Minderbedarf von 21.000 Pferden ergibt eine tagliehe Er- 
sparnis an Futterabschub von 2100r/. 

Vermeidet man aber durch die Anlage einer Feldeisenbahn de« 
massenhaften Train, redueirt somit den großen Pferdedtaud, d^r gMA 
einem Heuschreckenachwarme das Land sofort aussaugt, so da58 fÄr dif 
Pferde der Annee nichts mehr im Lande beschafft werden kann, » 
gestaltet sieh die Veri}flegung wesentlich einfacher, weih abge^-elieQ t«b 
dem verminderten Nachschub, auch das durchzugeue Laud irnuff^r rnr 
die Eequisition von Pferdefutter ergiebig bleiben wird. 

pZu reichlich vorhandener Train gestaltet sich zu einer 
Last: jedes Pferd m viel bei ihm ist geradezu vom Übel, Eiae ^i*:^- 
imkeit auf diesem Gebiete ist hiernach überaus wünschenswert and dif 
Organisation muss sokher Anforderung gerecht werden^, sagt B tonst rt 
V. Schellendort Die Feldeiseubahn bietet dort, wo keija Utit«rbii 
erst zu schaffen ist, das Mittel hiezu, da deren Oljerbau ungemein ra-vk 
gelegt werden kann und auf demselben, selbst bei ungünstigen Stei^funjr*' 
Verhältnissen, wie in den zwei letztge wühlten Beispielen von 1 : 20 to 
l : 10, an Betriebskraft gespart wird. 

Im unwegsamen Gebirge, wo erst ein Unterbau flir die Feld€iipo- 
bahn hergestellt werden miiss» kann diese der Armee nicht meliT urf 
dem Fulie folgen; in diesem Falle tritt, wie bereit« oben bei gTi>M 
Steiguni^^en erwiesen wurde, die unterbanlose Drahtseilbahn, die fkhtt 
Berg und Thal direct hinwegschreiti't, in ihre Rechtet. 

Allerdings verlangt diese Bahn mit ihren empfindlicht^ren Coft* 
roctionj^theilen geschulte Truppen zur Aufstellung, wie etwa die Kriep- 
brüeke geschulte Pionniere erfordert und der deshalb, weil uie njelst vm 



^ Si^hi* dl« »ehmi erwAlinte Hehrift: ^Der ViTpfli'i^HTtftehscHab fa Kricfwl 
di« DimtrUt^übalm* mn Victor Tlkehkctt. UKQ|»ttttium im Genieitibt. A 4. Rid. 



Der Vorpflegsnachsclmb im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 459 

n' dahergelaufenen Arbeitercolonne gehandhabt werden kann, noch 
nand ihre Brauchbarkeit für den Krieg abgesprochen hat. 

Vergleich der Leistung eines zweispännigen Wagens 
fErdwegen mit der von drei Arbeitern, welche dieLast 
f der Feldeisenbahn befördern, u. zw. in dem Falle, 
nn d ie Nahrungsmittel für Pferd und Arbeiter von der 
Basis nachgeschoben werden müssen. 

a) Bei horizontalen Fahrbahnen. 

Ein zweispänniger Wagen bringt nach den Erfahrungen in Bosnien 
Erdwegen 400% vorwärts. An ein 10 Tagemärsche entferntes Ziel 
Igt dersell)e mit Rücksicht auf die Fortbewegung des Futters für 
le zwei Pferde, wie wir oben gesehen, liOkg, 

Die Brutto-Zugleistung eines Menschen auf der horizontalen Feld- 
?nbahn beträgt (siehe die Tabelle I) 2166^5^, die Nettozugleistung 
i y. Wagengewicht) 1724%, von drei Arbeitern daher 6172%. 

Nach 10 Tagemärschen mit dieser Last beträgt die Arbeits- 
tung 51.720% Tg. 

Für die Erhaltung der Zugkraft ist eine Nahrungsmittelvertheilung 
der Straße erforderlich. Diese beansprucht an Arbeitsleistungen, wie 
n auseinandergesetzt, in erster Linie: 

Ä^ = 3 X 95 X 1% Tg = 285% Tg. 
aS, berechnet sich wie folgt: 

Für 1 X 20%, 2 X 20% und 3 X 20% ist zu setzen, da drei 
aschen 3% Nahrung per Tag erfordern: 



1700' ' 1700' 1700" 

Dies gibt für n = 10 

^. » 3 570 , . 

9oX2Xy^=jy^,d.Lca. •/„ 

lit in allen zehn Posten zusammen kaum 10 X Vi = 3% Tg, also 
3 verschwindend kleine Zahl. 51.720 — S^ = 51.720 — 286 = 51.435. 

Die an das Ziel gebrachte Last beträgt somit 5143%. 

Der für die Erhaltung der menschlichen Betriebskraft auf der 
izontalen Feldeisenbahn nöthige Arbeitsaufwand ist im Vergleiche zur 



460 



h Ic e r t. 



Leistung so gering, dass er bei praktischen Bereebmmgen verna 
werden kann. 

Drei Arbeiter bringen sonach ca, blQOky ans Ziel. Im Vergli 
mit der LeistuDg von zwei Pferden auf Landwegen, die 140A-^ %i 

10 Tagemärsehe entfernte Ziel schafien, ergibt sich die Lei^^tiinjg 

tahigkeit von drei Arbeitern auf der Feldeisenbahn als fTTj-f^^'^e, i 

ca* die 40farhe. 

Wa.s somit 24.000 Pferde mit 12.000 Fuhrleuten auf horizoöi 
Landwegen leisten, fördern auf der horizontalen Feldeisenbahn S>Ort i 
heiter. Die Feldeistenbahn gestattet somit von der am Landwege erforderlii 
Betriebskrart die Entla,ssung von 24.000 Pferden und 11.100 Fiihil 
Mit den restlicheu 900 Fuhrltiiten wird auf der Feldeiseubahü dii 
Arbeit geleistet, wie mit 24,000 Pferden und 12.000 Fuhrleuten 
dem Landwege. 

Der Yerpflegsnacb.scbub beträgt in dem einen Falle täglich d 
240O7, im andern mq. Die Feldeisenbahn vermindert ihn somit oi 
ca. 2300?, welches Gewicht d*"m einer zwei Meilen langen Feldei«! 
bahn nahezu gleichkommt Der 15tägige Nach schuh an Ver 
reducirt sich nomit um das Gewicht einer ca. 30 Meilen langeij u 
strecke. 

b) Bei einer durchschnittlichen Steigung von 5%* 

Es ist schon in einem Beispiele oben erörtert worden. \hu i 
10 Tagemärscben ein zweispäoniger Wagen nichts ans Ziel bringt n» 
dasg bei dieser Steigung auf Landwegen nur ein Vierspänner etwas 
leisten imstande ist, wenn das Futter von der Basis bezogen w»*nta 
mnss. Diese Leistung betragt pro Paar Pferde 140%. 

Drei Arbeiter fordern bei 5®/, Steigung auf der Feldeisenbahii H 
Bruttolast 3 X 174 = 522l'ff, an Nettolast V. X 522 = 41b%; S, ^ 
sub a) ist = 285, somit die Nottoleistung 10 X 416 — 285 = 41öO- 

— 285kg T^ oder die beforderte Last ^^ = 387%. 

Drei Arbeiter leisten somit im vorliegenden FaM 
2"7mal so viel als zwei Pferde mit einem Fuhrmann. 

c) Bei Fahrbahnen, die lO^o Steigung besitien. 

Weder ein zwei- noch ein vierspünniger Wagen leistet etwas in wW 
Tagemärschen auf Straßen mit durchschnittlich 10 7; Steigung, wci« 
sich 4i*^ Pf*>rde ihr Futter selbst führen müssen. 



Der Verpflegsnachschub im Kriege anf der transportablen Fddeisenbahn. 461 

DreiArbeiter dagegen ziehen auf der Feldeisenbahn 
iboi 10^0 Steigung) eine Bruttolast von 3 X 61 -^ 183kg, eine Netto- 
last von 147% leisten somit in 10 Tagen 1470X:^ Tg. 

Wie schon ad a). gerechnet, beträgt S^ = 95 und ist S^ als zu 
fiforingfugig zu vernachlässigen. Die Nettoleistung beträgt daher 

y^!» = V...m7 = im,. 

Beim Vergleiche der Fahrbahnen ist noch zu beachten, dass im 
starken Gefalle auf der Schienenbahn durch leichtere Handhabung und 
zweckmäßigere Wirkung der Bremsen die Pferde weniger angestrengt 
werden als auf Landwegen, wo die Bewegung des Wagens durch die 
Schwerkraft allein nicht leicht besorgt werden kann. 

Nach Erfahrungen mit der Feldeisenbahn beim Transport schwerer 
Holzer ist im ebenen, wellenförmigen und durchschnittenen Terrain bis 
zu 8Vo Gefalle die Benutzung der Handbremse allein genügend, um die 
Gefallsverhältnisse zu überwinden. Bei 10 bis 147« Geföll, jedoch auf 
nicht zu langen Strecken, reicht die Handbremse wohl noch aus, wenn 
die Boibung auf dem Schienengeleise durch Bestreuen der Schienen mit 
Sand vergrößert wird. Wie bei noch steileren Berghängen der Transport 
der beladenen Wägen zu bewerkstelligen ist, wird an anderer Stelle bei 
Beschreibung der verschiedenen Feldeisenbahnsysteme erörtert werden. 

Ein weiterer hochwichtiger Vortheil liegt bei Anwendung von 
Schieuengeloisen in dem Gewinne an Zeit, da sowohl das Pferd als der 
Mann auf demselben mit größerer Geschwindigkeit die Zugkraft äußert, 
als auf Erdwegen. 

Ein mittelstarkes Pferd äußert bei mittlerer Geschwindigkeit von Im 
in der Secunde und bei täglich achtstündiger Arbeitszeit eine Zugkraft von 
f>OAv/, zieht somit auf Landwegen eine ßruttolast von 600A-^ mit 3'6A;ffi 
Of^schwindigkeit pro Stunde, während auf Schienenwegen das Pferd am 
zweckmäßigsten im Schnellschritt mit einer mittleren Seeunden Ge- 
schwindigkeit von 2m sich bewegt und daselbst eine Bruttolast von 
ßOOOAv; (t)07) mit 7'2k'm (ca. 1 Meile) Geschwindigkeit pro Stunde 
fortschafft. 

f]s verhält sich mithin die Bruttoleistung eines Pferdes auf Schienen- 
cr»»l«'ison zu derjenigen auf Landwegen nach der Proportion: 

6000 X 7-2 : 600 X 3*6 - 43.200 : 2160 
i\, h. ein Pferd leistet im ersteren Falle 20mal so viel als im letzteren. 

Bei Anwendung von Relais kann nach den Erfahnmgen D^cauville's 
.•ine Gesehwindigkeit von 12Am per Stunde erreicht werden, d. h. eine 
horizontale Streeke von 120Am kann in zehn Stunden zurückgelegt 



TaUlie. 




.(cuii uuoi vJOgCHl 



4UAtwg. iiu lk.lv.(..U}U.iVlillLUUm«lO. 



4 



463 



Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen 

Feldeisenbahn und Bericht über die Feldeisenbahn-Ausstellung 

in Lundenburg im August 1886. 

Von 

k. k. Hauptmann im Geniettahe. 

(Hiczu Tat*. 19, 20 und 21.) 

(FortBOtzung.) 

Priucipielle Einzelheiteu der transportablen Feld- 
eis e u b a h n M. 

Für transportable Feldbahnen eignet sich nur das Quersehwellen- 
system. 

Eine Langschwelle von so geringen Starkeverhältnissen, wie sie 
bei der transportablen Bahn einzig und allein in Frage kommen 
können, vermag ihre Aufgabe nur dann vollständig zu erfüllen, wenn 
dieselbe stetig ihrer ganzen Länge nach aufliegt, was im Felde fast 
niemals ohne Bearbeitung desTerrains, oder ohne kunst- 
volles Unterstopfen der Schwellen zu erreichen ist. Dies 
b»jdingt schon einen längeren Aufenthalt beim Verlegen des Geleises, 
das den Tnippen nach Möglichkeit wie ein abzuwickelndes Band folgen 
soll, somit gleichsam im Marschtempo verlegt werden muss. 

Jedes, auch das leichteste Herumkratzen am Boden wird dieses 
Tempo zum Nachtheil des raschen Fortschrittes mäßigen. 

,. Wahrscheinlich immer, jedenfalls aber nach dem heutigen Stande 
der Technik," sagt Runnebaum, wird die transjjortable Feldbahn ("Wald- 
bahu) eine Querschwellenbahn bleiben und aus Geleisstücken (Geleis- 
rahmen ) oder Jochen bestehen, welche aus je zwei Schienen und 
einigen mit ihnen fest verbundenen Querschwellen gebildet sind. 



*) Nach: ^Die Waldeisenb alnr von Adolf lIunneLauni, Herlin 1886, 
Springer. 

52* 



464 



Tilschkert 



1. Die Schiene. 

Da die Schiene wie im Walde, beim Transport schwerer Hölzer, w 
anch im Erlege eventuell große Lasten — wie Kmonen, Mnnitioii etc. — 
zu tragen hat, aber gleichzeitig ein geringes Gewicht besitzen solL im> 
muss sie aus bestemMaterial, aus fehlerfreiem, vollkommen homo- 
genem« festem, dichtem Bessemer-Walzstahl bestehen, welcher 
beiuHitlioh eine bedeutend gr(U}ere Festigkeit ind WiderstuidslUiigiDeä 
gegen AJiip^tzung besitzt als Schmiedeeisen. 

Für Eriegsbahnen wird in Erwftgnng im zielen sein, ob nicht 
etwas weicheres Material als bei der Yollbahn zur Sicherheit gegen das 
Brechen zu nehmen wäre, da die Abnützung der Schienen in einem 
Feldzug keine Bolle spielt, also härteres Material vermieden werden 
könnte. Allerdings würde sich dann die Tragfähigkeit vermindern. 

Bei den in Preußen angewendeten Feldbahnen ist eine Abnützung 
bisher nicht bemerkt worden. 

Für die leichte Verlegung des Geleises ist die Verbin- 
dung zweier Schienen durch Querschwellen zn einem 
Joche nöthig, daher wegen der leichten Befestigung, Stabilität und Trag- 
fähigkeit auch für Feldbahnen die 



Fig. 1. 




Vignoles-Schiene zu empfehlen ist 
und allgemein angewendet wird. 

Nur Baumeister Hoffmann 
hat die dreieckige Schiene •) vor- 
geschlagen, welche auch bei einem 
österreichischen Befestigimgsban 
zum Steintransport mit ökonomi- 
schem Erfolg Verwendung fand. In 
Preußen findet sie sich bei 21 lanil- 
wirtschaftlichen Bahnen. 

Ob die zur Zeit hauptsüchlieh 
vertretenen Vignoles-Schienen mit 
senkrechtem Steg, oder ob die in 
der Neuzeit von der Eisenhütte in 
Osnabrück vom Hüttendirect<)r 
Haarmann vorgeschlagene schräg»* 
Vignoles-Form (Fig. 1) zu bevor- 
zugen ist, wird durch weitere 



*J Siehe S»^ite 500 dieser Studie beim Capitel : V. System Lehmann & Iit»yrer. 



I 



Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 466 

j)raktische Versuche zu constatireu sein. Haarmauu hebt zu GuDsten 
der schrägen Form Folgendes hervor: 

^Der Druck, welchen die Räder auf den Schienenkopf üben, ist 
wegen der Konicität des Radkranzes kein verticaler, sondern ein im 
schiefen Winkel nach außen gerichteter, welcher sich in zwei Compo- 
nenten, in eine verticale und in eine horizontale, zerlegt. Beim Befahren 
im Geleise werden also nicht allein verticale Kräfte von der Schiene 
aufgenommen, sondern es treten auch horizontale Kräfte auf, welche die 
Schiene seitlich auszubiegeu trachten und auf diese Weise, namentlich 
zwischen den Schwellen. Erweiterungen des Geleises und Krümmungen 
der Schienen bewirken können. Durch die schräge Vignolesform soll dieses 
verhindert werden. Damit nun bei ihrer Befestigung auf geraden Schwellen 
weder ein Biegen der letzteren oder die Verwendung von Unterlags- 
plättchen nothwendig ist, wird der Schiene gleich beim Walzen die 
schräge Stellung des Steges gegen den Fuß gegeben. Die Schiene erhält 
außerdem noch einen unsymmetrischen Fuß, welcher nach außenhin 
breiter ist, wodurch sie besser gegen Umkanten geschützt werden soLL 

Thatsächlich sind auch bei Versuchen, namentlich in langen Jochen 
lind Curveu durch Seitenstöße, insbesondere bei Wagen ohne Rillen- 
räder (also Räder mit einer Flansche), Schienen gebrochen worden." 

Im Interesse der leichten Verlegbarkeit ist ein möglichst leichtes 
Profil ins Auge zu fassen. 

Bislang sind Schienenprofile von 47 bis 65mm Höhe mit einem 
Gewichte von 34 bis Skg pro Meter im Betriebe. 

