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Full text of "Zeitschrift"

Zeitschrift 

der 

Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. 



Herausgegeben 

von den Geschäftsführern, 

Halle Dr. A. Müller, iu Leipzig Dr. Krelil, 

Dr. Pischel, Dr. Windisch, 

unter der verantwortlichen Redaction 

des Prof. Dr. E. Windisch. 



Sechs ixnd. vierzig-stei* Band, 



^. 



Leipzig 1892, 

in Commission bei F. A. Brockhaus. 



5 



Inhalt 

des sechsuudvierzigsten Bandes der Zeitschrift der Deutscbeu 
Morgenländischen Gesellschaft. 

Seite 
Nachrichten über Angelegenheiten der D. M. G. . . . . I 

Personalnachrichten III. XII. XVII. XXVII 

Einladung zur Generalversammlung ...... IV 

Internationaler Orientalisten-Congress ..... VI 

Generalversammlung ......... XI 

Protokollarischer Bericht über die Generalversammlung in Halle XXIII 
Extract aus der Eechnung über Einnahme und Aiisgabe bei der 

Kasse der D. M. G. 1891 XXVIII 

Verzeichniss der für die Bibliothek eingegangenen Schriften u. s. w. 

VII. XIII. XVIII. XXX 
Verzeichniss der Mitglieder der D. M. G. im Jahre 1892 . . XXXVI 

Verzeichniss der gelehrten Körperschaften und Institute, die mit 

der D. M. G. in Schriftenaustaiisch stehn .... XLIX 

Verzeichniss der auf Kosten der D. M. G. veröffentlichten Werke LI 

Einladung zur XLII. Versammlung deutscher Philologen und Schul- 
männer in AVien 1803 . . . . . . . LVII 

Preisaufgabe .......... LIX 

Der Diwan des Garwal b. Aus Al-Hutej'a. Von Ign. Goldziher . . 1 

Beiträge zur Erklärung der Asoka-Inschriften. (Fortsetzung.) Von G. 

Bühler . . . . . . . . . . . .54 

Das Verhältniss des Aegyptischen zu den semitischen Sprachen. Von 

Adolf Erman 93 

Ist das Schachspiel im Talmud genannt, und unter welchem Namen? 

Von Dr. Alexander Koliut 130 

Bemerkungen zu Geigers Uebersetzung des Pehlewi-Buches Jätkäri Zarerän. 

A"on Theodor Nöldeke 136 

Billige Jaina-Drucke. Von Ernst Leumann . . . . .146 

Zu pp. V — VII meiner „Biographien von Gewährsmännern des Ihn Ishäq". 

Von A. Fischer 148 



Der Diwan des Garwal b. Aus Al-Hutej'a. Von Ign. Goldziher . .173 

Die semitischen Lehnwörter im Altarmenischen. Von H. Hübschmann 226 
Beiträge zur indischen Rechtsgeschichte. Von J. Jolly . . .269 

Beiträge zur Erklärung der Pehlewi- Siegelinschriften. Von Ferdinand Justi 280 

Arisches II. Von Chr. Bartholornae 291 

Beiträge zur P:\ligrammatik. Von R. Otto Franke . , . .311 

Zur Südarabischen Alterthumskunde. Von Dr. J. H. Mordtmann . 320 
Armeuiaca. Von H. Hübschmann . . . ... 324 

Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. Von Albert Socin . . 330 



Beiträge zur indischen Rechtsgeschichte. Von J. Jolly . . .413 

Die Kälhaka-Handschrift des Dayäräm Jotsi in Crinagar und ihre Accente. 

Von Dr. L, V. Schroeder 42 7 

Die Namen des arabischen Propheten Muhammed und Ahmed. Von 

Gustav Rösch 432 



Ueber einige bis jetzt nicht erkannte Münzen aus der letzten Omeijaden 
zeit. Von G. van Yloten ....... 

Ein lustiges Wagenrenneu in Altindien. Von P. v. Bradke . 

ApoUonius of Tyana. Von Richard Gottheil .... 

Der Diwan des Garwal b. Aus Al-Hutej'a. Von Ign. Goldziher . 

Das Samech in den minäo-sabäischen Inschriften nebst einer Erklärung 
betr. die Inschriften Ed. Glaser's. Von Fritz Hommel . 

Nachtrag zu Aioka's viertem Scäulenedicte. Von G. Bühler . 

Der arabische Titel des religionsphilosophischen Werkes Abraham Ibn 
Däud's. Von W. Bacher 



Qames. Von E. Nestle 

Zu S. 432: Die Namen des arabischen Propheten Muhammed und Ahmed 

Von G. Rösch 

August Müller. Von Th. Nöldeke und E. Windisch . 

Zu S. 466 ff. Zu „ApoUonius of Tyana", Von Richard Gottheil 



441 
445 
466 
471 

528 
539 



Dasavaikälika-sütra und -niryukti. Von Ernst Leumann . . .581 

Specimen der Dinäläpanikä9ukasaptati. Von Richard Schmidt . . 664 

Vergleichende Studien. Von J. Barth 684 

Das altägyptische Alphabet und seine Umschreibung. Von Georg Steindorff 709 
Mudrä = Schrift (oder Lesekunst)? Von R. Otto Franke . . .731 

Der Name „Dhammapada". Von R. Otto Franke . . . .734 

Sonne als Federball Von R. Otto Franke 736 

Das Schaf und das Messer. Von Siegmund Fraenkel . . . .737 

Zum Fihrist. Von Siegmund Fraenkel . . . . . .741 

Bemerkungen zum ersten Bande der syrischen Acta Martyrum et Sanctorum. 

Von /. Gruidi 744 

Zwei Sprüche über Leib und Seele. Von R. Roth . . . .759 



Anzeigen: Barth's Nominalbildung in den semitischen Sprachen, II, an- 
gezeigt von M. Fhilippi 149 

— — Reinisch's Sahosprajche, angezeigt von D. H. Müller . . 399 

— — Wade's grammar of the KashmlrT language, angezeigt von 
Dr. K. F. Burkhard. — de Courteille's Tezkereh-i-Evlia, angezeigt 
von H. Vamhcry. — Delitzsch's und Haupt's Beiträge zur Assyrio- 
logie, angezeigt von Fritz Hommel. — Schiaparelli's tomba egiziana 
inedita della Via dinastia, angezeigt von Ad. Erman . . .545 

— — Schefer's Siasset Nameh, angezeigt von Th. Nöldeke. — Schils' 
grammaire de la langue des Namas, angezeigt von de la Chrasserie. — 
Hamburgers Real-Encyelopädie für Bibel und Talmud, angezeigt von 
Eabb. Dr. J. J. Unger 761 



580 
775 
780 



Namenregister . . . . . . . . . . .781 

Sachregister . . . . . . . . . . .781 



Der Diwan des Garwal b. Aus Al-Hutej'a. 

Bearbeitet von 

Ignaz (xoldziher. 

Einleitung. 

Unter den Quellen der arabischen Culturgeschichte der Epoche, 
in welcher die Vertreter des Geistes der Gähilijja ihren Nacken 
unter das Joch des Islam beugen mussten, nehmen die Dichter 
jener Uebergangszeit das hervorragendste Interesse in Anspruch. 
Erfüllt von den Gedanken und Idealen, durchtränkt von der Welt- 
und Lebensanschauung des Heidenthums bequemt sich diese erste 
Generation muhattimedanischer Araber nur sehr schwer 
dem ihr aufgezwungenen neuen Ideenkreis an. Vergebens muthete 
man ihr die frömmelnde Art zu, die zur Herrschaft gelangt war; 
aber ebenso vergeblich auch nur das negative Zugeständniss , von 
ihren Dichtungen die Momente fernzuhalten, welche den Lebens- 
nerv der heidnischen Poesie bildeten. Auch die neuen Verhältnisse 
spiegeln sich unter dem Gesichtspunkt alter Ideen. Die Dichter 
kommen dadurch zuweilen in Conflict mit den positiven und nega- 
tiven Forderungen der religiösen Macht. Hassan ihn Täbit, Ka'b 
b. Zuhejr und vielleicht noch der eine oder andere ihrer Dichter- 
genossen bilden immer nur Ausnahmen von dem allgemeinen Geist, 
der die dichterischen Hervorbringungen dieser Zeit des üeberganges 
kennzeichnet. 

Es wäre wünschenswerth alles, was aus der dichterischen 
Litteratur jener Zeit errettet ist, im Zusammenhange kennen 
zu lernen. Neben dem philologischen Interesse, welches die zu- 
sammenhängende Darstellung dieser litterarischen Reste böte, würden 
aus denselben nicht unansehnliche Documente für die Culturgeschichte 
erschlossen werden können. Aus diesem Gesichtspunkte wird die 
Veröffentlichung des nachfolgenden Diwans sich rechtfertigen lassen. 
Einige Bemerkungen über die Lebensumstände und den Chai-akter 
des Dichters, über seine Stellung zu den Bewegungen seiner Zeit, 
sowie über die Ueberlieferung seiner Dichtungen mögen die letzteren 
einleiten. 



2 Golchiher. Der Dm-än des Garival b. Aus Al-Hutefa. 

I. Für einen umfassenden Ueberblick des Lebenslaufes des 
Gravwal b. Aus, genannt Al-Hutej'a („der Kleine, Hässliche"),^) 
stehen uns nur mangelhafte Quellen zur Verfügung. Was Ibn 
Kutejba (Kitäb al-si'r wal-su'arä', Wiener Hdschr. fol. 57a ff.) 
bietet, sind nur wenige Episoden aus dem Leben des Dichters, 
solche, an welche der Litterarhistoriker seine Proben aus den Ge- 
dichten des Hut. anknüpfen konnte. Tiefer führt uns das Kitäb 
al-agänl in die Umstände des Familienlebens des Dichters und 
seine Verbindungen mit hervorragenden Personen seiner Zeit ein. 
Aber auch daraus gewinnen wir keinen fortlaufenden' Faden für 
eine Biographie des Dichters. Alle diese Daten liefern uns nicht 
einmal immer zuverlässige Anhaltspunkte für die chronologische 
Schichtung der im Diwän gesammelten Gedichte. Bei dieser Sach- 
lage müssen wir auf eine abgerundete Darstellung des Lebenslaufes 
Al-Hutej'as verzichten und uns auf einige aus den biographischen 
Quellen und aus den Gedichten selbst hervortretende Momente 
beschränken. 

Al-Hutej'a ist ein Wanderdichter, der sich in den Lagern der 
Stämme und in der Umgebung der Gewaltigen seiner Zeit herum- 
treibt, um dieselben zu klingender Besoldung seiner Ruhmesgedichte 
zu veranlassen, oder ihren Geiz durch beissende Spottgedichte zu 
bestrafen. Den vornehmen Ton eines Zuhejr, die edle Gesinnung 
des 'Urwa werden wir vergebens in seinen Dichtungen suchen. 
Zur Verächtlichkeit bestimmte ihn ja nach arabischen Begriffen 
schon seine Abstammung, deren Makel er weder durch das stolze 
Selbstbewusstsein noch durch die heroischen Thaten eines 'Antara 
abzuwaschen verstand. Er war seiner Herkunft nach, was die ara- 
bischen Genealogen einen v_^av..äJ1 ''^)\y^i.yi, einen Menschen von 
bedenklichem Ursprung zu nennen pflegen. Sein Vater Aus war 
vom Stamme der Banü 'Abs, einem hochgeachteten Stamme, der 
zu seinem Ruhme auf grosse Helden ('Antara, Kejs b. Zuhejr, 'Urwa 
u. A.) und auf gar manchen Ehrentag hinweisen konnte; dessen 
rechtmässige Gattin war die Tochter des Rijäh b. 'Amr b. 'Auf. 
dessen Stammbaum auf das Geschlecht derer von Duhl, vom an- 
sehnlichen Stamm der Bekr b. Wä'il zurückgeführt ward. Aber 
nicht aus dieser Ehe wurde Hut. geboren. Seine Mutter war 
Al-Darrä', eine Sclavin des Aus. Diese wollte den Aus an seine 
eifer.süchtige Gattin nicht verrathen und gab den Afkara, einen 
Bruder derselben, als den Vater des Garwal aus. Nach dem Tode 
des Aus schenkte dessen freie Ehegattin dem Kinde ihrer Sclavin, 
welches nach arabischem Brauch in ihren Besitz übergegangen war, 

1) Alan gab ihm auch den Beinamen: Sakit (TA Jaä-w). 

2) So ist statt jj^i^ Ag. II, 44 oben zu lesen vgl. Comm. zu 42, .8 



Goldziher, Der Diwan den Garwal h. Auh Al-Hutej\i. 3 

die Rechte eines Freien, und diese Stellung gab ihm Ansprüche, 
an dem Besitz der Familie mit den beiden legitimen Söhnen des 
Aus theilzunehmen. Diese gestanden ihm mit dem Recht, im Ver- 
bände der Familie zu verbleiben, auch den Mitbesitz des gemein- 
samen untheilbaren Vermögens zu. Hut. aber forderte einen be- 
sonderen Antheil für sich ; dies wollte ihm die Familie nicht 
zuerkennen, und dadurch soll die im Ged. 91 — von Hammäd allein 
überliefert — enthaltene Verspottung der beiden freigeborenen Söhne 
des Aus veranlasst worden sein. 

So wird die Abstammung des Hut. von Ibn al-Kalbi dar- 
gestellt, der darüber die speciellsteu Angaben mittheilte. Al-Hutej'a 
hatte Kenntniss von der Bedenklichkeit und Unsicherheit seiner 
Genealogie und scheint seine Mutter nicht selten dazu gedrängt zu 
haben, ihm frei herauszusagen, ob er sich nach Aus einen 'Absiten, 
oder nach Afkam einen 'Aufiten oder Duhliten nennen könne? 
Die Unentschiedenheit der Mutter schildert er in einem Gedichtchen, 
das in den Diwan nicht aufgenommen wurde : 

„Al-Darrä' sagt mir: Du gehörst weder einem noch zweien 
an ; sieh zu, wie die Gemeinsamkeit beider (nämlich des Aus und 
des Afkam) möglich sei ! 

„Du bist ein Narr, der vergeblich nach einem Vater forscht; 
wirst du denn nicht von deiner Thorheit erwachen?" 

(Im zweiten Vers ist er es selbst, den er anredet.) 

