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MITTHEILUNGEN 



GEGENSTÄNDE 




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MITTHEILÜNGEN 



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GEGENSTÄNDE 



DBS 




ARTILLERIE- UP 6EIIIE-WESEN8. 



HERAUSGEGEBEN VOM 



K. UBD K. TECHinSCHEir MILITÄR -COMITE. 



HIT 32 TIFELM, 55 FIGUEEM UMD HEHREREM BEIUGEM IH TEXTE. 



WIEN. 

DRUCK UND COM MISSIONS VERLAG VON R. ▼. WALDHEIM. 

1896. 



I 



I 

■ 



Alphabetisches Verzeichnis 

der im Jahre 1896 ersohienenen Aufsätze (A), Notizen (N) und kleinen 

Notizen (k N). 



Abdeckung (Gesims-) mit Zinkblech k N 

Aborte mit Torfmall-Strenung in Kasernen nnd anf Bahnhöfen . . k N 

Ansammlang (Wasser-) durch Thalsperren k N 

Antinonnin und andere Mittel zur Vernichtung des Hausschwammes N 

Arbeiten und Versuche der Ingenieur-Truppen. Bussland . . . . k N 
Artillerie (Feld-). Bedeutung des Terrainwinkels für das Schießen 

d?r Shrapnels bei Anwendung des Bichtbogens A 

Artillerie (Feld-). Einrichtung und Gebrauch des Coordimeters . • A 

Artillerie ^Feld-). Französische 120mm Feld-Haubitze N 

Artillerie tFeld-); neue Schießregeln der russischen A 

Artillerie (Feld-). Neuer Übungs- und Schießplatz im Warschauer 

Militärbezirk k N 

Artillerie (Feld-). Bichtrorrichtung fflr das Schießen aus verdeckten 

Stellungen -, A 

Artillerie (Feld-). Schießen bei Nacht A 

Artillerie (Feld-). Schießschule in Italien k N 

Artillerie (Feld-); Schieß Vorschriften der französischen A 

Artillerie (Feld-). Zur Frage des zukflnftigen Feldgeschfltzes . . A 

Artillerie (Feld-). Zweirädrige Munitionskarren in Bussland . . . k N 
Artillerie (Festungs-). Bettung für den 21cm leichten Mörser in 

Bussland k N 

Artillerie (Festungs-). Italienische Schießvorschrift A 

Artillerie (Festungs-). 23cm leichter Mörser in Bussland k N 

Artillerie (Festungs-). Mittelpivot- Lafette för Intervall- Geschütze 

in Bussland k N 

Artillerie (Festungs-). Neueres über Schussbehelfe A 

Artillerie (Festungs-). Verbesserter Quadrant in Bussland . . . . k N 
Artillerie (Gebirgs-). Spanische 7'5cm Schnellfeuer-Gebirgskanone, 

L/11, System Krupp A 

Artillerie (Küsten-). Automatischer Bichtapparut für Küstenge- 
schütze des französischen Lieutenants zur See U. de Kerillis N 
Artillerie (Küsten-). Automatisches Bichten bei Küstenkanonen . A 
Artillerie (Küsten-). Schießwesen Österreich - Ungarns, Italiens, 

Frankreichs, Hollands und Schwedens A 

Artillerie (Küsten-) und die Minenvertheidigung A 

Artillerie- und Geniewesen. Dänemark k N 

Asepsis auf dem Hilfsplatze k N 

Ausbau der Befestigungen in Frankreich N 

Ausnützung der Dächer der Gebäude k N 

Automatischer Biohtapparat für Küstengeschütze des französischen 

Lieutenants zur See H. de Kerillis N 

Automatisches Bichten bei Küstenkanonen . . . A 

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Heft 


Seite 




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IV Alphabetisches Verzeichnis. 

lieft Seite 

B&llon-Hochfahrten k N 10 590 

Ban von Brücken bei Verwendung von Schraabenpf&hlen in Däne- 
mark A 12 711 

Bauholz mit Hausschwamm-Eeiraen behaftet ; Prüfung eines solchen N 1 38 
Bedeutung des Terrainwinkels für das Schießen der Shrapnels bei 

Anwendung des Richtbogens A 11 637 

Befestigung (Eflsten-). Beiträge dazu .' A 2 93 

Befestigungen in Fruikreich. Weiterer Ausbau N 5 u. 6 353 

Berkefeld-Filter. Versuche k N 2 128 

Beschirrung, spanische, in Bussland kN 8u.9 512 

Bettuug fllr den 21cm leichten MOrser in Bussland k N 5 u. 6 364 

Bildung einer photographischen Feld- Abtheilung in Italien . . . k N 3 210 

Blitzschläge. Statistik A 10 565 

Bohrloch ; das tiefste der Erde k N 5 u. 6 367 

Bohrung (Tief-) zu Zwölka bei Wieliczka, und Kosten yeischie- 

dener Bohrungen kN 2 126 

Braunkohlen aus dem Occupationsgebicte ; Mittheilung aus dem 

chemischen Laboratorium ; Analyse k N 8. u. 9 512 

Brflckenbauten bei Verwendung von Schraubenpfählen in Däne- 
mark A 12 711 

Bücher-Besprechungen In jedem Hefte 

Bücher, eingelaufene; Verzeichnis derselben In jedem Hefte 

Büchermarkt, Neues vom. Verzeichnis der in die Bibliothek des f B^iio^e des 2 
k. und k. technischen Militär- Comit^s neu aufgenommenen { ^^^ ^ n ».' 
Werke | und 7. Heftes 

Cement (Portland-). Erhärtung im Meerwasser kN 4 284 

Cement (Sand-). Versuche kN 4 284 

Cement (Schlacken-). Eigenschaften A 8 u. 9 487 

Cement. Schädliche Wirkung von Wasser k N 10 589 

Chemisches Laboratorium ; chemische Analyse englischer, rauchloser 

Jagdpulver k N 10 589 

Chemisches liaboratorium; chemische Analyse von Braunkohlen aus 

dem Occupationsgebiete k N 8u. 9 512 

Collaudierung von Geschoss-Eisenkernen mittels Wasserdruck in 

Italien k N 11 666 

Compensations-Distanzmesser mit Basis am Instrumente, Patent 

Starke und Kammerer in Wien N 4 278 

Coordimeter. Einrichtung und Gebrauch A 10 525 

Dächer der Gebäude. Ausnützung k N 3 210 

Dänemark. Artillerie- und Geniewesen k N 7 419 

„ Schraubenpfähle und ihre Verwendung zu Brückenbauteu . A 12 711 

Deutschland. Neueres über Schussbehelfe A 11 605 

„ Vernickelte Geschosse kN 4 281 

Diclitungsfaser von Herre k N 1 50 

Distanzmesser am Gewehre N 11 663 

Distanzmesser (Compensations-) mit Basis am Instrumente, Patent 

Starke und Kammerer in Wien N 4 278 

Distanzmesser (Kriegs-) N 5 u. 6 340 

Einfluss der Kälte auf die Festigkeit von Eisen und Stahl . . . k N 5 u. 6 364 
Eisenbahn-Sandgeleise als Sicherheitsgeleise für Züge und einzelne 

Wagen k N 5 u. 6 367 

Eisen und Stahl; Einfluss der Kälte auf ihre Festigkeit . . . . k N 5u. 6 364 



Alphabetisches Verzeichnis. 



Emailgeschirr. Eignong fdr Mannschaftskflchen N 

EntxQndang (Selbst-) von Hea and Steinkohlen k N 

Erh&rtnngsmittel (Stein-) Testalin k N 

Erhärtung von Portland-Cement im Meerwasser k N 

Exercier- and Jagdpolver, rauchlose A 

Explosion der ScbießwollpaWer k N 

ExplosionsTorgang ; zor Kenntnis desselben N 



Fabriksschomstein ; Nieder legung k N 

Fahrräder für militärische Zwecke in Frankreich k N 

Faser (Dichtnngs-) von Herre k N 

Feldgeschflts, sukfinftiges, zar Frage desselben A 

Feldhaubitze, 120mm, französische N 

FenderFs Nägel and Klammem mit gespaltenen Spitzen N 

Festigkeit von £isen and Stahl; Einfloss der Kälte k N 

Fenerong ohne Schornstein k N 

Feuerwaffen (Hand-); zur Zukunft derselben N 

Filter (Berkefeld-) ; Versuche k N 

Filterplatten. Worms k N 

Filter (Sandplatten-), System F. Fischer in Worms A 

Filtration (Sand-) k N 

Fischer F. in Worms. System der Sandplatten-Filter A 

Fluate, Kes8ler*sche; Anwendung in Frankreich k N 

Flagmaschine, eine neue k N 

Frankreich. Anwendung von Kessler'schen Fluaten k N 

„ Automatischer Bichtappirat für Küstengeschütze des Lieute- 
nants zur See H. de Aerillis N 

„ Fahrräder für militärische Zwecke k N 

^ Feldhaubitze, 120mm N 

Schießvorschriften der Feld- Artillerie A 

Schießwesen der Küsten- Artillerie A 

Weiterer Ausbau der Befestigungen N 



n 

9 
9 



Crasspannungsmesser, statische; Beitrag zur Theorie A 

Gebäude; Ausnutzung der Dächer k N 

Gebirgskanone (Schnellfeuer-); 7'5cm, L/11, System Krupp, in 

Spanien A 

Geleise (Sand-) als Sicherheitsgeleise für Eisenbahnzüge, und ein- 

sehie Wagen • . . . . k N 

Genie- und Artilleriewesen. Dänemark k N 

Geschirr (Email-); Eignung für Mannschaftsküchen N 

Gesehoss-Ebenkeme ; Collaudierung mittels Wasserdruck in Italien k N 
Geschosse (Lang-) ; Luftwiderstand in seiner Beziehung zur Spitzen- 
form derselben A 

Geschosse, vernickelt. Deutschland k N 

Geschütz (Feld-); zur Frage des zukünftigen A 

Gesimsabdeckung mit Zinkblech k N 

Gewebe aus Torfwolle k N 

Gewebe; wasserdichte Imprägnierung für Heereszwecke A 

Gewehr; Distanzmesser daran N 

Gewehr (Infanterie-); zur Frage dos zukünftigen A 

Gewicht (Volum-) des Schnees k N 

Gewölbe; Auswechslung schadhafter Quadern ; Karlsbrücke in Prag . k N 



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VI Alphabetisches Verzeichnis. 

Heft Seite 

Handfeaerwaffen ; za ihrer Zakanft N 8 n. 9 507 

Haubitze (Feld-); 120mfii frauzösische N 3 187 

Haasschwamm ; ADtinonnin and andere Mittel zar Vemichtang . . N 8 a. 9 501 

Hausschwamm-Eeime ; Prüfung des damit behafteteten Bauholzes . N 1 38 

Herres Dichtungsfaser k N 1 50 

Heu; Selbstentzündung kN 3 210 

Hilfsplatz; Asepsis • N 2 125 

Holland; Schießwesen der Küsten- Artillerie A 4 219 

Hydrokalkstein ; neuer Kunststein aus Kalksteinabfällen k N 8u. 9 513 

Imprägnierung; wasserdichte; von Geweben für Heereszwecke . . A 12 675 

Infanteriegewehr ; zur Frage des zukünftigen A 5 u. 6 293 

Infanterieschießen auf 2.000m in der Schweiz N 5 u. 6 358 

Infanterie; Übungsschießen; zweckmäßigste Einrichtung der zu 

verwendenden Ziele A 4 255 

Ingenieur-Truppe; Arbeiten und Versuche in Russland k N 1 48 

Instrument (Universal-) zur Theilung von Winkeln N 5 u. 6 355 

Italien. Bildung einer photographischen Feld-Abtheilung . . . . k N 3 210 

„ Collaudierung von Geschoss-Eisenkemen mittels Wasserdruck k N 11 666 

„ Scbießschule für die Feld- Artillerie kN 1 48 

„ Schieß Vorschrift der Festungs-Artillerie A 3 161 

„ Schießwesen der Küsten-Artillerie A 4 219 

Jagdpulver; rauchlose, englische; chemische Analyse k N 10 589 

Jagd- und Ezercierpulver ; rauchlose A8u. 9 441 

Kanone (Küsten-) ; automatisches Richten A 7 393 

Kanone (Schnellfeuer-Gebirgs-) ; 7 6cm L/11, System Krupp in 

Spanien A 8 u. 9 479 

Karlsbrücke in Prag, Auswechslung schadhafter Quadern in den 

Gewölben k N 5 u. 6 365 

Karren (Munition s-) ; zweirädriger, in Russland kN 11 666 

Kälte; Einfluss auf die Festigkeit von Eisen und Stahl k N 5u. 6 364 

Kälte; Herstellung von dagegen schützenden Nothunterküuften . . A 1 21 

Kenntnis des Ezplosions Vorganges N 12 724 

Kerillis, H., de, französischer Lieutenant zur See; automatischer 

' Richtapparat für Küstengeschütze N 10 581 

Kcssler'sche Fluate; Anwendung in Frankreich k N 11 665 

Klammem und Nägel mit gespaltenen Spitzen, von Ingenieur Fenderl . N 10 587 

Klappzelte und Rädertragen N 5 u. 6 359 

Kosten verschiedener Bohrungen; Tiefbohrung zu Zwölka bei 

Wieliczka k N 2 126 

Kriegsdistanzmesser N 5 u. 6 340 

Kunststein Hydrokalkstein, aus Kalksteinabfällen k N 8 u. 9 513 

Küsten- Artillerie und Minenvertheidigung A 7 381 

Küstenbefestigung; Beiträge A 2 93 

Küstengeschütze; automatischer Richtapparat des französischen 

Lieutenants zur See H. de Korillis N 10 581 

Küstenkanone; automatisches Richten A 7 393 

Lafette (Mittelpivot-) für Intervall-Geschütze in Russland . . . k N L»u. 6 364 
Langgeschosse; Luftwiderstand in seiner Beziehung zu ihrer Spitzen- 
form A 7 399 

Licht: schwarzes N 7 418 

Luftballon; Hochfabrten k N 10 519 

Luftwiderstand; Beziehung zur Spitzenform der Langgcschossc . A 7 399 



Alphmbetisches Veneiehnis. VII 

lieft Seite 

Malleln znr ConsUtiening der Rotzkrankheit N 3 208 

Maaeniegel, porOse, ans Steinkohlenschiefer k N 5 n. 6 S66 

Meerwasser; Erhärtung von Portland-Cement kN 4 284 

MineoTertheidignng und Küsten-Artillerie A 7 381 

Mittelpiyot-LafeUe für Interrall-Geschatie in Russland k N 5 n. 6 364 

Mörser, 21cm leichter; Bettang dafar, in Rassland kN öa. 6 364 

Mörser, 23cm leichter, in Rassland k N 7 419 

Mörtehasatx ; Ziegelmehl k N 7 421 

Monitionskarren ; zweirädrige, in Rassland k N 11 666 

Nacht; Schießen der Feld- Artillerie A 11 650 

N^:el and Klammem mit gespaltenen Spitzen, Ton Ingeniear Fenderl . N 10 587 

Neueres über Schassbehelfe A 11 605 

Niederlegang eines Fabriksschomsteins kN 7 4t20 

Nothnnterkünfte, gegen Kälte schützend; Herstellong A 1 21 

Osterreich-Ung^m ; Schießwesen der Küsten-Artillerie A 4 219 

Patent-Angelegenheiten In jedem Hefte. 

Pfähle (Schraaben-) and deren Verwendang za Brückenbaaten in 

Dänemark A 12 711 

Photographische Feld-Abtheilang in lUlien k N 3 210 

Pinol k N 1 49 

Poröse Maaerziegel aas Steinkohlenschiefer k N 5 u. 6 366 

Porti and* Cement; Erhärtang im Meerwasser kN 4 284 

Prüfung des mit Haasschwamm-Keimen behafteten Baaholzes . . N 1 38 

Palver (Ezercier- and Jagd-) ; raachlose A 8 a. 9 441 

Polder (Jagd-), raachlose, englische; chemische Analyse k N 10 589 

Palver (Scnießwoll-) ; ihre neaesten Explosionen k N 1 47 

Quadern, schadhafte; Aaswechslang in den Gewölben der Karls- 
brücke in Prag k N 5 o. 6 365 

Quadrant, verbesserter; in Rassland kN 7 419 

Sanchlose Ezercier- and Jagdpalver A 8. a. 9 441 

Rauchlose Jagdpalver, englische; chemische Analyse k N 10 589 

Rädertragen and Klappzelte N 5 a. G 359 

Revolver, 3'"; in Rassland N 7 415 

Riehtapparat, aatomatischer ; für KOstengescbQtze des französischen 

Lieutenants zur See H. de Kerillis N 10 581 

Richtbogen, Anwendung beim Schießen der Shrapnels; Bedeutang 

des Terrain winkeis A 11 637 

Eichten, automatisch; bei Küstenkanonen A 7 393 

Richtvorrichtung für das Schießen aus verdeckten Stellungen . . A 5 u. G 321 

Rotzkrankheit; Constatierung mit Malleln N 3 208 

Russland. Arbeiten und Versuche der Ingenieur-Truppe k N 1 48 

Bettung für den 21cm leichten MOrser k N 5 u. 6 364 

Mittelpivot-Lafette für Intervall-Geschütze k N 5 u. 6 364 

Mörser, 2Sem leichter k N 7 419 

Munitionskarren, zweirädriger kN 11 66G 

Neneres über Schussbehelfe A 11 605 

Quadrant, verbesserter kN 7 419 

Revolver, 3"* N 7 415 

Schießregeln der Feld-Artillerie; neue A 11 621 

Spanische Beschirrung k N 8u. 9 512 

Übungs- und Schießplatz im Warschauer Militärbezirk . k N 4 282 



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Vm Alphabetitches Veneiehnis. 

Heft Seit« 

Sftnd-Cement, Veranehe kN 4 284 

SandfiltratioD k N 1 52 

Sandgeleise als SicberheitsgeleiM fQr Eifenbahiixflge und elnielne 

Wagen kN 5ii,6 867 

SaDdpUtten-Filter, System F. Fischer in Wonnt A 4 265 

SaoitfttsYerhlltnisse des k. nnd k. Heeres In jedem Hefte. 

Sehldliche Wirkong Ton Wasser auf Cement k N 10 589 

Schießen ans verdeckten SteUnngen; Biehtrorrichtang A 5 a. 6 321 

Schießen der Feld- Artillerie bei Nacht A 11 651 

Schießen der Shrapnels bei Anwendung des Bichtbogens ; Bedeatnng 

des Terrainwinkels A 11 637 

Schießen (Infanterie-) auf 2.000m in der Schweiz N 5. n. 6 358 

Schießplatz (nnd Übnngs-) im Warschaner Militärbezirk. Boüsland k N 4 282 

Schießregeln der russischen Feld-Artillerie; neue A 11 621 

Schießscbnle fftr die Feld-Artillerie in ItaUen kN 1 48 

SchießTorschrift der italienischen Festnngs- Artillerie A 3 161 

SchiefiTorschriften der französischen Feld-Artillerie A 5 n. 6 325 

Schießwesen der Eflsten-Artillerien Österreich - Ungarns, Italiens, 

Frankreichs, Holland nnd Schwedens A 4 219 

SchießwollpolTer; neneste Explosionen k N 1 47 

Schlacken-Uemente ; Eigenschaften A 8n.9 487 

Schnee ; Yolamgewicht kN 2 198 

Schnellfener-Oebirgskanonen, 7'5cai, L/il, System Kmpp in Spanien A 8 a. 9 479 

Schornstein (FabrÜLS-); Niederleffnng kN 7 420 

Schornstein; Feuerung ohne solchen kN 1 50 

SchraubenpfiÜile und deren Verwendung zu BrQckenbauten in Däne- 
mark A 12 711 

Schussbehelfe; Neueres darflber; Bussland und Deutschland ... A 11 605 

Schwarzes Licht N 7 418 

Schweden. Schießwesen der Eflsten-Artillerie A 4 219 

Schweiz. Infanterieschießen auf 2 000m N 5 u. 6 358 

Selbstentzündung von Heu und Steinkohlen k N 3 210 

Shrapnel-Schießen bei Anwendung des Bichtbogens ; Bedeutung des 

Terrainwinkels A 11 637 

Sicherheitsgeleise für Eisenbahnzflge und einzelne Wagen; Sand- 
geleise hiefdr k N 5 u. 6 367 

Spanien; 7'bcm Schnellfeuer- Qebirgskanone, L/U, System Krupp . A 8u. 9 479 

Spanische Beschirrung in Bussland k N 8 u. 9 512 

Spitzenform der Langgeschosse; Elnfluss des Luftwiderstandes . . A 7 399 

Stahl und Eisen ; Einflnss der Kälte auf die Festigkeit k N 5 u. 6 364 

Starke und Kämmerer in Wien; Compensations-Distanzmesser mit 

Basis am Instrumente N 4 278 

Statische Gasspannungsmesser; Beitrag zur Theorie A 1 i 

SUtistik der Blitzschl^e A 10 565 

Steinerhärtungsmittel Testalin kN 2 127 

Steinkohlenschiefer; porOse Mauerziegel daraus k N 5u. 6 366 

Steinkohlen; Selbstentzfindung kN 3 210 

Terrainwinkel ; Bedeutung ffir das Schießen der Sbrapnels bei An- 
wendung des Bichtbogens A 11 637 

Testalin; Steinerhärtungsmittel k N 2 127 

Thalsperre; Wasseransammlung k N 1 51 

Theilnng von Winkeln ; Universal-Instrument hiezu N 5 u. 6 355 

Theorie der statischen Gasspannungsmesser; Beitrag A 1 1 

Tiefbohrung zu Zwölka bei Wieliczka und Kosten verschiedener 

Bohrungen kN 2 126 

Tiefstes Bohrloch der Erde k N 5 u. 6 367 



Alphmbetisches Yerxeicbnis. IX 

Hefl Seite 

Torfmull-Aborte in Kasernen and auf Bahnhöfen k N 3 137 

Torfwolle; Gewebe daraus k N 12 728 

Tragen (Räder-) nnd Klappzelte N 5 Q. 6 359 

Universal- Instrument sor Theflong von Winkeln N 5 a. 6 355 

Übungsschießen der Infanterie ; zweckmäßigste Einrichtung der zu 

verwendenden Ziele A 4 355 

Ubnngs- und Schießplatz im Warschauer Militärbezirk; Russland k N 4 383 

f emichtung des Hausschwammes ; Antinonnin und andere Mittel 

biezu N 

Vernickelte Geschosse in Deutschland k N 

Versache mit Berkefeld-Filtern k N 

YersQche mit Sand-Cement k N 

Versache und Arbeiten der Ingenieur-Truppe in Russland . . . . k N 

Vertheidignng (Minen-) und Küsten-Artillerie A 

Volnmgewicht des Schnees k N 

Vorschriften (Schieß-) der französischen Feld-Artillerie A 

ff asseransammlung durch Tbalsperren k N 

Wasserdichte Imprägnierung von Geweben fQr Ueereszwecke ... A 

Wasserdruck; Anwendung bei Collaudierung von Geschoss-Eisen- 

kemen in Italien k N 

Wasser; schädliche Wirkung auf Cement k N 

Winkel; Universal-Instrument zurTheilung N 

Wolle (Torf-); Gewebe daraus k N 

Wormser Filterplatten k N 

Worms; Sandplatten-Filter, System F. Fischer A 

Zelte (Kkpp-) and Rädertragen N 

Ziegelmehl als MOrtelzusatz k N 

Ziegel (porOse Mauer-) aus Steinkohlenschiefer k N 

Ziele beim Übungsschießen der Infanterie; zweckmäßigste Ein- 
richtung A 

Zinkblech fSr Gesimsabdeckung k N 

Zukunft der Handfeuerwaffen N 

Zar Frage des zukünftigen Feldgeschützes A 

Zar Frage des zukünftigen Infanteriegewebres A 

Zweirädnge Munitionskarren in Russland k N 

Zwölka bei Wieliczka; Tiefbohrung k N 



8 a. 9 


501 


4 


381 


3 


138 


4 


384 


1 


48 


7 


381 


3 


138 


5u.6 


335 


l 


51 


13 


675 


11 


666 


10 


589 


5u.6 


355 


12 


738 


1 


53 


4 


365 


5u.G 


359 


7 


431 


5u.6 


366 


4 


351 


7 


431 


8u.9 


507 


J2 
3 


63 


143 


5u.6 


363 


11 


666 


3 


136 



X 



Verzeichnis der Verfasser. 



Seite 

Alscher. Die wasserdichte Imprägnierung von Geweben für Heeres- 
zwecke A 12 765 

Blaha. Die Bedeatung des Terrainwinkels für das Schießen der 

Shrapnels bei Anwendung des Richtbogens A 11 637 

Cvrßek. Das Schießen der Feld-Artillerie bei Nacht A 11 651 

Cvr6ek. Die neuen Schießregeln der russischen Feld-Artillerie . . A 11 621 

Dietl, Dr. Die Asepsie auf dem Hilfsplatase N 2 125 

Dietl, Franz. Schwarzes Licht N 7 418 

Eisschill. Ein Distanzmesser am Gewehre N 11 663 

Eisschill. Über die zweckmäßigste Einrichtung der beim Übungs- 
schießen der Infanterie zu verwendenden Ziele A 4 255 

Estreicher, Ritter von. Zur Kenntnis des Explosionsvorgangcs . . N 12 724 

Fellner. Der Luftwiderstand in seiner Beziehung zur Spitzenform 

der Langgeschosse A 7 399 

Hess und Zigall. Bauchlose Eiercier- und Jagdpuher. Bericht 
über die technologischen Versuche des k. und k. technischen 

Militär-Comitös zu deren Schaffung, 1894 bis 1896 .... A 8 u. 9 441 

Holzner. Die französische 120mm Feldhaubitzo N 3 187 

Holzner. Neueres Aber Schussbehelfe A 11 605 

Holzner. Spanische 7'5cm Schnellfeuer- Gebirgskanone, L/11, System 

Krupp A 8u. 9 479 

Indra. Einrichtung und Gebrauch des Coordimeters A 10 525 

Knebel, von. Über Kriegsdistauzmesser N 5 u. 6 340 

Knobloch. Das automatische Richten bei Kfistenkanonen .... A 7 393 
Knobloch. Das Schießwesen der Kästen - Artillerien Österreich- 
Ungarns, Italiens, Frankreichs, Hollands und Schwedens . A 4 219 
Kutzlnigg. Über Schraubenpfähle und deren Anwendung zu Brücken- 
bauten in Dänemark A 12 711 

Mielichhofer. Die Küsten-Artillerie und die Minenvertheidigung . A 7 381 

Pangher. Die Schießvorschrift der italienischen Festungs-Artillerie A 3 161 
Perlizh. Emailgeschirr. Betrachtangen über dessen Eignung für 

Mannschaftsküchen N 2 121 

Schöfer, Dr. Über die Sandplatten-Filter, System F. Fischer in 

Worms A 4 265 

Schubert. Schießvorschriften der französischen Feld-Artillerie . . A 5 u. 6 325 

Seipka. Gewebe aus Torfwolle • k N 12 728 



Teneichnis der Veiimsser. XI 

m 

Seite 

SeiäsL Beiträge inr Köstenbefestigiiiig. Mit Bewilligung des Ter- 

fassers aas dem Englischen öbersetzt A 2 93 

Steriog. Ricbtrorrichtuiig fftr das Schießen ans yerdeckten Stel- 

langen A 5n.6 321 

Xilschkert Antinonnin and andere Mittel zar Vernichtang des 

Hansschwammes N 8 a. 9 501 

Tilschkert. Die Eigenschaften der Schlacken-Cemente A 8 o. 9 487 

Tilschkert Die Präfang des mit Haosscbwarom-Keimen behafteten 

Baoholzes N 1 3S 

Tilschkert. Ingeniear Fenderrs Nägel nnd Klammem mit ge- 
spaltenen Spitzen N 10 587 

Wächter, Dr. Zar Statistik der Blitzschläge. Nach officiellen 

Acten A 10 565 

Weigner. Zar Frage des zukünftigen Feldgeschützes A ^o ijo 

Weigner. Zar Frage des zakünftigen Infanteriegewehre« .... A 5 a. 6 ^3 
Waich, Bitter Ton. Beitrag znr Theorie der sogenannten statischen 

Gasspannangsmesser A I 1 

Zigall, Hess and — . Raachlose Eiercier- and Jagdpalver. Bericht 
über die technologischen Yersache des k. and k. technischen 
Militär-Comit^s za deren SchafTong, 1894 bis 189G .... A 8 a. 9 441 



XII 



Verzeichnis der besproclieneu Bficlier. 



1. Heft: Seite 

Reichen au, v., Oberst <^ la auüe des Eriegs-Ministeriams and Conimandear 
der 14. Feld-Artillerie-Brigade. Studie Über die kriegsmfißige Ausbildung 
der Feld-Artillerie 55 

Fix, H. C, le Ueutenant-geniraL Aide-memoire de maiioeuvres et de campatpie 

ä Vuaage des ofßciers de louies lea armes et de tous les seitices .... 60 

Grünwald, F. Der Bau, Betrieb und die Reparaturen der elektrischen Be- 
leuchtungs-Anlagen. Ein Leitfaden für Monteure, Werkuicister, Tech- 
niker etc. 5. Auflage 61 

2. Heft: 

Brunn er, Moriz, Ritter Ton, k. und k. Generalmajor. Leitfaden für den 
Unterricht in der beständigen Befestigung. Zum Gebrauche in den 
k. und k. Militär-Bildungsanstalten 131 

Rieger, Franz, k. und k. Oberstlieutenant. Die Vertheidigung von Earlsburg 
im Jahre 1849. Nach erhaltenen Tagebüchern und Aufschreibungeu zu- 
sammengestellt 131 

Fambri, Gabriel, k. und k. Oberlieutenant, Lehrer an der Cadettenschule in 
Karlstadt. Aufgaben-Sammlung aus der Terrainlehro, Terrain-Aufnahme 
und Terrain -Darstellung 132 

Almanach für die k. u. k. Eriegs-Marine 18%. Mit Genehmigung des k. u. k. 
Reichs-Kriegs-Ministeriums, Marine- Scction, herausgegeben von der 
Redaction der „Mittheilungen aus dem Gebiete des Seewesens^ . . . 132 

Die Kriege Friedrichs des Großen. Zweiter Theil. Der zweite schlesiscbe Krieg 
1744 bis 1745. 3 Bände. Herausgegeben vom Großen Gencralstabe, 
Abtheilung für Kriegsgeschichte 133 

3. Heft: 

Marschner, Eduard, k. und k. Hauptmann, Lehrer an der technischen 
Militär-Akademie. Lehrbuch der Waffenlehre. Zum Gebrauche an den 
k. und k. Militär-Akademien und zum Selbststudium für Officierc 
aller Waffen 214 

Verdy du Vernois, J. v. Im Großen Hauptquartier 1870/71 216 

Dechend, Hauptmann im Nebenetat dos Großen Gencralst^bes. Die kriege- 
rische Rücksichtslosigkeit. Studien aus der Kriegsgeschichte .... 216 

Kies li ng, Premier-Lieutenant a. D. Die Anwendung der Photographie zu 

militärischen Zwecken. Mit 21 in den Text eingedruckten Figuren . . 217 

Miethe, Dr. A. Lehrbuch der praktischen Photographie 217 

4. Heft: 

Brunn er, Moriz Ritter von, k. und k. Generalmajor. Leitfaden für den 
Unterricht in der beständigen Befestigung. Zum Gebrauche in den 
k. und k. Militär-Bildungs-Anstalten. Fünfte, ganz neu bearbeitete 
Auflage. II. Heft 287 

Maudry, Hans, k. und k. Artillerie-Hauptmann, Lehrer an der Artillerie- 

Cadettenschule. Waffenlehre für Officiere aller Waffen. Vierte Auflage 287 

Rohne, H., Generalmajor und Commandant der 8. Feld- Artillerie-Brigade. 
Schießlehre für die Feld-Artillerie unter besonderer Berücksichtigung 
der deutschen Feld-Geschütze 288 



Y^nekhÜB te W^r^eheseB Bfid^r. HU 



Wille« B.» Geoeralmjor x, D. 8e]b«ti]MBBer (AmUmMÜMeht Himdifmengdh»'. 380 
D«ra«#ter, Edouard, Chrfdebmremm mm mwmwtfrt de Immarimt. Jida-mettm^ 
<2e rofßder de mmrme. Cmäumi per CkmHe» YaUmtin: Jmam ^&dmr 
de marine, hSbUethieoirt dm mmuüre de ia moHm i9t 

5. und 6. Heft: 

En d e r n a , B^ k. und k. Mtjar, Lehrer m der k. vad k. ttehwof-^^m WSttf- 

Akademie in Wiea Neae gewapfmete Kliage ZTi 

8t aTenhagea, W^ JBaiptaiaan a. D. Grasdriss der Befef*.\guap5Ast . . X^t 

Craineiana, Obent der maiav^ea Geaif-Waffe. Fmtij i i mli m j im mjIu 
admJXe. Aa stu g iaeii e flMXKtit au de» BaKlauckea darci lim ^aoaSr- 
aificfaea Qeaie-Haiipta aan L6on LaBoaeke XT% 

Dictümnaire imOatre. E i iyabp tf tg de» etiemet» mSBlaire». u 
d*offi€ter9 de ümie» armea. 9 mcrmmom: 
Camon—O^apdet; 5" Btrahßm: OkapdU de 
Kntner, SeTerin. I^ polriKke ü a i gjagw ^pTaeke ^ae AaramU ▼•« ^^ 
sprichen des tiirlickea Lei«Bi. 1. Tbeü: ÜbcagsiiK^i £ TVsS: 
'WOrterbaeh aad Erttateranfea TA 

Anders, Sascha, Dr. Hilf»- aad übaagsbaf^ Ar die iwmäiy^ I^LtaBteSKÄfr- 

Prftfoag TA 

7. Heft: 

Smntiij, Fmx, k. aad k. Lieateaaat la der EeKrre d« faiaficne Sesi- 
mentes Nr. 47. Aalehof sar Bekaadla^g det Fikn^Asi mi 4^9» 
praktisdie Ycrwradaag j a ibtw iad rfTi ftr siEtlriK^ Zveck« . . . 435 

MQller, H t., Geaeiil-IieateBnt x. D. IHe EatvisUaBc ier iMnekn 
Pestangs- aad BdngefaBfs-ArtiDerie ia Bczag aaf ihaen^ ^p^pKör- 
ition, AasbOdaii^ aad Taktik ^«a l^^fTS Vu 1*96. Xh Rf i lrua^ 




Bomocki, 8. L tm. GeKkscätu der ExpioKiy^sCt H Die 
PolTer ia ihrer H^muWwi^ hea aar G ^g gaaait . . . 

8 and 9. Heft: 

Branner, Horiz Kticr vaau k. ani k ^«»»rmhaa^v Lecfiifin fir bm Ca- 
terrieht ia der hcattotif^ea ISef«t:inijr. Flift«. raax irio. learieziete 
Aaflage ......... i«k4 

Mitiheflaairea daa k. «Bi k. Krie^^Artüvi. Heraincwgf^fa aea 4ir Mmäia 

dae k. aad h. Ifii«ei^ARhm $4» F^Ck El B«ac VA 

C. TOB B.4L Gciat «Bi 8m# aa ]»ire. fxsfi^ nnH: hm Mktmh m ^ Srnr- 
haadeil Haler BcBtssaa^ äa«id«ehrifäüea«^ i^ui^en. £s 4UMr 
tabeilMweheB ÜhanieiES. eiMa nm^ im Imae in<c Meäa Sczaea 
ab B e fleg aa ^t^ 

Woide, GeaeraüicBttaaBB faa nafii:fti'JMa ^«»tra^^fCabit Zm CraeNdufli iisr 
Sief« aad Biaicritanm i» Ktüt^ Vf^ T«r«iieti 'ssaur irsciiKaifa Dar^ 
atelloag daa dHftKMbHa^teia^aita Ir^t^f^t »üi aar hrümens vi ^«iaa 
Aas d« BBMiid«B i> lii m «m K^i^f^ni^r. Ma^nr ob ^p^neni^ 
ataha. teaiav ^UAb»^ BaaiL Ka «f>;aa ftk ixMa äa .t6«uutneii %^ 

Pterra«, j<rfiaf> Jhwi^fc ^T ^pimA iarnfm 4mr^^ i^ LM f^ w ms e de»dtrmkrmm 

Maller. C. O^ taitmm Enr FrMr.«?1i Crn;!«» 'VdButjailhflna. Lliaptrür, 

wi Felix tchfliidtBBt A X<» an aa ' viS 

10. Heft: 

Leitladea der alfSBciMB l>t< m 3Kpjt> fH i<' iir i» 2iiiB 7«*^nii<-n«» m vi < inn « 
Jfilittr-AfcideaMi suf 'Ir Uw ^';:i«n'^^a<t;;iir. 7^:i«mt- m ^irrw^ 
dea k. BBd k BeiifttR-^r.'iinpi-Jf.iiiKt.tr.iimH X.* I ^ i#^.ii'Jir*-"'>i.Cj« 



XVI Verzeichnis der besproebenen BQcber. 

S«it« 

Marsebner, Eduard, k. nnd k. Hauptmann und Lebrer an der techniscben 
Militär-Akademie. Leitfaden fQr den Unterriebt im Waffen- und Schieß- 
wesen an den k. nnd k. Cadettenscbulen. Im Auftrage des k. und k. 
Reichs-Kriegs-Ministerinms bearbeitet 596 

Jung, Premierlientenant im Feld-Aitillerie-Regiment Nr. 15, commandiert 
zur Kriegsakademie. Geschichte des kOnigl. preußischen Feld-Artillerie- 
Regimentes Nr. 15 und seiner Stammbatterien. Auf dienstliche Ver- 
anlassung bearbeitet. Mit einem Bildnisse Sr. Dajestät des Kaisers 
und Königs 598 

Robne, U., Generalmajor und Commandeur der 8. Feld-Artülerie-Brigade. 
Das gefechtsmäßige Schießen der Infanterie und Feld- Artillerie. Zweite, 
gänzlich umgearbeitete Auflage. Mit einer Tafel 600 

Stroebel, Hauptmann und Batteriechef im 2. Württembergischen Feld- 
Artillerie-Regimente Nr. 29, Prinz- Regent Luitpold Ton Bayern. Der 
Ausbildungsgang einer fahrenden Batterie unter Bertlcksichtigung der 
durch die Einführung der zweijährigen Dienstzeit veränderten Ver- 
hältnisse 603 

11. Heft: 

Instruction für die Chargen der mobilisierten fahrenden Batterie, der DivisionB- 

und Corps-Munitionfsparks 668 

Wessely, Victor, k. nnd k. Hauptmann im Infanterie-Regimente Forinyäk 
Nr. 86, ehedem Militär- Geometer und Leiter einer Vcrmessnngspartie 
bei der Katastral- Vermessung in Bosnien und der Hercegovina. Die 
Katastral-Vermessung von Bosnien und der Hercegovina, zunächst als 
Studie für aUe, die in der praktischen Geodäsie und Geometrie tbätig 
sind, insbesondere für Ingenieure der G rundsten erregulierungs-Commis- 
sionen. Zweite unveränderte Auflage. Mit 5 Tafeln 668 

Schäden an Dampfkesseln. Herausgegeben vom österreichischen Ingenieur- 

und Architekten-Vereine 669 

Stavenhagen. W. Verkehrs-, Beobachtungs- und Nachrichtenmittel in 

militärischer Beleuchtung 670 

Bircher, H., Oberst, Corpsarzt des II. Armeecorps. Neue Untersuchungen 

über die Wirkung der Handfeuerwaffen. Mit 2 Beilagen 670 

12. Heft: 

SeideVs kleines Armee-Schema. Dislocation und Eintheilung des k. und k. 
Heeres, der k. und k. Kriegsmarine, der k. k. Landwehr und der konigl. 
• ungarischen Landwehr 731 

Dolezal, Eduard, Professor der Geodäsie an der technischen Mittelschule 
zn Sarajevo. Encyklopädie der Photographie. Heft 22. Die Anwendung 
der Photographie in der praktischen Messkunst. Mit 31 Figuren im 
Texte und auf 3 Tafeln 731 

Österreichischer Ingenieur- und Architekten-Kalender für 1897. Neunund- 
zwanzigster Jahrgang. Mit einer Beilage 733 

Degtt-isef F., Capitaine commcnidarU du gMie^ Profesaeur de fin-tifieatian ä VEcole 
d'tipplicalian de Vartiüerie et dughiie. La fortifieatian permanente appliqu^ 
ä Vorganisation des forteresses ä grand dSveloppement. Mit einem Atlssse 
von XV Tafeln 734 

Oirod, Maurice, de l'Ain. Orandt arläleura. Drouot — SenarmorU^ EbU. Avec 

4 partraila. Ouvrage cQuronni par VAead^mie fran^aüe 738 



Beitrag zur Tbetrie der segenaMrten etatischen 



r«« 



EfaileftaM:. 

Die GruBdlage n einer Theorie der sogeuBoten »tatisehen 
6asspaBBiiBs:smesser« zo denen beispielsweise die Meißel- 
Apparate TOB Bodman und ron üchatios, der Qoetscb- 
(StaaclHl Apparat tob Abel and Noble o. s. £ geboren« ist die 
Keantnis des Verlanfes der Gas^pannongen wibrend der Be- 
tbitigiing des GaKpaBnang^mes««». «äbrend man bei den sogeaaBBten 
dTBamiseben Gasspanniinesmessern doreb die Beei^trierwig 
der BewegBBgsrerbiltBisne des dnrdi den Gasdniek bevegien Eorpe^^ 
die Gmdlage gevinnt mn mit den Lebren der analTtiseben Meebaiiik 
auf die de« registrieiteB BevegnngsrerbiltBiseB ZBgrude liegenden 
Urs&cbeB — d. L die Gasspaaniingen — zn ««bliefi«^ 

Bezöglidi der statischen GaaspannungsmefiBer nnd speeiell dee 
Staac^-Apparates liegen zwei ela«tiiscbe Arbeüen ror derem Ge- 
dankesgaag sich amoe Stadie aasebließl velcbe Eionacb als eine Weiter- 
eatviclJaag der in gedaehten Arbeiten niedergelegten Theorien anzu- 
•ebea ist 

Diese Aibeitea sind: IL Sarrans und IL Yieille*s 1883 er- 

^cmr la wmeamrt det frtmkmn ^^ex^d^uppöe f*ar let tvbdoMreti explomef 
■ad die ini Jabrgaage 1884 der bolländiBeben llilitiLr-Zeitsrhriit ^£M 
mPitmrt *pe€i^im^ ersebieaene Studie des Wkaunten Ballistikers 

Fto das meiaen CoterBacfanngeD aaRstblieLlicli zu Grunde liesrende 
geseblosseae Geßii stellteu Sarran und Vieille deu Vt^rlauf 
der 6msdr6€i[e bjpoibetiFrh durch die Fuuctitiu 



fri, = k,-^F-K 



"^ — 

• \ — 



W u i c h. 



dar, während Hojel um einen kleinen Schritt weiter gieng nnd für die 
unbestimmte Function 9 (—] hypothetisch den Wert 



_t^br 



^■[^) T + ÄT« 

annahm. 



In obigen Ausdrücken bedeutet t die Zeit, A:, den Initial widerstand 
des Eupfercylinders, P die Spannung im Momente der vollständigen 
Verbrennung der Palverladung also die Maxim alspannung, t die 
Zeit für die vollständige Verbrennung der Pulverladung und b eine erst 
aus den Versuchen zu ermittelnde Constante. 

Gegen obige Ausdrücke habe ich zwei principielle Bedenken: 

i. Geben sie die Spannungen nur in zwei Momenten unzweifelhaft 
richtig, u. zw. am Beginne der Bethätigung des Qasspannungsmessers, 

d. i. für < == 0, womit 9 f — j = wird und für < = t, d. i. im Momente 

der vollständigen Verbrennung der Pulverladung, wofür 9 f — j = 1 ist, 

während für die Richtigkeit der intermediären Spannungen gar keine 
Garantie geboten ist 

2. Ist der Einfluss der Pulver-Construction nicht directe 
zum Ausdrucke gebracht, die doch erfahrungsgemäß einen wesentlichen 
Einfluss auf den Verlauf der Spannungen und in letzter Consequenz auf 
die Angaben des Gasspannungsmessers übt. 

Indirect ist dem Einfluss der Pulver-Construction wohl durch Ein- 
führung von T Rechnung getragen, welche Größe eine Function — also 
die Consequenz — der Pulver-Construction — der Ursache — ist ; 
es fehlt also die Ursache für das Verhalten des Pulvers in den Formeln, 
was eine UnvoUkommenheit derselben involviert, zumal eine Beziehung 
zwischen t und der Pulver-Construction nicht angegeben ist 

Diese Bedenken schwinden gegenüber der von mir auf streng 
theoretischem Wege entwickelten Beziehung zwischen Spannung (Druck 
pro Flächeneinheit) und der Zeit, die in meiner im Jahrgange 1888 der 
^Mittheilungen^ veröffentlichten Studie: „Untersuchung über die 
Spannungsverhältuisse des Pulvers in geschlossenen 
Gefäßen^ zu finden ist und die ich meinen Untersuchungen über die 
Gasspannungsmesser zu Grunde lege. 

Wenn ich für die maximale Spannung die Bezeichnung P 
acceptiere und p^ die dem Beginne der Verbrennung, also für t = 0, 



Beitrag znr Theorie der sogenannten statischen Gasspannungsmesser. 3 

entsprechende Spannung bedeutet, so ist der Verlauf der Spannungen 
fär cubisches Korn durch 

^^ . p.t 






p (1) 



zum Ausdruck gebracht. 

8 ist die Länge der Seite des Pulverkornes, <jp das specifische 
Gewicht der Pulvermasse und c^ eine die physikalischen Eigenschaften 
der Fulvermasse charakterisierende Constante, d. i. die Yerbrennungs- 
gesch windigkeit der Pulvermasse för jp = 1 und (Sp=l. 

Fasst man den das Pulver charakterisierenden Größencomplex 

unter einem Buchstaben — Pulver-Charakteristik — zusammen 

und setzt 

6 c. 



dp . 8 



« (2), 



so kann allgemein für jede Pulversorte 

a . P . t 

P=Po . e , (IJ 

gesetzt werden. 

Für den Moment der vollständigen Verbrennung der 
Polverladung gilt die Beziehung 

P=Po^^ (3) 

aas der die Zeit t far die vollständige Zerlegung der Pulverladung 
bestimmt werden kann. 

Die Pulver-Charakteristik a kennzeichnet, wie dies in 
meiner Studie über das geschlossene Gefäß des näheren auseinander ge- 
setzt ist, das brisante Verhalten des Präparates; denn je größer a 
ist, in desto kürzerer Zeit wird eine ganz bestimmte Spannung 
erreicht, desto brisanter verhält sich das Präparat. 

Würde das Material der Gefäßwände die Wärme absolut schlecht 
leiten, so würde die Spannung P bis in die Unendlichkeit fortwirken. 
Bei der Bethätigung des Gasspannungsmessers, die eine außerordentlich 
kurze Zeit währt, hat man es demnach mit zwei Phasen zu thun, 
von welchen die erste die Zeitstrecke bis t umfasst und durch die 
Terftnderliche Spannung charakterisiert ist, wohingegen die zweite die 
Zeit von t bis zur Buhe des bewegten Körpers (Meißel bezw. Stempel) 
umfasst und als Charakteristik die constante Spannung P hat. 

Der Gasdruck kann die deformierende Wirkung (Erzeugung 
der Kerbe bei den Meißd-Apparaten bezw. Verkürzung des Cylinders 
bei den Quetsch-Apparaten) erst dann beginnen, wenn er dem Initial- 



4 W a i c h. 

Widerstände (der Platte bezw. des Cjlinders) gleich wird. Sei k^ der 
auf die Einheit der Druckfläche der Gase (Grundfläche des Schaftes 
des Meißels bezw. Stempels) reducierte Initial- Widerstand, t^ die Zeit, 
in welcher die Gasspannung den Wert k^ erreicht, so folgt aus (1,) 

K =p. • e , (4) 

aus welcher Beziehung die Zeit fo ermittelt werden kann. 
Durch Verbindung von (Ij und (4) erhält man 

p = k^ , e 

und wenn bei der Bethätigung des Gasspannungsmessers die Zeit von 
dem Momente gezählt wird, als p = k^ wird, 

_ a.P,t 

p=^kQ . e (6). 

Für den Moment der vollständigen Verbrennung ent- 
spricht — der durchgeführten Zeittransformation zufolge — die Zeit 

%='r-<o (6). 

Die in Betracht kommenden Gasspannungsmesser werden fälschlich 
statische genannt; denn es könnte durch diese Bezeichnung die An- 
schauung geweckt werden, dass die Bethätigung des Gasspannungs- 
messers beim Schusse ein statischer Process ist, was durchaus 
nicht der Fall ist. 

Die Bezeichnung „statisch^ ist dadurch entstanden, dass man 
sich die Vermittlung des Schlusses aus den Angaben des Gasspannungs- 
messers auf die maximale Gasspannung durch ruhige Belastungen 
sonach durch Versuche rein statischen Charakters verschaff't. 
Man erhält hiedurch Tabellen, welche für eine Folge von Eer ben- 
längen (oder denselben entsprechenden aus der Configuration des 
Meißels leicht abzuleitenden Eerbentiefen) bezw. eine Folge von Ver- 
kürzungen des Cylinders die dieselben hervorrufenden ruhigen 
Belastungen enthalten. Diese Tabellen sind aber nur statische 
Belastungs-Tabellen, oder noch kennzeichnender Widerstan ds- 
scalen, da die ruhigen Belastungen die Widerrtftnde angeben, welche 
die Platten bei den Meißel-Apparaten bezw. die Cylinder bei den Stauch- 
Apparaten leisten, wenn der Meißel um ein bestimmtes Maß x ein- 
gedrungen ist, bezw. der Cylinder um ein Maß x verkürzt wurde. 

X nenne ich kurz „den zurückgelegten Weg^. 



Beitrag zur Theorie der sogenannten statischen Gasspannnngsmesser. 5 

Wird der auf die Einheit der Druckfläche des Schaftes 
reducierte Widerstand mit w bezeichnet, so ist allgemein der 
analytische Bepräsentant der Belastungs-Tabelle 

«^ = ? («) (7) 

und innerhalb des geringen Ausdehnungsgebietes von x nach Sarrau 
und Yieille 



ti; = Ä^ + ~ . » 



oder wenn 



gesetzt wird: 



T=' <« 



t^ = ito + Äa5 (7,) 



k^ ist der specifische Widerstand für a; = 0, d. i. also 
jener Initial- Widerstand, der in die Spannungsformel (5) eingeführt wurde. 

Erhält man nun beim Schusse den zurückgelegten Weg e 
(Eerbentiefe bezw. Verkürzung), so wird in der Praxis einfach dieser 
maximale Widerstand 

t<?ma» = fco + * • S (9) 

der maximalen Spannung P gleichgesetzt und hiemit der Cardinal- 
fehler gemacht, dass man statische und rein dynamische Ver- 
hältnisse vermengt. 

Der eben angegebene Vorgang hätte nur dann eine Berechtigung, 
wenn Oasdruck und Widerstand sich in jedem Momente das Gleich- 
gewicht hielten, was nicht der Fall sein kann, da Gasdruck und Wider- 
stand sich ganz unabhängig von einander entwickeln. 

Die Bewegung des Meißels bezw. Stempels beim Schusse 
ist ein dynamischer Process und es kann demnach nur durch Be- 
handlung einer Bewegungsgleichung die Beziehung zwischen der 
Angabe des Gasspannungsmessers und der maximalen Spannung, also 
die Beziehung zwischen t und P gefunden werden. 

Dass diese Beziehung nicht so einfach sein kann, als jene u?«,ax = P^ 
ist von vorneherein klar. 

Wenn nun die Gleichheit zwischen maximalem Widerstand und 
maximaler Spannung nicht statthaben kann, so entsteht die Frage, 
welche Gleichheit den Bethätigungsprocess des Gasspannungsmessers 
charakterisiert ? 



6 W u i c h. 

Darüber gibt die Bewegungsgleichung für den Meißel bezw. 
Stempel Aufschluss, dessen Masse m sei; diese Gleichung lautet: 

d^ X V , dv 

'^'di^ = '^'-d^^f'P-f''^ (^<^) 

wenn t; die Geschwindigkeit und / die Grundfläche des Schaftes (Druck- 
fläche) ist. 

Integriert man diese Gleichung vom Anfangs- bis zum Endmomente 
der Bewegung, welch beiden Momenten v = entspricht, so erhält man 

8 £ 

f fp .dx==f fw . dx; (11) 

d. h. es findet Gleichheit zwischen der Arbeit des Gasdmekes 
und der Arbeit des Widerstandes statt, und keineswegs Gleichheit 
zwischen den Kräften w„^ und P: ein Resultat, zu dem übrigens die 
einfache Überlegung fuhrt. 

Wenn man den in Rede stehenden Gasspannungsmessern schon 
durchaus einen Namen geben will, so nenne man sie Arbeits- Gas- 
spannungsmesser und die sogenannten dynamischen derlei Apparate 
etwa Bewegungs-Gasspannungsmesser. 

Dynamischen Charakter haben alle derzeitigen Apparate 
zum Messen der Gasspannungen; Bumford's bekannte Methode allein 
ist eine statische. 

Den hier vorgebrachten Zweifeln bezüglich der Correctheit in der 
Deutung der Angaben der Gasspannungsmesser miiss aber die Erfahrungs- 
Thatsache entgegengehalten werden, dass die aus den Angaben in der 
angegebenen primitiven Weise deducierten Spannungen von den wahren, 
nach streng dynamischen Methoden errechneten Spannungen nicht we- 
sentlich abweichen, womit sich die Zähigkeit erklärt, mit der man auf 
den Versuchsplätzen an den in Frage stehenden Apparaten hängt 

Nun wollen wir sehen, wieso sich die angedeutete Übereinstimmung 
erklären lässt. 

Es sei vorerst der hypothetische Fall betrachtet, dass der Gas- 
druck constant ist; dann folgt aus (11) mit Berücksichtigung 
von (7,): 

p . z-^k^ . t-^-k . - oder 

i> = *. + *> • \^ 



Beitrag znr Theorie der sogennDiiten statischen Gasspannirngsmesser. 7 

d. h. es wäre der Oasdruck gleich dem, demWege -- ent- 

sprechenden Widerstände. 

Würde bei dem hier in Betracht stehenden geschlossenen 
Gefäß mit dem Momente des Erreichens der maximalen Span- 
nung P das Ende der Bewegung des Meißels bezw. Stempels zu- 
sammenfallen — was aber nicht sein kann — , so könnte statt der ver- 

p 
änderlichen Spannung die mittlere constante Spannung — eingeführt 

werden, und gibt obige Relation: 

d. h. es wäre die Maximalspannung gleich der Summe aus dem Anfangs- 
and End- Widerstand« 

Dem Wirken einer constanten Kraft kann man sich durch 
das Yorpressen in der Art nähern, dass der Initial- Widerstand nur 
wenig kleiner als die maximale Spannung P gemacht wird, so dass 
also das weitere Eindrücken bezw. Pressen nahezu unter der Einwirkung 
von P erfolgt. 

Sei der beim Vorpressen zurückgelegte Weg e^, so folgt aus 
Gleichung (11) 

P(e — £,)=/(*:,+&. x)da; 

oder 

P (e _ e.) = A. (e - e.) + y (e« - e.»), 
woraus folgt: 

^ = i. + I (e + e.) = (a. + Ä . I) -j- (a, + Ä . |-) - K, 

d. h. beim Yorpressen in der oben angegebenen Art ist 
die Maximalspannung gleich der Summe der Widerstände 

f ür -~ und -—, vermindert um den Initial- Widerstand k^. 

Die eben erhaltene Relation wäre vielleicht einer Beachtung seitens 
der Yersuchspraktiker wert, zumal die Formeln für das geschlossene 
Gefäß angenähert auch für das Feuerrohr Geltung haben, da der 
Punkt des Maximums der Spannung erfahrungsgemäß nicht weit von 
der Anfangslage des Geschosses abliegt und daher die Baumänderung 
bis dabin eine geringe ist 



8 W o i c h. 

Betrachten wir endlich die thatsächlichen Verhältnisse, d. h. 
unterscheiden wir die beiden Phasen der Bethätigung des Gas- 
span Dungsmessers, u. zw. die Phase mit der veränderlichen Spannung p, 

p 

für welche die mittlere constante Spannung — substituiert wird und 

die Phase mit der constanten SpannuDg P; der zurückgelegte Weg in 
der ersten Phase sei e,, jener in der zweiten e,, so dass 

e = Ej -|- e, ist. 

Aus Gleichung (11) folgt zunächst 

fpdx -\- Jpdx =^/ «? . dx und hiemit: 
' > ii "• 

1. Plbase 2. Phase 



woraus folgt: 



P £• 

-e^ ^p^e — 6j = fc, . e-f* . ^, 






2 e 
d. h. die maximale Spannung ist größer als der Widerstand eot- 

£ 

sprechend — -, nähert sich also dem Widerstand entsprecheod e, der in 

der Praxis der Spannung P gleichgesetzt wird. 

Der Wert für e, wird später bestimmt und in diese Formel ein- 
geführt werden. 

Durch Verbindung obiger Gleichung mit jener (9j erhält man als 
Beziehung zwischen P und w^ 



'max 






'max • 



woraus ersichtlich ist,^ass der Fehler praktisch nicht groß sein kann, 
wenn P und w^ax identificiert werden. 

Die BediDgUDg für P=wmax wäre: 

E 

1 = i , 

(Ä-^ + fc.ofl-y-T-) 



Beitrag zur Theorie der sogenannten statischen Gasspannnngsmesser. 9 

woraus folgt, dass 

6, = e . f^ t j^^ '»nd e, == £ . . it.. »öüi müsste. 



Nach diesen ^Einleitenden Betrachtungen "* übergehe ich nun zur 
genauen Lösung des Bewegungsproblems, deren Endziel ist, den 
genauen Zusammenhang zwischen P und e zu finden. 

Der Ideengang der Lösung ist folgender: Die Zeitzählung be- 
ginnt — wie bereits erwähnt — von dem Momente, als die Spannung 
dem specifischen Initial- Widerstand k^ gleich wird, weil erst von diesem 
Momente die deformierende Einwirkung auf die Platte bezw. den Cylinder 
statthaben kann. 

Die Zeit T der Bethätigung des Gasspannungsmessers zerlegen 
wir in die Zeitstrecken % und t,, so dass 

T=% + ^, .(12) 

ist 

Die Zeitstrecke % ist dadurch charakterisiert, dass innerhalb 
derselben die Spannung veränderlich ist und am Ende den Wert P 
erreicht, wodurch Gleichung (6) in 

P = K •« (13) 

fibergeht; ffir diese Zeitstrecke suchen wir die AusdrQcke für x ond 
die Geschwindigkeit v = -j- als Functionen der Zeit. 

Werden diese Ausdrücke für t = t^ specialisiert, so erhält man den 
Weg e^ und die Endgeschwindigkeit v^, welche Werte die Anfangs- 
bedingungen für die Zeitstrecke \ sind, deren Charakteristik die con- 
stante Spannung P ist. 

Die Zeit % ist — vom Anfange der Bethätigung des Gasspannungs- 
messers gezählt — die Dauer der Zerlegung der Pulverladung. 

Für die Zeitstrecke t, werden dann analog die Ausdrücke für den 
Weg und die Geschwindigkeit als Functionen der Zeit entwickelt ; wird die 
Geschwindigkeit = Null gesetzt, so ergeben sich alle Verhältnisse 
ffir das Ende der Action des Gasspannungsmessers. Summiert man die 
in den beiden Phasen zurückgelegten Wege, so ergibt sich schließlich 
die Beziehung zwischen dem Gesammtweg (Angabe des Gasspan- 
Dungsmessers) und der Maximalspannung. 



10 W u i c h. 

Verhältnisse in der Zeitstrecke t^: 1. PhaM. 

Zum Studium dieser Verhältnisse gehen wir vod der Differential- 
gleichung der Bewegung (10) aus, welche, mit Berücksichtigung der 
Gleichung (TJ in: 

übergebt 

Wird der Kürze halber gesetzt: 

tJL = b^ und=^-=A, (14) 

mm 

so erscheint obige Gleichung in der Form: 

^ + b'-x = h{p-k,) (a). 

Dies ist eine sogenannte lineare Differentialgleichung mit 2. Theil, 
welche nach der von Lagrange erdachten Methode der Variation der 
arbiträren Constanten integriert werden kann. 

Diese Methode besteht darin, dass man die Differentialgleichung 
ohne 2. Theil, also in unserem Falle die Differentialgleichung: 

^ + *'- = « ■ • • ; (-.) 

integriert, dann die in der Integralgleichung vorkommenden arbiträren 
Constanten (in unserem Falle 2) als veränderlich betrachtet und 
sie der durch Gleichung (a) gegebenen Bedingung entsprechend bestimmt. 

Da aber die Gleichung (a) uns nur eine Bestimmungsgleichung 
liefert, wir aber zwei Constante so bestimmen müssen, dass Gleichung (a) 
befriedigt wird, so folgt, dass die zweite Bestimmungsgleichung 
willkürlich ist. 

um (aj zu integrieren, multipliciere man mit 2dx^ wodurch 
man erhält: 

und durch Integration: 



{ 



^^V+J. .a:»=C», 



dtj 
woraus folgt: 

dx 1 j 



Beitrag xnr Theorie der sogenannten statischen Gasspannungsmesser. H 



Wird nun wieder integriert, vom arc sin auf den sin übergegangen 
and werden die Constanten-Complexe unter den Buchstaben M und N 
zusammengefasst, so erhäU man als Integral-Gleichung: 

x=^M . (iOsbt-\- N . sin bt^ i (IB) 

welche, wenn M und N der Gleichung (a) conform bestimmt werden 
— sonach als Functionen von t — , auch das Integrale der Gleichung (a), 
also den Weg als Function der Zeit darstellt 

Betrachtet man nun Af und ^ als veränderlich — als Func- 
tionen der Zeit — , d. h. variiert nach Lagrange die Constanten, so 
erhält man durch Differentiation von (15) den allgemeinen Ausdruck 

d cß 
für die Geschwindigkeit t? = -^- als Function der Zeit: 

^ dt 



dx 






.(16) 



wenn 



, dM. . .dN ^ ,, 

cos Ot . "-rr-- -+• siuot . — =-- =0 (c) 

dt dt 

als willkürliche Bestimmungsgleichung für M und N angenommen wird. 
Die zweite, d. i. die erzwungene Bestimmungsgleichung für M und N 
ist die Gleichung (a), welche mit jener (16) zu verbinden ist; wird 
letztere differentiert, so ergibt sich mit Berücksichtigung von (15): 

^'* i 3.t 1. ' r^ dM , , ' ,^ du 

-j— -|- 6' . X = — o . smot , -=— + 6 . cos 6 < . -7— 
dt^ dt ^ dt 

und verglichen mit (a): 

, . - d M ,, - d N y , ,. ,,. 

— o . sinbt . —=— -\- b . cos bt , —=— -=h{jp — a;^) . . (a). 

(tt dt 

Werden aus den Gleichungen (c) und (d) die Größen -j- und -7— 
bestimmt, so resultiert: 



-j— -■= — r (p — *o) • sin bt nnd 
dN h . ,- ., 



(e) 



und durch Integration: 



M 



" -4 






t 



ig) sin 6< . dt 



f 



(P — K^ . cos bt . dt 



(/)• 



12 W a i c h. 

Denkt man sich diese Werte in (15) und (16) substitaiert, so ist 
im Principe das Problem gelOsi 

Die formelle Lösung ergibt sich durch Substitution des Wertes 

von f aus Gleichung (5); ToUführt man diese, so übergehen die 

Gleichungen (/) in: 

% t 

jf = — ^^ [ A'^sin J< . ii— fsiu bt . di\ 

• 

und 

t t 

7/ = _^-*j I e"". eosht . dt— I cosbt . dti 



worin Integrale vorkommen^ die bekanntlich in geschlossenerForm 
entwickelt werden können. 

Mit Berücksichtigung der bekannten Ausdrücke: 



/ 



am ax 



e , sin p X . ax = e . TTTTi 1 — T 



a« + ß« • a'-f-p* 

und 

m 

/'«* « ^ ** acosßa?4-ß • siöß« « 

e.C08ßx.dx-=e. ^^-5^-p^ ^ ^^j-ppi 



erhält man, indem 

a? = I, a = a P und ß =^ 6 
gesetzt wird, für Af und N folgende Werte : 



[aPt 
e (a Psin i ^ — b cos bt) -{- b 
a^P* + b* 



i>-=-^i ::;..:: +^'t 




und 



iV'^-- 



aPt 

hk^ \e (a P cos b t -^ b Bin bt) — a P sin bt 

a« P« -(- i« J^ 



Diese Werte sind nun in die Gleichungen (15) und (16) einzusetzen, 
um den Weg a? und die Geschwindigkeit!; als Functionen der 
Zeit zu erhalten; man erhält nach entsprechender Beduction: 

Aio Ib.e — aP sini^ — b cos bt cos bt — 1 \ ^ „. 

^ = ~r\ a'P' + b* ' b / • '^^^^ 



Beitrag zur Theorie der sogenannteii statischen Gasspannangsmesser. 13 

und 

dx -- laP.e -i-bsmbt-^aPcosbt sin iM ,^_ 
" =d7 = **« \ a' I» -t- b' —} (18) 

welch' letzterer Ausdruck sich übrigens aus jenem (17) unmittelbar 
durch Differentiation ergibt 

Wird in die Gleichungen (17) und (18) die Verbrennungs- 
zeit der Pulverladung t« eingeführt, so ergeben sich die Werte 
von X und v am Ende der 1. Phase, d. i. c, und v^J u. zw.: 



be — aPsin ät^ — äcosät^^, cosJto — 1 



und 



(aPu 
aPe + 6 sin Ä T^ — aP cos 6t^ sin b^g 
a» P» -[- 6« Ä~ 

oder mit Berücksichtigung der Oleichung (13), ferner theilweiser Be- 
rücksichtigung der Gleichungen (14): 

'•=Ä(^rFq:^ 

''^= k(a'I^+b') ['T, ÄaP(icosÄT.+ aPsinAT,)] . . .(20). 

Die Zeit t^ ist selbstverständlich außerordentlich klein, 
wodurch eine wesentliche rVereinfachung obiger Formeln möglich ist. 

Die nächstliegende — und mathematisch begründete — VereiU'- 
fachnng wäre, cos 6 t^ = 1 und sin J t^ ^^ ä t^ zu setzen ; ich gehe noch 
weiter und setze sin&To = 0, wodurch aus den Formeln (19) und (20) 
folgende Näherungsausdrücke für e, und v^ resultieren: 

_bl P—K 

^' ~ k ' a'P^^b* ^^^«^ 

und 

^• = ^-^i:FT*^(^-*-) ^''•^- 

Die Ausscheidung der Zeit % durch den oben angegebenen Ver- 
einfachungsprocess beeinflusst die Logik der Formeln insofeme nicht, als 
diePalver-Charakteristik in denselben enthalten bleibt, deren 
Beziehung mit t^ durch Formel (13) gegeben ist und die es ermöglichen 



14 W a i e h. 

würde, in den Formeln (19) und (20) % durch a zu verdrängen. Hiedurcb 
erhielte man aber allzu complicierte Ausdrücke. 

Wie klein die Zeit t^ ist^ kann aus den, von S a r r a u und V i e i 1 1 e 
mit einem im Principe sehr einfachen Stimmgabel-Apparat durch- 
geführten Versuchen ersehen werden, bei denen sie die Zeitdauer der Be- 
thätigung des Stauch- Apparates ermittelten und fanden, dass diese Zeit- 
dauer beim Schießpulver und pulverisierten pikrinsauren Kali 0*0003, 
bei einein Block (comprimierten) Schwarzpulvers 0084 Secunden 
beträgt. 

Erwähnter Stimmgabel-Apparat, welcher allgemein die Beziehung 
zwischen dem zurückgelegten Weg des Stempels und der Z e i t zu finden 
gestattet, ist im Principe wie folgt eingerichtet: Die Wand des Ge- 
häuses, in dem der Cylinder eingelagert ist und in dem der Stempel 
sich bewegt, ist auf einer Seite mit einem Schlitze versehen, durch 
den ein an dem Stempel angebrachter mit einer Spitze versehener 
Arm greift und in demselben sich verschieben kann. Gegenüber der 
Spitze befindet sich ein zum Druckcylinder parallel gestellter Cylinder, 
dessen Mantelfläche mit berußtem Papier überzogen ist und auf dem 

— wenn er in Rotation versetzt wird — die Spitze im Ruhe- 
zustände einen Parallelkreis einritzt. Wird also vor dem Schusse 
der Cylinder zur Drehung gebracht, so erhält man zunächst einen 
Parallelkreis; wird nun abgefeuert, so beschreibt die Spitze vom Be- 
ginne der Bethätigung des Gasspannungsmessers bis zum Ende der- 
selben eine Schraubenlinie und dann wieder einen Parallelkreis. 
Die der Schraubenlinie — also der Bethätigung des Gasspannungsmessers 

— entsprechende Zeit wird dadurch ermittelt, dass während der Rota- 
tion des Cylinders die mit einer Spitze versehene Zinke einer activierten 
Stimmgabel auf demselben eine Wellenlinie verzeichnet, sonach die 
Zeit registriert. Werden Anfang und Ende der Schraubenlinie mit 
der Zeitcurve verglichen, so erhält man die gesuchte Zeit ; man kann 
selbstverständlich auch die den intermediären Zuständen des Cylinders 
entsprechenden Zeiten finden. 

Wird (18) differentiert, so erhält man die Beschleunigung 
des M e i ß e 1 s bez w. Stempels als Function der Zeit ; doch ist der so 
erhaltene Ausdruck ohne praktischen Wert. 

Interessant ist der Einfluss der Pulver-Charakteristik, deren Zahlen- 
wert bekanntlich das brisante Verhalten des Pulvers zum Ausdruck 
bringt, auf den Wert von e^ ; die Formel (19,) sagt, dass e, umso 
kleiner ausßlllt, je größer a ist, d. h. je brisanter das Pulver ist. 



Beitrag snr Theorie der sogenannteD statischen Gasspannnngsmesser. X5 

bezw. in je kürzerer Zeit eine bestimmte, durch die Ladungsverhältnisse 
definierte Maximalspannung P erreicht wird. 

Die durch e^ und v^ dargestellten Endverhältnisse der 1. Phase 
sind nun die Anfangsbedingungen für die durch die constante 
Spannung JP charakterisierte 2. Phase, die wir nun untersuchen wollen. 

Verhältnisse in der Zeitstrecke t, = T — t^: 2. Phase. 

Der Ausgangspunkt für die analytische Behandlung ist wieder die 
Bewegungsgleichung (10), in die zunächst die constante Spannung P 
für p einzusetzen kommt. 

Der Initial-Widerstand für diese Phase ist: 

demnach der veränderliche Widerstand 

w ^= k^ -}- k . z^ -j- k . X = k^^ -}- k , X, . . . . (21) 

wenn 

K-\'k.t,=k,' (22) 

gesetzt wird. 

Hiemit übergeht Gleichung (10) in 

^'^=^'^=fP-fih'-\-k.x). . . .(10.) 

Mit Benützung des 2. Ausdruckes für die Beschleunigung lässt 
sich (lOj sofort integrieren und man erhält die Beziehung zwischen v 
und X, 

f k f 

Wird, wie früher "^-^ = 6' und — = h gesetzt, so übergeht (10,) in : 

1^ =:=h(P—k,') — b'xdx, 

woraus durch Integration folgt: 

t?« = v,«-(-2Ä(P— */) . a; — f . er* {g) 

Wird V = 0, so übergeht x in das Maß e,, um welches in der 
2. Phase der Meißel bezw. Stempel vorrückt, womit obige Gleichung in 

= t;/-|-2Ä(P— Ä-/) . £, -6« . e/ 

übergeht, woraus durch Auflösung nach e, folgt: 






16 Wuich. 

Zn diesem Ausdrucke gehören die Ausdrücke (19) und (20) bezw. 
(19i) und (20f), da in e, das v^ und das e^ (in k^*) enthalten sind; 
denkt man sich die Substitutionen vollzogen, so erscheint e, als Function 
derselben Größen, durch die t^, und e^ ausgedrückt sind. 

Summiert man die Größen s^ und e„ so ergibt sich schließlich 
die allgemeinste Beziehung zwischen der Angabe e des Gasspannungs- 
messers und der maximalen Spannung P. 

Wird — analog wie in der 1. Phase — die Gleichung (lOj mit 
dem ersten Ausdruck für die Beschleunigung behandelt, so ergeben 
sich V und x als Functionen der Zeit. 

Die Ausgangsgleichung hat mit Berücksichtigung der abgekürzten 
Bezeichnungen (14) die der Gleichung (a) analoge Form: 

-r-^-4-i*. x^=h(P — AgM und sind auch allgemein die 

Gleichungen (15) und (16) die Ausdrücke für den Weg x und die 
Geschwindigkeit v; desgleichen sind die Größen Jf und N durch 
die Gleichungen (0) bestimmt, welche in 



dM h 

~di 



= — -j- . (P — Äo*) -sin ht und 



d N Ä ,_ _ ., _ 

= -y{P—k^') . cos bt 



\ 



(«.) 



dt b 

übergehen. 

Um den Anfangsbedingungen in der 2. Phase Rechnung 
tragen zu können, empfiehlt es sich, die aus (e^) resultierenden Werte 
von M und N in der Form : 



M 

und 



= C, — -|(P— i,«) I 8\nbt .dt-^C, -f- A (^P— Ä-,«) . cos bt 



N=^C^-\-j{P — k,') j cos bt .dt-- C.-l--^ (i"— K') . sin b 



t 



zu schreiben, womit durch Substitution in die Gleichungen ( 15) und (16) 
für x und v folgende Gleichungen resultieren: 

x^=C^ . cos Ä< -f-C, . sin bt H--t^(^ — ^oO ^^^ 

d X 

V — -7— = — C, b , sin bt 4- C.b , cos bt. 
dt * ^ ' 



Beitng zur Theorie der so^nannten statischen GasspmBniulgsmesser. 17 

Die Warte der Constanten C^ und C^ ergeben sich ans der 
Bedingung, dass f&r / = 0, x = und v=v^ Ist; hiemit resultiert: 

C. = -4(^-V)und 



b' 



C -^ 



und infolgedessen: 



17 h 

ac = -^ . sin ft<-|- -^ (P— fc/) (1 — cos bt\ und . . (24) 

t; = t?, . cos 6<-|- -V- (P — A-^*)-siJ^** (26). 

Wird t aus beiden Gleichungen eliminiert, so resultiert die Be- 
ziehung zwischen t; und a?, sonach die Gleichung {jg\ welche wir directe 
erhielten. 

Am Ende der Phase, deren Zeitdauer t, ist, übergeht x in £, 
und V in 0, womit folgende das Ende der Bethätigung des Gasspannungs- 
messers charakterisierende Gleichungen resultieren: 

e, = ^ . sin AT, + -jiC^— *oO (1 — cos ätJ und . . (26) 

^-=1?, . cosÄT, -f-y (P— Äß*) • sin Jt,, (27) 

aus welch' letzterer Gleichung die Zeitdauer der 2. Phase resultiert 
Aus (27) folgt: 

und wenn 

gesetzt wird 

tg Jt^ = — tg a = tg (tu — a), 

woraus far die Zeit t^ folgt: 

'K OL 

^. = —4— (28). 

Wird dieser Wert in Gleichung (26) eingeführt, so resultiert für 
den Gesammtweg &, in der 2. Phase: 

6, = -|^ . sin a -}- j- (P— k^') (1 -f- cos a) ... (29), 



2 



« 



18 Waicb. 

in welche GleichuDg der ans (A) resnltiereDde Wert von a einzu- 
setzen kommt. 

v^ und ^^ (in k^* enthalten) sind durch die Gleichungen (19) 
und (20) bezw. (19J und (20^) bestimmt 

Zusammenfassung der beiden Phasen; Schlussbetrachtung. 

Um den analytischen Zusammenhang zwischen der Angabe des 
Gasspannungsmessers und der maximalen Spannung zu 
erhalten, hat man nur die Summe der Wege t^ und e^ zu bilden, wodurch 
der Gesammtweg des Meißels bezw. des Stempels 

resultiert. 

Bei Meißel-Apparaten ist dann von e auf die Kerben- 
länge überzugehen, was auf Grund der geometrischen Verhältnisse 
der Meißelschneide leicht zu bewirken ist. 

Zur Aufstellung der Beziehung zwischen e und P will ich die 
Formeln (19,), (20J und (23) verwerten und vorerst letztere nach 
PonceleVs Theorem bezüglich der Quadratwurzel aus der Summe zweier 
Quadrate vereinfachen. 

Poncelet's Theorem lautet: 

Ist R = y^ AP-^ N* zu bestimmen und ist M'^N, dann ist mit 
einem maximalen Fehler von 47"^ 

R = 0-96 if + 0-4 N. 

Demzufolge kann Formel (23) auch geschrieben werden 

p ^ h y t, 

e, = I-96. —^ + 0-4-^, 

oder mit Berücksichtigung von (22) 

s, = 1-96 ^~^" — 1-96 e, + 04 -^, 
woraus folgt: 

e = e, + g, = 1-96 ^"7 ^° - ^'^<> ^i + ^** y 

und mit Berücksichtigung der Formeln (19,) und (20 J als gesuchte 
Beziehung zwischen der Angabe des Gasspannungsmessers und der 
maximalen Spannung: 

p h b* P k f aP 

e-=r96 --r^ —0-96^ . ^nTT^+^'^jT- ' "T^^a. • i^-K) (30). 
k k a^P^-^-b^ ' b.m a'P'-j-ft* ^ •/ v / 



Beitrag sar Theorie der sogenannten statischen Gasspannnngsmesser. ].9 

Für directe Ermittlungen von P aus der Angabe e eignet 
sich allerdings diese Formel nicht. 

Man müsste sich, wie dies in vielen F&Uen der Versuch spraiis 
geschieht, mit Tabellen-Anlagen behelfen, welche leicht zu be- 
werkstelligen sind. 

Der Vorgang hiebei ist folgender: Man nimmt eine Keihe von 
Werten der Pulver-Charakteristik a an, wie sie den Verhält- 
nissen der in Anwendung stehenden Pulversorten entsprechen und be- 
rechnet für jeden Wert von a die der Reihe der Spannungen P 
entsprechende Reihe der Wertes, welche bei Meißel-Apparaten 
in Kerbenlängen umzurechnen sind. 

Hiednrch resultiert eine Tabelle mit zwei Eingängen, die im Spiegel 
die Spannungen P entsprechend den Argumenten e und a enthält. 

Multipliciert man beide Theile der Gleichung (30) mit k und addieit 
beiderseits A;«, so ist der 1. Theil der so erhaltenen Gleichung der 
maximale Widerstand w^ax^ den man bekanntlich in der Praxis 
mit der maximalen Spannung P identificiert. 

Die durch die angedeutete Transformation erhaltene Gleichung lautet : 

=P+0-96(P-*.)-0-96JV^^. + 0-4^.^^.(i>-Ä:.) 

und es geben die an P schließenden Glieder im 2. Theile der Gleichung 
den Fehler an, den man durch Identificierung von P mit to^i^ begeht. 
Eine andere Näherungsbeziehung zwischen P und e ergibt sich 
durch Substitution des Wertes e, — Formel (19j) — in die auf Seite 8 
aufgestellte Beziehung 

P= ^ 



«? 



lüOJt 



Hiedurch findet man: 



P:= 



2 t 



^0 ~r ^ • "^ 



2 



1 — — . -T- 



K 



2t ' k ' a«P«+Ä* 
oder 



woraus folgt: 



^ k • • A» •ä'P'-t-A" 



^+W<''-*-''-^-''-^> 



20 W n i c h. B«itng zur Theorie der sogenannten italischen Gastpannungamester. 

Ich schließe hiemit meiDe Stadie und empfehle sie der Erwigong 
der Versüchspraktiker, denen sie eine Anregung zn tieferem Eindringen 
in die Action der Gasspannnngsmesser sein soll, bei welchen sich — 
wie die vorgefahrten Betrachtangen zeigen — anfeinem an 8 erordent- 
lich kleinen Wege ein äußerst interessanter und ziemlich ?erwickelter 
dynamischer Process abspielt 

Den Schritt, den ich bezüglich der Theorie der Gasspannungs- 
messer nach vorwärts machte, ist durch zwei nicht unwesentliche 
Momente charakterisiert: 

1. Stellte ich thatsächlich eine analytische Beziehung zwischen 
der Angabe des Gasspannungsmessers und der maximalen Spannung auf; 

2. trage ich durch Einführung der das brisante Verhalten des 
Pulvers zum Ausdrucke bringenden Pulver-Charakteristik a in den Calcfll 
dem Einflüsse der Pulver-Gonstruction directe Bechnung; denn die 
Erfahrung lehrt, dass bei gleicher Maximalspannung die Angabe 
des Gasspannungsmessers ganz wesentlich davon abhängt, in welcher 
Zeit die Maximalspannung erreicht wird. 



->S2S2^ 



21 



Herstellung von gegen Kälte schützenden NothunterkOnften« 

(Nach dienstlichen Berichten zasammengestellt.) 

(Hiezn Tafel 1 und 2.) 

Einleitung. 

Die tragbare Zeltausrüstung schützt wohl im allgemeinen den 
Mann vor den Unbilden der Witterung, nicht aber gegen die strenge 
Winterkälte. Es wurden daher im Winter 1894/95 von den Truppen 
ausgedehnte Versuche vorgenommen, um mittels der tragbaren Zelt- 
ausrüstung und der jeweilig an Ort und Stelle erlangbaren Materialien 
(Holz, Erde, Steine, Schnee etc.), gegen Kälte schützende Nothunter- 
künfte herzustellen. 

Die Ergebnisse dieser Versuche gelangen im folgenden kurz zu- 
sammengefasst zur Darstellung. 

1. Untericünfte von ](urzer Dauer. 

1. Allgemeines. 

Bei Unterkünften von kurzer Dauer (einmalige Nächtigungen) 
sind zeitraubendere Arbeiten naturgemäß ausgeschlossen, auch können 
nur die einfachsten Mittel angewendet werden, um den Aufenthalt in 
den Unterkünften erträglich zu machen. 

2. Erwärmung von Zelten durch offene Lagerfeuer. 

Am naheliegendsten war es, zu erproben, bis zu welchem Maße 
sich eine Erhöhung der Temperatur in gewöhnlichen Zelten durch außen 
unterhaltene offene Lagerfeuer erzielen ließe. 

Alle diesbezüglichen Versuche, bei welchen verschieden große 
Zelte in mannigfachen Gruppierungen um ein gemeinsames oder um 
mehrere Lagerfeuer angeordnet wurden, ergaben jedoch durchwegs un- 
günstige Sesultate. 

Die Temperatur erhöhte sich — u. zw. kaum merklich — nur 
in jenen Zelten, welche vom Feuer aus in der Windrichtung gelegen 
und somit dem Zuströmen der erwärmten Luft ausgekotzt waren; dabei 
Terscblug sich jedoch auch der Rauch in die Zelte und machte den 
Aufenthalt in denselben unleidlich. 



22 Herstellang tod gegen Kftlte sehütsenden Nothantarkfinften. 

Außerdem ist bei allen derlei Versuchen eine stete Feuersgefahr *) 
vorhanden, so dass es bei heftigem Winde meist ausgeschlossen war, 
in der Richtung, in welche Funken und Flammen getrieben wurden, 
Zelte aufzustellen. 

Da nun der Wind im Laufe der Nacht nicht selten umspringt, 
so ist zur Vermeidung von Bränden eine unausgesetzte Wachsamkeit 
und eventuell das sofortige Abbrechen der in der plötzlich bedrohten 
Richtung stehenden Zelte nothwendig. 

Diese Art der Erwärmung der Zelte erwies sich demnach als 
unzureichend und gefährlich. 

3. Heizversuche mit erhitzten Steinen, kochendem Wasser, glühenden 

Kohlen etc. 

Vielfache Versuche, die Temperatur in den Zelten durch am Lager- 
feuer erhitzte Steine oder durch Gefäße mit heißem Wasser zu erhöhen, 
ergaben allerdings günstigere Resultate; da jedoch eine fühlbare und 
andauernde Erwärmung nur durch häufige Erneuerung der genannten 
Wärmespeicher zu erzielen ist, eine Anzahl von Leuten daher stets f&r 
diesen höchst ermüdenden Dienst wach erhalten werden muss, so ist der 
praktische Wert dieses Verfahrens stark beeinträchtigt und nur auf 
besondere Fälle beschränkt. 

Auch der Versuch, den Innenraum eines Zeltes durch glühende 
Holzkohle, welche in eine Orube nahe dem Eingange gelegt und mit 
Asche überdeckt wurde, zu erwärmen, ergab wohl ein ganz günstiges 
Resultat; mit Rücksicht auf das verwendete Material dürfte jedoch 
diese Art der Erwärmung nur selten anwendbar sein. 

Erwähnenswert ist noch, dass der bei diesem Versuche in ge- 
ringem Maße auftretende Eohlengeruch durch Bestreuen mit Salz voll- 
ständig beseitigt wurde. 

4. Schutzdämme und Umwallungen aus Schnee. 

In Verbindung mit den erwähnten und zahlreichen anderen Ver« 
suchen wurde auch der schützende Einfluss von Dämmen oder Um- 
wallungen aus Schnee erprobt. 



*) Besonders bei Anwendung Ton weichem Holze iüt die Fenersgefahr sehr 
bedeutend, da heftiger Wind ein starkes Fankensprühen erzeugt, welches die in 
der Windrichtung stehenden Zelte leicht in Brand steckt. Bei einem der Ver- 
suche verbrannten, trotz sofortiger liettungsarbeiten, 22 Zeltblfttter Yollständig, 
während zahlreiche andere durch Brandlöcher stark beschädigt wurden. 



Hentellnng von gegen Kälte schfltzenden Nothunterkfinften. 23 

Abgesehen davon, dass hiezu nicht immer genügend Schnee vor- 
handen ist, lassen sich solche Arbeiten nur dann in verhältnismäßig 
knrzer Zeit ausfahren, wenn sich der Schnee ballen und rollen lässt, oder 
wenn er so hart gefroren ist, dass er in Quaderform verwendet werden 
kann. Bei griesartiger oder sandiger Beschaffenheit desselben erfordert 
das Anschaufein mit dem Infanteriespaten allein — andere Werkzeuge 
stehen selten zur Verfügung — viel Zeit und Mühe; sehr heftiger 
Wind kann in solchen Fällen die Arbeit ganz fruchtlos machen. 

Praktischen Wert haben Schneedämme überhaupt nur dann, wenn 
sie hoch genug sind, den zu schützenden Raum gegen den unmittelbaren 
Anprall des Windes zu decken. Je größer dieser Raum ist, desto höher 
wird auch der Schneewall sein müssen, woraus wieder folgt, dass es 
jederzeit geboten sein wird, eine Theilung in entsprechend kleine Lager- 
grnppen oder Abtheilungen vorzunehmen. 

Zahlreiche Versuche haben ergeben, dass sich bei zweckmäßiger 
Anlage innerhalb des geschützten Raumes Temperaturerhöhungen um 
1 bis 2* erzielen lassen; der Hauptvortheil liegt jedoch stets darin, 
dass der Innenraum gegen den Wind geschützt und die Kälte dadurch 
viel erträglicher wird. 

5. Verkleidete und doppelwaudige Zelte. 

Weit erheblichere Erfolge als die bisher erwähnten erzielte man 
dadurch, dass man das Entweichen der in den Zelten durch die natür- 
liche Eigenwärme erzeugten höheren Temperatur möglichst zu ver- 
hindern suchte. 

Hiezu wurden theils einwandige Zelte mit Stroh, Reisig etc. ver- 
kleidet oder selbst nur durch einfachen Schneebelag abgedichtet, theils 
doppelwandige Zelte mit Zwischenfüllungen von Stroh, Laub, Dünger etc. 
errichtet. 

Schon durch Verkleidungen allein wurde ein besserer Schutz er- 
zielt; hauptsächlich waren es jedoch doppelwandige Zelte mit Zwischen- 
füllnng, welche bei nicht allzu niedriger Temperatur sehr günstige 
Resultate ergaben, u. zw. besonders dann, wenn der Boden im Innern 
der Zelte durch Entfernen des gefrorenen Erdreiches vertieft und das 
Eindringen der kalten Außenluft zwischen dem Erdboden und dem 
unteren Zeltrand durch Anschüttungen von gestampften Schnee oder 
Srde verhindert wurde. 

Dass bei Anwendung doppelwandiger Zelte der Belagsraum nicht 
ausreichen dürfte, ist kaum zu befürchten, da die empfindliche Kälte 



24 Herstellung von gegen Kälte schützenden Nothnnterkünften. 

wohl stets von selbst zu eiDem entsprechenden Zusammendrängen der 
Leute fuhren wird. 

Als Wärmequelle diente sowohl in den verkleideten einwandigen, 
als auch in den doppelwandigen Zelten, wie bereits erwähnt, die natür- 
liche Eigenwärme der Leute, durch welche in einzelnen Fällen eine 
Steigerung der Innentemperatur selbst um 4 bis 6®C. erzielt wurde. 

Hiebei darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Eigenwärme 
der Leute stets ziemlich wechselnd sein wird und von den Ernährungs- 
verhältnissen abhängig bleibt, und bei großer Kälte zur Erzielung einer 
noch erträglichen Innentemperatur überhaupt nicht mehr ausreicht. 

Sinkt aber die Temperatur in den Zelten unter das, vom physischen 
und moralischen Zustande der Leute abhängige, erträgliche Maß (im 
Mittel etwa — 6°C.), so ist an Schlaf nicht zu denken und die Leute 
drängen sich um die Lagerfeuer, dort gegen die Kälte Schutz suchend. 
Dieser Schutz ist jedoch unzureichend: ganz abgesehen davon, dass 
durch die einseitige Erwärmung am Lagerfeuer Krankheitserscheinungen 
hervorgerufen werden, wie auch eine längere Reihe so durchwachter 
Nächte selbst die beste Truppe zur Auflösung bringt. 



6. Heizbare Unterkünfte. 

Bei starkem Sinken der Temperatur wird man daher selbst dann 
an die Herstellung heizbarer Unterkünfte denken müssen, wenn es sich 
auch nur um kurzen Aufenthalt — um einmalige Nächtigung — handelt 

Diesbezüglich wurde nun sowohl die Beheizung von auf natürlichem 
Boden errichteten Zelten, als auch die Herstellung von heizbaren Schnee- 
oder Erdhütten mit Eindeckuugen aus Zeltblättern versucht. 

Die Beheizung von Zelten ist wohl nur dann durchführbar, wenn 
für den Bau der Öfen entsprechendes Material vorhanden ist, während 
die Herstellung heizbarer Zelthütten keinen allzugroßen Schwierigkeiten 
unterliegt, so lange man sich auf die einfachsten Formen beschränkt. 

Allerdings erfordert die Herstellung selbst der einfachsten derartigen 
Unterkünfte einige Stunden Arbeitszeit: ein Umstand, der jedoch nicht 
ins Gewicht fallt, wenn man bedenkt, dass die Truppen im strengen 
Winter selten später als um 4 Uhr nachmittags auf den Lagerplätzen 
eintreffen und wohl nur ausnahmsweise vor 7 Uhr früh wieder auf- 
brechen werden. 

Die später angeführten, vorgenommenen V^ersuche zeigen Beispiele 
von heizbaren Zelten und Zelthutten. 



HerstelliiDg von gegen Kälte schfltzenden Nothonterkünften. 25 

7. Schlnssfolgerung. 

Fragt man sich Donmehr nm die bezüglich HerstellnDg von 
schützenden Unterkünften fEbr die Dauer einer Nacht gewonnenen An- 
haltspunkte, so ergibt sich in Kürze folgendes: 

Durch offene Lagerfeuer ist eine Erhöhung der Temperatur in 
den Zelten nicht zu erzielen; jeder derartige Versuch ist überdies mit 
größerer oder geringerer Feuersgefahr verbunden. 

Schneedämme oder ümwallungen als Schutz gegen den Anprall 
des Windes — die Verkleidung einfacher, vornehmlich aber die An- 
wendung doppelwandiger Zelte mit Zwischenfüllung, womöglich etwas 
unter die Bodenoberfläche vorsenkt — haben sich als zweckmäßig erwiesen. 

Bei sehr niedrigen Temperaturen hat sich jedoch nur durch die 
Herstellung heizbarer Zelte oder Zelthütten ein ausreichender Schutz 
erzielen lassen. 



II. Unterkünfte für längeren Anfenthalt. 

8. Allgemeines. 

Handelt es sich um längeren Aufenthalt (Rasttage, Operationsstill- 
stände, Cernierungen etc.), so steht bezüglich der Anlage von schützenden 
Unterkünften ein weiter Spielraum offen. Die Beschaffenheit der Boden- 
kmste, die Art und Menge der erlangbaren Hilfsmittel, des Brenn- 
materials u. 8. w. werden stets von Einfluss sein, weshalb die Fest- 
stellang bestimmter Typen nicht zweckmäßig erscheint; vielmehr muss 
es, wie schön eingangs erwähnt, stets den Truppen überlassen bleiben, 
die den jeweiligen Vierbältnissen angemessenste und daher zweckmäßigste 
Form zu wählen. 

Die im Winter 1894/95 vorgenommenen Versuche haben im allge- 
meinen ergeben, dass sich die günstigsten Resultate dann erzielen lassen, 
wenn die Unterkünfte möglichst unter die Oberfläche des gewachsenen 
Bodens vertieft werden. 

Die brauchbarsten Versuchsformen tragen demnach den Charakter 
von versenkten Erdhütten mit Eindockungen aus Zeltblättcrn, welche 
meist in Giebelform entweder unmittelbar auf den Erdboden oder auf 
Schnee- oder Erdwände aufgesetzt wurden. 

Die Heizvorrichtungen waren, vornehmlich je nach dem verfügbaren 
Material, sehr . verschiedenartig ausgeführt. 

Da bei einzelnen Truppenkörpern Versuche von längerer Dauer 
(bis zu 14 Tage) vorgenommen wurden, so bilden die dabei gewonnenen 



26 Herstellung von gegen Kälte scbfitsenden Nothanterkflnften. 

ErfahruDgeo einen ausreichend verlässlichen Maßstab für die Brauch- 
barkeit der augewendeten Formen und für die bezüglich Erhaltung gün- 
stiger sanitärer Verhältnisse im allgemeinen nothwendigen Vorkehrungen. 



9. Verwendung der Zeltausrüstung bei längerem Aufenthalt. 

Über die Haltbarkeit des Zeltmaterials stimmen die Berichte nicht 
völlig überein. 

Von einer Seite wird hervorgehoben, dass bei Herstellung von 
Bedachungen, bezw. schon beim Überspannen der aus hergerichteten 
Latten gebildeten Dachgerüste mit den zusammengeknüpften Zeltblättern 
— besonders bei heftigem Winde — , vielfache Beschädigungen der letz- 
teren vorkamen und dass dies selbstredend noch viel mehr der Fall 
sein wird, wenn keine hergerichteten Latten, sondern nur nothdürftig 
behauene Stämmchen oder Äste u. dgl. zur Verfügung stehen werden. 

Von anderer Seite wird dagegen die Zeltausrüstung als sehr halt- 
bar bezeichnet; so zeigten z. B. von 320 durch acht Wochen ununter- 
brochen im Freien in Verwendung gestandenen Zeltblättern nur ungefähr 
ein Viertel kleine Risse und Sprünge, waren jedoch nach sorgAltiger 
Ausbesserung (bis auf einzelne Blätter, welche größere Brandlöcher er- 
halten hatten) wieder völlig brauchbar. 

Das praktisch wertvolle Ergebnis dieser sich schein- 
bar widersprechenden Angaben liegt nun darin, dass 
sich mit Hilfe der tragbaren Zeltausrüstung und der an 
Ort und Stelle vorfindlichen Materialien zweifellos in 
verhältnismäßig kurzer Zeit gegen die Winterkälte 
schützende Unterkünfte herstellen lassen, dass aber bei 
länger dauernden Aufenthalten stets zu trachten sein 
wird, die Zeltausrüstung so bald als möglich durch an- 
dere Mittel zu ersetzen; eventuell wird von derVerwen- 
dung dieser Ausrüstung überhaupt abzusehen sein. 

Oanz unverantwortlich wäre es, die Truppen im Winter in Zelten 
lagern zu lassen, wenn Zeit und Mittel vorhanden sind, Erd- oder Schnee- 
hütten zu bauen, oder solche Hütten mit Zeltblättern einzudecken, wenn 
hiezu anderes Material zur Verfügung steht. 

Abgesehen davon , dass bei solchem Vorgehen die kostspielig« 
Zeltausrüstung unnöthigerweise abgenützt würde — was sich mit Rück- 
sicht auf den schwierigen Ersatz im weiteren Verlaufe der Operationen 



HerstelloDg von gegen Kälte schützenden Nothnnterkünften. 27 

empfindlich rächen könnte — finden die Zeltbl&tter in solchen Fällen 
als Lagerdecken eine weit zweckmäßigere Verwendung. 

Die Mitverwendung der tragbaren Zeltausrüstung 
zur Herstellung von Unterkünften, welche für längere 
Aufenthalte bestimmt sind, wird sich demnach nur auf 
ganz bestimmte Fälle beschränken und darf niemals zur 
Regel werden. 

10. Beispiele. 

Unter den später angeführten Versuchen findet sich eine Beihe von 
Beispielen mit entsprechenden, den verschiedenen Berichten entnommenen 
Erläuterungen. Zur Vervollständigung derselben mögen noch die nach- 
stehenden Angaben dienen. 

11. Technische Details. 

a) Zum Entfernen des gefrorenen Erdreiches wurden mit 
Vortheil Äxte oder Floßhacken verwendet, u. zw. wurde mit denselben 
die Erde in Ziegel oder Blöcken aufgehackt und dann mit dem Spaten 
aasgehoben. 

Für diese Arbeiten werden sich die Beilpicken besonders eignen. 

b) Sowohl die altartigen hölzernen, als auch die beschlagenen 
Zeltpflöcke haben sich bei gefrorenem Boden nicht als genügend 
haltbar erwiesen; da jedoch die Einführung eiserner Hakennägel an 
Stelle der bisherigen Pflöcke mit Bücksicht auf die bedeutende Gewichts- 
vermehrung nicht zulässig erscheint, so wäre im Bedarfsfalle von der 
Trappe selbst eine entsprechende Anzahl von Vorschlageisen zu 
beschaffen und auf den Munitionswagen fortzubringen. 

c) Allseitig wurde es als vortheilhaft bezeichnet, wenn die Zelt- 
blätter auch an der vierten Seite mit Oliven versehen würden ; angesichts 
der beträchtlichen Herstellungskosten und der sich daraus ergebenden, 
wenn auch geringen Mehrbelastung muss von dieser Verbesserung vor- 
läufig Abstand genommen werden. Oelegentlich der Versuche halfen sich 
die Trappen meistens damit, dass sie die Zeltblätter mit groben Stichen 
aneinander hefteten. 

d) Wo nur immer thunlich — bei längeren Aufenthalten unbedingt 
— ist die Anwendung der Gewehre als Zeltstützen zu ver- 
meiden, da sonst im Falle eines Alarmes entweder durch das Ergreifen 
dieser Gewehre eine stundenlange mühevolle Arbeit zerstört oder aber 
doreh das Stehenlassen derselben die Feuerkraft geschwächt würde. 



28 Herstellaiig von gegen Kälte schfitsenden Notlinnterkfluften. 

e) Den Zelten oder Zelthütten ist, wo nur immer thunlich, eine 
solche Hohe zu geben, dass sich die Leute darin aufrecht bewegen 
können. 

12. Heizmaterial. 

Außer hartem und weichem Holze wurde auch die Verwendbarkeit 
von Torf und Steinkohlen erprobt. Torf wurde sowohl bei offenem Feuer, 
als auch in den heizbaren Unterkünften angewendet und entsprach voll- 
kommen. 

Steinkohle konnte jedoch nur bei jenen Heizvorrichtungen Anwen- 
dung finden, welche mit einem Kost und einem Aschenfalle eingerichtet 
waren; die Feuerung war gut, aber der durch den Wind fortgewehte Rauch 
machte den Aufenthalt in der Nähe solcher Heizanlagen noch unangenehmer, 
als dies bei allen anderen Feuerungsmaterialien der Fall war. 



13. Verhaltungsmaßregeln. 

Die Fußbekleidung wurde tagsüber nass und musste daher vor dem 
Schlafengehen gewechselt werden, da es sich als unbedingt nothwendig 
erwies, dass die Mannschaft mit trockenen Füßen schlafe. 

Wo dies versäumt wurde, wurde auch stets über unleidliche Kälte 
in den Fußen geklagt. Am besten ist es, wenn die Leute über Nacht 
die leichten Schuhe mit trockenen Fußlappen anziehen und sich die 
Beine von den Enieen abwärts in etwa erübrigte Zeltblätter einhüllen. 

Zeltblätter erwiesen sich auch als Unterlagsdecken sehr vortheilbaft 

Während des Tages hat sich das Umhüllen der Fußbekleidung 
mit Stroh, das Einfetten der Fußlappen und Füße mit Talg oder Vase- 
line, sowie das Umhüllen der Füße mit eiogefettetem oder gewöhn- 
lichem Fließ- oder Zeitungspapier als sehr zweckmäßig bewährt. 

Die Rüstung soll womöglich stets in den Unterkünften unter- 
gebracht werden, wobei die Tornister am zweckmäßigsten als Kopfstützen 
zu verwenden sind. 

Zur Erhaltung günstiger Gesuudheitsverhältnisse ist es unbedingt 
nothwendig, dass die Mannschaft tagsüber ausgiebig in freier Luft be- 
wegt werde; der Aufenthalt bei offenem Lagerfeuer ist den Leuten 
möglichst zu verwehreu, da durch den Rauch Entzündungen der Augen 
und durch die einseitige Erwärmung, besonders bei großer Kälte, rheu- 
matische Erkrankungen der Musculatur erzeugt werden. 



Herstellung von gegen Kälte schlitzenden Nothonterkflnften. 29 

Vorgrenommene Versuche. 
Heizbare Zelte. 

(Ans dem Berichte der 24. Infanterie-Brigade. Tafel 1, Fig. 1, 2.) 

Der erste Versuch, in den Zelten selbst Feuerungsanlagen nach 
Art kleiner primitiver Öfen herzustellen, missglückte, da eine heftige 
Bauchentwickelung stattfand. Dagegen hatten die folgenden Versuche, 
bei welchen dem Bauchabzuge besondere Aufmerksamkeit zugewendet 
wurde, ein sehr günstiges Besultat ergeben. 

1. Anlage nach Fig. 1. 

Das Zelt wurde, wie aus dem Grundriss ersichtlich, aus acht Zelt- 
blättern zusammengefügt, u. zw. theils durch Aneinanderknöpfen, theils 
durch flüchtiges Aneinandernähen; letzteres deshalb, weil nicht alle vier 
Zeltblattseiten Oliven und Olivenlöcher besitzen. 

Der Ofen war aus Ziegeln aufgebaut ; die Fugen wurden mit Erde 
verschmiert, welche vom Bande des Lagerfeuers, wo dieselbe aufgethaut 
war, entnommen wurde. 

Innerhalb des Zeltes war Stroh aufgestreut, welches theilweise mit 
erübrigten Zeltblättern bedeckt wurde. 

Außentemperatur — 7 bis — 8"B. 

Die Temperatur im Zelte betrug: innerhalb der strahlenden Wärme 
bis zu 4'24"B.; außerhalb der strahlenden Wärme vom Ofen gegen 
die Wände abnehmend -f- 15 bis -f- 8**B.; unmittelbar an der Zeltwand 
strich unausgesetzt ein schwacher kalter Luftzug. 

Im Zelte bildete sich nur sehr wenig Bauch, welcher kaum ver- 
spürt wurde. 

Das Feuer im Ofen ist leicht und mit einer geringen Holzmenge 
zu erhalten; eine Gefährdung der Mannschaft ist ausgeschlossen. 

Stroh oder leichte Strohmatten sind als Unterlage unbedingt noth- 
wendig, da der Boden stets feucht und kalt ist. Das Lagern auf bloßem 
Boden wäre entschieden gesundheitsschädlich. 

Das Aufstreuen von Stroh hat sich, soferne nicht ganze Stroh- 
bflschel unmittelbar an das Feuer gebracht werden, als ungeföhrlich 
erwiesen. 

Das aus acht Zeltblättern zusammengefügte, 2'9m hohe Zelt ge- 
stattet der Mannschaft eine aufrechte Körperhaltung und freiere Bewe- 
gung, erleichtert die Herstellung des Ofens und erhöht die Sicherheit 
gegen Feuersgefahr. 

In einem nach vorstehendem errichteten und geheizten Zelte haben 
am 15. Februar 1 Officier und 6 Mann bei — 8"B. Außentemperatur 



30 Herstellang von gegen R&lte schätzenden Nothunterkflnfteo. 

genächtigt, waren am Morgen vollkommen ausgeruht und haben keinerlei 
Schaden genommen. 

2. Anlage nach Fig. 2. 

Zelt normal, für acht Mann. 

Der Ofen wurde aus acht Ziegeln, angelehnt an der Zeltstange, 
einfach aufgebaut; für den Rauchabzug war ein Rauchfang aas Weiden- 
rinde hergestellt, welcher, an die Zeltstange gebunden, rechtwinklig 
abgebogen, durch einen Zeltschlitz ins Freie führte. Es ergab sich eine 
Temperaturerhöhung um 12 bis lö^'R. 

Die Herrichtung eines Rauchfanges aus Conservenbüchsen ergab 
sich als schwierig, ist aber immerhin möglich. 

Der Rauchfang aus Baumrinde ist mit Lehm oder Erde zu ver- 
schmieren; auch ist an dem unteren Theile zur Erhöhung der Stand- 
festigkeit eine Conservenbüchse anzusetzen. 

Die Beheizung der Zelte vermittels kleiner Öfen hat sich als die 
beste Beheizungsart erwiesen. 

Material und Form des Ofens, sowie die Art des Rauchabzuges 
können mannigfach sein: je nach den verfügbaren Mitteln, nach Form 
und Größe des Zeltes u. s. w. Stets aber ist anzustreben, den Ofen 
aus Steinen (Ziegel oder behauene größere Bruchsteine) auszuführen, 
da Steine die Wärme des Feuers leicht aufnehmen und an die Zelt- 
Inft wieder leicht abgeben. Je größer die Oberfläche, umso besser. 

Alle Fugen sind gut zu verschmieren, um der Rauchentwickelang 
im Zelte vorzubeugen. 

Zelthütte. 

(Erprobt im Bereiche des 10. Corps. Tafel 1, Fig. 3.) 

Zelthütte für 1 bis 2 Schwärme. Wände aus Flechtwerk 
mit anschließender Schneewand, rhombischer Grundriss, Dach aus vier 
zusammengeknöpften Zeltblättern ; innere Beheizung durch kleinen landes- 
üblichen Ofen, in einer Ecke angebracht. 

Der Ofen besteht aus Elaubsteinen und Lehm und kann in zwei 
Stunden hergestellt werden. Der Rauchabzug wird durch eine kurze 
Blechröhre bewirkt, welche aus leeren Conservenbüchsen, deren Boden 
entfernt worden, zusammengesetzt wird; die Büchsen werden ioeioander 
geschoben und mit Lehm verklebt. 

Die Eingangsöifnung in die Zelthütte wird durch ein fünftes Zelt- 
blatt abgeschlossen. 

Errichtungsdauer bei bereitgestelltem Material: vier Standen. 
Belagsraum: 8 bis 10 Mann. Außentemperatur: — TR. Windstille. 



HerstellaDg Ton gegen K&lte schätzenden Nothanterkfinften. 3^ 

Nachdem mit dem Heizen begonnen wurde, stieg die Temperatur 
nach einer Stunde auf + 16®E. 

Der Ofen heizte tadellos; in der Hütte war kein Rauch. Holz- 
verbrauch gering. 

Erdhütte. 

(Aus dem Berichte des Infanterie-Regimentes Nr. 55. Tafel 1, Fig. 4, 5, 6.) 

Die Erdhütte mit Zeltdach für einen Zug auf Kriegsstärke 
(50 Mann) wurde derartig angelegt, dass die Leute aufrecht stehen, 
sich bequem bewegen und bei Nacht der Breite der Hütte nach aus- 
gestreckt liegen konnten. Zum Sitzen war an einer Längenwand eine 
Stufe angebracht, welche gleichzeitig beim Liegen als erhöhte Unter- 
lage för den Kopf diente. 

Das Dach bestand aus 50 Zeltblättern, welche der ganzen Länge 
nach doppelt gelegt waren. Nachdem das Doppelzeltdach das Durch- 
dringen des Tageslichtes hinderte, so wurden bei Tag, zum Durchlassen 
des Lichtes, einzelne Zeltblätter der obersten Lage umgeschlagen und 
auf diese Art genügende Lichtzugänge durch die hiedurch freiliegenden 
Theile des einfachen unteren Zeltdaches gebildet. Während der Nacht 
wurden diese Zugänge geschlossen. 

Das Dachgerippe wurde aus Dachsparren (Latten, Aste, Stangen) 
gebildet, deren untere Enden in die Erde gesteckt, die oberen dagegen 
mit einer Schnur verbunden waren. Ein über die oberen verbundenen 
Theile der Dachsparren gespannter und an beiden Enden der Hütte an- 
gepflockter Pionnierstrick bildete den First. 

Die unteren Enden der bis zum Boden ausgespannten Zeltblutter 
wurden außen mit einer Erdschichte belegt, während im Innern des 
Zeltes durch eine an die unteren Zeltenden angelegte Strohfaschine der 
vollkommene Abschluss bewerkstelligt wurde. 

Die Hüttenwände waren mit frei herabhängendem, am oberen Ende 
mit Spagat verflochtenem Stroh ausgefüttert; die Sitzstute, die Baukette 
zum Auflegen der Rüstungen, sowie der Fußboden waren mit einer reich- 
lichen Strohschichte bedeckt. 

Zunächst der beiden Eingänge in die Hütte befand sich nebst den 
Stufen zum Hinabsteigen je eine breite Stufe zum Aufstellen der Wasser- 
kannen, Werkzeuge u. dgl. 

Die Gewehre waren an Holznägeln zunächst der beiden Eingänge, 
die Tornister desgleichen beiderseits des Ofens aufgehängt. Die Brot- 
slekef Esscbalen, Monturen u. s. w. befanden sich auf dem Bankette. 



32 He^rBtellung von gegen KSlte schüUend«n Nothunterkanften. 

Die HeizTorrichtuDg beBtand aus einem in der Mitte der Hütte 
angelegten Erdofeü mit Feuerstelle, Bost, Raucbabzug und Eamiu, 
wobei die Feuerstelle durch Ziegelsteine verschlossen werdea konnte; 
ober derselben war eine Eisenblechplatte behufs besserer Ausströmung der 
Wärme angebracht. 

Beim Ausgraben der Erde wurde das für den Ofen bestimiDte 
Erdprisma stehen gelassen und dann in demselben der Ofen angelegt. 
Die Seitenwände der Feuerstelle, des Rostes und des Rauchabzuges 
wurden mit Bruchsteinen oder Ziegeln bekleidet, der Kamin aus Steinen 
und Ziegeln erbaut, mit Lehm verschmiert und mit Erde umgebeo. 
Der Kamin erhielt, um das Eindringen von Regen oder Schnee zu ver- 
hindern, eine aus zwei schräg gegen einander gestellten Ziegeln ge- 
bildete Kappe, welcbe je nach der Windrichtung derart verstellt wurde, 
dass sich dem Winde die breite Ziegelfläche zukehrte, wodurch ein 
Zurückschlagen des Rauches und Eindringen desselben in das Innere 
der Hütte vermieden wurde. 

Diese für einen Zug auf Kriegsstärke ausreichende Erdhütte be- 
währte sich als eine vollkommen geräumige, bequeme, jederzeit gut 
heizbare und, auch wenn nicht geheizt, gut temperierte Unterkunft. 
Es wurde darin Mannschaftsscbule abgehalten, wobei nicht nur die Leute 
sitzen, sondern auch die beiden Profeasionisten (Schuster und Schneider) 
beiderseits des Ofens bequem ihre Arbeit verrichten konnten. 

Innerhalb, vor beiden, durch die an den Stirnseiten hinaus- 
gespanuten Zeltblätter geschlossenen Eingänge, wurde, um beim Aus- 
und Eingehen der Mannschaft das Ausströmen der inneren Wärme und 
den Zutritt der kalten Luft zu verhindern, je ein Zeltblatt oben und an 
den Innenflächen des Daches angeknfipft, welches nun, frei herabhängend, 
das Innere der Hütte selbstthätig abschloss. 

Diese Art eines doppelten Abschlusses bei den Eingängen wurde, 
nachdem sie sieb so gut bewährt hatte, bei allen im Lager zur Auf- 
stellung gelangten Erdhütten und Zelten angewendet. 



Schneehütte. 

{Aas dem Berichte des InfaDterio-Regimciites Nr. bb. Tafel 1, Fig. 7. 8, 9, 10.) 
Die Schneehütte bestand aus den Seitenwänden, dem Zeltdach 

und dem Ofen. 

Die Im hohen und 80cm breiten Seitenwände umschlossen ein 

Rechteck von 9Tri Länge und 2fn Breite und waren aus quadersteinfiJrmigen, 



BeratelluDg von ^egen Kälte scbatzenden Nothanierkönftou. 



33 



Bngefilhr 30cwi langen, 20cm breiten und löcm hohen Schueeprismen, 
welcbe mit Schaufeln aus Schneahaufeu ausgestochen worden waren, 
mauerformig erbaut. Um die „voll auf Fuge" gelegten Schneeprismen 
fest zu machen und sie mit einander zn Terbinden, wurden dieselben 
lagenweise mit Wasser begossen. 

Über den aus Schnee hergestellten Seitenwänden wurden Dach- 
sparren ans Ästen oder Latten, ähnlich wie bei der Erdhütte, aufgesetzt; 
darüber wurde aus 10 Zeltblattern ein Dach hergestellt. 

Der Ofen in der Mitte der HQtte war ans Erde, Steinen und 
Ziegeln erbaut und mit Hauchabziig und Kamin versehen. Ofen und 
Bauchabzng dürfen, wegen des leichten Äbschmehens, mit den Schnee- 
wäuden der Hütte nicht in unmittelbare Berührung treten und wurden 
deshalb oben und seitwärts mit einer Erdsehichte bekleidet. 

Die Wände innerhalb der Hütte wurden mit einer lOcm dicken 
Strohscbichte bekleidet, auch war der Fußboden auf eine Höhe von 
iOcm mit Stroh überdeckt. Der Eingang wurde mit einem Zeltvorhang 
geschlossen. 

Diese Schneehütte war vom 12. März 2 Ulir nachmittags bis 
13. Mfirz 5 ühr morgens mit 20 Mann belegt, wobei die Gewehre und 
Rüstungen innerhalb der Hütte an den Seitenwänden auf eingesteckten 
Holznägeln aufgehängt waren. 

Die Schneehütte hatte sich als eine sehr vortheilhafte Unterkunft 
erwiesen, und wäre, sobald dichter Schnee in genügender Menge vor- 
banden ist, sowie im steinigen Terrain, der Erdhütte vorzuziehen. Die 
Herstellung ist viel rascher und mit weniger Mühe als bei Erdhütten 
dtirchzaluhrea. 



Erd- (Schnee-) HUtten. 

{Erprobt beim Infanterie-Regimente Nr. 41. T»fel 8, Fig. 11, 12, 13. 14.) 

Fig. II und 12. Überdeckte Hütte mit Feuerleitung. Aushebung 
lejnea Grabens auf l'50m Tiefe und 2m Breite. Anschüttung der Erde 
|ttnd des Schnees an der Wetterseite. An der Kopfseite der Grabensohle 
wurde ein 20^»» breites und 'iOcut tiefes Gräbchen ausgehoben und mit 
lasenziegeln überdeckt; an einer Stirnseite war ein Heizloch durch- 
Ijfebrocben, an der gegenüberliegenden ein Ilauchabzug hergestellt. Die 
l,£indeckung erfolgte durch zusammengeknüpfte /eltblätter. 



y 



34 Herstellung von gegen Kälte schOtzenden Nothan terkünften. 

Fig. ]3 und 14. Dieselbe Form, doppeltbreit, mit der Wärmeleitong 
in der Mitte der Grabensohle, für zweigliedrige Benutzung. 

Vortheile: Nicht allzuschwer zu errichten. 

Herstellungszeit: 2 bis 3 Stunden; das Lagerfeuer kann auch als 
Kochfeuer benützt werden, gleichzeitig wird dasselbe zur Erwärmung 
des ünterkunftsraumes benützt 

Der Unterschied zwischen der Temperatur im Freien und jener 
in der Hütte betrug in den ersten Tagen 7*; später erhöhte sich der- 
selbe durch Verbesserung der Wärmeleitung auf 10 bis 15" C. 

Die Deckung des Bauchabzugs- und Wärme-Canals mit Basen- 
ziegeln hat nicht ganz entsprochen, indem die gefrorenen Ziegel durch 
die erzeugte Wärme aufthauen, sodann den Canal verschütten, wodurch 
sich der Bauch in den Liegeraum hineinzieht. Demnach wurde die 
Fütterung und Eindeckung der Feuerleitung mit Mauer- oder Dach- 
ziegeln versucht, was sich vorzüglich bewährte. 

Für zwei Glieder hat diese Form weniger entsprochen, weil die 
Spannung für die zusammengesetzte Zeltfläche, sowie die Arbeitszeit zu 
groß waren. 

Die Anwendung von leeren Conservenbüchsen zur Herstellung des 
Banchableitungs- und Wärme-Canals war hier von keinem praktischen 
Vortheil ; die Büchsen mussten zuerst ins Feuer gelegt werden, um die 
Verzinnung an den beiden Böden zu lösen, sodann wurde das eine auf- 
getriebene Ende der Büchse mit einer Blechscheere abgeschnitten und 
die Büchsen röhrenförmig ineinander gesteckt. Zu einer Länge von Im 
waren 16 Conservebüchsen nothwendig und da die innere Lichte bloß 
7cm im Durchmesser betrug, mussten zwei Leitungen parallel mit einem 
Zwischenräume von 20cm gelegt werden. Der Canal wurde hierauf mit 
Erde überdeckt und entsprach als Bauchabzug wohl einige Stunden, bis 
die Mannschaft allmählich auf die aufgeworfene Erde trat und dadurch 
einige der ohnehin dünngehaltenen Büchsen stellenweise eindrückte; 
der Bauchabzng gerieth daher in Stockung und die schadhafte Stelle 
musste ausgebessert werden. 

Die Temperatur im Unterkunftsraume erreichte eine Höhe von 
-|- IV; der Aufenthalt darin war angemessen angenehm. 

Eine andere Hütte, ähnlich der eben beschriebenen, wurde dadurch 
hergestellt, dass der Liegeraum auf V&Om vertieft und mit Zeltbl&ttern^ 
die auf Stützen ruhten, überdeckt wurde. Treppenartiger Abstieg. 



Herstellung Ton gegen Kälte schützenden Nothonterkünften. 35 

Heizbare Erdhütte. 

(Erprobt beim Feld-Jäger-Bataillon Nr. 30. Tafel 2, Fig. 15, 16.) 

Erdhütte für 60 Mann. Witterung: starker Frost, — 12* C, Erd- 
Doden mit 30cm hohem Schnee bedeckt, und 20cm tief gefroren. 

Aushebung einer Grube von 8m Länge, 4m Breite und Im Tiefe ; 
das gewonnene Erdreich wird zu einem TiOm hohen Aufwurf mit mög- 
lichst steilen Böschungen verwendet. Erforderlich sind vier Mann mit 
Krampen und vier Mann mit Wurfschaufeln. Im ganzen nahm die Erd- 
arbeit 5 Stunden, die Eindeckung mit Latten und darüber gespannten 
Zeltblättern 1 Stunde in Anspruch. Die Eindeckung war doppelwaudig 
und erforderte 56 Zeltblätter. Die Beheizung erfolgte durch drei an 
einer Seite der Wand angebrachten Erdöfen. 

Die Temperatur-Ablesungen ergaben z. B. 
10 Uhr 30 Minuten abends: außen — 12" C, innen -f- 2* C. 

1 „ nachts: „ — 13« C, „ + 7« C. 

4 n froh: „ — irC, „ + 12*C. 

Zu Beginn der Heizung entwickelte sich im Innern der Erdhütte 
ein starker Bauch; nach entsprechender Lüftung blieb jedoch die Luft 
in weiterem Verlaufe ganz erträglich. 

Zelthütten mit Noth-Feldbaekofen. 

(Ana dem Berichte des Feld-J&ger-Bataillons Nr. 30, Tafel 2, Fig. 17, 18, 19, 20.) «) 

1. Versuch. Hiezu Fig. 17 und 18. 

Die Erde war 10cm tief hart gefroren und 35cm hoch mit Schnee 

bedeckt. 

Um einen kegelförmigen Noth-Feldbackofen wurde kreisförmig ein 
0*5m hoher, 50 bis 100cm starker Schneewall aufgeworfen, welcher mit 
Zuhilfenahme eines einfachen Dachgerüstes mit 36 Zeltblättern ein- 
gedeckt wurde. 

Der kegelförmige Noth-Feldbackofen wurde nach den in der Ver- 
pflegsvorschrift enthaltenen Angaben auf einem natürlichen, 50cm hohen 
kreisförmigen Erdsockel hergestellt. Um den Rauch besser ableiten zu 
können, wurde auf dem Ofen noch ein 60cm hoher Kamin aus Flecht- 
werk aufgesetzt und derselbe mit Lehm stark verschmiert. Auf diese 
Art wurde vom Erdofen bis zur Schlotmündung eine Höhe von 2*60m 
erreicht. 



*) Die Figuren warden nach den vorhandenen, wenig cotierten Skizzen ergänzt. 

Die Red. 



36 HerstellaDg Ton gegen Kälte schfltienden Nothmiterkünfteii. 

In gleicher Hohe der Feuerstelle wurden außer der Heizöffbung 
noch vier nach verschiedenen Bichtungen mündende 10/lOcm große 
Öffnungen in der Ofenwand angebracht, welche anfänglich mit einem 
Stück Holz (Stein) verstopft wurden. Diese Offnungen hatten den Zweck, 
nach dem Ausglühen des Ofens durch Entfernung des Verschlusses das 
Ausstrahlen der Ofenhitze zu fördern. 

Die Aufstellung des Ofens hatte 4 Stunden in Anspruch ge- 
nommen; mit dem Ausheizen wurde sofort begonnen. 

Nach einstündiger Beheizung kam der Ofen, der aus gefrorener 
Lehmerde hergestellt und daher stark wasserhaltig war, infolge der 
Erwärmung zum Einsturz, so dass der Versuch eingestellt werden musste. 

2. Versuch. (Fortsetzung des vorigen.) 

Witterung: mäßige Kälte — 3®C.; starker Nordwestwind; Erde 
10cm tief gefroren. 

Der vom vorigen Versuche noch unverändert stehen gebliebene 
Schneewall wurde auch zu diesem Versuche benützt. 

Der Ofen wurde diesmal aus gut geknetetem, frostfreiem, mit Häcker- 
ling gemengtem Lehm hergestellt. Arbeitszeit 5 Stunden. 

dm den die Mitte des Zeltes bildenden Ofen wurde aus vier 
2'50m hohen Ständern und vier kurzen Verbindungslatten ein Gerüst 
aufgestellt, welches als Stütze für die Dachsparren dienen sollte. Hierauf 
wurden sieben 4m lange Latten mit einem Ende an den Schneewall 
gestützt und mit dem anderen Ende an das erwähnte Gerüst derart be- 
festigt, dass die Enden bis knapp an den Ofenschlot reichten, ohne jedoch 
denselben zu berühren. Auf diesem Oerippe wurde das aus 36 Zelt- 
blättern bestehende Dach niittels Strohschnüre befestigt. 

Um das Verbrennen oder Verkohlen der Zeltblätter in der nächsten 
Nähe des Kamins zu verhüten, wurde dort, wo das Dach an den Kamin 
anschließt, statt der Zeltblätter ein Kranz aus Stroh, welcher mit Lehm 
stark verschmiert wurde, angebracht und mittels eines Holzreifens be- 
festigt. 

Die Eindeckung hat infolge des heftigen Windes fast eine Stunde 
in Anspruch genommen ; auch mussten die Zeltblätter von oben mittels 
mehrerer, über dieselben gezogener Strohseile an die Latten und an den 
Schneewall befestigt werden. 

Das Zelt wurde mit 50 Mann belegt. 

Nach Herstellung des Ofens wurde derselbe sofort geheizt, doch 
waren nach einer fast zehnstündigen Beheizung die Ofenwände noch 
derart nass, dass der Ofen in einen förmlichen Dunstkreis gehüllt war. 
Wärme strahlte nur durch das Heizloch und durch die vier angebrachten 



HersteUnng von gegen Kälte schützenden Nothunterkfinften. 37 

ÖffiiQDgen herans, was jedoch nur eine ganz geringe Erwärmung zur 
Folge hatte. Bei einer äußeren Temperatur von — 5® C. wurde bis gegen 
12 Uhr nachts im Innern des Zeltes keine höhere Temperatur als 
+ 3* C. erreicht 

Außerdem war durch die Erwärmung die gefrorene Erde im Zelte 
allmählich aufgethaut, wodurch sich der Boden ununterbrochen mit 
Wasser bedeckte, welches von Zeit zu Zeit herausgekehrt werden musste. 
Infolge dessen war die Beschuhung der Mannschaft ganz durchnässt. 
Selbst das Lagerstroh wurde gegen 9 ühr abends durch den auf- 
thauenden Boden derart durchnässt, dass das Liegen auf demselben aus- 
gesehlossen blieb. 

Im weiteren Verlaufe des Versuches zeigte sich, dass der Auf- 
enthalt in diesem Unterkunftsraume recht unleidlich war und für längere 
Dauer sogar gesundheitsschädlich werden könnte. 

Die Figuren 18 und 19 zeigen eine ähnliche Construction für 
25 Mann. Aufstellungszeit des Ofens : 8 Stunden. Dauer des Ausheizens : 
63 Standen; hierauf Temperatur im Innern -f" ^ bis -f- 16^ R-; äußere 
Temperatur: 0* bis — 1" R. 

Schneehütte. 

(Erprobt im Bereiche des 10. Corps. Tafel 2, Fig. 21, 22.) 

Die Figuren 21 und 22 zeigen eine Schneehütte für 38 Mann 
Belag. Die Grube ist ir26m lang, 5'2bm breit; sie wird von 75cm hohen 
und 50cm starken Schneewänden umgeben; die Eindeckung erfolgte durch 
27 Zeltblätter. Der Ofen und der Heizcanal sind etwas in die Sohle ver- 
senkt; der Heizcanal wurde mit Dachziegeln überdeckt. 

Arbeiter 30 Mann. Arbeitszeit 4 Stunden '). 



*) Weitere Angaben fehlen. Die Red. 



38 * Notizen. 

Die PrQfung des mit HaussGhwamm-Keiineii behafteten Bauholzes. 

Der Haasschwamm besteht aus einem Pilzgewebe (Myceliom), das in 
dem von ihm occupierten Holze sich ausbreitet, ihm durch chemische Ein- 
flüsse die wichtigsten Bestandtheile entzieht und es auf diese Weise zum 
Zerfall bringt. 

Das Mycelium besteht ans zarten, dünnwandigen Fäden (Hyphen), deren 
Spitze angeschwollen ist und von einem dichten granulösen Inhalt erfüllt wird. 

Diese Hyphen, welche nur Vjooo ^^^ Viooo*'**'* ^^^^ sind, ver- 
breiten sich zunächst in ihrer dünnfödigen Gestalt im Innern des Holzkörpers 
gleich wie das zarteste Spinngewebe und treten später aus demselben aus, in 
reichlicher Verzweigung und Verflechtung. Das Mycelium ist fast immer von 
schneeweißer Farbe, wenngleich die einzelne Hyphe vollkommen farblos 
erscheint. Zuweilen bilden sich durch Verflechtung der Hyphen kräftige Stränge 
von etwa 1 cm Dicke, die sich, am Holz und Mauerwerk fest anschmiegend, 
weit ausbreiten. Auf diese Weise breitet sich der Hausschwamm aus dem 
Souterrain ins Erdgeschoß aus und gelangt selbst in die obersten Geschoße und 
bis zum Dachgehölz. Er gedeiht in dieser Ausbreitung selbst auf Gegenständen, 
die ihm keine Nahrung liefern, da er sich diese durch die Stränge aus den 
tiefer gelegenen Schichten aufsaugt und zuführt. 

Wie bei allen Pilzen, unterscheidet man auch beim Hausschwamm zwei 
Stadien seiner Lebensthätigkeit. Im ersten nimmt das Mycelium lediglich eine 
große Menge von Nahrung in sich auf und assimiliert dieselbe, es wächst; 
im zweiten Stadium obliegt es der zur Fortpflanzung nöthigen Fruchtbildung. 
Im letzteren sucht das Mycelium das Licht und reichliche Zu- 
fuhr von Luft. Es drängt sich zwischen dem Holz und Mauerwerk durch 
und entwickelt an seiner Oberfläche den Fruchtkörper, welcher die Fort- 
pflanzungsorgane (Sporen) in unglaublich großer Zahl, oft in dicker Schichte, 
enthält. 

Die Sporen (OOlmm lang, 0'006fnm breit) werden mit Vehemenz von 
ihren Trägern (Hyphen) nach allen Seiten fortgeschleudert und vermöge ihrer 
Leichtigkeit durch die Luft weitergeführt. 

Dr. H. R. G ö p p e r t hat im schlesischen Provincial-Museum durch die 
Aufstellung von Objectträgem mit Glycerin nachgewiesen, dass die Sporen in 
allen Räumen reichlich vorhanden waren. Oft lagen sie auf dem Fußboden, 
auf den Geräthschaften und Modellen in Milliarden bei einander und bildeten 
dichte Überzüge von zimmtbrauner Farbe, welche man abkehren konnte. 

Die Keimung der Spore und somit die erste Entwickelung des Pilzes ist 
bis jetzt unbekannt. 

Während Hart ig die Verbreitung des Hausschwammes auch durch 
Sporen zugibt, wird dies von anderen Forschern bestritten. 

Nach Hartig trägt der Wind die Sporen von Orten, wo sie in großer 
Menge vorhanden sind, unter Umständen in weite Femen, und es ist daher 
selbstverständlich, dass hierdurch leicht unser Bauholz sowohl auf den Lager- 
plätzen, als auch in den Gebäuden selbst, als verbautes Holz, betroffen werden 
kann ; ja es können solche Sporen, wie Hartig besonders hervorhebt, selbst 
durch die Kleider und Werkzeuge der Zimmerleute auf gesundes Holz über- 
tragen werden. 



Notizen. 39 

Der in der Hausschwammfrage besonders informierte und bahnbrechende 
russische Ingenieur-Oberstlieutenant von Baumgarten (siehe dessen Schrift 
y,Die Hausschwammfrage der Gegenwart'', frei bearbeitet von Gottgetreu 1891) 
hält eine derartige Infection für verschwindend klein gegen die vom Winde 
mitgeführten unbemerkbaren Staubwolken von Meruliussporen, welche bei ein- 
tretender Windstille, oder wenn sie auf ein Hindernis stoßen, sich niederlassen 
ond g^oße Strecken mit Milliarden von Sporen bedecken. 

Baumgarten macht darauf aufmerksam, dass die Hausschwamm- 
sporen in die Binde von lebenden Bäumen massenhaft verweht 
werden, dass sie hier unter günstigen Umständen zu keimen anfangen, bevor 
das Holz zum Bauen verwendet wird ; wenn nun in solcher Weise der Haus- 
schwamm in ein Gebäude bereits in der Form von mikroskopischem 
Mycel gebracht wird, so ist das nichts anderes, als eine Infection des 
lebenden Baumes. 

Wie wir weiter unten sehen werden, ist es nun äußerst schwer 
gelungen, Hausschwammsporen künstlich zur Entwicklung 
zu bringen; durch einfaches Bestreuen des Holzes sicherlich nicht. 

Dagegen gelang es Oberstlieutenant Baumgarten, wie ebenfalls noch 
angeführt werden wird. Bäume durch Anbohren oder an verletzten 
Warzeistellen mit Hausschwaromsporen vollkommen zu in- 
f leieren, so dass sich im Baume feines, dem freien Auge nicht sichtbares 
Mjcel bildete. Hier gelang also die Einführung der Sporen in das Holz durch 
die Saftcirculation des lebenden Stammes. Es hat dies eine Ähnlichkeit mit 
der Infection thierischer Körper durch Bacterien, denen viele Erankheitskeime 
aaf der Oberfläche des Körpers ganz ungefährlich sind, aber in das Innere 
desselben durch Athmung oder Nahrung oder an verletzten Körpertheilen ein- 
geführt, wne fürchterliche Wirkung hervorzurufen vermögen. (Infection s- 
krankheiten.) 

Nicht mit Unrecht hat daher Dr. Th. Poleck (siehe den „Hausschwamm, 
seine Entwicklung und seine Bekämpfung" von Dr. Göppert, nach dessen 
Tod herausgegeben von Dr. Pol eck) Forstmänner und Gärtner vor jeder 
unnQtzen Verletzung der Bäume durch Ausästen gewarnt und darauf hinge- 
wiesen, dass die gefährlichsten Krankheiten derselben durch Pilze erzeugt 
werden, deren staubfeine Samen auf jeder Wundfläche ein günstiges Substrat 
für ihre weitere Entwicklung vorfinden. „Jeder größere Pilz — schreibt 
Poleck — welcher an einem Baume hervortritt, ist das sichere Zeichen 
einer chronischen Krankheit, welche endlich den Tod des Baumes herbeiführt.^ 

Jedenfalls gelangen die Hausschwammsporen durch Vermittlung der 
Säfle des Baumes leichter in das Holz, als durch bloße Berührung mit der 
Oberfläche des geschlagenen Bauholzes. 

Das letztere kann auch vom Mycelium befallen werden, wenn es an 
und fSr sich gesund ist, aber in einer Erdlage eingebettet ist, welche Haus- 
sehwammsporen enthält und für diese gute Entwicklungsbedingungen besitzt, 
80 dass sich die Sporen zum Mycel ausbilden, worauf sie als solches selbst- 
versländlich auch das vollkommen gesunde Holz befallen und zerstören. Die 
Beschaffenheit der Holzeinbettung ist daher für die Vermeidung des Haus- 
schwammes von Wesenheit. 



40 N 1 i I e D. 

Bezöglich der Leichtigkeit der Eeimmig von Hausschwammsporen gehen 
die Meinungen der Fachleute auseinander. 

Für die Beurtheilung der günstigen Bedingungen zur Eeimentwieklung 
der Sporen ist die Kenntnis der chemischen Zusammensetzung des Haus- 
schwammes wertvoll. Nach 6 ö p p e r t und P o 1 e e k hat derselbe in dieser 
Beziehung die größte Analogie mit anderen Pilzen. Er setzt sich zusammen 
ans stickstoffhaltigen Substanzen, Fett und in noch höherem Grade aus Alkali- 
Phosphaten, und ist, wie alle Pilze, sehr wasserreich. Der Wassergehalt schwankt 
zwischen 50 bis 70%. An Stickstoff besitzt er fast 57«, an Fett 137,. 

Der Hausschwamm enthält auch Phosphorsfture, u. zw. im Mycel als 
unlösliches Phosphat (Calciumphosphat), w&hrend in den Sporenlagem des 
Pilzes lösliches Caliumphosphat vorhanden ist. 

Aus den Untersuchungen der obgenannten Forscher wird der Schluss 
gezogen, dass die Wirkung des Hausschwammes auf das Holz in erster Linie 
darin bestehe, dass er diesem die zu seiner Entwicklung nothwendigen mine- 
ralischen Bestandtheile entzieht, dadurch seine Structur auflockert und der 
weiteren Zersetzung zugänglich macht Je reicher das Holz an Phos- 
phorsäure und Kalium, sowie an Stickstoff ist, um so rascher 
wird die Entwicklung des Pilzes stattfinden. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass 
ein solches Holz bei Gegenwart von Feuchtigkeit und Ausschluss des Lichtes 
der geeignetste Nährboden für die Keimung der Sporen und ihrer weiteren 
Entwicklung sein wird. Das Holz der in Saft gefällten Ooniferen 
enthält aber fünfmal mehr Kalium und achtmal mehr Phos- 
phorsäure und ist reicher an Stickstoff als das im Winter 
gefällte Holz, seine Verwendung zu Bauten wird daher verhängnisvoll, 
wenn bd vorhandener Feuchtigkeit gleichzeitig Sporen des Hausschwammes 
in den Neubau gelangen. 

Göppert und Poleck bekräftigen diese Anschauung durch folgende 
Experimente : Es wurde ein Querschnitt des im Winter gefällten Holzes von 
bekanntem Gehalt an mineralischen Bestandtbeilen in ein Gefäß gebracht, auf 
dessen Boden sich eine, wenige Millimeter hohe Wasserschichte befand. Auf 
die obere mit Wasser angefeuchtete Seite dieses Querschnittes wurden Sporen 
des Hausschwammes in reichlicher Menge ausgesät und dann das Gefäß wohl- 
bedeckt in einem vollständig dunklen Baum, dessen Temperatur im Sommer 
und Winter nur innerhalb enger Grenzen schwankte, aufbewahrt. 

In derselben Weise wurde ein 15cm hoher Querschnitt von 21cm 
Durchmesser des im April gefällten Holzes von ebenfalls bekanntem Gehalt 
an mineralischen Bestandtbeilen in einen bedeckten Glascylinder gebracht, auf 
seiner Oberfläche mit Sporen reichlich besäet und mit einer Glasplatte bedeckt 
an demselben dunklen Ort aufbewahrt. Dies geschah am 25. April 1884. 

Das Stück vom Winterholze hat sich bis Februar 1885 
völlig unverändert erhalten. Man fand weder auf, noch im Holze 
keimende Sporen oder Pilzmjcel, wohl aber waren erstere durch ihre Form 
und Farbe gut erkennbar, noch im unveränderten Zustande vorhanden. Eben- 
sowenig hatten sich bis zu dieser Zeit Schimmelpilze entwickelt. 

Ganz anders gestalteten sich dagegen die Verhältnisse 
auf dem Querschnitt des im April gefällten Stammes. Während 
Ende des Jahres (also nach 8 Monaten) nur vereinzelte Colonien von 



Noti; 



41 



Scbimmelpiheii sichtbar geworden waren, maclite sJuli im Anfang Jänner 1885 

ellenweise ein weißlicherOberzug bemerkbar, welcher endlich 

einer Stelle dentlich von einem Ausgangspunkte aus das charakte- 

stische. blendend weiBe Mycel des MeruliuB in der bekannten 

ßcberfönnigen Ausbreitung erkennen ließ. Auch waren bereits einzelne 

TrOprchen auf dem Mycel vorhanden. 

Es wurd« nun das Holz selbst untersucht, und Ewar an Stellen, an 
welchen das Hycel des Pilzes noch nicht auf der Oberfläche des Holzes deut- 
lich sichtbar war. Oberall fand man bei starker TergrOSernng das 
Holz von Hyphen durchzogen- Die Untersuchung ergab auch an der 
Oberfl&cbe des Hohes keimende Sporen in allen Stadien ihrer Entwickeinng 
und unveränderte Sporen. 

Efl sind diese vorbes pro ebenen Versuche die ersten gelungenen, durch 
welche Haue ach warn m-Sporen auf Holz, ihrem natürlichen Nährboden, zum 
Keimen gebracht wurden. Durch diese Parallel versuche mit Winter- und Sommer- 
holz wurde der sichere Beweis erbracht, dass nur das im Saft gef&llte 
Holz als ein geeigneter Nährboden f&r die Keimung und 
weitere Entwicklang des Hansschwammes gelten könne. 

Der Versuch hat gezeigt, dass die Sporen des Merulius eine gwisse 
Zeit tn ihrer Keimung bednrfen, dann ferner, wie dies zweifellos zu erwarten 
WUT, dass die anf die Oberfläche des Holzes fallenden Sporen zuerst ihre 
SchlSncbe in das Holz senden und dass schon eine bedeutende Infection mit 
dem Mycel stattgefunden hat, ehe dasselbe anf der Oberfläche des Holzes er- 
scheint, wo es dann allerdings rasch fortwSchst. 

Die Sporen des Hausschwammes gelangen also nur unter gewissen 
Bedingungen zur Keimung und diese sind im zur Saft zeit 
gefällten Hol/e vorhanden, wenn gleichzeitig genügende 
Feuchtigkeit, Wärme und Ausschluss des Luftwechsels und 
des Lichtes mitwirken. Hat sich aber einmal aus den Sporen das Mycel 
entwickelt, dann ergreift es von dem günstigen Nährboden aus auch jedes 
andere Holz ohne Unterschied und setzt sein Zerstörung« werk auch an Tapeten, 
Leinwand. Büchern und Mauerwerk fort. 

Wie dem Vorstehendon zu entnehmen ist, gelangt nach Pnleck und 
Göppert der Hausschwamra ans Sporen nur unter besonders fdr ihn günstigen 
Verhältnissen zur Entwicklung. 

Anders verhält es sich, wenn in dem verbauten Holze schon lebensfähiges 
Hycel des Hausschwammes vorhanden war. Dieses gelangt auch unter weniger 
gflnstigen Verhältnissen rasch zu Entwicklung. Hiezu reicht eine genügende 
Peachtigkeit, Ausschluss des Lichtes und Mangel an Luftwechsel ans. Wenn 
ein mit Vycel überzogenes Holz, seien es Balken oder Bretter, an die Luft 
kOBinit, 80 stellt sich bei genauerer Untersuchung heraus, dass die großen 
Hjcelflächen nur an einzelnen Stellen mit dem im Holze vegetieren- 
den Pilze in Verbindung stehen, während die ganze übrige Hasse dem Holze 
nor aufgelagert ist und sich mit einem Messer leicht abheben ISsst. Werden die 
Mycelplatten von dem Holze getrennt, so trocknen sie rasch au der Luft und 
sind nach vJ311igem Austrocknen nicht mehr weiter vegetationsfähig, 
auch nicht wenn sie nachher wieder mit Wasser angefeuchtet werden, wie die 
von Dr. Polleck und Apotheker H ü 1 1 e r angestellten Austrocknungaverso 



42 Notiiem 

ergaben. Das an der Oberfläche des Holzes befindliehe Mjcel stirbt ab, sobald 
es der Wirkong des Lichtes und der Luft ausgesetzt ist, aber die im Innern 
des Holzes vorhandenen Pilzfäden werden dadurch nicht getödtet. Dieselben 
werden oft im anscheinend ganz gesunden Holze nur durch eine mikroskopische 
Untersuchung nachgewiesen. 

Das im Holze befindliche Mycel bleibt auch nach jahrelanger 
Lagerung lebensfähig und gelangt später im verbauten Holze unter 
günstigen Bedingungen zur Entwicklung, wie die Erfahrung es in manchen 
Fällen bestätigt. 

Schauder hatte HolzstQcke von der Mjcelbekleidung an der Ober- 
fläche befreit und tagelang auf einem Schreibtische liegen lassen, ohne dass 
sich eine Hyphenbildung an der Oberfläche zeigte. Diese trat aber schon nach 
48 Stunden auf demselben als flockiges Mjcel hervor, als man die HolzstQcke 
in den von Licht und Luft abgeschlossenen Keimkasten gebracht hatte. 

Poleck und Göppert kommen daher zum Schlüsse, dass 
lebendes Mycel (also nicht Sporen) und von Hyphen des 
Hausschwammes durchzogenes Holz in erster Linie als 
Träger der Verbreitung des Hausschwammes gelten müssen. 
Schwieriger gestaltet sich die Ausbreitung desselben, wie das Experiment eben 
nachgewiesen, durch Entwicklung von Sporen am verbauten Holze. 

Aber selbst mit Mycel behaftetes Holz braucht vom Hausschwamm noch 
immer nicht ergriffen zu werden, da die Weiterbildung desselben gewisse 
Bedingung als : genügende Feuchtigkeit, dann Mangel an Licht und Luftwechsel 
erfordert. 

Es wurde schon mehrfach constatiert, dass vom Mycel inficiertes Holz, 
das bei Bauten Anwendung fand, nur in den unteren Geschoßen vom Schwamm 
befallen wurde, während es in den oberen Geschoßen, die wahrscheinlich trocken 
und luftig waren, von demselben verschont blieb. 

Gegenüber den beschriebenen Versuchen von Göppert und Pol eck, Sporen 
zum Keimen zu bringen, behauptet Hartig, dass die Hausschwamm- 
sporen weder im Wasser, noch in Fruchtsäften, noch in 
Gelatine oder in combinierten Nährsubstanzen zu keimen 
vermögen. Auch Aussaaten auf frischem oder trockenem Holze missglückten, 
sowohl im Keller als im feuchten Räume, im Dunkeln wie im Hellen. Erst 
bei Zusatz von Urin zu Fruchtgelatine gelang die Keimung, 
u. zw. keimten einzelne Sporen nach 24 Stunden, andere im Laufe der 
nächsten 8 Tage; doch dürfte die Gesammtheit aller in einer Cultur zur 
Keimung gelangenden Sporen 2 bis sy^ kaum überschreiten. 

Ebenso glückten Hartig Keimungen in Frachtsaftgelatine mit Zusatz 
von kohlensaurem Ammoniak. Auch dann, wenn einer Sporenaussaat in Frucht- 
saftgelatine, in welcher keine Keimung stattfand, drei Tage später etwas 
Ammoniak zugesetzt wurde, trat zwei Tage darauf Keimung ein. In gleicher 
Weise begünstigte kohlensaures Kali die Keimung. Daraus leitet Hartig die 
Erklärung für das oft beobachtete Auftreten des Hausschwammes in der Nähe 
von Aborten oder mit Urin inficierten Bauten, dann in humusreichen An- 
schüttungen ab. 

Auch kann aus der keimf^rdernden Wirkung des kohlensauren Kali 
die schädliche Wirkung der aus Stein- oder BraunkohlenlOschen oder Asche 



mm 

gebracht asi BBt nvdiiBifk manatzL. irnrdfoi HA]»{ic^«:s]D9t59^fi?vcD nnn \<iiim«k 
gebradit. Awdk «f HcbflK&c^cm. die n rrzn fri^uc^i wnrdfOL «rsmh H 4ti :^ 
die KcuBOBf aar Spann, wob msdi kö» wiäuirt Enrmiektümxic. Such H & ri :^ 
hatten 7 jihiige «sd 1 * ^ikng^ Sjncim. die aDerdxiirB ia läaniHa- «nfSMo^hn 
wareo, ihre Eeiafikirkeit rerlcrt-iL I^moi hAZfrfdMi Hariic Tühbv 
das« die BMnmckwwMtmsfönm jsBur fwiniaai T«9iUhB»»«B fach uihrfdM^r 
lebend erhalten. 

Der r— mche C^rnttienuaBiit BaviDrarifa hai Jahre hhidarrh ;f6cl 
grede Mihe g ffeb m , dsrch HtrsteDmiff und Bmttziuur to« Mits^n^ihffndHr. 
Keimransen and bä Abschlas dei Lkhu« aasmdU« Merolinj^-^^fotai xum 
Keim«! xn bring« — aber si^is xerg^blich. 

Da es 90 schver laiit. darch kfinsüiche Mittel die Keimnw die :^f»oinrai 
herbeiznIhhRn, so ist et »ehr vahracheänlidL daes das Auftreten d^$ 
HansachwaBBeB in den selt4>nsten Fillen dnrchSp^r^a Tei^ 
uraacht wird, die glncklicb^TVfise im Verhältnis xn den Milliarde«! is^ 
Samenatdobchen des HanascbTammes als Ters^chwiad^'nd klein ersrheinea. 

Banmgarten sagt: Wer mit AnÜBerksamkeit die Fill^ des Aaf^t>eeen$ 
Ton HaoBsrhwamm rerfolgt wird zu der Fberzengung geilanmi« dass das 
Mycel deeaelben schon in dem rerwendeten H olze Torhaadea 
war, nicht aber dnrch Sporen entstand. Er becründet diese Anschanni^ 
durch folgende Momente: 

1. Der Haofischwamm trat in Bossisch- Polen auch in solchen lUuleii 
auf, wo die besten Vorkehrungen gegen das Auftreten der Feucht^k^'it ge« 
troffen worden, somit die Bedingungen für eine Keimung der Sporen abs^^lat 
fehlten. 

2. Der Haasschwamm entwickelte sich autov^rdt^ntlich rasch : es musste 
daher das Mjcel im Holze schon Torfaanden sein, da Sporen eine viel längere 
Zeit aar Entwicklang erfordert hätten. 

3. Die Gleichmäßigkeit seiner Verbreitung in allen inficierten l^uwerken« 
u. zw. in allen Stockwerken. 

4. Weit Ton einaoder getrennte Bauwerke ^bis 4*3ivii\ di<^ Holt von 
gleicher Fällang und Ton derselben Bezugsquelle enthiolton, wurden gleich- 
zeitig Tom Haasschwamm befallen. 

5. Das Pilzgewebe des Hausschwammes breitete sich von den Bnlkon 
und Lagerhölzern zu den Brettern, nicht aber von diesen zu jenen aus. 

Wenn die Entwicklung des Hausschwammes einzig und allein durch 
Sporen, welche in der Luft vorhanden sind, möglich wäre, so stQnde es 
schlecht mit unseren Holzbauten, denn alle derselben, welche in Bezug auf 
Licht, Trockenheit, Luftcirculation , Beschaffenheit des Untergrundes den 
Hansschwamm begünstigen, müssen von ihm befallen werden. 

Von den zahlreichen Beispielen, wie selbst mit aller Sor»?fnU zur 
Hintanhaltnng der Feuchtigkeit ausgeführte Bauten in Uussisch^ritlen vom 
Hansschwamm dennoch befallen wurden, sei nur eines aus der Publicaiion 
Banmgarten 8 angeführt. 

In Brzesc-Litewski wurde im Jahre 1878 ein zweistöckiger Admini- 
strationsgebftude-Trakt für eine Militär-Bäckerei sehr sorgfältig in Ziegeln 
gemanert. Unter dem Fußboden des unteren GeschoÜes wurden goschlosHone 



44 Notiien. 

Betonanlagen angeordnet und ein Hohlraum ron 26cm belassen, der mit den 
Öfen der einzelnen Zimmer nnd mit der Luft der letzteren eommunicierte. 
Die Balken des unteren Fußbodens ruhten auf kleinen Backsteinunterlagen. 
Die Bretter waren durch langes Lagern YoUst&ndig luftrocken und von aus- 
gezeichneter Gflte. Alles Vierkantholz war 1877 geschlagen worden. 

Im Jahre 1878 wurden, nachdem die BalkenkOpfe der oberen GeschoOe 
mit Filz umlegt waren, die Fußbodenbretter rerlegt, ohne jedoch festgenagelt 
zu werden, auch ließ man der weiteren Vorsicht wegen zwischen je 
zwei Brettern eine nahezu 1 cm weite Fuge. Erst nachdem das Mauerwerk 
zwei Jahre ohne Kalkbewurf geblieben und als ganz ausgetrocknet befunden 
war, wurden die Fußbodenbretter im Sommer 1879 definitiv genagelt, nachdem 
man sich davon fiberzeugt hatte, dass in dem aufs sorgfältigste hergestellten 
Geb&ude kein nasses Fleckchen vorhanden sei; im Winter wurde das Gebäude 
dann seiner Bestimmung übergeben. Trotz alledem zeigte sich schon zwei Jahre 
später, d. h. im Jahre 1881, in beiden Stockwerken ein theilweises Einbrechen 
der Fußboden. Nach dem Aufreißen derselben wurden die ausgedehntesten 
Wucherungen des Merulius lacrymans sichtbar. In dem Zimmer selbst war 
keine Spur von Pilzbildung sichtbar geworden, denn die Fußbodenbretter waren 
fest miteinander verfQgt nnd mit Ölfarbe gestrichen ; dag^en waren die Dielen 
selbst an vielen Stellen der ganzen Decke nach bis zur dfinnen Haut des 
Ölanstriches in eine bröcklige Masse verwandelt Da der Hausschwamm sich 
hier bei Abschluss von Licht entwickelte, war die Bildung von Fruchtträgem 
ausgeschlossen. 

Besonders waren die Balkenköpfe in den inneren und äußeren Wänden 
und die ihnen zunächst liegenden Bretter vom Pilze stark angegriffen. Die 
Balken waren stellenweise bis zur Hälfte ihrer Stärke durchfault 

Im Erdgeschoße waren die Fußbodenbretter und ihre Lagerhölzer weniger 
zerstört als im oberen Geschoße, obwohl in diesem Luft von beiden Seiten dem 
Fußboden zugeführt wurde. Die Richtung der Myceliumstränge gieng von den 
Balken und Mauerbänken zu den Brettern hin. 

Wenn nun der Hausschwamm hauptsächlich aus dem im Bauholze schon 
vorhandenen Mycel entsteht, so wirft sich die Frage auf, wie dieses in die 
Holzmasse gelangt Bis vor wenigen Jahren haben die meisten Forscher, 
darunter Göppert, Poleck und H artig das Vorkommen des Mycels am 
lebenden Baume bestritten. 