Wa.s die Tragfiihigkeit der Tiv/ schweren Stahlschiene betrifft, so 
kann das Gewicht der beladenen Wagen betragen: 

a) bei Im Entfernung der Schwellen (des Schienenauflagers) 2600%, 

b) r lV,m Entfernung UOO^^r, 

c) ^ 2m „ lOOOA-^. 

Die 6ky schwere Schiene lässt bei diesem Schwellenabstande ein 
Gewicht der beladenen Wagen von 2200, 1200, 750% zu. 

Von der unsymmetrischen Vignoles-Schiene sind drei Profile von 
7*5, 5*8 und ^kg Gewicht pro Meter in Gebrauch, welche bei einer Schwellen- 
entfernung von Im Wagenbelastungen von 2400, 1800 und 1200% tragen. 

Während beim transportablen Geleise die bequeme Verlegbarkeit 
in den Vordergrund tritt, kommt beim festen oder Stammgeleise die 
leichte und sichere Fahrt, namentlich im coupirten Terrain, wesentlich in 
Betracht. Für das leichtere Befahren ist aber die größere Stabilität der 
Schiene nützlich und bildet hier einen Ausgleich für die etwa mangel- 
haft gebliebene Schwellenunterstützung. 



466 



T i l a e h k e r t 



Es wii'd sich deshalb unter umständen — so bei Thalfahrt-eii 
empfehlen, ffir das feste Geleise ein etwas stärkeres 8chieDenpr»>fil 
verwenden, als im traniSportaWen Schienenstrange. 

In der Schweiz* im Zfiricber Stadtwalde, verwendet man im fesi 
Geleise mit einem Gefiille bis *>"4 und vielfachen Cixrven Vignole 
Schienen von 70mm Höhe, 3Qmm Kopfbreite, 8mm Stegdicke uöd 
00mm Fnlibreite. 

Will man iiides.sen in beiden Geleisen dieselben Schienen benöt2<*ü 
— im ebenen Terrain immerhin zulässig — so ist der SchwelleuabHtaüd 
im festen Geleise kleiner zu wählen, als die Entfermmg der Entl- 
flch wellen bei den Jochen des transportablen Geleises betrögt. 

2. Die Schwelle, 

Die Schwelle des transportablen Geleises hat nicht bloß die Auf- 
gabe zu erfüllen, eine Verbindung der beiden Schienenstränge behii& 
Sicherung der Spur und Bildung von Jochen herzustellen, sondern m 
soll aucli eine möglichst grolje Tragtlhigkeit besitzen und vor allen 
Dingen den vom rollenden Material (Wagen) ausgeübten Druck in mög- 
lichst günntiger Weise auf den Untergnnid fibertragen. 

Je stabiler daher die Schwelle ist desto geringer ist die GeE 
des Verbogenwerdens oder eines Zerspringens, desto sicherer wird 
Spur erhalten und desto gleichmaüiger drückt die ganze Fläche auf 
den Boden. 

Sie soll bei möglichst geringem Gewicht die größte Stabilit 
besitzen. Außerdem mfisseo noch Dauerhaftigkeit und Elasticitfit TOI 
banden sein. 

Bei eiserne» Querschwellen ist die Trogform empfehlens 
und hat sich bewährt; eine Schwelle aus Flacheisen biegt sich leic 
durch, ist daher unbrauchbar. 

Die hölzerne Querschwelle muss aus gutem, feinjährigem, kö*^ 
nigem Nadelholze hergestellt werden» 

Von besonderer Wichtigkeit ist die Frage, ob fiir das transportaU** 
Gelejg die h o 1 z e r n e oder die f 1 n s s e i s e r n e Schwelle zu bevor- 
zugen ist* 

Wie beim Bau der Xormaleisenbahnen die Ansichten der Tech- 
niker in dieser wichtigen Frage sehr verschieden sind, so ist diese» aueli 
bei den Feldeisenbahnen der Fall. 

Anhänger der f 1 u s s e i s e r n e n Q u e r s c h w e 1 1 e inat-hett 
geltend : 1 

L Die, wenn auch mit Carbolineum gestrichene, Holzschwelle wird 
bei weitem nicht so gut den Einflüssen dt^r Witterung Widerstand leisten. 



Der VerpflegsiiachschTib im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 467 

als die flusseiserne Schwelle. Es ist dies in der geringen Stärke — kaum 
5cm, und eine größere Stärke ist der Schienenlage wegen nicht gut ver- 
wendbar — und darin begründet, dass die Holzschwelle keine genügende 
Kiesbettung erhalten kann, vielmehr mit ihrer unteren Fläche eben nur 
auf dem Boden liegt und mit der oberen und den Seitenflächen allen 
Wittenmgseinflüssen ausgesetzt ist. Sie zeigt infolge dessen sehr bald 
Risse in der Längsrichtung und wirft sich auch wohl. Ein Geleise mit 
Holzschwellen wird deshalb viel früher schadhaft und ausbesserungs- 
bedürftig, ist also lange nicht so dauerhaft, als ein solches mit fluss- 
eisemen Schwellen. 

2. Die hölzernen Schwellen, selbst wenn sie in der Richtung 
des Geleises mittels durchgezogener Schraubenbolzen verstärkt sind, 
werden regellose Einwirkungen (durch nicht sichtbare Wurzelstränge, 
durch Bodenerhöhungen und Vertiefungen im Terrain, Entgleisen be- 
ladener Wagen und andere Umstände hervorgerufen) bei weitem nicht 
so gut aushalten, wie die flusseisernen Schwellen. 

Während die Holzschwellen in solchen Fällen meist nach der 
Längsfaser springen, nicht selten aber auch quer durchbrechen — wenn 
die Schwelle nur in der Mitte unterstützt ist — werden die flusseisernen 
Schwellen entweder gar nicht beschädigt, oder sie erleiden eine Durch- 
biegung, welche an Ort und Stelle durch Zurückbiegen oder durch 
Hämmern wieder beseitigt werden kann. Es verliert hierbei freilich die 
Schwelle an Kraft, indem sie beim Gebogenwerden in etwas ihre Structur 
verändert, allein dieser Verlust ist unbedeutend und fällt nicht in die 
Wagschale. 

3. Zwischen Holzschwelle und Schiene ist niemals eine solche 
rationelle Verbindung möglich, wie zwischen zwei „gleichartigen" 
Materialien. 

Das unter dem Einflüsse der wechselnden Witterungsverhältnisse 
eintretende, unvermeidliche Anquellen und Austrocknen der Holzschwelle 
bewirkt eine stetige Volumveränderung der letzteren, so dass eine sichere 
Befestigimg der Schiene auf der 5cm starken Holzschwelle nicht zu 
erzielen sein wird. Die Bolzen und Schrauben, Stifte und Nägel, mit 
denen die Schienen auf den hölzernen Schwellen befestigt sind, werden 
sehr leicht lose, müssen nachgezogen und durch andere ersetzt werden. 
Die Folge hievon ist weiter, dass bei einer Lockerung von Schwelle und 
Schiene ein Verbiegen der letzteren die Regel ist, wodurch das ganze 
Holzschwellen-Geleise — früher als erwartet — nicht unbedeutende 
Reparaturen erfordern und sich weit theurer stellen wird, als das Geleise 
mit flusseisernen Querschwellen, zumal dann, wenn es sich um eine 



468 



Ti 1 



h k V r t 



lüii;,^eri.* Uud liäiih;,' dw St<'lle weciiiieliide Beüuizuug der Geleisa 
hmuMt 

Vertreter der hulzertieri Q u er» ch welle sind binwider( 
Ansicht, tlass 

1. dieselbe leirhter» l»illigrr, einfucher tn ersetzen sei und infol( 
ilirer Elasticitril einem gleirlizeitig auf heideo Enden auageübten Druc 
besser Widerstand leis^te, als die Husseiöerne Quersohwelle. 

Letztere biegen durch, verharren in den meisten Fallen in ihrer 
durebgebfigenen Luge and geben infolge deȊen zu Entgleisungen leicl 
Veranlassung, Dazu kamnie^ diti^jj 

2. die Verbindung zwincheu HoIk und Stahl durch Mutter^ehraul 
beȊer halte, als die von Metall auf Metall, welche uameutlich bei Fr 
leicht zerspringe, während 

3. das Verlegen und Auinehmen des Geleises mit flussei^jerii 
Schwellen weit mehr ZeitaufwaiHi erfordere, besonders^ bei Fro!<t, wa 
eiserne Schwellen fe«ter am Erdboden hafteiL 

Was die Dimensionen der Sehwtdle im iraiisporiableii tieleL-^^ 
belangt, so ist *inleuehteinl, dassf die UrÖJie der (iesammtauflagerfläc 
sieh wesentlieh nach der Uodenbeschaftenheit richten muss; ein moras 
oder auch mir weicher, durchiiilsster Boden erfordert eitu' breitere Schwell 
als^ ein trockener und lester Boden. Zu bearhten ist weiter, dasv? 
Lange der Schwelle richtig beumssen werde. 

Eä ist zu vermeiden, die Sehwelle seitlieh kaum ül*er die Schie 
vorstehen zu lassen, weil bi-i solch kurzen SchwelUrn die Beanspruchu^ 
auf Biegung uutlerordentlich groll ist. Ein iilier die Schiene vorragend 
Ende von *4 ''i** V4 der Spurweite sichert der Sehwelle die gering 
Inauspruchnahiru', 

Flusseiserae Schwellen werden 800 bis ÜOOmm laug* 80 bis 125«m 
breit und 4 bis hrnrn stark gemucht. ihr iiewicht betragt 3*5 bi;* 4Aj/, 
l>ei tjürm Spurweite. 

llidzsrhweBeu siud UOO bis IOOOm*)^ lang, 150 bis 200mm br« 
50 bis SOmm stark uud wiegen 3 bjs 'S^bkg, 

3. V e r b i 11 d u ü g der Schie n e mit der Schwell e. 

Der ?!<olideu Verbindung zwischen Schiene uud Schwelle ist ei&d 
mz besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Als oberster Grundsatz i.^ 
nierbei zu beachten^ dass durch die Befestigung eine möglichst grr ■': 
Schwächung der Schiene und Schwelle eintrete und die Schiene ^ _ 
Lungen vers Chi elniüg, gegen Seiten- und Verticalhe w egung 
hinreichend gesichert sei. 




Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 469 

Bei mangelhaften Verbindungen zwischen Schiene und Schwelle 
bilden die einzelnen Joche leicht verschiebbare Parallelogramme und 
werden deshalb im Gebrauche sehr bald lose. 

Bezüglich der Verbindungsweise der Schienen mit den Schwellen 
unterscheiden sich die Systeme der Fabrikanten vielfach von einander, 
was später bei der Beschreibung der Systeme ersichtlich werden wird. 

Ob die Verbindung mittels Schrauben und Klenmiplättchen, oder 
durch Niete den Vorzug verdiene, darüber sind die Ansichten in der 
Technik noch getheilt. 

Als Nachtheil der Nietenverbindung macht man geltend, 
dass die Niete bei Frostwetter leicht abspringen, dass die beim Nieten 
dem Bolzen gegebene innere Spannung insofern misslich sei, als durch 
unvorhergesehene große Ansprüche der Nietbolzen weit eher sich abtrennen 
soll, als der Schraubenbolzen und dass endlich eine gesprungene Schraube 
viel leichter durch eine Eeserveschraube zu ersetzen wäre, als die Niete. 

Anhänger der Nieten Verbindungen heben dagegen hervor, 
dass bei Verwendung von gutem Nieteneisen diese Nachtheile nicht ein- 
treten, dass die Befestigung eine vollständig genügende und auch preis- 
würdigere sei, als die durch Schrauben, welche durch Einrosten, durch 
Lösen der Schraubenmutter etc. häufigere Keparaturen erheische als die Niete. 

Für die Schienenbefestigung auf Holzschwellen sind Schrauben- 
bolzen den Hakennägeln, Stiften etc. vorzuziehen. 

Von großer Bedeutung ist die Wahl der Spurweite. 

Sie richtet sich im allgemeinen nach der Größe der zu bewegenden 
Last und nach der Höhe des Schwerpunktes der letzteren. 

Zu kleine Spuren haben den Nachtheil der Unsicherheit des 
Fahrens; zu große hinwider beeinträchtigen ungemein die Beweglich- 
keit des Geleises, vermehren die Keibung beim Fahren in den Curven, 
unterliegen hier einer größeren Abnützung und erhöhen endlich das 
Gewicht des Joches und des Wagens. 

60cm dürfte für die meisten Verhältnisse die zweckmäßigste Spur- 
weite sein. 

Man transportirte auf ihr mit völliger Sicherheit Kieferstämme 
von 22m Länge, 57 bis 60cm Mittendurchmesser und 90cm Durchmesser 
am Stammende. Für die Fortschaffung beladener Fuhrwerke dürfte eine 
größere Spurweite (etwa 70cm) zweckmäßiger sein. 

In Preußen existiren 57 verschiedene Spurweiten u. zw., wie schon 
oben ei-wähnt, von 33*/, bis 100cm *). 

«) Siehe S. 433 des 1. Artikels im 9. Heft. 



470 



T il s c h k e r t 



4. Das Joch« 

Was die Länge des Joches anbelangt, so wird diese durch ri 
lläBsige Gewicht des letzteren begrenzt, welches fiir das rasche Leg4J 
und Hpbeu nicht gi'öfier sein sollte, als dass Ein Arbeiter das Joch 
tragen und zu verlegen vermag. 

Nach angestellten Versuchen kann hei anhaltendem Verle 
einer Bahn ein Arbeiter je nach seiner K<jq>erkraft nicht wohl mehr 
36 bis Mkg aufnehmen und seitlich wieder verlegen. Als Diirchschuiti 
gewicht des Jochims dürfte daher ^Qkg zulässig sein. 

Für Kriegsbaluien werden sich kurze Joche wegen der lie^seren 
Schnaiegsamkeit an nichtplanirtes Terrain empfehlen. Wo jedoch letztere*» 
wie auf Straßen, eben ist, wird man in Erwägimg ziehen, ob nicht langer« 
Joche bei entsprechend eingerichteten Wagen zum Verlegen empfehlens- 
werter sind, wenn aiicli zwt-i Mann hiefür oothwendig werden. 



Fi|?. 2. 



Bei der Kriegsbahn uiuimt auch das Geleise den Charakter 
festliegenden an, für das aber zunächst die liücksichten auf rasches 
die entscheidenden sind. 

Die FoiTD des Joches ist aus der Textfignr 2 ersichtlich. 

AuOer dem bis jetzt am häufigsten vorkommenden Keehteekl 
joch wird vom Eisen- und Stahlwerk zu Osnabrück auch das Trapei- 
joch empfohlen. 

Dasselbe soll in einem Terrain, in welchem man mit dem Gelei 
oft nach rechts und links auszuweichen hat, bessere Dienste thun, al* 
das Rechteeksjoch. 

5. Die Stoßverbiüdung* 

Sie soll hier im allgemeinen nicht näher erörtert werden, 
meist den charakteristischen Theil eines Systems bildet, daher weit 
unten bei der Beschreibung der verschiedenen in Lundenbiirg au^ 
gestellten Systeme näher betrachtet werden wird. Von ihr hängt zunächst 
die Biegsamkeit des Geleises in verticaler und horizontaler Beziehunjr 




Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 47 1 

ab. Manche Systeme sind in der Stoßverbindung vertical wie in einem 
Scharnier beweglich, schmiegen sich somit den Terrainunebenheiteu sehr 
leicht an, so dass sie der welligen Oberfläche des Bodens in einer gleich- 
förmigen Linie folgen. 

Hierin scheint mir der Hauptvorzng für Kriegsbahnen zu liegen, 
die, wenn sie nahezu in Marschtempo auf ein vorhandenes Planum 
(^Bankett der Straße oder des Landweges) gelegt werden sollen, keine 
Bodencorrectur vertragen, welche das Maß des schnellen Legens schon 
wesentlich beeinflussen würde. 

Einige Feldeisenbahn-Systeme gestatten auch eine Biegsamkeit in 
horizontalem Sinne, so dass man ohne specielle Geleis-Curvenstücke 
mit den geraden Jochen Curven von großem Kadius zu legen imstande 
ist, was jedenfalls auch bei der Kriegsbahn von großer Bedeutung ist. 

Spalding's System erlaubt auch ein seitliches Herausziehen eines 
oder mehrerer Joche aus dem Geleise, so dass man leicht, — wenn 
keine besondere Vorkehrung für das Übersetzen des Geleises durch 
Wagen getroffen ist — letzteren noch einen Weg eröffnen kann. 

6. Betrieb. 

Die bewegende Kraft liefern bei den transportablen Eisenbahnen 
Preußens fast ausschließlich Menschen oder Thiere (Pferde, Ochsen) ; nur 
eine Bahn wird durch eine Locomotive betrieben. An Rampen werden 
stehende Dampfmotoren verwendet. 

Bei den genannten Bahnen findet man Steigungen von 1 : 20, 1 : 15, 
1:12, 1:10 und 1:9, ja sogar 1:6, 1:5, 1:3 und 1:2-7. Die letzteren 
starken Steigungen werden jedoch durch Dampftnotoren mit Hilfe des 
Seiles überwunden. 