Zunächst war es ihm ja freilich nur um die materiellen 
Beneficien der Stammeszugehörigkeit zu thun. Da er unter den 
'Absiten als Sohn des Aus nicht recht zur Geltung kommen konnte 
— man wird ihn dort immer nur als Maulä betrachtet haben — 
versuchte er es, sich an die Familie des Afkam in Jamäma zu 
halten. Er suchte dieselbe in Kurejja auf und dichtete Ruhmes- 
gedichte zu Ehren der Banü 'Auf, lobte ihre Tugenden und ihre 
Treue und gab sich selbst als ihren Angehörigen aus. 

Bald konnte er sich aber überzeugen, dass die beanspruchten 
Vettern auf seine Wünsche nicht recht eingehen mochten. 

„Ich habe gewünscht, dass Bekr (b. Wä'il, der Hauptstamm, 
von dem die B. 'Auf durch Duhl abgeleitet sind) mein Stamm sei; 
aber meine Familie und Bekr sind die schlechtesten der Stämme. 

„Wenn ich sage, dass ich Bekrl bin, so versaget ihr mir meine 
Bedürfnisse. 0, gehörte ich doch zu Anderen als zu Bekr b. 
Wä'il". 1) 

Und nun wendet er sich wieder zu den 'Absiten zurück. Es 
ist bezeichnend, dass sich sein Zorn gegen seine Mutter, als die 
Urheberin dieser seiner Ungewissheit kehrt. Sie hatte mittler- 
weile einen 'Absiten geheirathet, welcher dem Clan der Banü Gahs 
vom 'absitischen Zweigstamm Banü Bigäd angehörte. ''*) (Ged. 21.) 



1) Ag. ibidem; diese Verse fehlen im Diwan. 

2) Nach dem Berichte des Abü-1-Jakzän soll Darra einen Mann von sehr 
anrüchiger Abstammung geheirathet haben: einen gewissen Kalb b. Kunejs b. 

1* 



4 Goldziher, Der Diioan des Garwo.l h. Aus Al-Hutej'a. 

Es ist möglich, dass dies die Ursache des harten Higä' ist, mit 
welchem Hut. die BanI Bigäd uud speciell die Gahs (19, 17) ver- 
folgt (19. 21. 44. 66). Feigheit im Kriege wie in der Vertheidigung 
ihrer Familie, Schlaffheit in der Beschützung ihrer Schutzbefohlenen, 
Engherzigkeit u. a. wird ihnen zur Last gelegt. Hinsichtlich der 
besonderen Beziehung (Ermordung des Chälid, welche die 'Absiten 
gegen den Willen der B. Bigäd rächten) können auch wir über 
das „non liquet" des Scholiasten nicht hinauskommen. 

n. Sehr viel Schwierigkeiten begegnen wir, wenn wir für 
die Anfänge der dichterischen Laufbahn Hut.'s einen chronologischen 
Ausgangspunkt zu gewinnen suchen , sowie es ja im Allgemeinen 
kaum möglich ist, für die frühe Jugend des Dichters eine sichere 
Zeitbestimmung zu wagen. Zu selu' unwahrscheinlichen Resultaten 
würden wir gelangen, wenn wir uns den chronologischen Angaben 
der arabischen Philologen arglos überlassen wollten. So viel ist sicher, 
dass Hut. bereits einige Zeit in der(jrähilijja als Dichter 
bekannt war, und dass seine Blüthezeit in die Regierungsepochen 
des Abu Bekr, 'Omar und 'Otmän fällt. Wie weit zurück er noch 
in die heidnische Zeit reicht, und wie weit herab seine Lebensdauer 
währt, können wir mit Sicherheit nicht angeben. Mit den arabischen 
Philologen und Historikern müssten wii* ihn ein Alter von min- 
destens 130 Jahren erreichen lassen. 

In Anbetracht der langen, nach einigen bis an Muhammeds 
Zeit reichenden Lebensdauer des Zuhejr würde uns die Nachricht, 
dass Hut. der Räwl des Zuhejr war, auch dann nicht zu einer 
genauen Bestimmung der Anfänge unseres Dichters helfen, wenn 
diese Nachricht über allen Zweifel gesichert wäre. Hinsichtlich der 
Räwi-Beziehungen des Hut. lauten die Angaben in einigen für die 
dichterischen Verhältnisse der alten Zeit jedenfalls sehr interessanten 
Berichten verschieden. Während nach einigen Hut. der Räwi des 
Zuhejr und seines Sohnes Ka'b war (Ag. VII, 78, 8 xoi» ^-^J iö^L : 

ibid. II, 46 ult., 47, 1 ; XV, 147, 16 ff. .^j .% ^-^ Kj^I^), wird 

bei anderen dies Verhältniss in anderer Weise dargestellt: ÜjA^j . Ü' 



Gäbir aus dem därimitischen Stamme der Nahsal. Seine Mutter war eine 
Sclavin des Zurära, Vaters des Lakit. Zurära nun betrachtete das Kind seiner 
Sclavin als ihm zngehörendes Eigenthum, und auch sein Sohn (1. x-ijf st. ^-oi) 
Lakit wollte den Kalb sowie auch seinen gleichfalls von der Sclavin geborenen 
Bruder Jarbii' nicht aus seinem Besitz entlassen. Jener Kalb soll nun die 
Darrä' geheirathet haben. — Es ist zu bemerken, dass diese Erzählung nur 
eine Weiterbildung von Ag. X, 26 oben ist, wo sie mit der Darrä' noch in 
keinen Zusammenhang gebracht ist. 



Gohlziher, Der Diwan cle^ Garical b. Aus Al-Hufefa. 5 

(Ag. XXI, 264, 12; Chiz. IV, 84) — wonach Hut. nur Rawi des 
Ka'b, nicht aber des Zuhejr gewesen wäre. Es ist demnach nicht 
als zweifellos zu betrachten, dass Hut. zu Zuhejr überhaupt im 
persönlichen Verhältniss des Eäwi gestanden. ') 

Es stehen jedoch auch noch andere Angaben, aus welchen auf 
die Jugendzeit des Hut. geschlossen werden könnte, zur Verfügung. 

Das weitestgehende Datum der Biographie des Hut. vor dem 
Islam greift bis in die Zeit des No'män b. Mundir zurück. Al- 
MubaiTad,^) Ihn al-Atu* 3) und nach ihnen auch spätere Philologen'^) 
theilen nämlich als Anlass zu unserem Ged. 53 kurz die folgende 
Begebenheit mit. Als einmal Al-No'män von den um ihn ver- 
sammelten Wufüd der Araber den sich bescheiden zurückziehenden 
Aus b. al-Härita durch ein Prachtgewand auszeichnete, und sich 
in Folge dieser Auszeichnung der Neid der Uebrigen gegen Aus 
kehrte, wollte man den Hut. verleiten, ein Spottgedicht gegen ihn 
zu schleudern. Das Higä' war in dieser alten Zeit und namentlich 
bei solcher Gelegenheit nicht bloss Privatangelegenheit der betreffen- 
den Dichter; es war vielmehr eine öffentliche, feierliche Handlung 
und als solche mit gewissen Formalitäten verbunden. Als der 
jugendliche Lebid am Hofe desselben No'män gegen die durch den 
König bevorzugten 'Absiten auftrat, „salbte er die eine Seite seines 
Haupthaares, Hess seinen Mantel schlaff herabhängen und beschuhte 
nur einen Fuss — so war die Sitte der Dichter der Gähilijja, wenn 
sie sich zum Higa anschickten, — stellte sich vor den König und 
recitirte sein Schmähgedicht".^) Hut. lehnte die Zumuthung, gegen 



1) Die Räwi-Reihe wird bei 'Ajni I, 113 noch weiter geführt: .M^ 

ji>^:> . c:fc;Äj! J'>>^I::'^ ,..5^^s> ,.-.j , w.! Kj.L .xP; » ^\ iü.t, 
Al-Gähiz, Kitäb al-bajän fol. 105b bezeichnet den Farazdak als: , wLL! *-J»tj 

_^^L.i>i v_^5>'Lo5 ^.s^J;.^, 

2) Kämil 132 ult. ff. 

3) ed. Tornberg I, 469 KäP^aJI .^ *^J . 



4) So z B. auch SSK 309. 



5) Chiz ad. IV, 172 »^ , .JL-i: ^.XjsA ^J>J> vA-i» uWi } 



WAS 



^1 ^\J> ^ «uJo ^aJ JJU-S ^^^^\ OOy \ö\ KxJL^l^aJ!. Diese 
Notiz wird im Namen des Sejjid Murtadä 'Alam al-hudä (aus seiuen Amäli 
L\j^äii ..O5 (AjI^I ._£.) angeführt; in der entsprechenden Stelle des Ag. 



XIV, 95) werden diese Umstände nicht erwähnt. 



6 Goldziher, Der Ducän de-<! Garn-al b. Aus Al-Huteja. 

Aus aufzutreten, mit Hinweis auf die vielen Wohlthaten. mit wel- 
chen ihn dieser von jeher überhäuft hatte, ab (darauf soll sich eben 
der Inhalt von Ged. 53 beziehen); viel williger zeigte sich Bisr b. 
Abi Chäzim, der für gute Belohnung gegen Aus Schmähverse 
richtete, in welchen er auch dessen Mutter Su'dä verletzte. Dennoch 
hatte er es der Grossmuth dieser Frau zu verdanken, dass er, als 
er in die Gewalt des Aus gerieth, nicht der Rache des Beleidigten 
verfiel. 

Dies nun wäre die älteste Bezeugung der dichterischen Lauf- 
bahn des Hut. Jedoch wird durch diese Erzählung für die Jugend 
Hut. 's ein fast unmöglich frühes Datum angesetzt. Es ist — falls 
wir uns nicht mit den Auskunftsmitteln muhammedanischer Philo- 
logen behelfen, welche mit der Mu'ammarin-Hypothese (vgl. Muh. 
Stud. II, 170) alle chronologischen Ungeheuerlichkeiten ausgleichen^) — 
kaum anzunehmen , dass ein Mann , der noch zu Anfang der Re- 
gierung des Mu'äwija lebt, bereits zur Zeit jenes No'män ein 
bekannter Dichter gewesen sei. Die Verbindung des Hut. 
mit Aus wird zunächst auch dadurch unwahrscheinlich, dass wir 
in seinen Gedichten keine Spur dieses Verhältnisses wahrnehmen. 
Die Beziehungen des Bisr zu Aus werden durch die auf uns ge- 
kommenen Gedichte des ersteren ^) als historisch thatsächlich er- 
wiesen, Auch der Diwän des Hut., sowie die sonstigen Nachrichten 
über die unausgesetzten Wanderungen des Dichters zu den Wohn- 
plätzen arabischer Aristokraten, deren Spenden er in Anspruch 
nahm , würde etwas hierauf Bezügliches enthalten , wenn Aus von 
jeher zu den Wohlthätei-n des Dichters gehört hätte. 

Viel mehr Wahrscheinlichkeit kann demnach jene Ueberliefe- 
rung beansiiruchen, welche das fragliche Gedicht 53 an Zejd al-chejl 
gerichtet sein lässt. Dieser arabische Held gehört in den Kreis 
der Männer, mit welchen die Muse des H. gegen den Ausgang 
des Heidenthums häufig in Berührung kommt. 

Für eine annähernde Bestimmung der ersten Epoche der 
dichterischen Laufbahn des Hut. bietet der Diwän selbst einige 
Anhaltspunkte. Freilich kann Gedicht 71 — ein Lobgedicht auf 



1) Wie man dies z. B. bei den fabelhaften Nachrichten über das Lebens- 
alter des Näbi^a Ga'di ersehen kann, Chiz. ad. I, 512. 

2) In den weiter unten zu erwähnenden Muchtärät (6.5 — 83) sind sechs 
Kasiden des Bisr mitgetheilt; auch in den Mufadilalijjät ist ein Gedicht des- 
selben aufbewahrt. Abu 'Amr zählt ihn zu der ersten Klasse der alten Dichter, 

Tiräz 32, 1: ^^^.S^JLj ^.^.c j.j1 \ä.S^J| ^^^>.il (•3>-===' c^^ rr^ ^-^<-' äA^^AiS . 
Einen Commentar zu seinem Diwän verfasste Abu 'Ubejda, Chiz. 11,262: 



zJ Ju^ 



Goldzikcr, Der Dmän des Garual h. Aus Al-Hutej'a. 7 

den durch Umejja b. Salt verherrlichten ') 'Abdallah ihn Gud'äu. 
einen durch ^ seine Freigebigkeit -) und Ritterlichkeit ^) berühmten 
Araber der Gähilijja (in dessen Hause das Hilf al-fudül geschlossen 
wurde, und bei dessen Gastmahl einmal Muhammed als JüngHng 
zusammen mit Abu Gahl anwesend wai') *) — wegen seiner zweifel- 
haften Echtheit nicht als Ausgangspunkt genommen werden. 

Auf viel festerem Boden befinden wir uns jedoch mit Ged. 70. 
Es bezieht sich auf einen Kampf, an welchem 'Urwa b. al -Ward 
und Hakam b. Merwän b. ZinbiV persönlich theilnahmen. Die 
Gleichzeitigkeit mit Hakam weist uns mit diesem Gedichte auf die 
Zeit des Mannesalters des 'Urwa. als dessen jüngerer Zeitgenosse 
Hut. wohl zu betrachten ist. In diese erste Periode gehört auch 
das Lobgedicht auf den 'Absiten Sunna (94) und auf dessen Sohn 
'Urwa b. Sunna (32). Wir können diese Männer aus anderweitigen 
Berichten zwar nicht nachweisen; aber sie erscheinen aus den im 
Schol. zu Ged. 32 ersichtlichen genealogischen Verhältnissen als 
Zeitgenossen des 'absitischen Propheten Chalid b. Sinän.^) 

Die Theilnahme am Stammesleben der 'Absiten mit seinen 
kleinlichen Interessen bot ihm Gelegenheit, auch seinen Spott gegen 



1) Uebor 'Abdallah ibn Gudän sind mehrere Nachrichten aus älteren 
Quellen zusammengestellt bei Dam. s. v. ..Laxxj! I, 215. Die Gedichte des 
Umejja an ihn s. A^'. VIII, 3 fV., Abkarius. Raudat al-adab (1858) 3G tf. = Dam. 

s. V. .^.^-O II, 94. TA. |»3,. Unser Ged. 71 (welches einige dem Umejja zu- 
schreiben) ist nicht darunter. 