Nach Gottgetreu war im vorigen Jahrhundert unter den Naturforschem 
vielfach die Ansicht verbreitet, dass die Ursache des Hausschwammes in den 
davon befallenen Nadelhölzern selbst liege, sowie gewisse Eingeweidewfirmer 
oder andere Lebewesen in den Leibern von Menschen und Thieren vorkommen. 
In gleicher Weise sollten sich auch im lebenden Holze Gebilde befinden, welche 
unter gewissen Umständen noch lange Zeit in den gefällten und verbauten 
Hölzem wirksam bleiben, unter Umständen absterben, unter Verhältnissen 
jedoch, welche ihrer Weiterentwicklung gfinstig sind, an die Oberfläche des 
Holzes treten und ihre zerstörende Wirkung beginnen, wie dies bei dem Haus» 
schwamm der Fall zu sein pflegt. Dabei nahmen manche Forscher an, dass 
die Keime des Hausschwammes ursprünglich nur an den Wurzelfasera der 
Nadelhölzer vorkommen, von hier aber in das Innere gelangen und unter Um- 
ständen sich in den Holzzellen weiter verbreiten. 




¥f tixen 4|t 

hwmmmm m MMSiiln Buo» mda TrriLomiH. Is SMiesm- Zun 1»; 

idenr Sm» flu T ^A^nu MP m^ HsBSüehvmiBBHi^ nr. 
Walds CTg epa W a- 3k»di BmiiLrari^ii kcmi ä» Banbftix in Miman liii»««rr. 
■jiW MMtkapgA zartes H&UBcbvimiiHMrrfil s^cbc« bb StamiDe in Waldf^ Iws^jom;. 
and dkaat in »eiis <ü» ünadif öcb- flacssdivaiDiiibDdimf:. da lTif<TSioiHa: 
dnrck SpofiB ia Zokuaft zc tat aaltersieB ScihcaibMUfii c^bCnoi awdim. 

Aach ÜUn Saanfpracbcr bgRifiiMB üt itäcbi» Kciinoiiir dtr S]v«rf«t 

So Bckraibl Accan <lb?€<. Hackt maa dk Aassaal ia eäm- &dark 
in weicher keia ]>&afv nm thkroclifai {«der T«r^tabili««bf>a S^inffm fsirV. 
befiadei, so wird maa aiemal« daraas d«a HaaseickvaBUB bf noma r^B^iB 
aohoD. GegiB da« Aaftnucn de§ k^txtem aas ^^na hilft oia ceaftfriflid rraa- 
gehalteaeii trock«MS FflDauscrial d«r FaßbTdea. 

1687. also zvei Jahre nach d€B Enchemctt des Werkes: ^IVr echiK' 
HaoaachwaBB^, tob Hartir. l«tTicfatet dieser Fc«rscher ia dfr Ficsü« aad 
JagdxeitaBg, dass das im Walde refillte Sumnhoh vMn Haas^chvaaiai 
befüleo wcfdea k^ae, aad ]^88• das» der HansscbwaaiiB aaeh aa all«« 
abgestorbeDOB Hölzern im Walde aachpe wiesen sei, also aos dem Walde ia 
die Hiaaer eingaschloppt Verden kaaa. 

Aach aodenrirts warden tob HansschvasB be&llene Räaaie in 
Wäldern gafnnden. 

Es steht soait nach der Ansicht Gottcretreas die vich« 
tigeThatsachefesUdass dasMjcel hiofiir genug Xadelhols- 
st&mme bewohatond mitdem Holze namittelbar in onsere Wohaai^ 
geiaiigt, wo es sich anter gfinstigea Bedingungen veiWr entwickelt. 

Fach B aam gart ea tritt das Haosscbwamm-Mycel an einigen Orti^n in 
so «rschrecklicheia, geradezu einer Epidemie ihnlichem Umfiitnge auf, dass 
z. B. in Basslaad ganze Waldungen bestehen, Ton welchen 
man sich hütet, Bauhölzer zu Terwendea, da diese in kanester 
Zeit^ trotz Anwendung größter Vorsicht, der Zerstörung durch Hausschwamm 

Tsrfkllen. 

Sehr interessante KeimTersuche Ton Hausscbwammsporen hat Raum- 
garten an lebenden Bäumen Yorgenommen. 

Um sich zu Oberzeugen, ob sich auf lebende Bäume der Mf.nJius 
lacryman» fibertragen lasse, stellte Baumgarten im Juli 188'2 mit zwei 
FkhtoD InfectionsTersuche an, indem er einige in die Äste gobobrt4^ Löcher mit 
zerriebener, reichlich Sporen enthaltender Pilzmasse anfüllte und mit Uölzern<^n 
Pfropfen Terschloss. Außerdem belegte er mehrere unter der Krde sich he- 
ftadeode Wnrzeln mit der gleichen Pilzmasse, nachdem an den betrefr«Mid«'n 
SteUen Einschnitte gemacht waren. Im November desselben Jabres, also naob 
Tier HoDaten, konnte man an mehreren diesen Bäumen entnt»nimenen Versuchs* 
Stücken sprossende Meruliussporen mit dem Mikroskope aufs unzweifel haftest«« 
beobachten. Baumgarten wurde leider durch Versetzung Yerhindert, die 
T^ancbe fortzufahren. Als er jedoch 1884 (d. i. nach zwei Jahren") die intlcierten 
Bäaaie bei Brzesc-Litewski einer erneuerten Untersuchung untt^rzog, fund er 
den Impfstellen ganz verschiedene Merkmale eingetretener Fdulnis und an 



46 Notizen. 

mehreren verdorrten Ästen war im Innern weißes Mjcelinm enthalten, ebenso 
fand er, dass eine der Wurzeln sowohl, als auch das untere Stammende des 
Baumes mit weißen Pilzhäuten bedeckt war. 

Bei Untersuchung des Holzes selbst zeigte sich an den Versuchsstficken 
der inficierten Fichten unter dem Mikroskope eine große Anzahl von 
Pilzföden, während andere VersuchsstQcke von benachbarten Bäumen als ganz 
frei an Mycel befunden wurden. 

Will man der Entstehung des Hausschwammes in Bauten rorbeugen, 
so muss in erster Linie die Verwendung eines Holzes, welches bereits mit dem 
Mycel behaftet ist, ausgeschlossen werden. Dies gilt insbesonders für nicht 
freiliegendes, sondern in Anschflttungen eingebettetes Holz, welches von Licht und 
Luft abgeschlossen ist, und wie z. B. in Erdgeschoßräumen, auch von Feuchtig- 
keit erreicht wird. Freiliegendes Holz, selbst wenn es das Mycel enthält, kann 
dennoch von dem Auftreten des Hausschwammes verschont bleiben, wenn die 
fQr ihn nöthigen Bedingungen von Feuchtigkeit und Luftmangel nicht vor- 
handen sind. Nach Jahren wird in solchem Holze endlich das Mycel seine 
Lebenskraft ganz verlieren. 

Es fragt sich nun, (»b das für Bauzwecke zu Obernehmende Holz in 
einfacher Weise — ohne erst auf mikroskopische Untersuchungen sich zu 
verlegen « — auf einen Mycelgehalt vom Hausschwamm goprQft werden könne, 
um, wenn dessen Vorhandensein constatiert wurde, mindestens von jener Ver- 
wendung dieses Holzes abzusehen, bei der — wie im Fußboden des Brd- 
goschoßes — ein Ausbruch des Hausschwammes zu befürchten steht. 

Nach den von Baumgarten durchgeführten Untersuchungen Ober die 
Wirksamkeit von Desinfoctionsmittel gegen den Hausschwamm durfte sich das 
Mittel finden lassen, das Vorhandensein des Mycels im Holze nachzuweisen. 
Es besteht darin, dieses dem freien Auge nicht sichtbare Gebilde zur möglichst 
raschen Weiterbildung, d.h. zur Entwicklung des Hausschwammes 
noch vor dem Einbauen zubringen, um dessen Existenz nachzuweisen. 
Ohne also erst ein bis zwei Jahre abzuwarten, bis das verbaute Holz dem 
Mycel eventuell Gelegenheit gibt, sieb zum Hausschwamm zu entwickeln, sucht 
man dasselbe zur vorzeitigen Entwicklung vor dem Einbauen zu bringen. 

Dass dies allem Anscheine nach möglich ist, beweisen folgende Experi- 
mente Baumgartens und der oberwäbnte Versuch Schauders. ' 

Ersterer versuchte zu ermitteln, wie schwefelige Dämpfe (SO,) sieh zu 
den Wucherungen von Hausschwamm verhalten und ob Schwefelausräuchemngen 
imstande sind, unsere Bauten vor dem Morulius zu schützen. 

Zu diesem Zwecke wurden unter einem gedeckten Schuppen in zwei 
Gruben auf Ziegelsteinunterlagen je ein scheinbar gesundes, seitlich 
angestrichenes Brettstück, von einem Fußboden herstammend, welcher einem 
mit Hausschwamm behafteten Gebäude angehörte, gelegt. Das eine Stflok 
wurde schwefligsaueren Dämpfen ausgesetzt, das andere nicht. Nachdem 
neben jedes Brettstück ein Scheit von durchaus gesundem Holze gelegt worden 
war, wurden die Gruben mit Brettern und Erde zugedeckt. 

Nach Verlauf zweier Wochen wurden die Versuchsstücke einer Be- 
sichtigung unterzogen ; dabei war außer einem grünen Schimmel Wesentliches 
nicht zu beobachten. Als nach einem Monate die wieder verdeckten Oroben 
untersucht wurden, zeigte sich an dem beräucherten Brettstücke auf beiden 



N t i I e n. 47 

Seiten nud dem nebenliegenden Holzscheite nur ein feiner Schimmel, während 
das in der zweiten Grabe liegende nicht berftucherte BrettstQck außer dem 
erwähnten Schimmel deutlich fleckiges Mjcel zeigte, welches auch bereits 
auf das gesunde Holzscheit übergegangen war. 

Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass die Entwicklung des Mycels in 
dem nicht desinficierten Brettstücke wesentlich gefördert worden wäre, wenn 
man demselben die oberw&hnten die Sporenkeimung fördernden Nährstoffe, wie 
Fruchts&fte und Ammoniak, dann phosphorsaure Kalisalze zugesetzt hätte. 
Vielleicht hätte dann die Entfaltung des Mjcels schon in einigen Tagen 
stattgefunden. 

Wenn dies erreichbar ist, so gelangt man auf diesem Wege zu einer 
praktischen Methode, zu übernehmendes Bauholz in Bezug auf seinen Mycel- 
gehalt zo prüfen. Es werden zu diesem Zwecke von den Stammenden der Bau- 
hölzer Probestücke geschnitten und mit Wasser-, Fruchtsaft-, dann Ammoniak- 
Zosatz in Gefäße gebracht, die man verschlossen an dunkle und mäßig warme 
Orte bringt, wo sich aller Erwartung nach etwa vorhandenes Mycel bald zu 
einer dem Auge sichtbaren Form als Hausschwamm entwickeln wird. Das mit 
Mycel behaftete Holz wird dann nur bedingungsweise (Haftpflicht des Lieferanten), 
n. zw. nur an luftigen Orten des Baues zugelassen. 

Bei den großen Gefahren, mit welchen der Hausschwamm in manchen 
Gegenden alle Bauten bedroht und wobei er oft bedeutende Capital ien ver- 
scMingt, empfehle ich, auf dem angedeuteten Wege Versuche anzustellen, um 
dem nnsichtbaren Gegner unserer Häuser vielleicht doch noch mit Sicherheit 
den Zutritt zu denselben wenigstens dort zu verwehren, wo er zu gefährlicher 
Entwieklnng gelangen kann. ^^^^^^ T i 1 s c h k e r t. 



Kleine Notizen. 

Die neuesten Explosionen der Schießwollpulver, uuter dem Titel: 

,Die neuesten ExplodoDen der SohießwollpalTor^ wird in Nr. 86 der Chemiker- 
teitUDg Ton 1895 (Seite 318, Gbemisches Bepertoriam) für Gflttler's Plastomenit 
Beelsme gemacht und dabei irrig Aber Nitrocellulose- nnd Nitrocellulose - Nitro- 
glyeerinpulver berichtet. 

Die Behandlang der Nitrocellulose mit Lösungsmitteln ist in ganz anderen 
Kolivao sa sncheD. als in dem vom Referenten genannten, man wolle mit dem LOsangs- 
■iliel der SohießwoUe die üble Eigenschaft ihrer Neigmig zur Selbstzersetzung 

Mbpeii. 

Um sich über die Frostgefährlichkeit von Pulvern, welche Nitroglycerin ent- 
hatteOy ein correctes Urtheil zu bilden, genügt es nicht anzuführen, dass Nitroglycerin 
bei -h 8" C. gefriert, es müssen vielmehr exacte Versuche durchgeführt werden. 
Diife Yersache worden auch im weitesten Umfange durchgeführt und haben das 
Gtgeotheil der aufgestellten Behauptung ergeben. 

Per ökonomische Nachtheil, dass ein Theil des Lösungsmittels — es sind wenige 
ZAslel-F^eDt — vom Pulver zurückgehalten werde und zwecklos verloren gehe, 

ill so wUa g eiL 

Be ist durchaus unrichtig, dass staatliche Einrichtungen — also hier Pulver- 
Urlke» — es nicht nöthig haben, nach dem Kostenpunkte zu fragen ; aber bei Stellung 
iisser F^age moss neben den Kosten auch die Qualität in Rücksicht gezogen werden. 

Versehwiegen ist in der Notiz, dass Plastomenit infolge seines hohen Gehaltes 
M bsriuBmirftt lein rauchloses Pulver ist. 

. . Hauptmann Porlizb. 



{ 
{ 



48 N 1 i I e D. 

Italien. SchieOschule fDr die Feld-Artillerie. Das Oiomaju dCafUgUsHa 

e genio Tom 7. November 1896 rerlaatbart Bestimmangen zur Abhaltang der Schieß- 
schule für die Feld-Artillerie, welche anszagsweise Dachstehend mitgetheUt irntTen. 
Während der Wintermonate wird am Schießplatz zu Nettnno die Schießschnle 
in zwei Cnrsen, von welchen jeder in drei Abschnitte zerf&llt, abgehidten. 

Es dauert: 

1. Abschnitt: vom 10. bis 98. November 1895, 
der 1. Curs { 2. Abschnitt: vom 23. November bis 14. December 1895, 

8. Abschnitt: vom 15. bis 19. December 1895; 

1. Abschnitt: vom 7. bis 19. Jänner 1896, 
der 2. Cnrs { 2. Abschnitt: vom 20. Jänner bis 10. Febrnar 1896, 

3. Abschnitt: vom 11. bis 15. Februar 1896. 

An jedem dieser Curse haben ein Hauptmann und ein Subaltemofficier jedes 
Feld-, reitenden und Gebirgs-Artillerie-Regimentes theilznnebmen, wobei in berflck- 
sichtigen ist, dass stets die rang^testen Officiere der erwähnten Bangclassen zum 
Besuche der Schießschule gelangen, falls dieselben nicht schon während der letit- 
verflossenen zwei Jahre die genannte Schule besucht hätten. 

Während die Subaltemofflciere allen Abschnitten eines Curses beiwohnen, 
nehmen die Hanptleute nur am 2. und 3. Abschnitte theil. 

Jeder Offleier hat einen Entfernungsmesser sammt Messband, sowie ein 
Bynocle mitzubringen. 

Um einigen Übungen und einigen Sitzungen beizuwohnen, haben sämmtliche 
Regiments-Commandanten in der Zeit vom 15. bis 23. December 1895 am Schieß- 
plätze anwesend zu sein. 

Zur Durchführung der Übungen werden dem Commando der Schießschule drei 
7cm und drei 9eifi Batterien, bestehend aus je 4 Geschfltzen, 2 Munitions wagen, 
1 Bequisitenwagen und 1 Feldschmiede, unterstellt. 

Behufs Durchführung von gemeinsamen Schießflbnngen mit Infanterie geg^n 
Artillerieziele, dann von Übungen, darstellend Artillerie-Angriffe gegen Batteriea hn 
Marsche oder in Stellung, wird im 3. Abschnitt jedes Curses der Schießschale 1 K^ 
cadron und 1 Compagnie Bersaglieri zu 100 Mann beigegeben. 

Ferner hat das 9. Armeecorps zu veranlassen, dass am 16. December 4 Batterien 
des 13. Artillerie-Regiments, bestehend aus 4 Geschützen und 2 Munitionswageo, am 
Schießplatze eintreffen. 

Owmale d'artigieria e getUo, 1895, 7. Nov. 

Russland. Arbeiten und Versuche der Ingenieur-Truppen. Gelegent- 
lich der von Sr. Majestät dem Kaiser von Russland vorgenommenen Besichtigimg 
des Ingenieur- Übungsplatzes im Lager von Ust-Ischora am 5. September v. J. wiuden 
Sr. Majest&t verschiedene Arbeiten und Versuche vorgeführt, von welchen die naeh- 
folgenden besondere Erwähnung verdienen: 

Oberschreiten eines Wassergrabens durch Truppen vermittels eiier 
zusammenschiebbaren Brücke und zusammenschiebbarer Flüße, System Capit&n 
Prassolenko. 

Sprengungen von Schienen, Telegraphen-Pfählen, Pallisaden u. s. w. durch 
Cavallerie. 

Bildung eines künstlichen Hindernisses im Festungs- Wasser- 
graben, vermittels einer vom Capitän Sigern-Korn vorgeschlagenen Vorrichtong, 
im Augenblicke des Erscheinens der stürmenden Truppen in dem Graben. 

Schlagen der neuen Feldbrücke, System des Obersten Meissner, von 
32 Saschen (67m) Länge; nach Fertigstellung der Brücke wurde dieselbe durch 
vier Compagnien Infanterie und acht Feldgeschütze, letztere im Trabe mit auf* 
gesessener Bedienungsmannschaft, passiert. 

Vorführen eines vom Stabscapitän Fidler erfundenen Apparates zum Schleu- 
dern von Pyrozilin-Patronen mit brennender Bickfora*scher Zündschnur auf 
die die Festungswerke stürmenden Truppen. 

Aufstellen der metallischen Aussichtsthürme, System des Obersten 
Meissner. Der kleine Thurm, von 6'3m Hohe, ist für den Feldkrieg, die größeren 



N 1 i I e n. 49 

▼on 13-6 und 17m Hoh« sind Ar den Festangskrieg bestimmt ; der 17» hohe Thorm 
wurde in Gegenwart 8r. Majestät, einschließlieh des Heranfklettems des Beobachters, 
in fttnf Minuten, der 6m hohe Thorm noch schneller zusammengesetzt und aufge- 
stellt. Die Leichtigkeit, einfache Construction, geringe Sichtbarkeit, wie überhaupt 
die Zweekm&ßigkeit dieser Aussichtsthflnne zogen die allgemeine Au&nerksamkeit 
niif sich. 

Außerdem besichtigte 8e. Majestät die Brücken, System Meissner, 
fflr Feldbahnen, sowie die eiserne zusammenlegbare Eiffel-Brflcke. 

Bemerkt sei noch, dass ein Zug der 1. reitenden Garde-Batterie auf Floß- 
Fähren, welche Ton Cavalleriöten zusammengesetzt waren, über die Newa setzten. 

Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine. 1896, 1. 

PImI ab Zusatz- oder Gmndierungsniittel für Kalkanstriche wird in neuerer 
Zeit Ton des Freiherr Brenner'schen Industrialien in Gainfahren (Depot : Wien, VI., 
Linieng^nae 21) offeriert und von mehreren Seiten als wertfoll angepriesen. 

Es wird in Blechbüchsen geliefert und ist dem Wesen nach eine dick- 
flüssige EmnlsioD Ton Natronharzseife mit aufgelöstem Harz und Terpentinöl. 
Zun Oebrauche wird ein Viertel desselben in Wasser aufgelöst und mit demselben 
entweder die Wand vor dem Weißen grundiert oder der Kalkmilch direct zugesetzt. 
Es l(tot sieh in Wasser auf und gibt mit demselben eine milchige Flüssigkeit. 
Wird derselben Kalkmilch zugesetzt, so bildet sich mit den vorhandenen Fetten 
und mit der Harzsäure eine im Wasser unlösliche Harzseife, welche sich als 
dttamflockiger weißer Niederschlag abscheidet. Derselbe fühlt sich fett an und bildet 
beim Znsatz des Pinols zur Kalkmilch für die Weißigung die weiße Farbe, welche 
nmeh dem Trocknen besser an der Wand haftet und gegen Wasser unempfindlicher 
ist, als das trockene staubartige Kalkpulver der gewohnlichen Tünche. 

Hierans erklärt sich die größere Haltbarkeit des durch den Pinolzusatz 
etwms klebrig gewordenen Kalkanstriches. Pinol übernimmt also die Rolle des Leimes, 
den man bekanntlich im Inneren von Gebäuden den Kalkfarbenanstrichen zusetzt, 
der jedoeh im Freien nicht anwendbar ist. 

Für wasserdichten Leim wird von Alwin Engelhardt ein Zusatz von 15Vo 
Hars nnd 1% Terpentin zur LeimlOsung vorgeschUgen. Zur Erhöhung der Haltbarkeit 
des Fa^en-Anstriches setzen manche Wiener Maurer der Kalkmilch etwas 
Leinöl so. 

Nach dem Bauhandbuch von Engel erhält man einen dauerhaften Anstrich 
auf Äußeren Wänden, wenn man im Frühjahre die jungen Knospen oder Spitzen 
von Tannen- und Fichtenästen, oder grüne Tannenzapfen, im Wasser siedet und 
die 9o erhaltene braune Brühe der Fa9aden-Anstrichfarbe zumischt. Es spielt also 
Meh hier Harz und Terpentinöl eine vrichtige Rolle als Zusatzmittel zum Kalk. 

Dem Kalkseifen-Niederschlag in der Pinol-KalkmilchlOsung, welcher die 
Manerporen für das Wasser der Tünche verschließt, dürfte die gleichmäßigere 
Vsrtheilong der Farbschichte und deshalb das schönere Aussehen der Kalkanstriche 
mH Pinolzusatz zuzuschreiben sein. Auch aus diesem Grunde wendet man beim 
li^ialiarben-Anstrich im Innern von Gebäuden gerne eine Grundierung mit Seifen- 

er Ml' 

Auch das deutsche Bauhandbuch empfiehlt für die Färbelung der Paraden, 
den Anstrich haltbarer zu machen, den Zusatz oder die Grundierung mit 
giÜBnsiederlauge. 

Nur Andres (Handbuch für Anstreicher und Lackierer) hält die Verseifung 
ven Ätikalk, Ätzkali und Ätznatron durch Harze (Schellack oder Colophonium) nicht 
fttr wetterbeständig, was für den Kalk gewiss nicht zutreffen wird. 

Die Fabrik von Ganz in Leobersdorf hat vom Pinol als Grundierung und 
2«sats für Maneranstriche umfangreichen Gebrauch gemacht und ist mit demselben 
■ehr xnfrieden. Sie wendet das Pinol in Zimmern zum Grundieren vor dem Weißen 
ai^ das dann statt dreimal nur zweimal vorgenommen wird. 

Besehmntxte Arbeiter- Wohnungen werden daselbst, um auch das Ungeziefer 
ta Tertreiben, ror dem Weißen stets mit Pinol, u. zw. im Gemenge von ein Viertel 
Piaol md drei Viertel Wasser gestrichen. Nach Angabe der Fabrikslcitung soll Pinol 
in fieser Anwendung sicher tOdtend auf Ungeziefer wirken, daher mit demselben auch 



50 N 1 i s e n. 

die Fußboden gestrichen werden. Als Grandierangsmittel fQr Malerarbeiten hat es 
ebenfalls g^te Dienste geleistet. 

In Wien wurde in der letiten Zeit die Fa^ade dos Schwanenberg-Palais mit 
Pinolzusatz gestrichen. 

Da der Preis von 1kg 44 kr. beträgt, kostet Ikg der Verdünnung 11 kr., 
was die Weißigung nicht unwesentlich yertheuert. Man wird daher die Anwendung 
des Pinols bei Militärbauten zunächst nur dort ins Aucre fassen, wo — wie bei 
stark dem Wetter ausgesetzten Fa^aden — eine größere Haltbarkeit des Anstriches, 
oder wo eine Desinfection — Wachzimmer, Krankenzimmer bei Epidemien ~ ge- 
boten erscheint. 

Nach Dr. Max und Adolf J oll es t(Vdtet eine Lösung mit V1O0O sofort Cholera- 
bacterien und selbst eine O'öVoo Lösung nach halbstündiger Einwirkung Tjphus- 
keime. T. 



Feuerung ohne Schornstein. Ingenieur Grünwaid in Holzminden hat 
sich eine Feuerungsanlage patentieren lassen, bei welcher die Rauchgase durch ein 
Rohr abgeleitet werden, an welchem ein Ventilator angebracht ist, welcher dte 
Gase ansaugt und durch ein Rohr weiter in einen Gasometer drückt, in welchen 
sie am unteren Theil direct in das Wasser strömen, hier ihre festen Bestandtheile 
(Russ) abgeben und dann an der Oberfläche dos Wassers in die Gasometerglocke 
aufsteigen, aus dem sie durch ein Rohr rauchfrei weiter geleitet werden. Bestän- 
diger Zufluss frischen Wassers in den Gasometer erhält eine niedere Temperatur 
und schwemmt die festen Bestandtheile durch eine Rohrleitung ab nach Sortier- 
stellen, um sie einer entsprechenden Verwertung zuzuführen. Die abgefQhrteu Gase 
können auch verwertet werden. Durch eine rariable Belastung der Gasometerglocke 
hisst sich der Zu^ in der Feuerung regulieren. In der Hauptleitung können vor 
dem Ventilator Zweigleitungen mehrerer Feuerungen zur Rauchgasabfuhr einmünden 
und so mit einem Gasometer eine centrale Rauchabfuhrstelle mit Waschung des 
Rauches und Sammlung der festen Bestandtheile desselben geschaffen werden. 

Natürlich ist diese Anlage nur dort denkbar, wo geeigiiete Kräfte zum Be- 
triebe des Ventilators vorhanden sind. Nach Angabe des Erfinders haben seine 
Versuche zufriedenstellende Resultate geliefert. Diese Feuerungsanlage hat bereits 
bei verschiedenen Kohlensäure-Fabriken, dann in einer Portlandcement-Fabrik und 
in einigen schwedischen Hüttenwerken Anwendung gefunden. Sie soll auch am 
Pariser Opemhause befriedigt haben und in einigen englischen Werken im Betriebe 
sein. Auch eine Marine soll die Einrichtung zur Abfuhr des Rauches unter Wasser 
versucht haben. Der schwache Punkt der Construction dürfte in der Schwierigkeit 
der guten Betriebserhaltung des Gentrifugal-Regulators liegen, den die heißen Ga<>e 
durchströmen, wo sie von den Axlagem möglichst femgehalten werden müssen. 

Als Vortheile der neuen Rauchabfuhr werden gerühmt: 

1. Bei Panzerschiffen, Wegfall des verwundbaren Kamins. 2. Sicherheit gegen 
Kaminbrände und Feuersgefahr. 3. Leichte Regulierbarkeit des Zuges und Kohlen- 
ersparnis. 4. Bessere Ventilation des Kesselraumes und schnelleres Dampfmacben. 
5. Unkenntlichmachen der Torpedoboote. T. 



HerreS Dichtungsfaser. Die Firma Valero in Wien, L, Bartenstein- 
gasse 8, offeriert dieselbe als wasserdichtes Kittmittel, welches schon seit Jahren 
Verwendung gefunden haben soll. Die Dichtungsfaser ist eine schwane, weiche, 
fettige Masse, welche aus V/^ Theilen Theer mit einem Zusätze von 3% Theilen 
erdigen Pulvern (Kalk, Thonerde, Kieselsäure) und 2 Theilen feinster Fasern ge- 
bildet ist. Sie klebt selbst an sehr glatten Flächen an und zieht sich, zwischen die 
Finger genommen, ohne bei der Öffnung derselben zu zerreißen. Es ist daher anzu- 
nehmen, dass sie, in Fugen eingestrichen, dieselben auch bei eintretender Erweite- 
rung geschlossen erhält. Da Wasser von ihr abgleitet, ist sie imstande, einen 
wasserdichten Fugenschluss zu bewirken. Sie verträgt große Hitze, denn einige Zeit 
auf den geheizten Ofen gelegt, verrinnt sie nicht. 



Notizen. 51 

In diesem Präparate ist sonach der Theer durch den Pal?er- und Faserzusatz 
am Zerfließen selbst bei höherer Temperatur verhindert, was bei einer Reihe anderer 
thaerhältiger Klebe- und Kittmittel, z. B. Holzcement, nicht zutrifft. 

Diese Beständigkeit in der Hitze ist eine sehr schätzenswerte Eigenschaft der 
DichtuDgafaser, die aber, weil sie nicht erhärtet, eine geringe Klebekraft besitzt, 
alao nieht imstande ist, aufgeklebte Stoffistreifen genügend festzuhalten. Auch unter- 
liegt sie nicht dem Frieren. 

Der Offerent empfiehlt dieselbe zum Verkitten von Oberlichtfenstem. Sie wird 
im kalten Zustande mittels Holzspachtel oder Fugenkelle auf die zu dichtenden 
Stellen aufgetragen, in etwaige Risse oder LOchor eingestrichen und mit der Ober- 
fläche aasgeglichen. (Dichten schadhafter Dachpappe-Eindeckungen.) Schmutz und 
Staub sind selbstrerständlioh von den zu bestreichenden Stellen vorher abzukehren. 

Auch Wellblech- und Zinkdächer will der Offerent an den durch die Bewegungen 
des Materials bei Temperaturschwankungen entstandenen Bissen mit der Dichtungs- 
faser wasserdicht herstellen. 

Größere Löcher werden mit bestrichenen Stoffstücken (Jute-Packleinwand) 
fiberklebt und auch außen mit der Dichtungsfaser überstrichen. 

Sie wird in Fässern zu 50, 100, 150 und 200kg um 20 kr. pro kg geliefert. 

Außer dieser Dichtungsfaser liefert die Firma eine wahrscheinlich aus der- 
lelben durch Verdünnung mit Theer gewonnene Faser-Anstrichmasse für 
Dachpappe-, dann Wellblech- und Zinkdächer. 

Für Fugen zwischen Eisen und Stein, wie sie sich bei Panzer-Constructionen 
ergeben, dürfte sich die Anwendung der Dichtungsfaser zum Schutze gegen das Ein- 
dringen der Nässe empfehlen. 

Da sie nicht erst am Feuer aufgewärmt werden muss, wird man sich ihrer 
bei undichten Stellen verschiedener Dachdeckungen zur raschen Abhilfe vortheilhaft 
bedienen können. 

So dürfte man den meist undichten Schindeldächern Bosniens durch Einstreichen 
dieses Kittes an den Fugen und Überstreichen der Risse erfolgreich auszubessern ver- 

"^^■- Oberst Tilschkert. 

Wasseransammlung durch Thalsperren. Nach uhiands Technischer 

Bandachan erfolgt dermalen in England die Wasserversorgung von 500 Städten 
durch Ansammlung des Wassers mit Hilfe von Thalsperren. Dieses System der 
Waaseigewinnung haben die Engländer in Indien kennen gelernt, wo es seit Jahr- 
tantenden allgemeine Anwendung findet. Bei der Eroberung dieses Landes fand 
man In der Provinz Madras allein mehr als 50.000 solcher künstlicher Beservoire 
vor. Die Länge der dortigen Abschlussdämme kommt ungefähr der Länge der ge- 
sammten Eisenbahnlinien Deutschlands und Österreich-Ungarns gleich. Für die 
Reiscultur sind diese Wasser-Reservoire eine Lebensbedingung. Das Wasser wird 
in den vier Monaten der Begenzeit gesammelt und so für die acht regenlosen 
Menate vorräthig gehalten. 

Die älteste Wasseraufspeicherungs-Anlage ist der alte MOris-See in Egypten 
(nach Herodot ein ausgeschachtetes Becken, nach neueren Forschungen eine 
Thalsperre), der vor mehreren tausend Jahren pro Kopf der Bevölkerung 1.000m* 
künatlich aufgespeichertes Wasser lieferte. 

Große Anlagen dieser Art besitzt Manchester in England. In dieser Stadt 
wurden innerhalb 40 Jahren 13 große Reservoire mit 27,000.000m' erbaut. Dermixlen 
wird das Wasser auch aus dem Thirlniere-See in Cumberland gewonnen, dessen Wasser- 
spiegel durch eine gemauerte Thalsperre um 15'5m gehoben wurde, wodurch ein 
vorrath von 37,000.0(K)m* gewonnen wurde. Der Abfluss aus dem See nach dem 
Bochreaervoir der Stadt besteht aus 47 Tunnels {2'Skm lang) und f)Skm gemauerten 
Can&len und IBkm Rohrleitungen (90cm weit). Das Hochreservoir fasst l^.^O.OOO?«'. 
Die Kosten der neuen Wasserleitung betragen 49 Millionen Gulden, die der alten 
nnd neuen zusammen fast ICO Millionen Gulden. 

Man rühmt dem Wasser der Thalsperren nach, dass es hygienisch direct 
verwertbar sei, ohne Ablagerungsbeckcn und Filteranlagen, weil nur solche Gebiete 
innik Thalaperren zum Wassersammeln benützt werden, welche von menschlichen 
Ansiedlangen frei sind. Die Keimzahl des Wassers dieser Anlagen beträgt im 



52 PatentrAngelegenbeiten. 

Zulauf 100 bis S00> im Ablauf nach dem natürlichen KlärungsYorgange nur noch 
20 bis 120 pro em'. Pathogene Keime sind nicht vorhanden. 

Die Abschluss dämme der Thalsperren erreichen oft bedeutende Hoben, so 
bei mehreren 60, mitunter selbst 80 und 90m; ihre L&ngen betragen meist 100 
bis 200m. Bei New-Tork besitzt der sogenannte Quakerbrigde-Damm 83m Höhe und 
145,000.000m' Inhalt; bei Madrid die Gasco-Thalsperre am Guadarama 9dm Hohe. 

Uhland*8 Technische Rundschau. 

Wormser Fitterplatten. Dieselben sind im 10. Hefte der „Mittheilungen'' 
vom Jahre 1893 beschrieben worden und ergeben wesentlich kleinere Füterbassins 
als solche mit loser Sandschüttung. Diese Filterplatten sollen demn&chst, u. iw. 
200 Stück in Batterien zu 12 Elementen, bei der neuen Waaserleitung der Stadt 
Landsberg a. d. W. (mit 4.500m' Tagesleistung) zur Anwendung kommen. Auch die 
Stadt Arad in Ungarn will yon diesen Filterplatten heuer Gebrauch machen. T. 

Die Sandflltration, untersucht von Prof. Dr. Gustav Kabrhel, auf dem 
Prager Wasserwerk, ergab folgende Resultate: Das in einem 2m weiten Behälter 
aufgeschichtete Filtermaterial bestand aus: 1. alten zerschlagenen Pflastersteinen 
30c«» hoch; 2. feinerem Schotter und gröberem Sand 20cm hoch; 3. gewaschenem 
und durch großmaschiges Sieb geworfenem Donausand, 30cm hoch; 4. einer 80cm 
hohen Schicht von reinem weißem Eieselsande. 

Zuerst wurde Moldauwasser ohne, und dann mit Zusatz von Bakterienarten 
geprüft. 

Das vor dem Filtrieren eine Zeit lang gestandene Moldauwasser zeigte nach 
24 Stunden eine bedeutende (50 bis 70Vo betragende) Abnahme der Bacterien, 
die offenbar mit dem Schlamme sich zu Boden gesetzt hatten. Das durch den Sand- 
filter geflossene Wasser zeigte anfangs mehr Keime als das unfiltrierte, wonach es 
vorhandene Keime der Sandschichten aufgenommen hatte. Erst nach sieben Tagen 
— nach Bildung der oberflächlichen Schlammschichte — tritt der Filtrationseffect 
ein, u. zw. zeigt das filtrierte Wasser umso weniger Keime, je weniger im Roh- 
Wasser vorhanden waren. Das FiltrationsvermOgen der Sandschichte steigt anfangs, 
nimmt aber wieder nach Entfernung der allzu dick gewordenen Schlammschichte 
wieder ab. 

Bei Zusatz von Keimen zum Wasser (50.000 auf lern*) wurde unter 50cm 
Druck filtriert, wobei das Wasser anfangs mit 12cm Geschwindigkeit pro Stunde 
durch den Filter gieng, jedoch nach drei Tagen nur mehr eine Geschwindigkeit von 
etwa 8cm besaß. 

Der Versuch bestätigt die bekannte Thatsache, dass der Sandfilter nicht 
imstande sei, keimfreies Wasser zu liefern, dass jedoch weniger als 1 pro Mille 
Keime den Filter passierten. Ist der Sandfilter von Keimen erfüllt und wird keim- 
freies Wasser durch denselben gelassen, so nimmt dieses eine Zeit lang Keime aas 
dem Filter auf. T. 



Patent-Angelegenheiten. 
Obersicht der im Monate August 1895 ertheilten Privilegien ^). 

Cliuse 83, 

2850. Rohrböcks Söhne, Firma in Wien. Zeltpflock. 

Cla9»ti 42. 

2898. Heller Alois in München. Kilometerzirkel. 



*) Die mit einem * bezeichneten Privilegien sind mit der Giltigkeit für beide 
Reichshälften ertheilt. 



-A.»g»lfigffceit<m. 53 

2992. BaUMo Gwruui Pietro n Ben. TciroillEMnmmgMi bei G«w^t^b. 

2993. Bovckaidt H«^ im Beiüs. Pi M e ik qa getktt g&. 

2994. Hsenel C. Q^ finu u SaU. Sickei^eitB-Jagdgewekr. 
2999. Kop^ ABtoB tob, ib Wies. KeBcraBf la PanxeiimBAtefl. 

2996. NoM Alfred ib P^m. GBSftlwcUBs«-TorTicht8Bg«n Hr GesclKisse. 

2997. ^«ddihtUe«, TkgdgBsstnUfOirik, flnaa ia Wies. NeBem? bei StBkltftBder* 



2898 PiibitMr Cail is WieB VBd FenenteiB MaTiBiiti«» m Betau. KeneiBBceB ab 



2999. Bimeff Jofai ib Xew-ToriL liiftclilA«:iftBdcr fftr GeMbosse. 
9000. Seuen Wülnai ia PkflidelpbiJL KeBenu^n ia der HenteUuBg tod tasuameB- 
gcaeUt ea Liata fUr Hiaterladegetcbttie. 



7S. 

3009. *PoBt Fraaeis Gaoaej, da, aad Poat Piem Samael, da. ia Wilmiagtoa. Ver> 
fakrea lar Heraiellaag tob raaeklosem PolTer aas Nitrooellaloee. 

9010. *PoBt Fnacis Gaoaej, da, ia Wiimia^on. Raocbloses PolTer aas Nitren 
cellaloae. 

3011. ^PoBt Frueis Gaoaej, da, aad Poat Pierre Samael, da, 10 Wilmiagtoa. Her- 
steÜBBg TOB laacbloMBi PalTer aas Nitroeellalose. 

3012. Waper Max ia Berlia. YeHabrea zar Herstellang tod Spreagstoffea aas 
AanaMBsalpeter aad Hanea. 



Pateirt-Anneldungeii in Österreich-Ungarn*). 

A. Östorreich-Ungftm. 



B. Östorreiclu 

72 SchliVtsebea mit Sperre and Glasschild fQr Cylinderrerscblass • Gewehre. -> 

WaffBBiabrik MaaMr. 

Sioriebiaag sar Seitengewehr -Befestigang anahh&ngig vom Gewehrlaaf. >- 

WaffmfiU^rä Maaser. 
78. VerfibreB aad Vorrichtong zam Anbrennen ron Zfindschnüren. -< Hermann 

Siebeck. 



49 Keaemagen in der Enengnng von Panzerplatten ond an Vorrichtungen hiefQr. 

— Alexaader Wilson & F. Stnbbs. 
72. PatroaeanJunen mit Dmcker. — Wasa Theodoro?ic. 

Neoerangen an Mehrlade-Gewehren. ~ Moriz J. Eckhardt und F. Georgi. 
* Schnepperrerschluss für Patronentaschen. — Mario Cresta. 
78, Vcrfabren zar HerbeifÖhmng der Explosion von Sprengschüssen durch Kinh'iton 

TOD GascB oder Flassigkeiten in die Sprengpatrone. — Dr. (VI Roth. 



*) niaatriertes Österreichisch-ungarisches Patent-Blatt Nr. 353 und 354 



64 



Suiitite?eriiiltBifl8e. 



Santtltsverbiltiiisse bei der Naimeehafl dee k. nml k. Heeree tai 

Monate October 1895. 



Mit Ende September 1896 waren krank verbUeben | ^H^i^Sten ' 

Erankenzngang im Monate October 1896 

entsprechend V^ der dnrcbscbnittlichen Eopfst&rke 

Im Monate October 1896 wurden an Heilanstalten abgegeben . . . . 

entsprechend Voo ^^i* durchschnittlichen Kopfst&rke 

Im Monate October 1896 sind vom Gesammtkrankenstande in Abgang 

gekommen 

darunter: als diensttauglich (genesen) 

entsprechend %• aes Abganges 

durch Tod 

entsprechend Vm des Abganges 

beiw. Vm der durchschnitSichen Kopfst&rke 

Am Monatsschlnsse sind krank rerblieben < i« ^HeilanstaStoi " * ' * ' 
Von dem Erankenzngang und den Todesfällen entfallen auf: 



677 Mann 
4,728 , 
21.446 , 

71 
11.494 Mann 
88 



17.061 Mann 
13.988 9 
816 
66 Mann 
8'8l 
0-21 
1.961 Mann 
7.734 . 





Za- 

8<UBg 


Todes- 
flUle 




gang 


Todea> 

mi« 


Acute Infectionakrankheiten . . . 

damnter; DarmtTphne .... 

Rahr 

Malariakrankheit 

Liingentaberenloae 

Trachom and AngenblennorrhSe . 

Veneriache and ■yphiliUache Krank- 
heiten 

Seorbat 


825 
111 

88 
704 

40 
590 

9.284 
8 


27 

21 

2 

5 


Bindehaatkatarrh , Herpei der 
Blndehant 

Aeater Bronchialkatarrh, katarrha- 
llaehe Langenentsfindang . . . 

CronpQie LaagenentsClBdang . . 

BmatMIentsttttdaag 

Magenkatarrh, aenterDarmkatarrh, 
katarrhaUaeke Oelbeaeht . . . 

Gelenkirheamatiamoe 

Wnnddraek der lüAe, AofHtt . . 


749 

1.109 

174 

79 

1.510 
989 

884 
1.787 


9 
8 

4 

4 





Der Erankenzngang, die Abgabe an Heilanstalten und die TodesftUe berechnen 
sich für die einzelnen Corps und deren Hauptgamisonsorte in Voo dor durchschnitt* 
liehen Eopfst&rke, wie folgt: 



Corps 





III 


4 « 

•Sa 


63 


81 


88 


75 


88 


13 


82 


35 


0-15 


88 


48 


0*98 


77 


45 


019 


70 


40 


84 


72 


48 


29 


69 


82 


05 


64 


28 


11 


69 


38 


0-16 


65 


87 


0-40 


84 


59 


0-96 


74 


44 


0-31 


72 


2» 


0-26 


60 


36 


010 


66 


37 


22 



Oamlaontorte 




ft«| 



|8 



I. Corp« 

8- , 

8. . 

4- « 

ß. n 

6. , 

7. , 

8. , 

9 

10. 

11. . 

12. 

18. n 

M 

1». 

Militär- Commando in Zara 



Krakan . . . 
Wien . . . 
Gras .... 
Bndapest . . 
Preaabnrg 
Kaaehan . . 
Temeavir . . 
Prag .... 
Joeephetadt . 
Prsemjll . . 
Lemberg . . 
Hermannttadt 
Agram . . . 
Innabrack 
Sarajevo . . 
Zara .... 



69 


89 


68 


88 


86 


88 


89 


45 


87 


46 


64 


87 


79 


50 


86 


40 


70 


88 


62 


40 


60 


87 


71 


50 


69 


86 


99 


85 


58 


86 


60 


36 



0*87 
0*10 
0-91 
0*06 



0*18 

019 
0*98 
0-97 
0-49 
i-09 

111 



Außerdem sind noch vorgekommen : 25 Selbstmorde und 6 Verunglückungon mit 
tOdtlichem Ausgange. 

>) Bei den in der Rabrik nMalariakrankhelt* anagewletenen Todesfällen war Darmtjphna 
and Mlliartnberenlose all Complication hlnsogetreten ; die 3 Todesfälle in der Rnbrik uMage»- 
katarrh" waren oompliciert in Je einem Falle mit Oebimblntang, Gehirnhantenttflndang und Baneh- 
fellentsQndang. 



55 

der FeM-iMiHliria. Von 

▼. Seicheamm, Obent ä la tmite d«s Kri«|r9*Miiii8t«riiiin8 und Comman- 
4tmr Abt 14. NA-lfifflsm-BrigftdcL Boün 1895. Ernst Siegfried 
Mittler A Soka. 

Diese Breediftre ben^t sidi mMimgmnSJi in erster Linie enf die Yer- 
k«ii ■■■■■■ aer d e ntoth en Feld- ArtiSerie ; dms Thena berfibrt aber jeden Feld- 
Artilleristen eo Bähe, daes die Vemidinng zn prQfen, wie das in der Bro- 
scbftre Gesagte wobl anf die eigene Veriiiltnisee passen mag, änderst rer- 
lockend ist. 

Im nadifolgenden soll ein kurzer Anszng dieser Studie mit der Absicht 
angeschloBses werden, weitere Kreise zam eingebenden Stadium dieser hOcfast 
lebrreichai nnd überzeugend geschriebenen Abhandlung anzuregen. 

Der Terfiuser bespricht einleitend in anr^ender Weise, dass trotz der 
groSsn Fortschritte, welche die Feld-Artillerie seit dem gn^ßen Eriege auf allen 
Gebieten gemacht hat, das Ausbildungssystem jetzt noch vielfEich auf einem 
nnkriegsmißigen Standpunkte stehe. Trotz der KriegseiüUirungen entstand das 
Beglemeat rom Jahre 1877, das zu sehr vom c^Talleristischen Geiste durch- 
weht war. Gntes Fahren hatte eben noch einen ungleich höheren Cnrs, als 
gute Taktik und gutes Schiern. Heutzutage hegt niemand mehr Zweifel darüber, 
dsss die Schießausbildung der Tornehmste Theil der Th&tig- 
keit der Feld-Artillerie sei. 

Der größte Fortschritt der Feld- Artillerie, der seit dem Jahre 1870 
gnoacht wurde, ist in dem Exercier-Beglement Tom Jahre 1893 verkörpert. 
Leidor gestattet das Ausbildungssystem, welches noch zu sehr am Altherge- 
brachten hallet, noch nicht die Leistungen zur Höhe des Reglements empor- 
zosefawingen. 

Die Feld-Artillerie wird in Zukunft eine weit größere Rolle zu spielen 
haben, als im deutsch-französischen Eriege ; eine weitere Kräftigung der Feld- 
Aitillerie steht den nächsten Jahren bevor. Man rauss gewärtig sein, künftig 
Tso welcher Seite es auch sei» eine kraftvolle Feld-Artillerie gegenüber zu finden. 

Diese Kräftigung der Feld-Artillerie lasse sich durch Vermehrung oder 
durch Verbesserung erzielen; vorzuziehen sei die letztere, weil hiebei eine 
idiidliche Steigerung nicht denkbar sei. 

Die Verbesserung ist an Organisation, Bewaffnung und Ausbildung 
möglich. Beherzigenswert ist, was der Verfasser hiezu sagt : 

So gewichtig die Vortheile sind, welche sich durch eine neue, besonders 
den tsktischen Bedflrfoissen Rechnung tragende Bewaffnung der Feld-Artillerie 
werdoi erreichen lassen, so unausbleiblich eine Reorganisation der Feld- 
Artnierie ist, wenn deren Kräfte besser ausgenützt, also gesteigert werden 
soUen, und so sehr die veränderte Organisation auch Einfluss gewinnen muss 
snf die Ausbildung selbst, so ist doch im Stadium unserer gegenwärtigen 
Estwicklung für die Kräftigung der Feld-Artillerie nichts von solcher Be- 
destong nnd solchem Einflüsse, wie erhebliche Fortschritte in der 
Ausbildung. 



56 Büeher-Besprechangen. 

Wenn die Waffen eine gewisse Höhe der LeistnngsfUiigkeit erlangt 
haben, wenn sie, wie das gegenwärtig der Fall ist^ so weit nnd selbst weiter 
schießen als das Ange, sogar mitunter das bewaffnete Aoge reicht, wenn sie im 
Stande sind, gegen gewöhnliche feldmftßige Ziele in der Zeit kurzer Minuten 
niederschmetternde Wirkung zu erzielen, dann ist der Zeitpunkt gekommenf, in 
welcher die Steigerung der Ausbildung noch wichtiger ist, als die Steigerung 
der Wirkungsf&higkeit der Waffe. 

Es ist selbstverständlich, dass eine gut ausgebildete Truppe mit einer 
besseren Waffe noch mehr leisten wird, wie mit einer minder guten ; aber 
eine schlecht ausgebildete Truppe wird auch mit der besseren Waffe weniger 
leisten, als die gut ausgebildete mit GeschQtzen yon an sich schon hoher 
Leistungsfähigkeit, also yon derjenigen unserer Geschütze. Ausgenommen sei 
nur das große C^wicht der heutigen Artillerie-Fahrzeuge ; yerspfttetes Eintreffen 
auf dem Gefechtsfelde bedeutet Verlust an Gefechtskraft, welchen in vielen FftUen 
noch so hohe Wirkungsföhigkeit nicht mehr auszugleichen vermag. 

Angenommen aber, die GeschQtze sind rechtzeitig zur Stelle, so bedarf 
es nur die WirkungsfGlhigkeit, bezw. Treff&higkeit schon der jetzigen GeschQtze 
voll auszunützen, eines höheren Grades der Ausbildung, als er uns 
durchschnittlich zu eigen ist. 

Wenn man das, was unsere Geschütze bei richtigem Schießverfahren 
leisten können, mit dem vergleicht, was bei Friedensübungen durchschnittlich 
geleistet wird, wenn man besonders den Ursachen nachspürt, welche die Durch- 
schnittsleistungen soweit hinter dem Erreichbaren zurücklassen, so wird man 
sich der Auffassung nicht verschließen können, dass es durchaus im Bereiche 
der Möglichkeit liegt, die Schießausbildung noch zu steigern. Nicht minder 
erhebliche Fortschritte können und müssen auf taktischem Gebiete gemacht 
werden, wenn aus der Schießausbildung der volle Nutzen gezogen werden soll. 

Nicht zu unterschätzen ist der Umstand, dass diese Steigerung der 
Gefechtskraft der Feld-Artillerie so gut wie kostenlos zu erreichen ist 

Des weiteren führt nun der Verfasser aus, wie diese hohe Ausbildungs- 
stufe zu erlangen ist. Hat man einmal klar erkannt was „kriegsgem&ß^ 
ist, so muss rücksichtslos und zielbewosst darauf losgesteuert werden. Alles für 
den Krieg, alles wie im Krieg, bis an die Grenze der Möglichkeit! 

Der Verfasser verlangt nicht mehr Arbeit — wir arbeiten bereits zu 
viel — aber bessere Arbeit. An jede Arbeit ist nicht mehr Arbeit zu ver- 
wenden, als unbedingt nothwendig; alles Unnütze, Nebensächliche muss aus- 
gemerzt werden ; für den Aufsichtsdienst darf nicht zu viel verwendet werden ; 
ein richtiges Arbeitssystem muss es ermöglichen, die Leute stets frisch zum 
Dienste zu bringen; müde Leute taugen zu nichts. 

Ist die richtige Ausbildung der Mannschaft und der Unterofficiere schon 
wichtig, so ist viel wichtiger noch jene der Officiere; alle Maßnahmen in 
dieser Beziehung müssen so getroffen werden, dass auch der jüngste Officier 
bald völlig zum Gebrauche seiner Waffe befähigt ist ; das erste Gefecht kann 
den jüngsten Officier an die Spitze der Batterie rufen, und seine Ausbildung 
ist dann bestimmend für den Gefechtswert der Batterie. 

Ein schöner Anfang zur Ausbildung der jungen Officiere in der schieß- 
technischen Handhabung ihrer Waffe wurde gemacht, indem dieselben jetzt, 
statt, wie bisher, theoretisch in der Artilleriescbole, praktisch in der Schieß- 



S7 



schale unimrwnmm wwAn. Worigw 9iMti|rai>lunkktUcb üirer 
taehDiflcben AnsbUdmig sind die Officiere d«r Peld-Aftillem in ihrer takti»ch«i 
Aiabildiin^ gesteUt ; in dieser Beiiehnng stdien sie den OIBcieren der anderen 
Waifen ftn^rsi ungünstig gegenfiber; diese haben Tiel mehr Gelegenheit ins 
Terrain xv kommen nnd daselbst taktische Aufgaben zn lösen. Je höher Feld- 
j^flill^ri^Officiere aufrücken, deßto seltener bietet sich ftt dieselben die 6e* 
legenbeit cor taktischen Ansbildnng, nnd doch ist eine Bessenmg nnr durch 
praktische Übungen möglich. 

Kaeb Erörterung allgemeiner Gnmds&tze bespricht nun der Yer&sser, 
wie gearbeitet werden muss, um tu jener Leistungsfthigkeit zu gelangen, 
welche nach dem geistigen und körperlichen Zustande des Menschenmaterials 
and dem Grade technischer Vollkommenheit der Waffe zu erreichen ist 

Kein Zweig der Ausbildung erscheint in so hohem Maße reformbedfirftig, 
wie der Unterricht 

Mit Befriedigung liest man hier, dass Tieles, was in dieser BroschQre 
anger^ wird, bei uns schon zar That geworden ist; immerhin bleibt auch 
hier manches Nachahmenswerte. So findet es der Verfasser höchst öberflössig, 
den ünterofficier im Distanzschätzen auszubilden, da derselbe doch nie zur 
Feuerleitung einer Batterie gelangen wird. Der Verfasser glaubt anch die 
Scbiefllehre ftlr den Ünterofficier entbehren zu können; wir sind aber der 
Ansicht, dass eine allgemeine Kenntnis hierin nöthig ist, um mit Ver- 
ständnis erhaltene Befehle zur Ausf&hrong zu bringen. 

Das Exercieren zu Fnfi, bemerkt der Verfasser, ist schon wegen 
seines disciplinierenden Einflusses anf den Mann yon hohem Wert. Je weniger 
sich der Artillerist in seinem Dienste am Geschfltz und zu Pferd nach kurzen 
Gommandos exact zu bewegen hat, desto unentbehrlicher ist es, dass er beim 
FuOezercieren an den unbedingten Commandogehorsam gewöhnt wird. Jede 
Gelegenheit zur Disciplinierung des Mannes muss ausgenützt werden. 

Es soll nicht bestritten werden, dass darin manches Beachtenswerte 
liegt, doch kann dabei auch leicht ein zu viel geschehen. 

Zor erfolgreichen Einwirkung auf den Mann ist nebst eigener Autorität 
die Wahrung der Autorität der ünterofQciere der Mannschaft gegenüber yon 
großer Wichtigkeit 

Die Beitausbildung erfolgt bei der deutseben Feld- Artillerie nach 
der Instruction f&r den Beitunterricht bei der Gayallerie; dieselbe ist für die 
Peld-AiüUerie aus manchen Gründen nicht völlig geeignet; für die Feld- 
Artillerie ist jedenfaUs eine besoniere, den Verhältnissen angepasste Instruction 
Böthig. Wir erfahren, dass das Leichtreiten bei der deutschen Feld-Artillerie 
lelteo gefibt, und daher zu wenig beherrscht wird. Bei den Ezercierübungen 
wird deutsch getrabt (ausgesessen). 

Die Fahrausbildung ist durch das neue Exercier - Reglement in 
ivehaus Temfinftige Bahnen gelenkt worden; dasselbe steht im allgemeinen 
aif dner höheren Stufe als die artilleristische und taktische Ausbildung. 
Wünschenswert wäre noch, zur besseren Gewöhnung der Pferde an den Zug, 
häufiger noch wie bisher, mit voll belasteten Fuhrwerken im tiefen Sande zu 
tehren; allerdings würden dann Futterzubußen nöthig werden. Ein besonderes 
Ai^nmerk ist auf das Fahren mit yerminderter und mit vermehrter Bespannung, 



68 Bficher-Baspreehinii^o. 

zn welcb letzterem Zwecke kfirzlich die VerbindiiDgeiaQe wieder eingefflhrt 
worden sind, in richten. 

Dem Exercieren beim Geschfltz im Kasemhofe, bei welchem 
man Aber ein ewiges EinQben der Ladegriffe und das Richten anf Punkte, 
die anf Easemhoflftnge davon sind, nicht hinauskommt, darf keine allzulange 
Zeit gewidmet werden. Die Schwierigkeiten liegen im Richten auf große Ent- 
fernungen gegen kriegsmäßig aussehende Ziele im Terrain; RichtObungen im 
Kasemhof genügen nur f&r den Anfang; noch so schön gemalte Landschafts- 
bilder an den Kasemwänden, sowie die Spielereien mit den Miniaturzielen 
ändern daran nichts. Kennt der Kanonier die Grundelemente des Richtens und 
die Richtmittel, dann mQssen die Richtfibungen ins Terrain verlegt werden, 
örtliche Schwierigkeiten ändern nichts an der Richtigkeit und Nothwendigkeit 
dieser Forderung. Das AusrQcken mit den Geschfltscen ins Terrain ist aber 
erst die Hälfte des Nothwendigen ; ebenso berechtigt und nothwendig ist das 
Aufstellen kriegsmäßiger Ziele, d. h. von Zielen, welche vom Geschütz aus das 
Bild kriegsmäßiger Ziele geben. Was ist auch näher liegend, als den Kanonier 
so bald als möglich auf Ziele richten zu lassen, wie sie sich im Felde dar- 
bieten werden. Es geschah dies bisher nicht, weil bei den Übungen noch 
nicht kriegsmäßig genug gedacht wurde. FQr die RichtObungen im Terrain 
sind die Ziele in ähnlicher Weise darzustellen, wie für die Schießübungen, 
nur können dieselben viel einfacher und leichter hergestellt werden. Etwas 
Holz, Pappe, Leinwand und Farben genügen zur Anfertigung solcher Bilder. 

Beim Exercieren am unbespannten Geschütz mnss auch schon der 
Munitions-Ersatz geübt werden, u. zw. darf man sich nicht mit dem bloßen 
Markieren begnügen, sondern es müssen wirkliche, gepackte Mnnitionsverschläge 
zum Geschütz gebracht werden. Schon zu diesem Exercieren müssen gefüllte 
Munitionswagen herangezogen werden, erst einige, die zur directen Entnahme 
der Munition hinter den Geschützen stehen, dann die der ersten Staffel, dann 
auch jene der zweiten Staffel. Jede Abtheilung muss so viel Yerpackungs- 
munition besitzen, dass eine Batterie unter Zuhilfenahme ihrer Exerciermunition 
alle Fahrzeuge planmäßig mit Munition beladen kann. 

Das Bespannt-Exercieren ist der Beginn der Schlussausbildung 
der Batterie. Mit der Beendigung des Bespannt-Exercierens muss die Batterie 
alles beherrschen, was sie noch für die bevorstehenden Übungen, sowie zur 
Kriegsthätigkeit bedarf. Selbst das Scharfschießen darf für den Kanonier nur 
insofeme Neues bringen, als das Geschütz knallt und zurückläuft Alles 
weitere Exercieren in der Abtheilung und in größeren Verbänden dient nur 
tur Ausbildung der Chargen, zu neun Zehntel der Ofßciere. 

Eine Batterie ist nur dann im Bespannt-Exercieren für ausgebildet zu 
erklären, wenn sie in allen Übungen bewandert ist, welche das Reglement für 
die Gefechtsbatterie, d. i. sechs Geschütze mit vier Mnnitionswagen, vorschreibt 
Vieles, was bei der Friedensbatterie ohne Wagen den Eindruck des Eleganten, 
Flotten, Schneidigen macht, zeigt sich bei der Kriegsbatterie mit Wagen als 
nicht ausführbar und bedeutungslos, und anderseits entfallen bei der Friedena- 
batterie viele Aufträge gänzlich, die die Kriegsbatterie von selbst mit sich 
bringt. 

Der Verfasser bezeichnet das Zusammenziehen mehrerer Batterien zu 
einer Kriegsbatterie als Nachtbeil für die aufzulösenden und unter ein fremdes 



5» 

CoHHiMido treteoden üotermbUieiloiigeD, und findet es Uhr noüiweiidig, alle 
GeecliaUe luid die ersten SUffelo aller Batterien schon im Frieden zu be- 
^■u«!. Die Feld-Artillerie bfißt dann an dem Fehlen ihrer zweiten Staffeln 
im Frieden immer noch reichlich so Tiel ein, wie die Compagnie dnrch die 
ihr mangelnde Kriegsstärke. 

Die für die Aosbildong am Geschätz grestellte Fordening des Richtens 
nack kriegsmäßigen Zielen mnss beim Bespannt-Exercieren wiederholt ond 
reneUrft werden. Gewährt ein Exercierplatz keinen Ausblick ins Gelände 
nd linsm sich in diesem keine Femziele aufstellen, so ist ein solcher Platz 
wohl min Fahrplatz, nicht aber als Exercierplatz der Feld-Artillerie gt^eignet 
Ein nnseren künftigen Fordenmgen entsprechender Exercierplatz muss eine 
solch« Zielaofstellung gestatten, wdche Officiere und ünterofficiere zum Ge- 
hnuicke der Femgläser zwingt Man darf die Übung im Gebranche dieser 
wichtigen Hilfismittel nicht auf die kurze Zeit der Schießübungen und der 
Mandver beschränken. 

Obergehen wir die Terrain-Obungen, die Obungen in Ver- 
bindung mit anderen Waffen, das über kriegsmäßige Übungen 
im Winter Gesagte und verweilen wir noch ein wenig bei der Ausbildung 
im Schießen. 

Die größte Fi»rderung erfuhr das Schießwesen dnrch die Einwirkung 
der Schießschule; das hier Erlernte muss aber erbalten und fortgebildet werden ; 
dazn fehlt es aber an Gelegenheit, denn es fehlt an Munition. 

Die deutsche Schießvorschrift verlangt, dass auch die Lieutenante in 
der selbständigen Leitung des Feuers einer Batterie ausgebildet sind. Gute 
Leintongen der Feld-Artillerie im Gefechte sind identisch mit gut im Schießen 
aaagebildeten Ofßcieren. Die Feuerleitung einer Batterie ist aber eine Knnst- 
leistiuig» sn welcher man neben angeborenem Talent nur durch viele praktische 
Übongen beföbigt wird. Kunst kommt von Können und das Können lernt man 
nieht dnrch theoretische Studien. Wer glaubt schießen zu können, weil er 
die Schiefiregeln durchaus beherrscht, befindet sich in einem schweren Irrthum — 
daher räl schießen. 

Je weniger man momentan auf eine genügende Erhöhung der Übungs- 
annition rechnen kann, desto mehr steigt im Werte alles, was sonst zur 
ErlUVhang der Schießausbildung zu geschehen vermag. 

Ein wenig forderndes Moment für die Schießausbildung ist ein mono- 
toner Schießplatz mit immer gleichbleibenden Zielen, die immer in der gleichen 
Chigebung erscheinen. Das Gefühl, dass die alten Schießplätze nicht mehr 
genOgen, hat in Deutschland zur Ewerbung von Übungsplätzen mit wechselndem 
Termin von der Ausdehnung einer Quadratmeile geführt, und in weiterer 
Folge zu SchießQbungen im Gelände, um hier in jedesmal neuen Lagen 
virUieh kriegsmäßig zu schießen. Letzteres ist aber nicht überall möglich; 
da moBS getrachtet werden, dio Monotonie der Schießplätze zu bannen, für 
die Ziele und die Batterie-Aufstellung müssen neue Verbältnisse geschaffen 



Dies ist möglich, wenn die Schießplätze in gewissem Sinne in Schieß- 
thettor umgestaltet werden ; wenn wir auf den Schießplätzen die Potemkiirschen 
Dirfer nnd Wälder wieder erstehen lassen. 



60 Büeher-Besprechmigeii. 

Hänser, Windmühlen, Schornstoine, Brücken, einzelne Bäume, Alleen, 
Gebüsche, Waldparcellen u. dgl. lassen sich verhältnismäßig leicht, nach Art 
?on Theatercoulissen darstellen. Ist solches Material reichlich zur Stelle, so 
kann Ton Tag zn Tag die Scenerie am Schießplatz verändert werden und 
lassen sich damit leicht Täuschungen über die wahren Entfernungen der Ziele 
heryormfen. Diese im Zielfelde aufgestellten Terraingegenstände nehmen aber 
auch Einfluss auf das Erkennen und Auffassen des Zieles, auf die Bezeichnung 
der Einschießpunkte, auf die Feuervertheilung u. s. w. Irrig ist die Ansicht 
mancher Artilleristen, man dürfe auf dem Schießplatze keine Terraingegenstände 
aufstellen, weil dann das Auffinden und Bezeichnen des Zieles nicht schwierig 
genug sei. Es kommt ja keineswegs darauf an im Frieden das schwierigste 
zu thun, sondern lediglich das Kriegsmäßige zu erlernen. 

Noch füg^ der Verfasser seiner Broschüre einen allgemeinen Dienstplan 
für das Ausbildungsjahr der Feld-Artillerie an. 

Das Eingehen auf manche in dieser Broschüre gegebenen Winke dürfte 
auch zum Nutzen und Frommen unserer Feld-Artillerie sein. 

Hauptmann Schubert 



Aide-memoire de manoeuvres et de cmnpagne ä Fusage 
des officiersde toutes les armes et de tous les Services. 
Par le lieutenant-ginircU H.-C, Fix. Librairie miUtaire C. Mu- 
quardt Bruxdles 1896. 

Das vorliegende Handbuch für Officiere aller Waffen und Dienstzweige, 
welches bei Benützung verschiedener belgischer, franzüsischer und deutscher 
Dienstbücher und sonstiger militärischer Werke zusammengestellt wurde, be- 
handelt den Dienst bei der Armee im Felde in nachfolgenden Capiteln: 

Versammlung der Armee. Eintheilung der Truppen und dienstlicher 
Rang. Dienst des Generalstabes, befehle und Meldungen. Tagebücher im Felde. 
Proclamationen und Tagesbefehle. Erkennungszeichen. Dienstordnung. Artillerie- 
und Genie-Stab. Intendanz-Dienst. Sanität und Seelsorge. Thierärztlicher Dienst. 
Feldgendarmerie. Geleittruppen. Militärische Gerichtspflege im Felde. Bech- 
nungsdienst. Die Eisenbahn, die Post und der Telegraph bei der Armee im 
Felde. Militär-Telegraphen. Civilbeamte der Armee im Felde. Kriegegesetze. 
Die Infanterie. Herrichtung des Terrains für die Vertheidigping. Feldbrücken. 
Wagen der Infanterie. Ausrüstung der Officiere. Die Cavallerie. Die Feld- 
Artillerie. Genie-Truppen. Kampf einer Truppen-Division. Einrichtung einer 
Kampfstellung. Ergänzung der Munition. Becognoscierungen. Distanzschätzen. 
Kleine Unternehmungen im Kriege. Zerstörung von Eisenbahnen. Anzeichen 
über die Nähe des Gegners. Orientierung. Truppen-Märsche. Wasserlinien mit 
Bücksicht auf die militärischen Operationen. Truppenlager. Verpflegung von 
Mann und Pferd im Felde. Vorposten. Angriff und Vertheidigung fester Plätze. 
Erhaltung von Mann und Pferd. Signalfahnen und Laternen; Gonvenlioiielle 
Zeichen. 

Anhang I : Instruction über Manöver größerer Körper im bedeckten 
Anhang II: Normal-Marschordnungen. 



61 

Am» 4c« larrrftif fn Iskih^ ist woU i« i^saekm. dass ml)^ rir- 

die Attfcöaadcffc^lre d«s Stoffes b»stiiiiint wurde; kiednrch wiid aber die in 
Torw«rt« beioate Eis^moe an Zeit f&r das XachsQclien kann gefv^en. 



Der Baa, Betrieb eed Ce Reparetaree ier elaMr iscIiM Dal>eclitwH|> 

/llriaflBB. Ko Leit&den för MvHateore, Werkmeister. Techniker eic. 
Toe F. Grfinwald. 5. Auflage. Verlag tod Wilhelm Knapp. 
Haue a. d. S. 1895. 

iBBtfhalb des knrxen Zeitraomes ron acht Jahren legt der Terfas^s^er 
die 5. Auflage dieses Boches, welches in der Thai nur ein Büchlein ist^ 
der l!>ileBtl]clikeit Tor. 

Mit großem Fleiße hat der Herr Verfasser seine frühere Auflage einer 
Tollet£nd]g:en Umarbeitimg unterzogen und dieselbe um 50 Ehruckseiten uni 
60 AbbndoBgen Termehrt^ so dass gegenwärtig sammtliche Theile einer 
elektrischen Beleuchtungsanlage auf 380 Seiten besprochen erscheinen. 

Der Praktiker, der mit dem Baue, Betriebe and den Reparaturen in solchen 
Anla^n beschäftigt ist, findet in dem handlichen Büchlein sehr gute und 
reichlicbe Anhaltspunkte für sein Wirken : aber auch der Nichtfachmann kann 
in demselben sich leicht zurecht finden, und gewünschte Auskünfte über 
elektrische Lichtinstallation, elektrische Kraftübertragung u. s. w. einholen. 

Die einleitende Theorie in das Studium der Elektrotechnik ist sehr kurz 
gehalten und Tervollständigt nur den Inhalt des Werkes, um es zu einem 
Q^gaen abzurunden. Das Hauptgewicht ist, wie bereits angedeutet, auf die 

Pnois gelegt. 

Die hohe Auflagezahl allein spricht schon fQr die Güte und Brauch- 
barkeit dieses Büchleins, gibt aber auch Zeugnis über die Anerkennung der 
BflheTollen Arbeit, welche der Herr Verfasser bei Monteuren, Werkmeistern 
and Technikern gefunden hat. Hauptmann Haus er. 



Eingelaufene BOcher. 
Leftfadeii fOr den Unterricht in der beständigen Befestigung; mm Gebrauche 

^^ in den k. und k. Militär-Bildaügs-Anstalten bearbeitet ?on Mori« Rittor von 
Branner, k. und k. Generalmajor. 

Fünfte, ganz neu bearbeitete Auflage. 1. Heft. (Das 2. Hoft erschoint 
AnfaniTS des Jahres 1896). 
" "^L. W. Seidel & Sohn. Wien 1895. 

■aftnlahr« för OfüCiere aller Waffen, von Hans Maudry. k. und k. ArtiUorie- 
^^^^D-uptniann, Lehrer an der Artillerie-Cadettenschule. Vierte Auflupc. 

Jl. Heft; S. Abschnitt: Rohre der Feuerwaffen; 4. Abschnitt: OoKtoUe 
A^w Wflaerwaffen ; mit acht am Schlüsse eingelegten Figurcnbl&ltcrn. 

Verlag ton L. W. Seidel & Sohn. Wien 1896. 



62 EingeUofene Büeher. 

Alfiianach fOr die k. and k. Krtogs-Marine 1896; mit Genehmigang des 

k. and k. Beichs-Kriegs-MiDisteriums, Marine- Section, herausgegeben Ton der 
Bedaction der «Mittheilnngen ans dem Gebiete des Seewesens". 
Mit 178 Panzerschifl^kizzen. XVI. Jahrgang. Pola 18%. In Commission bei 
Gerold & Comp. Wien. 

Instruction fOr die Cliargen der mobilisierten falirenden Batterien, 

der Divisions- und CorpS-Munitionsparks. Zweite nenbearbeitete Anf- 
lage. Carl Prohaska. Teschen 1895. 

WalTenlelire. Von B. W i 1 1 e , G e n e r a l m a j o r >. D. Mit 144 Abbildmigai im Texte 
und auf 2 Tafeln. Verlag von B. Eisenschmidt. Berlin 1896. 

Die Ursaclien der Siege und Niederlagen im Kriege 1870. versnch einer 

kritischen Darstellnng des deatsch-franzOsischen Krieges bis inr Schlacht bei 
Sedan. Von W o i d e , General-Lieutenant im russischen Generalstabe ; ans dem 
Bnssischen übersetzt ?on Klingender, Major im Generalstab«. Zweiter 
(Scbloss-) Band; mit 6 Skizzen in Steindruck. Ernst Siegfried Mittler. 
Berlin 1896. 

LeIirbUCh der praktiSClien Photographie. Von Dr. A. Mietbe; mit 170 Ab- 
bildungen. Verlag von Wilhelm Knapp. Halle a. d. Saale 189is. 



DIE 



BESTANDIGE BEFESTIGUNG 



UND 



DER FESTUNGSKRIEG. 

1. Band, Allgemeiner Theil, vom Oberstlieutenant des Geniestabes 

Ernst Freiherr von Leithner. 

2. Band, Fortiflcatorische Constrnctionen and Entwfirfe, von 

mehreren k. und k. Officieren. 

'h/£±\ eiziezzi .Actla Bse "yozi 18 Tafelin, 



Zweite Auflage. 



Ermäßigter Preis für die Angehörigen der gesammten bewaffneten 

Macht (durch die Redaction der „ Mittheilungen ^) 8 fl. 

Im Buchliandei 15 fl. 



1 



1 



I 



■\ 



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\ 



63 



Zur Frage des zukünftigen Feldgeschützes'). 



Von 



k. und k. Hauptmann im 14. DivUion$'Artilltru-Rtgimtntt. 

1. Einleitung. 

Nachfolgende Stndie verfolgt den Zweck, einen bescheidenen 
Beitrag zn jenen umfangreichen Arbeiten zu liefern, welche nothwendig 
sind, um principielle Entscheidungen in der Frage des Zukunfts-Geschätzes 
treffen zu können. Diese Arbeiten — - wenngleich sie auch meist in das 
Gebiet des praktischen Versuches fallen — können nicht oft genug durch 
theoretische Erwägungen gefördert werden, weil letztere es sind, welche 
den Weg zeigen, der beim Versuche einzuhalten ist, um die größt- 
möglichen Vortheile zu erringen, und an Hand welcher die Versuchs- 
thätigkeit so umgrenzt werden kann, wie es für eine ökonomische und 
rationelle Bewältigung der erwähnten Arbeiten vortheilhaft ist. 

Es ist auffallend, dass zu einer Zeit, in welcher die Infanterie 
aller, vom militärischen Standpunkte aus nur irgendwie in Betracht 
kommenden Staaten mit Schnellfeuer-Gewehren ausgerüstet ist oder wird, 
VCD manchen Seiten Stimmen laut werden, die Feuerschnelligkeit der 
Feld-Artillerie — mit Eücksicht auf die bescheidene Munitions-Aus- 
röstung derselben — zu mäßigen. 

Diese Stimmen entspringen der Sorge um genügende Munitions- 
Vorräthe für jene Gefechtsmomente, welche nach den bisher gemachten 
Erfahrungen, für die Entscheidung eines Gefechtes von wesentlicher 
Bedeutung waren. 



') Die Bedaction der „Mittheilangen** nimmt den vorliegenden Aufsatz auf, 
tu ihren Lesern auch gegentheilige Anschauungen zur Kenntnis zu bringen, 
lad weil derselbe yom theoretischen Standpunkte interessant ist. 

Es miiss aber ganz besonders betont werden, dass in der vorliegenden Studie 
dni^e wichtige praktische Forderungen, wie z. B. die Beobachtungsfähigkeit der 
Otschosse im Aufochlage u. a. m., ganz unberücksichtigt geblieben sind; überdies 
gBr viele der dabei gemachten Voraussetzungen und Hoffnungen mit den Resultaten 
i«r xahlreichen, hier wie im Auslande durchgeführten Versuche mit Schnell- 
feter-KanoDen in directem Widerspruche stehen. Die Kedaction. 



5* 



64 Weigner. 

Ist es einerseits zweifellos, dass diese Sorge ihre Berechtigung 
hat, so kann anderseits anch nicht geleugnet werden, dass sich die 
Verhältnisse der Feuerwirkung von Infanterie und Artillerie zu einander 
— eben wegen der ganz beträchtlichen Steigerung der ersteren — 
geändert haben. 

Die Hauptfactoren der Wirkungssteigerung des Feuers der In* 
fanterie sind das Schnellfeuer, die Durchschlagskraft der Geschosse und 
der erweiterte Ertrag. 

Schnellfeuer und Durchschlagskraft kommen fQr die Thätigkeit 
der Artillerie erst in zweiter Linie in Betracht, dagegen fordert der 
vergrößerte Ertrag umso mehr Beachtung, als in neuester Zeit bereits 
über die Art und Weise der Verwertung desselben -— als Concurrent 
der Artillerie — discutiert wird. Es ist selbstverständlich, dass diese 
„Concurrenz^ nur eine beschränkte (nach Zeit und Entfernung beschränkt) 
sein kann. Sie ist in der Weise gedacht, dass von eigens hiezu geschulten 
Schützenabtheilangen — welche, sobald es die Verhältnisse gestatten^ 
bis auf 800m vor die eigene Artillerielinie vorgeschoben werden — 
die Wirkung der letzteren unterstützt wird, wenn sich der eigentliche 
Artilleriekampf entsponnen hat. 

Mit Bücksicht darauf, dass der heutige sehrwirksame Shrapoel- 
ertrag innerhalb der Entfernung 2.500m (3.333 Schritt) angenommen 
wird, und das Artillerieduell häufig innerhalb dieser Entfernung zum 
Austrag kommen dürfte, kann man das Streben der Infanterie nach 
thätiger Mitwirkung am Kampfe nicht ganz ungerechtfertigt finden. 

Dass aber eine gut geschulte Infanterie-Abtheilung auf den in 
Betracht kommenden Entfernungen innerhalb 1.700m und bekannter 
Distanz noch ganz Beträchtliches leisten kann, wird Jedermann zugeben, 
der Gelegenheit hatte, solche Abtheilungen in Thätigkeit zu sehen. 

Eine Vergrößerung der Ertragweite der Artillerie ist daher schon 
aus dem Grunde erwünscht, weil sie Gefahr läuft, während des eigent- 
lichen Artilleriekampfes auch von Infanterie angeschossen zu werden^ 
ganz abgesehen davon, dass eine Erweiterung des Ertrages bisher inomier 
mit einer Vergrößerung der Präcision auf den näheren Entfernungen 
verbunden war, und daher schon deshalb erstrebenswert ist. 

Diese Erwägung fordert daher eine Steigerung der Artillerie- 
Wirkung im Sinne der Vergrößerung des Ertrages. 

Doch auch eine andere Erwägung drängt sich geradezu auf, sobald 
man bedenkt, dass es nicht gar zu selten nothwendig sein dürfte — 
nachdem der Artilleriekampf mit der Niederwerfung oder doch hinläng- 
lichen Schwächung der gegnerischen Artillerie beendet ist — den eigenen 



Zur Frage des zukünftigen Feldgeschützes. 65 

Infanterie- Ad griff zu begleiten, n. zw. soweit zu begleiten, bis die noch 
standhaltende Infanterie des Gegners zum Weichen gebracht ist. Es 
liegt auf der Hand, dass letztere, welcher nunmehr die Bolle des Ver- 
theidigers aufgezwungen ist (wenn sie dieselbe nicht etwa gleich ein- 
gangs des Kampfes freiwillig übernommen hat), den ausgiebigsten 
Gebrauch von ihrem schnellfeuernden Gewehre machen wird, um die 
innehabende Position so lange wie möglich zu halten. 

Wie sehr dieses Weichen des Gegners, das Verlassen der Posi- 
tion beschleunigt werden könnte, wenn die siegende Artillerie — der 
Fesseln, welche ihr die Gegnerin bisher auferlegte, ganz oder doch theil- 
weise ledig — mit einem potenzierten Feuer nachdrücken könnte, welches 
in ähnlicher Weise, wie das Schnellfeuer der Infanterie gedacht, auch 
moralisch von ganz besonderer Wirkung wäre, leuchtet wohl ohne- 
weiters ein. 

Eine Steigerung der Artilleriewirkung auch in diesem Sinne kann 
daher nur willkommen sein '). 

Ein Grundzug der modernen Infanterie-Taktik ist das ausgesprochene 
Streben nach möglichster Beweglichkeit in den Einleitungsphasen des 
Gefechtes, um — nach entsprechender Gruppierung der Kräfte für den 
Endzweck — am entscheidenden Punkte mit thunlichster Übermacht 
auftreten zu können. Diese große Beweglichkeit ist allerdings eine Con- 
seqaenzder gesteigerten Feuerwirkung, weil diese nur dadurch abge- 
schwächt werden kann, dass die im Einflüsse des feindlichen Feuers be- 
findlichen Truppen-Abtheilungen — bei bester Ausnützung des Terrains — 
recht häufige Ortsveränderungen vornehmen, um sich diesem Einflüsse 
zu entziehen. 

Daraus erwächst für die Artillerie die Bedingung, dass ihre Feuer- 
wirkung möglichst lenksam wird, damit sie imstande ist, die 
vorerwähnten kurzen Gefechtsmomente wirksam auszunützen. Diese 
Lenksamkeit fordert einerseits eine rasche und sichere Beob- 
achtungsfähigkeit der eigenen Geschosswirkung, anderseits die 



*) Dass eine Steigerung der ArtiUerie Wirkung leichter möglich ist als die- 
jenige der Feuerwirkung der Infanterie, unterliegt wohl keinem Zweifel, da letztere 

mit Bücksieht auf die zulässige Belastung des einzelnen Mannes — nur durch 

Verminderung des Calibers zweckmäßig lösbar erscheint, für welche vom gegenwärtig 
gebräuchlichen Caliber (6*5 bis ümm) kein sehr großer Spielraum mehr vorhanden ist. 
Dagegen kann die Artilleriewirkung sowohl im Sinne der Vergrößerung oder auch 
der Verkleinerung des Calibers gefunden werden, wiewohl — mit Röcksicht auf die 
hemebenden Verhältnisse und zu beachtenden umstände — der letztere Weg vor- 
zuiehen ist. Anm. des Verfassers. 



66 Weigner. 

Möglichkeit eines intensiven Feuers an jenen Punkten, wo 
eine sichere, vielleicht entscheidende Geschosswirkung zu erwarten ist. 

Die rasche Beobachtungsfthigkeit der Geschosswirkung hängt 
von der Flugzeit des Geschosses, die sichere Beobachtung — ab- 
gesehen von der individuellen Begabung und Fertigkeit des Batterie- 
Commandanten — von einer deutlichen Sprengwolke ab. Da die 
Verringerung der Flugzeit mit der Vergrößerung der Bahnrasanz und 
Tiefenwirkung identisch ist, letztere Factoren der Geschoss Wirkung für 
den Feldkrieg von vortheilhafter Bedeutung sind, so kann das Streben 
nach Verringerung der Flugzeit unter allen Umständen gutgeheißen werden. 

Die sichere Beobachtungsf&higkeit der Geschosswirkung wird durch 
Vermehrung der Sprengladung, oder — wie dies beim deutschea f eld- 
shrapnel C. 91 bereits geschehen — durch entsprechende Verwertung 
raucherzeugender Mittel unschwer zu erreichen sein. 

Eine Erhöhung der Intensität der Feuerwirkung an Punkten, wo 
dies von Vortheil ist, kann — abgesehen von der durch verschiedene 
Umstände begrenzten Vergrößerung der Wirkung des Einzelschusses — 
nur durch Erhöhung der Feuerschnelligkeit erreicht werden. Obwohl 
nun die gegenwärtig gebräuchlichen „Ausfeuerlagen^ und „Salven^ recht 
beachtenswerte Mittel zur Steigerung der Feuerwirkung sind, so muss 
doch auch zugegeben werden, dass nach jeder derlei Ausfeuerlage oder 
Salve eine Zeit der Wirkungslosigkeit der Batterie eintritt, welche 
Zeit möglicherweise genügt, um die Verhältnisse derart zu ändern, dass 
die Wirkung der nächsten derlei Feuerart entweder sehr abgeschwächt 
oder ganz illusorisch wird. Überdies ist zu bedenken, dass bei dem 
raschen Wechsel der für eine ausgiebige Wirkung günstigen Ziele die 
Gelegenheit zur Anwendung von Ausfeuerlagen und Salven umso seltener 
eintreten wird, je weniger rasch die Geschütze wieder feuerbereit sind. 

Eine gedeihliche Lösung der Frage nach fallweiser Steigerung der 
Feuerschnelligkeit ist daher nur von dem Schnellfeuer-Geschütze 
zu erwarten. Dabei soll schon an dieser Stelle bemerkt werden, dass 
— gleich wie beim Repetier-Gewehr — die volle Ausnützung der 
durch ein Schnell feuergeschütz gegebenen Feuer- 
schnelligkeit nur ausnahmsweise platzgreifen soll, u.zw. 
dann, wenn die Gefechts Verhältnisse es erfordern, dann 
aber unbedingt und in vollstem Maße. 

Die Gegner des Schnellfeuer-Geschützes mögen einwenden was sie 
wollen, ihre Einwendungen werden auf die Dauer nicht Stand halten, 
ebensowenig wie die seinerzeitigen Gegner des Repetier-Gewehres deren 
allgemeine Einführung hintanhalten konnten. 



Zur Frage des zuktinftigen Feldgeschfltzes. 67 

Der gebräuchlichste Einwand gegen das Schnellfeuer-Feldgeschütz 
ist der, welcher die Gefahr der „Munitions-Verschwendung^ und des 
Yonseitigen „Yerschießens^ betrifft Nun diesbezüglich braucht man wohl 
nur hervorzuheben, dass — wenn die Infanterie nicht vor den erwähnten 
Gefahren zurückschreckte — die Artillerie sie noch viel weniger zu 
scheuen braucht 

Überdies soll nicht unerwähnt bleiben, wie wenig berechtigt die 
Fureht vor dem ,, Verschießen^ ist. Ich möchte sie beinahe mit der 
Furcht vor schnellerer Entscheidung einer Gefechtsaction identificieren. 
Denn es ist doch zweifellos, dass — unter Voraussetzung elher 
rlehtigen Anwendung des Feuers — der rascher Feuernde früher zum 
Ziele kommt, als derjenige, welcher langsamer feuert (bei selbst- 
verständlich vorausgesetzter gleicher Schießfertigkeit und gleichen Neben- 
umständen), und dass es daher einer Abtheilung, welche aus Furcht vor 
dem Verschießen mit dem Einlader ausgerüstet, einer anderen mit 
Schnellladern versehenen gegenüber steht, sehr leicht geschehen könnte, 
dftss sie wohl noch lange nicht verschossen, aber schon kampf- 
unfthig ist. 

Diese Erwägung war es wohl hauptsächlich, welche alle Bedenken, 
die gegen die Bewaffnung der Infanterie mit Schnellfeuer -Gewehren 
erhoben wurden, zum Schweigen brachte und diese Bewaffnung forderte, 
sobald ein maßgebender Militärstaat dieselbe eingeführt hatte. Die- 
selbe Erwägung wird auch für die Artillerie maßgebend sein müssen, 
sobald ein Militärstaat die Schnellfeuer-Eanone als Feldgeschütz an- 
nimmt. 

Über die Gefahr der „Munitions- Verschwendung" und des „Ver- 
schießens" hat man sich bei der Infanterie durch die Erhöhung der 
Eriegstaschen-Munition (etwa 30 bis öOVo) hinweg gesetzt, obwohl dies 
kaum zulässig gewesen wäre, wenn nicht die Annahme des kleineren 
Calibers diese Maßregel sozusagen befürwortet hätte. Ein Ähnliches 
würde wohl voraussichtlich auch bei der Artillerie eintreten, schon in 
Consequenz dessen, dass auch beim Einlader von Zeit zu Zeit eine 
Erhöhung der Munitions-Dotation eingetreten ist, weil — abgesehen 
von allen anderen, eventuellen Vortheilen — jeder Munitions-Zuschuss 
gleichbedeutend ist mit einer Erhöhung der Feuerkraft. 

Ein weiterer Einwand gegen das Schnellfeuer-Geschütz ist der 
bezüglich der Wirkung. 

Dieser Einwand muss specialisiert werden. Soweit derselbe die 
mit jedem Schnellfeuer naturgemäß in Zusammenhang stehende Auf- 



68 Weigner. 

regung und deren Einfluss auf die Scbusspräcision betrifft '), so kann 
man denselben bei der Bedienung des Geschützes füglich vernachlässigen, 
weil das Geschütz als starres System dem Einflüsse des Richtenden nur 
indirecte ausgesetzt ist. Betrifft dieser Einwand jedoch die Ausführung 
der Bichtung des Geschützes selbst, dann müssen allerdings bestimmte 
Forderungen bezüglich der raschen Ausführbarkeit erfüllt werden, bevor 
der Einwand als unbegründet angesehen werden darf. 

Und damit sind wir auch bei dem empfindlichsten Punkte der 
ganzen Schnellfeuer-Geschützfrage angelangt. Es ist offenbar überflüssig 
hervorzuheben, dass ein Schnellfeuer-Geschütz — auch wenn es sonst 
den idealsten Forderungen entspricht — so lange unvollkommen bleibt, 
so lange es nicht die Möglichkeit bietet, jederzeit sofort feuerbereit 
zu sein. 

Soll das Schnellfeuer-Geschütz thatsächlich als solches functionieren, 
dann ist es unerlässlich, dass nach jedem Schusse die Sichtung des- 
selben möglichst rasch, fast momentan ausgeführt werden kann'); dies 
wird aber nur dann erreicht, wenn der Rückstoß entweder gar keine 
oder nur eine leicht zu berichtigende Verschiebung des Geschützes 
zur Folge hat. Die Wirkung des Rückstoßes gänzlich aufzuheben, vl zw. 
mit beim Feldgeschütze noch zulässigen Mitteln, wird von vielen — 
über ein großes Maß von Intelligenz und technischer Erfahrung ver- 
fügenden Persönlichkeiten — einfach für unmöglich gehalten. 

Die Lösung dieser Aufgabe — den Rücklauf gänzlich unschädlich 
zu machen — als absolut unmöglich hinzustellen, möchte ich, mit 
Rücksicht auf die Errungenschaften der modernen Technik, zumindest 



') Wie groß dieser Einfluss auf das Treffergebnis der Infanterie ist, erhellt 
daraas, dass schon am Schießplatz im Abtheilangs-Schnellfener ein größter Fehler- 
winkel Yon 2^ (nach auf- und abwärts) resultiert, während derselbe im Abtheilungs- 
SalTenfeuer nur den Tierten Theil beträgt. Anm. des Verfassers. 

') Bei dieser Gelegenheit möchte ich einer Ansicht Ausdruck geben, die 
sich mir bei Erwägung der vielen Neuerungen und geänderten Verhältnisse, Ton 
welchen ein Zukunftskrieg beeinflusst sein wird, aufdrängte. Wie schon erwähnt, 
wird der Charakter des modernen Gefechtes, hauptsächlich bedingt durch die ge- 
steigerte Feuerwirkung des Infanterie-Gewehres, ein ungemein lebhafter, sprung- 
hafter sein, welcher mit der Einfahrung der Schnellfeuer-Geschütze — deren Ver- 
wirklichung voraussichtlich in kurzer Zeit eintreten muss — nur noch potenziert 
werden kann. 

Aus diesem Grunde ist es daher nicht ausgeschlossen, dass mit der EinfCLhrung 
der Schnellfeuer-Kanonen für den Feldkrieg (oder kurz nachher) das eigentliche 
Schnellfeuer — wenngleich vielleicht nur bedingungsweise, wie bei überraschenden 
Angriffen — in die Hand des Geschütz-Commandanten (Vormeisters) gegeben wird, 



Zur Frage des znkünffcigen Feldgeschützes. 59 

als unvorsichtig bezeichnen da theoretische Erwägungen die Mög^ 
lichkeit der Lösung zulassen. 

Doch die gänzliche Aufhebung des Bücklaufes ist — so erwünscht 
dies auch wäre — vielleicht gar nicht nöthig, um der früher gestellten 
Forderung: die Richtung nach Abgabe eines Schusses fast momentan 
wieder zu erreichen, gerecht zu werden. Wenn nur die infolge des 
Schusses eintretende Verschiebung des Schießgerüstes die Richtung des 
Bohres so wenig beeinflusst und die Einrichtungen zur Wiederherstellung 
derselben so zweckmäßig gewählt sind, dass letztere in der kürzesten 
Zeit bewirkt werden kann. 

Aber selbst wenn auch diese Bedingung gegenwärtig nicht erfüllt 
werden könnte, sollte man sich der Vortheile des rascheren Ladens und 
Abfeuerns, wie sie die Schnellfeuer-Verschlüsse mit automatischer Ab- 
feuerung, die Einheitspatrone etc. bieten, nicht bedienen, um die Feuer- 
schnelligkeit wenigstens einigermaßen steigern zu können? 

Macht die Schiffs-Artillerie nicht alle Anstrengungen, um selbst 
ihre ältesten Oeschützsysteme derart umzugestalten, dass sie zu möglichst 
rascher Feuerabgabe befähigt sind ? Sehen wir nicht täglich neue Schiffs- 
kanonen schwersten Calibers entstehen, welche — das automatische 
Ladeprincip zweckentsprechend verwertet — eine Feuerschnelligkeit 
zu entwickeln imstande sind, deren volle Ausnützung nur mit Bücksicht 
auf die Grenzen der Widerstandsfähigkeit des Bohrmateriales noch nicht 
zulässig ist? 

Wenngleich die Verhältnisse für die Lösung der Frage des Schnell- 
feuer-Geschützes bei der Schiffskanone günstiger sind, weil der An- 



am die nnter Umständen sehr kostbare Zeit, welche zur Vermittlang der Absicht 
des Batterie-Commandanten auf die einzelnen Geschütz-Commandanten nothwendig 
ist — und welche heute schon in manchen Gefechtslagen recht unangenehm fühlbar 
wird — nutzbar zu machen. 

Diese einschneidende Maßregel wflrde freilich bedingen, dass man an die 
Intelligenz des Geschütz-Commandanten weitaus größere Anforderungen stellen 
mILwte, was nur mit einer neuerlichen StandeserhOhung dieser wichtigen Organe 
eiier Batterie erreichbar wäre. Ob nicht gleichzeitig damit eine Reduction der 
übrigen Chargen eintreten könnte, wage ich noch nicht auszusprechen, doch erscheint 
dies nicht ausgeschlossen. 

Die Übertragung des Schnellfeuers an die Geschütz-Commandanten hätte zur 
mnittelbaren Nothwendigkeit die Ausrüstung derselben mit den zur sicheren Be- 
obachtung erforderlichen optischen Hilfsmittel, welche am zweckmäßigsten in Ver- 
L Uadmig mit der Bichtvorrichtung zu denken sind, wodurch gleichzeitig auch die 
I Piftcision des Feuers gesteigert werden könnte. Seit Einführung des rauchlosen 
[ PolTers kann gegen die Anwendung solcher Hilfsmittel kaum mehr ein Einwand 
f erhoben werden. Anm. des Verfassers. 



70 Weigner. 

i>ringung der verschiedeDsten Bremsvorriohtangen viel weniger Hinder- 
nisse im Wege stehen, als bei der Feldkanone, so darf auch nicht außer 
Acht gelassen werden, mit welchen Arbeitsgrößen der Constmctenr des 
Schifbgeschützes zu rechnen hat, im Vergleiche mit jenem des Feld- 
geschützes. 

Speciell durch theil weise Verwertung des automatischen Princips 
bei der Feldkanone glaube ich eine wesentliche Vereinfachung des Ver- 
schlussystems und bessere Ausnützung der Bohrlänge, bezw. ein Er- 
sparnis an letzterer zu erblicken. Ich will diese Behauptung spftter zu 
begründen versuchen. 

Habe ich eingangs hervorgehoben, dass es Stimmen gibt, welche 
— mit Bücksicht auf die bescheidene Munitions-Ausrüstung der Feld- 
Artillerie — die Feuerschnelligkeit gemäßigt sehen wollen, mithin in- 
direct eine Mäßigung der Wirkung (in Berücksichtigung des Zeitmomentes) 
verlangen, so kann man anderseits mit Befriedigung constatieren, dass 
die gegenseitige Anschauung immer mehr Verfechter gewinnt. 

Das im Handel und in der Industrie so sehr gewürdigte Wahr- 
wort: „Time ü money^ hat doch zu allen Zeiten auch in der Kriegführung 
und im Gefechte sich bewährt, man darf nur nicht zu engherzig in der 
Auffassung des „money^ sein. 

Jedes Mittel, welches ermöglicht, einen bestimmten Gefechtszweck 
rascher zu erreichen, muss dem Gefechtsführer willkommen sein. 

Ein Hauptkampfmittel (wenn nicht das hauptsächlichste) des 
modernen Gefechtes ist das Infanterie- und Artilleriefeuer. Jede Steige- 
rung desselben auf der einen Seite der Kämpfenden erhöht die Chancen 
für den Sieg auf dieser Seite. Mit dieser Behauptung hoffe ich deshalb 
keineswegs mit den Anschauungen des bekannten russischen Generals 
Dragomirow in Conflict zu gerathen, welcher in einer seiner jüngsten 
Studien für die ungeschmälerte ;,Bedeutung des physiologischen Momentes 
in der Kriegführung^ eine Lanze brach. 

Der k. und k. Artillerie - Oberstlieutenant Alois Indra hat in 
seiner vor etwa zwei Jahren erschienenen interessanten Broschüre „Das 
Kampfgleichgewicht im Feld- und Festungskriege^ der Ansicht Ausdruck 
gegeben, dass in Consequenz des Entwickelungsganges der Gefechtsver- 
hältnisse seit der Einführung der Feuerwaffen letztere immer mehr zur 
Geltung kommen. Er folgert logischerweise eine weitere Steigerung ihrer 
Bedeutung in den künftigen Kriegen nach Maßgabe der Steigerung ihrer 
Wirkungsfähigkeit. In der Erwägung der Umstände, welche ermöglichen, 
die Wirkungsfähigkeit des Gescbützfeuers in weitaus höherem Maße zu 



Zar Frage des zukünftigen Feldgeschützes. 7} 

steigern, als jene des Eleingewehrs, zieht er den kühnen, aber streng 
logischen Schluss, dass sich der Wert der Artillerie in der Zukunft nur 
•teigern kann, u. zw. steigern bis zur Bedeutung der Haupt- 
waffe. 

Fast zu gleicher Zeit spricht der russische Oeneralstabs-Oberst 
Piaton Heysman de Huysmans für die Steigerung der Artillerie- 
wirkong aus taktischen Gründen, obwohl zu dieser Zeit in Bussland die 
maßgebenden Factoren noch keineswegs dieser Ansicht huldigten *). 

Bedeutsam für die Richtigkeit dieser Ansichten über die Bedeutung 
des Artilleriefeuers in künftigen Kriegen ist auch die Wertschätzung, 
welcher sich die Feuerkraft im allgemeinen auch außerhalb der 
artilleristischen Kreise erfreut. 

So werden englische und amerikanische Stimmen laut, welche das 
Feuergefecht bei der Cavallerie in dem Sinne cultiviert sehen wollen, 
dass dasselbe als vorbereitendes Mittel für die Attake benützt wird. 
Allerdings erfordert dies eine Übung, welche von der Mehrzahl der 
gegenwärtigen Cavalleristen als nicht durchführbar angesehen werden 
dürfte. Der Erfolg — bei halbwegs gelungener Vorbereitung — wäre 
ein hervorragender, wenn man bedenkt, dass während des Anreitens zur 
Attake von jedem Reiter (offenbar nur des ersten Gliedes) ein 
oder mehrere gezielte Schüsse auf die gegnerische Reitermasse ab- 
gegeben würden, ehe der eigentliche Choc erfolgt. 

Die neue Strömung, Cavallerie- Abtheilungen mit Mitrailleusen 
auszurüsten, gewinnt — wenn auch vorläufig nur für specielle Zwecke 
~ immer mehr an Bedeutung. 

Der bekannte russische Geschütz-Constructeur General Engel- 
hardt äußerte sich vor kurzer Zeit in einem Vortrage über die Ver- 
vollkommnung der Artillerie in den letzten zwei Jahren, dass die Vor- 
theile des Schnellfeuers der Feld-Artillerie bereits allgemein anerkannt 
wären und stellte eine zeitgemäße Umgestaltung des gegenwärtigen 
russischen Feld-Artillerie-Materials in Aussicht, wobei durch Änderung 
der Bespannung und andere Vorrichtungen — ohne Erhöhung des Pferde- 
ttandea — die Schusszahl pro Batterie von 1.200 auf 1.680 gebracht 
werden soll*). 



*) Diese SteigeruDg ist in Russland durch die theils durchgeführte, theils in 
Aussicht genommene Vermehrung der Geschützzahl von 48 auf 64 pro Infanterie- 
r Difisioii bereits erfolgt. Anro. des Verfassers. 

*) Damit ist offenhar die leichte (fahrende) Batterie, Caliher 8'7cm, gemeint. 

Anm. des Verfassers. 



72 W eigner. 

Sonderbar klingt die Äußerung bezüglich des Schnellfeuers gerade 
aus diesem Munde, wenn man bedenkt, dass in Russland vor nicht allzu 
langer Zeit ein von höchster Stelle ausgegangener Befehl die Steigerung 
der Feuerschnelligkeit der Feldbatterieu über ein bestimmtes sehr be- 
scheidenes Maß direct verbietet. 

Diese auffallende Erscheinung beweist übrigens, wie rasch unter 
Umständen auch Entscheidungen von einschneidendster Bedeutung 
einer Änderung unterliegen können. 

Die Bestrebungen allerorts, die Wirkung des Feldgeschützes zu 
steigern, den Rücklauf thunlichst ganz aufzuheben, sind bekannt, wenn- 
gleich manche Ansichten mit der Steigerung der Wirkung des Einzel- 
schusses bei möglichster Beschränkung des Rücklaufes sich begnügen. 

Fasst man alle die mannigfachen Äußerungen des Strebens nach 
Wirkungssteigerung der Feuerkraft im allgemeinen und jener der Feld- 
Artillerie im besonderen zusammen, so kommt man zu dem allerdings 
nicht sehr bescheidenen, aber in rein materiellen Dingen meist gerecht- 
fertigten Schlüsse: Je mehr, desto besser. 

Bei dem Streben nach möglichst großer Wirkungsfähigkeit dürfen 
zweierlei Forderungen nicht außer Acht bleiben: 

1. Das Hauptgescbütz der Feld-Aiiillerie muss auch in Hinkunft 
ein Flachbahngeschütz sein. 

2. Das Caliber desselben soll — bei Berücksichtigung aller anderen, 
auf ein Feldgeschütz Einfluss nehmenden Factoren — so gewählt oder 
bestimmt werden, dass — bei thunlichst größter Wirkung — eine ge- 
nügende Scbusszahl pro Geschütz resultiert. 

3. Die gesammte Munitions-Dotation pro Oeschütz ist, wenn nicht 
gewichtige Gründe dagegen sprechen, zu erhöhen. 

Flachbahngeschütz muss es aus dem Grunde sein, weil die im 
Feldkrieg zumeist zu bekämpfenden Objecte dies erfordern. Tritt die 
Nothwendigkeit für die Anwendung von Steilbahnfeuer auch im Feld- 
krieg ein — und dies wird kaum bezweifelt werden — so mncn für 
diesen Zweck ein Aushilfsgeschütz geschaffen werden, sobald es nicht 
gelingt, mit Hilfe einer besonderen Geschosswirkung beim Flachbahn- 
geschütz einen zweckentsprechenden Ersatz zu finden. 

Was nun die Forderungen, welche an ein wirkungsvolles Flach- 
bahngeschütz gestellt werden sollen, anbelangt, so möchte ich — trotz 
vielfacher, jedoch meist schlecht begründeter Einwendungen — die Vor- 



Zur Frage des zukünftigen Feldgeschützes. 73 

schlage des Herrn Generalmajors Wille*) als solche bezeichnen, welche, 
wenn auch sehr anspruchsvoll, als erstrebenswert hinzustellen sind. 

Diese Forderungen, deren Begi-ündung in den drei unten ange- 
gebenen Werken nachgelesen werden wolle, lassen sich in den Haupt- 
zügen wie folgt znsanimenfassen : 

Caliber 7cw, Geschossgewicht &5kg, Querdichte 17 Og pro cw*, 
Hauptgeschoss das Shrapnel (mit Mittel- und Bodenkammer und 
300 Stück 9 bis 1 0^^ schwere Wolframkugeln), Nebengeschoss die Spreng- 
granate für sehr widerstandsfähige Ziele und Ziele hinter Deckungen. 
Als Ersatz für die Kartätsche dient das Shrapnel mit auf Null gestelltem 
Zünder. 

Mündungsgeschwindigkeit 800m bei 40 Caliber langem Mantelring- 
Rohr (2'8fn). 

Einheitspatrone (Geschoss, mit der die Ladung — etwa l'5kg rauch- 
loses Pulver — und Zündung enthaltenden Messinghülse vereint) 
Qruson'scher Pallblock- Verschluss. 

Gruson^sche Feldlafette mit combinierter hydraulischer und Feder- 
bremse. Die Lafette zweitheilig (Oberlafette mit Bohrträger, Unterlafette 
mit Achse und Bädern, zwischen beiden die Bohrbremse eingeschaltet), 
die Badbremse ist eine durch den Bohrrücklauf zu bethätigende Platten- 
bremse (Platten an der Badnabe angeordnet). 

Eine vollständige Aufhebung des Bücklaufes hält General Wille 
für unmöglich, dagegen die Verminderung desselben — bei Anwendung 
der erwähnten Bremse — bis auf 50cm bei natürlichem Boden für 
realisierbar, selbst bei seinen hohen Anforderungen. 



2 Das wirksamste Caliber. 

Von diesen Grundzügen ausgehend, will ich mir erlauben, über 
einige derselben Betrachtungen anzustellen , welche — dies sei gleich 
im vorhinein erwähnt — zumeist in zustimmendem Sinne ausfallen 
werden. Hiebei werde ich bestrebt sein, einzelne der Constructions-Factoren 
TOD einer Seite zu beleuchten, die bisher vielleicht weniger oder gar 
nicht beachtet wurde, und deren eingehendere Behandlung für die 
Lösung der schwebenden Feldgeschütz-Frage möglicherweise nicht ganz 
nebensächlich befunden werden dürfte. 



«) Verlag von R. Eisenschmiedt: Berlin 1891. „Das Feldgeschütz der 
Znkiinft.'' — 1892. „Das Feldgeschütz der Zukunft und die Kritik der Gegenwart." 
— 1893. «Die kommenden Feldgeschütze.*' 



74 W e i g D e r. 

Dabei sollen die unter 2. und 3. aufgestellten Forderungen, welche 
an das Zukunftsgeschütz gestellt werden, volle Berücksichtigung finden. 

Ich will von der Bahnrasanz — als dem unmittelbaren Producte 
der Mündungsgeschwindigkeit und Querdichte — ausgehen, welche so 
weit als nur immer zulässig gesteigert werden sollte. Der einzige be- 
rechtigte Einwand, welcher diesbezüglich gemacht werden kann, ist der 
bezüglich des Zeitzünders. Da das Hauptgeschoss der Feld-Artillerie 
gegenwärtig das Shrapnel ist, dessen Zeitzünder — in der bisher ge- 
bräuchlichen Form als Brennzünder — umso größere Längenstreuungen 
aufweisen wird, je kleiner die Flugzeiten (je rasanter die Bahnen) für 
eine gegebene Distanz sind, so wird der Tre£feffect dadurch unmittelbar 
beeinflusst. Nachdem es aber einerseits keineswegs ausgemacht ist, dass 
der Brennzünder, trotz seiner langsamen aber stetigen Vervollkommnung 
auch noch bei dem künftigen Feldgeschütze seine Rolle behaupten wird 
(existieren doch schon beute mechanische Zünder, deren vollkommene 
Ausbildung nur eine Frage der Zeit ist), anderseits aber mit der Ver- 
größerung der Bahurasanz auch die Tiefenwirkung des Shrapnels zu- 
nimmt, wodurch die größere Streuung der Sprengpunkte theilweise paralj'- 
siert wird, so braucht man — mit Rücksicht auf die schon früher 
erörterten Vortheile großer Bahnrasanz — in dieser Hinsicht nicht allzu 
besorgt zu sein. 

Die Bahnrasanz nur mittels der Mündungsgeschwindigkeit steigern 
zu wollen, wäre von sehr untergeordnetem Werte, da ein wesentlicher 
Gewinn nur auf den kleinsten Entfernungen zu erwarten wäre. 

Wenn daher Herr General Wille für sein Feldgeschütz der Zu- 
kunft nebst 800m Mündungsgeschwindigkeit auch ein Geschoss mit 170^/ 
(pro cm') Querdichte fordert, so kann ihm unbedingt beigestimmt werden. 
Die Querdichte der gegenwärtig herrschenden Feldgeschütz-Systeme 
schwankt zwischen 97 und 140^^ (letztere beim russischen schweren 
Feldgeschütz) die Anfangsgeschwindigkeiten zwischen 440 und 500m. 
Die verlangte Steigerung der Querdichte entspricht daher vollkommen 
der geforderten Steigerung der Anfangsgeschwindigkeit. 

Ist es mit Bücksicht auf die anderen in Frage kommenden Con- 
structions-Factoren zulässig, die Querdichte noch zu vergrößern (über das 
angegebene Maß von i70g\ so wird dies nur von Vortheil sein. 

Da sowohl das Caliber, wie auch das Gescbossgewicht auf 
die Größe der Querdichte Einfluss nehmen, so will ich den Zusammen- 
hang dieser beiden Constructionsfactoren und ihren Einfluss auf die 
Feldgeschütz-Frage im allgemeinen etwas näher untersuchen. 



Zur Frage des zukünftigen Feldgeschützes. 75 

Ausgehend von dem durch taktische Erwägungen bestimmten 6e- 
sammtgewicht an Munition (pro Geschütz oder Batterie) soll der Nach- 
weis versucht werden, dass bei einmal feststehender Geschoss- 
Construction nur einem ganz bestimmten Caliber die 
größte Wirkungsfähigkeit zukommt, sobald die der Wirklichkeit 
entsprechende Annahme gemacht wird, dass eine Anzahl von Geschossen 
für die Wirkung verloren geht und nur der Best thatsächlich zur 
Wirkung gelangt. 

Die folgenden Untersuchungen basieren auf der Annahme, dass das 
Shrapnel das Hauptgeschoss der Feld-Artillerie ist und 
gelten naturgemäß auch für jene Geschützsysteme, wo dieses Geschoss 
die Hauptrolle spielt, also vornehmlich auch für das Gebirgsgeschütz. 

Die wirksamen Bestandtheile des Shrapnels bilden in erster Linie 
die Füllkugeln, mithin wird die Wirkung dieses Geschosses unter 
anderem auch von der Anzahl der in das Ziel gebrachten Füllkugeln 
abhängen. 

Das Gesammtgewicht der pro Geschütz ins Feld mitgeführten 
Geschossmenge ist durch verschiedene Verhältnisse — die als bekannt 
vorausgesetzt werden — bedingt und ziemlich eng begrenzt. 

Würde jedes abgefeuerte Geschoss das Ziel erreichen, dieses Ziel 
überdies auch für die Aufnahme der größten Wirkung (der größten Füll- 
kugelzahl) geeignet sein, dann käme bei gegebener Geschossconstruction 
dem größten Caliber — da ein derartiges Geschoss (absolut und relativ 
genommen) auch die meisten Füllkugeln fassen kann — die größte 
Wirkung zu. 

Da jedoch beide Voraussetzungen in der Wirklichkeit nicht zu- 
treffen, so wird auch der größte Caliber nicht der wirkungsvollste sein ; 
denn sind alle — mit Rücksicht auf das festgesetzte Munitionsgewicht 
verfügbaren Füllkugeln in einem Geschosse vereint und dieses Geschoss 
geht aus irgend einem Grunde für die Wirkung verloren, so ist die 
Qesammtwirkung gleich Null. 

Im Gefechte geht aber thatsächlich eine gewisse Anzahl von Ge- 
schossen infolge der Einwirkung von verschiedenen Umständen — 
Mängel in der Bedienung des Geschützes und des Geschosses, Functions- 
störungen des Zünders, Fehler im Geschossmaterial, Einschießen etc. — 
für die Wirkung verloren. 

Ist diese Anzahl groß, so leuchtet im vorhinein ein, dass die 
verfügbare Gesammtzahl noch größer sein muss, um auch einige der 
Geschosse thatsächlich zur Wirkung zu bringen. Da jedoch das Total- 
gewicht der Geschosse — wie schon erwähnt — begrenzt ist, so ist 



76 W e i g n e r. 

die nothwendige Folge die Anwendung eines kleineren Calibers (bei 
Festhaltung an bestimmten Constructionsverhältnissen). 

Aus den Grenzbetrachtungen — möglichst großes Galiber, wenn 
keine oder nur wenig Geschosse verloren gehen, kleines Caliber, wenn 
viele Geschosse verloren gehen — erhellt sofort, dass für eine be- 
stimmte Anzahl verloren gehender Geschosse bei festgesetztem Gesammt- 
geschossgewicht nur ein ganz bestimmtes Caliber die größtmögliche 
Wirkung versprechen wird. 

Ohne auf die genaue Bestimmung der Anzahl nicht zur Wirkung 
gelangender Geschosse näher einzugehen — diese Aufgabe würde sehr 
zweifelhafte Besultate ergeben — will ich mich trotzdem bemühen, 
ihren Einfluss auf das Caliber und die Wirkungsf&higkeit der Geschosse 
zu beleuchten, um — bei Berücksichtigung der gegenwärtig und in 
naher Zukunft zu erwartenden Gefechtsverhältnisse — praktisch ver- 
wertbare Schlussfolgerungen zu ziehen. 

Zu diesem Zwecke müssen einige Voraussetzungen gemacht 
werden. 

Da die Wirkung der Geschosse von ihrer Construction abhängt, 
so muss diese gegeben sein, ehe von der Wirkung überhaupt gesprochen 
werden kann. 

Nachdem ferner der Zusammenhang des Calibers mit der Wirkung 
beleuchtet werden soll, so eignet sich hiefür am besten die Annahme 
ähnlicher Geschosse. Diese Annahme ist auch aus dem Grunde 
zweckentsprechend, weil sie in Verbindung mit gleicher Anfangs- 
geschwindigkeit des Geschosses die einfachsten Bedingungen für die 
Construction des Bohres und der übrigen Geschützbestandtheile abgeben. 

Für ähnlich gebaute Geschosse gilt nachstehende Belation zwischen 
Geschossgewicht G und Caliber d: 

G — y.d' 1), 

worin v eine die Construction des Geschosses repräsentierende constante 
Größe ist. 

Bei Shrapnels, wo für verschiedene Caliber derselbe Zünder an- 
gewendet wird oder werden kann, geht diese Belation über in: 

Ö=Y . d'-\-z la), 

worin z das Gewicht des Zünders darstellt. 

Bezeichnet ferner a die Anzahl der in einem Shrapnel enthaltenen 
Füllkugeln, so lässt sich dieselbe durch folgende Formel ausdrücken: 

<c = ad» — [id 2), 



Zur Frage des zukünftigen Feldgeschützes. 77 

worin a und ß von den gewählten ConstnictionsverhältnisseD abhängige 
constante Größen und d das Caliber bedeuten. 

In der Formel 2) bedeutet die Größe occZ' denjenigen Theil des 
Geschossraumes, welcher zur Aufnahme der Füllkugeln sammt Zwischen- 
materiale (bezw. bei Eöhren-Shrapnels der Sprengladungsröhre) und der 
Communicationsröhre dient; die Größe ßcZ repräsentiert den von letzterer 
eingenommenen Baum, sobald die in der Wirklichkeit zulässige Vor- 
aussetzung gemacht wird, dass der Durchmesser der Communicationsröhre 
(Sprengladungsröhre) für die in Betracht kommenden Caliber gleich bleibt. 

Zur Bestimmung der Constanten a und ß in Formel 2) führen 
bei Kammer- Shrapnels folgende Erwägungen: 

Wird das Caliber so klein, dass zwischen der central angeordneten 
Feuerleitungsröhre und der Geschosswand der Zwischenraum um ein 
geringes kleiner wird als der Durchmesser der Füllkugeln, so kann das 
Geschoss keine Füllkugeln mehr fassen, d wird gleich Null. 

Bezeichnet daher S den Durchmesser der Communicationsröhre, 
\ denjenigen der Füllkugeln, so besteht die Belation: 

a = o = a'(S4-2Sj^*— [i(S4-2Sj, oder 

^-^x(S + 2S,)' = arf,'; 3) 

d, ist die Summe aus dem Durchmesser der Feuerleitungsröhre und 
dem zweifachen Durchmesser der Füllkugeln. In diesem Falle hätten 
allerdings die Füllkugeln in einer Reihe rings um die Communications- 
röhre Platz; da jedoch die Geschosswand auch in diesem Grenzfalle 
eine bestimmte, wenn auch geringe Stärke haben muss, so trifft die 
gemachte Voraussetzung zu. 

Für den Fall, als das Caliber nur um einige Millimeter wächst, 
ist der Widerstand des Geschosses aus dem Grunde gesichert, weil die 
zwischen den sich berührenden FüIIkugelu verbleibenden Bäume zur 
Anordnung von Versteifungsrippen ausgenützt werden können. 

Ähnliche Erwägungen lassen sich für Röhren-Shrapnels anstellen, 
da die Sprengladungsröhre im allgemeinen wohl vom Caliber abhängig 
ist, im Durchmesser jedoch nicht unter ein bestimmtes Maß gehen darf. 

Liegt daher eine bestimmte Geschossconstruction vor, sind für 
dieselbe a, d, S und S^ gegeben, so lässt sich auch für die verschie- 
densten Caliber (d) die Füllkugelzahl (a) berechnen. 

Ehe ich, auf das Ähnlicbkeitsprincip basiert, weiter baue, soll 
vorher untersucht werden, wie sich ähnlich gebaute Geschosse mit 
gleicher Anfangsgeschwindigkeit bezüglich ihrer Widerstandsfähigkeit 
verhalten. 

6 



78 W eigner. 

Die ungünstigste Beanspruchung eines Langgeschosses beim Schießen 
ist die auf Zerbrechen beim Aufschlagen gegen den Erdboden oder 
einen anderen festen Körper. 

Wenngleich im allgemeinen das Shrapnel — auf welches die 
Untersuchungen beschränkt bleiben sollen — eigentlich nicht dazu be- 
stimmt ist, durch den Aufschlag auf dem Boden zur Explosion gebracht zu 
werden, so geht doch das Bestreben der Artilleristen gegenwärtig dahin, 
dieses Geschoss — durch Annahme des Doppelzünders — auch für das 
Einschießen in Verwendung zu ziehen, zu welchem früher die Granate 
(das Hohlgeschoss") angewendet wurde. Man kann und muss daher die 
vorerwähnte Beanspruchungsart in Bechnung ziehen. 

Das Shrapnel kann als ein röhrenförmiger Körper aufgefasst werden. 
Für solche ist das Widerstandsmoment gegen Zerbrechen durch die Formel: 

32" B 

definiert, worin D den äußeren, d den inneren Durchmesser der Röhre 
darstellt 

Bei ähnlich gebauten Geschossen ist d eine nur von D (dem 
Caliber) abhängige Größe, mithin kann man auch schreiben: 

Bei zwei ähnlich gebauten Geschossen vom Caliber D und D^ 
verhalten sich daher ihre Widerstandsmomente W und W^ wie die dritten 
Potenzen ihrer Caliber. Ebenso verhalten sich aber auch nach Formel 1) 
die Geschossgewichte. 

Als zerstörende Kraft, welche auf das Geschoss beim Auftreffen 
desselben auf den Boden wirkt, ist die demselben infolge seiner Ge- 
schwindigkeit innewohnende lebendige Kraft (Arbeitsvermögen) anzu- 
sehen, welche an der Mündung und kurz vor derselben am größten ist. 
Für diesen ungünstigsten Fall verhalten sich diese Kräfte bei zwei 
ähnlich gebauten Geschossen, gemäß der für die lebendige Kraft 
giltigen Formel: 

üf , v« G V* 

wie die Geschossgewichte (6r), da die Geschwindigkeiten gleich voraus- 
gesetzt wurden *). 



*) Erfolgt der Aufschlag weiter vor der Mündung (günstigerer Fall), dann 
ist die zerstörende Kraft für das kleinere Geschoss im Verhältnis zam größeren 
Geschosse kleiner, da hei ersterem — infolge der kleineren Querdichte — die Ge- 
schwindigkeiten rascher ahnehmen. Anm. des Verfassers. 



Zar Frage des zukünftigen Feldgeschützes. 79 

Wir haben daher zwischen Widerstandsmoment gegen Zerbrechen, 
Gescbossgewicht und Caliber die Belation: 

W:W, = G:G,=D':D\ 4). 

Dabei ist die Vernachlässigung des constanten Zündergewichtes 
^welches nach Formel la) vorausgesetzt wurde) umsoweniger von Be- 
deutung, als der für kleinere Caliber verhältnismäßig ungünstigere 
Einfluss desselben auf die zerstörende Kraft, welche relativ größer wird, 
durch den dem kleineren Caliber zukommenden kürzeren Hebelarm, 
mit welchem diese Kraft angreift, und durch die raschere Geschwin- 
digkeitsabnahme mehr als ausgeglichen wird. 

Es ist daher zulässig, von einer bestimmten, erprobten Geschoss- 
construction auszugehen, um durch Anwendung des Ahnlichkeitsprincips 
gleich oder nahezu gleich widerstandsfähige Geschosse größeren oder 
kleineren Calibers zu erhalten. 

Um die Formel 2) für den angestrebten Zweck brauchbar zu 
machen, muss sie noch etwas vereinfacht werden. 

Angenommen, dass sich das Caliber d nur innerhalb enger Grenzen 
bewegt, so kann die Anzahl der Füllkugeln a auch ausgedrückt werden 
durch : 

a^-kd* — ^ 6) 

sobald nur a und ß der Formel 5) so bestimmt werden, dass sie für 
die in Betracht kommenden Caliber dasselbe Besultat geben, wie die 
Formel 2). Dies ist aber mit jeder beliebigen Genauigkeit möglich durch 
Einhaltung folgenden Vorganges: 

Man bestimmt aus der vorliegenden Geschossconstruction a und ß 
nach Formel 2), sodann a für 2, ziemlich nahe aneinander liegende 
Caliber, innerhalb welcher Grenzen die Untersuchung gepflogen werden 
soll. Diese gefundenen Füllkugelzahlen benützt man hierauf, um mit 
Hilfe der Formel 6) und der zugehörigen Caliber d die Constanten a 
und ß für letztere Formel zu finden. 

Man überzeugt sich leicht durch Beispiele, dass die Calibergrenzen 
keineswegs sehr enge gezogen zu werden brauchen, um eine genügende 
Übereinstimmung zwischen den Besultaten der Formel 5) und jenen 
der Formel 2) zu erhalten. Durch Einengung der erwähnten Grenzen 
kann jedoch, wie schon erwähnt, jede beliebige Genauigkeit erzielt werden. 

Bezeichnet Q das Gesammtgewicht der per Geschütz mitgeführten 
Anzahl Shrapnels, x die Anzahl der thatsächlich mit günstigem Er- 

6* 



80 Weigner. 

folge znr Wirkung gelangenden, n jene mit ungünstigem Erfolge wirkenden 
oder für den eigentlichen Zweck der Wirkung verloren gehenden Oe- 
schösse, so wird, wenn G das Geschossgewicht bedeutet, sein: 

für G den Wert aus Formel \a) gesetzt, gibt: 

aus welcher Gleichung sich die Anzahl der thatsächlich zur Wirkung 
gelangenden Geschosse bestimmt: 

« = :^^^,-« «)• 

Aus den Gleichungen 5) und 6) kann die Gesammtzahl der zur Wirkung 
gelangenden Füllkugeln A berechnet werden, sobald n gegeben ist: 

.4 = <i . 05= (ad» — fi) (— y-p- w) 7). 

Wird in Gleichung 7) das Caliber d als veränderlich angesehen, 
so können die Bedingungen gefunden werden, 'unter welchen A ein 
Maximum wird, oder mit anderen Worten, es kann jenes Caliber ge- 
funden werden, für welches bei gegebener Anzahl der für die Wirkung 
verloren gehenden Geschosse (n) die zu erwartende Gesammt Wirkung 
die günstigste wird. 

Diese Bedingungen sind: 

dA ^ :, d^A 

-Tj = und -j-r^ < 0. 
da d a' 

Die angedeutete Differenzierung ausgeführt^ gibt: 

dd (Y^ +^j 

d^A 6 a Y » d" 



n 



V'''+^-" 



Es wird daher A ein Maximum, sobald: 



3 



r 



ist. 




1 .*. I . IQ' 

n\ X 



d=-^--\/\ru^'-^\-^ 8) 



Eine Discussion der Gleichung 8) ergibt: 

Das, der maximalen Wirkung entsprechende Caliber wird umso 
größer, je größer Q (das Gesammt-Goschossgewicht), z i^Zündergewicht) 



Zur Frage des zukünftigen Feldgeschützes. Q\ 

nnd je großer ß wird, ß ist jener Factor der Geschossconstruction, 
welcher den nicht von Füllkugeln ausgefüllten Baum repräsentiert Das 
Caliber wird kleiner mit der Zunahme von y (Factor des Geschossge- 
wichtes '), n (Anzahl der nicht zur Wirkung gelangenden Geschosse) 
und OL (Factor der Füllkugelzahl). 

Es ist klar, dass aus der Formel 8) auch andere Factoren be- 
stimmt werden können, wenn das Caliber und die übrigen Factoren 
bekannt sind. So ist es beispielsweise nicht ohne Interesse zu unter- 
suchen, welche Geschosszabl „n" verloren gehen soll, damit bei einem 
gegebenen Geschützsystem das Caliber desselben der Bedingung der 
maximalen Wirkung entspricht. Diese ist bestimmt durch: 

^ = (:j^r:p^«-(^ + Tj='G'«-('^ + TJ • • • • ^)- 

Oder: Wie groß muss das Gesammt-Geschossgewicht Q eines ge- 
gebenen Geschützsystems sein, damit das ihm zukommende Oaliber d 
bei angenommener Anzahl n der für die Wirkung verloren gehender 
Geschosse dem Maximum der Wirkung entspricht: 

Q-iMl+A- ,„,. 

Welche praktische Bedeutung diesen Formeln zukommt, wird 
später gezeigt werden. 

Vorerst soll noch des Einflusses gedacht werden, welchen die An- 
wendung der Einheitspatrone — bei welcher Geschoss und Pulverladung 
in einer das Zündmittel tragenden Hülse vereinigt sind — auf die 
gefundenen Formeln nimmt. 

Bezeichnet G, das Gewicht der Einheitspati'one, H^ P und O das- 
jenige der Hülse, Pulverladung und des Geschosses ohne Zünder, seist: 

C, = 7/+P-(-ß-|.z 11). 

Lassen wir auch in diesem Falle das Ähnlichkeitsprincip gelten, 
dann ist //, P und G der dritten Potenz des Calibers proportional, mit- 
bin auch: 

C, =Y. ^' + ^ 12), 

worin Yi zum Unterschiede von y der Formel la) nebst der Construc- 
tion des Geschosses auch diejenige der Patronenhülse und das Gewicht 
der Pulverladung ausdrückt. 



*) Je größer 7 in Formel fr = y r^* | z für ein bestimmtes d (bei gegebenem 
Geschoss} desto größer muss G werden. 



82 Weigner. 

Die Gleichung 8) und deren Ableitungen liaben daher auch für diesen 
Fall Giltigkeit, nur tritt an Stelle des Factors y jener Yi aus Gleichung 12). 

Für die Bückfolgerung von dem nach Formel 8) gefundenen Caliber 
maximaler Wirkungsfähigkeit auf die demselben entsprechenden Geschoss-, 
Hülsen- und Pulvergewichte dient die nach Gleichung 1 1) gegebene Relation : 

woraus bei vorliegender Construction der Einheitspatrone die Oonstanten : 

H 



h = 



P^ 



d» 
G^ 
d' 



12) 



9 = 

ermittelt werden können. 

Es bedarf wohl kaum der besonderen Betonung, dass in dem Falle, 
als die Einheitspatrone vorausgesetzt wird, das Gesammtgewicht Q in 
Formel 8) sich nicht bloß auf die Geschosse, sondern auf die ganzen 
Einheitspatronen bezieht. 

Es dürfte aufgefallen sein, dass zur Lösung der Frage des wirk- 
samsten Calibers die Voraussetzung nothwendig war, eine bestimmte 
Anzahl wirkungsloser Geschosse anzunehmen. Die genaue Bestimmung 
habe ich gleich eingangs als illusorisch hingestellt, da dieselbe höchstens 
annähernd im Verhältnis (in Procenten) zur Gesammtzahl angegeben 
werden kann und dies nur für die Friedens-Schießübungen. Diese Zahlen 
aus den Erfahrungen und Aufzeichnungen der jüngsten Kriege ableiten 
zu wollen, wäre vergeblich, da derartige, auf die Geschosswirkung im 
verlangten Sinne bezugnehmende Aufzeichnungen meines Wissens nicht 
bestehen. Die Registrierung der nicht zur Wirkung gelangenden Geschosse 
im Gefechte ist so schwierig, dass — auch wenn hiezu eigene Beobachter 
aufgestellt werden würden — das Resultat jedermann bezweifeln könnte. 

Trotzdem will ich mich bemühen, eine für die Bestimmung des 
Calibers brauchbare Schlussfolgerung zu ziehen. 

Nebenbei bemerkt, würde die oben angeführte mathematische 
Behandlung der Frage zu keiner Lösung führen, wollte man an Stelle 
der absoluten Anzahl für die Wirkung verloren gehender Geschosse 
eine Verhältniszahl (etwa in Procenten der Gesammtzahl) einführen. 

Nähme man beispielsweise an, dass ein Fünftel der Gesammtzahl 
(207o) för die Wirkung verloren gehen, so würde selbstverständlich als 



Zar Frage des znkflnftigen Feldgeschützes. g3 

irirksamstes Caliber jenes resultieren, von welchem fünf Geschosse das 
TorfUgbare Oesammtgewicht der Geschosse repräsentieren. In diesem 
Falle würde ein Geschoss wohl 20 7o der Gesammtzahl vorstellen, in 
Wirklichkeit würde man aber mit allen fünf Geschossen oft kaum das 
erste Einschießen besorgen können. 

Umgekehrt kann man aus der dem wirksamsten Caliber und dem 
angenommenen Gesammt-Munitionsgewichte entsprechenden gesammten 
Oeschosszahl das Procentverhältnis der als für die Wirkung verloren 
gehenden Geschosse zur Gesammtzahl bestimmen. 

Diesen Vorgang will ich einhalten und zunächst mit Hilfe der 
Formel 9) untersuchen, wieviele für die Wirkung verloren gehende Ge- 
schosse bei einigen thatsächlich eingeführten, von Constructionsfirmen 
angebotenen, oder auch nur auf dem Papier ausgearbeiteten Geschütz- 
systemen sich ergeben, unter der Annahme, dass das bezügliche Caliber 
bei der gegebenen Geschossconstruction dem Maximum der Wirkung ent- 
spricht. Sodann werde ich unter der Annahme einer bestimmten — mit 
Berücksichtigung der thatsächlichen Gefechtsverhältnisse wahrschein- 
lichen — Anzahl verloren gehender Geschosse die nothwendige Gesammt- 
xabl verfügbarer Geschosse (Shrapnels) bestimmen, damit das vorliegende 
Caliber dem Maximum der Wirkung entspricht. 

Ich wähle hiezu Will es Zukunftsgeschütz, das deutsche Feld- 
geschütz mit Feldshrapnel C. 91, und die beiden Extreme: den Erupp*- 
schen 6cm Schnellader und den russischen 15cm Feldmörser. 

Die Bechnungsresultate, welche an Hand der früher aufgestellten 
Formeln ermittelt wurden, sind in nachstehenden Tabellen zusammen- 
gestellt und haben die einzelnen darin enthaltenen Buchstaben-Bezeich- 
nungen folgende Bedeutung: 

d bezeichnet das Caliber, 

S „ den Durchmesser der Feuerleitungsröhre bei Eammer- 

Shrapnels oder der Sprengladungsröhre bei Böhren- 
Shrapnels (bezw. Eammer- und Böhren-Shrapnels), 

\ „ den Durchmesser der Füllkugeln, 

OL „ den Factor des Füllkugelraumes, 

^ r n n <i^r Feuerleitungsröhre, 

Y n j) j) 7) Geschoss-Construction (Geschossge- 

wicht ohne Zünder), 

(i „ das Gesammtgewicht der per Geschütz entfallenden 

Shrapnel-Ausrüstung (ohne ßeservo-Austalten), 

O „ das (lewicht der einzelnen Shrapnels samrat Zilnder, 

2; ^ „ „ des Zünders, 



84 



W e i jf n r. 



X bezeichnet die Anzahl der von der Oesammtzahl thatsächlich 

zur Wirkung gelangenden Shrapnels, 
n „ die Anzahl der nicht zur Wirkung gelangenden Shrapnels, 

x^n „ die Anzahl aller per Geschütz entfallenden Shrapnels, 
a „ ^ ^ der Füllkugeln eines Shrapnels, 

AtHOT f) die Oesammtzahl der zur Wirkung gelangenden 

Füllkugeln. 
Tabelle 1 enthält die den Berechnungen zugrunde gelegten Con* 
structionsdaten, soweit sie die gewählten Oeschützsysteme und deren 
normale Ausrüstung betreffen. Dort wo eine Bemerkung nothwendig 
erscheint, wurde sie beigefügt, da es mir nicht möglich war, alle 
erforderlichen Factoren aus officiellen Quellen zu schöpfen. 

Tabelle I. 



BeieiehDung 

der einzelnen 

Rechnungs-Elemente 



Project 

des General 

Wille 



Deutsches 

Feldgeschütz 

C. 73/91 



Krupps 
6ein Schnell- 
lade-Kanone 



Bnssischer 

IBcin Feld- 

mOreer 



1 



d in dm 

3 . n 

5| n " 

log al 

^ \ lieh in Ftniel 2 
log ßj 

log T 

Q in kg 

ö « 

« n 1» 

X -{- n 

a 



0-70 
010«) 
105 
3*0366373 
2 0193697 
1 • 2500368 
598») 
6-5 
0-40') 
92 
300 



0-88 
010«) 
13 
2 6932503 
1-8058553 
0-9674064 
825») 
7 022 
0-70 
117-5 
280') 



60 
010*) 
125 
2-8337475 
1 - 8967053 
1- 0838475 
528») 
30 
0-38 
176 
100 



1-524 

010«) 

0-132 

2-3140988 

1-4363147 

9193923 

1741-6») 

31 1 

17 

56 

683 



*) An^fOBomiDen, da diese DlmcnsioB thatsäehlich bi>] eingt- fnbrten Sbrapnrl« tod 8 l>i« l&nn 
anirewendet i«t. ' 

>) Ana vörhandi-nen Zeichnungen entnommen. 

*) Wille verlangt 138 Bchflaae pro GetchOtK, hievon </« bii V, SpreuKfrrnnaten nnd '/« 
bli Vi Shrapnela; angenommen V« Hhrapnela, d. h. 98 & (tbkg^ daher () = 5U8^'</. 

*) Gewiclit der normalen Shrapnel-Aiiarflatonfr (117 '5 pro QearhQts). 

^) Bei dieaem Qeaehütsayatem ilnd in der Protse 48 Scbflaae unterR:t'brarbt ; angenommen 
d<>r Hinterwagen bringt doppelt ao viele fort und oa Hlnd fflr 6 (tcschfltze u Munittonawagcn 
systemiiiert, ao resultiert fBr die Annahme */, Shrapnela V, Qraoaten (und cvt^nturll Kartfttachen) 
pro (ieauhflts 176 Shrapnela mit dem Oeaammtgewiobt von 528Av/). 

*) Qesammtgewicht der pro GeacbQtz entfallenden r)G Shrapnela. 

*) Angenommen, rund ebenao groß wie bei Krnppa Qnn. 

*) Angenommen nach der Angabe, dasa daa Feldahrapnel C. !^1 300 wirkaame Fflllkngrln 
ond Sprengatflcke liefert. 

Beigefügt wird, dass für das System Krupp und das Project 
Wille Einheitspatrouen angenommen sind (also Gosclioss, Ladung und 
Zündmittel in einer Hülse vereinigt) ; der gleichartigen Behandlung halber 



Zur Frage des zukünftigen Feldgeschfltzes. 



85 



habe ich jedoch nur die Geschosse — wie bei den anderen zwei Systemen — 
in Betracht gezogen, da dies für die Schlussfolgerang ganz gleichgiltig ist. 
Tabelle II enthält nebst den für die Berechnung nothwendigen Con- 
structions- und Bechnungsfactoren diejenige Anzahl (n^ax) der Oeschosse, 
welche für die Wirkung verloren gehen sollen, damit unter den gegebenen 
Verhältnissen ein Maximum der Füllkugelwirkung (Amax) erzielt wird. 







T 


a b e 


1 1 e II nach Forme 


1 9). 





_ 






Geschütz- 


Q 

(%) 


d 

{dm) 


a 


Nach Formel 5) 


G 

(%) 


s 
(%) 


n -\-x 


nm<uc 


Amax 


System 


log R 


ß 


ceilt 


Deutsches 


825 


0-88 


280 


2 663100133-4 


7022 


0-7 


1175 


23 


19-56 


26.460 


Feldshrapnel 
C. 91 


für d = 0-7 
bis 9 




598 


070 


300 


3 0074191 


47-4 


6*6 


0-4 


92 


174 


18-9 


22.380 


Wille 


für d — 0-6 
bis 0-8 




528 


0-60 


100 


2-7982212 


35-7 


30 


0-38 


176 


62-7 


35-6 


11.330 


Krupp 


für d = 6 
bis 0*8 


Shrapnel des 


1741-6 


1524 


683 


2 • 2985261 


20-8 


31-1 


1-7 


56 


462 


8-3 


35.206 


rnssischen 
1 PeldmOrsers 


für d = 
bis 1-5S 


10 
24 



Die Zahlen der letzten drei Rubriken sind so verschieden, wie die 
voransgesetzten sie bedingenden Factoren. Am auffallendsten sind sie 
bei den Extremen 6cm und 15cm; es lohnt sich der Mühe, diese 
Verhältnisse näher zu beleuchten, wenngleich der 6cm als ausgesprochener 
Schnellader, der 15cm aber als Wurfgeschütz construiert ist; 
für die Caliberbetrachtung ist dies ohne Belang. 

Um beim 15cm die bedeutende Zahl von FüUkugeln thatsuclilich 
ans Ziel zu bringen, dürfen nur 8*3% der verfügbaren Shrapnels für 
die Wirkung verloren gehen (d. i. i% Geschosse). 

Ob dies selbst nach vorangegangenem Einschießen mit Granaten 
ia der Wirklichkeit zutreffen wird, möchte ich bezweifeln. Sobald diese 
Voraussetzung aber nicht zutrifft, man daher mehr Geschosse braucht, 
welche keine Wirkung äußern, gehen mit jedem Geschosse 683 Füllkngel 
mehr verloren, um welche sich die wirksamen Füllkugeln (A) verringern. 

Aber selbst wenn die Voraussetzung zutrifft, dass nur 4V, Go- 
sehosse von 56 für die Wirkung verloren gehen, lasst sich leicht nach- 



86 Weigner. 

weisen, dass der ^em dem l&em u <i#m«imUiiiiiiiB ttertegvn ist, 
sobald nur die in vorliegendem Falle gewiss za billigende Forderung 
gestellt wird, dass dem 6cm dasselbe Gesammt-Oeschossgewicht von 
1.741*6% zur Verfügung steht wie dem 15cm Mörser. 

Nach dieser Annahme resultieren fQr den 6cfii folgende Orößen: 

n -[- a? = 680-5, 
n««, = 206-9 oder 36-6Vo, 
A,^ = 37-360. 

Es ist daher die Gesammtwirknng beim 6cm noch um mehr als 
2.000 Fällkugeln größer, trotzdem 207 Geschosse wirkungslos bleiben können. 

Allerdings ist diese Überlegenheit bedingt durch die bessere 
Geschossconstruction des 6cm, fär welche bezüglich der Füllkugelzahl 
der Factor x den Ausschlag gibt 

Auch soll durch diese Betrachtung keineswegs die Überlegenheit 
des kleineren Calibers über den großen zu demonstrieren versucht werden, 
denn letzterer wird den ersteren immer schlagen, sobald gleiche Con- 
structions-Bedingungen vorausgesetzt sind, und die Wirkung des Einzel- 
schusses an und für sich in Betracht gezogen wird. Setzt man aber 
eine bestimmte Anzahl von Geschossen als wirkungslos voraus — und 
diese wird besonders bei Annahme des Shrapnels als Einheitsgeschoss 
nicht unbedeutend sein — dann wird das kleinere Caliber ebenso 
wirkungsvoll, unter Umständen sogar wirkungsvoller sein, als das große. 

Welchen Einfluss eine günstigere Construction auf die Gesammt* 
Wirkung nimmt, erhellt sehr gut aus dem Vergleiche von Will es 
Project mit der deutschen Feldkanone. 

Setzt man gleiches Munitionsgewicht voraus (825kg)^ so resultieren 
für Will es 7ci» folgende Zahlen: 

n -f- a? = 127, 
««nx = 24 oder 18-97,, 
A^^ =30-900. 

Also für dieselbe Zahl verloren gehender Geschosse (der deutsche 
8'8cm hat sogar nur 23) ergeben sich 4.440 Füllkugeln mehr; trotz 
des bedeutend größeren Calibers der deutschen Feldkanone. 

Um'auch noch zu zeigen, wie das Caliber, welchem die maximale 
Wirkung zukommt, variiert, wenn verschiedene Annahmen bezüglich der 
für die Wirkung verloren gehender Geschosse gemacht werden, dient 
die Tabelle III, in welcher für die Shrapneltypen Wille, deutsches Feld- 
shrapnel C. 91, Krupp'scher 6cm und österreichisch-ungarisches Shrapnel 
M. 91 das entsprechende Caliber und die ihnen zukommenden Wirkungs- 
daten für von 10 zu 10 wachsende n enthalten sind. 



Zur Fra^e des inkDoftigen FeldgeschDttes. 
Tabelle III. 



Gescliütj- 
SyBtein 


" 


Idm) 


G 


x + y. 


' 


" 


1 = 






17-391 


0-7 


6-5 


9ä-0 


74-609 


3000 


32.383 18 90 


22.383 


Wille: 7cn. 


10 


0'77166 


85718 


73-18 


63 18 


420 


26.536 13-67 


24 600 1,936 


P = mSkg etc. 


20 


068280 


6-0612 


98 66 


78-66 


276-4 


21.742 30 27 


21.600 142 


wie TabeUe I 


30 


063478 


49489 


120-83 


90-83 


3128 


19.329 24 83 


18.600 72i 


Qddn 


40 


0-60205 


4-2810 


139-69 


D9-69 


174 6 


16,406 28 63 


15.600 806 




50 


057795 


3 8334 


156 OO 


106-00 


149 


15.794 82-05 


12.600 3.194 




22'973 


0-88 


7 022 


1175 


94-527 


380-0 


26.468 19-55 


36,468 


DentacWand 


10 


1 '02340 


10-G432 


7751 


67-51 


460-0 


31.065 12-90 


30.100 955 


8-8™i 


20 


()-3037ii 


75259 


109 63 


89 62 


305-3 


37.361 18-24 


37.300 61 


wie Tabelle I 


30 


0-88726 


61449 


134-26 


104 26 


236-8 


34.689 22 34 


34.500 189 


nniill 


40 


0-79274 


5 3216 


156 03 


11503 


195-9 


:;3.534 36 14 


21.7W 834 




50 


[I7ft923 


4 7598 


173 33 


123 33 


168-1 


20,732 28 85 


18.900 1.832 




63-732 


0-6 


3-0 


1760 


113 278 


1000 


11.328 35-63 


11.328 


Krupp: 6eni 
wie Tabelk I 


10 


083781 


7-5133 


70-27 


60-27 


333-8 


20.118 15-67 


16.600 3.518 


20 


0-74088 


5-3127 


99-38 


79-38 


2198 


17.348 äO-12 


15,600 1,748 


nnd 11 


30 


0-68844 


4-33T8 


121-72 


91-72 


169-3 


16.128 34 65 


14.600 1,53* 




40 


0-G5295 


3-7566 


140 55 


100-55 


1392 


13.997 39 17 


13.600 397 




50 


062631 


3-3hO0 


157 14 


10714 


115-5 


12.718 318-3 


12.600 118 


ÖaT erreich - 


12G9Ü 


0-87 


65 


70 


5731 


152-0 


8,711 18-13 


8.711 


üneam S7cm 


10 


0-90765 


7-3221 


6214 


52-14 


175-5 


9.151 16-09 


9,120 31 


. = 0-434 
log . = 2 4301648 
log 7 = 0-96*3406 


20 
30 
4Ü 


0-80153 

074398 
068889 


5-1775 
42274 
3-6610 


87-88 
107 63 
134 28 


67-88 
77-63 
84-38 


114-3 

87-2 
70-9 


7,759 32-76 
6.769 37-85 
5.975 32 18 


7,600 15? 
6.080 689 
4,560 1.415 


ß = 2126 


50 


0-67559 


3-2745 


188 95 


98 95 


59-9 


5.927 35 98 


3.04Ü 2.887 



Je nachdem die Anzahl (n) für die Wirkung verloren gehender 
Geschosse größer oder kleiner ist, desto kleiner oder größer muss das 
Caliber gewählt werden, wenn nicht ein größerer Verlast an Fflltkugeln 
eintreten soll als nothwendig. 

Die Differenz zwischen den zur Wirkung gelangenden FSllkugel- 
uUen — welche den der verschieden gewählten n zukommenden Calibern 
ud dem normalen Caliber des Systems entapvechen — sind in der 
letiten Verticalrubrik eingetragen, woraus man ersieht, dass dieselbe 
keinesfalls bedeutend ist, wenn das gewählte n eine nicht allzu große 
TerBchiedenbeit im Caliber bedingt. 

So kann man beispielsweise beim Wille'schen Project zwischen fi 
and 7cm beliebig wählen, ohne viel Einbuße an Gesammtwirkiing be- 



gg Weigner. 

sorgen zu müssen. Man wird daher gut tbun, beim 7cm mit seiner 
großen Einzelwirknng zu bleiben. 

Noch weiter mit dem Caliber hinaufzugehen, wäre entschieden 
ungüDstig, da schon der 7'7cm bei größerer Zahl verloren gehender 
Geschosse die Gesammtwirkung stark beeinträchtigt. 

Aus diesem Grunde wäre es sehr erwünscht, genauen Aufschluss 
über die Anzahl der für die Wirkung verloren gehenden Geschosse zu 
erhalten, was aber kaum jemals gelingen wird. 

Trotzdem können wir mit gutem Grunde annehmen, dass — unter 
der Voraussetzung des Shrapnels als Einheitsgeschoss — die Anzahl 
der für die Wirkung verloren gehender Geschosse kaum weniger als 
y« bis Vs f,25 bis 20Vt) der Gesammtzahl der verfügbaren derlei 
Geschosse sein dürfte, besonders unter der Voraussetzung, dass in den 
künftigen Kriegen rasch wechselnde Ziele ein wiederholtes Einschießen 
oder doch Corrigieren erfordern werden. 

Bei dieser Annahme wird für die Type das 7cm des General 
Wille beispielsweise das wirksamste Caliber 0*63 oder 6'68dm sein, 
je nachdem man die untere oder obere Grenze der angenommenen Ver- 
InstzifTer wählt'). Das Caliber mit 7cm zu wählen, wäre vom rein 
theoretischen Standpunkte aus also schon zu groß, obwohl der Wirkungs- 
unterschied, wie schon erwähnt, praktisch ohne Belang ist. Dagegen 
würde unter derselben Annahme für die Type des deutschen Feld- 
shrapoels C 91 das Caliber zwischen 0*79 und 0*88 (ungefiUir) zu 
wählen sein, d. h. das thatsächlich eingeführte Caliber entspricht der 
Annahme von etwa 20Vo für die Wirkung verloren gehender Geschosse. 

Der Type des Krupp'schen 6rm entspricht unter denselben Ver- 
hältnissen das Caliber von 0*68 oder 0'7\dm. Das vorgeschlagene Caliber 
ist daher entschieden zu klein. Für die Constructions- Verhältnisse des öster- 
reichischen 9cwi (87) würde ein Caliber von 077 oder 0*84 entsprechen. 

Um noch einen directen Vergleich zweier ziemlich stark von ein- 
ander abweichender Constructionstypen zu geben, u. zw. unter der Annahme 
des gleichen Totalgewichtes und desselben Zünders, wählen wir das mit 
nur 109// pro cm* belastete Shrapnel M. 91 der k. und k. Artillerie und 
das mit 170// belastete Wille'sche Shrapnel. 



*) £d braucht wobl nicht t-rst hervorgehoben zu werden, dass die Procent- 
zalil n (drittletzte V»;rticalruhrik der Tabelle 3) von dem angenommenen Gesammt- 

Q 

gewichte Q unabhängig i.-t, denn je grOCer ^. desto großer ti f j^ = ^, desto großer 

auch //. xibald nur da« ilie «irMü«* \uu fi b.'dingeiidi' rauher tl einmal fixiert ist. 
(Vergb-ichc 'Iah*:]]»: 3 mit d.-r !«jlg-nden 4) 



Zur Frage des zukünftigen Feldgeschützes. 



89 



FQr beide wählen wir der Oleichmäßigkeit halber den Shrapnel- 
zünder M. 91 des erstbezeichneten Shrapnels (Gewicht 0*434%). 

Nachdem das Gesammtgewicht des Shrapnels beim deutschen Feld- 
geschütz mit der Ausrüstung C. 91 jetzt schon 825% beträgt, wird 
das Totalgewicht der Shrapnelausrüstung für ein zukünftiges Schnellfeuer- 
Geschütz mit rund 1.000% kaum zu hoch gegriffen sein. 

Unter dieser Annahme erhalten wir nachstehende Daten: 

Tabelle IV. 



f 



System 



d 

[dm) 






;i 



I 






absolut 



in Pro- 

centen 

von 

(x + n) 



II 



II 






anter der 
Annahme 
desselben 

n 
und des 
Normftl- 
Calibers 

des 
Systems 



Wille: 7cm 
loga = 3 0074191 

ß = 47-4 
log Y = 1-2476084 



0-70ß-500 



3000 



29-78 



19-35 



64 



5 069 



219-3 



48-96 



24 82 



153*85 



197-28 



124-07 



148-32 



37.227 



32.527 



37.227 



31.451 



i^cm Shrapnel 

M. 91 
{d = 87cm) 
ilog(x = 2-4201548 

ß = 21-26 
logY = 9643466 



0-84 



0-77 



5-894 



134-7 



4-639 



988 



33-92 



54-74 



20-00 



25-34 



169-67 



135-75 



18.285 



18 . 221 



215-54 



160-80 



15.887 



15.058 



Anmerkung. Wille nimmt 10 bis 11mm Wolframkugeln an (der Rechnung liegen 
«olchc von I0'5mm zagmudc) ; Sbrapnel M. 91 hat ll^^ schwere Hartbleikugeln (OurchmoRser 
etwa 13mm), a und ß sind fflr die Grensen 0*6 bis Q-Bdm des Calibers bestimmt. 

Man ersieht aus der vorstehenden Zusammenstellung — welche 
wieder auf den Annahmen, dass etwa ein Viertel bis ein Fünftel der Ge- 
schosse von der Gesammtzahl verloren gehen, basiert — dass unter 
denselben Verhältnissen für Shrapneltype M. 91 ein größeres Caliber 
entspricht, wie bei der Construction Wille, was durch die Constante x 
bedingt ist. 

Das thatsächliche Caliber des Shrapnels M. 91 ist unter den ge- 
machten Voraussetzungen (n = 20 bis 257^ von n -j- x) zu groß gewählt. 

Gleichzeitig sieht man auch bei dem Vergleich beider Typen den 
großen Unterschied in der Gesammt Wirkung und die Wirkungsdifferonz 
bei nicht entsprechend gewähltem Caliber. 



Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht unerwähnt lassen, dass man 
vereinzelt noch der Ansicht begegnet, dass für die Wirkung in der 
Praxis die Füllkugelzahl (innerhalb gewisser Grenzen) von keinerlei Be- 



90 Weigner. 

deutuDg sei. So wäre es beispielsweise ziemlich gleichgiltig, ob ein 
Shrapoel 160 oder 300 Füllkugeln enthalte, da es für den Oefechts- 
zweck vollkommen genüge, wenn ein lebendes Ziel von einer Füll- 
kugel getroffen werde. 

Damit hat es allerdings bedingungsweise seine Richtigkeit; es 
dürfte diese Anschauung aus einer Zeit stammen, in welcher man die 
SchieÜversuche zur Ermittlung der Shrapnelwirknng gegen eine bestimmte 
— fast möchte ich sagen normierte — Scheibenaufstellung aasführte, 
bei welcher die einzelnen Scheiben in mannsgroße Fl&chenelemente ge- 
theilt waren. Hatte man nun auf einer bestimmten Distanz eine be- 
stimmte Anzahl dieser Flächenelemente mit je einem FfiUgeschoss oder 
Sprengstück getroffen, so sagte man, die Wirkung wäre gleich derjenigen 
eines anderen Shrapnels, welches dieselbe Anzahl Flächenelemente ein- 
bis drei- oder noch mehrmal getroffen hatte. 

War diese Folgerung unzweifelhaft richtig für die gewählte Scheiben- 
aufstellung (denn es ist doch offenbar zwecklos, einen durch das Flächen- 
element repräsentierten Gegner zwei- oder mehrmal zu treffen, wenn 
er mit einem Treffer ohnehin schon kampfunfähig ist), so ist dies aber 
auch nur in diesem Falle. 