Die Betriebssicherheit ist nach Erfahrungen in Preußen bei einiger 
Aufmerksamkeit des Personals eine große, wenn sich auch zu 
ihrer Erhöhung in einzelnen Fällen empfiehlt, die Schienen durch weitere 
Schwellen besser zu lagern und genügende Bremsvorrichtungen 
an den Wagen anzubringen. 

Verschiedene Feldeisenbahn-Systeme. 

Zunächst beschreibe ich unter I— V die im August 1886 in Lunden- 
burg ausgestellten, sodann, daran anschließend, andere bewährte Systeme 
bekannter Firmen. 



472 



T i l n f L k e r 1 



I. Tniiisiiorta?ile Feldhnhii, System Dolberg lu Kostoek (Vertretl 

Ingenieur A. Sterne in Prag) ' ). 

Durch ibre besondere Eigenthimilichkeit, dass jedes einzelnif J< 
mir eine einzige Schwelle hat, überwindet nie besser als am 
Sj'steme jede noch so starke Terrainiicbwierigkeit uud schmiegt 
selbst dem unebensten Boüm ohne jedwede Planirung ganz an, so 
Doll)erg\s Bahnen fa.st auf jf^deni Terraiu mit Yoiiheil zu venipadeü si 

Besiuglioh der leichten und schnellen Yerlegbarkeit wird sie w^Ö 
kaum von einem andern Syst(?Tn nbertroften werden. 

Die Geleise werden aus Bessemer- Stahlschienen. Vorzugs weise nMtk 
den Profilen Nr. 1 bis 4 (s. Fig. 1 bis 4) gebildet Die Gewichte itt* 
selben betragen pro Meter 3-4^ 4*6, 5 und 7'2A*^. 

Die Bahnen vom Profil Nr, 2 und Nr» 3 haut Dolberg in Joe] 
von l'biH Länge und die von Profil Nr. 4 in solchen von 2m Läi 
er liefert dieselben mit starken und imi>rägnirteii Kieferholzsehwelh 
da diese in weichem Boden — und auf solchem wii'd eine Feldi 
doch auch zum grollten Theile mitbenutzt, ^ eine viel groüere Ti 
lahigkeit al8 Eiaenschwellen haben; doch werdee auf beijonderen Wuni 
die Joche auch mit Eiäensehw^elk^n erzeugt. 

Da bei der einen Gattung von Dolberg 8 Bahnen die Stahlschif-ni 
auf den Schwellen in starken schmiedeeisernen Kippeneisen ruhen, 
ist ein Verschieben und Ausdemwinkelgehen der einzelnen Jochü 
unmöglich und wii'd durch diese Kippeneisea das Verlegen der 
uad Ineinaiiderstecken der Joche bncht bewirkt: da.s Verschieben 
Länge nüch verhindert eine Schraube oder ein Nagel» der durch 
Schienenfuß, das Kippeneisen und die Schwelle geht. 

Die Fig. 5 zeigt diese Stoßverbindung auf der imprägnirtea Holt 
.schwelle. 

Die Schraubenbolzen a greifen durch die ganze Dicke der Scbwell^^- 
Schratibenbolzen i, nach der Breite der Holzsehwelle dieselbe duj 
gi-eifend, erhöhen deren Festigkeit indem sie das Spalten der letzte] 
verhindern, oder doch unschädlich machen. 

Die Kippeneisen gewähren noch den großen VortheiU dass man dir 
Bahn etwas verholen, d. h. solche etwas im Bogen legen kann« ohne 
biebei besondere Bogenstücke einzuschalten. 



*) Derzeit erzeugt ditj Földhahnen nach diesem System die Mnichmen- Fabrik«* 
Actien-Gesellschttft in Prag (vorm. Ra8tün). 



Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 473 

Fig. 6 macht ein Joch ersichtlich, das nur an dem einen Ende 
} Holzschwelle », am anderen eine Rundeisenstange z besitzt. 

Die Holzschwelle dient zugleich als Auflager fnr das anstoßende Joch. 

Es werden auch Joche erzeugt, bei welchen die Verbindungsstange z 
ch eine lattenartige Holzschwelle ersetzt wird. 

Einfacher, das Verlegen noch mehr begünstigend und die Bieg- 
ikeit des Systems erhöhend ist die Patentstoßverbindung mit Haken, 
che in den Fig. 7, 8 und 9 ersichtlich gemacht ist. Fig. 7 zeigt, 
der Haken h unter die Nase h angeschoben wird ; Fig. 8 das ange- 
)bene Joch, das nun gegen eine Längsverschiebung gesichert ist; 
. 9, wie das Verlegen eines Joches durch Einen Mann erfolgt. Dieses 
legen geht außerordentlich rasch vor sich, wie ich es an einzelnen 
hen in Lundenburg beobachten konnte, wo 12 Joche in 1 Minute 
egt wurden, woraus man bei entsprechender Ablösung der die Joche 
egenden Leute auf eine Leistung von lOOOw per Stunde schließen 
nte. 

Diese Patenthakenverbindung sichert dem Geleise an den Stößen 
I scharnierartige Bewegung, so dass es eine außerordentliche Bieg- 
keit erhält, welche das leichte Anschmiegen des Geleises an Terrain- 
benheiten wesentlich fordert. 

Auf dem Ausstellungsplatze wurden an verschiedenen Stellen die 

ieuen des Geleises einseitig durch ünterlagsklötze um 16cm gegen 

andere Schiene gehoben, was den Transport der beladenen Wagen 

>ch nicht störte. Beim Übersetzen dieser Stellen fuhr der Wagen nur 

drei statt vier Rädern, ein Bad hob sich bedeutend von der Schiene ab. 

Der Patenthaken macht ein besonderes Festschrauben, Knebeln 
r Zusamnienhaken der Geleisjoche entbehrlich, indem der Haken beim 
en der Bahn selbstthätig hinter den Zapfen greift und vollständig 
Laschenverbindung ersetzt. 

Bei weniger oft zu verlegenden Bahnen verwendet Dolberg längere 
he von 3 bis bm (namentlich sind diese auch geeignet, wo das Terrain 
it sehr durchschnitten ist). 

Der Preis filr diese längeren Joche ist im Verhältnis billiger. 

Außer den geraden Jochen liefert Dolberg auch Curvenjoche und 
ichen. 

Von den Weichen sind zu unterscheiden: 

a) die selbstthätige Sicherheitsweiche, 

h) die Kletterweiche. 

^0 Die selbstthätige Sicherheitsweiche (Fig. 9a). Diese 
et den großen Vortheil, dass bei derselben niemals Entgleisungen 



474 



T i 1 » c li k e r t 



vorkommen können, wie solchem hm den gewölmlichen Weichen öfte 
der Fall ist, was für die Betriehysicherheit, also Vermeidung v- 
Störungen^ von großem Vortheil i^st. 

Die Welche ist mit einem so einfaeben Meelianisniiis coni^tni ^ 
dass solche ijtets mit Leichtigkeit functionirt und Keparatureii ihr^ 
vollstüiidig ausgeschlossen sind. Dieser Mechanismus hesteht in einpia 
starken Hebel k' h*% auf den der aiikomraende Wagen drückt und ^ 
selbstthäiig die Zunge vor den Bahnstrang stellt den der Waget 
passiren soll. 

So würde ein auf dem Geleise AA in der Pfeilrichtung kommender 
Wagen n den Hebel A' stoßen» denselben nach links drücken, wodurch 
h"\ die Zugstange jsz und die Terbindnng.sschwelle ss und damit der 
Oeleisrahraen ab o' h* derart verrückt werden, dass letzterer vor d^iP 
Geleise ^ ^ zu stehen kommt, so dass der Wagen ohne Störung in A^^ 
Geleis CC einfahren kann. 

Beim Fahren in entgegengesetzter Richtung können die Wügrn 
wohl auf ein fali^chCuS Geleise kommen, aber nicht entgleisen; ITir im^ 
Fahrrichtung muss die Weiche selbstverständlich gestellt werden, wis 
durch einen leichten Druck mit dem Fuße geschieht, 

b) Besonders praktisch und namentlich für Kriegs- und Feldebfri- 
bahnen sehr emfifchlenswert ist Dolhergs Klett er weiche. 

Die einfachste Form der Kletterweiche zeigt Fig, 10. Die Weicl»? 
E^ E^ J5, E^ liegt mit spitzen, etwas gehöhlten Enden £, £, auf dem 
Hanptgeleise AI* und dem Xehengeleise C auf; diese Spitzen bUdür 
die Kämpen für die Beförderung der Wagen auf das auf dem Hanpl- 
geleise AB mit der Schwelle a liegenden Geleise DD der Weicifc 
Die Weiche klettert somit von dem mit der Endschwelle b unter W 
vSchiein? des Hauptgeleises greifenden Nehengeleise auf das Hauptgelei«? 
hinauf, daher der Name Kletterweiche. Wie aus der Zeichnung zu eul- 
nehmen ist, kann diese Weiche au jeder beliebigen Stelle eines fielei^e^ 
nur einfach hingeworfen werden, was nur einige Secunden Zeit erfordert, 
nnd daran ein Nehengeleis geknüpft werden. Mit der Kletterweich^ 
ist man daher imstande an jeder beliebigen Stelle eine* 
Feldtiahiigeleises sofort ohne die geringsten Arbeits» 
vom Haupt geleise ein Neben gel eis abzuzweigen. 

Es ist daher auch möglich, bei einer eingeleisigen Feldeisenhahß 
beim Begegnen zweier Züge sofort mit Hilfe von Kletterweichen m 
Ausweicbgeleise zu scbaften, wenn auf den Trains der kleinen Wagrll 
jeder mit einem Keservejoch ausgestattet ist. 



I»er Verptle^n&chHc'htib im Kriege auf der transportablen Feld eisen baliu 475 



Hiefür j^eoügt Übrigeos auch uiir Eine Kletterweiebe, welche nach 
dem Einfahreu des einen Trains in das Ausweicht^eleiöe und dem Passiren 
rteiä anderen Trains im Hanptgeleise von der Einfahrtt^stelle an die Aus- 
fahrt^fstelle des Xebengeleises gelegt werden kann. 

Nebenbei sei hier bemerkt, das;^ ein Ausvveichen auf einem Geleise 

auch so bewirkt werden kann, dass man die von zwei Mann zu hebenden 

leeren Wagen 'dm dem Geleise wirft und nach deoi Passireu des be- 

—^ lasteten Trains wieder ins Geleiye ein hebt, ein unschätzbarer Vortheil 

Ktii* eine Kriegsl>ahn, auf der ein wohlgeregelter Betrieb mit den erforder- 

^Kehen Ausweichen, wenigstens in der allerersten Zeit nach dem Legen 

der Bahn» nicht immer leicht gedacht werden kann. 

Begreiflieherweise muss die obige Kletterweiehe abgehoben werden, 
wenn ein Zug im Hauptgeleise passirt. An Stellen, wo ein starker Ver- 
kehr dies lästig erscheinen lässt, wo also das Nehengeleis dauernd liegen 
»bleibt, ist eine andere Weiche, welche nicht abgehoben werden muss, 
l&mpfeblenswerl 
Hiefür eignet sich Dolberg's Patent -Kletter weiche. 
Die Figuren 10^^ und 11 machen dieselbe ersichtlich, u. zw. 
Fig. 10 a, wenn das Nebengeleis, Fig. 11, wenn nur das Hauptgeleis 
benützt werden solL 

Sie wird auf das Hauptgeleis gelegt wobei bei i^ und i, der 

Bchienenform entsprechend gebogene Bleche über die Schiene 1, 2 des 

iauptgeleises (reitend) zu liegen kommen, wodurch die Fixiruiig der 

letterweiche erfolgt. Die um *f und r drehbaren und leicht aushebbaren 

laugen der Weiche laufen in unten gebohlte Spitzen aus, die auf die 

Schienen des Hauptgeieises zu liegen kommen, wenn in das Nebengeleise 

[gefahren werden soll, hingegen abgehoben und abgedreht werden iFig. 11), 

renn der Verkehr im Hauptgeleise erfolgt* Für letzteren muss an der 

[reuzuug bei x eine die ('otitinuität in der Nebengeleisschiene her- 

[stellende Klappe aufgedreht werden (Fig. li), die beim Befahren des 

|. Nebengeleises (Fig. 10*^«) wieder zugeklappt wird. 

Werden die transportablen Geleise von verschiedenen Punkten aus 
gleichzeitig gelegt., was zur schnellen Herstellung langer Skecken erforder- 
lich ist, so arbeiten zwei Partien gegeneinander, und wenn es zum 
Schienenschluss kommt, so ist es höchst wahrscheinlich, dass sich die letzte 
Lücke nicht mit einem ganzen Joche schließen lässt. Wenn auch an 
dieser Stelle kürzere Joche eingefügt werden, so haben sie — als schon 
vorbereitete mitgeführte — nicht das genaue MaÜ der Lücke, Sie 
werden daher möglichst groü eingefügt und die noch erübrigende kleine 
Lücke durch sogenannte Pass-Stücke geschlossen, die (vergL Fig. 12) 



47t> 



T i Ks c h k e r t. 



innerlialb des <ieleise8 |<elf*^. werden und — von der Grotte der Affhiiw 
unabhängig — diese dennoch HclilieÜen. Ein solches Pa.ss-Stfick heKtA 
aus einem RahniJ^tücke R hm Winkeleiseti. auf dessen Schenkel w in 
der Lücke der Spurkranz aufläuft. 

Auf diese Weise kann luwh die Verbindung von zwei gant ver- 
schiedenen Feldbahn^ystemen — wenn nie nur dieselbe Spurweite faab«i 
— sichergestellt werden. 

Für den Transport der verschiedensjten Guter — auch der Ärnie^- 
bedüilTiis^e — dient der hölzerne Un i versal-Unterwagen <Pii?. ISV 
der entweder allein oder in Verbindimg mit einem zweiten Wagen mitHiUi 
eines entsprechenden Aufsatzes verwendet wird. Aus demselben entsteht 
durch Auflegen der kleinen Plateform ein Plateauwagen, der zur Auf- 
nahme von VerptiegsgüteiTi in Sacken, zum Transporte der Feldbahfl* 
Joche beim Legen und Verlegen der Bahn als auch zu vielen ander**zi 
Zwecken benutzt wird. 

Ferner lasst sich aus diesem Unterwagen durch Aufsetzen eine?* 
eisernen oder hölzernen Kippkastens ein Kippwagen herstellen. St 
fassen V,'n*, 

Fig. 14 zeigt zwei Cnterw^agen in anderer Verwendung, Duifk 
Aufsetzen der grollen Plateform P auf diese Wagen erhält man eiwi 
großen Plateauwagen, der zum Transport größerer Massen dienlich i^ 

Ein solcher Plateanwageu fiisst z. B. ca. 4 Raummf'ter V' ■ 
rozu beim Transport auf schlechter Straße im Krieg»? mind 
Landfnhrwerke erforderlich sind. 

Statt der Plateform werden auch ganze Kasten auf dit- Ciikf^ 
wagen versetzt, die auch niclitemballirte Verpflegsgegenstände wf» 
nehmen können. Ihr Inhalt beträgt 2w*. 

Zum Transport von Stroh oder Heu in nicht gepresstem Zutiliirie 
eignet sich besonders der in Fig. 14 '^f dargestellte Doppel^Plat^aiiwaü^ 
mit hohem Aufsatz, der sich auch am besten für das Aulladen 4^ 
Geleisjoche empfehlen dürfte. Stellt man die Joche hoch in zwei Reihen 
auf- und aneinander gelehnt, so dürften 60 bis 80 Joche oder ra. 100m 
per Wagen entfallen. Nach neuen Packversucheu soll die Prager Mas^^"^ 
Actiengesellschaft selbst 120 Joche auf dem Strohwagen verladen 
Wendet man 2?» lange Joche an, so brächte man dann auf 1 Was:^n 
120 X 2 = 240wj Geleis, oder auf ca, 35 Wagen 1 Meile, 
10 Meilen auf 350 Wagen, die ca. 5 X 350 — 1750m Geleit einnr.... 

Bei 1500 Wagen Ausrüstung für 10 Meilen erülirigen daher wsthrea^i 
des Legens noch genüg Wagen zum Nachschub auf der fertigen Str<»clfe. 

Dann kann schon am ersten Tag nachgeschoben werden. 



I 



Der Ver|pfleprsTmc lisch üb \m Kriege auf der trafisportablim FeMeiKcubahn. 477 



Bei der seitlichen ABypauuinij^ von zwei rterileii (dio Aiispaiiiiujig 
der Mitte ist unthunlirb ), werden in der Kegel 3 bis 5 grofie Kasten- 
;en oder 3 bif^ 5 grolie Pkteauwagen zn einem Znge znsamraen- 
pknppelt, zu welcher Dolherg iVu" erforderlichen Znghaken nnd Zug- 
ketten liefert. 

Es eraptiehlt sieh nun, sowohl den ersten als den letzten Unter- 
ragen (bei einem Zuge von 6 grollen Plateauwagen nind 12 ünterwagen 
^erforderlich | mit je einer S t a n d b r e ni s e zu versahen . damit der 
Kutscher hei der Hinfahrt sowohl als aueh hei der Efickfahrt — da die 
ragen ja nicht uragewendet werden - — die Bremse stets vorn zur Hand 
it: eventuell kann dann aber auf dem letzten önterwagen mit Stand- 
Uremse auch einer der den Zug begleitenden Arbeiter postirt werden, 
um auf ein vom Kutscher gegebenes Zeichen bei Abhfmgen die hintere 
Jremse in Thiiiigkeit zu setzen. 