2) Für den Ruf seiner Freigebigkeit ist folgende Mittheilung aus Ibn 

Bekkär's , ci.j.i L.Jwwol charakteristisch: .aJ l+J sJ».:>- ^^ ^.^t Jv.S .•«li» 

.juXJ La-^ÄC ^j./5 ^A ^i-i»J ,-.' SfcAÄX» b^J J^ *.>jJ _».ÄJ C:;A.i>'w5 

>.^553! ii.j J^jJü ^ s*l:i.l NÄ/! ÜJ> \j>^ ,kA .jj>| a'wj'i ^^i (^j-ÄJ 

cjw-.;S,Jl j*^*s f^i xJtJ! (-X./.C. i3j.ftj ünJö ^i. 

(Tiräz 167). Xach Ibn Rosteh ed. de Goeje 215, 11 übte er ein nicht eben 
ehrenhaftes Gewerbe. 

3) Bei ihm findet unter anderen auch der hart verfolgte Al-Härit b. 
.älim ein Asyl, Ag. X, 23, 5. 

4) I. His. 451, 10. — In noch ältere Zeit wird das Lebensalter des 
'Abdallah b. Gud'än durch die Notiz hinaufgerückt, dass er (also bereits als 
gereifter angesehener Mann) an der kurejsitischeu Abordnung theilgenommen 
haben soll, welche dem Sejf b. Di Jazan ihre Glückwünsche zu seinem Siege 
über die Abessinier überbrachte. 'Ikd I, 131, 18. 

5) Es ist nicht zu übersehen, dass in diesem Ged. v. 5 die Beredtsamkeit 
des Kuss bereits sprichwörtlich ist, vgl. 58, 9 und Lebid ed. Chälidi p. 81 v. 1. 



8 Goldziher, Der Diwan des Gariml b. Aus Al-Hutefa. 

einzelne Gruppen und Personen desselben zu richten. Ausser den 
Banü Bigäd, deren Schmähung, wie wir oben vermutheten , auf 
unerquickliche Familienverhältnisse zurückzuführen ist, sind es be- 
sonders die Banü Sahm^), denen er aus einem bestimmten Anlasse 
zu Leibe geht (23), was er unmittelbar darauf zu bereuen sich 
veranlasst fühlt (24) ; diese Reue hielt freilich nicht dauernd an, 
denn das Oberhaupt des Stammes, Kudäma b. 'Alkama ist, wie 
wir aus 42. 86 ersehen, auch fürder dem Spotte des Dichters ver- 
fallen, der es hinsichtlich dieses angesehenen Mannes nicht unter- 
lässt, in gähilitischer Art die ehrliche Abstammung des Geschmähten 
zu verdächtigen (42, 3 Schol.). — Nicht sicher lässt es sich be- 
haupten , dass auch das Higä* gegen den 'Absiten Al-Husejn b. 
Lokmän (51) dieser alten Zeit angehöre. Es kann bei dieser Ge- 
legenheit darauf hingewiesen werden, dass ein Abü-1-Hisn b. Lokmän 
unter den Abgesandten des 'Absstammes zu Muhammed erwähnt 
und unter den frühesten Muhägirüu aufgezählt wird. 2) In die 
Gähilijja reicht hingegen sicher Ged. 29 zurück , welches gegen 
den Asaditen Sachr, den Sohn jenes A'jä b. Tarif gemünzt ist, 
dessen für das Familienrecht bei den Arabern interessanter Erb- 
schaftshader aus Tebr. Ham. 202 bekannt ist. Auch 40 (nur von 
Abu 'Amr überliefert) scheint noch ein Gedicht aus alter Zeit zu 
sein ; dasselbe ist an Al-Härit b. 'Abd Jagüt gerichtet , dessen 
Sohn Sarik unter 'Ali kämpfte. 

Unter den in die Gähilijja ^) zurückreichenden Momenten der 
dichterischen Laufbahn des Hut. ragt besonders seine Betheiligung 
an der Munäfara zwischen 'Alkama b. 'Uläta und 'Amir b. al-Tufejl 
hervor.*) Unser Dichter stellte sich zur Partei des 'Alkama und 
dieser Theilnahme am Wettstreit der beiden arabischen Helden 
gehöi-en die Gedichte 16. 17 an. Auch sein Verhältniss zu Zejd 
al-chejl (st. 10 unmittelbar nach seiner Bekehrung) ^) reicht in die 
heidnische Zeit zurück. '^') Zejd nahm den Hut. zusammen mit Ka'b 
oder Bugejr b. Zuhejr gefangen ; sie befanden sich im Lager des 
'Alkama,^) als dieser seine Razzia gegen Zejd's Stamm, Tajj, unter- 



1) Auch 27 ist gegen die B. Sahm gerichtet, aber das Gedicht stammt 
aus dem hohen Greisenalter des Dichters (v. 3). Dieser Zweig des 'Absiteu- 
stammes scheint den Hut. nicht eben freigebig behandelt zu haben (78, 3). 

2) Ibn Sa'd ed. Wellhausen 32, 6. 

3) Nach Zubejr b. Bekkär wurde die Nachricht von dieser Munäfara vor 

dem Propheten als eine zu den «>_J,_*J| «Lj! gehörige Begebenheit erzählt, 
Ag. XV, 58, 9. 

4) Vgl. Sprenger, Mohammad lU, 402. 

5) Welliiausen, Skizzen und Vorarbeiten IV, 163. 

6) Nach der in Chiz. IV, 150 flf. mitgetheilten Version war damals noch 
der alte Zuhejr am Leben. 

7) Nach Einl. zu 59, welches vielleicht nur ein Doppelgänger von 52 
ist (es wird nicht allgemein überliefert), hat sich Zejd gelegentlich eines Zuges 
gegen die 'Absiten grossmüthig gegen Hut. bewiesen. 



Goldziher, Der Diwan des Garwal b. Alis At-Hutefa. 9 

nahm. Während der Sohn Zuhejr's seine Freilassung mit einer 
Kameeistute erkaufte, wurde Hut. als bettelarmer Dichter ohne 
Lösegeld freigegeben. Diese Grossmuth besingt er in den Ged. 52. 59. 
Als ihn die Fezäriten zum Higä' gegen Zejd veranlassen wollten, 
lehnt er dies mit Hinweis auf die Pflicht der Dankbarkeit gegen 
Zejd ab (53 vgl. oben p. 6). 

Durch Blutsverwandtschaft den 'Absiten eng verbündet sind 
die B. Dubjän; unter denselben ragten an Bedeutung die B. Badr 
hervor, denen wir in den kriegerischen Ereignissen der letzten Jahr- 
zehnte des Heidenthums häufig begegnen. Bis in die erste mu- 
hammedanische Zeit reichen die rühmenswerthen Thaten des 'Ujejna 
b. Hisn, eines Urenkels des Badr. Er war ein unverfälschter Ver- 
treter des arabischen Widerstandes gegen die muhammedanische 
Neuerung. Zwar musste der stolze Mann endlich seinen Widerstand 
aufgeben und sich dem Muhammed anschliessen ^) ; — bei der Er- 
oberung Mekkas finden wir ihn im Lager des Propheten — ^) ; 
aber auch als scheinbarer Anhänger desselben gab er Zeichen 
seines trotzigen, unabhängigen Sinnes^), und nach dem Tode des 
Propheten ergriff er gern die Gelegenheit zum Abfall von einer 
Sache, die ihm vom Anfang an zuwider war.*) Und als man ihn 
nach der Bezwingung des Aufstandes im Triumph nach Medina 
brachte und die schadenfrohe Strassenjugend ihn mit Palmenzweigen 
schlagend verfolgte und ihm nachschrie: , Sehet da den, der Gott 
verläugnet, nachdem er sich zu ihm bekannt hatte", da konnte er 
mit gutem Geissen rufen: „Fürwahr, ich habe mich auch früher 
nie zu Allah bekannt".^) Der Familie Badr — namentlich dem 
Brüderpaar 'Ujejna und Chäriga — widmete Hut. gerne seine Lob- 
gedichte. ') Wenn diese Gedichte, wie man mindestens hinsichtlich 
einiger vermuthen darf, noch in vorislamischer Zeit entstanden sind, 
so können wir dieselben nur in jene Zeit versetzen, in welcher der 
Dähis-Krieg, welcher die beiden Stämme durch mehrere Jahrzehnte 
entzweite, bereits vollends beigelegt war. Sonst könnten wir uns 
nicht recht denken, dass ein sich zu den 'Absiten haltender Dichter 
den Helden des feindlichen Stammes — es handelte sich ja um 
eine Blutfehde — in Lobgedichten hätte verherrlichen mögen. Das 
älteste unter diesen Gedichten (freilich insofern es echt ist ; Ihn 
al-A'räbi überliefert es nicht) scheint 61 zu sein, ein Schmähgedicht 
gegen die Badr, in welchem Reminiscenzen aus dem Dähiskriege 



1) Unter den Wufüd der Fazära (im Jahre 9) wird bald 'Ujejna (Al- 
Ja'kübi II, 86, 4) bald sein Bruder Chäriga (Ibn Sa'd ed. Wellhausen 32 penult.) 
genannt. 

2) Ibn Hisäm 934, lö. 

3) Ibid. 878, 1. 

4) El- wird unter den Führern der Bewegung des Propheten Tultjha ge- 
nannt, Al-Ja'kübi II, 144, 12. 

5) Tab." I, 1897, 5, vgl. Al-Ja'kübi II, 14Ö, 11. 

6) Schol. Einl. 48. 



10 GoUzihcr, Der Diwan des Gancal h. Aus Al-Huteja. 

aufgefviscbt werden. Auch 90 setzt ein gespanntes Verhältniss 
zwischen den beiden Bruderstämmen voraus. Dem Ende der Grähilijja 
oder dem Anfang der muhammedanischen Zeit dürften die Lob- 
gedichte auf 'Ujejna und Chäriga angehören 31. 33. 41. 48. 55 
("wobei auf Kämpfe Bezug genommen wird, die wir anderweitig nicht 
erwähnt gefunden haben). Sicher in das Jahr 11 d. H. gehört 43, 
in welchem dem Chäriga wegen seiner Betheiligung an der Auf- 
lehnung der Ridda alles Lob gespendet wird. So kommen wir 
denn mit den an die bedeutenden Angehörigen des fezäritischen 
Stammes gerichteten Gedichten in die Zeit der Anfänge des Islam. 
Aus dieser Zeit stammen die beiden Gedichte, in welchen er den 
Angehörigen eines andern Zweiges des Fezära-Stammes, Sabat b. 
Kejs, der bereits in der Gähilijja wegen seines Reichthumes viel 
Ansehen genoss, und welcher den ihn anbettelnden Dichter in der 
freigebigsten Weise befriedigte, verherrlicht (38. 39). Besonders 
39, 4 giebt uns die Sicherheit dafür, dass zur Zeit, in welcher dies 
Gedicht entstanden, das Din bereits Wurzel gefasst haben müsse. 
In muhammedanische Zeit wird auch 30 zu setzen sein , welches 
mit anderweitigen historischen Berichten zusammengehalten manche 
Schwierigkeit bietet. Dies Gedicht ist an zwei Brüder gerichtet, 

von denen der eine, Al-Härit b. Hisäm, zu den *.^Jj.JiJ» ».äJ..x) gehörte, 
der andere, Al-'Asi, im Kampfe gegen Muhammed bei Bedr fiel 
(I. His. 509, 7). Was uns nun Schwierigkeiten bereitet, sind die 
Verse 6. 7 , welche die Kriege gegen Griechen und Perser voraus- 
setzen. Dies passt keinesfalls zu dem bei Bedr gefallenen 'Asi ; 

Al-Härit ging unter 'Omar nach Syrien oU ^x> \j^§>^^\a J:j Ai 
(Ihn Kut. 143). Er starb i. J. 18. 

III. Wir entbehren jeder zuverlässigen Basis, um bei Gedichten, 
in denen weder der Inhalt noch auch persönliche Umstände einen 
positiven Stützpunkt für ihre Zuweisung in eine bestimmte Zeit 
bieten , festzustellen , ob dieselben in die Zeit vor oder nach der 
Entstehung des Islam gehören. Al-Hutej'a war vom Geist der 
neuen Religion so wenig berührt, dass sein nothgedrungener An- 
schluss an dieselbe keinen Eiiifluss auf die in seinen Gedichten zum 
Ausdruck kommende Weltanschauung übt. Demnach können auch 
Beziehungen auf heidnische Begriffe ^) in seinen Gedichten niemals 
als Beweise für die Entstehung derselben in heidnischer Zeit gelten. 
Ferner sind die Personen, an welche sich seine Lob- und Schraäh- 
gedichte wenden, zumeist ^.,_j.xi.*iiic\x. Diese Umstände machen die 
ausdrückliche Betonung der Thatsache überflüssig, dass bei Ge- 
dichten, deren Inhalt nicht an einen sicheren Zeitpunkt geknüpfte 

1) 3, 22 Mojsirspiel; 9, 7 vgl. 89, 5 Zaubermittel; 17, 7 ^.9\^ \ 
81, 1 ^'wc . 



GoldrJher, Der Diwan des Ganoal b. Aus Al-Hutej'a. \\ 

Beziehungen darbietet, jede Zeitbestimmung nur v e r niuthungs - 
weise gewagt werden konnte . und dass dieselbe Einschränkung 
auch von den die folgende Epoche betreffenden chronologischen 
Bestimmungen gelten rauss. Nur in seltenen Fällen verweisen 
einzelne Sprachausdrücke, sowie auch specifisch muhamme- 
danische Anschauungen,') in die Zeit des Islam; aber es sind dies 
in der Regel Gedichte, deren muhammedanische Entstehungszeit 
auch durch den Inhalt, die Veranlassung und die inneren Bezieh- 
ungen -) derselben ohnehin völlig gesichert ist. Die betreffenden 
Stellen dienen uns aber andererseits, das Maass des Einflusses zu 
veranschaulichen , welchen die muhammedanische Religion auf den 
Dichter ausgeübt. In einem kurz vor seinem Lebensende verfassten 
Gedicht bezeichnet er sich als „Muslim, ^) der sich frommergeben 
Gott zuwendet" (13, 5). In derselben Zeit benützt er den koranischen 
Ausdruck ^Ji k_jij\.£: (14, 4)^) und verweist darauf, dass die Seelen 

der Kiieger des Islam in die ,.,iAc OuÄ:=* gelangen, ,nach welchen 
es für die Frommen keinen Untergang giebt" (13, 17). Von Abu 
Müsä al-As'arl rühmt er (11, 15), dass er nichts auf Omina und 
Auguria gebe (sondern — so folgert der Scholiast — nur auf 
Gott vertraue). Dass er dem 'Omar gegenüber sich der muham- 
medanischen Grussformel bedient (47, 2), ist unter den Umständen, 
unter denen er sich gerade damals befand , nicht auffallend. Den 
Werth dieses Zugeständnisses können wir jedoch würdigen , wenn 
wir erfahren, dass ihm nur ganz kurze Zeit vor seiner Einkerkerung 
durch 'Omar der 'Iglite 'Utejba in Küfa den Vorwurf machte, dass 
er ihm nicht mit dem „Gruss der Leute des Islam" entgegenkam 
(Einleit. zu 65). Es ist demnach für die Stellung unseres Dichters 
zum Islam interessant, zu beobachten, dass die Anbequemung an 
muhammedanische Anschauungen ^) nur in den allerletzten Lebens- 
jahren des greisen Hut. nachgewiesen werden kann. 