In der Wirklichkeit, wo die Verhältnisse mannigfach wechseln, wo 
auch die in Betracht kommenden Ziele meist viel kleiner sind, als die 
Mannsgröße, wird wohl auch die Wirkung des mehr Füllkugeln fassenden 
Shrapnels eine ungleich günstigere sein. 

General Kobne sagt in seiner vortrefflichen „Studie über den 
Shrapnelschuss der Feld-Artillerie" *): „Die Vermehrung der Füllkugeln 
ist ein sehr wichtiges, wenn nicht das wirksamste Mittel, die Wirkung 
(des Shrapnels) zu steigern. Die Überlegenheit der Wirkung schwerer 
Geschosse liegt zum großen Theil in der hohen Zahl ihrer Füllkugeln." 

Die größte Füllkugelzahl weist das Geschossproject des Herrn 
General Wille auf und hat im Verein mit der günstigen Geschoss- 
construction — welche naturgemäß Hand in Hand gehen — für die 
größte Gesammtwirkung das kleinste Caliber {7c7n\ verlangt aber ein 
noch kleineres, wenn man 25% Geschosse als für die Wirkung verloren 
gehend voraussetzt. 

Da ein kleineres Caliber dem größeren aus naheliegenden Gründen 
vorzuziehen ist, wenn es eine gleiche, oder, wie in vorliegendem Falle, 
sogar eine größere Wirkung hat, dem Wille'schen Projecte aber (wohl 
hauptsächlich wegen seiner Wolframgeschosse) der Vorwurf der ünaus- 



<) Archiv für Artillerie- und Ingenieur-Officiere. 1894, Heft IX und X. 



Zur Frage des zukünftigen Feldgeschützes. 91 

führbarkeit gemacht wird, so will ich Doch versuchen, diesen Stein des 
Anstoßes zu beseitigen, um unter den fQr die Gegner des Projectes an- 
nehmbaren Verhältnissen ein Geschoss zu skizzieren, welches dem Projecte 
Wille wohl nicht gleich, jedoch nahe kommt und welches — bei Bei- 
behalt des Galibers von 7cm — die besten gegenwärtig eingeführten 
Shrapnels an Gesammtwirkung übertrifft. 

Ich wähle das Krnpp'sche 6cm Shrapnel — dessen Wirkung 
durch Versuche erprobt ist — als Ausgangspunkt. 

Dasselbe hat bei einer Füllkugelzahl von 100 das Gesammtgewicht 
von 3kg bei 0*38% Zündergewicht und 11^ schweren Füllkugeln aus 
Hartblei (Durchmesser mindestens 12*5wm). 

Aus den Daten der Tabelle I und II errechnet man für ein ähn- 
liches 7cm Geschoss, bei Zugrundelegung des für ein größeres Caliber 
besser entsprechenden österreichisch-ungarischen Doppelzünders M. 91 
(Gewicht 0'\3\kg) und weil der Erupp^sche Doppelzünder nur 
11 Secunden Brennzeit hat, das Gesammt- Geschossgewicht mit 
4'6945%, die Füllkugelzahl mit 180. Dieses Geschoss ist ohne Zünder 
2Vs Caliber lang. 

Um ein Geschoss von 7cni Caliber zu erhalten, welches 280 Füll- 
kageln fasst, muss dasselbe 4*1 Caliber lang werden. (Unter der gewiss 
xulässigen weil ungünstigsten Annahme, dass sich die Füllkugelzahlen 
verhalten, wie die Geschosslängen; in der Wirklichkeit wird ein 4 Ca- 
liber langes Geschoss wahrscheinlich mehr als ausreichen.) 

Unter derselben Annahme wird das Gewicht dieses Geschosses 
G = 6-8154%; dementsprechend log y= 1*2696219. 

Die Querdichte dieses Geschosses ist rund 177^ pro cm*, also noch 

Hin ein geringes größer als das Wille^sche. 

Nach der Formel: 

a = oid' — fi d 
ergibt sich: 

log a== 30287241 

log fi = 20916819 

«od für die Calibergrenzen 0*7 bis O'Sdm nach der Formel 

a == a d» — ß 

log a = 2-9979649 

;^ = 61-4. 

Mit diesen Factoren errechnet man für Q = IMOkg: 

n-\-x= 146-727 

w„,„, = 34-052 oder 23-21 7« von {n -^ x) 

a: = 112-675. 



92 



W eigner. Zar Frage des zokünftigeu Feldgoticliützct». 



Die Gesamrat-Füllkugelwirkung -4„ax = <« . j?^= 31.549. 

Nachstehende Tabelle V enthält die Daten für den 7cm nnd den 
ähnlich construierten 7*3 und 6'8c?», welche den Forderungen für rund 
20 und 25*'/o verloren gehender Oeschosse entsprechen. 

Um die 6esammtwirkung mit einem der wirksamsten eingeführten 
Shrapnels vergleichen zu können, ist auch das deutsche Feldshrapnei 
C. 91 hinzugefügt. 

Tabelle V. 



System 


d 


G 


Qaer- 

dichte 

</ prt cm» 


n -\- X 


n 


X 


a 


A — a ,x 

•irUig) 


absolut 


in Pro- 

centen 

von 

n -\- X 


Projcct 
Q =. l.OOOÄ-^ 


0-70 
0-73 
0-68 


6-8154 


177 


146-73 


34 05 


23 


21 


112-68 


280-0 


81.550 


7-6716 


183 


130-35 


26-88 


20 


61 


103-47 


825-8 


83.710 


6-2839 


173 


159 14 


40 06 


25 


17 


119-08 


251-6 


29.960 


Deutsches 
Feldshrapnei 

C. 91 
Q = 1.000^^ 


0-88 


7-022 


1155 


142-41 


32 85 


23 


21 


109-56 


280 


30.677 


29 35 


20 


61 


113-06 


31.657 


35-84 


25 


17 


106-57 


29 840 



Man ersieht daraus die, wenn auch geringe, Überlegenheit des pro- 
jectierten Geschosses gegenüber dem deutschen Feldshrapnei selbst in 
dem Falle, wo 25yo der Geschosse als verloren gedacht sind und nur 
ein rund 6*3% schweres Geschoss von 6*8cm Caliber resultiert. 

Infolge der hohen Querdichte wird es selbst unter Festhaltung der 
gegenwärtig üblichen Anfangsgeschwindigkeit auf allen Distanzen kleinere 
Flugzeiten und gröliere Endgeschwindigkeiten haben, es wird daher 
nicht nur die Gesammtwirkung, sondern auch der Wirkungsbereich 
größer sein. 

Dieses Geschoss erfordert zur richtigen Führung allerdings einen 
Drallwinkel von 7 bis 8^ ergibt daher auch einen großen Streuungs- 
winkel, jedoch möchte ich dies nicht als so schädlich betrachten, wie 
General Bohne es hinstellt. 



^Fort<tctzung folgt 



93 



Beiträge zur Küstenbefestigung. 



Mit Bewilligung des Verfassers aus dem Englischen') fibersetst von 

:R»Txdolf SelBsl, 

k. und Je. Hauptmann im 14. Pionnitr-Bataillon, 

(Hiezu Tafel 3, 4 und 5) 



Einleitung. 

Die seit Anfang der Siebziger-Jahre eingetretene bedeutende Ver- 
Tollkommnuug in der Erzeugung der Panzer-Materialien, u. zw. des 
Schmiedeeisens und des Stahles, bezw. die Verwendung des Flusseisens 
in Österreich-Ungarn als neues Panzer-Materiale, ferner die großen 
Fortschritte auf dem Gebiete des Artilleriewesens durch Einführung der 
Brisanz-Geschosse, haben in ihrer Wechselwirkung sowohl zur ver- 
mehrten Anwendung und zur Verstärkung der Panzer, als auch zur Ver- 
größerung der Armierung bei der Land- und insbesondere bei der 
Küstenbefestigung gefuhrt. 

Im Augenblicke scheint man jedoch rücksichtlich der Armierung 
fast an der Grenze des durch die technischen Hilfsmittel vorläufig 
Erreichbaren angelangt zu sein. Man will nämlich in der Vergrößerung 
der Caliber der SchiflFsarmierung, welche auch jene der Küstenwerke 
bedingt, nicht mehr über 40cm gehen, weil diese Biesengeschütze infolge 
ihres großen Gewichtes die Bedienung trotz der hiefür angewendeten 
Mechanismen sehr erschweren, wodurch eben die während der Feuer- 
abgabe „in Fahrt" um so nothwendigere Feuerschnelligkeit und Treff- 
sicherheit vermindert werden. Durch diesen Umstand erscheint aber 
nunmehr auch die Frage berechtigt, ob die Geschütze der Küstenwerke 
in den meisten Fällen wirklich eine so starke Deckung wie die einer 
Panzer - Construction erfordern, abgesehen davon, dass bei solchen 
Anlagen auch der sehr bedeutende Kostenpunkt nicht übersehen werden 
darC Ferner kommt zu berücksichtigen, dass die Schiffe durch die 
stetige, wenn auch langsame Vervollkommnung des Steilfeuers immer 



*) Notet on land and coast fortißccUion. By Major E. R. Kenyon, B. E. PuUuhed 
hg the Royal Engineers InstUute, Chatham, 1894. 

7 



94 S e i s s 1. 

mehr gef&hrdet sind, nachdem ihr Deck mit Bucksiebt auf die noth- 
wendige Ausgestaltung des Schiffskörpers bisher noch nicht durch einen 
entsprechend starken Panzer verstärkt werden konnte ; anderseits sind die 
Scliiffsgeschütze selbst durch ihre Aufstellung auf schwankender Basis 
und ihre Verwendung „in Fahrt^ zum erfolgreichen Steil- und Wurf- 
feuer gegen Etistenwerke ohnehin wenig befähigt 

Es ist gewiss von Interesse, einige Ansichten über die Anwendung 
und Ausbildung der Küstenbefestigung in England darzulegen, jenem 
Beiche, welches durch seine geographische Lage und seine politische 
Gestaltung in erster Linie berufen erscheint — unbeschadet der be- 
ständigen EntwickeluQg seiner Flotte — die Küstenbefestigung einer 
eingehenden Würdigung zu unterziehen, da sowohl die Küsten des Mutter- 
landes, als auch jene des ausgedehnten Colonialbesitzes, dann die zu dem- 
selben führenden Wasserstraßen gegen feindliche Angriffe zu sichern sind. 

Wie aus der nachfolgenden Übersetzung des die Küstenbefestigung 
betreffenden Theiles aus dem Buche des englischen Ingenieur-Majors 
E. B. Kenyon: ,^ Notes on land and coast fortificaüon^ zu ersehen, 
geht der Orundzug der dargelegten Anschauungen dahin, dass von der 
übergroßen Verstärkung der Küstenwerke durch Panzer zu Gunsten 
der Vermehrung der Artilleriekraft abzusehen sei. Der 
britische Autor verfolgt demnach denselben Grundsatz, welcher in der 
„Küstenbefestigung^ von Oberstlieutenant Freiherr v. Leithner 
folgendermaßen ausgesprochen wird: „lieber mehrere, wenn auch minder 
gedeckte Bohre einzustellen, anstatt weniger, aber übermäßig geschützter 
Bohre, weil gegen rasch bewegliche Ziele, wie Schiffe, deren vitalste 
Theile durch Panzer geschützt sind, eine entscheidende Anzahl von 
Treffern nur bei Abgabe von vielen Schüssen zu erreichen ist.^ 

Nachdem die Vermehrung der Artilleriekraft in der möglichst 
rationellen Verwendung der Geschütze zu suchen ist, wird femer in 
diesem Werke zur Erhöhung der Wirksamkeit der Küsten-Artillerie auch 
die unbedingte Nothwendigkeit der umfangreichen Anwendung von 
Distanzmessern, sowie auch von elektrischen Beleuchtungsanlagen im 
Bereiche der Küstenwerke besonders betont. 

Kttstenvertheidigung. 

Eine Küste kann sowohl durch eine Flotte, als auch durch be- 
ständige Befestigungen, welche aus Batterien, Minen und Hindernissen 
bestehen, vertheidigt werden, oder schließlich auch durch Verbindung 
aller dieser Mittel. 



Beiträge zur Eüstenbefestigting. 95 

Wenn man einer Flotte die Yertheidigung einer Küste anvertraut, 
80 ist es weder nöthig noch vortheilhaift, dass ihre Schiffe einzeln vor 
jedem gefährdeten Punkte der Eüste vor Anker liegen bleiben. Sie 
bewirkt die Yertheidigung der Eüste zweifellos besser, wenn sie die 
feindliche Flotte in ihren eigenen Häfen blockiert, oder auf offener See 
ao&ucht und besiegt, oder schließlich, indem sie eine solche strategische 
Stellung nimmt, dass kein Gegner eine Landung zu unternehmen wagt, 
ohne vorerst die Flotte des Vertheidigers aus ihrer Stellung vertrieben 
zu haben. 

Es ist klar, dass diese Methoden der Yertheidigung vollkommen 
entsprechen, um sowohl dem Lande die Sicherheit vor einer feindlichen 
Invasion zu verbürgen, als auch die Eüste vor jedem Angriff mit be- 
deutenderen Eräften zu bewahren ; doch ist es fast unmöglich, die letztere 
vor Angriffen durch Ereuzer, kleinere Schiffe oder gegen kleine Landungs- 
onternehmungen zu sichern. Gegenwärtig gilt allgemein die Anschauung, 
dass eine blockierende Flotte die feindlichen Häfen nicht derart zu 
sperren vermag, um aus denselben kein Schiff entkommen zu lassen. 
Yollkommene Sicherheit kann den eigenen Eüsten nur dann gewähr- 
leistet werden, wenn dieselben nicht nur durch eine mächtige Flotte, 
sondern auch durch mobile Eräfte, oder durch Befestigungen so ge- 
sebützt werden, dass ein Angriffsversuch für einzelne Schiffe oder fQr 
eine kleinere Escadre des Gegners zu gefährlich erscheint Schwächere 
Seemächte bedürfen natürlich zur Sicherung ihrer Eüsten viel stärkere, 
feldmäßige oder beständige Yertheidigungsanlagen, als jene Staaten, 
welche über eine große Seemacht verfügen; und jene Staaten, deren 
Feld-Armeen nicht genügend stark sind, haben gleichfalls an ihren 
Efisten beständige Yertheidigungsanlagen in bedeutenderem Umfange 
D^thig, als die großen Militär Staaten. 

Mit Bezug auf die Yertheidigung der Eüsten des britischen Insel- 
reiches muss es sowohl für den Soldaten wie für den Seemann als 
Grundsatz gelten, dass die britische Flotte eine solche Überlegenheit 
über jede mögliche feindliche Goalition haben müsse, um einerseits die 
Sicherheit des englischen Handels zu verbürgen, und anderseits jeder 
noch so starken Flotte den Yersuch einer Landung an den britischen 
Eüsten unmöglich machen zu können. 

Die Flotte, mit Mann und Material, betrifft daher die erste und 
innigste Sorge. Aber Schiffe erfordern Stationen, woselbst sie Eohlen- 
ond ihren sonstigen Bedarf ergänzen und wo sie fallweise nothwendige 
Wiederherstellungen von Havarien bewirken können. Solche Stationen 
stellen aber gleichsam Punkte längs einer ungemein ausgedehnten Com- 



96 S e i s 8 1 

muDicationsIioie dar, und sind demnach dem Angriffe leicht ausgesetzt, 
während die Flotte sich auf hoher See befindet 

Hafen - Yertheidigungsschiffe genügen jedoch gegen eventuelle 
Angriffe der Eüste nicht. Es ist nämlich absolut nothwendig, dass diese 
Schiffe unter dem Commando des Hafenadmirals stehen, weil ihm die 
Entscheidung zukömmt, wo und wie dieselben zu verwenden sind. Er 
kann es für zweckentsprechend halten, eine Escadre durch jedes erhält- 
liche Schiff zu verstärken, und den Feind in offener See zu besiegen ; 
erfolgt dann ein Angriff, so können die Hafen-Vertheidigungsschiffe in 
See befohlen worden sein, um an dem Kampfe gegen die feindliche 
Hauptfiotte theilzunehmen. In Berücksichtigung dieser Umstände wird 
von mancher Seite gefordert, eine gewisse Zahl von Schiffen unbedingt 
den Befehlen des Commandanten einer Eüstenfestung zu unterstellen; 
doch erscheint es kaum wahrscheinlich, dass ein solcher Vorgang von 
einem Staate durchgeführt werde, dessen ganze Existenz von seiner 
Flotte abhängt Anderseits wurde die Forderung aufgestellt, dass die 
ganze Vertheidignng nur durch die Flotte bewirkt werden soUe^ was 
sich jedoch kaum als klug und vorsichtig genug erweisen dürfte. 

Zweifellos ist es unnöthig, die Küsten Großbritanniens mit so starken 
Befestigungen zu versehen, dass sich die Widerstandsßihigkeit des Landes 
auch dann noch auf dieselben stützen könnte, wenn die Überlegenheit 
zur See bereits verloren gegangen wäre; bestünden jedoch gar keine 
Befestigungen, so könnten die Küsten, auch unter Voraussetzung eines 
schließlich erfolgreichen Ausganges des Krieges, doch während der zeit- 
lichen Abwesenheit der Flotte den Angriffen der Gegner ausgesetzt sein, 
wonach Kohlenstationen, Docks und ähnliche Einrichtungen derart zerstört 
werden könnten, dass hieraus ernste und langdauernde Schwierigkeiten 
für den Handel und die Schiffahrt entstünden. Auch könnte durch die 
Wegnahme einer solchen Station, oder auch nur durch einen erfolg- 
reichen Streifzug an die Küste derselben die hierauf basierte Escadre 
empfindlich geschädigt werden. Alles dieses lässt sich durch Aufstellung 
weniger Geschütze in entsprechender Art und Weise auf den richtigen 
Punkten verhindern. 

Aus dem bisher Gesagten ergibt sich also, dass jene Plätze an 
der Küste, welche für die Flotten von Wichtigkeit sind, Feld- oder 
beständige Befestigungsanlagen, je nach der möglichen Wahrscheinlich- 
keit eines Angriffes erhalten sollen. 

Andere Punkte sind aus strategischen, politischen oder commer- 
ciellen Beweggründen in ähnlicher Weise zu verstärken, weil sie leicht 
von feindlichen Schiffen angegriffen werden könnten, welche der Beob- 



Beiträge zur Küstenbefestigung. 97 

achtung der eigeneu Flottenabtheilungen eotgehen. Die britische Armee 
ist nicht stark genug, um sich bei der Yertheidigung auf sie ausschließ- 
lich oder auch nm* der Hauptsache nach verlassen zu können : demnach 
ist das Land gezwungen, einen gewissen Betrag für die beständige Be- 
festigung seiner Küsten in Bechnung zu stellen. 

Solche Befestigungsanlagen erfordern jedoch auch ihrerseits gegen 
die Wegnahme durch Landungs - Detachements einen Schutz, welcher 
ihnen durch Landbefestigungen mit Besatzungen oder durch mobile 
Feldtnippen gegeben werden kann. Diese Küstenbefestigungen, bezw. 
vereinigten See- und Landbefestigungen, zur Sicherung eines Küsten- 
punktes bilden eine Seefestung. 

Doch wird es unmöglich, einen Platz ohne die Unterstützung 
einer Flotte zu sichern, sobald Schiffe in einem solchen Hafen zu 
schützen sind, zu welchem eine gute Wasserstraße führt. Nachdem die 
Einfohrt in einen Hafen von besonderer Wichtigkeit kaum jemals eine 
vollständige Sperrung durch schwimmende Barricaden oder unterseeische 
Minenanl^en erfahren wird, so können Torpedo- oder Kanonenboote in 
beträchtlicher Zahl angreifen, dabei ist ihre Schnelligkeit so groß, dass sie 
nicht lange unter dem wirksamen Feuer der Batterien bleiben werden. 
Wenn dieselben daher den Angriff unternehmen, vielleicht unterstützt 
durch das Feuer einiger außerhalb liegender größerer Schlachtschiffe, 
so können diese kleinen Fahrzeuge allerdings schwere Verluste erleiden ; 
doch ist es immerhin wahrscheinlich, dass einige von ihnen den Ein- 
tritt in den Hafen erzwingen und dort bedeutende Schädigungen ver- 
ursachen, wenn nicht Theile der Flotte die Batterien in ihrer Wirkungs- 
ftbigkeit unterstützen. 

Kflstenbefestigungen. 

In wenigen Fällen sind die örtlichen Umstände für Küsten- 
festungen derart, dass sowohl ein regelrechter Gürtel von detachierten 
Landforts, als auch eine Beihe von Küstenwerken benöthigt wird. Die 
Ausführung der Landforts, die sonstigen Vorbereitungen und Ein- 
richtungen hiefür entsprechen im allgemeinen den für die Landbefesti- 
gong giltigen Grundsätzen; nachdem jedoch meist kein regelmäßiger 
Angriff zu Lande zu befürchten sein wird, so erscheint es nur noth- 
wendig, den Platz gegen überraschende Unternehmungen von Feld- 
tmppen — ohne Belagemngsparks — zu sichern. In diesen Fällen 
wird fOr die Vertheidigung zu Lande eine ausreichende Stärke einer- 
seits dadurch erhalten, dass man jede Küstenbatterie auch zur Gewehr- 



98 S e i 8 8 1. 

vertheidi^Dg einrichtet; anderseits indem man den Platz mit Feld- 
truppen versieht, welche mit kleineren, manövrierfähigen Oeschützeu 
(Feld- oder Maschinen-Oeschütze) ausgerüstet sind, und für welche ein 
oder zwei feldm&ßige oder andere Werke auf taktischen Stützpunkten 
aufgeführt werden. 

Ein frontaler Angriff auf die Batterie durch ein Landnngs- 
Detachement ist nicht leicht durchzuführen, dürfte aber möglicherweise 
durch Truppen versucht werden, welche in größerer Entfernung an 
den Flanken der Batteriestellung gelandet sind. Der beste Schutz gegen 
solche Landungsversuche würde in vielen Fällen in einer kleinen 
mobilen Colonne liegen, welche mit Feld-Artillerie und Maschin- 
Oeschützen ausgerüstet, sich längs der bedrohten Eüste bewegt und es 
den Schiffen unmöglich macht, ihre Absicht auszuführen; ist jedoch 
der Charakter der Eüste dieser Art von Vertheidigung ungünstig, so 
muss eine Stellung gewählt werden, welche von den mobilen Kräften 
bezogen und gegen einen vermuthlichen Angriff auch festgehalten 
werden kann. 

Nachdem die Ausgestaltung von Festungsanlagen nach den 
Grundsätzen der Landbefestigung erfolgt, so wird im folgenden nur 
von den Eüstenbatterien und ihrer Ausrüstung, dann von den beson- 
deren Anordnungen, welche die Vertheidigung einer Eüstenfront erfordert, 
die Bede sein. 

Kttstenbatterien. 

Allgemeine Aufgaben und Bedingungen für deren Angriff und Ver- 
theidigung. 

Eüstenbatterien unterscheiden sich in mehreren Beziehungen wesent- 
lich von jenen Werken, welche einem Landangriff zu widerstehen haben. 
Sie haben nur selten eine Beschießung wie bei einer regelrechten Be- 
lagerung auszuhalten; und wenn dies doch der Fall sein sollte, so ist 
das Feuer, welchem sie ausgesetzt sind, nicht von derselben Treffiricher- 
heit, wie jenes der Belagerungsbatterien zu Lande; auch haben sie sehr 
wenig, fast gar nichts, vom Steilfeuer zu fürchten. Anderseits jedoch 
werden die Eüstenwerke durch die schwersten der bestehenden Geschütze 
beschossen und müssen f&hig sein, den großen Sprengladungen der Ge- 
schosse derselben zu widerstehen. Ferner können die Angriffe auf Eüsten- 
batterien sehr überraschend und mit voller Eraftanwendung ausgeführt 
werden, während bei einer regelmäßigen Belagerung zu Lande hiezu ein 
bedeutender Zeitaufwand unvermeidlich ist. Schließlich haben die Eüsten- 



Beiträge zur EüstenbefestigODg. 99 

batterien nur eine sehr kurze Zeit, um den gewünschten Erfolg zu er- 
ringen, sobald der Angreifer bloß an ihnen vorbeidampft. 

Die Eöstenbatterien haben daher keine großen Gasematt-Corps 
nöthigy weder für die Besatzungen, noch fQr die Ausrüstungsvorräthe ; 
doch erfordern sie schwere Geschütze, gut gedeckte Munitionsmagazine 
mit sicheren und bequemen Einrichtungen für den Ersatz der Munition ; 
ferner einige unterstände für die Mannschaft und für die unumgänglich 
nothwendigen Yorräthe und Werkstätten. 

Überdies sind noch in ausreichender Weise Einrichtungen für die 
Infanterie- Vertheidigung nothwendig, um die Batterie vor Angriffen von 
Landungs-Detachements zu sichern. 

Die Zwecke solcher Eüstenbatterien sind im allgemeinen: 

1. Sperrung der Durchfahrt eines Flusses oder einer sonstigen 
Wasserstraße. 

2. Schutz einer Stadt oder einer Werftanlage vor Bombardement. 

3. Sicherung eines besonders günstigen Ankerplatzes. 

4. Vertheidigung eines Landungsplatzes. 

5. Schutz und Anlehnung einer Linie von Landforts an die 
Küste; in diesem Falle können die Seeforts auch einem AngrifT von 
Belagerungsbatterien ausgesetzt sein und müssen dementsprechend 
angelegt werden. 

Anwendung von Hindernissen. 

Bei all diesen Aufgaben soll die Vertheidigung, wo die localen 
Verhältnisse dies erlauben, durch eine besondere Anwendung von 
Hindernissen unterstützt werden, welche den Feind im wirksamen 
Feaerbereiche aufhalten oder ihm das Befahren gewisser Wasserflächen 
unmöglich machen. 

Diese Hindernisse können Barricaden oder unterseeische Minen 
sein; doch gilt als Begel, dass beide nur als Unterstützung für die 
Wirkung der Artillerie dienen und, ohne bestrichen zu werden, wertlos 
«scheinen. Auch dürfen sie, gleichwie am Lande, die freie Bewegung 
der Yertheidigungskräfte in keiner Weise behindern, weshalb sie nie- 
mals ohne Einverständnis der Marinebehörde angelegt werden dürfen. 

Es muss eben hier neuerdings erinnert werden, dass die Eüsten- 
batterien in keinem Falle eine erste Vertheidigungsstellung sind oder 
etwa eine zweite (darunter wird eine Linie verstanden, welche nach dem 
Falle der ersten noch dauernd gehalten werden kann), sondern nur die 
Tertheidigungselemente an den Communicationslinien, welche ohne Unter- 



100 S e i 8 8 1. 

Stützung eine kurze Zeit Widerstand leisten sollen und die auch als 
Sammelpunkte für besiegte Theile der ersten Vertheidigungslinie (der Flotte) 
zu dienen haben. Aus diesem Grunde d&rfen keine solchen Hindemisse 
angewendet werden, welche die freie Ein- und Ausfahrt der Flotte oder 
selbst auch der zu beschützenden Eauffahrer hindern könnten. Soferne 
jedoch die Seebehörden die theilweise Sperrung einer Wasserstraße durch 
Dämme oder unterseeische Hindernisse zugestehen, so sind für die frei- 
bleibende Durchfahrt Flöße, Ketten oder Minen behufs rascher Schließung 
bereit zu halten ; diese Hinderniszone muss jedoch unbedingt im wirk- 
samen Feuerbereich sowohl der schweren Geschütze, als auch der Schnell- 
feuer-Kanonen liegen. 

Stärke der Batterien. 

Die Batterien benöthigen nur eine solche Stärke, welche sie be- 
fähigt, während einer solchen Zeit und gegen eine solche gegnerische 
Kraft Widerstand zu leisten, als vom Feinde zur Durchführung seines 
Angriffißs verwendet werden kann. 

Die Zeit ist nach der Lage des Platzes sehr verschieden; nämlich 
nach seiner Nähe zum Feinde, bezw. auch zu jenen Seegebieten, in 
welchen die Flotte leicht in Action treten kann, weshalb bei einem 
Entwürfe die Anschauungen der Flotten-Commandanten zu berücksich- 
tigen sind. 

Die gegen dieselben in Thätigkeit zu setzende feindliche Kraft- 
äußerung richtet sich nach der Zahl und der individuellen Stärke der 
möglichen feindlichen Angriffsmittel. In dieser Hinsicht ist der Muni- 
tionsvorrath, mit welchem eine feindliche Escadre versehen sein kann, 
von großer Wichtigkeit. 

Sir George Clarke gibt in seiner „Fortification" einen wert- 
vollen Nachweis über den Munitionsvorrath auf verschiedenen Schiffen 
und zieht daraus den Schluss: „dass es im Verhältnisse wenige Schiffe 
gibt, welche fähig sind, Küstenbatterien anzugreifen, die mit 6" Hinter- 
lad-Kanonen *) armiert sind. Einige Schlachtschiffe, dann etliche Küsten- 
vertheidigungs-Schiffe sind wohl für diesen Zweck geeignet, aber die 
ganze Classe der Kreuzer und alle Schiffe der europäischen Mächte, 
welche den atlantischen oder pacifischen oder indischen Ocean durch- 
queren, erscheinen zum Bekämpfen von richtig angelegten und aus- 
geführten Befestigungen ungeeignet." Betrachtet man hingegen das jetzt 
herrschende Bestreben, vorwiegend gepanzerte Kreuzer anzuwenden. 



*) 1" = 2-54cm. 



Beiträge »nr Küsten tefestigong'. 



toi 



ieno am meisteD verwundbare TUeile durch einen Deckpanzer geschützt 
«ncbeineu, so wird man im allgemeinen ti'Otz des großen Nachtheiles, 
in vrelchem sich SchitTo beim Kampfe gegen Küstenbatterien beßüden, 
TOD der Geschütz Wirkung der Küsten werke nicht allzuviel erwarten 
dürfen. 

Aufgabe der Kflstengeschütze. 

Die Ziele, gegen welche die Küstengeschütze zu wirken haben, siud: 

1. Panzer. 

2- Üngepanzerte, jedoch gedeckte Theile. 

3. Das Deck der Schiffe, u. zw.; durch Senkschüsse, «nd durch 
Werfen. 

4. Lebende Ziele, durch Shrapnels, Maschinen- und Feldgeschütze, 

5. Boote und kleinere Schiffe, durch leichte Geschütze aller Art. 
Das Schielien gegen Panzer darf, um an Munition zu sparen, 

nicht eher beginnen, bis eine genügende Treffwahrscheiulichkeit zu 
erwarten steht. Doch können manchmal die hiezu bestimmten Geschütze 
mit Bücksicht auf ihre bedeutende Tragweite auch auf große Distanzen 
dorn unter 2) angedeuteten Zwecke verwendet werden. 

Die anderen Aufgaben der Küsten-Artillerie sind jedoch so ver- 
•chieden, dass hiebe! nur dann mit Wahrscheinlichkeit auf Erfolg zu 
rechnen ist, wenn hiefüv jedesmal die entsprechenden Geschütze zur 
Th&tigkeit gelangen. Insbesondere sind Schnellfeuer- und Mascbiuen- 
öeaclifltze sehr wertvoll zur Durchführung der unter 4) und 5) berührten 
Aufgaben, bei Vertheidlgung von Landungsplätzen oder Minenanlagen, 
dann gegen Torpedoboote. Doch sollen sie, um nicht vorzeitig demontiert 
sn werden, wenn müglich durch natfirliche Terrain deekun gen vor dem 
Feuer der Schiffe geschützt sein; ferner dürfen ihre Emplacements 
liebt unmittelbar vor den Aufstellungen der schweren Geschütze liegen, 
^^.reil sonst ihre Bedienungsmannschaften durch dieses Feuer belastigt 
^Itrden. 

Die unter 2) angedeutete Wirkung könnte auch durch Beschießung 
der aus ihren Deckungen vorragenden Theile der schweren Schiffs- 
gesebütze unterstützt werden, wodurch bei kleineu Schussdistanzen be- 
'^(Hiche Erfolge erzielt werden köuneu. Besonders die 5" Hinterlad- 
Idifl 4'7" Schnellfeuer-Kanone sind bis auf Distanzen von 2.000 Yards 
len Sinne sehr wirkungsHibig. 

Der Panzer wird aus SchweilJeisen, Stahl oder Oompound-Material 
hergestellt, am häufigsten aus dem letzteren. Von den Geschützen wird 
gefordert, dass ihre Piojectile den Panzer durchbohren oder zertrümmern. 



id 



102 Seissl. 

Die gewöhnliche Regel bezüglich der Eindringangstiefe ist, dass fQr 
je 1.000^ Endgeschwindigkeit die Eindringung 1 Caliber in Schweißeisen 
beträgt. Stahlgeschosse dringen in Compound-Panzer auf y« Caliber auf 
je 1.000^ Endgeschwindigkeit ein. 

Diese Regeln sind bis zu 2.000^ Geschwindigkeit berechnet worden, 
doch ist die Eindringungstiefe darüber hinaus factisch größer, als die 
Rechnung ergeben hat 

Es muss jedoch dabei erwähnt werden, dass alle Regeln über Ein- 
dringungstiefen ein senkrecht auffallendes Geschoss voraussetzen, wo- 
gegen in der Praxis eine große Überzahl von Treffern mehr oder weniger 
schräg auffallen wird, und dass daher ein schwächerer Panzer verhältnis- 
mäßig noch immer mehr wirklichen Schutz gibt, als man von ihm nach 
dem Vorgesagton erwarten soUte. 

Stahlpanzer werden manchmal einem ly^mal so starken Eisen- 
panzer als gleichwertig betrachtet, doch werden sie eher zertrümmert als 
durchbohrt. 

Es ist selbstverständlich, dass, wenn zwei Projectile verschiedener 
Caliber das Schiff mit gleicher Durchschlagskraft treffen, jenes von ge- 
ringerem Durchmesser mehr Wahrscheinlichkeit einzudringen hat, wenn 
es dieselbe Zerstörungskraft (Auftreff-Energie) besitzt. Daher sind auch 
die Hinterlad-Geschütze weit wirkungsfähiger gegen Panzerungen, als 
die Vorderlad-Eanonen. 

Man darf jedoch nicht vergessen, dass die gezogenen Vorderlad- 
Geschütze, wenngleich als veraltet zu betrachten, doch auf den mittleren 
Schussdistanzen noch sehr nützlich gebraucht werden können und dass 
ihre große Geschosskraft sie sehr wirkungsföhig gegen Schiffe macht, 
in welche sie einzudringen vermögen ; ferner haben überhaupt alle Schiffe 
noch gi'oße Theile ungepanzert oder nur schwach gedeckt. Die stark 
gekrümmten Flugbahnen ihrer Projectile lassen Vorderlad-Geschütze mit 
Vortheil insbesondere zur Beschießung des Decks verwenden. 

Wenn je eine große Befestigung von der See aus angegriffen wird, 
so werden hiezu Panzerschiffe und andere hiezu besonders geeignete 
Schiffe verwendet; deshalb erfordern diese Befestigungen die schwersten 
Panzergeschütze zur Armierung. Die bloße Anwesenheit solcher Ge- 
schütze kann einen geplanten Angriff verhindern, welcher sonst im Hin- 
blick auf die zu erreichenden Erfolge als nicht zu waghalsig erschiene. 

In den meisten Fällen würden die 6" Hinterlad-Kanone, sowie die 
9 und 10" gezogene Vorderlad-Kanone ausreichen, um einen Schiffs- 
angriff abzuschlagen; doch gibt es Plätze, welche — wegen der mög- 



Beitr&ge zur Küstenbefestigung. 103 

liehen N&he einer feindlichen Escadre oder wegen des großen Schadens, 
den ein Feind veranlassen könnte, wenn er mit mächtigen Schiffen auf 
mittlere Schussdistanzen anrückt — es wünschenswert erscheinen lassen, 
dortselbst mächtigere Geschütze aufzustellen, wie z. B. die 9*2 oder 
10^ Hinterlad-Eanone. Der Bedarf an solcher Ausrüstung würde indessen 
bei all diesen Fällen nur verhältnismäßig gering sein. 

Geschütze von geringerem Caliber als die 7" gezogene Vorderlad- 
Eanone sollten gegen Schlachtscfaiffe nicht zur Anwendung kommen, 
weil eine stetig wachsende Tendenz beim Baue der neuen Kriegsschiffe 
vorherrscht, den Panzer auch über die Seiten des Schiffes auszubreiten, 
um dasselbe auch gegen die Geschosse der Schnellfeuer - Kanonen zu 
decken und man jedes im Kampfe verwertbare, wenn auch noch so 
kleine Geschütz gegen einen geschlossenen Angriff in Thätigkeit 
bringen will. Die kleineren Geschütze werden nur mit Yortheil gegen 
Angriffe von Torpedobooten, bei Landungen etc., sowie überhaupt an 
Orten angewendet, woselbst sie vor dem Demontier-Feuer der Schiffs- 
geschütze gedeckt sind. 

Steilfeuer ist von besonderem Yortheil, um Schiffe am Ankern zu 
verhindern, wenn dieselben entweder ihr Feuer wirkungsvoller zu ge- 
stalten trachten, oder Gegenminen auszulegen beabsichtigen etc. Für diese 
Feuerart sind die 9 und 10" gezogenen Vorderlad-Kanonen mit einem 
Elevationswinkel von 20® bis 70® geeignet. Wenn sie von Distanzmesser- 
st&nden aus gerichtet werden, sind mit diesen Geschützen vorzügliche 
Wirkungen zu erzielen. 

Das pneumatische Geschütz von Zalinski oder irgend ein anderes, 
welches Geschosse mit brisanten Sprengladungen weit wirft, kann eben- 
&ll8 große Dienste leisten, wo die feindlichen Schiffe auf nahe Schuss- 
distanzen herankommen müssen ; denn sogar dort, wo die Natur des Platzes 
einen Angriff desselben auf nahe Distanzen nicht nothwendig macht, 
gilt es im allgemeinen für den Seemann als Regel, dass es für ihn und 
leine Zwecke am besten ist, geschlossen möglichst nahe zu kommen, 
imd so rasch als möglich ein starkes Feuer zu eröffnen. 

Lenkbare Torpedos, wie die von Brennan, können auch 
sehr wertvolle Hilfsmittel sein, doch ist ihre Schussweite, sowie ihr Ziel 
im allgemeinen beschränkt. Ihre besondere Anwendung hat dort statt- 
tofinden, wo der Feind in mittleren Schussdistanzen eine bestimmte 
Wasserfläche passieren muss. Sie haben im allgemeinen die Front eines 
Minenfeldes zu decken. 



104 S e i 8 8 1. 

Schussdistanzen. Steilfeuer ist auf den großen Distanzen 
das wirkungsvollste und kann bis über 11.000 Yards') als wirksam be- 
trachtet werden. 

Die gewöhnlichen großen Schussdistanzen sind 3.000 bis 5.000 Yards, 
auf welche nur leichte oder ungepanzerte Schiffe beschossen werden 
können. 

Bei mittleren Schussdistanzen (1.500 bis 3.000 Yards) werden 
schwere Projectile gegen Panzer wirkungsfähig, auch die Shrapnel- 
wirkung bekommt Wert. 

Bei nahen Schussdistanzen (unter 1.500 Yards) ist jedes Geschoss 
entweder gegen irgend einen Theil des Schiffes oder gegen seine Be- 
mannung wirkungsfähig, wogegen das Schiff selbst wahrscheinlich Schwie- 
rigkeiten haben dürfte, seinen Geschützen genügende Elevation zu geben, 
wodurch überdies die Projectile derselben sicherlich nur eine sehr geringe 
Durchschlagskraft erhalten. 

Von Schnellfeuer-Kanonen können die 4'7u bis über 2.400 Yards, und 
die 6-pfündigen bis zu 1.500 Yards als wirkungsf&hig betrachtet werden. 



Tertheidigungs-Instandsetznng. 

Um eine Eüstenfestung vertheidigungsfähig einzurichten, müssen 
jene Arbeiten und Maßnahmen, welche bei Anlage und Ausrüstung von 
Werken der Landbefestigung nothwendig sind, soweit ausgeführt werden, 
:ils dies die localen Umstände und Verhältnisse erfordern. Jene Punkte, 
welche hiebei in erster Linie in Betracht kommen, sind: 

1. Herstellung der Verbindungen mittels Straßen, Schienenwegen, 
Telegraph, Telephon etc. 

2. Herstellung von gedeckten Beobachtungs- und Commando- 
Ständen für Officiere. 

3. Herstellung von Unterständen für die Besatzungen der Werke. 

4. Vorsorge für Baracken, Zelte oder sonstige Unterkünfte für die 
Besatzung. Für diesen Zweck ist es nothwendig zu wissen, wie groß die 
Besatzungen im Kriegsfälle sein werden, wobei jedoch nicht anzunehmen 
ist, dass bei jedem Geschütze die Unterkunft für die dreifache Be- 
dienungsmannschaft nöthig sein wird. Als Kegel gilt, dass es unmöglich 
— und meistens auch ganz unnöthig — ist, so viele Ablösungen anzu- 
nehmen. 



») 1 Yard = 91-43««. 



Beiträge zur Eüstenbefestigung. ]05 

In einigen Batterien kann der Besatzung auch ein wenig Infanterie 
beigegeben werden; auch wird es sich empfehlen, eine Eraftgruppe mobiler 
Trappen, bestehend aus Infanterie und Feld-Artillerie, irgendwo im Ge- 
biete der Festung zu lagern. 

6. Die Vorsorgen für elektrische Beleuchtung und das nothige 
Zngehör für unterseeische Minen; die entsprechenden Einrichtungen fQr 
die Geschütze kann die Artillerie selber besorgen. 

6. Das Auslegen der Minen an den hiezu bestimmten Plätzen. 

Vor allem ist es nothwendig, dass klare und sorgföltige Anord- 
nungen getroffen werden, um das einheitliche Zusammenwirken zwischen 
den verschiedenen Vertheidigungsmitteln zu sichern. Schiffs-, Artillerie- 
und Minen-Officiere müssen alle einen thätigen Antheil im Gefechte 
nehmen; auch muss Sorge getragen werden, dass jeder den ihm zu- 
kommenden Theil seiner Aufgabe beherrsche. Die Beleuchtungs-Apparate, 
unter der Leitung eines Officiers, müssen den anderen Vertheidigungs- 
mitteln beistehen und dürfen dieselben nicht hindern: sie müssen so 
angeordnet werden, dass durch einen Lichtstrahl, welcher auf eine der 
Batterien fällt, für dieselbe keine Gefahr entsteht, indem sie dem Feinde 
gezeigt wird; durch einen Lichtkegel, welcher auf die vertheidigungs- 
weise manövrierenden Schiffe fällt, können dieselben mit den feind- 
lichen Schiffen verwechselt und durch Geschütz und Minen irrthümlich 
angegriffen werden. Vertheidigungs-Geschütze für ein Minenfeld müssen 
mit einer genauen Kenntnis über die Lage der Minen versehen sein, 
damit sie dadurch auch in der Dunkelheit der Nacht befähigt sind, ein 
wirkangsvolles Feuer zu eröffnen, wenn sie das Signal vom Angriffe des 
Gegners erhalten. 

Typen von Kfistenbatterien. 

Einige allgemeine Grundsätze sind als stets giltige Regeln bei 
Anlage einer Batterie zu betrachten, welche Form und Gestalt man 
derselben auch immer geben mag. 

Die Batterie, ihrer Wesenheit nach aus Geschütz-Emplacements 
bestehend, wird mehr oder weniger durch Zusammenstellung von einigen 
wenigen bestimmten Geschützeinheiten gebildet. 

Für jedes Geschütz ist ein Emplacement von genau bestimmter 
Form nnd Abmessung erforderlich, von welchen, wenn überhaupt, nur 
sehr geringe Abweichungen möglich sind. Die Anlage der Magazinsräume 
lägst nur sehr kleine Unterschiede für die Geschütze der verschiedenen 
Caliber zu. Die Bedienungsmannschaft jedes Geschützes benöthigt ge- 



106 Seissl. 

wisse Bäume für Unterstände und Vorräthe. Jedes Geschütz — oder 
jede Gruppe von Geschützen — erfordert ferner einen gedeckten Unter- 
stand für den das Feuer leitenden Officier. Daher besteht der Entwurf 
für eine Küsten batterie darin, auf die beste Art und Weise die localen 
Verhältnisse des Terrains für eine gewisse Zahl von selbständigen Ge- 
schützeinheiten auszunützen, wobei jede derselben aus einem Geschütz- 
Emplacement und seinen nothwendigen Beigaben zusammengesetzt wird. 
In der Gestalt und Form der Unterstände und Magazine etc., sowie 
in der Art des Munitionsersatzes fQr die Geschütze, können allerdings 
geringfügige Veränderungen vorgenommen werden, welche jedoch bei 
den Geschütz-Emplacements selbst fast ausgeschlossen sind. 

In jedem Geschützstande muss gerade genug Baum für die ent- 
sprechende Verwendung des Geschützes sein, und die vollständige Um- 
gebung des letzteren muss so fest und widerstandsfähig als möglich 
ausgeführt werden. 

Die Geschütze werden in Gruppen zusammengestellt, welche in 
der Stärke von 1 bis 5 Geschützen unter dem Commando je eines 
Officiers stehen. 

Alle die wichtigeren Geschützgruppen sollen durch Beobachtungs- 
stände (welche die Lage der feindlichen Schiffe auf große Schussdistanzen 
zu bestimmen vermögen), geleitet werden, wobei sie von den Distanz- 
messern zu unterstützen sind. 

Die bestehenden Batterien gehören zu einer der nachbenannten 
Gattungen : 

1. OffeneBatterien, in welchen drei verschiedene Lafettirungen 
vorkommen können : a) für Über-Bank-Feuer ; b) Versch windungs-Lafetten ; 
c) für Steilfeuer. 

2. Offene Batterien mit Schilden. Alle diese Batterien 
sind so gebaut, dass sie im Bedarfsfalle mit Holz und Eisen eingedeckt 
werden können; in vielen Fällen ist die Decke aus Eisen bereits per- 
manent am Objecto vorhanden; hiedurch entstehen 

3. Offene Batterien mit Schilden und permanenter 
Decke; dieselben entsprechen in der Ausführung einer Casematt- 
Batterie. 

4. Gemauerte Casemattbatterie mit Fanzerschilden. 

5. Casemattbatterie mit continuierlichen Panzer- 
s Chi 1 den. 

6. Panzer-Casematten mit 2 Scharten für jedes Geschütz 
und einer Drehvorrichtung. 



Beiträge zur Küstenbefestigung. J[07 

Fast alle Eüstenbatterien (wenigstens in britischen Besitzungen). 
werden in Hinkunft der ersten Gattung angehören. Casemattierte oder 
gepanzerte Batterien werden nur mehr in ganz besonderen Fällen ge- 
baut. Im Falle der Anwendung derselben wird im allgemeinen die 
Kuppel- oder Thurmform gewählt werden, wie dies bereits bei einigen 
deutschen Batterien ausgeführt wurde. 



Geschütze und Lafetten. 

Ehe der Entwurf von Küstenbatterien zur Besprechung gelangt, 
führt der britische Autor die in England zur Armierung derselben 
systemisierten Geschütze und deren verschiedene Lafettierungen an. 
Hiebe! unterscheidet er eine Haupt-Armierung, in welche er alle schweren 
Geschütze einstellt, und eine Neben-Armiernng, welche alle kleineren 
(Schnellfeuer-) Geschütze umfasst. 

Bei Beschreibung der Emplacements fQr Über-Bank-Feuer der 
Yorderlad-Geschütze auf altartigen Lafetten werden besonders jene mit 
„versenkten Ladegängen und beweglichen Auftritten^ als besonders 
praktisch erwähnt. Bei denselben führt um den Betonklotz, auf welchen 
das Geschütz gestellt ist, ein tiefer gelegter Ladegang, 7^ unter der 
Kammlinie der Brustwehr. Auf diesem kann die Mannschaft, der feind- 
lichen Sicht entzogen, das Geschütz bedienen, mit Ausnahme jenes 
Mannes, welcher dasselbe lädt oder auswischt, und fQr welchen zu 
diesem Zwecke eine Ladestufe am Rahmen angebracht wurde. Am letzteren 
ist auch ein Ladekrahn befestigt. Wenn nun die Ladung in die Mündung 
des Geschützrohres eingeführt ist, so kann die Bedienungsmannschaft 
vom Ladegange aus durch, am Ladestocke angebundene Zugseile das 
Laden vollenden. In Hinkunft werden alle Emplacements für über Bank 
feuernde Yorderlad-Geschütze in dieser Art eingerichtet werden. 



Von Verschwindungs-Lafetten bestehen zwei Arten: das Moncrieff- 
oder Gegengewicht-System und das hydropneumatische System. Nach 
dem ersteren werden zwar keine Lafetten mehr construiert, doch ist 
es gegenwärtig noch für einige Geschütze hinter 9 bis 12^ hohen Brust- 
wehren im Gebrauche, wogegen die hydropneumatiscben Verschwindungs- 
Lafetten, auf welchen Geschütze über 8 bis 9^ hohe Brustwehren feuern 
k5nnen, für Neuherstellungen dieser Lafettengattung normiert sind. 
Alle diese Lafetten stehen in Nischen, welche im Betonkörper der 
Brustwehr hergestellt werden. Bei den hydropneumatiscben Verschwin- 
dnngs-Lafetten sind diese Nischen mit einem aus Stahlblech berge- 



stellten SbrapDet-Scfairm gedeckt, der mit einem Schlitz versehen ist, 
durch welchen das Geschütz beim Heben and Senken passiert. 

FQr das Steilfener der gezogenen VordeFlad-EanoDen wurde eine 
Lafette eingefllhrt, welche eine Fenerabgabe mit einer Elevation von 
20 bis 70" gestattet. Das Laden wird bei 20' Elevation mittele eines 
Bollwagena vorgenommen, welcher auf einem kleinen Schienengeleise 
läuft, das l&ngs der E!aramliiiie auf dem Betonklotz der Brustwehr 
gelegt ist. 

Bei den in Casematten befindlichen gezogenes Vorderlad-Kanonen 
ergeben sich bezQglich der Lafettierung derselben wesentliche unter* 
schiede durch das für die Verminderung des Röcklaufes angewandte 
System. Bei den älteren Lafetten wird der BQcklauf durch Puffer- 
federn, bei den neueren jedoch durch hydraulische Bremsen aufgehoben, 
welche denselben durch den Rahmen auf die Lsu&ollen übertragen. 




Für die 9-2" und die 12" Hinterlad - Kanone, welche als die 
einzigen dieser GescbQtzgattting in Casematten verwendet werden, ist 
eine sogenannte „Joch- Lafette" constmiert, um den Rücklauf aufzu- 
nehmen. Hiebei sind anch hydraulische Bremsen in Verwendung, doch 
sind dieselben am Joche derart befestigt, dass der Rücklauf nicht auf 



Beiträge zur Küstenbefestigung. ]09 

die Laufrollen, sondern auf die Decke und den Boden der Caeematte 
übertragen wird. 

Bei neu zu projectierenden Batterien werden im allgemeinen fol- 
gende Geschütze zur Armierung verwendet: 

1. Fär Über-Bank- Feuer: a) gezogene Vorder- und Hinterlad- 
Kanonen in Emplacements mit vertieftem Ladegang, mit Ladestufe und 
Ladekrahn ; b) Hinterlad-Eanonen auf hydropneumatischen V erschwindungs- 
Lafetten. 

2. Für Batterien in sehr hoher Lage: Hinterlad-Eanonen auf 
Vairasseur-Lafetten mit Shrapnel-Schilden. 

3. Für. Steilfeuer: Vorderlad-Geschütze in Steilfeuer-Lafetten. 

4. Zalinskis pneumatische Kanone. 

Letzteres Geschütz kann, eine wesentliche Vervollkommnung vor- 
ausgesetzt, in manchen Fällen sehr gute Dienste leisten; doch wurde 
dasselbe bisher nicht genügend erprobt, um dessen allgemeine Ver- 
wendbarkeit anzuerkennen, nachdem seine Treffsicherheit, besonders auf 
den großen Distanzen, noch sehr gering ist. 

Die Verschiebung und Verwendung von Geschützen auf Schienen- 
geleisen längs der Küste ist, wo die Küstenbildung dies erlaubt, von 
besonderem Vortheil, weil hiedurch die Geschütze besser ausgenützt 
werden, also die Stärke der Vertheidigung vergrößert wird. Es unterliegt 
gewiss keinem Zweifel, dass Bahnen in vielen Fällen sehr wertvolle 
Hilfsmittel, besonders bei Vertheidigung von Minenfeldern und Landungs- 
plätzen darbieten. Feld- (leichte) und Maschinen -Geschütze können an- 
standslos fQr den Gebrauch auf Schienen hergerichtet werden, während 
schwere Geschütze hiefür besondere Maßnahmen erfordern. 

Einfluss der feindlichen Geschosswirkung auf die Ausgestaltung der 

Batterien. 

In Bezug auf die Wirkung der Projectile, gegen welche Deckung 
gefordert wird, wurde bisher constatiert, dass dieselben 20^ in Erde') 
oder Sand eindringen (Bombardement von Alexandria 1882). 

Ferner vermag Mauerwerk dem Feuer schwerer Geschütze auf die 
Dauer nicht zu widerstehen, weshalb in Hinkunft keine gemauerten 
Casematten erbaut werden. Wo dieselben noch bestehen, werden sie 
durch Armierung mit Panzerplatten verstärkt; oder es erfolgt die Aus- 
flOInng jedes zweiten Casemattraumes mit Beton, wodurch gleichsam 
Traversen zwischen den einzelnen Geschütz-Emplacements entstehen. 

<) 1* = 30 48cm. 



110 Soissl 

In manchen Fällen können die Munitionsmagazine durch Ausfüllung 
der vorliegenden Gräben genügend geschützt werden, wodurch sie voll- 
kommen in Erde (unter den Bauhorizont) zustehen kommen; anderseits 
sind die Munitionsmagazine auch durch Ausf&Uung der etwa vorliegenden 
Bäume mit Beton derart zu decken, dass die Patronendepots hinter 60^ 
starken Mauerkörpern liegen. In künftigen Entwürfen müssen die Muni- 
tionsmagazine alle unter dem Bauhorizont, u. zw. unter Traversen oder 
Bückenwehren, angelegt werden, wodurch sie vollkommene Sicherheit 
erhalten, umsomehr, als Verticalfeuer nicht zu befürchten ist 

Den Erdbrustwehren müssen sehr sanfte Böschungen gegeben werden ; 
wo die örtlichen Umstände dies nicht gestatten sollten, sind — jedoch 
so selten als möglich — Betonschichten von 18'' Stärke einzuschalten. 

Entwurf von Küstenbatterien. (Tafel 3.) 

Im vorhergehenden Capitel wurde bereits erwähnt, dass die Aus- 
führung einer Eüstenbatterie nach endgiltiger Bestimmung ihrer Lage 
hauptsächlich in der mehr oder weniger streng durchzuführenden An- 
lehnung derselben an das Terrain besteht. 

Bei Wahl der Lage und Bestimmung der Armierung muss den 
Einrichtungen für eine möglichst günstige Feuerleitung eine besondere 
Wichtigkeit gewidmet werden, sowohl durch die Gruppierung von Ge- 
schützen gleicher Gattung, als auch durch eine solche Anordnung der 
Gruppen untereinander, dass die Zahl der Feuerleitenden thunlichst 
vermindert werde. 

In dem Handbuch der Festungs- Artillerie ist „Feuer-Oberleitung"* 
(Fire Control) erklärt als die systematische Führung der Gruppen der 
Artillerie- Vertheidigung durch einen höheren Officier; wogegen „Feuer- 
leitung" im engeren Sinne (Fire DirecHon) die detaillierte Führung 
des Artilleriekampfes selbst betrifft, welche durch die Feuerleitenden 
(Fire Commanders) in Befolg der Weisungen der Feuer- Oberleitung zu 
erfolgen hat. Die Feuer- Oberleitung muss daher den Feuerleitenden immer 
die nothwendigen Berichtigungen im Artilleriekampfe zukommen lassen. 
Die Batterieanlagen haben demnach so durchgeführt zu werden, dass diese 
Mittheilungen iu jedem Falle möglichst leicht gegeben werden können. 

Lage. Im allgemeinen wird es nur wenig Auswahl für die Bestimmung 
der Lage der Batterien geben, weil die Erbauungsorte durch die Noth- 
wendigkeit der Bestreichung bestimmter Wasserflächen beschränkt sind. 

Innerhalb der hiedurch gegebenen Grenzen sind es folgende Punkte, 
welche besondere Berücksichtigung bei der Wahl der Lage erfordern: 



Beiträge zur Küstenbefestigung. m 

a) die Möglichkeit der Fnndienmg für die bedentenden Betonmassen 
und die auf diesen lastenden Geschüts^e; b) die Höhe über dem Meeres- 
spiegel, in welcher die Batterie gebaut werden kann; c) die günstigen 
Bedingungen für die Leitung des Feuers durch die Beobachtungs- und 
die Distanzmesserstände oder auch ohne Instramente. 

Wenn für die Batterie eine hohe Lage gewählt werden kann, so 
ist dies vortheilhaft, einerseits weil es für die Schiffe viel schwieriger 
ist, ein wirksames Granat- oder Shrapnel-Feuer gegen dieselbe abzu- 
geben ; anderseits weil Geschütze in hoher Lage bessere Zielverhältnisse 
finden *) ; femer erleichtert eine sehr hohe Lage das Senk- (Wurf-) Feuer 
anf das Deck der Schiffe; ist jedoch die Höhe geringer als 500\ so hat 
dasselbe in dieser Hinsicht keine große Bedeutung, besonders bei den 
Hinterlad-Eanonen in Anbetracht ihrer flachen Geschossbahnen. 

Bei einer Höhe von 100^ ist die Flugbahn der Maschin-Geschütze 
anf 1.000 Tards (ungeßlhr die Grenze des wii-ksamen Ertrages dieser 
Qeschützgattung gegen Schiffe) fast ganz flach. Deshalb soll — wenn 
möglich — diese Höhe (oder besser 150^ jeder über Bank feuernden 
Batterie gegeben werden, welcher sich die Schiffe bis auf Schussweiten 
von I.OOO Tards nähern können, weil im übrigen eine gewöhnliche 
Bmstwehr einen ausreichenden Schutz gegen Maschin-Geschütze gewährt. 
Bei niedrigeren Lagen müssen jedoch Verschwindungs - Lafetten an- 
gewendet werden. 

Die Gefahr, welche eine Bankbatterie von den feindlichen Hohl- 
geschossen zu fürchten hat, ist in Wirklichkeit viel geringer, als dieselbe 
der Theorie nach wahrscheinlich zu sein scheint. Bei dem Bombardement 
von Alexandria war auf den Brustwehren aller Werke (Shrapnels und 
Segment-Granaten ausgenommen) nur je 1 Volltreffer in 19 Lagen, und 
TOD diesen war in den äußeren Böschungen ein großer Theil, welcher 
utürlich in Bezug auf die Schädigung der Geschütze und der Be- 
dienungsmannschaft nicht in Bechnung zu ziehen war. Kammlinien-Treffer 
dhlte man nur 11 von 1.620 Geschossen aus 7" und noch schwereren 
Geschützen. Anderseits müssen, um eine entsprechende Shrapnel Wirkung 
XQ erhalten, die Schiffe das Feuer auf großen Distanzen durchführen. 

Casemattbatterien dürften in Zukunft wohl nur selten mehr 
erbaut werden, weshalb die Besprechung derselben hier entfallen kann. 

Offene Batterien. Die beste Form für eine offene Batterie 
ist die einer sanft geböschten Brustwehr (wenn möglich nicht steiler 

*) Siehe die Schrift: „Der Wert einer hohen Lage für die Küsten-Artillerie^ 
T<» Artillerie • Major Jocelyn, in den „Proeeedinga of the R, Ä. InMution,"' 
AprU 1893. 



112 Seissl. 

als 1 : 7), hinter welche man die Geschütze in der Weise stellt, dass 
man dem Emplacement derselben (Geschützständen) die Form von nach 
rückwärts offenen Nischen gibt Die Distanzen zwischen den Geschütz- 
gruppen soUen den localen Verhältnissen entsprechen, jedoch meist 
nicht größer als 200^ sein. Die Distanz zwischen Geschützen derselben 
Gruppe dürfte nur ausnahmsweise 150' überschreiten und soll, wenn 
möglich, geringer als 80, höchstens 100^ gehalten werden, um die 
Feuerleitung zu erleichtern. Wenn die Distanz größer als 100^ ist, so 
wird eine entsprechende Feuervereinigung bei Gebrauch des Distanz- 
messers schwierig, und ohne Instrumente noch schwieriger. Sogar bei 
Anwendung der Beobachtungsstände ist es noth wendig, entweder für 
jedes Geschütz ein eigenes Instrument zu besitzen, oder eine besondere 
Hilfsvorrichtung, weil kein Beobachtungsstand für Geschütze angewendet 
werden kann, welche mehr als 100' seitlich entfernt sind. Hingegen er- 
geben sich Schwierigkeiten hinsichtlich einer zweckentsprechenden An- 
ordnung der Munitionsmagazine und sonstiger Vorrathsräume, wenn der 
gegenseitige Abstand der Geschütze weniger als 150' beträgt. Wenn bei 
nahe beisammen stehenden Geschützen eines während der Nacht mit Cordit 
abgefeuert wird, so wird die SteUung der Nachbar-Geschütze durch das 
Aufblitzen vollkommen geblendet. 

Wahrscheinlich würde die beste Lösung dieser verschiedenen ent- 
stehenden Schwierigkeiten darin gefunden werden, dass man die Geschütze 
jeder Gruppe 80 bis 100' von einander und die Gruppen unter sich 
auf 150 bis 200' Entfernung stellt. 

Steilfeuergeschütze können auf ungeföhr nur 60' Distanz von einander 
gestellt werden, nachdem die Gruppierung ihrer Magazine etc. sich leichter 
durchführen lässt, weil diese Batterien der Sicht mehr entzogen sind. 

Schnellfeuer-Geschütze dürfen nicht zu nahe nebeneinander gestellt 
werden, damit nicht der Bauch oder das Aufblitzen eines Geschützes 
das Feuer der Nachbar-Geschütze hindert. 

Die Batterie kann hinter den Geschütz-Emplacements entweder voll- 
kommen offen bleiben, oder auch durch eine Bückenwehr geschlossen 
werden; dies wird hauptsächlich von der Beschaffenheit des Hinter- 
grundes abhängen; doch rechtfertigt die Bückenwehre nicht ihre Bau- 
kosten, ausgenommen sie wäre erforderlich, um Magazinsräumen oder 
der Kehle und den derselben vorgelegten Hindernissen eine Deckung 
gegen Zerstörung durch das Feuer der Schiffsgeschütze zu bieten, 
während ein Landungs-Detachement den Sturm auf die Batterie vorbereitet. 
Ist jedoch eine solche Bückenwehre nothwendig, so soll sie in möglichst 
sanften Böschungen ausgeführt werden, und wenigstens auf 60 bis 



Beitrage zur Eflstenbefestigung. 113 

90 Yards von der Kammlinie der Batterie entfernt sein, damit nicht 
Sprengpartikeln von Geschossen, welche in der Rückenwehre explodieren, 
bis in die Geschütz-Emplacements geschleudert werden. 

Zur Maskierung .der Batterie gegen die See sind scharfe Kanten 
za vermeiden, das Mauerwerk und die Geschütze werden gefärbt, An- 
pflanzungen gelangen zur Ausführung u. s. w. 

Die Lage der Magazinsräume und Unterstände kann 
sowohl unter der Brustwehr, als auch unter den Traversen zwischen 
den Geschützen gewählt werden. 

Die Geschütz-Emplacements selbst müssen solid ausgeführt 
werden, und jedem Geschütz den möglichst größten Feuerbereich gestatten; 
hiebei sind die Traversen nicht weiter als nothwendig nach rückwärts 
ZQ führen, um dadurch die Treffläche für jene Geschosse, welche in den 
Batterieraum fallen, zu verkleinem und hiedurch die Gefahr zu vermindern. 

Nahe bei, oder im Geschütz-Emplacement müssen auch einige 
Patronennischen fiir den Fall dringenden Bedarfes ausgeführt sein. 
Hiebei muss besonders daf[ir gesorgt werden, dieselben in möglichst 
sicherer Lage mit bequemen Zugängen anzubringen. Die Geschosse 
können in ähnlichen Nischen untergebracht oder auch längs der Front 
des Emplacements aufgestellt werden. Diese Handmagazine sind besonders 
bei den Schnellfeuer-Geschützen nothwendig. Auf einer Seite des Emplace- 
ments (gewöhnlich rechts) muss auch eine Nische fQr den „Contact- 
stift" angebracht werden, welchen der Geschütz- Commandant einzu- 
schalten hat, bevor das Geschütz elektrisch abgefeuert wird. 

An irgend einem Platze, nahe rückwärts des Geschütz-Emplacements 
jedoch außerhalb des Munitions-Zufuhrsweges, ist eine andere Nische für 
die Zeichen erforderlich, welche die Höhen- und Seitenrichtung angeben, 
wenn das Feuer vom Beobachtungsstande aus geleitet wird. 

In neu zu erbauenden Batterien erhalten diese Nischen solche 
Ausmaße, um sowohl die Zeiger, als auch die elektrische Batterie darin 
gesichert unterbringen zu können. 

Ferner soll auch eine kleine Nische für Röhren, Zünder und Zu- 
gehOr vorhanden sein. 

In wegen Bückenfeuer geschlossenen Geschützständen werden auch 
eigene Nischen angebracht, um das Laden zu ermöglichen. 

In allen Emplacements sind ferner 3^ über dem Boden vier oder 
hnf Binge an Eisenbolzen tief in den Wall eingelassen, um mit ihnen 
das Sichten und Bewegen des Geschützes zu erleichtem. 

Bei der Herstellung der Geschützstände muss sowohl dem Legen 
der Spurkränze und der Laufrollen die größtmöglichste 



174 Seissl. 

Sorgfalt, als auch der Gattung des Betons eine besondere Aufmerksamkeit 
zugewendet werden. Bei Geschützen auf hydro-pneumatischen Lafetten ist 
auf die Depression des Bohres bei seinem Böcklaafe Böcksicht zu nehmen. 

Bei allen Geschützständen muss ferner der Betonklotz an der 
Innenseite der Brustwehr so stark ausgeführt werden^ dass die Brust- 
wehr ausreichend gegen die Wirkung der Pulvergase gesichert ist. 
Schließlich soll dieser Beton block mit einem GeftUe nach Torwarts 
geböscht sein, und hierauf mit einer verticalen Flüche enden. 

Aufzüge müssen sich nahe dem Gesch&tz-Emplacement befinden, 
doch sollen sie nicht in dasselbe münden; sie können mit Vortheil in 
die anstoßenden Unterstände gelegt werden. 

Standpunkt der Batterie-Commandanten im Gefechte. 
Jeder Batterie-Commandant braucht einen bestimmten Standplatz mit 
einem entsprechenden Unterstand und den Einrichtungen zum Gebrauche 
der Karten etc. Dieser Commandantenstand kann sowohl innerhalb als 
auch außerhalb der Batterie liegen. In dem ersteren Falle würde er im 
allgemeinen nahe bei einem Beobachtungsstande, im letzteren gewöhnlich 
beim Distanzmesserstand angelegt werden. Das wesentlichste Erfordernis 
hiefür besteht darin, dass der Batterie-Commandant sowohl das Feuer 
seiner Geschütze vollkommen zu leiten, als auch die Wirkung desselben 
zu beobachten vermag. Er muss deshalb die von seinen Geschützen be- 
strichene Wasserfläche überblicken, und ferner durch Signale, Telephone 
oder andere Mitteln bequem mit seinen Untergebenen verkehren können ; 
auch braucht er eine elektrische Verbindung mit dem Standpunkt der 
Feuer-Oberleitung. Manchesmal sind noch anderweitige Commandanten- 
stände für den Gebrauchsfall unter verschiedenen Umständen auszuf&hren. 

Der Gebrauch von tragbaren Telephonen, wie die von Siemens 
und Halske, gibt dem Commandanten eine größere Freiheit in seinen 
Bewegungen, indem mittlerweile ein Unter-Commandant seinen Platz im 
Commandantenstande einnimmt 

Wohncasematten und Unterstände. In normalen Küsten- 
batterien sind Wohnräume f&r die Feldtruppen entbehrlich. Dieselben 
können für den Fall eines möglichen Angriffes entsprechend nahe in 
Barackenlagern untergebracht, oder einquartiert werden. Der Angriff 
wird nämlich im Falle eines Versuches von keiner langen Dauer sein 
(ausgenommen im Falle eines planmäßigen Angriffes gegen eine große 
Festung, z. B. Gibraltar oder Malta), deshalb sind nur wenige Unter- 
stände nöthig, in welchen die nicht im Dienst befindlichen Mannschaften 
jederzeit sicher gedeckt sind, nebst genügendem Baume für jene In- 
fanterie, Artillerie etc., welche im Mobilisierungsfalle dauernd in, den 



Beiträge znr EflstenbefeBtigung. 115 

Batterien untergebracht werden muss. Die Fälle, in welchen man sich 
gegen einen längeren Angriff zur See zu sichern hat, sind so vereinzelt, 
dass es unnöthig erscheint, hierauf näher einzugehen. 

Die Unterstände in der normalen Eüstenbatterie mässen bomben- 
sicher sein; auch wird eine genügende Anzahl derselben mit Thüren, 
Fenstern, Herden etc. versehen, um der Kriegsbesatzung der Batterie 
eine entsprechend wohnliche Unterkunft zu bieten. Gitter sind jedoch 
vorläufig bei denselben nicht nöthig. 

Ein Wachhaus ist gewöhnlich schon im Frieden erforderlich und 
gibt genügend Unterkunft für die im Dienste stehende Mannschaft. In 
nea zu erbauenden Werken ist es jedoch empfehlenswert, dieses in die 
ganze Anlage unbedingt aufzunehmen und daher die Casematten und 
Unterstände in den Plänen so anzuordnen, dass einige derselben für 
diesen Zweck verwendet werden können. Dadurch würden die Kosten 
der Vorsorgen für die permanente Kriegsbesatzung vermindert 

Schließlich sind fär den Kriegsfall noch weitere Vorsorgen be- 
zfiglich Ausführung von Latrinen, Küchen etc. nöthig. Es dürfte sich 
hiebei empfehlen (wenn nicht mehr veranschlagt werden darf), in den 
Betonboden gute Abzugsrinnen (Drainröhren) zu legen, über welchen 
die nothwendigen Ausführungen im Bedarfsfalle angelegt werden. 

Die Wasserversorgung ist sehr wichtig; hiebei ist zu be- 
rücksichtigen, dass die Anlage hiefür durch feindliche Landungs- 
Detachements nicht unterbrochen werden könne. 

Einrichtungen fttr Munition- und Artillerie- Yorräthe. (Tafel 4 und 5.) 

Große Magazine werden selten oder nie in einer Küstenbatterie 
erforderlich sein, wohl aber ausreichend gesicherte Vorräthe von ungefähr 
200 Schuss für jedes Geschütz. Jedes Geschütz oder jede Geschütz- 
gattung, oder schließlich wenigstens jede Gruppe von Geschützen, erhält 
ihre eigenen Patronen- und Geschossvorräthe zugewiesen. 

Geschosse. Bei Berechnung des erforderlichen Baumes muss 
in Betracht gezogen werden, dass die Geschosse in einer bestimmten 
Menge in Vorrath zu halten sind. Kleinere Geschosse werden gehäuft. 
Verschlage und Palliser-Geschosse können offen geschlichtet werden. 

Patronen-Verschläge. Patronen (Kardusen) für schwere Ge- 
schütze sind in Zinkcylindern packetiert, welche von ein Viertel der Ladung 
bis zu einer vollen Ladung enthalten, je nach dem Caliber des Geschützes. 
Sie werden in Haufen geschlichtet, welche die Höhe von drei 
Cylindern nicht überschreiten. Wenn eine höhere Schlichtung noth- 
wendig ist, so muss dieselbe auf Gestellen erfolgen. 



116 Seissl. 

Vorräthe an Oeschossen und Patronen. Der hieffir be- 
stimmte Baum soll das aufrechte Gehen zulassen, auch soll derselbe 
noch den Verkehr durch die Mitte ermöglichen, um die Ausgabe der 
Munition zu erleichtern. Natürlich muss man in jeden Patronen- Vorraths- 
räum durch einen Laborierraum eintreten können (welcher jedoch keinen 
Zugang in den Geschoss-Vorrathsraum gewährt), in welchem die nor- 
mierten Beleuchtungs-Anordnungen angebracht sind. 

Die Munitionsvorräthe f&r Schnellfeuer-Kanonen und Gewohre sind 
von jenen der anderen Geschütze abzusondern, weil deren Patronen 
ihre eigenen Zündvorrichtungen enthalten. 

Der Munitionsvorrath soll für ein Schnellfeuer-Geschütz ungef&hr 
2.000 Schuss betragen. 

Fächer für Zünder und Schlagröhren müssen bei allen 
Geschossvorräthen vorhanden sein. 

Ersatz der Munition für die schweren Geschütze. 
Patronen (Eardusen) sollen, wenn möglich, gedeckt zur Kanone gebracht 
werden. Bei den schweren Geschützen wird dies durch Anordnung von 
Aufzügen bewirkt, welche entweder nahe dem Geschütz -Emplacementi 
oder besser in einen bombensicheren Unterstand münden, zu welchem 
der Eingang entweder vom Geschützstand aus führt, oder doch dem- 
selben möglichst nahe liegt. Bei den 6" Hinterlad -Kanonen werden 
die mit der Hand aufgezogenen Kardusen in der Ausgabsöfhung in eine 
Höhe von 3 bis 4^ gebracht. 

Die Geschosse werden entweder mit einem Aufzuge hinaufbefördert, 
oder mit einem Rollwagen zu den Geschützen gef&hrt. Manchmal jedoch 
werden sie statt durch einen Aufzug auch durch einen Laufkrahn vom 
Begal der Vorrathskammer zum Emplacement geführt. Gewöhnlich werden 
die Geschosse aus dem Vorrathsraume auf einem Bollwagen zum Aufzug 
oder zum Krahn geführt; manchmal jedoch ist statt des BoUwageus 
an der Decke eine Laufrolle angebracht. 

Die Aufzüge können rund oder auch viereckig ausgefQhrt sein. 
Von den Kübel- (Schalen-) Aufzügen sind mehrere Muster in An- 
wendung; der „Quick Beturn ^-Aufzug, als der bekannteste, wird voraus- 
sichtlich am häufigsten angewendet. 

Besonders zu berücksichtigen ist hiebei noch, dass das obere 
Ende des Aufzuges nicht dem feindlichen Feuer ausgesetzt sei. 

Aus jedem Munitions-Vorrathsraume soll der Munitionsersatz auf 
drei verschiedene Arten möglich sein, nämlich durch einen Aufzufif, 
durch einen Krahn, schließlich durch Zutragen mit der Hand. 



Beiträge xnr Kfistenbefestigang. 



117 



Laboratorien und Geschoss-Füllongsräume. Früher 
warden getrennte Pakonen- und Oeschoss-FüUnngsräume fär nothwendig 
erachtet; doch wurde jetzt entschieden, dass derselbe Raum für jeden 
der beiden Zwecke jedoch za ?erschiedener Zeit geeignet sei. In 
Hinkanft werden deshalb Laborierräume nach Tafel 6 eingerichtet werden. 
Dieselben sind zwar nicht in jeder Batterie erforderlich, doch wird einer 
oder mehrere für jede Batteriegruppe mit Bezug auf die möglichen 
localen Erfordernisse angelegt. Der innere Raum dient zur Vornahme 
der Füllungen. Bei großen Depots wird ein eigener Geschoss-Füllungsraum 
gebaut, während bei kleineren Anlagen die Geschosse (unter besonderer 
Aufsicht) in dem Außenraume des Laborierraumes gefüllt werden können. 

Ein Lampenraum, als Depot und zum Reinigen der Lampen 
bestimmt, wird zunächst der Lampen-Ausgabsstelle ausgeführt. 

Ein Artillerie-Vorrathsmagazin wird bei einer Batterie 
für die Reserve- und nicht im Gebrauche befindlichen Geräthe, Hemm- 
ketten etc. erforderlich. 

Ein weiterer Hagazinsraum dient für kleine Uten- 
silien, für die Werkzeuge, für die Reserve- Verschlusstücke etc. 
Derselbe soll derart eingerichtet sein, dass fQr 
jedes Hinterlad - Geschütz ein entsprechender 
Depotraum entfällt. 

Für Seitengewehre und Geräthe 
ist ebenfalls ein Depotraum erforderlich, welcher 
das bequeme Herausnehmen der Waffen ermöglicht. 

Manchesmal können hiefQr hölzerne Nägel 
oder Haken längs eines Ganges angebracht 
werden, oder es kann hiezu auch der allgemeine 
Magazinsraum benützt werden. 

Oewehrstän der werden an entsprechenden 
PlStzen, oft auch in Unterständen angebracht. 

Ein Schmiedeschoppen erscheint 
gleichfalls nothwendig; damit jedoch Reparaturen 
tndi während des Artilleriekampfes bewerkstelligt werden können wird 
derselbe mit einer bombensicheren Decke versehen. Manchmal, insbesondere 
in großen Batterien, kann ihm auch eine Werkstätte angeschlossen werden. 

Pumpen und Wasser-Reservoirs für die hydro-pneu- 
matischenLa fetten müssen entweder in einem eigenen Räume oder 
ia einem der Artillerie-Magazine vorhanden sein. 

Distanzmesser. Schließlich sind zwei Punkte für die Auf- 
Stellung der Distanzmesser auszuwählen, u. zw. in beiden Planken einer 




118 Seissl. 

Geschützgruppe, deren Feuer durch einen Officier geleitet wird. Diese 
Distanzmesserstände sind nur Nischen in der Brustwehr des Walles, 
mit einem Sockel aus Ziegelmauerwerk, welcher dem Instrumentenstativ 
als Standplatz dient. Dieses Auflager muss wenigstens 26' Aber der 
Hochwassermarke liegen ; selbst bei dieser Höhe ist das Instrument nur 
bis auf Schussweiten von 3.000 Yards zu verwenden, so dass eine 
bedeutendere Höhe hiefür vortheilhafter ist. 

Bisher wurden diese Distanzmessernischen nicht gedeckt; weil sie 
aber oft auch die Standpunkte für den Batterie-Commandanten zur 
Leitung des Gefechtes seiner Geschütze bilden werden, erscheint es 
empfehlenswert, dieselben entweder zu decken, oder wenigstens einen 
entsprechenden Unterstand für den Batterie-Commandanten in der Nähe 
des wichtigsten Distanzmesserstandes auszuführen, worin er seine Karten, 
Pläne etc. in entsprechender Weise gebrauchen kann. 

Gute Verbindungen zwischen den Beobachtungsständen und den 
Distanzmessern sind nicht zu vernachlässigen. 

Einrichtungen für die elektrische Vorfeldbeleuch- 
tung. Diese sind wohl bei den meisten Batterien nothwendig; sie um- 
fassen die Anordnungen für die Scheinwerfer, dann jene für den Maschinen- 
raum zur Erzeugung des elektrischen Lichtes. Kein Scheinwerfer soll dem 
Officier, der davon Gebrauch macht, näher aufgestellt sein, als 100 Tards; 
ferner soll er für artilleristische Zwecke nicht mehr als 100\ und für sub- 
marine Minenanlagen, wenn möglich, nicht mehr als 25' über dem 
Wasserspiegel liegen. 

Wenn Schnellfeuer-Kanonen oder andere Geschütze zur Bestreichung 
eines Minenfeldes verwendet werden, so soll die Lage für die elektrischen 
Scheinwerfer eher als die Geschütz-Emplacements bestimmt werden, 
weil es für die Beobachtung der Geschossaufschläge vortheilhafter ist, 
längs des Lichtkegels zu feuern, als quer durch denselben. Bei Projecten, 
wo auch die Anwendung der elektrischen Beleuchtung in Betracht kommt, 
darf jedoch der Kostenstandpunkt nicht übersehen werden, weil jede 
dieser Beleuchtungseinrichtungen ungefähr 2.000 Pfund Sterling kostete 

Wenn die zu beleuchtenden Objecto weniger als 2.000 Yards 
von den Geschützen entfernt sind, so kann die Leuchtstelle sich in der 
Batterie oder nahe derselben befinden; auf größere Schussdistanzen 
muss dieselbe jedoch in eine weiter vorne befindliche Stellung gebracht 
werden. Wenn der Leuchtkörper hiebei nicht mehr als LOOO Yards vom 
Distanzmesser entfernt ist, so kann das Fernrohr in demselben auf 
Sehweite bis zu 3.200 Yards gebraucht werden und jenes des Beob- 
achtungsstandes auch bis anf 4.800 Yards. 



Beiträge zur Küstenbefestigung. 119 

Um eine Wasserstraße zu beleuchten, darf der Lenchtkörper sich 
nicht mehr als 4.000 Yards seitlich befinden. 

Für submarine Minenanlagen sind eigene Be ob ach tun gs- Sta- 
tionen zu erbauen. 

Wo auch mobile Yertheidigungsmittel zur Verwendung in Aussicht 
genommen sind, entweder zur Vertheidigung einer Stellung auf der Land- 
seite des befestigten Platzes, oder eines Landungsplatzes, oder auch einer 
unterseeischen Minenanlage, dort müssen sowohl für dieselben, als auch 
f&r ihre Munition Depoträume gebaut werden. 

Zusammenfassung der gestellten Anforderungen. 
Auf der Tafel 3 sind die Baumerfordernisse für die Geschütze ersicht- 
lich. Hiezu wird bemerkt, dass für eine vollständige Batterie wenigstens 
2 Distanzmesserstände, 1 Schmiede, 1 allgemeines Artillerie- Vorraths- 
magazin (Hauptmagazin) und 1 Wachhaus noch in Aussicht zu nehmen 
sind, wobei auch noch andere der vorher erwähnten Bäumlichkeiten sich 
fidlweise als nothwendig erweisen können. Die Wasserversorgung des 
Werkes wird natürlich in jedem Falle eine andere sein. 

Schnellfeuer-Geschütze können in abgesonderten Emplace- 
ments mit den nothwendigen Depoträumen und Unterständen, oder auch 
tnf den Flanken der Batteriestellung der schweren Geschütze angelegt 
werden. Es ist nicht vortheilhaft, dieselben zwischen die schweren 
Geschütze zu stellen, weil dies die Feuerleitung erschwert. Dort jedoch, 
wo in einer Batterie mehreren Officieren die Feuerleitung nach Gruppen 
obliegt, können Schnellfeuer-Geschütze auch zwischen zwei solche Gruppen 
verlegt werden; doch gilt es als Begel, dass es sich am meisten 
empfiehlt, die Schnellfeuer-Geschütze in kleinen, gesonderten Batterien 
tu verwenden. 

Ein möglichst hohes Emplacement ist für Schnellfeuer-Geschütze, 
besonders bei Vertheidigung von Canälen, Wasserstraßen etc. von Vor- 
UieiL Ihr besonderes Zielobject ist nämlich das Torpedoboot, welches 
mit seinem Deck eine genügend horizontale Zielfläche bietet, während 
der Bord sehr niedrig ist und meist unter der Wasserlinie liegt. 

Maschinen-Geschütze können hinter Brustwehren zwischen 
Omppen schwerer Kanonen, oder auch in besonderen Stellungen placiert 
werden. 

Mittlere und schwere Geschütze. Die Armierung einer 
Kflstenbatterie wird selten mehr als ein oder zwei schwere Geschütze 
(9"2 oder 10" Hinterlad-Kanonen) umfassen, doch wird sie gewöhnlich 
noch aus 2 bis 4 f>" Hinterlad-Geschutzen bestehen, welche je nach 



120 Seissl. Beitr&ge znr Kfistenbefestignng. 

Umständen auf eine oder beide Flanken derselben gestellt werden können. 
Es muss hiebei erinnert werden, dass es wünschenswert ist, dem schweren 
Geschütz einen möglichst großen Feuerbereich zu geben, um den An- 
greifer so früh als möglich unter Feuer zu nehmen. So wird es z. B. 
bei der Yertheidigung einer Wasserstraße am besten sein, das schwere 
Geschütz an die Mitte oder an das äußere Ende derselben zu stellen. 
Eine allgemein bindende Begel hiefflr lässt sich jedoch nicht geben, 
höchstens die, dass des Ingenieurs Thätigkeit darin bestehen soll, den 
Artilleristen zu befähigen von seiner Waffe den besten Gebrauch zu 
machen, und dass eine entsprechende Gruppierung der Geschütze weniger 
Ofßciere erfordert, weil es für einen Batterie-Commandanten unvortheil- 
haft ist, mehr als eine Gattung von Geschützen zu befehligen; der Ge- 
fechtswert eines Forts oder einer Batterie hängt in erster Linie davon 
ab, die verschiedenen Geschützgattnngen in ihrer Eigenart so viel als 
möglich vereinigt zur Wirkung zu bringen. 

DieEehlvertheidigung wird natürlich nach umständen ver- 
schieden sein. Manchmal ist dieselbe nicht erforderlich, und genügt eine 
bloße Einfriedung (Gitter), um Eindringlinge abzuhalten. Gewöhnlich 
jedoch werden besondere Mittel nothwendig, um Landungs-Detachements 
entgegentreten zu können, welche die Batterie im Bücken angreifen und 
die Geschütze demontieren wollen. Nachdem solche Detachements wohl 
Feld-Artillerie, jedoch kaum schwere Geschütze mit sich fahren, wird 
es genügen, eine Eehlbrustwehr derart einzurichten, dass sie der Wirkung 
der Feld-Artillerie zu widerstehen vermag und eine kräftige Yerthei- 
digung durch Gewehrfeuer gestattet. Es kann in manchen Fällen auch 
schon genügen, die Geschütz-Emplacements zu defilieren, welchem Zwecke 
auch durch eine Bückenwehr entsprochen werden kann. 

Anderseits kann eine Bückenwehre auch erforderlich sein, um die 
Kehle gegen das Feuer jener Schiffe zu decken, welche einem Landungs- 
Detachement den Weg fQr den Angriff vorbereiten sollen. 

Wenn irgend eine Möglichkeit vorliegt, dass Landungs-Detache- 
ments der Front der Batterie sich nähern können, ist auch eine Palli- 
sadierung mit Gewehrvertheidigung rund um die Batterie anzulegen. 



Notizen. 121 

Emailgeschirr. 

Betrachtungen über dessen Eignung für Mannschaftsküchen. 

(Nach dienstlichen Acten.) 

Im Bereiche des k. und k. 2. Corps-Commandos wurden durch zwei Jahre 
von verschiedenen Truppen und Anstalten versuchsweise Emailgeschirre zur 
Bereitung der Mannschaftsmenagen verwendet. Der sehr ausgedehnte praktische 
Versuch sollte zur Lösung der Frage beitragen, ob emaillierte oder verzinnte 
Geschirre für Mannschaftsküchen zweckmäßiger seien. 

Es werden von den Truppen und Anstalten folgende Vortheile angeführt, 
die für das Emailgeschirr sprechen: 

Emailliertes Geschirr ermöglicht ein sauberes Kochen mit appetitlichem 
Aussehen der Speisen bei erhöhter Schmackhaftigkeit, weil denselben kein 
unangenehmer Metallgeruch anhaftet; das Geschirr erlaubt ein rascheres Gar- 
kochen, bedingt hiedurch eine willkommene Ersparnis an Brennmaterial, erhält 
vom Feuer weggestellte Speisen lange warm, ist gegen Säure (Essig) wider- 
standsfähig und wahrt der Milch auch bei längerem Verweilen derselben im 
Kochgeschirre den guten Geschmack. Allgemein wird die leichte Reinigung 
des Emailgeschirres betont. 

Diesen Vortheilen des emaillierten Geschirres im Gegensatze zum ver- 
zinnten Geschirre werden im ersten Berichtsjahre folgende Nachtheile ent- 
g^engestellt : 

Die Bereitung der Mehlspeise erheische größere Vorsicht, damit sich die- 
selbe nicht anlege und anbrenne ; das Kochen erfordere überhaupt große Vor- 
sicht weil das Email, insbesondere am Boden des Geschirres, leicht abspringe ; 
dies bedinge, der Sprödigkeit des Emails wegen, im allgemeinen eine schonende 
Behandlung, welche aber selbst bei Aufsicht nicht immer zu erreichen sei. 
Bei abgesprungenem Email brennen die Speisen leicht an, der bloßgelegte 
Tbeil des Geschirres roste und hebe damit die Vortheile theilweise wieder 
auf. Das Emailgeschirr wird von einzelnen als sehr dauerhaft bezeichnet. 

Im zweiten Berichtsjahre werden die Nachtheile des breiteren besprochen, 
insbesondere wird hervorgehoben, dass sich das Ausspringen nicht vermeiden 
lasse, und dass schadhafte, angerostete Stellen schwer rein zu bekommen und 
rein zu erhalten sind. 

Dem ökonomischen Standpunkte wird durch Hinweis auf den Umstand 
Rechnung getragen, dass sich ausgesprungene Stellen nicht reparieren lassen, 
weil nur ganze Überemaillierungen ausgeführt, oder aber neue Böden eingesetzt 
werden können. Die Instandhaltung sei sonach kostspieliger als jene des ver- 
zinnten Geschirres, u. zw. umsomehr, als dieses im Ankaufe wesentlich billiger 
sei als Emailgeschirr und die Verzinnung leicht und billig erneuert werden 
könne. Es wird aber beigefugt, dass die erhöhten Kosten kein Motiv bilden 
können, auf die Vortheile des Emailgeschirres zu verzichten. 

Zu diesen Anschauungen über die Eigenschaften des Emailgeschirres 
Bmd folgende Bemerkungen zu machen: 

Das appetitliche Aussehen der Speisen im Emailgeschirr wird zugegeben- 
ebenso die leichte Reinigung desselben. Es ist ferner richtig, dass den Speisen 
durch längere Zeit nach dem Abstellen vom Feuer eine höhere Temperatur 



122 Notizen. 

erhalten bleibt, u. zw. weil Email eiü schlechter, verzinntes Blech aber ein 
guter Wärmeleiter ist 

Die Ersparnis an Brennmaterial ist nach anderweitiger Erfahrung praktisch 
belanglos. 

Das Abspringen des Emails ist ein Obelstand, welcher sich stets wieder- 
holen wird, weil die Ausdehnongsverhältnisse des Emails — welches eine leicht 
schmelzbare, undurchsichtige Glasmasse ist — und jene des Stahlbleches wohl 
nie in solche Übereinstimmung zu bringen sein werden, dass ein Abspringen 
der Glasur bei raschem Erhitzen ausgeschlossen bleibt. Email ist als Glasart 
auch spröde, daher treten bei kräftigem Aufstellen oder Aufstoßen der Koch- 
kessel Trennungen in der Emailschichte am Boden des Geschirres auf. 

Um die auseinandergehenden Erfahrungen über die Dauerhaftigkeit des 
Emails aufzuklären, ist es nothwendig, mit einigen Worten die Technik des 
Emaillierens zu besprechen. 

Das Auftragen und Einbrennen der Emailmasse gelingt nur bei großer 
Sorgfalt, langer Übung und Erfahrung der Arbeiter. Es ist demnach leicht 
möglich, dass Geschirre aus derselben Fabrik einmal entsprechen und das 
anderemal nicht befriedigen. 

Weil eine möglichst gleiche Stärke im Blech ein Erfordernis zum Gelingen 
des Emaillierens bildet — falsche Spannungen des Emails werden hiedurch 
hintangehalten — ist es nicht zulässig, den Boden der Kochkessel stärker zu 
halten, wie von einer Seite vorgeschlagen wurde. 

Emailgeschirr ist als gut zu bezeichnen, wenn dessen Oberfläche ganz 
eben und glatt, ohne rauhe oder runzelige Stellen, frei von feinen Rissen und 
Sprüngen und rein in der Farbe erscheint Das Email darf auch keine Blei- 
verbindungen enthalten; es muss demnach bei Bestellung von Emailgeschirr 
die Bedingung gestellt werden, dass das Email nicht gesundheitsschädlich sei. 

Aus den Gutachten, welche von den Directionen mehrerer großer Spitäler 
erbeten wurden, geht Folgendes hervor: 

Es wird — möge die Küche in eigener Regie geführt oder verpachtet 
sein — zumeist verzinntes Kupfer-, Stahlblech- und Eisengeschirr verwendet. 
Es besteht nicht die Absicht, dieses Geschirr durch emailliertes zu ersetzen. 
Kleine Gefäße für Eierspeisen, Schnitzeln etc. sind hie und da emailliert 
(u. zw. grau gewölkt) im Gebrauche. 

Im k. und k. Garnisons-Spitale Nr. 2 steht Emailgeschirr für die Zu- 
bereitung der Kost der Mohamedaner in Verwendung, offenbar um rituellen 
Anforderungen zu genügen. 

Von den Spitalsleitungen wird anerkannt, dass in Emailgeschirren die 
Speisen rascher gar werden, ohne aber hiebei eine kennbare Ersparnis an 
Brennmaterial erzielen zu können. Auch die gute und schnelle Reinigung des 
Emailgeschirres wird zugegeben, hieran aber die Bemerkung geknüpft, dass 
diese Eigenschaft bald verloren gehe, weil in einem großen Küchenbetriebe 
das Emailgeschirr nicht genügend vorsichtig behandelt werden könne; das 
Email sei bald abgeschlagen, dadurch werde das Geschirr recht unappetitlich, 
roste und färbe dann selbst manche Speisen. Bei der Gebrechlichkeit des 
Emails seien die Auslagen für die Instandhaltung (Ersatz) größer als für ver- 
zinntes Geschirr. Alle diese Umstände mögen nun auch den Director des 



Notizen. 123 

k. k. Kaiser Franz Joseph-Spitales veranlasst haben, das Emailgeschirr außer 
Gebrauch zu setzen. 

Demnach wird in den Krankenanstalten ein Ersatz des verzinnten 
durch emailliertes Geschirr nicht beabsichtigt, weil dafür auch hygienische 
Gründe nicht vorhanden sind. 

Laut Mittheilung der Handels- und Gewerbekammer befinden sich in 
den im Beichsrathe vertretenen Königreichen und Ländern folgende Email- 
geschirr-Fabriken : 

Haardt & Comp, in Wien, Bartelmus BrOder in Brunn, August 
Bartelmus & Witte in BrQnn. Diese drei Firmen bilden jetzt die Firma: 
„Aciiengesellschaft der Emaillierwerke und Metallwaaren -Fabriken Austria^ 
mit dem Sitze in Wien. 

Brüder Gottlieb & Brauchbar in BrQnn, Emil Neher in Yillach, 
Enherzogliche Industrial- Verwaltung in Teschen, S. A. Lange in Kaiich, 
Kleiner & Fleischmann in Mödling. 

Die Ansichten dieser Firmen, welche ersucht wurden, einen Fragebogen 
zu beantworten, erscheinen in den folgenden Zeilen zusammengefasst dargestellt. 
Artikel, welche in ständigem Gebrauche und damit einer starken Ab- 
nützung unterworfen sind, eignen sich verzinnt besser, wenn eine sorgfältige 
and vorsichtige Behandlung nicht möglich ist. Auch wird zugegeben, dass 
große Stücke wie große Kochkessel nur verzinnt, kleine Stücke dagegen aber 
emailliert sich zweckmäßiger erweisen. 

Von zweiter Seite werden eingemauerte Kessel und Oasserolle, sowie 
Geschirre, die nur theilwoise vom Feuer abgehoben werden, emailliert empfohlen, 
weQ das Email das Durchbrennen der Böden verzögert. Für ambulante Küchen 
sei des großen Gewichtes wegen von Emailgeschirren abzusehen. 

Alle Fabrikanten bezeichnen Emailgeschirr hygienisch vortheilhafter. 
Wie eigentlich selbstverständlich, wird die Qualität des Emails als besonders 
wichtig hingestellt. Der nicht immer sorgfältigen Behandlung wegen müsse 
eiB besonders zäh haftendes Email gewählt, das Geschirr sorgfältig gearbeitet 
ud emailliert werden. Auch wird angegeben, nicht das innen weiß und 
aafien blau, sondern das innen und außen gleichmäßig grau gewölkte Email 
TBidiene den Vorzug, wenn dieses auch weniger gefällig von Ansehen sei. 
Die Frage, in welchem Verhältnisse sich die Anschafifungskosten für 
Kmailgeschirr höher stellen als jene fQr verzinntes, wurde sehr verschieden 
kiantwortet, nachdem die Angaben über die Mehrkosten von 10 bis 50^^ 
lAwankten. 

Bezüglich der Verwendung in größeren Küchenbetrieben wird von den 
fU>rikanten angegeben, dass sich Spitäler, Strafanstalten, Restaurants und 
Totkskflehen des Emailgeschirres mit günstigem Erfolge bedienen. 

Über die Zulässigkeit von Reparaturen gehen die Ansichten der Fabri- 
famten weit auseinander. Einerseits wird angegeben, es lasse sich emailliertos 
QMchirr mit Leichtigkeit reparieren, wenn die Reparatur bald nach erfolgter 
Bnehädigung vorgenommen werden kann ; von anderer Seite wird dagegen betont, 
km sieh Emailgeschirr wohl reparieren lasse, doch unterlaufen dabei Schönheits- 
Miler, es entstehen Blasen, auch wird manchmal die Reparatur so theuer wie 
fit Nenbeschaffung. Das Einsetzen der Böden ist möglich, wird aber nicht als 



124 Notizen. 

voribeilhaft bezeichnet Gewöhnlich betragen die Kosten der Reparatur 50y, 
des Anscbaffungswertes. 

Eine Firma gibt an, dass alle Versuche, Emailgeschirr für die Mann- 
schaft zu beschaffen, z. B. Email-Esschalen fflr Theile der königl. ungarischen 
Landwehr, schon nach kurzer Frist aufgegeben wurden. 

Auch kann hier mit Recht auf die ungflnstigen Erfahrungen hingewiesen 
werden, welche sowohl in Österreich-Ungarn, als auch in Deutschland mit 
emaillierten Feldflaschen gemacht worden sind. 

Die im allgemeinen gegen das verzinnte Geschirr erhobenen Vorwürfe, 
dass dasselbe den Speisen einen Metallgeschmack verleiht, dass sauere Flüssig- 
keiten sich nicht gut kochen lassen, bezieht sich wohl auf schlecht verzinntes 
Geschirr, bezw. auf solches, dessen Verzinnung durch den Gebrauch gelitten 
hat. Der Einwand, es lasse sich Milch in verzinnten Kesseln nicht l&ngere 
Zeit aufbewahren, ist nicht stichhältig; sind doch die Transportgefftße für 
Milch fast ausschließlich verzinnt, auch wird in zahlreichen Haushaltungen 
Milch in verzinnten Geschirren gekocht. 

Wird das Kochgeschirr in den Mannschaftsküchen zeitgerecht veninnt, 
dessen Reinigung — aber ohne Anwendung von Sand — sorgfältig mit 
warmem Wasser, eventuell mit etwas Schmierseife vorgenommen und das gut 
nachgespülte Geschirr trocken gerieben, so werden die berührten ÜbeUtinde 
behoben sein. 

Auf Grund vorstehenden Referates werden folgende Schlussfolgemngen 
gezogen : 

1. Eisem-Emailgeschirr ist ein wohlfeiler Ersatz für das theuere verzinnte 
Kupfergeschirr, keineswegs aber ftlr das verzinnte Eisen- oder Stahlblechgeschirr. 

2. Die Benützung des verzinnten Geschirres in den Küchen gro&er 
Krankenhäuser erweist, dass hygienische und sanitäre Rücksichten, welche zu 
Gunsten des Emailgeschirres sprechen sollen, nicht bestehen. 

3. Bei guter Instandhaltung des verzinnten Geschirres wird den Speisen 
kein Metallgeruch oder Metallgeschmack anhaften, weil diese nicht Tom Zinn^ 
sondern vom bloßgelegten Eisen- oder Stahlblech herrühren. 

4. Das Verzinnen ist eine so einfache Operation, dass dieselbe in den 
meisten Gramisonen beider Staatsgebiete der Monarchie ausgeführt werden kann. 

Bei der geringen Zahl von Emaillierwerken würde sich für viele Garni- 
sonen das Versenden von Emailgeschirr, um dasselbe reparieren zu lassen, kaum 
rentieren; für alle aber würden erhöhte Kosten erwachsen. Überdies müsste 
der Percentsatz an Reserve-Kochgeschirren namhaft erhöht werden. 

Bei den feststehenden Dotierungen der Administrations-Commissionen 
würden Emailgeschirre — infolge der höheren Preise für Beschaifong und 
Erhaltung — nicht in der wünschenswert raschen Weise erneuert werden 
können, ihrem Ruine rasch entgegen gehen, womit alle Vortheile sich bald 
in das Gegentheil verkehren würden. 

Demnach sprechen sowohl technische Gründe, als auch die Preis- 
Verhältnisse gegen eine allgemeine Einführung emaillierter Kochgeschirre in 
Mannschaftsküchen. Hauptmann P e r I i z h. 



Die Asepsie auf dem Hlifsplatze ■). 

Der Antisepsie sull man sich (nach Verfasser) nur in den Fällen be- 
dienen, in welchen spptiache Wunden aseptisch gemacht werden sollen, in 
allen anderen Fällen soll ron vorneherein die Aeepsie platzgr^ifen , so 
anch auf dem Hilfsplatze. 

Bisher bestand die Hilfeleistung auf dem Htlfsplatze aus drei rerscbiedenen 
Msnipolationen : 

1. Aus der Reinigung der Wunden; 

2. aus der Anlegung von Verbänden und 

3. ans der Ausführung der dringendsten Operationen. 

Die letzte Art der Hilfeleistung wOnscht Verfasser thunlichst einzu- 
scbränlcen; so sollen alle Ligaturen in der Continuität unterbleiben und durch 
entsprechende Compression (mit Kautsch ukscliJauch etc. i ersetzt werden. 
Dorch die auf diese Art auf ein Minimum herabgesetzten Operationen, z. B. 
Mf die Tracfaeotomie bei mit Stenose der Trachea einhergebenden Halaver- 
Istxuagen, wflrde sehr viel Zeit erapart werden und dies soll dem aseptischen 
Verbinden zugute kommen, bei welchem man sich einer 10% SodalOsuag 
mit pekocbtem Wasser bedienen soll. Diese letztere stellt man sich nach 
Port fotgendermaQen am schnellsten dar: 

„Der Kochkessel wird in einem oben und unten offenen Cylinder aus 
Eisenblech gestellt, welcher dessen doppelten Durchmesser, 1'/^ fache Höhe 
bat und im unteren Drittel^ mit einem Drahtnetze versehen ist. Zwischen 
SttiS and Cylinder bringt man das Brenn materiale, entzündet dasselbe und 
iraielt anf diese Weise rasches Kochen." 

Mit dem gekochten Wasser muss sehr gewissenhaft vorgegangen werden. 
Da aseptisches Material am Hilfsplatze kaum in genügender Quantität 
Torbanden sein dürfte, so muss der Verwundete dasselbe mitbringen, o. zw. 
in aseptischem Zustande in einer 70g schweren Blechbüchse, welche eine 
3-6« lange, 8cm breite Binde und Gazesäckeben enthalten soll. Die Art der 
BrOflbvng (siehe Abbildung) erfolgt mittels eines KlemmschlQssels. 

Der Inhalt dieser Büchsen würde für die _____ . _ _ 

Bauten Fälle von leichten Verwundungen ge- '^ 

Dttgflo; die Gszesfickchen würden auf die Wunden 
fliegt, eventuell Ein- und AusschussSfFnung 
mit denselben verstopft, dann mittels eines in 
üa Binde geknöpften Knotens an dieselbe ge- 
ItMst werden; anch mittels Sparadraps (welcher 
nch Port gefenstert sein soll) könnte die Befestigung der Bäuschchen er- 
bigtn. Dadurch wQrde ein Äustrocknungsverband hergestellt werden. 
[ Ancb das anderweitige Sanitäts-HaterialekSnnte in ähnlicher, jedoch in ent- 

I iprecbenden Dimensionaverhältnissen angefertigten Büchsen aufbewahrt werden. 
I Bnrkbardt kommt zu folgenden Conclusionen : 

I 1. Die aseptische Methode kann auf dem Hilfsplatze ebenso angewendet 

[ **rden wie anderswo; 

■. D'aprin M. U ntajar E. Durk/iardl. — 







in 



I. äi» Mfciarhe Xateräl vAl j«deai So&bteB is gi r tgilim Ter- 



JLlBKänSlitflSlIUlK^Hl : 

3. 'iopiä Emftknm^ der Aseps* asf den HH&fUtze wtkrdn op«mtiTe 
iJBxrA usf •ieaäeÜKai auf «in MiniBOB redBciertL 

Dr. DietL 



Kleine Notizen. 




SmA dfer «drtcrr. SLolKkrift fir Betf- od 

jcUekiai dveU^brt «ad Wi 385« dat StcnnUafcr trraekt \K^l 
Die Tieftihiia^ wvrde anfiags Tis Babr-hfvntv Jartki 
TerHi^tet wv. da« Bofala^ »rndfatfi Mi im 

r«ftr er 36 f. pro Tiiii—ilir, ftner tktr iOte 36 i. 




btf HSS^mm. mix Haadketrieb 
aan^cAkrt, dab«i «rUeh da« Bokriock aafiu^t 5«> 

Xaefc X: Ta^em wvrde die Tiefe tos 3S8«» crreickL Xaek XkacUac 

fiaf« «ad der fftr dii» Tctrokraa^ etc. catieica fir daa Bebrta 19S Tii^ oder 
pr» Ta^ eia Factatkxxtt ¥0« 1'36m Die Fwtaetnaif der Beknaif «frifie is m^nttt 
Regie aad «rfab eiaea Kosteaaafvaad tob 147 f. pre Meter. 

Ftr Üe Be«r:keilvar der Eoctea roa B okiaag ea »nea kkr aack fa%«ide 
Beispiele aageftkrt: 

1. 66m üefe Bobraag ia 66 Tagea aasftAkrt Wt Trcija ia tiafiiicB 1872 
mjx Fabiaa*i«rbeB FmfaUit^ek. 0^» vcit. aie»t dazck ScUel^HtlMa aber aacb 
darek fekvaebe Ealkxteiaeeückcea. £« wazdea aar 3 AibeHcr bei T^ bracbiniil, 
üe GesaKBtkoetea betrarea 560 fl. oder pro Meter $ 1 dO kr 

i. !53m tiefe« Bebrioeb. <vbea 0^0«. aatea O^Sm weic ia JK T%a« ker- 
reateOt. dareb Sebiefer- aad Saadsteiafcbiebtea icetriebea: bet laiTilla^ tob Iftaf 
Ärbeitera kostete t ^ySO ± oder pro Meter 13^ « d T^ der Bobra^ vvdo ein 
.15ai tiefer Bobnebaebt ia«ffebF>bea. 

X 9 BobriTcber. 2S bis 4«.^. O^Dat veit. ia Oberbes^ea bei WeckaaWaa 1875 
bif 1880 Bit dem Habibobrer Junrb je 4 Arbeiter becgeetcUt. kaatetaft pio Mater 
•^tva 1 fi. 50 kr. Die Scbiebtea bestaadea aas LebB. Lettea« Saad isd BkOBakalüeii« 
Die MxaiaialleistaBir pr> Sraaae betrair •>lo«i« die MaiiBalleistaaip 080bl 

4 Mebrere B>bH-:ch-er bei Badia^^en Ib Grofiberto^tboBe Haaaaa ia den 
JibTSQ Tja lS7i> bis 1?^>. 25 bis 35m tief. •> 15« veit, waidea pro Stylit O-lOiii 
-ief im vaMerr±iebea xersetites Basalt ab^teaft Die Arbeit irfalfU bü den 
Fabiaa* icaec Freif^-Iastruient r»ie Ciwtea betrajpni pr» Met« 6 i. 

5. Eiii h-^m, xi-tU-i B.iirl;.fli ISTö bis IjTT twi Malk^witx ia ^fcf^ i^p ^^j^ 
Fai:k Md^fliirL wxr in*iBf ? 064«. b^i 3^»]^ Tiefe i>^l aad aataa O^lSte weit 
L'ie Maxim;iIIe!j*.in;; itj Stcade var •'^5f>n. Üe Minimalleiftiiay OOla». Doo Bobr- 
.•>ea wir bi:* ii ei- -fr Tiefe tcd 575« mi: Bl^rhn^hren iirfrllcidct, AW Motor 
~" " " ' - - - .... - ^ Scbmied 

HvmäOfi. 

. V _ * - ,- • . * tbeilweige 

*ear ürr iml ;iAnai.t:^. izii^i-.'i': 




Notizen. 127 

6. Bei Mainz worden vom 20. Mai bis 14. Angnst 1880 14 Bohrlöcher im 
Rhein and an den Ufern desselben, n. zw. 12 bis 35m anter der Sohle des Strom- 
bettes, Yon Schiffen aas hergestellt, am den Baagrand fftr die Fandierang der 
Brückenpfeiler za antersachen. Es waren Eies, Sand, Geschiebe, blaagraaer Thon 
mit einzelnen Kalksteinschichten za darchbrechen. Man Terwendete ein eisernes 
Gestinge and dabei im Geschiebe die Schlammpampe; für Thon den Loffelbohrer, 
ond für Kalkstein den Meißelbohrer. Der darchschnittliche Fortschritt pro Stande 
betrag OdOm. Es worden eiserne Rohren von Im Lftnge, 0'14m lichter Weite and 
Btmm Blechst&rke mit aaßen angenieteten Maffen darch das Geschiebe getrieben; 
im Thon wnrde ohne AasfÜtteraiig gearbeitet. Die Gesammtkosten betragen etwa 
5.200 fl. oder pro Meter etwa 20 fl. 

Steinerhartungsmittel „Testalin''. Nach der Zeitschrift des Architekten, 
and Ingenienr-Vereines in Hannover verdient das nach dem Patente der Firma 
Hartmann and Haaser zu Hannover erzeagte „Testalin^ für alle Materialien, 
mit Ausnahme der Kalksteine, die man am besten mit Floaten härtet, alle Be- 
achtung. Es hat die Eigenschaft, dass von den mit ihm behandelten Fl&chen das 
Wftsser abrinnt, als ob die Oberfläche fettig wäre. Aach nach wiederholtem Abbürsten 
and Abwaschen behält letztere diese Eigenschaft. Der dorch Roß ond Staab ent- 
staDdene Schmatz kann von den mit ^Testalin** behandelten Steinen leicht mit Wasser 
abgespritzt werden. Erst nach längerer Zeit vermindert sich die Wirksamkeit des 
IGttels an der Oberfläche, bleibt aber einige Millimeter tiefer noch wirksam, da es in die 
Poren eindringt. 

„Testalin^ besteht aos zwei LOsongen, o. zw. einer alkoholischen LOsang 
einer Olkaliseife ond einer LOsong von essigsaoerer Thonerde. Der Anstrich erfolgt 
mit beiden LOsangen hintereinander, erst mit der SeifenlOsong, dann mit der Thon- 
erdelOsnng. Schmatziges Material moss man vorerst mit Säoren reinigen. Die 
Wirkung dieser zwei Anstriche soll darin bestehen, dass in den Poren des 
Steines sich onlOsliche Thonerdeseife bildet, welche die Steintheilchen überzieht, 
wibrend das anschädliche essigsaore Kali zom Theile sich in den Stein zieht, zom 
Theile dorch den Regen abgewaschen wird. Die Porosität der Oberfläche des 
Materials bleibt erhalten. Die Wirksamkeit des „Testalins^ erinnert an die des 
Pinols beim Kalkzosatz, wodorch eine onlOsliche Kalkseife sich bildet, welche die 
SteinkOmer überzieht ood dem Wasser das Eindringen ond Adhärieren erschwert 
(siehe Notiz der „Mittheilongen" im 1. Hefte d. J.). „Testalin" soll jedoch aoch 
die Widerstandsfähigkeit der Materialien gegen Abnützong erhöhen ond die Festig- 
keit des Sandsteines steigern. 

Torfknull-Aborte in Kasernen und auf Bahnhöfen. Zo Toina in 

Ungarn erhielten zwei Kasernen, welche für drei Escadronen Cavallerie ünterkonft 
bieten und vom Comitat erbaot worden, Torfmoll-Aborte mit aotomatischer Streo- 
vorriehtnng dorch die Sitzbrettbewegong, wobei die Ansammlong der Fäcalien in 
Tonnen erfolgt. Der Eutworf der Anlage rührt vom Oberingenieor Adolf Sookop 
in Slaechao her; dieselbe fuDctioniert seit dem Jahre 1894 zor Zofriedenheit. 
Sie bat sich aoch in der beißen Jahreszeit, welche bei gewohnlichen Aborten die 
Avbreitang übelriechender Gase fördert, got bewährt. Nor die Ansammloog in 
Tonnen zeigt den Übelstand, dass dorch eine zo häofige Benotzong einzelner Sitze 
die sngehOrigen Tonnen zo früh |efailt werden, während andere leer bleiben, wo- 
dsreh die Begelmäßigkeit der Abrohr gestOrt wird. Das Tonnensystem ist daher 
Bir dort zn empfehlen, wo dieser Übelstand nicht zo befürchten ist. Die onga* 
risebe Torf- ond Konstdflnger-Indostrie-Actiengesellschaft in Bodapest befasst sich 
■it der Binrichtnng der Torfmoll-Aborte ond liefert für das Tonnensystem Tonnen 
■it 30 Liter (fflr 3 bis 4 Personen), 60 Liter (für 8 bis 10 Personen) ond 80 Liter, 
imtn Beinigong alle vier bis fünf Tage erforderlich wird. Nachdem die Fäcalien 
dveb Torfmalle den ekelerregenden Geroch verlieren, ist es nicht nöthig, den 
Toaneninhalt bei jeder Entleerong weit zo verführen. Es empfiehlt sich, die Fä- 
etilen in einer im Hofe errichteten betonierten Grobe zo sammeln ond von hier 
air zwei- bis dreimal im Jahre zo entfernen. Die Abfohr der Fäcalien kann, j}a 

9* 



]28 N t i I en. 

dieselben eine feste Masse bilden, im offenen Wagen erfolgen. Zar DesinfectioD 
setzt man eine 2*/fiige SchwefelsäQre-L(Vsang zu, welche Tollkommen keimtodtend 
wirken solL 

Wo sieb Anstinde mit den Tonnen ergeben, wählt man die Ansammlung in 
Senkgruben, die ohne Gefahr zum Theile in die verbante Fläche des Hauses 
hineijuragen können, da eine Bodeuverseachnng von den trockenen Fftcalien nicht 
zu befürchten ist. 

Anf der Bahnstation Kelenf5]d haben die Torfmull-Aborte (Ton der genannten 
Gesellschaft aosgeführt) nach einem commissionellen Befunde TollkoDunen ent- 
sprochen und die Commission veranlasst, dieses Abortsjstem für alle Staatseisenbahn- 
Stationen zu empfehlen. Auf dem bezeichneten Bahnhofe sind drei Construetions- 
arten angewendet. 1. Im zweistockigen Wohngebände befinden sich Kübeln mit 
25 Liter Inhalt, welche unter den Sitzen aufgestellt sind und jeden zweiten Tag ent- 
leert werden. Die Tonnen haben fftr die Abfuhr hermetisch schließende Deckel. 
Köbel mit 25 Liter werden von einem Mann, die größeren von zwei Leuten ge- 
tragen. 2. In den einstöckigen Wohngebäuden fallen die Fäcalien durch Thon- 
rOhren in Senkgruben, aus welchen bei Öffnung des Deckels infolge der Torfmull - 
anwendung keine unangenehm riechenden Gase austraten. Die Fäcalien Terbreitetea 
auch beim Aufrühren mit der Schaufel keinen Geruch und verursachten keinem 
ekelerregenden Anblick, so dass der Transport auf offenem Wagen anstandslos 
erfolgen konnte. Die Abfallrohre, die seitlich geführt werden, müssen jedoch min- 
destens ^® gegen den Horizont geneigt sein, weil sonst das Torf-Fäcalgemisch 
nicht abgleitet. 3. Die freistehenden, für das Reisepublicum bestimmten Ab<Hrte 
nehmen die Fäcalien in kleine eiserne Wagen, die in einer Grube stehen, auf; 
letztere werden mit einer Aufzugvorrichtung gehoben, wenn sie gefüllt sind, und 
auf einem GOon breiten Geleise zu einem Sammelbassin in einem Manipulations- 
schuppen geführt. Auch hier bot die ganze Manipulation keinen widerwärtigen 
Anblick dar, auch ergab das Ausschaufeln aus der Grube keine Übelriechenden Gase. 
Ans dem Sammelbehälter erfolgte das Verladen der Fäcalien auf offene Eisen- 
bahnwagen. Die Commission fand es zweckmiLßiger, die Sammelwagen zu be- 
seitigen und die Fäcalien direct in der genügend großen Grube unter den Abortea 
aufzunehmen. Die Torfstreu- Apparate, die automatisch wirken, wurden yollkommen> 
zweckentsprechend befunden. 

Das Municipium von Stuhlweißenburg wird die Torfmull-Aborte im neu zu> 
erbauenden Trnppen-Spital anwenden. T. 

Versuche mit Berkefeld-Fitter von Prof Dr. J. Koettstorfer in der 
Marine-Akademie zu Fiume, wo derlei Filter seit April 1894 im Gebrauch sind, 
ergaben sehr befriedigende Resultate. Die Prüfung währte 52 Tage, während 
welcher Zeit 1 Filtertopf mit drei Kerzen bei einem Druck von 4Vt Aünosphären 
200 bis 300 Liter pro Stunde, u. zw. auch am £nde dieser Zeit, keimfreies 
Wasser lieferte. Es wird daher statt der wöchentlichen Reinigung und Sterilisierung 
eine solche nach zwei Monaten empfohlen. Die Keimzahl im unfiltrierten Wasser 
schwankte zwischen 32 und 349 pro Kubikcentimeter, ohne die Leistung des Filters 
zu beeinflussen. 

Voiumgewicht des Schnees. Dasselbe wechselt wohl mit der veränder- 
lichen Dichte der Schneelagen, und wurde in einem Falle von Ingenieur Edmund 
Bischof mit 2Qikg bei 0-4m Schneehöhe ermittelt. 

Diese Ziffer lässt die Belastung eines von hoher Sebneelage bedockten Holz- 
cementdaches berechnen und die eventuelle Nothwendigkeit zur Entfernung der 
Schneemassen erkennen. Das Holzcementdach ist gewöhnlich für eine fremde Be- 
lastung von l(X)kg berechnet (Ifykg Schnee, 25% Winddruck), die somit einer Schee- 
höhe von etwa 40cm Hohe entspricht. Bei einer Im hohen Schneedecke würde die 
mit fünffacher Siclierbeit ausgeführte Construction nur mehr die dreifache Sicher- 
heit besitzen. 

Die Wärme des Dachraumes bringt es jedoch mit sich, dass ein Abschaufeln. 
des Schnees vom Holzceraentdach selten erforderlich wird, da er in den unteren 
Schichten abschmilzt. T. 



Patent-ADgelegenheiten. 129 

Patent- Angelegen heilen. 
Obersicht der im Monate September 1895 ertheilten Privilegien ^). 

Qa99e 6. 

3051. AücIiiDanD, Ferd. Ton, in Graz. NeaeruDg im Versätze Ton SchießbOllem uud 
Bohrlöchern. 

(Masse 18. 

3092. Beardmore William in Parkhead. Nenemngen an hei der Erzeugung Ton 
Panzerplatten verwendeten Vorrichtungen. 

3093. Soci^t^ Schneider k Co. in Creusot. Blenden (kugelfeste Bleche und Panzer- 
platten) aus Moljbdänstahl. 

OasM 37. 

3245. Sauce Ernst, de la, in Berlin. Häuser aus Wellblechnormaltheilen ohne Hilfs- 
constructionen. 

Cla9^ 72. 

3478. Berndorf er Metall waarenfabrik Artbur Krupp in Berndorf. Neuerungen an 
PatTonenhttlsen . 

3479. Erdöss Friedrich und Biel Josef in Waitzen. Pistolen-Säbel. 

3480. Martin Heinrich in Wien. Neuartiger Mantel verschluss bei Mantelgeschossen. 

3481. Ricci C. in London. Gewehr, bei welchem der Büekschlag benutzt wird, um 
die Patrone in das Lager zu schieben, daraus zu entfernen und den Schlag- 
roechanismus zu spannen. 

3482. Skoda Emil, Bitter von, in Pilsen. Differential-Seilbremse für Feldlafetten. 

3483. Skoda Emil, Ritter von, in Pilsen. Gelenkiger Sporn för Feldlafetten. 

3484. Stampacchia Luigi und Rodda Pietro in Bologna. Patronenhülse aus Eisen 
oder Stahl. 

3485. Topiö Carl und Slivar Anton in Fiume. Säbel-Revolver. 

3486. Tna Giacinto in Chivasso. Neues Verfahren zur Geschossherstellung. 

3487. Waffenfabrik Mauser in Obemdorf a. N. Einrichtung an Gewehren mit 
Cylinderverschluss zum Abdichten gegen zurückschlagende Gase. 

3488. Waffenfabrik Mauser in Obemdorf a. N. Einrichtung an der Hülse für Ge- 
wehre mit Cylinderverschluss zum Ableiten zurückschlagender Treibmittelgase. 



Patent-Anmeldungen in Österreich-Ungarn'). 

A. Österreich-Ungarn. 



B. Österreich. 

72. Cylinderverschluss zwischen Lauf und Schloss selbstthutiger Feuerwaffen. — 

Ciaos Clausius. 

NeaeruDgen an Patronentornistern. — Kl. Schittenhelms Sohn. 
" Scharfe Patrone mit Expansionsraum. — E. Rubin. 

Darch den Rückstoß bethätigte Repetier-Feuerwaffe mit beweglichem Laufe. — 

Paul Mauser. 
77. Kriegsschachspiel. — Carl G. Schaardt. 
so! Neuerungen in der Herstellungsweise von Cementbeton. — Hans Hauenschild. 

*) Illustriertes österreichisch-ungarisches Patent- Blatt Nr. 355. 



130 



SanitätsTerhftltniase. 



S— M tsv a rh l Hntssa bei der Mannschaft dea k. und k. Haeraa im 

Monate November 1895. 

Mit Ende October 1895 waren krank .erbHeben . { ^'^Än ! \jll T 

Erankenxiigang im Monate November 1895 22.740 » 

entsprechend */oo der durchschnittlichen Kopfistirke 73 

Im Monate NoTember 1895 würden an Heilanstalten abgegeben . . . 9.826 Mann 

entsprechend Vm c^^f durchschnittlichen Kopfst&rke 82 

Im Monate NoTember 1895 sind vom Gesammtkrankenstande in Abgang 

gekommen 21.768 Mann 

darunter: als diensttauglich (genesen) 19.505 , 

entsprechend Vm des Abganges 896 

durch Tod 84 Mann 

entsprechend Voo ^^s Abganges 3*86 

beiw. Voo der durchschnitüichen Kopfst&rke 0*27 

Am Mon*t8«:hli,«e .ind kr*nk rerblieben { S'hIISLC ! ! ! ! ! ISb "?" 
Von dem Krankensugang und den Todesfällen entfallen auf: 



Za- 

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1.416 


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t.1051 


4 



Aente InfeetioiuknuiklieiteB . . . 

danmter: Danntjpbaa . . . . 

Ralir 

MalarUknakheit 

LnagviitaberealoM 

TrMkom and AngenbleanorrtiG« . 
YeneriMhe und ■jphilitiaelie Krank- 

holten 

Seorlmt 



409 
106 
8 
447 
t9 
105 

.539 
8 



X6 
20 

1 

t* 

4 



Bindebaatkatarrb , Herpea der 
Blndebant 

Acater BroncbUlkaUrrb, kaUrrba- 
llaebe Lanfenentsflndanc • . . 

Croap5>e LanfenentaQndanc . . 

Bnutfellentsllndanc 

Magenkatarrh, aenter Darmkatarrh, 
katarrhaliiche Oelbcnebt 

Qelenktrhenmatiamiia 

Wnnddmok der FflAe, Auftritt . . 

KOrperliebe Beecbldlffongen . . . 



Der Krankeniugang, die Abgaben an Heilanstalten und die Todesf&Ue berechnen 
sich fflr die einzelnen Corps und deren Hauptgamisonsorte in *;'oo ^^^ durehaehnitt- 
lichen Kopfst&rke, wie folgt: 



Corps 



•>* s 

i 5 



m 

^99 






Gamiftontorte 










1. Corps 

« 

8. , 

4. . 

5. . 

6. p 

7. « 

8. n 

9. n 

10 

11. 

12. . 

18 

14. , 

15. 

MIlitAr-Commando in Zara 



68 
75 
8S 
77 
78 
66 
74 
76 
65 
7S 
7t 
8t 
77 
89 
68 
H8 



96 
80 
81 
85 
88 
81 
86 
95 
17 
8fl 
80 
44 
39 
81 
84 
47 



19 
0-89 
010 
0-46 
0-18 
0-19 
98 
0*16 
017 
0*94 
0-40 
44 
0-56 
019 
0-19 
0-43 



Krakaa. . . 
Wien . . . 
Graa .... 
Badapett . . 
PreMbarg 
Kaeehaa . . 
TeneeTir . . 
Prag .... 
Josephatadt . 
Prsemjil . . 
Lemberf . . 
Hermannstadt 
Agram . . . 
Innabmek 
SaraJeTo . . 
Zara .... 



66 
69 
85 
77 
79 
74 
6t 
87 
70 
83 
71 
68 
98 
99 
51 
88 



97 
t9 

t6 
31 
31 

n 

SS 

u 

17 



tT 
38 
48 

tt 
t6 
47 



0*09 
0-t4 
OtO 
0*40 

O.t» 
0.83 
0*t6 

0*38 

o-ts 

0*43 
49 
80 



Außerdem sind noch vorgekommen: 35 Selbstmorde und 3 Verunglückongon mit 
tödtlichem Ausgange. 



>} Bei den in der Rubrik «Malariakraakbeit* aa«c«^c*«D(in Todetflllen war Je «Inmal Darm» 
tfpbu« and Entsflndang der inneren Herxaoakleidong als Complieation bincageireten. 



Bücher-Besprechungen. X31 

Lettfäden fDr den Unterricht in der beständigen Befestigung. Zum 

Gebrauche in den k. und k. Milit&r-Bildungsanstalten , bearbeitet von 
Moriz Bitter von Brunner, k. und k. Generalmajor (5. ganz neu be- 
arbeitete Auflage). 1. Heft. L. W. Seidel & Sohn. Wien 1895. 

Der rastlose Fortschritt in der Vervollkommnung der Feuerwaffen, ins- 
besondere die weitgehende Anwendung des Artillerie-Wurffeuers aus schweren 
Geschützen mit Brisanzbomben, hat auf fortificatorischem Gebiete in den letzt- 
vergangenen Jahren eine totale Umwälzung der herrschenden Ansichten zur 
Folge gehabt. 

Die heterogensten Standpunkte wurden in zahllosen Werken und Broschüren 
mit Leidenschaft vertheidigt, vielfache Versuche in allen europäischen Staaten 
angestellt, bis endlich an der Hand verlässlicher Versuchsergebnisse eine all- 
mähliche Klärung der Verhältnisse erfolgte. 

Zu einem solchen Zeitpunkte hilft ein Lehrbuch, wie das uns vorliegende, 
einem dringenden Bedürfnisse der Militär- Bildungsanstalten ab, indem es, seinem 
Zweeke entsprechend, den Schüler nicht in das Kampfgewühl widerstreitender 
Ansichten führt, sondern ihn nur insoweit mit den neuesten Errungenschaften 
auf fortificatorischem Gebiete vertraut macht, als sie vollkommen erprobt und 
maßgebenden Orts als zweifellos praktisch verwendbar anerkannt sind. 

Der Name des Autors allein genügt, um dem so zeitgemäßen Werke 
den reißendsten Absatz weit über die Grenzen unserer Monarchie zu sichern. 

Der reiche Schatz an Erfahrungen, die sich Generalmajor Bitter von 
Brnnner in gleichem Maße als Lehrer, praktischer Fortificateur und mili- 
tärischer Schriftsteller zu sammeln wusste, verleiht ihm — wie nur selten 
einem Autor — die Gabe, für den Schüler aus dem Wüste von Principien 
und Details das Wesentliche hervorzusuchen und so den Kopf des ohnedies 
fast Überlasteten nicht unnützerweise mit Nebensächlichem zu beschweren 
und zu verwirren. 

Im Vergleiche mit den früheren Auflagen desselben Werkes ist in der 
nun vorliegenden 5. Auflage das Capitel der Panzerungen, welches in der 
4. Auflage mit wenigen Zeilen erschöpft war, wesentlich erweitert worden. 
Desgleichen sind alle anderen fortificatorischen Details mit Rücksicht auf die 
Wirkung schwerer Brisanzbomben vielfach nach den neuesten Erfahrungen 
geändert und ergänzt worden. 

Bezüglich der Ausstattung des Werkes muss die praktische Neuerung 
hervorgehoben werden, dass die Figuren — wie bei desselben Autors Leit- 
fiulen für den Unterricht in der Feldbefestigung — im Texte gedruckt sind, 
wodurch das Buch handsamer wird, als bei Anordnung von eigenen Figuren- 
tifeln, welche von den Schülern häufig ausgerissen und dann verloren werden. 

H. F. 

Die Vertheidigung von Karlsburg im Jalire 1849. Nach erhaltenen Tage- 
büchern und Aufschreibungen zusammengestellt vom k, und k. Oberst- 
lieutenant Franz Bieg er. Sonderabdruck des ,, Organs der militär- 
wissenschaftlichen Vereine". LL Band. Wien 1895. 

In dieser Schrift hat der den Lesern der ^ Mittheilungen ^ auf das 
beste bekannte Verfasser diejenigen Angaben zusammengefasst, welche während 



132 Bücher-Besprechnngen. 

der fünfmonatlicheD, ruhmvolleD Yertheidignng Karlsburgs durch dortige 
Officiere zur Aufzeichnung gelangten. Indem es ihm hiebei gelungen ist, ein 
Qbersichtliches Bild der tapferen und ehrenhaften Haltung der damaligen 
Festungsbesatzung darzubieten, hat er sich damit wohl die Anerkennung der 
ganzen Armee verdient, welche es mit Genugthuung erfüllen muss, dass ihr 
treues Ausharren nicht in Vergessenheit geräth, sondern schließlich doch 
Würdigung findet und zur Nacheiferung anregt, wenn sich auch die betref- 
fenden Ereignisse nicht mitten in dem Strome des großen Krieges abspielten. 

Major Karl Kuk. 

Aufgaben-Sammlung aus der Terrainlehre, Terrain-Aufnahme und 

Terrain-Darstellung. Von Gabriel Fambri, k. und k. Ober- 
lieutenant, Lehrer an der Cadettenschule in Karlstadt. Mit 109 Figuren 
im Texte. Verlag von Wilhelm Braumüller, k. und k. Hof- und üni- 
versitäts-Buchhändler. Wien und Leipzig 1896. 

Diese Aufgaben-Sammlung verfolgt den Zweck , die Grundsätze der 
Theorie an der Hand von Beispielen zu verwerten, um hiedurch dem Schfller 
allmählich das beizubringen, was er eigentlich braucht, nämlich durch den 
Anblick der Karte ein plastisches Bild der dargestellten Gegend zu erhalten. 
Die Beispiele, welche gut gewählt und zweckmäßig erläutert sind, sollten 
wohl in allen Cadettenschulen, Einjährig-Freiwilligenschulen u. dgl. eifrig 
durchgearbeitet werden. C. K. 

Almanach für die k. u. k. Kriegs-Marine 1896. Mit Genehmigung des 

k. u. k. R^ichs-Kriegsministeriums, Marine-Section, herausgegeben von 
der Redaction der y,Mitth ei hingen aus dem Gebiete des Seewesens**. 
Mit 178 Panzerschiffsskizzen. XVI. Jahrgang. Pola. In Commission 
bei Gerold & Comp. Wien 1890. 

Der in artilleristischen Kreisen wohlbekannte Almanach bringt auch 
diesmal eine Fülle von interessantem Material, das sowohl dem Ariillerie- 
als auch dem Genie-Officier äußerst willkommen ist. 

Der von uns in der vorjährigen Besprechung des Almanach erwähnte 
Umstand, dass im Verhältnis zum Umfange der Almanach 1895 einen großen 
Theil elektrotechnische Notizen brachte, erscheint insoferne diesmal berücksichtigt, 
als der diesbezügliche ganze Theil weggelassen wurde, und von der gesammten 
Elektrotechnik bloß die Maßeinheiten angeführt erscheinen. Durch diese Verein- 
fachung hat der Almanach an seinem Worte durchaus nichts eingebflßt, im 
Gegentheile nur gewonnen, indem der Charakter desselben als Almanach schärfer 
/.um Ausdrucke kommt. Wohin würde es auch führen, wenn im Almanach 
aus allen wissenschaftlichen Fächern kurze Auszüge gebracht würden? 

Der diesjährige Almanach enthält in einer recht übersichtlichen Weise 
ireordnet nachstehende Abschnitte: 

Kalendarium — Genealogie dos Allerhöchsten Kaiserhauses — Post- 
hestimmungen — Telegraphen- und Telephon-Tarif — Ziehungsliste — Maß-, 
Gewichts- und Reductions-Tabelle — Österreichische und ungarische Handels- 



Bücher-BesprechnDgen. 133 

Marine — Gebühren wesen und Normalien — Artillerie der verschiedenen 

y 

Flotten — Flottenliste — Personalstand der k. u. k. Kriegsmarine. 

Der Buf des Almanach ist bekannt. £s erübrigt nichts Anderes anzu- 
fügen, als dieses Büchlein den weitesten Kreisen von Artillerie- und Genie- 
Officieren, die sich für die Küstenbefestigungen und deren Armierung und 
somit naturgemäß auch für die Flotte interessieren müssen, wärmstens anzu- 
empfehlen. 

Hauptmann Pucherna. 



Die Kriege Friedrichs des Großen. Zweiter Theil. Der zweite 

schlesische Krieg 1744 bis 1745. 3 Bände. Herausgegeben vom 
Großen Generalstabe, Abtheilung für Kriegsgeschichte. Ernst Siegfried 
Mittler & Sohn. Berlin 1895. 

In den Jahren 1890 und 1893 hat, wie erinnerlich, der deutsche 
Generalstab die Publication seiner Bearbeitung der y,Kriege Friedrichs des 
Großen^ begonnen und sind damals successive drei Bände zur Ausgabe ge- 
langt, welche den ersten Theil dieses umfangreichen, bedeutenden Werkes 
bilden: „Der erste schlesische Krieg 1740 bis 1742" *)• 

Im Anschlüsse daran ist nun Ende 1895 der zweite Theil ^Der 
zweite schlesische Krieg 1744 bis 1745" erschienen und wurde 
hiemit ein vorläufiger Abschluss erzielt. 

Diction, Form und Ausstattung sind analog dem ersten Theile gehalten ; 
die Gliederung des Stoffes erfolgte ebenfalls in drei Bände, welche den 
wichtigsten Abschnitten des Feldznges entsprechen und wie folgt benannt sind : 

1. Band: Böhmen, 1744. 

2. Band: Hohenfriedeberg. 

3. Band : Soor und Kesselsdorf. 

Wir konneu nicht umhin, neuerdings auf die hohe Bedeutung und den 
Wert des in Rede stehenden Werkes hinzuweisen. 

Allerdings sind bei dem wesentlich veränderten Charakter der modernen 
Kriegführung, die Feldzüge des 18. Jahrhunderts, heute nicht mehr vom 
actoellsten Interesse. Die Grundgesetze der Strategie sind aber wohl, soweit 
historische Kenntnisse reichen, fast dieselben geblieben; sie kommen am 
vollkommensten und klarsten in der Thätigkeit großer Feldherren zum Ausdruck. 

Jede Vervollständigung der Militärliteratur in diesem Sinne ist daher 
schon an sich zu begrüßen. Ganz besonders muss dies von der Fredericianischen 
Epoche gelten, für deren heute noch maßgebenden Einfluss es beispielsweise 
bezeichnend ist, dass einer der neuesten ünterrichtsbehelfe für Strategie seine 
«inleitenden Betrachtungen auf Operationen aus den schlesischen Kriegen basiert*). 

Abgesehen hievon war es aber gewiss auch vom historischen Stand- 
punkte höchst erwünscht, durch das vorliegende Werk des deutschen General- 
stabes einen umfassenden Beitrag zur Geschichte des österreichischen Erbfolge- 
krieges zu g«iwinnen. 



M Im 1. Hefte der ,»Mittheilangen" vom Jahre 1894 besprochen. 

•j Elemente der Kriegführung. Von Oberst Emil Wojnowich. Wien 1894. 



134 fiücher-fiesprechnngen. 

Ebenso wie die früher erschienenen B&nde des ersten Theiles verfolgt 
auch der zweite Theil der y,Kriege Friedrichs des Großen^ in anerkennens- 
wert gewissenhafter Objectivität die Aufgabe, ein klares Bild der Ereignisse 
auf Grund der yerlässlichsten Quellen zu bieten. 

Nebst den Acten der preußischen Kriegs- und des geheimen Staats- 
archivs sind hiezu auch die im k. und k. Kriegsarchive zu Wien verftUgbaren 
reichlichen Behelfe eingehend durchforscht und berücksichtigt worden. Eine 
Beihe von Beilagen, welche den Wortlaut von Dispositionen, Instructionen,. 
M^moires, Berichten etc. enthalten, geben von der Gründlichkeit der Verfasser 
ein beredtes Zeugnis. 

Indem wir uns im übrigen auf die seinerzeitige erfolgte Besprechang 
des ersten Theiles dieses vornehmen Werkes berufen, wollen wir nachstehend 
nur noch eine kurz gefasste Inhaltsangabe anschließen. 

Der 1. Band, „Böhmen 1744^, bespricht nach einer l&ngeren, den 
Entschluss zum Kriege, sowie die beiderseitigen Pläne und Vorbereitungen 
beleuchtenden Einleitung im Detail die Ereignisse in Böhmen, von Anfang 
August bis Ende des Jahres 1744. 

Der Stoff dieses Bandes ist in fünf Abschnitte gegliedert und gelangen 
demgemäß successive zur Erörterung: 

A. Der Vormarsch der Preußen bis Prag. 

B, Die Belagerung von Prag vom 2. bis IS. September 1744. 

(7. Der weitere Vormarsch nach Süden und der Bückzug über die Moldau 
infolge der Gegenoffensive der Österreicher und Sachsen. 

D. Der Bückzug des Königs hinter die Elbe und der Elbeflbergang 
der Verbündeten bei Teltschitz am 19. November 1744. 

E. Der Bückzug des preußischen Heeres aus Böhmen. 

Der beigegebene „Anhangt enthält eine Beihe aufklärender Notizen; 
37 Stück Anlagen illustrieren durch wörtliche Wiedergabe von einer Beihe 
wichtiger Feldacten , als : Befehle , Details über Truppen-Zusammensetzung, 
Instructionen, Ordre de batailles, Capitulations-Acte u. dgl, trefflich den 
erzählenden Theil des Landes; endlich sind 19 Karten, Pläne und Skizzen 
angefügt. 

Der 2. Band „Hohenfriedeberg^ behandelt den Zeitabschnitt von 
Ende des Jahres 1744 bis zur Schlacht von Hohenfriedeberg am 4. Juni 1745 
und ist nur in zwei Abschnitte gegliedert. 

Diese erörtern: 

A, Die Ereignisse im Winter 1744 bis 1745, u. zw. das Einrücken 
der Preußen in die Winterquartiere, die Besetzung der Grafschaft Glatz und 
Oberschlesiens durch die Österreicher Ende 1744, den preußischen Gegen- 
angriff und den Bückzug der Österreicher nach Mähren, dann die beiderseitigen 
Pläne und Vorbereitungen für den Frühjahrsfeldzug. 

B, Den Angriff der Österreicher und Sachsen auf Schlesien 1745, u. zw. 
die Versammlung beider Heere, die Vorgefechte von Bratsch und Landeshut 
und endlich die Entscheidungsschlacht bei Hohenfriedeberg am 4. Juni 1745. 

Es kann nur als gerechtfertigt bezeichnet werden, dass Friedrichs 
glänzender Sieg, den er seiner neuen, von allem Hergebrachten abweichenden 
Kampfweise verdankt, hiebei eine besonders eingehende Schilderung findet. 

12 Stück Anlagen, 14 Pläne und Skizzen sind diesem Bande beigefügt. 



Eingelanfene Bücher. 135 

Der 3. Band „Soor und Kesselsdorf^ enthält in zwei Haupt- Ahschnitten 
die Schluss-Begebenheiten des Krieges, u. zw.: 

A. Den Feldzug in Böhmen und Oberschlesien. 

JB. Den Winterfeldzug in Sachsen 1745. 

Der erstgenannte Abschnitt bespricht den Vorstoß des Königs nach 
Böhmen, seinen Vormarsch bis Königgrätz, den Elbe-Übergang, das Lager 
Ton Ghlum im August, und jenes von Semonitz bis Mitte September 1745, 
den Bfickmarsch des Königs und das Vordringen der Verbündeten, dann die 
Schlacht von Soor am 30. September 1745, und schließt die Darstellung der 
böhmischen Ereignisse mit der Situation in den Lagern von Soor und Trautenau, 
daon mit dem Beziehen der Winterquartiere in Schlesien. 

Der Feldzug in Oberschlesien in der Zeit vom Juni bis Ende November 
ist separat behandelt, und sind dabei besonders der Kampf um die Festung 
Cosel, femer die Operationen des Generals von Nassau und des Feldmarschalls 
Esterhäzy detailliert. 

Der zweite Abschnitt erörtert zuerst den Feldzug in der Lausitz, die 
Entwürfe und Maßnahmen beider Theile im October und November, dann die 
Gefechte von Katholisch-Hennersdorf, Görlitz und Zittau — femer den Kriegs- 
mg gegen Dresden bis zur Schlacht von Kesselsdorf am 15. December 1745, 
schließlich das Ende des Feldzuges und den Frieden von Dresden. 

In einem nur 4 Seiten umfassenden, jedoch äußerst treffenden „Schluss- 
worte^, ist endlich ein Überblick über die charakteristischen Momente dieses 
so merkwürdigen Feldzuges geboten, der den jungen König an der Spitze 
eines vorzüglichen Heeres, anfänglich zwar noch nicht ganz auf der Höhe 
seines Könnens, später aber bereits als ganzen Feldherrn zeigt. 

Auch dem 3. Bande ist ein Anhang beigefügt und sind überdies 
28 Anlagen, dann 10 Pläne und Skizzen angeschlossen. 

B. V. B. 



Eingelaufene Bücher. 

Lehrbuch der WafTenlehre zum Gebrauche an den k. u. k. Militär- 
Akademien und zum Selbststudium fÜrOfficiere allerWaffen. 
Bearbeitet von Eduard Mars ebner, k. n. k. Hauptmann und Lehrer an der 
technischen Militär- Akademie. 

11. Band: Specielle Waffenlehre; mit 185 Abbildungen. Verlag von 
F. Tempsky. Wien und Prag. 1896. 

Selbttepanner. (Automatische Handfeuerwaffen.) Von R. Wille , Generalmajor z. D.; 
mit 67 Abbildungen auf 7 Tafeln und im Texte. Verlag von R. Eisenschmidt. 
Berlin 1896. 

Brondriee der Befestigungslehre. Von W. Stavenhagen; mit einer Skizze in 
Steindruck. Verlag von Ernst Siegfried Mittler & Sohn. Berlin 1896. 

Anwendung von beständigen und Feld-Befestigungen. Von Karl Kuk, 

k. und k. Major im Geniestabe. Im Selbstverlage und in Commission bei 
L. W. Seidel & Sohn. Wien 1896. Preis 60 kr. ö. W. 



136 



Neues vom Büchermarkte'). 



(Artillerie- Wissenschaft.) 

9175 BraHdeifl. Der Scbass. 8. Wien, Pest, Leipzig 1896. 1 Bd. 

9676 Brilli. Über das Richten in verdeckten Stellangen auf Grand der 

Erprobung bei der Feld-Artillerie. 8. Wien 1895. 1 Heft. 

9686 (Jollin. Das Planmaterial der Faß-Artillerie nebst Anleitung <ar 

Anfertigung. 16. Berlin 1896. 1 Bd. 

9524 Garrison aHülery driü. 16. London 1892. 2 Bde. 

9713 Girardon. OrganiscUion du maUnel d*artiUerie. 

8. Paris, Nancy 1896. l Bd. 
8888 Handbaeb für die Unterofficiere der Fuß-Artillerie. 

3. Auflage. 16. Berlin 1894. 1 Bd. 
9661 Hennebert. Bauches a feu. El. 8. Paria. 1 Bd. 

9659 Ingallg. InteHor hallUtic». 8. Virginia 1894. 1 Bd. 

9687 Kaiser. Construction der Kriegsfuhrwerke. 8. Wien 1895. 1 Bd. 
6535 Krapp*8eben Schnellade-Feldkanoncn. „Die". 8. Essen 1895. 1 Bd. 
9664 Alarsebner. Lehrbuch der WaiFenlehre. 

8. Wien und Prag 1895. 2 Bde. 
6178 Maadry. Waffenlehre für Officiere aller Waffen. 

4. Auflage. 8. Wien 1895. (Im Erscheinen.) 

9367 Maxim aulomatic gun in <»etion. f,The'*. Matabele and Chural Campaign» 

(1893^94, I89nj. 8. London 1895, 1 Heft. 

9684 Ortas. Le futil dt guerre de Vavenir. 8. Paris, Limoges 1895. 1 Bd« 

8463 R^lement sur les manoeuvre» des bcUteries atttUe». 

16. Paris 1896. 2 Bde. 

9714 Reglement tur le tervice du canon de 120 court. 

16. Paris 1895. 1 Bd. 
9692 Reiehenao. Studie über die kriegsmäßige Ausbildung der Feld- 
Artillerie. 8. Beriin 1895. 1 Heft. 
4753 Wernigk. Taschenbuch für die Feld-Artillerie. 

12. Jahrgang, 16. Beriin 1896. 1 Bd. 
8161 Wille. Fortschritt und Bäckschritt des Infanteriegewehres. 

8. Beriin 1894. 1 Bd. 
9654 Zabadskji. Äussere Ballistik. (In russischer Sprache.) 

8. St. Petersburg 1895. 1 Bd. 



(Baukunst in allen ihren Theilen.) 

9663 Baukunde des Architekten. 3. Auflage. Kl 8. Beriin 1893. S Bde. 

1422 Beriebt des GewOlbe-Ausschusses. (Sonderabdruck aus der Zeitschrift 

des österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines.) 

4. Wien 1895. 1 Heft. 

') Die hiernach Fachgruppen geordnet angeführten Werke worden in die Bibliothek 
des MilitAr-Comiti&s neu anfgenommen ; die denselben rorgetetsten Zalilen beselehnen 
die Kammern, unter welchea sie im Bibliotheks-Kataloge eingereiht sind. 



Neues vom BQchermarkte. 137 

9669 Boog. Das Straßengrandbach. Anleitung zur Darstellang und Evidenz- 

haltang des Bestandes von Landstraßen nebst zagehöriger 
Objecte, nach einem graphiscb-schematischen System. 

16. Wien 1895. 1 Heft. 

1176 Engel. Handbach des landwirtschaftlichen Bauwesens. 

8. Auflage. 4. Berlin 1895. 1 Bd. 

9681 Greve A Schnabel. Schmiedeeiserne Dachconstructionen. Pult- und 
Satteldächer, Perron- und Vorhallen, Gewächshäuser, Lauben 
und deren Eindeckungen. Fol. Dresden 1895. 1 Bd. 

9407 Hanlseb. Frostversuche mit Bausteinen der Österreichisch-ungarischen 
Monarchie. (Als Ergänzung der „Resultate der Untersuchungen 
mit Bausteinen".) 8. Wien 1895. 1 Heft. 

5646 Janke. Lehrbuch der Baumaterialien. 8. Köln a. Rh. 1895. 1 Heft. 

9670 Wittmann. Statik der Hochbauconstructionen. 2. Theil. Holz- und 

Eisenconstructionen. 2. Auflage. 8. München 1893. 1 Bd. 



o. 

(Chemie, Physik.) 

9662 Anleitung fQr die Anlage von Blitzableitern auf erdummantelten 
Pulver- und Munitions-Magazinen. 8. Berlin 1895. 1 Heft. 
7078 Boreiiers. Elektro-Metallurgie, die Gewinnung der Metalle unter 
Vermittlung des elektrischen Stromes. 

2. Auflage. 8. Braunschweig 1895. (Im Erscheinen.) 
5879 Friek. Die physikalische Technik, speciell Anleitung zur Ausführung 
physikalischer Demonstrationen. 

6. Auflage, 8. Braunschweig 1895. 2 Bde. 
9658 Griesbaeb. Physikalisch-chemische Propädeutik. 

8. Leipzig 1895. (Im Erscheinen.) 
9430 Grflnwald. Der Bau, Betrieb und die Reparaturen der elektrischen 
Beleuchtungsanlagen. 

5. Auflage. 16. Halle a. S. 1895. 1 Bd. 



(Dictionnaire und Sprachenwerke.) 

9705 DomaniezlKy. Katonai nötAr. Magyar-n4met risx. NSmet-magyar rdtz. 

El. 8. Budapest 1892. 2 Bde. 
8205 Heyse. Leitfaden zum gründlichen Unterrichte in der deutschen 

Sprache. 26. Auflage. 8. Hannover 1891. 1 Bd. 

9683 Saseha Anders. Praktisches Hilfs- und Übungsbuch fär die russische 

Dolmetscher-Prüfung. 16. Leipzig 1895. 1 Bd. 



(Encyklopädien.) 

%79 Meyer's Conversations-Lexikon. 

5. Auflage. 8. Leipzig und Wien 1893. (Im Erscheinen.) 



138 Neues Tom Bflchermarkte. 



(Fortificatlon.) 

9671 KJnl« Feld-Befestigung. (In russischer Sprache.) 

8. Petersburg 1895. 1 Bd. 
9678 LetUiaer. La fori^fieamumt |>ennaneiiie e la gumra di f&riezwa. 

8. Roma 1895. 1 Bd., 1 Atlas. 

9682 Lewli. Permofiefii fortifieaHon for engUsh engineera. 8. 1890. 1 Bd. 

9660 Operations of ihe division of miliiary engmeering of the Memational 

eongrf of engineer». 8. Washington 1894. 1 Bd. 



J- 

(Joumale.) 

9688 Blätter fQr KriegsTcrwaltung. 8. Bern. Von 1896 an. 

9708 Jahrbaehy »Berg- und HQttenm&nnisches**, der k. k. Bergakademien 
in Leoben und PHbram und der königlich ungarischen Berg- 
akademie lu Schemnitz. 8. Wien. Von 1895 an. 

9069 Osterrefeli*s Wollen- und Leinen-Industrie. 

Fol. Reichenberg. Von 1896 an. 

9691 Nnture, ^Ln^. Betme de» adencea et de teure appHeationa avx arte ei 
ä Finduetrie, 8. Paris. Von 1896 an. 

9690 StaU und RIsen. Zeitschrift fftr das deutsche Eisenhattenwesen. 

8. Düsseldorf. Von 1896 an. 



(Kriegsgeschichte.) 

9667 Bretholz. Der Vertheidigungskampf der Stadt Brunn gegen die 

Schweden 1645. 8. Brflnn 1895. 1 Bd. 

7750 Dnablebsky y. Stemeek. Geschichtlicher Anhang zur militärischen 

Beschreibung des Kriegsschauplatzes Tirol und Vorarlberg. 

8. Wien 1872. 1 Bd. 

9668 Kdbler. Geschichte der Festungen Danzig und Weichselmünde bis 

zum Jahre 1814 in Verbindung mit der Kriegsgeschichte 
der freien Stadt Danzig. 8. Breslau 1893. 2 Bde. 



(Kriegs^wissenschaft im allgemeinen. j 

9680 Angelt. Erzherzog Carl von Osterreich als Feldherr und Heeres- 
organisator. 8. Wien und Leipzig 1896. (Im Erscheinen.) 

9694 Ardoaln-Damazet. L'amUe et la flotu en 1894, 

Kl. 8. Paris 1895. 1 Bd. 

9666 Csleseries von BaesAny. Taktische Eigenthümlichkeiten der 
russischen Armee. 8. Wien 1895. 1 Heft. 



Neues vom Bflchermarkte. 139 

9693 Fix. Atde-mimoire de fnanoeuvre$ et de campagne. 

El. 8. Braxelles 1895. 1 Bd. 
5067 Leiinert. Handbuch für den TruppenfQhrer. 

14. Auflage. 16. BerUn 1894. 1 Bd. 

2819 Pierron. Les mühode» de guerre actueüee et vere la fin du XIX' nUle. 

Tome IV. 1^ partie. Mannet protique pour les reconnai»eanees 

müüaires. 2* 4dUhn. 8. Paris 1895. 1 Bd. 

8028 Springer. Handbuch für Officiere des Generalstabes. 

8. Auflage. Kl. 8. Wien 1895. 1 Bd. 



(Mathematik, Mechanik, Maschinenlehre.) 

9430 Grttnwald. Der Bau, Betrieb und die Reparaturen der elektrischen 
Beleuchtungsanlagen. 5. Auflage. 16. Halle a. S. 1895. 1 Bd. 

3187 Niesio^owflki. Spannung und Durchhang elektrischer Luftleitungen. 

8. Wien 1895. 1 Heft. 

8022 Rebber A PoUhaasen. Berechnung und Construction der Maschinen- 
Elemente. 4. Auflage. Fol. Mittweida 1895. 1 Bd. 

7704 Rath. Theorie der logarithmischen Rechenschieber als Anleitung 
für die Benützung der fünf heigegebenen auf Carton litho- 
graphirten Maßstäbe und zum Gebrauche für den Selbst- 
unterricht. 8. Graz 1878. 1 Heft. 