Hat <iie liaba viele und groüe Steigungen, so müssen in der Mitte 
|es Zuges auch noch mehrere Unterwagen mit Bremse vorbanden sein, 
imit der ganze Zug schnell und sicher gebremst werden kann. 

In Fig. 13 ist bei Z^ eine seitlich zu bedienend»* Bremse, in 
fig. 14 bei Z, eine Standbremse ersichtlich, 

Dolberg hat auch eine selbstthätige Bremse construirt. Da die 
fügen von einem Zuge zusammengekuppclt werden und die Bremse 
it dieser Kuppelung in Verbindung stellt so ist der Kutscher, wenn 
die Kurbel der Stantlbremse dreht, imstande, sämmtliche Bremsen 
kiies Zuges dadurch functioniren zu hissrn, wie anderseits auch die 
Jremse dadurch selbstthatig wirkt, dass sie sich beim Anziehen 
ler Pferde von selbst bei allen Wagen eines Zuges lust 
md bei abschüssigem Terrain je nach Bedürfnis durch 
^M9 Nachdrängen der hinteren Wagen auf die vorderen 
festbremst, was ein XiederreiLJen des Pferdes verhindert. 

Von grober Bedeutung erscheint mir für Kriegsverhältnisse die 
iiiglichkeit, auf der Feldbahn ganze beladene Trainfuhrwerke nur mit 
ilfe zweier kleiner vierrädriger Wagen mit Leichtigkeit fortbringen 
flu können (Fig. 15). 

In Lundenburg demonstriiie Herr Ingenieur S tone mit einem be- 
hadeneo, von Menschen gezogenen Land wagen dieses Experiment, wobei 
rein Theil des Geleises auf einer nassen Wi**se big und über we!len- 
[ förmiges Terrain führt(^ 

Besonders anerkennenswert hierbei ist die äußerst einfaclie, doch 
[Binnreiche Vorrichtung, mittels wf'Icher die beladenen Fuhrwerke mit 
^Leichtigkeit fortgebracht werd^ni. 



478 



T i U c L k € r t 



Fig. 15 zeigt* dass liiezii nur zwei sehr kleine Tierridrige Wa^« 

ohne weitere VerbiudiiTig erforderlich sind. 

Die trau spo nable Auf- Uüd Abladevorriehtiing (Rampe, sark 
Fig. 16 und 17) beisteht aus zwei mit Führungsleisten »•• veiMhoa 
Balkeü, welche an beiden Enden schliefe Ebenen Ä und B bilden. 

Zwischen den Balken liegt das Geleise, ron dem in Fig. 16 ei» 
Schiene cc sichtbar Ut Auf dem Geleise werden die beideüi xiir *- 
nähme des Magens , bestimmten Universahvagen W^ W^ boreit^^ 
Der Lastwagen wird nlckwürts oder vorwärt* über die Uamfie, «Iwi wi? 
in Fig. 16 über B, ge.schuben; die höhere Hinteraxe gehl ober da 
ersten ünterwagen H\ hinweg, stößt gegen die Mitnehmer m m des zvciilei 
UnterwageüH 11'^, nimmt diesen mit und legt öii h am Ende der Kampe A 
auf diesem Wagen nieder, so dass die Hinterräder des LastWBgeu bn 
schwellen. Auf dieselbe Weise nimmt die Vorderaxe, Meil &ie niedrii^pr 
ist, den ersten L nterwagen mit und legt sich am Ende der Uampc *4 
auf diesen Wagen nieder. Jetzt kann der Lastwagen auf deo Sekimea 
gefahren werden. 

Beim xibladen wird der Lastwagen vorwärts über die BaiST ' 
fahren, wobei er wieder auf seinen eigenen Radern läuft, wäbr»* 
beiden üuterwagen stehen bleiben. 

Bei fallenden Geleisstreckeu i^U wie schon erwähnt wordeji. St 
Handbremse nur bis zu 14^<^ Getalle ausreichend. 

Bei steileren Berghiingen mit daraustoliendem Plateau oder sdivack 
geneigten Terrainflächen verwendet man zum Hinabla^iseQ großer LtftfS 
Dolbergs t ransjj ortalile Brems winde {Fig. I8l. 

Die Fig. 18 stellt ein fahrbares Gestell A dar, welches imA 
eine Eette B an einem Schraubeuanker auf dem Terrain befestig«»! vini 
In den Längsträger des Systems sind zwei Wellen n und l> nobeDeioaiier 
gelagert, die in der Mitte je eine Trommel (c und il\^ weicht! ua Cm* 
fange mit mehreren Killen versehen ist, tragen. Um diese Trommelo wird 
eine Kette geschlungen, deren oberes kurzes Ende an dem henmter- 
gelassenen Wagen befestiget wird, während das- andere. In "' ■' 

ende am Fülle des Bergabhunges je nach der Bescliaffenhei ; 

entweder unmittelbar auf dem Boden oder auf Tragrollen liegt Au 
den Enden der Wellen u und b sind Bremsseheiben e und / aogebncfat 
auf welche Bremsklötze diu-ch einen Zug am Hebel E dnick^a und so- 
mit die Trommeln mit der Kette und den daran gehängten Wagen zum 
Stehen bringen. 

Durch mehr oder weniger starkes Anziehen kann man den WageD 
beliebig schnei! oder laugsam herunterlassen. 




Dor Verijflegsnacbsehub im Kriege auf der transportaWen Feldekenbahu 479 



I 



1^ Wälireud der ^Vagen bergab geht, zieht sich die auf den Eollen 

liegende Kette bergan und wird, oben angekomweii, alsdaiin in derselben 
Weise, wie vorhin angeftihrt» benützt. 

Mit Hilfe dieser Bremswinde wiu^de eine große Anzahl mit Netz- 

iholzstämmeii beladeuer Wagen an einem Abhänge von 100?/* Länge und 
23vi Höhe, also von 23Vo Gefalle auf dem Schienengeleise sehr leicht 
und sicher heruntergelassen. Die Bremswiode kostet ca. 300 ü. 
Es unterliegt übrigens keiaem Anstände, geeignete Hand winden 
aar Anwendung zu bringen, die leicht tranjsportabel sind, und uiit denen 
man mit Hilfe eines Seiles oder einer Kette an StralieBStrecken, wo die 
Steigung über 15Vo reicht, die Wagen aufzieht, wobei es sich ziu* 
Beschleuiiigung der Leistung oft empfehlen wird, ein zweites knapp 
anschließendes Feldbahngeleise mit d#r Windevorrichtung anzubringen. 
Ad solchen Stelleu müsste auch mehrfache Arbeiteranstellung, dann 

ITag- und Naclitarheit di^ Förderleistung so hoch bringen, als in den 
üchwach aßsteigenden Feldeisenbahnstrecken. 
Ton der Beschreibung der sinnreichen Einrichtung bei den Feld- 
eisenbahnen zur Hebung und znm Abladen großer Lasten, wie der von 
mächtigen Holzstümuien, sehe ich ab, wenngleich sie füi- den Artillerie-, 
, wie Genie -Officier ein militär - technisches Interesse, bezüglich der 

PArmirungsart)eiten in und vor den Festungen besitzen. Für die Be- 
uützung der Feldeisenbahnen zum Yerpflegsnachschub sind sie ohne 
I Bedeutung. 
Dagegen halte ich die in jüngster Zeit von Dolberg erprobte neue 
combinirte Locomobile und Feldbahn-Locomoti ve bei 
Anwendung der Kette — in Steigungen — von großer Bedeutung für 
Xriegs-Feldeisenbahnen '). 
Diese Locomotive ist leicht, so dasa sie auf schwachem trans- 
portablen Geleise fahren kann (Gewicht im Dienste ca. 2500%). Der 
i Schwerpunkt liegt so tief, dass ein Cmwerfen ausgeschlossen ist. 
Die Maschine ist wegen des unregelmäßig liegenden Geleises im 
Verhältnis zu anderen Locomotiven für geringere Fahrgeschwindigkeit 
construirt {bkm per Stunde). 
Die eflective Zugkraft heim Kettenbetriehe ist in dem Verhältnis 
größer, als die Fahrgeschwindigkeit kleiner ist 
Bei langsamem Gange kann die eftective Zugkraft bis auf 800% 
gesteigert werden; diese Zugkraft entspricht derjenigen einer gew^'ihn- 
lichen Adbäsions-Locomotive von 30 Pferdestärken auf horizontaler Bahn. 

^b *) Nach einer PrivatmittheUung Tsrar sie 1887 auf der kiidwirtscliafrüchen 

^M Aasdtellu] 



Nach einer PrivatmittheUung 
AusÄtellung in Fraiikfiirt zu tseheii. 



53* 



480 



T i l 8 i.' h k e r t 



Die Feklhahn-Locrimotive kami wessen di^r großen Ziig^kraft : 
hältnis ziiiii g*^rint,feii Eig*^rigewieht hedt^-uteiide Steigungen hU 10**/. ohn»^ 
erheblichen Effect Verlust überwinden, während die Adhärions-Locomative 
bei 10% Steigung nur noeh sich selbst befordern kann. Pa auf dem 
Felde große Steigungen unvermeidlich und große Fahrgescbwiodigkeit 
sowie schwere Maschinen für transportable Bahnen unzulässig sind^ »o 
ist eine Adhilsions-LocomotiYe fQr den Feldhahnbetrieb meist nickt 
fwenigstenö nicht nach der ersten Zeit des Legens) verwendbar. 

Bei starken GefiiUen hat sich die Ketten-Feldbahn-Locomotive ah 
sehr praktisch hewührt, indem die Maschine mittels Gegendampf den 
Zug an der Kette halten und beliebig hingsam am Berge herabla-^sen 
kann, so dass die Wagen hei 5**^,, ÖeföUe überhaupt keiner Bremste 
bedürfen. 

Die Maschine kann durch Aufstecken eines Triebes auf die Kurhi 
welle mit den vier gekuiipelten Laufrudern in Verbindung gebrgo 
werden, so dass sie auf horizootalnu Strecken bei leichtem Bet 
auch ohne Kette verwendet werden kann. 

Zum Schlüsse der Besehreibung der Dolberg*sch«^n Feldeisenhaliii 
sei noch ein Kostenanschlag über eine Feldbahn von 500m Longe 
70cm Simrweite mit der 55mm hohen Stahlschiene (4'6% pro Mete^ 
gebracht und daraus Gewichts- und Köstenverhältniase für länge 
Strecken abgeleitet. 

Dua Gm 
beträgt et 



453m 



3tn 



32??i 



025 m 

77il 



Hi 
fl. 1500. 



302 Joch h l%m 

ä Joch fl. 2.61 = . . . . 
1 Joch klm h Joch fl. 2*70 = 
1 ^ ä0'5m -i ,, ,. 2^04 -- 

1 „ kÖ'25mh „ . 1-74 = 

2 Passjoche mit 2 Schwellen 
ä l*;m H Joch fl. 3'96 = . 

2 Passjoche mit 2 Stangen 
ä IVt^ ä Joehfl. 3T2 = . 

8 Rechts- und 8 Linksbögen 
h 2m k Joch fi. 4*95 , . 

1 Universalpass-Stück. , , . 

1 Rechts- und 1 Links weiche 
mit Zunge U Joch fl. 24." 



fl. 788-22 k Joch 21% = 6342t<r 



2-70 , 
204 „ 
174 ^ 

7*92 ^ 

7*44 , 

79-20 . 
14*40 . 

48.00 . 



16% = 

lUv; = 

9% = 

30% = 
22% = 

33% = 
30% = 

106%^ 2I2ii 



fl.95166 7252 oder ca,8000J 

'ZU an r 1 1 e n d e m M a t e r i a 1 10 Wagen h fl. 150, zossmmen 



Der Yerpfleganachsebnb im Kriege auf der transportablen Ffldekc^nbiilm 481 



Ein KiloDipter des Geleises kostet sonadi fl. 1903'32 und wiegt li^Oq, 



I 
I 



fl 



nid 



Eioe Meile kostet in Deutscbland 

Wird pro Meile an rollendem Material 150 Wagen gereebnet, so 
erfordern diese an Koste« ca. fl. 22.000. 

Rechnet man, dasä eme Armee-Colonne je 30 Meil^-n Feldeisenbahn 
tenöthiget, so venirsaehen diese für die Bahn allein fl. 450.000 und für 
das rollende Material tl. 060.000. somit im ganzen fl. IJ 10.000 an 
Kosten, ein Betrag, den die im Jahre 1878 für den Verpflegs-Naehschub 
gemietheteB 3500 Wagen 1 1000 von der Transportsgesellschaft. 500 von 
Wimberger und 2000 von Sigmimd) nur an Miethe — ohne Ver- 
pflegTing in 36 Tagen erforderten (fl. 9 und fl. 8'75 pro Wagen und 
Tag). Und diese Wageamenge rep rasen tirte nur den neunten Theil des 
ganzen Wagen au fgebotes im Occnpationsgebiete. 

Für drei Armee-Colonnen, d, L für 90 Meilen, erfordert die Be- 
schaffung der Feldeisenhahii samrot Wagen die Summe von 1 3,330.000 
(wobei ein Wagenpark von 13.500 Wagen zur Verfügung steht). 



II. Feldeiiieiibabii, System Spaldtnc: (Fabrik in Jahnkow bei Langen- 

felde in Pommern l 



I 



Diese Bahn kann so wie jene Dolhergs auf ganz unebenem Boden 
ohne eine Vorbereitung des Terrains, also ohne jegliche Einebnung sofort 
gelegt und befahren werden* Dies war nur zu erreichen durch kurze 
Joche, die dem Boden nur an den Enden Berührungspunkte boten, und 
dtu*eh groüe Beweglichkeit der StoBverbindung. Wähi'end Decauville bei 
der beträchtlichen Lauge seiner Schieuenahtheilungen von 5w sieh zur 
Anordnung einer grollen Anzahl von Querschwellen genöthiget sah, die 
sich unmöglich aümmtlich den Unehenheiten de.s Bodens anschmiegen 
ionnten, construirte Spalding Joche von 2m Länge mit freitrag*' ndeii 
Schienen — die also nur an den Enden durch Querschwellen verbunden 
sind ~ wodurch die einzelnen Joche stets fest aufliegen. Außerdem wird 
bei Spalding's System die Endsehw^elle von den Schieuen um ca. ^nn 
überragt während umgekehrt die StoOschweUe um dasselbe Maß hervor- 
steht, um dadurch dem hier anzuschiebenden Joche als Auflager zu 
dienen. 

Das Legen und Verlegen der Bahn geschieht auf denkbar leichtet^te 
nod schnellste Weise, so dass beispielsweise in der Landwirtschaft zwei 
Arbeiter mit Hilfe von 1 bis 2 Pferden 3000 w Bahn in Einem Tage] 
legen resp. verb.^gen können. || 




482 Tilsehkert. 

Selbstverständlich wird man bei forcirter Arbeit, ako bei ans- 
reiohender St&rke einer Tdtentrappe das Verlegen eines Joches, ihnlich 
wie bei Dolberg, in wenigen Secunden, eines Kilometers also ib einer 
Stande vornehmen k(^nnen. 

Spalding*8 neueste Schienenbefestignng (siehe Fig. 19 a bis 20 ei isx 
derart, dass ein Verschieben der Schienen, wodurch sonst unbedingt 
Entgleisungen stattfinden, nach keiner Bichtung vorkommen kmnn. 

Die Schienenbefestigung wird durch eine aus Stahlguss angefertigi» 
Unterlagsplatte vermittelt Dieselbe ist bei b durch eine Bille in die 
höheme Schwelle eingelassen, und hat bei a einen in die Schiene 
eingreifenden Zapfen. Diese selbst ist durch zwei StQck Mnttera. die 
über den FuD der Schiene greifen, auf jeder Schwelle befestiget. DntA 
die BiUe b wird jede Querverschiebung, durch den Zapfen a jede Ling»- 
versehiebung der Schiene unmöglich. 

Besonders sei hier darauf aufinerksam gemacht diss nnr ein LUsn 
der Mattem — ein völliges Losschrauben derselben ist hier ni^t neA- 
wendig ^ erforderlieh ist, um die Schienen von den SchveDen n 
trennen« wahrend anderseits sich die Verbindung in kürzester Zeit dnrdi 
Festsehmuben der Mattem wiederholen lisst Dies ist bei grdterei 
Transporten von nicht in nntersehfttzendem Tortheile, 
da die Schienen sowohl wie die Schwellen gesondert ver- 
laden werden können und dann nur einen sehr eerinsfa 
Kaum beanspruchen. 

Ein weiterer Vorzug diese:? Systems ist. dass zu allen Transporten 
stets dasselbe Material an Geleisen und Wagen benutzt wir»L 

Spaldiug erzeugt in neuerer Zeit folgende höohst sinnreiche Weieiö 
u. zw.: a« die selbstthätige Weiche und 6» die selbstthätige «!onibninti? 
Kletter- und Schleppweiche. 

a\ Die selbstthatige Weiche Fig. 21 und 11 . 