1) z. B., wenn der Scholiast zu .3, 2 {.y^.<^A) richtig erklärt, die Er- 
wähnung der Moschee in der Beschreibung der Atläl. 

2) z. B. 39, 4. 

3) So auch in dem zur Zeit 'Omars entstandenen 8 , 9 nach der La. 
im Schol. 

4) <^fti^.j'5 »♦j;*-^' 9, 20; 78, 7 halten wir für keinen specifisch koraniseheu 
(2,257; 31,21) Ausdruck; derselbe wird wohl auch schon in der (Tähilij.ia 
gebräuchlich gewesen sein. 

5) Die religiösen Ausdrücke 14, 1; 21, 6; 41, 1; 44 , 1 können nicht 
hieher gerechnet werden (s. Wellhausen, Reste arab. Heidenth. 185), vgl. 

Nah. 2, 11 \Jül A^.^J,Irark. 15, 1 Ji Jc^^i^il^ (vgl. Muf. 5, 2), xi-Ji tLui ^,1 



Muf. 22, 13. nAJ! ^^ Muf. 13, 1, vgl. Näb. 19, 17 ii..j^.:>\.J l^.\.^\ >A. 



A.c. 



12 Goldzlher, Der Diwan des Garwal h. Aus Al-Hutefa. 

Hinsichtlich des Zeitpunktes seines Uebertrittes zum Islam 
fehlt jeder Bericht. Ihn Kutejba folgert aus dem Umstände , dass 
Hut. nirgends bei den Wufüd erwähnt wird, die Thatsache, dass sein 
Uebertritt erst nach dem Tode des Propheten stattgefunden habe.^) 
Allerdings würde dieser Umstand wenig beweisen. Hut. genoss 
viel zu wenig Ansehen in seinem Stamme, als dass gerade er unter 
den Vertretern desselben bei Muhammed hätte erscheinen können ; 
die Berichte über die Abordnungen der Stämme zeigen uns, dass 
es immer die Angesehensten waren, welche in diesen Deputationen 
erschienen. Wie es nun immer um die Zeit und die Umstände 
seines Uebertrittes stehen möge, so viel kann als sicher angenommen 
werden, dass er mit nicht sehr festen Füssen im Islam stand. Wir 
finden ihn im Jahre 11 in der Reihe der Anhänger des grossen 
Aufstandes (Ridda), der auf dem ganzen Gebiete der arabischen 
Halbinsel den Fortbestand des mit dem Tode des Propheten ins 
Wanken gerathenen Gemeinwesens ernstlich in Frage stellte. Bei 
Al-Abrak wurde er von den siegenden Truppen Abu Bekr's ge- 
fangen genommen. -) Im Ged. 34 ist uns eine (sehr verschieden 
überlieferte) Kundgebung erhalten, mit welcher er seine Stellung 
in der Ridda - Bewegung auch poetisch documentirt haben soll ; 
darin wird gegen Abu Bekr gehetzt, und die Aufständischen werden 
ermuthigt, dem „Elenden" den Gehorsam zu verweigern. Die Banü 
Dubjän (besonders Chäriga b. Hisn , Ged. 43) werden darob ver- 
herrlicht, dass sie Abu Bekr bekämpfen, andere Stämme darüber 
geschmäht, dass sie sich von der Freiheitsbewegung der Araber 
zumckziehen. Es ist nicht ganz sicher, dass dies Gedicht — 
welches, mit Ausnahme eines Verses, Abu 'Amr al-Sejbäni und Ibn 
al-A'räbt gleichmässig überliefern — den Hut. zum Verfasser habe. 



i3l^yi — xJÜ! üilvAP Näb. 23, 8, cJ^AP Kejs b. al-Haddädijja Ag. XIII, 

6, 1,0, Zuhejr, Mu'all. v. 22. Der Gegensatz von (^cX^ und .^bl/i:» ist keine 
neue muhammedanische Ansch.iuung; auch dem heidnischen Alterthum ist die- 
selbe geläufig (vgl. ^i und lA^ , Tarafa 5, 74, und dementsprechend (_X>ii|. 

und j^fct A^'. X, 30, 3 u. und mehrfach im Trauergedicht des Durejd b. al- 
^iimma, Ikd III, 7ü). Es genüge der Hinweis auf Imrk. 45, 15. Tarafa 12, 6 
^^L*öJ! ^J^^c = J.Zi^j| ^X^s. Hud. 4, 7; 5, 7, J^/iJ Gegensatz von *JL> 
Imrk. .')2, 73 (vgl. Hut. 10, 21; 90, 2). 

1) Fol. 57 a: ^J ^^^ ^^xLs, nJuI ^^^^ »LSj Aju ^! ^\ Ji^l ^^ 

V-J.*J! J^s» ^Ai x^lc As. ^4-ö \jS'3 &J A:?-! , Vgl. Usd al-gäba II, 30. 

i 

2) Al-Tabari I, 1«7S, l? U^| üixiij^vi! Äi>l^ . 



Goldziher, Der Dhvdn des Gartval h. Aus AI- Hutepa. 13 

Nach einigen, und diese Ansicht findet auch in der Tabari- Ausgabe 
Ausdruck, ist Chutejl, der Bruder unseres Dichters, der Verfasser 
jenes Gedichtes. Die unserer Ausgabe zu Grunde liegende Recen- 
sion giebt uns hinsichtlich des Verlaufes der Riddabewegung ein 
Räthsel zu lösen. Die historischen Quellen berichten gleichmässig 
von der hervorragenden Theilnahme des 'Absstammes an dem Auf- 
stände.^) Die vereinigten 'Abs und Dubjän waren die ersten, denen 
Abu Bekr entgegentrat, ihre Niederwerfung wird in einem Sieges- 
gedicht des Zijäd b. Hanzala, welches unverkennbar als Gegenstück 
zu unserem Gedicht 34 im Metrum und mit dem Reime desselben 
und mit Anspielungen auf dessen Ausdruck verfertigt wurde, zu- 
sammen mit der des Schwesterstammes erwähnt.-) In unserem 
Gedicht (v. 3) werden hingegen die 'Abs zusammen mit jenen ^) 
geschmäht, die sich von der Ridda zurückhielten. Dafür wird im 
Gedicht 72 wieder die Thatsache verhen-licht , dass die 'Abs mit 
den Dubjän sich in der Riddabewegung vereinigten. Es könnte 
angenommen werden, dass die 'Abs am Beginne der Bewegung zu 

jenen Stämmen gehörten , welche ganz unentschlossen ^i:>j iyStXi 

^>. !».i>^3 — wie dies Al-Tabail auszudrücken pflegt*) — und erst 

im weitern Verlauf von ihren Vettern fortgerissen wurden und mit 
ihnen gemeinsame Sache machten. 

Nach der Niederwerfung der Ridda scheint Hut. mit dem Islam 
seinen Frieden gemacht zu haben. Nach einer bei Ihn al-Atir ^) 
mitgetheilten Nachricht hat er sich von Sa'd ibn al-Wakkäs (im 

1) Die Gatafän im Allgemeinen werden als die Anhänger des Tulejha 
bezeichnet, Ja'k. II, 144, 11; vorwiegend werden es freilich Dubjaniten ge- 
wesen sein, ihr Anführer 'Ujejna b. Hisn gehörte den Letzteren an. 

2) Al-Tabari I, 1872, 1; 1877, 1.13; 18711 ult. 

3) Die Rolle der „Banü Düdän mit Ausnahme der Bauü Nasr", welche 
gleichfalls wegen ihrer Theilnahmlosigkeit geschmäht werden, können wir aus 
den historischeu Quellen nicht beleuchten. Die B. D. gehören zum Stamm 
Asad b. Chuzejma; ihrer rühmt sich 'Abid b. al-abras 

(Hibatalläh, Muchtärät 95, 8). — Dass sich Einzelne aus Asad und Tajj zurück- 
hielten, folgt aus Tab. 1873, 4 O^UJt JJUäi! ^ ^yi\ uo|^i> ^A ^ Lü ^t 
nämlich Gatafän, Asad, Tajj. 

4) Vgl. Ad. kät. 9 penult 

5> ed. Tornberg II, 364, 14 p|_x_^l ^^^ .... Läi ^3l^ ^}^ 

^^xt^ ^^^l wy^i! qJ öA.*-Cj Li/i Q.J u^j!^ L\.x>äi:>ÜI^ p,L*-iJi 



14 Goldziher, Der Dmän des Garwal h. Aus Al-Htitefa. 

Jahre 14) im Kriege gegen die Perser neben anderen Dichtern dazu 
verwenden lassen, das muhammedanische Heer zu begleiten und 
den Muth der Kämpfer durch kriegerische Gedichte anzufachen. ^) 

Wenn die im Schol. zu Ged. 65 (Einl.) enthaltene Nachricht 
richtig ist , so hätte Hut. auch noch in muhammedanischer Zeit 
(nachdem er bereits lange Zeit die Stammesgemeinschaft mit den 
'Absiten gepflegt hatte) die Bauü Duhl wieder aufgesucht und die 
Zugehörigkeit zu ihrem Stamme nochmals zu beanspruchen ver- 
sucht. Aus der Zeit dieses Aufenthaltes bei seinen vermeintlichen 
Stammesgenossen stammen im Sinne der Ueberlieferung die Ge- 
dichte 62 ^) (es ist an die in Küfa ansässigen B. Duhl gerichtet, 
Ag. II 44, 9) und 64, mit welchem er die in ihren arabischen Sitzen 
in Jemäma wohnenden B. Duhl pries. ^) Als ihm die vermeintlichen 
Vettern statt der von seinem Vater Afkam her beanspruchten Erb- 
schaft nur einige Dattelbäume zutheilten,^) und die Zugehörigkeit 
des Dichters zu ihrer Sippe zwar nicht vollends ablehnten, jedoch nur 
sehr kühl behandelten, kehrte sich sein Lob in rücksichtslosen Spott. 
Dieselben, die soeben die , besten Bewohner von Jemäma" gewesen, 
werden zu den „Schlechtesten" umgestempelt. 

Es ist dies die Zeit, in welcher der Dichter fort^vährend auf 
Bettelreisen ^) zu den verschiedensten Stämmen und Mäcenen be- 
griffen war, um die freundliche Aufnahme und Berücksichtigung 
seiner Wünsche mit Ruhmgedichten zu belohnen — mit den im 
Diwän vorliegenden Gedichten ist die Reihe der dem Hut. zuge- 
schriebenen Madih-Dichtungen nicht erschöpft — '') und für ge- 
täuschte Erwartungen in satirischen Ausfällen Rache zu nehmen. 
Aus Furcht vor solcher Preisgebung seiner Ehre musste der geizige 
•Iglite 'Utejba b. al-Nahhäs, der in Küfa viel Ansehen genoss (Ibn 
Durejd 208, 16), die Habsucht des Dichters in den Bazaren Küfa's 
befriedigen (Ged. 65).') Sehr wohl befand er sich bei den B. 



1) Bei Abu Hanifa Dinaw. 128, 15 werden andere Dichter genannt, Hut. 
wird nicht erwähnt." Vgl. Muh. Stud. II, 162. 

2) Vielleicht darf für die Bestimmung der Zeit dieses Gedichtes darauf 
Gewicht gelegt werden, dass in demselben Umäma angeredet wird. 

3) Wir können nicht entscheiden, üb auch 63 in diese Zeitepoche, oder 
in die Jugend des Dichters, als er das erste Mal versuchte, die B. Duhl als 
seine Stammgenossen in Anspruch zu nehmen, gehört. 

4) Dass dieser Aufenthalt bei den B. Duhl bereits ins reife Mannesalter 
des Hut gehöre, würde auch daraus folgen, dass die Dattelbäume nach Ag. II, 

45, 4 den Namen üX-^i/o ^\ O^L.i^J erhalten. Hut. war also damals bereits 
Vater der Mulejka. 

5) Vgl. die Beschreibung seiner "Wanderungen 1, 4 — 10. 

6) Zu erwähnen ist beispielsweise, dass im 'Ikd II, 61, 4 v. u. unter den 
B. Därim ein 'Abbäs b. Masüd genannt wird, K.axLi:5^J| ^=>c\.-« (^lÄit . 
Im Diwän findet sich kein diesem 'Abbäs zugeeignetes Gedicht. 

7) Vgl. Kut. fol. 58 a. 



(ioldziher, Der Durän des Garwal h. Aus Al-Hiäefa. 15 

Rijäh ') und B. Kulejb b. Jarbü' (Ged. 45. 69), deren Gastfreundschaft 
er über alle Maassen lobt, obwohl es ihm seine Familie übelnahm, 
dass er sich aus besseren Verhältnissen zu diesem unbedeutenden 
Stamm, dem vor Hut. niemals irgend ein Dichter ein Lobgedicht 
gewidmet hatte, ^) begab. ^) In diesen Kreis gehören wohl jene auf 
Stämme und einzelne Personen bezüglichen Ruhm- und Spottgedichte, 
welche im Diwan überhefert werden, die Higä' gegen die B. Mäzin 
vom Fezärastamm (56), gegen die B. Sa'l, denen es, wenn sie einen 
Gast bewirthen, zu Muthe ist, als ob man ihnen „die Gurgel durch- 
schneiden wollte" (60). Rühmend gedenkt er des Tamim'schen 
Mäzinstammes , unter denen er einen Wakkäs b. Kurt als seinen 
Wohlthäter nennt (50), und der B. Nahsal (67). So rühmt er noch 
in besonderen Gedichten den 'Amr b. 'Amir al-Takafi ^) (49), den 
Jezid b. Mucharram al-Häriti (68), einen Ungenannten vom Stamme 
der Banü. Bekr b. Kiläb (75), besonders aber den Tarif b. Daflfä' 
vom Stamme der B. Hanifa, Enkel jenes Katäda b. Salama, der 
am Jaum al-sitär von Kejs b. 'Asim getödtet wurde. ^) Dieser Tarif 
liess sich ausnahmsweise nicht erst von ihm aufsuchen, sondern bot 
ihm in zuvorkommendster Weise selbst seine Gastfx'eundschaft an, 
als er ihm auf der Reise begegnete (M. zu 58). Dies lohnte er 
ihm mit fünf rühmenden Gedichten (18. 36. 37. 54. 58). Ganz 
ebenso wie Tarif bot ihm auch Al-Zibrikän b, Badr seine Gast- 
fi-eundschaft an. Diese Episode seines Lebens sollte aber verhänguiss- 
voll für ihn werden. 