(Miscellanien.) 

9669 Boog. Das Straßengrundbuch. Anleitung zur Darstellung und Evidenz- 
haltung des Bestandes von Landstraßen nebst zugehöriger 
Objecte, nach einem g^aphisch-schematischen System. 

16. Wien 1896. 1 Heft. 

9686 Loessl. Die Luftwiderstandsgesetze, der Fall durch die Luft und der 
Vogelflug. 8. Wi«n 1896. 1 Heft. 

9660 Operfttion8 of Üie divinon of miUtary engtneertnff of the intematumal 
congree» of engineers. 8. Washington 1894. 1 Bd. 

9665 Reeder. Die Brieftaube und die Art ihrer Verwendung zum Nach- 
richtendienst. 2. Ausgabe. 16. Heidelberg. 1 Bd. 



(Marine- Wesen.) 

7680 Almanaeli für die k. und k. Eriegs-Marine 1896. El. 8. Pola. 1 Bd. 
4679 Statut and Vorseliriften für das k. und k. See-Arsenal. 

4. Wien 1895. 4 Bde. 



140 Neues vom Büchenuarkt«. 



(Naturv/^issenschaften im allgemeinen.) 

9691 Natarey n-^**. ^cvue des seknctB et de Uurt applicafio7is aux ort» et 
ä rinduiirie, 8. Paris. Von 1896 ftn. 



O- 

(Organisationen.) 

9706 Kalgadsebe Armee, „Die''. 16. Wien 1895. 1 Heft. 

9283 Serbische Armee, „Die-. 16. Wien 1895. 1 Heft. 

9282 TOrkisebe Armee, „Die-'. 16. Wien 1895. 1 Heft. 



(Pionnier^wesen.) 

9674 Ifltruzione tui lavori da sappatore per la oavaüeria. 

16. Borna 1895. 1 Bd. 



(Reglements, Instructionen, Gesetzbücher.) 

9703 Contrlbtttlon dee PatcrUea. Tarif et LegUlation. 

8. Paris 1890. 1 Bd. 

7086 tiesetz, betreffend die Gendarmerie der im Reichsrathe Yertretenen 

Königreiche und Länder, sammt Darchführnngs-Verordnang, 

dann organische Bestimmungen und Dienst-Instruction fflr 

dieses Corps. 8. Wien 1895. 1 Bd. 

8888 Handbaeb für die Unterofficiere der Fuß- Artillerie. 

3. Auflage. IG. Beriin 1894. 1 Bd. 

9699 Legge . . . tuUa proprietä industriale. Fol. Torino 1894. 1 Heft. 

9698 Leggi e regolamenio »ui diritti tpettanti a*jÜ autori delle opere ddt 

ingetjno. 8. Roma 1888. 1 Heft. 

9697 Loggi e regolamenti suUe privative industriali, sui marcJti e eegni 

dittintivi di fabbrica e nti modelli e di»e*fm di faihriea, 

8.' Roma 1892. 1 Heft. 

9704 L*lHTeiltear. ^Nouveau yuide pratiqve de"^. 8. Paris 1886. 1 Bd. 
9702 Patentgesetz, „Das", vom 7. April 1891 nebst Ausführungs-Bestim- 

mungen. 16. Beriin 1895. 1 Heft. 

9696 Patents, Desii/n» and Trade Markt. Act 1883, 1S88. 

Fol. (46 und 47 Vict. Ch. 57.) 
Fol. (51 und 52 „ , 50.) 2 Hefte. 
9701 Regio decreto . . . per la tuUla delle opere lelterarie ed artiHieke. 

Fol. Monza 1887. 1 Beft. 
8463 Reglement sur lea manoeuvrea de» hatteriea attelees. 

16. Paris 1896. 2 Bd. 
9714 Reglement aur le act^ice du canon de 120 court. , 

16. Paris 1895. 1 Bd. 



Neaes vom Bachemiarkte. 141 

9700 R6|rolamento per la regUlrtucione internationale dei marchi di falhrica 
e di conimercio. Fol. Roma 1895. 1 Heft. 

9102 Zoll- und Staats-Monopolg-Ordnangr vom Jahre 1835. 

IG. Wien 1885. 1 Bd. 



s. 

(Statistik, Warenkunde.) 

9078 Geiiossensehaften, „Die gewerblichen '^^ in Österreich. 

Fol. Wien 1895. 2 Bde. 
9677 Jahrbaeh des k. k. hydrographischen Central-Bareau. 

Fol. Wien 1895. 1 Bd. 
9689 österrelebs Wollen- und Leinen-Industrie. 

Fol. ßeichenberg. Von 1896 an. 
9695 Internationale Aasstellungr von Typen landesüblicher und zumeist 
vorkommender landwirtschaftlicher Fuhrwerke der öster- 
reichisch-ungarischen Monarchie für Volksernährung, Armee- 
verpflegung, Rettungswesen und Verkehrsmittel. Wien- 
Rotunde 1894. Fol. Wien, 100 Photographien, 1 Heft. 
9G72 Selpka. Die Militär-Bekleidungsstoffe und deren Beurtheilung. 

8. Wien 1895. 1 Heft. 
9707 Statisti^ehe Mittheilungren Aber Steiermark, herausgegeben vom 
Landesamte des Herzogthums Steiermark. 

8. Graz 189G. 1 Heft. 
4821 Tasehenbaeb, „Gothaisches, genealogisches^, nebst diplomatisch- 
statistischem Jahrbuch 1896. 8. Gotha. 1 Bd. 



(SanitätS'wesen.) 

9675 Lorenz. Die Ergebnisse der Fanitarischen Untersuchungen der 
Recruten des Cantons Graubünden (Schweiz) in den Jahren 
1875 bis 1879. Gr. 8. Bern 1895. 1 Heft. 

6559 RoeeUing. Technische Einrichtungen für Wasserversorgung und 
Canalisation in Wohnhäusern. 8. Braunschweig 1895. 1 Heft. 



T. 

(Technik im allgemeinen, Sprengmittel, Sprengv;^esen,Fliigtechnik.) 

8099 Gan coUon and its u»es. 189.'). 1 Bd. 

7093 Guttmann. Die Industrie der Explosivstoffe. 

8. Braunschweig 1895. 1 Bd. 
9708 Jahrbueh, „Berg- und Hüttenmännisches'^, der k. k. Bergakademien 
zu Leoben und Pfibram und der königlich ungarischen Berg- 
akademie zu Schemnitz. 8. Wien. Von 1895 an. 
9690 StaU and Elsen. Zeitschrift für das deutsche Eisenhüttenwesen. 

8. Düsseldorf. Von 1896 an. 

10 



]42 Neues vom BAchennarkte. 

9685 Loessl. Die Laftwiderstandsgeseiie, der Fall durcli die Laft und der 
Vogelflng. 8. Wien 1896. 1 Bd. 



(Verpnegsv^esen, Intendanzdienst.) 

9688 Blfttter fflr Krlegsverwaltang. 8. Bern. Von 189C an. 

9709 Meixner. Historiseber Bflckblick anf die YerpfleguDg der Armeen 
im Felde. 8. Wien 1895 (Im Emobetnen.) 

9672 Selpka. Die Militär-Bekleidungsstoffe und deren Beartheilang. 

8. Wien 1895. 1 Heft. 



DIE 



BESTANDIGE BEFESTIGUN( 



UND 



DER FESTUNGSKRIEG. 

1. Band, Allgemeiner Theil, vom Oberstlieutenant des Geniestab 

Ernst Freiherr von Leithner. 

2. Band, FoiÜficatoriselie Constmctionen und Entwürfe ^ t* 

mehreren k. und k. OfBcieren. 

Xw£lt eimezTL j^tlasse -vom 18 Tafeln. 



Zweite Auflage. 



ErmäOioter Preis für die Angehörigen der gesammten bewaffneten 
Macht (durch die Redaction der „Mittheilungen^) 8 

Im Buchhandel 16 



143 



Zur Frage des zukünftigen Feldgeschützes. 

Von 

k. und Ic. Hauptmann im 14. DivMon»'Artillerie-Regimente. 

(Schlnss.) 

3. Mittel znr Yergroßernng der FfiUkngelzahl. 

Anknüpfend an den Ausspruch Rohnes: „Die Vermehrung der 
Füllkugeln ist ein sehr wichtiges, wenn nicht das wirksamste Mittel, 
die Wirkung zu steigern" — will ich noch den Nachweis versuchen, 
dass diese Wirkungssteigerung in sehr ausgiebigem Maße möglich ist, 
obwohl der genannte General es nicht für zulässig erachtet. 

Derselbe geht von der Wirkung der Stoßkraft — abhängig von 
der Bewegungsarbeit oder lebendigen Kraft — aus, fordert nach den 
Ergebnissen deutscher Versuche für eine I3g schwere Weichbleikugel 
ein Arbeitsvermögen von mindestens 8m kg, erwähnt auch die Ansicht 
des französischen Oberst Langlois, dass auch die Größe des Quer- 
schnittes des Geschosses auf die Wirkung von Einfluss sei, ist aber trotz- 
dem der Meinung, dass das Durchschlags vermögen bei lebenden Zielen 
nicht entscheidend ist. Er führt auch an, dass in Frankreich die Kraft 
(Arbeit), welche nothwendig ist, um einen Menschen außer Gefecht zu 
setzen, mit nur ^kgm, jene, um ein Pferd kampfunfähig zu machen, mit 
Idkgm angenommen wird, und ist der Ansicht, dass die Bücksicht auf 
die Pferde in Frankreich dazu geführt haben mag, das Gewicht der 
Füllkugeln auf 15^ festzusetzen. 

Dieser Thatsache möchte ich nur entgegenhalten, dass in Schweden 
das 8cm Shrapnel nebst 13*2^ schweren Füllkugeln auch solche von 8'2g 
— wenn auch in bedeutend geringerer Zahl — enthält. Sollte hier eine 
andere Erwägung maßgebend gewesen sein? 

Maßgebend für die Stoßwirkung eines Körpers — insbesondere 
gegen lebende Ziele — ist die ihm innewohnende Bewegungs- 
arbeit imd die Auftreffläche. Die so lange angezweifelte hohe 
Wirkungsfähigkeit der kleincalibrigen Gewehrgeschosse beruht nur auf 
dem günstigen Verhältnisse dieser beiden Factoren, allerdings in Ver- 



') Siehe „Mittheilungen" 1896, 2. Heft. 

ir 



144 Weigner. 

bindung mit der soliden Construction derselben, welche gar keine oder 
eine nur äußerst geringe Deformation der Geschosse zulässt Wie wäre 
es sonst erklärlich, dass man mit dem nur um 3g schwereren Geschoss 
mit nur doppelt so großer Geschwindigkeit die zehnfache Durchschlags- 
leistung der 13^ schweren Kugel erreicht; wie wäre es auch erklärlich, 
dass man mit kaum 2g schweren Rundkugeln (sogenannten Posten), 
denen beim Schießen aus Jagdgewehren eine Geschwindigkeit von kaum 
mehr als 300m ertheilt wird, auf 70m noch ein Reh tödtet? 

Einfach deshalb, weil das Verhältnis, in welchem die Gewichts- 
abnahme einer Rundkugel mit der Abnahme des Durchmessers erfolgt, 
viel größer ist, als jene der Querdichte, diese aber in Verbindung mit 
der Geschoss-Auftreffgeschwindigkeit den Durchschlagseffect repräsentiert 
und dieser wieder bei lebenden Zielen von fast alleiniger Bedeu- 
tung ist. Oder sollte noch immer angezweifelt werden, dass eine Durch- 
lochung des thierischen Körpers weniger kampfunfähig macht, wenn 
dieselbe nur 8mm anstatt 13mm Durchmesser aufweist? 

Das Durchschlagsvermögen (Eindringungstiefe) eines Geschosses D 

ist unter sonst gleichen Nebenumständen direct proportional dem ihm 

m ü* 
innewohnenden Arbeitsvermögen — - (m = Geschossmasse, v = Qe- 

schwindigkeit) uod verkehrt proportional der Aaftreffläche F, es ist daher : 

C ist ein Factor, welcher die Nebenumstände (Widerstandsfähigkeit des 
Körpers, Steifigkeit des Geschosses etc.) repräsentiert. 

Für Rundgeschosse aus gleichem Material ist C unter allen Um- 

p 
ständen gleich. Für m seinen Wert ( — = Geschossgewicht durch Be- 

S p 

schleunigung der Schwere) eingesetzt und die Querdichte -^ = P^ ein- 
geführt, übergeht die Formel a in: 

D = — . P, . V* b). 

Diese Formel sagt aus, dass das Durcbschlagsvermögen eines 
Rundgeschosses nur abhängig ist von der Querdichte und der Auftreff- 
geschwindigkeit. Es ist daher für zwei Kundkugeln (gleiche Widerstands- 
fähigkeit gegen Deformation vorausgesetzt) mit gleicher Durchschlags- 
wirkung : 

P:.r,« = />; . v.» c). 

Sobald die Wirkung einer Kugel bekannt ist als hinreichend für 
die Erzielung einer bestimmten Durchschlagsleistung, ferner deren Quer- 



h±i n äJiiAjpu. F^Cf«s:if£i»s^ 



145 



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3 8-43 5 37^104 *• 



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73-51 
75-3 

77 

51-5 
S4 4 
S? 7 




IT:::*, ißjt 



64« 



— Ix ^VTäUirlktft 



Eine Wrichtagel tod 17y Gewidit — wie si* firah^r uig^vendn 
wmrde wid jetzt fic»ch hei den großen Cilibern der Belagfraogs-Artülem 
ider beim rnsEis^ben Feldm'!*r?er gebriiichlicb ist — hat b«i 12^m«i 
DarcluDesser «ine Qaerdicfat« von 12-42y. Um mit ihr die Mindest- 
DirdisehlagBleütiiiig der 13<7 schweren Weichkugel xn enielen, genügt 
Geschwindigkeit tod 69ni. 

Di€ Dothwendige GeschwindigkeitssteigeniDg für kleinere und 
FüDkngeln ist dahrr keineswegs sehr groll d* selbst die un- 
gtastigst behütete 3^7 Hartbleikngel kaum ein Viertel oder 15* , mehr 
Ofsdiwindigkeit ben^Mhigt, um denselben Durchschlagseffect lu geben, 
wie die 11^ schwere. 

Von diesem Gesichtspunkte aus ist daher eine Verminderung des 
fiükiigelgewichtes zu Gunsten einer grC-i'eren Füllkugelxahl zulässig. 



146 Weigner. 

Doch ist dies nur die Bedingung der Endgeschwindigkeit, jene der Anfangs- 
geschwindigkeit ist noch zu suchen. Da eine schlechter belastete Kugel, 
trotz des kleineren Durchmessers, bei der Bewegung durch die Luft rascher 
ihre Geschwindigkeit einbüßt, so erhellt sofort, dass der Wirkungsbereich 
der kleineren Kugel bei gleicher Anfangsgeschwindigkeit (Endgeschwindig- 
keit des Shrapnels) kleiner sein wird, als jener der größeren. 

Es ist daher noch zu untersuchen, ob von diesem Standpunkte 
aus eine Gewichtsverminderung der Füllkugeln zulässig ist, und bis zu 
welchem Grade bezw. unter welchen Umständen. 

Da die Wirkung der 11^ schweren Hartkugel (S ^^ 13mw) gegen- 
wärtig allgemein als ausreichend angesehen wird, selbst an den Grenzen 
des heutigen Shrapnelertrages , so will ich den Wirkungsbereich der- 
selben als Basis annehmen. 

Im allgemeinen verhalten sich die Entfernungen, auf welche zwei 
Kugeln von einer Geschwindigkeit t?, in jene v, infolge Einwirkung des 
Luftwiderstandes übergehen, d. h. einen Geschwindigkeitsverlust v, — v^ 
erleiden, wie ihre Querdichte Pt und Pi', d. h. 

Dies gilt für gleiche Geschwindigkeitsgrenzen (v, und v,). Da 
jedoch für eine kleinere Füllkugel infolge ihrer geringeren Querdichte 
nach Tabelle VI eine größere untere Grenzgeschwindigkeit gilt, wie för 
die größere Füllkugel, so wird für den gleichen Wirkungs- 
bereich die obere Geschwindigkeitsgrenze höher liegen müssen. 

Das Shrapnel M. 91 hat an der Grenze seines Wirkungsbereiches 
(4.500 Schritt = 3.375m) eine Geschwindigkeit von rund 230m. 

Angenommen, der mittlere Geschwindigkeitszuwachs, welchen die 
Füllkugeln infolge der Kammerladung erfahren, beträgt 50m (thatsäch- 
lich soll er zwischen 40m und 80m betragen, wird jedoch naturgemäß 
nicht gleichmäßig auf alle Füllkugeln übertragen), so wird zur Berech- 
nung des Wirkungsbereiches der Füllkugeln die Anfangsgeschwindigkeit 
mit 280m und die Endgeschwindigkeit mit 85m (obere und untere 
Geschwindigkeitsgrenze) zu setzen sein. 

Nach dem quadratischen Luftwiderstandsgesetze ') ist der Weg a:, 
auf welchem die Geschwindigkeit der Kugel um ein geringes Maß A v 
{^v = i\ — v,) abnimmt, bestimmt durch die Formel: 

P, 2.Av ^ 

x = -Y ; »> 

r. . t'm 



*) Siehe R. v. Wuicb, „Lehrbuch der äußeren Ballistik", 1. Lieferung. 
Wien, 1882. Seidel & Sohn. 



Zar Frage des zukOnftigen Feldgeschfittea. 



147 













T ab e 


iie vn. 










l^mm Hartbleikugel 

Gewicht 11^ 
Ps = S'29g pro cm^ 


8'43ffim Hartblei- 
kugel 
Gewicht 3^ 
Ps — 5 375^ pro em^ 


ll-06mm Weichblei. 

kugel 

Gewicht Sg 

P, = 83% pro em^ 


8 46mm Wolfram- 
kugel 
Gewicht 5^ 
Ps = 8-90^ pro cm« 


9i 


1 i 
r« 1 X 


^i 




X 


^t 


1 

Vm X 
(m) (m) 

• 


«?i 


(m) (m) 1 


«t 


^i 


^t 


»t 








350 


340 


4-860 




1 










330 












330 


320 


5-675 










1 






310 


1 
i 


280 


270 


13-242 


310 


300 


6-696 


310 


300 


10 377 








260 


290 


290 




260 


250 


15-465 


290 


280 


7-926 


290 


280 


12-283 






240 


270 


270 




240 


230 


17-760 


270 


260 


9-276 


270 


260 


14-375 


240 


230 
210 
190 
170 
150 
130 
HO 
90 


19-067 


220 


250 


250 


220 


220 


210 


20 HO 


250 


240 


10-747 


250 


240 


16-656 


220 


21-590 


200 


230 


230 


200 


200 


190 


22-680 


230 


2-20 


12-258 


230 


220 


18-996 


200 


24-350 


180 


210 


210 


180 


180 


170 


25-671 


210 


200 


13-829 


210 
190 


200 


21-482 


180 


27-560 


160 


190 


160 


160 


150 


29-280 


190 


180 


15-645 


190 


180 


24-246 


160 


31-434 


140 


170 


170 


140 


140 


130 


33-921 


170 


160 


17-770 


170 


160 


27-639 


140 


36 417 


120 


150 


150 


120 


120 


110 


40 153 


150 


140 
120 


20 373 


150 


140 


31-574 


120 


43-142 


100 


130 


130 
130 


100 


100 


95 


23-265 


130 


23-883 


120 


37-014 


100 


51-529 


90 


110 


HO 


80 


90 


87-5 

1 


12-630 


110 


107 5 


8-051 


HO 


100 ; 44 417 






85 


105 


90 














90 


87-5 12-690 


1 




85 


1 

1 
1 




8oinine..l254'177| 


Summe. . 


156-989 


Summe.. !271 -4491 


Summe.. ;-255-089| 


Mtayrrd 
tecNii 


ratgei 

Mm 

lüfktU 


40516 




1 
1 


1 • 6862 




1 

1 

1 


*^-9466 




1 


1 • 6313 



148 Weigner. 

In derselben bedeutet : P» die Querdichte, S die Luftdichte (für Wien 
und mittlere atmosphärische Verhältnisse ist S = l*208Ä-^\ r« den Luft- 
widerstands-CoSfficienten (nach Bashforth's Versuchen der Tabelle IV 

des unten angef&hrten Werkes entnommen) und v^ = ' — - die 

mittlere Geschwindigkeit des Geschosses auf der in Betracht ge- 
zogenen kleinen Wegstrecke Av. 

Die vorstehende Tabelle VII enthält die Bechnungsresultate nach 
Formel d) fQr die ISmm Hartbleikugel von 11^ Gewicht und f&r die 
Geschwindigkeitsgrenzen 280m und 859n. Sie enthält auch die nothwendigen 
Daten f&r anders belastete kleinere Kugeln, um die gewünschten Schluss* 
folgerungen bezüglich der Geschwindigkeitsgrenzen ziehen zu können *). 

Man ersieht aus dieser Tabelle, dass, während die Vergrößerung 
des Wirkungsbereiches der 11^ schweren Hartbleikugel für einen Ge- 
schwindigkeitszuwachs von 20m noch über 10m beträgt, diese bei der 
nur 3^ schweren Kugel schon so unbedeutend ist, dass eine Steigerung 
der Geschwindigkeit über 350m schon fast wirkungslos bleibt 

Man ersieht auch das durch das verschiedene Gewicht bei ver- 
schiedener Größe bedingte verschiedene Arbeitsvermögen für gleiche 
Durchschlagsleistung. 

Dagegen zeigt sich die große Überlegenheit der — leider nodi 
nicht praktisch verwerteten — von General Wille vorgeschlagenen 
Wolframkugeln in so augenfälliger Weise, dass es nur zu wünschen 
wäre, wenn dieselben zur Erhöhung der Artilleriewirkung recht bald 
in Gebrauch genommen werden könnten. 

Aber selbst wenn wir aus naheliegenden Gründen vorläufig davon 
absehen, zeigt auch die 8^ schwere Weichbleikugel denselben Wirkung«- 



*) Vom rein mechanischen Standpunkte ans sollte die Formel c) ganz allge- 
meine Gilti^keit hahen, mithin auch das DnrchschlagsvermOgen durch Luft anadrflcken, 
da kein Gmnd vorliegt, weshalb dieses die Arbeitsleistang zweier verschiedener 
Engeln nnter denselben Verhältnissen ausdruckende Gesetz für die Lnft eine Aus- 
nahme machen sollte. Za dieser Annahme berechtigt anch die Unzulänglichkeit der 
Bashforth^schen Luftwiderstands versuche. L&sst man dieses Gesetz allgemein gelten» 
dann resultieren viel günnstigere Verhältnisse ffir die kleineren Fflllkugeln. So würde 
beispielsweise für die 3^ schwere Hartbleikugel eine Geschwindigkeit von 848«» 
genügen, um dieselbe Wirkungstiefe und denselben Durchschlagseffect in geben» 
wie sie der 11^ schweren Hartbleikugel mit 280m Geschwindigkeit zokoinlBt. 

Welche Bedeutung dies für die Fflllkugelzahl hätte, ist einleuchtend; daa 
weiter unten skizzierte 1cm Shrapnel konnte etwa 1.200 FüUkugeln fassen. 

Inwieweit diese Ansicht richtig ist, könnte leicht durch directe Yersnohe 
festgestellt werden, wozu einige Gewehre — für die Bundkugelführung eingerichtet 
— genügen. Anmerkung des Verftusseve. 



Zar Frage des znkfinftigeii Feldgeschfitzes. 14^ 

bereich wie die 11^ schwere Hartbleikugel, da sie ungefähr dieselbe 
Querdichte hat (thatsächlich ist sie noch nnr ein geringes dichter). Die 
für dieses Geschoss in die Tabelle aufgenommene Oeschwindigkeits- 
Steigerung und derselben entsprechende Vergrößerung der Wirkungs- 
tiefe ist aber schon mit Bücksicht auf die erwünschte Verkleinerung 
der Flugzeit (um rascher beobachten zu können) und nicht unwill- 
kommene Vergrößerung der Ertragweite anznstreben, weshalb es der 
Mühe wert ist zu untersuchen, unter welchen Bedingungen sie zu er- 
reichen ist und welche Wirkungssteigerung das Shrapnel rücksichtlich 
der Füllkugelzahl erwarten lässt. 

Da eine wesentliche Steigerung der Endgeschwindigkeit des Shrapnela 
für größere Entfernungen nur durch Erhöhung der Anfangsge- 
gchwindigkeit in Verbindung mit Vergrößerung der 
Querdichte möglich ist, eine Vergrößerung der Ertragweite selbst 
in dem Falle sehr willkommen sein muss, wenn man dieselbe nicht 
vollständig ausnützt, weil in diesem Falle auf kleinere Entfernungen 
die Wirkungstiefe zunimmt, so wähle ich als Ausgangspunkt das schon 
in Tabelle V bezüglich FfiUkugelwirkung behandelte 7cm Project-Shrapnel 
mit 6*8164Ä:^ Gewicht und 177^ Querdichte. 

Unter der gewiss zulässigen Annahme, dass 507^ des Geschoss- 
gewichtes auf die Füllkugeln entfallen *), resultieren für dasselbe 426 Stück 
8g schwere Weichbleikugeln. 

Nach Formel 2 resultiert: 

log « = 3 1959278 

log ^ = 2-2062278 
(nnter der Annahme einer lOmm Communicationsröhre). 

Für Formel 6) und die Grenzen d = 0*6 bis d =» 0-7dw resultiert : 

log « = 31586474; 
^ = 68-25. 

Für den Factor y des Geschossgewichtes erhält man unter der 
Annahme des Zünders M. 91. 

log Y = 1-2696219. 

Mit diesen Factoren und unter der Annahme von l.OOOA*^ Gesammt- 
Mnniiionagewicht erhält man die in Tabelle Till zusammengestellten 
Daten, in welcher auch noch vergleichshalber die analogen des Shrapnela 
IL 91 mid des deutschen Feldshrapnels C. 91 aufgenommen wurden. 



*) Das denttche Feldshrapnel C. 91 zeigt nahezu dasselbe Verh&ltDis, selbst 
Vii dem großen Zflndergewicht vou 07%, xmd wfirde noch gOnstiger sein, bei An- 
der gleich großen aber bedeutend schwereren Weich bleikageln. 



150 



W e i g n e r. 



Tabelle VUI. 



System 



n 



absolat 



in Pro- 
centen 

TOD 

i (» -f ar) 



d 

(dm) 



G 



« -f- * 



^pro 



em' 



II 



Project 



28-31 



19 30 



0-70 6-8154 



33-31 



46-62 



20 94 



24-76 



0-64 



0-68 6-2839159-14 



6-3111 



146-73 



118 42 



426 



177-1 



188-28 



125-83 



141 - 66 



384-8 



173*0 48. 



309-5 



1651 



50.441 



43.82 



30-77 



ShrapDel M. 91 



2000 



38-46 



87 



25-00 



123-08 



18.7( 



6-500 



153-85 



152*0109*2 



115-39 



17.1 



Deutsches 

Felds brapoel 

C. 91 



28-48 



35-60 



20-00 



113-93 



31. 



0-88 7-022 



142-41 



280-0115-5 



2500 



106-81 



29. 



Daraus ersieht man einerseits di6 große Überlegenheit der Oe- 
sammt-Füllkugelwirkung gegenüber jener der jetzigen Shrapnels, anderseits 
die Forderung nach weiterer Caliberverminderung, da schon unter der 
Annahme von 20V. an für die Wirkung verloren gehenden Geschossen 
ein Caliber von nicht ganz 7c9n, und bei Annahme von 25Vo ein Caliber 
von weniger als &bcm dem Maximum der Wirkung entspricht 

Da jedoch die Gesammtwirkung nicht wesentlich differiert, solange 
das Caliber zwischen 0-64 und 0'68dm (und selbst 0'70dm) schwankt, 
so kann bei der Wahl desselben die Bücksicht auf die wünschenswerte 
Gesammtschusszahl volle Würdigung finden. 

Für die weitere Untersuchung bezüglich der nothwendigen Anfangs- 
geschwindigkeit, um die geforderte Endgeschwindigkeit bei thonlichst 
vergrößerter Ertragweite zu erhalten, wähle ich das kleinste Geschoss 
(6-4(^/1 mit 5-31 IIA-^ Gewicht) mit rund \65g Querdichte, weil dieses 
Geschoss — bei vollkommen ausreichender, die heutige Shrapnelwirkting 
übersteigender Wirkung — die günstigsten Verhältnisse für die Bohr- 
und Lafettenconstruction gibt. 



Zur Frage des zuk&nftigen Feldgeschützes. 

Nachstehend die wesentlichBten ballbtischen Daten ') : 
Tabelle IX. 



(n) 


ll 


:. 


ÄbyangB- 
Winkel •? 


EinfuU- 
wiukel fl 


ifi 
1 


Il 


1 


11 

1 


III 


550 


1.000 


0466 


0"-46'-10" 


0°-55'-lÜ" 


514-9 


1 736 


16"- 12' 


2-5 


18'-7' 


i.Odi) 


n-937 


l"-5r-54" 


3»_32'_40" 


406-8 


3 932 


iO"-0' 


5 9 


ar-7' 


3.0(X) 


1-398 


30-22' -52" 


Ö'-Sff-IB" 


323-6 


e-70ß 


«»-16' 


10- 


23"- 15' 


4.000 


1-874 


f,o-3a'_0" 


in"-7'-46'' 


267-6 


10-a43 «»—22' 


US 




ri.ooo 


a-345 


8'- 42— 20" 


17"- 59- -26" 


209 ■ 1 


14-798 


34" -30' 


20-7 





H&n ersieht daraus, dass unter den gemachten Voran s- 
aetzungeu die Endgeschwindigkeit und mithin der Wirkungsbereich 
des &icm Sbrapnels auf 4.&00m (6.000 Schritte) taut Rechnung noch 
etwas größer sein soll, als jene des Shrapneia M. 91 auf 3.375m 
(4.500 Schritte)'). 



') Dies« Daten warden, bei Zugnindelegang des qattdiatiBchen Laftwidei- 
«tuidgeietiCB unter Anweodniig nachstehender Formeln gerechnet: 



^ = Pi ■ *» • 
Näheres siehe lt. v. Waich: .Lehrbuch der äußeren Ballistik", 1. tmd 
t. LieferoDg. 

*) Das deutsche Feldsbrapnel C. 91 bat trotz der größeren Querdicbte eine 
«tw»s geringere Wirkungstiefe als das Shrapnel M. 91, da es infulge seiner Cod- 
rtncUon (ROhren-Shrspnel) den FQlIkngeln im Biplos iansp unkte keinen Gescbwin- 
iigkeitcxa wache nach vorne ertheilt. Äum. des Verfassers. 



152 W^iemer. 

^^aehdesL ieaffen FoIDnigeliahl >309'v etwas mehr als doppelt s 
inil :£C T:e ;entt ier 5impael5 M.91, so steht wohl dessen ballistisch 
T^ßoi&aaubiiL xniler ZweifeL 

WiiLts^ man seh mit der Ertragweite and Wirkuigstiefe d€ 

jiuuH r -tt <3t»3cätf aes ««»gndgeiu dann genügt eine Anfangsgeschwindigkei 

VIA rmiL 37)|m md aian hac immer noch die doppelte Föllkugelwirkunj 

DusI^ '9*;sdiiHdeiie •Geschwindigkeit wurde wohl selbst mit de 

!hiäai '^vsTÖcäm ron ifS5^ per mt' keine besonderen S^hwierigkeite 



WaruxL Jin üi& Wiäcfableikagel vorgezogen habe« hat seinen Grün 
w«I newib« *ias r^Iatir grOüte Gewicht, mithin die größi 
ifBBrnda» iac ^lilt» lihs eine gri^ßere WiderstandsAhigkeit gege 
Uüfläoiacim rswinsdic iein. so braaeht man deshalb nicht aof die 8 
Ibenaa "ffrättt Sir^IiHlegienmg übenngehen. wie sie jetzt gebrtachlic 
ac I3mm Tig»! mr lly schwer, da doch beim Infanterie-Gesehoss 
-m 5' ,ai»r AJBmuDznasacz genagt, am das Weichblei genügend widei 
^GMbi^Shui zu saciiiHi. seibsc wenn dieses 4 Caliber lange Gesehoas m: 
!haLi53iaac>i TsaKäoasen wir*L Unter diesen Verhältnissen wiegt abc 
•HOi^ Ilw.if ^iithI lodi 7-^ and eine solche Tom angenommene 
DTr*inni»ägür Tin II^*Min 79% ist daher rund ebenso schwer wie di 



I>«!m UnwiflrL 'b» «fine kleinere Engel mit ihrer geringere 
MlftSäe -Hm» wanzim i^nstige Wirkung als .Geller* verspricht, möchl 
i.ä. iaan^ la •nöriäiHi Tersachen. das< auf eine Gellerwirknng i 
crTtlurtr Ej^<»mmg -ibt^rhaiipc nicht zu rechnen sein dürfte (ob nu 
•eil» KwH L3mmb i«ip»r lur II um» im Durchmesser hat>. auf kleine 
£a':än!in*£»n liwr ier Üb«r>chass an lebendiger Kraft zu dieser Wirkon 
iMi 1^1*1^ iLi^^ia 'i:i reiche ganz abgesehen davon, dass eine kleine: 
EifH. u -^Jiam Hlsd-^rüse kleiner Stein etc.) n«>ch ungehindert voi 
b^üLjOLiL^üi kun. klärend 'iie größere dasselbe schon streift und tg 
i*a»»m Ari«sa--*rm«'«rai «abäiic. 

Xiiärtfsn ia^s iirzzit^rt-* < -km Shrapnel rund 4 Caliber lang sei 
sLisi. 13L ^uhsn^^Zi L-r^ '^«xerüchce von 165<; zu haben und anderseil 
•ti^ MCr^r^Aiiir^ ? l.TiTr^izaJl laniehmen zu klonen, so erübrigt noc 

•t-* 7ivrFi»ä.Tii:r i>*r TC^^ak-^'j^l-Verhiltnisse. 

3ttl«r^«*a«t fir Uta ^Jn-^ak-^^relwiukel ist die Antang^gesAwindigke 
■i*s JiZri^rtJ. Li'U£-w*:ii^ia«iiik»?it oes Shrapnels vermArt am di 
Zairi»!iiä u. :j**!aT~a»ii:ii'?i: mfvU*? «ler Kammerladung*) im Aogei 
V^'tL* :-»r Zr>-y.*i':a i-*-- 'j-^S'-tiosi-?. Für Irtztere ist aber der Drs 



Zar Frage des zakfinftigen Feldgeschützes. 153 

maßgebeud, weshalb derselbe — wenigstens annähernd — bestimmt 
werden muss. 

Hiebei werde ich folgendes Verfahren einhalten. 

Trägt man auf der Abscissenaxe eines rechtwinkeligen Coordinaten- 
Systems die Geschosslänge in Calibern (relative Geschosslänge) auf, und auf 
der Ordinatenaxe die bei entsprechendem Drall resultierenden Um- 
drehungszahlen (in der ersten Secunde), so werden die den verschiedenen 
Oeschosslängen und zugehörigen Umdrehungszahlen coordinierten Punkte 
eine stetige Curve bilden, welche erlaubt, für verschiedene andere 
Geschosslängen die zugehörigen Umdrehungszahlen zu finden. 

Aus den vorliegenden Feldgeschütz-Systemen und den Ejrupp'schen 
6cm Schnellader (mit etwa 3 Caliber langem Geschosse) erhält man 
die für 4 Caliber lange Geschosse erforderliche Umdrehungszahl mit 
rund 400. Eine genaue Ermittlung kann nur durch Versuche stattfinden, 
da die gegenwärtig gebräuchlichen Drallformeln kaum verlässlichere 
Resultate liefern, wie das soeben angedeutete graphische Verfahren. 
Wahrscheinlich wird eine geringere Umdrehungszahl als 400 schon ge- 
oogen, eine größere aber — wie in der Kegel bei Flachbahngeschützen — 
bis zu einer gewissen Grenze eine bessere Schießpräcision ergeben. 

Dieser Umdrehungszahl entspricht bei der angenommenen Anfangs- 
geschwindigkeit eine Drallänge (L) von l*625m (25*4 Caliber). 

Der Kegel Winkel ß ist bestinmit durch die Formel: 

. ß Vo . tang a 
^^«2= K + 50 ' 
worin Vo die Anfangsgeschwindigkeit, F« die Endgeschwindigkeit, a den 
Drallwinkel und 50 den infolge der Eammerladung resultierenden Ge- 
schwindigkeitszuwachs der Füllkugeln bedeutet 

Aus der Drallänge und dem Caliber ergibt sich: 
tanga = ^^; a = 7*» — 3'— 10". 

Unter diesen Verhältnissen errechnet man für die verschiedenen 
Distanzen die in Tabelle IX angegebenen Eegelwinkel. Aus der Gegen- 
überstellung der Kegel Winkel des französischen 90mm obus ä mifraäle 
ersieht man die annähernde Gleichheit derselben. Mit Rücksicht darauf, 
dass letzteres Geschoss nur 237 wirksame Sprengtheile liefert (ein- 
schließlich der Sprengstücke der Hülsen und der eingelagerten Eisen- 
theile) muss die Überlegenheit des 6'4cm Shrapnels mit 309 Füllkugeln 
— in Bezug auf Trefferdichte zugegeben werden. 

Berechnet man beispielsweise die Trefferdichte nach den Angaben 
des Herrn General Eohne für die auf 50m Entfernung vom Spreng- 



164 Weigner. 

punkte durch den Streukegel gelegt gedachte Scbnittebene, so findet 
man auf der Entfernung von 2.000m die Trefferdichte per m* fQr den 
6*4cm mit 0*984 und f&r den französischen 90mm mit 0*877, während 
dieselbe beim deutschen Feldshrapnel (einschließlich SprengstQcke) mit 
1*06 resultiert Der 6*4cm liegt daher in dieser Hinsicht zwischen diesen 
beiden Geschossen und dürfte sich bei Hinzurechnung der Sprengstücke 
der Geschosshülle dem deutschen Shrapnel nähern. 

Nebenbei bemerkt möchte ich der Dichtigkeit der Treffer nicht 
jene Bedeutung beimessen, wie dies Herr General Bohne thut, u. zw. 
aus dem Grunde, weil bei entsprechend großer Breitenausdehnnng des 
Zieles — wie es die heutigen langgestreckten Plänklerlinien und deren 
Unterstützungen (Beserren) bilden — es sehr leicht möglich ist dass 
mit einem Shrapnel mit größerem Streukegelwinkel und geringerer 
Trefferdichte eine größere Trefferwirkung erzielt werden kann, als mit 
einem die gegentheiligen Eigenschaften besitzenden Shrapnel. 

So hat z. B. das österreichisch-ungarische Shrapnel M. 91 mit 
seinen 152 Füllkugeln auf 2.000m (infolge des kleinen Kegel winkels 
?on nur 11* 10' eine Trefferdichte von 2*03, ist daher dem deutschen 
Feldshrapnel C. 91 und dem französischen obus a mitrailU nahezu 
doppelt überlegen. 

Bei sehr kleinen Zielen mag diese Überlegenheit auch beim 
praktischen Schießen ihren Ausdruck finden, bei langgestreckten (in 
die Breite ausgedehnten) Zielen sicherlich nicht 



4. Yerwertang des automatischen Princips. 

Der Schraubenverschluss gilt heute fast allgemein als der für die 
rationellste Ausnützung der Bohrlänge und mithin des Bohrgewichtes 
günstigste Verschluss, weil er — an dem rückwärtigsten Theile des 
Bohres angebracht — kein Material hinter sich hat welches — wie bei 
den verschiedenen Keilverschlüssen — diesen als Widerlager dienen muss. 

Ein vollkommen gasdichter und dabei fester Verschluss wurde bis 
heute als unbedingte Xothwendigkeit (lir Kanonenrohre hingestellt, 
selbst bei den verschiedenen Schnellfeuer-Kanonen mit halb- oder ganz- 
automatischer Functionierung des Verschlusses : bei letzterem wenigstens 
für die Zeit der Qeschossbewegung im Bohre. Eine Öffiiung oder 
Lockerung des Verschlusses während dieser Zeit hätte — bei den gegen- 
wärtig: gebräuchlichen Verschlussystemen — unbedingt eine Katastrophe 
zur Folge, w.»shalb auch die peinlichste Sorgfalt den Liderungen, als noth- 
wendig>t^s Bindeglied zwischen Bohr und Verschluss, zugewendet wurde. 



Zur Frage des zukünftigen FeldgescbfiUes. 155 

Ich will nun den Nachweis TersncheD, dass bei Festhaltang an 
der Bedingung für eine tadellose Liderung die Bedingung der Fixierung 
des Verschlusses fallen gelassen werden kann, ohne damit die Gefahr 
einer Katastrophe herauf zu beschwören, um dadurch noch den Vortheil 
einer einfachen Verschlussconstruction zu gewinnen, welche besonders 
for ein Zukunfts-Schnellfeuer-Geschutz Ton großer Bedeutung sein kann« 

Es dürfte nicht unbekannt sein, dass es bereits automatische Schnell- 
feuerwaflfen für Gewehr- und Bevolverpatronen gibt, wo bei zweck- 
entsprechender Anordnung des Verschlussystems die Patronenhülse das 
einzige Bindeglied zwischen Lauf und Verschluss während der Geschoss- 
bewegung im Laufe bildet *). Die Trägheit des Verschlusses allein, oder 
unterstützt durch eine Federkraft, genügt, um während der äußerst 
kurzen Zeit, welche das Geschoss braucht, um den Lauf zu durcheilen, 
den gasdichten Abschluss des Laufes nach hinten zu bewirken, trotzdem 
der Verschluss während dieser kurzen Zeit unter der Einwirkung der 
Pnlvergase soviel an Geschwindigkeit aufgenommen hat, um nach der- 
selben sich mit Überschuss an Kraft zu öffnen, die leere Patronenhülse 
auszuwerfen, und eventuell noch einige andere Functionen auszuführen. 

Dasselbe Princip in etwas modificierter Form lässt sich bei 
Kanonenrohren anwenden, u. zw. in folgender Weise: 

Hinter dem Patronenlager ist der letzte Theil des Kohres — die 
Länge desselben hängt von der verlangten Leistungsfähigkeit des Rohres^ 
sowie von anderen Umständen ab und wird später ermittelt werden — 
mit demselben, oder etwas größeren Durchmesser wie der Laderaum glatt 
ausgebohrt. In diesen Bohrtheil ragt ein die Liderung tragender Cylinder^ 
welcher sich rückwärts gegen einen mit der Lafette (Oberlafette) federnd 
verbundenen Querträger stützt. Anstatt der Feder kann auch eine andere 
Bremsvorrichtung eingeschaltet werden, welche nur den Zweck hat, den 
Bewegungs widerstand des Cylinders derart zu regeln, dass derselbe beim 
Schusse erst dann das Bohr verlässt, wenn das Geschoss bereits die 
Bohrung verlassen hat. 

Um nebst den Vorgang bei der Berechnung auch noch zu zeigen,, 
dass unter annehmbaren Verhältnissen der Kohrtheil hinter dem Bing- 
lager der gegenwärtig gebräuchlichen Verschlüsse auf die Hälfte im 
Vergleich zu den Bohren mit Schraubenverschluss, und auf ein Drittel 
im Vergleich zu den Bohren mit Keilverschluss gebracht werden kann. 



<) Bmtn MitraiUeuseD (System Seiner kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs 
CarlSalvator nnd des Artillerie-Oberstlieutenants Ritter von Dormus); 8mm 
Eepetierpistole desselben Systems; ferner ein Gewehr, System Ritter von Mann« 
Heber etc. 



166 Weigner. 

will ich die von vielen Seiten als gegenwärtig unerreichbar angesehenen 
Verhältnisse des vom Herrn General Wille vorgeschlagenen Tcifi Ge- 
schützes wählen. 

Gelingt der Nachweis für diese außerordentlich hoch gespannten 
Forderungen, so ist es einleuchtend, dass derselbe auch f&r alle anderen 
niedriger stehenden Forderungen gilt 

Diese Forderungen, soviel sie hier in Betracht kommen, sind: 

Geschossgewicht {G) 6'5A*^, 

Anfangsgeschwindigkeit (7,) 800m, 

Kohrgewicht (R) 400Äy, 

Bohrlänge (L) 2-8m, 

Arbeitslänge (L,) 2-4m*). 

Denkt man sich nun das Bohr geladen und in der früher be- 
sprochenen Weise durch den beschränkt beweglichen cylindrischen Kolben- 
Terschluss nach rückwärts abgeschlossen, so wird durch die Entzündung 
der Ladung einerseits das Geschoss nach vorne, anderseits der Cylinder^ 
verschluss nach rückwärts aus dem Bohre getrieben. Beseichnet man 
^as Gewicht des letzteren (repräsentiert durch sein thatsächliches Gewicht, 
vermehrt um den mittleren Widerstand der Feder- oder hydraulischen 
Bremse^ mit Gr^ so besteht zwischen Geschoss und Verschluss — bei, 
in diesem Falle zulässiger Vernachlässigung des zur Überwindung 
der Zugwiderstände nothwendigen Arbeitsquantums — die Belation 

G C 

— . Fo = — ^ . « oder G 7, = Ö^ . t? 1), 

9 9 

worin g die Beschleunigung der Schwere, v die Geschwindigkeit bedeutet, 

welche der Verschluss in dem Momente angenommen hat, in welchem 

^as Geschoss die Mündung verlässt. Daraus ergibt sich: 

^=ö;-^- *^ 

Die Zeit t. welche das Geschoss braucht, um das Bohr so ver- 
lassen (die Arbeitslänge zu durcheilen), ist annähernd gegeben durch: 

t = ^ 3). 

*i Diesbezüglich macht Wille keine Angaben, doch glaiib6 ich, dass du 
angenommene Mab von 2'4m — bei Anwendung des von ihm empfohlenen Gnison^iehen 
Fallblock'Verschlasse» und Ton Metallpatronen — eher za groC ala in klein sein 
dürfte; ein gr'Cerej Mab gibt aber für die vorliegende rntersachnng nngflnstigere 
Verhihn:>>e. Amn. des Ver£MserB. 



Zur Fnge des xakfinftigeii Feldgetchflties. 157 

Dabei ist angenomiiMii, dass die Geschwindigkeit des Geschosses mf 
dem Wege L^ yon NuU stetig zniiimmt bis F«; es ist dies der ideale, 
in Wirklichkeit noch nie erreichte FklL Da in Wirklichkeit die 6e- 
schwindigkeitnonahme an&ngs sehr rasch, später langsamer erfolgt, so 
wird die ans Formel 3 resultierende Zeit „f^ größer sein, als in Wirk- 
lichkeit Nachdem aber fSr die Sflckwirtsbewegnng des Yerschlnsses 
dieselben Yerhiltnisse gelten, so wird die anf diese Weise ermittelte 
Zeit n^'' für die weiteren Folgerangen vollkommen entsprechen. 

Der Weg t, welchen der Verschlnss in dieser Zeit znrQckgelegt, 
ergibt sich in ganz analoger Weise ans der Formel: 

Unter den gemachten Annahmen resultiert: 

2"4 
t = —- - = 0*006 Seconden. 
400 

Nimmt man das Gewicht des Yerschlnsses sammt Querträger und 
Bremswiderstand mit nur \bOkg sd, so ergibt sich: 

6'5 
ü =^ -— - . 800 = 34-66 und 
150 

s = 17-33 . 0006 = 0-104m. 

Der Yerschluss ist daher, selbst unter der gewiss niedrig gestellten 
Forderung von Dur 150% Gesammtwiderstand genügend gesichert, wenn 
der Cylinder desselben nur 12 bis 15cm in das Bohr reicht 

Bei der praktischen Ausfuhrung dieses Yerschlussystems wird 
natürlich dafür gesorgt werden müssen, dass die Auslösung der Brems- 
Torrichtong nach etwa 11cm Bücklauf des Yerschlnsses erfolgt und 
letzterer mit dem ihm innewohnenden Arbeitsvermögen soweit zurück- 
hielten kann, bis der zum neuerlichen Laden nothwendige Manipulations- 
räum geschaffen ist Dies bedingt scheinbar eine Complication der sonst 
einfachen Yorrichtung, dürfte jedoch hinlänglich aufgewogen werden 
durch den Fortfall der gegenwärtig gebräuchlichen, auch nicht einfachen 
Verschlussconstruction, ganz abgesehen davon, dass ein beträchtlicher 
Theil der den Rücklauf des Geschützes bewirkenden Kraft auf diese 
Weise gleich im Entstehen unschädlich gemacht wird, mithin sich die 
Yerhältnisse für die Bremsung des Rücklaufes wesentlich günstiger 

gestalten. 

Auch darf nicht übersehen werden, dass durch den Umstand der 

Mckwärtsbewegung des Verschlusses der Yerbrennungsraum gröljer wird. 

ras auf die maximale Gasspannung und die Verlegung des Punktes 

12 



158 Weigner. 

deitelbea in Bexag auf die vordere Yerschlussfl&che von günstigem 
EiBflnsse sein mnss. 

In dem Fille, als die Einheits-Metallpatrone zur Anwendung ge- 
langt« entftllt auch die Anbringung der Liderung am Yerschlusakopfe ; 
dagegen musa Vorsorge getroffen werden f&r das gesicherte Auswerfen 
der Hftb«. was mittels zweier federnder Erallen geschehen könnte, welche 
diametral in der Mantelfläche des Cylinders angeordnet gedacht sind, 
diese aber nicht überragen. Durch Anordnung eines vorstehenden 
Raades im Paironenboden concentrisch zu dessen rückwärtiger Begrenzung 
würden die Angriffspunkte für die Patronenzieherkrallen geschaffen sein. 
Ib die$^m Falle müsste — wie es auch bei anderen Verschlüssen fär 
die Sehnellfeuer-Kanonen geschieht — auch die Abfeuerungs- Vorrichtung 
im VerscUusscvIinder liegen. 

SelbssversUndlich dürfte die Patronenhülse keinen über ihre Mantel- 
fiäcbe Ti>rsteheBden Band haben. Auch dürite sie nicht übermäßig ge- 
schweift «osdem — wie General Wille es vorschlägt — nur schwach 
doasck swi. um nicht während ihres Zurückweichens beim Schusse zu 
rexbea. I>» Tv>rstehende Band der Patronenhülse, welcher das EinftUiren 
defs^ihe« 13 den Laderaum begrenzt, kann aus dem Grunde entbehrt 
wecdeiL. we£ ein Absatz des Verschlusscvlinders. welcher sich g^en die 
rackwlräz« Bohrääche stützt diese Begrenzung besorgen kann. 

Ke V^ffthefle der soeben skizzierten Verschlusseinrichtung kommen 
iiiftT T-rnriefrea«! beim Bohrbau zum Ausdrucke, da: 

1. ^13 licht unbeträchtliches Stück des rückwärtigen, schwersten 
TVrLc» des Bohres — ohne Einbuße an Arbeitslänge desselben — fort- 



Z. d:«* maximale Gasspannung unter denselben Voraussetzungen 
w:-* V«2L f*=^i Verschluss geringer ausfällt: 

3L ^. V»»'?2ders bei Mantel- und Bingconstructionen, beach- 
lessw'iT:^ .Li^eüzug* Inanspruchnahme des Bohmateriales in axialer 



*•. 



I^rä aici in anderer Hinsicht gewährt dieses Versehluaaprineip 

>*: iri cr^ezTirtig allgemein üblichen eintheiligen Feldlafetten 
:>: t-i ljiw*ziz:iz dr>5rlben wohl nicht gut thnnlioh. doch sobald irgend 
w-fl.'i^ Ei':t?::i:::ihn:r die Theiluug derselben in Ober- und unter- 
\x5i':zi : rirr- iiii e^ billict-rweise Berüoksiohtigung finden. Und diese 
y.rirrLT^ ilrr.r rlr i'.e Zukmirt nioht nur wegen der Xotliwendigkeit 
r*r zi\:_::i?:r": E:i>:br:-ikung des KüoklautVs gestellt werden, sondern 
ix».'i f^^:i"'. ▼-*:*. iir iLrsrv.iwärf.s: gebrüuohliohen und sehr rohen 



Zar Frage des znkflnftig^n Feldgeschützes. 159 

Mittel znr BewerksteUigung der Seitenrichtong für ein Schnellfeaer- 
Oeschütz unhaltbar geworden sind. 

Bezüglich der Bremsung des Bücklaufes ist es rücksichtlich der 
Ausnhnmg offenbar gleichgiltig, ob man die Mittel hiezu unmittelbar 
hinter dem Verschlusse oder anderswo einschaltet; zweifellos ist — 
abgesehen von der früher erwähnten sanften Übertragung des Bück- 
stoßes bei Anwendung des in Rede stehenden Yerschlussprincips ^— der 
Ort hinter dem Verschlusse ungleich günstiger als jener am Protz- 
stocke, welcher Ort selbst bei Neu-Constructionen gewählt wurde. 

Die weitere Ausnützung dieses Verschlussprincips zum selbst- 
thätigen Laden und Feuern ist naheliegend, da die Arbeit, welche dem 
Verschlusse während seiner Rückbewegung innewohnt, in zweckmäßiger 
Weise aufgespeichert und beim Laden verwertet werden kann, obwohl 
gerade beim Feldgeschütz das Zutragen und Einfahren der Patrone 
(Geschoss, Ladung, Zündmittel) wohl auch in Hinkunft durch Menschen- 
krftfte besorgt werden dürfte, während höchstens das Abfeuern in 
gewissen Gefechtsmomenten automatisch (gleichzeitig mit dem Schließen 
des Verschlusses) bewirkt werden wird. Es wird daher die erwähnte 
Arbeit meist nur zum Spannen der AbfeueruDgs- Vorrichtung und zum 
Schließen des Verschlusses benützt werden*). 

5. Schlussfolgerungen. 

1. Unter Annahme des Shrapnels als Hauptgeschoss der Feld- 
Artillerie und dessen vornehmlicher Füllkugelwirkung entspricht bei 
Zugrundelegung einer gegebenen Constructionstype für ein bestimmtes 
Gesammt-Geschossgewicht und einer bestimmten Anzahl, für die Wirkung 
verloren gehender Geschosse, nur ein ganz bestimmtes Caliber, 
welchem die größte Wirkung an Füllkugelzahl zukommt. 

2. Insoferne man die als verloren angesehene Zahl von Geschossen 
in Procenten zur Gesammtzahl der nach dem Gesammt-Geschossgewichte 
resultierenden Geschosse ausdrückt, ist dieses Caliber unabhängig von 
letzterem und nur durch die einzelnen Constructionsfactoren des ge- 
gebenen Geschosstypus bedingt. 

3. Die Gesammt-Füllkugelwirkung wird durch Wahl eines anderen, 
vom Caliber größter Wirkung nicht bedeutend abweichenden Calibers 
nicht wesentlich beeinträchtigt, was umso bemerkenswerter ist^ als 

, dadurch ein Spielraum gegeben ist, welchen der Coustructeur zur Be- 

') Bei Geschützen für Befestigungsanlagen und Schiffe kann die erwähnte 
AofnützQDg in Tollstem Maße platzgreifen. Anm. des Verfassers. 

12* 



160 W eigner. Zur Frage de« rakfinftigen Feldgeeehfltzes. 

rttcksichtigung anderer Yerh&ltnisfle (wie Gesammtschnsszahl etc.) aus- 
nützen kann. 

4. Der vorerwähnte Spielraum ist umso kleiner, je kleiner das 
wirksamste Caliber ist, und dieses ist wiederum umso kleiner, je größer 
der Factor ot (der Füllkugelzahl), d. h. je günstiger das Geschoss be- 
züglich Füllkugelwirkung construiert ist 

5. Bei Annahme eines bestimmten Munitionsquantums entspricht 
nur e i n Caliber am besten, daher die Frage : ob Einheitsgeschütz oder 
nicht, unter der soeben gemachten Yoraussetiung endgiltig als erledigt 
betrachtet werden kann. 

6. Einer Füllkugel von nur 8^ Gewicht bei rund ilmm Durch- 
messer kommt unter denselben Geschwindigkeits-Yerh&ltnissen derselbe 
Wirkungsbereich zu, wie der 11g schweren 13mm EugeL 

7. Durch Annahme der 8g schweren Füllkugel Iftsst sich die Ge- 
sammtwirkung des Shrapnels wesentlich steigern. 

Bei gleichzeitiger Annahme der vier Caliber langen Geschosse in 
Verbindung mit größerer Anfangsgeschwindigkeit kann sowohl die 
Wirkungstiefe, wie auch die Ertragweite des Shrapnelschusses ganz 
beträchtlich gesteigert werden. 

8. In Verbindung mit dem skizzierten Verschlussystem ist es wahr- 
scheinlich, dass trotz bedeutend gesteigerter Wirkungsf&higkeit des ganzen 
Geschützsystems dasselbe nicht unwesentlich erleichtert werden kann *). 



*) Diese Folgerung werde ich zu einem späteren Zeitpunkte rechmmgsm&ßtg 
za begründen suchen. Anin. des Verfassers. 



Druckfehler Im 2. Hefte: 

Auf Seite 76 soll Gleichung 1) lauten: (? = y . d' 
„ „ 79 soll Gleichung 5) lauten : a = a d' — ji 
„ „ 88 soll es in Zeile 17 von oben heißen: 063 oder 0'68dm 



161 



Die Schießvorschrift der itaHenfschen Feetungs - Artillerie 0. 

Aoszngsweise behandelt 

von 

J'osepli. IPaxi.gli.er, 

k. und k. Hauptmann im 4. J^tungt-ÄriilUrie-Regimente. 

(Mit den Tafeln 6, 7, 8.) 

Die Schießvorschrift der italienischen Festnngs-Artillerie ist dem 
Inhalte nach ähnlich angeordnet, wie die Schieß-Instmction der ita- 
lienischen Feld- Artillerie, welche auszugsweise im 3. Hefte 1894 der 
„ Mittheilungen ^ besprochen wurde. 

Im nachfolgenden soll in gleicher Weise das Wissenswerteste aus 
der Schießvorschrift der Festnngs-Artillerie bruchstückweise wieder- 
gegeben werden. 

Messen der Entfernungen beim vorbereiteten Schießen 

(nel Uro preparato). 

Beim vorbereiteten Schießen erfolgt das Messen der Entfernungen 
gewöhnlich mit Hilfe der hiezu vorbereiteten Distanzpläne, welche, in 
Quadrate getheilt, das zu beschießende Ziel leicht feststellen lassen; 
hiezu gehören noch die entsprechenden Distanztabellen. Obwohl beide 
Behelfe reservat behandelt werden, dürfte ihre Anordnung den in den 
y,Mittheilungen^ beschriebenen französischen und deutschen Schussbehelfen 
ähnlich sein. 

Die Ortsbestimmung des Zieles geschieht auch mit Hilfe von 
Winkelmess-Instrumenten, welche den Winkel, den die vom Beobachtungs- 
stand gegen das Ziel gedachte Linie mit einer gegebenen Basis ein- 
schließt, messen. Werden gleichzeitig zwei solche Instrumente auf der 
gegebenen festen Basis nach dem Ziele eingerichtet und die beiden 
Winkel auf den Distanzplan übertragen, so erhält man im Schnittpunkt 
auf dem Distanzplane die Lage des Zieles. In Gebirgsgegenden genügt 
ein Winkelmesser, mit welchem nur der Terrainwinkel des Zieles ge- 
messen wird. 



') Ittruzione sul Uro delU artiglierie d'assedio. Voyhern, Roma 1894. 



162 Pangher. 

Ist die Lage des Zieles auf dem Plane festgestellt, so wird die 
wirkliche Entfernnng desselben von der Batterie (Fenerstellang) nach 
einer reserraten Instruction noch genauestens bestimmt 

Für kleinere Entfernungen stehen ein&che Winkelmess-Instrumente 
am Holz, Ar das verbereitefe Schießen jedoch solche mit Ferttrohren 
in Verwendung. 

Jene Compagnien, welche in festen Plätzen liegen, werden in der 
Handhabung dieser Instrumente ausgebildet, zu welchem Zwecke schon 
im Frieden entsprechende Distanzplfine ausgegeben werden. 

Beim Messen der Entfernungen gegen Ziele in Bewegung ist es 
nothwendig, die Beobachtungsstände unter sich, wie auch mit dem Feuer- 
leitenden oder mit den Batterien, in telephonische Verbindung zu stellen ; 
sonst bedient man sich der Flaggensignale. 

Normalrichtung bei Kanonen und Haubitzen. 

Ist das Ziel sichtbar, so wird nach demselben die directe Richtung 
ansgefährt 

Bei nicht sichtbarem Ziele zerfällt die Richtung in: 

a) die Feststellung der Richtungsebene und die Bestimmung des 
Terrainwinkels ; 

b) das Ertheilen der Höhenrichtung und der Seitenverschiebung. 

ad a) x) entweder Pikete-Ausstecken indem man so lange zurück- 
tritt, bis Ziel und Bettung gleichzeitig gesehen werden können; mittels 
Senkel einen Punkt der Bettung und das Ziel einspielen lassen und in 
dieser Ebene in der bekannten Weise zwei Pikete ausstecken; 

^) oder, wenn diese Methode unzulässig ist, durch wechselseitiges 
Einrichten, i Tafel 6, Fig. 1.) Hiezu begeben sich zwei Soldaten, mit 
Aussteckstangen versehen, in die Punkte A und B und richten sich in 
bekannter Art derart ein, bis sie in die Linie P Ä^ D^ S gelangen; in 
A^ xaAB^ werden die Stangen eingesteckt; P A^ B^ ist die Richtungs- 
ebene. 

v) Lässt sich das Hindernis nicht besteigen, ist dasselbe steil oder 
zu schmal, so wird die Richtungsebene (Fig. 2) wie folgt bestimmt: Zuerst 
Hilfsrichtung Q «S (frei außerhalb des Hindernisses nach dem Ziele S), 
sodann eine zweite Richtung P R parallel zu Q S und durch die Bettung 
gehend. Aufstellung einer Aussteckstange in T, wodurch PS aus der 

Relation C T = — d sich ergibt. 



Die SchießTorschrift der italienischen Festnngs- Artillerie. ]53 

$) um gleichzeitig ffir mehrere Oeschütte einer Batterie die 
Richtangsebenen auszustecken, verfährt man (Fig. 3) wie folgt: In der 
Richtung der Feuerlinie der Geschütze wird eine Stange P in einer 
Stellung eingesteckt, von welcher das Ziel eingesehen wird. Von den 
Visierkomen M und M^ der äußersten QeschQtze der Batterie von 
rechts nach links gehend, misst man hinter und senkrecht der Batterie 
zwei Längen Mm und M^ m,, gleich der Distanz l, auf welcher die 
Hilfszielpunkte aufgestellt werden sollen. Man stellt dann eine Stange 
im Zusammenstoß der Linie m, m mit der Linie P 8 (freie Richtung 
nach dem Ziele), also in p auf, misst die Intervalle t zwischen den Ge- 
schützen, betrachtet P auch als Geschütz, so werden durch Vermehrung 

der Intervalle um das Maß —^ (D = Entfernung des Zieles von der 

Batterie) die Punkte /, /,, /„ f^ erhalten, in welchen die Hilfszielpunkte 
der Geschütze M^ 3/,, J/,, M^ aufzusteUen kommen. 

Die Intervalle der Geschütze sind je zwischen den rechten Visier- 
körnen, jene der Hilfszielpunkte zwischen Mitte und Mitte zu messen. 

Bestimmung des Terrainwinkels (Fig. 4). 

Der Terrainwinkel wird aus einer topographischen Karte mit 
Horizontalschichten entnommen oder mit Hilfe eines Winkelinstrumentes 
gemessen. Man unterscheidet einen Terrainwinkel der Deckung mit Bezug 
aufs Ziel = x und einen solchen ß der Deckung mit Bezug auf die 
Batterie. 

Man misst mit dem Instrumente den Positionswinkel a des Zieles 
mit Bezug auf die Crete der Deckung; mit dem Geschütze den Lage- 
winkel ^ der Crete der Deckung mit Bezug auf die Batterie. 

Sind a und b die entsprechenden Entfernungen der Deckung vom 
Ziele, bezw. von der Batterie, so ist 

a tng a + 6 tng fi 

^^ ^ ~ a-\-b 

Kennt man die horizontale Entfernung D des Zieles von der 
Batterie, sowie dessen Höhe h über den Mündungshorizont, so hat man 

für kleine Winkel: 

h 
t = 59 jj ^). 



*) Es ist tng c = ^ und nachdem tng \^ = 017, so i:>t für kleine Werte 

h h 

Ton E® : 017 &" = jj daraus £ = 59 ^ • 



164 Pangher. 

Ertheilen der Seitenrichtung. 

In der Bichtungsebene zwei Pikete ausstecken: das eine in einer 
vom Visierkorn doppelt so großen Distanz als das andere und anf 
mindestens 20m entfernt; nnn mit beliebiger Aufsatzhöhe, aber mit der 
entsprechenden Seitenverschiebnng f&r die Entfemimg des Zieles, die 
Visierlinie auf das entferntere Piket einrichten; femer, ohne das Ge- 
schütz zu rücken, den Querarm so verschieben, dass die Yisierlinie durch 
das nähere Piket geht; endlich den Protzstock so verschieben, dass die 
Visierlinie durch das weitere Piket geht (Sind A nnd B (Fig. 6) die 
beiden Pikete, M das Visierkorn, so ist das Dreieck MAB gleich- 
schenklig, weil A B = A M; daher der ^ in JB = ^ in M. Wenn 
daher die verschobene Visierlinie gegen B gerichtet ist, so würde ihre 
Verlängening nicht das Ziel treffen, weil jene mit der richtigen Bichtung 
einen gleichen Winkel ABM einschließt; man mnss daher, nm die 
richtige Richtung zu erhalten, das Geschütz horizontal um den 
Winkel AMB drehen; man erhält eine Visierlinie, die durch A geht, 
und, diese mit dem Geschütze verschiebend, geht von MA nach MB.) 

Wenn der Querarm des Aufsatzes eine nicht genügende Seiten- 
verschiebung zulässt, um die Visierlinie vom vorderen Piket auf das 
rückwärtige zu übertragen, so ist das ganze Geschütz nach rechts oder 
links zu verstellen, um die Entfernung des Visierkornes von der Bich- 
tungsebene, die die Axe durchschneidet, entsprechend zu verkleinem. 

Die Pikete können in der Bichtungsebene sowohl vor als hinter 
dem Geschütze, aber immer in den angegebenen Distanzen vom Visier- 
korn, aufgestellt werden. Stehen dieselben hinter dem Geschütze, so 
kann die Bichtung auch dadurch ausgeführt werden, dass man verkehrt 
richtet, d. h. man richtet mit dem Visierkorn gegen den Einschnitt des 
Querarmes in der Bichtungsebene nach rückwärts '). 

Ertheilen des Erhöhungs winkeis. 

Mittels Quadranten aus der algebraischen Summe des Elevations- 
und des Terrainwinkels. 



*) Bei Geschützen hinter ansteigenden Scharten sind obige Methoden aas 
mehreren Ursachen nicht ausführbar. Es fehlt an Platz zam Aufstellen der Pikete, 
die Deckung für Haubitzen zum Beispiel ist zu hoch u. s. w. Für solche F&Ue wird 
folgender Vorgang empfohlen: 

Ein Mann A mit einem entsprechend langen Stabe versehen, besteigt die 
Brustwehr. Am Stabe sind an einem Punkte ein Senkelfaden, überdiss ein zweiter 
Faden von solcher Länge befestigt, dass letzterer mit dem Geschütze verbanden 
werden kann. Das Ende dies'is Fadens wird im Einschnitte des entsprechend gestellten 



Die Scbießyorschrift der italienischen Festangs-Artillerie. 165 

Bichten nach dem ersten Schusse. 

Ob das Ziel sichtbar oder nicht, wird die Bichtung nach dem 
ersten Schasse grundsätzlich indirect, d. h. gegen einen Hilfs- 
zielpunkt ausgef&hrt, welcher derart aufzustellen ist, dass mit Bezug 
auf seine gute Sichtbarkeit, als auch in Bezug auf die Sicherheit seiner 
Aufstellung die günstigsten Verhältnisse geschaffen werden. 

Diese indirecte Bichtmethode wird allgemein mit dem Apparate 
Ton H. S i a c c i flir Kanonen und Haubitzen ausgeführt. Derselbe besteht 
aus folgenden Theilen: 

d) Bodenstück- Aufsatz a (Fig. 6), ähnlich einem gewöhnlichen 
Aufsatz, an dessen Querarm aber ein Ünterstützungs-Dreieck fQr das 
Mikrometer d befestigt ist. 

l) Schildzapfen-Aufsatz b (Fig. 7), der sich vom gewöhnlichen 
Aufsatz durch Entfall des Visiereinschnittes im Querarm unterscheidet, 
an dessen Stelle ein kleines Sehloch tritt. 

c) Aufsatzhülse (Fig. 8) für den Schildzapfen-Aufsatz, die am 
rechten Schildzapfen angeschraubt wird. 

d) Mikrometer (Fig. 6), d. i. ein jQaches Stahllineal, das an einem 
Ende mit einem Fadenkreuz versehen ist, am anderen Ende mehrere 
Einschnitte zur Befestigung am Ünterstützungs-Dreieck besitzt. 

6) Hilfszielpunkt (Fig. 9) (faho 9copo), eine eisenblecheme Tafel mit 
einer Stütze und zwei Spitzen, die aus drei mittels Charniere zusammen- 
legbaren Theilen besteht. Der mittlere Theil erhält zwei Kreise, deren 
Zwischenraum schwarz ausgefüllt ist. 

/) Messingenes Weiserlineal (Fig. 10), ein Stab von fünfeckigem 
Querschnitt, dessen fünf Seiten Eintheilungen von je 17, 20, 25, 30 
bezw. 40mm haben; auf dem Weiserlineal läuft ein Schuber, welcher 
mit einem Ansatz und einem Ausschnitt versehen ist. 

g) Laterne zur Beleuchtung des Hilfszielpunktes während der Nacht. 

h) Schraubenschlüssel für die Schrauben der Aufsatzhülse. 



Querarmes festgemacht und straff gespannt; nun wird dem Geschütze eine derartige 
H6hen- und Seitenrichtung ertheilt, dass der straffgespannte Faden das Visierkom 
leieht berührt (tangiert). Ein zweiter Mann B begibt sich auf einen Punkt, von wo 
er das Ziel und den Mann Ä ausnehmen kann und richtet letzteren nun derart ein, 
Ms der Senkelfaden und der obere Theil des gespannten Fadens, welcher zum 6e- 
sehfitze geht, das Ziel decken. In dem Maße, als der geneigte Faden sich verschiebt, 
wird ftueh das Geschütz allmählich in der Art verschoben, dass die Spitze des Visier- 
komes stets den geneigten Faden berührt. 



166 Pangher. 

Bichten der Geschütze, welche in Belagerungs-Lafetten 

liegen. 

Würde das Geschütz nach irgend einer der angegebenen Methoden 
für den ersten Schnss eingerichtet, so ist vor dem Abfeuern die Bichtnng 
noch wie folgt festzulegen: 

Am Hinterstück-Aufsatz wird das Mikrometer so befestigt, dass 
die beiden parallelen Fäden vertical stehen ; sodann wird dieser Aufsatz 
auf wenigstens 20mm und der Schuber des Querarmes ungef&hr auf 
seine Mitte gestellt, wodurch eine fictive Aufsatzhöhe, bezw. Seiten- 
Verschiebung entsteht 

In die Aufsatzhülse am Schildzapfen wird der Schildzapfen- Aufsatz 
mit seiner Eintheilung gegen die Mündung gewendet, in beliebiger 
Höhe eingeschoben, wobei dem Querarm 15mm Seitenverschiebung ge- 
geben wird. 

Sodann wird die Hilfsscheibe auf eine Distanz hinter das Mikro- 
meter getragen, die 17, 20, 25, 30 oder 40mal so groß ist, als jene 
zwischen Mikrometer und Schildzapfen-Aufsatz und rechts oder links 
aufgestellt. Der Schildzapfen-Aufsatz wird nun so verstellt, bis beim 
Durchsehen durch das Sehloch, die beiden Verticalftden des Mikro- 
meters den schwarzen Kreisring der Hilfsscheibe gleichmäßig begrenzen, 
der horizontale Faden aber durch den Mittelpunkt des weißen Kreises 
geht. Die am Schildzapfen - Aufsatz so resultierende Aufsatzhöhe 
bezw. Seitenverschiebung, heißen Gegen-Aufsatz bezw. Gegen-Seiten- 
verschiebung *). Nun wird das Weiserlineal so in den Schuber ein- 
geschoben, dass jene Theilung, welche der Distanz der Hilfsscheibe 
entspricht, in dem Einschnitt zur Ansicht gelangt und der Schuber auf 
jenen Theilstrich des Weiserlineals gestellt, welcher der Qegen-Seiten- 
verschiebung, in Millimeter ausgedrückt, entspricht. Mit Hilfe des so 
vorbereiteten Weiserlineals wird nun parallel zur Lafette eine Leiste so 
auf die Bettung genagelt, dass ihr Abstand vom rechten Bade gleich 
ist, dem Abstand vom oberen Ende des Weiserlineals bis zum Absatz. 

Ist nach dem Schusse das Geschütz wieder vorgespielt, so wird, 
wie früher, das obere Ende des Weiserlineals gegen das rechte Bad 
angelehnt und der Schuber so verschoben, bis sein Ansatz die Holzleiste 
berührt; dieser Theilstrich wird abgelesen und gibt die Anzahl Milli- 
meter der (Gegen-) Seitenverschiebung für den nächsten Schuss. Mit 
dieser (Gegen-) Seitenverschiebung und mit dem vorherigen Gegen-Auf- 



^) Die Gegen-Seitenverschiebong soll nie über 10mm betragen, damit am 
Querarm noch Correcturen vorgenommen werden können. 



Die Schieß Vorschrift der italienischen Festangs- Artillerie. 1^7 

satz (nachdem vorher die auf Grund der Schussbeobachtang noth wendig ge- 
wordenen Correcturen an der fictiven Aufsatzhöhe bezw. Seitenverschiebung 
ertheilt wurden) wird die Richtung nach der Eilfsscheibe ausgeführt. 
Dieser Apparat von Siacci soll außer anderen Yortheilen auch 
noch den haben, dass die Correcturen, welche durch das Vorlaufen des 
Geschützes bedingt sind, von jenen, welche auf Grund der Schuss- 
beobachtungen noth wendig werden, getrennt, u. zw. die ersteren am 
Schildzapfen-Aufsatz, die letzteren am Hinterstück-Aufsatz ertheilt werden. 

Normen für den Nachtschuss. 

Die Sichtung wird nach dem Hilfszielpunkt mit folgenden Be- 
merkungen ausgeführt: 

1. Vor Einbruch der Dunkelheit Hilfsziel aufstellen und eine Leiste 
seitlich eines Rades auf die Bettung einschlagen; überdies eine zweite 
Leiste am Protzstock in gleicher Entfernung von demselben, wie die erste 
Leiste vom Rade annageln. 

2. Die Laternen so vor dem Hilfszielpunkte aufstellen, dass das- 
selbe beleuchtet, die Richtung nicht behindert, vom Feinde nicht ein- 
gesehen wird. 

3. Nach jedem Schusse vor Ertheilen der Richtung das Geschütz 
derart einrichten, dass dessen Protzstock von der Leiste ebensoweit 
absteht, als das Rad von der entsprechenden Leiste. 

Richten ohne Weiserlineal. 

Nach Ertheilen der Richtung für den ersten Schuss wird ein 
Hilfisziel auf 25m hinter (wenn möglich auch vor) dem Geschütze auf- 
gestellt und nun, ohne das Geschütz zu rücken, Aufsatz und Querarm auf 
jenes eingerichtet. Eine Schusslatte wird gegen ein Rad angelehnt, in 
die Bettung eingeschlagen. Nach dem Schusse ist das Geschütz derart 
vorzuführen, dass das Rad die Latte berührt und nun wird mit falschem 
Aufsatz die Richtung aufs Hilfsziel durchgeführt. 

Normal-Richten bei Mörsern. 

Für die Seitenrichtung bei Mörsern werden zwei Aufsätze benützt, 
welche in entsprechenden Ausnehmungen zweier Ansätze, die an der 
Schleife angebracht sind, eingeschoben werden. Die Aufsätze haben 
emen Schieber mit Stellschraube; einer derselben hat ein stählernes 
Visierkorn, der andere einen Querarm mit beweglichem Visier; der 
erstere kommt in das hintere, der zweite in das vordere Loch des 



188 Pangher. 

Ansatzes, wenn die Bichtmig (normal) verkehrt gemacht wird; sonst 
umgekehrt, im umgekehrten Falle. Die Höhenrichtung wird mittels 
Quadranten') (Fig. 11) ertheilt. 

Bichten der Mörser für den ersten Schuss. 

Die Mörser sind im allgemeinen in Batterie hinter einer Brust- 
wehr oder sonstiger Deckung aufgestellt, weshalb zum Ertheilen der 
Sichtung stets die Bichtungsebene wie fQr Kanonen oder Haubitzen 
auszustecken ist. In die Bichtungsebene werden zwei Pikete eingestellt, 
wovon das vordere doppelt so weit als das rückwärtige vom hinteren 
Aufsatz entfernt ist 

Sonst wie bei Kanonen oder Haubitzen für unsichtbare Ziele ver- 
fahren. 

Bichten für die nächstfolgenden Schüsse. 

Bei Mörsern in Schleifen mit aufgehobenem Bück- 
lauf. Ist der Mörser für den ersten Schuss gerichtet, so wird vor dem 
Abfeuern der Querarm des vorderen Aufsatzes auf die Mitte der Ein- 
theilung eingestellt; sodann erfolgt die Aufstellung der Hilfsscheibe 
auf einer größtmöglichen Distanz hinter dem Geschütze, dass dieselbe 
annähernd in die Bichtebene (der beiden Aufsätze) gelangt; endlich 
genaue Einstellung des Querarmes auf das Hilfsziel. Die dadurch ent- 
stehende fictive Seitenverschiebung dient zur Bichtung f&r die nächst- 
folgenden Schüsse. Vor dem Schießen sind die Pikete wegzunehmen. 

Nach dem ersten Schusse wird die Seitenrichtung nach dem Hilfs- 
ziel, die Höhenrichtung mittels Quadranten ausgefQhrt. Correcturen 



') Ähnlich unserem Lihellen-Qnadrant, jedoch noch mit einem Pendel yersehen ; 
der Nonins erlaubt Zehntelgrade directe zu ertheilen. Ist die Libelle mittels Stell- 
schraube festgestellt, so kann dieselbe mittels einer Bectificierschraube noeh um 
ungef&hr 7^ yerstellt werden. Außer zum Ertheilen der Hohenrichtung dient der 
Quadrant auch zum Messen der Neigung des Rohres, zum Verificieren, ob die Schild- 
zapfen horizontal stehen, und zum Messen des Terrainwinkels. Er kann also für Hohen- 
ricbtungen den Aufsatz ersetzen, es ist jedoch der letztere vorzuziehen, da er kleinere 
Richtfehler ergibt. Es ist n&mlich sehr leicht, beim Quadranten einen Fehler Ton Ol® 
zu begehen, wHhrend beim Aufsatz ein solcher von 0'5mm kaum flberschritten wird, 
welcher für eine Visierlinie von Im Länge einem Fehler von 003® entspricht Hin- 
gegen ist beim hohen Bogenschüsse (Wurf) der Quadrant vorzuziehen, da Ab- 
weichungen, die durch Quadrantenfehler von 01^ entstehen, sehr klein ausfallen, 
was eine kleinere Unzukömmlicbkeit bedeutet, als übermäßig lange Aufs&tze mit- 
zufahren. Ist das Ziel überhaupt nicht sichtbar, so kann für Hohenrichtnogen nur 
der Quadrant verwendet werden. 



Die SchießTorschrift der italienischen Festangs- Artillerie. 19^ 

nach der Seite sind am Querarm, jene nach der Höhe mittels Quadranten 
za bewirken. 

Bei Mörsern in Schleifen mit freiem BOcklauf. Nach« 
dem diese Mörser eine Verschiebung auf ihren Bettungen zulassen, so 
ist die Bichtnngsebene durch Schusslatt^n festzustellen, u. zw. ist eine 
Latte am vorderen Bande und zwei an einer Seite der Schleife an die 
Bettung anzunageln. Nach jedem Schusse wird der Mörser in Anlehnung 
mit den Latten gebracht 

Special-Apparate für das Bichten beim vorbereiteten 

Schießen. 

In festen Plätzen gelangen f&r das vorbereitete Schießen besondere 
Apparate zur Verwendung, welche das Schießen unabhängig von den 
directen Zielbeobachtungen ermöglichen, wenn das Ziel von der Batterie 
aus nicht eingesehen wird (Planschießen). 

Zur Ertheilung der Bichtung müssen: die Entfernung des Zieles 
und dessen Terrainwinkel gegeben sein. Die Höhenrichtung wird mittels 
Quadrant oder dergleichen Instrumenten ertheilt')- 

Zum Ertheilen der Seitenrichtung bei nicht eingesehenem Ziele 
dienen besondere Apparate; diese ermöglichen, die Geschütze in einer 
bestimmt gegebenen Direction einzustellen, welche vom Gruppen-Com- 
mandanten der Batterie angegeben wird, oder welche der Batterie- 
Commandant aus den Anzeigen seiner Beobachter direct auf den Batterie- 
Distanzplan feststellt 

Beglementarisch bestehen folgende Apparate: 

a) Der Apparat von Bonagente für 12 und 15cm Hinterlader in 
Tertheidigungs-Lafetten für das Feuern über Bank; 

b) derselbe für 12 und 15cm Hinterlader in Casematt-Lafetten : 

c) derselbe für Kanonen und Haubitzen in Belagerungs-Lafetten; 

d) derselbe für 15cm Mörser*). 

Zu a) Der Apparat für 12 und 15cm Kanonen (Tafel 6 Fig. 12), 
besteht aus einer Anzahl messingener Prismen, einem Richtlineal l mit 
Zeiger und Schuber, dann einem Richtlinealträger t Die Prismen sind 
in schwalbenschweifformigen Ausschnitten am äußeren Umfange der 
Sdiwenkschiene eingelassen, u. zw. in Abständen von hunderttausendstel 
Theilen des Bogenhalbmessers. Dieser Apparat stellt somit in Ver- 



*) Im Stadium befinden sich ein Präcisions-Quadrant und ein Libellen-Lineal, 
Vttlehe bis za Vio« Grad Genauigkeit zeigen und gute Resultate ergeben haben sollen. 
*) Dergleichen Apparate sind für 21 und 24cm MOrser noch im Studium. 



170 Pangher. 

binduDg mit dem Bichtlineal nichts anderes als eine nach ^Strich^ 
getheilte Bettungsschiene dar. Das Bichtlineal (die Sehne zwischen zwei 
Abständen bildend) wird mittels des Trägers am Bahmen des Geschützes 
befestigt und gestattet dessen Eintheilong zu 100, das Einstellen auf 
kleinere Winkel als 100 Strich. 

Mit dem beschriebenen Apparate wird daher die Bichtnng so aus- 
geführt, als wäre die Bettungsschiene nach „Strich^ getheilt, wobei 
die Hunderte auf der Bettungsschiene, die Zehner und Einheiten aber 
am Bichtlineal abgelesen werden. Um z. B. dem Geschütze eine Seiten- 
richtung von 267 zu geben, wird der Schuber des Bichtlineals auf 67 
festgestellt und der Bahmen soweit geschwenkt, bis die Spitze des 
Zeigers mit dem Prisma 2 der Bettungsschiene übereinstimmt*). 

Zu l) unterscheidet sich bloß in den Abmessungen Tom früher 
beschriebenen Apparate. 

Zu c) Der Apparat für Kanonen und Haubitzen in Belagemngs- 
Lafetten besteht aus einer Grundplatte, einem Bogenstück mit beweg- 
lichem Visierkorn, einem Diopterlinial mit beweglicher Schauritze, einer 
Bichtplatte (»cagtatore) und einem Hilfszielpunkt (fatm scopo). 

Die Grundplatte (Tafel 6, Fig. 13) dient zur Aufnahme des 
Bogenstückes und des Diopterlineals ; sie wird mit vier Flügelschrauben 
an der rechten Lafettenwand befestigt An derselben sind zu bemerken: 
zwei Locher / für die entsprechenden Zapfen des Bogenstückes ; eine 
Nuth t mit Druckschraube und Feder für den Schaft des Diopterlineals, 
endlich ein Excenterhebel e zum Feststellen des Bogenstückes. 

Das Bogenstück (Fig. 14), einem Kreisabschnitte ?on 40^ ent- 
sprechend, ist mit der Basis b, welche zwei Zapfen pp trägt, verbunden. 
Der umfang des Bogenstückes ist nach ^.Strich" getheilt. Auf dem 
Bogenstücke läuft ein Visierkorn m, das mittels Stellschraube festgestellt 
werden kann. Die Eintheilung am Bogenstücke geht von der Basis aus 
d. i. von links gegen rechts und variiert von 40 bis 780 Striche. Ist 
das Bogenstück an der Grundplatte befestigt, so steht jener Halbmesser, 
welcher durch den Strich 200 geht parallel zur Symmetrie-Ebene 
der Lafette und wenn die Bettung horizontal steht auch parallel zur 
Symmetrie-Ebene des Bohres. Bei horizontaler Bettung steht auch die 
Ebene des Bogenstückes horizontal. 

Zum Befestigen des Bogenstückes an die Grundplatte wird der 
Excenterhebel t gehoben, die beiden Zapfen pp in die entsprechenden 
Locher / der Platte eintrestockt und der Hebel wieder niedergedrückt 

'• Aus okonomisoheo Kdcksichten k-nnen die Prismen daroh einfiielM Ein- 
c>ohniTte in der Bettonirsschiene ersetzt werden. 



Die SchießTorscbrift der italienischen Festnngs-Artillerie. 171 

Das Diopterlineal (Fig. 15) ist eine starke messingene 
Bohre r, in welcher mittels einer Mikrometerschraube die Schauritze / 
mit einem kleinen Visierkome h hin- und herbewegt werden kann. An 
der Bohre ist ein Stiel g befestigt, welcher in die Nuth t der 
Grundplatte eingeschoben wird und hier in verschiedenen Hohen fest- 
gestellt werden kann. Die Bohre ist in halbe Millimeter getheilt, welche 
von bis 80 reichen. Steht die Schauritze am 40. Theilstrich, so bildet 
ihre Axe und jene des kleinen Yisierkomes, den Mittelpunkt des Bogen- 
stfickes. (Halbmesser = 500mm.) 

DieBichtplatte (Fig. 16) ist an einem leichten Holzrahmen 
angebracht, welcher während des Bichtens auf der Lafettenachse, u. zw. 
zwischen rechter Lafettenwand und Bad aufgehängt verbleibt. Zu diesem 
Zwecke ist die Lafetten achse von einem Binge r umspannt, welcher mit 
zwei Haken g versehen ist. Der Bahmen hat oben einen BOgel h zum 
Einhängen in die zwei Haken, unten die Bichtplatte e mit einer 
Millimeter-Eintheilung. Daselbst ist ein Pfeilstrich, welcher anzeigt, wo 
der 40. Theilstrich der Bichtplatte zu stehen kommen soll. 

Der Achsenring r mit den beiden Haken g wird aus zwei Halb- 
ringen gebildet, welche durch Schraubenmuttern zusammengehalten 
werden. Der untere Halbring, welcher die Haken g trägt, wird durch eine 
Schraube, deren Spitze in eine entsprechende Ausnehmung der Lafetten- 
achse eingreift, festgehalten und dadurch eine Verschiebung des Achsen- 
ringes verhindert. 

Hängt die Bichtplatte auf der Lafettenachse, so lehnen sich die 
beiden Haken gegen die Enden des Bügels der Bichtplatte und ver- 
hindern eine seitliche Verschiebung der letzteren in Bezug auf die 
Lafette. Die Bichtplatte e steht dann parallel zur Lafettenachse und 
\bmm von der Bettung ab. Liegt die Bettung horizontal, so muss die 
Verticale, die durch den Mittelpunkt des Bogenstückes gelegt wird, die 
Richtplatte in Übereinstimmung mit dem Pfeilstrich, d. i. im 40. Theilstrich 
durchschneiden. 

Der Hilfs Zielpunkt (Fig. 17) (faUo scopo) ist ein kleiner 
Pflock, auf welchem eine kleine weiße Tafel verschiebbar befestigt ist. 
Auf derselben sind zwei schwarze, mit ihren Spitzen gegen einander ge- 
kehrte Dreiecke gemalt. 

Verwendung des Apparates. Beim vorbereiteten Schießen 
wird der Hilfszielpunkt in einer fixen Stellung rechts und nicht weniger 
als 6m hinter der Bettung aufgestellt. Beim Legen der Bettung wird 
auf derselben die muthmaßliche Stellung des Mittelpunktes des Bogen- 
stfickes bezeichnet, wobei angenommen wird, dass die abgeprotzte Lafette 



172 Pangber. 

in der Mittellinie der Bettung steht. Der Hilftcielpnnkt wird nun mit 
diesem Mittelpunkte mittels eines Fadens verbunden und die sich er-^ 
gebende Linie mittels eines Stichels in die Bettung eingeritzt, welche 
nun als Weiserlinie dient. 

Um die ganze Bestreichung auszunützen, welche die Bettung 
zulftsst, ohne die Stellung des Hilfszielpunktes zu ftndem, so ist der 
Hilfszielpunkt derart aufzustellen, dass der ausgespannte Faden mit der 
Mittellinie der Bettung einen Winkel von ungefthr 10® dnsdiließt 
(Tafel 7, Fig. 18). 

Nun muss auf der in Millimeter getheilten Richtplatte die y,Strich-^ 
Theilung festgestellt werden. Diese ergibt sich aus der Vorschrift, diss 
dieselbe von rechts nach links der Lafette steigend angeordnet zn sein 
hat und dass der „Strich^ 40 mit dem auf der Richtplatte befindliehen 
Pfeilstrich übereinstimmen muss; des weiteren, dass die Breite eines 
„Striches^ (in Millimeter ausgedrückt), gleich sein muss der in Metern 
ausgedrückten Distanz des Bogenstückes vom Hilfszielpunkte. Die von 
der Richtplatte angegebenen Oegen Verschiebungen werden mittels der 
Schauritze am Diopterlineal ertheilt 

Ist das Ziel sichtbar, so ist in der Regel die erste Richtung 
mittels Aufsatz zu ertheilen und dann die nöthige „Strich^-Theilnng 
für das Richten nach dem Hil&zielpunkte an der Richtplatte mit Zu- 
hilfenahme der Weiserlinie abzulesen. Diese wird auf die Schauritze 
des Diopterlineals übertragen, das Visierkorn am Bogenstücke so lange 
verschoben, bis das Oeschütz nach dem Hilfszielpunkte gerichtet erscheint 

Bei nicht sichtbarem Ziele werden die Daten fOr das vorbereitete 
Schießen zu Hilfe genommen. Ist der Winkel i^ (in Tausendstel des 
Halbmessers ausgedrückt) bekannt, welchen die Symmetrie-Ebene des 
gerichteten Geschützes mit der durch die Weiserlinie gelegten Vertical- 
Ebene einschließen soll, so wird das Visierkorn am Oradbogen auf die 
Theilung ^ -\- 200 gestellt, die Schauritze am Diopterlineal um das an 
der Richtplatte abgelesene Maß verschoben und nun mit diesen Elementen 
die Richtung nach dem Hilfszielpunkte ausgeführt (Figuren 19 und 20). 

Für die folgenden Schüsse bleibt die Stellung des Visierkomes am 
Bogenstücke stets unverändert; hingegen wird die Schauritze jeweilig 
auf den Wert der Gegenverschiebung gestellt, welcher vor jedem Schusse 
aus der Stellung der Richtplatte zur Weiserlinie abgelesen wird. 

Schuss-Correcturen werden immer am Bogenstücke vorgenommen. 

Zu d) Der Apparat für 15cm Mörser (Tafel 7, Figuren 21 und 22) 
besteht aus denselben Theilen, wie für Kanonen und Haubitzen, nur tritt 
noch ein Corrections-Apparat hinzu; hingegen entfällt die Richtplatte. 



Die Schieß Vorschrift der italienischen Festongs- Artillerie. 173 

Grundplatte, Bogeostück und Diopterlineal unterscheiden sich im 
folgenden von jenen für Belagerungs-Lafetten: 

a) Die Platte hat außer der Nuth zur Aufnahme des Diopter- 
lineals noch einen zweiten Canal zum Einschieben des Aufsatzstabes 
des Corrections-Apparates, 

b) Die Eintheilung am Bogenstücke steigt gegen die Basis (d. h. 
▼on links nach rechts der Schleife) und reicht von 20 bis 790 Theile. 
Der durch den 600. Theilstrich gedachte Halbmesser ist parallel zur 
Symmetrie-Ebene der Schleife. 

c) Die Schauritze hat einen horizontalen Schnabel, welcher als 
Zeiger für den Corrections-Apparat dient. DieEintheilung an der Bohre 
reicht bis 200; steht die Schauritze im 100. Theilstrich, so bildet 
sie den Mittelpunkt des Bogen Stückes. 

Der Corrections-Apparat zeigt jene Seitenverschiebung an, 
welche der Schauritze zu geben ist, um den Fehlern einer nicht hori- 
zontal gelegten Bettung Rechnung zu tragen. Er besteht aus dem Auf- 
satzstabe, einem Arm, einer Traverse und einem Senkel. Der Stab, von 
fünfeckigem Querschnitte, hat oben einen kronenartigen Ansatz, welcher 
das Einschieben im Aufsatzcanal begrenzt. Die vordere Seite des Aufsatz- 
stabes besitzt eine Eintheilung nach Tangenten von 13 bis 45® für einen 
Halbmesser von 500mm. Der Arm läuft am Aufsatzstabe auf und ab und 
wird mittels Stellschraube festgestellt; oben besitzt er eine Hülse zur 
Aufnahme der Traverse, auf welcher der Senkelfaden aufgewickelt ist. 

Der Corrections-Apparat ist eingerichtet, wenn der Arm am Auf- 
satzstabe auf jener Anzahl Grade steht, welche der Elevation des 
Mörsers entspricht. Der Hilfszielpunkt ist gleich dem bereits beschrie- 
benen. Wenn der Corrections-Apparat und die auf den 100. Theilstrich 
gestellte Schauritze an der Platte befestigt sind, und die Bettung 
horizontal liegt, so steht der Aufsatzstab vertical und der Senkelfaden 
tangiert die Spitze des horizontalen Schnabels der Schauritze. 

Verwendung des Apparates. 

Das Hilfsziel ist links und rückwärts des Geschützes auf wenigstens 
lOm Entfernung aufzustellen. Die Verbindungslinie des Hilfszielpunktes 
mit dem Pivot der Schleife soll mit der Bettungsmittellinie einen 
Winkel von ungefähr 10° einschließen. 

Ist das Visierkorn am Bogenstücke am entsprechenden Theil- 
strich *) festgestellt, so wird an der Grundplatte der Corrections-Apparat 



*j Nach der Schießtafel oder ans der Distanztabelle. 

13 



174 Pangher. 

angebracht; hierauf wird der Schleife, ohne die Schauritze zu benützen, 
eine grobe Bichtung ertheilt, ferner durch Bewegen der Schraube am 
Diopter die Schauritze bezw. deren Schnabel mit dem Senkelfaden in 
leichte Berührung gebracht und schließlich die Bichtung mittels der 
Schauritze beendigt. Bei starker Neigung der Bettung muss die Traverse 
die entsprechende Verschiebung erfahren, damit stets nur eine leichte 
Berührung des Senkelfadens mit dem Schnabel stattfindet. 

Diese Bichtart wird immer dann ausgeführt, sobald ein neues 
Ziel beschossen werden soll, oder starke Correcturen nothwendig er- 
scheinen, besonders aber dann, wenn zu besorgen ist, dass die Neigung 
der Bettung sich stark ge&ndert hätte. 

In den anderen Fällen wird der Corrections-Apparat nicht benützt; 
es wird sofort auf den Hilfszielpunkt gerichtet, wobei die Schauritze 
in derselben Stellung verbleibt, wie bei der vorhergegangenen Bichtung. 



Prüfungs-Bichten. 

Die Prüfungen im Bichten und die Classification zu ,, ausgewählten 
Bichtern" (puntatori sceUi) findet in ähnlicher Weise, wie bei der 
Feld-Artillerie statt. 

Zur Unterweisung und Prüfung der Mannschaft im Bichten dient 
ein Noniusaufsatz (Fig. 23). 

Er ermöglicht Fehler von ^/^^ram nachzuweisen und wird bloß f&r 
9cm Feld-Eanonen angewendet, kann jedoch den Schießaufsatz nicht 
ersetzen. Er besitzt am Stabe bloß eine Millimeter-Eintheilung und ist 
noch mit zwei Nonien versehen, um Zehntel - Millimeter sowohl am 
Stabe, als auch am Querarm ablesen zu können, wozu an beiden je 
eine Mikrometerschraube sammt Knopf angebracht sind. Aus den ver- 
schiedenen Aufsatzhöhen, die zum Geben einer und derselben Bichtung 
benQtzt wurden, werden die Personalfehler erkannt. 

Jedes Jahr findet eine Erprobung der Mannschaft mittels dieses 
Aufsatzes statt. Das Mittel der aus je fünf Bichtungen gemachten Fehler 
ergeben die Classificationswerte, u. zw.: 

gute Bichter, deren Summe der Mittelfehler nach Höhe und 
Seite nicht ^/^^mm übersteigt; 

mittlere Bichter, deren Summe der Mittelfehler nach Höhe 
und Seite nicht Imm übersteigt. 

Zu schlechten Bichtern zählen die übrigen. 

Den sechs besten Bichtern jeder Altersclasse einer Compagnie 
wird eine Prämie von 1 Lire zuerkannt. 



Die Schießvorschrift der italienischen Festungs- Artillerie. 176 

Eine eigene Commission im Brigade-Yerbande nimmt die Prüfung 
2U „ausgewählten Richtern" vor. Jede Compagnie hat zu dieser 
Prüfung je 6 Mann jeder Altersclasse vorzuschlagen, welche ihre Ge- 
schicklichkeit im Sichten mit Bezug auf Genauigkeit (Entfernung des 
Zieles 1.000m), gute Sehkraft (wenigstens 2.000m) und Schnelligkeit der 
Ausführung (Ziel durch 10 Secunden sichtbar) zu erweisen haben. Jene 
•drei Richter jeder Altersclasse, deren Fehlersumme nach der Höhe und 
Seite am kleinsten ausfällt, werden zu „puntatori scelti^ classificiert und 
im Begiments-Befehle ernannt. Dieselben erhalten eine Schützenaus- 
^eichnung, ein entsprechendes Certificat und einen täglichen Zuschuss 
zur Löhnung von 0*05 Lire, sowie die Vormerkung ^puntatore scelto^ 
im Grundbuchsblatte. 

Schießen. 

Die Theorie des Schießens, die verschiedenen Schussarten und 
•deren Anwendung, die Einrichtung und Verwendung der Schießtafeln etc. 
«ind in dieser Instruction ziemlich ausführlich behandelt; im allgemeinen 
lann aber gesagt werden, dass die Compliciertheit der bisher beschriebenen 
Bicht-Apparate sich auf die Schießtafeln fortsetzt, wodurch eine Menge 
Bechnungen nöthig werden, welche bei einem raschen Schießen hemmend 
wirken. Hingegen erscheinen aus dem Abschnitte ^praktische Durch- 
führung des Schießens" folgende Punkte erwähnenswert: 

Bichten. Gegen bewegliche Ziele ist direct, gegen feststehende 
Ziele indirect zu richten. Bei directer Bichtung werden alle Visierlinien 
gegen einen Punkt des Zieles vereinigt und für den ersten Schuss 
alle Geschütze einer Batterie nur durch einen Vormeister (Bichtenden) 
gerichtet. 

Desgleichen ist bei indirecter Bichtung bei allen Geschützen für 
den ersten Schuss nur ein Quadrant zu verwenden und ist mit den anderen 
<2aadranten der Elevationswinkel für jedes Geschütz abzunehmen. Für die 
nächstfolgenden Schüsse ist die Bichtung ohne Gebrauch des Quadranten 
mittels fictiven Aufsatzes nach dem Hilfsziel für jedes Geschütz durch- 
lufübren. 

Ist das Ziel schmal, so sind die Seitenrichtungen genau zu nehmen; 
dasselbe gilt für Höhenrichtungen, wenn mit sehr gestreckten Flug- 
l)ahDen geschossen wird. Beim Werfen ist besondere Sorge der genauen 
Erzeugung der verschiedenen Pulverladungen zu widmen. Der Indivi- 
dualität der einzelnen Geschütze ist Rechnung zu tragen. 

Vertheilung des Feuers. Als Begel gilt die successive Be- 

sehießang der verschiedenen Zonen mittels concentrischen Feuers aller 

13* 



176 Pangber. 

OeschQtze einer Batterie. Nur in Ausnahmsfällen wird das Zugsfeuer 
gegen verschiedene Punkte des Zieles vorgenommen. 

Beim Übertragen des Feuers von einem Punkte des Zieles auf 
einen anderen ist bei directer Sichtung die Seitenverschiebung nicht 
zu ändern; bei indirecter Richtung ist auf dasselbe Hilfsziel zurichten, 
jedoch die Seitenverschiebung entsprechend zu corrigieren. 



Schießen einer Batterie gegen ein bewegliches ZieL 

So oft das Ziel bestimmte Punkte im Terrain passieren muss — 
was so oft stattfinden wird, als der Weg fürs Ziel vorgezeichnet ist — 
so können dieselben Bestimmungen wie beim Beschießen von festen 
Zielen Anwendung finden. Es genügt ein Einschießen auf diese Punkte, 
um sodann im richtigen Momente eine Salve abzugeben (bei dünnen und 
schnellen Zielen) oder ein Schnellfeuer zu eröffnen, bis keine Wirkung 
mehr erzielt wird. 

Diese Art Beschießen wird sich zumeist im Belagerungskriege er- 
geben, speciell gegen Material-Transporte, Arbeiter-Colonnen, welche er- 
baute Batterien oder im Bau befindliche zu armieren haben. Es sollen 
hiezu solche Batterien schießen, welche vom Ziel unbemerkt bleiben; 
man benützt hiebei seitliche Beobachter. Die Schießdaten sind fflr diese 
Fälle im vorhinein zu bestimmen. 

Wenn diese Methode nicht anwendbar ist, um ein bewegliches 
Ziel wirksam beschießen zu können, so ist es nothwendig, Oeschfitze zu 
besitzen, welche schnell geladen und gerichtet werden können. Dies 
kann durch eine große Geschützzahl (wenigstens 6 in einer Batterie 
vereinigt) erreicht werden, wobei die Bohre in Lafetten eingelegt sind, 
welche die Seitenrichtung leicht zu geben gestatten. (Vertheidigungs- oder 
Feld-Lafetten). Immerhin schließt dies jedoch die Fälle nicht aus, auch 
mit Batterien zu vier oder zwei Geschützen (in Belagerungs-Lafetten) das 
Schießen gegen bewegliche Ziele durchzuführen. 

Bei der Auswahl der Geschossgattung hat sich der Batterie-Com- 
mandant gegenwärtig zu halten, dass das Schießen mit Shrapnels viel 
wirksamer als mit Granaten (A. Z.) ist, aber erstere schwerer anzuwenden 
sind. Folglich wird man gegen sehr schnelle Ziele den Schuss mit A. Z. 
jenen mit B. Z. vorziehen. 

Um vom Schießen mit A. Z. schnell auf jenes mit B. Z. überzugehen, 
ist bei beweglichen Zielen das Shrapnel mit Doppelzünder anzuwenden. 



Die Schieß Vorschrift der italienischen Festangs-Artillerie. 177 

Hiebei ist wie folgt vorzugehen: 

Mit eiDem Flügelzug: Gabelbildung mit einer Gabelweite von 
100 bis 400m, je nach der Schnelligkeit des Zieles. Ist die entsprechende 
Gabel erschossen, so sind die anderen Züge för eine Distanz, gegen 
welche das Ziel sich hinzieht, auf eine Salve mit B. Z. vorzubereiten. 

(Diese Distanz kann eine der Grenzen der Gabel oder zwischen- 
liegend sein, aber auch außerhalb je nach der Schnelligkeit des Zieles 
liegen. Z. B. Ziel: Cavallerie im Trab ; Gabel zwischen 2.500 (weit) und 
2.100 (etwas kurz), daher die Vorbereitung für B. Z. für eine Distanz 
kleiner als 2.100m. Ziel: Infanterie am Marsche; Gabel zwischen 
1.800 (weit) und 1.500 (sehr kurz), daher B. Z. Salve für eine Distanz 
von 1.6007M. Dasselbe Ziel: Gabel zwischen 1.700 (weit) und 1.500 
(kurz). Die Salve mit B. Z. ist für eine Distanz für l.bOOm abzugeben.) 

Auf derselben Distanz ist mit dem Controlzuge auf Commando des 
Hauptmanns das Schießen mit A. Z. fortzusetzen und so oft ein Schuss 
als Treffer oder weit (wenn das Ziel sich nähert) bezw. als Treffer oder 
kurz (bei sich entfernenden Zielen) beobachtet wird, ist die Salve mit 
B. Z. abzugeben ; hierauf sofort eine zweite Salve vorbereiten, deren Schuss- 
elemente mit der Bichtung und Schnelligkeit der Bewegung des Zieles 
in Einklang gebracht werden. 

Mit dem Controlzuge ist das Schießen mit A. Z. mit den neuen 
Bichtdaten fortzusetzen, im entsprechenden Momente eine Lage mit B. Z. 
nach den oben angegebenen Normen abzugeben u. s. w. 

Wenn während einer vorbereiteten Salve gegen eine Distanz, gegen 
welche sich das Ziel bewegte, dieses festhält, so sind die Daten des 
Controlzuges zu ändern, bis ein Treffer oder eine Gabel von 50m erzielt 
wird; sodann Ausfeuern der geladenen Geschütze mit B. Z. mit dem 
letzten Aufsatz des Controlzuges. (In diesem Falle resultieren die 
Sprengpunkte in anderer als normaler Höhe, aber in Intervallen pro- 
portional zu derselben, daher sie noch immer eine gewisse Wirksamkeit 
zeigen, ob nun die Geschosse sehr tief oder mit A. Z. explodieren, wenn 
eie nur ins Ziel gelangen.) 

In gleicher Art ist das Schießen zu regeln, wenn das Ziel, nachdem 
es vorgegangen, wieder zurückgeht. 

Gegen sprungweise vorgehende Ziele ist es vortheilhaft, die Salve 
mit B. Z. während des Sprunges abzugeben, weil das Ziel in diesem 
Momente am meisten verwundbar ist. 

In allen Fällen ist die Geschwindigkeit des 
Schießens in dem Maße zu erhöhen, je mehr das Ziel sich 
der Batterie nähert. 



178 Pangher. 

Gegen sehr schnell sich bewegende Ziele und im Falle, als es sich 
am eine schnelle und energische Abwehr eines gefährlichen Zieles handelt, 
wozu die gute Begnlierung des B. Z. keine Zeit lässt, soll zum Schießen 
mit A. Z. übergegangen werden. Nach Beendigung der Oabelbildung wird 
in diesem Falle das Feuer (von einem Flügel) an der untersten Qabel- 
grenze (oder selbst 100 bis 200m kleiner) eröffnet und fortgesetzt, bis 
sich ein Weitschuss ergibt; dann sofort um 200, 300 oder 400m ab- 
brechen u. 8. w. 

Auf 500m vor der Batterie erscheinende Ziele sind mit Eartfttschen 
zu beschießen. 

Das Beschießen von lebenden Zielen (stehend oder in Bewegung) 
mittels Mitrailleusen ist nur dann von Wirkung, wenn die Distanz nicht 
über 600m beträgt Nur bei sehr tiefen Zielen, und wenn die Distanz 
nicht genau bekannt ist, darf auch auf größere Entfernungen geschossen 
werden. 



Normen für das Schießen von Batterie-Oruppen. 

Eine mit Geschützen mittleren Calibers armierte Batterie wird 
in seltenen Fällen isoliert stehen: sei dieselbe zum Angriff oder zur 
Vertheidigung bestimmt. In den meisten Fällen wird sie nur ein Element 
aus einem Complexe von Batterien darstellen, denen eine bestimmte 
gemeinsame Aufgabe zufllllt. 

Es resultiert aber daraus, dass die Thätigkeit des Batterie-Comman- 
danten niemals ganz von jener des Gruppen-Commandanten losgelöst 
erscheint, dessen Intervention aber, wenn auch in den weitesten Grenzen 
gesetzt, bisweilen bis zur Angabe der vorzunehmenden Schusscorrecturen 
führen kann, hingegen meist bloß auf Zielangabe, die Eröffnung, Unter- 
brechung bezw. Einstellung des Feuers beschränkt bleibt 

Als Grundsatz gilt jedoch, dass der Gruppen-Com- 
mandantbeim Schießen der Batterien nur wenn unbedingt 
nothwendig eingreifen soll. 

In gewöhnlichen Fällen wird sich mithin seine Beeinflussung auf 
das unumgänglichste beschränken, damit die Thätigkeit der Batterien in 
schneller und wirksamster Weise zum gemeinschaftlichen Zwecke an- 
geordnet werde. 

Kann somit eine Batterie direct oder durch aufgestellte Beobachter 
ihre Schusswirkung selbst einsehen, so soll der Gruppen-Commandant 
von der Feuerleitung sich ferne halten und nur bei Zielwechsel, Ein* 
stellen oder Unterbrechen des Feuers die entsprechenden Befehle ertheilen. 



Die Schießvorschrift der italienischen Festungs-Artillerie. 179 

Die Schnssrichtung wird vom Gruppen-Commandanten daher nur 
in dem einzigen Falle bezeichnet, in welchem die Batterie ihre Schuss- 
beobachtung nicht direct vornehmen kann und in keiner directen Ver- 
bindung mit den äußeren Beobachtungsposten steht. Aber auch in diesem 
Falle beschränke sich der Gruppen-Commandant auf die Übersendung der 
beobachteten Schussresultate an den Batterie -Commandanten, diesem 
überlassend, die nöthigen Correcturen durchzufuhren. 

Haben mehrere Batterien das gleiche Zielobject und ist dieses 
von ziemlicher Ausdehnung, so hat der Gruppen-Commandant dasselbe 
in gut sichtbaren Grenzen abzutheilen und den einzelnen Batterien derart 
zuzuweisen, dass die Schüsse sich nicht vermengen. 

Ist das Ziel erfasst und der entsprechende Theil unter Feuer 
genommen, so regelt jedes Batterie-Commando ftir sich das weitere 
Schießen und der Gruppen-Commandant interveniert blos beim Feuer- 
einstellen oder beim Zielwechsel. 

Wenn die Front des allgemeinen Zielobjectes, aus mehreren Batterien 
bestehend, wenig ausgedehnt erscheint, so ist das Schießen, besonders 
während der ersten Periode, sehr erschwert; wenn in diesem Falle die 
unterschiede in den Calibern, welche die Batterien armieren, nicht sehr 
groß sind, so ist es angezeigt, das Feuer auf Grund der Schussresultate 
der einzelnen Batterien zu den andern zu regeln. In diesem Falle wird 
der Omppen-Commandant die Ordnung, in welcher die Batterien die 
Gabelbildung vorzunehmen haben, vorschreiben. Während des Einschießens 
einer Batterie verbleibt die Bedienung der anderen Batterien hinter 
der Deckung. Das Schießen ist sodann von allen Batterien gleichzeitig 
anfznnehmen und es ist in gewissen Zeitperioden (z. B. nach einer 
halben Stunde) durch Controlschusse sich zu überzeugen, dass das Schießen 
richtig geleitet, bezw. die Controlschusse folgen. 

Um das Feuer unter diesen günstigen Umständen durchzuführen, 
erscheint es nothwendig, dass die Batterien mit dem Standpunkte des 
Oruppen-Commandanten telephonisch verbunden sind. 

In jedem Falle, in welchem unerwartet gegen eine Batterie der 
Gruppe ein gefährliches Ziel auftritt, gegen welches eine schnelle und 
wirksame Abwehr nothwendig wird (bei der Vertheidigung : unvermuthete 
Angriffe von mobilen Truppen, beim AngriflFe : Ausfälle der Besatzung) hat 
der Batterie-Commandant nicht zu zögern, die Verantwortung auf sich zu 
oehmen, das Feuer gegen das neue Ziel zu eröffnen und hierauf so bald 
als möglich den Gruppen-Commandanten hievon in Kenntnis zu setzen. 
Ist das Ziel ganz der Einsicht entzogen, doch dessen ungefähre 
Lage im Terrain bekannt, so ist, wenn die Anzahl der Batterien im 



180 Pangher. 

Verhältnis zur Tiefe und Breite jener Zone steht, das Schießen auf 
Untertheilungen dieser Zonen zu eröfliien, indem dann jeder Batterie 
ein solcher Abschnitt zugewiesen wird. 

Sind diese Abschnitte von großer Breite und Tiefe, so obliegt es 
dem Batterie-Commandauten, die Feuervertheilung in entsprechender 
Art vorzunehmen. 

In diesem Falle ist es Aufgabe des Gruppen-Commandanten, die 
Eintheilung des Zieles in Zonen *) zu treffen und die Modalitäten des 
Schießens der einzelnen Batterien zu bestimmen. 

Beispiel: Ein nichtsichtbares Ziel, von welchem folgende Daten 
bekannt sind, befindet sich in einer Terrainzone von 100m Breite, 500tH Tiefe 
und ist Schussobject von drei Batterien ^,i3, (7, welche mit löcm Kanonen, 
bezw. 12cm Kanonen, bezw. 21cm Haubitzen armiert, und von der 
vorderen Grenze der Zielzone -4 = 7000m, i5= 5500m, C=s4300fn 
entfernt sind. Die Batterie C hat den indirecten Schuss mit der Ladung 
von 3.800A'^ auszufahren. 

Die vorgenannte Zone wird in drei Unterzonen a, &, c getheilt, 
deren jede 100m breit und 200m, 100m, bezw. 200m tief ist, und den 
Batterien A^ B, C überwiesen. Jede Unterzone wird abermals in ent- 
sprechende Bechtecke getheilt, z. B.: 

a in 8 Bechtecke, 25m breit und 100m tief 
6 „ 8 y, 12m „ ^ 100m „ 

c „ 8 „ 25m „ ^ 100m „ 

Hat jede Batterie für sich das Schießen gegen die Mitte eines 
Bechteckes eröffnet, so wird das Feuer nach und nach auf die anderen 
Bechtecke übertragen. 

Zu dieser Art Schießens sind die systemmäßig vorgeschriebenen 
Richt-Apparate nothwendig. 

Der Aufenthaltsort des Gruppen-Commandanten ist im allgemeinen 
dort, von wo er das ganze Terrain am besten übersehen kann. 

Ist dies durch Terrainnmstände unmöglich, oder müsste sich der 
Gruppen-Commandant zu weit von seinen Batterien entfernt halten, so 
sind entsprechende Beobachtungsposten zum Beobachten des ganzen 
Terrains aufzustellen. Diese haben ihren Stand am besten zwischen den 
Batterie- und dem Gruppen-Commandanten. Der Standpunkt des Gruppen- 
Commandanten kann übrigens auch in einer seiner Batterien sein. 



*) Die Äusdebnung und Tiefe jeder Unterzone soll entsprechend der Distans, 
auf welcher das Ziel beschossen wird, so ansgemittelt werden, dass sie der 50^/o Strennng 
für diese Entfernung entspricht. 



Die Schieß Vorschrift der italienischen Festangs-Artillerie. IgJ 

Beispiel: (Tafel 9, Fig. 24 und 26.) Die permanenten Werke A, 
B, B\ C Z>, D' und die Batterien A\ A'% B", C\ C'\ D" und D"\ 
welche einen Theii eines verschanzten Lagers bilden, sind in vier 
Gruppen zusammengestellt, u. zw.: 

1. Gruppe A, A\ A'\ 

2. ^ B, B% B\ 

3. „ C^ L\ C\ 

4. „ A D% I>\ D''\ 

Das Fort A ist Standpunkt des Commandos der 1. Gruppe. Die 
anderen Gruppen haben ihren Standpunkt in % y bezw. S. Die Werke A, 
B und Z)', sowie die Batterien A*\ C", D" und Z)'" haben Observatorien; 
ß% C, -D, sowie A\ B** und C" haben Beobachtüngsposten außerhalb in 
a', a\, h\ h'\ c und c". 

Die Figur lässt auch ersehen, wie der telegraphische oder tele- 
phonische Dienst unter den verschiedenen Werken, Gruppen-Comman- 
danten und Beobachtungsposten organisiert werden kann. 

Dem Gruppen-Commandanten ist ein gewisses Personale beigegeben, 
welches er zur Übersendung von schriftlichen Befehlen benöthigt. In 
flachem Terrain und bei Mangel eines telephonischen oder optischen 
Dienstes ist sich zweier Berittenen zu bedienen. 



Schussbeobachtung. 

Der sorgföltigsten Beobachtung der Schüsse, als Princip für eine 
gute Feuerwirkung, wird die größte Aufmerksamkeit gewidmet. Es wird 
daher verlangt, dass alle Officiere der Artillerie-Compagnien gute Be- 
obachter seien und dass jede Compagnie über eine gewisse Anzahl 
Beobachter verfügt, auf deren ürtheil hin man in den verschiedenen 
FUleD richtig vorgehen kann. 

Alljährlich werden sechs Soldaten jeder Compagnie, welche den 
fltar den Beobachtungsdienst ausgegebenen Voi*schriften am besten ent- 
sprochen haben, zu ausgewählten Beobachtern (osservcUort sceltt) ernannt; 
dieselben erhalten eine Prämie von 5 Lire und eine äußere Auszeichnung. 
Allerdings wird von denselben auch das Lesen von Karten, Kenntnis 
ies Terrains der bezüglichen Festung, die Handhabung der Winkelmess- 
Isstrimiente ü. dgl. verlangt. 

Die zweckmäßige Einrichtung eines Systems für die Beobachtung 
im Schüsse ist Sache des Batterie-Commandanten ; auch obliegt es ihm, 
die Beobachter zu unterweisen und heranzubilden, welche Aufgabe im 



182 Pangher. 

Frieden in den OarnisoDSorteD einzuleiten und dann bei den allj&hrlichen 
Schießübungen fortzusetzen ist. 

Zur Übermittlung der Beobachtungen besteht ein eigener optischer 
Signaldienst. 

Optische Signalgebung. 

Jeder Signalist (segnalcUore)^ welcher gleichzeitig auch ein guter 
Beobachter sein soll, erhält zwei Scheiben von 0*60m Durchmesser (eine 
Seite roth, die andere weiß gestrichen), welche eine Handhabe besitzen. 
Die rothe Seite ist durch einen weißen, die weiße Seite durch einen 
schwarzen Bandstreifen getheilt; diese Streifen, 10 bis 15cm breit, stehen 
senkrecht zur Handhabe. Die Scheiben sind entweder aus Holz gefertigt 
oder bilden einen Metallreif, der mit entsprechender Leinwand fiber- 
zogen wird. 

Der Signalist übermittelt die Beobachtungen durch Erheben der 
Scheiben gegen die Batterien, indem er sie nach Tabelle (Tafel 8« 
Fig. 26) in Stellung bringt. 

Schießübungen. 

Schießübungen werden entweder auf Schießplätzen oder in Be- 
festigungen vorgenommen und zerfallen in drei Perioden: 

1. Vorbereitungsschießen der Batterie, 

2. kriegsmäßiges Schießen der Batterie, 

3. Gruppenschießen (Schießen mehrerer Batterien). 

Jede Compagnie soll sowohl mit Granaten als auch mit Shrapnels 
eine Schießübung auf große Distanzen (wenn möglich 6 bis 8km für 
Granaten, 5 bis 7Icm für Shrapnels) vornehmen und in der zweiten 
Periode wenigstens eine vollkommen kriegsmäßige Schießübung aus 
einer kriegsmäßig erbauten Batterie mit vier Geschützen durchführen. 

Die Schießübungen mit Schnellfeuer-Kanonen und Mitrailleusen 
sind gegen bewegliche Ziele durchzuführen. 

1. Periode. 

Diese Schießübungen sind vorbereitende Übungen für das kriegs- 
mäßige Schießen, müssen daher ruhig und methodisch geleitet werden^ 
damit das Personal den Dienst in der Batterie, die Schießregeln und 
die Normen zur Leitung des Feuers völlig und richtig sich aneigne. 

Die Batterie - Commandanten benützen diese Übungen, um das 
Personal in der Bedienung der Geschütze, Verwendung der Munition, Be- 



I sie Schitßvonehrift der it«lienisehen Festangs-ATtnieTie, M!(-' 

dienting der VerachlüsBe, Beobachtung der Schüsse und in verschieden et> 
HandbabuDgs- und Herstellungsarbeiten zu unterweisen. Im Anfange 
sich Zeit lassend, ist später jedoch immer mehr darauf zu dringen, dass 
alle Arbeiten iu der Zeit ausgeführt werden, wie es die Kriegslage 
erfordert. 

Es ist des öfteren anzunehmen, dass die Beobachtung der Schflsse 
aas der Batterie nicht möglich ist, wonach der Beobachtungsdienst in 
äußeren Funkten (telephonisch oder optisch) zu organisieren kommt. 

Bei einigen Übungen sind die Beobachter mit Winkelmesser 
fgrafometri) auszurüsten und es ist von diesen die Lage des Zieles 
aufzanehmen, indem eine der beschriebenen Methoden zur Anwendung 
gelangt. (Vorbereitetes Schießen, Seite 161.) 

Dem Brigade - Commandanten , welchem hauptsächlich obliegt, 
diesen Cbungen die praktische Richtung aufzudrücken, ist eingeräumt, 
das Schießen zu unterbrechen, die Übung zu wiederholen oder anders 
darchzuführen und die Übung selbst so auszudehneu, dass der größte 
Nutzen bei kleinstem Munitionsaufwand erreicht wird. 

Der Batterie-Commandant gibt dem Brigade-Commandanten an, 
wann die Gabelbildung beendet und das Gruppenschielien auegeführt 
erscheint (agginslamento del tivo). Auf Grund dieser Übermittlungen 
und der Besultate der Schüsse, welche ihm vom Markier-Officier bekannt 
gegeben werden, wird es dem Brigade-Commandanteu möglich sein, die 
Entwicklung der Übungen derart zu regeln, um jenen Zweck zu er- 
reichen, der von Fall zu Fall beabsichtigt war. 

Das Hauptaugenmerk des Brigade-Commandanten wird sein, den 
Batterie-Commandantea in ihrer Action die größte Freiheit zu gestatten; 
daher statt oft zu intervenieren und das Feuer zu leiten, wird es nütz- 
licher sein, den Batterie-Commandanten die Feuerleitung ihrem Er- 
messen zu überlassen, so lange die Übung nicht Gefahr läuft, wider- 
>finnig zur Geltung zu gelangen. Es wird Sache der erfolgenden ersten 
Besprechung sein, dass der Brigade-Commandant auf die vorgekommeuen 
Fehler aufmerksam macht, dieselben erörtert und jene Maßnahmen be- 
spricht, die zum Zwecke der Übung von Vortheil gewesen waren. 



2. Periode. 
Bei allen kriegsm&Qigen Schießübungen sind die verschiedenen 
Operationen und Phasen ohne Unterbrechungen, wie es der Kriegsfall 
. ergibt, durchzuführen. 





184 Pangher. i 

Bei diesen Übungen ist die möglichst größte Zahl von Geschützen 
zur Anwendung zu bringen und die verwendete Zeit f&r die Vor- 
bereitungen, sowie für das Einschießen und Correcturen vorzumerken. 

Bei der Auswahl der Schießübungen wird getrachtet, dieselben 
möglichst verschieden anzuordnen, d. h. alle Schwierigkeiten des 
Schießens, ohne künstliche Situationen zu schaffen, zur Anschauung 
bringen. Es ist möglichst viel vorbereitetes Schießen mit äußeren Beob- 
achtern, sowie mehrere Nachtschießen als Fortsetzung einer am Tage 
eröffneten Übung, endlich Schießübungen mit Shrapnels, vorzugsweise 
gegen bewegliehe Ziele, auszuführen. 

Mitrailleusen sind als Schutzmittel der Batterien in ihrer N&he 
aufzustellen. Das Schießen aus denselben soll im allgemeinen gleich- 
zeitig mit jenem aus der Batterie verbunden werden, u. zw. gegen be- 
wegliche Ziele, welche Angriffs-Colonnen des Oegners darstellen. 

Während der Schießübungen sind auch Verluste anzunehitien, die 
sich sowohl auf Material als Personal beziehen, und es sind die ent- 
sprechenden Maßnahmen sofort zu treffen. 

Diese Übungen leitet der Brigade-Commandant ; er beobachtet den 
Qang dieser Operationen und hat öfter unverhoffte Situationen zu 
schaffen, die dem Batterie-Commandanten nicht bekannt sein dftrfen. 

Der Brigade-Commandant soll keine Übung unterbrechen, um selbe 
wieder zu beginnen, sowie keine Weisungen erlassen, um den Gang der 
Arbeiten zu begrenzen, außer in absolut nothwendigen Fällen. 

Das Schießen ist bis zum vollständigen Gruppenschießen zu be- 
enden und bei verfügbarer Munition über dieses hinaus fortzusetzen, um 
der Mannschaft die Wirkung eines ausgedehnten Schießens vorzuweisen. 

3. Periode. 

Eine große Bedeutung ist dem Schießen einer Batterie-Gruppe zu- 
erkannt, weil diese Schussart den normalen Fall der Verwendung der 
Artillerie mittleren Calibers im Belagerungskriege darstellt, und weil 
bei der Durchführung desselben alle anderen Instructionen, welche die 
Festungs-Artillerie-Compagnie betreffen, zur Anwendung gelangen. 

Die Normen zur Ausführung des Schießens mehrerer Batterien 
(Batterie-Gruppen) sind strenge einzuhalten (Seite 178) und es ist vom 
einfachen zum schweren überzugehen. 

Die ersten Übungen sind einfach anzuordnen, damit dieselben leicht 
durch denFeuerleitendeu und Batterie-Commandanten durchgeführt werden 
können. Anfangs ist den Batterie-Commandanten die Feuerleitung zu 
überlassen. 



P'ie Schießvorschrift der italienischen Festungs-Artillerie. Ig5 

Zweck und Ziel der Übungen: 

a) Die Gruppen-Commandanten zu gewöhnen, ihre Wirkungssphäre 
zn entfalten, dieselbe nicht zu überschreiten, ohne Nothwendigkeit in 
die Befugnisse der Batterie-Commandanten nicht einzugreifen; 

bj Unterweisung des Personals, Organisierung des Beobachtungs- 
und Signaldienstes; 

e) Einübung sämmtlicher Elemente der Brigade, welche am Schießen 
theilnehmen, in Einigkeit und Übereinstimmung zur Erreichung des ge- 
meinsamen Zweckes, welcher stets heißt: In kürzester Zeit die größte 
Wirkung am Ziele zu erreichen. 

Die Xhätigkeiten aller sind stets diesem höchsten Zwecke zu 
unterordnen, welchem, wenn nothwendig, selbst persönliche Empfindlich- 
keiten zu opfern sind. 

Folgende Beispiele als Anordnung der bezüglichen Schießübungen : 

A. Zwei oder drei Batterien haben jede für sich ein sichtbares 
Ziel zu beschießen. 

Die Thätigkeit des Gruppen-Commandanten beschränkt sich in 
diesem Falle auf die Eröffnung, Einstellung oder Beendigung des Schießens 
und Correcturen anzuordnen, wenn ein falscher Vorgang beobachtet 

wurde. 

B. Zwei oder drei Batterien haben ein gemeinsames sicht- 
bares Ziel. 

Der Gruppen-Commandant ordnet die Eröffnung des Feuers, die 
Oattang der Schüsse, die Ordnung, in welcher Batterien zu feuern haben ; 
er lässt die Batterien frei arbeiten und ordnet nach dem Gruppenschießen 
die Intensität des Feuers an. 

C. Drei oder vier Batterien haben verschiedene Ziele, welche für 
einige sichtbar, für die anderen unsichtbar sind. 

Organisierung mehrerer auswärtiger Beobachtungsposten in Yer-« 
Mndang jener Batterien, die das Ziel nicht sehen. Der Gruppen-Com-^ 
mandant benimmt sich wie in A, 

D. Mehrere Batterien haben das gleiche Ziel, welches jedoch nur 
fftr einzelne sichtbar, für andere unsichtbar ist. 

Die Beobachtungsposten für jene Batterien, die das Ziel nicht 
einsehen, stehen mit dem Gruppen-Commandanten in telephonischer 
Verbindung. Sonst wie in B. 

E. Eine Gruppe von Batterien, von welchen einige ein gemeinsames^ 
die anderen jede für sich ein Ziel haben. 



186 Pangher. Die Schieß Vorschrift der italienischen Festongs-Artillerie. 

Organisierung des Beobachtungsdienstes. Der Oruppen-Commandant 
reguliert bis zum Gruppenschießen das Schießen jener Batterien, welche 
das gleiche Ziel haben ; er beschränkt sich auf die Eröffnung, Einstellen 
oder Beendigung des Feuers der anderen Batterien; wenn nothwendig, 
wird das Feuer von einem Ziele zum anderen übertragen. Batterien, die 
gegen nicht sichtbare Ziele schießen, stehen mit ihrem Beobachtungsposten 
in directer Verbindung. 

Beweglicher Ziele wird man sich häufig bedienen und dieselben 
unerwartet zu einer gemeinsam energischen Abwehr auftauchen zu lassen. 



Notizen. 187 

Die franzosische i20mm Feld-Haubitze. 

(Hiezu Tafel 9.) 

Die französische Heeresleitung hat sich neuestens dahin entschieden, die 
Feld-Artillerie hauptsächlich mit einer erleichterten schuellfeuemden Flach- 
bahn-Kanone von vermindertem Caliber ') auszurüsten, daneben aber auch 
mehreren Regimentern schwerere Feld-Wurfgeschütze des größeren Calibers von 
120mm beizugeben, sonach das Feld-Artillerie-Materiale in zwei Classen zu 
trennen. 

Das russische Vorbild eigener Feld-Wurfgeschütze hat somit auch in 
Frankreich ') Nachahmung gefunden, obgleich hier keine besonderen Abtheilungen 
(Regimenter) gebildet, sondern die Haubitz-Batterien nur den bestehenden an- 
gegliedert wurden. 

Immerhin bildet die 120mm Feld-Haubitze ein wirkungsvolles Binde- 
glied zwischen den gewöhnlichen Feld-Eanonen und den Geschützen der fran- 
zösischen „leichten Belagerungsparks ^, welch letztere in einem Aufsatze 
über die französische Festungs-Artillerie im 4. Hefte der „Mittheilungen" 
vom Jahre 1894 besprochen wurden. 

Die Construction der neuen Feld-Kanone ist dermalen noch von geheimnis- 
vollem Dunkel umwoben. Über die 120mm Feld-Haubitze gibt das soeben 
erschienene Reglement mehrfache Aufschlüsse ^), namentlich in constructiver 
Beziehung, während organisatorische Angaben sehr spärlich vorhanden sind, 
ballistische aber nahezu ganz fehlen. 

I. Organisation. 

Eine 120mm Fold-Haubitz-Batterie besteht aus 6 Geschützen, 9 Batterie- 
Munitionswagen, 1 Packwagen, 1 Schmiedewagen, 1 Futterwagen, dann einer 
Anzahl Lebensmittel- und Bagagewagen. 

Die Geschütze und Batterie-Munitionswagen sind sechsspännig (mittlere 
Zuglast pro Pferd 394A*^), ebenso der Packwagen (Zuglast 350A:^), die Schmiede 
und der Futterwagen sind vierspännig, die übrigen Fuhrwerke sind zweispännig. 

Zur Gefechtsbatterie gehören die sechs Geschütze und drei Munitions wagen, 
welche drei Züge zu zwei Haubitzen und einem Wagen formieren. Jeder Zug 
wird von einem Officior, jedes Geschütz von einem Unterofficier commandiert, 
femer leitet ein Feuerwerks-Untorofficier die Munitionsausgabe; außerdem sind 
drei Corporale als Wagen-Commandanten eingethcilt. Die Geschütz-Bedienung 
besteht aus sechs Mann {vm beim Geschütz, zwei beim zugehörigen Munitions- 
wagen), zu denen für schwierigere Verrichtungen und bei länger andauerndem 
Schnellfeuer zwei Aushilfs-Nummorn von den Wagen zweiter Linie hinzutreten. 



•) Zufolge einer Meldung im Militär- Wochenblatt Nr. 114 vom 28. Decem- 
ber 1895 soll dies eine 75mm Schnellfeuer-Kanone mit einem 6*5% schweren Ge- 
ichoss sein. 

*) Die Türkei, Bulgarien u. a. haben bekanntlich auch bereits 12cm Feld- 
Haubitzen bei Krupp beschafN:. 

*) RhgltmeTit aur le aervice du Canon de 120 courty approuvi par le Ministre 
4t Ut ffuerre It 28 Mai 1805. lAbrairie Berger- LevrauU H de. Außerdem wurde be- 
aitit: Militär- Wochenblatt Nr. 12 vom 3. Februar 1896; Girardons „Organitatitm 
du wuUiriel d'ArtüIerie" vom Jahre 1896. 



188 



N 1 i s e n. 



Die GeschOtze stehen in der Feuerlinie anf 13m Interralle, dahinter 
(auf das 2., 4., 6. Geschütz gedeckt) die drei Shrapnel-Munitionswagen, deren 
mittlerer nach Befehl durch einen Granatwagen ersetzt werden kann. 

Das Exercieren der 120mm Hauhitz-Batterien und Gruppen (Divi- 
sionen) erfolgt nach der hezQglichen Vorschrift für die 80mm und 90mm 
Feld-Batterien. 

Bei der Feuerstellung der Hauhitzen hinter flüchtigen Deckungen oder 
fortificatorischen Anlagen richtet sich das Intervalle nach der Beschaffenheit 
dieser Deckungen. 

Die Aushildung der zuvor beim Feldgeschütze vollkommen einexercierten 
Soldaten zerfällt in jene beim einzelnen Geschütz, in das unbespannte und 
bespannte Exercieren der Batterie, u. zw. letzteres auf dem Exercierplatz und 
im Terrain, in die markierten Schießübungen (ttr simiUe), endlich in die 
Übungen der Führung einer Batterie durch jeden Lieutenant, der Züge durch 
ünterofficiere. 

An Munition verfügt die Batterie in sich über 288 Shrapnels (Doppel- 
zünder) und 240 Melinit-Langgranaten (L/4) mit Fallzünder, d. i. 88 Schuss 
pro Geschütz, dann ebensoviel zweitheilige Patronen. Hie von sind alle Ge- 
schützprotzen und die geradenumerierten Munitionswagen mit Shrapnels, die 
ungeraden fünf Munitionswagen mit Langgranaten ausgerüstet (pro Protze 16» 
pro Hinterwagen 32 Geschosse). 

Die Shrapnels haben gegen lebende, gedeckte Ziele, die Melinit-Lang- 
granaten aber gegen widerstandsfähige Ziele zu wirken. 

Kartätschen sind für die Feld-Haubitzen nicht vorhanden. Eine bedrängte 
Batterie beschießt den nahenden Gegner mit auf y,o Secunden tempierten 
Shrapnels bei oberflächlich horizontal gestelltem Rohre. Sollten einzelne Ge- 
schütze bereits mit langtempierten Shrapnels geladen sein, so senken sie rasch 
das Bohr, um auf etwa 20m vor der Stellung Geschoss- Aufschläge zu er- 
zielen. Geladene Langgranaten werden auf das vorderste Ziel verfeuert 

Bezüglich der höheren Verbände finden sich im Reglement keinerlei 
Angaben, sondern nur einigemal bei Aufzählung der Ausrüstungs-Gegenstände 
u. dgl. die Dotierung einer „Gruppe" (entsprechend unserer früheren Batterie- 
Division) erwähnt. 

Eine Munitions-Colonne für 120mm Feld-Haubitzen besteht aus 
5 Batterie-Munitions wagen, 1 Futterwagen, 1 Schmiede und 10 Packwagen. 
Jede Colonne führt 368 Langgranaten und 432 Shrapnels mit, die folgend 
vertheilt sind: 



In den 


Granaten 


Shrapnel 


3 ersten Munitionswagen (a 48 Stück) 

4 ersten Packwagen (ii 56 Stück) 

2 letzten Munitionsw&firen 


144 
224 


96 
836 


6 letzten Packwagen 


Zusammen. . 


368 


4» 



Notizen. 189 

Außerdem 800 Patronen, ebenso vertheilt, wie obige Geschosszahlen 
(48 bezw. 56 pro Wagen) und 1450 Brandel zu 90 bezw. 100 Stück pro 
Wagen. In der Munitions-Colonne finden sich noch einige Beserve-Gegenstände, 
sowie etwas Schanzzeug. 

An Eisenbahn-Yerladegeräthen führt sie mit: 6 Wuchtbäume, 51 Anbind- 
stricke, dann die Bestandtheile einer mobilen Verladerampe, Geleis- und Über- 
lagsbrucke. 

Wie viele Colonnen auf jede Gruppe (Division) entfallen, ist noch un- 
bekannt. Ihr Standort im Gefecht wird durch eine blaue Fahne (Laterne) bei 
Tag (Nacht) bezeichnet. 

Im Feuergefechte einer Batterie unterscheidet man das Batterie- 
oder Zugsfeuer (geschütz weise nach Anruf), die Zugs- oder Batteriesalve. Die 
Feuerschnelligkeit nach erfolgtem Einschießen richtet sich nach den höheren 
Befehlen, sonst aber nach den Gefechtsverhältnissen. Man unterscheidet im 
allgemeinen : 

aj Langsames Feuer, wenn die Batterie pro Minute einen Schuss ab- 
gibt. Zugssalven folgen sich in Zeiträumen von zwei Minuten. 

b) Die „Geschwindigkeit beim Einschießen" beträgt drei Schüsse pro 
Minute im Batteriefeuer; zwischen zwei Zngssalven hält man 40 Secunden. 

c) Im „lebhaften Feuer" (feu nourri) werden sechs Schüsse pro 
Minute abgegeben. Die Zugssalven folgen sich in diesem Falle in Intervallen 
von 20 Secunden. 

Die Schusszahl pro Minute wird vom Batterie-Commandanten anbefohlen. 

Außer den angeführten Geschwindigkeiten kann aber unter Umständen 
auch „Schnellfeuer mit XSchuss pro Geschütz" oder „Schnellfeuer" kurzweg 
commandiert werden,' worauf die rasch geladenen und mit dem Aufsatz ge- 
richteten Geschütze auf Befehl der Zugs-Commandanten einzeln oder in Salven 
abfeuern, ohne bei der Eile die Seitenrichtung besonders genau zu nehmen. 

Das Bichten kann sehr rasch bewirkt werden, da der Bücklauf des 
Geschützes angeblich ganz aufgehoben ist und das allein zurück- und vor- 
gehende Bohr nahezu genau in die alte Stellung bezw. Bichtung gebracht wird. 

Bezüglich der Schießregeln und des hienach geleiteten Einschießens ver- 
weise ich auf die demnächst in den „Mittheilungen" erscheinende Bespre- 
chung der neuen französischen Schießvorschrift für die Feld-Artillerie, zu 
welcher auch die Feld-Haubitzen zählen. 

Hier sei nur erwähnt, dass das Einschießen mit Brennzeiten für den in 
Secunden getheilten Shrapnelzünder (Ermitteln der Tempierung) und das Be- 
golieren der Sprenghöhe in der Regel durch die Zugs-Commandanten für ihre 
zeige erfolgt. Der Batterie-Commandant kann aber auch entweder die Correctur 
jedes einzelnen Schusses durch geschützweises Laden oder die Tempierungs- 
Ermittlung durch Batteriesalven anordnen. 

Außer obiger Aufgabe sind die Zugs-Commandanten auch für das rich- 
) tige Einschießen nach der Seite verantwortlich. 

[ Überdies müssen sie nach der Schießtafel oder mittels des dieselbe ersetzenden 

Bechenschiebers den Geschütz-Commandanten für jeden Schuss die Bicht- 
Eiemente angeben, nachdem sich der Batterie-Commandant darauf beschränkt, 
Ladung und Entfernung anzuordnen, ohne dass aber die Bicht-Instrumente 

14 



}90 N o t i I e n. 

nach Entfernungen eingetheilt sind. Naturgemäß erschwert dieser Umstand das 
Schießverfahren wesentlich. 

Hinsichtlich der aligemeinen Ausbildung der mit letzteren Geschfitzen 
dotierten Batterien bestimmt der Kriegsministerial-Erlass vom 21. Februar 1895, 
dass bei diesen Batterien schon mit der Ausbildung des jungen Bekruten in 
der Bedienung der Feld-Kanonen auch jene bei der Haubitze zu beginnen hat. 
Dasselbe gilt fQr die LehrzQge (pelotona d! Instruction) dieser Begimenter. 

Dagegen erhält bei den anderen Batterien solcher Begimenter die Mann- 
schaft erst im zweiten Dienstjahre Unterricht bei der Haubitze. 

Aus dieser Verordnung kann gefolgert werden, dass nur bestimmte 
Begimenter (vorläufig angeblich sechs Gorps-Artillerie-Begimenter) mit Haubitz- 
Batterie-Divisionen dotiert sein werden. 

Diese Annahme lässt sich ganz gut mit der Angabe Müllers in seinem 
bekannten Werke vom Jahre 1893 „Die Entwicklung der Feld-Artillerie^ ver- 
einen, wonach gewisse französische Armeecorps über zwei Feld - Haubitz- 
Batterien *) (als „Gruppe^ bezw. Division) verfügen. Dementsprechend war 
auch bei den Schießübungen einer Artilleriemasse von 22 Batterien zu Chälons 
im Jahre 1894 bei der Corps-Artillerie eine Gruppe von zwei Feld-Haubitz- 
Batterien eingetheilt. 

II. Material. 

A. Das Geschütz. (Tafel 9, Fig. 1 bis 4.) 

Das 120mm Fold-Haubitzrohr (Fig. 3) besteht aus dem eigent- 
lichen Bohre, dessen Führungsmantel F und der hjdropneumatischen Bremse. 
Ersteres ist aus der Kemröhre K, dem in deren Mittelgegend aufgeschraubten 
Mantel M und dem Schlussring 8 (sämmtliche Theile aus Stahl) aufgebaut 
und besitzt den bekannten Schrauben verschluss mit Bange-Liderung K» wie 
die 80 und 90mm Feld-Kanonen •). 

Der Verschluss besitzt weder eine Sicherung gegen vorzeitiges Abfeuern, 
noch eine solche gegen Nachbrenner. Dieser Umstand, sowie das Vorkommen 
von „Nachflammern^ und die Noth wendigkeit der steten Überwachung der 
plastischen Liderung stellen sich einer, durch die Bohr-Construction zu er- 
möglichenden Steigerung der Feuerschnelligkeit entgegen. 

Das Kernrohr besitzt 36 Parallelzüge mit dem constanten Drallwinkel 
von 8". 

Am Vorderstück sitzt der schmale Stoßring R, welcher oben den Bück- 
stoßzeiger Z und rechts ein Broca- Visier B trägt. Dieser Bing soll mit seinem 
rückwärtigen Kautschukbelage u bei einem übermäßigen Zurückspielen des 
Bohres in dem Führungsmantel F, den Stoß an letzterem abschwächend, das 
weitere Zurflckgleiten des Bohres verhindern. Da sich hiebe! der Zeiger Z an der 
Nase N des letztgenannten Mantels abbiegt oder gar bricht, wird die Aufmerk- 
samkeit der Kanoniere auf die abnorme Bückwärtsbowegung des Bohres gelenkt. 

Der am Kernrobre aufgeschraubte Boormantel M gleitet mittels seitlicher 
Leisten in den zugehörigen Nuthen des bronzenen Führungsmantels P. 



*) Nach anderen Angaben drei. 

•) Siehe „Mittheilungen-, 1881, Seite 403. 



Notizen. X91 

Im Schlussringe S befindet sich rechts der Aufsatzcanal t (Fig. 1) sammt 
Messingfotter und dem Absätze zur Auflage der Aufsatzhülse, links das Sperr- 
kliDken-Lager und unten der Bremscylinder-Tragring T, welcher die Yerbin- 
dang zwischen dem Bohre selbst und dem Bremscylinder der hjdropneumatischen 
Bohrbremse herstellt. 

Der bronzene FQhrungsmantel F bildet das Mittelglied zwischen dem 
eigentlichen Bohre sammt Rohrbremse einerseits und der Lafette anderseits. 
Er umhüllt das Bohr in dessen Mitte (Fig. 3), mit etwas Spielraum, und hat 
Tome einen nach abwärts reichenden Fortsatz, den Bremsenträger O, in den der 
Loftdmck-Cylinder L der Bohrbremse eingeschraubt ist. Hier befindet sich 
auch ein doppelter, durchlochter Ansatz zum Durchstecken eines Bolzens beim 
Marschbereitmachen des Geschützes. Oben sitzt die Schmierloch-Schraube a. 

Weiter sind zu nennen: Das Quadrantenlager E, die Schildzapfen 
sammt Angüssen P, wovon der linke das Lager für die Seiten-Bichtvorrichtung 
enthält. Die Führungsnuthen im Innern des Bronzemantels F wurden bereits 
an früherer Stelle erwähnt. 

Die Rohrbremse (Fig. 3 und Fig. 4) setzt sich aus einer öl- 
und einer Luftdruck-Pumpe zusammen, deren Wirkung sich gegenseitig com- 
pensiert. Diese Bremse besteht vorne aus dem bronzenen Luftbehälter L, 
welcher in den zugehörigen Träger G des Führungsmantels F fix eingeschraubt 
ist und nach rückwärts in ein starkes Rohr R (Fig. 4) ausläuft, auf welchem 
der stählerne Bremscylinder B gleitet. 

Am rückwärtigen Ende des Bremsrohres sitzt der Bremskolben K 
(Fig. 4), der gleich dem Deckel D der Bremse für das Nachfüllen derselben 
entsprechend eingerichtet ist, wie die Figur zeigt. Nächst dem Kolben ist 
das Bremsrohr bei mehrfach durcblocht. 

Der Bremscylinder B ist durch den Tragring T (am Bohr-Schlussring) 
mit dem Bohrkörper innig verbunden (Fig. 3). 

An dem gegen den Luftraum / (Fig. 4) gekehrten Ende des Brems- 
rohres i? befindet sich ein, durch Belleville-Federn im Gleichgewicht erhaltenes 
Dmckventil V und vor demselben eine zügig bewegliche, lose Scheidewand W, 
welche den vorderen Raum mit comprimierter Luft von den rückwärtigen Hohl- 
räumen trennt, die mit Mineralöl (Petroleum?) gefüllt sind. 

Die Rohrbremse functioniert in folgender Weise: 

Beim Abgehen des Schusses gleitet das Rohr im Führungsmantel zurück 
find nimmt dabei den an ersterem hängenden Bremscylinder B mit, dessen 
den hohlen Kolben R umspülende Flüssigkeit durch die Löcher im Kolben 
nach innen gepresst wird. Durch den Druck der hier sich ansammelnden 
Flüssigkeit wird das Ventil V geöffnet, dieselbe strömt nach vorne aus und 
wirkt gegen die bewegliche Wand W, welche die vor ihr befindliche Luft 
noch weiter (in /) zusammendrückt. 

Durch die hiebei zu leistende Arbeit zehrt sich die Rückstoßkraft auf, 
bis endlich die stark comprimierte Lufb (in / ) imstande ist, sich wieder in 
daa frühere Verhältnis auszudehnen und dadurch die bewegliche Wand W 
wieder zurückzuschieben. Dies bewirkt den Rückfiuss der vorgedrückten Flüssig- 
keit in das Bremsrohr R und durch dessen rückwärtige Öffnungen nach 
außen in den Hohlraum des beweglichen Bremscylinders B, wodurch dessen 

14* 



192 Notizen. 

automatisches Vorschieben, also auch jenes des darflber gleitenden Kohres, 
erfolgt. 

Bei richtig gefällter und gestellter Bremse kann das Rohr im Maximum 
auf 475mm zurückspielen, doch darf beim Gebrauche diese Grenze nie er- 
reicht werden, sondern es muss schon bei einem Wege von 450mm die Bremse 
reguliert werden. 

Trotz der verschiedenen constructiven Vorsorgen tritt nämlich bei län- 
gerem Schießen successive ein Verlust von Bremsflüssigkeit ein, was die Wir- 
kung der Rohrbremse vermindert, also den Rücklauf des Rohres im Führungs- 
mantel vergrößert, anderseits dasselbe nicht mehr in seine Ausgangsstellung 
zurückbringt. Sobald beim Schießen der messingene Zeiger Z (Fig. 1 und 3) 
des Stoßringes R an der Nase N des Führungsmantels F sich abbiegt, hat der 
Rücklauf des Rohres den Weg von 450mm und damit seine zulässige Sicher- 
heitsgrenze erreicht Es muss dann bei der nächsten Feuerpause das Nach- 
füllen der Bremsflüssigkeit mit Hilfe einer eigenen Pumpe, deren Manometer 
bis 200 Atmosphären zeigt, vorgenommen werden. Diese — hier nicht weiter 
berührte — Procedur geschieht im Frieden im Arsenale zu Bourges, im Kriege 
durch einen hiezu besonders ausgebildeten Soldaten. Sie dauert 15 bis 
20 Minuten ; mit dem Hineinpressen der Flüssigkeit wird innegehalten, sobald 
das Manometer 110 Atmosphären Druck anzeigt Im allgemeinen wird nach 
rund je 1.500 Schüssen eine Wiederfüllung der Bremse noth wendig. Eine 
undienstbar gewordene Bremse wird durch die Reservebremse (eine pro Batterie) 
ersetzt 

Das Rohr sammt Verschluss, Rohrbremse und Führungsmantel wiegt 
690 %, hievon entfallen auf die eigentliche Schießröhre etwa hh^kg. 

Die Lafette (Fig. 1 und 2) theilt sich in das Fahrgestell und das 
darauf ruhende Schießgestell. 

Das Fahrgestell, die ünterlafette a, ist aus zwei genieteten Stahlblech- 
wänden, die nach rückwärts convergieren , hergestellt, und durch mehrere 
Querbleche verbunden. Sie trägt die gekröpfte und gestürzte Achse aus Stahl 
(Fig. 5) mit den beiden Rädern von besonderer Construction, die Fahr- (Backen-) 
Bremse und sonstige aus der Figur erklärliche Beschlägtheile. 

Durch die Anwendung der gekröpften Achse (aus geschmiedetem und 
gehärtetem Eanonenstahl) wurde es möglich, eine geringe Höhe des Fahr- 
gestelles zu erzielen und dennoch Räder von großem Durchmesser benützen 
zu können. 

unter dem Protzstock ist quer eine breite Pflugschar scA angebracht, die 
durch ihr Eingraben in günstigem Boden die RQckwärtsbewegung der Lafette 
beim Schusse aufhebt; in Schotterboden und felsigem Grunde muss das Ver- 
senken der Protzstockschar durch Ausheben einer Rinne erleichtert werden. 

Beim Fahren des Geschützes in unebenem, durchschnittenem Terrain 
soll es nicht ausgeschlossen sein, dass die Schneide der Pflugschar, da sie 
sich bei aufgeprotztem Geschütze nur 37cm über dem Boden befindet, leicht 
anstoßen und Hemmungen veranlassen kann. Nach den Artillerie-Massen- 
manövem zu Chälons im August 1894 wurde unter anderem diesbezüglich 
auch darüber geklagt, dass sich die Feld-Haubitz-Lafetten beim querfeldein 
Fahren leicht selbstthätig abprotzten. 



Notizen. 



193 



An der vorderen, oberen Fläche der Unterlafette ist die Bichtsohle sammt 
Pivotzapfen als Auflage für die Oberlafette b angeordnet. 

Das Schießgestell ist eine kleine Lafette b aus zwei Stahlblechwänden, 
die durch Querbleche verbunden und durch Winkeleisen verstärkt sind. Sie 
roht auf der Bichtsohle der Unterlafette und ist vorne im Pivotöhr um deren 
Piyotzapfen p (Fig. 1, unten) drehbar, welcher an seinem vorstehenden Ende 
durch eine Mutter versichert ist. BQckwärts greifen die Gleitbacken der Ober* 
lafette in die Falzen des Führungsstückes/ der Unterlafette (Fig. 1, oben) ein. 

Die Schilddeckel sind mit den Schildpfannen vorne chamierartig ver- 
bunden, rückwärts durch Schließbolzen festgehalten. 

Während des Marsches wird die Oberlafette an der Bichtsohle R 
{Fig. l) mittels des Binges r (Fig. 2), einer in Gelenken umklappbaren 
Traverse tr festgehalten, die am rückwärtigen Biegel g der Oberlafette beweg- 
lich ist. Dieser Bing r greift über einen Zapfen p/ der Bichtsohle und be- 
wirkt ein Schließbolzen seine Festlagerung am Zapfen. Anderseits wird das 
Bohr für den Marsch mit der Oberlafette durch das Gelenksstück l an der 
letzteren (Fig. 1) und den Ansatz des Bohr-Führungsmantels in der 
Weise verbunden, dass ein Schließbolzen durch die Öhre beider Theilo ge- 

eteckt wird. 

Zum Feuerbereitstellen löst man letztere Verbindung, gleich jener an 
der ünterlafette, klappt die freiwerdende Traverse tr nach aufwärts und stellt 
sie mittels des bei 2 eingesteckten Schließbolzens (Fig. 2) fest. 