Diese Weicheneinrichtunsr. welche in Fig. 21 in perspectivTscher 
Ansicht und in Fig. 22 im GrunJrisj? für eine Unksw^iche gezeichnet ist. 
besteht aus zwei oresonderten Theilen A und Ä Die D«'ppelzunsre bewegt 
sich auf B derart. <lass einmal c wie Fig. 21 zeigt . ojt^r d mit der 
Schiene k die Verbindunir bildet. 

Selbstthütig wirkt »iie V.>rrichtunsr dadurch, 'iass «üe Zunge c «jder '/. 
je nachdem der Wagen vou «jeleis / oder y kommt, allemal riehtiir ror 
•iTirch das Kud selbst eingestellt wir<L indem das auf denwlben Achs«" 
gegenüber sitzemle Ka.l «lurch A ^^ßihrt winL 

Eine einfache Federeinrichtung. welche kastenartig sicher verwhlostsen 
liegt, bewirkr. .b.>s stets -ine «ier Zunsjen c oder d vor »^ stehen muss. 



Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 483 

also niemals der Fall eintreten kann, wo durch etwa unachtsames 
Stellen oder sonstige Einflüsse weder c noch d genau vor e steht. 

Die Stellung des Wechsels auf „Haih" und damit auch die Gefahr 
des Entgleisens beim Fahren aus und gegen denselben ist somit 
ausgeschlossen. 

Die Gesammtconstruction, sowie auch besonders dieser letztere 
Umstand verleiht der Weicheneinrichtung absolute Betriebssicherheit, ohne 
welche es besser wäre, keine selbstthätigen Weichen anzuwenden. Durch 
Schmutz, Schnee etc. wird die Selbstthätigkeit niemals gestört, weil 
die Doppelzunge sich ganz frei auf glatter Unterlage leichtestens bewegt 
und keine Löcher oder Vorsprünge das Festsetzen eines Hindernisses 
gestatten. 

An welcher Seite A resp. B eingelegt wird, ist an und für sich 
gleichgiltig ; in der Regel wird man B an der in den Figuren gezeich- 
neten linken Seite einlegen, weil der Fuhrknecht zum Stellen der Zunge 
gewohnheitsmäßig links absteigt. 

Diese selbstthätige Weicheneinrichtung hat in der Praxis absolut 
und unter allen Verhältnissen sicher functionirt. 

l) Selbstthätige combinirte Kletter- und Schlepp- 
weiche (Fig. 23 bis 25). 

Fig. 23 stellt diese Weiche in der perspectivischen Ansicht, Fig. 24 
im Grundriss und Fig. 25 in der Seitenansicht dar. 

Sie besteht aus den geraden Schienen 1 und 2, die mit denen des 
Hauptgeleises übereinstimmen, und den gebogenen Schienen 3 und 4, 
dann aus den Theilen 5 und 6, welche wir oben bei der selbstthätigen 
Weiche kennen gelernt haben. 

Die Schwellen aS,, S^ und S^ verbinden diese Schienen und werden 
beim Gebrauche der Weiche auf die Schienen des Hauptgeleises gelegt, 
aus dem man mit einem Nebengeleis abzweigen will. 

Die nach unten zu gehöhlten Spitzen (Zungen) p^ bis /\ sind um 
Scharniere an den Schienen 1 2 und den Stücken 5 und 6 etwas 
drehbar, liegen auf dem Hauptgeleise und vermitteln als Kampen den 
Auf- und Abstieg von den hieher gelegenen Schienen der Kletterweiche 
(1 bis 4) auf das Hauptgeleise. 5 und 6 sind die Theile der selbst- 
wirkenden Weiche, die in eine gewöhnliche Kletterweiche eingeschaltet ist. 

In der Kreuzung K, die eben gehalten ist, fahren die Eäder mit 
den Spurkränzen auf. 

Die Ansicht (Fig. 25) zeigt das Hauptgeleise, auf unebenem Boden 
in Wellenlinien gelegt. 



T i 1 ft h k e r t 



Diese Einsenkuiig ii<t zwecloiiäßig fiir das Auflegen der Kl — 
weiche gewählt, «lie Scharuiere an }\ bis p^ geätatteu ein Anäehh 
der Weiche und die Wagen aus dem Hauptgeleise haben beim Ersteiffii 
der Kletterweiche nicht j^o hoeh gehoben zu werden, als io dem Falk 
wenn die Weiche nicht auf einer eingesenkt*^n Stelle zu liegen komnl 

Um den landwirthschaftlichen Transportsbetrieb TermittelÄt in 
Feldeisenhahn so einfach wie möglich einznri«^hteIl, hat Spalding eiiet 
Univer^alwagen construirt, der als Urtypus sich mit Leichtigkeit dniti 
einfache Vorrichtungen zn all den verschiedenen im land- wie aucJi m 
forstwirtschaftlichen Betriebe vorkommenden Transportsleistnngeu her- 
richten hlsst: zum Fahren von Dunger, Mergel, Lehm, Sand, St^inei, 
wie zum Einführen von Kartoffeln, Kühen, Heu, Getreide, zum Tranipoct 
ebenso von Langholz wie von Kloben- und Strauchholz. In noch größ^TaD 
Maße als bei den Yollbahnen spielt bei den Feldeisenbahnen, die ia 
bestüodigem Wechsel von Steigungen und Gefällen bergauf-bergab ver- 
legt werden, das richtige Verhältnis der zu transportirend**n t^'dt^^n zur 
Nutz-Last eine bedeutende Holle, 

Durch die Wahl der Spurweite von 60cni hat Spalding hi**r i»- 
zweifelhaft das Richtige getrofen, sowohl gegenüber der bei Wrm Spur- 
weite wesentlich grolleren Anzahl von Fahrzeugen von geringer Tmf- 
fühigkeit, als gegenüber dt*r nniröthig schwereren Wagen bei mehr ib 
60rm Spurweite. Bei den <J"onstriictionen, wo die Wahl des aumwenileBdfO 
Materials? in Frage kam. hat »Spalding in Anbetracht der gcringv*reD 
Schwere, der größeren Elasticität und infolge dessen größeren Widtr- 
standstahigkeit, sowie der leichteren Ke]iaratnrtrihigkeit des Holzes dem* 
selben vor dein Eisen und Stahl den Vorzog gegeben und fertigt Ü^ 
Schwellen, die Wageng<*stelle, Plateformen und Wagenkasten aus Hob tn* 
Wendet man hierzu Eisen und Stahl an, so läuft man Gefahr, dass die 
Joche und Wiigen entweder zu schwer, be^w. zu theuer werden, "äff 
dass sie leicht dem Verbiegen ausgesetzt sind, der ZerstriruugPD durch 
Rosten gar nicht m gedenken. Verbogene eiserne Wagengestelle, Schwellen 
und dergleichen können nur in einer Fabrik reparirt werden, wogfifeö, 
wenn wirklich einmal an einem hölzernen Oonstructionstheile etwas tor- 
kommen sollte, der Arbniter auf dem Feldi% im Walde imstande i^ 
sogleich selbst die Reparatur vorzunehmen. Überzeugender als alle nofi 
so gelehrten wissenschaftlichen Deductionen sofehen gegenüber, wie di« 
genannten, zeigt die Erfahrung, lüese große Lehrmeisterin, die Vaf* 
züglichkeit des Holzes vor dem Eisen und Stahl für den in Mt 
stehenden Zweck. Bei den Probe versuchen im konigL Orimnitzer For?*t 
sind so gut wie keine Besclmdigungen an dem Material der Waldbahn 



Der Verpflegsnachschub ira Kriege auf der traaaportablen Feldeisen Valm 485 

^^ekommen, und in Jaliiikow fiinctinnirt hpute iiorli dasselhe Material, 

Imit wek^hem tuv iin^hr als 5 Jabreii der B^^trieb {eröffnet wurde. 
Schließlich führt köiiigl Landrath a. D. Sohubarth, dem mr dii^se 
Kritik über Spaldiiig s Eisenbahn verdanken, an^ ist Doeh auf den hnehst 
bemerkenswerten Unterschied aMÜuerksam zu machen, dass wahrend 
Decauville seinen Kunden zwei grolle Kästen mit Ersatzstüekcben und 
Werkzeugen zu Reparaturen und mit Werkzeugen zum Verlegen mit- 
gibt, Spalding seinen Arbeiter nur mit einem Schraiibenschlüssel zum 
Nachziehen der Schrauben ausröstet. 
Die riguren 26, 27 und 28 stellen den Uni versalwagen mit 
Bremse dar. Ein hölzerner Kahmen 12 3 4 (Fig. 27) mit Mittelriegel 
niht vermittelst Kaütschuk|»ufler auf den Achsen. Die gussstählernen 

»Bäder sind mit Doppelspurkränzen versehen. 
In der Mitte ist die Bremse angebracht, die von beiden Seiten des 
I Wagens getiäudhabt werden kann und durch seitliche Verschiebimg des 
^ Hebels a angedrückt oder lose gestellt wird. 

^ Die Bremsbacken ai m (Fig. 27) greifen beim Bremsen in die 

Rillen der doppelflanschigen Bäder. 

Aus diesem Universalwagen werden, wie schon iivviihnt, alle 
[jaögliehen Gattungen Wagen durch Aufsetzen entsprechender 01>er- 
I gesteile gebildet 

Landratb 8ehubartb beschreibt in einer bei Girardet in Essen 
leri^chienenen Meinen Schrift. ( „Die Feldeisenbabnen, insbesondere Spalding's 
iFeldeisenbahu-Systera im Dienste der Waldwirtschaft'^ J, die im Jahre 1885 
hm köoigL Grinmitzer Forst von Spalding angelegte Feldeisenbahn, der 
ich nur jene Punkte entnehme, welche für die Beurtheiluilg des Wertes 
[der Feldeisenbahn zu Kriegszwecken von Interesse sind. 

Vom Werbellin-See, wohin das Holz gebracht wird, wurde die 
labn auf einem altet: Holzabfiihrweg in einer Länge von 5500m verlegt. 
Auch zum Befahren von im Forst gelegenen moorig e n, für 
2[ewöhnliches Fuhrwerk nur bei starkem Frost zugänglichen Wiesen hat 
lan mit Vortheil die Feldeisenbahn benutzt: es sind dabei Gräben mit 
r**rsumi>ften Rändern mit Leichtigkeit auf 2 bis 3 überlegten Stangen 
1 berschritt en worden. 

Auf dieser Bahn wurden nicht selten Holzstämme von einem 
Jewicht bis 3400/*i? auf zwei Universalwagen transportirt i Gewicht des 
^15^//* Kanonenrohres M. 1880 beträgt 320(%). 

Für die Ald'ubr des Holzes lagen in den Schlägen {2) die 

chwierigsten und ungünstigsten Verhältnisse vor. In dem ersten Schlage 

'ist das Terrain wellig, zum Theil sumpfig und für Fuhr* 




486 



T i 1 8 c h k e r t. 



werk 11 nzti gänzlich: die Stuljhenlöcher waren nur zum Thetl e« 
geebnet, ein Theil derselben lag offen. In dem zweite» Schlage bt 
Terrain bergig mit steilen Hängen; inmitten des Schlages Uegeo 
MuMen mit steil abfallenden Rändern, m dass das Höh Stück för StU 
(vermittelest der Bahn) über eine Steigung von 15% (d. h. 1:6'^ 
Strecke gebracht werden miLSäte. Es wurden also hier die 
Anforderungen an die LeistuDg-'^fähigkeit des Systems (der tragbar 
Gelei^se, wie des rollenden Materials! gestellt, und allen diesen Anf« 
dernngen bat da^ Spalding'selie Feldei.senbahn-System zur vollsten 
IViedenheit und böcbsten Anerkennimg seitens der Sachverständifl 
entsprochen. 

Als besonderer Vorzug des Systems ist hervorzuheben die fikhif- 
keit, sieh den wechselnden Terrain verhfiltn i ssen ai^ 
schmiegen zu können: der Grund hiefür liegt in der geringen Lifi 
der Joche — was eine geringe Anzahl der Querverbindungen bedingt 
dann in der beweglichen (nicht steifen) Verbindung der einzelnen J<i 
miteinander, welche ein e Bewegung derselben in horizontal« 
u H d V e r t i c a 1 e r R i *: h t u u g z u l ä s s t. 

Das Gewicht eines Joches lietnlgt, bei einem solchen der Fa 
schienen von 7Jcff pro Meter, nur 34/vy (also per Meter Oeleis ITüjJ 
dasselbe ist also bequem durch e inen Mann zu verlegen. 

Die Schiene vermag bei l'684m freiliegender Länge eine Belastan 
durch einen zweiachsigen Wagen von 1000% per Achse auszuhaltea. 

Die Geleise werden ohne weitere Einebnuug des Bodens nm\ 
Krfimungeu von 4m Halbmesser gelegt. 

Über die im Wege liegenden Stubbenlocher von nicht zu 
Ausdehnung geht man mit den Jochen einfach hinweg, was ebt'ii nu 
mit einer so schweren Schiene von bedeutender Tragfähigkeit, 
Spalding solche anwendet, möglich ist; bei größerer Ausdebnuni; 
man das freischwebende Ende der Schwellen durch Unterlagen zu unti 
.stutzen. 

Schubarth hat u. A. einem Falle beigewohnt wo über zwei vo| 
liegende Stämme die Eisenbahn gelegt werden musst 
und über diese problematische Anlage ein gegen SlOOi^r 
schwerer, ca. 24 ^t langer Stamm, mit dem Zopf- und dem Hiri" : ifj 
je einem Universalwagen ruhend, mit vollkommener Sicherheit i ij 

wurde. 

Das Spaldiog'sche Geleise gestattet eine Verbindung zweier Jach 
miteinander unter einem ansteigenden Winkel von etwa 60**. 



I 



Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 487 



Ein vorgekommener Unfall — venirsaclit dadurch, dass die Pferde, 
in die Nähe ihres Futterplatzes gekommen, den ersten Wagen des Zuges 
aus den Schienen zogen — gab Gelegenheit zu zeigen, wie schnell sich 
' das Geleise ausbessern lässt. Der Unfall bestand nur darin, dass durch den 
von dem Wagen heruntergestürzten schweren Stamm eine Schiene ver- 
bogen war! Die Letztere wurde mit Leichtigkeit aus dem Joche los- 
T gelöst, eine neue an deren Stelle befestiget, der Stamm gehoben, der 
- Wagen darunter auf die Schienen gesetzt, der Stamm auf den Wagen 
• heruntergelassen, und in etwa 15 Minuten konnte der Zug seine Fahrt 
fortsetzen. 

Hierbei hat sich die Anwendung von Holz zu den Wagengestellen 
und Schwellen vortheilhaft bewährt, da keine Verbiegung bei diesen 
Theilen eintrat, was bei leichten Eisentheilen zu erwarten gewesen wäre. 
Ein Unfall, wie der oben beschriebene, ist jetzt nicht mehr möglich, 
indem der Angriffspunkt der Zugvorrichtung, der früher an dem Central- 
bufler angebracht war, jetzt in der Mitte des üniversalwagens ver- 
legt ist. 

Der leere Wagen kann natürlich von zwei Arbeitern getragen 
iFrerden. 

Wie schon erwähnt, besitzt er doppelflanschige Kader. 
Unter Verhältnissen, wie solche bei einer tragbaren Holzabfuhrbahn 
als die regelmäßigen zu bezeichnen sind, wo die Schienen der einzelnen 
Joche selten oder nie in einer Ebene liegen, erscheint die Ver- 
wendung doppelflanschiger Kader unerlässlich, um Ent- 
gleisungen zu vermeiden, die mit einflanschigen Kadern z. B. in 
Krümmungen sehr leicht eintreten können, namentlich wenn die äußere 
Schiene tiefer liegt. Für vorbereitete Kriegsbahnen würde ich nur die 
doppelflanschigen Kader wählen, denn sie verhüten selbst bei sehr stark 
seitlich geneigtem und selbst windschief geführtem Geleise eine Ent- 
gleisung. Selbst bei höchst nachlässig hingeworfener, schlotteriger Schienen- 
bahn ist letzteres unmöglich. 

Krümmungen von 10m Halbmesser sind von den längsten Stämmen 
<^26tn) ohne den geringsten Anstand genommen worden. 

Die Preise fQr Geleise, Weichen und Wagen etc. sind der folgenden 
Tabelle zu entnehmen: 

Preise der Spalding'schen Feldeisenbahn. 

X grade Schienenabtheilung, 2'OOm lang fl. 4*20 

1 „ „ 1-OOm . „ 2-80 

1 „ V O'bOm , ,2-— 



488 



T i l d c h k e r t. 



grade SchieueimbtheiluDg, 0'2Bm lang fl. I 

,, 200m „ mit spitzen Enden . ^ \ 

im Karlius von 10m gebogene Scldenenabtbeilung l'5m lang - ^ 
im Badius von lOm gebogene SchieuenabtheUung Vom lang 

mit spitzen Enden * ^ 

im Radius von 10m gebogene Schienenabtheilung Im lang ^ 

Weiche \ ....... . . . ^ 3 

Kletterweiche in 2 Tlieilen . ^ l 

selbstthfitige Weiche . , 4 

selbstthätige combinirte Kletter- und Sdileppweiche . . . ^ & 

Kreuzstück, Im lang - « l 

Weiideplstte, 2m lang . 4! 