IV. Die arabischen Kritiker rühmen zwar an Hut. die Viel- 
seitigkeit seiner dichterischen Begabung '') , sie erwähnen dabei 
jedoch bloss seine Stärke im Ruhmgedicht, im Higä* und in der 
erotischen Poesie. Damit ist die Fülle seiner poetischen Leistungen 
nicht erschöpft. Der Diwan enthält vielfach Beschreibungen von Reit- 
thieren'); auch die Martija wird der Leser in den nachfolgenden Ge- 
dichten vertreten finden.*) Bemerkenswerth ist jedoch, dass die 



1) Gedicht 74 ist an die B. Eijäh gelegentlich eines glücklichen Kampfes 
gerichtet^ weder hinsichtlich der Gegner noch überhaupt über die Zeit des 
Kampfes bietet das Gedicht irgend einen Anhaltspunkt. 

2) Ihn Rasik fol. 177b v^>JLi' ^i «bs „JWJ ^i öJ^;V>-^ y^ v3^i 

.3) Kämil 324. 

4") Xach dessen Tode. 

5) Jak. III, 38, 17; Mejd. II, 324, 19 wo äJLXiü in »jLXs zu verbessern ist. 

6) Ag. II, 43, 18; 48, 23. 

7) 80. 81. 84 und ausserdem innerhalb einzelner Kasiden 3, 9 ff.; 7, 19 ff. 
73, 7—10; 77, 4—12. 

8) Das nicht von allen Tradenteu überlieferte Gedicht 49, Trauergedicht 
auf den Tod des 'Amr b. 'Amir al-Takafi, über den wir sonst nichts wissen. 
(Ein Takafit .j^^c ^ »»j-*^ in den Gen. Tab. G. 19). Martija auf 'Omar 46 
entschieden unecht. 



16 Goldziher, Der Diwan des Garwul h. Aus Al-Hutefa. 

Weinpoesie im Diwan vollständig fehlt. ^) Trotz seiner vielgerühmten 
Vielseitigkeit scheint die Neigung Hut.'s besonders dem Madih und 
Higä' gegolten zu haben. Dieselben treten wenigstens in den im 
Diwan gesammelten Dichtungen am stärksten hervor. Sie ent- 
sprachen am besten dem Charakter des Hut. und den weltlichen 
Zwecken, die er verfolgte. Habgier und Geiz sind die herrschenden 
Züge seines Wesens. Niemand wird von seinem Spott verschont, 
der seinen krassen Egoismus nicht befriedigt, oder seiner Bettel- 
sucht nicht in gewünschter Weise entgegenkommt. Von der ara- 
bischen Tugend der Gastfreundschaft, die er in Bezug auf sich 
selbst immer in der ausgiebigsten Weise in Anspruch nimmt und 
deren Verkürzung ihm die rücksichtsloseste Satire in den Mund 
legt, betrachtet er sich selbst als dispensirt. Schmähgedichte sendet 
er auch jenen nach , ^) die seine Gastfreundschaft in Anspruch 
nehmen (29. 82). (Dasselbe wird auch von Al-La'in al-Minkari, 
einem Zeitgenossen des Hut, berichtet.) ^) Manches witzige Wort 
knüpft sich an diese seltsame Eigenthümlichkeit des berühmten 
Geizigen. Einmal trifft ihn *) ein wandernder Araber bei seiner 
Heerde. „Hast du Bewirthung für mich ?" fragt ihn der Wanderer. 

„Leider habe ich nur die beiden Schwarzen" ( . Ij^^'^1) ant- 
wortet der Dichter. Der Araber zeigt sich damit zufrieden. „Du 
täuschst dich" — klärt ihn nun Hut. bald auf — , „wenn du unter 
den „beiden Schwarzen" Wasser und Datteln ^) verstehst ; ich meine 
damit: die Nacht und die Harra".^) 

Da er nun in den meisten Fällen von den Leuten mehr er- 
w^artet, als sie ihm bieten, hat er auch immerfort Anlass zu 
Higä'gedichten. Im „Spotten" befindet er sich in seinem eigent- 
lichen Element. Auch die eigene Mutter verschont sein Higä' 

1) Getrunken wird nur Milch (2, '27: 5 , 36 , vgl. 5, 16, Milch ist der 
Trank der Araber Ag. XVI, 37, 16) und Wasser (19, 9; 60, 2). Trunk im All- 
gemeinen ohne besondere Angabe des Gegenstandes 29, 2, vgl. 37, 3. Typische 
Vergleichungen mit Wein kommen einigemal vor (16, 4; 23, 2; 81, 4). 

2) Ag. II, 49, 17 K-^Io-^Jl-J Jaä ^Jl^ i3;Äj ^». ^^X4^^SI 3^ 

3) In der Chiz. I, 531 v_•L^^Ü £l..>VJ' q*«11! ^•,li• . Vgl. auch 
Humejd al-arkat TA J^fij . 

4i Dieselbe Anekdote wird auch im Ad. kät. 18 ohne Nennung des Hut, 

erzählt: ;^\ ^sLüX-«.! J-^-^i (^jL>V5> ^^LSj . 

5) Diese Art Duale (23) sind in einem satirischen Gedicht des Abu 
Muhammod Al-Maträni al-Säsi in ähnlicher Weise verwendet; in demselben 
(v. 1) sind: ^♦J^'J!, ^<^^s}\ ^^\öyj^\ (bei Al-Ta'älibi , Bard al-akbäd fi-1- 
a'däd, Ch, K. 109). 

6) Schol. zu Ka'b 15, 9. 



Goldziher, Der Din-än des Gancal b. Alis Al-Hutej'a. \1 

nicht; und wenn ihm einmal kein anderes Object zur Befriedigung 
seines Spottbedürfnisses in den Weg kommt , verhöhnt er sein 
eigenes hässliches Gesicht, das er in einer Wasserfläche sich spiegeln 
sieht. ^) 

Für die Bethätigung dieser Neigung, die er vordem mit liick- 
sichtsloser Vorliebe gepflegt hatte, traten während der Regierung 
des 'Omar ungünstige Verhältnisse ein. Allerdings, wenn wir hören, 
dass dieser strenge Fürst den Dichtem und ihrer Kunst feindlich 
entgegengetreten sei,-) so wird sich dies nicht im Allgemeinen auf 
alle Poesie und deren Vertreter beziehen lassen. Selbst die mu- 
hammedanische üeberlieferung Hesse diese Auffassung nicht zu. 
Nach derselben hätte 'Omar in einem Erlasse über die Erziehung 
der Kinder seinen Unterthanen empfohlen, die Jugend mit dem 
Studium der Dichter zu beschäftigen. 3) Im Allgemeinen wird ihm 
Interesse an der alten Poesie zugeschrieben *) und grosse Kenntniss 
derselben nachgerühmt. Auf jeden im Leben sich ereignenden FaU 
war er im Stande, wie ein echter arabischer Schöngeist, ein Citat 
aus irgend einem Dichter anzuwenden.^) Er wird sogar selbst als 
Dichter genannt, der sich in manchem Regez versucht haben soU.^) 

Seine gegnerische Gesinnung galt in diesem Kreise insbesondere 
dem Higä'; dies bildete aus religiösen Gründen zui- Zeit 'Omars 



1) Ag. II, 46, 12; die beiden Verse fehlen in unserm Diwan, finden sich 
jedoch mit einigen Varianten im Kämil 345, 8. 9 LA. TA. ^?^, »^^ ; Chiz. I, 410, 6. 

2) Ueber die Werthschätzung der Poesie waren in der älteren Zeit des 
Islam verschiedene einander entgegengesetzte Meinungen ausgebildet; dieselben 
sind in Form von Hadit znm Ausdruck gekommen. Eine Zusammenstellung 
der verschiedenen Ansichten findet man bei Abü-1-Lejt al - Samarkandi, Bustän 
al-'ärifin (Marg. zu Tanbih al-gäfilin, Kairo 1304) 35 fi". 

3) Äl-Gähiz, Ch. ß. 215 ^'wX^ ^^\ <^'\h^6\ ^J „^..c '..^S 

4) z. B. Muzhir II, 239, 11; 241 unten. 



6) 'Ikd m, 146 8jjt^ ^Ai M j^j^. l» ^jas.^ (3 ^JJJJ. Ibid. 123 
Bd. XLVI. 2 



18 Goldziher, Der Diwan des Garwal h. Aus Al-Hutefa. 

und seines Nachfolgers den Gegenstand officieller Verfolgung. ^) 
Stämme und Individuen, denen die bösen Zungen der Dichter keine 
Ruhe Hessen, fanden um diese Zeit Schutz und Genugthuung bei 
den Chalifen und ihren Stellvertretern. Kein Beispiel ist hierfür 
bezeichnender, als das des Kejs b. 'Amr al-Nagäsi. Dieser Dichter 
wird ausdrücklich als ^':i^'3\ oUs^ gekennzeichnet. Das durch ihn 
im Ramadan veranstaltete Symposion wird in allen Berichten er- 
wähnt, in welchen vom Leben dieses Dichters die Rede ist. Die 
„frommen" Leute in Küfa — im 'Irak waren sie ja zu finden ^) — 
waren ihm verhasst, und in einem beissenden Epigramm hat er 
seine Verachtung gegen jene verewigt, welche bei einem im übrigen 
möglichst zügellosen Lebenswandel „in aller Frühe die Suren stu- 
diren".2) Nicht solche Gründe waren es jedoch, welche ihn veran- 
lassten, gegen den Stamm der Banü 'Aglän in altheidnischer Weise 
Spottgedichte zu verfassen. Wir dürlen hier nebenbei die für die 
arabische Literaturgeschichte gewiss sehr merkwürdige Erscheinung 
erwähnen , dass, wie aus einem aus diesen Spottgedichten gelegent- 
lich citirten Verse des Ibn Mukbil*) (Asäs uj^j) gefolgert werden 
muss, Higä'- und wahrscheinlich auch andere Gedichte zu jener 
Zeit bereits schriftlich vei'breitet wurden : 



(der von den verschiedenen Arten der Schrift meine Lästerung 
ausgewählt hat.) 

Und in diesem Zusammenhange möge noch auf eine andere, 
hinsichtlich der soeben berührten Verhältnisse in doppelter Beziehung 
interessante Nachiicht hingewiesen werden. Die Dichterin Lejlä 
al-Achjalijja richtete gegen den in seinen poetischen Wettstreiten 
nicht sehr glücklichen Dichter, Al-Näbiga al-Ga'di Spottgedichte, 
durch deren Inhalt die Banü Ga'da, zu welchen der Dichter ge- 
hörte, sich in ihrer Ehre tief verletzt fühlten. Die Leute beabsich- 
tigten, nach Medina zu reisen, um gegen die Dichterin bei der 
Regierung zu klagen und ihre Bestrafung zu veranlassen. Als Lejlä 
von dieser Absicht ihrer Gegner erfuhr, verspottete sie den Stamm 
in einem Gedichte, in welchem folgender Vers charakteristisch ist: 



1) Muh. St. I, 50. 53, vgl. 'Ikd III, 139 ff. ein Kapitel: ^./« ^^ 

2) Vgl. Tab. II, 524 j.j.AaJl ^.^j^-i^ [j-i'^ ^^jÄ-^! ÖL*i! d^\ ^Lg.Ä5 

3) Jak. IV, 32G. 

4) Nachrichten über ihn bei Fleischer, Studien über Dozy's Supplem. 
(3. St.), Berichte der sächs. Ges. d. WW. 1885, 380. 



Goldziher, Der Dhvän des Garwal h. Aus Al-Hutefa. 19 



„Ihre Aboi-dnung macht sich auf die Eeise mit einer 
Schrift rolle, um für mich Geisseihiebe zu erwirken; welch' 
böses Beginnen!" ') 

Die sahifa (vgl. die in Muh. Stud. I, 111 Anm. 4 angeführte 
Stelle) enthält wohl das incriminirte Gedicht der Lejlä : also auch 
in diesem Falle schriftliche Aufzeichnung des Higä' - Gedichtes. 
Allerdings muss, wie wir nicht verkennen, auch der Möglichkeit 
Raum gegeben werden, dass unter sahifa hier die Anklageschrift 
selbst verstanden werden könnte. 

Auch der Stamm, dessen Wortführer der Dichter Tamim b. 
Ubejj ibn Mukbil war ,2) der freilich in seineu eigenen Schmäh- 
gedichten den Gegner auch nicht sehr glimpflich behandelt hatte, ^) 
suchte endlich Abhilfe bei 'Omar. Dieser bedrohte den Nagäsi mit 
Ausschneidung seiner bösen Zunge für den Fall, dass er in Zukunft 
das Schmähen nicht unterlasse.*) 

Unter 'Otmän waren die Higä'dichter nicht besser daran. Der 
Chalife nimmt sich der Kläger gerne an. Gegen Al-Sammäch, der 
sich angesichts einer solchen Anklage auf keckes Läugnen verlegt, 
leitet er die gerichtliche Procedur ein. Der Dichter muss einen 
Eid in der Moschee des Propheten leisten ; der Bericht darüber ^) 
bietet ein Beispiel mehr für die Thatsache , wie leichtfertig es die 
Araber mit der Eidesleistung nahmen. — Den Dichter Däbi' al- 
Burgumi, der ein schändliches Spottgedicht gegen die Banü Garwal 
b. Nahsal verbreitete, lässt der Chalife einkerkern/^) Nach Ibn 
Kutejba ') fällt die Verfolgung des Dichters Suwejd b. Kurä' al- 
'Ukli (st. 100), den eine verspottete Familie bei der Regierung 
verklagte, in die Zeit des 'Otmän. Dieser ganz hinfälligen Zeit- 
angabe gegeniiber besitzt mehr Glaubwürdigkeit die Nachricht des 
Abu 'Amr al-Sejbäui, nach welcher Sa'id, Sohn des 'Otmän es war, 
der den Dichter verfolgen Hess. **) Spricht ja dieser in seinem 



1) Ag. IV, 134, 11. Dass diese Begebenheit noch in die Zeit des medi- 
nensiseheu Chalifates gehört, folgt daraus, dass die Abgeordneten des Stammes 
mit ihrer Klage sich an den Ä,AJtA*j! \_^>-Lo zu wenden beabsichtigen. 