Während die erste, grobe Seitenrichtung durch Verschieben des Protz- 
stockes gegeben wird, gestattet eine eigene Seiten-Bichtmaschine der 
Oberlafette, derselben eine feinere Seiten Verschiebung bis zu 10® Bestreichungs- 
feldy wobei sie sich um den früher genannten Pivotzapfen der Unterlafette 
dreht. Diese Seiten-Bichtmaschine besteht aus einer horizontalen Schraube 
ohne Ende e im rückwärtigen Biegel g der Oberlafette (Fig. 2), welche 
beiderseits außerhalb der Wände mit einem Handrade h versehen ist. Diese 
S<^necke e greift in einen Zahnbogen n (Fig. 6) ein, welcher am rückwär- 
tigen Bande der Bichtsohle (der Unterlafette) festgemacht ist. 

Die Höhen-Bichtmaschine ist an der rechten Lafettenwand 
angebracht; sie besteht (Fig. l) aus einer in zwei Lagern drehbaren Schraube 
ekoe Ende oe, welche mit einem am rechten Schildzapfen verkeilten Zahn- 
hogeDstfick im Eingriff steht. Die Construction der Schraube ohne Ende ist 
nachstehend ersichtlich gemacht. Dieselbe ermöglicht es, dass stets mehrere 
Ziline im gegenseitigen Eingriife stehen, wonach ausgebrochene Zähne 
(Lücken) ohne Einfluss auf die Thätigkeit der Bichtmaschine sind. 

Die genannte Schraube 
erUHt ihre Bewegung durch 
line doppelte Kegelrad-Über- 
BStzongvon der Kurbel (sammt 
Handgriff und Zeiger) u. Eine 
Umdrehung der Kurbel ent- 
iprieht der Elevations-Ände- 
nmg von 4®; di« ß^® Zeigerkreisscheibe ist durch Messingknöpfe in acht 
Theile getheilt, um Elevations-Änderungen direct an der Bichtschraube vor- 
nehmen zu können. Nach dem Ertheilen der Höhenrichtung wird das Bohr in 





194 N t i I e n. 

dieser Lage durch Vorwärtslegen des Bremshebels bh und damit Anpressens 
der Bremsschraaben-Mutter am Zahnbogen k festgehalten. Dreht man den 
Bremshebel nach rückwärts, so löst sich die Bremse ab. 

Da sich der Verschluss nur bei Elevationswinkeln bis 7^ handhaben lässt, 
welche bei Haubitzen weniger vorkommen, so muss das Rohr nach jedem 
Schusse in die Ladestellung gebracht werden, was dem Charakter eines 
Schnellfeuer-OeschOtzes widerspricht. 

Die Elevationsgrenzen der Höhen-Bichtmaschine auf horizontalem Boden 
bei versenktem Protzstock sind überhaupt -f* ^^^ ^^^ — 1^*^; dabei müssen 
jedoch zum Schießen über 40" Erhöhung oder unter Senkungswinkeln — 
behufs Abschwächung des Stoßes auf die Achse — die Räder auf einen 
elastischen Boden, auf Sandsäcke oder Faschinen, Strauchwerk u. dgL ge- 
stellt werden. 

Beim Schießen mit Winkeln unter 15 bis 20** springen die Lafetten- 
räder auf, auch kann sich die Lafette verschieben; über 20" Eievation ist 
dieses Verstellen nahezu Null. 

Auf der stählernen Lafettenachse as sitzen zwei Speichenräder einer 
besonderen Anordnung mit stählernem Radreif. 

Als Fahrbremse dient eine Backenbremse mit zwei von einander 
unabhängigen Armen (Fig. 1); jeder besteht aus der Schraube I sammt 
Kurbel II, deren Mutter in einem Träger unterhalb der Lafettenachte a$ sitzt. 
Die Zugstangen III bethätigen an rechtwinklig abgebogenen, in Gelenken 
drehbaren Hebeln IV die Bremsbacken V aus Kautschuk. Eine Achteldrehung 
entspricht einer schwachen Bremsung, wo die Pferde noch im Zug bleiben ; 
Dreiviertel-Umdrehungen bewirken eine scharfe Bremsung. 

Erwähnenswerte Beschlägtheile sind : 

Das Protzlochöhr, die Protzstock-Handhaben zum Ab- und Aufprotzen, die 
Richtbaumbüchsen für das Einstecken des Richtbaumes zum Verschieben des 
Protzstockes (links), die Aufbänghaken und -Ringe fQr den Wischer, den Setzer 
und den Richtbaum, sämmtliche an der ünterlafette, femer das Lager fbr die 
Handhacke an der Oberlafette u. dgl. m. 

Das complete abgeprotzte Geschütz wiegt 1.475A'^, wovon 690A;^ auf 
das complete Rohr und 7Sbkg auf die Lafette entfallen. 

Die Protze (Fig. 7) ist im allgemeinen (nach dem Protzhaken-System) 
jener der bestehenden Feldgeschütze *) nachgebildet, nur naturgemäß etwas 
stärker dimensioniert. Jedoch ruht der Protzkasten nicht direct auf den Seiten- 
trägem, sondern auf einem dazwischen eingeschalteten starken Rahmen /?. 
Die Räder sind jenen der Lafette gleich. 

Die Klappthür des Protzkastens befindet sich rückwärts und öffnet sich 
— wie bei den Feldprotzen M. 77 — in Gelenken nach abwärts, wodurch 
das Herausschieben der Geschosse und das Zurichten der Patronen er- 
leichtert wird. 

Die Protze besitzt vor und hinter dem Protzkasten ein Fnßbrett für 
die beiderseits aufsitzenden Kanoniere ; zwischen den Seitenstützen des Kastens 
lässt sich die Rückenlehne verschieben. Die nach rückwärts sitzenden Kanoniere 



Siehe „Mittheilungen« 1881, Seite 410 und 4n. 



N o t i I e n. \^ 

werden gegen das Hernnterfallen dorch den zosammenhakbaren Brustriemen br 
{Flg. 8) geschützt. 

Jeder Protzkasten (Fig. 8 und 9) enthält in 16 Fächern und 4 Schub- 
laden 16 freiliegende Geschosse, 16 zweitheilige Patronen und 30 Brandein. 
Die Geschosse ruhen frei in den Fächern oben und unten auf Längsstreifen 
ao8 starkem Bflffelleder; kuapp vor dem Ffihrongsbande sind sie ?on Centrier- 
kissen aus Hartgummi eng umschlossen. Die Geschosspitze stützt sich innen 
gegen ein passend ausgenommenes federndes Widerlager, welches andauernd 
das GeschosB mit dem Boden gegen eine Kautschukscheibe drückt, die sich 
gegen eine in Gelenken drehbare, federnde Schießklappe mit einschnappendem 
Zangenstück stützt. Hiedurch ist bei geschlossenem Protzkasten eine feste 
und dennoch elastische Lagerung der Geschosse bewirkt. 

um nach dem Öffnen und Abwärtslegen der Kastenthür ein Geschoss 
herauszunehmen, löst der Mann die SchieOklappe aus, dreht sie nach rück- 
wftrts, zieht das Geschoss mit den Händen oder dem Auszieher aus dem 
Fache und schließt dann die betreffende Klappe wieder zu. In dieser Weise 
wird im Feuergefecht zuerst die obere Reihe der Geschossfächer entleert und 
sodann auf die untere übergegangen. 

Die zwei mittleren Schubladen (Nr. 2 und 3) enthalten je acht Patronen, 
jede streng passend in einer viereckigen Schachtel liegend; außerdem sind in 
jeder Lade acht offene Cartons zu Vieren vereint, welche zur Aufnahme der 
bei der Spaltung der zweitheiligen Patronen nicht verwendeten Theilladung 
bestimmt sind. 

Von den beiden Randladen nimmt die rechte 30 Brandein in Paketen 
zu 10 Stück auf; femer in besonderen Lagern ruhend an Reservetheilen je ein 
Exemplar: Lidernngsring (plastisch), Yerschlusskopf, Gelenksäge, diverse 
Schrauben- und Zünderschlüssel, Abziehschnur, Zündlocbausreiber, Raumnadel. 

In der linken Lade findet man: 1 Standes- Vorschrift der Batterie, 
1 Quadrant M. 88, 1 Aufsatz für die 120min Haubitze, 1 festen Quadranten, 
1 Seiten-Richtvorrichtung saromt 2 Dioptern, 1 Senkel, verschiedene Yer- 
scbloss-Reservetheile u. dgl. alles in Hadern gut eingehüllt. 

Die vollkommen gepackte und ausgerüstete Protze wiegt 890%; von 
diesem Gewichte entfallen 3bVo ^^^ Munition überhaupt und 36Vo ^"^ ^^' 
schösse allein. Demnach beträgt das Gewicht der ausgerüsteten und gepackten 
I20fnm Feld-Haubitze als Fuhrwerk 2.365, d. i. im Mittel pro Pferd *69ikg, 
was die von den Artilleristen fQr ein brauchbares Feldgeschütz zulässig er- 
klärte Gewichtsgrenze nicht unerheblich überschreitet. 

Der ausgerüstete und gepackte russische 1 5cm Feldmörser wiegt 2.1 lOA'^, 
was eine mittlere Zuglast pro Pferd von 3bOkg (etwas geringer als unser 
Batterie-Munition s wagen) ergibt. Das Gewicht des completen schweizerischen 
I2cfn Positions-Mörsers beträgt 2.2lOkg, der türkischen 12cm Feld-Haubitzo 
(Krupp) 2.100A'^. (Siehe Scblusstabelle.) 

B, Fuhrwerke. 

Zu einer 1 20mm Haubitz-Batterie gehören : Munitipnswagen, Packwagen, 
Sebmiedewagen, Futterwagen, Lebensmittelwagen^ Bagagewagen. 



196 N 1 i s e n. 

Eine Mnnitions-Colonne (Section) für 120mm Batterien enthält Muni- 
tionswagen, Futter- und Schmiede wagen, dann Packwagen. 

Der Munitionswagen Fig. 10 und 11 besteht aus der Wagenprotze 
und dem Hinterwagen, wovon erstere der Geschützprotze gleichkommt. Der 
Hinterwagen ist nach dem Protzhaken-System mit der Protze verbunden. Auf 
seinem Traggerflste sind zwei Protzkästen der vorher beschriebenen Gonstruc- 
tion befestigt. Der vordere Theil ihres gemeinsamen Deckels ist als Sitz für 
die Mannschaft, der rückwärtige Theil mit einem Geländer für die Tornister 
der ünberittenen und einer kleinen Schosskelle für einen Futtersack (mit 
^bkg Hafer) versehen. 

Der Munitionswagen hat eine Backenbremse, die in der aus (Fig. 11) 
ersichtlichen Weise von der linken Seite rückwärts gehandhabt wird. 

Die Kasten des Munitionswagens (Fig. 12) enthalten — gleich der Geschütz- 
protze — jeder 16 Geschosse, 16 Patronen und 30 Brandein, welche Munition 
in den Geschoaefächem und Schubladen ebenso wie dort untergebracht ist; 
außerdem sind in den linken Schubladen der Wagenprotzen des 1., 4. und 
7. Wagens je 1 fester Quadrant, 1 Seiten-Bichtvorrichtung, 1 Diopter-Visier, 
Putzhadern u. dgl. verwahrt. In allen rechten Laden sind je 1 Liderungs- 
ring, 30 Brandein, dann mehrere Zünderschlüssel u. dgl. m. verpackt. Die 
Laden der Wagenkoffer und diese selbst enthalten verschiedene Beserve-Be- 
standtheile, Beinigungsgeräthe, Brandel, 1 Laterne M. 91 (für Kerzen) etc. etc. 

Das Gewicht des completen Batterie-Munitionswagens beträgt 2.360%, 
entsprechend einer mittleren Zuglast von 39 3 A:^ pro Pferd. 

Der Batterie-Packwagen (Bequisitenwagen) M. 1833 ist jenem 
ähnlich, der in den „Mittheilungen ^ vom Jahre 1881 (Seite 501) für die Feld- 
Kanonen M. 77 beschrieben und dargestellt ist. Zwischen den Tragbäumen 
des Hinterwagens und der Achse sind aber Suspensionsfedern eingeschaltet 
Die Backenbremse ist jener des Munitionswagens gleich. 

Im Protzkasten sind untergebracht: 1 Pumpe zur Nachfüllung der 
Bohrbremse, 12 Brandeltaschen sammt Abziehschnüren, 12 Patronen-Tornister, 
sammt Patronenzieher, bkg Kerzen (24 Stück pro Kilogramm) und 1 Beserve- 
glas für die Laternen, A^kg Schmiermaterial etc. 

Der Wagenkasten ist innen durch zwei Scheidewände in drei Bäume 
getheilt. Von den wichtigsten hier untergebrachten Gegenständen seien er- 
wähnt: das Batterie-Fernrohr M. 86 sammt Stativ^ 1 Telemeter, 1 Beserve- 
Bohrbremse, u. s. w. u. s. w. Außen sind am Wagen 2 Beserve-Bäder, 
2 Beserve-Achsen etc. befestigt. 

Das Gewicht des vollkommen beladenon Packwagens beträgt ungefähr 
2.100%. 

Die federnden Packwagen M. 33 der Munitions-Colonnen sind durch Auf- 
setzen eines verlängerten Kastens M. 40 auf die Protze und durch Anbringung 
beweglicher Wände im Hinterwagen zur Aufnahme von Haubitz -Munition 
hergerichtet 

Die Feldschmiede nimmt die verschiedenen Werkzeuge und Mate- 
rialien für das Beschlagen der Pferde und für sonstige kleinere Batterie- 
Beparaturen (in Eisen und Holz) auf, außerdem einige Beserve-Gegenstände. 
Hier wird auch eine Winde {cric) M. 58 von 2.000% Tragfähigkeit aufgeladen. 
Der vollkommen beladene Feldschmiedewagen wiegt 1.834%. 



Nati! 



197 



Der Futterwagon dient zu verschiedenen Transporten in der ßatterie, 
^vamanüick für das Futter, und gehurt zum Kegiments -Train. Seine Belastung 
1 duf 1.400% Dicht übersteigen. 

Von den verschiedenen zweispännigen Füurgons sind Jane M. 74 
ud«r H. 74/79 für Lebunemittel, eine uder zwui federnde M. 87 pro Division 
SüT die Bagage der Ofßciere, die Kanzleien, SubuhvorrätbG und die thier- 
üxtliche Apotheke bestimmt. Sii.' werden vom Train beigestellt, voui Bock 
aas gefahren und sind mit wasserdiciiteni PI acbon Oberzug versehen. Ihre 
Haximaltast beträgt 900%. Auf einem Lebensmittel wagen jeder Division wird 
eine Kiste mit drei Laternen gammt Zugeliür und HoservetheUen untergebracht. 



Für den Eisenbahn- Transport des Materiales der Feld-Uaubitz- 
BsUerlen gelten dieselben Vorschriften, wie für die 95mm Kanone, jedoch wird 
nur ein Fuhrwerk (zwei Achsen) auf jedem Lowrj verladen. Sind von letzteren 
nicht genug vorhanden, so bringt man einige Mrinitions-Hinterwagen paarweise 
nf den Lowrys unter und ladet ihre Protzen den Fourgons oder Marketender- 
wagvn 2U. Die betreCTcnden Waggons mQssen eine Ladefläche von mindestens 
5'45m Länge und 2 '5m Breite haben. 

An Schanzzeug verfOgt jede Haubitz-Batterie Ober: 
24 Krampen, wovon Z (l) auf jeder Geschütz- (Wagen-) Protze, 1 am 
Packwagen, 2 am Futterwagen befestigt sind; 

9 Stechschaufeln, 27 Wurfschaufeln; 1 und ;) pro Munitions lliiiturwagen; 
6 üandhacken, je eine pro Lafette ; 
6 Hacken, je eine pro Munitionswagen der ersten Linie; 
21 Hebbäume u. zw, ■> (ij pro Lafette (Munitionswagen); 
9 Laternen M. 9 1 ; 

G Hämmer M. 80, ö Geleuksägen M. nO, d. i. je I pro Geschützprotze; 
3 Zugsägen in drei Munitions wagen; 
S Faschinenmesser im Futterwagen. 
Außerdem fQhrt jede Feldhaubitz- Batterie, auf ihren Fuhrwerken ver- 
theilt, bis zur Einwaggonterungs-Station Gerälbe mit: 

4 Wuchtbäume, 54 Änbindstricke, dann die Bestandtheile einer mobilen 
Verladerampe mit Geleis- und Üboriagsbrücke. 

Diese Gerätbschaften werden auf der Bahn mitgenommen und im Äus- 
waggonierungs-Bahnhofe zurdckgelassen. 



IM. Hunitlon. 

Die 120mni Feld-Haubitze verfeuert Sprenggrftnaten und Slirapnels 
H. yi. Äußer dieser Kriegs-Hunition kann sie im Frieden auch gewöhnliche 
120mm Granaten (eveutuell mit Melinit gefQUt) und Sbrapnels älteren 
Masters, beide Geschossgattungen gleich jenen für lange 120mm Kanonen, 
schießen, wofür eine eigene SchieBtafel besteht, die von der fQr die Kriegs- 
Xnnition bestimmten verschieden ist. 

Die Sltoren, gewilhnlichen Granaten sind außen an der Spitze schwarz 

angestrichen ; die Shrapnels älteren Masters an derselben Stelle roth, die 

I neueren sind durchaus rotli, die Meünit-Sprenggranateu ganz gelb angestrichen. 



198 Notisen. 

Die 4 Caliber lange Sprenggranate ist aus Stahl erzeugt und mit 
%kg Melinit als Sprengladung gefQllt. Ihre Zflndvorrichtung in der Spitz» 
wird durch den Granatzünder M. 88 Typ 22/31 R. (Robin) beth&tigt, welcher 
hinsichtlich seiner Armierung bei kleinen Ladungen empfindlicher ist, als der 
Feld-Granatzünder. Derselbe ist in die stählerne MundlochbQchse einge- 
schraubt, welche unterhalb des Zünders das Sprengkapsel und die YerzögeruBg- 
enthält. 

Das vollkommen adjustierte Geschoss wiegt 20'Zbkg. 

Der obengenannte Granatzünder erscheint noch nirgends beschrieben ^\ 
soll daher skizziert werden. Er hat dieselbe äußere Form, wie der in 
Schuberts „Feld- Artillerien" behandelte Feld-Granatzünder M. 84. 

Der Zünderkörper a (Fig. 13) ist oben durch die Verschlusschraube tr 
geschlossen, aus welcher central die geriffelte Zflndnadel z nach unten vor- 
steht, während an der Peripherie drei mit Jagdpulver gefüllte Lücher k 
liegen, deren Ladung den Feuerstrahl des Eapsels zu verstärken hat. 

Der Schlagbolzen nb trägt außen am oberen und unteren Ende je eine 
Einkerbung 1 — 1, 2 — 2, als Widerlager der Zünderversicherungen. Linen 
enthält er oben das Kapsel />, darunter die um eine axiale Stoppine x ge* 
lagerte Schlagladung g aus Jagdpulver, deren unteren Abschluss der Wachs- 
pfropf w bildet. Über den Schlagbolzen s b ist die HQlse h gestülpt, von 
welcher nach innen 3 Spangen s vorspringen ; die Schlägerfeder / hält Hüls» 
und Bolzen auseinander. 

Vor dem Schusse wird der Schlagbolzen durch die aus der Yersicherungs- 
hülse l nach innen vorspringenden 3 Lappen in seiner Lage erhalten. In 
dritter Linie wird die Transport- und Ladesicherheit des Zünders durch die 
in den axialen Gewinden der Bodenschraube bs des Zflnderkürpers und jene» 
des Schlagbolzens eingelegte Spiralfeder d gewährleistet. 

Beim Schusse schiebt sich die Hülse h auf den Schlagbolzen #6 auf^ 
wobei einerseits die SchlSgerfeder / zusammengedrückt wird, anderseits di& 
oberen 3 Spangen 9 der Hülse über den runden Kopf des Schlagbolzens gleiten 
und unter demselben in der Kerbe 1 — 1 wieder vorschnellen, so dass jetzt 
Hülse und Bolzen einen Körper bilden. Außerdem biegt auf diesem Wege der 
untere trichterförmige Rand der Hülse die 3 Lappen l der Versicherungshfllse l 
nach außen, so dass sie aus dem Eingriff bei 2 — 2 gelangen. 

Beim Aufschlage der Granate brechen die Lappen und die untere schwache 
Spiralfeder infolge des voreilenden schweren Schlagbolzens ab, dessen Kapsel 
sonach ungehindert in die Zündnadel fliegt und mittels der Schlagladungen 
die Explosion des Geschosses veranlasst. 

Die Bestimmung der Sprenggranaten ist die Zerstörung von Erd- 
deckungen, gegen welche die Melinitgranaten der 90nim Feld-Kanonen als zn 
wenig wirksam erachtet werden. So sind zur Zerstörung einer 3m starken, 
2*3m hohen Erdbrustwehr pro laufenden Meter 10 gute Treffer mit 90mm 
Sprenggranaten erforderlich '), was gegen eine befestigte Stellung einen be- 



*) ADßer im Reglement fQr die französische Bclagernngs- und Festungs- 
Artillerie, II. Theil. Dieser Zünder dient auch für die Melinitgntnaten der Feld- 
geschütze. 

•) LegonM d^ArtUlerie^ par le Capiimne E. Oirardon, 1895 (page 90$). 



Notizen. 1 9^ 

deutenden Munitionsaufwand ergeben würde. Eine gut sitzende 120mm 
Sprenggrntnate leistet dieselbe Wirkung und kommt überhaupt der Wirkung^ 
▼on 12 Polyergranaten desselben Calibers gleich. 

Gegen Truppen, die sich hinter schwachen Mauern u. dg], decken 
wollen, wirkt die Granate nach dem Durchschlagen dieses Hindernisses durch 
ihre Sprengstücke. 

Bei dieser Schussart wird auch darauf gerechnet, dass der Luftdruck 
der explodierenden Sprenggranaten imstande ist, lebende Wesen umzuwerfen 
und bei denselben schwere innere Verletzungen hervorzurufen. Hiezu tritt 
noch die eventuelle Splitterwirkung. Explodiert eine solche Sprenggranate nach 
dem Durchschlagen der Mauer in einem geschlossenen Baume, so werden alle 
darin sich aufhaltenden Personen durch die Sprengstücke und durch den Luft- 
druck getödtet. 

Das 120mm (Bodenkammer-) Shrapnel M.91 (Fig. 14) besteht au» 
einer stählernen Hülse mit dem Centrierwulst und dem eingepressten kupfernen 
Ffihrungsbande, dann der aufgeschraubten Spitze, in deren Mundloch der 
bronzene Feld-Doppelzünder M. 84, Typ 30/38, eingeschraubt ist. 

Die Beschreibung dieses, für 22 Secunden Brennzeit eingerichteten 
Doppelzünders findet sich in Schuberts „Feld- Artillerien". Die Tempierung 
wird durch Anbohren der Satzspirale, entsprechend der Flugzeit des Geschosses^ 
auf Vio Secunden genau gegeben. 

Die Sprengladungskammer im Geschossboden nimmt 2805^ Gewehrpulver F^ 
auf. Ober welchem ein beweglicher Stoßspiegel sitzt. Auf diesem lagert die 
Fülladnng, aus 630 Stück Hartbleikugeln von 12^^ Einzelngewicht*) be- 
stehend, die in Kolophonium gelagert und mit einer Wachsmischung über- 
deckt sind. Der Fülladungsraum wird oben durch eine zweite Scheidewand 
abgeschlossen; die Spitze scheint hohl zu bleiben, wenigstens finden sich 
diesbezüglich keine Angaben (Boxers erstes Shrapnel hatte bekanntlich 
Tome auch nur eine HolzfQllnng). Es ist aber auch möglich, dass oben eine 
zweite Sprengladung für die Geschosswirkung im Aufschlage oder ein rauch- 
entwickelndes Präparat eingefüllt wird. 

Das Communications-Röhrchen ist in den (unteren) Stoßspiegel einge- 
sehraubt, erweitert sich oben napfförmig und wird nach dem Einfüllen der 
Sprengladung oben durch eine Gaze- und zwei Papierscheiben abgeschlossen. 

Das adjustierte Shrapnel ist außen roth angestrichen und wiegt — 
gleich der Sprenggranate — 20•35^•^, wovon 7'b^kg, d. i. 37Vo des ganzen 
Gewichtes als wirkende Ladung auf die Füllkugeln entfallen. Der Kegelwinkel 
der Sprenggarbe wird franzOsischerseits für die Gebrauchsladnng mit 
14* angegeben. Das Geschoss wirkt als Hülsenshrapnel, nachdem die 6 bis 
lOmm starke Stahlhülse bei der Explosion ganz bleibt. 



*) Die {raiit{y8i8che Artillerie Tcr a H Bch lagt die Arbeit, um M e n w b en (Pferde) 
mBct Gefecht zu setzen, auf 4 {ld)mkg und verlangt fflr Hartbleikageln von lljr 
Gewicht 81 bezw. 175m Anftreffgeschwindigkeit, bei Ibg Gewicht aber 77 bezw. 
IM». Die Füllkogeln der 80 and 90mm ^Ohus ä milraille^ wiegen 15g; obige 

S^Omigt) Sbrapnels M. 91 geboren zur Constmction der „Obus ä hattt»^ (Wille» 
affenlehre 1896). 



200 N 1 i 1 6 n. 

Die Shrapnels wirken gegen feste Hindernisse durch den Stoß, gegen 
Truppen durch die Sprenggarbe der Füllkugeln und SprengstQcke. 

Die Normal-Sprenghöhe (hauteur-type) ist aus Versuchen fÄr die 
Ladungen von 550, 330 bezw. 220/7 mit 10, 20 bezw. 30 Tausendstel 
der Schussdistanz ermittelt worden, also z. 6. bei der mittleren Ladung auf 
3.000m mit 60wi. 

Mit „niedrig'^ werden alle Sprengpunkte von geringerer Höhe, mit 
^hoch^ alle die mit größerer Sprenghöhe als der normalen bezeichnet. „Sehr 
hoch" werden alle Sprengpunkte genannt mit einer Sprenghöhe, die größer 
ist, als die doppelte normale. 

Die Correcturen erfolgen nach folgenden Regeln : 

Die Brennzeit (Zündertempierung) wird vormehrt um 

0*8 Secunden nach 2 sehr hohen Sprengpunkten, 

- Sprengpunkte, 



0-6 r rj 

0-4 . .2 



{ 1 hol 



hohen 



0-2 



{1 






r n 

normalen „ 



Die Brennzeit (Tempierung') wird vermindert um 

0*8 Secunden nach 2 Aufschlägen, 

f 1 Aufschlag und 
^ ^ [ 1 niederen Sprengpunkte, 

U 4 ^ ^ Ä y J^ 



0-2 { " 

^ " l 1 normalen 



71 



Die Patronen sind zweitheilig d. h. die Normalladung von 550j7, 
rauchlosen Pulvers BC setzt sich aus den beiden Theilpatronen von 330^ 
und 220^ zusammen, welch letztere als mittlere und kleine Ladung be- 
zeichnet werden und zur leichteren Unterscheidung in verschiedenfarbigen, 
entsprechend bezeichneten Säcken eingefüllt sind. 

Jede Theilladung trägt am Boden ihres Seidensackes eine Anfeuerung von 
\0g Geschützpulver (Schwarzpulver) C, zur leichteren Entzündung der Patrone. 

Die fertige Geschützladung hat die Form eines vierseitigen 
Prismas, dessen Kauten sich an die Bohrungswände lehnen. Beim 
Schließen des Verschlusses wird die Patrone etwas nach der Länge 

zusammengedrückt, kann sich also nicht verschieben und behält einen seitlichen 

Luftraum. 

Schießt man mit einer verminderten Ladung, so erhält man die normale 
Länge der Patrone durch Einschieben eines cjlindrisch zusammengerollten 
Cartonblattes an Stelle der weggenommenen Theilpatrone in den über dem 
Bund vorstehenden Theil des Patronensackes. Hiedurch wird es auch bei 
kleinen Ladungen unmöglich, die Patrone weiter in ihr Lager vorzuschieben, 
als es die sichere Entzündung und gleichmäßige Verbrennung fordert. 




Notizen. 



201 



Beim Schießen mit dem B. C. Pulver sind auch Nachfiammer zu be- 
farchten. Dieses Präparat hat nämlich gleich manchen andere^ rauchlosen 
PnlTersorten die Eigenschaft, „nachzuflammen^, d. h. manchmal schlägt nach 
dem Schusse beim sofortigen raschen Öffnen des Verschlusses eine Flamme 
aas dem Ladeloche heraus. 

Dieses Nachflammen hat schon einige Unglücksfälle yerursacht. So be- 
richtete j^LAvenir määatre^ über einen solchen, der sich am 15. Juni 1895 
auf dem Schießplatze bei Poitiers ereignete. Dort entzündeten sich durch 
Nachflammen zwei Patronen und eine Granate (?), die gerade zum Geschütze 
gebracht wurden, wobei durch die Explosion vier Mann verwundet wurden. 

Die Entzündung der Geschützladung erfolgt durch das, im centralen 
Stollen des Yerschluss-Stempels eingesetzte Frictionsbrandel M. 85. 

Die Munitions-Ausrüstung der Batterie ist folgende: 



In den 


Spreng- 
granaten 


Shrapnels 


6 Geschützprotzen (a 16 Stück) 

4 gerade bezifferten Mnnitions wagen (a 48 Stück) 

5 ungerade bezifferten Mnnitionswagen (ä 48 Stück) 


240 


96 
192 


Zusammen . . 
d. i. pro Geschütz in der Batterie 


240 
40 


288 

48 




88 1 



IV. Riehtmittel. 

Jede 120mm Feld-Haubitze besitzt für das indirecte Richten einen 
Quadranten M. 88, einen sogenannten „festen Quadranten^ (ntveau fixe), 
einen Senkel und ein Seitenricht-Yisier (mit Diopter), welche Richtmittel 
dorchwegs im Geschütz-Protzkasten verpackt sind. 

Zum directen Richten dient ein Aufsatz in Verbindung mit dem Broca-i 
Visier am Stoßring B des Rohr-Yorderstückes. 

Yon den festen Quadranten und Seitenricht-Yisieren sind in Reserve 
3 Stück im Munitions wagen Nr. 1, 4 und 7 verwahrt, also je 9 Stück der-t 
selben in der Batterie vorhanden. 

Der Quadrant M. 88 ist im Aufsatze über die französische Festungs« 
Artillerie („Mittheilungen^ 1895, Seite 296) beschrieben. Derselbe wird nur 
in Ermanglung des festen Quadranten verwendet. 

Der feste Quadrant (ohne Nonius) (Fig. 15) hat seinen Namen 
daron, weil er während des Schießens auf dem unverrückbaren Rohr-Führungs- 
mantel bleibt. Er besteht aus dem bronzenen Gehäuse a mit zwei Füßen /, 
in welchem auf einer gemeinsamen Achse zwei kreisförmige Scheiben frei dreh- 
bar sitzen. Dieselben werden durch eine Spiralfeder p gegen einander gedrückt 
und sind an der Innenfläche mit 72 Zähnen versehen, so dass sie gQg^A 
einander um Vielfache von 5^ verstellt werden können. 



202 Notizen. 

Eine dieser beiden Scheiben fungiert als Drehscheibei d und kann 
innerhalb eyies Ausschlages von 10^ mittels der Schnecke $ gedreht werden, 
welche in das Zahnbogenstück o der Drehscheibe eingreift und an dem 
Knopfe A; ihre Botation erhält. 

Die andere ^Stellscheibe^ st muss infolge der Verzahnung obiger 
Drehung folgen. Sie trägt an einem, das Gehäuse durchsetzenden Zapfen die 
Libelle l, deren Hfilse e geriffelte Enden n hat. Zieht man nun die Stell- 
«cheibe an dieser Hülse etwas aus dem Gehäuse, so kommt sie außer Eing^ff 
mit der Drehscheibe und kann dann für sich allein beliebig gedreht werden. 
Lässt man hierauf nach, so treten beide Scheiben ?ermöge Wirkung der 
Spiralfeder p wieder in Eingriff. Von der Libellenhülse reicht der Zeiger z 
(mit einem eingeritzten Strich) nach aufwärts. 

Im Mantel g des oberen Sectors des Quadranten-Gehäuses ist eine 
"Gradeintheilung von bis 60® eingraviert, längs deren sich der Torvrwfthnie 
Zeigerstrich verschiebt. 

Anderseits trägt die obere Kreisfläche des Stellknopfes k eine lünnten- 
theilung, die an dem Striche i vorbeigedreht wird, welcher auf dem Quadranten- 
Oehäuse eingeritzt ist. 

Eine Uhrfeder u im Innern der Drehscheibe verursacht den stets zQgigen 
Eingriff des Zahnbogenstückes o mit der Schnecke s. Ebenso bewirkt die 
Spiralfeder r die Gängigkeit der Schnecke in ihren Lagern. 

Zum Stellen des festen Quadranten wird die Libellenhülse 
mit dem Daumen und Zeigefinger der rechten Hand in der früher beschrie- 
benen Weise etwas aus dem Quadranten-Gehäuse gezogen und frei gedreht, 
bis der Gradzeigerstrich mit dem nächst niederen Fünfgrad-Strich übereiofällt. 
Hierauf lässt man die Stellscheibe zurückschnellen, wodurch sie — wie schon 
erklärt wurde — wieder in Eingriff mit der Drehscheibe kommt. Letztere 
wird nun mittels des Knopfes k so lange weiter gedreht, bis der Gradzeiger- 
strich mit der befohlenen Ziffer der Gradeintheilung übereinfällt Hierauf dreht 
man an dem Knopfe weiter, bis die angegebene Minutenzahl mit dem Minuten- 
zeiger i übereinstimmt. Um also z. 6. 28® 8' zu geben, stellt man der Beihe 
nach auf 25®, dreht um 3® weiter, schließlich noch um 8'. 

Ein Vortheil der französischen Quadranten ist, dass für die damit 
•ausgestatteten modernen Präcisions-Geschütze das Stellen eines Nonins, sowie 
das Abschätzen von Minuten-Vielfachen entfällt und das Instrument auf eine 
Minute genau gestellt werden kann. Dieser Vorzug kommt auch unseren 
Richtbogen zu. Ein anderer Vortheil besteht darin, dass der feste Quadrant 
während der ganzen Dauer des Schießens am Rohrmantel verbleibt. Hiezu 
wird er vor dem Schießen in sein Lager am Rohrmantel eingeschoben und 
^urch Schließen des Reibers in seiner Lasfe festgehalten. Das Verstellen 
während des Einschießens erfolgt bei unverrückter Lage des Quadranten, da 
-die Elevations-Änderungen in der Regel mittels desselben bewirkt werden. 

Ausnahmsweise kann dies an der Kurbel der Höhen-Richtmaschine oder 
mittels des Aufsatzes ausgeführt werden. 



Notizen. 



203 



Hiefür besteht folgeudes Verhältnis: 



Es entsprechen 



Umdrehungen der Kurbel (Schnecke) 



Y^ Umdrehung . . 

V« 

1 ganze Umdrehung 



einem Winkel 



einer Aufsatz 
hohe von mm 



30* 
40 



13 

25 

51 

102 



Das Seitenricht-Visier (Fig. 16) besteht aus dem eigentlichen 
Apparate und dem Diopterlineal. Ersterer setzt sich aus einer Grundplatte g 
und einer Stellplatte p zusammen ; erstere wird beim Gebrauche in ihr Coulissen- 
lager am linken Schildzapfen des Rohr-Führungsmantels eingeschoben, bis ein 
Zahn in sein Loch einschnappt und durch eine Plattenfeder unverrückbar darin 
erbalten. Die Stellplatte p ist mit der Grundplatte durch das Charnier s drehbar 
verbunden, dessen Axe parallel zur ßohraxe läuft. 

Eine Spiralfeder/ drückt die Stellplatte weg; die Bewegung der letzteren 
wird mittels des geriffelten Knopfes k veranlasst, der einer an der Grundplatte 
im Gelenke hängenden Schraube b als Mutter dient. 

An die Stellplatte wird mittels des Zapfens z drehbar der bronzene 
Block o angefügt, dessen Drehbewegung mit der Flügelschraube u arretiert 
wird. Der Block enthält das Lager a für das Diopterlineal und senkrecht aus 
seiner Fläche vorstehend ein Libellengehäuse i sammt Libelle. Das Einspielen 
der Luftblase der letzteren wird mittels der Schraube b, bezw. durch 
Drehung des Knopfes k reguliert. 

Durch die Libelle wird es möglich, beim Eichten einen schiefen Bäder- 
stand auszuschalten. 

Das stählerne Diopterlineal d besitzt als Objectiv einen umklappbaren 
Bahmen r mit Verticalfaden, als Ocular ein Visierstück t; mit Guckloch und 
obwem Einschnitt, welches ähnlich dem Querarm eines Aufsatzes eingerichtet 
ist und mittels einer Druckschraube e in der gewünschten Seitenverschiebung 
festgehalten wird. 

Die Visierlinie des Diopterlineals ist bei einer Seitenverschiebung von 
Null 320mm lang, d. i. nahezu ein Viertel der Visierlinien-Länge bei der 
Aq&aizrichtung. Die Theilstriche am Diopter- (Aufsatz-) Querarm sind 0*4 (1 '0)mm 
?Mi einander entfernt, entsprechen also Vg^^ bezw. y,,,^ der betreffenden 
Viaerlinien-Länge. Jene am Diopter-Querarm reichen von — 30 bis -\- 80. 

Eine Seiten-Correctur um eine Thoilweite am Dioptor-Querarm entspricht 
demnach praktisch genau genug einer Correctur um l'59^m (genau 1*7) am 
Aofsatz-Querarm. 

Steht der Dioptor-Querarm' auf Null, so liegt die Visierebene parallel 
znr Symmetrieebene des Eohros. Für irgend eine Correctur der Seitenrichtung 



204 N 1 i s e iK 

schließt die vertical verbleibende Visierebene mit der Symmetrieebene deo 
der Correctur entsprechenden Winkel ein. Solange dem Bohre keine nambafW 
Änderung der Elevation gegeben wird, bleibt der Block in seiner ersten Stellung» 

Sobald größere Correctnren der Seitenrichtong vorzunehmen sind, dann 
bei bedeutenderem schiefen Räderstand, also auch sehr geneigter Richtsohle^ 
erfordert der Apparat wegen seiner Empfindlichkeit besondere Vorsicht 

Zum Gebrauche des eingelegten Seitenricht- Visiers lüftet man die Druck-- 
schraube e, verschiebt am Diopter-Querarm das Visierstück v bis zum be- 
fohlenen Theilstrich und zieht hierauf die Druckschraube wieder an. 

Der Block o erhält ein- für allemal eine solche Stellung, dass man 
durch das Ocular und den Objectiv-Rahmen des Diopters den gewählten 
Zielpunkt oder Hilfszielpunkt sieht. Dabei muss zuvor die Luftblase der 
Libelle zum Einspielen gebracht, d. i. ein schiefer Räderstand ausgeschaltet 
werden. Der Hilfszielpunkt für die nachfolgenden Richtungen kann vor oder 
hinter dem Geschütze liegen; hiezu dient in Ermanglung von Punkten im 
Terrain ein mindestens 500m entfernter Richtstab. 

Nach beendeter Seitenrichtung des Geschützes wird das Diopterlineal 
abgenommen, der Block bleibt am Rohrmantel. 

Wenn das Richten mittels des Quadranten und des Seitenricht-Visiers 
erfolgt, so wird zuerst die Höhenrichtung, hierauf die Seitenrichtung genau 
und schließlich die feine Höhenrichtung gegeben. Hiezu sind 3 Mann er- 
forderlich. 

Die beim Schießen beobachteten Seitenabweichungen werden um das 
ganze Maß corrigiert, durch Verschiebung des Visierstückes am Querarme 
nach jener Seite, wohin man den Treffer verlegen will. Auch dem quergehenden 
Wind wird Rechnung getragen, indem man für 1.000m Entfernung das 
Visierstück um 1, 2 oder 3 Theilstriche bei schwachem, mittlerem, bezw. 
starkem Wind nach jener Seite schiebt, von wo derselbe weht 

Ein Vortheil des Seitenricht-Visieres besteht darin, dass es eine kürzer» 
Visierlinie und ein größeres horizontales Richtfeld hat, als der Aufsatz. 
Außerdem kann es bei allen Höhelagen des Rohres und infolge seiner seit- 
lichen Lage zum Verschlusse bereits während des Ladens benützt werden. 

Analog wie beim Aufsatze der Feld-Kanonen M. 77 hat auch der Feld- 
Haubitz-Aufsatz als Stab eine dreiseitige Messingröhre, welche auf der 
linken Fläche eine, bis 320mm reichende Millimeter-Eintheilung trägt. Im 
Kopfe ist der unten gezahnte Querarm verschiebbar, dessen Seitenbewegung 
durch ein hier eingreifendes Zahnrädchen (mit Knopf) bewirkt und sodann 
durch eine Druckschraube arretiert wird. Die Millimeter-Theilung am Querarm 
reicht nach rechts (links) bis 50 (20)mm. 

Der Aufsatzstab ist in der Hülse verschiebbar und wird darin in der 
befohlenen Höhe mittels der Aufsatz-Stellschraube festgestellt. Die Aufsatz- 
hülse liegt mit ihrem Ansätze am Ansatzcanal des Rohres auf und* wird 
durch die stählerne Druckfeder (an der Rückseite) am selbstthätigen Gleiten 
verhindert. 



Notizen. 



205 



Für das Schnellfeuer ist der Gebrauch des Aufsatzes, soweit seine Ein- 
theilung reicht, vorgeschrieben. 

Mit dem Senkel wird wegen dessen Ungenauigkeit nur in Ermanglung 
jedweden anderen Richtmittels gerichtet. 



V. Ballistisehe Daten. 

In Ermanglung französischer Original - Schusstafelangaben über die 
Feld-Haubitze bringt das „Militär- Wochenblatt" (Nr. 12 vom Jahre 1896) 
nachstehende, errechnete ballistische Daten: 



Ladang 
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Anfangs- 
geschwindigkeit 


Größte Schassweite 


Schassweite fflr 


Granate Shrapnel 


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330 


290 
217 
173 


6.000 
3.800 


4.850 
3.450 


4.700 
3.200 


220 


2.6 


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2.200 



Der Autor im „Militär- Wochenblatt" folgert daraus, dass die französische 
Feld-Haubitze den Kampf schon auf große Entfernungen aufnehmen kann und 
sagt deshalb weiter: 

„Hat man bisher geglaubt, dass ihr beim Angriffe vorwiegend die Be- 
arbeitang der Einbruchstelle zufallen wird, so weist doch die hohe Dotierung 
mit Shrapnels (55Vo) darauf hin, dass sie sich auch am eigentlichen Artil- 
leriekampfe botheiligen soll." 

Ich denke mir, dass dies in der Vertheidigung sogar ihre 
Hauptrolle sein wird, umsomehr, als das Schießen ^^^m bewegliche Ziele, 
wie das Eeglement ausdrücklich sagt, zu den Ausnahmen gehört, anderseits 
die Ziele für Sprenggranaten, nämlich vorbereitete Stellungen und Hindemisse, 
im allgemeinen doch nur auf Seite der Vertheidigung, also bloß für die 
Angriffs-Artillerie vorkommen können." 



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208 N 1 i I e n. 

Anwendung von MaileTn zur Constatierung der Rotzkrankheit. 

Das Malleln, dessen Gebrauch in Österreich-Ungarn im Verordnungs- 
wege untersagt wurde, wird seit kurzem in der französischen Armee als 
diagnostisches Mittel zur Constatierung der Rotzkrankheit bei rotzverdächtigen 
Pferden, sowie bei solchen, welche mit rotzkrauken Thieren in Berührung 
standen, benätzt. Nach den Bestimmungen der bezüglichen, mit 20. Septem- 
ber 1895 verlautbarten ^Instruction^ sind alle mit einem rotzkranken im 
gleichen Stalle untergebracht gewesenen Pferde der „MalleXnprobe^ (subcutane 
Injectionen mit verdQnntem Malleln) zu unterziehen. 

Je nach der Art der auf die Injection folgenden Symptome werden die 
zu beobachtenden Thiere in drei Gruppen geschieden, u. zw. : Gruppe a) : 
jene, welche weder eine organische, noch thermische Reaction aufweisen. 
Gruppe b): Thiere, deren Körpertemperatur um mehr als 1® C. gestiegen ist 
und bei welchen die organische Beaction mehr oder weniger vollständig ein- 
getreten ist. Gruppe c) : Vollständig eingetretene organische Reaction , als : 
Auftreten einer anhaltenden, schmerzhaften und umfangreichen entzündlichen 
Geschwulst, Traurigkeit, Erschlafifung, Muskelzittern, Verminderung der Fress- 
lust und Mindestzunahme der Körpertemperatur um 1*5^ C. über die Normal- 
temperatur. 

Gruppe b) und c) geben die „rotz verdächtigen" Pferde. Während die 
Thiere dieser beiden Gruppen sofort auf das strengste isoliert werden, sind 
jene der Gruppe a) wieder ihrem normalen Dienste zuzuführen und erst nach 
einem Monate, gewissermaßen als Controle der ersten Injection, erneut der 
Malleln-Probe zu unterziehen. 

Die den Gruppen b) und c) angehörenden Pferde werden von Monat 
zu Monat neuerlichen Injectionen unterworfen und hienach jene der Gruppe b), 
welche etwa vollständige Reaction aufweisen sollten, in die Gruppe c) übersetzt. 

Pferde, welche nach zwei aufeinander folgenden Injectionen weder eine 
thermische, noch organische Reaction zeigen, sind als gesund und immun gegen 
Rotz in welcher Form immer zu bezeichnen. 

Jene Thiere der Gruppe cj, welche nach zwei aufeinander folgenden 
Injectionen die complete Reaction ohne merkliche Abschwächung weiter aufweisen 
oder außer dieser auch noch was immer fQr cliniscbe Symptome von Rotz oder 
Wurm (als: Drüsenschwellnngen, Auswurf, Nasenbluten, Lymphgefäß-Entzün- 
dungen, Drüsenverhärtung, Nasen- oder Hautgeschwüre) zeigen, werden sofort 
vertilgt. 

Thiere endlich, bei welchen sich die Reaction im Verlaufe der wieder- 
holt vorgenommenen Injectionen abschwächt, werden isoliert, allmonatlich 
neuerdings injiciert und sobald sie nach zwei aufeinander folgenden Injectionen 
keinerlei Reaction zeigen, als gesund betrachtet und in Dienst gestellt. 

Hand in Hand mit der Malleln-Probe an verdächtigen Pferden geht 
die Control-Impfung, welche darin besteht, dass gleichzeitig mit der Vor- 
nahme der Injectionen, Impfungen von Eseln und Meerschweinchen mit dem 
Eiter oder Auswurf des verdächtigen Thieres vorgenommen werden. Überein- 
stimmende Reactionen vermehren die Sicherheit der Diagnose; im Falle nicht 
übereinstimmender Reactionen — u. zw. wenn das Resultat der Control-Impfung 
positiv, jenes der Malleln-Injection negativ war — darf der ersteren nicht 



i 



Notizen. 209 

unbedingt vertraut werden, wenn das Object der Control-Impfung ein Meer- 
schweinchen war; es sind dann die Control-Impfungen am Esel fortzusetzen. 

Als „verdächtigt sind außer den mit kranken Thieren gemeinsam be- 
quartiert gewesenen Pferden auch alle jene zu betrachten, bei denen sich 
eiternde Lymphdrüsen-Entzündungen zeigen. Mit diesen Thieren ist sowohl die 
Malleln-Probe, als auch parallel laufend die Control-Impfung vorzunehmen. 

Die ärztliche Behandlung eines rotz- oder wurmkranken Pferdes ist strenge 
nntersagt; im letzteren Falle ist nur die Anwendung jener Bestimmungen ge- 
stattet, welche das Vorhandensein von Hotz zu constatieren geeignet sind. 

Ansonsten enthält die in Rede stehende „Instruction^ noch Daten über 
die Natur des Mallel'ns, dessen Einfluss auf gesunde und kranke Thiere, sowie 
Bestimmungen über die Ausführung der Malleln-Probe und der Desinfection, 
welch letztere je nach Ausbreitung und Intensität des Auftretens der Krank- 
heit in eine locale bezw. allgemeine geschieden wird. 

Der der „Instruction" beigefügte Anhang führt aus, auf Grund welcher 
Erfahrungen man sich in Frankreich zur definitiven Einführung des Mailelns 
entschloss. Demzufolge waren es die im Jahre 1891 in Russland gesammelten 
Erfahrungen, welche das Augenmerk der französischen Regierung auf die 
Malleln-Therapie lenkten und sie veranlassten, gelegentlich der im Jahre 1892 
aufgetretenen Rotzepidemie im Remontendepot zu Montoire eine Commission 
mit der Erprobung des Mailelns an Ort und Stelle, u. zw. insbesondere in 
Bezog auf dessen Eignung zur „Entdeckung des Rotzes" zu betrauen. 

Das ursprünglich der Malleln-Therapie nicht besonders günstige Urtheil 
der Commission war veranlasst durch die Auffindung von Rotztuberkeln sowohl 
in den Lungen der reagierenden, als auch in jenen der nicht reagierenden 
Pferde. Der Umstand aber, dass die bei der letzteren Gattung von Pferden 
vorgefundenen krankhaften Veränderungen der Lunge nicht virulenter Natur 
waren bewog zwei der Commissionsmitglieder, die Behauptung aufzustellen, 
dass diese Pferde, bei denen diese Krankheit im Anfangsstadium übertragen 
wurde eben durch die Malleln-Behandlung geheilt worden seien. 

Diese für den Augenblick kühn scheinende Behauptung fand durch die 
bei einer russischen Cavallerie-Brigade im Jahre 1893 in Charkow und durch 
die 1894 mit den Pferden eines größeren Pariser Transport-Unternehmens in 
srofiem Style vorgenommenen Versuche mit Malleln ihre Bestätigung, woraus 
hervorgehen würde, dass Malleün nicht bloß als diagnostisches, sondern auch 
ils Heilmittel in jenen Fällen zu betrachten wäre, wo die Rotzkrankheit über 
ihre Anfangsstadien noch nicht oder nur wenig vorgeschritten ist. 

Nach: Bulletin officidl, p, r, Nr. 40, 1895. 



210 Notiien. 

Kleine Notizen. 
Italien. Bildung einer pliotograpliisclien Feld - Abtheiiuni. Mit 

1. April 1896 gelangt beim 3. Genie-Regiment (Special isten- Brigade) eine photo- 
graphische Feld-Abtheilang zur Aufstellung. 

Giomale militare uffiddU, 1896, p. f, Nr. 5. 



Ausnutzung der Dächer der Gebäude. Nach einem Berichte des Inge- 
nieurs Oslender aus Köln mangeln den Schulen in London genflgend große Hof- 
räume zur Anlage der Spielplätze. letztere sind daher auf das asphaltierte 
oder mit Holzcement gedeckte Dach verlegt, das mit genflgend hohen Maaern 
und Drahtgittern eingefasst und auch mit den nothwendigen Aborten und Turnhallen 
besetzt wird. Das sich allseits immer mehr ausbreitende Holzcementdach gaw&hrt 
sonach den großen Vortheil, eine bedeutende benätzbare Fläche im Freien zu gewinnen. 

In einem Militär- Depot in Wien wird diese Dachfläche zum Ausklopfen der 
Bekleidungsstücke verwertet. In gleicher Weise empfiehlt sich die Ausnutzung bei 
Waschanstalten, um je nach dem Wetter die Wäsche entweder im Dachbodenraum 
oder ohne große Transportarbeit im Freien ober dem Dache aufzuhängen, wie 
man es auch in manchen Städten auf den alten flachen Dächern findet. Im Betten- 
magazine wird das Ausklopfen der Vorräthe der oberen Geschoße zweckmäßiger 
auf dem Dache als im Hofe vorgenommen werden. Für Spitäler lassen sieh Er- 
holungsplätze in dieser Weise schaffen. Auch ließe sich das Zimmergewehrsehießen 
auf größere Distanzen auf den großen Dachflächen vornehmen, ohne den Verkehr in 
den Kasernen zu stören. T. 



Die Seibstentzfindung von Heu und Steinicohlen. Professor Dr. Meden 

behandelt in einer Schrift diesen Gegenstand, der wir das Wichtigste entnehmen. 

Eine Selbstentzündung ist jene, bei welcher ein Stoff in Brand geräth, ohne 
dass er mit einer Flamme oder einem heißen Körper in Berührung getreten war. 
So tritt beim Platinschwamm eine Selbstentzündung ein, wenn zu dem im Platin- 
schwamm durch die Porenanziehung verdichteten Sauerstoff noch Wasserstoff hinra- 
tritt, der ebenfalls sich verdichtet, so Wärme erzeugt und den Platinschwamm sam 
Glühen bringt. Derselbe nmss jedoch lufttrocken sein, sonst verliert er die Eigen- 
schaft der Selbstentzündung, d. h. er ist nicht pyrophor. 

Auch die Holzkohle ist pyrophor, so lange die trockene Destillation nicht 
zu Ende ist, so dass noch flüchtige Kohlenverbindnngen in ihr enthalten sind, 
welche beim Hinzutreten des sich in der Kohle verdichtenden Sauerstoffes Ter- 
brennen und die Kohle zum Erglühen bringen. 

Hat man die Kohle einige Zeit an der Luft liegen lassen, so nimmt sie Luft 
an der äußeren Schichte an, und verliert damit die pyrophore Eigenschaft. Zer- 
kleinert man sie aber, so dass neue nicht ausgetrocknete Oberflächen mit der Luft 
in Berührung kommen, dann wird die Kohle pyrophor (Zerdrücken bei der Ein- 
lagerung in Magazinen). Die Entzündung pyrophor gewordener Kohle beginnt im 
Innern des Kohlenhaufens, denn außen übt die Luft ihre abkühlende Wirkung. 
Darum ist ein brennender Kohlenhaufen rasch auseinander zu werfen. Eine Innen- 
ventilation im Kohlenhaufen durch Einschalten von Luftcanälen empfiehlt sich nicht; 
sie würden bei ausgebrochenem Brande nicht genügend kühlen, aber den Brand durch 
Sauerstoffzufuhr fördern. 

Nach Meden ist auch Heu pyrophor. So hat man bei Heubränden gefanden, 
dass nach Entfernung des brennenden Theiles das allem Anscheine nach nicht ent- 
zündete Heu von selbst Feuer fing. Die Heucellulose ist also pyrophor. Nach 
bacteriologischen Untersuchungen soll die pyrophore Eigenschaft des Heues auf die 
Lebensthätigkcit bestimmter Mikroorganismen der „Heubacterien** zurückzu- 
führen sein. Beim Trocknen des Grasen tritt eine Umwandlung der Pflanzensäfte 
in ätherische Öle ein, wobei sich Wärme entwickelt. Bei der Braunheubereitung 
wird diese Wärmeentwicklung sehr hoch gesteigert Unter Umständen, namentlich 



Patent-Angelegenheit^n. 211 

darch Einfluss des Wetters, kann bei diesem Vorgänge eine Selbstentzöndung 
eintreten. Das zusammengehäufte Gras erwärmt sieb unter Gährungserscbeinungen 
zunächst auf 40", hierdurch wird die Entwicklung der Heubacterien möglich, wodurch 
die Wärme weiter, u. zw. bis 60", steigt. In diesem Zustande kann bei Sauerstoft- 
satritt die Selbstentzündung erfolgen; das Heu ist pyrophor geworden. 

Gut getrocknetes Heu wird nicht pjrophor, weil den Bacterien die noth- 
wendige Feuchtigkeit zu ihrer Entwicklung fehlt. Wird das Heu dicht zu- 
samineDgepresst (Pressheu), dann kann eine Selbstentzündung 
ebenfalls nicht eintreten, weil zuwenigLuft in dasinnere gelangt. 

Muss man unreifes und unvollkommen getrocknetes Heu ein- 
bringen, dann lagere man es entwed er in kleinen Schobern, diebald 
austrocknen und sich leicht abkühlen können, oder verarbeite es 
sa Pressheu. 

Hohlräume in den Schobern sind gefahrlich. 

Durch Einführen eiserner Stangen in die Heuschober kann man sich von 
eintretenden gefährlichen Temperatursteigerungen überzeugen und muss dann even- 
tuell durch Ausstreuen Abhilfe schaffen. 

Unreifes Heu soll nicht unter Dach geführt werden. 

Die Erörterungen Aber die Selbstentzündung der Stein- und Braunkohlen 
übergehen wir. T. 



Palenl-Angelegenheiten. 
Obersicht der im Monate October 1895 ertheilten Privilegien '). 

OtoMe 2. 

3Ö62. Grove David in Berlin. Neuerungen an transportablen Backöfen. 

Qa$9t 2e, 

3712. Deutsche Continental-Gasgesellschaft in Dessau. Verfahren zur Verhütung des 
Einfrierens von Gasleitungen. 

3752. Harkup Richard in St. Polten. Neuerungen an tragbaren Marsch- und Jagd- 
zelten. 

3753. Herzberg Albert & Holtkötter Richard in Berlin. Trage Vorrichtung für Tor- 
nister u. dgl. 

Cku9e 42. 

8336. Kiepach Alfred, von, in Wien. Distanzableser. 

a^«e 63. 

4001. Smejkal Josef in Prag. Fleischtransportwagen. 

amsse 72. 

1058. Ascherl Carl in Neubrunst. Vorrichtung zum Laden von Patronen. 

4059. Ashton Harold Thomas in Lee. Doppelläufiges selbstthätiges Maschinen- 
geschütz. 

4060. Colt's Patent Fire Arms Manufacturing Company, Firma in Hartford. Neue- 
rongen an Hinterlader-Feuerwaffen. 

4061. Johnson Elias Mattison in New-York. Neuerungen an Geschossen. 

4062. Männlicher Ferdinand, Ritter von, in Wien. Verbesserungen an Magazins- 
gewehren. 

4068. Mauthner Felix und Figlowsky Fritz in Graz. Anbringung einer Winkelstütze 
und eines Tronipetchens an Militärgewehren. 



*) Die mit einem * bezeichneten Privilegien sind mit der Giltigkeit für beide 
Beiehshälften ertheilt. 



212 Patent- Angelegenheiten. 

CZa««e 72, 

4064. Mflnzenberg Franz in Wiehe. Gabelförmiges Korn fflr Schasswaffen. 

4065. Schindler Bndolf Richard in Planen. Gewehrsicherang. 

4066. Skoda Emil, Bitter v., in Pilsen. Federbremse zom Regeln des Rück- and 
Vorlaafes von Geschützen. 

Qa99t 78. 

4078. Actiengesellschaft Dynamit Nobel in Wien. Sprengpatrone für Schlagwetter- 
graben. 

4079. Dynamit- Actiengesellschaft, Torm. Alfred Nobel & Co. in Hambarg. Her- 
stellnng eines salpeterhaltigen Sprengstoffes anter Verwendung von aaltsaaren 
and oxalsaaren Salzen aromatischer Amine. 

4080. ^Leonard Mason Emory in Manchester. Neaerang in der Zasammensetiang 
Ton Schießpalver. 



Patent-Anmeldungen in Österreich-Ungarn'). 

Ä. Österreieh-Ungam. 
B, Österreich. 

ClasMt. 

34. Neaartiges Militär-Kochgefäß. — Wilhelm Skarda. 

87. Verfahren, am der Fenchtigkeit, Salpeter- and Säarebildangen in und aaf 

Wänden, Maaern, Decken vorzabeagen, sowie am feachte Maaern, Wände and 

Decken trocken zu legen. — Gehlen k Co. 
42. Nenerangen an Qeschwindigkeitsmessern mit Laftdrack. — H. W. Schlotfeldt. 
72. Schassbrerose fflr Räderlafetten. — Fried. Krapp. 
„ Selbstthätige SicherheitsTorrichtung des Abzages an Jagd- and Kriegsgewehren. 

— Engen Lazard. 

„ Nenerangen an selbsttbätigen Geschützen. — Hiraro St. Maxim. 

„ Verbesserangen an Korn und Visier von Gewehren. — Franz Merrem. 

„ Nenerangen an RQcklauf-HemmTorrichtangen fflr Geschätze. — Anton t. Kerpely. 

Clasfie, 

63. Fahrbare Tragbahre, zugleich als Munitionswagen dienend. — Frederic Be- 
rn iogton. 

Classe. 

33. Combinierter Feld-Tornister und Zeltbahn, genannt Zelt-Tornister. — Adolf 

Erik Ludvig Lager Crantz. 
72. Visiermittel für Schusswaffeu. — Vorslund-Kjaer, Johannes Johansen and Jens 

Ziun. 
„ Federndes Bremsgestänge fflr Räderlafetten. — Fried. Krupp. 

Vorrichtung zum Zufflhren und Halten der Gurte an PatroDengut-Fflllapparaten. 

— Hugo Borchardt. 

Rahmen fflr Revolver-Patronen. — Geza Dwofak. 

Neuerungen an Keilverschlflssen für Schnellfeuer-Geschfltze. — Emil Ritt, 
von Skoda. 

„ Lafette und Trausportvorrichtung für Schnellfeuer-Kanonen. — Donglas Mackinon 
Baillie Hamilton Cocbrane, Earl of Dundonald. 
78. Apparat zur Messung der Explosionskraft und Brisanz von Sprengstoffen etc. — 
Sprengstoff-Act.-Ges. Carbonit. 



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n 

n 



<) Illustriertes österreichisch-ungarisches Patent- Blatt Nr. 356, 357 und 358. 



Saiiitatsverbiltnisi 

t tuiHatsverhältnlsse bei der Mannschaft des k. und k. Heeres fiii 
Monate December 1895. 

Rl En.Jef November 1695 » 

EnnkenEai^aiig im Munat« Deoember 1895 . . . ' 17374 ^ 

eutsprechend Vm der dDrchEclinitt liehen Kopfatärka 66 

hü Monate December 1895 wurden an Heilanstalten abgegeben . . . 7.877 Mnnii 

entsprechend '/w der durcbHchnjtÜluhen Kopfstätke 29 

ImVonate December IH95 sind vum Gcsammtkrankengtande in Abgang 

gekoraraen 19.767 Mboii 

daranter: als diensttAaglich(ganeBen) IH.OiSi , 

entsprechend %o dea Abganges 913 

durch Tod 72 Mann 

entsprechend Vm des Abganges 3 64 

" „, der durchschnittlichen KopfätSrke 0-86 

I hei der Truppe 1,631 Mann 

1 Heilanstalten ..... 7 341 „ 



jliBtsacblusa 



ind kraiiV verbliiiben { . 



Von dem Kriinketiiu?an>f und den 


■üdeElälliTi entfallen u\if: 








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V Tneben Dud Ane«i>bl«iit>arrhQ« 


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CrouiiOte Lnngmmwniiauiig . . 


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Der Krankenzagang, die Abgaben an Heilanstalten and die Tüilesßlle berechnen 
rieh für die eini:elnen Corps und deren Hauptgariiisonsort.' in "/^ d«r liurcbaclmitt- 
lieheo Kopfstärkt-, wie (olgt: 





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n: 21 Selbstmorde und 3 VetunglOckungen mit 



214 BOoher-BeeprechiDgeii. 

Lehrbuch der WafTeniehre. ZumGebraache an den k. nnd k. Militär- 
Akademien und zum Selbststudiam fjlr Officiere aller 
Waffen. Bearbeitet von Edaard Marschner, k. und k. Hauptmann, 
Lehrer an der technischen Milit&r-Akademie. 

II. Band: Specielle Waffenlehre. 

Verlag von F. Tempskj, Wien nnd Prag, 1896. 

Im zweiten Bande behandelt der Verfasser die specielle WafTeniehre, 
enthaltend die Einrichtung nnd die Verwendung der gegenwärtig 
gebräuchlichen Waffen, und gliedert demgemäß den Lehrstoff in die nach- 
stehenden Abschnitte: 

VI. Handfeuerwaffen, 
VIL Geschütze, 

VIII. Gebrauch und Verwendung der Feuerwaffen. 

Der VI. Abschnitt beginnt mit einer „historischen Skizze über die Ent- 
wicklung der Handfeuerwaffen bis zur Gegenwart^, und gibt ein vollständiges 
Bild tkber die einzelnen Stadien, welche die Handfeuerwaffen von der primi- 
tivsten Einrichtung bis zu ihrer heutigen Vervollkommnung durchlaufen haben. 

Es werden sodann zunächst von den Hinterlad-Gewehren, das in Preußen 
eingeführt gewesene Zündnadelgewehr, dann das System W&izl, das 
Infanterie- und Jägergewehr M. 73/77 (System Werndl) und von den Repetier- 
gowehren dfas Bepetiersystem Spencer und System Eropatschek näher be- 
sprochen. 

Hierauf wird gezeigt, in welcher Weise jene Bestrebungen verwirklicht 
wurden, welche eine Erhöhung der Wirkungsfähigkeit der früheren Waffen 
ermöglichten, auch werden die Gründe dargelegt, welche zur Construction der 
Schnellade-Vorrichtungen führten. 

Nach Erläuterung des ersten derartigen Systems — des Amerikaners 
Lee — wird das Repetiersystem Mannlicher und das System Mauser erklärt, 
schließlich werden die aus der Nothwendigkeit der Erhöhung der Kriegs- 
taschenmunition resultierenden Caliber-Beductionen, die Gewichtsverminderung 
der Waffe, sowie jene constructiven Änderungen abgeleitet, welche die modernen 
Handfeuerwaffen erforderten. 

Die folgenden Paragraphe behandeln detailliert die Einrichtung und 
Functionierung des Qmm Bepetiergewehres M. 88/90 und des Smm Bepetier- 
Carabiners M. 90, geben Daten über deren ballistischen Eigenschaften, femer 
Directiven über das Zerlegen und Zusammensetzen, sowie die Conservierung 
dieser Waffen. 

Nach ähnlich detaillierter Besprechung des Armee-Revolvers werden 
die fremdländischen Armeegewehre, ihrer principiellen Einrichtnng nach, nebst 
den projectierten Änderungen an denselben vorgeführt, u. zw.: 

das deutsche Gewehr M. 88, 

das russische 3 Linien-Gewehr M. 91, 

das französische Gewehr M. 86, 

das englische Repetiergewehr M. 89 und 

das italienische Repetiergewehr M. 91. 

Schließlich werden die Armeegewehre der kleineren europäischen Staaten 
mehr oder minder eingehend geschildert. 



Bfleher-BesprechuD gen. 215 

Es erscheint sonach der VI. Abschnitt, bei möglichster Detaillierung — 
durch Beigabe einer großen Zahl sehr instructiver Textfiguren — mit großer 
Übersichtlichkeit zusammengestellt und gibt in jeder Bichtung über die 
Handfeuerwaffen gründlichen Aufschluss. 

Im YII. Abschnitte sehen wir zunächst in historischer Reihenfolge die 
Entwicklungsphasen, welche die Geschütze von ihrer ersten Form bis zu den 
gezogenen Geschützen durchschritten haben; wir finden geschildert, wie mit 
der Entwicklung des gezogenen Vorderladers auch die des gezogenen Hinter- 
lad-6eschützes fortschreitet, und wie endlich mit der Erhöhung der Wirkungs- 
fthigkeit der Handfeuerwaffen, auch die Wirkungsfähigkeit der Geschütze ge« 
steigert wurde und zu jener Veryollkommnung der gezogenen Feld-, Belagerungs- 
und Festungs-Geschütze führen musste, welche dieselben heute erreicht haben. 

In gedrängter, dabei aber sehr klarer und fasslicher Art werden hierauf 
die Principien der modernen Bohrconstruction entwickelt. 

Nach der in alle Details eingehenden Beschreibung des gesammten 
Gescbütz-Materiales der k. und k. Artillerie führt der Verfasser das Feld- 
geschütz-Materiale, welches derzeit in Deutschland, Bussland, Italien, Frank- 
reich und England eingeführt ist, im Principe vor und übergeht nach 
Darstellung der allgemeinen Entwicklung der Schnellfeuer-Geschütze zur Be- 
schreibung der Smm Mitrailleuse M. 89 (System Maxim) und der Mitrailleuse 
M. 93 (System Erzherzog Carl SaWator — Major Bitter von Dormus). 

Die Schilderung der principiellen Einrichtung der wichtigsten Schnell- 
feuer-Kanonen- Systeme schließt diesen Abschnitt. 

Die Gründlichkeit und die überaus klare Art der Darstellung lässt den 
Wunsch berechtigt erscheinen, es mögen bei einer Neuauflage dieses Werkes 
auch die Belagerungs- und Festungs-Geschütze der übrigen europäischen 
Großmächte wenigstens insoweit Aufnahme finden, dass eine Orientierung und 
ein Vergleich ihrer Wirkungsfähigkeit ermöglicht ist, was eine willkommene 
Ergänzung des gediegenen Lehrbuches bilden würde. 

Der VIII. Abschnitt führt zunächst in den Gebrauch der Handfeuer- 
waffen überhaupt ein und erläutert an der Hand von Beispielen den Wert 
der den Schieß-Instructionen beigegebenen Tabellen der Flughöhen für die 
zweckmäßigste Verwendung der Handfeuerwaffen. 

Sehr anregend gestaltet der Verfasser die Besprechung des Schießens mit 
Abtheilungen und die Ableitung der aus der Streuung folgenden Grundgedanken 
fDr den Vorgang beim Schießen von Abtheilungen gegen feldmäßige Ziele. 

In den Paragraphen 45 bis 50 finden wir das Schießen mit den Ge- 
schützen als eine Verwertung der im I. Bande mit dem Paragraph 80 ab- 
geschlossenen Theorie des Schießens. 

Im Anhange ist schließlich dem II. Bande noch eine Beschreibung der 
im k. und k. Heere im Gebrauche stehenden blanken Waffen beigefügt. 

Anschließend an die im 10. Hefte des Jahrganges 1895 der „Mit- 
theilungen" bereits publicierten Besprechung des I. Bandes muss nunmehr 
ergänzend beigefügt werden, dass uns mit Marschners Waffenlehre ein 
Werk geboten wurde, welches durch seinen logischen Aufbau, die Über- 
sichtlichkeit, erschöpfende Gründlichkeit und Klarheit in der Behandlung des 
omfangreichen Materiales als mustergiltig angesehen werden kann. 

Hauptmann Hess. 
16* 



216 Bflcher-Bespreehnngen. 

im Großen Hauptquartier 1870/71. Von J. y. Verdj du Vemois. e. s. 

Mittler & Sohn. Berlin 1895. 

In einem kleinen, dennoch aber hervorragend inhaltreichen Bande bringt 
der berühmte Verfasser eine neu geordnete nnd ergänzte Sammlung von Auf- 
sätzen, die in den Jahren 1874 bis 1895 in der «Deutschen Rundschaa'' 
veröffentlicht wurden, und seine persönlichen Erinnerungen an den deutsch- 
französischen Krieg enthalten. 

General von Verdy war während des ganzen Feldznges Abtheilungs- 
Chef im Großen Hauptquartier, infolge dessen stets über den Verlauf der 
Ereignisse, die Eindrücke, Stimmungen und Entschließungen, welche sich an 
leitender Stelle ergaben in genauer Kenntnis, und auch in der Lage» die 
Begebenheiten in ihrer Gesammtheit zu überblicken. 

Hiedurch erklärt es sich, dass Verdy, ohne eine eingehende Dar- 
stellung des Krieges geben zu wollen, in seinen ,, Erinnerungen^ ein besonders 
übersichtliches nnd bei aller Kürze vollständiges Gesammtbild des Feld- 
znges 1870/71 entrollt, und damit die sonst wohl überreiche Literatur dieses 
Zeitabschnittes in einer ganz neuen Richtung trefflich ergänzt. 

Das Werk ist in zwei Theile geglit^dert, deren erster den Kampf gegen 
das französische Kaiserreich behandelt, während der zweite den Kampf gegen 
die Bepublik zum Gegenstande hat. 

In fast feuilletonistischer Weise, angegliedert an die Schilderung des 
Lebens nnd Treibens im Großen Hauptquartier, gelangen die Kriegsereignisse in 
ihrer chronologischen Folge zur Erörterung, wobei vielfach der Anführong des 
Geschehenen auch strategische Betrachtungen, ürtheile und Ansichten, Be- 
gründungen der gefassten Entschlüsse u. dgl. beigefügt sind. 

Dabei hält sich die Darstellung von allen weitläufigen Calcnlationen 
fem und bedient sich selbst in der streng sachlichen Würdigung der Kriegs- 
lage, der Operationen und ihrer Folgen einer leichten fesselnden Erzählungsweise. 

Abgesehen von vielen hochinteressanten Details über Charakter, Stellung, 
Einflussnahme und Eigenschaften vieler maßgebendster Persönlichkeiten des 
Hauptquartiers, manchem eingeflochtenen heitern Erlebnis, mancher scheinbar 
bedeutungslosen Episode, stellt sich V er dys jüngstes Werk mithin als ein 
Perspectivbild des großen Feldzuges dar. 

Es erscheint in seiner leichten erzählenden Form fast wie ein An- 
schauungsunterricht über Strategie, indem es die Thätigkeit der Führer in 
diesem modernsten Kriege in zusammenhängender Weise vor Augen führt, die 
Leitung der Operationen, deren Beweggründe und die zugehörigen Entschlüsse 
beleuchtet und so die Grundlagen der kriegsgeschichtlichen Ereignisse feststellt. 

Gewiss ist Verdy s ^Im Großen Hauptquartier^ eine der interessan- 
testen Publicationen über den Feldzug 1870 71. (B. v. B.) 

Die kriegerische ROcIcsicIltsiosigIceit. Studien aus der Kriegsge- 
schichte von Dechend, Hauptmann im Nebenetat des Großen 
Generalstabes. E. S. Mittler & Sohn. Berlin 1895. 

Im Schlussworte ist die Absicht dieser Schrift kundgegeben, dass näm- 
lich „die Einsicht, dass die kriegerischt^n Vorbereitungen ebenso (oder viel- 
leicht noch mehr) wie der eigentliche Krieg ernste Opfer von allen Seiten 



Bücher-Besprechungen. 217 

nnd rücksichtslosfi Ausnützung der vorhandenen Kraft, unbeschadet möglichster 
Schonung berechtigter Lebensbedingungen, erheischen" immer mehr auch 
außerhalb der militärischen Kreise eindringen möge. Diesen anzuerkennenden 
Zweck sucht der Verfasser dadurch zu erreichen, indem er die Äußerung der 
kriegerischen Rücksichtslosigkeit in der Versammlung der Kraft für den Kampf, 
in dem Ansetzen der Kraft zum Kampfe und in der Betrachtung der kämpfenden 
Truppe darzustellen unternimmt; hiebei werden besonders die bezüglichen 
Handlungen Peters des Großen, Napoleon!., Blüchers, Gam- 
be 1 1 a s und M 1 1 k e s kritisch untersucht und auf ihren Wert zur Erreichung 
eines vernünftigen Erfolges geprüft. Napoleon kommt bei diesen Auseinander- 
setzungen ziemlich schlecht weg; er wird dadurch wohl nicht kleiner werden. 

K. 

Die Anwendung der Photographie zu militärischen Zwecicen. Mit 21 in 

den Text eingedruckten Figuren. Bearbeitet von K i e s 1 i n g, Premier- 
Lieutenant a. D. (Encyklopädie der Photographie. Heft 19.) Druck und 
Verlag von Wilhelm Knapp, Halle a. d. S. 1896. 

An der Hand der in der Anmerkung dieses Heftes angeführten Werke der 
photographischen Literatur, hat es der Autor unternommen — von dem Ge- 
sichtspunkte ausgehend, dass die Photographie in künftigen Kriegen eine große 
Rolle zu spielen berufen sein wird, wonach dieselbe im Frieden einer ange- 
messenen Vorbereitung bedarf — den Laien über die bisherige Verwendung 
der Photographie zu militärischen Zwecken aufzuklären und ihm ein Bild zu 
liefern, wie dieselbe allmählich im Dienste der Kriegskunst verwendet wurde. 

V. Z. 

Lehrbuch der praictischen Photographie von Dr. A. Miethe. Verlag von 

Wilhelm Knapp, Halle a. d. S. 1896. 

Unter der Voraussetzung, dass das nasse Collodium-Verfahren für Ama- 
teure keine Bedeutung hat und nur zu Reproductionszwecken (infolge der 
die Collodium-Nt'gative auszeichnenden Brillianz und Klarheit) verwendet wird, 
behandelt der Autor speciell das Verfahren mit Trockenplatten und bietet mit 
diesem Buche nicht nur dem fortgeschrittenen Photographen ein praktisches 
Nachschlagebuch, sondern gibt auch dem Anfänger die Gelegenheit, an der 
Hand desselben sich dem Studium der berufsmäßigen Photographie zuzu- 
wenden und in den hier nicdorirolegten Erfahrungen der Praxis eine zu- 
verlässige Stütze und einen Kathgeber zu finden. 

Bei erschöpfender Behandlung der einzelnen Abschnitte sind die für 
den Photograj^hen unbedingt nothwendigon Kenntnisse der in den einzelnen 
Processen vorkommenden chemischen Vorgänge, sowie auch die physikalischen 
Grundsätze in klarer und verständlicher Weise zum Ausdruck gebracht. 

V. Z. 



17 



218 Eingelaofeno Bflcher. 

Eingelaufene BQcher. 

Dictionnalre Militaire. Encyclop^dle de sclences militaires. B^dig^e par an QmUd 

d'qfficiera de toutes armes; 

3« Livraison: Batterie— Canon, 

4« „ Canon— Chapelet, 

ö^ „ Chapelet de Campagne— Commissaire. 

Librairie militaire Berger-Levranlt et Cie., öditears de Tannaaire de 

Tarm^e etc. etc. Paris 5, Rae des beanx-artes. Nancy 18, Rae des Glaois. 

1895. Prix d'une livraison 3 fr. 

Der Tag von Hohenfriedeberg und Striegau. (4. Jani i745). Eine Darstei-. 

lung der gleichnamigen Schlacht zur 150. Wiederkehr dieses Tages; mit 
vielen zam erstenmale veröffentlichen Beilagen, darunter 1 Plan nebst Skizze 
nnd der Wiedergabe des einzigen von der Schlacht überkommenden Bildes; 
von Adalbert Ho ff mann. Verlag von Augast Hoff mann, Striegau 1895- 
Preis 1 fl. 50 kr. 

Encyklopädie der Photographie. Heft 19. Die Anwendung der Photo- 
graphie zu militäriSClien Zwecicen. Bearbeitet von KiesUng, Premier- 
Lieutenant a. D. ; mit 21 Figuren im Texte. Verlag von Wilhelm Knapp. 
Halle a. d. S. 1896. 

L'armÖe et ia flotte en i895. Manoeuvres navales, grandes manoenvres des 
Vosges, Texp^dition de Madagascar. Avec de nombreuses cartes par Ardouin- 
Dumazet. Berger-Levrault et Cie. öditeurs. Paris-Nancy 1896. 



Die Rundschnn in den militärischen nnd technischen Zelt- 
Schriften^ welche seit dem Jahre 1891 eine halbjährig erscheinende 
Beilage der „Mittheilungen" gebildet hat, wurde aufgelassen, nachdem 
dieselbe durch zahlreiche ähnliche Zusammenstellungen anderer Zeit- 
schriften entbehrlich geworden ist. 

Die Bedaction. 



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219 



Das Schieftwesen der Küsten-Artillerien Österreich-Ungarns, 
Italiens, Frani(reichs, Hollands und Schwedens. 



Mitgetheilt Ton 



"9 

k. und k. ObtrlUuttnant im Fettungs- Artillerie- Regimente Oraf CoUortdo-UeU Nr. 4. 

Einleitang. 

Im nachfolgenden sei es gestattet, dem Leser ein Thema vor- 
zufuhren, welches noch wenig bekannt ist, u. zw. deshalb, weil bei uns 
f&r den Küsten- Artillerie-Dienst keine allgemein zugänglichen Vorschriften 
existieren, und anderseits unsere, sowie auch die Militär- Literatur 
Deutschlands sich mit diesem Gegenstande bis nun so gut wie gar 
nicht befasst hat, obwohl gerade dieser nicht nur rein artilleristisches, 
sondern auch allgemein militärisches Interesse beansprucht. 

Nun liegt keineswegs die Absicht vor, hier auf artilleristische 
Probleme einzugehen, die nur für den Special- Fachmann von Wert 
wären, auch nicht Kritik an den derzeitigen Einrichtungen zu üben; 
vielmehr soll heute nur versucht werden, den durch den gewählten 
Titel umschriebenen Stoff in einer Weise darzustellen, die es auch den 
Kameraden anderer Waffen erleichtert, dem Meritum zu folgen und 
sich rasch einen richtigen Begriff von dem Wesen, den Mitteln und 
der Thätigkeit der Küsten-Artillerie im Kampfe zu bilden. 

Der kurze Vergleich des in den verschiedenen Küsten-Artillerien 
derzeit beim Schießen eingehaltenen Vorganges wird auch zeigen, dass 
man bezüglich der herrschenden Ansichten über die beste Art und Weise 
der Verwendung der Küstengeschütze noch nicht auf einem gemein- 
samen Standpunkte steht. 

Vorerst mögen einige allgemeine Bemerkungen voraus- 
gehen, welche zum besseren Verständnisse der späteren Ausführungen 
nothwendig erscheinen. 

Das Schieß verfahren der schweren Küsten-Artillerie 
unterscheidet sich in mehrfacher Richtung principiell von jenem der 
Artillerie zu Lande, u. zw.: 

]. basiert sich das ganze Schießen gegen die See in der 
Begel auf die vorherige genaueKenntnis derZielentfernung, 

18* 



220 K II b 1 c h. 

iDdem letztere gewöhnlich mit Hilfe eigener stabil aufgestellter Präcisions- 
Instrumente — Küsten-Distanzmesser — vor Beginn des Feuers 
sowohl, als auch während desselben von Schuss zu Schuss ermittelt 
werden kann; 

2. wird es gegen Ziele ansgefQhrt, welche fast immer in Be- 
wegung sind und hiebei eine sehr große Geschwindigkeit — selbst 
bis zu 10m pro Secunde und darüber — entwickeln können; 

3. erfolgt das Schießen aus einer unveränderlichen Po- 
sition; 

4. ist das hier in Betracht kommende Schuss feld — der 
Meeresspiegel — stets horizontal. 

Wie daraus hervorgeht, spielt bei der Küsten-Artillerie der 
Distanzmesser eine ungleich wichtigere Bolle, als bei der Feld- 
oder Festungs-Artillerie, da nur durch dessen geschickte Verwertung 
ein entsprechender Schießerfolg gegen schnell manövrierende Schiffe in 
der oft nur kurzen Feuerdauer erzielt werden kann. 

Hier soll nun in aller Kürze die principielle Einrichtung 
der Küsten-Distanzmesser erörtert werden. 

Bezüglich des Constructions-Principes kann man alle 
Typen derselben in zwei Hauptgruppen zusammenfassen, u. zw. in 
Küsten-Distanzmesser für „verticale^ Basis und in solche für „hori- 
zontale^ Basis. 

Die Apparate der ersteren Gruppe bestimmen die hori- 
zontale Entfernung des Zieles durch die Messung des jeweiligen 
Positionswinkels. Bekanntlich versteht man unter letzterem jenen 
Winkel, welchen die gerade Verbindungslinie zwischen Geschütz und 
Ziel mit dem Meeresspiegel einschließt. 

Infolge der stabilen Aufstellung des Küstengeschützes in 
einer bestimmten Höhe über dem Meeresspiegel und infolge der Hör i- 
zontalität des letzteren befindet sich die Geschützposition, während 
der ganzen Bewegung desZieles innerhalb desGeschütz- 
ertrages, in einer stets gleichen Höhe über der Wasser- 
linie des Schiffes. 

Da also die Höhe des hier in Kechnung zu ziehenden recht- 
winkeligen Dreieckes für alle Distanzen unveränderlich ist, so 
hängt die Größe des Positionswinkels in Bezug auf die Wasser- 
linie des Schiffes einzig und allein von der horizontalen Ent- 
fernung, also der Schussdistanz, ab. Ferner geht daraus hervor, dass 



Das Schießwesen der Küsten-Artillerien Österreich-Ungarns etc. 221 

der Positionswiiikel für ein und dasselbe Geschätz umso kleiner 
wird, je mehr die Distanz des Zieles wächst. 

Denken wir uns nun in irgend einem Punkte zunächst des Ge- 
schützes und in einer genau gemessenen Höhe über dem Meeres- 
spiegel ein Fernrohr etabliert, dessen optische Axe durch ein feines 
Fadenkreuz markiert ist. 

Wird die optische Axe dieses Fernrohres ans ihrer anfänglichen 
horisootalen Lage soweit gesenkt, dass sie durch die Wasserlinie eines 
Schiffes auf irgend einer Distanz geht, dass also der Ereuzungsp unkt 
der bei den Fäden dieWasserlinie trifft, so ergibt die momentane 
Neigung der Fernrohraxe unmittelbar den gesuchten Positionswinkel. 
Ist nun dieser selbst, oder seine Tangente, oder die dem Winkel ent- 
sprechende Anzahl der Schrauben gänge an der Elevationsvorrichtung 
am Instrumente ablesbar, und steht ferner eine Tabelle zur Verfügung, 
welche in entsprechenden Intervallen die für die verschiedenen Positions- 
winkel im voraus errechneten horizontalen Entfernungen enthält, so 
kann aus dieser Tabelle leicht directe oder durch einfache Interpolation 
die zu ermittelnde Schussdistanz entnommen werden. 

Um jedoch auch die letzterwähnte Thätigkeit für den Kriegs- 
gebrauch zu eliminieren, wurden die Instrumente in neuerer Zeit derart 
eingerichtet, dass längs einer geraden oder spiralförmigen Scala der- 
selben sofort die Distanz in Metern abgelesen worden 
kann, was die Distanzmessung im Ernstfalle ungemein erleichtert. 

Da ein Winkel desto genauer gemessen werden kann, je stumpfer 
derselbe ist, so ist klar, dass diese Gattung von Instrumenten nur 
dann hinreichend genaue Messresultate ergeben werden, wenn der 
Positionswinkel nicht zu spitz, also die Überhöhung des Distanz- 
messers im Verhältnisse zur Distanz nicht zu klein ge- 
wählt ist. 

Da man nun bei der Eüsten-Artillerie auch für sehr große Schnss- 
distanzen — über 5.000 bis 12.000m — einen hohen Grad von Ge- 
nauigkeit in der Messung derselben fordert, so folgt daraus, dass die 
Überhöhung des Instrumentes — die vertica-le Basis — so groß 
als möglich sein muss. 

Aus dieser Ursache eignen sich die Distanzmesser für verticale 
Basis nnr für solche Küsten, deren Terrainformation die hohe Auf- 
stellung der Geschütze gestattet (Österreich - Ungarn, Italien, 
Spanien, Frankreich, Schweden etc.). 

Die Apparate der zweitgenannten Hauptgruppe — 
für horizontale Basis — ermitteln die Entfernung des Zieles durch 



222 Knobloch. 

die Messung jenes Winkels, welcher von den optischen Axen 
zweier Fernrohre eingeschlossen wird, die von zwei seitlich 
von einander entfernten Punkten der Küste einen und den- 
selben Punkt des Schiffes gleichzeitig anvisieren. 

Das eine der beiden Fernrohre ist in der betreffenden Batterie 
selbst, das andere außerhalb derselben etabliert 

Beide Mess-Stationen sind mit einander elektrisch verbunden. 

Die innere (Batterie-) Station ist mit einem Distanzmesser- 
Tische versehen. An dem Fernrohr-Apparate dieser Station Ist unten 
ein horizontalesLineal angebracht, welches, die seitliche Drehung 
des Apparates stets mitmachend, auf dem Tische schleift und mit seiner 
Kante immer in einer verticalen Ebene mit der Femrohraxe bleibt 

Seitwärts der gemeinsamen Drehaxe von Fernrohr und Lineal, 
u. zw. genau in der Richtung auf das Fernrohr der äußeren Station, 
ist auf dem Tische der Drehpunkt eines zweiten horizontalen 
L i n e a I e s , welches gleichfalls auf dem Tische schleift. 

Der Abstand der Drehpunkte beider Lineale der 
Batterie-Station entspricht nach einem beliebig gewählten Maßstabe — 
z. B. 1:1.000 — der genau gemessenen Länge der Verbindungslinie 
beider Mess-Stationen, der horizontalen Basis. 

Das zweiterwähnte Lineal bewegt sich infolge elektrischer 
Transmission stets von selbst mit dem Fernrohre der äußeren 
Station und bleibt infolge dessen immer parallel zur Horizontal-Projection 
der optischen Axe dieses Fernrohres. 

Werden demnach die Fernrohre beiderStationen gleich- 
zeitig gegen die gleiche verticale Linie des Schiffes — 
Bauchfang, Mast — gerichtet, so schließen die Kanten beider Lineale 
der Batterie- Station automatisch genau denselben Winkel 
miteinander ein, wie die beiden Fernrohraxen selbst. 

Der Schnittpunkt der Kanten beider Lineale markiert also die 
momentane Position des Schiffes auf dem Tische. Ist nun noch 
das sich mit dem Fernrohre der Batterie-Station drehende Lineal 
mit einer etwa von 100m zu 100m fortschreitenden und am Drehpunkte 
beginnenden Distanzscala versehen, so kann längs dieser — wenn 
sie in gleichem Maßstabe wie die horizontale Basis aufgetragen ist — 
die Distanz bis zum Schnittpunkte, mithin die gemessene Distanz 
in Metern von der Batterie, directe abgelesen werden. 

Was früher bezüglich der Genauigkeit der Messung gesagt wurde, 
gilt analog auch hier. Um den Winkel möglichst stumpf zu erhalten, 



Das Schießwesen der Kflsten- Artillerien Österreich-Ungarns etc. 223 

muss die horizontale Basis groß sein, u.zw. Doch größer als die 
yerticale Basis für die andere Distanzmessergattung, indem hier die 
Messung nur auf graphischem Wege erfolgt. 

Jede der im vorhergehenden kurz skizzierten Constructionen hat 
ihre Vor- und Nacbtheile für sich, u. zw.: 

a) Distanzmesser für verticale Basis. 

y ortheile: Die Distanzmessung kann mit einem einzigen 
Apparate in der Batterie durchgeführt werden. 

Das Instrument gestattet ferner, außer der Messung der Schuss- 
distanz selbst, auch noch die Ermittelung der Größe der wäh- 
rend des Schießens vorkommenden Längenabweichungen 
der Kurz- manchmal auch der Weitschüsse. Hiezu braucht das Instru- 
ment nur nach dem Schusse gegen die sich auf dem Wasserspiegel 
durch weißen Schaum markierende Stelle des Geschossaufschlages ge- 
richtet zu werden. Die Differenz zwischen der früher gemessenen Ziel- 
distanz und der Aufschlagsdistanz ergibt sodann die Größe der Längen- 
abweichnng. 

Die Distanzmessung liegt in einer Hand, ist sehr rasch und 
einfach zu bewerkstelligen. 

Störungen in der Functionierung während des Schießens können 

nicht leicht eintreten. 

•f 

Nachtheile: Das Messen der Distanz kann nur durch das Ein- 
stellen der optischen Axe auf eine einzige Linie des Schiffes, u. zw. 
die Wasserlinie, erfolgen. Diese letztere ist bei schwerer See ziemlich 
großen verticalen Schwankungen ausgesetzt, welcher Umstand das 
stets gleichmäßige Anvisieren erschwert. 

Überdies ist die Wasserlinie bei Nacht, Nebel, im feindlichen 
Palverrauche etc. manchmal nur schlecht, bei Aufstellung des Schiffes 
hinter einer Insel u. dgl. auch gar nicht sichtbar. 

Da ferner für die richtige Distanzmessung die gemessene verticale 
Basis — welche sich auf den mittleren Meeresstand bezieht — unver- 
ändert bleiben soll, so müssen, um Fehler zu vermeiden, die durch 
Flnth und Ebbe hervorgerufenen Höhendifferenzen in 
Rechnung gezogen werden. 

b) Distanzmesser für horizontale Basis. 

Vörtheil: Die von b e i d e n Stationen anzuvisierende Linie kann 
beliebig gewählt werden, ist demnach gewöhnlich gut sichtbar. 



2^4 Kiiobloch. 

Nachtheile: Zar Messung der Distanz sind zwei getrennte 
Apparate erforderlich, wonach die Installation kostspieliger ist 
und ein doppeltes Personale benöthigt. 

Da beide Stationen die gleiche Linie anvisieren müssen, so erfordert 
dies jedesmal zu Beginn des Feuers und bei einem Ziel- 
wechsel die telegraphische oder telephonische Bekanntgabe des Zieles 
und der gewählten Linie an die äußere Station. Irrungen und 
Missverständnisse sind diesbezüglich in der Aufregung des Ernst- 
kampfes kaum zu vermeiden, abgesehen davon, dass Störungen in 
der elektrischen Anlage die ganze Distanzmessung illu- 
sorisch machen können. 

3. Beide Apparate müssen entweder permanent oder, in gewissen 
Zeiträumen mit Hilfe von synchronischen Uhren gleichzeitig visieren, 
daher stets gut zusammenwirken, was nicht immer verbürgt ist 

Aus dem eben gezogenen kurzen Vergleiche beider Gruppen von 
Distanzmessern folgt, dass für den Kriegsgebrauch mit seinen 
mannigfachen störenden Frictionen der billigere, ein- 
fachere, rascher und verlässlicher functionierende 
Distanzmesser für vertlcale Basis besser entspricht. 

Die Distanzmesser für horizontale Basis werden daher in allen 
Küsten- Artillerien nur dort verwendet, wo wegen der flachen Küsten- 
striche eine genügend große verticale Basis nicht vorhanden ist (z. B. 
Holland, Deutschland). 

Die Hauptaufgaben, welche der Küsten-Artillerie der 
Kriegshäfen im Ernstkampfe zufallen können, sind folgende: 

1. Abwehr eines feindlichen Bombardements. 

Hiezu müssen die betreffenden Küsten werke der äußeren Be- 
festigungslinie womöglich dominierend angelegt und mit 
schweren weittragenden Geschützen armiert sein, um die 
gegnerische Flotte auf jene Distanz abzuhalten, von wo aus sie das 
Innere des Hafens mit seinen wichtigen Etablissements nicht 
mehr bombardieren kann. 

2. Vorhinderung einer engen Blockade. 

Durch ihr präcises Feuer kann die Küsten-Artillerie die gegnerische 
Flotte zwingen, die beabsichtigte Blockade bezw. den Blockadegürtel 
derart zu erweitern, dass hiedurch das Durchbrechen einzelner 
eigener Schiffe und Ausfälle der eingeschlossenen Flottenabtheilung 
erleichtert werden. 



Du S^M^ve»« i^ KtsteB-Artillemn Osterrv-Kh- Ungarns ^tc 225 

3. Oesekitzkimpf mit der gegoerischeii Schiffs- 
Artillerie. 

In eiD regelrechtes Niederkimpfen der Küstenwerke wird 
sieh eiBe Flotte Bur dinn eiDltsseD, wenn dies zur Ermöglichong einer 
beftbsichtigteD Foreiernng ron Passagen und Hafeneinfthrten oder 
zur Unterstötzong Ton Landnngs-Operationen nothwendig 
erscheint 

Zar Dvthfnhrang eines solchen Geschützkampfes bedarf die 
Küsten- Artillerie schwerer Geschütze znr Bekämpfung der hinter 
Panzern anfgestellten Schiffsgeschütze, aber auch einer Armiemng 
mit mittleren Calibem. nm eine genügende Fenerschnelligkeit 
gegen die nngepanzerten Schnelladegeschütze des Gegners entwickeln 
zu können. 

In diesem Kampfe hat die Küsten- Artillerie den Yortheil 
der stabilen Position und der genauen Distanzmessung, 
weshalb das Feuer der Küsten-Batterien stets viel präcis er sein wird, 
als jenes der Schiffsgeschütze. Außerdem bietet der verwundbare Theil 
der Küsten-Batterie ein viel kleineres Zielobject dar, als die 
großen Sehlachtschiffe, überdies wird die Wirkungsfilhigkeit der Schiffs- 
geschütze durch die dominierende Lage der Küsten-Batterie stark 
beeintrichtigt 

4. Abwehr von Forcierungen. 

Diesbezüglich wirkt die Küsten-Artillerie im Vereine mit den 
in den Fassagen vom Vertheidiger gelegten Seeminen, 
indem die entsprechend angelegten Küsten-Batterien die einzelnen 
Seeminenlinien kräftig flankieren. 

Sind keine Seeminen gelegt, so wird es der Küsten- Artillerie 
allein kaum gelingen, eine energisch und mit größerer Schins- 
zahl unternommene Forcierung vollkommen zu verhindern. 

5. Mitwirkung bei der Abwehr von Landungsver- 
sachen. 

Die Küsten-Artillerie kann hiebei natfirlich nur dann ein- 
greifen, wenn die Landung innerhalb der wirksamen ^^^ 
der Küsten-Geschütze versucht wird. Die schweren Geschütze werden 
sieh diesfalls nicht mit den Landungsbooten selbst befassen 1^^°°^"' 
sondern trachten, durch ihr intensives Feuer die feindlichen Schlac 
schiffe und Tran sportd am pf er so weit von der Küste abzuhalten, 
dass die von diesen auf die Landungsboote überschifften Truppen 
möglichst langen Weg zum Ufer unter dem Feuer der leic 



226 Knobloch. 

Geschütze und der Infanterie der mobilen Vertheidigung 
zurücklegen müssen. 

Diese in aller Kürze skizzierten Aufgaben, also den jeweiligen 
Schießzweck, kann die Küsten -Artillerie auf verschiedene Art zu 
erreichen suchen, u. zw.: 

1. Durch allgemeine Beschädigung des Schiffes. 
Befinden sich die feindlichen Schiffe in Bewegung und manövrieren 

sie vielleicht auch noch unter stetem Wechsel von Fahrtrichtung und 
Geschwindigkeit, so ist das Treffen eines ganz bestimmten Punktes 
im Schiffe der reinste Zufall; demnach muss sich die Küsten- Artillerie 
damit zufrieden geben, das Schiff überhaupt und womöglich in seinem 
mittleren wichtigsten Theile so oft als möglich zu treffen. 

Durch die sich hiebei von selbst ergebende Yertheilung der 
Treffer im Schiffe können selbst die minder wirkungsf&higen mittleren 
Caliber sehr beträchtliche Schäden — z. B. Zerstören des Comman- 
dantenstandes, der Ventilations- und Signalisierungs- 
Einrichtungen, sowie der Flottanten, Niederwerfen der Masten 
und Rauchfänge, Demontieren der minder geschützten Geschütze, 
Kampfunfiihigmachen ihrer Bedienung, Inbrandsetzen der 
Holztheile und sonstige Havarien — verursachen, welche nicht nur 
die planmäßige Gefechtsleitung am Schiffe mehr oder minder 
erschweren, sondern auch die Gefechtsfähigkeit dieses selbst sehr 
beeinträchtigen, oder auch selbst ganz illusorisch machen können. 

Insbesondere können durch einzelne Zufallstreffer der schweren 
Caliber in vitalen Theilen des Schiffes auch gleichzeitig vernich- 
tende Wirkungen eintreten. 

2. Durch Beschädigung der Be wegungs-Mechanismen, 
Schiffsschrauben und Steuer kann die Bewegungs- und Manövrier- 
fähigkeit des Schiffes aufgehoben, oder wenigstens stark beeinträchtigt 
werden. 

Das Treffen dieser Theile, welche sich bei allen Kriegsschiffen 
unter der Wasserlinie befinden, ist jedoch sehr schwierig; auch 
wird das Schießen nur dann von Erfolg begleitet sein, wenn das Schiff 
der Batterie das Heck zuwendet. 

3. Ein regelrechtes Demontieren, wie etwa im Festungs- 
kriege zu Lande, ist nur dann denkbar, wenn das Schiff in Buhe und 
auf Distanzen unter 3.000m sich befindet 

Bei Zielen in Bewegung wird sich die Küsten- Artillerie damit 
begnügen, ihre Schüsse im allgemeinen gegen jenen Schiffstheil 
zu richten, welcher das schwerste Schiffsgeschütz oder die Haupt- 



Das Schieß Wesen der KQsten- Artillerien Österreich-Ungarns etc. 227 

masse der Beigeschütze trägt, demnach die feindlichen Geschütze 
in den dichtesten Kern der Streugarbe der Batterie zu bringen. 

4. Zur Zerstörung und Vernichtung der modernen Schlacht- 
schiffe bedarf die Küsten-Artillerie schwerer Geschütze mit Geschossen, 
welche eine großeZerstörungskraft besitzen und entweder durch 
Demoliernng der Schiffswand große Lecks zu erzeugen ver- 
mögen, um das Schiff durch die einströmenden bedeutenden Wasser- 
masseo zum Sinken zu bringen, oder die schützenden Panzer durch- 
schlagend, Kessel- und Fulverexplosionen verursachen, welche 
für das Schiff vernichtend sind. 

Die y erschiedenartigkeit der in den Kampf gegen Küsten- 
plfttze eintretenden Schiffstypen und die mannigfaltigen Aufgaben, 
welche die Küsten-Artillerie zu lösen haben wird, bedingen sowohl eine 
verschiedenartige Armierung und Anlage der Küsten- 
werke, als auch die Dotierung ihrer Geschütze mit mehreren Ge- 
schossgattungen. 

Als Hauptgeschütz tritt in allen Küsten - Artillerien die 
schwere Küsten-Kanone mit 15cm bis zu 45cm Caliber auf. 

Die Placierung dieser Kanonen erfolgt entweder in offenen, 
traversierten Batterien, in Casematt-Batterien oder in Panzer- 

thürmen. . 

■ 

Die offenen Batterien, welche zumeist angewendet werden, haben 
eine Brustwehrstärke von mindestens 10m, dabei feuern die Geschütze 
gewöhnlich über Bank. Das Bestreichungsfeld der Geschütze beträgt 
bei dieser Aufstellung etwa 90^ bis 120^ 

Die gepanzerten Casematt-Batterien werden seltener 
and zumeist nur an schmalen Passagen gebaut. Sie sind gewöhnlich, 
wie z. B. die sogenannten batteries de rupture in Frankreich, mit 
den allerschwersten Kanonen größter Durchschlagskraft armiert. 

In Panzerthürmen werden die Kanonen wegen des hohen 
Eostenpreises nur auf solchen Punkten eingestellt, welche wegen ihrer 
besonderen Wichtigkeit eine lange Widerstandsdauer erhalten 
sollen, wo überdies die Beschränktheit des Aufstellungs- 
raames die Anlage von casemattierten Batterien nicht erlaubt, und 
ferner an solchen exponiertenPunkten, wo man ein Bestreichungs- 
feld von SeO"" fordert. 

Die Meinungen der Fachmänner, ob es entsprechender sei, mehr 
Geschütze und in offenen Batterien, oder weniger Geschütze, 
dafBr aber gut gepanzert, aufzustellen, sind sehr getheilt; ebenso 



228 Knobloch. 

wie dies auch bezQglich der AnfstelluDg der Vertheidigangs-Oeschütse 
im Festungskriege Doch immer der Fall ist. 

Die Wahl der Aufistellungsart richtet sich jedenfalls darnach, ob es 
sich in dem speciellen Falle darum handelt, mehr Wirkung in 
kürzerer Zeit oder bessere Widerstandsfähigkeit für längere 
Dauer zu erreichen. 

Als wünschenswerte Unterstützung des Horizontalfeuers 
der schweren Kanonen tritt in allen Küsten- Artillerien das Vertical- 
feuer aus Mörsern oder Haubitzen hinzu. 

Seit der Einfahrung der Deckpanzer zum Schutze der vitalsten 
Theile des Schiffes — Kessel-, Maschinen- und Munitions-Eäume — hat 
das Verticalfeuer eine erhöhte Bedeutung erhalten, da der rasante 
Schuss der Kanone wegen des zu kleinen Einfallswinkels auf 
dem flachen, an den Schiffsseiten bis unter die Wasserlinie reichenden, 
oft über 10cm starken Deckpanzer diesen selbst nur sehr schwer 
und nur unter besonderen günstigen Umständen zu durch- 
schlagen vermag. 

Trotzdem bleibt noch immer die Kanone das Hauptgeschütz, 
weil das Feuer der Mörser und Haubitzen an manchen Übelständen 
leidet — lange Flugzeit, verschiedene Ladungen etc. — welche bei der 
Bekämpfung von manövrierenden Schiffen einen mit der aufge- 
wendeten Mut)itionsmenge im Einklänge stehenden Trefferfolg wenig 
wahrscheinlich machen. 

Die Verwendung der Wurfgeschütze hat aber trotzdem deshalb 
für die artilleristische Küstenvertheidigung einen großen Wert, weil ihr 
Feuer es den feindlichen Schiffen geradezu unmöglich macht, im wirk- 
samen Ertrage desselben die Bewegung einzustellen oder vor 
Anker zu gehen, ohne sich der baldigen Vernichtung auszusetzen. 

Das Wurffeuer kann aber auch dann auf einen günstigen Treff-* 
erfolg rechnen, wenn die in Bewegung befindlichen Schiffe einen ganz 
bestimmten Curs einzuhalten gezwungen sind — Forcierung enger 
Passagen — und Punkte des Fahrwassers passieren müssen, die dem 
Vertheidiger im vorhinein bekannt sind. 

Was die Qeschossgattungen der Küsten-Artillerie betrifft^ 
so trat seit Anwendung des Panzers im Schiffbaue zu der gewöhnlichen 
Zündergranate noch die Stahlgrauate hinzu, u. zw. überwiegt 
heute in der Ausrüstung die Anzahl der letzteren. 

Mehrere Küsten-Artillerien führen auch bereits B risanzgranaten 
wie z. B. Frankreich bei den Kanonen, Italien bei den Haubitzen. 



Dm Scliießwesen der EüBt«n-Artillei4eii Ost erreich -TJDgftrn et(, 529 

In Fraukreich siud sowohl Kanonen, als auch Mörser mit Kar- 
titscben ausgerüstet, während daa Shrapuel derzeit noch nicht bei 
den Küsten-Geschützen vertreten ist. 

Nach diesen allgemeiu orientierenden Bemerkungen wird nun auf 
die specielleu Einrichtungen mehierer Küsten-Artillerien übergegangen, 
vobei man nicb hier natürlich nur auf das Wcsentltcbste be- 
schränken ninss. 



Österreich- Ungarn. 

Ad eigentlichen Küaten-Geachützen besitzt Österreich-Ungarn 
derzeit: 16««, 21ciii und 28«» Küsten-Kanonen, 28«« Minimal- 
Bcharteu-Kanonen, 2I«n und 30«» Mörser'j. 

Die I5r-m Küaten-Kan oue ist ein stahlbronzener Hinterlader 
mit Mantelconstruction, Parallelzügeo, constanten] Drall, glattem Lade- 
raum — mit Kupfer gefüttert — Flachkeil verschluss und Central- 
länduDg. Ihre Länge beträgt etwa 35 CaÜber, ihr Gewicht etwa fj Tonnen. 

Sie schiebt Granaten und Stablgran a teu. 

Die Granate hat ein Gewicht von 425% und eine Spreng- 
Uduog von 2k</ Geschützpulver. Granatzünder M. 80. Portee 8.U0üm. 

Die Stahlgrauate wiegt :i\kg und hat eine Sprengladung von 
0'7ßAff Gewehrpulver. Portee 4.U00(u. 

Die Pührun g der Geschosse erfolgt durch li kupferne Führungs- 
lioge. 

Die Ladung beträgt 145% 2lmm Würfelpulver und verleiht 
der Stahlgranate eine Durchschlagskraft von 18 bis 20cm Stahl auf 
Distanzen bis 2.0001". 

Die 24e/i( Küsten-Kanone ist ein stählerner Hinterlader mit 
Bingconstrnction, System Krupp, mit Parallelzügen, constantem Drall, 
Bandkeil verschluss und Centralzündung. Ihre Länge beträgt 22 Caliber, 
ihr Gewicht etwa 16 Tonnen. 

Sie schieltt Granat en, Stahlgranaten und Hartguss- 
granaten. 

Die Gran ate hat ein Gewicht von 118A-^ und eine Sprengladung 
von GSky Pulver, Krnpp'scher Granatzünder. Portee ö.OOOai. 



') Zor Unteratatzimg der Knutergeschütze Werder 
12cm und Ibcm Kanonen M. 61 (Wuhr«ndorf), die 8™ 
M. 63 nod die Sem Feld-Kanonen H. 75, DieEflben fSL 
Bod KartAtschen. 



fllerdiea verwandet die 
und 10«n Feld-Kanonen 
en Gnuikten, Sbrapnels 



y 



230 Koobloch. 

Die Stahl- und Hartgussgranaten wiegen 132 bezw. 139A^ 
und haben eine Sprengladung von 3 bezw. l'6kg Oeschütipulver. 
PorWe 4.000m. 

Die Führung erfolgt durch angelötheten Bleimantel. 

Die Ladung beträgt für Granaten 20%, für Stahl- und Hartguss- 
granaten 24kg prismatisches Pulver M. 72. Die Durchschlagskraft ist 
analog jener der 15cm Kanone. 

Die 28cm Küsten-Kanone ist analog der 24ciii Kanone con- 
struiert, hat jedoch Progressiv-Drall und gezogenes Geschosslager. Ihre 
Länge beträgt 35 Caliber, ihr Gewicht beinahe 38 Tonnen. 

Sie schießt Granaten und Stahlgranaten. 

Die Granate wiegt 296kg^ die Sprengladung lOkg. Krupp^scher 
Granatzünder. Portio 12.000m. 

Die Stahlgranate wiegt 345%, ihre Sprengladung 6%. Portio 
6.000m. 

Die Führung der Geschosse erfolgt durch ein Kupferbaud nahe 
dem Boden. 

Die Ladung beträgt 100% prismatisches Pulver M. 82 oder 
106% M. 80. Das DnrchschlagsvermOgen beträgt 40cm Stahl auf 
Distanzen bis 2.000m. 

Die 28cm Minimalscharten-Kanone ist analog constroiert 
wie die gleichcalibrige Küsten-Kanone und führt auch die gleiche Munition. 

Bei allen Kanonen werden zum Abfeuern Schraubenbrande I, 
bei den Minimalscharten-Kanonen auch elektrische Schrauben- 
brau del verwendet. 

Alle Patronen der Küsten-Kanonen sind zum Schutze gegen 
Feuchtigkeit in zinkblechernen hermetisch geschlossenen Büchsen 
verwahrt. 

Die Patronen der 28cm Kanonen bestehen aus zwei gleichge- 
wichtigen Theilen '). 

Alle Küsten-Kanonen liegen in eisernen Lafetten auf 
eisernen Rahmen mit Vorderpivot. Der Rücklauf wird d9rch hydrau- 
lische Bremsen gehemmt, der Vorlauf erfolgt selbstthätig. 

Am rückwärtigen Rahmenende befindet sich bei der 24om und 
28cm Kanone ein Schutzschild für den Vormeister, welcher zugleich zur 
Anmontierung eines Elementar-Distanzmessers mit dem Ertn^e bis 
2.000m benützt ist. 



*) N&here Daten Über die Munitioa dieser und der fibrigea Oeschfltse ent- 
halten auch die vom Verfasser dieses Aafsatses im Baehbaadel hemageg^benen 
Tabellen: „Die Munition der k. und k. Land- und Schifti-Artilltrk*. 



6es€k#is« «ri Patr«s«9 w«rdei i«$ 4«b unter dfln W&D- 
giBge gfiigtiwa MinzmeB iizixuik Anfitge fir Hasdkrtrit^ in tif> 
HoUtnrcnn gf fer ial. Dk G«sclii>ssf werden t«» dfot aas saonaii 
4eB Ucirn» Cco Aa g migga aaf «ncr SckifMBbate noa G«9cbfitz |>^ 
fikit «ad Mi t ieh des aa Bakmeo kefisifickea Eraka^s zna Laö«n 



Ke SeiUrirtaBckvcrtnaff des Sak»eK paBchickt kcna 24rM und 

dntk 2 Mama aa der Eeticmiade. Ben ISna snid die r&cd:- 
wiitigea BaDiMer wt Lm^ctb noa ffiueCie« t« Ha»dff»c^fl& Ter* 
wken. Die SmpM&vnaM de? Milma BakaMS« denrL dass die Seil- 
viitakewegvBf rem TcTmekter sifftft aa einer Haadkiui»e] Ke^Mfi 
werden fcaaau ist im Zage. 

Die Anariftaag all« KüFtea-KuK*aea mit am Genckalze befen^lea 
StaklackPden noa Sckatie gegen kleine SckneDfcver-GeMkesE«. $prai^- 
partikd nnd Gevekrfener dtifte demniekst erfolgen. 

Die 26cBi ¥faTnial«kaTlen-Kan»nen, za je 2 in anen Tknmie^ 
liegen in Miaisalf ckartea-Lafettea nnd kakea d«a Drekpnnkt 
knnfp kinter der Sckaile. Hrdranliacke Bmnnng nnd adhsllkitiger 
Vnrlanf: 

Die D r ek a a g der »ebr start dimensionierten nnd aekwcv^ea Tknrm- 
knppel erfolgt dnrek «ine Dampfmasckiae. Eine Tollstindige 
Dreknnf det Tknrmes nm 360' erfordert etwa 4 Minnt«. Bei St^nng 
den Dampfbebiebes kass der Ilinrm anek dnrek 10 Mann am Gang- 
spill gedrekt werden. 

Daa Elerieren und Senkea des Bohres erfolgt dnrcb bjdrav- 
liscke Kraft, doeb dod diesbezügliek die beiden Gescktue ron ein* 
andnr nnabbiagig. 

Anck das Laden der Geschosse gesckiebt darck einea b t d r a n* 
liacken Setzer. 

Zw Fordere Bg derMooitioD dienen Aufzuge mit Handbetrieb. 

Der 2I«ai Mörser M. 73 ist ein gnsseisemer Hinterlader 
■ük Krilxigen. cx>nstantem Drall. BnndkeilTerschlus^ und Oentralzindang. 

Seiae Linge betragt etwa 10 Caliber. sein Gewicht etwa 5 Tonntn. 

Die Bombe hat ein Gewicht Ton Sß'otp. eine Spreagladnag toü 
3*751:5 GnackätzpnlTer und den Granatzünder M. 75. Porte 4.500«. 

Die Führung der Bombe erfolgt dorch kupferne Ringe. 

Die 16 Terschiedenen Ladungen wiegen Ton VI bis 6*^th9: 
OnnekMq^nlrer lit. A 

Dan Bohr liegt in einer eisenbleckemen Wandschleife mit 
acht Ueinea Bollen directe auf der holseraen Bettung. 



232 Knobloch. 

Die ganze lostallieruug des Mörsers als Küstengeschütz ist gleich 
wie als Festungsgeschütz. 

Der 30em Küsten-Mörser ist ein gusseiserner glatter Vorder- 
lader und mit seiner angegossenen Fußplatte unter dem ElevatioBS- 
Winkel von 42 Vt'' ^^ die hölzerne Blockschleife befestigt Er wirft 
Kundbomben mit Brandröhren. 

An Richtmitteln besitzen die Küstengeschütze: 

a) Aufsätze. Je zwei, einen linken und einen rechten Aufsatz 
für jede Kanone, mit Distanzsealen und einer Strichscala. 

Für das Richten auf Distanzen über 4.000m existieren eigene Auf- 
sätze mit langem Querarme. 

Die Construction der Aufsätze ist ähnlich jener bei den Belagerungs- 
Kanonen. 

b) Elevationszeiger. Für jede Küsten-Kanone. Derselbe 
besteht aus einer The ilstrichsch ei be an der rechten Lafettenwand, 
die mit Grad- oder Strichscala, oder mit letzterer allein, versehen ist, 
und durch einen Zahnsector, der am rechten Schildzapfen befestigt 
ist, gedreht wird. Ein Zeiger unter der Theilbtrichscheibe gestattet 
das Ablesen der ertheilten und auf die Theilstrichscheibe übertragenen 
Höheurichtung des Rohres. 

c) Gradbogen. An jeder Minimalscharten-Lafette zur 
Ertheilung der Elevation. Der Zeiger ist am Schildzapfen befestigt 

d) Quadranten. Für jedes Geschütz mit Ausnahme des 30cm 
Küsten-Mörsers. 

e) Visier-Instrument In jedem Thurme beim Commaodanten- 
stand. Nur zum Erlheilen der Seiten rieh tun g. 

/) Seitenrichtungszeiger. Am rückwärtigen Ende des Rah- 
mens der Küsten-Kanone. Derselbe ist verstellbar und läuft längs 
der Theilstricbschieue der Bettung. 

^)Thurmumdrehungs-Scala. Au der inneren Peripherie 
des Thurmes zum Einstellen desselben in bestimmte Directionen. 

h) Derivations - Instrument und Richtplatten für 
21cm Mörser. 

Die Höhenrichtung wird bei den Küsten-Kanonen mit 
Aufsatz oder Elevationszeiger, bei den Thurmgeschützen 
gewöhnlich mit dem Gradbogen, beim 21cm Mörser mit dem 
Quadranten ertheiU. 

Zum Geben der Seiteurichtung dienen bei den Küsten«» 
Kanonen der Aufsatz und der Seitenrichtungszeiger, im 
Thurme das Visier-Instrument und dieXhurmumdrehuDgs- 



_ •• 

Das Schießwesen der Eflsten-Artillerien Osterreich- Ungarns etc. 233 

Scala, beim 21cm Mörser das Derivations-Instrument und die 
Richtplatten. 

In jedem Küstenwerke befinden sich mehrere Küsten- 
Distanzmesser für verticale Basis, System Starke, in perma- 
nenten geschützten Ständen. Dieses vorzügliche Instrument gestattet in 
seiner n e u e n Ausführung die Distanzmessung bis auf I2km und 
die directe Ablesung der Distanz. Am unteren Ende ist ein hori«- 
zontales Lineal angebracht, welches auf dem Tische schleift. Auf 
letzterem befindet sich eine messingene halbkreisförmige Theilstrich- 
schiene, an welcher die jeweilige seitliche Stellung des Distanzmessers 
abgelesen werden kann. 

Die Bezeichnung der Striche an dieser Schiene ist in Über- 
einstimmung mit jener an der Theilstrichschiene der Bettung, 
bezw. der Thurmdrehungs-Scala, um die Geschütze in die gleiche 
Direction mit dem Distanzmesser einstellen zu können. 

Zur Bedienung des Distanzmessers wird ein im Distanz- 
messen gut geübter U n t e r o f f i c i e r sammt einem Gehilfen bestimmt 

Zur Bedienung der Geschütze sind unmittelbar je nach der 
Gattung und Aufstellung desselben 7 bis 14 Mann erforderlich. 

Zwei Geschütze bilden einen Zug, welcher von einem Officier 
oder Feuerwerker befehligt wird. Eine Batterie besteht gewöhnlich 
aus zwei Zügen und wird von einem Subaltern- Officier commandiert. 

Zu jeder Küsten-Kanone wird überdies ein unter officier 
als Geschütz- Com mandant bestimmt. 

Der Panzerthurm wird von einem Officier als Thurm-Com- 
mandanten befehligt, welcher sich während des Gefechtes auf dem 
Commandanten-Stande zwischen beiden Geschützen aufhält. 

Demselben obliegt die Ertheilung der Seitenrichtung mittels 
des Visier-Instrumentes durch Drehen des ganzen Thurmes, die 
Weitergabe der telephonisch vom Distanzmesserstande einlangenden 
Avisos bezüglich der Elevation etc. an die Bedienung, ferner das 
elektrische Abfeuern der Geschütze u. s. w.; er ist überhaupt 
für die correcte Thätigkeit des Thurmes verantwortlich. Zur directen 
Überwachung der Bedienung beider Geschütze ist ein Feuerwerker 
bestimmt. 

In jedem Küstenwerke befindet sich ein Officier als Objects- 
Artillerie- Com mandant; für mehrere Werke ist ein Hauptmann 
als Rayons-Artillerie-Commandant, für mehrere Rayone ein 
Bezirks-Artillerie-Commandant bestimmt. Die Function dieser 
Commandanten ist ähnlich wie in Landfestungen. 

19 



234 Knobloeh. 

Die Werke sind untereinander, sowie mit den erwAhnten Com- 
mandanten and dem Festangs - Artillerie - Director telephonisoh 
verbanden. 

Es wQrde zaweit führen, hier den derzeit bei Verwendang der 
Küsten- Geschütze eingehaltenen Schießvorgang in allen FUlen und 
in allen Details vorzuführen, vielmehr genügt es denselben im Prin- 
cipe zu erörtern. 

Die Wahl der anzuwendenden Geschossgattung richtet 
sich nach der anzustrebenden Wirkung im Ziele. Hiezu muss der 
Gommandant die Schussdistanz, die Eielrichtung des zu be- 
schießenden Schiffes, dessen Constructions-Verhältnisse, endlich 
die Höhenlage der eigenen Batterie in Berücksichtigung ziehen. 

Im allgemeinen werden gegen schwer gepanzerte Schiffe 
auf nicht zu großen Distanzen — bis 4.000m — Stablgranaten, 
sonst Granaten gefeuert. 

Beim Schießen gegen Schiffe in Fahrt unterscheidet man 
zwei principiell verschiedene Schießverfahren, u. zw.: 
das sogenannte Schießen bei bestimmtem Course und jenes bei 
unbestimmtem Course des Schiffes. 

Der erstere Fall tritt ein, wenn das Schiff eine bestimmte 
gerade Fahrtrichtung einhält. Dies ist für die Batterie günstig, 
weil man durch die sogenannte y,Registrierung^ des Courses jenen 
Punkt des Fahrwassers im voraus ermitteln kann, welchen das Schiff 
nach einer gewissen Zeit passieren wird. 

Der Vorgang hiebei ist folgender: 

Auf dem Distanzmessertische ist ein Begistrierblatt mit 
Heftnägeln befestigt. Dieses ist ein halbkreisförmiges Blatt Papier, 
welches mit concentrischen Bogen versehen ist, die ihren gemein- 
samen Mittelpunkt in dem Drehpunkte des Lineals haben. Die Kreisbögen 
sind von einander 1cm entfernt und mit den wachsenden Distanzen 
von 100:100m bezeichnet. 

Tritt das Schiff in den Bereich des Distanzmessers, so führt der 
ünterofficier die ersteDistanzmessung aus, indem er das Fernrohr 
soweit senkt, dass der Kreuzungspunkt des Fadenkreuzes die Wasser- 
linie des Zieles trifft. Nun liest er von der Tronmiel die gemessene 
Distanz ab, macht mit dem Bleistifte längs der Kante des Lindais 
auf dem Begistrierblatte einen Bayon bis an den Band des Papiers, 
macht sodann an diesem Bayon dort, wo dieser den entsprechenden 
Distanzkreis schneidet, einen Punkt und bezeichnet ihn mit 1. 



Das Scbießwesen der Küsten- Artillerien Österreich-Ungarns etc. 235 

Gensn nach einer Minute wiederholt er diesen Vorgang 
und registriert den Punkt 2. 

Nun verbindet er die beiden so erbaltenen Punkte durch eine 
gerade Bleistift linie, welche er in der Fahrtrichtung verlängert. 

Diese Linie markiert den registrierten Cours des 
Seh if f e^. 

Die Schnittpunkte der Linie mit den verschiedenen Distanzbogen 
auf dem Registrierblatt^ gestatten, für jeden Punkt des Courses die zu- 
kommeDde Distanz des Zieles von der Batterie directe abzulesen. 

Aus der Differenz der beiden im Zeitintervalle von einer Minute 
gemessenen Zieldistanzen ergibt sich ferner die vom Schiffe ein- 
gehaltene Oeschwindigkeits-Gomponente in der Schuss- 
richtung in Metern pro Minute. Außerdem ergeben die Schnitt- 
punkte der beiden gezogenen Bleistiftrayone mit der vorderen bogen- 
förmigen Theilstrichschiene des Tisches die Geschwindigkeit s- 
Componente des Schiffes in Strichen pro Minute senkrecht 
auf die Schussrichtung. 

Nimmt man nun an, es sei gleichzeitig mit der erstmaligen Distanz- 
messung das Laden der Geschütze angeordnet worden und das- 
selbe benöthige bei der betreffenden Geschützgattung eine Zeit von 
zwei Minuten. Rechnet man noch zur Sicherheit rund eine Minute für das 
Stellen des Aufsatzes und Erfassen des Zielpunktes, so kann der erste 
Schnss mit aller Buhe und präcise in drei Minuten vom Momente der 
eisten Distanzmessung an abgegeben werden. 

Es handelt sich daher in diesem Beispiele darum, jene Distanz 
zu wissen, welche das Schiff bei seiner Fahrt in diesem Zeitpunkte 
erreichen wird. 

Dies ist sehr einfach zu bestimmen. Der Unterofficier beim Appa- 
rate braucht nur auf dem registrierten Course den gegenseitigen Abstand 
der registrierten Punkte 1 und 2 noch zweimal in der Fahrt- 
richtung aufzutragen. Der so erhaltene Punkt 3 gibt die gesuchte 
Position des Schiffes, deren Distanz von der Batterie directe an 
den Distanzbogen des Begistrierblattes abgelesen werden kann. 

Die letztere Distanz avisiert der Batterie-Commandant an 
die feuerleitenden Zugs-Commandanten. Diese nehmen rasch aus der 
Objects-Schießtafel die der avisierten Distanz, sowie der gleichfalls 
vom Batterie-Commandanten bekanntgegebenen Geschwindigkeit 
des Schiffes in und senkrecht auf die Schussrichtung entsprechende 
Anfsatzhöhe und Seitenverschiebung und commandieren sie 
an die Geschütze. Letztere richten mit diesen Elementen auf das Ziel 



236 Knobloch. 

und verfolgen dasselbe permanent mitHöhen- und Seiten- 
richtnng gegen den commandierten Zielpunkt 

Während dieser Zeit stellt der ünterofBcier den Distanzmesser 
für die gleiche Distanz ein und verfolgt das Ziel mit der Seiten- 
richtung. Sobald das Schiff die gew&hlte Anlaufdistanz er- 
reicht, also mit der Wasserlinie den Horizontalfaden des 
Fernrohres triflFt, avisiert dies der Distanzmessende, worauf der 
Batterie-Commandant sofort die Feuerabgabe veranlasst. 

Ist die gewählte Anlaufdistanz größer als 4.000m, so wird die 
Höhenrichtung des OeschQtzes mittels des Elevationszeigers 
ertheilt 

Der geschilderte Vorgang wird im Verlaufe des Schießens wieder- 
holt, doch wird das Zeitintervallbei schon geladenen Geschützen 
bedeutend geringer sein können. 

Es ist leicht einzusehen, dass dieses Schießverfahren vom Distanz- 
messenden eine besondere Geschicklichkeit und Genauigkeit in der 
Handhabung seines Instrumentes fordert, dass aber anderseits das Feuer 
der Batterie bei gutem Zusammenwirken der verschiedenen Personen 
außerordentlich präcis sein kann. 

Der zweite Fall betrifft das Schießen bei unbestimmtem 
Course. 

Dieser Fall tritt ein, wenn das Schiff keine gerade Fahrt- 
richtung einhält, sondern, um sich dem Präcisionsfeuer der Batterie 
möglichst zu entziehen, sowohl Fahrtrichtung als auch Geschwin- 
digkeit fortwährend wechselt, also frei manövriert 

Demgegenüber verfährt die Küsten-Batterie folgendermaßen: 

Sobald die Geschütze geladen sind, misst der Unterofficier am 
Distanzmesser die momentane Entfernung des Zieles und be- 
urtheilt die seitliche Geschwindigkeit desselben. Diese Daten avisiert 
der Batterie -Commandant, worauf die Aufsätze auf die gleiche 
Distanz und mit der entsprechenden Seitenverschiebung gestellt 
werden. Die Vormeister verfolgen das Ziel, wobei sie die Seiten- 
richtung möglichst genau, die Höhenrichtung aber nur beiläufig 
gegen den Zielpunkt ausführen. Sobald die Vormeister die Verfolgung 
des Zieles begonnen haben, wird die neue Distanz des Zieles ge- 
messen und die Geschwindigkeit des Schiffes in der Schussvorrichtung 
beurtheilt 

Diese beiden neuen Daten commandiert der Batterie-Commandant, 
worauf die Zngs-Commandanten nach der Schießtafel rasch die ent- 
sprechende Strichzahl an dem Elevationszeiger comman- 



Das Schießwesen der Kflsten -Artillerien Österreich-Ungarns etc. 237 

dieren. Der ElevatioDSzeiger wird sofort eingestellt und unmittel- 
bar darauf das Geschütz ausgefeuert. 

Wie man sieht, kann sich bei diesem Schießvorgange, welcher im 
weiteren Verlaufe des Feuers wiederholt wird, ein Kriegsschiff 
darch noch so rapiden Wechsel von Cours und Geschwindigkeit dem 
Feaer der Batterie nicht entziehen. 

Wohl isi das Schießen hiebei etwas weniger präcise, dafür aber 
wird die Feuerschnelligkeit besser ausgenützt, auch braucht der 
Distanzmesseude keine so große Geschicklichkeit entwickeln, wie beim 
Schießen bei bestimmtem Course. 

Der einzige Übelstand ist dabei die derzeitige Ein theilung der 
Theilstrichscheibe in Strichen, weshalb die Stellung derselben für das 
Aasfeuern erst aus der Schießtafel entnommen werden muss, was 
allerdings nur einige Secunden dauert. 

Die Anbringung von Distanzscalen an dem Elevations- 
zeiger würde die Schießtafel entbehrlich machen, weshalb diese 
BecoDstruction auch bald durchgeführt werden dürfte. 

Das Schießen aus den Panzerthürmen gegen Schiffe in 
Fahrt ist im Principe gleich jenem aus den Küsten-Kanonen. Der 
Objects-Artillerie-Commandant versieht hier auch zugleich den Dienst 
des Batterie-Commandanten, indem er, sich beim Distanzmesser auf- 
haltend, nach den Angaben desselben die entsprechenden Avisos durch 
ein Telephon an den Thurm-Commandanten gibt. Die vielerlei 
Functionen dieses letzteren erfordern einen hohen Grad von Ruhe 
und Geschicklichkeit 

Das Schießen aus den Küstenwerken gegen Schiffe in Buhe 
ist sehr einfach und außerordentlich präcise. 

DieCorrecturen derRicht-Elemente während des Ei n- 
schießens werden, wo nur immer möglich, auf Grund der vom 
Distanzmesser ermittelten Abweichungen im allgemeinen nach den 
Bestimmungen der Schießvorschrift für die Festungs-Artillerie zu Lande 
fi&r bekannte Längenabweichungen ausgeführt. 

Für elementare Schießübungen aus den Küsten werken 
werden in die Bohrung der Kanonen eingesetzte 25mm Geschütz- 
Einsatzläufe verwendet. Die größte Gebrauchsdistanz beträgt etwa 
hSOOfn. Diese Übungen, welche gleich dem Schießen mit caliber- 
m&ßigen Geschossen ausgeführt werden, bilden eine sehr wertvolle Vor- 
ftbnng für die Peuerleitenden und die Vormeister. 

Für die eigentlichen Schießübungen werden bei den 
Kanonen statt der Kriegsladungen dieObungsladungen gebraucht. 



238 Knobloch. 

Die Übungsladnng ist zur größeren Schoniuig des Bohres 
beim 15cm um ^'bkg^ beim 28cm um 20kg geringer als die Eriegs- 
ladung. Beim 24cm wird als Übungsladung die für die Granate be- 
stimmte kleinere Eriegsladung benutzt 

Als Übungsgranaten dienen blind adjustierte Granaten, 
welche auf das gleiche Gewicht mit der Granate gebracht sind. 

Zur Aufsatzrichlung wird beim Schießen derObungsgranaten 
die Strichscala benützt. 

Das Werfen der Bomben aus dem 21cm Mörser gegen Ziele 
in Buhe und in Fahrt erfolgt analog dem Schießen aus den Kanonen, 
doch eignet sich dieses Geschütz nicht recht zur Verfolgung eines 
manövrierenden Schiffes, da bei seiner dermaligen Installierung die 
Ertheilung der Seitenrichtung hiezu schwierig ist. 

Der 30cm Eüstenmörser wird principiell nur gegen Schiffe 
in Buhe verwendet. Trotz seiner veralteten Construction kann 
jedoch dieses Geschütz, wenn in größerer Anzahl verwendet, infolge 
seiner sehr einfachen Bedienung und immerhin noch ziemlich 
großen Wirkung gegen minder geschützte Schiffe, die artilleri- 
stische Küstenvertheidigung wesentlich unterstützen. 

Zur Darstellung von Zielen benützt die Küsten- Artillerie theils 
verankerte Pyramiden, theils Netzscheiben, welch letztere 
von Tendern (Dampfbarkassen) an einem etwa 300m langen Drahtseile 
geschleppt werden. 

Landungsboote werden durch analoge Netzscheiben 
markiert, die mittels Winden an einem etwa 1500m langen Drahtseile 
zur Küste gezogen werden. 

An Feuerarten unterscheidet man bei den Küsten-Kanonen: 

1. Batteriefeuer, 

2. Zugssalven, 

3. Batteriesalven, 

4. Geschützweises Ausfeuern, 

5. Zugsweises Ausfeuern, 

6. Ausfeuerlagen der ganzen Batterie. 

Die Feuerarten 1, 2 und 3 werden gegen Ziele in Buhe, 
1 und 2 im Schießen bei bestimmtem Course, 4, 5 und 6 im 
Schießen bei unbestimmtem Course angewendet. 

Im Panzerthurme unterscheidet man nur Zugsfeuer, wenn 
die Geschütze nach einander und Thurmsalven, wenn beide Geschütze 
gleichzeitig abgefeuert werden. 



Das Schießwesen der Kflsien-Artillerien Österreich- Ungarns etc. 239 

Die im vorstehenden im Principe skizzierten derzeitigen Schieß- 
regeln werden einer Umarbeitung unterzogen^ welche eine größere 
Vereinfachung des ganzen Schieß-Verfahrens bezwecken. 

Außerdem wird an maßgebender Stelle die Frage des ^^automa- 
ttsehen^^ Richtens der EAsten-Eanonen in ernste Erwägung gezogen, 
aach dfirfte die Ausrüstung der Eüsten-Eanonen mit antomatiseheii 
AHfafttsen, von denen bereits mehrere Projecte vorliegen, bald in An- 
griff genommen werden. 

Das Wesen und die Vortheile des automatischen Bichtens 
worden bereits in dem Aufsatze: „Der automatische Bicht- 
apparat Deport^, im 4. Hefte dieser y,Mittheilungen^, Jahr- 
gang 1895, ausführlicher erörtert. 

Bezüglich des Schießens bei Nacht wäre zu bemerken, dass 
das Anfisnchen und Beleuchten der feindlichen Schiffe mittels elektri- 
scher Projectoren erfolgt 

Von den Eüstenbeleuchtungs-Apparaten gibt es stabile, welche 
nur bei dem betreffenden Werke, und fahrbare, welche an irgend 
einem Punkte der Eüste etabliert werden können. 

Die Bedienung der Apparate geschieht durch Officiere und Mann- 
schaft der Festungs-Artillerie-Begimenter, welche in den 
Eüstenplätzen stationiert sind. 

Der Schießvorgang bei Nacht ist ganz analog wie bei Tage. 

Die Yisierpunkte am Geschütze werden durch Blend- 
laternen beleuchtet und das Visierkorn mit weißem Papier 
überzogen. 

Die Vormeister erhalten zum Schutze gegen die Blendung von 
Seite der Projectoren der feindlichen Schiffe dunkle 
Brillen. 

Die Distanzermittelung erfolgt gleichfalls wie am Tage. Um die 
Einstellung des Horizontalfadens auf die Wasserlinie des beleuchteten 
Schiffes zu erleichtern, wird das Fadenkreuz durch ein unter dem 
Oeular angebrachtes Glühlämpchen beleuchtet. 

Der Distanzmesserstand wird entweder durch Qluhlampen 
oder gewöhnliche Laternen beleuchtet 

Für die Innenbeleuchtung der Panzerthürme dürfte 
demnächst elektrisches Licht zur Einführung gelangen. 



240 Knobloch. 

Italien. 

Als Eüsten-Qeschütze werden verwendet : 24cm, 32cm, 40cm 
und 45cm Kanonen, 24cm und 28cm Haubitzen. 

24cm Kanone: Kingconstruction, Keilzüge, constanter Drall, 
Schraubenverschluss. Es gibt kurze und lange. 

Sie schießt Granaten und Stahlgranaten. Port^e 9.000m. 

Oewicht der Oran ate 125%, der Sprengladung 4*5%. Percossions- 
Zünder an der Spitze. 

Gewicht der Stahlgranate 150%, der Sprengladung 1*1%. 

Führung beider Geschossarten durch drei Kupferbftnder. 

Ladung 31% Progressiv-Pulver Nr. 2. 

32cm Kanone: Analog wie 24cm, jedoch Parallelzüge. 

Sie schießt Granaten und Stahlgranaten. Portio 8.000m. 

Gewicht der Granate 2lbkg, der Sprengladung 8*2%. 

Percussions-Zünder an der Spitze. 

Gewicht der Stahlgranate 346%, der Sprengladung 4*1%. 

Führung der Geschosse wie beim 24cm. 

Ladung 85% Progressiv-Pulver Nr. 2. 

40cm Kanone: Stählerne Bingkanone, System K r u p p, Parallel- 
züge, Progressiv-Drall, Bundkeilverschluss. 

Sie schießt Stahl- und Hartgussgranaten. Port^e 9.500m. 
Gewicht der Geschosse 920%, der Sprengladung 10*5%. 
Führung erfolgt durch ein Kupferband. 
Ladung 310% prismatisches Pulver. 

45cm Kanone: Analog wie der 24cm, jedoch Schraubenverschluss. 

Sie schießt nur Stahlgranaten. Portio 8.000m. 

Gewicht des Geschosses 1.000%, der Sprengladung 9*4%. 

Führung wie beim 24cm. 

Ladung 220% Progressiv-Pulver Nr. 2. 

24cm Haubitze: Analoge Construction wie Kanonen, mit eigenem 
Schildzapfenring. Parallelzüge, Schraubenverschluss. 

Sie wirft Minengranaten. Port^e von 1.300 bis 4.600m^ 

Führung durch rückwärtiges Kupferband und vorderen Kupferring. 

Gewicht der Minengranate 119%, der Sprengladung etwa 8%. 

5 Ladungen von 2*4 bis 5*3% grobkörniges Geschützpulver Nr. 1. 
Die den einzelnen Ladungen entsprechenden Distanzzonen sind 600 
bis 1.400m groß, und übergreifen sich jene der Nachbarladungen 
um 200 bis 400m. 

Elevation bei jeder Ladung von 20 bis 40^ 



Um ikhiafcüei ga 6m Eteia»r4rdIkrMft unexreicb-I'nifwm«: «tc 241 



Havfcitx«: DD]f«lle Siiififtge. «»bi aiiak^ wie 24rm. 

Sie wirR GrasiieiL PorKef tob 1.500 bis 7.650m. 

Gevidii der firmafte 2172»i. Spra^iiaäni: Wiri^ft etwa Si-47 Palrer 
oder Sckiefvctllci. Fohrnng wie bei der 24cn Haubitze. 

14 Ladvagea tos 5 bk 2M^ tbeüs grobklirBige&, dieils pris- 
matäBckes PiilTer. ]>ie Distanzzoiieii der einzelBen Ladongeii betragen 
400 bis 1.200« VBC nbersreifea acb um 200 bis 400m. 

EleTatioB bei jeder Ladimg tcoi 45 bis 63*. 

Die Lafeltes und Sabmea der KüteiHEaiiOBeii sind im alK 
gemeiaeB ^«HrA wie in ^.»sterFeidh-üngaTB constniiert Der Rahmea ffir 
die 45cm KanoDe hat jedoch HiBterpiTot uid linft auf eiDex EreisdchieBe. 
Zum HisseB des Gescbosses dieBea zwei KrahBe. 

Die 40cm KaBOBe dieBt als Tbormg escbütz UBd sied je zwei 
derselbea ia eiBem TbuiBe placiert Die Lafene ist ans eisern Stahl- 
block erzeugt, sehr siedrig. But dem B<^hie durch drei Bügel fix TeT- 
bmideB UBd schleift auf dem Bahmea. I^ Enheilen der U^hennchtoBg 
geschieht durch Hjdraiilik, iadem BBter jede BahmenwaBd eia Stempel 
TOB BBten asgreift Bsd. mit dem ABgriffiE^uskte ia der Liag^amitte 
des Bahmeüs. das gaaze Geschütz sammt Bahmen um eisen 
am Thorme befestigteB horizoBtales PiTotbolzes hebt oder seskl 

HaadhabuBg der Verschlüsse, sowie das Laden der Geschosse 
erfolgt ebeafUls hjdraiilisch. Hieza mass das Geschütz in die größte 
EleTation gebracht werden. 

Die BrentisiiBg des Bücklanfes erfolgt mittels hTdraslischer Bremse. 
Das Vorführen geschieht durch hydranlischen Druck, 

Die 28cm Haubitze ist mit ihrer Lafette auf einem Rahmen mit 
kleiBea Bollrädem installiert Letztere haben feders de Lager, welche 
beim Schusse derart nachgeben, dass die Rahmensohle auf die 
BettiiBg aufEBliegen kommt 

Diese Haubitze wird auch für jene Positiosen. wo sie nur mit 
Elermtionen über 45® fenern soll, in einer hTdropnenmatischen 
Lafette gebraacbt. Die beiden Bremscylinder derselben sind aaf dem 
ober^i Theile der Lafette, die Kolbenstangen aber mit den Schildzapfen 
befeetigt. Das Vorholen des Bohres nach dem Schosse in die Feuer« 
ftelliiog geschieht durch eine Pampe, die Höhenrichtnng durch Zahnrad- 
UierseiKOBg. 

Die Lafette ist aaf einem kreisförmigen eisernen Kranz gela^r^rt 
weider auf conischen Bollen, analog wie der Panierthurm in Tierreich« 
Ungani liuft Die Seitenrichtung erfolgt mittels einer HandknrbeK 
die Buttels Übersetzungen auf einen Zahnkranz der Bettang wirkt und 



242 Knoblocb. 

einen Bestreicbiingswinkel von 360* erlaubt Zum Hissen des Geschosses 
dient ein Krahn. 

Die 24cm Haubitze ist analog wie die Eflsten-Eanone installiert 

Für elementare Schießübungen dienen in die Bohrung 
der Kanonen mittels einer Einspannvorrichtung eingesetzte Gewehre. 

Aulierdem werden {Qr Schießübungen auch 7cm Geschütz -Ein- 
satzroh re bei der 24cm und 32cm Küsten-Kanone, sowie bei den 
Haubitzen eingesetzt 

Das Gewicht der 7cm Granate beträgt 4*28A:^, der Spreng- 
ladung 0*2%. Bei ihrer Verwendung aus 24cm und 28cm Haubitzen 
werden 5 bezw. 7 verschiedene Ladungen von 0*15 bis 0*3257:^ fein- 
körnigem Geschützpulver gebraucht. 

Die Distanzzonen der einzelnen Ladungen betragen 600 bis 
1.400m bezw. 550 bis 700m und übergreifen sich um 160 bis 400m, 
bezw. 60 bis 250m. Die untere (obere) Elevationsgrenze beträgt bei 
jeder Ladung etwa 20® (40®). 

Die kleinste (größte) Wurfweite beträgt 1.300 (4.600)m, bezw. 
1.400 (3.800)m. 

An Bichtmitteln bestehen bei den verschiedenen Geschfitzen: 
Gewöhnliche Aufsätze, automatische Aufsätze, Elevationszeiger, Libellen- 
quadranten, Gradbogen, Diopter, Seitenrichtungszeiger, Graphometer. 

Die gewöhnlichen Aufsätze werden bei der 24cm, 32cm 
und 45cm Küsten-Kanone benützt Sie sind analog wie in Österreich- 
Ungarn construiert, haben jedoch statt des Visiereinschnittes ein metallenes 
Fadenkreuz. 

Bei der 24cm (32cm) Kanone ist der Aufsatz rechts (links), bdi 
der 45cm Kanone beiderseits der Symmetrie-Ebene. 

Diese drei Kanonen-Gattungen sind überdies mit je einem auto- 
matischen Aufsatze versehen, u. zw. links. 

Die Construction dieser Aufsätze ist geheim gehalten. 

Elevationszeiger zum Ertheilen der Höhenrichtung haben 
nur die Haubitzen. Der Gradbogen derselben ist fix an der Lafette 
befestigt, der lange Zeiger am Schildzapfen. Der Zeiger ist zur Ans-' 
führung von Correcturen verstellbar. Die Eintheilung am Gradbogen 
reicht bei Installierung der Haubitzen auf Rahmen von 0° bis 75^ Ele- 
vation, bei Verwendung der hydro-pneumatischen Lafette für 
28cm Haubitzen jedoch von 35® bis 65^ 

Die Höhenrichtung der Thurmgeschütze wird mittels Grad- 
bogens ertheilt 



Das Schießwesen der Küsten-Artillerien Österreich-Ungarns etc. 243 

Die SeitenrichtuDg der Eüsten-Kanonen erfolgt mittels der 
Aufsätze und SeitenrichtuDgszeiger, bei den Haubitzen mittels 
Diopter an der äußeren Lafetten wand. 

Zur Ertheilnng der indirecten Seitenrichtung dienen in den 
28c9ii Haubitz- Batterien sogenannte Graphometer, welche auf den Traversen 
aufgestellt werden. 

Die Batterien sind mit Distanzmessern (Telemetern), u. zw. 
f&rverticale oder horizontale Basis ausgerüstet. Für den Gebrauch 
des Gruppen-Commandanten — meist für indirectes Feuer — 
sind am Standorte desselben sogenannte Telegoniometer placiert, 
die mit Begistrier-Apparateu für die indirecte Seitenrichtung und Con- 
centration des Feuers mehrerer Batterien versehen sind und zugleich 
zur Distanzmessung dienen. 

Die Ladeschnelligkeit beträgt bei den 24cm, 32cm und 46cm 
Kanonen 2, 3 und 4 Minuten, die Feuerschnelligkeit einer sechs- 
geschützigen Batterie beim Bichten mit dem automatischen Auf- 
satze 28, 42 und 56 Secunden. 

Im geregelten Salvenfeuer bei Gebrauch des Distanzmessers 
beträgt das minimale Zeitintervalle zwischen zwei Salven 2*/,, 3% und 
4Vt Hinuten. 

Ladeschnelligkeit bei den 24cm (28cm) Haubitzen 1 y, (2) Minuten, 
Salvenintervalle 2 (2V2) Minuten. 

Das Durchschlagen einer 10cm starken horizontalen Eisenplatte, 
kann mittels der Granate der 28cm Haubitze bei der Elevation von 45® 
auf Distanzen über 6.000m, bei der Elevation von 60® bereits auf 
Distanzen von 2.000m aufwärts erreicht werden. 

Bei einem Schieß versuche mit diesem Geschütze aus der Batterie 
Pianelloni bei Spezia mit der Ladung von IVSkg, Elevation von 
66^ durchschlug die Granate auf der Distanz von 4.350m einen oben 
gepanzerten Ponton und explodierte im Innern desselben. 

Beim Werfen aus der 24cm Haubitze mit Minengranaten, 
Ladung b'3kg und Elevation 4P, werden im natürlichen festen Boden 
Trichter von 2*6 bis 5m Durchmesser und 1*2 bis 3m Tiefe erzeugt, 
während die unter gleichen Umständen von Pulvergranaten er- 
leogten Trichter nur einen Durchmesser von 1*2 bis 3m und eine Tiefe 
von 1 bis r4m besitzen. 

Als Ausrüstung erhält jede 24cm und 32cm Kanone 50 Granaten 
ind 60 Stahlgranaten, jede 40cm und 45cm Kanone 100 Stahlgranaten, 
jede 24em und 28cm Haubitze 100 Minen- bezw. Schießwoll-Granaten. 



244 Knobloch. 

Außer den Küsten- Geschützen werden in der Eüsten-Yertheidigung 
noch verwendet: 15, 12, 9 und 7cm Hinterlad-Kanonen, 16 und 12em 
Yorderlad-Eanonen, endlich 57 und \2mm Schnellfeuer-Kanonen, welche 
sämmtlich mit Oranaten, Shrapnels und Kartätschen aus- 
gerüstet sind. 

Bezüglich der anzuwendenden Richtarten wird unterschieden: 

o) Puntamento indimduale, 

b) Puntamento preparato diretto, 

c) Puntamento preparato incUretto. 

Zu a) Hiebei wird der Distanzmesser nicht benützt und werden 
nur Stah Igr an aten gefeuert. Höhen- und Seitenrichtung wird mittels 
des automatischen Aufsatzes ertheilt. Nur für kurze Distanzen. 
Feuerart: Batteriefeuer. 

Der Batterie-Commandant bestimmt jenen Flügel, von wo 
nach der herrschenden Windrichtung das Feuer zu beginnen hat, und 
das zu beschießende Ziel. 

Die Yormeister verfolgen das Ziel mit der Richtung, iodem sie 
durch entsprechende Drehung des Rohres und des Geschützes den 
Kreuzungspunkt des Fadenkreuzes am Aufsatze beständig 
auf die Wasserlinie am Bug des Schiffes eingestellt zu erhalten 
suchen. Hiemit erhält das Geschütz automatisch die entsprechende 
Höhen- und Seitenrichtung, ungeachtet der fortwährend 
wechselnden Schussdistanzen. Eine separate Seitenverschiebuug 
am Aufsatze wird normal nicht ertheilt. 

In dem Momente, in welchem das betreffende Geschütz in der 
eingehaltenen Feuerfolge zum Schusse gelangt, commandiert der Vor- 
meister: j^Pronti!^^ worauf die Richtung festgestellt und sofort abge- 
feuert wird. Kann ein Geschütz nicht rechtzeitig mit der Richtung fertig 
werden, so avisiert der Yormeister das nächste Geschütz. 

Zu b) Zur Bestimmung der Distanzen wird der Tel em et er oder 
der Telegoniometer benützt, mittels welches auch die Gesehwin- 
digkeits-Componenten in und senkrecht auf die Schussrichtung ge- 
messen werden. Das Richten der Geschütze erfolgt directe. 

Der Yorgang beim Schießen ist analog wie in Österreich-Ungarn 
bei bestimmtem Course des Schiffes. 

Höhen und Seitenrichtung werden gleichzeitig, jedoch ge- 
trennt ausgeführt durch je einen Richtenden. 

Die Signalisier ung der Richtdaten und des Momentes 
der Feuerabgabe erfolgt mittels eines eigenen elektrischen 



Das Schieß wesen der Küsten- Artillerien Österreich- Ungarns etc. 245 

Signalapparates, mit dessen Zeicheogeber jeder Geschützstand 
versehen ist, vom DistanzmesserstaDde aus. 

Die zu gebenden Signale sind bei Kanonen die Seitenverschie- 
buDg und die Distanz, bei H a u b 1 1 z e n die Ladung, Seitenverschiebung 
und Elevation; bei beiden Geschützgattungen überdies die Signale 
„Atienti!^ und j,Foc!^ unmittelbar vor jeder Feuerabgabe. 

Ist der Signalapparat unbrauchbar, so wird das Signal „Attentif-^ 
durch einen Pfiff, das Signal ,jFoc!^ durch das gleiche Commando 
ersetzt und alles Übrige commandiert. 

Auf das Signal „Attenti^, bezw. den Pfiff, beendet der Vormeister 
rasch und genau die Seitenrichtung und avisiert „Pt'ontt!*^ behufs Fest- 
stellung der Richtung. Auf das darauffolgende Signal oder Commando 
„Focf^ wird die Batterie- oder Halbbatterie-Salve abgegeben. 

Erfolgt die Feuerdirigierung vom Gruppen-Commandanten 
mittels des Telegoniometers, was dann der Fall ist, wenn der Distanz- 
messer der Batterie unbrauchbar ist, oder wenn dieser für verti- 
cale Basis construiert ist, aber infolge geringer Hohe auf großen 
Distanzen ungenau functioniert oder endlich wenn der Gruppen- 
Commandant das Feuer aller seiner Batterien concentrieren will, 
so ist der Vorgang hiebei folgender: 

Der Gruppen*Commandant avisiert an die Batterie die ge- 
wählte Zieldistanz in Metern, sowie den Winkel an der 
Bayonsschiene der Bettung. Auf Grund dieser Daten, welche vom 
Batterie-Commandanten oder dessen Stellvertreter weiter signalisiert 
werden, bestimmen die Geschütz-Commandanteu aus eigenen 
Tabellen die wegen der seitlichen Stellung des Telegoniometers 
nothwendige geschützweise Correctur des verschiebbaren Seiten- 
richtungszeigers am Bahmen. Hierauf wird das Geschütz auf den avi- 
sierten Winkelstrich der Rayonsschiene eingestellt. 

Haben nun die richtenden Vormeister infolge der auf diese Art 
eingestellten Bichtungsebeue das gemeinte Ziel erkannt und dasselbe 
mit dem Verticalfaden des automatischen Aufsatzes bezw. des Diopters 
bei Haubitzen zu verfolgen begonnen, so avisieren sie „JVonet.'", 
welches Aviso an den Gruppen-Commandanten telephoniert wird. 

Von dort aus folgen sodann die der neu gewählten Distanz ent- 
sprechenden Daten über Seitenverschiebung und Hdhen- 
richtnng. 

Der weitere Vorgang ist analog wie früher beschrieben. 