Wegeübergang, 2m lang 1< 

1^" r V ^ 

gebogeoer Wegeübergang, 2w lang . . . « II 

Klanamerstfiek - 

Schienenbrikke ^ li 

Uni versahvagen , ^ 52 

„ mit Bremse ^ 5S 

^ - ^ wjid Stellplatz für den Kutscher ^ 70 

lüppkaaten mit Zugehor ^ 21 

große Plateform mit 2 Schotten und 2 Seiteuklappen . . ^ W 

kleine Plateform 5 

Wacht (Tir 2 Pferde ,......, 4 

Dorn mit Feder zum Ausgießen der Lager - 4^ 

Kuppelung8stange, 70^'«* lang — - 

Draisine für ll> Arbeiter n 1*^^ 

leichte Draii^ine für 2 Ma 6 Personen ....... . , ^ 158 

'Vorrichtung zum Bauhfuttertransport für 1 Wagen . , . . ^ 15' 

Kartoftelkorli , . . « 1 

liübenkorb l 

Trage für schwere Steine 3 

Drehschemel mit Zugehor zum Langholztranaport» auch 

Brettertransport ^ 21" ! 

Drehschemel mit Gestell für 2 üniversalwagen combioirt* 

für schwere Stämme im Gewicht von 4000 bis 8000% ^ 54 

Drehscheniel für Strauehbolztransport auch Brettertransport ^ W 

Gestell zum Scbichtholztransport* 4 Kaummeter fassend . , 49 

Kuppelung, dm lang « 3 



Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 4g9 



1 Kuppelung, im lang fl. 

1 ^ ^"i r - 

1 „ 6m ^ „ 

1 Ladevorrichtung für Baumstämme „ 

1 
1 
1 
1 
1 
1 



Kantring 

Abladevorrichtung für schwere Stämme . . 
^ „ leichte Hölzer . . . 

Doppelhemmschuh 

Stange mit Haken zum Stellen der Bremsen 
Achslagerschraubenschlüssel 



1 verstellbarer Schraubenschlüssel. 

1 Verdeckgestell 

1 wasserdichter Plan 

4 Bänke zum Aufschrauben 



2 Trittbretter 



zur Herstellung eines 

Personenwagens 

aus der großen 

Plateform 



5 — 

6 — 
96 — 

2-50 
89-26 
18-25 

3-10 
-70 
—-50 

1-50 

108 — 



Da hn fl. 2*10 kostet, beziffern sich die Kosten einer Meile mit 
ca. fl. 16.000 für das Geleise und bei 150 Wagen per Meile das 
rollende Material mit ca. 120 X 150 = fl. 18.000, somit die Gesammt- 
kosten pro Meile mit fl. 34.000, daher 90 Meilen (ohne Ausweichen und 
Stationen gerechnet) eine Ausgabe von fl. 3,060.000 erfordern. Hiezu 
10 Vo fiir Ausweichgeleise, so steigt diese Summe auf fl. 3,366.000. 



m. Das Feldeisenbahnsystem von Arthoi* Koppel in Berlin S. W., 
benannt der „Transporteur Koppel im Walde". 

Für Geleise der Haupttransportstrecke, die längere Zeit liegen 
bleiben, daher auch schon eine Begulirung des Terrains, kleine ünterbau- 
arbeiten rentabel erscheinen lassen, werden leiterartige Geleisrahmen 
von in der Regel 5 bis ßm Länge ausgeführt, so dass die Anzahl der 
erforderlichen Stöße möglichst gering wird. 

An die festen Geleise werden die transportablen angeschlossen. 
Diese transportablen Geleise werden ohne vorherige Einebnnng des Wald- 
bodens auf diesen gelegt, da sie nur verhältnismäßig kurze Zeit auf der- 
selben Stelle liegen bleiben. 

Die Anordnung des Geleises dieser transportablen Bahn ist dem- 
entsprechend insoferne eine andere, als dasselbe meist aus kürzeren 
Geleisrahmen besteht und die Stoßverbindung eine nachgiebigere und 
nicht zu verlaschende ist. 



490 



T i 1 s c li k e r t. 



Die Längt* der einzelnen Rahmen dieser traospoiiableij ' 
|2V, oder 1*^^, auch 5m» u* zw. richtet sich dies nach den Ternii*| 
I Terhältnissen. 

Ist beispielsweise an dea Fälliuigsorten der Boden sehr 
und wellenförmig, sind grofie Steine, Stubben u* dgl. Hindeinii 
Wege, 80 da&s ein Anschmiegen des Geleises an das Terrain diirÄ] 
längere Geleisstticke nicht angeht, so werden Geleisrahraen von T tA 
und, wenn auch seltener, solehe von nur i^\m verwendet B^ide Uam\ 
laich bequem durch einen Mann transportiren, verlegen und inidef| 
aufnehmen. 

Das Verlegen der größeren, 5m langen Geleisrahmen, die nui 1 
überall da anwendet, wo kürzere Kalimeu nicht durchaus erfarderlidl 
sind, geschieht durch zwei Mann. 

Specielle Construction der Geleise. 

Die Geleise, u. zw. sowohl die der festen, als der balbtranspoTtaUn 1 
und der fliegenden Strecken, werden aus Schienen von 65mm Hr«he mi\ 
7% pro laufenden Meter Gewicht hergestellt. Im Verhältnis mm G«* 
Wichte hat die Schiene eine auDerordentlich grofie Tragfähigkeit UJiij 
ist verticalen und horizontalen Ausbiegungen gegenüber sehr widerstaads- j 
fähig. 

Das Material ist vorzüglicher Bessemer-Stahl 

Das feste Gel eis besteht — wie oben bereits erwähnt — »ös| 
den 65mm hohen Schienen und hölzernen oder stablernen Schwelleo. 

Die Verbindung der Schienen mit den hölzernen Schwellefi ge- 
schieht entweder durch die hefcannteii Hakennägel oder durch Schieüt^a- 
achrauben oder drittens durch gezahnte Klemmplatten und Bögel- 
schrauben, die Verbindung der Schienen mit Stahlschwell en imh 
Sehrauben und Klemmplatten. 

Die Scbieneuschrauben oder die sogenannten Tire^andf hito 
bekanntlich bedeutende Vorzüge vor den Hakennägeln. 

Die Verbindung der einzelnen Geleisrahmen untereinarnl« r - : . 
durch lange, kräftige La.schen wie bei der normalpipurigen Eist*üf»;ilii 

Das feste Geleis ist filr den Haupttransportsweg nur dion mil 
Nutzen anzuwenden, wenn dieser Weg nach dem Betriebsplan sehrlanp] 
Zeit derselbe bleibt Ändert sich der Haupttransportsweg häutig - 
vielleicht jährlich — so wird es nicht rathsam sein, beträchtliche KosUt j 
für Planirungsarbeiten aufzuwenden. In diesem Falle tritt an Stelle iti I 
festen das ^halbtransportable^* Geleis, welches größere PUni' 
rungen überflüssig macht. 




Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 49 1 

Die Stoßverbindung der halbtransportablen Geleise geschieht ebenso 
durch Laschen und Bolzen, wie die der festen Geleise. 

Die Verbindung der Schienen mit den hölzernen Mittel- 
schwellen ist aus Fig. 29 ersichtlich. Dieselbe hat sich bereits seit 
einer Keihe von Jahren außerordentlich bewährt. 

Sie besteht aus einer doppelt gebogenen sog. „Bügel"-Schraube 
mit zwei Klemmplatten. 

Die Bügelschraube wird, wie aus der Zeichnung hervorgeht, schräg 
zu der Längsrichtung der Schwelle, also auch schräg zu der Eichtung 
der Holzfasern angebracht und wird hierdurch dem bei anderen Con- 
structionen leicht eintretenden Spalten des Holzes mit Erfolg vorgebeugt. 

Unter den Muttern dieser Bügelschraube befindet sich je eine 
Klemmplatte, welche direct den Schienenfuß umfasst und hält. 

Diese Klemmplatten sind mit langen schlanken Zähnen versehen, 
mittels welcher sie nagelartig in das Holz eindringen und auf diese 
Weise ein Verschieben des Systems und eine Erweiterung der Spur 
verhindern. 

Die Befestigung der Schienen auf stählernen Schwellen wird 
durch Schrauben und Klemmplatten bewirkt; dieselbe ist also der obigen 
ähnlich, nur ist selbstredend der Form der Schwelle und dem Materiale 
derselben Kechnung getragen; auch fallen die eindringenden Zähne fort. 

Für das transportable Geleis ordnet Koppel verschiedene 
Verbindungen an, je nachdem dasselbe weniger häufig oder häufig zu 
verlegen ist. 

Für das weniger häufig zu verlegende Geleis erfolgt die Ver- 
bindung an den Stößen der einzelnen Geleisrahmen nach den Fig. 30 
und 31. 

Die Construction ist so gewählt, dass sie zwar eine beträchtliche 
Geschmeidigkeit des Geleises zulässt, anderseits aber große Solidität 
aufweist. 

Es besteht diese patentirte Verbindung aus zwei kräftigen, 
stählernen, die Schiene und deren Fuß umfassenden Laschen, sog. 
Schuhwinkellaschen, welche sich nicht nur gegen die Schiene selbst, 
sondern auch gegen die Schwelle fest anpressen und dadurch die gegen- 
seitige Verbindung kräftig, sicher und solide machen. Fig. 30 zeigt 
die Befestigung auf der Holzschwelle, Fig. 31 auf der Stahlschwelle. 

Durch einfaches Hineinschieben der Schienen-Enden des einen 
Geleisrahmens in die von den Laschen des nächsten Rahmens gebildete 
Öffnung ist die Verbindung hergestellt. 



492 



T i 1 ä c h k e r t 



oa^ 



j 



SoU der GeleisestTang liiDgere Zeit liegen Irleiben, so IftasI maa 
noch dadurch eine Verbokung eintreten, daas man einen dritten gewoha- 

licheü SchraiiheDholzen oder den in Fig, 32a und h darge^stellten Gidf^uk- 
bolzen anwendet. Es geschieht dies, indem man denselben durch dk' 
Ltischenloch ^t Fig. 30 nnd 31 der Schuhwiukpya^che und durch «li* 
entsprechende Laschenloeh der hineingesteckten Schiene des näehtft^n 
Gelei^saitückes schiebt und» wenn dies geschehen, das Gelenkstfick diese* 
Bolzens (Fig. 32 i) verdreht 

Es ist dann eine exacte Yerbolznng erreicht welche im letzter#»n 
Falle sogar ohne Schlüssel nnd andere Werkzeuge, einfach durch Um- 
legen der kleinen Klappe und Herausziehen des Bolzens gelöst 
ebenso einfach wieder hergestellt werden kann. 

Wahrend filr das früher erwähnte transportable Geleis nur Schuh- 
winkellaschen und meist Kabinen von 5w Länge (kürzere Rahmen tun 
Ja, wo das Terrain es ausdrücklich bedingt) angewendet werden, tommen 
filr das häufig zu verlegende Geleis fast nur kürzere Rahmen und die 
patentirten Schienenschuhe zur Anwendung. 

Die Befestigung der Stahlschienen auf den Mittelschwellen di' 
Geleise ist die bereits früher erwähnte, nämlich durch BQgelschrai 
mit gezahnter Klemmplatte ht-i hölzernen Schwellen und durch 
Schraubeiiholzen und Klemmplatten bei Stablsfbwelleu. 

Die patentirte Stoßverbiodung dieser fliegenden oder t r an*» 
portable n B a h n ist jedoch inso ferne eine andere» als hei der Constnictioo 
das Augenmerk hauptsächlich auf eine besondere Geschmeidigkeit d^ 
Geleises gerichtet wenlen musste, li h. darauf, dass die einzelnen Gelds- 
rahmen sich dem IVrrain entsprechend legen können, so dass aa J« 
Stößen der Rahmen bedeutende Knicke, sowohl in verticaler als iticb in 
horizontaler Richtung entstehen können, ohne dass dadurch die Sich 
und das gute Functioniren der StolJverbindung in Frage gestellt wü i 

Die Art der Verbindung ergibt sich durch die Betrachtung der 
Fig. 33 und 34, von denen erstere bei Verwendung von Holzschwella, 
letztere Ijei Verwendung von Stahlschwellen platzgi-eift. 

Die Schwelle nebst dem aus schmiedbarem Stahl hergeatellt<»n 
Schienenschnhe wird vermittelst des durch die Schiene selbst hindurch- 
gehemden stlhlerneu Brückensteges ss und zweier Schrauben zu eirie?n 
Ganzen verbunden, so dass durch einfaches Hineinstecken den Gelei»- 
endes des nächsten Rahmenstückes die Veriiindung hergestellt ist 

An den Schuhen, u. zw. nach dem Innern des Geleisef 
gerichtet, befinden sich vorspringende, kräftige Lappen, welche ta 
wirksamer Weise einem Kanten der Schienen entgegentreten, jedoch die 



Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transpurtableu Feldeisenbahn. 493 

ildung der vorerwähnten Knicke in horizontaler oder verticaler 
ichtung ermöglichen. 

Die Kahmen dieses Systemes unterscheiden sich von denen der 
iter I und II beschriebenen Systeme durch die Mittelschwellen. Nur 
e 1*257/1 langen Rahmen KoppeFs sind ebenfalls ohne Mittelschwellen. 

Die 5m langen Rahmen werden nur in seltenen, durch besondere 
cale Verhältnisse bedingten Fällen angewendet. 

Ich übergehe die von Koppel construirten Zungenweichen, die nur 
it ein flanschigen Rädern befahren werden können, die gleichfalls 
^kannten Schleppweicheu, und bringe nur in Fig. 35 eine Drei weg- 
sei che mit Schleppwechsel AB vor, bei der vom geraden Strang 
2, 3, 4 nach rechts und links Nebengeleise abzweigen; daran reihe 
ch dann die Kletter weiche. 

Vermittels dieser (Fig. 36) wird, wie schon erwähnt, ein fertig 
^gender Strang mit einer zeitweisen nöthigen Abzweigung auf sehr 
ifache und sichere Weise verbunden, ohne dass es nöthig ist, an dem 
rteren auch nur das Geringste zu ändern oder von demselben fort- 
nehmen. 

Die Kletterweiche wird einfach einerseits auf den durchgehenden, 
dersejts auf den abzweigenden Strang gelegt, und ist hiedurch die 
isweichung hergestellt. Die Constniction ist so gewählt, dass diese 
eichen je nach Erfordernis als Rechts- oder Links-Weichen verwendet 
?rden können. 

Die Kletterweichen werden aus zwei Theilen gebildet, so dass sie 
quem von Einem Mann gehandhabt und verlegt werden können. 

Wie bei den früheren Systemen übergehe ich auch hier die Con- 
i-uction der Drehscheibe, unter denen für Feldzwecke besonders die 
msportable zu erwähnen ist, die von zwei Leuten, u. zw. ohne jede 
)rbereitung auf den gewöhnlichen Boden verlegt werden kann. 

Die transportable Geleisbrücke (Fig. 37) findet Anwendung, 
?nn zwei in einer Richtung liegende Geleise ineinander übergeführt werden 
llen und dies durch ein Joch (Geleisrahmen) von normaler Länge (hier 
3 und l•25w^) nicht möglich ist. 

Diese Verbindung ist leicht und bequem hergestellt durch das 
ifache Auflegen der Geleisbrücke auf beide Geleis-Enden. 

Soll das Geleise an irgend einer Stelle von gewöhnlichem Land- 
hrwerk überschritten werden, so wird daselbst ein transportabler Weg- 
ergang angelegt. Das Geleis wird dadurch vollkommen gegen Be- 
hiidigungen seitens des Fuhrwerkes geschützt. Der transportable 
egübergang (Fig. 38) hat in der Geleisrichtung eine Länge von 2-5w, 

54 



I 




494 

Die Wagen. Äficli Koppol eoriMtruirt ••in V, ' »Vn 

ÜDivefi^alwa^en» ans <JeiiJ alle «»rfordt?rIichen W;i)^tr»-.ii muijrM gi^ 
bildüt werden, a. zw, aus Suhl odor Holz, 

Fig. 39 zeigt den Wagen au8 StahL 

Die üniversalwageu .sind, den an m zu stellenden An^prücbc« 
.gemäß, sehr kr^lftig gebaut, ho dai^s sie selbüt bei rohMster und fahi- 
lAesig^ter Bebundliing Verbiegungen oder gar Brüche nicht bfförcblri 
lassen. Anderseitö sind sie jedoch leicht genug, um nur ton atwei Lfatro 
aus dem Geleise und in dasselbe hinein gehobt^n werden tn kftiiftNL 

Fig. 40 und 41 zeigt den UnivernHlwagen mit H * : Hin, u, tu. 

Fig, 40 mit und Fig. 41 ohne Drehi^chemtd , den l : .ilvrngeti ii 

Fig. 40 überdie.*^ auch mit Bremse. Die Aeh,^en» Kilder und Acfa^ligrWt 
sind hei den Stahl- und Holzwagen gleich, 

D^T liahnien des Stahlwagen» int aus kräftigem 2*> 
die gusütahl^-Tnen Achsen, wekhr mit Kadern aus Marl 
gerüstet 8ind, laufen in den aogenaunten Panama- Achsbüclujeu, 

Die Tragfähigkeit eines hölzernen UniverHalwagens tPiue^ liöltmci 
Truckn nho) ist 1800A^<^, deä aus zwei i^olrhen Trucksi iit*iitf«lie]i4a 
Wagens demnach 3ö00%. Zwei jfolche Wagen werden durch üiai» Plat^ 
form verbunden. 