2) Chiz. I, 113. 

3) Er beschimpfte den Nagäsi unter anderem mit folgendem Angriffe 
gegen die Tugend seiner Mutter (TA. ui.c): 

4) Kut. fol. 61a. 

5) Äg. VIII, 103, 19 ff. 

6) Kut. 67 b, Chiz. IV, 80. 

7) Kut. fol. 130 a. 

8) Ag. XI, 128 unten f. Auch das bei Kut. mitgetheilte Gedicht ist von 
dem im Ag. überlieferten völlig verschieden, die beiden Berichte haben nur 
eine Zeile Ag. 129, 3 mit einander gemein. 

2* 



20 Goldziher, Der Durän des Garurd b. Aus Al-Hutej'a. 

Gedicht von ^L^ic ^^j! Oj.3> und j.'oo'^l ^^Uic ^^i\ ^) (freilich über- 
liefert Ibn Kutejba^) auch dafür ^Uc ^i\). Vor diesem ängstigt er 
sich, so dass er sich gezwungen sieht, seine Gedichte so lange zu 
feilen, bis sie als unbedenklich gelten können. 

Unter den Umajjaden konnten auch die Dichter wieder freier 
aufathmen. Es war kein Vergehen mehr, dem Higä' wie in den 
freien Zeiten der Gähilijja ungezügelten Lauf zu lassen. Wohl 
erfahren wir noch von Mu'äwija, dass er den 'Abd al-Rahmän b. 
al-Hakam ermahnt , sich vom Higä' zurückzuhalten ; ^) aber um so 
deutlicher ermuthigt dazu Jezid I. ,den 'Abdallah b. al-Zabir.*) Als 
Chalife fordert er den Ka'b b. Gu'ejl geradezu auf, gegen die 
Ansärer Satiren zu dichten. Der Bruder dieses Ka'b, 'ümejr,^) 
kann ungehindert gegen seinen eigenen Stamm, die B. Taglib, Spott- 
gedichte schleudern. Allerdings empfindet er bald Reue darüber, 
aber vergebens, „denn schon ist meine Schmähung gangbar und 
ihre Wege sind den Recitatoren offenbar geworden ; nun kann ich 
das Geschehene nicht mehr rückgängig machen, sowie der Melkende 
den Milchstrahl nicht wieder in das Euter zurückleiten kann". ^) 
Zwar kann auch jetzt noch der verspottete Stamm sich nicht ohne 
Erfolg an den Statthalter des Chalifen 'Abdalmalik wenden, um 
sich vor dem Higä'dichter Sabib b. al-barsä' Ruhe zu verschaffen.'') 
Und in einer frommen Anwandlung lässt auch Welid I. die beiden 
Satiriker Gerir und Ibn Lagä prügeln und fesseln, weil sie in ihren 

1) Ag. ibid. 129, 5. 6. 

2) ed. Rittershausen 20, 1 = Nöldeke, Beiträge 22, unteu. 

3) 'Ikd III, 122 

4) Ag. XIII, 33 ^5C^S (»1 ^j1 j.:SUj ^.jU Jcj^;j^Ait». 

5) Ueber die beiden Söhne des Gu'ejl vgl. Gedicht 14. 

6) Kut. fol. 133 b: (Bht. 345 von Ka'b mit Varianten). 

7) Ag. XI, 06, 8 u. ff. 

:>) Nach Bht.-Kut. i^^wC*.! , 



Golchiher, Der Dhcön des Garu-al b. Aus Al-Hutefa. 21 

Gedichten den Ruf ehrbarer Frauen nicht schonten.^) Aber eine 
auf die Dauer herrschende Gesinnung war dies nicht. Denn gerade 
während der Urnajjadenzeit erreicht die Higä'poesie ihre Blüthe in 
Farazdak und Garir. Es ist altes heidnisches Higä', was diese 
echten Vertreter des arabischen Geistes üben, und sie waren da- 
durch nicht wenig gefürchtet. Sich der Zunge eines im Spott 
gewandten Dichters aussetzen war dem Araber keine gleichgiltige 
Sache. Man brachte gerne Opfer — der Dichter war durch Ge- 
schenke leicht umzustimmen — um dieser Gefahr zu entgehen.^) 
Selbst ein so stolzer Fürst wie Mu'äwija bequemt sich dem Dichter 
gegenüber zu Concessionen aus Furcht , dieser könnte „von seinem 
Versteck aus seine Ehre abschneiden, und die Araber möchten seine 
Dichtung aufnehmen und ihm nachsprechen".^) Und wie mussten 
erst Emporkömmlinge, deren niedrig geachtete Vergangenheit den 
Spöttern sich ungesucht als Zielscheibe darbot, die Higä'dichter 
durch reichliche Gaben sich vom Halse zu schaffen suchen. Al- 
Haggäg b. Jüsuf giebt dem Höfling Sagara b. Sulejmän al-'Absi, 
dem A'sä Hamdän in einem witzigen Gedicht sein früheres Gewerbe 
— er war Schneider — vorwerfen konnte, den wohlgemeinten Eath : 
,Wenn dich ein Mann von guter Herkunft und schneidiger Zunge 
aufsucht (und dich um eine Gabe angeht), so kaufe ihm deine Ehre 
ab".*) Die Sinnesrichtung der Gähilijja ist den Dichtern dieser Zeit 
kein Greuel, den sie der Vergessenheit anheimzugeben geneigt wären ; 
die Erinnerung an die heidnische Vergangenheit und ihre Verhält- 
nisse ist ihnen nicht verabscheuungswürdig, wie sie es den besseren 
Kreisen der altern muhammedanischen Zeit gewesen. Es ist be- 
zeichnend, wie Al-Farazdak, von dem ein Gegner wohl nicht mit 



1) Eine merkwürdige Nachricht darüber Ajr. "VII, 69, 2 ff.: j-jI) i3*-^ 

Nach einem andern Bericht, ibid. 73, 2 u., wurden die beiden Dichter auf Be- 
fehl des 'Omar II. an den Pranger gestellt. 

2) Vgl. Aug. Fischer, Biographien von Gewährsmännern des Ibnlsliäk 21, 14. 

3) Ag. IV, 139, 5 u. jls. ^ \jsJ> j^f^sS^J^, ^,t ^jIs^ iJliU ^_^\ l-* 

4) Ag. V, 159, 16: .X^^^^ j^LmJj ,^a>^^S> *Ö ».xf ü^LjI \J>\ ö.:fUi b 



22 Goldziher, Der Ditvän des Garical b. Aus Al-Hutefa. 

Unrecht behauptet: {^jS ^^X..<\'S „dass er sich gegen seinen Willen 

zur Religion bekennt" ^), zur Verhöhnung des Feindes gerade die 
religiösen Reminiscenzen der heidnischen Zeit auf- 
frischt. In einem Spottgedicht gegen Al-Muhallab b. Abi 8ufra 
verhöhnt er dessen Angehörige damit, dass ihr Ahn seine Kinder 
nicht zum Umzug um das Götzenbild geführt, nicht Jagüt angebetet, 
nicht den Gottesdienst von Himjar und Nizär geübt habe.^) 

Dabei machen aber die Satiriker dieser zweiten muhamme- 
danischen Epoche zuweilen Gebrauch von den neuen Anschauungen, 
mit welchen ihr Gesichtski'eis durch das Leben im Islam bereichert 
wurde; sie greifen auch muhammedanische Motive auf, wenn sie 
geeignet sind, den Kreis ihrer Satire zu bereichern. Al-Ubejrid ver- 
spottet die Banü 'Igl damit, dass sie den muhammedanischen Gruss ^) 

1) Kämil 526, 8 (Garir). Zu beachten ist die aus Sarh al-nakä'id citirte 
Notiz (Chiz. n, 271), wonach Farazd. im hohen Alter in einer Anwandlung von 
Busse das Gelübde that, den Koran auswendig zu lernen j^^^^j ^ ..^\ 

.-.^Jiil J3,R:5\J . ^^^* *.jw^i lX-^äj ...!^ IAjI !uX.5>I, Bis dahin hätte er 
sich somit nicht viel um das heilige Buch gekümmert. 

2) ed. Boucher p. 86 (37, 13. 14): 

3) Es ist ein altes muhammodanisches Vorurtheil, welches, wie wir aus diesem 
Verse sehen, bereits im ersten Jahrhundert eingewurzelt erscheint, dass der Saläm- 
Gruss den Heiden unbekannt war und erst mit dem Islam aufkam (vgl. Muh. 

Stud. I, 264). Ibn Sa'd ed. Wollhausen 43, G v. u. ^ .^\ ^\ ä^-^^ ^>^•^5 

j.^_>»«.J! Ä.--L:SO! J^^l K-a-jS^JCj fJiAs. ^3Lfi5 vgl. I. Hisäm 472 unten, 

C^lw^i iixjS^J ib. 987, 15 £F. — Abu Däwüd II, 324 ^-^;V^=> ^^ O'j*''^ o' 

^.^\S UJls L5>L.o ^1^ lIIä ii5^j i^JLJ! ^*it iöJLPL:fü! ^ ^yäj [JS ^li 

(^-^JLc is.Jli! |*jiii ^j.Üj ^.j! y^Lj ^, Uxc .^ nJÜ! ^xJl , Abü-l-Lejt al- 
Samarkandi, Bustän al-'ärifiu 225: J^:> J! ^3j.ä q.c ^xj^^^LasJ! ^j^iXJ S-^^ 

^>.JU*^4.J1 ».A^^jj Ä.j-^L\.ii i^.^^'.i »^5> ,3^ tiS'^Uj nU! i^i'J^i ».^l>^ 

'^JCxJlc j.bL->*J!. Jedoch aus Näb. 27,2 j,X.*m.JL.a.5 pbj.Jl ^ylS ^!. 



Golchiher, Der Divän des Garval h. Aus Al-Kuteja. 23 

((.XJLJt) nicht kennen, 1) und Al-Tirimmäh greift nocli tiefer 
in das rituelle Leben hinein, wenn er die Banü Tamim davob 
tadelt, dass sie vor dem Schlachten der Thiere verabsäumen, den 
Namen Alläh's auszusprechen. 2) In noch früherer Zeit hatte Al- 
Achdar b. Hubejra die B. 'Abs damit geschmäht, dass „sie weder 

fasten noch beten" ^^JUa -P ^^ o-<uo ^ "^3 •^) 

Es kommt die Zeit der 'Abbäsiden. Da büsst das Higa seine 
urwüchsige Kraft ein. Die Dichter necken einander wohl immer- 
fort; aber es ist nicht mehr der Wetteifer der Stämme, und es 
sind nicht die aus dem altarabischen Leben in wahrhafter Unmittel- 
barkeit fliessenden Momente, welche das Higä' beleben, sondern 
zumeist persönlicher Neid und persönliche Eifersucht der Dichter 
gegen einander , die Ambition , einander bei den Machthabern den 
Rang abzulaufen, oder die Sucht, es einander in der Sprachfertig- 
keit und Redekunst zuvorzuthun. Auch sie versäumen es nicht, 
die alten Motive zu verwenden; aber was in der altarabischen Poesie 
in den Ueberlieferungen des Stämmelebens seine Begründung fand 
(Spott auf die Abstammung), sinkt in dieser Periode leicht zum 
Anlass gemeiner Zoten herab. Als Beispiel kann die gegenseitige 
Befehdung der Dichter Hammäd 'Agrad und Bassär b. Burd an- 
geführt werden. Wie sehr in diesen Dichtern das , was die Alten 
„nachwa 'arabijja" nannten, bereits im Schwinden begriften war, kann 
uns die Art zeigen, wie sich der Ansärer Muslim b. al-Walid von 
der Befehdung seines Rivalen Al-Hakam b. Kanbar al-Mäzini zurück- 
zieht. „Wir haben einen Schejch — sagt Muslim zu seinem Vetter, 
der ihn zur Wiederaufnahme seiner satirischen Dichtungen auf- 
stacheln will — , der seine Nächte in der Moschee zuzubringen 
pflegt und über manches wirksame Gebet verfügt. Den werden 
wir bitten, ein Gebet dafür zu verrichten, dass uns dieser Kanbar 



(vgl. Muf. 20, 3, Lebi'd 134 v. 3 j.^Lw.ib lXj^I ;?!J>; JjJ^ ;Ji5> b^ j.^A«.iwJ pj^j 
ib. 15 V. 2 lA^Oj ^^k*H .A.c. ^JtCj) könnte auf das höhere Alter des Saläm- 
grusses geschlossen werden. Auch Lakit sendet aus 'Irak ein dichterisches 
*^^ in seine Heimath (ed. Nöldeke, Or. u. Occ. I, 708, Al-Ja'kübi I, 259, 10). 
Specifisch muhammedanisch ist in demselben die "Verbindung der Formel mit 

dem Gottesnamen Allah, wie xJLi! j»^a« ;^_xJL_c Hut. 47, 2 oder u2>Lfc>- 
^^ImJlJ i^JÜ! Ag. XVI, 38, 8. 

1) Ag. XII, 13 

2) Al-Mas'udi VI, 138. 

3) Jäküt n, 39, 5. 



24 Goldziher, Der Dhcän des Garwal b. Aus Al-Hutefa. 

nichts anhaben könne." ^), So hatte sich die Zeit geändert. Zu 
solcher Waffe hätten die Clarir und Farazdak im poetischen Kampfe 
gegen einander wahrlich ihi-e Zuflucht nicht genommen ! 

Dies ungefähr waren die Phasen, welche das altarabische Higä' 
bis zum dritten Jahrhundert des Islam durchlief. 