Zu c) Diese Bichtart wird angewendet, wenn, wie bei den 28m 
Haubitzen, die Brustwehre so hoch ist, dass die directe Rieh- 



246 Knobloch. . 

tuDg des Geschützes auf das Ziel nicht möglich ist ßezfiglicb 
der Art, wie in diesem Falle die Seitenrichtung ertheilt wird, 
unterscheidet man wieder dreierlei Fälle. Die meist angewendete Art 
ist folgende: 

Die Seitenverschiebung wird an dem verstellbaren Zeiger des 
Bahmens ertheilt, die Elevation mittels Elevationszeigers oder Quadranten 
gegeben. Die Yormeister sind mit Telephonhauben versehen. Die succes- 
siven Stellungen des Distanzmesserlineals auf der Bayonsschiene 
werden continuierlich an die Geschfitze telephouiert, und letztere folgen 
auf ihrer Bayonsschiene dieser Angabe, wobei die seitliche Stellung des 
Distanzmessers durch entsprechende Correctur berücksichtigt wird. Der 
sonstige Vorgang ist analog wie beim directen Bichten. 

Eine zweite Art der indirecten Bichtung wird mit Hilfe 
des für je zwei Geschütze bestimmten und auf der Traverse postierten 
Graphometers ausgeführt. Die Telephonhauben der Yormeister ent- 
fallen hiebei, sonst ist der Yorgang analog wie bei der ersten Art. 

Eine dritte Art wird bei den 24cm Haubitzen angewendet. 
Der Grapbometer ist hiebei mit einem Zeiger in Verbindung, 
welcher auf der Bettung die seitliche Drehung des Graphometers bei 
der Bichtung auf das Schiff automatisch mitmacht. Um dem Ge- 
schütze die gleiche Seitenrichtung zu ertheilen, braucht nur ein 
am Bahmen befestigter Zeiger stets mit dem erstgenannten Hilfszeiger 
in Übereinstimmung gebracht werden. 

Bezüglich der auszufahrenden Co rrecturenderBi cht demente 
während des Schießens sei kurz Folgendes erwähnt: 

Bei Benützung eines Distanzmessers wird die Längen- 
abweichung des einzelnen Schusses oder der Mitte der einzelnen 
Geschossaufschläge einer Salve, wo nur immer möglich, gemessen, 
sonst geschätzt und die Elevation dementsprechend corrigiert. Dies 
geschieht jedoch gewöhnlich nicht durch Änderung der Bichtelemente 
beim Geschütze, sondern indirecte durch Correctur am Distanz- 
messer selbst, und zwar nach dem Verhältnisse der Längenabweichung 
zur Scbussdistanz in Procenten der letzteren. 

Z. B.: Ein Schuss sei auf der Schussdistanz von 4.000m gegen 
ein fahrendes Ziel abgegeben worden. Die gemessene oder geschätzte 
Längenabweichung dieses Schusses betrage 200m kurz. Der Batterie- 
Commandant avisiert demzufolge an den Distanzmessenden, der ge- 
wöhnlich ein Officier ist, die Einstellung des Distanzmessers, also hier: 
„5Vo weniger!^* 



Das SehießweseD der KflsteD- Artillerien Österreich-Ungarns etc. 247 

Danufbin stellt der Distanzmessende im weiteren Verlaufe des 
Schießens den Apparat nicht aaf die jeweilig gewählte und vom 
Batterie*Commandanten commandierte, sondern auf eine um 5*/« 
derselben kleinere Distanz ein. 

W&re also z. B. die nächste f&r die Schussabgabe gewählte 
Distanz S.OOOm, so werden die Richtelemente beim Geschütz 
für diese genommen, der Distanzmesser aber auf eine um 5V« 
kleinere Distanz, demnach auf 2.850m eingestellt. 

Lässt man nun das Schiff die letztere Distanz anlaufen und 
gibt in diesem Momente den far S.OOOiti gerichteten Schuss ab, so 
wird dieser um 150tn weiter gehen, wodurch die beim früheren Schusse 
in Procenten der Distanz beobachtete Längenabweichung corrigiert wird. 

Dieses Verfahren begründet sich in der Erfahrung, dass die 
Längenabweichungen ohne Vornahme von Correcturen ziemlich 
Proportionen mit der Schussdistanz sich ändern, demnach 
eine dieser Proportion entsprechende constante Correctur auf 
allen Distanzen gleichmäßig wirkt. 

Ist kein Distanzmesser für verticale Basis zur Verfügung oder 
erfolgt das Schießen gegen Ziele in Buhe, so erfolgt die berechnete 
Correctur an den Bichtvorrichtungen der Geschütze selbst, 
n. zw. entweder durch Änderung der Aufsatzhöhe, durch Verschie- 
bung des Zeigers an dem Elevationszeiger, oder durch Stellen 
eines anderen Winkels am Quadranten, bezw. Gradbogen schließlich 
bei Verwendung des automatischen Aufsatzes zur Höhenrichtung, 
dnrch verticale Verschiebung des Horizontalfadens um eine gewisse 
Anzahl Millimeter, die aus einer specielien Tabelle entnommen werden kann. 

Das Schießen bei Nacht geschieht nach denselben Grund- 
sätzen wie bei Tage. 

Frankreich. 

Als Küsten-Geschutze werden verwendet 

I9cm Kanonen, Construction 1870 M. *), 1875/76 und 1878 *), 

24 „ „ „ 1670, 1870 M., 1876 und 1878 •), 

27 „ „ „ 1870 M. und 1870/81, 

32 „ „ „ 1870, 1870/81, 1870/«4 und 1870, 87, 

27 „ Mörser, 

30„ 



*) Die bezeichneten Kanonen werden von der Land-ArtiUerie, die Übrigen 
Modelle Ton der SchifTs-Artillerie bedient. 



248 Knobloch. 

Alle EanoDen sind stählerne Bing-EanoDen mit Schrauben- 
verschluss. 

Der 27cm M ö r s e r ist ein stählerner Hinterlader mit Schrauben- 
verschluss, der 30cm Mörser ein eiserner gezogener Vorderlader. 

Die 19cm und 24cm Kanonen sind zur Armierung der ^Bombarde- 
ment- Batterien^, die 27cm und 32cm Kanone för die „Zer- 
störungs-Batterien** — batteries de nipture — bestimmt. 

Die Bombardement-Batterien liegen an der äußeren 
Befestigungsfrout und möglichst dominierend. Sie sollen ein feind- 
liches Bombardement abwehren und den Geschtktzkampf mit 
der gegnerischen Flotte führen, während die stärker armierten Zer- 
störungs-Batterien, an Passagen und im Hafen möglichst 
maskiert angelegt, die passierenden feindlichen Schiffe auf kurzen 
Distanzen zum Sinken bringen sollen. 

Die Kanonenrohre liegen in eisernen Lafetten — theils Vorder-, 
theils Mittelpivot — mit hydraulischen Bremsen und selbstthätigem 
Vorlaufe. Sie sind im allgemeinen analog installiei*t wie die Schiffs- 
geschütze. 

Die von der Land-Artillerie bedienten Kanonen besitzen 
eine Einrichtung zur Correctur der Höhenrichtung mittels Kurbel- 
umdrehungen. 

Die Mörser sind mit Quadranten und Elevationszeigern 
versehen. Der Index der letzteren befindet sich an der Lafette, der 
Gradbogen an dem sich mit dem Schildzapfen drehenden Sector. Es 
können Elevationen von 70® und Senkungen von 5** ertheilt werden. 

An Geschossgattungen führen Kanonen und Mörser Gra- 
naten, Stahlgranaten und Kartätschen, die Kanonen überdies 
auch Melinitgranaten. Letztere enthalten bei den verschiedenen 
Calibern 794, 15, 22-6 und 36-3% Melinit. 

Bezüglich des Schießverfahrens der Bombardement- 
Batterien werden im allgemeinen vier Arten unterschieden, u. zw.: 

1. Bei Gebrauch des Apparates Deport. 

2. Bei Gebrauch eines Distanzmessers und Aufsatz- 
richtung. 

3. Ohne Messen der Distanz. 

4. Einschießen mittels leichter Geschütze. 

Zu 1. Dieses einfache Schießverfahren und die Einrichtung des 
sehr interessanten automatischen Richtapparates Deport wurde bereits 
in dem früher citierten Aufsatze ausführlich geschildert. 



Das Schießwesen der Küsten-Artillerien Österreich-Ungarns etc. 249 

Zu 2. Da alle hoch gelegenen Batterien mit den Apparaten 
Deport ausgerüstet sind, wird diese Schussart dann angewendet, wenn 
die tiefe Lage der Batterie die Benützung des genannten Apparates 
ausschliefit. Hiezu dienen Distanzmesser für horizontale Basis. 

Der Geschütz-Aufsatz hat oben einen Correcteur, an 
welchem sich das Aufsatz- Visier befindet, und der sich längs einer 
Correctur-Scala am Aufsatzstab und unabhängig von der zu stellenden 
Anfsatzhöhe längs des Aufsatzstabes mittels eines Zahngetriebes ver- 
schieben l&sst. Hiednrch wird erreicht, dass trotz etwa vorgenommener 
Aafsatz-Correcturen die Aufsatzhöhen stets mit demDistanz-* 
messer übereinstimmen. 

Bei der Correctur der Höhenrichtung vor Beginn des 
Schießens wird die Zielgeschwindigkeit in der Schussrichtung, für 
die Seitenrichtung aber die Geschwindigkeit des Zieles senk- 
recht auf die Schussrichtung und außerdem auch jene des Windes 
berücksichtigt 

Der Batterie-Commandant vermehrt oder vermindert die vom 
Distanzmesser ermittelte Entfernung um jene Strecke, welche das Schiff 
in der Schussrichtung während der Ausführung des Richtens und 
der Flugzeit des Geschosses zurücklegen wird, und avisiert dem- 
entsprechend die Aufsatzhöhe und Seitenverschiebung. 

Die dem Commando folgenden Operationen beim Geschütze bis 
zum Fertigstellen der Richtung nehmen eine Zeit in Anspruch, die nicht 
immer gleich ist und im voraus nicht genau bestimmt werden kann. 

Wird das Richten des Geschützes durch irgend einen Umstand ver- 
zögert, so ist bei diesem Schießvorgange der Commandant gezwungen, 
die Distanz nochmals messen zu lassen, die corrigierte Distanz neu 
zu bestimmen, worauf die Aufsätze neu eingestellt und die 
Richtung des Geschützes wiederholt werden muss. Die Vortheile der 
genauen Distanzmessung sind demnach hiebei nicht gut ausgenützt, der 
Yormeister ist sehr gedrängt, die Feuerschnelligkeit erreicht nicht ihr 
Maximum und die Präcision lässt zu wünschen übrig. 

Um diese Unzukömmlichkeiten der vorgeschriebenen Methode zu 
vermeiden, hat der französische Marine- Artillerie- Capitän Adouard in 
der „Revue maritime et coloniale^y Jahrgang 1893, 118. Band, 
ein anderes Schießverfahren vorgeschlagen. 

Nach demselben sollte die Höhenrichtung, getrennt von der 
Seitenrichtung, mittels eines Elevationszeigers von einem zweiten Manne 

20 



250 Kn ob loch. 

ertheilt werden, wozu der Elevationszeiger mit Distanzscala 
zu Versehen w&re. 

Der Distanzmessende ruft laut ununterbrochen jede Änderung 
der Distanz des fahrenden Schiffes. Der Gehilfe am Elevationszeiger 
folgt successive diesen Avisos durch Änderung der Höhenrichtung, 
während der Yormeister gleichzeitig das Ziel nur mit der Seiten- 
richtung verfolgt. 

Misst der Distanzmessende nach Beendigung des Ladens die 
Distanz mit z. B. 4.000m, so wartet er auf die Dauer der Flugzeit 
z. B. 9 Secunden und misst nochmals. Die neue Distanz avisiert er z. B. 
mit 3.950m an den Batterie-Commandanten. 

Demnach würde das Ziel während der Flugzeit von 9 Secunden 
einen Weg von 50m in der Schussrichtung zurücklegen, weshalb der 
Batterie-Commandant ^S.OOOm!^ commandiert, der Gehilfe am Eleva- 
tionszeiger diesen auf 3.900m rasch einstellt und das Geschütz sofort 
abgefeuert wird etc. 

Wie wir sehen, basiert dieser Vorschlag auf denselben Principien, 
wie in Österreich-Ungarn das Schießen bei unbestimmtem Course. 

Zu 3. Dieser Vorgang kommt zur Anwendung, wenn weder ein 
Apparat Deport noch ein Distanzmesser benützt werden kann. 
Das Schießen erfolgt hiebei analog wie bei Feldgeschützen zu Lande. 

Die Schussdistanz wird vom Batterie-Commandanten geschätzt, 
und die Richtung der Geschütze mit dem Aufsatze stets auf die Wasser- 
linie am Bug des Schiffes ausgeführt. Es wird eine weite Gabel 
gebildet, deren Größe für die geschätzte Geschwindigkeit des Schiffes 
aus einer sogenannten Zielrose directe entnommen werden kann. 

Auf der unteren (oberen) Gabelgrenze wird sodann im Batterie- 
feuer solange weiter gefeuert, bis ein Schuss bei vorgehenden Zielen 
weit, bei zurückgehenden Zielen kurz geht, worauf um das Maß der 
weiten Gabel abgebrochen (vermehrt) und der Vorgang wiederholt wird. 

Sollte nach vier Schüssen auf der betreffenden Gabelgrenze noch 
kein Wechsel in den Vorzeichen eintreten, so wird die andere Grenze 
der weiten Gabel durch einen Schuss mit den Elementen für diese 
controliert. 

Vermindert das Schiff seine Geschwindigkeit oder stoppt es, so 
wird die weite Gabel verengt. 

Zu 4. Hat man Schnellfeuer- oder andeie leichte Kanonen 
zur Verfügung, so ist es beim Mangel eines Apparates Deport, sowie 
eines Distanzmessers am rationellsten, sich dieser Geschütze zur 
raschen Gabelbildung zu bedienen. 



Das Schieß wesen der Küsten- Artillerien Österreich-Ungarns etc. 251 

Hiezu bringen diese das Ziel durch Ausführung von Eurbel- 
umdrehungen in eine weite Oabel. Bei einer Geschwindigkeit 
des Schiffes bis zu sieben Seemeilen in der Schussrichtung beträgt die 
Oabelweite zwei Touren, bei größerer Geschwindigkeit vier Touren 
mit der Kurbel. 

Auf der so erhaltenen unteren (oberen) Grenze der weiten Gabel 
feuert nun die Küsten-Batterie weiter etc. 

Von den Zerstörungs-Batterien werden solche unterschieden, 
welche über Bank feuern und ein großes seitliches Schuss- 
feld besitzen von jenen, welche in gepanzerten Casematten 
stehend mit nur einer fixen Schussrichtung feuern können. 

Über den Schießvorgang in den Zerstörungs-Batterien 
bestehen keine Normen. 

Die Bank-Batterien schießen, analog wie die Bombardement- 
Batterien, Batteriefeuer, Salvenfeuer und Vormeisterfeuer. 

In den Casematt -Batterien stehen je zwei Geschütze in 
fixen Ständen parallel zu einander. Die Höhenrichtung wird stets 
mittels des Elevationszeigers oder Quadranten, die Seitenrichtung 
mittels des Aufsatzes ertheilt. 

Fährt das Schiff langsam, so gibt das betreffende Flügel- 
geschütz in dem Momente den ersten Schuss ab, in welchem der 
Bug des Schiffes die fixe Visur erreicht Trifft der Schuss in 
oder zunächst der Wasserlinie des Zieles, so wird sofort darauf 
auch das andere Geschütz abgefeuert, bevor noch das Heck des 
Schiffes die Visur passiert hat. Hat der erste Schuss nicht 
getroffen, so wird beim anderen Geschütz rasch die Höhenrichtung 
am Elevationszeiger corrigiert und abgefeuert. 

Fährt das Ziel rasch vorüber, so geben beim Anlangen des Schiffes 
io der Visur beide Geschütze eine Salve ab. 

Aus Mörsern wird grundsätzlich nur gegen Ziele in 
Buhe geworfen, dabei wird das Feuer stets mit der Anfangselevation 
TOD 66^ begonnen. Für die betreffende Scbussdistanz ist die ent- 
sprechende Pulverladung zu wählen. 

Correcturen von Längenabweichungen geschehen jedoch stets 
durch Änderung der Elevation. Der sonstige Vorgang ist wie beim 
Werfen zu Lande. 

Bezüglich des Schießens bei Nacht ist nichts Besonderes zu 
bemerken. 

20* 



252 Kn^bloch. 

Holland. 

Zur YerwendaDg gelangt wegen der zumeist tiefen Lage der 
Batterien der Distanzmesser für horizontale Basis, System 
Madsen. 

Das Einstellen der beiden Instrumente auf die gemeinsame Ziel- 
linie erfolgt alle 20 Secunden, mit Hilfe von synchronischen 
Uhren gleichzeitig. 

Durch m e h r m al ausgeführte Distanzmessung wird in der Batterie- 
station derConrs und die Geschwindigkeit des Schiffes bestimmt. 

Liegt die Batterie an einer Passage mit schmalem Fahr- 
wasser, wie es in Holland zumeist der Fall ist, so wird folgendes 
Verfahren beim Schießen gegen Ziele in Bewegung angewendet : 

Auf dem Tische des Apparates in der Batteriestation ist das 
Fahrwasser in der Hauptfahrtrichtung durch parallele Streifen 
nach der Breite eingetheilt und diese Streifen sind durch Buchstaben 
und Ziffern bezeichnet. 

Durch mehrmalige Messung und Ziehen von Rayon en wird 
vorerst constatiert, in welchem Streifen und mit welcher Geschwin- 
dig k e i t das Schiff ßhrt. In dem gefundenen Streifen wird vom Batterie- 
Commandanten ein Punkt gewählt, welchen das Schiff nach einer 
gewissen Zeit passieren wird. 

Den Streifen sowie den Bayon des Distanzmessers, in welchem der 
gewählte Punkt liegt, avisiert der Batterie-Commaudant in die Batterie, 
z. B.: ^Streifen A2! 45» links!** 

Der Geschütz-Commandant entnimmt aus einer Tabelle die 
dem avisierten Streifen und Bayone entsprechende Schussdistanz 
directe und lässt hiernach den Eievatioqszeiger einstellen. 

Gleichzeitig wird das Geschütz mit seinem Seitenrichtung s- 
Zeiger auf den commandierten Bayon an der Theilstrichschiene 
der Bettung eingestellt. In dieser fixen Stellung des Geschützes 
wird so lange gewartet, bis das Schiff in die Visur einläuft, worauf 
sofort abgefeuert wird. 

An Feuerarten unterscheidet man bei diesem y,Scbießen aus 
festen Ständen^ das Salvenfeuer, Flügelfeuer und Kreuzfeuer. 
Das Flügelfeuer entspricht dem Batteriefeuer. Beim Kreuzfeuer 
werden die Geschütze eines Zuges in um 2V, oder 5 Grad con ver- 
gierende Bayone eingestellt, während beim Flügel- und Salven- 
feuer die Geschütze parallel eingerichtet werden. 



Das Schießwosen der KftsteD-AriiUerien Ösieireieh-Uogarns etc. 253 

Beim Schießen gegen die offene See, wo also die Schiffe frei 
iDanöTrieren können, wird ein Schieß verfahren angewendet, welches 
•dem östenreichisch-nngarischen Schießen bei bestimmtem Conrse 
ähnlich ist. 

Vor Beginn des Schießens werden berücksichtigt: 

Fär die Höhenrichtung: 

a) Verändertes Luftgewicht. 

b) Differierende Anfangsgeschwindigkeit 

ej Geschwindigkeit des Windes in der Schnssrichtang. 

d) Fehler in der Horizontalit&t der Bettung. 

e) Hebung der Flugbahn, wenn das Schiff ober der Wasserlinie 
getroffen werden soll. 

Für die Seitenrichtung: 

a) Geschwindigkeit des Zieles und 

b) jene des Windes senkrecht zur Schussrichtung. 

Diese zahlreichen Correcturen können jedoch mit Hilfe einer 
eigenen Tabelle, in welchem sie für Mittelwerte eingetragen sind, ziem- 
lich rasch ermittelt werden. 

Schweden. 

Zur Verwendung gelangt der Distanzmesser f&r verticale 
Basis, System Madsen. 

Das Schießen erfolgt stets im Salven feuer. Der Schießvorgang 
ist ähnlich wie in österreich-UDgarn beim Schießen bei bestimmtem 
Conrse. 

Das vom Batterie-Commandanten zu wählende D ist anz-Int er- 
vall e richtet sich Dach der Z e i t d a u e r, welche die betreffende Geschütz- 
gattnng zum erneuerten Laden und Bichten benöthigt, sowie nach 
der Geschwindigkeit des Zieles in der Schussrichtung. 

Dieses Intervalle beträgt z. B. bei 2 Minuten Feuerschnelligkeit 
und 3 Seemeilen Fahrgeschwindigkeit 200m. 

Angenommen, das Schiff fahre gegen die Batterie und das 
gewählte Distanzintervalle betrage 200m. Nach beendetem Laden 
wäre die Schussdistanz mit 2.900m gemessen worden. 

Der Batterie-Commandant avisiert: ^2.800! Seitenverschie- 
bong n Strich!" 

Der Aufsatz wird auf die avisierte Distanz und Seitenverschiebung 
gestellt und das Ziel mit der Richtung verfolgt. 



254 KDobloch. Das Schießwesen der KQsteo- Artillerien etc. 

Der distanzmessende Unterofficier misstuDunterbrocben di 
Distanz und ruft successive laut jede Distanzänderung uo 
26m. Bei dem Rufe: „2.826!^ avisiert der Batterie - CommaDdant 
„Salve! Haken herein!", beim Anlangen des Zieles auf 2.800m 
„Feuer!" worauf alle Geschütze gleichzeitig abgefeaert werden 

Wurden bei der abgegebenen Salve sowohl Weit-, als aucl 
Kurzschüsse, oder Treffer beobachtet, so wird die näcbste Anlauf 
distanz um 200m kleiner genommen, daher „2.600!" avisiert und dei 
frühere Vorgang wiederholt. 

Ergaben sich jedoch z. B. bei der zweiten Salve nnr Weit- odei 
n u r Kurzschüsse, so wird das Distanzintervalle um 100m ge- 
ändert, demnach gewissermaßen eine Oabel von lOOm gebildet 

Waren also in vorliegendem Beispiele bei der Salve auf 2.600m alle 
Schüsse kurz, so wird für die nächste Salve die Höhenri ehtung 
des Geschützes nicht für 2.400m, sondern für 2.500m ertheilt 
die Salve jedoch dann abgegeben, wenn das Schiff auf 2.400m ange- 
kommen ist. 

Fallen nun z. B. jetzt alle Schüsse weit, so wird die Oabel 
auf 50m verengt, demnach der Aufsatz für 2.250m gestellt und die 
Salve auf der Distanz von 2.200m abgegeben u. s. w. 

Diese Schießregeln befinden sich derzeit in Umarbeitung. 

Beim Mangel eines Distanzmessers wird analog wie zn 
Lande im Batteriefeuer geschossen. 



256 



Ober die zweckmäßigste Einriclitung der beim Übungs- 
schießen der Infanterie zu verwendenden Ziele. 

Von 

SZarl Sissclxill, 

k. und k. Obf.rlieuttnant . 

(Hiezu Tafel 10.) 

Innerhalb des Bahmens der gesammten Schießausbildung der In- 
fanterie spielt das Übungsschießen eine so wichtige Rolle, dass Unter- 
suchungen, die sich auf die zweckmäßigste Einrichtung desselben beziehen, 
Interesse und Beachtung erwarten dürfen. Was speciell die Wahl der als 
Ziele zu verwendenden Scheibengattungen betrifft, so ist sie schon mehr- 
mals in militärischen Blättern zum Gegenstände von Erörterungen gemacht 
worden *). 

Die Schießvorscbriften der deutschen, franzosischen und russischen 
Armee weisen den unserem Übungsschießen entsprechenden Stadien der 
Ausbildung, soweit auch sonst die Detailbestimmungen auseinander 
gehen mögen, dieselbe Aufgabe wie unsere Instruction zu: die Vor- 
bereitung für das feldmäßige Schießen. Dieser Endzweck muss denn auch 
stets im Auge behalten werden, wenn die Frage erörtert wird, wie die 
beim Übungsschießen der Infanterie verwendeten Ziele beschaffen sein 
sollen. Da nun die Infanterie am häufigsten, am längsten und in den 
entscheidendsten Situationen Linien- oder Frontziele zu bekämpfen hat, 
also Ziele mit geringer Höhen- und Tiefen-, aber großer Breitenaus- 
dehnung, so muss das Übungsschießen in erster Linie auf den Kampf 
gegen diese Ziele vorbereiten und vor allem auf die Verminderung der 
Höhenstreuung hinarbeiten. Dies geschieht, wenn die Ziele des Übungs- 
schießens für das Abkommen einen größeren Spielraum in der Breiten- 
ais in der Höhenrichtung gewähren. 

Man könnte einwenden, dass die Frontziele, welche für das Feuer- 
gefecht der Infanterie in Betracht kommen, Lücken aufweisen, nämlich 
Zwischenräume zwischen den Leyten desselben Zuges oder Schwarmes, 



') Vergl. Streffleurs Osterreichische militärische Zeitschrift XXXII. Jahr- 
gang, I. Band, II. und III. Heft, Seite 246 ff., nnd XXXVI. Jahrgang, I. Band, 
I. Heft, Seite 89 ff. „Armeehlatt" vom 3. Juli 1895. 



256 Eisschill 

dass demnach die Schulung des genauen Abkommens in der Seiten- 
richtung den Zweck verfolge, das Feuer auf die einzelnen Leute der 
feindlichen Schwarmlinie zu concentrieren. 

Dagegen ist zu bemerken, dass der Feind aus naheliegenden 
Oränden sehr lockere — also grofie Zwischenräume aufweisende — 
Schwarmlinien nicht anwenden wird, am wenigsten auf kleinen Distanzen, 
bei anderen Schwarmlinien aber die Intervalle so gering sind, dass 
wegen der vielen eine seitliche Ablenkung der Geschosse verursachenden 
Momente (Seitenwind etc.) auch bei der größten im Kriege noch zu 
erwartenden Schießpräcision die Geschosse in den Theilzielen (einzelnen 
Leuten) nicht dichter einschlagen als in den Zwischenräumen, eine inten- 
sive Schießausbildung also, insoferne sie auf Verminderung der Fehler 
im Abkommen bezQglich der Seitenrichtung abzielt, keinen Nutzen bringt, 
folglich zwecklos ist. 

Daraus, dass die Waffe selbst bedeutendere Abweichungen in der 
Höhen- als in der Breitenrichtung verursacht, folgt nicht, dass die 
Höhe der Ziele die B.reite derselben übertreffen müsse, sondern nur, 
dass die aus Tabelle I der Schieß-Instruction sich ergebenden Streuungs- 
rechtecke ganz in der Fläche liegen sollen, innerhalb welcher Durch- 
schläge als Treffer gelten, weil sonst der Fall nicht ausgeschlossen wäre, 
dass tadellos abgegebene Schüsse als Fehler zählen. Um das Treffen 
nicht übermäßig zu erschweren und die Schießenden nicht zu ent- 
muthigen, soll diese Fläche der Höhe und Breite nach das Streuungs- 
rechteck soweit überragen, dass auch bei den unvermeidlichen kleinen 
Fehlern im Abkommen noch auf einen Treffer gerechnet werden kann. 
Es ist eben zu bedenken, dass die schwankenden Arme des Schießenden 
keine Lafette sind. Bei der Infanterie werden — im Gegensatze zur 
Artillerie — die Zielfehler als Streuung verursachender Factor auch 
nach der besten Ausbildung weit mehr ins Gewicht fallen als die Mängel 
der Waffe. Diese Zielfehler sollen durch das Übungsschießen möglichst 
vermindert werden. Nur dieses und das feldmäßige Einzelschießen 
bieten dem Instructor Gelegenheit, die Größe und Art der jedem Manne 
eigenthümlichen Fehler kennen zu lernen und diese zu verbessern. 

Da nun beim Abkommen vor allem Genauigkeit in der Höhenrichtung 
anzustreben ist, muss schon durch die Form des Zieles in dem Schützen 
die Überzeugung geweckt werden, dass er gute Schießresultate nur dann 
zu erwarten habe, wenn die Visierlinie während des Züngelabzuges auf 
die Ziellinie (den unteren Band des Zieles) — nicht gerade auf einen 
bestimmten Zielpunkt — eingerichtet bleibt; dass das Pendeln der 
Gewehrmündung nach rechts und links oder das Fortgleiten derselben 



Ober die zweckmäßigste EinrichtaDg der Ziele beim Obangsscbießen. 257 

IftDgs der Ziellinie weniger schädlich sei als das Schwanken nach auf- 
nnd abw&rts. Ja es ist nicht ausgeschlossen, dass der Schütze die 
Höbeorichtang .genauer einhalten kann, wenn ihm die Breite des Zieles 
gestattet, die Visierlinie während des Züngelabzuges längs der Ziellinie 
fortgleiten zu lassen, wie ja auch die Bewegung nach vorne dem Rad- 
fahrer und Schlittschuhläufer die Vermeidung von Schwankungen nach 
rechts und links erleichtert. 

Die Breite der Ziele geringer anzusetzen als deren Höhe, wäre 
Dor dann gerechtfertigt, wenn sich der eben angeführte Grund als nicht 
stichhältig erweisen sollte, und wenn überdies feststünde, dass es dem 
Schützen bedeutend geringere Schwierigkeiten macht, die Seitenrichtung 
als die Höhenrichtung einzuhalten. Nun gibt die schweizerische Schieß- 
aDleitung vom Jahre 1895 die Dimensionen der 267o Trefferrechtecke 
an, welche sich beim Schießen guter Schützen bei freihändigem Anschlag 
aaf verschiedenen Distanzen ergeben haben ; darnach ist die Breite dieser 
Rechtecke sogar etwas größer als ihre Höhe. 

Die bisherigen Erwägungen führen demnach übereinstimmend zu 
dem Resultate: die Ziele des Übungsschießens sollen breit und niedrig 
sein. Das Cultivieren des „Stangenschusses ist dem Zwecke der mili- 
tärischen Schießausbildung geradezu nachtheilig. In dem Artikel „Znt 
Neuauflage der Schieß-Instruction" im „Armeeblatt" vom S.Juli 1896 
heißt es: „Was es für einen Zweck haben soll, Zeit und Mühe für die 
Schulung des Abkommens möglichst nahe an einer Verticalen (deutsche 
Ringscheibe) zu verwenden, vermag ich nicht einzusehen." Das Unzweck- 
mäßige einer solchen Forderung scheint man nun auch in Deutschland 
erkannt zu haben, denn anfangs December 1896 brachte die Darm- 
städter Allgemeine Militär-Zeitung die Nachricht, dass in der deutschen 
Ringscheibe der verticale, durch das Centrum der 12 Kreise gehende, 
Gern breite, schwarze Strich sammt den damit zusammenhängenden 
Yorrückungsbedingungen des Schulschießens nach den jüngsten Ände- 
rungen der „Schieß Vorschrift^ zu entfallen habe. Somit ist jetzt in 
Deutschland für die Schulscheibe ausschließlich das Princip der Ereis- 
leheibe zur Qeltung gelangt, das in Frankreich und in der Schweiz 
schon vorher angenommen worden war, während die russische Schulscheibe 
der unseren sehr ähnlich ist. 

Die in unserer Armee für die Hauptübungen normierten, soge- 
sannten „feldmäßigen^ Ziele entsprechen weder der eben aufgestellten 
Forderung, da ihre Höhe ausnahmslos größer ist als ihre Breite, noch 
sind sie im wahren Sinne des Wortes feldmäßig, denn so sehen die in 
dea Entscheidungskämpfen der Infanterie gebotenen Ziele in der Regel 



268 Eisschill. 

nicht aus. Nicht eine einzelne ganze Figur ist ein feldmäßiges 
Ziel, wohl aber eine Gruppe von y,-Figuren. 

In unseren Hauptübungen sind drei Figuren niemals als Ziel vor- 
geschrieben, zwei nur in folgenden Fällen: 

1. Wenn die Breitenstreuung des Gewehres allein schon (Tabelle I 
der Instruction) großer ist als die Breite einer Figur, 

2. wenn das Feuer auf Commando, 

3. wenn Schnellfeuer abgegeben wird. 

Die Hauptschwierigkeit des Treffens liegt bei den feldmäßigen 
Zielen in ihrer geringen Höhe, bei den Zielen des Übungsschießens in 
der geringen Breite. Dieser eine Fehler unserer Ziele (die zu geringe 
Breite) erzeugte naturgemäß den andern: die übermäßige Höhe. Man wird 
wohl zugeben, dass im Feuergefechte innerhalb der kleinen Distanzen sich 
nur Ziele von der Höhe unserer */,-, Vs- und allenfalls noch %-Figur 
dauernd darbieten werden. Höhere Ziele werden rasch wieder ver- 
schwinden. Für das Übungsschießen aber sah man sich, um das Treffen 
nicht als seltenen Zufall erscheinen zu lassen, genöthigt, auch '/,- und 
ganze Figuren häufig als Ziele anzuwenden. Durch die Form unserer 
Ziele wird der Schießende nicht nur veranlasst, sein Heil in der genauen 
Seitenrichtuug zu suchen, die ihm im Kriege den Erfolg nicht verbürgt, 
und auf die genaue Höhenrichtung weniger Gewicht zu legen, die doch 
im Ernstfalle allein entscheidet, sondern es wurde auch noch, wie sich 
gleich zeigen wird, ein weiterer Übelstand geschaffen. 

Soll nämlich das Übungsschießen auf die Aufgaben des Krieges 
vorbereiten, so muss es wie mit feldmäßigen Zielen, so auch mit 
feldmäßigen Mitteln rechnen, d. h. die Zielregeln müssen einfa<di und 
der Lage, in welcher sich der Schießende während des Kampfes befindet, 
angemessen sein. 

Man weiß nicht erst seit Wolozkoi, dass der Mann im Kriege 
schlechter schießt als im Frieden; dass aber dieser Unterschied mög- 
lichst gering ausfalle, darauf hat die ganze Erziehung und Ausbildung 
des Mannes und speciell auch das Übungsschießen hinzuarbeiten, indem 
es nur das lehrt, dessen Verwertung im Kriege erwartet werden darf. 

Ein Beispiel genüge zur Erläuterung des Gesagten: 

Die zweite Schießclasse hat in der Übungsnummer 8 zwei 
600 Schritte entfernte y,-Figuren als Ziel. Die „Bedingung zum Vor- 
rücken vor Abgabe der Maximal-Schusszahl^ lautet: „3 Treffer in den 
zuletzt abgegebenen 4 Schüssen^. Wer die Bedingung aufgestellt hat, 
muss der Ansicht gewesen sein, dass die Erfüllung derselben nicht 
bloß möglich, sondern unter normalen Verhältnissen und bei vollkommen 



über die zweckmäßigste Einrichtung der Ziele beim Übnngsscbießen. 259 

richtigem AbkoromeD auch sehr wahrscheinlich, wenn nicht gewiss sei. 
Wenn der Mann, wie es die Punkte 62 und 60 vorschreiben, die Mitte 
468 unteren Randes als Zielpunkt nimmt, so liegt, da Aufsatzdistanz 
und Zieldistanz gleich sind und der mittlere Treffpunkt mit dem Ziel- 
punkte sich deckt, die eine Hälfte des Trefferbildes in den beiden 
Figuren, die andere unterhalb derselben, und von vier Schüssen werden 
wahrscheinlich nur zwei das Ziel treffen. Bei Einhaltung der vor- 
geschriebenen Zielweise und unter völlig normalen Verhältnissen wird 
also auch der beste Schütze die Bedingung wahrscheinlich nicht 
erfüllen, ja es können sich sogar, wenn infolge der Luftverhältnisse 
oder der Eigenthümlichkeit des Gewehres der mittlere Treffpunkt auch 
nur etwas unter den Zielpunkt zu liegen kommt, lauter Fehlschüsse 
ergeben. Diese Übungsnummer ist demnach von der Art, dass sie zu 
einer Abweichung von der normalen Zielweise geradezu auffordert. 
Um sich gute Resultate zu sichern, wird der Schütze auf die Distanz 
600 mit dem Aufsatze 600 schießen oder grobes Korn nehmen, oder 
— was die bedeutende Höhe des Zieles besonders nahelegt — einen 
höber gelegenen Zielpunkt wählen. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so 
ungünstig, sind die Verhältnisse auch bei anderen Übimgsnummern, z. B. 
bei Nummer 7 des Programmes der 1. Schieüclasse. 

Die in den Punkten 52 und 60 der Schieß-Instruction vorge- 
schriebene Zielregel ist für das Feuergefecht entschieden die beste. 
V^Tenn sie sich, wie wir gesehen haben, für das jetzige Übungsschießen 
oft nicht eignet, so liegt der Grund nicht bloß darin, dass im Kriege 
in der Regel die Schussdistanz und folglich auch die normale Lage 
des mittleren Treffpunktes, aus welcher sich erst der günstigste Ziel- 
punkt ermitteln ließe, nicht so genau bekannt sind wie im Frieden, 
auch nicht vorzugsweise darin, dass im Kampfe die Schießpräcision und 
damit auch der durch die Verlegung des Zielpunktes erreichbare Vor- 
theil geringer ist als im Frieden, sondern der Grund liegt haupt- 
sächlich darin, dass unsere ,, feldmäßigen ^ Ziele nicht feldmäßig sind. 
Die wirklich feldmäßigen Ziele nämlich erscheinen ihrer Höhe nach 
unter einem kleinen Sehwinkel; eine Verlegung [des Zielpunktes, die 
naturgemäß nur innerhalb des Zieles praktisch ist, bedeuj;et im Ver- 
gleich zu den wahrscheinlichen Fehlern im Abkommen keine nennens- 
werte Vermehrung der Treffwahrscheinlichkeit. Ist aber das Ziel relativ 
hoch und die Zieldistanz nicht viel kleiner als die Aufsatzdistanz, dann 
ist die Wahl des unteren Zielrandes als Ziellinie unzweckmäßig, weil 
sie mit einem bedeutenden Verluste an Treffwahrscheinlichkeit ver- 
banden ist. Solche Ziele bieten also Veranlassung, von der für das 



260 Eisschill. 

Feuergefecht einzig praktischen Zielweise abzugehen und in rerachie- 
denen, nur auf der Schießstätte anwendbaren Mitteln (Künstelefien) das 
Heil zu suchen. Solche Mittel, T^eifer zu erzielen, sind nicht feld- 
mäßig. Die Bedingungen, unter welchen ihre Anwendung einen gün- 
stigen Erfolg verspricht, nämlich : genaue Kenntnis der Zieldistanz, des 
Einflusses der jeweiligen atmosphärischen Verhältnisse, beträchtliche 
Höhenausdehnung des Zielobjectes, Kaltblütigkeit und Bube bei der 
Abgabe des Feuers, sind im Kriege wohl nie ganz erfüllt; es wider- 
spricht daher dem Zwecke des Übungsschießens, wenn die Erreichung 
guter TrefTerresultate von dem Gebrauche solcher Hilfsmittel abhängig 
gemacht wird. Wie soll der Mann Interesse am Schießwesen, Ver- 
trauen zur Waffe und zur eigenen Geschicklichkeit bekommen, wen d er 
auf den Befehl seines Instructors fast in jeder Obungsnummer eine 
andere Zielweise anwenden muss, deren Zweckmäßigkeit er schwerlich 
einsehen kann? Entspricht dies dem Grundsatze, dass der Mann zum 
vernunftgemäßen Handeln, zur Selbständigkeit zu erziehen sei? 

Die Ziele müssen also so eingerichtet sein, dass der Schütze durch 
Beachtung der einfachen, stets giltigen und für den Kampf praktische- 
sten Begeh „Ziele bei richtig gestelltem Aufsatze mit gestrichenem 
Korn auf den unteren Band des Schussobjectes!^ gute Besultate 
erreichen kann. 

Das Vertrauen zur Waffe und die Überzeugung von der Zweck- 
mäßigkeit dieser Zielweise soll endlich noch dadurch bestärkt werden, 
dass zufolge der Einrichtung der Scheibe die Treffwahrscheinlichkeit 
umso größer ist, je genauer die obige Zielregel eingehalten wird. Die 
Forderung, dass die Schießleistungen jenes Mannes als die besten 
erscheinen sollen, der beim Zielen und Abkommen die kleinsten Fehler 
macht, kommt in der jetzigen Einrichtung des Übungsschießens nicht 
voll zur Geltung, da, wie wir gesehen haben, das Treffen hier mehr 
noch von der Anwendung gewisser Kunstgriffe (Wahl einer der Distanz 
nicht entsprechenden Aufsatzstellung, eines abnormalen Zielpunktes oder 
Kornes), als von der Genauigkeit im Zielen abhängig gemacht wird. 
Dieser Forderung wird nur dann entsprochen, wenn der normale mitt- 
lere Treffpunkt in der Höhenmitte jener Fläche liegt, die von dem 
Geschosse direct getroffen werden muss, wenn der Schuss als ein guter, 
als ein Treffer zählen soll, denn nur dadurch wird der Einfluss ge- 
ringer, nicht im Schützen liegender Streuungsursachen soweit ein- 
gedämmt, dass sie allein noch keinen Fehlschuss bewirken können. 
Soll die Leistung des Schützen gerecht beurtheilt werden, und dieser 
ein Interesse daran haben, mögliebst nahe an der vorgeschriebenen 



über die zweckmäßigste EiDrichtang det Ziele beim Übungsschießen. 261 

Ziellinie abzakommeD, so muss er bei kleinen, unvermeidlichen Fehlem 
im Abkommen noch immer auf einen Treffer rechnen können, und diese 
Aussicht, einen Treffer zu machen, muss durch bedeutendere Fehler im 
positiven Sinne (zu große Abgangswinkel) in demselben Maße vermindert 
werden, wie durch gleich große im negativen Sinne (zu kleine Abgangs- 
winkel). Demnach sollten Geschossdurchschläge unter der Ziellinie als 
Treffer angerechnet werden, sobald sie von dem normalen mittleren 
Treffpunkte keinen größeren Yerticalabstand haben als die Treffer in 
dem oberen Bande der Figurenfläche; dass wie bei deutschen und 
französischen mehrfachen Figurenscheiben auch Durchschläge in den 
Zwischenräumen der Figuren als Treffer gezählt werden sollen, braucht 
wohl nicht ausdrücklich bemerkt zu werden. Bei der Beurtheilung der 
Scbießleistung soll ja nicht Glück und Zufall maßgebend sein, sondern 
die Geschicklichkeit. Das Wort „Treffer" bedeutet dann nicht bloß 
leinen Geschossdurchschlag in einer einzelnen Figur des Zieles, sondern 
einen gut gezielten Schuss überhaupt. Ist der Mann nicht imstande, 
den wahren Grund, warum Geschossaufschläge knapp vor den Figuren 
als „Treffer" zählen, einzusehen, dann wird ihm die nichts unwahres 
enthaltende Belehrung einleuchten, dass von knapp vor dem Ziele flach 
auftreffenden Geschossen noch ein Erfolg durch Gellen zu erwarten sei. 
Die Maßregel, Geschossdurchschläge unter der angeführten Bedingung 
auch unterhalb der Figuren als „Treffer" gelten zu lassen, ist geeignet, 
die bekannte fehlerhafte Gewohnheit des Mannes, eher zu hoch als zu 
tief abzukommen, zu bekämpfen, während unsere jetzigen Ziele diese 
Gewohnheit geradezu fordern, da bei normaler Zielweise in den weit- 
aus meisten Fällen der mittlere Treffpunkt unter der Höhenmitte liegt 
und folglich das Abkommen über der Ziellinie das Treffen weniger 
gefährdet als das unter derselben. Hat der Mann dies einmal, sei es 
durch Überlegung rein theoretischer Natur, sei es aus der Praxis durch 
Yergleichung seiner Schießresultate, eingesehen, so führt dieser umstand 
zur Gewohnheit, zu hoch abzukommen, ein Fehler, der, wenn einmal 
wirklich feldmäßige, d. h. niedrige Ziele geboten werden oder der mitt- 
lere Trefipunkt sich oberhalb der Zielmitte befindet, zum Überschießen 
fihrt. Durch die Einrichtung der Scheibe soll also der Schießende dahin 
gebracht werden, dass er sich vor dem Zuhochabkommen ebenso inacht 
nimmt wie vor dem Zutiefabkommen. 

Eine sorgfältige Schießausbildung verlangt auch eine genaue Auf- 
iceichnung der Schießleistungen, damit constante Fehlerursachen erkannt 
und behoben werden können. Die Höhenabweichungen kommen hier als 
die entscheidenden beinahe ausschließlich in Betracht. Die Scheiben 



262 Eisschill. 

müssen daher möglichst hoch sein und die Höhenlage des Geschoss- 
durchschlages mit hinreichender Genanigkeit zn bezeichnen erlauben. 

Vorstehende Gesichtspunkte waren beim Entwürfe der drei in der 
Tafel 10 dargestellten Scheibengattungen maßgebend. 

Die Schussleistungen werden in folgender Weise bezeichnet : 

0-|- Scheibe nicht getroffen, Weitschuss; 

— ri r) n Eurzschuss ; 

S4- Scheibe oberhalb der Trefferfläche getroffen; 
S — „ unterhalb n w w 

1 4" Treffer in oder neben der Figur; 
1— „ unter „ „ 

Bis wieweit Geschossdurchschläge unter der Ziellinie als „Treffer^ 
zählen, ist für die Zieler durch eine vom Schießstande aus nicht wahr- 
nehmbare Linie mit der beigesetzten Zieldistanz angegeben. Für die 
Distanz 400 überhaupt, dann für die Scheiben II und III auf der 
Distanz 200 entfällt sie, da der normale mittlere Treffpunkt knapp an 
oder etwas oberhalb der Figurenmitte liegt, wie aus der Tabelle II der 
Schieß-Instruction zu entnehmen ist Auf der Distanz 400 werden die 
Scheiben II und III nicht gebraucht, da die Figuren bei normaler Ziel- 
weise zumeist Überschossen würden. Die Höhe der Trefferfläche ist noch 
bei der Scheibe III und der Distanz 500 größer als die Höhenstreuung 
des Gewehres. 

Es könnte jemand glauben, dass dieses Ziel (V,- Figur) f&r die 
Distanz 500 Schritte zu niedrig, also zu schwer zu treffen sei, wie ja 
auch gegenwärtig nur die 3. Schießclasse und auch nur auf der 
Distanz 200 Schritte die V« - Figur als Ziel benützt; wenn man aber 
einem Schützen zumuthet, er solle eine 400 Schritte entfernte ver- 
schwindende Va - Figur treffen (vergl. Programm für die 3. Schieß- 
classe unter „Wiederholungen^), so ist das eine noch viel schwerer zu 
erfüllende Forderung als die, er solle aus einer Distanz von 500 Schritten 
die in der Scheibe III gebotene Trefferfläche erreichen. Denn dort hat 
das Ziel eine Breite von höchstens 45cfn, hier von 200cm; dort eine 
Höhe von 60ctn, hier — mit Einrechnung des unter der Ziellinie liegenden 
Theiles der Trefferfläche — eine solche von ^2cm\ dort ist die Figur 
verschwindend, hier ist das wenigstens nicht gefordert; dort liegt der 
normale mittlere Treffpunkt 6cm vom oberen Bande des Zieles ent- 
fernt, hier liegt er in der Höhenmitte der Trefferfläche, also am günstigsten; 
dort reicht das Streuungsrechteck nach oben, rechts und links über 



über die zweckmäßigste Einrichtting der Ziele beim Übungsschießen. 263 

das Ziel hinaus, hier ß,IIt es ganz in die Trefferfläche und ist vom 
oberen und unteren Bande derselben noch je 4'5c9it entfernt. 

Die Combination der drei Scheibengattungen, der Schussdistanzen, 
der Eörperstellung, der Feuerart, des Anschlages (freihändig oder auf- 
gelegt) ermöglicht die Entwerfung eines abwechslungsreichen, vom 
Leichten zum Schweren fortschreitenden Programmes fQr das Übungs- 
schießen. 

Bei aufgepflanztem Bajonnette ist statt der tiefsten Aufsatz- 
stellung der Normalaufsatz anzuwenden. Dadurch wird der Einfluss des 
Bajonnettes auf den Distanzen 200 und 300 nahezu aufgehoben, so dass 
in der Scheibeneinrichtung darauf nicht Bäcksicht genommen werden muss. 

Weil der normale mittlere Treffpunkt in oder sehr nahe der 
Höhenmitte der Trefferfläche liegt, werden geringe Schwankungen in 
der Lage des mittleren Treffpunktes, herbeigeföhrt durch die Witterungs- 
Terhältnisse und die Individualität der Waffe, weniger fQhlbar als bisher. 
Für Einflüsse, die eine Verschiebung des mittleren Treffpunktes nach 
seitwärts herbeiführen (Seitenwind u. dgl.) sind diese Ziele wegen ihrer 
großen Breite wenig empfindlich. 

Größere Mängel an der Visiereinrichtung eines Gewehres sollen 
im Verlaufe der Schießübungen, besonders bei jenen, in welchen das 
Gewehr aufgelegt wird, erkannt und sodann durch Beparatur beseitigt 
werden. 

Unter Witterungsverhältnissen, die eine bedeutende Änderung 
10 der Höhenlage des mittleren Treffpunktes herbeiführen, soll das 
ÜbungsschieUen nicht stattfinden. Es entfallen somit die bisher häufigen 
Veranlassungen zum Abgehen von der normalen Zielweise, wie Ver- 
legung des Zielpunktes und Anwendung groben oder feinen Kornes. 
Was von dergleichen Künsteleien für besonders gute Schützen noch 
brauchbar ist, kann der einzelne nur auf empirischem Wege erfahren. 

Durch die jüngsten Änderungen der deutschen Schießvorschrift 
i soll nach Zeitungsberichten der Gebrauch der Bingscheibe eingeschränkt 
worden sein, UDd es sind aus diesem Anlasse auch Stimmen laut ge- 
worden, welche sich für die gänzliche Beseitigung derselben aussprachen. 
Wenn die Figurenscheiben so eingerichtet sind, dass der Zielpunkt 
(Ziellinie) deutlich genug hervortritt und von möglichst vielen Geschossen 
Seheibendurchschläge erhalten werden, dann ist der Nutzen einer Schul- 
adieibe schwer einzusehen. 

Sollte die Einrichtung unserer Schießplätze dem Gebrauche von 
im breiten Figiirenscheiben erhebliche Schwierigkeiten entgegenstellen. 



264 Eisschill. Über die zweckmäßigste Eiorichtnng der Ziele. 

80 sollte man allen Zielen mindestens die Breite unserer jetzigen 
Schulscheibe == 126cm geben. 

Als Farbe der Figuren dürfte sich grau oder blau, als Farbe der 
übrigen Scheibenpartien die des Hintergrundes empfehlen. Hat der 
Schütze trotzdem — wegen der nahen Distanzen beim Übungsschießen 
— Dicht den Eindruck, die eigentliche Figur stehe oder liege auf dem 
Boden, und legt man auf diese Illusion besonderen Wert, dann gibt 
man dem unter der Ziellinie liegenden Theile der Scheibe das Aus- 
sehen irgend einer Schützendeckung, Erdbrustwehr, Ziegelmauer u. dgl, 
hinter welcher sodann die Figur zu stehen oder zu liegen scheint. 



265 



Ober die Sandplatten - Filter, System F. Fischer in Worms. 

Ans dem chemischen Laboratorium des k. und k. Militär- 

Sanitäts-Comit^s. 



Von 



"9 

Stahiarzt, ordentUdus Mitglied de» Maüär-Sanitäts-ComiU**). 

(Hieza Tafel 11.) 

Der Verfasser dieser Zeilen hatte im Herbste des Jahres 1896 
als Delegierter des niederösterreichischen Landes - Sanitätsrathes Qe- 
legenheit, ein neues Filtersystem, das seit mehreren Jahren an einzelnen 
Orten Deutschlands in Anwendung steht, kennen zu lernen, indem er 
im Vereine mit einem technischen Delegierten von der niederösterrei- 
chischen Statthalterei beauftragt war, die sogenannten Sandplatten- 
Filter, System F. Fi s ch e r, in Worms und Magdeburg auf ihre Leistungs- 
fähigkeit zu prüfen. 

Den Anlass dazu bot das Ansuchen der Compagnie des eaux de 
Vienney bei dem im Bau begriffenen Wolfsgraben -Reservoir der Wien- 
thal-Wasserleitung anstatt der bewilligten Sandfilter das neue System 
in Anwendung bringen zu dürfen. 

Da dasselbe hierzulande wenig bekannt ist, so dürfte ein kurzer 
Bericht darüber gerechtfertigt erscheinen. 

Da ferner dieses System im wesentlichen nichts anderes ist, als 
eine modificierte Sandfiltration, so wird es angezeigt sein, einige all- 
gemeine hygienische Bemerkungen über die LeistungsiUhigkeit der 
Sandfiltration vorauszuschicken. 



Als im Jahre 1839 der englische Ingenieur James Simpson 
zuerst mit dem Vorschlage auftrat, das Wasser der Themse durch Kies- 
and Sandlagen sickern zu lassen, um dasselbe für Genusszwecke geeignet 
zu machen, hatte man sicherlich keine Vorstellung darüber, welche 
Wirkung eine derartige Filtration auf die Zurückhaltung von Krank- 

') Nach einem in der österreichischen Gesellschaft für Gesundheitspflege ge- 
I haltenen Vortrage. 

21 



266 SchOfer. 

heitserregern haben werde, deren gelegentliches Vorhandensein im Wasser 
man wohl vermuthete, deren Wesen man aber damals nicht kannte. 

Für die Reinheit und Genießbarkeit eines Wassers hatte man bis 
dahin keine anderen Merkmale, als dessen physikalischen Eigenschaften, 
insbesondere Klarheit, Oemch und Oeschmack. 

In dieser Beziehung aber leistete die Sandfiltration VortrefiTliches. 
Das Wasser wurde vollkommen geklärt, ein etwa vorhandener moderiger 
Geruch und Geschmack verschwand meist vollständig und selbst geringe 
Färbung des Wassers wurde beseitigt. 

Als später mit den Fortschritten der Hygiene der Anwesenheit 
von organischen Substanzen, Ammon, Nitriten und Nitraten etc. im 
Wasser eine große Bedeutung beigelegt wurde, stieg das Ansehen der 
Sandfiltration noch mehr, denn die chemische Untersuchung des filtrierten 
Wassers ergab eine regelmäßige Verminderung des Glöhverlustes, also 
der organischen Substanzen, und selbst gegenüber dem Ammon erwies 
sich die Filtration insoferne als wirksam, als im Filtrate im schlimmsten 
Falle nur noch qualitativ nachweisbare Spuren zurückblieben. 

Nun trat die Bacteriologie auf den Plan; diese erst ermöglichte 
es, die Leistungsfähigkeit eines Filters wissenschaftlich festzustellen und 
ist seitdem zum Prüfstein der Filtertechnik geworden. Eine Menge von 
Kleinfiltern hat sie hinweggefegt, anderseits aber der Filtertechnik neue 
Anregung gegeben. 

Bezüglich der Sandfilter lehrte sie, dass dieselben kein keimfreies 
Wasser liefern; allein das war von vorneherein nicht zu erwarten ge- 
wesen, da ja die einzelnen Lagen des Filterkörpers, die Steine, der 
Kies und der Sand nicht in keimfreiem Zustande eingeschichtet werden 
und ferner weil beim Anlassen des Filters offenbar eine Menge Keime 
in den Filterkörper eingeschwemmt werden, aus welchem sie nach und 
nach in das Filtrat übergehen müssen. 

Durch einschlägige Versuche von Fränkel und Piefke wurde 
aber auch erwiesen, dass die filtrierende Schichte des Feinsandes nicht 
alle Keime zurückzuhalten vermag, welche mit dem Rohwasser auf den 
Filter gebracht werden, sondern dass ein gewisser, allerdings sehr kleiner 
Bruchtheil der im Rohwasser enthaltenen Keime den Filter passiert. 

Es wurden ferner die Erreger jener Infectionskrankheiten, deren 
Verbreitung man auf Grund epidemiologischer Beobachtungen seit jeher 
mit der Art der Wasserversorgung in Zusammenhang gebracht hatte, 
thatsächlich im Oberflächenwasser gefunden und damit sank das früher 
fast unbedingte Vertrauen, welches man in die Sandfiltration gesetzt hatte. 



über die Sandplatten-Filter, Sjstem F. Fischer in Worms. 267 

Die Praxis, und das ist schlielilich die Hauptsache, hat Beispiele 
geliefert, die zum Theil für, zum Theil aber auch gegen die Saod- 
filtratioD sprechen. 

Einen der großartigsten Erfolge hatte die Sandfiltration bei der 
Cholera-Epidemie in Hamburg- Altena im Jahre 1892 aufzuweisen, welcher 
allerdings nur durch die bei der Filtration aufgewendete, äußerste Sorg- 
falt erzielt wurde. 

Die beiden Städte grenzen unmittelbar an einander und bilden 
sozusagen nur eine Stadt, so dass z. B. die eine Seite einer Straße zu 
Hamburg, die andere zu Altena gehört. Die örtlichen und socialen Ver- 
hältnisse sind in beiden Gebieten dieselben und nur die Wasserver- 
sorgung war zu jener Zeit verschieden. 

Hamburg entnahm unfiltriertes Elbewasser oberhalb der Stadt an 
einer Stelle, wo die Elbe noch verhältnismäßig weniger verunreinigt ist, 
bis wohin aber die Fluth reicht, so dass die Wasserleitung gegen Yer« 
unreinigungen durch Canalinhalt nicht vollständig geschützt ist. 

Altena musste Elbewasser unterhalb der beiden Städte für die 
Zwecke der Wasserversorgung benützen, nachdem dasselbe also die 
Abgänge von 800.000 Menschen aufgenommen hat, filtrierte aber das 
Wasser durch Sandfilter. 

Trotzdem wüthete aber die Cholera in Hamburg auf das furcht- 
barste; es erkrankten 18.000 Menschen und 7.600 davon starben, wo- 
gegen die Epidemie an der Grenze von Altena Halt machte. Von den 
hier vorgekommenen 500 Erkrankungsfällen sind 400 aus Hamburg 
besonders durch Hafenarbeiter eingeschleppt erwiesen; ja noch mehr, 
die Bewohner jener Straßen Hamburgs, welche in das Wasserleitungs- 
netz von Altena einbezogen sind, blieben von der Seuche verschont. 

Das ist das lehrreichste Beispiel, dass eine gut geleitete Sand- 
filtration sich in der Praxis ausgezeichnet bewähren kann und viel Unheil 
abzuwenden vermag. 

Auch die Berliner Sandfilter bewährten sich zu jener Zeit. Es ist 
bekannt, dass damals auch einzelne Flößer auf der Spree an Cholera 
erkrankten, und trotzdem es erwiesen ist, dass ihre Stuhlentleerungen, 
die doch von Cholerakeimen wimmelten, einfach in den Fluss geworfen 
wurden, kam in Berlin kein einziger Cholerafall vor, der auf den Genuss 
von filtriertem Spreewasser zurückgeführt werden konnte. 

Ebenso gelangten bei der Cholera-Epidemie in Nietleben offenbar 
Unmassen von Cholerakeimeu in die Saale, ohne dass die Krankheit 
stromabwärts, z. B. in Magdeburg, welche Stadt filtriertes Elbewasser 
benfitzt, aufgetreten wäre. 

21* 



268 Schöfer. 

* 

Anderseits sind auch Fälle bekannt, in welchen die Sandfiltration 
sich als unzulänglich erwies, und Krankheiten durch das filtrierte Wasser 
verbreitet wurden; so die Typhus-Epidemie in Berlin im Jahre 1889, 
die Cholera-Epidemie in Altena im Jänner und Februar 1893 und die 
Cholera-Epidemie in Nietleben. 

Die Typhus-Epidemie in Berlin trat vorwiegend in den vom 
Stralauer Werke versorgten, östlichen Stadtgebiete auf. Das Werk war 
jedoch alt und schadhaft, nicht eingedeckt und schon damals zur Auf- 
lassung bestimmt, die seitdem auch erfolgt ist. 

Die Cholera-Epidemie in Altena im Jahre 1893 aber war nach 
dem Urtheile Kochs durch theilweises Einfrieren der Filter und dadurch 
hervorgerufene Betriebsstörungen bedingt. 

Wie mangelhaft ferner die Filteranlage in Nietleben bei dem 
dortigen Cholera- Ausbruche war, hat Professor Grub er vor kurzem 
dargethan ; von einem sachgemäßen Betriebe aber konnte dort überhaupt 
nicht die Rede sein. 

In allen diesen Fällen, in welchen die Saudfilter 
versagten, befanden sich dieselben nicht in jenem nor- 
malen Zustande, welcher zu einer wirksamen Filtration 
unbedingt gehört. 

Allein der Umstand, dass Betriebsstörungen so leicht eintreten 
können, beweist, dass die Sandfilter keineswegs so vollkommene Anlagen 
sind, die keiner Verbesserung bedürften. 

Zudem sind sie sehr umfangreiche und im Bau sehr kostspielige 
Aulagen und werden insbesondere durch die hohen Betriebskosten noch 
außerordentlich vertheuert. 

Viele Städte sind jedoch auf das den mannigfachsten Verun- 
reinigungen ausgesetzte Oberflächenwasser angewiesen, und da ein anderes 
brauchbares Verfahren der Wasserreinigung bisher nicht zu Gebote steht, 
gezwungen, die Sandfiltration beizubehalten. 

Es ist jedoch selbstverständlich, dass jede Neuerung auf dem Ge- 
biete der Wasserfiltration, die nach der einen oder anderen Bichtung 
Vortheile verspricht, alle Beachtung verdient, vorausgesetzt, dass die 
Qualität des Filtrates wenigstens nicht hinter der durch die Sandfil- 
tration erreichbaren zurückbleibt. 

Die Thatsache, dass bei der Sandfiltration nur die oberste Schichte 
des Feinsandes sammt den in eine Tiefe von 1 bis 2cm vordringenden 
Schmutzstoflfen das filtrierende Element bilden, und die tieferen Schichten 
nur als Stütze für die oberste dienen, brachte den Director der städti- 
schen Gas- und Wasserwerke in Worms, F. Fischer, auf die Idee, 



über die Sandplatten-Filter, System F. Fischer in Worms. 269 

die filtrierende Feinsandschichte zu verringern und in eine starre Form 
%a bringen, am auf diese Weise die Masse des Filters zu reducieren. 
Es gelang ihm dies durch Zusammenschmelzen von Feinsand mit 
einem leicht schmelzbaren Silicate und er erzeugte auf diese Weise 
quadratische Platten aus künstlichem Sandstein von 100/I00c7n Um- 
&Dg und 10cm Dicke. Je zwei derselben verband er am Bande mittels 
Yerschraubungen und einer zwischengelagerten, 8cm breiten und 2cm 
dicken Cementschichte, so dass zwischen ihnen ein Hohlraum entstand, 
der seinerseits durch ein an einer Schmalseite eingedichtetes, kurzes 
Metallrohr nach außen mündete. 

Seit etwa einem Jahre ist es gelungen, die Filterelemente aus 
einem einzigen Stücke herzustellen; die bisherigen lästigen Yerschrau- 
bungen und Yerkittung sind damit in Wegfall gekommen. 

Die Filterelemente werden mittels ihres Auslaufrohres, eines neben 
dem anderen, in verticaler Stellung mit dem Wasser-Sammelrohre ver- 
banden, und dadurch gelingt es, auf kleiner Qrundfläche eine sehr viel 
größere Filterfläche aufzubauen, ja es ist möglich, je zwei Elemente auf 
einander zu stellen und ihre Hohlräume zu verbinden. 

Liegt das Sammelrohr, wie bei der Filteranlage in Worms, unter- 
halb der Elemente auf dem Boden der Filterkammer, so muss zur 
Ableitung der Luft aus dem Innenraume der Elemente noch eine 
sogenannte Entlüftungsleitung angebracht werden. Bei den neueren An- 
lagen wird jedoch umgekehrt das Sammelrohr mit den nach aufwärts 
gerichteten Ausflussöffnungen der Elemente verbunden, verläuft also 
über diesen, und dadurch entfällt auch die Entlüftungsleitung. (Yergleiche 
die beiden Abbildungen auf der Tafel.) 

Eine größere Anzahl von Elementen, etwa 60 bis 60, die auf einem 
Sammelrohrstrang aufsitzen, bilden eine Batterie; dabei ist Yorsorge 
getroffen, dass das Filtrat jeder einzelnen Batterie behufs Untersuchung 
gesondert entnommen werden kann. 

In der Filterkammer befinden sich daher die Elemente mit der 
Entlüftungsleitung und die Sammelrohre; in diese Kammer mündet die 
Bohrleitung, welche das Rohwasser zufuhrt, ferner am Boden derselben 
ein Bohr, das bei der Reinigung der Kammer und der Elemente den 
Schlamm abführt. 

Werden die Filterelemente unter Wasser gesetzt, so dringt dieses 
durch die Wandung derselben in den Innenraum und fließt durch das 
Sammelrohr in den Beinwasserbehälter. 

Die über der Oberkante der Elemente stehende Wassersäule stellt 
den hydrodynamischen oder wirksamen Wasserdruck vor. 



270 Schöfer. 

Man könnte daran denken, ob der Filterdruck an den verticalen 

.Flächen der Elemente nicht von oben nach nnten zunehme, und das 

Wasser durch die unteren Partien derselben rascher hindurchgehe, als 

durch die oberen. Das ist jedoch nicht der Fall, sondern der Druck 

bleibt überall derselbe. 

Das erklärt sich bei Anlagen, bei welchen das Sammelrohr auf 
den Elementen liegt, in einfacher Weise. Denn würde man die Kammer 
nur bis zur Oberkante der Elemente mit Wasser anlassen, so würde, 
nachdem sich auch die Elemente angefQllt haben, überhaupt keine 
Bewegung stattfinden. Dem äußeren Drucke hält die Wassersäule im 
Innern der Elemente das Gleichgewicht. 

Liegen dagegen die Sammelrohre unter den Filterelementen, so 
muss, um den der Höhe derselben entsprechenden Druck auszuschalten, 
das Wasser sich erst in der sogenannten Ausgleichkammer ansammeln 
und wird im Niveau der Oberkante der Elemente in den Reinwasser- 
behälter geleitet. 

Durch die verticale Anordnung der filtrierenden Schichten wird 
die räumliche Ausdehnung der Anlage auf ungefähr den achten Theil 
derjenigen der Sandfilter herabgesetzt, es ist leicht möglich, die Filter 
durch Überdachung gegen klimatische Einflüsse zu sichern und den 
ganzen Betrieb leicht übersehbar zu machen. 

Ein anderer Vortheil dieser Filtrations-Methode ist der, dass der 
größte Theil der Schwebestoflfe infolge der eigenen Schwere sich auf 
dem Boden der Filterkammer ansammelt, die Filterflächen daher weniger 
verschmutzt werden und seltener gereinigt zu werden brauchen. 

Die Reinigung der Elemente ist äußerst einfach und geschieht je 
nach der Qualität des Bohwassers nach je 5 bis 10 Tagen durch 
Rückspülung ; indem der Wasserstrom, ohne dass die Filterkammer ent- 
leert würde, umgekehrt wird, das Wasser die Wandungen der Elemente 
also von innen nach außen, durchdringt und den Schlamm von der 
Oberfläche derselben abhebt. Der bei der Rückspülung aufgewendete 
Druck muss das Doppelte des gewöhnlichen Filterdruckes betragen. 
Jede einzelne Batterie kann für sich, ohne dass die anderen außer Betrieb 
gesetzt werden müssten, gereinigt werden. 

In größeren Zeiträumen wird die entleerte Filterkammer mittels 
Wasserstrahles gereinigt. 

Die wenig umfangreiche Anlage kann auch geradezu sterilisiert 
werden. Das Bassin wird entleert und durch das Ablaufrohr Dampf 
bei Im Spannung eingelassen, wobei sich die Elemente auf 100" C, 
erhitzen. 



Ober die Sandplatten- Filter, Systenn F. Fischer in Wornns. 271 

Auch die quantitative Leistung der Sandplatten-Filter ist betrachte 
lieh und von dem Überdrucke des Bohwassers abbängig; gewohnlich 
wird dieselbe bei Flusswässern auf 5m' per Element in 24 Stunden 
reguliert. 

Bei der Sandfiltration gilt als Begel, dass die Filtrations-Oeschwin- 
digkeit 100mm in der Stunde nicht übersteige, so dass Im' Filterfläche 
in 24 Stunden 2'4m' Filtrat liefert. 

Von allen diesen Gesichtspunkten verdient daher das Sandplatten- 
Filter große BeachtuDg und die Neuerung wäre freudig zu begrüßen, 
Torausgesetzt, dass auch die Qualität des Filtrates nicht hinter der 
dnrcfa Sandfilter erreichbaren zurückbleibt. Diese Frage ist von aus- 
schlaggebender Bedeutung. 

Allgemein wird die gleichmäßige, vollkommene Klarheit des 
filtrierten Wassers bestätigt. 

Die erste bacteriologische Prüfung des Sandplatten-Filters unter- 
nahm Professor Bessel-Hagen in Worms bald nach Installierung 
der dortigen Anlage im Sommer 1892 und verglich gleichzeitig die 
Leistungsfähigkeit desselben mit jener des dortigen Sandfilter Werkes. 

Bemerkt muss werden, dass zu jener Zeit der zulässige Eeimgehalt 
des filtrierten Wassers noch nicht strenge präcisiert war und die Filter 
daher bezüglich der quantitativen Leistung in höherem Maße in Anspruch 
genommen wurden. 

Professor Bessel-Hagen zählte im 28tägigen Durchschnitte 
in lern* des Filtrates vom Sandplatten-Filter 171 Keime, vom Sand- 
filter 211. 

Dabei ist in Betracht zu ziehen, dass die Sandplatten-Elemente 
vor Beginn des Versuches wochenlang im nassen Zustande in der 
Filterkammer gestanden waren; es unterliegt kaum einem Zweifel, dass 
während dieser Zeit sich zahlreiche Keime in den Filterporen ange- 
siedelt hatten und dass dieser umstand auf die in den ersten Tagen 
der Versuchsreibe vorhandene hohe Keimzahl von Einfluss sein musste, 
wodurch sich auch die Durchschnittszahl erhöhte. 

Professor Bessel-Hagen constatierte ferner, dass bei dem 
Sandfilter nur so lange eine niedere Keimzahl erzielt wurde, als der 
Pilterdruck ein sehr geringer — 50cm — war, dass aber bei höherem 
Drucke — 80cm — sofort die Keimzahl beträchtlich anstieg, während 
heim Sandplatten-Filter dieser Einfluss auch bei einem Überdrucke von 
lOOcm kaum merklich zutage trat. 

Es zeigte sich ferner, dass die Reinigung des Sandfilters jedesmal 
auf Tage hinaus eine starke Verunreinigung des Filtrates zur Folge 



272 Schöfer. 

hatte, dass dagegen Dach der Beinigung des Sandplatten-Filters eine 
kaum in Betracht kommende Steigerung der Keimzahl auftrat 

Professor Bessel-Hagen schließt aus den Vergleichen der 
Besultate beider Filtersysteme, dass die Beinigung des Wassers durch 
das Sandplatten-Filter im Durchschnitte mindestens eben so gut ist, 
wie die durch das Sandfilter, weitaus besser, aber bei größerer Inanspruch- 
nahme der Filter. 

Seit der Installierung des Sandplatten-Filters in Worms sind an 
demselben verschiedene technische Verbesserungen angebracht worden, 
besonders aber wurde die Filtrations-Geschwindigkeit auf 5m' herabgesetzt. 
Dadurch wurde die Keimzahl noch erheblich herabgedruckt, so dass 
das Filtrat auch jenen strengeren Anforderungen entspricht, welche 
im Jänner 1894 für die Beinigung von Oberflächenwasser zu Zeiten der 
Choleragefahr im deutschen Beichs-Gesundheitsamte festgesetzt wurden. 

Diesen zufolge ist die Wirkung eines Filters dann als befriedigend 
anzusehen, wenn der Keimgehalt des Filtrates möglichst gering ist und 
jene Grenze nicht überschreitet, welche erfahrungsgemäß durch eine gute 
Sandfiltration fQr das betreffende Wasserwerk zu erreichen ist Im all- 
gemeinen hat als Begel zu gelten, dass ein filtriertes Wasser beim 
Verlassen des Filters nicht mehr als ungefähr 100 Keime in 1cm' 
enthalten darf 

Die Zahl 100 hat dabei nicht die Bedeutung, dass ein Wasser 
mit mehr als 100 Keimen unbedingt als infectionsgefährlich anzusehen 
sei, ein solches mit weniger als 100 aber nicht; sondern sie hat, da 
die Sandfilter überall gleich gebaut sind, erfahrungsgemäß nur als 
Maßstab für die hygienisch sachgemäße Bewirtschaftung der Anlage 
zu gelten. 

Die Erfüllung dieser Forderung ist umso schwieriger, je keim- 
reicher das Bohwasser ist und dann nur bei sehr geringer Fil^ 
trations-Geschwindigkeit undmöglichst gleichmäßigem 
Gange der Filtration erreichbar. 

Es ist bekannt, dass nur wenige Filteranlagen den strengen An- 
forderungen bezüglich der Keimzahl des Filtrates gerecht werden, 
sondern dass die Überschreitung der Zahl von 100 Keimen bei manchen 
fast zur Begel gehört 

Wie vollkommen die Wormser Filterwerke, u. zw. sowohl die Sand- 
filter als die Sandplatten-Filter unter der ausgezeichneten Leitung des 
Directors Fischer ihrer Aufgabe entsprechen, zeigen die fortlaufend 
geführten Tabellen über die officiellen Betriebsresultate. 



über die Sandplatten-Filter, System F. Fiscber in Worms. 



273 



Die folgende Übereicht gibt darüber Anfscbluss: 



Eeimsabl in 1cm' Filtrat (1894) 


Sandfilter 


Sandplattcn-Filter 


Jali Au^st 


Juli 


Anlast 


Kleinste 


4 

250 

27 

40 


6 

87 
20 
24 


13 
56 
32 
35 


14 
87 
37 
24 


Größte 


IVnrclisclinitt 


Dorcbsebnitt ans allen Filtraten 



Darnach schwankt die Keimzahl bei dem Filtrate des Sandfilters 
innerhalb weiterer Grenzen, als beim Sandplatten-Filter; alle übrigen 
Zahlen lassen keine wesentlichen Unterschiede erkennen. 

Die Gleichmäßigkeit der Filtration bei den Sandplatten-Filtern 
zeigt sich noch deutlicher, wenn man einen größeren Zeitraum in Be- 
tracht zieht, so z. B. den von Juni 1894 bis September 1895. 

W&hrend dieser 16 Monate wurde bei den Sandplatten- Filtern die 
Zahl von 100 Keimen 22mal, bei den Sandfiltern 68mal überschritten. 

Von Interesse sind auch einzelne Bemerkungen zu den Betriebs- 
resultaten der Sandplatten-Filter. 

Als z. B. im Monate September 1894 die Zahl der Keime con- 
stant höher war und 6mal über 100 betrug, wurden die Filtrate der 
einzelnen Batterien untersucht; jenes der Batterie II enhielt 315 Keime 
und dadurch war offenbar das Gesammtresultat verschlechtert worden. 
Die nähere Untersuchung der Batterie II ergab ein Gebrechen an der 
Entlüftungsleitung, mit dessen Beseitigung wieder normale Verhältnisse 
eintraten. 

Die fortlaufenden, über größere Zeiträume ausgedehnten Betriebs- 
resnltate geben ein klares Bild über die Leistungsföhigkeit des Sandplatten- 
Filterwerkes in Worms, und es muss ihnen ein größerer Wert beigelegt 
werden, als vereinzelten, gelegentlichen Untersuchungen. 

Die Resultate, die wir bei der Untersuchung während unseres Auf- 
enthaltes in Worms erhielten, sind folgende: 



Datum 


Rob- 
wasser 


Sandfilter 


Sandplatten-Filter 


Nr. I 


Nr II 


Batt. I 


Batt. II Gem.-Filter|Probe-EIement 


18. October . . 

19. October . . 


950 

1860 


118 
106 


38 
89 


27 

82 


17 
89 


19 
36 


28 
15 



274 Schöfer. 

Diese Besultate sind den bisher besprochenen fthnlich; aufTallend 
ist die größere Keimzahl am 19^ October, wobei der Umstand in Be- 
tracht kommen dürfte, dass der Tag stürmisch und die Lnft sehr staub- 
reich war, so dass möglicherweise die Culturen durch Luftstaub ver- 
unreinigt wurden, da die Aussaaten im Vorräume der Filteranlage bei 
geöflfneter Eingangsthüre vorgenommen wurden. 

Am 21. October wurde das Wasser aus der Filterkammer abge- 
lassen ; der Boden derselben zeigte sich mit einer dicken Schlammschichte 
bedeckt, wogegen die Elemente an den verticalen Flächen nur wenig 
verschmutzt waren. 

Die Filterkammer enthält 480 Elemente die zu 8 Batterien ver- 
einigt sind. 

In der Filterplatten-Fabrik hatten wir Gelegenheit, die Formierung 
der Elemente, sowie die Prüfung derselben zu sehen. 

Die Elemente werden durch Zusammenschmelzen von feinem Rhein- 
sand mit feingemahlenem Natronglas bei einer Temperatur von 1.200^ C. 
hergestellt Als Kern zur Herstellung des Hohlraumes wird Sand allein 
verwendet, der nach dem Brennen des Elementes daraus entfernt wird. 

Jedes Element wird in einem eigenen Herde aus feuerfestMi Ziegeln 
formiert und gebrannt. Der Boden des Herdes ist mit einer Sandlage 
bedeckt. Auf diese wird eine quadratische, etwa 25cfn hohe Form aus 
Eisenblech von 100cm Seitenlänge aufgesetzt und der Innenranm auf 
etwa I2cm Höhe mit einem Gemenge von Sand und feingemahlenem 
Glas angefüllt; diese Schichte bildet die eine Wand des Elementes. 

Nun wird ein etwa 6cm hoher quadratischer Rahmen von 80cm 
Seitenlänge aufgesetzt, der Innenraum mit Sand allein, der 10cm breite 
Rand wieder mit Sand und Glas angefüllt. Dieser Rahmen besitzt in der 
Mitte der einen Seite auch einen Fortsatz für den Auslauf, der ebenfalls 
mit Sand angefüllt wird. 

Nachdem der Rahmen herausgehoben ist, wird nun wieder eine Lage von 
Sand und Glas aufgeschichtet, welche die andere Wand des Elementes bildet 

Sobald nun noch an der Außenseite der Form Sand aufge- 
schüttet worden ist, wird dieselbe ausgehoben. Das Element wird noch 
mit einer Sandschichte bedeckt und sodann gebrannt 

Man darf annehmen, dass durch die Versinterung des Sandes mit 
dem feingemahlenen Glase ersterer ein dichteres Gefüge erhält, als 
durch die einfache Zusammenlagerung der Sandkörnchen bei den Sand- 
filtern, weil das feine Glas die Poren zwischen den Sandkörnchen aus- 
füllt. Das Porenvolumen des Feinsandes, wie er bei der Sandfiltration 
zur Anwendung kommt, beträgt etwa 40%, das des künstlichen Sand- 



Ober die SandplAtten-Filter, System F. Fischer in Worms. 275 

Steines der Wormser Filterelemente nach meinen YersoeheD nur 30 bis 
3lV»; ibre Poren müssen daher ?iel feiner sein. 

Übrigens ist es ksnm zweifelhaft, dass, gerade so wie bei der 
Sandfiltration erst die Schlammschicbte das filtrierende Element bildet, 
dies auch bei den Sandplatten-Filtem der Fall sein wird. Das lehrt 
folgeDder Versuch: 

Wenn man ein Filterelement mit der Ansflussöflfnnng nach auf- 
Wirts in eine Anfschwemmnng von Ultramarin einstellt, so dringt das- 
selbe in dem Steine bis in eine Tiefe von 2 bis 5mm vor, nnd dasselbe 
werden anch die feinen Scblammtheilchen des filtrierenden Wassers thnn. 

Dieselben werden sich bei der ROckspülnng nnr theilweise aus 
den Poren des Steines wieder entfernen lassen, nnd darauf dürfte es 
znrückzuf&hren sein, dass nach der Reinigung der Elemente eine kaum 
nennenswerte Steigerung des Bacteriengebaltes im Filtrate auftritt 

Die Prüfung der Elemente geschieht auf folgende Art : Das Element 
wird auf zwei Balken gestellt und die Ausflussöffnung mit der Wasser- 
leitung verbunden. Das Wasserleitungsrohr trägt vor der Verbindung 
mit dem Elemente ein Wasserstandsglas von 4m Höhe. Wird nun Wasser 
eingelassen, so quillt es über der ganzen Fläche des Elementes gleich- 
mäßig aus, u. zw. auch dann noch, wenn es im Glasrohre 3m hoch steigt. 

Spritzt dagegen das Wasser durch gröbere Poren aus, so gilt das 
Element als unbrauchbar. 

In Worms wird das filtrierte Kheinwasser als Trink- und Nutzwasser 
verwendet und das Bürgermeisteramt versicherte, dass die Bevölkerung 
mit der Wasserversorgung ganz zufrieden sei. Wenn Klagen vorkommen, 
so betreffen diese ausschließlich die hohe Temperatur, die im Hochsommer 
trotz Eindachung der Filter und Bepflanzung des Daches im Reinwasser- 
baasin 20 und selbst 21" C, in den Hausleitungen 22" erreicht. 

Daran sind jedoch die localen Verhältnisse schuld. Das Wasser 
wird zwar 7m unter der Sohle des Bheins inmitten des Stromes ent- 
nommen, ist aber nach dem chemischen Befunde doch nur Bheinwasser 
und fließt in sandigem, unbebautem Boden in einer 1.700m langen Rohr- 
leitung zu dem Filterwerke. 

Wesentlich günstiger ist in dieser Beziehung die Sandplatten- 
Filteranlage in Westerhüsen bei Magdeburg, welche die königl. 
preußische Eisenbahn- Verwaltung für die Zwecke des dortigen Bahn- 
hofes nnd der Central-Reparaturen-Werkstätte erbaut hat, situiert 

Das Wasser wird hier auf 2'bkm Entfernung aus der Elbe durch 
eine in Wiesengrund gelegene Rohrleitung zugefühii; und auf diesem 
Wege genügend abgekühlt. 



276 Schöfer. 

Die Anlage besteht aus 720 Elementen, ist seit einem Jahre in 
Betrieb und liefert in 24 Stunden 3.600m' Filtrat 

Die Hälfte der Elemente ist aus verschraubten Platten hergestellt, 
die übrigen bestehen aus einem Stücke. 

Eine Entlüftungsleitung ist dadurch, dass die Elemente mit der 
Ausflussöffnung nach aufwärts aufgestellt und hier mit dem Sammel- 
rohre verbunden sind, überflüssig geworden. 

Auch hier werden, wie in allen größeren deutschen Filterwerken 
fortlaufend bacteriologische Untersuchungen vorgenommen und betrug 
die Keimzahl in Icni^ des Filtrates vom 14. bis 20. October 1895 
91, 53, 20, 39, 55, 63, 33, im Durchschnitte daher 50. 

Die Betriebsleitung bestätigte die Einfachheit und den ungestörten 
Gang des Betriebes und war mit der Qualität des filtrierten Wassers 
vollkommen zufrieden. 

Außer den Anlagen in Worms und Magdeburg hat auch die Stadt 
Kochem a. d. Mosel das Wormser Sandplatten-Filtersystem seit zwei 
Jahren in Verwendung, woselbst sich dasselbe seitdem sehr gut bewährt hat. 

In einem Berichte des Ereis-Physikus Dr. Thiele in der ersten 
Versammlung der Medicinal-Beamten des Begierungs-Bezirkes Coblenz 
ZQ Andernach a. Bh. (Zeitschrift fQr Med.-Beamte, 1895, Nr. 14) 
wird gleichfalls bestätigt, dass die bacterienreinigende Eigenschaft, also 
die hygienische Leistungsfähigkeit des Sandplatten-Filters, als recht 
gut erachtet werden darf und dass dieselbe außerordentlich gleichmäßig 
und von Druckschwankungen unabhängig ist. 

Auch die Stadt A r a d baut ein Sandplatten-Filter von 400 Elementen, 
welche in der Filterplatten-Fabrik in Worms zur Absendung bereit lagen. 

Ferner wurde probeweise bei der Berliner Sandfilter- Anlage am 
Müggelsee ein Sandplatten-Filter von 60 Elementen installiert und 
dürfte bereits im Betriebe sein. 

Die Stadt Berlin besitzt Sandfilter mit einer Flächenausdehnung 
von etwa 20ha, deren Baukosten allein mindestens 25 Millionen Mark 
betragen. 

Der Director des Filterwerkes am Müggelsee baut das Sandplatten- 
Filter zu dem Zwecke, um bei einer eventuellen Vergrößerung der 
Wasserwerke mit eigenen Erfahrungen und Vorschlägen bezüglich der 
Sandplatten-Filter vortreten zu können. Derselbe ist von den Vorzügen 
des neuen Systems vollkommen überzeugt, da dasselbe bei gleicher 
Leistungsfähigkeit in der Anlage und namentlich im Betriebe wesentlich 
billiger und einfacher sei. Ihm kommt es hauptsächlich darauf an, sich 
zu überzeugen, ob die Elemente den Frost aushalten, doch glaubt er. 



über die SaodpUtten- Filter, System F. Fischer in Worms. 277 

da88 dies der Fall sein werde. Übrigens kommt der Frost bei eingedeckten 
Anlagen kanm in Betracht. 

Nach dieser Darstellung darf das Urtheil über die Sandplatten- 
Filter in folgendem zusammengefasst werden: 

1. Die Sandplatten-Filter können nach den bisherigen Erfahrangen 
in Beziehung anf ihr bacterienreinigendes Vermögen den Sandfiltern 
gldehgestellt werden. Beide Systeme liefern kein keimfreies Filtrat, 
allein bei sorgfUtigem Betriebe gelingt es, Wasser von geringer und 
hygienisch zulässiger Keimzahl zu erhalten. 

2. Das bacterienreinigende Vermögen ist ein gleichmäßiges und 
Ton Dmckschwankungen des Rohwassers kaum merklich abhängig; 
auch wird die jedesmalige Reinigung des Filters nicht von einer nennens- 
werten Steigerung des Bacteriengehaltes gefolgt. 

3. Die Anlage ist überaus stabil, der Betrieb sehr einfach und 
ermöglicht das leichte AufBnden von Fehlerquellen in den einzelnen 
Theilen der Anlage. 

4. Als bedeutsamer hygienischer Vorzug muss schließlich die 
leichte Sterilisierbarkeit der ganzen Anlage mittels strömenden Wasser- 
dampfes betrachtet werden, ein Umstand, dem in Epidemiezeiten der 
größte Wert zukommt. 



278 



Not isen. 



Compensations-Distanzmetser mit Basis am Instrumente. 

Für milit&riscbe und geod&tische Zwecke. Patent Starke and Kammerer in Wien *). 

(Hiezn Tafel 12.) 

Die GoDsiruction dieses Distanzmessers') ist auf Tafel 12, schematisch 
dargestellt. Zwei Paare von y-förmigen Femrohrlagem L L and L L sind 
in einem bestimmten gegenseitigen Abstände durch einen Trfiger T auf solche 
Weise mit einander verbunden, dass die Axen xx und x*x^ der zwei cjlin- 
drischen Bingpaare RR und RR, mit welchen die Fernrohre F und F' in 

den Lagern liegen, einander nahezu parallel 
sind (dass man also entfernte Objecto in beiden 
Fernrohren zugleich sehen kann). Die zwei Ringe 
eines jeden Femrohres haben gleiche Durch- 
messer. Das eine Fernrohr besitzt ein Schrauben- 
Mikrometer, dessen Winkelwert genau bekannt 
ist, das zweite (Visierfernrohr) eine bewegliche 
Absehmarke zum Einstellen. 

Der Lagerträger T lässt sich sowohl um 
eine horizontale Längsachse yy gegen den Hori- 
zont neigen, als auch um eine verticale Achse zz 
(in seiner Mitte) drehen, in jeder Lage klemmen 
und fein einstellen. 

Der Vorgang beim Distanzmessen besteht 
in folgendem: Das Mikrometer wird auf die 
Marke für oo eingestellt und das Mikrometer- 
Fernrohr durch Bewegung des Lagerträgers in 
Azimuth und Höhe auf das Object gerichtet; 
dann wird die Absehmarke d^s Visierfernrohres 
auf das Object eingestellt. Beide Femrohre 
werden nun in ihren eigenen Lagern umgelegt 
und der Lagerträger selbst nahezu ISO* in 
Azimuth gedreht bis das Visierfernrohr auf das 
Object zeigt; endlich wird der Mikrometerfaden 
auf das Object eingestellt und die Distanz am 
Mikrometer abgelesen. 

Wie aus der Text-Figur und der nach- 
folgenden Ableitung ersichtlich ist, werden 
durch das Umlegen der Fernrohre und die 
Drehung des Lagerträgers alle Mängel der 
Kectification eliminiert und der doppelte parallak- 
tische Winkel mikrometisch gemessen. 
Sind in der Figur A und B die Visierlinien in der ersten Lage, 
und a deren parallaktischer Winkel bei 0, so kommen die Visierlinien 




*) Nach der im Selbstverlage des Erfinders erschienenen Broschüre. 

*) Dieser .Distanzmesser hat, wie aus der nachfolgenden Beschreibung zu er- 
sehen, große Ähnlichkeit mit dem Distanzmesser von Feldmarschallieutenant 
Roskiewicz, von welchem er sich jedoch durch eine zweckmäßigere Art der Kecti- 
fication der Fernrohraien unterscheidet. Anm. d. Red. 



Notisen. 279 

Dacb dem Umlegen und Drehen in die Richtungen (y A' nnd (y B\ wobei 

^ACyB* ==4.AOB = oL. 

Der Winkel C B0\ um welchen nun die neu einzustellende Bichtung BO 
Ton der Visierlinie 0* B abweicht, ist der Außenwinkel des A J3 0\ daher 

4 CB(y =^ 4,AO'B''^4,AOB=2oL. 

Ist die Distanz D^ = AO für einen bestimmten Winkel wert a, be- 
kannt, so ergibt sich, weil bei kleinen parallaktischen Winkeln die Distanzen 
der Winkeln verkehrt proportioniert sind, jede andere unbekannte Distanz D 
ans der Proportion: ^^ -^ 

Die Ablesung am Mikrometer ist so eingerichtet, dass sie unmittelbar 
die entsprechenden Distanzen angibt. 

Der beschriebene Vorgang kann auch nur zur Bectification des Visier- 
fernrohres benützt werden, d. h. zum Bestimmen derjenigen Stellung der 
Absebmarke, welche eine zur Visierlinie oo des Mikrometer-Fernrohres parallele 
Visnr ergibt. Nach einer derartigen Bectification lassen sich die Distanzen 
dnrcb directe Beobachtung des einfachen parallaktischen Winkels äußerst 
rasch und bequem ermitteln, so lange keine störende Veränderung in Fern- 
robren und Lagerträgern zu befürchten ist. 

Die geschilderte Beobachtungsmethode setzt voraus : 

1. Dass der Winkelwert des Mikrometers und die Basislänge keine 
Veränderung erfahren. (Entsprechende Verpackung der ursprünglich richtig 
justierten Fernrohre und des Lagerträgers.) 

2. Dass durch die Umlegung der Femrohre in ihren Lagern die Bich- 
tongen der Visierlinien genau 180^ in Azimuth verdreht werden. (Präcise 
Bearbeitung.) 

3. Dass während der Dauer der Beobachtung keinerlei Änderung in 
den Fernrohren oder im Lagerträger vor sich geht, welche die Messung be- 
einträchtigen könnte. Diese Änderungen könnten eintreten durch ungleich- 
förmige Durchbiegung des Lagerträgers bei geneigten Visuren (vermieden durch 
zweckmäßige Form und Unterstützung des Lagerträgers); Verzerrung durch 
den Eiofluss von Temperaturschwankungen (zu vermeiden durch gehörigen 
Schutz und ausgiebige Umhüllung der Fernrohre und dos Lagerträger einerseits, 
nnd thunlichste Beschleunigung des Messungsvorganges anderseits); endlich 
durch Änderungen, welche zufolge der Handhabung entstehen. 

Bezüglich des letzten Punktes ist zu bemerken, dass in der gesammten 
Anordnung von Klemmen und Feinbewegungen dafQr Sorge getragen ist, dass 
jedes Fernrohr seinen eigenen Beobachter haben kann, um eine möglichst 
gleichzeitige Einstellung der Visuren beider Femrohre zu erzielen. Sind die 
Fernrohre in der ersten Lage auf das Object gerichtet, so bringt in der 
zweiten Lage ein Anschlag dieselben selbstthätig in die gewünschte Richtung, 
80 dass das Object nicht erst aufgesucht zu werden braucht, sondern gleich 
wieder im Gesichtsfelde erscheint. Um Irrthümern in der Ablesung vorzubeugen, 
sind alle Distanzen auf einer Scheibe aufgetbeilt und das Resultat jeder 
Messung durch einen Index unmittelbar ersichtlich gemacht. 



280 Notisen. 

MissYerst&ndnisse in der Auffassung des Zielpunktes werden am sichersten 
dadurch vermieden, dass die e r s t e Einstellung beider Femrohre durch eine 
und dieselbe Person besorgt wird. Demnach soll der Beobachter des Visier- 
Femrohres zuerst das Mikrometer-Femrohr, hierauf sein eigenes einstellen; 
der zweite Beobachter kann sich unterdessen durch einen Blick in das ein- 
gestellte Mikrometer-Femrohr über den gewählten Zielpunkt unterrichten und 
denselben nach dem Umlegen ohne jede weitere Verständigung mit 
dorn anderen Beobachter selbst einstellen. Auf diese Weise wird die 
^'oamintc Messung mit großer Sicherheit erfolgen und bei normalen Verhält- 
nissen kaum eine Minute Zeit beansprachen. 

Die mechanische Ausführung des Apparates kann der optischen Leistungs- 
fähigkeit der Fernrohre in solcher Weise angepasst sein, dass der Visurfehler, 
selbst bei den günstigsten Zuständen der Atmosphäre, allein ausschlaggebend 
bleibt für die Genauigkeit der Beobachtung: 

1. Der Mikrometerwort lässt sich durch Änderang der Basislänge so 
genau regulieren, als es die Schärfe der Visur ermöglicht (1mm Änderung 
der Basis bewirkt nur Bruchtheile einer Bogensekunde Änderung im parall- 
aktischen Winkel; eine zweimetrige Basis aus Stahl oder Eisen ändert ihre 
Lage aber erst bei 50^ C. Temperaturunterschied um 1mm). 

2. Eine Ungleichheit der Ringdurchmesser jedes einzelnen Fernrohres 
beeinträchtigt die Präcision der Umlegung in Azimuth, wie bereits angedeutet, 
nur dann, wenn auch die Y-Lager unvollkommen sind; allein, nachdem nicht 
mathematische Punkte, sondem kleine Tangierungsflächen die Unterstützung 
für die Femrohrringe bilden, genügt hier eine viel geringere Genauigkeit, als 
bei umlegbaren Nivellier-Femrohren, deren Ringe nach der Aufsatzlibelle justiert 
sein müssen. 

3. Wenn während der Dauer der Beobachtung eine der beiden Ver- 
bindungsschienen L L und L* V unabhängig von der anderen ihre Länge 
ändert, so verursacht dies eine gegenseitige Verschiebung der Ringachsen, 
welche durch die Drehung des Lagerträgers nicht eliminiert wird, sondern als 
Winkelfehler / im Resultate erscheint, u. zw. ist in Bogensecunden 

/ = 206265 -, 

wobei e die Änderang und a den Abstand der Verbindungsschienen von ein- 
ander bedeutet. 

Wird a = 400mm gemacht, so resultiert für e = 0-002mm, ein Winkel- 
fehler von etwas mehr als einer Bogensecunde. Nachdem eine 2m lange Eisen- 
oder Stahlschiene bei einer Temperaturschwankung von 1" C. eine Änderang 
von 0'02mm erfährt, soll einem Visurfehler von 1" entsprechend die einseitige 
Temperaturschwankung einer Verbindungsschiene, während der Dauer der 
Beobachtung ^/^^^ C. nicht überschreiten. 

Diese Betrachtung zeigt, wie große Sorgfalt nach dieser Richtung in 
der Ausrüstung und Handhabung des Instrumentes verwendet werden muss. 

Der hier geschilderte Compensations-Distanzmesser bedarf keiner Recti- 
fication im Felde und liefert dennoch Ergebnisse, welche von den Instramental- 
fehlern unabhängig sind, wenn die Beobachtungen in beiden Lagem vollführt 
werden ; anderseits kann er durch jede derartige Beobachtung selbst rectificiert 



y I lii f a. 



!<«■ D JEU AMT FoSfe: 

-^= — z^ — 

Xick fiwEnr «jlKrknff wird *:«Lh t*^ *ff-^dtrv »arki te •^T.iiUirt^r: 




stkr bocY Bas« ia£ öffiiAl^ ^tt* CfoiT^fti rrM«f^ «j^Buscktf« £v)»fliL löf 
MM 7r»tf|^4iil±3rk4in iiAnsreBÄi 'lift^irfeaki vir«: >: Üsi^ 

näc^lkl tiDiiin'Ai. Ft. 




Kleine Notizen. 






Fakrriier fir aiitimcbe Zwecke, i^- r-rvcLzu^: 5^ 

^ua:«^ «r<-L* •l'rrki.it».': üüfn vi-s Miirkr-ÜAJfiirk'rüfil^iiirri *af- 

4eft ?f7. IjtfkLUrir-I.r^liii-L'.t ^ ^k.LI vs-rLÜL rrdkci* ii;i » L OL M.ttI brrrrsiti:: 
wvrde* I*»*i-tr't' !-:'! ^:?a .n Jiirr i*-*0 i-e: ärL erLtiri. • ^ krLis ;•!.>-": -irrL :v:>';i;:i. 






rirt 



282 N t i I e n. 

haben. Man will aus den Vennchen das Ideal dessen erblickt haben, was sonst 
nnr durch besondere EinfÜhmng berittener Infanteristen zu erreichen wäre. Es wird 
behauptet, dass der Radfahrer anf der G^rard'schen Maschine in einer Person die 
Schnelligkeit des Reiters, den er an Ansdaner übertrifft, mit der dem Infanteristen 
zukommenden Befähigung in jeglichem Terrain fechten zu können, in sich vereinige. 
Auf guten Straßen und auf festem Boden trage das Bad den Fahrer; bei ungün- 
stigem Terrain wird die Maschine vom Fahrer fortgebracht. Interessant ist die That- 
Sache, dass 22 Mann des 87. Infanterie-Regiments, welche bei den Herbstübungen 
mit diesem Rade ausgerüstet und Prüfungen unterzogen wurden, jeder der6elben 
bei 2.000Ann zurücklegte, wobei das Rad gegen dreihundertmal ohne Anst&nde zu- 
sammengelegt und wieder fahrbar gemacht wurde. Der Cayallerie beigegeben, soll 
die Mannschaft ausgezeichnete Dienste geleistet haben. 

Eine ausgedehntere Verwendung für militärische Zwecke will der Fabrikant 
des zusammenlegbaren Fahrrades, Herr Charles Morel, dadurch erreicht haben, 
dass durch eine entsprechende Vorrichtung, je zwei solcher Fahrräder an- 
einander gekuppelt werden, somit eigentlich ein vierrädriges Fuhrwerk {U 
»odabU mUüaire) geschaffen wird. Die Vortheile dieser Anordnung werden wie folgt 
angegeben : 

1. Bester Ersatz för Cavallerie, da der Pferdestand eines Landes die Bc- 
rittenmachung bei einer Mobilisierung bedingt und erschwert; 

2. große Ersparnis an Raum und somit auch an Zeit auf dem Marsche; 

3. das Stürzen auf infolge von Regen und Schnee schlüpfrig gewordenen 
Wegen ist ausgeschlossen; 

4t. Verwendung dieses Fuhrwerkes zum Transporte eines Verwundeten ; 

5. Möglichkeit, nach eingetretenen Verlusten auch weniger geübte Radfahrer 
zu verwenden; 

6. Entfall von Wagen oder Packthieren zur Fortschaffung der Mannschafts- 
Bagage, da diese auf den Farrädern selbst fortgebracht werden kann; 

7. endlich soll diese Anordnung große Unabhängigkeit und Selbständigkeit 
der Radfahrtruppe gewähren. 

Nach Revue du cercU müUaire Nr. 16, 17, 32, 34, 42 bis 45 von 1895; Nr. 11 von 1896. 

Russland. Neuer Übungs- und Schießplatz im Warsciiauer Militär- 

bezirlc. Zufolge Übereinstimmung des Generalstabes mit dem Commandanten des 
Militärbezirkes Warschau wurde als nothwendig erachtet, außer dem Schießplatze 
bei Rembertovo noch zwei Schießplätze, u. zw. einen bei Lublin und einen bei Brest 
für die Truppen des Bezirkes zu erwerben. 

An die Auswahl der beiden neuen Schießplätze wurde die Bedingung geknüpft, 
dass dieselben in Bezug auf die Lage zu den auf ihnen zu concentrierenden Truppen 
gleichzeitig als Lager für Infantcrie-Truppen-Divisionen dienen können, ferner dass 
sie Schießplätze für diese enthalten und dass außerdem, abgesehen von dem Platze 
für die Schießübungen der Infanterie und Artillerie, noch Plätze übrig bleiben für 
Übungen solcher Abtheilungen, die gerade nicht am Schießen theilnebmen. 

Im Gutachten des Artillerie-Comit^s Nr. 664 von 1894 wurden bereits die Vor- 
schläge betreff Wahl des Schießplatzes im Räume von Lublin, u. zw. des Abschnittes 
beim Dorfe Pjaski in Betracht gezogen. In diesem Abschnitte beabsichtigt man, 
das ganze 14. Corps vom 1. Mai an zu concentrieren, außerdem behufs Vornahme 
der Schießübungen auch die reitenden Batterien Nr. 13 und 14 und der Don- 
Kosaken-Batterien Nr. 6 und 7 behufs Durchführung der Schießübungen. 

Auf Grund der vorgelegten Berichte erkannte das Artilleric-Comitö den Ab- 
schnitt bei Pjaski im allgemeinen als Artillerie -Schießplatz für geeignet, doch 
machte es in seinem Gutachten zwei Bemerkungen, u. zw.: 

1. sprach es den Wunsch aus, dass auf jedem der Schießplätze des War- 
schauer Militärbezirkes zu den Schießübungen nicht weniger als 24 Batterien con- 
centriert würden; 

2. beantragte es die Breite des Platzes um 1 bis IV2 Werst zu vergrößern, 
um das gleichzeitige Masäenfeuer mehrerer Batterie-Divisionen zu ermöglichen 



N t i s e n. 283 

(denn im ProtocoU des Schicßplatz-Commandanten ist erwähnt, dass der Platz nnr 
das Schießen einer Division zn drei Batterien ermöglicht). 

Nach Meldung des Schießplatz-Commandanten des Warsehaaer Bezirkes Iftsst 
^der von ihm recognoscierte Schießplatz hei Pjaski Yollkommen das gleichzeitige 
Schießen zweier Divisionen za, ohne dass dahei der Unterricht leidet; was nnn das 
Schießen dreier Divisionen anbelangt, so vrird ein solches aller Wahrscheinlichkeit 
nach auch mOglich sein''. 

Auf Grund des Vorstehenden erklärte sich das Artillerie-Comit^ mit der Wahl 
des Abschnittes bei Pjaski als Schießplatz für den Lubliner Rajon einverstanden, 
«msomehr, als alle anderen recognoscierten Plätze noch viel weniger entsprachen. 

In Hern Gutachten des Generalstabes über den Schießplatz bei Pjaski sind 
einige Bemerkungen gegen die Nothwendigkeit großer Artillerie-Concentrierungen 
enthalten. 

Bei einer dieser Bemerkungen glaubt das Artillerie-Comit^ stehen bleiben 
zu müssen, u. zw. aus der Ursache, damit dieselbe nicht als Grundsatz bei der Wahl 
von Schießplätzen und bei Zusammenstellung der Sommer-Concentrierung für die 
Artillerie-Truppen maßgebend wird. 

In dem Gutachten des Generalstabes heißt es unter anderem: 

„Im allgemeinen wird eine Vergrößerung der Artilleriemasse, welche eine 
gemeinsame Schießübung durchführt, im Frieden einen praktischen Nntzen nur 
solange bringen, bis sie nicht die Grenze erreicht, über die hinaus die Leitung des 
Feuers durch eine Person zur Unmöglichkeit wird — diese Grenze ist gegenwärtig 
durch eine Grnppe von 16 bis 24 Geschützen bestimmt; und durch die Thätigkeit 
einer solchen Gruppe ist die ganze Technik der Leitung des Artilleriefeuers erschöpft; 
deren Aneignung und Vervollkommnnng bildet die Haaptaufgabe der Schießübungen. ** 

Nach der Ansicht des Artillerie-Comit^s hätte dieser Ausspruch eine gewisse 
Berechtigung nur in dem Falle, wenn thatsächlich die einzige Aufgabe der Schieß- 
übungen darin bestehen würde, die Artillerie-Commandanten nur in der technischen 
Feuerleitung einer Artilleriemasse zu üben; hingegen geben die gegenwärtigen 
Instructionen aller europäischen Artillerien als eine der Grundaufgaben für die 
Übungen im Massen- Artilleriefeuer, die Übung der höheren Artillerie-Commandanten 
bis einschließlich des Corps-Artilleriechefs an. 

In dieser Beziehung sei noch die Ansicht des Artillerie-Comit^s aus Nr. 4 
des Artillerie-Journals angeführt: 

„Das Artillerie-Comitö hat schon oft die Nothwendigkeit großer Artillerie- 
Concentrierungen ausgesprochen, um die Artillerie in der Massen Verwendung aus- 
zubilden, welche die Grundlage für die gegenwärtige Verwendung der Artillerie im 
Gefechte bildet. In der letzten Zeit wird in den fremdländischen Artillerien beständig 
die Frage verfolgt bezüglich der Nothwendigkeit bei den Übungen im Massenfeuer. 
Die Massen sind bis zum Umfange der Artillerie eines ganzen Corps auf Kriegsstand 
IQ bringen (bei bespannten Munitionswagen) um hledurch den höheren Artillerie- 
Commandanten im Frieden Gelegenheit zu geben, sich in der Leitung der ihnen 
anvertrauten Artilleriemassen in Bezug anf Schießen in Verbindung mit Manövrieren 
sa fiben. Schließlich müssen auch wir dasselbe Ziel verfolgen. 

Von diesem Gesichtspunkte aus reicht die Concentrierung der Artillerie eines 
Corps nicht mehr aus — ja selbst des Warschauer Bezirkes nicht, wo acht Ge- 
sebfltze bespannt sind — , denn außer der . Bespannung für die Geschütze und 
Detachierungen für Sicherheitszwecke etc. braucht mau noch die Bespannung für 
alle Munitionswagen der ersten Linie und theilweise auch der zweiten Linie. 

Bei der gegenwärtigen Thätigkeit der Feld -Artillerie im Gefechte hängt 
das richtige Wirken der Batterien und Gruppen im bedeutenden Maße von der 
Organisation des ununterbrochenen Ersatzes der Munition aus dem ersten Staffel 
und des Ersatzes wieder aus dem zweiten Staffel. Bei Vorlage der Berichte über die 
Prüfungsschießen haben viele höhere Artillerie -Comraandanten und auch Corps- 
Commandanten die Meinung ausgesprochen, dasa es unbedingt noth wendig ist, die 
Batterien und Gruppen fortwährend in dem Ersatz der Munition aus dem ersten, 
bezw. zweiten Staffel zu üben. Artillerijski Journal, lH*.»r», 11. 



284 N o t i s e n. 

Versuche mit Sandcement (Von B.H.W all in.) Sandcement, in Schweden 
fabriksmäßig hergestellt doreh Zusammenmahlen von Kieselsand and Portlandcement, 
soll in kärsester Zeit erb&rten, die H&rte des gewöhnlichen KalkmOrtels fibersteigen, 
die dieser erst nach Jahren erreicht, und bei der Eih&rtong nicht schwinden. Der Sand- 
cement kommt in drei Sorten in den Handel, n&mlich auf 1 Theil Portlandcement 3 
bezw. 8 bezw. 12 Theile Sand. Aus den umfangreichen bislang vorliegenden Yer- 
suchsergebnissen, welche beabsichtigen: 1. festzustellen den Wechsel der Festigkeit 
bei vermehrten Sandzusätsen, 2. Vergleiche anzustellen zwischen Druck und Zug 
bei Berücksichtigung der Zeit, l&sst sich nach dem bisherigen Standpunkte der 
Untersuchungen, die sich auf 7 bis 28 und 90 t&gige Erh&rtung erstrecken, schließen, 
dass bei vermehrtem Sandzusatz — es wurden Proben mit einem Totalmischungs- 
verhältnis von 1:3 bis 1 : 35 Portlandcement-Sand beobachtet — die Zugfestigkeit 
etwa dreimal langsamer abnimmt als die Druckfestigkeit. Ein Vergleich zwischen 
Mörtel mit gleicher totaler Sandmenge, aber unter Verwendung ungleicher Sorten 
Sandcement ist in folgender Tabelle zusammengestellt: 

Znsainmen«etzang Fettigkeit nach 28 Tagen kg/cn* 



„, .. Beesaud- Cement Bei Zug Bei Druok W 

Sandcement-TheUe Theile "ü^d" fc W T 

1 Sandcement (1 : 3) • • 61 ^,^ ^.^g ^,^ 5.3 

1 » (1 : 3) . . . 6J 

1 „ (1 : 8) ... 2 ... 1 : 26 ... 6-88 . . 318 . . 5*0 

1 „ (1 : 12) ... 1 . . . 1 : 25 . . . 5*51 . . 250 . . 45 

Die Zusammenstellung spricht für die Anwendung des am wenigsten sand- 
reichen Sandcementes. Bei Verwendung von einem Totalverhältnis, welches 1 Theil 
Cement zu 25 Theile Sand überschreitet, nimmt die Zug- und Druckfestigkeit be- 
deutend ab. 

Chemiker-Zeitung, Bepertorium, XX, 4. 

Erhärtung von Portlandement im Meerwasser. (Von r. Buch.) 

Die im Laboratorium der am LimQord gelegenen Aalborger Portlandcement- 
Fabrik ausgeführten Versuche wurden in Meerwasser, durch welches zwischen Nordsee 
und Ostsee eine Strömung geht, die immer frisches Meerwasser zuführt, in der 
Weise ausgeführt, dass die ProbekOrper in K&sten, welche auf den Seiten mit Gitter- 
werk verseben sind, a) etwa Im unter normalem Wasserstand versenkt wurden oder 
b) in der Oberfiftche des Wassers liegen. Die letzteren Proben sind den Wellen- 
schlägen ausgesetzt und kommen bei Ebbe und Flnth abwechselnd unter oder Über 
den Wasserspiegel. Der Gehalt des Wassers an festen Salzen schwankt hier zwischen 
2'2 bis 2'657o- ^^^ ^^^ Zusammenstellungen sieht man, dass die Meerwasserproben, 
namentlich die von 1 Cement zu 1 Sand, sehr unregelmäßig verlaufen und im 

fanzen gegen die Süß wasserproben etwas zurück bleiben. Die Proben in der Ober- 
äche des Wassers (also h) gehen das erste Jahr meistens parallel mit den ver- 
senkten Proben (a), aber im zweiten Jahre bleiben sie etwas zurück, was wohl den 
mechanischen Angriffen, denen sie stark ausgesetzt sind, zuzuschreiben ist. In Bezug 
auf den chemischen Angriff durch das Süß- bezw. Meerwasser ist aus den analytischen 
Daten ersichtlich, dass im Süßwasser die Oberfläche des Probekürpers etwas Cement- 
substanz, sowohl Kalk als Kieselsäure und Sesquioxyde abgegeben hat, während im 
Meerwasser außerdem etwas Kalk von der schwefelsauren Magnesia des Wassers 
(an der Oberfläche der Probeknrper am auffallendsten) zersetzt wird. Die Versuche 
werden fortgesetzt. 

Chemiker-Zeitung, Repertorium, XX, 4. 



Patent-Angelegenheiten. 285 

Patent- Angelegenheiten. 

Obersicht der im Monate November uml December 1895 

ertheilten Privilegien ^). 

(Ma»9e 48. 

4428. Inch Philipp in Washington. Metallegierung als Schutzmittel far die im 
Wasser hefindlichen Theile eines Schiffskörpers sowie ffir im Wasser stehende 
Geftße. 

Qaase 49. 

4487. Stern Wilhelm in Antwerpen. Zerlegbares Metallfass. 

CliUM€ 72, 

4543. Adler & Eisenschitz. Firma in Mailand. Neuerungen in der Herstellung von 
Gewehrläufen. 

4543. Behrens Fritz in Cbarlottenhurg. Automatische Sicherung für Gewehre. 

4544. Dougherty Albert Grigsby, Buskirk Thomas, Bcswell in raoli und Foote Oscar 
in Washington. Neuerungen an Gewehren ftir Schnellfeuer. 

4545. Frank Adolf in Berlin. Drillingsgewehre mit abnehmbarem Lauf. 

CZotte 78. 

4564. * Allen Harry in New-Tork. Sprengmittel für Hohlgeschosse. 

CUuMe 80. 

4567. *Ghilardi Sigismondo in Mailand. Gussteine zur Herstellung von Gewölben, 
Mauern, Decken und Baugliedern Oberhaupt, aus Cement, Beton oder Gyps. 

CUuse 18, 

4687. Wilson Alexander und Stubbs Frederic in Cyclops Steeland Iren Works. 
Neuerungen in der Erzeugung von Panzerplatten und an Vorrichtungen hieffir. 

OoMe 22. 

4745. Friedrich Emil in Groß-SchOnau. Anstrichmasse zur Todtung des Schwammes. 
4747. Panek Ferdinand F. in Wien. Masse zum Anstrich fQr SchifTsbOden, um vege- 
tabilischen und animalischen Ansatz als auch Yerrostung hin tanz uhalten. 

Ctast 42. 

4900. Stragliatti Alberico in Mailand. Verfahren zur Herstellung topographischer 
Reliefkarten. 

CUuae 49. 

4974. Hesse Paul in Iserlohn. Verfahren und Walzwerke zur Herstellung von naht- 
losen Rohren mit und ohne Ansätzen, von Stangen und Wellen mit Erhöhungen 
und Vertiefungen, von Gewehrläufen, von Kanonenrohren etc. 

CUuse 72. 

5187. Cresta Mario in Hamburg. Schnepperverschluss für Patronentaschen. 

5138. Deport Joseph Albert in Paris. Hydraulische Bremsvorrichtung zur Nutzbar- 
machung der beim Rücklauf von Geschützen entwickelten Energie. 

5189. Mauthner Felix in GOrz und Figlowsky Fritz in Graz. Elektrischer Treffer- 
anzeiger. 

5140. Maxim Hudson in New- York. Zflndung fflr Hohlgeschosse. 

5141. Maxim Hudson in New- York. Verbesserungen an Gasheramungen für Granaten 
und andere Artillerie-Geschosse. 

5142. Mohr F. in Magdeburg. Verfahren zur Herstellung eines Randes bei Patronen- 
hülsen. 

5143. Plaschil Josef in Napagedl. Neuartiges Gewehrschloss. 



•) Die mit einem * bezeichneten Privilegien sind mit der Giltigkeit für beide 
Beichshälften ertheilt. 



286 Patent-Angelegenheiten. 

Claste 78. 

5168. Aetiengesellschaft Dynamit Nobel in Wien. Verfahren zur Herstellang eines 
ammoniaksalpeterh&ltigeB Sprengstoffes. 

5164. Biebeck Hermann in Bochum i/W. Verfahren nnd eine Vorrichtung sum An- 
brennen Ton Zflndschnfiren. 

Ckute 80. 

5165. Buchauer Johann Georg in Wien. Ver&hren um rasehbindenden Portland- 
cement langsambindend und Tolumenbestftndig zu machen. 



Patent-Anmeldungen in Österreich-Ungarn'). 

A. Örterreieh-Ungani. 



B. österreieh« 

Ctasie. 

49. Walzwerk zur Herstellung Yon Gewehr- und Kanonenläufen. — Paul Hesse. 
73. Verriegelung von Feuerwaffen mit Cylinderrerschluss. — Andreas W. Schwarzlose. 
„ Selbstth&tige Feuerwaffe. — Andreas W. Schwarzlose. 
78. Verfahren, um amorphen Phosphor zu Zflndmassen etc. geeignet zu machen. — 
Max Bals. 

Cta»9e, 

2. Backstuben-Wagen. — Ludwig Pavli6ek & A. Kopecky. 
41. Stahlhelme mit Vorder- und Hinterschirm aus einem Stflck. — H. Weissen- 
bnrger & Co. 



*) Illustriertes Österreichisch-ungarisches Patent-Blatt Nr. 359 und 360. 



Bficber-Besprecbangen. 287 

LflitfafMn fOr den Unterricht in der beetftndigen Befestigung. Zorn Ge- 
brauehe in den k. und k. Miliiär-Bildungs-Anstalten, bearbeitet von 
Morii Ritter Y. Branner, k. und k. Generalmajor. (F&nfte, ganz neu 
bearbeite Auflage.) II. Heft. Wien 1896. L. W. Seidel & Sohn. 

Das soeben erschienene IL Heft des Leitfadens von Generalmajor Bitter 
Ton Brunn er befasst sich der Hauptsache nach mit der Yorfahrung der 
Terschiedenen Systeme, nach welchen in neuester Zeit die Elemente der be- 
ständigen Befestigung zur Bildung fester Plätze verwendet werden. 

Während der im I. Hefte des vorliegenden Werkes zur Behandlung 
gelangte erste Abschnitt die Elemente der beständigen Befestigung in ähn- 
licher, wenn auch den FortscLritten der Befestigungskunst entsprechend ge- 
änderter und wesentlich erweiterter Form besprach, wie dies in der vierten 
Auflage desselben Buches der Fall gewesen, emancipiert sich der Autor in 
dem zweiten Abschnitte vollkommen von seinem frQhcren Werke, sowohl in 
Beziehung auf den Inhalt desselben, wie auch auf die Gliederung des Stoffes 
nach einzelnen Capiteln. 

In außerordentlich eingehender, klarer Weise, an der Hand zahlreicher 
Beispiele, werden die verschiedenen Gürtelsjsteme modemer Festungen, be- 
stehend aus Einheitsforts, oder aus Anlagen mit principieller Trennung von 
Nah- und Femkampf, oder schließlich aus einem System von Panzerfronten, 
geschildert. Hiebei musste der Autor naturgemäß die Vorführung thatsächlich 
in Österreich-Ungarn gebauter, oder im Bau begriffener Werke zwar unter- 
lassen, bat aber die Anlage derartiger Bauten durch eigene Projecte illustriert, 
so dass dem Leser wohl keine thatsächlich ausgeführten Forts vor Augen 
geführt werden, er aber mit solchen Entwürfen vertraut gemacht wird, welche 
allen modernen Ansprüchen an ein Fort nach jeder Bichtung in vollstem 
Maße nachkommen, also jederzeit mit entsprechenden, durch locale Verhält- 
nisse bedingten Modificationen zur Ausführung gelangen könnten. 

Die Art der Armierung und Detailanordnung der Stützpunkte nach den 
verschiedenen Systemen, die in neuerer Zeit so übliche Verwendung von 
Traditoren-Geschützen zur Bestreichung der Intervalle, die Anlage von Fern- 
kampf-Batterien, die fortificatorische Einrichtung der Intervalle gelangen in 
dem vorliegenden II. Hefte noch vollständig zur Besprechung, während 
die Ausgestaltung des Noyaus erst in dem voraussichtlich sehr bald zur 
Ausgabe gelangenden III. Hefte zum Abscbluss kommen wird. 

H. F. 

WafTeniehre fQr Officiere alier WafTen. Von Hans Maudry, k. und 

k. Artillerio-llauptmann, Lehrer an der Artillerie-Cadettenschule. Vierte 
Auflage. Verlag von L. W. Seidel & Sohn, k. und k. Hofbuch- 
handlung in Wien. 1895. 

Im achten und neunten Hefte des Jahrganges 1896 der „Mittheilungen ** 
wurde der Neuauflage dieses vorzüglichen Werkes gelegentlich des Erscheinens 
des I. Heftes desselben erwähnt. 

Es liegt nunmehr das IL Heft vor, welches die Rohre und die Gestelle 
der Feuerwaffen behandelt. Der Verfasser hat die betreffenden Abschnitte 
einer gründlichen Revision und Ergänzung unterzogen. So sind beispielsweise 



288 Bficher-Beepreehongeii. 

die seit dem Erscheinen der dritten Auflage in Jahre 1892 in die Artillerie- 
Ausrüstung eingestellten 15cm Batterie-Hauhitzen, Smm Mitrailleusen M. 93, 
Panzerlafetten etc. aufgenommen worden; desgleichen wurde don neuesten 
Anschauungen auf fortificatorischem Gehiete Baum gegeben. 

Als lobend muss hervorgehoben werden, dass sich der Verfasser binnen 
kurzer Zeit der nicht geringen Mühe unterzogen hat, den ganzen Stoff einer 
gründlichen und sachgemäßen Durchsicht zu unterziehen, ein Umstand, der 
Ton vielen Verfassern von Lernbehelfen leider sehr oft nicht berücksich- 
tigt wird. 

Das III. und das IV. Heft befinden sich bereits unter der Presse und 
dürften in nächster Zeit erscheinen. Schließlich sei erwähnt, dass die Besitzer 
der dritten Auflage dem Autor gewiss dankbar wären, wenn er. die in die 
vierte Auflage aufgenommenen Neuerungen auch als Nachtrag zu der erst- 
genannten Auflage veröffentlichen würde. 

Hauptmann Stepänek. 

Schießlehre fOr die Feid-Artiiierie unter besonderer Berücksich- 
tigung der deutschen Feld-Geschütze von H. Rohne, 
Generalmajor und Commandant der 8. Feld- Artillerie- Brigade. Berlin 1895. 
E. S. Mittler & Sohn. 

Der Verfasser beabsichtigt mit seinem Werke, dem jungen Artillerie- 
Officier die Möglichkeit zu bieten, durch eigenes Studium jenes Maß an 
ballistischen Kenntnissen zu erwerben, die für das volle Verständnis der 
Schießregeln erforderlich sind. 

In gerechter Würdigung der Abneigung, welche sich allmählich im 
Truppenofficier gegen weitgehende mathematische Ableitungen entwickelt, 
werden diese sorgsam vermieden, und in einer anregend erzählenden Weise 
der beim Schießen auftretenden Erscheinungen, deren Ursachen und Wir- 
kungen besprochen; zahlreiche kurze Beispiele erläutern das Gesagte und 
zeigen die Nutzanwendung desselben. 

Das genannte Werk bildet ein vorzügliches Nachschlagebuch für alle 
jene, welche sich mit schießtechnischen Aufgaben befassen und kann als 
solches bestens empfohlen werden. Hauptmann Schuberi 

Selbetepanner (Automatische Handfeuerwaffen). Von R. Wille, 
Generalmajor z. D. Verlag von R. Eisenschmidt. Berlin 1896. 

Der durch seine gediegenen Publicationen auf dem Gebiete des Waffen- 
wesens bestbekannte Verfasser hat in seinem im Jahre 1894 erschienenen 
Buche: „Fortschritt und Rückschritt des Infanterie-Gewehrs "^ den automatisch 
wirkenden Handfeuerwaffen einen besonderen Abschnitt gewidmet, in welchem 
er den damaligen Stand der Entwickclung dieser Feuerwaffen, dem Zwecke 
des Buches entsprechend, kurz skizzierte. 

Die vorliegende Broschüre behandelt nun diesen Gegenstand in einer 
ausführlichen, vollständig aufklärenden Weise; der Autor war bestrebt, durch 
dieselbe dem Leser einen möglichst vollkommenen Einblick in dieses neue 
Gebiet der Waffentecbnik zu gewähren. 



Bflcher-Besprechnngen. 289 

Der Verfasser führt zunächst jene Gründe an., welche ihn hewogen haben, 
für die sonst übliche Bezeichnung: „Automatische Handfeuerwaffen^^ den 
Ausdruck: „Selbstspanner^ zu wählen. Die bisher in der Militär- Literatur 
und von den Erfindern angewendeten Benennungen erscheinen ihm theils zu 
wenig charakteristisch für diese Art von Waffen, theils zu umständlich. 

Sodann würdigt der Autor die Bedeutung der Selbstspanner. Diese Waffen 
l>esitzen unter anderem die Eigenschaft, dass sie eine erhöhte Feuergeschwindig- 
keit gegenüber den Mehrladern, d. i. gegenüber den gegenwärtigen Bepetier- 
wafTen gestatten. Diese Eigenschaft wird den Selbstspannern allerdings von 
vielen Seiten als ein Nachtheil zugeschrieben,' da durch dieselbe der Mann 
geradezu zu einem raschen Verbrauch seiner Munitions-Dotation verleitet 
werden dürfte. Wille ist jedoch der Ansicht, dass dieser Eventualität durch 
eine stramme Feuerdisciplin gesteuert werden kann, gibt aber zu, dass die 
Möglichkeit einer raschen Feuerabgabe gerade nicht als ein besonderer Vorzug 
der Selbstspanner angesehen werden könne, der schon allein die Annahme 
derselben als Kriegswaflfe rechtfertigen würde. Die entscheidende Überlegenheit 
der Selbstspanner gegenüber den gewöhnlichen Mehrladern liegt vielmehr in 
der beträchtlichen Entlastung des Schützen in Bezug auf die Beanspruchung 
seiner physischen und psychischen Kräfte. 

Dem so oft gehörten Vorwurf, dass die automatischen Feuerwaffen nicht 
feldmäßig seien, da dieselben zumeist complicierte Einrichtungen] besitzen, 
begegnet der Autor durch die Äußerung, dass die Kriegstüchtigkeit einer 
Waffe weniger von der Einfachheit der Construction als von der Einfachheit 
des Gebrauches abhängig ist. Im allgemeinen muss dem Verfasser wohl 
Recht gegeben werden; nichtsdestoweniger soll doch im Interesse einer 
sicheren Handhabung, insbesondere aber zur möglichsten Hintanhaltung der 
naturgemäß bei jeder Waffe sich ergebenden Frictionen, das Zusammenspiel 
der Waffenbestandtheile in einfacher Weise erfolgen können. Zudem muss 
bedacht werden, dass ja die Handfeuerwaffen die Ausrüstung des Gros der 
Armeen bilden, dieselben auch vielfach in ungeschickte Hände gelangen, 
daher eine möglichst einfache Construction besitzen müssen. Anders kann man 
über Waffen urtheilon, die für specielle Zwecke bestimmt sind, wie z. B. 
die Mitrailleuseji, welche doch zumeist nur intelligenteren und praktischen 
Sinn bekundenden Individuen anvertraut werden; doch auch bei diesen Waffen 
muss unter natürlicher Berücksichtigung der höheren Ansprüche an ihre 
Leistungsfähigkeit die th unliebste Einfachheit des Mechanismus angestrebt 
werden, da dieselben — mit Rücksicht auf ihre Bestimmung, eine größere Anzahl 
von Gewehren zu ersetzen, sowie in den entscheidenden, relativ kurzen 
3Iomenten eine starke Feuerkraft zu entfalten — nie versagen sollen. 

Hinsichtlich der Einführung der automatischen Handfeuerwaffen ist der 
Verfasser gerade kein Optimist, er erhofft dieselbe zwar, leugnet aber nicht, 
dass der Zeitpunkt der Einführung möglicherweise erst einer fernen Zukunft 
angehören wird. Auch hält er dafür, dass dieselbe Hand in Hand mit einer 
weiteren Caliber-Keducierung erfolgen werde. Nur bezüglich des Revolvers, 
den er als eine „zeitwidrige" Waffe bezeichnet, ist der Autor der Ansicht, 
dass derselbe schon früher durch eine automatische, zumindest aber durch 
eine Mehrlade-Pistole ersetzt werden dürfte. 

23 



290 Bücher-Besprechungen. 

Die in dem Yorliegenden Buche beschriebenen Selbstspanner theilt 
Wille in vier Systeme ein: 

I. Lauf und Verschluss gleiten gemeinsam zurück und trennen sich 
erst, nachdem das Geschoss die Mündung verlassen hat. 

II. Der Lauf ist festgelagert, der Verschluss gleitet unter der Einwirkung 
des durch die Patronenhülse auf denselben übertragenen Gasdruckes allein zurück. 

III. Der Lauf ist festgelagert, Schloss und Verschluss werden durch die 
aus einer radialen Durchbohrung der Laufwand in ein Nebenrohr strömenden 
Pulvergase bethätigt. 

IV. Der Lauf liegt mit. seiner rückwärtigen Fläche auf einer festen 
Stoßplatte auf und wird vom Geschoss mit nach vom genommen. 

Von jedem dieser Systeme werden die bekanntesten und interessantesten 
Modelle theils eingehend, theils andeutungsweise behandelt. Nach dem Durch- 
studieren derselben an der Hand der beigegebenen Tafeln wird es dem Leser 
nicht schwer fallen, sich ein Urtheil über jedes der Systeme zu bilden. 

Erwähnt sei noch die Scheidung der Selbstspanner in vollkommene 
Automaten, bei welchen sämmtliche Verrichtungen bis auf das Abziehen des 
Züngeis selbstthätig erfolgen, und in Halb-Automaten, bei welchen entweder 
nur der Hammer vor jedem Schuss durch den Schützen gespannt werden, 
oder durch einen besonderen Grifif auch das Schließen des Verschlusses be- 
wirkt werden muss. Der Autor spricht sich im allgemeinen gegen die Halb- 
Automaten aus, obzwar denselben i)ach anderweitigen Ansichten für manche 
Fälle eine Berechtigung nicht abgesprochen werden kann. 

Den automatischen Handfeuerwafifen reiht der Verfasser die Mehrlade- 
Pistolen an, deren Charakteristik darin besteht, dass dieselben ähnlich den 
Bepetiergewehren mit mehreren Patronen gleichzeitig gefüllt werden, bei denen 
aber das Öffnen, Auswerfen, Laden, Spannen und Schließen durch einen ein- 
zigen Griff des Schützen eingeleitet werden. Wille glaubt, dass diese Pistolen 
den nächsten Ersatz für den Bevolver bilden werden. 

An dieser Stelle sei corrigierend bemerkt, dass die angeführte Pistole, 
System Erzherzog Karl Salvator und Major v. Dormus, von Haus aus nicht als 
Mehrlader-, sondern als automatisch wirkende Repetierpistole construiert war. 

Zum Schlüsse unterzieht Wille die vorbezeichneten vier Systeme von 
Selbstspannern einer kurzen Beurtheilung vom mechanischen und ballistischen 
Standpunkt. Bei dieser Gelegenheit bemerkt der Verfasser in ganz richtiger 
Weise, dass die Selbstspanner einer sehr gründlichen, sachgemäßen Erprobung 
durch eine sehr hohe Schusszahl unterzogen werden müssen, und dass man 
bei der Erprobung durch Anwendung künstlicher Mittel trachten muss, jene 
ungünstigen Verhältnisse herbeizuführen, welche die Waffen im Felde aus- 
gesetzt sein können. 

Das vorstehende, seinem wesentlichen Inhalte nach geschilderte Buch 
ist unseres Wissens das erste Work, welches eine systematische Zusammen- 
stellung und instructive Besprechung der in den allerletzten Jahren auf- 
getauchten automatischen Handfeuerwaffen gibt. Nachdem es nicht aus- 
geschlossen erscheint, dass der Frage dieser Waffen über kurz oder lang eine 
erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet werden dürfte, sind wir vollkommen über- 
zeugt, dass aus diesem Grunde der Entwickelung derselben auch in weiteren 
Armeekreisen ein reges Interesse entgegengebracht werden wird. 



Bücher-Besprechangen. 291 

Die vorliegende Broschüre ist nun in jeder Beziehung geeignet, den 
Leser über diese jüngste Neuerung auf wafifentechnischem Gebiete zu orien- 
tieren und ihm eine hinreichende Grundlage für das weitere Verfolgen der 
Frage zu schaffen. Hauptmann St^pänek. 

Aide-memoi/i^e de Vofflcier de marUie. De Edouard Dur assier. 
Chef de bureau au ministh'e de la maHne. — Coniinui par Charles 
Valentino, Ancien officier de marine, bihliothecaire du ministere 
de la marine, — 9^ annie, 1896, Paris. Henri Ch arles-Lavauzelle, 
Editeur militaire. 

Einleitend gibt eine Tabelle die Tonnengehalte und Schiffsgeschwindig- 
keiten der modernen Schlachtschiffe der sämmtlicheu Seemächte an, wobei nur 
jene Schiffe berücksichtigt erscheinen, welche, theils abgerüstet, in Reserve 
oder vollkommen ausgerüstet kürzlich vom Stapel gelaufen, oder noch in 
JBrprobung sind, und daher im allgemeinen als actionsfähig betrachtet werden. 

Dieser Tabelle ist als Ergänzung eine Zusammenstellung jener Ver- 
änderungen beigefügt, welche im Laufe des Jahres 1895 bei den verschie- 
denen Seemächten bezüglich der Schlachtschiffe eingetreten sind. 

Die Einleitung schließt mit einer höchst interessanten Schilderung jener 
Erfahrungen, welche die Japaner in dem Kriege mit China in maritimer Hin- 
sicht, speciell aber in der Schlacht von Yalu gemacht haben und bespricht 
die aus diesen Erfahrungen abzuleitenden Consequeuzen. 

Der nächste Abschnitt behandelt auszugsweise das internationale See- 
recht im Frieden und im Kriege, bietet jedoch gleichwohl Aufschluss über 
alle einschlägigen Fragen. 

Eine Tabelle lässt die Standes- und Gageverhältnisse der europäischen 
Marinen und jener der Vereinigten Staaten ersehen. 

Der nächste Abschnitt bringt die Beschreibung sämmtlicher Schlacht- 
schiff-Typen der vorerwähnten Mächte, an welchen sich ein detailliertes Ver- 
zeichnis der Kriegsschiffe aller Seemächte anfügt, welchem nebst dem Jahre 
des Stapellaufes, die Maße des Schiffskörpers, Leistungsfähigkeit der Maschinen, 
die Art der Panzerung, Zahl und Caliber der Bestückung, Zahl der Lancier- 
rohre und Stärke der Bemannung zu entnehmen ist. 

Der folgenden Beschreibung der verschiedenen Schiffs- Artillerien ist 
eine Tabelle über die ballistischen Eigenschaften der einzelnen Systeme bei- 
gegeben, da'iin eine Tabelle zur Berechnung der Distanzen zur See, schließlich 
eine Beschreibung der bestehenden Torpedo- Systeme, sowie die Art des 
Angriffs mit Torpedos und Schutzvorrichtung gegen letztere. 

Weiterhin folgt eine Zusammenstellung der sämmtlichen submarinen 
Kabellinien unter Angabe der Zahl und Länge der Kabel. 

Eine Umrechnungstabelle der französisch-englischen Längen- und Gewichts- 
maße und ein Personal Verzeichnis der französischen Marine bilden den Schluss. 
In seiner gefälligen, handlichen Form und übersichtlichen Anordnung 
bietet demnach das Handbuch, dem Vorstehenden entsprechend, ein sehr 
empfehlenswertes, compendiöses Nachschlagebuch, welches alle wünschens- 
werten Aufschlösse über die verschiedenen Marinen vereinigt. 

Hauptmann Hess. 

23* 



292 Eingelaufene Bficher. 

Eingelaufene Bficher. 
Leitfaden f Or den Unterricht in der bestftndigen Befestiaang ; z u m c 

brauche in den k. und k. Milit&r-Bildnngs-Aiistalteu. Bearbej 
von Moritz Ritter ▼. Branner, k. and k. Generalmajor. Ffinfte, ganz n 
bearbeitete Auflage. II. Heft. Verlag Ton L W. Seidel & So! 
Wien 1896 

Geist und Stolf im Kriege von C. v. B.~K. Erster Theil: .Das achtzehn 
Jahrhundert Unter Benützung handschriftlicher Quellen ; mit einer tabe! 
rischen Obersicht, einem Plane im Texte und sechs Skizzen als Beilage 
Verlag von Wilfielm Braumtlller. Wien und Leipzig 1896. Preis 4 fl. 80 
(8 M.). 

Kurzer strategischer Oberbilclc Ober den Krieg 1870/71 von m o s 

Hauptmann und Compagnie - Chef im Grenadier - Regiment Königin O 
(1. Württemberg.) Nr. 119. 2. Auflage. Mit sieben Skizzen in Steindra 
Verlag von E. S. Mittler & Sohn. Berlin 1896. Preis 2 M. 

Der Beresina - Obergang des Kaisers Napoleon, unter besonderer l 

rücksichtigung der Theilnahme der Badischen Truppen. 1 
Vortrag, gehtdten in der Garnison Freiburg von ▼. Lindau, Major im i 
neralstabe der 39. Division; mit drei Beilagen, enthaltend sieben Kart 
Skizzen, einen Schlachtplan und eine Ordre de bataille nebst St&rkebere 
nung. Verlag von E. S. Mittler & Sohn. Berlin 1896. Preis M. 1*40. 

Das gefechtsmäßige Schießen der Infanterie und Feld-Artillerie. ^ 

wirkt dasselbe und wie werden die Aufgaben fflr dasselbe | 
stellt? Von H. Bohne, Generalmajor und Commandeur der 8. Feld-. 
tillerie-Brigade. Zweite, g&nzlich umgearbeitete und erweiterte Auflag 
mit einer Tafel. Verlag Ton E. S. M i 1 1 1 e r ^; S o h n. Berlin 1896. Preis M. 1' 

Geschichte der Explosivstoffe Ton S. J. y. Romocki. II. Die raill 

schwachen Pulver in ihrer EntwickeUng bis zur Gegenwa 
mit vielen Abbildungen. Verlag von Robert Oppenheim (Gustav Schmiß 
Berlin 1896. Preis geheftet 10 M., in Halbfranzband 12-50 M. 

Die geometrische Theilung des Winicels von Max König, Regierungs-Bi 

meisten Zweites Heft; mit 11 Abbildungen auf einer lithographierten Tal 
Inhalt: IX. Der Fehler des Nftherungsverfahrens, ein< 

Winkel in gleiche Theile zu zerlegen. 

X. und XI. Die mathematisch genaue Zerlegung ein 

Winkels in drei gleiche Theile mit Hilfe von Kreisen ui 

geraden Linien. Verlag von Georg Siemens. Berlin 1896. 

Strategie et grande tactique d*apr^s lexperience des demi^n 
uerres par le g^n^ral Pierron. Tome quatri^me. Berger-Levrau 
Cie., libraires-öditeurs, Paris 1896. Prix 10 Fr. 



I' 



Neue gewappnete KIftnge. Von B^la Kuderna, k. und k. Major, Lehrer i 
der technischen Milit&r-Akademie. Eigenthum und Verlag des Verfasse! 
Wien 1896. 



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292 



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Neu 



293 



Zur Frage des zukünftigen Infanteriegewehres. 

Von 



k. und Je. Hauptmann im 14. DiviHom-ArtitUrit'Regiwunt. 

Hält man einen Bückblick auf den Gang der Infanterie-Bewaffnung, 
von jenem Zeitpunkte an, als Frankreich und Portugal mit der Annahme 
ihrer 8mm Gewehre M. 86 den für die damalige Zeit bedeutungsvollen 
Schritt der Calibervermindernng gethan, bis zur Gegenwart (März 1896) 
so springt die Thatsache unverkennbar in die Augen, dass jene Staaten, 
welche sich später zur Neubewaffnung ihrer Infanterie entschlossen, in 
der Calibervermindernng immer weiter giengen. 

Eine Ausnahme machte Spanien, indem es mit seinem Gewehr 
M. 93 das 7mm Caliber gegenüber dem für Italien als M. 91 und für 
Bumänien als M. 93 eingeführten 6*5mm Caliber vorgezogen hat. Trotz- 
dem hat sich Schweden und Norwegen und in jüngster Zeit auch Holland 
für das 6'5mm Caliber entschieden, während die nordamerikanische Marine 
sogar das 6mm Caliber für ihre Infanterie angenommen hat. 

Mit der Calibervermindernng ging Hand in Hand eine Steigerung 
der Geschoss-Anfangsgeschwindigkeit. Während dieselbe 
bei den alten Einzelladern (von rund 11 mm Caliber) im Mittel kaum 
460m betrug, stieg sie bei den 7*5 bis 8mm Gewehren auf rund 
620m, um bei den 6*5mm bis 7mm Gewehren auf rund 730m erhöht 
zu werden. 

Bei dem Streben nach möglichster Steigerung der Basanz war 
es naturgemäß, mit der Geschwindigkeitserhöhung auch gleichzeitig die 
Querdichte (specifische Querschnittsbelastung) zu ver- 
größern. Die 7*5 und 8mm Geschosse weisen daher eine Querdichte 
von rund 30^^ per cm^ auf, während die 11mm Geschosse nur eine solche 
von rund 24^ besaßen. Demgemäß hätte man erwarten können, dass die 
6*5mm und 7mm Geschosse gleichfalls eine größere Querdichte gegen- 
über dem 8mm Caliber aufweisen werden. Dies ist jedoch nicht der 
Fall, im Gegentheil, das 6'5mm rumänische Gewehr und das 7mm spani- 

24* 



294 W eigner. 

sehe Gewehr haben sogar eine etwas kleinere Querdichte, als die am 
besten belasteten 8mm Geschosse '). 

Welche Bücksichten fQr den Beibehalt der Querdichte des Geschosses 
— trotz bedeutender Vergrößerung der Anfangsgeschwindigkeit — maß- 
gebend waren, mag vorläufig dahingestellt bleiben, obwohl die Furcht 
vor übergroßen Gasspannungen und das Genügen an einem bescheidenen 
Basanzgewinn sehr naheliegende Gründe sind. 

Da die Strömung nach weiterer Caliberverminderung gegenwärtig 
noch anhält, auch kein Grund gegen dieselbe vorgebracht werden kann, 
solange nicht erwiesen ist, dass die technische Ausführbarkeit auf 
unüberwindliche Schwierigkeiten stößt, oder die Verwundungsföhigkeit 
des Geschosses nicht mehr ausreicht, so ist es entschieden zeitgemäß 
zu untersuchen, welcher Gewinn von einer weiteren Caliber- 
verminderung — als deren untere Grenze 5mm angesehen werden 
kann — zu erwarten sein dürfte. 

Ausgehend von der Überzeugung, dass jeder Vorzug einer Feuer- 
waffe — sei es bezüglich ihrer Handhabung, oder bezüglich ihrer Wir- 
kungsfähigkeit — auch ein taktischer Vortheil ist, und durchdrungen 
von der Anschauung, dass nicht der Taktiker die Bedingungen zu stellen 
hat, an Hand welcher der Techniker an die Arbeit geht, um denselben 
nachzukommen, sondern dass jede von letzterem geschaffene, eine Wir- 
kungssteigerung bedeutende Neuerung — soferne sie nur überhaupt für 
Kriegszwecke unmittelbar oder mittelbar Verwertung finden kann — 
dem Taktiker hoch willkommen sein muss, fasse ich die Forderung 
bezüglich Lösung der Caliberfrage in folgende Punkte zusammen: 

1. Thunlichste Vergrößerung der Bahnrasanz auf den 
kleinen und mittleren Gewehrschuss-Distanzen. Im Zusammenhange damit: 
Streben nach einer einzigen Aufsatzstellung für das Gefechtsschießen 
gegen Ziele von ganzer Manneshöhe (V6m bis TSm) innerhalb dieser 
Entfernungen (1.200 Schritte). 



^) Das durch das k. a. k. technische Militär-Comit^ im Jahre 1891 zuerst 
versuchte 6*5mm Bepetiergewehr, System R. v. Männlicher (siehe „Mittheilungen** 1892, 
5. Heft), hatte ein Geschoss, dessen Gewicht lOf^g betrug. Dieses Geschossgewicht 
wurde auf Wunsch der in der Osterreichischen Waffenfabrik seinerzeit befindlichen 
königlich rumänischen Gewehr-Übemahms-Commission auf 10'3<7 vermindert. 

Warum dieses Gewehr im spanischen Wettbewerb dem 7mm Mauser-Gewehr 
auch in ballistischer Hinsicht unterlegen sein soll, kann nicht gut erklärt 
werden, da selbst für ein Goschossgewicht von 11*6^ beim 7mm (dasselbe wird theils 
mit 116, theils mit 11 '2^ angegeben) erst dieselbe Querdichte resultiert, wie beim 
10'3^ schweren 6'5mm Geschosse. 



Zur Frage des zukünftigen Infanteriegewehres. 295 

2. VerminderuDg des Patronengewichtes, soweit dies 
mit Bücksicht auf die erste Forderung zulässig ist. 

3. Möglichste VermiDderuDg des Gesammtgewichtes 
des Gewehres. 

Ich stelle die Forderung nach Erhöhung der Bahnrasanz in erste 
Linie, weil sie für die Vereinfachung der Feuerleitung auf den ent- 
scheidenden Entfernungen von größter Bedeutung ist. 

Sollte dieselbe derzeit nicht oder nur sehr schwer erfüllbar sein, 
dann tritt die zweite Forderung in den Vordergrund, da die 
Verminderung des Patronengewichtes mit der Erhöhung der Fatronenzahl 
gleichbedeutend ist und eine Oberlegenheit in dieser Hinsicht gleichfalls 
in entscheidenden Gefechtslagen sehr oft ausschlaggebend sein wird. 

Es soll schon an dieser Stelle bemerkt werden, dass eine weitere 
Basanzsteigerung in dem angedeuteten Sinne (bis an die obere Grenze der 
mittleren Gewehrschussdistanzen) nur dann erreichbar sein dürfte, wenn 
es gelingt, bedeutende Fortschritte auf dem Gebiete der Pulverconstruction 
zu machen^ und dass eine bescheidene Steigerung über das Maß der 
durch das 6'5mm Gewehr gegebenen Wirkungsfähigkeit von nicht sehr 
großer Bedeutung ist. 

Wenn ich trotzdem versuche, klar zu legen, von welchen Be- 
dingungen die angestrebte Wirkungssteigerung abhängig ist und welche 
Hindernisse der Verwirklichung derselben gegenwärtig noch entgegen- 
stehen, so geschieht dies nur deshalb, weil diese Verhältnisse allgemeines 
Interesse beanspruchen und alle Mittel angewendet werden sollten, um 
die Verwirklichung herbeizuführen. 

Um der Hauptforderung — möglichst flache Bahnen für die ent- 
scheidenden Entfernungen — gerecht zu werden, muss man zuerst unter- 
suchen, in welcher Weise die beiden wesentlichsten Factoren : Geschwindig- 
keit und Querdichte des Geschosses auf die Bahnrasanz Einfluss nehmen, 
um nach der Art ihrer Wirkung zu entscheiden, bis zu welchem Grade 
man der Hilfe des einen der beiden entbehren kann, und wie dieselben 
am zweckmäßigsten zu vereinigen wären, um überhaupt oder leichter 
deu angestrebten Zweck zu erreichen. 

Dabei darf aber ein Umstand nicht außer Acht gelassen werden, 
welcher mit den beiden vorgenannten Factoren in innigstem Zusammen- 
hauge steht, und das ist die maximale Gasspannung. 

Die Maximalspannungen betragen beim 6*5wm Gewehre (Mündungs- 
geschwindigkeit 740w, Querdichte 30g per cm^) unter Anwendung der 
gegenwärtig gebräuchlichen Pulversorten schon etwa 4.000 Atmosphären. 
Die Beanspruchung des Laufes r ' Itsgrenze des hier 



296 Weigner. 

in Betracht kommenden Materiales (Tiegel-Gusstahl) schon bedenklich 
nahe gerückt, mithin diesbezüglich wohl Vorsicht geboten ist. 

In der Folge ist jedoch auf die maximale Gasspannung vorläufig 
keine Bücksicht genommen, weil sie die Verhältnisse der äußeren Ballistik 
nicht beeinflusst und diese zuerst klargestellt werden müssen. Nach 
erfolgter Orientierung über die Möglichkeit der Kasanzsteigerung soll 
auch die zu erwartende Gasspannung zur Sprache gelangen, wenngleich 
in dieser Hinsicht sich die Aufgabe viel schwieriger gestaltet 

Bei der Untersuchung des Einflusses von Geschwindigkeit und 
Querdichte des Geschosses auf die Bahnrasanz will ich vom Caliber 
vorerst gänzlich absehen, da dieses bei Betrachtung der ballistischen 
Verhältnisse — insbesondere mit Bücksicht auf die durch den 6*5mm 
schon gezogene enge Grenze — für beide Factoren belanglos ist 

Ich lege den folgenden Untersuchungen das biquadratische Luft- 
widerstandsgesetz zugrunde und halte an dem vom Herrn Oberst Nicolaus 
Bitter von Wuich in seinem Lehrbuch der äußeren Ballistik') nieder- 
gelegten Formeln fest. Ihre Verlässlichkeit habe ich bei manchen Gewehr- 
versuchen, bezw. bei der Verwertung von Versuchsresultaten zur Be- 
stimmung der Bahnelemente wiederholt erprobt. 

Der Vorgang bei Lösung der gestellten Aufgabe wird folgender sein : 

Zuerst will ich den Nachweis liefern, dass die von der Firma 
Krupp für ihre Geschossform (Artilleriegeschosse) ermittelten Luft- 
widerstandswerte auch für Gewehrgeschosse der gegenwärtig gebräuch- 
lichen Form Giltigkeit haben, u. zw. innerhalb jener Geschwindigkeits- 
grenzen, welche für den vorliegenden Fall in Betracht kommen. 

Sodann werde ich das Verhältnis der Scheitelhöhe zu der, der 
horizontalen Schussweite entsprechenden Endfallhöhe für jene Fälle 
ermitteln, in welchen die Flugbahn von Geschossen mit bestimmter 
Querdichte für die angenommene Zielhöhe vollkommen bestreichend ist 

Mit Hilfe dieser, für Geschosse mit bestimmter Querdichte innerhalb 
ziemlich weiter Geschwindigkeitsgrenzen als constant anzusehenden 
Verhältniszahl soll für die in Betracht kommenden Schussweiten der 
nothwendige Abgangswinkel bestimmt werden, unter welchen das Geschoss 
mit einer erst zu ermittelnden Anfangsgeschwindigkeit abgefeuert werden 
muss, damit das verlangte Basanzverhältnis eintritt. 

Schließlich soll der Einfluss der beiden Easanzfactoren besprochen 
und gewürdigt werden. 



«) Wien, L. W. Seidel & Sohn. 



Zur Fra^ des ivkAiifdgeii Infanterieg«wehret. 297 

Die hiebei benutzten Formeln sind folgende *) : 

»»= p^; U 

(m = ballistischer Coefficient, r« «= Lnftwiderstands*Co^fBcient, P« = 
Qa erdichte des Geschosses). 

X. (1 + P.)= — .sin2<p 2), 

•f 

(x. = horizontale Schüssweite, V = Geschoss- Anfangsgeschwindigkeit, 
g = Beschleunigung der Schwere , 9 = Geschoss - Abgangswinkel, 
(1 -f- F^\ = die sogenannte modificierende Function (im Gegensatz 
sum luftleeren Baum). 

(1 +/•.)= 1 + 1!^; 

!^ = T'* . cos' 9 . m . S . a» . ar,. 

In dieser Formel bedeutet, nebst den schon bekannten Größen, 
S die Luftdichte und oc den, die Integration der Bewegungsgleichungen 
des Geschosses (in geschlossener Form) ermöglichenden Didion^schen 
Mittelwert Derselbe kann in vorliegendem Falle, in welchem es sich 
um sehr flache Bahnen handelt — insbesondere in Verbindung mit 
cos* f — der Einheit gleich gesetzt werden, so dass der Ausdruck für 
die modificierende Function übergeht in 

1 + ^0 = 1 + ^ F* . m . S . x^ 3). 

Durch Verbindung der Formel 2) mit 3) ergibt sich: 

sin2?=^- + i.(7.m.S.x,« 4). 

Für die Scheiteldistanz x^ besteht die Beziehung: 

F« 

«•(!+/•) = 2^ -sin 29, 

worin: 

1 +/. = 1 + i C und :. = T^ . m . S . X,; 

mithin : 

( \ \ V^ 

a?# ( 1 H- 2 ^ • *" • ^ • ^*) = 2" ' ^^° ^^' 
woraus folgt: 



X, = 






r* .m,l 



*) Deren eingehende Begründang siehe R. v. Wuich, „Äußere Ballistik", 



298 Weigner. 

Die Scheitelhöhe y« ist bestimmt durch: 

(cos* cp kann der Einheit gleich gesetzt werden). 
Die Endgeschwindigkeit F. ist gegeben durch: 

' cos 0.^17+^ 

COS o 

(0 = Einfallwinkel, ^ kann der Einheit gleichgesetzt werden). 

Zwischen der Anfangsgeschwindigkeit V des Geschosses und der 
nach Zurücklegung einer kurzen Wegstrecke x dem Geschosse noch 
innewohnenden Geschwindigkeit v besteht die Beziehung: 

K= , 8). 