Durch den mittleren t^uerirrigcr jede« Truck» und die VläitUam 
ist CIN Bolzen gesteckt, welcher das Drehen der Trucks unabb j n 

Obergcstdle gestattet. Auf der Untermte der Ilateforuj mi ^ .. .. • 
angebracht, welche thcils das Drehen der PUiteform auf düo Trwli 
erleichtern* (iieils die Plateform besser unb^rstOtaeii sioll**u* 

Fig, 42 zeigt einen Kastenwagen auf 2 Trucks« in H- ■ irt^oiu 

Fig. 43 einen Personenwagen mit lö Sitzen auf 2 Si;ii . mit 

Hebelbrf^mse. 

Die Kftder der Universal wagen werden entweder mit Ein«» 
Flansch (Spurkranz) oder mit zwei Flanschen vi - ^ l 

Fig. 44 zeigt die erstcre, Fig. 45 die letztere A sg. 

Die Construction mit Einem Flansch ist die bisher Oblichi*, itt- 
licrgebrachte, die siel» auch im allgemeinen ganz gut bew " 

Während hei schlechter Lage des GebMses und daher 
Bewegung des Wagens die einflanschigen Ittder die Schi<ii 
grotm Druck nach auUen drangen und dadurch dss liol«-if m 
d* r 1 * ( streben, tritt diese Unzukiunmlichkcit bei Anwendtiog dfippi4- 
flii ,, r Kader in viel geringerem Grade auf, da dnrch den (Jm^tdiiiL 
daus der Druck hier von beiden KRdenu reehtn und links Attf bei4f 



la 

I 



Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 495 

Schienen übertragen und dadurch getheilt ist, dessen Einfluss bedeutend 
verringert wird. 

Selbstredend ist auch aus diesem Umstände, dass nämlich an jedem 
Wagen 4 Spurkränze — statt der sonst üblichen 2 — sich gegen die 
Schienen legen, erklärlich, dass Wagen mit zweiflanschigen Kadern, 
selbst bei schlechter Lage des Geleises, so außerordentlich selten ent- 
gleisen. 

Zum leichten, schnellen und bequemen Befahren der Feldeisenbahn, 
zur Beförderung einzelner Personen, Boten, geringer Lasten u. dgl. 
dient das in der Fig. 4ö dargestellte Feldeisenbahn- Velociped. 
Die Bewegung desselben geschieht mittels der Hände und Füße. Man 
ist bei dem außerordentlich leichten Gang und dem geringen Gewichte 
des Velocipedes im Stande, demselben eine bedeutende, in der Stunde 
mehrere Meilen betragende Geschwindigkeit zu geben. 

Eine Entgleisung ist durch die Construction und durch die Stellung 
der Kader so gut wie ausgeschlossen. 

Zwischen den Bewegungs-Handhebeln befindet sich — bequem 
zugänglich — der Handgriff zur Bremse, welch' letztere selbst auf den 
stärksten Geföllen schnell und kräftig wirkt. 

Beim Transport zur Verwendungsstelle wird der ganze seitliche 
Flügel nebst dem Rade von dem Hauptkörper abgeschraubt, so dass 
das Velociped dann nur wenig Raum einnimmt und bequem zu be- 
fördern ist. 

Koppel construirt das Velociped auch zur Bef5rdening von zwei 
bis drei Personen. 

Fuhrwerksbahnen. Eine Neuheit auf dem Gebiete der Feld- 
eisenbahnen sind, wie schon beim System Dolberg hervorgehoben, die 
Fuhrwerksbahnen. Diese haben den Zweck, die gewöhnlichen beladenen 
oder unbeladenen Ackerwagen vermittelst der Stahlbahnen zu befordern. 

Die Vortheile, die nun solche Fuhrwerksbahnen bieten, treten 
hauptsächlich in Gegenden hervor, die wenige oder nur wenig gute 
Chausseen und Landwege haben. 

Tritt außerdem der umstand hinzu, dass der Grund und Boden 
sandig, steinig oder sonst als Weg schlecht zu benutzen ist, so dass 
die gewöhnlichen ungepflasterten Feld- und Nebenwege nur mit ver- 
hältnismäßig geringer Last befahren werden können, oder dass morastige 
and sumpfige Stellen vorkommen, welche den Fuhrwerksverkehr zwischen 
Zwei Chausseen und anderen guten prakticablen Wegen in Frage stellen, 
ja eventuell ganz unmöglich machen, so ist in solchen Fällen die Fuhr- 
>^erksbahn am Platze. 

54* 



496 



Tilschkert. 



Das Princip der Fuhrwerksbabn besteht darin, dass beispielsweise 
auf der sonst schlechten, für gewöhnliche Lastwagen nicht passirbaren 
Verbindungslinie zweier brauchbarer, guter Wege die Geleise einer Feld- 
bahn gelegt, die Lastwagen ohne Weiteres auf die Wagen dieser Feld- 
bahn geladen werden und auf diese einfachste Weise das Fuhrwerk über 
das ungünstige Terrain hiuweggelangt. 

Es werden zwei Trucks zur Beförderung benutzt, u. zw. ruht daü 
Fuhrwerk mit der Vorderachse auf dem einen, mit der Hinterachse auf 
dem anderen Truck. 

Wie aus den Fig. 47, 48 und 40 hervorgeht, sind zu diesem 
Zwecke die beiden Trucks mit entsprechend geformten Aufsätzen, den 
sog. Gabelaufsätzen oder Achstragern versehen, welche die Achsen des 
Fuhrwerkes direct aufnehmen sollen. 

Fig. 47 zeigt die Verladung, Fig. 48 die Unterstützung der Vorder- 
und Fig. 49 jene der Hinterachse. 

Um nun das Fuhrwerk auf die Trucks zu verladen, ist folgende 
Anordnung getroffen: 

Es wird an der Stelle, wo die Verladung erfolgen soll, rechts und 
links neben dem Geleis der Feldbahn je eine transportable Lade- 
rampe aufgestellt. 

Eine solche Laderampe l>esteht aus eisernen Fahrdielen, welche 
auf hölzernen Bohlen befestigt sind; sie hat vorne und hinten einen 
geneigten Uampentheil zum Hinauf- und Hinabfahren des Fuhrwerke:» 
und in der Mitt<* eine horizontale Partie, welche etwas länger sein mii5& 
als die Entfernung der V'orderachse von der Hinterachse der Fuhrwerie. 

Die Verhidunu erMsct nun iu folt^ender Weiij 




Der VerpüegsnachRcliab im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 497 

Beim Weiterfahren stößt jedoch die Hinterachse gegen den Gabel- 
ktz des zweiten Trucks, schiebt letzteren mit vor und legt sich beim 
unterfahren von der Rampe in den Achsenträger bequem und sicher 
n, so dass die Hinterräder des Fuhrwerkes in der Luft schweben. 
Unterdessen hat die Vorderachse des Fuhrwerkes gegen den Achsen- 
M des zweiten Trucks gestoßen (über welchen die höher gelegene 
Brachse des Fuhrwerkes, wie oben besprochen, ohne anzustoßen, 
egangen war), nimmt den Truck mit und legt sich beim Hinab- 
B des Fuhrwerkes von der Kampe in den Gabelaufsatz hinein; nun- 
schweben alle vier Räder des Fuhrwerkes frei. 
Dasselbe ist nun verladen und wird auf der Feldbahn wie jede 
re Last transportirt. Das Abladen geschieht auf eben solchen Rampen. 
Bei denselben angekommen, wird das auf den Trucks ruhende 
pverk, mit seinen Vorderachsen voran, auf die Rampe gezogen. Beim 
ren der Rampe steigt das Fuhrwerk allmälig an, dadurch werden 
luchsen desselben aus den Gabelaufsätzen herausgehoben, so dass 
Fuhrwerk, auf dem horizontalen Theil angekommen, wieder auf 
n eigenen Rädern ruht. 

Das Fuhrwerk ist dann an seinem vorläufigen Ziele angelangt und 
ohne Weiteres bespannt und fortgefahren werden. 
Soll längere Zeit hindurch die Beladung oder Entladung an der- 
1 Stelle erfolgen, so wendet man feste Laderampen an. 
Es wird dann am Anfange der Laderampe dem Geleise der Feld- 
ein Gefiille gegeben, während die Rampe, auf welcher das Fuhr- 
mit seinen Rädern fahrt, horizontal bleibt. 

Hinter dem Gefälle geht das Geleis horizontal weiter, während die 
ffampe ihrerseits sich senkt. Hiedurch ist selbstverständlich das- 
I erreicht, wie bei der transportablen Rampe, wo das Fuhrwerk sich 
Geleise gegenüber gehoben hat. 

Die Vorzüge dieser Anordnung liegen darin, dass es nicht nöthig 
las oft schwere Fuhrwerk auf die, wenn auch nur geringe Höhe 
iampe hinaufzuziehen. Das Aufladen des b e 1 a d e n e n Fuhrwerkes 
rt also ohne Anwendung irgend welcher mechanischer Vorrichtungen 
r und beinahe ohne Kraftaufwand. 

Um die eben beschriebenen üniversalwagen auch bei der Fuhr- 
ibahn als Trucks zu benutz(m und für den Transport von Fuhr- 
en geeignet zu machen, erhält jeder derselben ein Gabelaufsatz-Paar. 
Dieses Gabelaufsatz-Paar ist bei dem Vorderachsen-Truck, aus 
entwickelten Gründen, niedriger als das Gabelaufsatz-Paar des 
srachsen-Trucks. 



498 



T i 1 s c h k e r t. 




Da lerner bei dem DuiThnilireii von Curveu mit kleineSP 
meöser die Tru^ka sich entspreehend unter dem Fuhrwerke di^ 
mössen, so ist das Gabelaufeatz-Paar der Hinterachse um eiuen 
drehbar. 

Beim Oabelaufsatz-Paar ftlr die Vorderachse ist die; 
Vorrichtung nicht nothwendig, da die Vorderachse de« Fuhrw^ 
ohuedies drehbar ist. 

Auf dem Kittergute Gartow in Hannover ist die F 
mit beiden Arten von Laderampen versehen. 

Diese Bahn hat eine Länge von Shn und dient hauptsächlicli 
Traninport von Lang- und Scheitholz. Sie verbindet zvrei Chana 
die durch sandige, früher kaum passirhare Länder*»i<*o| 
trennt sind; auf ihr wird das yoeben erläuterte System des TmBspij 
von beladenen Lastwagen in umfassender Weise praktisch durc]igell| 
und zeigen die erreichten sehr günstigen Resultate dieser Führw^rbll 
auf das Überzeugendste die Vorzüge und Vortheile dieses Principeilj 

Für die Beförderung geringerer Lasten stellt Koppel 
vier Schienen-Profile zur Verfügung: 

n) Die 60mm hohe auf Holz- oder Stahlschwellen, 

/>) ^ 55 mm ^ ^ „ ^ ^ 

c) H 46?nm „ „ „ „ „ 

d) ^ Stahlbrückschiene auf hölzernen Langschwelleö. 
Für sehr schwere Lasten werden noch folgende Profile 
s) Die 70'0mm hohe Stahlschiene und 
/) », SO'bmm „ 

Die billigste Schiene, die S t a h 1 b r ü c k s c h i e u o , hat 
constniirt für den Fall, wo es nur auf vorübergehenden Bed* 
Geleisen ankommt, die Beschaffungskosten also nicht bedeu 
dürfen, wenn die Anlage noch rentabel sein soll. 

Sie wiegt per Meter nur 2\\kq und kostet per Meter Si 
Fig. 50 stellt dieselbe dar. 

Preise und Gewichtsverbältnisse einer completon Eis 
sind aus Folgendem zu entnehmen: 
i)50m ti-ansiK>rtables gerades Geleise, bestehend 
aus 7kg per Meter schweren Schienen, in 

Jochen von 2m Lunge :i tl. 2*20 H. 2.090. Gewicht 

50ni Curveiigpleijt in Rahmen von 2tn Länge . . ,, 140, 
G Stück Weichen von Itm Länge, u. zw. 3 Rechts- 

und 3 Linbsweichen < . . . ^ 320, 

per Kilometer zusammen . . . fl, 2.660. GewicTit^ 









Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 499 

Eine Meile kost(^t daher, ohne rollendes Material 19.000 fl. Wird 
Meile ein Wagenbedarf von 150 Stück angenommen, so erfordert 
;u Beschaffung eine Summe von 150 X 150 fl. = ca. fl. 22.600. 

Eine Meile sammt rollendem Material kostet daher fl. 41.500, 
t 90 Meilen fl. 3,735.000. 

Das Gewicht dos Geleises beträgt per Meile ca. l.SOOj. 



Die Feldeisenbahn von E. Studier (Fabrik transportabler Feld- 
and Industriebahnen in Berlin und in Güstrow in Mecklenburg). 

Die Bahnen werden in Jochen von 2w bei dem stärkeren Profil 
von IVt^i bei dem schwächeren Profil mit starken, imprägnirten 
fernholzschwellen an dem einen Ende und einer starken Querverbindung 
demselben Holze an dem anderen Ende geliefert. Die Kiefernholz- 
rellen hätten sich in der Praxis besser als die eisernen bewährt, 
so seien die hölzernen Querverbindungen den billigeren eisernen vor- 
?hen. 

Die Stahlschienen sind mit den Schwellen durch starke, gerippte 

klagen aus schmiedebarem Guss verbunden, die ein Verschieben 

öglich machen und am Schienenstoße dem neu anzulegenden Joche 

feste Unterlage bieten, u. zw. so, dass daselbst kein Schmutz oder 

sich festsetzen kann. 

Das Verschieben der Länge nach auf den Schwellen wird durch 
Schraube verhindert, die mit in den Schienenfuß eingreift. 

Die schmiedebaren Unterlagen sind so construirt, dass die einzelnen 
e, beim exactesten Anschlüsse aneinander, doch das Legen von kleinen 
in ohne besondere Bogenstücke gestatten, desgleichen ist die Con- 
tion dem Legen der Bahn in coupirtem Terrain besonders forderlich. 

Ferner liefeii; Studier seine Bahnen mit einer Vorrichtung x 

51), wodurch jede Längsverschiebung der zusammengefügten Joche 
oramen vermieden wird. 

Bekanntlich findet besonders auf weichem Boden und in coupirtem 
iin beim Befahren der Bahnen ein Verschieben durch Auseinander- 
Q der einzelnen Joche statt, wodurch natürlich Entgleisungen herbei- 
irt werden müssen. Bei dieser Verbindung sind diese auch im 
Dstigsten Terrain ausgeschlossen. 

Das Zusammenfügen der Joche wird durch diese Vorrichtung nicht 
mindesten erschwert. Ein senkrechter Zapfen x ist an dem frei 
;ehenden Ende des Schienenstuhles, an dem überstehenden Ende der 



500 ^^^" T i 1 s c h k e r t, 

nächsten SchieiieDülithc^iluiig oin entsprechend vrrticaler A^ 
gebmcM, welcher sidi an den ZapfVn dm Schieueöi^tuhleg beim Zii 
fügen anlegt Die Oeleise werden schrüg von oben angelegt nnä m 
gelaasen. 

Die Beasenier - Stahlschienen sind 5fmjw hocli und 35min 
resp. Ubmm hoch und ^Omnt breit, 

EiB gerades Joch aus b5mm hoheu Schienen, IVt«^ l^^S» * 
H fl, 75 kr; ein Joch aus 65mm hohen Schienen. 2w lang, (> fl. 

Weichen, Drehscheihen nnd Wagen sind ähnlieh denen du 
Bproeheuen Systeme, Die Kletterweiehe ist dreitheilig, 

Bemerkenfc^wertr ist die in der Fig. 52 dargestellte Geleisk 
die 8]ch auch bei einer Knicknng an die Vereinigung der zwei Gi 
leicht aupaasen liisst, da i^ie im Mittelpunkte ein sehanüml 
Gelenk besitzt 



V. Die Feldeiseßbabii der HreiteiiB^er MascHineiifabril fl 
Lehitumn k Lejrer (bei Wien)* 1 

Von dieser Con^truction behaupten die Constructetire, M 
ohuf jedfi Vorarheit mihrt gelegt nnd befahren werden tonne* 

Wo Terrain hin de misse dem raschen Legen derB 
entgegenstehen sollten, wird zur AVegschaffiing derse 
die von der Fabrik erzeugte bestbewährte Erdpli 
Maschine, der sogenannte „automatische Levellator 
Doty" empfohlen. 

An Feldbahn - Stahlschienen verwendet die Fabrik die ii 
Fig. 53 bis 56 dargestellten Profile. 

Fig. 53. Hoffmann's Winkelschiene (Genie - Officiere 
Erdtransport-Geleise als sehr billig besonders zu empfehlen; wurd 
Herrn General V o g 1 mit Erfolg verwendet) für doppelte Spnrkrani 
31mw hoch und 45mm breit; 2*2% per Meter schwer; das Gelei 
stattet eine Belastung von 250%, d. i. eine Wagenlast von 500, 
1000% bei zwei-, resp. vierachsigen Wagen. 