Hut. musste unter 'Omar die dem Higä' ungünstige Gesinnung 
der regierenden Kreise fühlen. Seine Zunge war in der ersten Zeit 
des Islam nicht weniger gefürchtet, als in den Zeiten der Gähilijja, 
und die Leute entschlossen sich gerne zu den grössten Opfern, nur 
um seiner Satire zu entgehen. Während eines Jahres der Missernte 
erschien er in Medina. Kaum war seine Anwesenheit ruchbar ge- 
worden, da beeilten sich die hervorragendsten Kurejsiten und Ansär 
eine Geldsammlung zu veranstalten und den Ertrag ihm zu über- 
geben. Mit den zusammengebrachten 400 Dinaren glaubten sie sich 
von seinem Spott losgekauft zu haben.^) Erst 'Omar ergreift strenge 
Massregeln gegen ihn, als die Klage eines angesehenen Patriciers, 
Zibrikän b. Bedr, der sich durch Gedichte des H. verletzt fühlt, zum 
officiellen Eingreifen Veranlassung bietet. Zibrikän b. Bedr, der die 
Abordnung der Temimiten zu Muhammed angeführt hatte ^) und 
nach seiner Bekehrung eine angesehene Stellung im Islam einnahm, 
versicherte den Hut. , mit dem er auf dem Wege vom 'Irak nach 
Medina, wohin ihn amtliche Geschäfte führten, zusammentraf, der 
Gastfreundschaft seiner Familie im 'Irak. Diese soll den Dichter, 
der mit Weib und Kind der Einladung des Zibrikän Folge leistete, 
unfreundlich behandelt haben.*) Innerhalb des Stammes, dem Al- 
Zibrikän angehörte, wetteiferten miteinander zwei angesehene Familien 
um den Ruhm, die Spitze des Stammes Sa'd b. Zejdmanät b. Tamim 
zu vertreten. Die Genealogie der beiden Familien trifft bei 'Auf 
b. Ka'b b. Sa'd zusammen. Von da ab trennen sich ihre Stamm- 
bäume in zwei Zweige: die Familie des Zibrikän leitet sich von 
Bahdala b. 'Auf, die andere, deren Oberhaupt zu jener Zeit Bagid 
b. 'Amir war, von Kurej' b. 'Auf her. Folgende Formeln veran- 
schaulichen die genealogischen Verhältnisse der beiden Familien: 

Zibrikän > Badr > Imru'ul-Kejs > Chalaf > Bahdala > 'Auf 
Bagid > 'Amir >■ Hauda > Sammäs > La'j > Ga'far > Kurej' >'Auf 

Es ist aus diesen Formeln ersichtlich, warum die letztere Familie 
auch als AI Sammäs, oder AI Laj, oder Banü Kurej' bezeichnet wird. 
Von den Zibrikäniten wurde sie gern mit dem Spottnamen „Söhne 



1) Ag. XIII, 9 oben. 

2) Ag. II, 4G. 

3) Ibn Sa'd ed. Wellhausen 31 (Text). 

4) Die Begebenheit ist häufig erzählt (Ag. II, 52 flf., Kämil 339, M. 109 ff.); 
darum können wir auf die Darstellung der Einzelheiten und auf die Reprodu- 
cirung der Einleitung zu Gedicht 1, deren Inhalt in den angegebenen Quellen 
zu finden ist, verzichten; vgl. Sprenger, Mohammad 111,369. 



Goldziher, Der Diwan des Garwal b. Aus Al-Hutefa. 25 

der Nase der Kameelstute" bezeichnet (1, 20).') — Die beiden Sa'd- 
Familien standen nun in der ersten Zeit des Islam im Wetteifer 
gegen einander, und die gegenseitige Rivalität bot den Dichtern 
Veranlassung, für die eine oder die andere der beiden blutsverwandten 
Familien Partei zu ergreifen. Es handelte sich für die Dichter 
natürlich immer darum, in welcher Familie die Tugenden des Araber- 
thums am edelsten zur Geltung kämen. Al-Zibrikän blieb nicht 
ohne Lobredner. „Kein Sa'dite trifft als Fremder in einem Ort ein, 
der nicht, wenn man um seine Abstammung fragt, Al-Zibrikän als 
seinen Vater -) nennt", so rühmt ihn Al-La'ln al-Minkari ^) 

Aber die Mehrzahl der echten Araber scheint es dennoch mit dem 
AI Sammäs gehalten zu haben, ^) und es ist nicht unmöglich, dass 
es die Rolle , welche der einstens so stolze Heide im Islam spielte 
— er gab sich zu der unter den Arabern odiosen Stellung eines 
Sadaka-Einhebers her — ,^) war, welche ihm die Achtung der für 
die Unterstützung des muhammedanischen Gemeinwesens nicht eben 
begeisterten Araber entfremdete. So erfahren wir denn , dass sich 
hochangesehene Dichter den Sammäsiten anschlössen und ihre Häupter 
zuweilen auf Kosten des Zibrikän rühmten , an dem man vom 
Standpunkte des arabischen Tugendideals manchen Makel fand. 
Man konnte ihm ja nachsagen, dass er die Pflicht der Blutrache für 
die Ermordung seines Gär vernachlässigte. 'Abdallah b. Rabi'a ver- 
spottete die Dürftigkeit der Gastfreundschaft im Lager des Zibrikän ; 
des edeln Arabers würdigere Bewirthung habe er vielmehr bei den 
Banü Anf al-näka gefunden.'') Auch der Dichter Al-Muchabbal 



1) Was dann infolge des Verses des Hut. später ihr Ehrenname wurde: 

-.il 0^-^'! ^j-ÄJ ^^läiT \ylL J,äJ^! ^^5 LJLs, LA. Uiil . 

2) d. h. als seinen Beschützer (vgl. Hieb 29, 16). Temim b. 'Ubejj ibn 
Mukbil in seinem Trauergedicht auf 'Otmän (TA v ä.JLs>-): 

»^^i^ f^\^S> J^jS^ vi>.äJL:?- \j>\ Uj<Ü1 m äJLj Qt^Jj-.g.'' l^vcj 

3) Sibaw. I, 374, 21; Chiz. I, 530. 

4) 'Ikd II, 61, 6 heisst es von ihnen: *.>.+j ^5 Cy^^ Oj^i IÄ% . 

5) Die allgemeine Ueberlieferung (vgl. Al-Nawawi Tahdib 250, 3 

j.ti^^! (^-^ O^^^'v"^' ^■^'^•^ • • V-*-^' ^<XSj\ L4J3) ist die, dass Al- 
Zibrikän sich auch vom Aufstande der Temimiten gegen Abu Bekr gänzlich 
fern gehalten habe. Indess scheint er doch zeitweilig zum Anhange der 
Prophetin Sagäh gehört zu haben, Al-Tabari I, 1919, 7; vgl. aber ib. 1923, 10. 

6) Ag. II, 59. Die Verse sind Jak. I, 749; IV, 931 dem Hut. zuge- 
schrieben. 



26 Goldziher, Der Dmän des Gariml h. Aus Al-Hutefa. 

— selbst ein Sa'di — hatte Spottverse gegen Zibrikän gerichtet, 
der ihm die Hand seiner Schwester verweigerte, dieselbe vielmehr 
dem Mörder ^seines Gär zur Frau gab.*) Es scheint in der That, 
dass in der Sammäsfamilie zu Anfang des Islam die Tugenden der 
Araber eifriger gepflegt wurden, als in der Familie des Regierungs- 
mannes Al-Zibrikän. Dafür kann als Beweis die Thatsache an- 
geführt werden, dass der von der Regierung wegen seiner Spott- 
gedichte verfolgte Suwejd (s. oben 19) im Lager des Bagid das 
freigebigste Giwär fand, von welchem er in einem vor der Ver- 
sammlung des Stammes recitirten Abschiedsgedicht in der rüh- 
mendsten Weise Zeugniss ablegt.^) Solche Ruhmredner fand Al- 
Zibrikän nicht. Vielmehr sah er sich in die Lage versetzt, zur 
Abwehr der Sammäsiten in Ditär b. Sinän vom Stamme der Namir 
b. Käsit, den er zu diesem Zwecke herbeiholte,^) selbst einen Dichter 
zu bestellen.*) Wir begreifen es daher, wenn Al-Zibrikän von den 
Arabern als „mugallab", d. h. als ein solcher betrachtet wird, der im 

Wettstreit den Kürzern zieht. S) ^i ^.^.c kAs. ^^li.jJl j^/jJli^Ji ^a» 

") KaxL^I kAJ^*. ^^X3L^\ (ed. J^xx J5^) ().xjs^ JI5 ^ÄPbSl Jemandem 
den Gastfreund entfremden, galt bei den Arabern als gröbliche Be- 
leidigung. Gar oft haben fahrende Dichter, die sich bald hier, bald 
dort einnisteten, um die Wohlthaten reicher Stammhäupter zu 
gemessen, das Giwär gewechselt, wenn sie sich in einem Kreise 
nicht behagten, wenn derselbe ihren Erwartungen nicht entsprach — 

\j,»L.5^ai L'L*! : da wanderten sie zu anderen Zelten. Es kam 
aber auch vor, dass sie es in den Zeltlagern nirgends so fanden, 
wie sie sich es in ihren kühnen Erwartungen vorgestellt hatten: 



1) Tebr. Harn. 667; Ag. XII, 42. 

2) Ag. XI, 129. Auch dies grosse Gedicht schreiben einige dem Hut. zu. 

3) Derselbe war wegen seiner Vergehungen mit „Hand und Zunge" von 
seinem eigenen Stamme geächtet, Jak. I, 906, 18 (der Vers wird TA ^J>- 
von einem anderen Dichter angeführt). Zwei Gedichte des Ditär gegen Bagid 
sind bei Hibatalläh, Muchtärät 114 — 116 aufbewahrt; im Ag. II, 54 ist nur 
das eine mitgetheilt, dessen Text aus M. vielfach verbessert werden kann. 

4) Die Herbeiholung des fremden Dichters behufs Verspottung des Feindes 
bietet eine weitere Analogie zu den in Muh. Stud. I, 46, Anm. 2 angeführten 
Beispielen. Die Bewohner von Mar'a bitten den fremden Dichter Gerir ihnen 
gegen das Hi^ä' des Dü-l-rumma Genugthuung zu verschaffen, Ag. VII, 63 oben. 

5) Vgl. Imrk. 4, 14. Ein solcher i_^jLi/5 ist auch Al-Nabiga al-Ga'di : 
V^U ^\ Jas (y=>LP U Ag. IV, 131, 6 u. 

6) Al-Sujfiti Muzhir II, 244 unten. 



Goldziher, Der Dhcän des Gcmcal b. Aus Al-Hufefa. 27 

dann kehrten sie wieder zu den Ihrigen zurück.^) Die wohlhabenden 
Araberfürsten hatten viel zu leiden vom Higä' solcher in ihren 
habsüchtigen Hoffnungen getäuschten Dichter. Man kann sich nun 
denken, warum die Sammäsiten den Hut. zu sich herüberlockten, 
als er begann, sich in der Familie ihres Rivalen, des Zibrikän, nicht 
behaglich zu fühlen. Dies konnte ihnen eine Eeihe von Ruhmes- 
gedichten, dem Nebenbuhler beissenden Spott eintragen. Und als 
Zibrikän nach seiner Rückkehr von Medina auf das Recht pochte, 
den Hut. zu behalten und die Entscheidung der Streitfrage der 
freien Wahl des Dichters anheimgestellt wurde, da feierten jene 
den Triumph, dass Hut. sich entschloss, bei ihnen zu bleiben. Sie 
bestrebten sich auch, den Aufenthalt bei sich dem gefürchteten 
Dichter so angenehm zu machen als nur möglich. Und wie unser 
Diwan zeigt, erreichten sie nach beiden Richtungen ihren Zweck. 
Dieser Episode in Hutej'a's Wanderleben gehören die Gedichte 
1 — 9. 20. 28. 73. 89 (die beiden letzteren von Ibn al-A'räbi nicht 
überliefert) an. In denselben ward die Gastfreundschaft, Treue vmd 
Freigebigkeit des AI Sammäs im Allgemeinen gerühmt. Besonders 
hervorgehoben werden fast in jedem Gedichte die Tugenden dös 
Bagid; auch 'Alkama b. Hauda wird rühmend erwähnt (5,27), ihm 
ist das ganze Ged. 28 gewidmet. Der Ruhm der Sippe des Bagid 
konnte in diesem besonderen Falle nicht verkündet werden, ohne 
dass der Dichter dabei fortwährend Seitenblicke auf die Sippe des 
Zibrikän warf, wo er trotz der glänzendsten Versprechungen 
(5, 10. 11), die ihm Zibrikän öffentlich, in Anwesenheit vieler Men- 
schen machte (2, 8), nicht die geziemende Behandlung gefunden 
(20, 11 — 13), wo man ihn vielmehr schwer beleidigt zu haben 
scheint (2, 9 — 12). Aus dieser Finsterniss, wo er Tod und Be- 
drängniss schmecken musste (1, 26 — 28), habe ihn Bagid, „der Beste 
der Chindifiten" (73, 11, vgl. 89, 10), befreit; und diese Befreiung 
werde nun dem Bagid und seinem Stamme als Sünde angerechnet 
(8, 11). Sehr lebendig schildert Hut. (8, 4—9) die Verschiedenheit 
seiner Erfahrungen bei den beiden untereinander verwandten Stämmen, 
um das Recht des Bagid und seiner Familie, sich des bedrängten 
Gastes anzunehmen , zu erweisen. Ihr Ruhm ist fester gewurzelt, 
auch ist ihre Habe beträchtlicher als Ruhm und Habe der gegne- 
rischen Familie (2, 22—25). Obwohl er (8, 10) nicht beabsichtigt, 
die Ehre der letzteren herabzusetzen und die Freunde ausdrücklich 
ermahnt, die Stammeseinheit zu würdigen und gegen Zibrikän und 



1) Vgl. Kut. fol. 7Gb j^J Oj.c ^y^ J^ ^w\jiAv.i5 if.j.'i ^i iaxÄO^! 

\/>j:i Q^3 *.i>.Äil v«Aj! -äj -^^j3 o'*"^'^'"^- -^^; iXx^ qJ ^..Ajii' 

iA**v j.;j 0I3 J.5lj JjuSj \^ii. Vgl. Mejd. I, 82 x>I*i ^A ß C)\^ J»Jo. 