Der in dem soeben erwähnten Falle die Widerstands-Verh&ltnisse 
der Luft auf das bewegte Geschoss zum Ausdruck bringende Luft- 
widerstands«Co^ficient Ti, welcher während der kurzen Wegstrecke x als 
constant angesehen wird und entsprechend einer mittleren Geschwindig- 

keit Vn = — - — wirksam ist, ist bestimmt durch 



Nachdem die größte, für Ziele von Manneshöhe noch bestreicheiide 
Flugbahn des 6'5mm Geschosses (Vo =^ 740m) einer Schussweite tos 
rund 580m entspricht, so wird die Erreichung dieses Verhältnisses flr 
die Schussweiten 750m und 900m (die verschieden angenommenen 
Grenzen der mittleren Gewehrschuss-Distanzen) wohl bedeutende Geschoss* 
Geschwindigkeiten erfordern, weshalb die Untersuchung der Luftwider- 
Standsverhältnisse für große Geschossgeschwindigkeiten unerlässlich ist 

Da meines Wissens allgemeine Luftwiderstands-Versuche für Lang- 
geschosse der gegenwärtig gebräuchlichen Gewehrcaliber bis jetzt noch 
nicht angestellt wurden, wiewohl (wie dies später noch beleuchtet werden 
soll) dieselben nicht blos von theoretischem Interesse wären, so werde 
ich mich bemühen, einige Anhaltspunkte hiefQr zu gewinnen. Hiebei sei 
hervorgehoben, dass ausschließlich nur jene Geschossform in Betracht 
kommt, welche in Österreich-Ungarn durch das 8mm und in Bumänien 



Zur Frage des snkttnftigen iDfanteiiegewebres. 299 

durch das ähnliche 6'5mm Stahlmantelgeschoss gegeben ist, weil mir 
nnr hiefBr die zur üntersnchnng noihwendigen Versnchsergebnisse genau 
bekannt sind *). 

Nebenbei bemerkt, sind diese Versnchsergebnisse — weil deren 
Ermittlung zn einem anderen Zwecke erfolgte — nicht als so ab- 
geschlossen zn betrachten, wie es zum Vortheile der Yorliegeuden Auf- 
gabe erwünscht wäre. Immerhin dürfte die Untersuchung eine genugende 
Grundlage für die weiteren Folgerungen bilden. 

Der Luftwiderstands-Co^fficient t) stellt den Einfluss des Luft- 
widerstandes — unter Voraussetzung der Luftdichte 1, d. h. Im* Luft 
wiegt IJcg — auf das in der Axrichtung bewegte Geschoss dar. Er 
kennzeichnet mithin Yorwiegend das Verhältnis der Form der Geschoss- 
spitze zu der die Bewegung des Geschosses verzögernden Luft. Der 
Wert des Luftwiderstands-Coefficienten (für das biquadratische Luft- 
widerstandsgesetz) nimmt mit zunehmender Geschwindigkeit des Ge- 
schosses immer mehr ab, wenngleich der Widerstand selbst — der von 
der Luft auf das Geschoss entgegen dessen Bewegungsrichtung aus- 
geübte Druck — mit wachsender Geschwindigkeit zunimmt. 

Aus der vorliegenden Abgangswinkelreihe für das 6*5tiim Gewehr 
(welche die auf die normale Luftdichte ') reducierten und ausgeglichenen 
Versuchswerte darstellt) kann mit Hilfe der Formel 4) — da alle anderen 
Größen bekannt sind — der ballistische CoSfficient m und aus diesem 
mit Hilfe der Formel 1) der Luftwiderstands-Coefßcient -n ermittelt 
werden. 

Nachstehende Tabelle I enthält die gefundenen Werte und die 
denselben entsprechenden mittleren Geschwindigkeiten v^t welche das 
arithmetische Mittel aus der Anfangsgeschwindigkeit (740m) und jenen 
Endgeschwindigkeiten ') darstellen, die den von 100 zu 100m fort- 
schreitenden Entfernungen entsprechen. Zum Vergleiche sind auch die 
analogen, von der Firma Krupp für ihre Geschossform ermittelten 
angefügt. 



*) Nachdem auch die Gewehrgeschosse der anderen Staaten den angeführten 
sehr ähnlich construiert sind, die vielleicht vorhandenen kleinen S^erscbiedenheiten 
hei großer Geschwindigkeit nicht ins Gewicht fallen, so können die Lnftwiderstands- 
werte als allgemein giltig angesehen werden. 

•) Für Wien und mittlere atmosphärische Verhältnisse 1 208/r/7. 

') Dieselben sind gleichfalls aus der Abgangswinkelreihe, als der dnrch den 
Yersnch geschaffenen Grandlage, berechnet worden. 



300 



W eigner. 



Tabelle I. 



Gewehr-System 


Xo 

(m) 


? 


Vm 

(m) 


log m 


»i 


Nach Knipp | 


Vm 


1^ 


6 -5mm M. 93 

F= 740m 

P, = 03*^ 

per cm^ 


1.400 

1.000 

700 

500 

300 


2» 49' 24" 
10 26' 20" 
0» 46' 30" 
0« 26' 80" 
0» 12' 60" 


4003 
451-7 
5064 
550-2 
610-4 


0-9764409—9 
09126176-9 
0-8672467—9 
08158564-9 
7699881-9 


00»2842 
0-0*2463 
00»2159 
0O«1963 
0-0»1766 


400 
450 
500 
550 
610 


00"377 
00»316 
00«250 
0O»211 

o*on72 



Aus der vorstehenden Tabelle ist zu entnehmen, dass — während 
die Werte y^ für Geschwindigkeiten unter 550m beim %'bmm immer 
mehr von den Erupp^schen abweichen, je kleiner die mittlere Geschwin- 
digkeit ist — dieselben bei Geschwindigkeiten 550m und 610m den 
letzteren ungefähr gleichen. AufTallend ist, dass die Werte für das 
Gewehrgeschoss, soweit eine Abweichung in Betracht kommt, 
günstiger (kleiner) sind, als die von Krupp für große Artillerie- 
Geschosse ermittelten Werte. 

um diese Thatsache auch in anderer Weise zu überprüfen, dient 
die Tabelle IL Dieselbe enthält die Ergebnisse von Geschwindigkeits- 
Messungen mit dem Chronographen von Le Bouleng^, welche in der 
Weise ausgeführt wurden, dass die Flugzeiten der aus dem 6*5mm Ge- 
wehre, bezw. Carabiner abgefeuerten Geschosse — die eine gleiche, 
aber in verschiedener Entfernung von der Mündung befindliche Bahn- 
strecke (a?) durcheilten — gemessen wurden *). 

Die Endpunkte der in Betracht kommenden Bahnstrecken (x) sind 
wohl, streng genommen, nicht Niveaupunkte, wie es eigentlich sein sollte, 
doch sind die diesfalls vorgekommenen sehr geringen Abweichungen für 
den beabsichtigten Vergleich belanglos. 

Die Werte t; wurden mit Hilfe der Formeln 8) und 1) oder 
mit 9) gerechnet. 

Um den Grad der Verlässlichkeit der nachstehenden Angaben ermessen 
zu können, sei erwähnt, dass die Geschwindigkeiten V und v das Mittel 
aus 10 Schüssen (Anzeigen des Apparates) bilden. Die mittlere Ge- 
schwindigkeit v^ stellt sonach das Ergebnis von 20 Anzeigen, und das 
Gesammtmittel viT^ ein solches von 60 Anzeigen (weil 30 doppelt er- 
scheinen) dar. 



*) Diese Versuche, sowie die in der Tabelle III verwerteten wurden in der 
österreichischen Waffenfabrik in Steyr theils von dem k. und k. Artillerie-Oberlieute- 
nant d. R. Hans Strachowsky (Beamter der Fabrik), theils von mir ausgeführt. 



Zv Frage 4es mkftBftigeB lafaafcPtigy&yrfLres. 



301 



TabelU U. 




Man ersieht aus der Tabelle IL, dass der für das 6'5f»M Geschoss 
€iitBprecheDde Wert r. für die Geschwindigkeit 505m noch etwas kleiner 
ist, als der Erapp'sche, während für die Geschwindigkeit 620in l>eide 
Werte fast genau gleich sind. 

Die folgende Tabelle III zeigt die Übereinstimmung der beim 
6'5flMflR Geschosse und bei kleinen Geschwindigkeiten gefundenen Ter- 
«chiedenheiten im Vergleich zu den Krupp - Werten auch für das 
8mm Geschoss M. 88. 

Die aufTallende Thatsache. dass für Geschwindigkeiten unter 550??} 
die Gewehrgeschosse günstigere r,-Werte haben als die Kmpp'schen 
Artalleriegeschosse. bedarf noch — wenn auch eigeutlich nicht zur vor- 
li^eoden Untersuchung gehörig — einer Erklärung, da sie allgemeine> 
loteresae beansprucht. 



302 



Weigner. 







Tabe 


lle TT! 








Waffe 
(Caliber) 


V 

V 

(«) 


(m) 


X 

{m) 


^ 


Nach Krupp 


Luftdichte 

zur Zeit des 

Versuches 


Vai 


^t 


8m» Carabiner 
M. 90 


41«-7 


381-8 


150 


00*3830 


380 


0O"400 


Ä = ll77lit^ 


350-9 


8»iifi Gewehr 
M. 90 


4354 


4045 


150 


00»3233 


405 


00*373 


3736 


6'5»im Gewehr 
M. 93 


4980 


4713 


100 


0O»2594 


470 


00*288 


4447 



Zweierlei Umstände verdienen hervorgehoben zu werden, deren 
Würdigung die Erklärung mit einem hohen Grade von Wahrscheinlichkeit 
enthält, u. zw. einerseits die, f&r die verhältnismäßig sehr langen Gewehr- 
geschosse mit kleinem Trägheitsmoment nothwendige hohe Tourenzahl 
(Umdrehungszahl) im Vergleiche zur geringen Tourenzahl der großen 
Krupp-Geschosse, anderseits — jedoch nur bedingungsweise — die 
möglicherweise größere Stabilität der kleinen Geschosse im Fluge. 

Wenngleich angenommen werden muss, dass die Führung der 
bei den bezüglichen Luftwiderstands-Versuchen angewendeten Krupp*schen 
Geschosse tadellos war, so kann speciell bei den kleinen Geschwindig- 
keiten die Stabilität der Geschossaxe möglicherweise geringer gewesen 
sein, als sie den kleinen Gewehrgeschossen — welche ihre ursprünglich 
erhaltene große Tourenzahl im ganzen Verlauf der Bahn ohne wesent- 
liche Einbuße beibehalten — thatsächlich zukommt 

Es ist mir leider die Anordnung der Durchführung der Erupp'schen 
Versuche nicht bekannt, um diesbezüglich bestimmtere Schlüsse ziehen 
zu können. 

Da nach Oberst B. v. Wuich (Lehrbuch der äußeren Ballistik) 
bei den Versuchen von Erupp 2*8 bis 4 Caliber lange 15cm Geschosse 
zur Verwendung gelangten, so mussten auch verschiedene Drallängen, 
mithin auch verschiedene Tourenzahlen angewendet worden sein, was 
die verschiedene Stabilität der Geschossaxe, wenn auch nicht bedingt, 
so doch möglich erscheinen lässt. 

Auch kann bei kleinen Geschwindigkeiten der Einfluss der bei 
großen Geschossen gebräuchlichen, über den cylindrischen Theil der- 
selben hervorragenden Fübrungsbänder für die Größe des Luftwiderstands- 
Coefficienten nicht ganz belanglos sein. Bei den Gewehr geschossen erfolgt 
das Einschneiden der Felder bekanntlich in der Weise, dass die Ein- 



Zar Frage des zukflnftigen InfAtiteriegpwehre^ JtOft 

auf der cvlindrischeD Mantelflftche vom nnnrhofishnrlpn m\^ 

m 

fie Spibe hin verlaufen, mithin anf dcvr Mfltitf<tfl6ctif> r\\\t riptti 
prechende Längsrillen entutehen. 



Duden kleinen GewehrgescboMen zakommenden fin|t(1eicb ^ r r» t) p r e ff 
T'iarea zahlen möchte ich jedoch als die weseniliehjvt^ Ursarh^ 
xSnsds^eii Loftwiderstandiwerte bin^itell^, da c% ja hAkarrrrt \n\, 
wieviel günstiger sich die Bittdringong3-Vethftltni5«re einAs f^^tt^t! 
in <^m wideratehendea Ifittel durch die I>rebTinti; d)ese<9 KArp^r.^ 
y i *i^M Jrgn ]>»r folgende Vergleich mag vielleicht an dieser Stelle ni^ht 
ganz poffiend befanden werden, doch drtogte er srich mir b^i ^Rfn^\%nM 
iear besprochenen Verhältnisee gerade^n aof: Da« Rindrinjifen Ain^^ 
spitzen ^legenatandes i Ahle ■ in weiche« HoU wird wesentlich hespln<ff i^, 
wpini ifer auf den Gegenstand wirkende Dnick gleichzeitig mit ein^r 
Drebnw^ des <7egenstandes nm seine in der Dnickrichtnng liegende Axe 
vvBtisuDäßü. wird. 

Dass bei den groüen Geschwindigkeiten die darch die be<T)rochen*>n 
üimtSnde wahrscheinlich bedingten Verschiedenheiten in d^n Lnftwider- 
^BBute-^Werten verschwinden, kann als selbstverständlich angesehen werden. 
woL «iieseibea bei den grollen Geschwindigkeiten ihren Binflnss in nicht 
bemerkanswertem Grade mehr aiiLiem können ^\ 

ffifclt man :m ilem Umstände fest daas die Luftwiderstands-Oof^ffi- 
«nanten r, fftr Gewehrgeschosae und Geschwindigkeiten Tiber r>oOw ofleicli 
mnä dea ron Krupp »ermittelten Werten, liass temer diese W'^rte fnr 
roll li» zu. lOm fortschreitende Geschwindigkeiten eine stetig verlanfrndp 
Reihe bilden, so ifwst -»ich iie -on Oberst ii. v. Wuich in seinem 
mriirfiieh «zitierten W»*rfce enthaltene Tabelle lY bis znr Ge5M?hwindicrkHt 
nm 92K>i« ^^rweitem. Ffir «iiese Geschwindiekeit «.^bt Oberst B. v. Wu iiMi 
«ies Duftwiderstand per w^ für lie Luftdichte Uy mit 'l'f\hkff an. Dar- 
oarfa resnltiert für r <ipr W»-rt 0-0*"«95. 

Nachfolgende Tabelle IV r^nthätt «lies*» Erweit^^mncr und i'ibprHiiH» 
dir sinniremfiße Vprlfmcremne iflr mittlere (Teschwindiekeiten '»is *.)7*»w. 



•I Vielleicht li^Mit :fcnoh .11 ler .lohtnVen »V*ird!tfTiii<r illi^r 'H>s#?t i*m«+"iTiH«» 
•iia Eäklärnne iür iit?. .v<»nn Jii'h licht -^»hr ''•»fient:«*Ti«i»* "n«*an*£rk«»it i^^ .' '^!^^f'»~ 
4l»« p h w 1 n H i ? k «* ! t ^ n :in t u r »jt e t» ü 15 \^r . +• * t ; ^ ■• .-» r ! 1 n ^.» n /^ .-• ; t, /* 



304 



Weigner. 
Tabelle IV. 



(m) 


^1 


Vm 
(m) 


1 


Vm 
(m) 


1 


Vm 
(m) 


^ 


(m) 


n 


550 


00»211 


650 


00»152 


760 


00»113 


850 


0-0«»840 


950 


00>«665 


560 


0-0»204 


660 


00»147 


760 


00*110 


860 


0-0»»820 


960 


00««650 


570 


00»196 


670 


00»142 


770 


00*107 


870 


00«»800 


970 


O0*»685 


580 


00»188 


680 


00»138 


780 


00*104 


880 


00'^80 






590 


00*182 


690 


O0»134 


790 


oonoi 


890 


00««760 






600 


00»176 


700 


0-0»13l 


800 


00«'980 


900 


00«*740 






610 


o-on72 


710 


00«127 


810 


0^»«950 


910 


00««725 






620 


00»166 


720 


00»128 


820 


00*»920 


920 


ao*«7io 






680 


00»161 


780 


00«119 


880 


00**890 


980 


00**695 






1 640 


00»lö6 


740 


00»116 


840 


00'«860 


940 


00*«680 







Um einen Anhaltspunkt bezüglich desVerhftltnisseszwischen 
Scheitelhöhe (y«) und der, einer bestimmten horizontalen Schuss- 
weite (xj entsprechenden Endfallhöhe (^o tg <p) zu gewinnen, 
damit ein annähernd bestimmter Schluss über die Größe des Abgangs- 
winkels <p zur Erzielung einer für Ziele von Manneshöhe bestreichenden 
Bahn gezogen werden könne, müssen einige Yorerhebungen gepflogen 
werden. 

Im luftleeren Baume ist dieses Verhältnis bekanntlich y^, d. h. 
die Scheitelhöhe ist der vierte Theil der Endrallhöhe. Im lufterfüllten 
Baume wird sich das Verhältnis dem im leeren Baume bestehenden 
umsomehr nähern, je weniger die anfängliche Geschwindigkeit des Ge- 
schosses bei seiner Fortbewegung eine Abnahme erfährt, d. h. je größer 
die Querdichte ist. 

Es müssen daher zuerst die Verhältnisse der Querdichte festgestellt 
werden. Unter der Annahme, dass selbst bei bedeutender Steigerung 
der Anfangsgeschwindigkeit — im Interesse einer guten Verwertung 
derselben — mit der Querdichte nicht unter jene der alten llmw Ge- 
wehre gegangen werden kann, soll diese mit rund 25g pro cm* als untere 
Grenze gewählt werden. Als obere Grenze sei 35g und als Mittelwert 
die gegenwärtig zumeist gebräuchliche von 30g festgesetzt. 

Um weiters schon bei dieser Vorerhebung nicht allzuweit von der 
in Wirklichkeit zur Erreichung des angestrebten Rasanz-Verhältnisses 
nothwendigen Geschoss-Anfangsgeschwindigkeit abzuweichen — was die 
Richtigkeit des Schlusses bezüglich des Verhältnisses der Scheitelhöhe 
zur Endfallhöhe beeinträchtigen könnte — sei die Anfangsgeschwindig- 
keit mit 1.000m angenommen. Unter dieser Annahme ist (nach ausge- 



Zar Frage des zukünftigen Infanteriegewehres. 



306 



führter Überschlagsrechnung) für die Schussweite von 1.000 Schritte 
(750ti») die mittlere Geschossgeschwindigkeit beiläufig 700m, u. zw. 
für Geschosse mit größerer Querdichte größer als für jene mit kleinerer 
Qaerdichte. 

Die Bechnungs-Besultate sind in nachstehender Tabelle V ver- 
zeichoet. Der Luftwiderstands-Coöfficient n wurde, gemäß der Angaben 
der Tabelle, für die mittlere Geschwindigkeit von 700m mit 0*0*131 
gewählt. 

Tabelle V. 



P 



(m) 



1.000 



760 



^' 



ß: 



log m 



? 



X» 

(m) 



(m) 






«? 






Co 



Fe 

(m) 



Vm 

(m) 



0H)2ö 



0030 



0035 



0-7l98dl3— 9 



0-6401600-9 



06732038—9 



0^32' 39" 



0» 29' 19" 



0*26' 56" 



417-5 



4160 



4130 



26414 



21896 



1-8678 



2-358 



It. 



2078 



1-880 



7123 



6-396 



5-876 



3022 



3078 



3126 



4-7474 



3 9562 



3 3910 



4171 



449-2 



477-2 



635-7 



655-7 



678-2 



Die vorstehenden Daten wurden mit Hilfe der Formeln 4) bis 7) 
berechnet. Bezüglich v^ sei bemerkt, dass — obwohl das arithmetische 
Mittel aus V imd Fe einen rohen Näherungswert ergibt — doch ein 
weitaus besserer Wert durch Zuhilfenahme nachstehender Formel 10) 

erbalten wird 

V V 

F-f-F— — -^— -i 

v«= 2 ' ^^^• 

Diese Erfahrungsformel wurde durch Versuche in der Weise ge- 
funden, dass von mehreren vorliegenden F«, welche eine nach gleichen 
Abständen, etwa von 100 zu 100m (oder Schritt) fortschreitende Beihe 
bilden, das arithmetische Mittel gerechnet wurde. Ein Vergleich des auf 
diese Weise gefundenen t\ (welches dem thatsächlichen Mittelwert umso 
Daher komnit, je größer die Gliederzahl der Keihe ist) mit dem nach 
Formel 10) bestimmten zeigt die für vorliegende Untersuchung genügend 
genaue Übereinstimmung. 

Aus der Tabelle V ist zu ersehen, dass die Annahme für r, (ent- 
sprechend der mittleren Geschwindigkeit 700m) zu günstig war, da für 
keine der in Betracht gezogenen Geschossgattungen eine mittlere Ge- 
schwindigkeit von 700m zutrifft, doch ist dies für den angestrebten 

X tcr o 
Zweck ohne Belang. Das Verhältnis " " whd auch bei Annahme 



306 Weigner. 

eines der mittlereD Geschwindigkeit thatsächlich entsprechenden y; nicht 
wesentlich beeinflusst, wie man sich leicht durch eine andere Annahme 
überzeugen kann, und wie dies auch aus der noch bevorstehenden Unter- 
suchung zur Genüge erhellen wird. 

Es sollen daher die für die drei Geschossgattungen gefundenen 
Verhältniszahlen (auf die zweite Decimalstelle abgerundet) die Grund- 
lage bilden, u. zw.: 

für Geschosse mit P, = 0'02^g per cm* ist ^i-il = 300, 



V 



P, = 0030% „ „ „ '^oi^Jf ^ 3,j(, 



y 



» 



„ P. = 0035kg „ „ „ ?liO._3.15. 

Mit Hilfe dieser Yerhältniszahlen und der schon früher in Tabelle IV 
niedergelegten Luftwiderstands-Coefficienten kann nun die Ermittlung 
jener Geschossgeschwindigkeit erfolgen, welche zur Erreichung eines 
bestimmten Basanzverhältnisses der Geschossbahn nothwendig ist. 

Der schon früher gemachten Voraussetzung gemäß, dass die 
Scheitelhohe der Bahn die Manneshöhe nicht übersteigen soll, und mit 
Bücksicht darauf, dass letztere allgemein in den Grenzen von 1*6 bis 
rSm angenommen wird, wähle ich das Mittel aus beiden Grenzwerten, 
nämlich V7m. (Sollte die weitere Untersuchung auf eine Bahn führen, 
deren Scheitelhöhe den oberen Grenzwert übersteigt, so müsste die 
Anfangsgeschwindigkeit um soviel vergrößert werden, dass das angestrebte 
Verhältnis erreicht wird.) 

Der Vorgang für die folgende Untersuchung wird sich folgender- 
maßen gestalten: 

Aus dem Verhältnisse ?2-I-? = a (a = 3'0, 3*1, bezw. 315) 

y* 

resultiert unter der Annahme fQr y, = l'7m : 

•Co 

wodurch der für die verlangte Bahn nothwendige Abgangswinkel be- 
stimmt ist, sobald die verlangte Schussweite Xo gegeben ist. Mit 
diesen Größen und mit Benützung der Formeln 6), 6) und 7) kann 
die Scheiteldistanz x«, die Scheitelhöhe y, und die Endgeschwindig- 
keit Fe gerechnet werden, sobald der ballistische Cogfficient m gegeben 
ist. Da jedoch dieser, ebenso wie der Luftwiderstands-Coefficient y von 
der mittleren Geschwindigkeit abhängig ist, diese aber erst aus den 
noch unbestimmten Größen V und F« berechnet werden kann, so 



Zar Frage des zukünftigen Infanteriegewehres. 307 

miiss eiD NäherungsTerfahren eingeschlagen werden. Diesef tiüter Um- 
ständen sehr langwierige Nähemngsweg wird bedeutend abgekürzt durch 
Ausnutzung der in Tabelle Y niedergelegten Resultate der Vorunter- 
suchung. 

Aus dem Verhältnisse der mit V z=z 1.000m bei einer Schuss- 
weite von 760m erzielten Scheitelhöhe (y») und mittleren Geschwindig- 
keit (v^) kann ein Schluss auf die voraussichtlich nothwendige mittlere 
Geschwindigkeit, sowohl für diese Schuss weite (760m)y wie auch für 
die noch weiter in Betracht gezogene Schussweite von 900m gezogen 
werden, wenngleich auch in diesem Falle die Durchführung mehrmaliger 
Berechnungen nicht erspart bleibt 

Unter Einhaltung dieses Verfahrens wurden die in der Tabelle VI 
enthaltenen Resultate errechnet. 

Aus dieser Tabelle ersieht man, dass die für die geforderte Sasa&z 
nothwendige Geschossgeschwindigkeit selbst für eine Schussweite von 
nur l.OOO Schritt (750m) eine ganz beträchtliche ist, und f&r eine Schuss- 
weite von 1.200 Schritt (900m) mit den heute zu Gebote stehenden 
Triebmitteln wohl kaum erreichbar sein dürfte. 

Es ist weiters daraus zu ersehen, dass mit der Abnahme der 
Querdichte des Geschosses die Geschossgeschwindigkeit in einem größeren 
Verhältnisse gesteigert werden muss, als nach jenem der Abnahme der 
Querdichte. Trotzdem ist es doch nicht ausgeschlossen, dass — bei 
entsprechender Wahl der Pulversorte — die angestrebte Basanz mit 
.einem kürzeren Geschosse (geringere Querdichte) leichter erreicht werden 
kann, als mit einem längeren, wenn man auf eine verhältnismäßig 
bessere Ausnützung der anfänglichen Geschossgeschwindigkeit für die 
weiteren Entfernungen verzichtet Denn zweifellos sind die zu erwartenden 
Gasspannungen bei der heute üblichen Patronen-Construction so groß, 
dass eine Vergrößerung der Querdichte unter diesen Verhältnissen nur 
schwer möglich ist. Wie schon erwähnt, ist die maximale Gasspannung 
im 6*5mm Gewehre (7= 740m) etwa 4.000 Atmosphären, während sie 
im 8mm Gewehre (F~ 620m) bei derselben Querdichte (30^ pro cm*) 
nur 3.000 Atmosphären beträgt Sollten die Gasspannungen in demselben 
Verhältnisse wachsen, wie dies die Geschwindigkeits-Steigerung von 620 
auf 740m anzeigt, so resultiert für die Geschwindigkeit von 1.160m 
(nothwendige Geschossgeschwindigkeit für 760m Rasanz) eine Spannung 
TOD 7.600 Atmosphären. 

Zu welchen Schwierigkeiten für die Gewehr- und Patronen-Con- 
struction eine so enorme Gasspannung führen muss, leuchtet wohl ohne 

25 



308 



Weigner. 



es 

H 




Zur Frage des zukünftigen Infanteriegewehres. 309 

weiters ein, ganz abgesehen davon, dass man den heutzutage zur Ver- 
wendung gelangenden Laufstahlsorten eine so hohe Inanspruchnahme 
ans Sicherheitsgründen nicht aufbürden kann. 

Da jedoch weder bezüglich des Laurmateriales und der Laufcon- 
struction, noch bezüglich der Pulver- und Patron en-Construction das 
letzte Wort gesprochen ist, da ferner jedes Mittel ausgenützt werden 
«oUte, welches die Lösung der gestellten Basanzbedingung begünstigt, 
«0 möchte ich noch auf einen Umstand hinweisen, welcher möglicher- 
weise der Beachtung wert ist. 

Es betrifiFt dies die von Heb 1er in neuerer Zeit wiederholt vor- 
geschlagene Geschossform, welche seinerzeit in dem beim preußischen 
Zündnadelgewehr angewendeten sogenannten Langblei und den von Whit- 
worth zu seinem Zugsystem construierteu Artilleriegeschossen schon 
Anwendung gefunden hat. (Ich sehe aus naheliegenden Gründen von dem 
sogenannten ^ Hohlgeschosse ^ ab und will nur die möglichen Vortheile 
der Form an und für sich beleuchten.) 

Nach den im k. und k. technischen Militär-Comit6 diesfalls an- 
gestellten Orientierungs-Versuchen *) wurde mit dem Smm Stahlmantel- 
geschoss M. 88 {V = 620m) auf 450m eine Scheitelordinate von l*229n, 
mit dem gleich schweren Hebler-Geschoss ( F = 674m) eine solche 
von l'26m erreicht Trotz der um 46m geringeren Geschwindigkeit ergab 
das letztere Geschoss eine nur um 3cm größere Scheitelhöhe, obwohl 
für diese Geschwindigkeit beim Geschoss M. 88 eine Scheitelhöhe von 
«twa rsOm resultiert Es bedeutet dies einen Basanzgewinn von rund 8%. 

Berechnet man nach der schon früher erwähnten Methode den 
Luftwiderstands-Co^fficienten „yi", so resultiert derselbe f&r das Geschoss 
M. 88 mit 0-0»196 und für das Hebler-Geschoss mit 00»143. Die für 
das Geschoss M. 88 in Betracht kommende mittlere Geschwindigkeit 
beträgt 470m (der zugehörige Erupp'sche Luffcwiderstands-Coefficient 
ist 0*288), während diejenige für das Hebler-Geschoss naturgemäß 
kleiner sein muss. Aus diesem Grunde ist es daher auch zulässig an- 
zunehmen, dass die Abweichungen der Luftwiderstandswerte für das 
Hebler-Geschoss im Vergleiche zu jenen für das Geschoss M. 88 und 
für größere Geschossgeschwindigkeiten (über 700m) in demselben Ver- 
hältnisse abnehmen werden. 

Unter dieser Annahme errechnet man die am Schlüsse der Tabelle VI 
angeführten Daten. 



«) Siehe „Mittheilungen« 1894, 11. und 12. Heft. 

25^ 



310 Weigner. 

Daraus ist m ersehen, dass bei BenütiüDg dieser Geschossform 
(far Geschosse mit einer Qaerdichte ?on 30^ pro cm*) eine GeschwiD- 
digkeits-Erspamis Ton rund 130m für die Bahn tod 1.000 Schritt (750m) 
und eine solche von mnd 190m f&r die Bahn von 1.200 Schritt (900tn) 
zu erwarten ist Dabei muss noch bemerkt werden, dass die Scheitel- 
hohen noch etwas unter dem angenommenen Mittelwert von l'7m liegen, 
während jene der gegenwärtig gebräuchlichen Geschosse diesen um ein 
Geringes übersteigen. 

Einen Naditheil hat die Ton Hebler Torgeschlagene Geschoss- 
form insofeme, als sie eine, fftr das 8mm Caliber etwa um V« größere 
Geschosslänge bedingt, fiüls — wie angenommen — dieselbe Querdichte 
Torausgesetzt wird. Dieses Verhältnis wird bei Abnahme des Calibers 
noch ungünstiger. 

Da jedoch sdbet mit einer geringeren Querdichte als 30^ pro cm* 
— allerdings nur bei Yendchtleistung auf einen Theil der ballistischen 
Leistungsfthigkeit auf größeren Entfernungen — die gestellte Basanz- 
forderung erreicht werden kann, so erscheinen die durch diese Geschoss- 
form möglicherweise zu erreichenden Vortheile immerhin in so günstigem 
Lichte, dass die Versuche zur Klärung der Sachlage nicht unterlassen 
werden sollten. 

Die bei solchen Geschossen nothwoidige „Spiegelf&hrung^ — 
obgleich eine kleine Complication der Patronen-Construction bedingend — 
hätte überdies den Vortbeil, dass die schädlichen Wirkungen der mit 
so hohes Geschwindigkeiten in Verbindung stehenden großen Gasspan- 
nungea auf das Mantelgeschoss Termieden werden könnten, ohne dass — 
bei zweckmäßiger Wahl des Spiegelmaterials — ein allzugroßer Theil der 
treibenden Kraft der Pul?ergase zur Inbewegungsetzung des Spiegels 
für die Arbeitsleistung des Geschosses Terloren gienge *). 

Um das Verhältnis der beiden Basanzfactoren, sowie deren Ein- 
fluss auf die Gasspannung zu veranschaulichen, dient die nachfolgende 
Tabelle VIL In derselben sind — zur einwandfreien Beurtheilung der 
Geschwindigkeitsrerhältnisse — die in Tabelle VI enthaltenen Ge- 



*) Bei Versachen mit Terkftrzten Bmm Gewehrl&afeD hftt es sich gexeigt, dass 
— sobald die Liage des Laufes unter ein (offenbar Ton der GrOße der Gass|>anniuig 
abliingiges) bestimmtes Maß tritt, die Stahlmantelgeschosse kurz Tor der Mündung, 
durch Aufreißen des Mantels Ton rfickwirts, deformiert werden. Diese Deformation 
nimmt mit dem weiteren Verkfinen des Laufes zu, ist mithin wahrscheinlich eine 
Folge der hohen Gasspann ungen, da das Maximum derselben gegenwärtig in unmittel- 
barer N&he des Gescbosslagers auftritt. 



Zur Frage de« inkOnftigen Infutteritgewehres. 



311 



schwindigkeiten (V) derart modißciert worden, dass sie für die mitt- 
lere ScbeitelhSfae von l-7m gelten kOonen. Diese UmrechnnDg erfolgte 
noter der AnDahme, dass sich die Quadrate der GeschossgeschwiDdig- 
keiten (MQndnngsgeschwindigkeiten) (V) verhalten, wie nmgekehrt die 
Scheitelhöhen; was fQr die ans Tabelle VI ersichtlichen geringen Ab- 
veichangen der Scbeitelb&ben (y.) ganz besonders zulftsaig erscheint. 





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desGeachosNes 


750 


a-02b 




17 


1313 


7fl75 


25 


631-80 


650 


283 


132613 


9566 


3380 


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O'03fi 


s 
1 

1 

1 
1 


1173 


a-490 


30 


695-53 


1058 41 


91G2 


3837 


1099 


9905 


35 


609-88 


929 08 


938-3 


3315 


900 


D025 


1709 


7'075 


S5 


1053 44 


2244-68 


16307 


S787 


0O3O 


1507 


8-490 


30 


980-34 


174233 


15081 


5329 
5273 


3036 


1386 


9-905 


35 


970 10 


1477-69 


14924 


750 
900 


030 


1019 


8-490 


■^ 


449-42 


778-74 


6914 


2443 


1286 


714-68 


127017 


10995 


3885 




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""■ 



Cylindrische Geschosse wurden nur der Einfachheit halber gewählt, 
da die Form bei den Folgerungen bezüglich Arbeitsleistung des Pulvers 
keine Bolle spielt. Die gewählte Dichte 10 dürfte bei dem ganz will- 
kürlich angenoKinenen Caliber (fimm) für Stahlmantel-Geschosse ungefähr 
entsprechen. 

Weiters sind noch die Geschossgewicbte (und überdies die Geseboss- 
iSDgen) aufgeuommen, um eineu Anbaltepunkt fQr die Beurtheilung der 



312 Weigner. 

DOthwendigen Arbeitsmepge des Geschosses beim Verlassen der Mündusg 
und der hiezn erforderlichen Arbeitsleistung der Ladung zu besitzen. 

Schon beim Vergleich der den ?erschiedenen Geschossen zu- 
kommenden Arbeitsvermögen an der Mündung ersieht man, dass das 
angestrebte Basanzverb&lnis leichter erreicht werden kann, wenn man 
größere Querdicbte mit geringerer Geschossgeschwindigkeit verbindet^ 
als umgekehrt. Dies kommt hauptsächlich bei der größeren Bahn (900m) 
zum Ausdruck, während für die Bahn von 750m das Geschoss mit 30</ 
Querdichte die günstigsten Verhältnisse ergibt Die weitaas besten Be- 
sultate sind von dem Geschosse mit der von Heb 1er vorgeschlagenen 
Form zu erwarten. 

Wegen Mangel der nothwendigen Anhaltspunkte zur Berechnung 
der thatsächlich für die verschiedenen Geschosse und deren Arbeits- 
vermögen nothwendigen Gasspannungen (bezw. Arbeitsleistung der 
Ladung) wurde zur Beurtheilung derselben der ideale Fall angenommen^ 
dass die Geschwindigkeitszunahme von Null bis zur Mündungsgeschwindig- 
keit gleichförmig beschleunigt erfolgt Unter dieser Annahme muss die 
Gasspannuog constant sein, die Sachlage entspricht daher dem Verhält- 
nisse des vollkommenen Progressivpulvers. Wenngleich ein derartiges 
Pulver bisher noch nicht construiert wurde, so ergibt die Voraussetzung 
desselben doch die einfachsten Verhältnisse für die angestrebte Beurthei- 
lung, wozu jede Voraussetzung geeignet ist ^). 



*) Unter den gemachten Annahmen ist die Zeit t, innerhalb welcher das 

Geechoes auf seinem im Laufe zurückgelegten Weg t die Geschwindigkeit V erreicht 

ausgedrückt durch: 

s 2» 
<== j^— y ; 

2 

Die secundliche Beschleunigung a, welche das Geschoss durch die constant 
wirkende Kraft&ußerung (Druck) der Pulvergase erfährt, ist hestimmt durch: 

"2 = *oder a = -^ = -2^; 

Der constant wirkende Druck 8 — die Gasspaunung — ist gegeben durch 

die Ton ihm bewirkte Arbeitsleistung: 

mV* m 7« 

8 , » ^=: L = — ^— oder 8 = g » 

worin m die Masse des Geschosses ( — j bedeutet. 

Nimmt man den Druck von 1kg auf 1 cm* als rund 1 Atmosphäre an, so 
ergibt sich der Druck S in Atmosphären mit: 

P. K« 1 

^'^•= "27T • T' 

wenn F der Querschnitt des Geschosses (gleich der Laufbohrung) ist. 



Zar Frage des zakünftigen Infanteriegewehres. 313 

Die auf diese Weise errechneten Qasspannungen, welche gleich- 
falls in die Tabelle VII aufgenommen wurden, lassen ersehen, dass für 
die normale Geschossform — selbst wenn das ideale Progressiypulver 
schon zur Verfügung stünde — eine Basanzsteigerung bis 900m nur 
sehr schwer möglich ist, wenn man an der gegenwärtig üblichen Lauf- 
eonstruction festhält. Die besten Laufstahl'sorten der Gegenwart werden 
wohl kaum für die Dauer mit 50kg pro mm* beansprucht werden können. 
Die Basanzsteigerung bis 750m erscheint unter der gemachten Voraus- 
setzung des Progressivpulvers erreichbar. Um jedoch auch diesbezüglich 
nicht allzugroße Hoffnungen zu erwecken, sei das Verhältnis der thatsäch- 
lich beim 6'5mm Gewehre (bei Anwendung der heutigen Pulversorten) 
auftretenden maximalen Gasspannung zu jener bei Anwendung des vorhin 
angenommenen Progressivpulvers zu erwartenden angeführt 

Erstere beträgt rund 4.000 Atmosphären und letztere würde nur 
1.332 Atmosphären betragen, ein Missverhältnis, welches die schlechte 
Eignung der heutigen Gewehrpulversorten für die kleincalibrigen Ge- 
wehre sehr gut illustriert. 

Wesentlich günstiger gestalten sich die Verhältnisse bei Anwendung 
der von Heb 1er vorgeschlagenen Geschossform, doch müssen dies- 
bezüglich einige Bemerkungen gemacht werden. 

Die Berechnungen für diese Geschossform basieren auf wenig 
umfangreichen Versuchen mit 8mm Geschossen und auf einem sehr 
eng begrenzten Geschwindigkeitsbereich. Es ist sehr leicht denkbar, dass 
dieser Vortheil der Geschossform bei Anwendung von sehr großen Ge- 
schwindigkeiten mehr oder weniger verloren geht, wie überhaupt bei sehr 
großen Geschwindigkeiten der Einfluss der Geschossform auf den Luft- 
widerstand in geringerem Grade zum Ausdrucke kommt, wie bei minder 
großen Geschwindigkeiten. Auch darf — wie schon früher erwähnt — 
nicht außer Acht gelassen werden, dass die Anwendbarkeit der in Bede 
stehenden Geschossform in dem Maße fraglicher ist, als das Caliber 
kleiner wird. 

Immerhin sollten mit dieser Geschossform umfangreichere Versuche 
ausgeführt werden, um die berührten, schwankenden Verhältnisse klar 
zu stellen, da sie im günstigsten Falle ganz nennenswerte Vortheile 
bieten dürften. 

In allen Fällen, ob mit oder ohne Anwendung der von Heb 1er 
vorgeschlagenen Geschossform, hängt die Lösung der Aufgabe nach 
weiterer Basanzsteigerung im vorliegenden Falle vornehmlich von der 
Pulverfrage ab. Die Möglichkeit, diese Frage im Sinne der idealen 



314 Weigner. 

Pulverconstruction zu lösen, liegt gegenwärtig — zur Zeit des chemischen 
Pulvers — weit näher, als früher beim Gemengpulver; es scheint, 
dass der Weg, auf welchem die Lösung zu finden sein dürfte, schon 
betreten ist, wiewohl vorerst nur zur Erreichung günstigerer Verhält- 
nisse beim Geschützpulver. Das Böhrchen-Ballistit scheint der Typus 
zu sein, nach welchem — allerdings mit wesentlich geänderter Ver- 
brennungsweise — das Zukunftspulver geschaffen werden dürfte. Gelingt 
es bei röhrenförmiger Anordnung der Ladung, die äußerste Schichte 
derselben vor Entzündung zu bewahren und die Verbrennung so ein- 
zuleiten, dass sie von innen nach außen stattfindet, dann dürfte es 
keinerlei Schwierigkeiten mehr bereiten, die Ladung so anzuordnen, dass 
die Zunahme der Gasentwicklung bei der Verbrennung in demselben 
Verhältnisse steht, wie die Zunahme des durch die Vorwärtsbewegung 
des Geschosses entstehenden Baumes. 

Obwohl vor Lösung dieser Frage die Frage nach der Zulässigkeit 
der Gewichtsverminderung des Gewehres eigentlich nur wenig Interesse 
beansprucht, will ich trotzdem eine oberflächliche Würdigung dieses 
wichtigen Factors der Rasanz- und Caliberfrage vornehmen. 

Hiezu wähle ich das ungünstigste Verhältnis bezüglich des Ge- 
schossgewichtes und der Mündungsgeschwindigkeit, nämlich das zur 
Erreichung von 900tn Bahnrasanz angenommene 6711m Geschoss von 
9*906^ Gewicht mit der nothwendigen Mündungsgeschwindigkeit von 1.386fn. 

Unter der Annahme des noch gut erträglichen Bückstoßes des 
llmm Bepetiergewehres M. 86 (Bückstoßgeschwindigkeit 2'6m, Bück- 
stoßarbeit 1*66%) oder des fast gleichen Bückstoßes des llmni Gras- 
gewehrs M. 74 (Bückstoßgeschwindigkeit 2'7m, Bückstoßarbeit 1'64ä:^), 
ist für das soeben angenommene Verhältnis des 6mm Geschosses ein 
Gewehrgewicht von rund 5'lkg nothwendig, um eine Bückstoßarbeit von 
V5kg bei einer Bückstoßgeschwindigkeit von 2*7m zu erhalten *). 



^) Fflr die Berechnung des Rückstoßes gelten — abgesehen von der zum Ein- 
schneiden der Felder in das Geschoss, auf Reibung des letzteren an den Bohrungs- 
wänden, schließlich infolge Reaction der hinter dem Geschosse ausströmenden Gase, 
fflr die Geschwindigkeit des Geschosses ganz oder theilweise verloren gehenden 
PuWerwirkung — nachstehende Gleichungen: 

In denselben ist Ä die Rflckstoßarbeit, Ö, das Geschossgewicht, Ö, das 
Gewicht des Gewehrs, v die Rückstoßgeschwindigkeit, V die Anfangsgeschwindig- 
keit des Geschosses und g die Beschleunigung der Schwere. 



Zar Frage des zukünftigen Infanteriegewehres. 315 

Da dieses Gewehr für ein zukünftiges Gewehr offenbar viel zu 
groß ist, 80 beweist dieser Umstand nur, dass das Geschossgewicht noch 
vermindert werden müsste. Weil die Annahme des Calibers von 6mm ganz 
willkürlich erfolgte — Geschwindigkeit und Querdichte nicht mehr ge- 
ändert werden dürfen — so wird eine Verminderung des Geschoss- 
gewichtes durch Verminderung des Calibers anzustreben sein. 

Bedenkt man, dass bei Festhaltung an einer bestimmten Quer- 
dichte das Geschossgewicht mit dem Quadrate des Calibers abnimmt, 
80 kann man das für ein bestimmtes Gewehrgewicht nothwendige Caliber 
berechnen. 

Hält man beispielsweise ein Gewehrgewicht von ^kg für zulässig, 
80 errechnet man hiefür ein Caliber von b'3mm. 

Man ersieht daraus, dass, wenn es jemals gelingen sollte, den gestellten 
hohen Anforderungen bezüglich Bahnrasanz gerecht zu werden, wegen 
des Bückstoßes keinerlei Besorgnis vorliegt, sobald das Caliber nicht 
über b'Smm gewählt wird. Sollte dies aus irgend einem anderen Grunde 
nothwendig werden, dann müsste das Gewehrgewicht gesteigert, oder 
die Basanzforderung gemäßigt werden, um einen nicht allzu empfind- 
lichen Bückstoß zu erhalten. Von dem Standpunkte aus, eine Basanz 
bis 900971 anzustreben, ohne bezüglich des Gewehrgewichtes einen Bück- 
schritt zu machen, ergibt sich die unbedingte Nothwendigkeit einer 
Calib ex Verminderung unter 5'3mm. 

Kommt jedoch ein Theil der Bückstoßarbeit — wie bei den halb- 
oder ganz automatisch wirkenden Waffen, deren Verwertung in Hinkunft 
nicht ausgeschlossen ist — auf Verrichtung irgend einer Verschlussbethä- 
tigung in Abschlag, dann ergeben sich dementsprechend günstigere Ver- 
hältnisse für den Bückstoß, bezw. für das Gewehrgewicht. 



Nun handelt es sich schließlich noch um das Patronengewicht. 
Es ist selbstverständlich, dass bei der gewaltigen Arbeitsleistung des 
Palvers, wie sie für die angestrebte Basanz erforderlich ist, selbst bei 
so wesentlicher Herabminderung des Calibers, wie sie die Bücksicht- 
nahme auf den Bückstoß erfordert, keine nennenswerte Ersparnis erzielt 
werden kann, wenn an der heute üblichen Patronen-Construction fest- 
gehalten wird. 

Legt man beispielsweise das rumänische 6'5vim Gewehr mit seiner 
Patrone und Leistungsfähigkeit zugrunde, so entspricht der Ladung 



316 Weigner. 

von 2-45^ Oewehrpulver M. 92 eine Geschwindigkeit von 740m fflr das 
10*3^ schwere Oeschoss. Ein 5mtn Geschoss derselben Construction, wie 
das 6*57nm, muss fQr die geforderte Querdichte von 35^ pro cm* 7ff 
schwer sein. Um diesem Geschosse die für die Rasanz von 900m er- 
forderliche Geschwindigkeit von 1.386m zu ertheilen, ist — die gleiche 
Piilververwertung wie beim 6*6m Gewehr vorausgesetzt — eine Ladung 
von 3' 12^ Gewehrpulver M. 92 nothwendig. Nachdem die rund 10^ 
wiegende Patronenhülse M. 93 (8mm) nur knapp 2'8g dieses Pulvers 
fassen kann, so resultiert für die complete 5mm Patrone ein Gewicht 
von mindestens 20 bis 21^ oder beiläufig dasselbe, wie für die Patrone 
des 6'5mm Gewehres. 

Für eine bis 750m reichende Bahnrasanz gestalten sich die Ver- 
hältnisse bezüglich des Bückstoßes, bezw. Gewehrgewichtes und des 
Patronengewichtes wohl etwas günstiger, ohne jedoch — bei Beibehalt 
der gegenwärtigen Patronen-Construction — die Möglichkeit zu bieten^ 
mehr wie 2 bis 3g per Patrone (d. L 10 bis loy«) zu ersparen. 

Da jedoch selbst für diese, verhältnismäßig bescheidene Forderung 
bezüglich Rasanzsteigerung aus Rücksicht für die Gasspannung die 
heutigen Pulversorten nicht gut anwendbar sind, so beansprucht die 
Untersuchung über die zu erwartenden Verhältnisse fQr den Fall, als 
das ideale Pulver in dem schon früher angedeuteten Sinne verwirklicht 
werden sollte, gewiss auch einiges Interesse. 

Wie wesentlich günstiger das Gewicht der Patrone sich unter 
der Annahme des Progressivpalvers in ROhrenform gestalten würde, 
mag daraus ersehen werden, dass das fCU* eine Geschwindigkeit von 
1.386m beim lV6g schweren 6'6mm Geschoss (Querdichte 35^ pro cm*) 
noth wendige Pulverquantum von 6' 17^ — unter Annahme einer Dichte 
von r8 — in einem oben und unten offenen Hohlcylinder von 10*3mm 
Höhe und 8mvi bezw. 6mm äußerem und innerem Durchmesser vereinigt 
werden kann. Bei 8mm äußerem und 7mm innerem Durchmesser wird die 
Höhe des Röhrchens I9*lmm. Nimmt man an, dass für die ideale Verbren- 
nung dieses Pulverkornes die Metallhülse vorerst nicht entbehrt werden 
kann, so lässt sich reichlich die Hälfte am Hülsengewicht ersparen, 
mithin das Gesammtgewicht der Patrone um mindestens 25 Procent 
vermindern. 

Ganz dasselbe Verhältnis resultiert für die aus Rücksicht für das 
Gewehrgewicht nothwendige 57wm Patrone, welche — selbst mit Bei- 
behalt der Messinghülse nur 15 bis 16^ betragen würde. Es bedarf wohl 
keiner besonderen Erwähnung, dass die Pulververwertung beim idealen 



Wim. ä^ 



j euge yL w«!kk Wb Imenmiiingmtf 4er T fifcilt i iRM d« <i-!Mm 



3?acMeB es nxl Bac^^ laf im g«g«mrirt%ai ^^Uii^ d«r 



Zeh OK. fi«^€nkcr 4er WkingsBlk^keil 4ei «««m ti^wtew 
be4e«t«B4« Stägcmf ^«rBakBasuE — tetii Tennrtmc: ti t w wg 
Cdiber — «racftit wcri« kuB, 9» tritt 4k «iif!»^ w^^mMI^ 
zweite Forderang: UmlickBie Tersn4ennf 4et PiferMwa^^RidMf: «n 
4em Yoi4ergnB4. 

Liest äck rersit ndit jeM Baaus eiradwi« wd«b# Mlk^ 
weB4ig ist, m mit der Xomalstellng 4es Av&atxi^s m%iii p tiw>» 
bis l.aOO Scbritt <750ot» beim GefecbtssdüeBeB aKCilDMiWNL ^N^ 
liegt 4ie Fnge Bihe: Wekber Gewin mm PlUzoMBgewiclit i^ 4arrli 
Gafiberrenradennig alleio m erzielea, wen n 4«r gf$«i«iH%r 
grdOtra Wirinmgs&higkeit des 6*5mei oder 7m« Oew^rai fe9l« 
gdultea wird? 

Die Basnz dieser zur Zeit wirfcsimstai Gewehre reicbt bis m4 
560«, d. h. die FlagbabB von 580« erhebt sich nicht mehr als TT« 
über ihre Basis, die Yisierlinie. 

Wird ein Caliber Ton 5iitiii zo Grunde gelq^ dessen LebensAhifh 
keit wohl kanm mehr angezweifelt werden dürfte, so errechnet man 
die in Tabelle VIII enthaltenen Angaben, in welcher vei^leichsweise 
mach jene des rumänischen 6*5ii»m Gewehres, des 7mm spanischen 
Gewehres nnd des 8mm Gewehres M. 90 aufgenommen erscheinen. 







TabeUe TIIL 
Gewicht 


Aniahl der Patn^n^n auf 

ik>g Geaaromt^wicht 

ohne Rahmrn 


CAHber 


Geschoss 


Ladung HOlse 


Patrone 


(9) 


5 

6-5 

7 

8 


61 
10-3 
11-2 
15-8 


1-45 
2-45 
2-45 
2-75 


7 

10 
11 
10-5 


14*55 
22 75 
24 65 
2905 


275 
176 
163 
188 



318 Weigner- 

Für die Berechnung der eiozelneo Patronen-Bestandtheile'l 
des Gesammtgenichtes der Patrone waren folgende Gesichtspunkte 
maßgebend: 

Die Geschossgewichte verhalten sich — gleiche Querdichte voraus- 
gesetzt — wie die Quadrate des Calibers. 

Die Ladungsgewichte verhalten sich wie die Geschossgewicbte. 

Zur Berechnung des Hühengewichtes — weiches der Ladung 
nicht direct proportional sein kann — wurde die Annahme gemacht, 
dase der HQlsenboden der 5nim HGlse ebenso schwer ist, wie jener 
der G-5mm Hülse (ungef&hr ein Drittel des ganzen Hülsengewichtes) und 
dasB sich der Rest der Hülse verhält wie die Ladung. 

Man ersieht aus dieser Zusammenstellung, dass sich bei Beibehalt 
der Leistungsfähigkeit des Ü-bmm Gewehres der gestellten Forderung 
nach GewiehtsvermiuderuDg der Patrone in recht ausgiebigem Maße 
nachkommen lässt. Da die Rasanz dieses Gewehres, wie schon erwähnt, 
rund bSOvt beträgt, so lässt sich uuch erwarten, dass — ohne wesent- 
liche Schwierigkeiten und ohne besondere Gewichtsvermehrung — eine 
Steigerung der ersteren bis öOOw oder 800 Schritte ausführbar ist. 

Damit wird man sich vorläufig — solange nicht besondere An- 
strengungen bezüglich der Laufconstruction, oder wesentliche Fortschritte 
im Laufmateriale oder in der FuWer-Construction gemacht werden — 
begnügen müssen. 

Es ist wohl einleuchtend, dass unter diesen Verhältnissen der 
Bückstoß sehr bescheiden ausfallen wird. Selbst wenn das Gewicht des 
Gewehres mit nur 2kg angenommen wird, resultiert erst eine Rückstoß- 
geschwindigkeit von 2'26m und eine Rückstoßarbeit von nur 0-26kgm. 



Folgerungen. 

1. Die Untersuchung über die Luftwideratands-Verhältnisse der 
gegenwärtig üblichen Gewehrgeschosse hat ergeben, dass die rerzS- 
gernde Wirkung des Luftwiderstandes unter anderem 
auch abhängig ist von der Umdrehungszahl des Geschos- 
ses (mithin auch von dem Drall der Waffe), und dass diese Wirkung 
— welche mit der Zunahme der Umdrehungszahl abnimmt — umso- 
mehr hervortritt, je kleiner die in Betracht kommende Geschwindig- 
keit ist. .^jd^H 



Zur Frage des inkBiiftigeii Infanteria^wehrea, 



319 



Nachdem dieser Umstand für die Erhaltung der Geschwiadigkeit 
beim Schießen auf größere Entfernungen von wesentlicher Bedeutung 
ist, sollten ausgedehntere Versuche den Zusammenhang zwischen Um- 
drehUBgsgesclinindigkeit und Luftwiderstand klar in legen suchen. 

2. Einen ähnlichen Vortheil gewährt die von Hebler 
Torgescblagene Geschossform, deren Eiofluss auf die Wirkung 
des Luftwiderstandes am besten gleichzeitig mit der Durchführung der 
ODter 1. angeregten Versuche zu ermittelu wäre, umsomehr, als es sehr 
wahrscheinlich ist, dass die Vereinigung beider Vortbeile einen größeren 
Gewinn verspricht, als die Ausnützung eines derselben. 

3. Eine Kasanzsteigerung bis LOGO Schritt (7äOm) ist 
mit den derzeit verfügbaren Laufmaterialien, ohne Anwendung künst- 
licher LanfcODStruction, und mit den heute zu Gebote stehenden Gewebr- 
pulversorten sehr schwer möglich, eine Hasanzsteigerung 
bi» 1.200 Schritte (900m) überhaupt nicht ausführbar, 
selbst wenn die von Hebler vorgeschlagene Geschoasform angewendet 
ond ihre Vortbeile auch für sehr große Geschwindigkeiten volle GUtig- 
keit behalten würden. 

4. Der RQckstoli würde auch in jenem Falle gut erträglich 
■ein, wenn es gelingt, die Babnrasanz bis 900m zu steigern, wenn nur 
das Caliber nicht über 5'Zmm und das Gewehrgewicht nicht unter ihg 
gewählt wird. Bei Verringerung des Calibers bis bmm oder Verwertung 
des automatischen Princips kann das Gewehrgewicht entsprecbeud kleiner 
gewählt werden. 

5. Die Rasanzateigerung bis an die Grenze der mitt- 
leren Gewehrschuss-Distanzen (1.200 Schritt) ist von der 
Lösung der Pulverfrage im Sinne einer idealen Puiver- 
Terwertung abhängig; erst dann ist gleichzeitig ein nennens- 
werter Gewinn an Patronengewicht (im Sinne der Verminderung des- 
■elben) zu erwarten. 

Der Lösung der Pulverfrage im angegebenen Sinne wäre daher 
das größte Augenmerk zuzuwenden, umsomehr. als dieselbe nicht nur 
dem Gewehre, sondern den Feuerwaffen überhaupt in bedeutsamster 
Weise zugute käme. 

6. Solange nicht besondere Fortschritte bezüglich Widerstands- 
.fthigkeit des Laufes oder bezüglich zweckmäßigerer Pulververwertuog 



320 W eigner. Zur Frage des mkünftigen Infanteriegewehres. 

gemacht werden, ist die weitere CaliberYerminderung auf 
Basis der Wirknngsffthigkeit des 6*59nm Gewehres und mit 
dem Streben nach einer leicht möglichen, geringen Steigerung derselben 
vorzunehmen, da dieselbe einen nennenswerten Gewinn an 
Patronenzahl verspricht. 



321 



Richtvorrichtung für das Schießen aus verdecicten Stellungen. 

Von 



»9 

Ic. und k. OberUeuienant im 8. Corps-ArtnUrU-Regmtnt. 

(Hiezn Tafel 13). 

Nicht immer wird beim Schießeu aus verdeckten Stellungen die 
vorliegende Deckung derart beschaffen und zugänglich sein, dass man 
mit den bisherigen Methoden beim Ertheilen der Seitenrichtung das 
Auslangen findet. 

Der im nachstehenden beschriebene Apparat gestattet das Ertheilen 
der Seitenrichtung (für parallele Schusslinien) in allen Fällen, in welchen 
auch nur von einem Punkte aus das Ziel und die eigenen Geschütze 
(Geschützstellung) gesehen werden können, mag dieser Punkt vor, hinter, 
oder seitwärts der Geschützstellung liegen ; ferner gestattet der Apparat 
auch das Schießen aus verdeckten Stellungen gegen Ziele in Bewegung. 

Die Richtvorrichtung besteht aus einer großen und kleinen Richt- 
scheibe. 

Die große Richtscheibe (Tafel 13 Fig. 1) besteht aus einer Messing- 
scheibe, deren Radius etwa 30cm beträgt; am Rande der Scheibe befindet 
sich eine Bogen-Eintheilung. Auf einem beweglichen Zeiger befinden sich 
zwei etwa 10cm lange, etwa 1mm dicke, mattgeschwärzte abschraubbare 
Stahlstifte; ein dritter ebensolcher Stift ist in einer Nuth am Rande 
der Scheibe verschiebbar. Der Apparat kann mittels eines Dreifußes 
am Boden aufgestellt werden. 

Die kleine Richtscheibe (Fig. 2) besteht aus einer halbkreisförmigen, 
am Rande ebenfalls mit einer Bogen-Eintheilung versehenen Messing- 
platte (Radius etwa 16cm), einem beweglichen Zeiger mit zwei abschraub- 
haren Stiften wie bei der großen Richtplatte. 

Bevor die weitere Beschreibung der Apparate folgt, sei der höchst 
einfache Vorgang beim Ertheilen der Seitenrichtung vorausgesendet, u. zw. 
der Fall, wenn der Aufstellungspunkt der großen Richtscheibe sich vor 
d«r Geschützstellung befindet. (Fig. 3). 

Die große Richtscheibe, zu deren Handhabung zwei Mann (M^ und 
M^) erforderlich sind, wird auf einen Punkt gebracht, welcher die ein- 



322 Stering. 

gangs erwähnte Eigenschaft besitzt, sodann dort mit dem Dreifüße am 
Boden derart festgestellt, dass die Scheibe ungefähr horizontal ist 

M^ visiert an Stift 1 und 2 vorüber auf das Ziel und fixiert 
hierauf die Scheibe mittels der Stellschraube S in ihrer Lage; dann 
visiert M^ an Stift 2 und 3 vorüber nach einem beim Geschütze mar- 
kierten Punkt (Drehpunkt des Zeigers der auf die Bichtbogen- Ebene 
aufzulegenden kleinen Bichtscheibe). 

3/, sieht den Stand des Zeigers auf der Bogen-Eintheilung nach 
und gibt denselben durch Zuruf dem betreffenden Geschütze bekannt, oder 
er notiert sich, wenn ein Zuruf unthunlich wäre, den Stand des Zeigers auf. 

Der Geschütz- Vormeister stellt den Zeiger der kleinen Bichtscheibe 
auf die ihm bekanntgegebene Bogen-Eintheilung, legt die Scheibe derart 
auf die Bichtbogen-Ebene des ungefähr horizontal gestellten Bohres, dass 
die Symmetrielinie der Scheibe in die Symmetrie-Ebene des Bohres zu 
liegen kommt; visiert dann — bei Verschiebung des Protzstockes — 
an Stift 1 und 2 vorüber nach dem markierten Drehpunkt des Zeigers 
der großen Bichtscheibe, wobei zu trachten ist, dass der Drehpunkt des 
Zeigers der kleinen Bichtscheibe ungefähr in derselben Lage bleibt. 

Der Vorgang bei den übrigen Geschützen ist dem vorhergehenden 
gleich, auf welche Weise es möglich ist, allen Geschützen rasch eine 
parallele Seitenrichtung gegen das Ziel zu ertheilen. 

Sollten sich die Geschütze noch nicht in der Stellung befinden, 
so können deren nachherige Aufstellungspunkte durch Bichtlatten, auf 
welche man ein grell gefärbtes Scheibchen (Fig. 4) aufsetzt, bezeichnet 
werden. Li diesem Falle sind die den einzelnen Geschützen entsprechenden 
Zeigerstände von M^ vorzumerken und beim Anlangen der Geschütze 
in der Stellung den feuerleitenden OfBcieren bekannt zu geben. Letzteres 
kann erforderlichen Falles auch mittels optischer Signale geschehen. 

Der weitere Vorgang ist dann wie früher. 

Ist der Aufstellungspunkt der großen Bichtscheibe hinter der 
Geschützstellung, so ist der Vorgang dem früher beschriebenen gleich, 
nur werden die Bichtscheiben in die in Fig. 5 dargestellte Lage gebracht. 

Nun kann entgegnet werden, dass diese Bichtmethode nur solange 
taugt, als der Aufstellungspunkt der großen Bichtscheibe sich vor oder 
hinter der Geschützstellung befindet, da ja bei einer seitlichen Auf- 
stellung derselben, z. B. etwa 200 Schritt rechts (links) der Geschütz- 
stellung eine Schusslinie resultieren würde, welche (die Derivation un- 
berücksichtigt) etwa 200 Schritt links (rechts) des Zieles läge. 



RichtTorrichtnng für das Schießen aus verdeckten Stellangen. 323 

Diesem ümstaDde ist jedoch in der EinrichtuDg der großen Bicht- 
scheibe folgendermaßen Bechnung getragen: 

Auf der Scheibe befindet sich zn diesem Zwecke eine Eintheilung 
(Fig. 6), deren römische Ziffern die Distanz von der großen Bicht- 
scheibe bis zum Ziele, deren arabische Ziffern die seitliche Entfernung 
des Aufstellungspunktes der Scheibe von der Mitte der Geschützstellung 
bedeuten. 

Ist z. B. die Entfernung des Zieles 3.000 Schritte und der Auf- 
stellungspunkt der großen Bichtscheibe 200 Schritte rechts von der 
Mitte der Geschützstellung, so stellt man den Zeiger auf den Schnitt- 
punkt a (Fig. 6), verschiebt den Stift 1 derart nach seitwärts, dass er 
in die Bichtung des Zeigers gelangt und visiert erst jetzt über die 
Stifte 1 und 2 auf das Ziel. Für nicht verzeichnete Distanzen ist es ein 
Leichtes, den entsprechenden Proportional-Theil zu nehmen. (Hiezu 
Fig. 7.) Es wird sich hiebei ein Fehler ergeben / = a; tng y» welcher 
jedoch ohne besonderen Einfluss ist, da man mittels des Apparates in 
der Lage ist, diesen Fehler zu beheben. 

' Sei z. B. in Fig. 8 der Aufschlag des Geschosses im Punkte -4, 
so dreht man den Zeiger der großen Bichtscheibe derart, dass die Visur 
über die Stifte 3 und 2 nach dem 'Aufschlagspunkt geht, bestimmt 
die Differenz zwischen der nunmehrigen Zeigerstellung und der Stellung 
des Stiftes 1 (z. B. 20 rechts) und gibt dies den feuerleitenden Offi- 
cieren bekannt. 

Dieselben veranlassen hierauf die entsprechende Verschiebung des 
Zeigers der kleinen Bichtplatte; es muss in diesem Falle der Theil- 
ponkt — 20 rechts vom Nullpunkte des Zeigers — auf den früheren 
Theilstrich der Bogen-Eintheilung zu liegen kommen. 

Der hieraus resultierende Fehler ist nur sehr gering. 

Die Behebung dieses Fehlers, sowie eine Concentrierung des Feuers 
gegen einen Punkt, können immer mittels einer Seitenverschiebung 
am Geschützaufsatze bei Anvisierung eines gewählten Hilfszielpunktes 
bewirkt werden. 

Der Vorgang beim Schießen gegen Ziele in Bewegung ist folgender : 

Mit Hilfe der großen Bichtscheibe visiert man auf einen merk- 
baren Punkt des Terrains, welcher vom Ziele gerade passiert wird, und 
bestimmt hierauf die Zeigerstellungen für die Geschütze wie für Ziele 
in Buhe. 

Von dieser Basis ausgehend wird dann der jeweilige Standpunkt 
des Zieles in Bezug auf seitliche Bichtung wie ein seitlicher Geschoss- 
aufschlag behandelt und die Elevation nach der Beobachtung geregelt. 

26 



324 Stering. Richtvorriehtimg für das Schießen aas verdecktea Stellangen. 

Es ist selbstrerständlich, dass nur gegen größere Ziele in Bewegung 
das Schießen ans verdeckter Stellung nach dieser Bichtmethode vor- 
genommen werden kann. 

Nun noch einige Details der Apparate: 

Der Drehpunkt des Zeigers der großen Bichtscheibe könnte durch 
eine auf den Stift 2 aufzusteckende Hülse (Fig. 9) für die Geschütze 
deutlich sichtbar gemacht werden. 

Der Zapfen Z (Fig. 1) Ist hohl und zur Aufnahme des Zeigers 
und der Stifte eingerichtet 

An der unteren Fl&che der kleinen Bichtscheibe wäre von Vortheil, 
eine Eautschukplatte anzubringen« um durch Vergrößerung der Beibung 
eine bessere Fixierung auf der Bichtbogen-Ebene zu erzielen. 

Die Fortbringungsart dieser Bichtvorrichtung (für jede Batterie 
eine große und für jedes Geschütz eine kleine Bichtscheibe) ist ihrer 
kleinen Dimension wegen keine schwierige. 



325 



Schießvorschriften der französischen Feld-Artillerie 



Von 
J'osef ScHTibert, 

X:. und k. Art Ülerit' Hauptmann. 

Die französische Feld- Artillerie ist die einzige, welche ihre Schieß- 
regeln geheim hält ; es ist dies umso befremdender, als die theoretische 
Basis, auf welcher brauchbare Schießregeln aufgebaut sein müssen, dank 
einer Beihe, jeden unnützen mathematischen Wust vermeidender Publi- 
cationen, Gemeingut aller Artillerien geworden ist, somit an den Schieß- 
regeln eigentlich nichts geheim zu halten ist. Sind die Einrichtung der 
Munition, die Bichtbehelfe etc. bekannt, so lässt sich annähernd das 
mögliche Schießverfahren feststellen. Übrigens kann aus der Kenntnis 
der Schießregeln noch immer nicht der Schluss auf die Schießausbildung 
der Truppe abgeleitet werden. Die sinngemäße Anwendung der Schieß- 
regeln auf concrete Fälle bildet die eigentliche Schießkunst. 

Das jüngst erschienene Buch: Leqons d'artiäerte par E, Oirardon 
und Besprechungen desselben im Militär-Wochenblatt geben einiger- 
maßen Aufklärung über die Schießvorschriften der französischen Feld- 
Artillerie *). 

Die Schießregeln der französischen Feld-Artillerie sind seit einer 
Beihe von Jahren fortwährenden Änderungen unterworfen. Auch das 
neueste Manuel de tir de campagne vom 15. März 1894 ist nur ein 
Entwurf, der sich von allen früheren Vorschriften hauptsächlich' dadurch 
unterscheidet, dass die Eurbelcorrecturen beim Einschießen beseitigt 
worden sind, und dass der Batterie-Commandant jedesmal die Änderung 
der Höhenrichtung durch das Commando der Distanz zu bewerkstelligen 
hat. Infolge dessen erfährt SLUch isLa Reglement sur le aervice des canons 
de 80 et de 90 vom 4. Juni 1893 einige Änderungen. 

Zur Orientierung sei bemerkt, dass die französische Feld-Artillerie 
nebst einigen Kartätschen nur Geschosse mit Doppelzünder (obus ä 
fnitratlle und obm allonge) besitzt. Da beim Zeitzünder nur eine Secunden- 
scala sich vorfindet, so muss die anzuwendende Tempierung, entsprechend 



'J Nach dem Reglement sur le service du canon de 120 court von 1895 gelten 
analoge Vorschriften aach f&r die kurze 120mm Kanone (Haubitze). 

26* 



326 Schubert. 

der in Metern commaDdierten Entfernung, jeweilig erst bestimmt werden, 
wozu besondere Rechenschieber dienen. 

Einschießen. Der Batterie- Commandant leitet grundsätzlich 
nur das Ermitteln der Distanz; dasselbe geschieht in der Kegel mit 
Aufschlaggeschossen und wird durchlaufend durch die Batterie begonnen 
und bei einem Zug (section grn'de) — gewöhnlich ein Flügelzug — beendet. 
Indessen übergehen die beiden anderen Züge unter Leitung ihrer Zugs- 
Commandanten zum Schießen mit tempierten Geschossen ; die Tempierung 
wird von diesen selbständig geregelt. 

Unter Rücksichtnahme auf die Aufsatzhöhe beim Flügelzug wird 
die Tempierung durch Vermehrung oder YerminderuBg so lange geändert, 
bis normale Sprenghöhen erwachsen. 

Bei obu8 ä mitrcuUe entspricht die normale Sprenghöhe einem 
Sehwinkel von Vio»o l>öi Feld-Kanonen, und V,,,, bei Gebirgs-Kanonen. 
Ein Schuss ist hoch oder tief, wenn seine Sprenghöhe größer bezw. kleiner 
als die normale ist; der Schuss ist „sehr hoch^, wenn die Sprenghöhe 
mehr als zweimal so hoch ist als die normale; bei Höhenzielen können 
auch „sehr tiefe" Sprengpunkte sich ergeben. 

Die normale Sprenghöhe (hauteur type) soll, da sie für alle Distanzen 
dieselbe scheinbare Höhe besitzt, leicht dem Auge einzuprägen sein. 
Ist man richtig eingeschossen, so erhält man bei normaler Spreng- 
höhe auf: 

l.OOOm ein Sprengintervall von etwa 95m, 
2.000m „ „ „ „ 60m, 

3.000m „ „ n w *öm und 

4.000m „ „ n »1 *0m. 

Die Tempierung wird auf Grund je 2 beobachteter Schüsse 
corrigiert, u. zw.: 

vermehrt um Vto nach 2 sehr hohen Schüssen, 
77 w Vio »» 2 hohen Schüssen, 

„ n Vio n 1 hohen und 1 normalen Schuss; 

vermindert ^ Vto r 2 Aufschlägen, 
r> 77 Vto n 2 tiefen Schüssen, 

77 77 Vi 77 1 tiefen und 1 normalen Schuss. 

Wenn, nach einer Tempierungs-Änderung, die Serie mit der neuen 
Tempierung eine Änderung der Brennzeit im entgegengesetzten Sinne 
erheischt, gleichgiltig ob im gleichen oder größeren Ausmaße, so ist 
eine der Mitte entsprechende Tempierung anzuordnen. 

Der Batterie-Commandant kann auf Grund der Wahrnehmungen 
bei einem am selben Tage bereits vorangegangenen Schießen mit Zeit- 



■ der frsuOsb«^ctt F^-Anüksie 337 

zfindem, oder mit Böcksidit auf die absolute Tiiht 4er BaooiestdhiBtr 
von Haos ivs eise Tempienings-CoiTectiur ubefeUeA. 

Maa erhilt aasreichead ^enao die Aatahl Z^atd-Secuadec am 
welche maa die Brenazeit bei bedeuteada- Höhe der BattmesteliaBf tber 
dem Meereaspiegel Tenniadera mass. weaa maa die Distaat aut der zwei- 
besw. dieifadiea absolaten Höhe (^Bi^taaz aad Höhe ia Kflomeiina> 
maltipliciert , je nachdem die Correctar für Feld- oder Gebirgs- 
geadütze dieat 

Wenn alle Geschütze indireci schießen and ein bedeateader Höh«i- 
oaterschied zwischea der Batteiiestellang aad dem Ziele bestdit. so ist 
gleichEdb eiae Correctar der Tempieroag am Platze, a. zw. fordert 
ein Höheaontefschied ron * \^^ der Distanz eiae Tempieraags^Correetar 
TOB Vi« Secnndea. Diese Correctar ist bei einem tief liegeadea Ziele eiae 
Yermehniag, bei einem hochliegenden Ziele eine Terminderang der nor- 
malen Tempierang. 

Dm die zutreffende Seitenrichtung zu erhalten, muss dm 
Binflnsse des Windes, d^n ungleichen Biderstaade uad eveataell der 
Seitwirtsbewegung des Zieles ron vornherein Bechnung getragen werden; 
weiters müssen auftretende Seitenabweichungen im Verlaufe des Schießens 
eorrigiert werden. 

Zur Beseitigung des Einflusses des Windes auf die Seitenrichtung 
Uast der Batterie-Ccmmandant bei allen Geschützen bei schwachem 
Winde das Visier 2miii, bei mittlerem 4mm, bei starkem Winde 6buii 
nach der Bichtung, woher der Wind kommt, verschieben. 

Den Einfloss des schiefen Biderstandes auf die Seitenrichtung 
berichtigt der Zugs-CommandaDt iadem er für 2* Neigung, eine Seiten- 
yerschiebung gleich der normalen (bei 80 und 90mm) nach der Seite 
des höher stehenden Bades ertheilt 

Der Seitenbewegong des Zieles wird Bechnung getragea, wenn f&r 
je 100m, welche das Ziel per Miaute senkrecht zur Schusslinie zurück- 
legt, das Visier um 4mm in der BewegungsrichtuDg verschoben wird. 

Die Correctur der Seitenrichtnng während des Schießens obliegt 
den Zngs-CommaDdanten, welche diese geschützweise, entsprechend der 
beobachteten Größe der Abweichung, anordnen ; nur wenn die zwei ersten 
Schüsse nach derselben Seite abweichen, ordnet der Batterie-Commandant 
selbst für die übrigen Geschütze die Correctur an und bemisst sie Dach 
dem Mittel der beobachteten Seitenabweichungen. 

EöDDen die Zugs-Commandanten die Seitenabweichungeo nicht 
beobachten, dann muss der Batterie-CommandaDt die Correcturen selbst 
anordnen; derselbe kaDD aber auch nur den Sinn der Correctur angeben 



328 Schubert. 

dnrch: y^nach rechts (lioks)^ oder^stark nach rechts (links)^. Im 
ersteren Falle ist um brnm, im letzteren um 10mm zu corrigiereD. 

Beobachten der Schüsse. Die Schüsse werden in der Begel 
direct beobachtet, indem der Batterie-Commandant entweder die im 
Ziel hervorgebrachte Wirkung wahrzunehmen trachtet, oder aus der Lage 
der Sprengwolke zum Ziele folgert« dass der Schuss kurz oder weit war. 
Ist diese directe Beobachtungsmethode nicht anwendbar, dann wird 
indirect auf die Lage des Sprengpunktes zum Ziele geschlossen. Hiezu 
sind zwei seitliche Hilfsbeobachter erforderlich, die genügend weit von 
einander entfernt, gleichzeitig beobachten, ob der Schuss rechts oder 
links ihrer Sehlinie zum Zielpunkt sich darstellt Nach den getroffenen 
Vereinbarungen wird entweder nur die Seite, nach welcher der Schuss 
von der Sehlinie liegt, angegeben, oder auch der geschätzte Abstand. 

Im ersteren Falle sollen die Hilfsbeobachter wenigstens auf V,» 
der Schussdistanz von einander entfernt stehen ; die Beobachter machen 
Front gegen einander und geben ihre Beobachtungen durch Handzeichen 
der Batterie bekannt. Wird der Schuss in der Sehlinie zum Zielpunkte 
wahrgenommen, so sind beide Arme zu erheben; zeigt sich der Schuss 
rechts (links) der Sehlinie, so ist der rechte (linke) Arm wagrecht nach 
der Seite, also gegen das Ziel, bezw. gegen die Batterie auszustrecken; 
konnte der Schuss nicht beobachtet werden, so wird dies durch mehr- 
maliges Abwinken mit dem erhobenen Arme dem Batterie- Comman- 
danten angezeigt 

Aus den beiderseitigen Beobachtungen ist die Lage des Spreng- 
punktes zum Ziele wie folgt gegeben: 

Haben beide Hilfsbeobachter den Arm gegen das Ziel ausgestreckt, 
so war der Schuss „weit^ ; haben sie die Arme gegen die Batterie gerichtet, 
so zeigt dies an, dass der Schuss „kurz^ war. Das Gleiche gilt auch, 
wenn ein Beobachter beide Arme erhoben hält und der andere gegen 
das Ziel oder die Batterie zeigt. Haben beide Hilfsbeobachter die Arme 
erhoben, so kann geschlossen werden, dass der Schuss in der nächsten 
Nähe des Zieles gelegen ist 

Haben die Hilfsbeobachter die Arme in entgegengesetzten Richtungen 
ausgestreckt, so ist ein bestimmtes IJrtheil über die Lage des Spreng- 
punktes ausgeschlossen, der Schuss zweifelhaft; das Gleiche gilt auch, 
wenn ein Beobachter den Sebnss nicht beobachten konnte. Schüsse, 
welche vom Batterie-Commandanten weit seitwärts beobachtet werden, 
dürfen gleichfalls nicht berücksichtigt werden. 

Wenn von dem Hilfsbeobachter, wie angegeben, nur die Seite der 
Abweichungen angezeigt wird, so kann sich daraus eine beträchtliche 



SdoBUKKäcdfaK «r fr—rtriwrih» FVU-AräfioM. 



AbhU Tm&Sdkdket S^Uks» ugtfcui , vtkke ^ua 

dem Bitene-C4HBaiula sddoL Ab Eiik^ fir 4ft$ 



das Hndxeickai n gck« nd mü Inter StouM das MiB d<s AlMurik» 



Bei jtmem S A ms st m kb. bd wdAei die Be«>teAi<r die Anne ia 
eatgegea^esctztea Bi^tsagM aasg«s:tie<^ kaltes, ist Jeae Sicktaaf. 
wdcker die größere ZaU xakoBmt fir die Lage des Sdiwses bestuuae»! 
SoDte es adi eragsea. dass beide Beobachter diesdbe ZaU rai^ 
so kaaa aagnofluoea verdenu daät$ d«- Sehoss im Zide oder 4ber dem* 
selben war. 

Es empfidilt sieb jedoch deaaocb ia solchea FUIea« wo die Beob» 
achter aicht übereiastimmeBd die Bichtaag aateigea, aad die Seitea« 
ridtoag keiae geaaae war, die Schüsse mit gleich groBea oder aar 
wenig rerschiedesen Abstinden als ^xweifelhaft'* za bdiaadela. 

Bei der letzt angegebesen Beobachtongsmethode geaügt eiae Basis 
Ton *^^^ der Schusdistaiiz. 

Die Methode des indirectea Beobachteas lisst sich noch Tereiafachea, 
wenn der Batterie-Commandant selbst die Bolle des einen HiUsbeobachier» 
übernimmt 



I. SchieBen gegen ste&ende Ziele. 

Mit Anfschlaggeschossen (Tir percutani). 

Das Ziel ist in eioe Gabel von 200m zq bringeo; auf Distanzen 
über 3000m nnd bei großen Distanzfehlem sind Aufsatzänderungen 
ron 400in zulässig. Ist das Ziel in die Gabel gebracht, so ist diese 
auf 100m zu verengen und der Aufisatz der Gabelmitte {Ja )utus9e dfssm) 
ZQ Terificieren. 

Um einen Aufsatz zu Terificieren, wird je nach dem der mit diesem 

Aufsatz abgegebene Schuss — r^ beobachtet worden ist, der folgende 

vermehrten 
Schuss mit einem um 50m . — Aufsatz abgegeben. Hat dieser 



330 Schubert. 

Controlschass dieselbe Abweichung wie der zu verificierende Schuss, so 
ist neuerdings und im selben Sinne der Aufsatz um 50m zu ändern. 

Zeigt die zweimalige ■=: --^ — des Versuchsaufsatzes keinen 

° ° Vermmderung 

Wechsel im Sinne der Längenabweichung, so ist das Einschießen als 

misslungen anzusehen und von neuem zu beginnen. 

Wurde nach ein- oder zweimaliger Änderung des Yersuchsauf- 
satzes um 50m der Wechsel im Sinne der Längenabweichung erhalten, 
so wird mit dem mittleren Aufsatze zum Gruppenschießen übergegangen. 

Die Gruppe umfasst 4 Schüsse und sollen hievon 2 kurz und 
2 weit liegen ; trifft dies nicht zu, so ist der Aufsatz um 25m zu corri- 
gieren. 

Zeigen sich alle 4 Schüsse der Gruppe kurz oder weit, so ist der 
Aufsatz zu verificieren. 

Bei nicht gedeckten Truppenzielen in dünner Linie kann man 
sich auch mit 3 Kurzschüssen in der Gruppe begnügen. 

Wird beim Einschießen ein Treffer im Ziele beobachtet, oder wird 
der Aufsatz von einer Nachbar- Batterie, die bereits eingeschossen ist, 
übernommen, dann wird sogleich das Verificieren des bezüglichen Auf- 
satzes durchgeführt. 

Mit tempierten Geschossen (Tir fmantj. 

Das Ermitteln des zutreffenden Aufsatzes erfolgt in der gleichen 
Weise, wie beim Schießen mit Aufschlaggeschossen. 

Sobald das Ziel in die Gabel von 100m gebracht und der Versuchs- 
aufsatz erhalten ist, ordnet der Batterie - Commandant bei 2 Zügen 
das Tempieren der Geschosse an, während er mit einem Flügelzug das 
Einschießen mit Aufschlaggeschossen fortsetzt. 

Wenn das Verificieren des Aufsatzes und, wenn nöthig, auch das 
Gruppenschießen beendet ist, lässt der Batterie-Commandant die Geschütz- 
auMtze feststellen, beim Flügelzug tempieren und übergibt den Zug 
an seinen Commandanten. 

Auf kleinen und mittleren Distanzen, wenn günstige Beobachtungs- 
verhältnisse bestehen, kann das Tempieren schon angeordnet werden, 
wenn das Ziel in die Gabel von 200m gebracht ist; unter denselben 
Bedingungen entfällt auch das Gruppenschießen beim Flügelzug. 

Bei schwierigen Beobachtungsverhältnissen, namentlich beim in- 
directen Schießen, kann der Batterie-Commandant das Tempieren erst 
nach dem Verificieren des Aufsatzes anbefehlen; in diesem Falle kann 
er selbst die Regelung der Tempierung vornehmen. 



Schieß Vorschriften der französischen Feld-Artillerie. 331 

Wenn der Batterie-Commandant beim Beschießen einer haltenden 
Truppe glaubt, dass dieselbe ihren Platz ändert, so übernimmt er wieder 
das Commando des Flügelzuges« lässt Aufschlaggeschosse laden und 
schießt nach den Segeln für das Beschießen von Zielen in Bewegung. 

II. Schießen gegen Ziele in Bewegung. 

Die Begeln für das Beschießen von Zielen in Bewegung sind die 
gleichen, ob Aufschlaggeschosse oder tempierte verwendet werden. Das 
Schießen mit Aufschlagzündern wird nur auf kleinen Distanzen — bei 
Feld-Kanonen bis 1.800m — angewendet. 

Beim Schießen gegen Ziele in Bewegung ist zu unterscheiden, ob 
die Ortsänderung des Ziel.es in der Schussrichtung erkannt wird oder nicht. 

a) Die Ortsänderung des Zieles ist zu erkennen. 

Das Ziel ist in eine Gabel von 200, 400 oder 600m einzuschließen, 
Je nach dem sich das Ziel im Schritt, Trab oder Galopp nähert oder 
entfernt. Der Batterie-Commandant commandiert für alle Geschütze den 
Aufsatz jener Gabelgrenze, gegen welche das Ziel sich bewegt, bestimmt, 
wenn dies nicht schon geschehen ist, den Flügelzug und ordnet eventuell 
bei den zwei anderen Zügen das Tempieren an. 

Mit dem Flügelzuge schießt der Batterie-Commandant ohne Aufsatz- 
Änderung solange, bis ihm ein Aufschlag im entgegengesetzten Sinne 
wie bisher anzeigt, dass das Ziel die Gabelgrenze passiert hat. Die 
beiden anderen Züge geben hierauf Schnellfeuer; bei einem sich nähernden 
Ziele kann der Batterie-Commandant zuvor eine Elevationsverminderung 
mit der Bichtschraubenkurbel anordnen. 

Mit dem Flügelzuge wird neuerdings die Gabel gebildet und in 
gleicher Weise das Schießen fortgesetzt. 

Die Gabel gilt im allgemeinen als nicht geschlossen, wenn der 
letzte Schuss jene Gabelgrenze bildet, gegen welche das Ziel sich bewegt. 

Bewegt sich das Ziel ausgesprochen langsam, dann kann eine Gabel 
von 100m gebildet werden; bewegt sich das Ziel noch langsamer, oder 
wenn die Richtung der Bewegung nicht zu erkennen ist, so gelten 
die folgenden Regeln. 

b) Die Ortsänderung ist nicht zu erkennen. 

Der Commandant schließt das Ziel, wie ein stehendes, in eine 
Gabel von 100m ein, nimmt den Aufsatz der Gabelmitte und schießt mit 
diesem beim Flügelzuge weiter. Erhält er einen Kurzschuss, so vermehrt 



332 Schubert. 

er den Aufsatz um 50m; geht der Schuss weit, so erfolgt eine Vermin- 
derung des Aufsatzes nm 50m; bei einem Treffer im Ziele bleibt der 
Anfsatz ungeänderi 

Wenn nach zweimaliger Vermehrung oder Verminderung des Auf- 
satzes um je 50m ein Wechsel im Sinne der Längenabweichungen nicht 
eintritt, so ist anzunehmen, dass sich das Ziel entschieden entfernt bezw. 
nähert; der Commandant bildet nun eine Gabel von 100m oder 200m 
(wobei der Aufsatz jedenfalls auf Hunderte von Meter abzurunden ist) 
und schießt in der unter a) angegebenen Weise weiter. 



Wenn die Schussbeobachtung besonders schwierig ist, beispielsweise 
gegen Ziele, welche nur zeitweilig sichtbar werden, kann der Batterie- 
Commandant bei jedem Einschießen mit Aufschlaggeschossen das Feuer 
an die Zugs-Commandanten übertragen, indem er ihnen gleichzeitig die 
Feuerordnung und Feuerschnelligkeit anordnet Der Batterie-Commandant 
beobachtet indessen nur die Schüsse ; ist er über ihre Lage vollkommen 
im klaren, dann ändert er den Aufsatz nach den angegebenen Kegeln^ 
geradeso, als ob das Feuer schussweise auf sein Commando erfolgeu 
würde. 

III. KartfttschensehieOen. 

Das EartätschenschieOen findet Anwendung auf Entfernungen unter 
600m zur Vertheidigung der Batterie gegen eine Überraschung oder 
einen Nahangriff. Das Schießen erfolgt in Zugsalven auf Commando des 
Batterie-Commandanten oder der Zugs-Commandanten. Der Gebrauch 
der Kartätschen erfordert nur eine beiläufige Richtung. 

Bei Mangel an Kartätschen werden in der gleichen Weise auf NuU 
gestellte obtis ä märailles geschossen. Sind Aufschlaggeschosse geladen, 
so werden diese gegen das Ziel ausgeschossen, u. zw. bei so gesenkter 
Bohraxe, dass die Geschosse etwa 20m vor den Geschützen den Boden 
treffen. 

IV. EinschieOen mit templerten Geschossen. 

Wenn infolge Beobachtungsschwierigkeiten, herrührend von atmo- 
sphärischen Einflüssen oder von der Gestaltung und Beschaffenheit des 
Terrains nächst des Zieles, das Einschießen mit Aufschlaggeschossen 
uDthunlich ist, dann kann der Batterie-Commandant das Einschießen 
mit templerten Geschossen versuchen, oder er kann einen Baum von 
mehr oder weniger Tiefe unter Feuer nehmen (ttr progressrf). 



Scbießvorschriften der französischen Feld-Artillerie. 333 

Zum EiDschießen mit BrennzüDdern wird geschützweise geladen und 
«He der Distanz zukommende Tempierung um '/^q Secunden verlängert. 
Der Batterie-Commandant beobachtet den Sinn der Intervalle direct oder 
macht von der indirecten Beobachtung Gebrauch. 

Das Einschießen (Gabelbildung und Verengung) erfolgt in gleicher 
Weise wie beim Schießen mit Aufschlaggeschossen; Änderangen an Auf- 
satz und Tempierung werden erst nach je zwei Schüssen vorgenommen ; 
tiefe Sprengpuukte sind durch angemessene Correcturen an der Tempie- 
rung zu sichern. 

Die Züge, welche der Batterie-Commandant nicht mehr zum Ein- 
schießen benöthigt, lässt er unter Commando ihrer Zugs-Commandanten 
treten, worauf diese die Tempierung um '/o Secunden verkürzen und 
das Feuer mit tempierten Geschossen fortsetzen. 

V. Streufeuer. {Tlr progressif.) 

Das Streufeuer ist ein lagenweises Abfeuern in der Batterie mit 
systematischer Änderung des Aufsatzes; es wird nicht in Salven 
geschossen. Damit der Batterie-Commandant seine ganze Aufmerksamkeit 
dem Beobachten der Schüsse widmen kann, übergibt er die Feuer- 
leitung an die Zugs-Commandanten. 

Das Streufeuer wird gegen Truppenziele angewendet, wenn die 
Gabel von 100m nicht mit Verlässlichkeit gebildet werden kann. 

Ist es gelungen, das Ziel in eine Gabel zu bringen, so wird das Feuer 
mit Brennzündern an der unteren Grenze begonnen und bis zur oberen 
Gabelgrenze fortgesetzt ; nach Bedarf wird wieder zurückgegangen u. s. w. 

Kann eine obere Grenze nicht bestimmt werden, so hängt es vom 
Ermessen des Commandanten ab, die Tiefe der zu bekämpfenden Zone 
festzusetzen; auf jeden Fall muss der Batterie-Commandant schon beim 
Beginn des Streufeuers im klaren sein, auf welche Tiefe er es auszu- 
dehnen beabsichtigt. 

Zur Ausführung des Streufeuers übergibt der Batterie-Commandant 
das Commando an die Zugs-Commandanten, lässt tempieren und bestimmt 
die Feuerfolge ; dem Flügelzuge gibt er selbst den anzuwendenden Auf- 
satz an; die beiden anderen Züge übernehmen die Bichtelemente vom 
Flügelzug. 

Nach der Ausdehnung der zu bekämpfenden Zone und der Distanz 
wird der Aufsatz von Lage zu Lage um 200 oder 100m geändert; 
auf Distanzen über 3000m ist es zweckmäßig, um Wirkung zu erzielen, 
nur Aufsatzänderungen von 100m anzuwenden. 



334 Schubert. 

Der Batterie-CommaDdant beobachtet die Wirkung der Lagen, 
wenn möglich das Intervalle tiefer Schüsse, und trachtet auf Grund sicherer 
Beobachtungen die Zone einzuengen. Er kann, indem er einen Thett der 
Wirkung opfert, beim Flügelzug die Tempierung um V,« Secnnden 
verlängern lassen, um beobachtungsfähigere Sprengpunkte zu erhalten. 
Es empfiehlt sich dies immer, wenn es bereits gelungen ist, die Zone 
auf 200m einzuengen; in diesem Falle kann es dann oft gelingen, das 
Einschießen auf normale Weise zu beenden. 



TL Schießen einer Batteriegrnppe ')• 

Der Commandant der Batteriegruppe überwacht die gesammte 
Feuerthätigkeit seiner Batterien ; er sucht vor allem die seinen Batterien 
zugewiesene taktische Aufgabe zu lösen und muss sich hiezu jederzeit 
über den Zustand, in welchem sich das zu bekämpfende Zielobject 
befindet, Bechenschaft geben können. 

Er bestimmt die Stellungen der Batterie mit Bücksicht auf die im 
Terrain vorfindliche Deckung; lässt im vorhinein die Entfernungen 
schätzen und zieht, wenn möglich, bei den im Gefechte befindlichen 
benachbarten Truppen alle Erkundigungen ein, die ihm von Nutzen sein 
können. Er bezeichnet in klarer Weise die zu bekämpfenden Ziele und 
vertheilt sie auf die Batterien. Er gibt den zu erreichenden Zweck des 
Schießens bekannt und bestimmt, wenn nöthig, die Feuerart und Feuer- 
schnelligkeit; er ordnet einen erforderlichen Zielwechsel an, leitet und 
überwacht den Munitionsersatz. 

Der Gruppen-Commandant sorgt für den Schutz der Batterie; er 
folgt aufmerksam dem Verlaufe des Gefechtes, um Verwechslungen 
von eigenen und feindlichen Truppen hintanzuhalten. Das Überschießen 
eigener Truppen ist in ebenem Terrain nur dann gestattet, wenn die- 
selben sich mindestens 500fn vor den Geschützen bezw. vor dem beschossenen 
Ziele befinden. 

Der Gruppen-Commandant kann sich innerhalb einer Batterie oder 
auf einem Flügel der Gruppe aufhalten, um das Schießen seiner Batteriw 
zu verfolgen. Die Batterie-Commandanten sind für das Einschiel^ 
ihrer Batterie verantwortlich; trotzdem kann der Gruppen-CommandMt 
einer Batterie befehlen, ihre ermittelte Distanz zu controlieren, wenn 
er gegen das 'Einschießen Bedenken hat, und überwacht nöthigenfalls 
die Ausführung dieser Controle. 



*) Gleichbedeutend mit oDserer firflheren Batterie-DiTision. 



Schieß Vorschriften der französischen Feld-Artillerie. 335 

Im allgemeinen bestimmt der Gruppen-Commandant eine Batterie 
(halUrü-guide)^ die sich am besten dazu eignet, ganz besonders mit der 
Ermittlung der Entfernung etc. 

Beim Schießen der Batteriegruppe gegen ein und dasselbe Ziel 
ist der Vorgang ein verschiedener, je nachdem das Ziel so breit ist, 
dass jeder Batterie ein Abschnitt zum Einschießen zugewiesen werden 
kann, oder so schmal, dass das Feuer beim Einschießen nicht vertheilt 
werden kann. 

Im ersten Falle schießt sich jede Batterie für sich ein ; der Gruppen- 
Commandant gibt jeder Batterie die von der „baüerie-guide^ ermittelte 
Distanz bekannt. Ist der unterschied zwischen dieser und der selbst 
erschossenen Distanz, bei Berücksichtigung des Staffelabstandes der 
Batterien, größer als 100m, dann controlieren die Batterie-Commandanten 
ihre Aufsatzhöhe. Keinesfalls dürfen sie die ihnen übermittelte Entfernung 
ohne Prüfung übernehmen. 

Der Gruppen-Commandant unterzieht schließlich nach beendetem 
Einschießen die Aufsatzhöhen einer Prüfung und ordnet, wenn nöthig, 
bei Aufsatzhöhen, die ihm zweifelhaft erscheinen, das Verificieren der- 
selben an. 

Bei schmalen Zielen wird das Einschießen von der batterie-guide 
aasgeführt ; die anderen Batterien beginnen mit der geschätzten Distanz 
oder der von der batterie-guide übernommenen, sofort das Schießen mit 
Brennzündern und feuern mit jeder Aufsatzhöhe und mit der zugehörigen 
Tempierung einmal durch, bis der Gruppen-Commandant nach beendetem 
Einschießen der batterie-guide das Feststellen der Aufsätze anordnet. 

Feuerarten. Die französische Feld- Artillerie hat ein geschütz- 
weises Feuer und Salvenfeuer; letzteres mit Zügen oder Batterien. 

Sobald das Commando zur Feuereröffnung erfolgt ist, werden die 
6 Geschütze der Batterie mit obus ä märaiUes, an welchen keine Vor- 
bereitung vorzunehmen ist, geladen ; das erneuerte Laden der Geschütze 
mit diesen im Aufschlag explodierenden Geschossen wird vom Zugs- 
Commandanten angeordnet, wenn das erste Geschütz des in der Feuer- 
ordnung vorangehenden Zuges zum Schießen bereit ist. Auf diese Weise 
sind stets 2, höchstens 3 Geschütze mit Aufschlaggeschossen geladen, 
die andern aber bereit zum Laden tempierter Geschosse. 

Diese Art des Ladens heißt j^ Chargement par section^, Soll das 
Laden ohne Unterbrechung fortgesetzt werden, also beim Schießen mit 
Aufßchlaggeschossen verblieben werden, so wird dies vom Batterie-Com- 
mandanten mit dem Commando j^Chargez sans Interruption^ angeordnet. 



336 Schubert. 

Zum Schießen tempierter Geschosse aTisiertderBatterie-CommandaDt : 
j^Debouchez !^ 

Wenn ein Zug aber noch im Schießen mit Aufschlaggeschossen 
verbleiben soll: ^2* et 5* (1'^ et 2'J sections, dibouchez^. 

Die Commandanteu der genannten Züge übernehmen sofort das 
Commando ihrer Geschützzüge, lassen die mit Aufschlaggeschossen 
geladenen Geschütze rasch abfeuern, vertheilen, wenn es nicht schon 
geschehen ist, das Feuer nach den vor Beginn des Feuergefechtes erhaltenen 
Weisungen und begiimen ein geschützweises Feuer von der anbefohleneu 
Seite, um die Seitenrichtung zu verificieren und um Fehler in der 
Höhenrichtung und Tempierung berichtigen zu können; hierauf übergehen 
sie zu Zugsalven. Die beiden Zugs-Commandanten können aber auch gleich 
mit Zugsalven beginnen, wenn es nöthig ist, das Ermitteln der Tem- 
pierung zu beschleunigen. 

Für jede Zugsalve geben die Zugs-Commandanten den vom Flügel- 
zug übernommenen Aufsatz, und die zugehörige Tempierung an. Während 
dieses Schießens soll durch Feuerschnelligkeit ersetzt werden, was infolge 
der noch nicht vollkommen zutreffend ermittelten Höhenrichtung und 
Tempierung an Wirkung verloren geht. 

Um den Flügelzug wieder zum Schießen von Aufschlaggeschossen 
zu veranlassen, dient das Commando: „i*^ (3*) sectüm, tir percutant^. 

Zum Schießen von Sprenggranaten lässt der Batterie-Commandant 
«inen Munitionswagen mit dieser Geschossgattung vorkommen, der gedeckt 
hinter dem dritten oder vierten Geschütz Stellung nimmt, und 
commandiert: y,A obus dllangis^. 

Die Geschütze müssen hiebei mit der größten Sorgfalt und ohne 
Übereilung geladen werden; die Geschützführer sind verpflichtet, 
besonders darauf zu achten, dass die Geschosse gut angesetzt werden. 

Kartätschen werden im Zugsfeuer auf Commando des Batterie- 
Commandanteu abgegeben. Zuerst werden die an der Lafette befindlichen 
Kartätschen verwendet ; die bei den Munitionswagen befindlichen Munitions- 
zuträger entnehmen gleichzeitig die daselbst befindlichen Kartätschen 
und eilen zu den Geschützen. 

Beim Feuervertheilen wird das Ziel in drei gleiche Theile 
getheilt; jeder Zug beschießt den gegenüber befindlichen Theil. 

Ist beim Zielwechsel das neu zu beschießende Ziel nicht genau 
zu bezeichnen möglich, dann avisiert der Batterie-Commandant nur: 
„Zielwechsel (eventuell die neue Entfernung)". Auf dies hin begeben 



Schießvorschriften der französischen Feld-Artillerie. 337 

sich die Zugs-Commandanten sofort zum Batterie-CommandanteD, welcher 
ihnen das zu beschießende Ziel näher bezeichnet. 

Feuerschnelligkeit. Während des Einschießens soll die Feuer- 
schnelligkeit so bemessen werden, dass jeder Schuss beobachtet werden 
kann; dies ergibt bei dem gegenwärtigen Material eine Feuerfolge von 
2 bis 3 Schüssen per Minute. Nach becDdetem Einschießen, oder wenn 
keine schussweisen Correcturen erforderlich sind, kann die Feuerschnellig- 
keit, wenn nöthig, gesteigert werden. Der Batterie-Commandant regelt 
dieselbe nach den erhaltenen Befehlen oder nach den sich ergebenden 
Verhältnissen und bestimmt sie durch Angabe der Anzahl von Schüssen, 
welche von der Batterie pro Minute abzugeben sind. Die Schusszahl 
schwankt zwischen 1 Schuss in der Minute im langsamen Feuer (fm 
lent) bis zu 10 und 12 Schuss in der Minute im Schnellfeuer (feu rapide). 

Bei Abgabe eines Schnellfeuers soll der Batterie-Commandant 
angeben, wie viele Schüsse von jedem Geschütz abzugeben sind ; hiebei 
ist jedes Geschütz so rasch wie möglich feuerbereit zu machen und auf 
Commando des Zugs-Commandanten abzufeuern; sind beide Geschütze 
gleichzeitig schussbereit, so können auch Salven abgegeben werden. 
Die Höhenrichtung muss auch bei dieser Feuerart genau ertheilt werden, 
doch genügt eine nur beiläufige Seitenrichtung; der Bichtende (pomteurj 
kann, wenn nöthig, das Geben der Seitenrichtung ganz dem Manne 
beim Protzstock überlassen. 

Nach beendetem Einschießen gegen Truppenziele folgt gewöhnlich 
ein Schnellfeuer, um den moralischen Eindruck durch die sich in kurzer 
Zeit häufenden Verluste zu steigern. 

Richtn^ttel. An Richtmitteln besitzt die französische Feld- 
Artillerie de/^Geschützaufsatz und einen Libellenquadranten, welcher 
das genaue Einstellen auf Minuten gestattet. Der Geschützaufsatz besitzt 
nebst einem Visiereinschnitt noch ein Visierloch; ähnlich ist auch der 
vordere Visierpunkt am Bohre construirt, welcher kein massives Visierkorn 
darstellt, sondern ein Visierloch mit einem darüber befindlichen kleinen 
Visierschlitze. Für das Einrichten der Geschütze beim Schießen aus ver- 
deckter Stellung bestehen keine besonderen Instrumente. Mit Vortheil wird 
beim indirecten Schießen das erste Einrichten der Geschütze durch Richten 
nach der Explosionswolke eines tempierten Granatschusses ausgeführt. 

Der Batterie-Commandant lässt zu diesem Zwecke das dritte oder 
vierte Geschütz der Batterie mit einer tempierten ohus ä mitraille 
laden, bei welcher aber die Brenndauer um Vjp Secunden gegen die 



338 Schubert. 

normale TempieruDg zu vermehren ist Dem Geschütze wird die Seiten- 
richtung mit den verfügbaren Behelfen so genau als möglich ertheilt, 
die Höhenrichtung mittels Aufsatz nach der deckenden Linie beim Ziele 
ausgeführt. Die übrigen Oeschütze werden gleichfalls nach der decken- 
den Linie gerichtet, die Bichtkanoniere halten sich bereit, um die Seiten- 
richtuug sogleich nach der Explosionswolke einstellen zu können. 

Auf das nun folgende Commando des Batterie-Commandanten : 
PrSparez-votis ä pointer sur FSdatement. Pour la 5* (4*) pieee^ plus hin 
nn tour. 3* (4*) püce — feu! wird beim dritten (vierten) Geschütz die 
Höhenrichtung noch durch Drehung an der Bichtmaschine erhöht und 
der Schuss abgegeben; von den anderen Bichtkanonieren wird die 
Explosionswolke als Hilfszielpunkt erfasst und darnach das Geschütz 
eingerichtet. 

Wenn es nicht möglich war, bei allen Geschützen die Bichtung zu 
fixieren, so kann noch ein zweiter Schuss in dieser Art abgegeben werden. 

Um bei einem gerichteten Geschütze ohne erneuerte Visur die 
Seitenrichtung zu wiederholen, falls das Einrichten mittels Aufsatz auf 
einen Hilfszielpunkt unthunlich erscheint, dienen zwei stählerne Pikete 
und ein Bichtschuber (regleite de reperage) *). 

Der Bichtschuber besteht aus einer messingenen Hülse mit einem 
fixen Anschlag am oberen Ende; in der Hülse lässt sich ein Stab ver- 
schieben und mittels einer Presschraube feststellen. Die Hülse trägt 
eine Millimeter-Eintheilung, längs welcher sich ein beweglicher Anschlag 
verschieben und gleichfalls durch eine Presschraube feststellen lässt. 

Ist das Geschütz eingerichtet, so werden etwa 10cm rechts des 
Bades und etwa 20cm rechts des Protzstockes je ein Piket fest in 
die Erde geschlagen und mit dem Bichtschuber die Abstände zwischen 
Geschütz und Pikete gemessen. 

Zuerst wird der Abstand des vorderen Pikets vom Bade gemessen ; 
hiezu wird der wagrecht gehaltene Bichtschuber mit dem fixen Anschlag 
gegen das Piket gestützt und der Stab soweit aus der HQlse gezogen, 
bis dessen Kopf das Bad berührt; hierauf wird die Presschraube des 
Stabes angezogen. 

Mit dem so gestellten Bichtschuber geht nun der Kanonier zum 
Protzstock, setzt den Kopf des Stabes an den Protzstock, verschiebt den 
beweglichen Anschlag längs der Hülse bis zum rückwärtigen Piket und 
fixiert den Anschlag. Schließlich wird der Stab, nach Lockerung der 



*) Das Richtlineal für die BelageniDgs- und Festnngs-Artillerie ist im 
4. Hefte 1895 der „Mittheilongen" beschrieben. 



Schießvorschriften der französischen Feld-Artillerie. 339 

Presschranbe, wieder vollkommen in die Hülse eingeschoben. Es ist bei 
der Handhabung mit dem Richtschnber darauf zn achten, dass die Schraube 
des beweglichen Anschlages jedesmal fest angezogen wird, damit eine 
selbstthätige Verschiebung dieses Anschlages nicht eintreten kann. 

Soll die Seitenrichtung unverändert wiederholt werden, so wird, 
nachdem das Geschütz in die Höhe der Pikete wieder vorgefahrt worden 
ist, wobei es auf ein genaues EinfQhren nach der Seite nicht ankommt, 
der Abstand des vorderen Pikets vom Bade in der bereits angegebenen 
Weise gemessen, indem der Stab wieder aus der Hülse gezogen und 
festgestellt wird. 

Der Richtschuber wird nun mit dem unverändert gebliebenen beweg- 
lichen Anschlag an das rückwärtige Piket angelegt und der Protzstock 
so weit nach rechts oder links verschoben, als es der Abstand des Kopf- 
endes des Stabes vom beweglichen Anschlag verlangt. Hierauf ist sich 
nochmals zu überzeugen, ob der vordere Abstand unverändert geblieben 
ist; etwaige Differenzen werden beseitigt. 

Soll eine Correctur der Seitenrichtung bewirkt werden, dann ist 
zuvor der bewegliche Anschlag längs der Eintheilung der Hülse ent- 
sprechend der Größe und Richtung der vorzunehmenden Verlegung des 
Tref^unktes zu verstellen. 

Das Instrument hat eine Länge von etwa 30cm und ist recht 
compendiös. 

Für das Messen der Entfernungen ist bei den französischen 
Feldbatterien der Telemeter von Goulier seit längerer Zeit in Ver- 
wendung. 

Zur Ausbildung im Schießen steht der französischen Artillerie 
eine reich bemessene Munitionsdotation zur Verfügung. Nach den Be- 
stimmungen vom Jahre 1893 erhält jede Feldbatterie 390, jede Gebirgs- 
batterie 372 Schüsse; Batterien, welche den Massenfeuer-Übungen in 
Chälons zugezogen werden, erhalten hiezu 504 Schüsse. Für ein jährlich 
durchzuführendes Concurrenzschießen bekommt jede Batterie fünf Granaten. 



27 



340 Notizen. 

Ober Kriegsdistanzmesser. 

Um beim Schießen ein gegebenes Ziel zu treffen, muss die Laufaxe 
gegen die Visierlinie unter einem bestimmten Winkel, der in einer ganz be- 
stimmten Ebene liegt, geneigt sein. Wird auch die Größe des Winkels von 
sehr verschiedenen Verhältnissen beeinflusst, so ist ihr Maß in erster Linie 
von der Entfernung abhängig. Ein und dieselbe Art der Waffe, des Geschosses 
und der Ladung vorausgesetzt, wird unter gleichen atmosphärischen Verhält- 
nissen, derselben Schussweite derselbe Abgangswinkel, und, da gleiche Verhält- 
nisse gleiche Vibration bedingen, derselbe Vibrationswinkel, also auch stets 
der gleiche Elevationswinkel entsprechen. 

Der Aufsatz, mittels welchen der Elevationswinkel ertheilt wird, ist 
mit Bücksicht auf NormaWerhältnisse der Atmosphäre getheilt. 

Treffen diese Verhältnisse zu, so kann nach Ermittlung der Distanz 
der Aufsatz sofort gestellt werden. Ist dies aber nicht der Fall, so mQssen 
an der Aufsatzstellung Correcturen angebracht werden. 

Die Art und Weise des Vorganges hiebe! normieren die Schieß- 
Instructionen. 

Ist nun die Entfernung bekannt, so ist es leicht, den Tagesaufsatz 
zu bestimmen. 

Um also das Ziel zu treffen, muss der richtige Tagesaufsatz bekannt 
sein, derselbe hängt aber in erster Linie von der Entfernung ab. Aus dem 
geht schon die Wichtigkeit der Kenntnis der Distanz beim Schießen hervor. 

Doch ist deren Kenntnis innerhalb gegebener Verhältnisse nur innerhalb 
gewisser Grenzen nOthig. 

Je rasanter die Flugbahnen, d. h. je vollkommener die Waffe und je 
kürzer die Distanz, umso großer kOnnen die Grenzen genommen werden, ein 
umso gprOßerer Fehler in der Distanz kann geduldet werden. 

Die Ermittlung des Tagesaufsatzes kann nun auf zweierlei Arten be- 
wirkt werden: 

1. Das Einschießen der Infanterie. 

Nach Schätzen der Distanz wird durch successive Änderung des Auf- 
satzes das Trefferbild in das Ziel gebracht. 

Da eine Correctur nur auf Grundlage der Beobachtung des Trefferbildes 
bezüglich seiner Lage zum Ziele vorgenommen werden kann, so ist diese 
Methode für die Infanterie nur in den seltensten Fällen anwendbar. 

Die Artillerie macht von dieser Art der Annäherung an das Ziel gar 
keinen Gebrauch. Bietet ihr doch das Gabelverfahren ein sehr bequemes und 
einfaches Mittel zur Aufsatzermittlung. 

2. Das Gabelverfahren ist im Artillerie-Unterrichte erschöpfend behandelt. 

Hier soll nur erwähnt sein, dass beim Schießen der Granaten gegen 
Ziele, die sich in Buhe befinden, die weite Gabel mit 400 Schritt, unter 
3000 Schritt mit 200 Schritt, die enge mit 100 Schritt begrenzt ist. Auf 
Grund der engen Gabel erfolgt dann das genauere Einschießen. 

Ist der Vorgang auch höchst einfach, so steht er doch im Vergleiche 
zu einem, der durch einen Distanzmesser den sofortigen Übergang zum ge- 
naueren Ein schießen erlaubt, im Nachtheil. 



Notiien. 34t 

Als drittes HilÜBmittel bei der Ermittlung des Tagesaufsatzes wird der 
Distanzmesser gebraacht. Er ist — falls er g^t und praktisch ist — fQr 
Infanterie und Artillerie Tortheilhaft fBr Infianterie &st unentbehrlich. 

Soll ein Distanzmesser wirklich kriegstOchtig sein, d. h. in einer Feld- 
schlacht Yortheilhaft rerwertet werden können, so muss er folgenden Be* 
dingangen entsprechen: 

1. Er soll nur einen Beobachter erfordern, der Einfachheit wegen und 
um die Fehlerquellen zu Yerringem. 

2. Die Beobachtung mit einer Aufstellung soll ausreichen; denn sonst 
müssten entweder zwei Beobachter auf zwei Terschiedenen Standpunkten ihre 
Beobachtungen gleichzeitig machen, was mit 1. im Widerspruche steht, oder es 
mflsste eine Ortsreränderung Torgenommen werden, welche die Ermittlung der 
Entfemuug sich bewegender Ziele ungenau, fast unthunlich machen warde. 

3. Jede Bechnung soll entfallen. 

4. Der Distanzmesser soll leicht transportabel, leicht aufzustellen und 
zu gebrauchen sein. 

5. Seine Genauigkeit wird durch die Forderung festgesetzt, dass die 
Fehler kleiner bleiben sollen als die Differerenz von zwei benachbarten Auf* 
fiatzdistanzen. 

Die Bedingungen 1 und 2 weisen auf eine kurze Basis hin. Dies wieder 
erfordert, um die Distanz hinreichend genau zu ermitteln, den Distanzmesser 
mit einem stark vergrößernden Femrohre auszustatten. Eine Basislänge von 
15 bis 30771 (Infanterie-Distanzmesser Labbez in Frankreich), 20 bis 40m 
(Artillerie-Distanzmesser von Goulier, Frankreich) 25 Tards = 22'd6m 
(Watkin, England) erscheint nicht vortheilhaft. 

Bei den Paschwitz- und den Unge*schen Telemetern, welche bessere 
Besoltate liefern als die vorgenannten, kommt zu der großen Basis das Um- 
ständliche der Manipulation hinzu. Es werden die beiden Basis-Endpunkte be- 
setzt, eine Winkelabsteckung mittels des am ersten Punkte aufgestellten Mess- 
apparates vorgenommen, das Instrument am 2. Punkte wird vom 1. aus in 
die richtige Relation zur Zielvisur gebracht ; hierauf wechselt der Beobachter 
mit dem Messapparate vom 1. zum 2. Punkte, wo er die Schlussoperation 
vollbringt: wie man sieht, ein umständlicher Vorgang. 

Ohne auf die verschiedenen Constructionen einzugehen, erwähne ich 
nur, dass, während die Distanzmesser Goulier, Labbez, Stubendorf 
{Bussland). Gautier (Italien), Watkin (England, Vergrößerung 3"7) nur 
geringe ' Leistungsföhigkeit aufweisende Fernrohre besitzen, der Distanzmesser 
Parschwitz eine achtfache, der Telemeter ünge aber eine fQnfzehnfache 
Vergrößerung aufweist. 

Der Distanzmesser Pec^ne, einer der neuesten, gebt hierin noch 
weiter; er ist mit einem Fernrohre von zwanzigfacher Vergrößerung versehen. 
Freilich ist ein großer Nachtheil desselben, dass zwei Aufstellungen auf zwei 
in der Zielvisur liegenden Standpunkten gemacht werden mOssen. 

Doch zeigt die Anwendung einer zwanzigfachen Vergrößerung die Er- 
kenntnis dessen, dass ein Kriegsdistanzmesser, soll er brauchbare Eesultate 
einfach liefern, mit einem stark vergrößernden Fernrohre versehen werden 
muss. Denn nur durch starke Vergrößerung können die durch die kleine Basis 
«ich ergebenden Fehler herabgemindert werden. 

27* 



342 N 1 i I e n. 

Die Kürze der Basis kömmt auch der Genauigkeit in der Angabe ihrer 
Länge zu statten. Es ergeben sich bei einer l&ngeren Basis, deren End- 
punkte durch eine Seidenschnur (L a b b e z) oder Aluminiumdraht (6 o u 1 i e r) 
von bestimmter Länge, oder durch anderweitige Messungen fixiert werden, viel 
leichter Fehler in der Festsetzung der Länge, als z. B. bei Fernrohren mit 
constanter Basis, deren Länge mit Nonius oder Mikrometer nahezu Tollkommen 
richtig festgestellt ist. 

Die Ungenauigkeit der Basismessung, die beim Distanzmesser System 
Roksandiö, sowohl M. 80 als 95 durch Schrittmaß geschieht, ist die 
Hauptursache der geringen Anwendung dieses Telemeters, welcher überdies 
nur für stehende Ziele construiert ist. 

Die Form ist wohl höchst compendiös, die Manipulation ziemlich ein- 
fach, das Resultat aber nicht immer zureichend. Beim M. 95 ist das Visieren 
erleichtert, da der Telemeter mit einem Femrohre verbunden ist, doch bleiben 
die Ungeuauigkeiten der Basisbestimmung aufrecht. 

Sie sind nicht eine specielle Folge der Oonstruction dieses Distanz- 
messers, der in seiner Art wohl der beste ist, sondern haften jedem Distanz- 
messer an, welcher eine am Instrumente angebrachte Basis nicht besitzt. 

Ein Entfernungsmesser, dessen Stativ beim Visieren bloß die zitternde 
Hand des Beobachters ist, wird, bei sonst vorzüglicher Oonstruction, un- 
geuauigkeiten verursachen, die von der Individualität des Einzelnen abhängig' 
und deshalb durch einen genauen Oalcul nicht anzugeben sind. 

Deshalb sind auch die später folgenden Fehlerformeln bloß für Appa- 
rate mit Stativ giltig, oder für den Fall, dass der Distanzmesser eine andere 
feste sichere Unterstützung findet. 

Die Nachtheile einer Basismessung durch das Schrittmaß sind von 
selbst einleuchtend. Bei Anwendung einer Messchnur oder Messtange verringern 
sich die Nachtheile, insbesondere wenn die Länge des Bandes so bedeutend 
oder die Entfernung der Basispunkte so gering ist, dass beim Messen keine 
Stationen gemacht werden müssen, weil zum mindesten die gerade Linie ein- 
gehalten werden kann. 

Eine bedeutende Fehlerquelle ergibt sich aber noch immer dadurch» 
dass sich die Lage der Basis selbst mit Bezug auf das Instrument nicht so 
genau bestimmen lässt, als theoretisch verlangt wird. 

Die verschiedenen für Kriegsdistanzmesser gestellten Bedingungen lassen 
noch zwei wichtige Gesichtspunkte für die Beurtheilung derselben erkennen: 

1. Bei gleicher Handlichkeit und Genauigkeit ist der Telemeter mit 
kleinerer Basis demjenigen mit größerer vorzuziehen. 

2. Eine möglichst genaue Festsetzung der Basis führt zur Forderung 
einer constanten Basis. 

Der letztere Satz wird durch die folgende Überlegung einleuchtend: 

Ist die Basis veränderlich, so ist ihre jeweilige Bestimmung jedenfalls 
ungenauer als die der ein- für allemal festgesetzten Länge der constanten 
Basis. Eine bedeutendere Fehlerquelle erwächst aber daraus, dass Distanzmesser 
mit constanten Winkeln und variabler Basis eine sehr präcise Parallel- 
Verschiebung gewisser Theile zulassen müssen, was aber auf große Oonstruc- 
tions-Schwierigkeiten stößt. 



N 1 i s e n. 



343 



Bei constanter Basis braucht nur eine genaue Winkelablesung gemacht zu 
werden; Winkelbestimmungen stoßen aber auf keine mechanischen Schwierigkeiten. 

Nachdem die Nothwendigkeit des Eriegsdistanzmessers und die For- 
derungen, die an ihn gestellt werden müssen, festgesetzt wurden, interessieren 
uns vor allem die leitenden Principien, nach denen die so mannigfach con*- 
stroierten Telemeter gebildet sind. 

Nach Wondres „Telemetrie" gibt es deren 7, von welchen aber nur 
5 praktisch gut verwendbar sind. 

1. Princip der variablen Basis am Standorte. Siehe Fig. 1. 



Fig. 1. 



Fig. 2. 




Ef 



^ E:B; E = b -r^f 

= c, eine Constante ; E = bc. Hieffir ist ein Beispiel der Distanzmesser 



AC = i', AC^ i, AB' = E\ AB = E; b : b' 

b' 

Boksandi5. 

2. Princip der constanten Basis am Standorte. Siehe Fig. 2. E=b cotg o. 
Zu dieser Classe von Distanzmessern gehört der Distanzmesser von 

Hiram Berdan. Zwei Femrohre mit den Endpunkten einer Kathete derart 
verbunden, dass die Axe des einen mit der Bichtung der zweiten Kathete 
Qbereinstimmt, während das andere Bohr um ein Pivot drehbar befestigt ist, 
bilden mit einer Kreistheilung die Hauptbestand theile. 

Der Distanzmesser System Roskievicz ist ebenfalls mit zwei zur 
Visur auf das Object bestimmten Femrohren versehen; nur liefert er, da er 
mit einem Schraubenmikrometer versehen ist, bedeutend bessere Resultate. 
Die Manipulation ist aber ziemlich compliciert. 

3. Princip der constanten Basis am Ziele. 

Als constante Basis betrachtet man hiebei die mittlere GrOße eines 
Hannes, die mittlere Höhe eines Beiters. Die Annahme schließt schon die 
Ungenauigkeit der Basis in sich. Selbstverständlich muss das Resultat auch 
ungenau sein. 

Es verhält sich nämlich der Fehler in der Distanz zum Fehler in der 
Basis, wie die Entfernung zur Basis (icot^a = jB, db cotg cl = dE; 
db:dE=b: E), 

Ein Beispiel hiefür ist der Distanzmesser Sr. k. u. k. Hoheit des Herm 
Erzherzogs Maximilian d'Este. Er besteht aus einer prismatischen Stange, 
einer darauf verschiebbaren SchuberhQlse, auf welcher eine Visierklappe sich 
befindet. Die Stange ist mit einer Eintheilung versehen. 

Der Gebrauch des Instrumentes beruht darauf, dass der Sehwinkel eines 
Gegenstandes, also auch dessen Maß an der Stange, entgegengesetzt propor- 
tioniert ist seiner Entfernung. 



844 M t i 1 e h. 

4. Princip. Distanzmesser mit Zagrondelegung der Schallgeschwindigkeit. 
Sind mit großen Fehlerquellen behaftet und im Gefechte im allgemeinen un- 
brauchbar. Sie beruhen auf Bestimmung der Zeit, welche zwischen der Wahr- 
nehmung der Rauch- und Feuererscheinung, dann Hören des Schusses liegt. 

5. Princip. Auflösung eines schiefwinkeligen Dreiecks, wobei sowohl die 
Winkel an der Basis als auch die Basis, variieren können. Ein solcher Distanz- 
messer wurde von Herrn Oberlieutenant Carl Eis Schill vorgeschlagen. Die 
Basis ist etwa 25 Schritt, es sind zwei Stative mit je einem Femrohre und 
zwei Beobachter, außerdem ist ein Rechenschieber, ^der Vega^, erforderlich. 

Von diesen Principien sind die beiden ersten den letzten entschieden 
vorzuziehen. 

Das Princip der constanten Basis am Standorte ist von allen Principien 
das am meisten verwendete, wir dürfen wohl sagen das beste. 

Auf den entwickelten Ideen fußend, suchte auch ich nach einer Distanz- 
messertype, deren Erklärung ich in den nachfolgenden Zeilen gebe. 

Ich fthre drei Variationen ein und derselben Type vor, nicht etwa 
weil dieselben gleichwertig sind, sondern weil sie, in natürlichem Anschlüsse 
aneinander stehend, den Gedankengang der Betrachtungen vollständiger 
gestalten. 

Die geometrische Grundlage versinnlicht die Fig. 3. 

Fig. 8. 




J^ ist das Femrohr, S^ und S^ sind Planspiegel, S^ mit der Spiegel- 
. Seite nach aufwärts, S^ nach vorwärts gekehrt. Am Spiegel S^ vorbei, kann 
ein directes Bild des Punktes B im Fernrohre entstehen. 

Ist die Femrohr-Axe auf den entfemten Punkt B gerichtet und fällt 
das durch Spiegelung in S^ und S^ erzeugte Bild dieses Punktes auch in 
die Ferarohr-Axe, so ist, wenn die verticale Entfernung der Spiegel S^ und 
5, mit Z, die Distanz mit E bezeichnet wird: (^ = «S, -B, L = S^ S^} 
E = L cotg a. 

Eine Entfernung bis B^ kann, von dieser Annahme ausgehend, auf drei 
Arten bestimmt werden. 

1. Durch Änderung der Basis, wobei also Winkel a unverändert bleibt. 
e : E = l : L; e ^= IE : L ^= IK, wobei e die Entfernung bis B^, l die 
neue Basislänge, K eine Gonstante bezeichnen. Durch Einsetzen verschiedener 

Distanzen kann aus der Gleichung e =^l . K (l) 

die Eintheilung des Basisstabes berechnet werden. 

Am besten geschiebt dies aber praktisch, indem zwei Distanzen, z. B. 
die größte und kleinste, aus einem Punkte, dem Standpunkte vermessen werden. 
Das Femrohr wird im Standpunkte aufgestellt, auf die Endpunkte der aus- 



Notizen. 



346 



gesteckten Distanzen eingestellt, das Spiegelbild also in die Fernrohr- Axe 
gebracht und bei den correspondierenden Stellungen des Basisstabes die Marke 
an demselben bezeichnet. 

2. Bei constanter Basis durch Messung des Winkels, um welchen der 
Spiegel S^ gedreht werden muss, um das Spiegelbild von B^ in die optische 
Axe des Femrohres zu bringen. 

Der Winkel, welchen Spiegel und Lichtstrahl einschließen, ist 45® -| — . 

Bas Maß der Spiegeldrehung beim Übergange von einer Distanz auf die 

1 
andere beträgt — (a^ — a), also die Hälfte der Änderung des ohnehin schon 

geringen optischen Winkels. 

Mit Rücksicht darauf, dass das Manipulieren mit dem fernliegenden 
Spiegel schwierig ist (bei der ersten Methode genügt das Verschieben des 
Stabes, welcher am unteren Ende gefasst wird) femer, dass die Winkel- 
Terändemngen sehr geringe sind, so dass die Ablesefehler die Visierfehler 
übertreffen können, ist diese Methode unpraktisch. 

3. Basis und Spiegel bleiben unverändert. 



Fig. 4. 




Auf der Distanz MB^ fällt das Spiegelbild von B^ (siehe Fig. 4) bei 
bestimmter Basislänge und gegebener Spiegelstellung in die optische Axe 
des Femrohres. Für Punkte B^y deren Entfemung großer oder kleiner ist, 
erscheint das Bild nicht in der optischen Axe, sondem tiefer oder höher. 

Ist die Einrichtung so getroffen, dass man, am Spiegel S^ vorbei, auch 
ein directes Bild des Punktes J3, erhält, so ist der Abstand zwischen dem 
directen Bilde und dem durch Spiegelung entstandenen wahmehmbar und 
kann mittels eines Mikrometers im Fernrohre (sei es ein Schrauben-Mikrometer 
mit Doppelfaden, oder ein Glas-Mikrometer mit bestimmter Theilung) gemessen 
werden. Aus diesem Werte und der Basislänge ist die Distanz zu bestimmen. 

Zu 1. Der Spiegel S^ ist auf einem seitlich angebrachten Stabe be- 
festigt. Der Stab lässt sich in einer seitlich von S^ angebrachten Hülse 
federnd verschieben und besitzt eine Distanzeintheilung, welche die der Basis- 
länge entsprechende Distanz direct abzulesen gestattet 

Der Spiegel S^ ist elliptisch geformt; dessen kleine Axe ist gleich 
dem Durchmesser der Objectivlinse des Fernrohres; die große Axe, welche 
gegen die optische Axe des Rohres um 45^ geneigt ist und das Objectiv 



346 



Notizen. 



gerade verdecken soll, gleich d V^^ wobei d der Dorchmesser der ObjectiY- 
linse ist. 

Es darf der mit der Basislänge zusammenhängende Maximalfehler die 
Intervalle der Aufsatzscala nicht überschreiten. 

Der Gang der Rechnung ist folgender: 

Der Visurfehler ist (nach Hartner „Geodäsie") 10":«, wobei t; die 
Vergrößerung des Femrohres bedeutet. Diesem Winkelmaße entspricht für 
verschiedene Distanzen ein verschiedener Fehler im Distanzschätzen, der aber 
infolge der Ähnlichkeit der Dreiecke der Entfernung proportioniert ist. 

Nehmen wir an (Fig. 5), wir würden auf der Distanz NB den Fehler 

10" 
BB' begehen. Die hiebe! auftretende Parallelaxe sei . Die Gleichung für 

die Stablänge (Basis) für diese Distanz wird folgendermaßen ermittelt: 



Fig. 5. 




BR ^ 100, NP -= L, Winkel PB N ^ a, Winkel BOB = 



10 



t; 



*i 



gesetzt, so ist im Dreiecke BOB" nach dem Sinussatze . 

sin 

100 



i' + '-r) 



Sin 



10" ; hiebe! sind, ohne besondere Fehler zu begehen, NB und NP mit 



V 



HB und HO vertauscht worden, sin a = 



y^L*-^E 



^ cos a ^^ 



E 



y^L'-j- E* 



gesetzt, und nach Wegschaffung der Brüche mit sin 



10" 



V 



div!d!ert, übergeht 



die angeschriebene Gleichung in die folgende: 

10" 
L* — 100 L cotg -^-}' E{E— 100) = 0, die in L quadratisch 



V 



ist Von den zwei Werten für L hat aber nur der kleinere eine Bedeutung, 
was durch die nachfolgende geometrische Überlegung zu erkennen ist. 

10" 
Der geometrische Ort des Scheitels des Winkels . dessen Schenkel 



V 



durch die Punkte B und B' gehen, ist ein Kreis, dessen Mittelpunkt sich 



Notizen. 



347 



in der Symmetralen von B und B' befindet. Verfolgt man die Bewegung des 
Strahles BO, während die Kreisperipherie durchläuft, so sieht man, 
dass derselbe auf der linken Seite von NP nur zweimal in solche Lage 
kommt, dass 0P=PN\8t, denn der geometrische Ort aller Punkte, die 
anf dem Strahlenbüschel liegen, dessen Träger B ist und deren Entfernung 
O P = PN ist, bildet die Strophoide, eine asymptotische Linie, deren 
Asymptote senkrecht auf NB steht und die Gerade NB in der Entfernung 
NB links von N im Punkte J5" 



schneidet. Der in Betracht 
kommende Ast der Strophoide, 
der zwischen NP und JS" 5"' 
liegt, kann von der Kreislinie 
nur zweimal geschnitten werden. 

Wie die Fig. 6 zeigt, 
liegt der eine Schnittpunkt (und 
der ist es eben, der praktisch 
Verwertung finden kann) sehr 
nahe zur Femrohr-Axe, während 
der andere Schnittpunkt weiter 
liegt von N als B, 

Dies bestätigt auch die 
Auflösung der Gleichung 



Fig. 6. 




10" I 1 // 10"\* 
Z = 50 cotg — + Y ( 50 cotg :!^ j _JS(£— lOO) (2). 

Eine Annäherungsformel, die zur Beurtheilung der Basislänge ge- 
eigneter ist, weil sie neben großer Einfachheit Resultate liefert, die etwas 
^ößer sind, als die nach Gleichung (2) berechnete Basislänge, eine Formel 
also, welche etwas größere Genauigkeit im Distanzmessen zur Folge hat, als 
ursprünglich erstrebt wurde, wird folgendermaßen gewonnen (Fig. 5): 



Im Dreiecke AB'O ist A B' cos 



i'+'-rh 



OB sin 



^i 



Im Dreiecke AB'B AR = 

Im Dreiecke ORB OH = OB sin a 



BB* tg a r 



. .(3). 



Aus diesen 3 Gleichungen ergibt sich OH, ausgedrückt durch OB, 

10" / 10"\ 
JSB* und . Wird in der ersten Gleichung statt cos (a -| 1 nur cosa 

gesetzt, so wird, da der cos in diesem Bereiche (x sehr klein) nur langsam 

wächst, wenig gefehlt; infolge dessen fällt aber OH etwas größer aus. 

10" 
0H= OB' sin ^^ : 100, oder annähernd, indem OÄ=JVP, OB = NB 

V 

gesetzt wird 



= 1 — arc 
\10/ 



10" 



t; 



348 N 1 i I e n. 

Diese höchst einfache Beziehung ist im Grande genommen nichts anderes, 
als eine Vereinfachung der Formel 

r 10"! 

i« + . £ (JE — 100) — 100 L cotg :^J = 0. 

Bedenkt man, dass z. B. £' bei einer Basis von 0'5m 0*25m beträgt, 

10" 

im Vergleiche mit E {E — 100) und 100 L cotg also sehr gering ist 

10" 
(cotg ist eine sehr große Zahl), so kann man schreiben 

10" 
E{E— 100) = 100 L cotg 

JE (JE— 100) , 10" JE« 10" /JEN« 10" 
L = -— tg = — — arc ^= —- 1 arc 



100 V 100 V \\0I V 

Wird auf 4.00Q Schritte ein Fehler von 100m, also auf n X lOO'', 
n X 2*5m oder n X 3*3^ gestattet, so gilt folgende Tabelle: 

FOr die Vergrößerung v ist die Basisl&Dge L in em 

10 43-6 

15 29-1 

20 220 

Um das Entstehen des directen und des Spiegelbildes gleichzeitig zu 
ermöglichen, kann die Einrichtung verschieden sein: 

a) Ist die Distanzmessvorrichtung au einem Bynocle angebracht, so 
ist nur das eine Bohr mit dem vorbeschriebenen Spiegelapparate versehen, 
während das andere durch Anvisieren des entfernten Punktes beide optische 
Axen in eine durch den entfernten Punkt gehende Ebene bringt. 

h) Ist nur ein Femrohr vorhanden, so muss der untere Spiegel S^ auf 
die Hälfte der schon erwähnten Größe reduciert werden, erhält also die Form 
einer halben Ellipse, deren obere Begrenzung die kürzere Axe ist. 

In demselben Rohre befinden sich infolge dessen zwei Bilder. Das 
obere rührt von der directen Visur, das untere von den Spiegeln her. Die 
zwei Bilder sind scharf getrennt, also genau von einander zu unterscheiden. 
Der Stab muss so gerückt werden, dass sich die zwei Bilder ergänzen, u. zw. 
muss die Grenze zwischen beiden Bildern das Fadenkreuz bilden. Es ist gut, 
wenn zwei horizontale Fäden vorhanden sind, da zwischen denselben die 
Berührung der Bilderhälften besser beobachtet werden kann. 

Um zu vermeiden, dass der Visierfehler und der Einstellungsfehler 
sich summieren, soll man sich bei Einstellung des Spiegelbildes immer von 
derselben Seite (z. B. von oben her) dem Ziele nähern. 

Die Nichtbeobachtung dieser Kegel hätte die Nothwendigkeit der Basis- 
verdopplung zur Folge. 

Die Vergrößerung der Basis vergrößert den Apparat, beeinträchtigt 
also seine Handlichkeit und, was besonders zu berücksichtigen ist, verringert 
das Sehfeld. 



N 1 i I e n. 



349 



Die Beziehungen zwischen Gesichtsfeld, d. i. dessen Sehwinkel, den 
Sehwinkel a, unter welchem die Basis am Ziele erscheint, und der Entfernung 
der Planspiegel geben nachfolgende Formeln (siehe Fig. 7). 

Fig. 7. 

ÄB^»^, BC' /, 
4CDB'm, ^^ ^ 




tg n = «, sin 
tg m = 9, sin 



45 -\-\)-(^ — »i cos (45 + y), 



9j sm 



45 + 



9, sm 



45 



arc ^ = arc tg 



>. — «, cos ( 45 + -^ 



-|- arc tg 



+1) 



X + «, cos ( 45 + -^ 1 



2 



•(5), 



oder wenn man — yemachlässigt, da a selbst bei nur zehnfacher Yergröße- 

mng etwa 30" beträgt 

8, {\)ri — B,) « (^ K^ _ « ) 

arc g = arc tg ■ ^ ^^ ^ ^ — - — |- arc tg ' ^ '^ 



2 X — «, ' " '" 2 X — «, 

Ist nur ein Bohr vorhanden, so entfällt «,, daher 

*Ky 2X — «. • • • 



.(6). 



(7). 



Hiebei ist ^n = jBZ)J, ^ m =^ C D B^ '^g='^m-{-^n 
\ = DB = BE + E0,8, =AB,8^ = BC. 

um den Distanzmesser sicher gebrauchen zu können, ist ein Gestell, 
z. B. ähnlich der Zeltstange für Officierszelte, also aus einzelnen Gliedern be- 
stehend, nothwendig. Das oberste Glied dieser Stange hat eine conische Öffnung 
seitlich angebracht. Darinnen ist eine Feder, deren freies Ende gegen die 
Schmalseite des Conus gerichtet ist. Ein seitlicher conischer Ansatz am Distanz- 
messer ermöglicht die drehbare Verbindung desselben mit der Stange. Um außer 
der Drehung in der Verticalebene auch eine solche in einer horizontalen Ebene 
zu ermöglichen, müsste der Ansatz, wie Fig. 8 schematisch anzeigt, construiert 
werden. 

In den meisten Fällen wird man sich ohne Stativ nur mit einem Stabe 
behelfen können, doch ist im Interesse der Genauigkeit des Visierens das 
Stativ sehr erwünscht, weil man die Einfachheit des Apparates nicht auf 
Kosten der Genauigkeit desselben erzielen darf. 



350 



N 1 i s e n. 



Fig. 8. 



Die Gebrauchsweise wird ja nicht complicierter, die Zeit zur Messung 
auch nicht länger, wenn man ein leichtes Zapfenstativ verwendet, auf welches 
der Distanzmesser einfach aufgesteckt wird. 

Am Distanzmesser wäre in diesem 
Falle ein nach abwärts gerichteter Ansatz 
anzubringen, der sich in eine Hülse erweitert, 
welche genau auf den Zapfen des Stativs 
passt, und somit eine horizontale Drehung 
zulässt; durch eine ähnliche Anordnung, 
wie Fig. 8 zeigt, könnte die Drehung in 
der Yerticalebene ermöglicht werden. 

Um den Distanzmesser ohne Stativ ge- 
brauchen zu können, muss er von der Hülse 
abschraubbar sein. Der Basisstab kann ganz 
gut zusammenschiebbar construiert werden, 
wodurch der Distanzmesser höchst compendiös ausfUlt. Ein tadelloses Functionieren 
lässt sich durch verschiedene Constructionen, am besten durch Führung der 
einzelnen Theile des Basisstabes in Nuthen, erreichen. Dadurch, dass die Basis 
in drei bis vier Hülsen zerlegt wird, könnte das Behältnis für den ganzen 
Distanzmesser auf eine Länge von etwa 20cm reduciert werden. 




Zu 3. Die Anordnung ist so getroffen, dass auf einer Mitteldistanz, 
also falls der Distanzmesser bis auf ö.OOOm gebraucht werden soll, auf 
2.500m, das Bild des entfernten Punktes in die optische Axe fällt. Bei 
größerer Distanz liegt das Bild höher, sonst tiefer. Die Ablesung der Ent- 
fernung beider entstehenden Bilder geschieht mit einem Mikrometer. 

Ist nach Fig. 4 die Entfernung bis B^ zu bestimmen, so ist 

E =s L cotg cL = L cotg (ü) -(- o) (8). 

Für eine andere Entfernung bis J9, ist 

E^ = L cotg cL^ = L cotg (« + J (9). 

L und (1) sind constant, o lässt sich fQr die verschiedenen Entfer- 
nungen berechnen; daraus lässt sich der Abstand des Fadenkreuzes von der 
optischen Axe mittels der Formel p . tg o = |> arc o bestimmen. 

Der Fehler liegt hier, wo die Ablesung um vieles genauer als der 
Yisierfehler ist, hauptsächlich im Visieren. 

Er beträgt 

y = L cotg f ü> -j- ] — cotg (ci) -}- o) . . . (10). 

Um Formel (10) zur Rechnung günstiger zu gestalten, können wir die 
Formel auch schreiben 



/ = L . sin 



10" 



V 



sin [w -|- 



10"\ . 

81 



, sin (ü) -f- o) 



• (10'). 



Im Vergleiche zum Fehler, der beim System der veränderlichen Basis 
begangen wird, ist hier der Fehler, gleiche Vergrößerung und die Basis gleich 
der Maximalbasis des ersten Systems vorausgesetzt, bei correspondierenden 
Entfernungen bis zur Maximaldistanz kleiner, dann gleich, darüber größer. 



Notizen. 361 

Doch bezieht sich dieser Vergleich nar anf die Yisierfehler, die sonstigen 
Fehler sind bei dieser Type entschieden kleiner. Auch ist die Handhabung 
viel einfacher. 

Ist ein Glasmikrometer in Anwendung, so kann die Distanz direct ab- 
gelesen werden. In letzterem Falle wird also der entfernte Punkt direct anvisiert 
und der Stand des Spiegelbildes auf der Scala am Glase zeigt die Distanz an. 

Ob man sich fQr Glasmikrometer oder Schraubenmikrometer entscheidet, 
h&ngt davon ab, ob man der Baschheit des Distanzmessens oder der Genauig- 
keit den Vorzug einräumt. 

Das Glasmikrometer gibt eben die Distanz augenblicklich^ doch lässt 
es keine solche Genauigkeit zu, als das Filarschrauben-Mikrometer. 

Die Infanterie, die ja ausschließlich gegen lebende, also bewegliche, 
plötzlich auftauchende, dann wieder verschwindende Ziele kämpft, die ferner 
anf großer Distanz durch ihr Salvenfeuer, auf kleinerer aber durch die Bahn- 
rasanz kleine Distanzfehler hinlänglich ausgleicht, muss dem Glasmikrometer 
unbedingt den Vorzug geben, da dasselbe bezflglich der Baschheit der Ver- 
wendung und Einfachheit seines Gebrauches den höchsten Anforderungen 
entspricht. 

Bei einer zwanzig^achen Vergrößerung würde dieser Distanzmesser auf 
4.000 Schritt, eine Basislänge von 44 bezw. 66cm vorausgesetzt, mit 
einer durchschnittlichen Genauigkeit von 50m bezw. 30m verwendbar sein; 
bedenken wir, dass der Fehler auf 2.000 Schritt nur ein Viertel der ange- 
gebenen Zahlen beträgt, kurz, dass der Fehler entgegengesetzt proportioniert 
ist dem Quadrate des Badius, so sind dies schon ganz gute Besultate. 

Um allen Fehlerquellen gerecht zu werden, wflrde sich für die Artillerie 
empfehlen, die Basis immer etwas länger zu halten, als es die Bechnung ergibt. 
Um wie viel, das müsste allerdings auf dem Wege des Versuches ermittelt 
werden. Die Artillerie muss, wenn sie schon einen Distanzmesser verwendet, 
einen genaueren als die Infanterie besitzen. Da gleich anfangs betont wurde, 
dass die Artillerie durch das Gabelverfahren ein höchst wirksames Mittel zum 
Binschießen besitzt, so scheint diese Behauptung mit dem Vorhergesagten im 
Widerspruche zu stehen, doch besteht derselbe nur scheinbar. 

Wenn wir in der Formel (4) 100 durch den erlaubten Fehler F er- 
setzen, um so zu einem allgemein giltigen Besultate zu gelangen, so können 

wir schreiben 

10" 
FL^F' .^Tc^^ (11). 

Fordert man, dass für Artillerie auf 5.000 Schritt derselbe Fehler nicht 
überschritten werde, wie bei der Infanterie auf 3.000 Schritt, so müssen sich 
die Basislängen proportioniert dem Quadrate der Entfernungen, also wie 25 : 9 
Terhalten. 

Die Forderung der Artillerie, auf größere Distanzen ein ebenso genaues 
Besnltat zu erhalten, als die Infanterie auf geringere, bringt es mit sich, 
dass der Distanzmesser für Artillerie, infolge der Beziehung zwischen Fehler 
und Distanz, auf dieselben Distanzen genauer wird. 

Einen einzigen Distanzmesser fQr Artillerie und Infanterie festzusetzen, 
bat den großen Vortfaeil der Einfachheit für sich, doch scheint diese Idee 
ans anderen Gründen unpraktisch. 



352 Notizen. 

Ist der Telemeter entsprechend der Forderung der Artillerie construiert, 
so leistet er an Genauigkeit der Infanterie mehr als nöthig; und es erhält 
dann diese Waffe ein Instrument, das eigentlich nicht fQr sie geschaffen, 
und der Leichtigkeit und Schnelligkeit, die ihrem Wesen charakteristisch sind, 
nicht entspricht. 

Im Gegenfalle erhält aber die Artillerie etwas , was ihr weniger 
nützen wird. 

Ein Gompromiss zwischen beiden Forderungen wird in den häufigsten 
Fällen zu einem Instrumente führen, das weder der Artillerie, noch der In- 
fanterie vollkommen angemessen ist. 

Aus alledem resultiert: 

Die Artillerie bedarf eines Distanzmessers, welcher eine bedeutendere 
Vergrößerung und eine größere Basis als der Infanterie-Distanzmesser besitzt 

Anlässiich der Besprechung der Basislänge sei noch ein Umstand erwähnt, 
der nur der von mir herrührenden Type anhaftet, eben infolge der an der 
Basis angebrachten Spiegel. Der Abstand beider Bilder wird durch die Basis- 
länge allein bei sonst gleicher Entfernung bedingt. Das Spiegelbild ist um 
den Winkel a aufwärts gedreht (wobei % etwa unter dem Werte y,' liegt). 
Der Beobachter gewinnt also den Eindruck, dass die Linie B Q (Fig. 7) des 
Spiegelbildes horizontal, die horizontale Linie EQ aber gegen den Horizont 
um a geneigt sei. Der Beobachter kann so Punkte sehen, die in der directen 
Yisur verdeckt erscheinen, und hat den Eindruck, als ob sich sein Auge in D 
befinden würde. 

Zum Schlüsse soll eine allgemeine Relation zwischen den Fehlern in 
einfacher Form gegeben werden, um die Erkenntnis gewisser Beziehungen zu 
erleichtern. 

Freilich ist die nachfolgende Formel nur eine Annäherung, da sie auf 
der Annahme beruht, dass die Fehler im Vergleiche zu den übrigen Größen 
Differential-Größen sind, obwohl sie eigentlich Differenzen-Größen darstellen; 
doch ist sie eben wegen ihrer Einfachheit zur allgemeinen Beurtheilung sehr 
geeignet. E = L cotg a, woraus sich durch Differentiation 

LdE = EdL—(L*'j-E*)doL (12). 

die allgemeine Fehlerformel ergibt. 

Das Product der Lattenlänge mit dem Fehler in der Entfernung dE 
ist von zwei Summanden abhängig, deren einer der mit der Entfernung multi- 
plicierte Basisfehler ist, deren zweiter durch den negativen mit dem Quadrate 
der Entfernung multiplicierten Winkelfehler dargestellt ist. (Hiebei wurde 
L*doi vernachlässigt.) 

Werden die Basis sowohl als der Winkel gleichzeitig zu groß oder zu 
klein ermittelt, sind also die Fehler in gleichem Sinne begangen, so heben 
sie sich zum Theile auf. 

Sind die Fehler aber ungleich bezeichnet, so addieren sie sich. 

Aus der Formel (12) erkennt man, dass der Winkelfehler, wenn er noch 
60 gering ist, mit wachsenden Entfernungen immer bedeutenderen Einfluss 
gewinnt, so dass er, wenn er auch bedeutend kleiner ist als der Basisfehler, 
in seinem Einflüsse auf den Distanzfehler von einer gewissen Entfernung an 
den Basisfehler rasch überflügelt. Oberlieutenant v. Knebel. 



N o t i I e n. 363 

Weiterer Ausbau der Befeetigungen in Franicreicli ^). 

Ein im Jänner 1895 der Kammer behafs Eintheilung^ der theils neu 
errichteten, theils ergänzten Befestigangsbauten vorgelegtes Gesetz gibt Auf- 
schluss ftber die Fortschritte in der Landesvertheidignng. 

Daraus ist zu entnehmen, dass an der Nordgrenze — wo die festen 
Plfitze Arras, Douai, Cambrai, Yalenciennes, Boochain, Aire und Saint-Omer 
aufgelassen wurden und gegenwärtig bereits eingeebnet werden — die bei- 
behaltenen festen Plätze ganz bedeutend erweitert und verstärkt worden sind. 
80 wurden Lille und Maubeuges durch Ausbau ihrer Gürtellinie in 
Lagerfestungen umgewandelt. 

Lille erhielt nicht weniger als 13 neue Werke. Das große (12km) 
Intervalle im Südwesten dieses Platzes zwischen dem Fort de Seclin 
und dem Fort d*Englo8, welches von dem Deule-Flusse durchflössen 
wird, wurde durch die beiden neuen Werke Fort de Nojelles am rechten 
und Fort du Moulin-Neuf dll aubourdin am linken D e u l e -Ufer 
gesperrt; diese Werke beherrschen die ausgedehnten sumpfigen Niederungen 
an beiden Deule-Üfem. 

Im Intervall Fort de Seclin — Fort de Bouvines (auch d e 
Sainghin genannt) sperren die neuen Werke de Yendeville und d*Enche- 
mont die Straße und Bahn nach Yalenciennes. Auf den Höhen, welche 
das linke M a r q u e -Ufer begleiten, wurden zur Beherrschung der nach Belgien 
führenden Verbindungen mehrere neue Werke (deJonchdres, deCroix- 
de-Yallers, de Marchenelles, de Babylone, de Haut-Yinage 
und de TEntrepöt) angelegt. Diese Werke beherrschen somit das Marque- 
Thal bis zum Fort de Bondues. 

Im Intervall Fort de Bondues — Fort du Yert-Galant wurde 
das Werk de Wambrechies; in jenem zwischen Yert-Galant und 
Fort de Premesque ein Werk bei Lompret neu erbaut. 

<) Nach: L'ÄrmSe et la FloUe en 1896. Par Ardourn-Dumatet. Paris, Berger- 
Levrault et Comp., 1896. 

Mit Scbluss jedes Jahres erscheinen in Frankreich fQr die nicht militärische 
Lesewelt bestimmte Publicationen, welche alle bedeutenderen Ereignisse des abge- 
laofenen Militärjahres zum Gegenstande haben. Das vorliegende Buch, dessen Autor 
dvreh ähnliche Pablicationen der Yoijahre vielfach bekannt ist, gehört ebenfalls zu 
der eingangs erwähnten Gattung und behandelt demgemäß die militärischen Ereig- 
nisse des letztverflossenen Jahres. 

Die Begebenheiten vom Jahresbeginn bis zum Zeitpunkte der großen ManOver 
bilden den ersten Tbeil, während im zweiten die Angelegenheiten der Marine, die 
Vorsorgen für die maritime Eüstenvertheidigung und die Flottenmanöver eine Be- 
sprechung erfahren. Im dritten Theile, fast die .Hälfte des Buches, werden die 
^oßen ManOver {Grand Manoewres de* Vo^ge») chronologisch und eingehend be- 
handelt. Diesem Theile sind auch mehrere Karten angeschlossen. Der vierte Theil 
ist dem Kriege in Madagascar, der letzte dem Andenken des Marschalls Canrobert, 
des Genie-Generals S6t6 de Bivi^res und des Kriegs-Chirurgen Baron Larrey 
gewidmet. 

Dieser in großen Zügen angedeutete Inhalt ,des Buches wird in anregender 
Form und fließendem Styl vorgetragen, was wesentlich dazu beiträgt, den nichtmili- 
t&rischen Leser Aber den oft trockenen Gegenstand hinwegzuhelfen. 

Dem Militär bietet die Publication nichts Neues, da wohl alles darin Ent- 
haltene bereits aus militärischen Fachschriften bekannt ist; dessenungeachtet möge 
hier aus dem ersten Theile der Abschnitt „Le* nouveaux traveauz de d^/enn^ hervor- 
znheben sein. 



354 Notiren. 

Bei Maubeugea wurde die GQrtellinie ebenfalls vervollst&ndigl 
Norden wnrden am linken S a m li r e -Ufer in d«i Intervallen der bestandenen 
Werke de Boussois, de Marieux und de Levaui die Gürtelwerke 
delaSiilmagne, Hüron-Fontaine, Feignies, BersiUiee und 
G r e V a u X neu eingeschoben ; im Süden wurde das Fort Ferri*re-la- 
Petite znr Beherrschung des Sobre-Thales neu erbaut. 

Der Gürtel vonVerdun wurde durch Neubauten hei Bezonveani 
im Nordosten und bei Jaun; im Südwesten verstärkt. 

Der Gürtel von Toul erhielt einen Zuwachs von 14 neuen Be- 
f es tigunga- Anlagen, weluhe theih selbständige Werke, theils Annexe bestehender 
Anlagen umfassen. Im Osten wurden die Befestigungen in der Linie Fontenoy- 
sur-Moselle und Villey-le-Sec vorgeschoben. 

Bei Epinal wurde im Südosten das üeduit de Bois d'Ärches 
erbaut; femer wurde der Gnrtel durch 16 neue Redouten (Redouten der 
Position Chanterain-la Bourierre und Kedoute de laracine d« 
Cnmay etc.) verstärkt. Durch die Neuanlagen dürfte der wiederholt dem 
Platze vorgeworfene Mangel, zu große Intervalle zu besitzen, behoben 
worden sein. 