Fig. 54. 40Tnm hoch, 3^mm breit, 4'2% per Meter schwer; d 
leise gestattet eine Achsenbelastung von 350% oder eine Waj 
von 700, bezw. 1400% bei zwei, resp. vier Achsen. 

Fig. 55. 55mm hoch, 36mm breit, 4*5% per Meter schwer ; d 
leise gestattet eine Wagenlast von 600, bezw. 1200% bei zwei, 
vier Achsen. 



Der Yerpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 501 

Fig. 56. 48ww hoch, iOmm breit; das Geleise gestattet eine 
genlast von 1000, bezw. 2000*gr bei zwei, resp. vier Achsen. 

Lehmann's patentirte Laschen-Schienenverbindung 
y. 56 a und b). Für die bei festliegenden Bahnen übliche Laschen- 
bindung mittels Verschraubung musste zum Zwecke einer entsprechenden 
l gleichzeitig genügend festhaltenden Schienenverbindung ohne Ver- 
raubung ein System gesucht werden, welches bei transportablen 
inen die einzelnen Schienenstränge so miteinander verbindet, dass 
1er ein Ausbiegen nach den Seiten, noch ein Verschieben der Schienen 
Länge nach stattfinden könne. 

Wie die Figuren ersichtlich machen, besteht die Taschen-Schienen- 
kindung einerseits aus je zwei an die Schienenenden angenieteten, 
Stahlguss erzeugten sogenannten Taschen mit Bajonnetfuhrung, 
erseits aus je zwei angenieteten correspondireuden schweren Stähl- 
ten mit Nuten, welche beide, leicht ineinandergefügt, einen festen 

sicheren Bajonnetverschluss bilden und derart das Verschieben 
Schienenstränge nach den Seiten und in axialer Richtung vollkommen 
schließen. 

Durch einfaches Anheben eines Joches wird die Verbindung 
ht gelöst. 

Der leichteren Handhabung wegen empfiehlt es sich, die Taschen 
und zu einzuölen, wodurch sie auch vor dem Verrosten geschützt 
den. 

In jüngst(»r Zeit wird von der Fabrik in Breitensee ein biegsameres 
tem des Geleises mit einer sehr e infachen Hakenverbindung 
'ugt, welche das leichte Anschmiegen an die Unebenheiten des 
rains gestattet. Hiefür werden 2m lange Rahmen mit zwei eisern(»n 
rschwellen und einer Spurstange angewendet. 

Doty's automatische Levellatoren (Erdplanir-Maschinen). 
r. 57.) Wenn Wege ge))ahnt werden sollen, ist das Graben oder Zu- 
fen von Vertiefungen und Fortschaffen von Erdreich ein sehr bedeutender 
tor. Früher wurde dieses ausschließlich durch Spaten und Karre bewerk- 
ligt. Diese können ersetzt werden durch den genannten Levellator. 
oder zwei Pferde werden bei o angespannt, während bei h ein Mann 
Apparat führt, u. zw., je nach Bedarf, dass er gräbt, also mit der 
neide die» Erdoberfläche angreift, oder nur — u. zw. wenn mit Erde 
illt — gleich einem Schlitten dahingleitet. Die gefüllte Mulde wird 
ih Anziehen des Handhebels umgestfirzt, entleert und richtet sich selbst 



wieder in di^? ursprünj^liehf» htv^e. Der Levellator gewährt eine erhft 
Ersparnis an Zeit uiid Arbeit, Er schneidet bis [iOem Breite, gesl 
daher in vielen Terraingattiingen ein leichtes» raaches Herstellei! 
Planums ffir die Feldeisenbahn, deren Schwellen 80 bis 90cm lang 
Für Ftdtleisenbahnen, die im Kriege aus verschiedenen Gründen 
ninlit anf die Straße gelegt werden können, die daher neben i 
Platz finden müssen, wird der LeTellator das sicherste Mittel mn, 
niHch das Planum herzustellen. Ein oder mehrere heBpaoDte App 
eilen der Tete der Feldeisenbahn voraus und stelleü — nafapii 
Marschtempo der Truppe — den schmalen Planum streife« der i 
eisenbahn her, <s«]it«» («n 



> 



ti^^'JH 



Tafd 19. 




Ti^^/^^^ff^it^^^t^'' v" ' i4il^^ 



) 



I> 



503 



Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen 

Feldeisenbahn und Bericht über die Feldeisenbahn-Ausstellung 

in Lundenburg im August 1886. 

Von 

'Victor XilaeKlcert, 

k. k. Hauptmann im Gtniestaht. 

(Hiezu Taf. 23, 24 und 25.) 

(Schluss.) 

VI. System D^cauTüle. 

Anschließend an die Beschreibung der in Lundenburg zur Aus- 
stellung gebrachten Feldeisenbahn-Systeme soll hier noch berichtet 
werden, was manche andere bedeutende Fabriksfirma und insbesondere 
der Schöpfer der Feldeisenbahnen, D^cauville, auf diesem Gebiete 
schaflt, auf dem er unstreitig bisher den größten Kundenkreis besitzt 
und für die mannigfaltigsten Transportszwecke bedeutende Lieferungen 
an Geleisen und höchst interessanten Wagenconstructionen besorgt hat. 
Namentlich aus letzteren wird der Militär viel Zweckdienliches für den 
Verpflegsnachschub entnehmen können. Decauville unterscheidet ebenfalls 
fixe und transportable Geleise. Erstere sollen dauernd, letztere nur vor- 
übergehend Transportszwecken dienen. 

Bei fixen Geleisen wird eine Fahrgeschwindigkeit selbst bis zu 
I2kni per Stunde bei Anwendung der Pferdezugkraft angenommen, wenn 
entsprechende Relais organisirt sind. 

Mit Hilfe eines transportablen Geleises, das in beschränkter 
Länge zur Fortbewegung eines Trains verwendet wird, indem die passirten 
Geleisstücke von rückwärts nach vorwärts verlegt werden, kann nach 
Decauville eine Fahrgeschwindigkeit von 1 bis 2km per Stunde erzielt 
werden, je nach dem Umfange der disponiblen Menschenkraft für die 
fortlaufende Geleisverlegung. 

Letztere Methode des Legens kann erforderlich w^erden, wenn die 
Feldeisenbahn von feindlichen Parteigängern streckenweise fortgeschleppt 
wurde oder wenn sich beladene Züge auf einem Geleise an einer 

58* 



i04 



Ti Is chk ert 



Stelle begegnen, wo kein Ausweichgeleise vorhanden ist. Für diesen 
muss jeder Wagen mit einem seiner Länge (2 bis 4m) entsprechend« 
Oeleisstüek versehen sein. 

Sind ferner im ganzen Train entsprechende Curvenstüeke. 
eine Kletterweiche vorhanden, so kann die Ein- und Ausfahrt neben de 
im Hauptgeleise stehenden Zug anstandslos ?ör rfeh gehen; dag A« 
weichgeloise wird somit improvisirt 

Aber imch jeder einzelne, nicht in einen Train eingefugte Wng« 
kann einem ihm begegnenden auswichen, wenn er 1 Kletterweich 
2 Cnrvensttlcke und 2 Geleisstücke von der Länge des Wagens besit 
So ausgerüstet kaun überhaupt ein Wagen selbständig auf freier Streci 
weiterbefordert werden, indem der hintere Geleisrahmen vor den vorder 
auf dem der Wagen steht, gelegt wird. 

Begegnet ein leerer Train einem vollen auf einem Greleise, W 
werden die Wagen des ersteren durch je 2 Jlann aus dem Geleis« 
gt^hobeu und nach dem Passiren des vollen Trains wieder in's Gelei>e 
gebracht 

Die Fortbewegung des Trains durch Vorlegen der hinteren Gel<^i^- 
stücke gestattet auch etwa vorhandene Lücken im Geleise anstandsilo* 
2U passiren, indem die Lücken einfach nur verrückt werden. Wenn iu 
I20km langer Bahn selbst 12km Lücken vorkommen, so wird dies«? 
Streck«\ die sonst mit Relais in 15 Stunden abgefahren wird, infolge 
der Lücken iu 15 -[- 12 == 27 Stunden zurückgelegt werden können. 

Nach den verschiedenen Tranaportszwecken constniirt DecauvÜle die 
Geleisrabmen aus folgenden Schienengattungen : 

1. Mit V/jkg per Meter schweren Schienen (Fig. 58, 
Profil) in Kabmen von 5w, 2Vf''^ nnd IV,»^. Die Basis der Schienen 
ist verhültnismfiBig breiter als die der VoUbahusebienen. Diese kleine 
Schiene ist bauptsrichlich für landwirtschaftliche Zwecke, Erdarbeiten 
uud Werkseinrichtuugeu bestimmt. Die Schiene gestattet eine Axeo- 
belastung von lOOOA-i/. 

Die Geleise erhalten eine Spurweite von 40 oder 50cm für Erd- 
bewegungen durch Meoscben mit Wagen, ivelche 0'25 bis O'SOm*, (t i, 
ein Geivicht von 400 bis 480/v^ aufnehmen. Die Spurweite von 4< 
ist vom Genie-Corps in Frankreich angenommen. 

Die Geleisstücke mit 40 und öOrm Spurweite sind tragbar duTci 
'Einen Menschen, wenn sie nicht länger als 4m gemacht werden, da si#*^ 
bei dieser Lunge 42% wiegen. 

Wendet man 5w» lange Geleisrahmeu an, so eifolgt das Legen 
schneller, u. zw. dur(*h zwei Mann per Rahmen, welcher 53kff schwer ist. 



Der Verpflegsnachschub im Kriege auf der transportablen Feldeisenbahn. 505 

'•^ Au Stelle der ursprünglich flachen Schwelleu verwendet jetzt 

-^* D^cauville die in Fig. 59 ersichtlichen, aus gepresstem Stahl mit einer 
Längsmittelrippe. 

" Bis zum Jahre 1884 war jede Schwelle bei T und T' durchlocht, 

'. um sie mit Hilfe von Bolzen an eine Holzschwelle zu befestigen, wenn 

das Terrain sehr weich war. Experimente haben jedoch gezeigt, dass die 

Holzschwelle entbehrlich ist, weshalb die Lochung der Stahlschwellen 

"^ seit 1885 unterbleibt. 

Bei großen Erdarbeiten zu Newhaven (1800wi Geleis), zu Ant- 
-;. werpen (27007»), zu Boulogne sur Mer (llOO^u) wurde die 4y,A^ Schiene 
-- angewendet. 

Geleise mit 50cm Spurweite sind in Verwendung in den Pulver- 
Ti fibriken zu Saint-Chamas (5000m), de Saint-Medard en Jalles (6822m), 
I Toulouse (7800m), d'Angouleme (12.000m) etc. 

Fig. 60 zeigt ein 5m langes Joch mit Stahlschwellen. 
Die Curvenjoche (Fig. 61 und 62) sind 2*50 und l*25m lang, 
' gekrümmt nach Radien von 30, 25, 20, 15, 12, 10, 8, 6, 4 und selbst 
^ 2m. Bei 40 und 50cm Spurweite sind, je nachdem der Betrieb mit 
' Menschen oder Pferden bewirkt wird, Radien von 6 und 8m, in besonderen 
'' Ausnahmsfallen selbst von 2 und 4m zulässig, wobei jedoch die Schienen 
' zu schmieren sind. 

In dem Augenblicke, als Decauville's Bahn in Frankreich von einer 
gemischten Commission der Artillerie und des Genie-Corps angenommen 
war, construirte er für Bahnen zu militärischen Zwecken die leichte 
Verbindung (Bastard- Verbindung genannt), welche in Fig. 63 a und 63 ä 
ersichtlich ist. 

Hiezu ist die rechte Schiene eines Joches am Ende mit zwei vor- 
stehenden Laschen versehen und erhält das Ende der linken Schiene 
eine an der Basis angenietete vorstehende Platte. Die Laschen umfassen 
den Steg der Schiene des anstoßenden Joches und die vorstehenden 
Platten bilden die Unterstützung des Stoßes. 

Diese Verbindung sichert dem Geleise eine Beweglichkeit in 
verticaler und horizontaler Richtung, sie gestattet also Curven nach 
rechts und links zu bilden und das Geleise auf nicht planirtes Terrain 
zu legen, dem es sich leicht anschmiegt. 

Das aus den leichten Schienen {^^t^g per Meter) gebildete Geleis 
kostet per Meter gerader Strecke bei 40 bis QOcm Spurweite ca. 2 fl. 
bis 2 fl. 30 kr. 



506 



T i 1 4 c h k e r t. 



2. Cleleisrahmen aus TÄy/ per Meter schweren Stahl 
8 c h i e ü e n, 6»! 1 a n g (Fig. 64), m i t 5 g e r i p p t e n S t a h 1 s c h w «* U 6| 
die über die Scliieuen niebt vorragen* 

Dif'st* fanden mit bOrm Spnrweite Verwendung bei den Erdarbt^it 
für dt^n Panaraa-Canal, n. zw. in einer Lange von 65^*m mit Wageo, 
0'5m' Inhalt (87) hatten^ dann für Kriegszwecke in Turkestan ( l06Jbi) 
und in den franzdsischen Forts: Villeneuve-St.-Georges (l'53^"m), 
Verdun i2*Vcm\, Domont iMA'm), Viucennes (0*32/.^). 

Sie sind ferner gebraucblich in Zuckerplantagen und Wäldern. 

Im gerades Geleis kostet bei 50 bis 75cvi Spurweite 3 fl, 20 
bis 3 fl. 70 kr. 

3. Geleisrahmen ans 9%% per Meter scbw^rl 
Schienen, 5m laug iFig. 65), mit 6 gerippten (Fig. 661 
oder ähnlich den eisernen Schwellen der Vollbaho^ 
profilirten Stahlschienen iFig. 666). 

Mit ^Qrta Spurweite fanden sie Anwendung für den Zti€kerF«>li 
Transport auf Java und Porto-Rieo. wobei 4 bis 5# schwere Locomotiv 
ak Zn<ikraft dienten, 

l>i(^ Krieg.s)>ahn d^r Franzosen in Tunis bestand aus demüell 
Geleise. 

Ein Meter Geleise vön 50 bis 75cm Spurweite kostet 4 fl, 10 kr. 
hU 4 fl. 60 kr. 

4. Geleisrahmen aus 12Ä;9 iFig. 67) per Meter schwere^ 
Schienen mit 7 Stahl seh wellen, die rihulich den Schwell«?! 
d e r V 1 1 Ij a h n e n p r f i 1 i r t sin d. 

Eine 23ÄW lange Bahn au?i die?*en Geleisen mit 60rwi Spurweit^l 
ist in Argentinien, eine S2km lange in Au^itralien installirt. 

Ein Meter Geleise kostet bei 50 bis 75rm Spurweite 5 fl. 15 br, 
bis 5 ti. 70 kr. 



Das rollende Material. 

Von den zahlreii:hen Wagenformen seien nur einige angeführt, 
mir für Kriegszwecke besonders geei^^net erscheinen, u. zw. 

a) der Fou rage wagen (Fig. 68), im lang, auf 24cm Radefl 
mit einem korbartigen Aufsatz von 2fn Länge, l'SOm Breite und l*50in| 
Hohe. Prei?t 75 fl. Sackirte Waare kann auf demselben bequem in großen | 
Mengen verladen werden: 

b) für voluminöse Gegenstände der aus zwei Plateau 
wagen gebildete Wagen mit leichter Einfassung an den Enden (Fig» ^9t 
Preis 300 fl,; 



Dor Verpfle^snaelischub im Kriejrc anf der transportablen Feldcisenbahn. 507 

c) Wagen der Kriegsbahn in Tunis. Zum Schutze gegen 
die senj^enden Sonnenstrahlen construirt Decauville Wagen mit Piachen 
auf leicht»»n Kahmen, die auf der Plateform befestigt wurden. 

Fig. 70 zeigt einen leeren Wagen mit aufgespannter, Fig. 71 mit 
herabgelassener Flache. 

In Fig. 72 ist ein mit Hängematten für 8 Kranke, in Fig. 73 
ein für 16 (Uucken an Rücken sitzende) Gesunde eingerichteter Wagen 
dargestollt. 

Decauville hat auch schon in bedeutender Zahl kleine Locomo- 
t i V e n nach allen Welttheilen für den Betrieb auf den leichten Feld- 
eisenbahneii geliefert. 

Wird na<*h dem raschen Legen der Geleise in zweiter Linie für 
deren f<»ste Lagt'rung vorgesorgt und überschreiten die Steigungen nicht 
die bekannte ifaximalgrenze (1 : 40 -- 25®/«^^) für Adhasions-Locomotiven, 
so kann anstandslos mit diesen gefördert werden. 

Di<» bei Weiterführung der Operationen nicht abzutragenden Feld- 
eisenbalinliiiicn, widche also dauernd liegen zu bleiben haben, wird man 
für di<*«*n Betricl) einzurichten trachten. 

Ev(»ntuell ersetzt man vorher das Jochgeleise durch ein sogenanntes 
Stammgeleise aus langen