Der ohnehin ausgedehnte GDrtel von Beifort wurde durch 17 neue 
Anlagen verstärkt, deren mehrere die Bestimmung haben, die Tbäler der 
Savourense und der Lisaine zu beherrschen. 

Der Gürtel von Besan^on erhielt zwei neue Werke. 

Die befestigte Position von Lomont wurde durch eine neu« 
Batterie bei la Pointe-de-Roide ergänzt. 

Langers, welchem Platze der gleiche Mangel wie Epinal vorgeworfen 
wurde, erhielt sechs neue Gürtelwerke, u. zw. bei Champigny. Noidans, 
Fays, Jarquenay, Montrouge und Bois de la Montagne. 

Bei Lyon wurde ein Wnrk Fort de Chapoly zur Sperrung des 
Charbonni&res-Tbalea neu angelegt. 

Der Gürtel von Granoble wurde durch drei neue Werke ei^&nii 

An der italienischen Grenze wurde der Eingang in das Tarau- 
taise-Thal bei Boorg-Saint-Uaurice durch die Batterie de Valmis, 
Fort du Truc inft'rieure und Werk de la Platte gesperrt. Die 
Werke, welche den Zugang zum Slaurienne-Thal verthetdigen (Replatos 
und Sappey) wurden verstärkt. 

Der vorgeschobenen Befestigungsgruppe im Norden von Brianpon, 
welche den Obet^ang über den Col de TEcbelle beherrscht, wurde das 
Blockhaus de l'E u 1 o n hinzugefügt. 

Bei Tournoux wurden bei Serre-de-Laut ein Thurm und ein 
Blockhaus neu erbaut; ferner im Nordwesten die Position bei VaÜon Claus, 
welche den Übergang Über den Col de Vars beherrscht, durch die Anlage Ton 
„Postes eründes"* verstärkt. 

Nizza wurde durch die beiden Batterien du cimetiäre rass» 
(Küsteubatterie) im Westen und de la Turbie im Osten verstärkt. 

An der Pyrenäen -Grenze wurden bei Mon tlouia die Oflrtel- 
werke Figueira, Sierra de Bolquäre, Bolquärennd les EatagBola 
neu erbaut. 



An den Küsten 
kungen statt. 

Bei le Ha vre vi 



fanden desgleichen wesentliche Verstfir- 



e die Batterie de Dollemard i 
I Batterien d'E querdre vjlle. 



■u erbaut; 

es Couplets 



bei Cherbo 
ond des Cspelai 

bai St. Malü die Batterien der Insel de Cäzerabre; 

bei BreEt zur Vertheidigung der Einfahrt (Qoulet) und der Rhede 
16 Batterien. 

Die TertheidJgungB-An lagen und Rh e de von L Orient wurden durch 
zwei Batterien verstärkt; 

jene des Hafens von iaPallice bei Roch eile durch eine Batterie. 

Auf der Insel d'A i i wurden die beiden Batterien la Tente und 
Bois-Juli neu angele^tj 

auf der Insel d'Oberon eine Mörserbatterio bei Saumonards. 

An den mittelländischen Küsten wurde der Hafen von Mar- 
seille durch vier, jener vonToulon durch sechs neue Batterien verstärkt. 

Sonst umfaaste. das eingangs angeführte Gesetz noch den Bau zweier 
neuer Batterien auf Corsica, Batterie Lacroii und Batterie Bocca di 
Talle, und eine größere Anzahl befestigter Objecte in Algerien. Letztere 
sind zumeist befestigte optische Telegraphen-Stationen, welche im Kriegsfalle 
die elektri sehen Telegraphen- Verbindungen zu ersetzen bestimmt sind. 

Die Tertheidigungs-Haßnahmen für Corsica bilden den 
Oegenstand einer eigenen hiefür eingesetzten CoBmission (Commission extra 
parUinenta ire ). 

OegenQber dem italienischen Haupt kriegshafen Spezzia und der be- 
festigten Flotten Station la Maddalena drängt sich von selbst die Befestigung 
und Erhöhung der Vsrtheidigungsfähigkeit Corsicas auf. Die Ansichten 
Aber die zu treffenden Maßnahmen gehen bedeutend auseinander; doch scheint 
«9, daas BS zur Schaffung zweier Stützpunkte für die Vertheidigung der Insel 
kominen dürfte, u, zw. eines im Norden gegenüber Spezzia und eines im SQden 
gegenüber la Maddalena. 

Im Norden wird die Sicherung des Cap Corae durch Anlage eines 
befestigten Lagers an dessen Wurzel erfolgen, welches die beiden Küstenorte 
Bastia und St. Ftorent verbinden soll. Im Sflden wäre Porto vecchio und 
der Golf von Sta. Manza zu befestigen. V. 



Universal-Instrument zur Theilung von Winkeln. 

Bekanntlich ist es bis jetzt nicht gelungen, ein Verfahren ausfindig 
machen, durch welches ein beliebiger Winkel auf zeichnerischem Wege 
fai eine beliebige Anzahl gleicher Theile zerlegt werden kann. Man kennt 
Vohl für einige Kreistheilungen einfache, ohne Versuche sofort znm Ziele 
fahrende Wege, aber dieselben können nicht mehr eingeschlagen werden, 
wann es sich um Theilung einzelner Kreisbogens tücke — ausgenommen um 
«ne Halbierung — bandelt. 

S8 



!J 



356 Notiien. 

Wie jedermann weiß, berabt die Oleichtbeilang gerader Linien darauf. 
dasB man von dem einen Endpunkte derselben unter beliebigem Winkel eine 
andere Gerade xiebt, anf dieser in der g^wOnacbten Zabl gleiche Theile auf- 
trat, den letzten TbeilongBpnnkt mit dem anderen Endpunkt der za tbei- 
lenden Geraden geradlinig verbindet und nun dnrcb die anderen Tbeilongs- 
punkto der Hilfsger&den Parallele mit dieser Terbindungslinie zieht. 

Ein entsprechendes, anf Kreisbogen oder Winkel anwendbares Verfahren 
hat man bia jetzt vergeblich gesucht. 

Dmsomebr muss es tiberraschen, in dem von Lothar v. EOppen 
«rfondenen und von demselben patentierten „nniTersal-InBtmment" nun ein 
Mittel in besitzen, welches solche Th ei Ion gen in Tollkommenster Weise 
ermöglicht und welches zugleich in seinem Princip so leicht verstfindlich ist. 

Es sei der ^ BAC ein beliebig groQer Winkel, von dessen Spitze A 
man eine Anzahl concentrischer Kreisbogen durch den Winkel beschrieben bat. 




Zieht man nun durch die Endpunkte des innersten Bogens, also durch 
die Punkte a und &, ParaUele mit den Schenkeln des Winkels, so erhält 
man die Linien ay und hz, deren Schnittpunkt o der Halbierungslinie des 
Winkels angehört. Trägt man nun dia durch die Linien ay und AC be- 
grenzten Bogenlängen fortgesetzt jenseits der Linie ay (also in unserem 
Falle links davon) auf den bezüglichen Bogen auf und verbindet dann die 
so erhaltenen Punkte mit einander, so ergibt sich ein System von Curven. 
derun Punkte längs einer beliebigen nus der Winkelspitze gezogenen Kreis- 
linie stets gleiche Abstände besitzen. Durch Wicderliolung des gleichen Ver- 



N o t V I e n. 357 

fahren» von den LinieD bz und AB aus erhält man ein gleiches CarreH- 
N7Bt«m, nur mit dem ünterscbied, d&ss dessen Linien nach der entgegen- 
gesetzten Seite gebogen sind. 

Verbindet man die Endpunkte dieser Curven aof den Winkel Schenkeln 



und h\ flt', fl', '{', S' , 



mit einander durch concen- 
trische Kreisbc^en, so ist sofort ersichtlich, dass auch die Schnittpunkte 
all«r Curven auf diesen Kreiabogen liegen müssen und dass wir dann bei o 
«ineD Punkt fQr die Halbierung, auf dem nächsten Ereisbt^en (x k') die 
Punkte fllr die Dreitheilung (a, i, i\ «') u. s. w. erhalten. 

Der Entdecker dieser Methode hat sieb auch bemQbt, dieselbe durch 
Constmction einea geeigneten Zeichen in stnimenteB fQr den Piaktilter nutzbar 
zn machen. 

Das Instrument besteht aus 
zwei durchsichtigen, gleich grollen ■" 

Pl&tten («', s*) in Qestalt eines Ereis- 
sectors, die sich um den gemeinschaft- 
lichen Mittelpunkt (t) drehen. In jeder 
dieser Plattsn ist eines der oben be- 
schriebenen Curvensysteme eingraviert, 
u. EW. bei der oberen Platte auf der 
nnteren, bei der unteren Platte auf 
dar oberen Flache, wodurch die gilSBt- 
mögliche Deutlichkeit der Schnitt- 
punkte erreicht wird. 

Stellt man nun das Instrument 
so ein. dass der Drehpunkt der Platten 
in der Winkel spitze liegt und dass 
die Fnndamentallinien der Curven* 
Systeme {AB und AC) mit den 

Wink eischen kein zusammenfallen, wobei der zu tbeilende Winkel von beiden 
Sectoren bedeckt wird, so erhält man in der WinkelOffnung ein zur Winkel- 
lialbieriings- Linie symmetrisch gulagertes Netz, welches anoihemd rhombische 
Haschen besitzt, wobei aber nur die Längsdiagonalen gerade Linien (die Badien) 
bilden, während die kurzen Diagonalen zusammen sich zu concentrischen Kreis- 
linien vereinigen. Da nun die Curvenschnitte auf jeder dieser Erelslinien 
gleiche Abstände besitzen und ihre Zahl bei jeder folgenden Kreislinie um 
«ins zunimmt, so leuchtet ein, dass sie mit einer einzigen Einstellung die 
Grundlage zur Theilung des Winkels in eine beliebige Anzahl gleicher Theile 
bilden, wenigstens theoretisch, insofern, als die Anzahl der Theile nur in der 
OrOfle des Instrumentes und in der Dichtigkeit der Curven eine Grenze findet. 

Die räumliche I^egreuznng des Curvenejstems bringt es mit eich, dass 
die Anzahl der möglichen Theilungau um so kleiner wird, je kleiner der zu 
theitende Winkel ist, da dann die Kreuzungapunkte für zahlreichere Thei- 
Inngen weiter fainausrücken und endlich außerhalb der Ciirvenplatte zu suchen 
wären; allein fQr solche Fülle kann man sich anderweitig helfen. 

Nehmen wir an, ein Winkel nAb von etwa 25" sei in 17 gleiche 
Theile zu theilen ; vi-rgrOUort man nun den Winkel auf das Dreifache, so 
dass drei gleiche, durch die Schenkel Aa, Ab, Ac, Ad eingeschlossene 




358 Notiieo. 

Winkel neben einander liegen, so läset sich zunächst der ganze von deo 
äußeren Schenkeln (Aa und Äd) gebildete Winkel mittels des Koppen *6cheD 
Instrumentes leicht in 17 gleiche Theile theilen, wobei sich für den ersten 
Winkel (aAb), dessen Siebzehntheilung wir aufsuchen wollen, die Theil- 
punkte (o), 3, 6, 9, 12, 15 unmittelbar ergeben. Verlegt man dann — bei 
gleicher gegenseitiger Stellung der Curvenplatten — den Anfang der Thoi- 
lung nach und nach an jeden der beiden zwischenliegenden Schenkel — Ab 
und Äc — so ergeben sich im ersten Falle die Theilungspunkte 2, 5, 8t 
11, 14 (17), im letzten Falle die Punkte 1, 4, 7, 10, 13 und 16. Hiermit 
sind sämmtliche Punkte für die Theilung des ursprünglichen Winkels 
gefunden. 

Praktisch brauchbar wird die gefundene Punktreihe erst dadurch, dasa 
man die durch dieselben markierten Theilungsstrahlen mittels eines Lineals^ 
auf das Papier überträgt; ein genau auf den Drehpunkt der Platten einge- 
richtetes und selbst drehbares Lineal bildet deshalb einen Hauptbestandtheil 
des Instrumentes (tu). 

Zur Sicherung der Einstellung und der Theilung dienen verschiedene 
kleine Vorrichtungen. Der Drehpunkt ist durch ein Linienkreuz markiert, 
welches in einem kreisförmigen Ansätze der unteren Platte eingezeichnet und 
— da die Drehachse durch eine etwa Qmm weite Nabe gebildet wird — 
von oben leicht sichtbar ist. Die Festlegung der Untorplatte besorgen drei 
Nadelspitzen, welche auf einem dünnen die Nabe umgebenden Messingring 
angebracht sind. Das Lineal hat in der Ausführung noch einige Besonderheiten. 
Zunächst ist die obengenannte Nabe mit einer Lupe versehen, deren drehbare 
Hülse zugleich zur Festschraubung der oberen Platte (nach deren Einstellung) 
dient ; die radiale Eantenfläche des Lineals, welche sich außerhalb der Platten 
bis auf die Zeichenfläche herab erstreckt, steht genau senkrecht zu den Platten- 
ebenen. Um eine Verwechslung der Schnittpunkte zu vermeiden, läuft auf der 
oberen Fläche des Lineals ein Schieber, den man auf das Lineal festschraubt» 
sobald der davon ausgehende Zeiger auf der Platte den Kreisbogen markiert, 
welcher die zu benützenden Theilungspunkte enthält. Zur weiteren Sichemng 
gegen die infolge der Plattendicke möglichen Visierfehler wird mit dem Schieber 
i^ine Lupe verbunden, welche ein genaues Einstellen der senkrechten Ebene 
der Linealkante auf die Gurvenschnitte ermöglicht 

In dieser Ausstattung dürfte das Instrument z. B. bei Herstellung von 
Zahnrädern etc. auch weitgehenden Ansprüchen an Genauigkeit vollkommen 
genügen. („Prometheus", VI. Jahrg., Nr. 312.) 



Ein Infanterieschießen auf 2.000m in der Schweiz. 

(Hiezu Tafel 14.) 

Zur Ermittlung der Wirkung des Infanteriefeuers auf große Entfernungen 
unternahm die ünterabtheilung der Officiere von St. Croix am 17. Februar L J. 
ein Schießen auf eine Schneefläche. Die zwischen Beplands (1.144wi) nach 
Esserpes \^1.070tn) am Fuße des Mont-dy-Baulmes. auf der Karte mittels 
Zirkel gemessene Entfernung betrug 2.000m. Als Zielpunkt diente eine 



Notiien. 369 

liegende schwarze Leinwandscheibe Ton 2*3 : 3m Ansdehnong, deren Ecken 
durch vier kleine Fähnchen gekennzeichnet waren. Hinter dieser Scheibe war 
auf der nnter 10* geneigten Schneefläche ein Rechteck von 50m Breite und 
60m Tiefe ansgesteckt. 

Die 14 Mann (8 Officiere und 6 Unterofficiere) starke, aus mittleren 
ScbQtzen bestehende Abtheilung verschoss in 16 Minuten 500 Patronen im 
wobigezielten Einzelfeuer. Die Schießübung fand in der Zeit von 2 Uhr 
15 Minuten bis 2 Uhr 31 Minuten bei schönem, klarem Wetter statt; die 
Luft war trocken und ruhig, die Temperatur betrug -|- 7* C. 

Die Aufnahme der Treffer, welche die Zeit von zwei Stunden in An- 
sprach nahm, wurde von vorne nach rückwärts mit außerordentlicher Gewissen- 
haftigkeit durchgeführt, indem das Rechteck in Quadrate von 5m Seite 
getheilt wurde, wozu Schnüre, welche von 5 zu 5m durch schwarze Tuch- 
knöpfe markiert waren, benützt wurden. Jeder Treffer wurde auf seinem Orte 
genauestens festgestellt, so dass die Tafel 14 ein getreues Bild des Rechteckes 
nach dem Schießen darstellt, indem die harte Schneedecke vor dem Schießen 
eine gleichmäßige, von jedweden Eindrücken freie Fläche dargestellt hatte, auf 
welcher nun die kleinsten Risse auszunehmen waren. 

Von den 500 abgegebenen Schüssen lagen 338, das sind 67Vo> im 
Becbteck; weitere 22 bezw. 26 Treffer wurden in einem 10m breiten Streifen 
Yor bezw. hinter dem Rechtecke aufgenommen. Der Rest der Schüsse vertheilte 
sich auf einen Raum von 100m vor und rückwärts des Zieles. Einzelne 
Schüsse befanden sich seitwärts des Rechteckes. 

Nach: ^Revue müitaire stnsse^, 1896, Nr. 4. 



Rädertragen und Kiappzelte, 

Der vom niederländischen Ober-Stabsarzt a. D., 0. de Mooy, erfundene 
Bftderbrancard (Rädertrage) wurde jetzt bei der Niederländischen Armee ein- 
geführt. In Anbetracht der großen Wichtigkeit, welche diese und andere Er- 
findungen des Herrn de Mooy nicht nur für den Transport von Kranken 
and Verwundeten, sondern auch in verschiedenen anderen Hinsichten haben, 
erscheint es angemessen, darüber hier Näheres mitzutheilen. 

Schon vor beinahe dreißig Jahren kam Herr de Mooy zu dem Schlüsse, 
dass die größte Ersparnis an Körperkraft beim Transporte einer Last erreicht 
wird, wenn man diese in dauerndem Gleichgewichte aufhängt, u. zw. 
unter dem Stützpunkte von zwei sehr hohen Rädern, unter einer aufwärts 
oder über einer abwärts gebogenen Achse. Durch eine derartige Einrichtung 
wird auch zugleich die größte Ersparnis an Zeit, Raum, Personal und 
Geld erzielt und die Erafterspamis so groß, dass ein siebenjähriges Kind 
eine Gesammtlast von 200Av7 auf horizontalem, ebenem Wege fortbewegen, 
ein Soldat während eines fünfstündigen Marsches bei den Truppen ohne Be- 
schwerde 200% Munition auf einem Kieswege fortschieben kann. Das Über- 
winden oder Ermäßigen der wagrechten und senkrechten Erschütterungen 
kann bloß dadurch erreicht werden, dass der beladene Brancard bezw. die 
Last mittels der mit Mousquetons versehenen Ketten senkrecht an 2m 
langen, runden oder flachen Stahlfedern aufgehängt wird. Durch Anwendung 



360 N 1 i 1 e n. 

dieser Principien ist der Räderbrancard, wie ihn Herr deMooy schon 1867 
anfertigte, mehr als irgend ein anderer für den Transport Verwundeter und 
Beinbmcbleidender in unebenem Gelände geeignet; die Änderungen, welche 
der Erfinder später angebracht hat, sind von untergeordneter Bedeutung. 

Der Bäderbrancard besteht aus zwei Haupttheilen, dem eigentlichen 
Brancard und einem Kädergestelle. Der aus einem Stücke bestehende 
Brancard hat weder Charniere, noch Haken, Oesen, Biemen, Schnallen u. dgl.^ 
sondern ist so einfach construiert, dass jeder Soldat ihn ohne jede Übung 
sogleich gebrauchen kann. Er besteht aus: 

1. einem hölzernen Rahmen auf 20cm hohen rundgebogenen eisemeo 
Beinen ; 

2. einem Tragesegeltuch, das um die vier Seiten des Rahmens ge- 
schlagen und unter dem Rahmen mit Schnur befestigt wird ; zwischen diesem 
Segeltuche können Decken, Bettflcher und reine Wäsche fQr einen Kranken 
mitgefOhrt werden; 

3. einer Kappe oder einem Zelt«* aus Segeltuch ; in der Kappe befinden 
sich zwei Bogen aus galvanisiertem Eisendraht, welche mit dieser untrennbar 
verbunden sind. 

Diese mit Beinen versehenen Brancards sind so construiert, dass sie^ 
als hätten sie keine Beine, aufeinandergelegt in einem sehr kleinen Räume 
geborgen werden können. Sie sind groß und stark genug, um einen Kranken 
in liegender oder zwei Kranke in sitzender Stellung fortbewegen zu können. 

Ihr Zweck ist ein zweifacher: nämlich a) in Friedenszeiten in den 
Kasernen und Hospitälern als Lagerstätte und b) im Kriege zur Aufnahme 
der Kranken in den Feldlazarethen und als Räderbrancard zum Transporte 
der Verwundeten auf dem Schlachtfelde und weiter mit der Eisenbahn zu dienen. 

Auf diese Weise stehen im Falle einer Mobilmachung, wenn die Kasernen 
verlassen werden, sogleich eine große Anzahl Brancards und Feldbetten znr 
Verfügung, die alle in das Rädergestell passen, sowohl für den Kranken«- 
transport wie zur Pfiege der Kranken und Verwundeten in den Feld- und 
Etappenlazarethen und in den Hospitälern der zweiten und dritten Linie. 

Das Rädergestell hat zwei 13m hohe Räder, die eine in der Mitte 
aufwärts gebogene Achse verbindet, auf welcher 2m lange runde Stahlfedern 
angebracht sind, welche nahe ihren Außenenden je zwei mit Musquetons ver- 
sehene Ketten tragen. Für eine leichte Last werden die den Außenenden 
zunächst gelegenen Ketten, für eine schwere die anderen gebraucht. 

Nachdem der Verwundete oder Kranke in den Brancard gebettet ist, 
wird das Rädergestell über den Brancard geschoben und dieser durch eine 
Person, ohne dass der Kranke dadurch etwas zu leiden hat, daran befestigt. 
Ist dieses geschehen, so kann der Mann, indem er mit der einen Hand ein 
Rad festhält, mit Leichtigkeit erst die eine und dann die andere Feder se 
viel vor- oder rückwärts verschieben, dass die Last unter der Achse im 
Oleichgewichte hängt. Sobald dies der Fall ist, werden die Federn mittels 
Schraubzwingen festgemacht. 

Die Art und Weise, in welcher Kleidung und Ausrüstung der Kranken 
mitgeführt werden, ist aus der Zeichnung ersichtlich : Der Tornister etc. ruht 
auf einem Kasten von Eisenblech, der antiseptisches Verbandzeug enthält. 



Notizen. 361 

Unter dem Brancard befinden sich im Tragesegeltuch Taacben, worin 
Speisen ond Getränke mitgeführt werden können. Bndlich befindet sich bei 
jedem Brancard noch ein Transportverband für Bein bmcb leiden de (System 
de M007). 




Als Beweis, wie wenig der Kranke die Erschüttern ngen des Transportes 
in diesem Bäderbrancard empfindet, kann die Thatsacbe dienen, dass ein 
Soldat, welcher wahrend l '/, Stunden darin gefahren warde, fest eingeschlafen 
war nnd ein Militärarzt darin während des Transportes leserlich schreiben 
konnte. 

In wegsamem Gelände kann ein einziger Uann, auf harten Wegen 
können selbst Leicfatblessierte (mit einer Hand), Kinder oder Greise mittels 
dieses Bäderbrancards Kranke fortbewegen. Drei Mann kennen den beladenen 
KOderbrancard durch tiefen Sand Ober die hOcheten Dflnengipfel bringen. 
Ist das Gelände sehr uneben, mit Baumstämmen oder großen Steinen darch- 
setzt, oder mCssen Gräben vermittels Bretter tiberschritten werden, so wird 
tnerst das Bädei^esteU hinQber gebracht und dann der Brancard. 

Im Dunkeln wird der Brancard mit einer Laterne versehen. 

Nach demselben System will Herr de Hooy anch verschiedenartige 
Lasten — Lebensmittel, Gepäck etc. — transportieren. 

Bei den großen HanOvem im vei^angenen Jahre wurde ein Bäderbrancard 
seiner Erfindung erprobt, der fOr Hunitionszufubr im Gefechte eingerichtet 
war und den er Patronen-Rftderb rancard nennt. Hit diesem Fahrzeuge 
können ungefähr 200% Munition in die vordere Linie und von da wieder 
EWU Blessierte zurOckgebracht werden. Die Versuche lieferten die besten 
Ergebnisse, wobei festgestellt wurde, dass dieses Fahrzeug den Truppen 
flberallhin ins Gelände folgen kann. 

Der Bäderbrancard für den Krankentransport wird dauerhaft und gut 
fBr 110 Gulden '), der zum Patronen trän sporte tttr 135 Qulden angefertigt. 

Die Kappe des Bäderbrancards ist derartig eingerichtet, dass sie fOr 
alle Arten Brancards gebraucht werden kann. 



>) Ein Niederländischer Gald«n ongefähr 85 kr. Ott. Währ. 



362 N 1 i I 6 D. 

Von denselben Grundsätzen — Ersparnis an Zeit, Raum, Personal und 
Geld — ausgehend, hat Herr de Mooy ebenfalls ein ganz neues Zeltsystem 
construiert, welches er Gibus- oder Harmonika-Zelt (Klappzelt) nennt. 

Diese Zelte sind, damit der innere Baum nicht durch Stützen u. dgl. 
beeinträchtigt wird, aus einem, zwei oder vier Bogen von Holz, Bohr oder 
Aluminiumrohren angefertigt, die in die Zeltleinwand eingenäht sind. DIh 
Bogen verlaufen unten in eiserne Spitzen, welche bis an eine damit verbundene 
hohle Platte in den Boden getrieben werden können. Ungefähr zur halben 
Höhe der Bogen sind an der Außenseite kupferne Krampen angebracht, an 
denen die Seile befestigt sind, welche vermittelst hölzerner Heringe in den 
Boden festgesetzt werden. Bogen, Leinwand und Zeltseile sind alle untrennbar 
mit einander verbunden, so dass das ganze Zelt aus einem Stücke besteht. 
Die Bogen mit der Leinwand werden wie eine Ziehharmonika zusammengefaltet 
und ebenso auseinandergezogen. 

Das Gibuszelt für 16 Kranke oder 32 gesunde Soldaten wiegt nur 60^*^ 
und kostet nicht mehr als 120 Gulden. Es besteht aus zwei Bogen, ist 4'5m 
breit, 8m lang und 2'bm hoch. Zwei bis drei Mann können es in 20 Minuten 
aufschlagen ; wenn nöthig, ist ein Auf Stellungswechsel sehr rasch und leicht zu 
vollziehen ; es ist vollkommen zu desinfi eieren und auf Wagen zu transportieren. 

Indem man die Enden der Bogen weiter auseinandersetzt, wird die 
Breite größer. In dem Baume zwischen zwei Bogen können 8 Kranke oder 
16 Gesunde liegen, so dass in einem Zelte von 8 Bogen 64 Kranke oder 
128 Gesunde ruhen können. Zelte von zwei bis vier Bogen können aus einem 
Stücke bestehen und durch das Pferd, welches sie transportieren muss, aus- 
einander gezogen werden. Um die Zelte größer zu machen, verbindet mau 
so viel Bogen, wie man will. 

Im Winter kann man zwei Zelte übereinander schieben. Die Bogen des 
inneren Zeltes werden alsdann 0*2m tiefer in den Boden gedrückt und bloß 
das äußere Zelt mittels Seile und Heringe am Boden befestigt. Die Luft- 
schichte, welche sich alsdann zwischen der Leinwand beider Zelte befindet, 
schützt gegen zu raschen Temperaturwechsel. 

Die Kappe des Bäderbrancards ist, wenn darin anstatt der eisernen 
Bogen Bohrbogeu angebracht werden, ein vortreffliches Schutzzelt, das nur 
1kg wiegt und sich, indem das Segeltuch um die beiden zusammengeklappten 
Bogen gewickelt wird, mit Leichtigkeit um den Tornister umlegen lässt. Mit 
Bajonett, Säbel oder Linnemannspaten wird es an den Boden befestigt. Ein 
großer Yortheil ist, dass es aus nur einem Stücke besteht. 

Ein Brigade-Feld] azareth nach dem Systeme des Herrn de Mooy 
würde, wie folgt, zusammengesetzt sein: 

1. Vorn rechts ein aus zwei Bogen bestehendes Gibuszelt mit Flagge 
vom Bothen Kreuz, in dem die Militärärzte sich ausruhen können; 

2. links daneben ein gleichartiges Zelt, in dem die Verwundeten, ge- 
trennt in solche, welche verbunden und operiert werden müssen, und solche, 
welche tödlich blessiert sind, unterkommen; die, welche verbunden, bezw. 
operiert werden müssen, erhalten gelbe bezw. blaue, die tödlich Verwundeten 
r 1 h e Karten ; 

3. ein weiter rückwärts stehendes Zelt besteht aus drei Bogen und 
ist in zwei Bäume getheilt: der Theil mit gelber Flagge ist für die mit 



Notizen. 363 

gelben, der andere mit blauer Flagge für die mit blauen Karten 
Versehenen bestimmt; 

4. die tödlich Verwundeten werden in ein Zelt mit rother Flagge gebracht; 

5. rechts und links von diesen Zelten befinden sich zwei Parapluiezelte, 
jedes fQr 16 Mann, u. zw. eines für Krankenträger und eines fQr Lazareth- 
gehilfen ; 

6. Zelte fQr Abort und Küche befinden sich daneben; 

7. ein aus acht verbundenen Bogen bestehendes Gibuszelt (Lazareth- 
zelt) kann 64 Kranke oder 128 Gesunde fassen; 

8. ebenso mOssten für Waschzwecke, Bäckerei und zum Desinficieren 
Zelte derselben Construction vorhanden sein. 

In den leeren Zelten 2 bis 4 können, wenn nöthig, 4 X 16 = 64, 
in den zwei Zelten für das Personal 2X8=16 und in dem großen Zelte 64, 
im ganzen also 144 Kranke untergebracht werden, die in der gesunden 
Anßenluft zusammen behandelt und verpflegt werden können. 

Gewicht und Preis dieser Zelte stellen sich ungefähr wie folgt: 

Fünf Gibuszelte, zusammen SOOkg =• 600 Gulden 

Zwei Parapluiezelte, ,. 60 „ = 120 „ 

Laxarethzelt 240 „ = 480 „ 

~Q00kg~= 1.200 Gulden 

Während der Nacht stehen noch (siehe weiter unten) 20 Bäderbrancards 
für eine und deren 20 für zwei Personen zur Verfügung. Werden nun auch 
noch die leeren Verband-, Operations-, Nahrungsmittel-, Transport- und 
Zeli-Bäderbrancards gebraucht, so sind darin noch etwa 76 Verwundete zeit- 
weise zu verpflegen, so dass schließlich eine geschützte Lagerstätte für 
144 -[- 76 Kranke vorhanden ist. 

Zu jedem Brigade-Feldlazareth gehören: 

1. 20 Bäderbrancards für eine und 20 für zwei Personen, 
welche für die 60 Krankenträger der Brigade bestimmt sind. Auf ebener 
Straße können auch die Leichtverwundeten sie fortschieben. 

2. Ein von einem Maulthiere gezogener Proviant-Räderbrancard, 
womit ungefähr 500A*^ Fleisch, Brot etc. transportiert werden können. Ist 
der Wagen leer, finden vier Kranke darin Platz. 

3. Ein Verband-Käderbrancard, der in einem hölzernen Back') 
zwei gelb angestrichene, Im lange, Im breite und 0'8m hohe Kisten fasst, 
io welchen sich wieder drei aufeinander schließende, mit Verbandmitteln ge- 
füllte hölzerne Backe befinden. Dieser Räderbrancard hat auch den Zweck, 
«inen Verbandtisch zu improvisieren, indem man die Kisten, nachdem die Backe 
daraus entfernt und nebeneinander niedergesetzt sind, gegenseitig zusammen- 
schiebt In dem erstgenannten hölzernen Back wird zwischen den beiden 
Kisten ein Fässchen mit Trinkwasser mitgeführt. Bei Errichtung des Lazareths 
wird dieser gelbo Brancard in das Zelt mit gelber Flagge geschoben. 
Der leere Brancard ist für den Transport von zwei Kranken zu gebrauchen. 

4. Ein Operations- Räderbrancard, auf dieselbe Weise einge- 
richtet, aber mit blau angestrichenen Kisten und Backen, kommt in das 



") Kastenart igor Behälter. 



364 Notizen. 

Zelt mit blauer Flagge. Die zwei leeren Eisten mQssen als Operationstisch 
dienen. Die blauen, mit Instrumenten und anderen Bedürfnissen gefüllten 
Backe werden auf den Boden gesetzt, nnd der leere Bäderbrancard kann 
alsdann auch für den Transport von zwei Kranken dienen. 

5. Zwei, je durch ein Pferd gezogene Zelt-Räderbrancards, welche 
zum Transporte der acht Gibuszelte dienen. In jedem leeren Brancard können 
vier Kranke transportiert werden. 

6. Zwei, je durch ein Pferd gezogene Fahrzeuge zum Transporte 
von etwa 60 zu Feldbetten eingerichteten Brancards zur Aufnahme von 
Kranken. In jedem dieser in ein Bädergestell passenden Brancards kann 
auch wieder an Bettzeug und Unterkleidung alles mitgeffthrt werden, was 
zur Verpflegung eines Kranken nOthig ist. 

Nach: Militär- Wochenblatt, 1896, 36. 



Kleine Notizen. 

Rossiand. Mittelpivot-Lafette fOr intervali-GescIiatze. Far die zur 

Bestreichung der Interralle in festen Plätzen verwendeten leichten Feldge- 
schfltze wurde eine neue Mittelpivot-La fette mittels Prikas Nr. 233 Tom 
14. Deeember 1895 eingefflhrt. 

Die Fig. 1, 2 und 3 der Tafel 15 zeigen die CoDstmction dieser Lafette. 
Die FeuerhObe beträgt Idm; das Gewicht der completen Lafette sammt Pivotbock 
betr&gt 770kg, jenes des Pivotbockes allein 164%. Die Lafette gestattet die Er- 
theilung von Elevationen bis 10^ und Depressionen bis 5^ 

Artilleriskij Journal. 1896, 1. 

Russiand. Bettung fDr den 21cm ieicliten Hörser. Far den sio»» 

leichten Mörser wurde mittels Prikas Nr. 91 vom 20. Deeember 1895 eine in Fig. 1 
und 2 auf Tafel 16 dargestellte Bettung eingefflhrt. 

Diese Bettung hat folgende Bestandtheile : 
10 Stflck Rostbalken ii von 305 X 15 X 15em, 

1 „ Stoßbalken B von 805 X 1& X 15cm, 

6 „ langen RippenhOlzer C von 488 X 15 X 15cm, 

4 „ kurzen „ D von 348 X 15 X 15cm, 

4 „ Einzugbalken E von 91 X 15 X 15cm, 

21 „ Pfosten F von 305 X 23 X 7*6cm, 

81 n Nägel, 

2 „ Winkelstflcke Ö, 

1 „ Pivotplatte H nebst Befestigungsnägeln, 
1 „ Schraubenbolzen 7 sammt Mutter. 
Das Gewicht der completen Bettung betragt 1.7^2%. 

Artilleriskij Journal. 1896, 1. 

Einfluss der Kälte auf die Festigkeit von Eisen und Stahl. Nach 

„Eisen und Stahl* hat Professor M. Rudeloff in der Versuchs-Anstalt za Char- 
lüttenburg über Auftrag der kaiserlichen Werft zu Wilhelmshafen verschiedene 
Eisensorten bei 4- 20», — 20" und — 80» C. in Bezug auf ihre Festigkeit erprobt, 
u. zw. : 1. Weiches Nieteisen (Schweißeisen), Rundstangen von 25*5nMn Durchmesser. 
2. Siemens -Martin -Flusseisen, Winkel von 100 X 100 X Hwm. 3. Thomasstahl, 
Winkel wie vor. 4. Gewalztes Schweißeisen, Winkel von 100 X 65 X ^^^- 5. Feder- 
stahl, Rundstangen von 2bmm Durchmesser. B. Gusstahl, wie vor. 7. Geschmiedetes 
Schweißeisen (Hammereisen), wie vor. Es wurden auch Stauchproben auf niedere 
Cjlinder (/* = d) mit einem Schlagwerke ausgeführt. 



NotizeD. 36& 

Hiebei zeigte Nieteisen bei 4- 18» — 20° und — 80* C. 

Elasticititsgrenze kg 28 7 29*2 304 

Brachfestigkeit „ 39 7 41*7 42 7 

Brachdebnnng in % &^f 90inm L&nge des Probestabes 27 7 26*2 23*8 

Siemens-Martin-Flnsseisen : 

Elasticitätsgrenze kg 240 24 7 29 7 

Bruchfestigkeit „ 40 4 43 6 452 

Bruchdehnung in % auf 90mm L&nge des Probestabes 32*8 33*3 23*4 

Die Ergebnisse waren: 1. Die Abkühlung steigert die Elasticitätsgrenze und 
Bruchfestigkeit und vermindert im allgemeinen die Dehnung bei allen Sorten von 1 bis 6, 
nur beim Hammereisen nicht, bei dem die Dehnung von 21 3 auf 21*9 und 23*3 stieg. 
Der Einflnss der Abkdhlung ist am grOssten beim Martin-Flusseisen. 2. Mit der 
K&lte nimmt die Stauehfähigkeit ab. 3. Die Abkflhlung auf — 21° C. übte einen sehr 
l^eringen Einfluss auf die Biegsamkeit aus : die auf — 80® blieb bei dem weichen 
Nieteisen und beim gewalzten Schweißeisen ohne erhebliche Nachtheile auf die 
Biegsamkeit, bei allen übrigen Materialien litt die Biegsamkeit durch die tiefere E&lte. 

Auswechslung schadhafter Quadern in den Gewölben der Karis- 

brOcke in Prag. Die Gewölbe dieser Brücke bestehen (bei 16 bis 23m Spann- 
weite) aus Doppelbogen von je 60 bis 80cm Stärke. Die schadhaften Quadern an 
«ler inneren Leibung wurden auf etwa 30 bis 40cm Tiefe rein ausgestemmt und 
neue, genau bearbeitete Quadern eingesetzt, die man in die öfihung einschob und so 
lange stützte oder durch Keile hielt, bis das in die Fugen gegossene Bindemittel, 
CementmOrtel oder Lavaoid, erh&rtet war. Das Einpressen des Steines in die aus- 
gearbeitete Öfinung erfolgte mit Winden, wobei der Stein in der gehörigen Lage durch 
eingetriebene Eisenplatten (welche man später entfernte), oder durch provisorische 
Holzkeile gehalten wurde. Zum Vergießen wurden die Fugen mit Lehm verschmiert. 
War die Erhärtun^r des Bindemittels eingetreten, so wurden nach Entfernung der 
Lehmdichtung die Keile herausgezogen und die Fugen verstrichen. Li den GewOlbs- 
anlaufen und nahe denselben hatte man für das Vergießen genügende Druckhohe 
im Innenranme der Wölbung, und genügenden AufsteÜungt^raum daselbst für den 
Eingusstrichter und die Rohrleitung. In den Scheitelpartien war dies schwieriger. 
Man half sich hier durch HinausfUhrea der Bohrleitung (für den Verguss) bis zur 
Stirnseite des Gewölbes, von wo au dieselbe vertical so weit emporgeführt wurde, 
dasa der Eingusstrichter genügend hoch zu stehen kam. 

Auch im Scheitel wurde der schadhafte Stein auf 30 bis 40cm Tiefe von unten 
ausgestemmt. Sodann wurde ein neies paasendes Stück in die Öffnung hineingeschoben, 
durch eine Winde gebalten und vorläufig verkeiH Hierauf folgte der Verguss. 

Die Verwendung von CementmOrtel zum Vergießen bedingt mit Rücksicht 
auf seine Erhärtungszeit ein längeres Abstützen des Steines. Für einen raschen Fort- 
schritt der Arbeit empfiehlt sich der Gebrauch von Lavaoid '), das von dem ausführenden 
Ingenieur Soukup schon vielfach verwendet wurde und nach dem Erhärten dem 
Drucke ebenso gut widersteht wie ein ganz fester Sandstein. 

Nach Soukup nimmt die vergossene Masse an Volumen nicht zu und bindet 
Eisen mit Stein, Stein mit Holz und Holz mit Eisen. Lavaoid ist eine Masse, die 
nach Soukup von Ingenieur Irmler und H. Prousa (Etablissement in Vysocan 
bei Prag) ersonnen wurde und patentiert ist Dasselbe ist aus Eisenschlacke, Quarzit, 
Schwefel, Asbest und Asphalt zusammengesetzt. Es ist pulverfOrmig und wird zum 
Gebrauche geschmolzen. Das specifische Gewicht ist 2*5. Der Siedepunkt liegt 
zwischen 130 bis 135® R. Die heiße Flüssigkeit wird durch Rohrleitungen in die 
Fugen des versetzten Quaders gegossen. Sie erhärtet in 10 Minuten. Die schwierig 
zu versetzenden Stücke wurden nur mit Lavaoid vergossen. (1kg kostet 12 kr.). 

Sowohl der Cement- als auch der Lavaoid-Verguss ergaben eine solide 
Lagerung der nachträglich eingesetzten Quadern, von der man sich durch Aushauen 
der nebenanliegenden Quadern überzeugte. Tilschkert, Oberst. 



») Siehe „Miltheilnugon« 1S93. 2. H*ff. 



366 N o t i I e n. 

Poröse Mauerziegel aus Steinkohlenschiefer, von Libuschin bei 

KladnO in Böhmen. Dieselben sind infolge Yerbrennens der im Schiefer ent- 
haltenen Eohlentheile nach dem Brande sehr porOs and durch die ganze Masae sehr 
gut gebrannt. Wenn es sich nm sehr leichte Ziegel handelt, stellt man sie als Hohl- 
ziegel her, die bei der in der ganzen Masse wirkenden Yerbrennang sehr hart und 
widerstandsfähig werden. Bei normalen Formen haben diese Ziegel nor ein Gewicht 
von 2*2 bis 2 4kg gegen 4 bis hkg der gewöhnlichen. 

PorOse Mauerziegel werden schon seit Jahren in Deutschland dort hergestellt, 
wo sich erdige Braunkoblenlager befinden, namentlich bei Halle an dar Saale und 
bei Bitterfeld. Ebenso erzeugt man porOse Mauerziegel durch Beimischung von Sftge- 
sp&hnen, Lohe, Theerabf&llen, sowie Torf zum Lehm. Erst in der letzten Zeit ist es 
in Libuschin bei Kladno (MirOschauer Steinkohlen -Gewerkschaft) gelangen, einen 
bituminösen Steinkohlenscbiefer ebenfalls zur Fabrikation porOser Mauerziegel heran- 
zuziehen. Dieser Schiefer, sogenannte Waschberge, ist ein Abfall bei der Kohlen- 
wäsche, welcher bis jetzt als ganz wertloses Material auf der Halde liegen bleiben 
masste. Herr Director Fitz versuchte schon seit langem, diesen Schiefer, welcher 
täglich in großen Mengen aus der Kohle gewaschen wurde, zu verwerten, jedoch ohne 
Erfolg. Endlich kam ihm der Gedanke, aus demselben nach Beimischung von Lehm, 
Mauerziegel herzustellen. Dies bot anfangs Schwierigkeiten, besonders bei Herstellung 
einer geeigneten Maschine, in welcher die Zerkleinerung gemeinschaftlich erfolgeü 
sollte, da der Schiefer zu hart und der ihm beizumischende Lehm zu weich ist, 
und anders eine vorzQgliche Qualität der Ziegel nicht zu erreichen war. Ingenieur 
Schmelzer aus Magdeburg hat nun diese Aufgabe gelöst und eine geeignete 
Maschine construiert 

Fflr die Verarbeitung wird erst der Schiefer befeuchtet und hiezu gleich 
in dem Wagenhund (Lowrjr) mit 3 Eimer Wasser begossen. Ebenso wird der Thon, 
von dem 20°/o (Schiefer zu Thon 4 : 1) dem Schiefer zugesetzt werden, befeuchtet.- 
Diese Masse wird in einem Xollergange verarbeitet und gesiebt. Das durchgesiebte 
Material fällt in einen Bewässerongs- Apparat, von dom es der Ziegelpresse la- 
geführt wird. 

Diese erzeugt täglich 15.000 Vollsteine (28 X H X 7). Geringer ist die Zahl 
der erzeugten Hohlziegel (Zwei-Loch-Steine), u. zw. 10.000 Stflck in zehn Standen. 
Für deren Erzeugung ist namentlich rück^ichtlich der entsprechenden Bewässerung große 
Aufmerksamkeit nOthig. Sie trocknen sehr schnell, ohne jedoch zu reißen. 

Zum Brennen der Ziegel ist nicht das geringste Brennmaterial nOthig, im Gegen- 
theil, es ist noch ein großer Überschuss an selbem vorhanden. Das Brennen erfordert 
eine geschickte Leitung, weil bei zu hoher Temperatur leicht die ganze Kammer 
zu einem Klnmpen zusammenschmilzt, was sich schon mitunter ereignet hat. Da die 
Ziegel eine rasche Abkühlung vertragen, so Offnet man im Ringofen den Deckel der 
Heizkanimenj und benützt die ausstrahlende Wärme zum Trocknen der gepressten 
Ziegel. Wie schon erwähnt, ist jeder Ziegel durch und durch gesintert und zeigt 
kleine blaue Einschmelzungen, welche wie geschmolzene Eisen Stückchen aussehen 
und von einem erzähnlichen Kohleneisenstein (genannt Blockband} herrühren. Diese 
Masse ist in dem ganzen Stein gleichmäßig vertbeilt. Sie verleiht ihm eine große 
Druckfestigkeit und Wetterbeständigkeit. Ein durch mehrere Nächte bei etwa — 8® 
im Freien gelagerter und vorher mit Wasser getränkter Ziegel erlitt keine Verände- 
rung durch den Frost. Nach einem Zeugnisse des Prager Dampfkessel-Prüfungs-Ver- 
eines vermag ein solcher Hohlziegel eine Säule von 372m Hohe aus gleichem Material 
zu tragen. Erst bei dieser Belastung brechen die Stege. 4000 Lochziegel lassen sich 
auf einen Eisenbahn-Waggon verladen. Derartige Ziegel, die loco Prag 16 fi. und 
loco Wien 25 fl. ko.sten dürften, sollen anderwärts noch nir|,'end8 zur Ausführung 
gekommen sein. Ihre Vortheile lassen sich in folgende Punkte zusammenfassen: 

1. Bei ihrer großen Leichtigkeit eignen sie sich besonders für Mauern auf 
eisernen Trägern und zu Gewölben zwischen diesen. Da sie beiläufig nur halb so 
schwere Mauern ergeben, so erspart man nahezu das halbe Trägergewicht, also z. B. 
bei einem 100 fl. kostenden Träger 50 fl., was die Kosten der Ziegel deckt und 
noch eine Ersparnis ergibt. Die Ersparnis an Trägern bei gewölbten Decken beträgt 
etwa 15 bis 20«/o. 



Notizen. 367 

2. Sie sind schlechte Wärme- nud Schalleiter, eignen sich daher gut für Isolie- 
ruDgen. So werden sie ans diesem Grunde, dann weil sie leicht sind und nicht stauben, 
ein vorzflgliches Dachhodenpflaster abgeben. Riegel wände, mit ihnen gemauert, werden 
besser isolieren als die mit den gewöhnlichen Ziegeln. 

3. Da sie Tiel härter als diese sind und wärmer halten, empfehlen sie sich 
als Pflasterung. 

4. Ihre Festigkeit und Leichtigkeit macht sie fQr Gesimsconstructionen 
geeignet. 

5. Wegen ihrer Porosität und Härte geben sie ein geeignetes Herdpflaster 
für Backofen mit Innenfeuerung. 

6. Herde mit ihnen gemauert, fallen wesentlich leichter aus. 

7. Bei Schornsteinen verwendet, verhindern sie ein rasches Abkühlen der 
Ranchgase. 

8. Da sie nur halb so schwer als die gewöhnlichen Ziegel sind, lassen sie sich 
um denselben Preis etwa doppelt so weit verfrachten. 

Sandgeleise als Sicherheltsgeleise fDr EisenbahnzOge und ein- 

Z6lne Wagen. Es ist von Oeheimrath Koepke in Dresden construiert Es soll 
▼or Gefahren schützen, wenn das Haltesignal vor dem Bahnhofe oder vor einer besetzten 
Strecke nicht bemerkt wurde, indem es durch eine entsprechend gestellte, mit dem 
Haltesignal gekoppelte Weiche den Zug oder Wagen aufnimmt und zum Stehen 
bringt. Schon früher hatte man derartige Ablenkungen des Zuges durch eine soge- 
nannte Entgleisungsweiche in ein Nebengeleise, in dem er aber von selbst nicht 
zum Stehen gebracht wurde, daher am Ende des Geleises entgleisen musste. 

Dies verhindert das Koepke*sche Sandgeleise, es verzehrt die lebendige Kraft 
des Zuges durch Einschneiden der auf dem Geleise bleibenden Räder in einer 
Sandschichte. Hiezu sind die Schienen mit einer allmählich ansteigenden und schließlich 
hcm bis 8cm hohen Sandschichte bedeckt, welche zwischen hölzernen Langschwellen 
eingebettet wird ; letztere verhindern als Führungsschienen das Entgleisen des Zuges. 
In dem Sand reiben sich die Räder derart, dass der Zug bald zum Stehen kommt. 
Solche Sandgeleise sind in Sachsen mehrfach angelegt ; vor dem Bahnhofe Dresden- 
Kenstadt hat ein solches Sandgeleise sich bereits bewährt ; indem am 21. December 1895 
ein im starken Gefälle durchgegangener Güterzug gerettet wurde. 

In etwas abgeändeter Form wird man dieses Sandgeleise auf der flüchtigen 
Feldeisenbahn in langen steilen Gefällen (107o) verwenden können, in denen ins- 
besondere bei nassem Wetter und schweren Lasten (70^ Festungs-Feldeisenbabn)^ 
liann bei unvorsichtigem Bremsen leicht Wägen durchgehen können, indem man 
streckenweise, etwa alle 50 bis 100m, das Geleise auf etwa im Länge 1 bis 10mm 
mit Sand bedeckt und denselben seitlich mit Brettern oder Pfosten einfasst. An 
diesen Stellen wird sich die zu rasche Bewegung mäßigen, die Bremse mit Sand 
bekleben und wirksamer werden, so dass der Bremser den Wagen wieder in die Hand 
bekommt. Kurze steile Strecken, selbst von mehr als 10% Gefälle, wird man zweck- 
mäßig durchaus mit dieser Sandstreuung behandeln und so wahrscheinlich selbst 
Gefälle von 12 und 15%, ja noch mehr, zur Anwendung bringen dürfen, was häufig 
große Yortheile in der Führung des Geleises gewähren wird. T. 

Das tiefste Bohrloch der Erde. Es befindet sich in Oberschlesien» 
n. zw. in Paruschowitz bei Rybnik und wurde in der Zeit vom 26. Jänner 1892 bis 
zum 17. Mai 1893 auf eine Tiefe von 2.003 34m hergestellt. Man fand mit dem- 
selben 80 Kohlenflötze mit einer Gesammthöhe von 89*5to. Das Bohrgestänge wog 
insgesammt 13875%; die Bohrdauer betrufir 399 Tage, so dass sich auf einen Tag 
ein ßohrfortschritt von 501m ergab. Die Bohrung hatte etwa 45.100 fl., also ein 
Meter durchschnittlich 22 Vi A- gekostet. Diesem Bohrloche zunächst kommt das von 
Schladebach mit 1.7484m Tiefe, von welchem ein Meter etwa 73 fl. Kosten verursachte. 
In Preussen hat der Fiscus in den letzten 15 Jahren 400 Tiefbohrungen ausführen 
lassen und hiefür 7 8 Millionen Gulden verausgabt. 

Ost. Zeitschrift för Berg- und Hüttenwesen. 



368 Patent-Angelegenheiten. 

Patent- Angelegenheiten. 

Obersicht der im Monate Jänner und Februar 1895 

ertheilten Privilegien ^). 

Elvers August J. A. in Wentorf. Neuartiger Verschluss fflr Gefäße mit entzflnd- 
licbem Inhalte. 

Kaiser Wilhelm Dr. in Floridsdorf. Elektrische Zänd Vorrichtung. 

Kerpely Anton von, in Wien. Neuerung an Geschossen. 

Lee James Paris in Hartford. Neuerungen in Magazingewehren und den ffir die- 
selben bestimmten Patronenhalter. 

Merrem Franz in Homburg v. d. H. Verbesserungen am Korn und Visier von Gewehren. 

Pieper Henry in Lüttich. Laderahmen für Gewehre mit Kastenmagazin. 

Kfib Friedrich und Ungefroren Robert in Leipzig-Reudnitz. Mehrlade- Gewehre mit 
seitwärts schwingendem, durch Handschieber bewegtem Verschlussblock. 

Skarda Wilhelm in Wien. Neuartiges Militär-Kochgeftß. 

Starke Gustav und Kammerer Gustav in Wien. Compensations-Distanzmesser. 

Theodorovid Wasa in Wien. Patronenrahmen mit Drucker. 

Theodorovic Wasa in Wien. Selbstthätige Mehrlade-Feuerwaffe. 

Olausius Claus in Hamburg. Cylinderverschluss zwischen Lauf und Schloss selbst- 

thätiger Feuerwaffen. 
Dubsky Alois und Müller Max in Wien. Neuartige Porte-^p^e-KnOpfe. 
Eckhardt Moriz Julius in Bautzen und Georgi Franz Albin von Bothenkirchen. 

Neuerungen an Mehrladegewehren. 
Krupp Fried., Firma in Essen. Schussbremse für Käderlafetten. 
Krupp Fried, in Essen. Federndes Bremsgestänge für Bäderlafetten. 
MOmer Gustav Otto Filipp in Landskrona. Maschine zum Laden von Patronenhülsen. 
Ricci C. in London. Bevolver, bei dem zur besseren Ausnützung der Explosion die 

Patrone vor dem Abfeuern ein Stück in den Lauf geschoben wird. 
Schittenhelm*8 Kl. Sohn, Firma in Wien. Neuerungen an Patron entomistem. 



Patent-Anmeldungen in Österreich-Ungarn*). 

A. Österreicii-Ungarn. 
B. Österreich. 

Claase. 

42. Schießbrille. — Georg Bosenmüller. 

49. Neuerungen in der Herstellung von an der Oberfläche gehärteten Panzerplatten 
und anderen Stahlgegenständen. — Josef Henry Dickinson & Edwin Mar- 
schall Fox. 

<33. Für Kranken- und Waarentransport verstellbares Zweirad. — Robert Kolbaba 
& H Gläser. 

B9. Fechtsäbelgriff. — Johann Panek. 

71. Reitstiefelschaft. — M. Ditsche. 

72. Geschützrohr. — Carl Rohr. 

„ Vorrichtung zum selbstthätigen Rücklauf des Verschlusstückes von Feuer- 
waffen. — Carl Axel Teodor Sjögren. 



*) Nach dem „Katalog der von dem kaiserl. königl. Privilegien-Archive 
registrierten Veränderungen im Stande der Erfindungs-Privilegien. " 

^) Illustriertes Österreichisch-ungarisches Patent-Blatt Nr. 361, 362 und 363. 



Patent-ADgelegenheiten. 359 

Ciasse. 

72. Nenerangen an HinterladgeschOtzen. — Firma: Vieker» Sons and Company 
Limited. 

^ Sehnellfenerwaffe. — The IloUhkiss Ordnanee Company LimiHed. 

^ AbdrückvorrichtUDg für Gewehre etc. — Hendrik G. Köster db W, van Egmond. 

„ Vorrichtung an Lafetten zum Seitwärtsrichteo der Geschütze. — Lonis yan Rojen. 

^ Gewehr- Ziel- und Schießstfltze. — Josef Livtschak. 

^ Vorrichtung zum Messen und Sortieren von Patronenhülsen. — The Normal 
Potoder Syndicaie Limited, 
74. Verfahren zur Erzeugung eines Alarmsignals nebst dem zugehörigen Apparat. — 

Bobert W. Kraus. 
78. Herstellung pyrotechnischer Apparate in Blattform. York Schwartz. 

^ Verfahren zur Herstellung Ton Sprengstoffmischungen. — Ernst Kubin. 

33. Magazins-Zelt. — Samuel Taussig & Sohne. 

34. Tragbare Feldkochvorrichtune. — Francis H. Buzzacott und W. Hibbard. 
36. Transportabler Regulier- Feldbackofen. ~ Julius Binot. 

63. Zusammenklappbares Zweirad. — Pierre L. Girardet Fils. 

2. Neuerungen an fahrbaren Feldbackofen. — Ludwig Eubala. 
33. Gewehrfutteral aus wasserdichtem StofT. — Erich Herrmann. 

73. Vorrichtung zur Verhinderung des unbeabsichtigten SichOffiiens von Geradezugs« 
verschlussen. — Ferdinand Ritt, von Mannlicher. 

„ Neuerungen an Munitionskftsten. — Maxim Nordenfelt Gttns and AmmurUtion 

Comp. Ltd. 
„ Pistole mit einem Verschluss-Cjlinder. — Caspar Engh & J. Paquot. 
„ Zeitzünder für Sprenggeschosse. — James C. Thompson. 
„ Selbstthatiger Schussz&hler für Schießwaffen. — Carl H. Schell & P. Gehlich. 
„ Als Heft dienende Büchse für Gewehrreinigungs-Gerftthe. — Josef Hinne. 
^ Neuerungen an Magazingewehren. — Thomas Robert Ranej Ashton. 
78. Verfahren zur Herstellung von Zündschnur, welche die Zündung ohne Feuer- 
erscheinung fortpflanzt. — Dr. phil. Max Bielefeldt. 



370 



SaiüUtsverliftltiiisM. 



SanKfttsverhältnisse bei der Mannschaft des k. und k. Heeres ini' 

Monate Jänner 1896. 

Mit Ende December 1895 waren krank yerblieben { 5,'^ÄJjX„ ] \^ ^^ 

ErankenzQgang im Monate Jänner 1896 31.476 , 

entsprechend Voo der durchschnittlichen Kopfst&rke 78 

Im Monate Jänner 1896 wurden an Heilanstalten abgegeben .... 9.344 Mann 

entsprechend %o ^^i* durchschnittlichen Eopfstärke 34 

Im Monate Jänner 1896 sind vom Gesammtkrankenstande in Abgang 

gekommen 19.586 Maon 

darunter: als diensttanglich (genesen) 18.109 , 

entsprechend %o ^^^ Abganges 924 

durch Tod 98 Mann 

entsprechend Vm des Abganges 5*00 

bezw. Voo ^^^ durchschnittlichen Kopfstärke 0*85 

Am Monate.chl«88e sind k»nk yerblieben { Jf '^l^S^« ; ; ; ] ; ||?i ^^1"'' 
Von dem Erankenzugang und den Todesfällen entfallen auf: 



Zu- 


Todes- 


gang 


f&Ile 


475 


22 


71 


16 


5 


1 


887 


— 


8» 


8 


65 


— 


1.75« 


3«) 


2 









Zu- 
gang 



TodM> 
fUl« 



Acute Infeotionikrankheiten . . . 

daranter: Darmtyphat . . . . 

Rohr 

Malariakrankheit 

Lnngentnberenlose 

Trachom und Aiigenblennorrti5e . 

Veaerieche and typhllitiaehe Krank- 
heiten 

Beorbat 



Bindehautkatarrh , Herpes der 
Bindehaut 

AeaterBronchlalkatarrh. katarrha- 
lische Lungenentsflndung . . . 

Croiip6te LangenentsOndang , . 

BnutfenentsOndang 

Magenkatarrh , acater Darmluaarrh, 
Icatarrhaliache Geibtaeht . . . 

Qelenksriieamatinniia 

Wnnddraek der FIIAe, AofHtt . . 

Körperliche Besehldignngen . . . 



51S 



2.887 


7 


233 


15 


127 


5 


1.478 


«*) 


362 


1 


662 


<— 


S.070 


1 



Der Erankenzugang, die Abgaben an Heilanstalten und die Todesf&Ue bereehnen 
sich für die einzelnen Corps und deren Hauptgamisonsorte in Voo ^^^ durchschnitt- 
lichen Kopfstärke, wie folgt: 



Sa 
bd •• 


Abgaben 
an Heil- 
anaUlten 


3 JS 


65 


25 


17 


77 


29 


0-22 


101 


31 


011 


73 


32 


43 


63 


26 


0« 


65 


31 


56 


77 


37 


38 


80 


28 


0-34 


77 


26 


07 


P8 


35 


81 


78 


40 


0-44 


87 


48 


51 


88 


46 


51> 


(»6 


41 


0-47 


81 


38 


80 


85 


47 


66 



M 5 


l?l 


Ü 


Iss 


ut " 


65 


25 


64 


27 


106 


21 


69 


.10 


5« 


20 


64 


32 


80 


40 


83 


26 


87 


27 


72 


37 


77 


47 


84 


43 


114 


68 


124 


71 


b2 


48 


72 


89 



1. Corpt 

« 

8. n 

4. n 

5. ,. 

6. n 

T. . 

8. « 

9 

10. . 

11. n 

12. . 

18. , 

14. , 

15. n 

Militlr-Commando in Zara 



Krakan . . . 
Wien . . . 
Oras .... 
Badapett . . 
Preatbarg 
Kaeohaa . . 
Temetvir . . 
Prag .... 
Joaefttadt 
Prsemyil . . 
Lemberg . . 
Hermannatadt 
Agram . . . 
Innabruck 
Sarajevo . . 
Zara .... 



0*09 

on 

11 
0*41 

0-69 

0-27 







1 
2 



49 
12 
29 
41 
24 
47 



1-00 



Außerdem sind noch vorgekommen: 26 Selbstmorde und 3 Verunglückungen mit 
tödtlichem Ausgange. 

') Bei den in der Rubrik „Venerle und .Syphllla" ausgewiesenen 3 Todesfällen war in Je einem 
Falle Lungcntubcrcalose, eitrige Bruslfellentaündung und acute Nieren-EntzQndang als CompUeationen 
hinzugetreten. 

*) JU'I den in der Rubrik „Mafrenkatarrb'* uungewicscnen TodcsfÄllen waren in «wei FUlen 
Darmtyphu» uud je einmal acuter Dannltatarrb, elno bösArtige Xoubildung, IJrustfcllentxflndung nnd 
acute Nlereneutzflndung als Coniplloatlonen hinzugetreten. 



SaDit&tererhiltiiisse. 



371 



Sanitttsveriiättnisse bei der Mannschaft des k. und k. Heeres im 

Monate Februar 1896. 

Mit Ende JiBner 1896 waren krank verblieben {L^^i^Äun ! tSl ^T 

Krankenxngang im Monate Febraar 1896 18.603 . 

entspreehend Too ^^^ durchschnittlichen Kopfstärke 6*7 

Im Monate Februar 1896 wurden an Heilanstalten abgegeben . . . 7.914 Mann 

entsprechend Yqo ^^r durchschnittlichen Kopfstärke 28 

Im Monate Februar 1896 sind vom Gesammtkrankenstande in Abgang 

gekommen . . . , 18.895 Mann 

darunter: als diensttauglich (genesen) 17.280 » 

entsprechend Voo ^^ Abganges 914 

durch Tod 84 Mann 

' entsprechend 7m ^^s Abganges .... 4*44 

bezw. %o ^^T^ durchschnittlichen Kopfstärke * 30 

Am Moo.t.schlus.e sind krack Terblieben { Sr^ntuanÄn ! ! ! ! S "T" 
Von dem Knuikenzngang ond den TodesflUlen entfaUen auf: 





Za- 


Tode»- 

nue 




Za- 


Todea- 
llUe 


Acute Infectionakrankbeiten . . . 

danuitcr: Damitjphos .... 

Ruhr 

Influenz« 

MalarUknnkheit 

Lmngentabercnlose 

Tnehom and Augenblenorrhöe . 
Venerische und syphilitiacheKrank- 

beiten 

Seorbat 


479 
54 

5 

223 
S9 
50 

1.326 

S 


19 
11 

9 

7 
2«) 


BindehaatiKaUrrh , Herpes der 
Bindehaat 

Acuter BronchJalkaUrrh. katarrba- 
lUcbe Lani^eneaUflndang . . . 

CronpOse Langenentzflndang . . 

Brostfellenuandnng 

katarrhalitclie Gelbnicbt . . . 

Oelenksrhenmalitmiu 

Wanddmck der Fflße, AufriU . . 
KOrperlicbe Betehidigiuigen . . . 


506 

2.425 
254 
107 

1 213 
320 
546 

1.797 


7 
14 

4 

3«) 
2 

7 



Der Krankenzugang, die Abgabe an Heilanstalten und die Todesfälle berechnen 
sich för die einzelnen Corps und deren Hauptgamisonsorte in */oo der durchschnitt- 
lichen Kopfstärke, wie folgt: 



Corps 



'S« 



•Sä« 



"SS 



Gamisontorte 






^38 



I = 

o (S 



1. Corps 

2. n 

S. n 

4. B 

5. , 

•. „ 

7. r, 

8. n 

9. n 

10. , 

11. n 

12. , 

13. n 

U. n 

15 

Milit&r Commando in Z&ra 



53 
68 
89 
63 
58 
56 
66 
69 
63 
59 
68 
84 
73 
88 
64 
69 



19 
26 
28 
28 
25 
28 
34 
23 
20 
31 
33 
42 
34 
31 
31 
38 








17 
41 



017 
0-37 
25 
28 
0-69 
0-54 
07 
13 
22 
36 
0*34 
08 
0-60 
0-23 



Krakaa 

Wien 

Grajs 

Budapest 

Pressbarg . . . . 

Kascbaa 

Temesvar 

Prag 

Josefstadt . . . . 

Prsemyil 

Lemberg 

Hermannstadt . . 

Agram 

Innsbruck . . . . 

Sarajevo 

Zara 



53 
65 
86 
61 
55 
48 
74 
74 
76 
60 
66 
89 
74 
108 
G6 
66 



21 
26 
20 
24 
17 
24 
41 
23 
24 
32 
40 
40 
19 
46 
88 
82 



018 
56 
0-23 
0-57 

30 

1 66 
0*54 

19 
0-25 
89 
0-83 

1-84 
105 



Außerdem sind noch vorgekommen: 31 Selbstmorde und 2 YerunglQckungen 
mit tödtlichem Ausgange. 

*) Bei den in der Rubrik .,Venerie und Syphilis" ausgewiesenen 2 Todesfällen war Lungen- 
tabereulose und KnoohonmarkrntKQnduDg der Wirbelsiule als CompHcatlon hinzugetreten. 

*) Bei den in der Kubrik „Magenkatarrh" ausgewiesenen 3 Todesflllen war Je ein Fall von 
Breehdurebfall, cronpöser Lungen- und Hru^tfellentzflndung und einer bösartigen Neubildung als 
CSomplieation hinzugetreten. 

29 



372 Büeher-Bdsprechoiigen. 

Neue gewappnete Klänge. Von Bela Kadern a, k. und k. Major, Lehrer 
an der k. und k. technischen Militär-Akademie in Wien. Eigentbnm 
und Verlag des Verfassers. Wien 1896. 

Der Verfasser ist bestrebt, ^der Poesie unseres Standes zu ihrem Rechte 
zu verhelfen" und veröfifentlicht dementsprechend eine neue Folge von Ge- 
dichten, welche des Kriegers Denken und Fflhlen zum Ausdruck bringen; 
daran schließt sich eine poetische Erzählung, die eine sinnige Episode aus 
den blutigen Kämpfen an der Scharnitz in anmuthiger Form behandelt 

Bemerkenswert ist die Einleitung, als „Glaubensbekenntnis des Sol- 
daten". „Die Waffen hoch", heißt sein Spruch, entgegen dem Faselworte 
„Die Waffen nieder" ; er steht da als Verfechter der yon M o 1 1 k e vertretenen 
Anschauung, dass der ewige Friede nicht einmal ein schöner Traum wäre; 
es würde ja bei einem solchen Zustande eines fehlen : „Die Waffen hoch ! 
auf dass sie niederfahren auf alles Faule, Schlechte!" Von den Gedichten 
mögen des „Kriegers Klangwelt" und „Du bist nicht todt" !" besonders her- 
vorgehoben sein ; mannhafte Gesinnung wird aber aus jeder einzelnen Strophe 
Erbauung schöpfen. Die Redaction. 



Grundriss der Befestigungslehre. Von w. stavenhagen, Haupt- 
mann a. D. Verlag von E. S. Mittler & Sohn. Wien 1896. 

Der Verfasser unterscheidet zwischen der strategischeu Forti- 
ficatiou, welche mit der Landosvertheidigung zusammenhängt, und der 
taktischenBefestigung, welche bezüglich des Vortheiles zu entwickeln 
ist, den dieselbe unmittelbar im einzelnen Falle geben kann. Sein Buch 
befasst sich vornehmlich mit taktischer Fortification. Die Untertheilung dieser 
letzt-eren in permanente und in Feld-Befestigung geschieht dann zur Erleich- 
terung bei Betrachtung der Verschiedenheiten in den Mitteln, in der Aas* 
führung und in den Formen. 

Diese Eintheilung — welche freilich nicht zwingend erscheint — wurde für 
die Bearbeitung nicht beibehalten ; vielmehr wurde die Behandlung des Stoffes 
nach „Mitteln" und „Anwendungen" durchgeführt. Die Mittel sind dann 
entweder „Herstellungen" oder „Beseitigungen", wobei sich die ersteren, 
nicht aber auch die letzteren, nach ihrer Friedens-, feldmäßigen und provisori- 
schen Durchführung unterscheiden. Die Anwendungen stellen sich als Feldkrieg 
oder als Festungskrieg dar. 

Ohne auf die Einzelheiten des Buches, welche manchmal Einwendungen 
hervorrufen dürften, einzugehen, möge liier nur des Schlusscapitels Erwähnung 
gemacht werden, welches den „Gebrauch der Festung durch die Feld- Armee, 
besonders auf dem Kampfentscheidungsfelde (Schlacht)" in Betracht zieht, 
weil diese Angelegenheit in den fortificatorischen Lehrbüchern zumeist gar 
nicht behandelt wird und demnach gleichsam eine Neuerung darstellt. Da 
dürfte aber der an die Spitze gestellte Grundsatz „im Wirkungsbereiche einer 
eigenen Festung darf die Armee nie unthätig bleiben" kaum etwas Neues 
aussprechen ; dessenungeachtet ist ganz richtig darauf hingewiesen, dass nicht 
die Festung durch ihr Vorhandensein die Armee zur Unthätigkeit verdammt, 
sondern umgekehrt, dass eine unklug in die Festung hineingeworfene Armee 



Bfloher-Besprechnngen. 373 

den Bestand der Festang gefährdet. Von den angefahrten Beispielen entspricht 
wohl jenes von Plevna ganz und gar nicht; es hat sich ehen die Armee 
Osman Paschas nicht in eine bestehende Festung geflüchtet; sondern diese 
Armee, welche durch ihre inneren Verhältnisse zu Operationen im Freien 
nicht fähig war, hat sich mit richtiger Selbsterkenntnis auf die Vertheidigung 
ferlegt, in Verfolgung dieses Planes für sich selber eine neue Festung ge- 
schaffen und damit einen bedeutend überlegenen Gegner durch so lange Zeit 
aufgehalten, wie ihr dies durch andere Unternehmungen wohl niemals hätte 
gelingen können. In den weiteren Ausführungen dieses Abschnittes wird in 
kurzen Worten der Einfluss der Festung geschildert: je nach ihrer Lage vor 
der Front einer Stellung ; innerhalb derselben und in deren Bücken. Vielleicht 
darf man der Meinung sein, dass sich da allgemeine Regeln nur schwer auf- 
stellen lassen, dass vielmehr jeder einzelne eintretende Fall, mit den jeweilig 
verschiedenen Stärkeverhältnissen der Truppen des Angreifers und Ver- 
theidigers — u. zw. sowohl jener Truppen, welche für die Festung unmittelbar 
in Betracht kommen, als auch jener, welche auf demselben Kriegsschauplatze 
außerhalb der Festung operieren — Gegenstand einer besonderen Erwägung 
wird sein müssen. 

Dem Buche ist ein Anhang angeschlossen; derselbe enthält außer einer 
schönen Li teratur-Nacb Weisung einige Angaben für Feld-Befestigun^arbeiten, 
die Ausrüstung an im Felde mitgefübrten Sprengstoffen u. dgl., Angaben für 
das Überwinden von Wasserlinien, Notizen aus dem Lagerbau, über Verkehrs- 
mittel und Beleuchtung. Hier ist also der außerordentlich schätzenswerte 
Versuch gemacht, Anhaltspunkte für die Beurtheilung dessen darzubieten, was 
im Felde technisch zu leisten möglich ist. Es bleibt nur zu wünschen, dass 
in Hinkunft in dieser Richtung ergänzend weitergearbeitet werden möge, weil 
solche Zusammenstellungen für die vielfachen neuartigen und schwierigen 
Arbeiten des Festungskrieges von großem Werte sind, und sonst nur aus ver- 
schiedenen Büchern mühsam zusammengetragen werden können. 

Major Karl Euk. 

Fartification passageve acttielle. Von Oberst Craincianu der 
rumänischen Genie-Waffe. Auszugsweise übersetzt aus dem Rumänischen 
durch den französischen Genie- Hauptmann Leon Lamouche. 

Vorliegende Broschüre, welche die Feldbefestigung in ihren Grund- 
sätzen und Elementen, ihrer Anwendung auf dem offenen Schlachtfeld, bei 
dem Angriffe und der Vertheidigung fester Plätze betrachtet, schließt mit 
einer Abhandlung über Anlage von Brückenköpfen und Sperren, der Be- 
festigung von Deßleen, Etappenlinien, sowie der Durchführung des Angriffes 
und der Vertheidigung von Feldbefestigungen. 

Bei Aufzählung der Befestigungstypen für die Infanterie werden unter- 
schieden : Positions-, improvisierte und flüchtige Profile, wobei das improvi- 
sierte Profil die Vermittlung in jenen Fällen herstellt, wo für die stärksten 
Profile die Zeit mangelt, oder solche noch erübrigt wird, um die flüchtigsten 
Deckungen zu stärkeren auszubilden. Die beiden ersten Profile, auch den 
Schutz gegen Volltreffer der Feld-Artillerie bietend, werden bei Beschießunir 
mit Torpedogranaten um l'OOm verstärkt. 

29» 



374 Bficher-Besprechongen. 

Bei den stärkeren Profilen erscheint das Hindernis im äußeren Graben 
angebracht und dessen frontale Bestreichung durch Anbringung einer Stufe 
an der inneren Brustwehrböschung, auf welche der Yertheidiger steigt, wenn 
der Gegner in den Graben gedrungen, ermöglicht. Da muss wohl die An- 
bringung der Hindernisse vor dem Graben in der wirksamen Feuerzone, 
soweit als die Bewachung ersterer auch bei Nacht möglich erscheint, als 
günstiger bezeichnet werden, nachdem die Beherrschung des Hindernisses durch 
den Yertheidiger in gedeckter Lage geschehen kann. 

Um dem Yertheidiger während des Artillerie-Kampfes eine gesicherte 
Ruhestellung zu geben, werden bei Anwendung der Positionsprofile unter 
allen Yerhältnissen eigene Schutzgräben (fosse de statümnement) ausgeführt; 
der innere Graben dient dann nur als Communication. Bei dem improvisierten 
Profil wird erwähnt, dass diese Schutzstellung auch durch YerÜefung des 
inneren Grabens hergestellt werden kann. 

Solche Yorkehrungen erscheinen nur in jenen Fällen gerechtfertigt, wo 
der Schutz im inneren Graben nicht zu erreichen ist (Enfilier- und Rücken- 
feuer) ; sonst empfiehlt sich die gesicherte Unterbringung eines Theiles der 
Besatzung in nächster Nähe der Kampfstellung, d. i. im Graben des Profiles 
selbst, schon aus dem gewichtigen Grunde einer möglichst raschen Besetzung 
der Kammlinie, abgesehen yon der Mehrarbeit, die sich durch die Anlage 
abgetrennter Schutzgräben ergibt. 

Kann der Schutz beim improvisierten Profil in einfachster Weise durch 
Yertiefung des inneren Grabens erreicht werden, so bleibt unklar, warum 
dies nicht auch bei Anwendung der Positionsprofile geschehen kann. 

Diese Schutzgräben gewähren Schutz gegen Sprengstücke und Shrapnel- 
füllkugeln durch die Profilgestaltung; gegen YoUtreffer durch die Brust- 
wehrstärke. 

Auch bei Anwendung der flüchtigsten Profile, der prqfih expedäifs, 
werden Schutzgräben nach dem improvisierten Profil zur Yerwendung vor- 
geschlagen. Diese Anordnung entspricht schon in Bücksicht der gegebenen 
Zeit nicht. Ist nur soviel Zeit, um gerade noch die schwächsten Profile für 
die Schwarmlinie auszuführen, so wird auch die Zeit mangeln, um stärkere 
Schutzgräben für die Unterstützungen und Reserven anzulegen. 

In einem anderen Abschnitte werden zur Erzielung eines ausgiebigeren 
Schutzes gegen Artilleriefeuer Hohlbauten angeführt, deren Anwendung im 
inneren Graben selbst schon durch deren Anordnung nicht in Aussicht ge- 
nommen erscheint. 

Bei den einfachsten Profilen (proßls expeditifs), jenen der flüchtigen 
Befestigung, von welchen Schützengräben für sitzende, kniende, und solche 
für sitzende und stehende unterschieden werden, erscheint der Anwendung 
von einfachsten Hohlbauten gar nicht gedacht. 

Durch die Anlage der inneren Brustwehrböschung unter 1 : 1 erscheint 
auch der einfachste Schutz der Schwarmlinie nur in unvollkommener Weise 
gewährleistet. 

Wie hat man sich nun hier den Schutz gegen Artilleriefeuer zu denken ? 
Die Antwort ist durch folgenden Ausspruch gegeben (Seite 121): Gegen 
das Artillerie- Weitfeuer können sich die Yertheidiger in Ermanglung natür- 



Bflcher-Besprechnngeo. 375 

lieber Deckangen darch in der Nähe der Schützengräben erbaute nichtver- 
theidigungsfähige Schutzgräben decken. 

Der Yertheidiger (die Schwarmlinie) muss also erst aus künstlichen 
oder natürlichen Deckungen heraus und, sind nicht gedeckte Verbindungen 
vorhanden, im feindlichen Gewehrfeuer die Kampfstellung besetzen und sich 
dort einrichten, wobei die genaue Lage der Kampfstellung auch noch vor- 
zeitig verrathen, d. h. der Hauptvortheil des rauchschwachen Pulvers ver- 
loren geht; oder es entsteht durch Anlage von Verbindungen eine abermalige 
Mehrarbeit. Die Schwarmlinie muss wohl dort Schutz gegen Artilleriefeuer 
finden, wo sie kämpft. Schutzgräben sind nur für Beserven zweckdienlich. 

In dem X. Capitel: „Defensiv-Organisation einer Stellung^ wird auch 
die Befestigung einer Linie vor der Hauptstellung (ligne avancee) vorge- 
schlagen, u. zw. nach einem angefügten Beispiele (Fig. 177) zu urtheilen, 
in einer Ausdehnung, die ein Beziehen mit stärkeren Kräften, als jenen der 
Vorposten, bedingt. Diese Vorkehrung kommt der Anlage einer Verdoppelung 
der Hauptkampfstellung gleich und wäre entschieden zu verwerfen. Die Erfül- 
lung der Aufgaben der Vortruppen, den Gegner zur vorzeitigen Entwickelung 
zu bringen, den ersten Verbrauch seiner Kräfte zu bewirken, der feindlichen 
Cavallerie die Einsichtnahme in die eigenen Vertheidigungs-Maßnahmen zu 
verwehren, sollen durch die gewöhnlichen Vorposten erfüllt werden. Eine 
weitergehende Verstärkung führt zur Kräftezersplitterung. Die Befestigung 
einer solchen Vorstellung durch Anlage einer fast durchlaufenden Linie von 
Schützengräben, Erbauung von Schanzen, Vertheidigungs-Einrichtung von Ort- 
schaften u. dgl. würde überdies die in dieser Stellung befindlichen Truppen 
zu einem Ausharren in derselben bis zum Anlaufe, jene der Hauptstellung 
aber zum Verlassen derselben und zum Vorbrechen zur Unterstützung der 
bedrohten ersten Linie verleiten. 

Die Besetzung der wichtigsten Punkte des Vorterrains wird bei 
geschickter Ausnützung der natürlichen Deckungen, Anlage künstlicher 
Deckungen der flüchtigsten Art — bloß gruppenweise — Einrichtung] der 
vorhandenen Stützpunkte, Ortschaften, Waldparcellen etc., nur stückweise für 
Schützenschwärme erfolgen, entsprechend dem Zwecke einer nur vorüber- 
gehenden Besetzung. 

Auch bei der Einrichtung der Hauptkampfstellung macht der Verfasser 
weitgehenden Gebrauch von Schanzen als Stützpunkten. Indem nun Schanzen 
auf gut gekennzeichneten Terrainpunkten angelegt werden, und Überdies zu- 
folge ihrer Ausgestaltung das gegnerische Artilleriefeuer auf sich ziehen, 
wäre deren Anwendung als Glieder einer befestigten Stellung — insbeson- 
dere bei offenen Schlachtfeld-Befestigungen — nur auf Ausnahmsfälle zu 
beschränken. Ihre Anwendung in dem vom Verfasser angedeuteten Umfange 
erscheint auf jeden Fall ausgeschlossen. Vielmehr wird man in Ermanglung 
zu Stützpunkten geeigneter Ortschaften, Waldparcellen u. dgl. die Stützpunkte 
eher durch gruppenartige Anordnung der Schützengräben etc. und durch ver- 
mehrte Vorsorgen für gesicherte Unterbringung der hier stärkeren Reserven 
zu schaffen trachten. 

Zur wirksamen Sicherung der Intervall-Befestigungen schlägt der Ver- 
fasser die Schaffung eigener Anlagen, ravelins-caponniereSy vor, und begründet 



376 



Bflchei^BespTechnngen . 



deren Anlage mit dvr unzareich enden Plankiernng der Intervalle dnrcb Be> 
donter, indem letztere angegrriffen, anf ihre eigene VerlheidjganR bedacht 
sind; die Flanken erscheinen nicht in jener Weise durch die Facen geschätzt, 
die eine Flankierung der Intervalle mOgÜch erscheinen Ifteat. Die Nothwen- 
digkeit der Flankierang wird aus der mit den StQtzpanktcn gleichen Wichtig- 
keit der Intervalle geschlossen, wobei jedoch die Unmöglichkeit besteht, ihnen 
eine den Stützpunkten gleiche Widerstandekraft zu verleihen. 

Die vorgeschlagene Flankierongsanlage besteht aus 2 Flanken, mit der 
Intervallinie den Winkel von 100 bis 110* einschließend, nnd aus einer 
diese schOtzenden Face. Die Flanken sind mit Traversen versehen, um selbst 
gegen Qeschotzfeuer zu decken. Sie werden in die Mitte der mit l.üOO bis 
1.400m bemessenen Schanzen -Intervalle verlegt. 

Die Anlagen «erden nach dem Profil der SchOtzengräben aosgefahrt; 
jedoch ist stets zu trachten, dieselben nach dem Profil der improvisierten 
Befestigung zu verstärken. 




Die Figur stellt eine solche ravelin-eapotmiire vor. Die Face ist für 
3 ZDge bestimmt (3 Mann auf den Meter Eammlinie gerechnet). Das Profil 
der Front ist das improvisierte, mit Hindernissen im äuUeren Graben nnd 
einem rückwärts befindlichen Schulzgrabun. Die beiden Flanken sind mit je 
'/, Zug besetzt. Das Flankenprofil kann jenes der normalen ScIiQtzengrSben 
bleiben (Schützengräben für stehende und sitzende Schätzen) odi^r ebenfalls 
mit dem improvisierten Profil ausgeführt werden. Gegen Enfilier- und RQcken- 
feuer ist die Flankenbesatzung durch traverseg-paradits gedeckt, die nichts 
anderes als Brustwehren von Scliutzgräben darstellen, mit dem improvisierten 
oder selbst Positionsprofil ausgeführt; hinter denselben bleibt der Vertheidiger 
bis zum Fintritt in den Kampf geschützt. 

Die Flanken können auch für 4 Glieder-Feuer eingerichtet sein; zn 
diesem Zwecke entfernt man die Brustwehr vom GrabeuBrand derart, dass 



BUcfaer-Bflapr«« faDngtn . 



377 



auf dem Banket 2 Glieder kniend nnd anf einer 40 bis 60cm unter dem 
Horizont eingeHchnitUiien Stufe 2 Glieder stehend BchieSen. 

In der PoBitionB-Befestigung können diese Anlagen nach folgender 
Figur organisiert sein: 




Die Face hat das gewöhnliche Pueitionsprofil oder jenes mit dreieck- 
ßirroiger Brustwehr nnd ebenso gestaltetem Graben, mit hier angebrachten 
Hindernissen und einem rdckwSrts befindlichen ächntzgraben. 

Die Flanken können mit dem normalen Schützengraben- oder improvi- 
sierten Profil ausgeführt werden; nur die TraTerseu werden stärker, nach 
dem Profil des Schutzgrabens der Pos itions- Befestigung, ausgeführt. 

Man kann auch die Flanken mit blockhausShnlicben Rohlbauten ver- 
sehen. Die Decken schätzen gegen Geschosse der Feld-Artillerie. 

Mit dem Vorschlag dieser Fl an kierungs- Anlagen glaubt der Vorfasser 
die wichtige Frage des Intervall Schutzes, welcher von den Sclianzen flanken aus 
unthunlicb erscheint, gelOst zu haben. Dagegen wird erwähnt: Solche Flan- 
kierungs-An lagen, sollen sie ihre Au^abe erfQllen, mQssen durch stUrkere 
Ausgestaltung, im Terrain ausgezeichnete Lage und Rdckfaalt genügender 



378 Bücher-Besprechangen. 

Reserven die Festhaltang des eingenommenen Punktes gewährleisten ; sie haben 
hiednrch die bereits angefahrten Nachtheile kflnstlicher Stützpunkte, der 
Schanzen, und fQhren zu einer weiteren Kraftzersplitterung. Diese Umstände 
müssen die Anwendung solcher Anlagen, wenigstens in der flüchtigen Be- 
festigung, bedeutend beschränken. 

Die Hauptkraft der Vertheidigung liegt in der frontalen Feuerwirkung 
der modernen Handfeuerwaffen. Nur in jenen Fällen, wo die genügende fron- 
tale Feuerkraft nicht rechtzeitig entwickelt werden kann, wie dies bei Cer- 
nierungsstellungen eintreten kann, werden solche Flau kierungs- Anlagen von 
Wert sein können. 

Hauptmann Eerschner. 



jDlctUynnaire MUUaire. Encyclopedie des sctences mili- 
taires^ redigee par un comite d'ofßciers de touies armes. 3^ livrai- 
son: Batterie — Canon; 4® livraison : Canon — Chapelet; 5^ livraison: 
Chapelle de campagne — Commisscure. 

Librairie militaire Berger-Levrault et Cie, Pains et Nancy 1894. 
Tous droits reserves. Preis einer Lieferung 3 Fr. 

Diese interessante Encyklopädie der militärischen Wissenschaften, von 
welcher schon wiederholt zu berichten Gelegenheit war, macht erfreuliche 
Fortschritte, so dass man hofifen darf, das abgeschlossene Werk zur ver- 
sprochenen Zeit vollendet zu sehen. 

Wenn auch bei einer solchen Sammelarbeit einzelne Unrichtigkeiten 
nicht zu vermeiden sind, so ist doch an vielen Stellen zu ersehen, wie sehr 
die Verfasser bestrebt sind, das Neueste zu bringen. So z. B. findet man 
unter „b^ton^ dessen Herstellungsweise und Verwendungsart, wobei auch 
der Anordnung von Betongewölben mit Sandpolstern gedacht wird. Unter 
„bouclier^ ist zu ersehen, dass Dänemark im Jahre 1893 zur Anschaffung 
von Schilden für Plänkler einen besonderen Betrag in das Budget eingestellt 
hat. Bei „canon ä tir rapide^ ist darauf hingewiesen, dass in nächster Zeit 
alle Mächte ihr jetziges Geschützmaterial zu ändern gezwungen sein werden, 
und dass jene Macht, welche zu allererst die Schnellfeuergeschütze einführt, 
sich hiedurch wenigstens auf einige Jahre hinaus eine Überlegenheit sichert 

So findet man überall die neuesten Ansichten vertreten, wonach dieses 
Werk seinerzeit einen guten Anhaltspunkt zur Beurtheilung aller militärischen 
Bestrebungen zu Ende unseres Jahrhunderts darbieten wird. K. 



Die polnische Umgangssprache. Eine Auswahl von Gesprächen des täg- 
lichen Lebens. Von Severin K u t n e r. 1. Theil: Übungsbuch; 2. Theil: 
Wörterbuch und Erläuterungen. Verlag von Raimund Gerhard. 
Leipzig 1895. 

Enthält eine Sammlung von Gesprächen des praktischen Lebens, welche 
geeignet sind, die volksthümliche Redeweise sowie die gewöhnlichsten Umgangs- 
formeln dem Lernenden geläufig zu machen. St. 



Bfloher-BePi>rec!iangen. 379 

Hilfs- und Übungsbuch für die russische Dolmetscher-Prüfung. B<'iirimitet 

und tEit Aci;ei)tei] verseilen ruii Dr. Sascha Anders. Vi/rlag von Bai- 
uiund Garliard. Li^ipzig 1896. 

Umfaast eine Reibe von BeispioSni militärisclier Befehlgobung, Mnster 
von Waffenstillstands- und Capitulalions-Verträgen, Proclamationen und uiid- 
Uch eine Samnilung von ruasiachen Handschriften-Proben. 

Als besonders zweckentspreclietid niüsaen die Beigabe eines SchlOsfela 
snm Lesen der Handschriften-Proben, sowie die im Texte aDgegebene Accen- 
tuierung bezeiclinet vrerden. St. 



Eingelaufene BQcher. 



Leitfaden der allgemeinen Kriegsgeschichte, znm 

k. und k. Militur-Akademi^n und für das S 
fasat im Auftragt- des k. and k. Baiclis-Kr 
Mit einpr ÜbErsicIits-Skiize und 47 Gefedita-Skiz: 
von L. W. Seidel & Si.hn. Wien 18".t6. 






E-VerUg 



ApplJcatorische Übungen aus der flüchtigen Befestigung. Ein Entwurf dea 

Vorganges nebst ÖU aDBgcarbeileten Beiipifleii vüii Arthur Von-ZeU von 
ArloD. k. und k. Hauptmann im Pinnnier-BatailloD Nr. 12. Mit 4 Beilagen. 
Im Selbstverlage. Krakaul8'.6. Preis eines Eiemplures im Selbat- 
verlage: 1 fl. 30 kr., in Con)mi[<!.ion bei L. W. Seidei & Sohn, Wien. 
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in bezog auf Material, Organisation, Ausbildung und Taktik 
von 1875 bis 189^. Mit Eienluzung diensilichen Muteriales dargestellt von 
H, von Müller, Generallieutenunt a. D„ mit 8 AbbiMungen im Texte und 
3 Tafeln in Stiindruck. Verlag von E. S. Mittler & Sohn. Berlin 1896. 
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Rathgeber für Anl^nger im Photograph ieren 

Uge. Verlag voii Wilhelm KiiDp|j. Ualle u. 

Anleitung zur ersten Hilfeleistung bei plötzlichen Unfällen von j. Hess 

mid Dr. med. Mehler. Verlag von H. Bechold. Fran kfort a. M. 
PreiH 1 Mk. 

Seidel's kleines Armee-Schema. Disioeation und Einiheiiung des k. und k. 

Heeres, der k, und k. Kriegs-Maiine, der k. k. nnd der kön. ongar. Landwehr. 
Wien 1896. Verlag von L. W. Seidel & Sohn Wien, Preis 50 kr., mit 
FoatTeiBendnng 55 kr, 



381 



Die Küsten-Artillerie und die Minenvertheidigung. 

Von 
k. und k. Hauptmann im Futungg-ÄrtillerU-Regimente Kr. 5. 

Der Zweck der nachfolgenden Ausführungen ist, auf taktischer 
tind technischer Grundlage die noth wendige artilleristische Ausrüstung 
der modernen Eüsten-BefestiguDgen abzuleiten, u. zw. mit besonderer 
Berücksichtigung jenes Einflusses, welchen die Minenvertheidigung auf 
die Lösung dieser Frage auszuüben vermag. 

In erster Linie bestimmend für die Wahl der Geschütze sind die 
Aufgaben, welche der Eüsten-Artillerie in den einzelnen Abschnitten 
der Tertheidigung zukommen ; vor allem sollen daher diese in Kürze 
gekennzeichnet werden. 

Die wichtigste Thätigkeit der Eüsten-Artillerie besteht darin, die 
großen Panzerschiffe der angreifenden Schlachtflotte möglichst weit von 
den Eüsten-Befestigungen abzuhalten, damit nicht gleichzeitig mit der 
Beschießung der letzteren ein Bombardement des Hafen-Inneren verbunden 
sei; die nächste Aufgabe bildet aber eine entsprechende Wirkung, um 
die Annäherung der Schlachtflotte des Gegners an die Hafeneinfahrt, 
sowie deren Forcierung zu verhindern. 

Zur Ergänzung dieses letzteren Theiles der Aufgabe der Eüsten- 
irtQlerie werden noch Minenabsperrungen angewendet, welche nach den 
in seemännischen Ereisen herrschenden Ansichten in zwei von einander 
guiz unabhängigen Zonen angelegt werden sollen, deren eine, vordere, 
der Hafeneinfahrt und den Eüsten-Befestigungen weit vorgelegen, 
erstere im weiten Bogen zu umspannen hat, während durch die zweite, 
if.ftekw artige, in der Linie der äußersten Punkte der Hafeneinfahrt 
^geordnete Minenzone die eigentliche Einfahrt selbst zu sperren ist. 
8s verhindert also die erste Linie die Annäherung an die Einfahrt, die 
sveite aber die Forcierung derselben durch Schlachtschiffe. 

Beide Hindernislinien erfüllen ihren Zweck gegen die großen 
I'taiiersGhiffe nur in gewissem Sinne, gar nie aber gegen Torpedo-Flottillen, 
ittcihdem die äußere Linie abräumbar ist, beide Zonen aber für die 

31* 



382 Mielicbhofer. 

Torpedo-Flottillen passierbar sind, wie das jüngste kriegsgeschichtliche 
Beispiel, der AngriflF auf Wei-hai-wei, bewies. 

Es ist daher in zweiter Linie Aufgabe der Efisten-Artillerie, nicht 
nur den großen Schlachtschiffen, sondern auch den anderen, kleineren 
Fahrzeugen der angreifenden Flotte die Ann&herung an diese beiden 
Hindemiszonen, sowie' deren gewaltsamen Durchbruch zu verwehren. 

Die Erf&Uung dieser beiden Aufgaben verlangt nun einerseits die 
Zerstörung der Schwimm- und Manövrierfthigkeit der großen Schlacht- 
schiffe auf den gewöhnlichen Gefechtsdistanzen, was mit Rücksicht auf 
die starken Panzerungen nur durch große, schwere Geschütze mit be- 
deutendem Durchschlagsvermögen erreicht werden kann, anderseits aber 
die Zerstörung von Torpedofahrzeugen, Torpedobooten und anderen 
kleineren Gliedern der Flotte von geringer Widerstandsfähigkeit, wobei 
es in Hinblick auf die Leichtigkeit des Baues derselben, deren große 
Fahrgeschwindigkeit von 30 Seemeilen und darüber, sowie deren her- 
vorragende ManövrierßLhigkeit, nur auf ein ganz geringes Durchschlags- 
vermögen, destomebr aber auf eine bedeutende Feuergeschwindigkeit 
ankommen wird. 

Es leitet sich daher aus diesen Aufgaben die Nothwendigkeit der 
Verwendung von schweren Fernkampf-Geschützen und von leichten Schnell- 
feuer-Eanonen ab. 

Zunächst sollen die Fernkampf-Geschütze in den Ereis der Be- 
trachtungen gezogen werden. 

Die Eigenthümlichkeiten des modernen Panzerschiffbaues, welcher 
nur zum Schutze der wichtigsten Einrichtungen Seitenpanzer aus Com- 
pound- oder Stahlplatten bis zu 550mm Stärke, in neuester Zeit aber 
den noch widerstandsfähigeren Nickelstahl verwendet, und die übrigen 
Theile des Schiffskörpers durch das unter der Wasserlinie gelegene, 
60 bis 80mm starke Stahlpanzerdeck sichert, hätten zur Folge, dass — 
soll der Eampf schon auf größeren Entfernungen mit Aussicht auf Er- 
folg begonnen werden, eine Bedingung, die bei der gesteigerten Gegen- 
wirkung der mächtigen Schiffsgeschütze eine wesentliche ist — für das 
Durchschlagen des schützenden Seitenpanzers auf diesen entfernteren 
Gefechtsdistanzen, das Caliber der schweren Eüsten-Eanonen eine Zu- 
nahme erfahren müsste, welche nicht ohne ungünstigen Einfluss auf 
hervorragende taktische Forderungen, wie Feuergeschwindigkeit, Beweg- 
lichkeit u. s. w. bleiben könnte. 

Um nun diesen wesentlichen taktischen Forderungen entsprechen 
zu können und hiebei doch eine gesteigerte Fernwirkung zu erzielen, 



Die Küsten- Artillerie und die Minenvertheidigung. 3g3 

trennte man die Wirkung am Ziele in eine horizontale und verticale, 
und gab den Flachbahn-Geschützen Wurfgeschütze großen Calibers als 
Ergänzung bei, welche ganz besonders für den Kampf auf größere Ent- 
fernungen bestimmt sind. 

Es ist nun selbstverständlich, dass, sollen sich beide Systeme in 
ihrer Wirkung thatsächlich ergänzen, die Wahl der Caliber keine will- 
kürliche sein kann, dass man also bei dieser Wahl gewisse leitende 
Motive anerkennen muss. Nebst den Aufgaben, welche die Eüsten-Geschütze 
zu erfUlen haben, ist nun das wesentlichste Motiv der Zusammenhang 
jnit der Minenvertheidigung, welches einen ganz bedeutenden Einfluss 
geltend macht Die folgenden Darlegungen werden zeigen, dass zwischen 
diesen beiden Mitteln der Yertheidigung eine ganz bestimmte Beziehung 
besteht, welche nicht nur die Bedingungen für die Caliberfrage, sondern 
auch die für die Anlage des Minenhindernisses ableiten lässt. 

Die Ansichten über die Verwendung der Minen, welche verlangen, 
dass die vorderste Linie derselben der Hafeneinfahrt möglichst weit, etwa 
bis 3.000m, vorgeschoben werde, verdanken ihre Entstehung der Ein- 
sicht, dass die Eüsten-Artillerie für sich allein zu wenig activ ist, um 
einen energischen Gegner lange aufhalten zu können; es wird die Eüsten- 
Artillerie erst dann eine genügende Wirkung äußern, wenn ein ihr vor- 
gelegtes Hindernis das Vordringen des Angreifers hemmt. 

Hingegen entbehren aber die Minenanlagen fQr sich allein voll- 
kommen der Activität, da sie, weiter nicht verth eidigt, leicht entfernt 
und biemit die Durchfahrten frei gemacht- werden können. Minenanlagen 
müssen daher vertheidigt werden. 

Es sind also diese beiden Vertheidigungsmittel nicht unabhängig 
von einander, sondern sie stehen in engster, gegenseitiger Beziehung; 
dort, wo eine Minenvertheidigung angeordnet ist, muss auch die gün- 
stigste Artilleriewirkung gelegen sein. 

Die Bichtigkeit dieser Ansicht ergibt sich aus dem ganz allgemein 
giltigen fortificatorischen Grundsatze, dass ein Hindernis nur dann wirk- 
sam angebracht ist, wenn es den Gegner im besten, eigenen Schuss- 
bereiehe aufzuhalten vermag. 

Als Beispiel aus der Seekriegsgeschichte mag der Eampf um 
die Einfahrt von New-Orleans dienen, welche durch mehr als 60 Ge- 
schütze der beiden Forts Gaines und Morgan, sowie durch eine in 
der Einfahrt selbst gelegte, also mit der Eüsten-Artillerie in keiner Be- 
ziehung stehende Minenlinie vertheidigt wurde. Ohne sich um die Eüsten- 



384 Mielichhofer. 

Geschütze viel zu kümmern, befahl Farragutdie Forcierung der Einfahrt 
und sie gelang ihm auch, ohne dass seine Holzschiffe von der Artillerie 
des Yertheidigers wesentlich gelitten hatten. 

Da nun die in Verwendung stehenden Minen überall die gleiche 
Wirkung äußern, können sie örtlich bis zu gewissen Orenzen im Sinne 
der Artilleriewirkung verlegt werden ; aber eben auch nur bis zu ge- 
wissen Grenzen, denn sie müssen immer der Hafeneinfahrt vorgelegt 
bleiben. Die äußerste Grenze für die Anordnung der Minenvertheidigung 
bestimmt das Caliber der Küsten-Geschütze; innerhalb dieser Zone 
wird das Minenhindernis im Sinne der günstigsten Artilleriewirkung an- 
zulegen sein. 

Hiemit ist schon die Beziehung zwischen Küsten- Artillerie und 
Minenvertheidigung ausgesprochen, und es handelt sich nur mehr um 
ihre Verwertung. 

Die Wirkung des Horizontal- (Flachbahn-) Feuers nimmt mit 
wachsenden Entfernungen ab; daher muss für die in Küstenbefestigungen 

verwendeten Kanonen eine mehr oder minder 
weit entfernte Linie £, Fig. 1, bestehen, bis 
zu welcher dieselben die im Schiffbau ver- 
wendeten, stärksten Seitenpanzer gerade noch 
durchzuschlagen vermögen; ein innerhalb dieser 
Linie und der Küste fahrendes Panzerschiff 
wird hiedurch ernstlich gefährdet. Dies ergibt 
die - Mazimaldistanz der Wirkungssphäre der 
Flachbahn-Geschütze. ' 

Für die Wurfgeschütze, deren Wirkung mit zunehmender Distanz 
infolge der zunehmenden Pulverladung wächst, muss ebenso eine untere 
Grenze der Wirkungssphäre, d. h. eine Linie A bestehen, welcher 
gerade noch das Minimum an End-Energie für das Durchschlagen der 
gebräuchlichen Deckpanzer zukommt, unter welcher Grenze daher die 
Anwendung des Verticalfeuers ohne wesentliche Erfolge bleibt. 

Durch das Übergreifen der beiden Wirkungssphären entsteht nun 
eine mehr oder minder breite Zone AB, welche mit Recht als die 
Zone der günstigen Artilleriewirkung bezeichnet werden 
kann, da in ihr sowohl dem Vertical- als auch dem Horizontalfeuer 
die volle Wirkungsfähigkeit gegen alle Schiffspanzer erhalten bleibt, 
daher beide Feuerarten gleichzeitig gegen ein in diesem Räume sich 
bewegendes Kriegsschiff mit Erfolg zu verwenden sein werden. 





Die Küsten-Artillerie und die Minenvertbeidigang. 3g5 

In dieser Zone AB nnu muss die vordere, die änßere Minen- 
absperrung liegen. Da ihre Lage und Entfernung eine näherungsweise 
bedingte ist, bestimmt sie die Caliber der Eüsten-Oeschütze in gewissen 
Grenzen. 

Durch eine derartige Anordnung wird eine Yertheidigungszone 
geschaffen, welche so außerordentlich stark ist, dass ihr vielleicht diese 
Stärke zum Vorwurf gemacht werden könnte, mit der Begründung, dass 
mit ihrem Falle das Schicksal des befestigten Hafens so ziemlich ent- 
scbieden sein dürfte. Dem ist zu entgegnen, dass eine solche Yertheidi- 
gungszone außerordentlich schwer und selbst da nur mit so großen 
Verlusten zu nehmen ist, dass die Möglichkeit eines erfolgreichen An- 
griffes nur einem übermächtigen Gegner zugesprochen werden kann. 
Würde man aber beide Vertheidigungsmittel unabhängig von einander 
machen, so sind allerdings zwei Linien geschaffen, deren jede einzelne 
aber verhältnismäßig leichter zu überwinden sein wird. 

Dies beweist eben das früher erwähnte Beispiel von New-Orleans, 
während das jüngste kriegsgeschichtliche Beispiel von Wei-hai-wei 
keinen Gegenbeweis liefert, da Admiral Ito in der ganz richtigen Er- 
w^ung, dass die schwache Befestigung der Landseite durch den Angriff 
des Landungscorps leichter einzunehmen sei, die Forcierung der Hafen- 
ein&hrt durch die Schlachtflotte und hiemit das Opfer eines Schiffes 
anterlassen konnte. 

Es soll daher an dieser Anordnung der Vertheidigungsmittel fest- 
gehalten und in ihrem Sinne, bei weiterer Entwickelung der zwischen 
Eflsten-Artillerie und Minenvertheidigung bestehenden Beziehung die 
Caliberfrage abgeleitet werden. 

Zuvörderst ist klar, dass man die äußere Minenvertheidigung mög- 
liehst weit hinausschieben will, um die angreifende Flotte entsprechend 
weit von der Hafeneinfahrt abzuhalten. Diese Forderung verlangt daher, 
dass das Distanzmaximum der Wirkungssphäre der Flachbahn-Geschütze 
möglichst groß sei und weist auf die Verwendung großcalibrigen 
Elanonenmateriales. Sie steht aber im Gegensatze mit den Ansprüchen 
in Bezug auf Feuerschnelligkeit. Diese beiden Bedingungen werden daher 
bei Wahl der Flachbahn-Geschütze in Einklang zu bringen sein. 

Der Baum für die ernstliche Bedrohung und Gefährdung der 
Schlachtschiffe durch die Eüsten-Artillerie soll aber auch möglichst 
groß sein; es muss also eine breite Zone der günstigen Artilleriewirkung 
geschaffen werden, und dies ist nur zu erreichen, wenn das Distanz- 
minuDQm f&r die Wirkungssphäre der Steilfeuer-Geschütze dem Zahlen- 
werte nach sehr klein ist. 



386 Mielicbhofer. 

Also ein beträchtliches Distanzmaximum der Wirkungssphäre der 
Flachbahn-Geschütze bei noch entsprechender Feuergeschwindigkeit, mög-* 
liehst kleines Distanzminimum der Wurfgeschütze und eine Entfernung 
des Minenhindernisses von mindestens 2.000 bis 3.000m sind die Be- 
dingungen für die Wahl der Küsten-Geschütze. 

Nachdem die Frage der Wurfgeschütze fQr die Küste noch nicht 
so vollkommen gelöst ist, wie die der Flachbahn-Geschütze, bleibt vor- 
läufig für die Verwendung des Verticalfeuers noch keine große Auswahl; 
man wird also das bisher für die bestehenden Verhältnisse günstigste 
Geschütz, die 28cm Krupp'sche Küsten-Haubitze 1/12 als Grundlage 
annehmen müssen. 

Bei Verwendung dieses allerdings vorzüglichen Geschützes ergibt 
sich das noch zulässige Wirkungsminimum gegen das bei Schlacht- 
schiffen übliche Panzerdeck von 60 bis 80mm Stahlplatten bei der 
Pulverladung von lOkg, welcher als untere Port^e-Grenze die Entfernung 
von 2.000m zukommt (nach der Krupp'schen Schusstafel 2.200m für 
die Elevation von 637 ^ doch kann durch Erweiterung der Elevations- 
grenzen bis 68® noch die Wurfdistanz von 2.000m erreicht werden). 

Die untere Grenze der Zone für die äußere Minenvertheidigung 
liegt also auf 2.000m, und da die obere Grenze durch das Distanz- 
maximum der Flachbahn-Geschütze gebildet wird, muss deren Wirkungs- 
sphäre über 2.000m hinausreichen. Die in Küstenbefestigungen verwen- 
deten Kanonen müssen daher auf Distanzen über 2.000m die Panzer- 
schiffe einer angreifenden Flotte in ihren vitalsten Theilen noch derart 
durch Treffer verletzen können, dass Schwimm- und Manövrierfähigkeit 
in Frage gestellt sind. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Kanonen 
die im Schiffbau gebräuchlichsten Stärken der Gürtel- bezw. Citadelle- 
und Casemattpanzer mit entsprechendem Kraftüberschuss durchzuschlagen 
vermögen. 

Es bestimmt ulso die Stärke und das Material dieser Panzerungen 
das unbedingt nothwendige Durchschlagsvermögen, während dieses im 
Vereine mit den früher ausgesprochenen und durch die Minenvertheidi- 
gung geforderten Bedingungen bezüglich des Ertrages, bis zu welchem 
das verlangte Durchschlagsvermögen erhalten bleiben muss, das Caliber 
angibt. 

Sehen wir daher zunächst nach den gebräuchlichsten Seitenpanze- 
rungen der Schlachtschiffe der gi'oßen Marinen, welche der folgenden 
Zusammenstellung entnommen werden können. 



Die Ktsten-ArtiUerie md die MiaenTertheidirETjc. 



3^ 





Gebriochlichste Stärke des SehesfoxxifrF W: 

YerveBdoiif tob 


Staat 


ComponDd-oderStaUplatten' XickelnaU^-^anes 




in BIM 


DeatschUnd 

England 

Fnmkmch 

Italien 

Bossland 


400 3lV» 
456 Sb5 
450 4W 
450 ^4 
400-450 - 



Stärkere PanzeniDgen sind nnr Terweodet bei drei Schiffen der. 
62 Schlachtschiffe zählenden englischen Flotte (Sanspareil ^57mm^ Nile 
und Trafalgar 507fnm), femer bei 3 der, 25 Schiffe starken Schlacht- 
flotte Frankreichs (Amiral Baudin, Formidable und Amiral Duperr^ 
55<Hf»sn) und bei vier älteren von 12 Schlachtschiffen der italienischen 
Flottenliste (Italia nnd Lepanto 480inm Thorropanzen Dandolo nnd 
Dnilio 650mm Gürtelpanzer). 

Man kann daher ganz gut einen 460mm starken Compound- oder 
Staiilpanzer in Rechnung stellen und dessen Zerstörung als Basis für 
das noch nothwendige Dnrchschlagsvermugen nehmen, also auf Grund 
dieser Panzerstärke die Wahl des Calibers der Flachbahn-Geschütze 
treffen. 

Die stetige Verbesserung, welche die Krupp'schen Küsten-Eanonen 
— in ihrer Bntwickelung durch die Constructionen C/80, C/87 und C/89 
bezeichnet — er&hren haben, veraolasst, sich sofort der jüngsten Fort- 
sehrittsstufe C/89 als der vollkommensten zuzuwenden. Die nachfolgende 
Tabelle enthält alle wünschenswerten Daten der Krupp*schen EQsten- 
Eanonen C/89 von 24 bis SO'bcm; die in derselben angeführten 
Daten f&r das Durchschlagsvermogen bis 2.000m sind den Angaben der 
Fabrik entnommen, die für die größeren Distanzen aber rechnungsmäßig 
beatiiiuiit worden. 

Ans dieser Tabelle gebt nun in erster Linie hervor, dass die 
60 Caliber langen Bohre in dieser Beziehung den 40 Caliber langen vor- 
znziefaen sind, da sie die Verwendung eines kleineren, also leichteren 
Calibers gestatten. Der Vergleich zweier in der Tabelle unmittelbar 
nebeneinander gelegenen Bohre verschiedenen Calibers und verschiedener 
Caliberlänge zeigt, dass die Wirkung gegen Panzer bei beiden fast die 
gleiche bleibt, während das geringere Gescbossgewicht, die kleinere Pulver- 






1 avnS Jep Ol »Mid 8 



•*|Sg|SSSS88 



TU uoi üuQUjaj^ag 



I- 



Dia KQBtea- Artillerie und die Minen vertheidignng. 389 

ladoBg und das miodere Bohrgewictit des kleinereD Calibers TonVortheil 
Ar die Feaer^Bchwindigkeit sind. 

Bei Festhaltung sd den 50 Caliber langen Bobren zeigt die Ta- 
belle feroer, dass scbun die 26em Erupp'scbe Eflaten - Kanone den 
froher aafgestellten Bedingungen entspricbt. Es ist den Daten zu ent- 
nehmeD, dass deren Panzergranate i/S'b bis auf Distanzen von rund 
3.200m einen 460mm starken CompouDd- oder Stablpanzer durcbscblägt 
and demnach im Vereine mit der 28cm EQsten-Haubitze eine ].200m 
breite Zone fQr die Einricbtnng der MineDvertheidigung schafft, inner- 
halb welcher Zone die volle Wirkung sowohl der Haubitze, wie der 
Kanone gegen alle Gattungen von Schiffspanzer vereinigt sind. 

Natärlicb bleibt es .unbenommen, bei Ausrüstung von Eflsten- 
befestigongen auf Fortschritte der Panzertechnik zu rechnen und aus 
diesem Grande von vorneherein den wirkRngsvolIeren 26cm l/bO zu wählen. 
Allerdings gestatten diese beiden Gescbätze kein allzuweites Yor- 
legeD der Minenlinien, wie es vielfach gefordert wird; man kann aber 
im Interesse der taktischen Forderungen nach entsprechender Feuer- 
schnelligkeit nicht noch 

weiter gehen, and es ß^.2. 

dürfte demnach vorläufig 
der 28cm die Grenze 
bilden. 

Die aus der Lösung / 
der Caliberfrage unter 
demEinfiusBederMinen- 
vertheidigung hervor- 
gegangenen Geschßtze 
schreiben nnu den An- 
lageort desMinenhinder- 
niasei innerhalb der Zone 
der gänstigen Ärtillerie- 
wirkong geradezu vor. 
Nimmt man auf 
beiden Festlandeflflgeln 
der Hafeneinfahrt Mittel- 
punkte Z, Fig. 2, für 
die Artillerierertheidi- 

gang an, so entstehen zwei Binzelzonen der günstigen Geschütz Wirkung 
FQJSE nnd JLMK, welche zu der Einheitszone FCLMDE für 
die Minen vertheidigung vereinigt werden. 



ß"'"'Z*n 




390 Mielichhofer. 

Wie nun weiters aus der Figur 2 hervorgeht, entsteht durch den 
gegenseitigen Zusammenstoß sowohl der oberen, wie der unteren Grenzen 
der Einzelzonen ein Baum ilCJB2>, innerhalb dessen die gesammten 
Fernkampf-Geschütze beider Flügel der Hafeneinfahrt ihre volle 
Wirkung gegen alle Gattungen von Schiffpanzer äußern können; es 
entsteht also in der Zone der günstigen Wirkung noch ein „Baum 
der günstigsten Artilleriewirkung^. 

Es ist selbstverständlich, dass dieser letztere Baum für die Minen- 
anlage auszunützen ist, und man wird daher den in denselben fallenden 
Theil der Minenabsperrung in der Bichtung seiner Hauptausdehnung AB^ 
etwa in der in Fig. 2 angedeuteten Weise anlegen. Hiedurch wird die 
Vertheidigung in der wahrscheinlichsten Bichtung eines Forcierungs- 
Versuches auch am stärksten. 

In den nach beiden Seiten anschließenden Theilen der Minen- 
vertheidigungszone wird dann die Minenlinie sinngemäß fortgesetzt; 
in diesen Anschlusstheilen äußern alle Femkampf- Geschütze des zu- 
gehörigen und die Wurfgeschütze des entgegengesetzten Flügels ihre 
volle zerstörende Wirkung gegen die hier sich bewegenden Schlachtschiffe. 

Überblickt man nun noch einmal das Besultat der bisherigen Ab- 
leitungen, so ergeben sich als die richtigen Fernkampf-Geschütze der 
modernen Küstenbefestigungen 26 bis 28cm Erupp'sche Eüsten-Eanonen 
2/50, (7/89, und 28cm Krupp^sche Eüsten-Haubitzen Z/12, welche Ge- 
schütze in der Zone der Minenvertheidigung die im Schiffbau heute ge- 
bräuchlichsten Seiten- und Deckpanzer aus Compound oder Stahl mit 
Kraftüberschuss durchzuschlagen vermögen. 

Mit diesen Geschützen ist aber nur ein Theil der eingangs 
erwähnten Aufgaben der Küsten-Artillerie, nämlich die Bekämpfung der 
großen Schlachtschiffe durchzuführen ; es erübrigt daher noch, im kurzen 
jene Caliber abzuleiten, welche gegen die raschfahrenden, kleineren Fahr- 
zeuge, namentlich gegen die Torpedoboote, zu kämpfen haben. 

Diesbezüglich ist von vorneherein klar, dass es bei der Leichtig- 
keit des Baues, der Beweglichkeit, Manövrierfähigkeit und bedeutenden 
Fahrgeschwindigkeit dieser Fahrzeuge weniger auf Durchschlagsvermögen^ 
dafür aber in erhöhtem Maße auf große Feuerschnelligkeit ankommt, 
dass also nur schnell feuernde Geschütze den Kampf gegen sie 
aufnehmen können. 

Es wird sich daher nur mehr um die Caliber dieser Schnellfeuer- 
Geschütze handeln, und um diese zu erkennen, müssen die Aufgaben 



Die Küsten-Artillerie und die MinenTeitheidigaDg^. 391 

der Torpedoboote im Kampfe um Kriegsh&fen in das Auge gefaut 
«rerden. 

Im Anfiinge der Action ftllt den Torpedobooten die Bocognoseie- 
niBg und die Abränmntig der finßeren Minenabspemmg zn. In dieser 
Tbitigkeit sollen sie nnn von der Küsten-Artillerie mit Erfolg gestört 
werdea; es müssen daher Schnellfener-Oeschütze in der Ansrüstang der 
KfisteBbefsstigangen vorhanden sein, welche bis za jenen Entfernungen, 
mof denoB die Minenhindemisse sieb befinden, noeh imstande sind, 
die Sdiwimmfthigkeit der Torpedofthrzeuge und Torpedoboote durch 
ihre Wirkung ernstlich zu gefi&hrden, welche also ihren Geschossen 
bis m Distanzen Ton etwa 3.000 bis 4.000m genügend Energie yerleiben, 
um die dünne Stahlhülle dieser Fahrzeuge mit Sicherheit durcbzu- 
sehlagen. 

Es nehmen also diese Geschütze ebenfalls an der Yertbeidigung 
des Hinenbindemisses theil. 

Für diese Thätigkeit eignen sich vorzüglich Geschütze, wie die 
Krnpp^schen 8 bis 9cm Schnellfeuer-Kanonen, weil sie mit einer großen 
Feuergeschwindigkeit noch ein ziemlich bedeutendes Durcbschlags- 
Termdgen verbinden. Dasselbe beträgt gegen Stahl nahe der Mündung 
188 bis 2I4fltfn, auf 4.000m noch 50 bis 60mm, was für den Kampf 
gegen Torpedojiger, Torpedoboote und kleinere Fahrzeuge vollkommen 
ausreldit. 

Die Ausrüstung dieser Geschütze mit Shrapnels würde für ihr<i^ 
Betheiligung an der Abwehr von Landungsrersuchen von großem Vor- 
thefle sein. 

Im späteren Verlaufe einer Action gegen einen Kriegbhafen wird 
es Aufgabe der Torpedoflottille sein« wenn auch nur auf kurze Zeit, in 
das luere des Hafens einzudringen, um die da&elb&t beSndlicfae Flotte 
des Yertbeidigers überraschend anzugreifen und ihr m(*glicLst große 
Yerlmte beizubringen- Diese Tbitigkeit verfolgt den Zweck, die darauf 
folgende Forderung der Einfahrt und die Einnahme def> Hafens durch 
die eigentliche Srbiaebtflotte rorzubereiten und darf daher selb^t in dem 
FaDe Hidit unterbleiben, wenn es gelungen igt. die Durcb&iri von den 
HiseBhiBdenuBseii frei zu machen. 

Diese Torpedoboote werden trachten, die Einfahn mix der gr^ßteD 
Fahigeeckwindigkeit zunächFt der Kü^te zu pasf^ierec: zu ilirer Abwehr. 
wddie nur auf kleinei) Distanzen erfolgen dürfte, kvi^neu die Ansprüche 
aof DvchscfalagFTerm^^gen noch verringerL dai'ür aber die auf eit^ wei* 
tere Steig«iing der Feuer wriinelügkeit erhöht werd*'ü- 



392 Mielichhofer. Die Kftsten- Artillerie und die -MineiiTertfaeidigang. 

Für diese Aufgaben eignen sich sehr gut Geschfitze, wie die 
Krupp'scben 5 bis 6cm Scbnellfeuer-Eanonen, da sie mit einer Fener«> 
geschwindigkeit von 20 Schuss in der Minute selbst auf Distanzen von 
2.00<hii ein Durcbscblagsvermögen von 30 bis 40mm aufweisen, welches 
für die dünne Stahlbülle der Torpedoboote noch hinreicht. 

Da es für diese Geschütze hauptsächlich darauf ankommt, nur auf 
kleinere Distanzen, dann zur Bestreichung der todten Räume behuft Ver- 
hinderung von Landungsversuchen zu wirken, so sind sie möglichst tief, 
selbst am Strande aufzustellen, und werden hier am vortheilhäftesten 
dadurch gesichert, dass man sie als Panzer-Geschütze im Sinne des 
Systems Schuman zur Anwendung bringt. 



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394 Knobloch. 

Hiezu bedarf es ja schon bei der Friedensfibung einer großen 
Ruhe und Präcision in der Bedienung der Geschütze, der gespanntesten 
Aufmerksamkeit aller Eingetheilten, einer richtigen Verwendung des 
Küsten-Distanzmessers, des Vermeidens aller Beibungen im Zusammen- 
wirken der verschiedenen Verrichtungen in der Batterie« endlich einer 
gewissen, nur durch Übung zu erlangenden Gewandtheit des Batterie- 
Commandanten. 

Alle die vorgenannten Bedingungen für die ungehinderte Anwendung 
und Ausnützung der vorgeschriebenen Schießmethode können wohl bei 
Friedensübungen vorhanden sein; sie können auch noch vorausgesetzt 
werden für gewisse Fälle des Ernstkampfes, z. B. Th&tigkeit der Batterie 
gegen recognoscierende, feindliche Schiffe, gegen die Blockade und das 
Bombardement, bei der Mitwirkung gelegentlich von Ausfällen der eigenen 
blockierten Flotte u. dgl., in welchen es hauptsächlich auf ein zwar mög*»* 
liehst präcises, aber doch langsames Feuer auf großen Schussdistanzen, 
also außerhalb der eigentlichen Wirkungssphäre der Masse der feindr 
liehen Schiffs- Geschütze, ankommt; sie treffen aber nicht mehr zu, sobald 
die Batterie einen dtrecten, energischen, und mit entsprechender Kraft 
durchgef&hrten Feuerangriff mehrerer Schlachtschiffe abwehren muss. 

Infolge der Armierung moderner Schlachtschiffe mit mächtigen 
Oalibern von bedeutender Durchschlags- und Zerstörungskraft, infolge 
der Bestückung der Panzerschiffe und Kreuzer mit einer größeren Zahl 
von Schnellade- und Schnellfeuer-Kanonen bis zu 15cm Caliber ist das 
Feuerverhältnis einer mit schweren Küsten-Kanonen armierten Batterie 
zu der Schiffs-Artillerie nicht mehr so günstig, wie zur Zeit der glatten 
Geschütze, wo nach dem Ausspruche Napoleons I. eine Kanone am 
Lande einem ganzen Linienschiffe Stand halten konnte. 

Dieses Verhältnis verschiebt sich umsomehr zu Ungunsten der 
Küsten-Artillerie, je mehr die modernen Einrichtungen den Schiffen einen 
hohen Grad von Schutz gegen das Versinken und gegen das Treffen 
ihrer vitalsten Theile gewähren und je mehr vielleicht die in den Küsten^ 
werken eingestellten Geschütze in Bezug auf Feuerschnelligkeit und 
Wirkungsfähigkeit hinter jenen der Schiffs- Armierung zurückgeblieben sind. 

Zur Charakterisierung des heutigen Feuerverhältnisses dienen 
folgende Zahlen, welche aus einem Beispiele des Geschützkampfes einer 
Küsten-Batterie mit nur einem einzigen modernen Schlachtschiffe mitt- 
lerer Stärke hervorgehen: 

Hiezu sei angenommen, dass eine mit zwei Stück 28cm und zwei 
Stück 24c?/i Krupp'schen KQsten-Kanonen armierte Batterie gegen ein 



t 



Das automatische Bichten bei Küsten-Kanonen. 395 

Sehiff des Typs „Kronprinz Erzherzog Rudolf" ein entscheidendes Feuer- 
eefecht auf der Distanz von 1.000m zu f&hren habe. 

Wendet dieses Schiff der Batterie seine Breitseite zu, so können 
an Schiffs-Geschützen gleichzeitig ins Feuer treten: 
zwei 30'5cm Tburm-Eanonen, 
drei 12cm Schnellade-E!anonen, 
fünf 47mm Schnellfeuer-Kanonen, 
eine 37mm Schnellfeuer-Kanone. 

Die mittlere Feuerschnelligkeit im gut gezielten Feuer kann bei 
den Thurm-Geschützen mit 3 Minuten, bei den Schnellade-Eanonen 
mit 15 Secunden und bei den Schnellfeuer-Kanonen mit 10 Secunden 
pro Geschütz und Schuss gerechnet werden. 

Dies ergibt bei Verwendung aller vorgenannten Geschütze des 
Schiffes für die Zeitdauer von 10 Minuten, vom Beginne des Feuers an, 
die Summe von nicht weniger als 497 gegen die Batterie geschleuderter 
Geschosse mit dem Gesammt-Geschossgewichte von rund 7.000% und der 
lebendigen Kraft von rund lOO.OOOmf am Ziele. 

Die Küsten-Batterie kann diesem förmlichen Geschosshagel von 
nahezu einem Schuss pro Secunde, in derselben Zeit von 10 Minuten, 
mit nicht mehr als drei gezielten Schüssen pro Geschütz, demnach in Allem 
mit 12 Geschossen, dem Geschossgewichte von rund 4.000% und der 
lebendigen Kraft von öO.OOOme entgegentreten. 

Bei dieser Gegenüberstellung wurde von dem etwa vom Schiffe 
gleichzeitig abgegebenen Mitrailleusen- und Gewehrfeuer ganz abgesehen, 
weil dessen Wirkung gleichgesetzt werden kann der Gegenwirkung der 
die Küsten-Batterie unterstützenden leichten Geschütze. 

Wenn nun auch der Küsten-Batterie die Vortheile der größeren 
Präcision des einzelnen Schusses, der stabilen Aufstellung und über- 
höhenden Position und der geringeren verwundbaren ZieWäche zugute 
kommen, so können dieselben doch wohl kaum der aus den obigen 
Zahlen hervorgehenden quantitativen Überlegenheit der Schiffs-Artillerie 
das Gleichgewicht halten. Hiezu tritt noch ein moralisches Element: 
die große Schusszahl des Gegners, welche jene der Batterie um mehr 
als das 40fache übertrifft. 

Außerdem kann das Schiff durch einen Breitseitenwechsel sowohl 
seine Geschütze als auch seine Bedienungs-Mannschaft wechseln, was 
bei der Batterie nicht möglich ist. 

Es ist kaum zu leugnen, dass sich die Besatzung der so bedrohten 
Batterie, welche dem überwältigenden Eindrucke des geschilderten feind- 
lichen Gesehützfeuers ausgesetzt ist, einer mehr oder minder großen 

32 



396 Knoblooh. 

moralischen Depression nicht wird entziehen können ; es ist einlenchtend^ 
dass insbesondere die Langsamkeit in der Feuerbereitstellnng 
der schweren Küsten-Kanonen, wie sie eben in dem Gescbfltzsysteme liegt, 
eine gewisse Hast verursachen muss, die eigene, geringere Feuerschnelligkeit 
so viel als möglich zu erhöhen, um dem Feinde mit gleicher Htlnze zurück- 
zahlen zu können; es ist daher auch für den richtenden Vormeister in 
der offenen Küsten-Batterie eine sehr schwere Aufgabe, bei endlich feuer- 
bereit gestelltem Geschütze, in exponierter Stellung, ruhig, unter fort* 
währendem Verfolgen des fahrenden Schiffes auf das Einlangen desselben 
in der vorausgew&hlten Schussdistanz, bezw. auf eine nochmalige Distanz- 
messung und nachfolgende Elevations-Correctur, warten zu sollen. 

Die Situation der Küsten- Batterie gegenüber dem in dem gewählten 
Beispiele geschilderten mächtigen Feuerangriffe ist ähnlich jener einer 
Infanterie-Abtheilung oder einer Feldbatterie bei der Abwehr eines 
Nahangriffes. 

Hier sieht man sich gezwungen, in einem solchen Falle zum 
Schnell- bezw. Einzelfeuer überzugehen, weil eine regelrechte, 
methodische Feuerthätigkeit nicht mehr aufrecht erhalten werden kann 
und es sich in solch kritischen Lagen außerdem um die höchste Feuer- 
Intensität handelt, die nur durch thunlichste Selbständigkeit der ein- 
zelnen Einheiten — Gewehr, Geschütz — erreichbar ist 

Während aber die Infanterie oder die Feldbatterie noch den Vor- 
theil für sich hat, infolge der gleichzeitig gegen den Feind geschleuderten 
Masse von Gewehrgeschossen, bezw. Kartätschkugeln den präcisen Einzel- 
schuss entbehren zu können, darf die Küsten-Batterie einen entsprechenden 
Trefferfolg nur dann erwarten, wenn sie bei Erhöhung der Feuerschnellig- 
keit nicht wesentlich an Präcision des einzelnen Schusses einbüßt. 

Aus dieser ErwSgung dürfte hervorgehen, dass es geradezu noth- 
wendig ist, Küsten-Batterien zum selbständigen, aber dabei präci- 
sen Vormeisterfeuer befähigt zu machen. 

Die Forderung der Präcision verlangt aber mit Rücksicht auf 
das sich bewegende Ziel und dessen fortwährender Distanzveränderung 
unbedingt das automatische Richten des Geschützes, also die 
Anbringung eines, dies ermöglichenden Richtapparates. 

Sehr hindernd für den Schießvorgang der Küsten -Batterie ist 
auch der bei ungünstigen Windverhältnissen vor der Batterie und vor 
dem Ziele lagernde Pulverdampf, der noch durch den aus den Schiffs- 
schloten strömenden Kohlenrauch verdichtet wird. Es kann bei dem 
reglementmäßigen Scbießvorgange der unangenehme Fall eintreten, dass 
entweder der Distanzmessende, oder der das Geschütz Richtende durch 



Das automatische BichteD bei Küsten-Kanonen. 397 

den Banch in der Yisur behindert wird, was eine fortwährende Rück* 
sicbtnahme des einen Mannes auf den anderen erheischt und Verzöge- 
ruDgen in der Feuerabgabe verursacht 

Bei den Schießübungen macht sich dieser Übelstand allerdings 
weniger fühlbar, weil gewöhnlich die volle Eriegsladung nicht angewendet 
wird, die Feuerschnelligkeit und die Anzahl der abzugebenden Schüsse 
eine geringere ist und die Banchentwickelung beim Ziele ganz entfällt. 

Beim automatischen Bichten wäre der Yormeister in der Lage, 
nach dem Feuerbereitstellen seines Geschützes den nächsten Augenblick, 
der ihm freien Ausblick auf das Ziel bietet, auch sofort zur Abgabe des 
Schusses auszunützen. 

Um sich nun darüber klar zu werden, in welchem Maße und in 
welcher Weise der Forderung des automatischen Bichtens mit Bück- 
siebt auf bereits bestehende Einrichtungen nachzukommen wäre, um 
den angestrebten Zweck noch sicher zu erreichen, jedoch ohne besonders 
hohe Kosten zu verursachen, müssen noch einige Momente ins Auge 
ge&sst werden. 

Bereits eingangs wurden jene Fälle des Emstkampfes angeführt, 
in welchen auf den bisherigen, normalen Gebrauch des Eüstendistanz- 
messers und auf den darauf beruhenden (vielleicht noch etwas zu verein- 
fachenden) Schießvorgang gezählt werden kann; es wurde auch darauf 
hingewiesen, dass die bezüglichen Abschnitte des Gefechtes sich zumeist 
auf großen und sehr großen Entfernungen abspielen. 

Es dürfte demnach dem Zwecke genügen, das automatische, 
selbständige Bichten der Geschütze, sei es im Batteriefeuer, 
sei es im Einzelfeuer, auf kritische Gefechtsmomente und 
kürzere Distanzen zu beschränken, wofQr voraussichtlich ein ein- 
facher Bichtapparat ohne Fernrohr die nothwendige Genauig- 
keit beim Gebrauche erwarten lässt. 

Wohl bietet ein Apparat, wie jener von Deport, eine hohe Ge- 
nauigkeit, selbst für große Distanzen ; doch sind mit diesem einen Vor- 
theile auch mancherlei Nachtheile verbunden, welche dessen Einführung 
kaum befürworteu. Diese Nacbtheile sind: 

1. Hohe Empfindlichkeit des Apparates, daher sorgfältige Behand- 
lung desselben. 

2. Infolge dieses ümstandes müsste das Präcisions-Instrument vor 

jedem Schusse vom Geschütze abgeDommen werden, was eine Verzögerung 

in der Schussabgabe und einen, wenn auch ziemlich gleichmäßigen Fehler 

32* 



398 Knobloch. Dm automatische Richten bei Kfleten-Eanonen. 

Ib der Messung der, dem MomeDte des Schosses entsprechenden, Distanz 
des fahrenden Schiffes ergibt. 

3. Die Bedienung eines solchen Instrumentes erfordert eine ein- 
gehende Schulung und Übung im Gebrauche desselben, was die rasche 
Ausbildung einer größeren Zahl von Leuten hiesu erschwert 

4. Ein so subtiler Apparat muss vor jedem Gebrauche einer sorg- 
fältigen und genauen Prüfung und Bectification unterzogen werden, da 
sonst sein Hauptwert — die Präcision — leicht verloren geht 

5. Die Ausführung und Anbringung solcher Apparate bei allen 
Eüsten-Kanonen würde eine geraume Zeit in Anspruch nehmen. 

6. Derartige Apparate sind kostspielig. 

Diese Gründe und die Erwägung, dass für das Schießen auf großen 
Distanzen bei geregelter Feuerleitung ohnehin der vorzügliche Starke^sche 
Eüstendistanzmesser in Verwendung bleiben kann, lassen es zweckm&ßiger 
erscheinen« für unsere Verhältnisse einen möglichst einfachen, während 
des Schusses auf dem Geschütze verbleibenden, dabei leicht und ohne 
große Kosten in kurzer Zeit henustellenden automatischen Aufsatz ohne 
Fernrohr für die Eüsten-Eanone zu wählen. 

Bei der ziemlich bedeutenden Höhenlage unserer Eüstenwerke 
wird auch die freie Bichtung über ein offenes, entsprechend construlertes 
Visier für den Gebrauch innerhalb gewisser Distanzgrenzen genügen. 

Je nach Maß der Überhöhung der Eüsten-Batterie über dem Meeres- 
niveau könnte die obere Grenze für die Verwendung des automatischen 
Aufsatzes bei uns etwa 2.000 bis 3.000ni betragen. 

Aber selbst beim Schießen auf größeren Distanzen würde das 
automatische Bichten, bez w. die hiedurch ausgeführte Distanzmessung 
noch immer bedeutend genauere Besultate liefern, als die Distanz- 
schätzung, was dann von Vortheil ist, wenn der Eüsten-Distanzmesser 
etwa durch feindliches Feuer unbrauchbar wird. 

Zum Schlüsse sei noch erwähnt, dass man sich ernstlich mit der 
Lösung dieser für die Eüsten-Artillerie wichtigen Frage befasst, und 
däss bereits einige Constructionen automatischer Aufsätze vorliegen, 
deren praktische Eignung jedoch noch erprobt werden muss. 



->ses2^ 



S99 



Der Luftwiderstand in seiner Beziehung zur Spitzenform 

der Langgescliosse. 

Aa«sagswei«e bearbeiteC Ton ■ 



"9 

Samptmann und Batttrit-Chef im S. kßnigti^ »äthsüchtn Flrfd-ArtiUerie- Regiment Xr. S». 

Der allen Ballistikeni bekannte amerikanische Artillerie-Capit&n 
I D g a 11 8 hat über das vorstehende Thema eine Arbeit veröffentlicht % 
deren Hanpttheil so beachtenswert ist, dass derselbe in fast wörtlicher 
Übertragung mitgetheilt werden soll, während der erste Theil derselben 
— eine Entwicklung des Luftwiderstandsgesetzes — nur auszugsweise 
als Einleitung zur Studie wiedergegeben wird. 

Bewegt sich ein Körper in einem Widerstand bietenden Mittel, 
also beispielsweise in Luft, so gilt die Formel 

9 
Es bezeichnet hierin: 

fn den Luftwiderstand, 

k einen durch Versuche zu bestimmenden Widerstands-CoöfGcienten, 

i die Luftdichte, 

g die Beschleunigung der Schwerkraft, 

S die ebene Querschnittsfläche senkrecht zur Bewegungsrichtung 
des Körpers, 

V die Geschwindigkeit des Körpers. 

Ist die Ebene, deren Flächen- 
inhalt 3 beträgt, geneigt zur Be- ^/ Fh.^. 

wegungsrichtung, so erhält man für / ^ 

den normalen Widerstand /""^"^^-.^ /A 

5 / ^"""^^-^ 

fti = * . — aS . v« . cos* s . . 2) / ^^^^^ 

^ g I 7^:::^^' 

(wobei die Bedeutung von s aus ßj ^ 

nebenstehender Figur erhellt) und fQr 

die in der Bewegungsrichtung OR wirkende Componente 

p = Ä: . — Ä . V* . cos' s 3). 

9 



*) ^Tht resittance cf the air to the motion of obiong proJeetiUi a$ influmeed 
2y ffie tkape of the head*^ hy James M. IngatUf Captain^ ßrst artiüery, U. S. Ä, Jour^ 
mml afl^ United State* ÄrtiUery, April 1895. 



400 



Fellmer. 



Es ist bekannt, dass diese theoretische Formel mit der Praxis 
nicht gut übereinstimmt und den Widerstand zu klein gibt, ausge- 
nommen nahe den Grenzen e = 0* oder 90*. 

Hutton stellte die empirische Formel auf*): 

7 ^ er 1 / .1-842 Bin« 

p = Ä . — . /S . v* . (cos e) 4). 

Duchemin gelangte zur folgenden einfacheren Formel*): 

, S 2 cos « e 
P = fc . — . 4^ . vV -— 5). 

^ g 1 -j- cos * e ^ 

Diese Formel basierte auf Versuchen von Vinco, Hutton und 
Thibault, und da sie nicht allein diesen Versuchen, sondern auch 
späteren genügte, u. zw. besser als jede andere der vorgeschlagenen 
Formeln'), so soll sie auch im nachfolgenden verwendet werden. 



Luftwiderstand gegen eine Rotationsfläche, deren Axe mit der 

Bewegangsrichtnng zusammenfiLlit. 

Es 9^\ ADB in Fig. 2 die Erzeugende der Kotationsfläche, welche 
sich in einem Widerstand leistenden Mittel in der Richtung der 

Axe OA bewegt, mm'm" ein Oberflächen- 
Element, dessen Normale Nm unter dem 
Winkel Nm v =. z zur Bewegungsrich- 
■^ tung geneigt ist Dieses Oberflächen- 
Element erleidet nach Duchemins 
Formel in der Bewegungsrichtung m t; 
folgenden Widerstand: 

g 1 -|- cos * £ 




g 1 -f sec • e 

^ 1 

- /c . — . d Ä . v* . j 



.6). 



Nimmt man OA als Z-Axe an und bezeichnet mit ds ein 
Element der Erzeugenden, so ist die Fläche der Zone m m* n ?i' = iTzy .di 
und somit der Widerstand gegen eine solche Zone 



^ 4w K 



S 



-v 



y • ds 



9 



l+ytg'^ 



7). 



•) Tracts on MathemiUical aiid PhUosophical suhjecis. London 1812. Ti-not, 36, 
«) Memorial de VArtiOtrie. 1842. P. 65-370: ^üecherchßs experimeidaUM sur 
Ui lois de la resislance dea fluides"^. 

') Siehe „fiydromccAantc«" von Professor Unwin. Enc. Brit. Bd. XII, S. 518. 



Der LnftwidenUnd in seiner Betiehiinf: lar Spitsenfonn ete. 



401 



Folglich ist — für tg £ ^ -1— gesetzt — der Widerstand auf die 



ganze Rotations-Oberfläche in den Grenzen und x: 



ds 




. 1 dx* 

~r TT 



8). 



2 dy« 

Da die Spitzen der Artillerie-Geschosse sämmtlich Botationskörper 
sind, kann man mittels dieser Gleichung die Widerstände vergleichen, 
welche Geschosse mit verschiedenen Spitzenformen erleiden, voraus- 
gesetzt, dass die Axe jederzeit mit der Bewegungsrichtung zusammen- 
fällt und dass die Geschosse sich mit der gleichen oder annähernd 
gleichen Geschwindigkeit bewegen, y und ds können mit Hilfe der 
Gleichung der Erzeugenden eliminiert werden. Legt man den Coordinaten- 
Anfang in den Schnittpunkt von OÄ mit dem Durchmesser DD' des 
umschriebenen Cy linders, so sind die Integrationsgrenzen x = o und x - 1 
(Länge des Geschosskopfes), f&r welch letzteres x das y = o wird. 



Anwendung auf ogivale Geschosspttzen. 

Ein ogivaler Kopf ist die Hälfte eines Botationskörpers, der durch 
die Umdrehung eines Kreissegments ABD um die Sehne ilZ> (Fig. 3) 
entstanden ist. Die Sehne AD ist die 
Axe des Kopfes und — verlängert — 
auch die Axe des Geschosses, von dem 
der Kopf BDE einen Theil bildet. 
BE ist der Durchmesser der Grund- 
fläche des ogivalen Kopfes und kann 
auch als das Caliber d des Bohres an- 
gesehen werden, für welches das Ge- 
schoss bestimmt ist. Ist n das Ver- 
hältnis von BC zu B Ä\ so sagt das : 
der Kopf ist mit einem Badius von 

n Calibern erzeugt. Bezeichnet R den Geschoss-Halbmesser, so ist 

BC =^n . d = 2ni?. 

Legt man den Coordinaten-Anfang in den Mittelpunkte des Kreises, 
so lautet die Gleichung des erzeugenden Bogens BD 




y^ - r 



X 



X' 



Liegt der Coordinaten-Anfang in 0, dessen Coordinaten 
y' 00=:^ BC- 0B = (2n — l) R; mdx/ o 



402 Fellmer. 

sind, so erhält die Gleichung des erzeugenden Bogens die Form 

[y + (2 n— 1) Ry .-^ 4n* Ä« - x\ 

oder 

y = K'4n«i2« — X« - (2n — 1)12 9). 

Macht man in Gleichung 9) y ^ o, so wird x gleich der Gesammt- 
länge OD des Kopfes und man erhält somit 

l -^ R K4n — 1 10). 

Manchmal ist es wünschenswert, bei einem ogi?alen Kopfe den 
Winkel B CD zu kennen, der dem erzeugenden Bogen entspricht. Nennt 
man den Winkel Yi so hat man die Beziehung 



. OD K4n-1 ^_. 

Differentiiert man Gleichung 9), so ergibt sich 

dy X 

'dx~~ V^n" Ä« — ««)• 

Wechselt man das Zeichen und setzt außerdem x-=l=R KTn — 1, 
80 erhält man die Tangente des halben Winkels der Spitze. Bezeichuet 
man diesen mit o, so ist 

tg — --= ^^" — ^ und daher a -^ 2 y 12) 



V 



K4n- 


-1 


2n — 


1 


', , «^y* 


iai 



— ^f' . =4njg f , r'/^ , -4«(2n-l)/g'. 
1 d«* I 4n* R* -\- X* ^ ' 



/( 



x* . da? 



(4n«i2« + x«)K(4n«Ä«-x«)' 
Das erste Integral lässt sich durch Division wie folgt reducieren : 

4 n «J (.ix - * ;; g :;■;. ) - 4 „ B» - 8 - «• .rc tg (^) 

Das zweite Integral wird durch die Substitution 

4 7i*i2' — X« 



X« 



folgendermaßen reduciert: 



I 



Der Laftwidentaad in semer Betiehung sor Spitzenfota «tc. 443 

ie'.d» r rfs 

(4 «• Ä» -f ar») Y (4 n« J?* — ae«) J (1 "t" «V l!« "H ^*' ~ 

/dz f dz 1 = 

/(4 n» Ä» — x»)t\ 1 /(4 n» Ä» — x» M \ 
= «rctg^ i J-Pf««tg\ ,KT .)• 

Somit erhüt man die GleichoDg: 

-l^ = 4«fix-8,»2?».rctg(^) + 

"•" 2 dir» 

4 n (2 n — 1) Ä* /(4 n» Ä» — x*f\ 

K2 *\ xVt I 

Für 2=0 nimmt die rechte Seite die Form an : 

n (2 n — 1) (2 — y^)T.R*. 

Somit ist der Widerstand gegen diese FiSche BEab, welche ron 
den beiden normalen Ebenen BE nnd aft im Abstände x auf der Bota- 
tions-Oberfliebe b^renzt wird: 

X 
9 

H-4«(2«-l)5«arctg(^i2l^=l^ 

4n(2n — 1)Ä» . /(4 n» Ä» — x«)7\ ^^- 1 
^ ,^ arctg^ ^ ^^^ ^j -n(2«-l)(2-K2.W/?«J. 

Integriert man zwischen den Grenzen x^O und x^^l=R K 4n — 1, 
d. li. für die ganze Eopfoberfläche, so erhält man für den Gesammt- 
widerstand nach einigen Beductionen 

p:^2*7:^*-r« 4wK4n— 1 — 8n«arctg( ^r~M + 
• g ^ ^ 2n 

/ 211 — 1 \ 

+ 4n(2n-l)arctg\^pj^=YJ — 

— - ^ ^ ^arctg ->- ^ ] — n(tn— 1)(2 — ^ 2i . - . 



p = 27rik-r« [4nÄx — Sn'Ä* arc ^ (2^^ + 



404 



Fellmer. 



TT jR* ist offenbar jene Fläche, wo die Geschosspitze mit dem 
cylindriscben Geschosstheil zusammenstößt Nennt man diese Fläche S 
und bezeichnet man das Doppelte des in [. ..] stehenden Ausdruckes 
mit F(n)y so erhält man für den Luftwiderstand auf einen ogivalen Kopf 

p = Ä . — , S , jP(„) . t>* 13). 

Im vorstehenden war nun aber weder die Wirkung der Luft- 
theilchen auf einander, noch die Reibung dieser Theilchen am Geschoss- 
kopf, noch endlich die Luftverdichtung vor dem Kopf berücksichtigt 
worden. Ferner lässt das Geschoss bei seiner Vorwärtsbewegung hinter 
sich einen mehr oder weniger luftleeren Raum, in den sich die an- 
grenzenden Lufttheilchen stürzen, wobei sie zweifellos wieder einen Ein- 
fluss auf das Geschoss ausüben. Aus allen diesen und noch anderen 
unerwähnt gebliebenen Gründen ist es mindestens sehr schwer, den 
Wert von k theoretisch zu bestimmen. Hat man aber den Wert durch 
geeignete Versuche einmal für eine bestimmte Geschwindigkeit (oder eine 
Reihe Geschwindigkeiten) ermittelt, so kann man sich der Gleichung 13) 
bedienen, um dann in gewissen Grenzen den Widerstand für ein anderes 
Geschoss zu bestimmen, welches eine anders gestaltete Spitze hat und 
sich mit derselben oder wenigstens annähernd derselben Geschwindigkeit 
bewegt. Sind dann auch mit der zweiten Spitze Versuche angestellt 
worden, so kann man den Grad der Zuverlässigkeit bestimmen, der 
dem F(^n) beizumessen ist. Die nachstehende Tabelle gibt die Werte 
von F(„) für ogivale Spitzen von verschiedener Länge und einem Halb- 
messer von y, bis 2V, Caliber. 



n 


1 


Länge des Kopfes 
in Calibern 


Winkel an der 
Spitze 


05 


0-8684 


0-5000 


180« O' 0-' 


10 


07524 


8660 


120° 0' 0" 


1-5 


6752 


11180 


96* 22' 46" 


20 


06171 


1-3229 


82<» 49' 9" 


2-5 


0-5715 


1-5000 


73« 44' 23" 



Ist n = --, so wird die Erzeugende BD ein Viertelkreis und die 

Geschosspitze eine Halbkugel. Dann ist 

F^„. =i F._i. ~= 4 — r. 



Dac HaftwidefBCuiii in ieiner Btmiaxa^ aa ^.tiiueoiomi -tc. 4llfi 

yfc * ^^ c wirf 

3^x*ifir:'ai T^-ii-i^ lesRai iar iss i« n-äEaivriüiiipariiHi 

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406 Fellmer. 

dieselben sind, so dass, wenn p, und /\n.) für das eine und p, nnd F(n^ 
för das andere Geschoss gelten, annähernd die Beziehung besteht: 

?L^^oderp. =^^p 14). 

Um diese Behauptung auf ihre Richtigkeit zu prüfen^ kann man 
den Bashforth'schen, im Versuchs wege ermittelten Wert fQr p^, der für 
n = 1*5 schon angeführt wurde, benützen und daraus mit Hilfe von 
Gleichung 14) p, für n = 2, also fQr Geschosse mit längerem und 
spitzeren Kopf als die von Bashforth verwendeten berechnen. 

Es ergibt sich: 

0*f>17l 
p, = qI^tm • 0*0000044137 .d*v* = 000000403 d*v\ 

Mayevski fand auf Grund der Meppener Yersuchsergebnisse für 
Erupp'sche Geschosse mit ogivalen Spitien (n = 2 Caliber) und Ar 
Geschwindigkeiten über 1.300 Fuss 

p, - 000000409 d*v« 

also beinahe genau gleich dem theoretisch ermittelten Werte. 

Als ein anderer Beweis für die Richtigkeit der Theorie kann ein 
Vergleich gelten zwischen den Widerständen gegenüber Geschossen mit 
halbkugelf&rmigem Kopf und solchen, deren Ogival mit einem Halbmesser 
von 1 V, Calibem erzeugt ist. Bezieht sich p, auf erstere, p, auf letztere, 
so liefert Gleichung 14) 

0-6752 

oder mit anderen Worten: der Widerstand gegen eine ogivale Spitze 
ist 0'786mal so gross, als der gegen eine Halbkugel. Nun gibt Bash- 
forth in seinem letzten Werk') Tabellen der experimentell bestimmten 
Widerstands-Cogfficienten für Geschosse mit ogivalem Kopf mit 1 y, Cali- 
ber Halbmesserund verschiedenen Geschwindigkeiten (Tabelle III, Seite 158, 
und Tabelle XII, Seite 226) und ebenso für Geschosse mit halbkugel- 
f5rmigem Kopf (Tabelle V, Seite 160 und Tabelle XIII, Seite 238). 
Aus diesen Tabellen ergibt sich dann durch einfache Division der Coäfficient 
von p, für den Vergleich mit p, wie folgt: 



>) The B<Uhf<nih Chronograph. Cambridge, 1890. 



Der Luftwiderstand in seiner Bexiehong znr Spitzenform etc. 



407 



Gescbossgesch windigkeit 
Faß 


ExperimeDteller 
CoSmcieDt von p, 

1 


1.100 

1.160«) 

1.640 

1.700 

1.800 

1.870 


0801 
0824 
0-759 
0-732 
0723 
0-741 


Im Mittel 


0763 


*) Hier ist eine Lfloke in den BMhforth'sehen Tabellen. 1 



Auch hier stimmen Theorie und Praxis sehr gut überein. 
Praktische Anwendung. 

. Da der Beductions-Coefficient c, welcher im Nenner des Ausdruckes 
fAr den ballistischen Co^fficienten C als Factor auftritt, für die ver- 
schiedenen Geschosse mit dem Widerstände sich ändert, den sie erleiden, 
so folgt, dass er für Geschosse mit ogivalem Kopfe auch mit F(n) sich 
ändert. Benützen wir daher die ballistischen Tabellen*) für Geschosse 
Tom Erupp'schen Typ, so müssen wir setzen 

0-6171 



c -^ 



0-914 



0-6752 

und wenn die Geschosse noch spitzer sind (n 
Geschosse und noch andere), dann ist 

0-5716 



1*5, wie z. B. Hotchkiss- 



c — 



-= 0-846. 



0-6752 

Die Praxis hat für beide Werte ausgezeichnete Besultate ergeben. 
Benützt man hingegen die Mayevki'schen Tabellen, so muss für 
Geschosse vom alten Typ (n = 1*5) gesetzt werden 

0-6752 



0-6171 
and fBr Geschosse mit n = 2-5 

^ 05715 
^ ~ 00171 



1-09 



0-926. 



Tergleieh ogiraler Oesehosspitzen mit anderen Formen« 

Beror man den theoretischen Widerstand gegenüber ogivalen Spitzen 
mit demjenigen gegenüber anderen Spitzenformen vergleichen kann, für 

') TabeUen der amerikanischen Artillerie-Schule. Anm. d. Übersetzers. 



408 Fellmer. 

welche n keioe Bedeutung hat, miiss man dem Widerstände einen Aus- 
druck geben, der allgemeine Giltigkeit für alle Spitzenformen besitzt 
Hiezu soll die Länge / des Kopfes als ein Vielfaches des Halbmessers R 
seiner Grundfläche ausgedrückt werden, also 

l = aB. 
Es handelt sich dann darum, den Widerstand mit Hilfe von F(^a) anstatt 
f(n) auszudrflcken. Für ogivale Spitzen war nach Gleichung 11) 

l -= R y\n— l = a R; 
daher ist: 

n _=. 1 (a« + 1). 

Die Gleichung der Erzeugenden erhält also die Form 

2y = l^(a«-f 1)« Ä« — 4 a;* — (a« — 1) Ä . . . . 15). 
Setzt man den oben stehenden Wert von n in den Ausdruck für 
p in Gleichung 13) ein, so erhält man 

f = k.S.-F^a)V' 16), 

worin für ogivale Spitzen zu setzen ist 

F(«) ^ (a«+ 1) [2a (a« + 1) arc tg (^i^) + 

+ (a«-l)arctg(^)-^arctg(^-^)- 



a«— 1