28 Goldziher, Der Diioän des Garical b. Aus Al-Hutefa. 

seine Familie alle Rücksichten zu beobachten (8, 21 — 25), wurden 
die zur Ehre der Rivalen gedichteten Ruhmeskasiden von Al-Zibri- 
kän als persönliche Beleidigungen gedeutet und Versuche gemacht, 
dem Dichter die Fortsetzung der dem Ruhme des AI Samraäs ge- 
widmeten Gedichte zu wehren (8 , 8) , in welchen zuweilen auch 
schwere Worte gegen die Gegner fielen. „Niedrige Leute, die ihre 
Reputation zu Grunde gehen Hessen", werden sogar einmal (1, 27) 
die Angehörigen des Zibrikän genannt. Aber erst das Gedicht 20 
verwundete letzteren so tief, dass er den Schutz des Chalifen gegen 
den Beleidiger seiner Ehre anrief. Namentlich soll 20, 13 — ein 
Vers , den die Kritiker „das schmerzhafteste Higa " nennen ^) — 
die Veranlassung dieses Schrittes gewesen sein: 

„Lass doch die edlen Thaten,-) ziehe nicht aus, um sie zu suchen! 

bleibe zu Hause sitzen, du bist ja einer, der sich nur füttert 

und kleidet". 
'Omar verliess sich nicht auf sein eigenes ürtheil, sondern soll den 
Hassan — nach Anderen Lebid — befragt haben, ob in dem Verse 
beleidigendes Higä' enthalten sei. In Folge des Gutachtens der 
sachverständigen Dichter ^) wurde Hut. nun als schuldig befunden 
und eingekerkert. Aus dem Kerker richtete er das begütigende 
Gedicht 10 an den Chalifen*) ohne Erfolg; erst Ged. 47 (der Hin- 
weis auf die kleinen „Küchlein", deren Ernährer in der Finsterniss 
schmachten muss) rührte den 'Omar so tief, dass er die Freilassung 
des Dichters unter der Bedingung erlaubte, dass dieser das Higä'- 
Dichten gänzlich unterlassen und nimmermehr die einen auf Kosten 
anderer rühmen werde. Er soll ihn, nachdem er ihn mit der 
Herausschneidung seiner Zunge bedroht hatte, dem Zibrikän über- 
geben haben, der sich auch anschickte, ihn wegzuschleppen. Der 
Fürsprache der Gatafän — nach Anderen der B. Bekr b. Wä'il — 
gelang es, den Zibrikän zur Freilassung seines Feindes zu bewegen. 
An die Freilassung des Hut. durch 'Omar haben sich ver- 



1) Al-Ta'älibi, ChR. 40, 15. 

2) Wie es scheint, hat Al-Achtal in seiner Satire gegen die Ansär diese 

Redewendung des Hut. nachgeahmt, Ag. XIV, 122, 23 *.Ä.w.J j..L^Jl [j.Jis> 

3) Hassan urtheilt: (LA. TA 0^3) ^}.s^ vj5j3 Jj n\.^^ 'lxi . 

4) Ag. II, 56, 7 ff. wird ein Text mitgetheilt, von welchem nur der zweite 
Vers im Ged. 10 enthalten ist (10, 29). In V. 1 des Ag.textes muss überdies 

vii^uX.:^ OfccI in b6«.-iL.i=\J ö»..c! verändert werden; vgl. Ag. X, 27 iA-3-t^ 
.L> ti5J Li! ^3'^3 Ä./i;Xi(» ^J_J.ÄJ«^ , ibid. XI, 154, 8^./«'ai ^^yü^\i o3Lc» 
./iLc^.^j|5, Sibaw. 1,142 ult. »^sJui» j.ä.S^ "^^^ Wright, Opp. arab. p. IX; 
Zähiriten p. 168. 



Goldziher, Der Diicän des Garical b. Aus Al-IIuteJa. 29 

schiedene Fabeln angeknüpft. Die Scene der beabsichtigten Zungen- 
ausschneidung wii-d recht dramatisch ausgeschmückt (Ag. II, 56 unten). 
Erwähnung verdient auch noch die Version (ib. 57, 6), dass 'Omar 
„die Ehre sämmtlicher Muslimin von Hut. mit 3000 Dii-hem los- 
gekauft haben" soll. Ausser den Gedichten 10 und 47 soll auch 
85, dessen Echtheit mit Recht angezweifelt werden darf (Ibn al- 
A'räbi), an 'Omar') gerichtet sein. In demselben wird der Unmuth 
des Dichters, dem durch den Chalifen sein Handwerk, durch welches 
er seiner Familie den Lebensunterhalt verschaffte, gelegt wurde, 
zum Ausdruck gebracht. Es ist undenkbar, dass Hut. nach den 
Erfahrungen, die er soeben gemacht hatte, den Muth gehabt haben 
sollte, vom Chalifen in diesem Tone zu sprechen: 

„Du bist für die Dichter gesendet worden, wie Dähis, oder wie 
das Kameel der Basüs 

„Du bist der Welt gesendet worden, damit du ihre Habe ein- 
hebest, die Gizja einsackest und eifrig sammlest (V. 7. 10) 
u. a. m. 

Bemerkenswerth ist in diesem Zusammenhange die Erscheinung, 
dass in den an 'Omar gerichteten Ansprachen des Dichters der 
Chalife völlig als weltlicher Fürst erscheint ; er ist ein gerechter 
„König" (10, 20), aber nicht ^Ut ^jj^\ (vgl. Muh. Stud. 11, 55, Anm. 7), 
sondern xäaJLjs^Ü .^^t (10, 23) ,nach seinem Genossen (Abu Bekr) 
haben ihm die Menschen ( ^Ji) die Schlüssel der Einsicht ver- 
liehen" (47, 3). 

Nach seiner Begnadigung durch 'Omar verblieb Hut. noch 
einige Zeit bei seinen Gastfreunden und soll noch manches Lob- 
gedicht zu ihren Ehren hervorgebracht haben. Es lässt sich aus 
unserem Diwan nicht erschliessen, ob solche Gedichte unter den hier 
gesammelt vorliegenden enthalten sind (vielleicht 89). Natürlicherweise 
kann keines zu denselben gerechnet werden, in welchem mit dem 
Ruhme des Bagid und seiner Familie der Tadel Zibrikän's verbunden 
wird. Abu 'Ubejda erzählt (Ag. II, 57 unten), dass der endlose Weih- 
rauch zum Schlüsse den B. Kurej' selbst zu viel wurde {\ö\ ^^> 

La>0- ^Is-^ wollte den Dichter entlassen. Als er als Posaune des 
Ruhmes der B. Kurej' engagirt wurde, versprach ihm die Familie 
als Honorar 100 Kameele;^) die brachte man nun unter den Mit- 
gliedern des Stammes auf; 'Alkama b. Hauda selbst steuerte die 
Hälfte zu diesem Ehrengeschenk bei und fügte obendrein noch 
zwei Hh-ten hinzu. Damit verliess der Dichter befriedigt das freund- 



1) Nach Schol. soll auch in 2, 21 eine Anspielung auf 'Omar enthalten 
sein; er ist der Einschüchterer, der über dem Haupte des Dichters schwebt 
und ihm Furcht vor dem Beleidigen der Menschen einflösst. 

2) Dies Detail ist vielleicht aus 5, 28; 7, 43; 89, 14 gefolgert worden. 



30 Goldziher, Der Diicän des Garictd b. Aas Al-Huteja. 

liehe Lager des AI Sammäs. Seinen dankbaren Cxefühlen soll das 
in unserm Diwan fehlende Abschiedsgedieht entsprechen, welches 
bei Ag. II, 58, 2 — 5 mitgetheilt ist. Dasselbe kann schwerlich als 
echt anerkannt werden ; es trägt die Spuren leichter philologischer 
Arbeit an der Stirne.^) 

Nun hatte er wieder andere Männer aufzusuchen. Nach dem 
Bericht des Madä'ini wandte er sich jetzt zu 'Alkama b. 'üläta, 
dem er im Heidenthume gelegentlich seines Wettstreites mit 'Amir 
b. al-Tufejl manches Ruhmgedieht gewidmet hatte. Dieser 'Alkama, 
der, äusserlich zum Islam bekehrt, schon zur Zeit des Propheten 
wieder abgefallen war und während der Riddabewegung unter Abu 
Bekr eine sehr zweideutige Stellung einnahm, musste, wie viele 
andere, nach der Besiegung des Aufstandes zur Retablirung des 
Islam gute Miene machen. 2) Er kehrte aus dem Reiche des 
griechischen Kaisers, wohin er vor dem Islam wie mancher andere 
störrige Widersacher desselben ^) geflüchtet war , wieder in die 
Heimat zurück und liess sich unter 'Omar im Haurän nieder. ■*) 
An ihn verlangte nun Hut. ein Empfehlungsschreiben vom Chalifen, 
welches er aber nicht mehr an seine Bestimmung gelangen lassen 
konnte. Als der Dichter am Wohnsitze des 'Alkama anlangte, 
begegnete er den Leuten, die eben vom Grabe des Mannes heim- 
kehrten , von dem sieh der Dichter versprach , „träfe ich ihn 
wohlauf, so wären zwischen mir und dem Reich thum nur wenige 
Nächte". Darauf bezieht sich Ged. 77 (vgl. besonders die VV. 14, 23). 

V. Hut. war inzwischen alt geworden. In einem der dem 
Bagid und seiner Familie gewidmeten Lobgedichte ersucht er sie 
„ihn einzuhüllen, wenn der Winter kommt, denn der Winter zer- 
stört den Greis; ist aber die Kälte wieder vorbei, so genügt ein 
leichtes Beinkleid oder ein Mantel" (8, 46. 47).^) Jedoch noch viel 
länger begegnen wir ihm inmitten seiner dichterischen Thätigkeit. 
Wir wollen nun diese allerletzte Periode noch kurz in Betracht 
ziehen. 



1) Ich denke dabei an Eeminiscenzen aus sonstigen Gedichten des Hut., 
vgl. die Noten zu 7, 40; 92, 1. 

2) Tab. I, 1899. 

3) Vgl. Muhamm. Stud. I, 28, Aum. 1; 75, Anm. 3. 

4) Kut., Ma'ärif 169, 5 ,-jKj.> ^JLc -_♦-£ \U3uJj\^ . Es ist nicht 
wahrscheinlich, dass er Regierungsbeamter (Jk-y«L_c) war. Im Bericht des 
Madä'ini (Ag. XV, 58, 19) sagt man zu 'Omar, der sich anfanglich weigert, das 

Empfehlungsschreiben auszustellen: ry*-y Ä-*JiJLc .••! tiNJ^ ..^z« iji^vi^ ^i 

danach wäre 'Alkama Privatmann gewesen. 

5) Nach dem Schol. z. St. ist es nicht sicher, dass diese VV. dem Hut. 
angehören. 



Goldziher, Der Dhvdn des Garwal h. Aus Al-Hateja. 31 

Von 'Alkama's Sohne reich beschenkt (Ag. 1. c), greift er wieder 
zum Wanderstabe.^) Die Higä'gedichte gegen die B. Sahm (23. 24. 27) 
hat er im hohen Alter als gebrechlicher Greis, den man führen 
musste, verfasst (27, 2. 3). Zu jener Zeit scheint ihn auch irgend 
ein hoher Machthaber {k^^A^ betitelt er ihn) mit Kameelen reich- 
lich beschenkt zu haben; darin fand er Ersatz für den Geiz der 
B. Sahm (78, 3), denen er sich angeschlossen zu haben bedauert. 
Wer dieser i^J^JLs sei, lässt sich jedoch nicht erschliessen ; es ist 
nicht ausgeschlossen, dass damit irgend einer jener hohen Staats- 
beamten gemeint sei, die er besang (Walld b. 'Okba, Ged. 12; 
Abu Müsä al-As'ari 11).^) 

In die Zeit nach 'Omars Tode (worauf das kurze, in seiner 
Echtheit mit vollem Recht angezweifelte Trauergedicht 46 bezogen 
wh'd) gehört das zur Entschuldigung des der Trunkenheit an- 
geklagten Statthalters WaJid b. "Okba, dessen Wohlthaten Hut. 
reichlich genossen hatte, verfasste Ged. 57. Wenn die Zeitangabe 
im Schol. zu Ged. 13 der Wirklichkeit entspricht, so reichte die 
dichterische Thätigkeit des Hut. bis in die Zeit Mu'äwija's hinein. 
Danach wären die Lobgedichte an Sa'id b. al-'Asi (13. 14. 15)^) aus 
der Zeit seiner Statthalterschaft in Medina unter Mu'äwija's Regie- 
rung. Ag. XVI, 39 f. ist mit dramatischer Anschaulichkeit die 
Scene geschildert, wie der greise armselige Al-Hutej'a, der mit 
einer 'absitischen Karawane nach Medina gekommen war, am Hofe 
des wegen seiner Freigebigkeit berühmten ■^) Statthalters erscheint 
und von ihm reichlich beschenkt wird. Am Hofe des Sa'id lässt 
man ihn auch mit Al-Farazdak zusammentreffen (Ag. XXI, 196). 
Das Todesjahr des Hut. wird bei Abulfeda (Annales I, 375) auf 
69 d. H. angesetzt. Man war nicht verlegen , mit demselben so 
weit als nur irgend denkbar herabzugehen. 5) Die Nachrichten, die 
uns über seine letzte Lebenszeit erbalten sind, gehören vollends in 
das Reich der Legende. Nach Ag. II, 58 (vgl. LA. TA ui.c) soll 
Hut. in Medina vor Ibn 'Abbäs, der damals bereits ganz erblindet 
war, erschienen sein, um in einer Gewissensfrage seine Belehrung 
einzuholen. Er wollte Sicherheit darüber haben, ob er mit dem 
Higä' von Menschen, die ihm ihr gegebenes Versprechen gebrochen 



1) Ged. 79 scheint noch in die Zeit seines Aufenthaltes im Hauräu zu 
gehören. 

2) Die Echtheit dieses Gedichts wird, wie wir unten noch sehen werden, 
angezweifelt. Verdächtig ist allerdings die Mittheilung, dass Abix Müsä den 
alten Hut. in die Conscriptionsliste für den 'irakischen Feldzug aufgenommen 
haben soll. 

3) Nach Ag. XVI, 39, 5 hätte Hut. dem Sa'id cX-jL^aS y^.*-^ gewidmet. 

4) Er gehört zu den elf ^^^\ J^i ^^>5 'Ikd I. HO- 112. 

5) Ibn Hagar I, 728 unten &j»./9 /■•>■'- J' (^ i3^:i *-^ »-ü^-h' ' f^ • 



32 Goldziher, Der Diwan des Garioal h. Aus Al-Hutej'a. 

und seine Ehre beleidigt (der Erzähler denkt dabei gewiss an die 
Zibrikän'sche Episode, die bekannteste aus dem Leben des Hut.), 
eine Sünde begangen habe. Ibn 'Abbäs setzt ihm nun im Sinne 
der muhammedanischen Sittenlehre voller Salbung auseinander, dass 
die Vergebung ( .^xJS) erlittener Unbill das beste sei, und dass vom 
Higä', da dasselbe sich in der Regel auf einen ganzen Stamm be- 
zieht, nothwendig auch solche mit betroffen werden, die einem nichts 
zu Leide gethan. Auch diese Legende, an welche auch Verse geknüpft 
sind, die theils Reminiscenzen aus wirklichen Gedichten Hut.'s dar- 
bieten, i) theils in anderen Nachrichten in anderem Zusammenhange 
erwähnt werden , setzt voraus , dass das Lebensalter des Dichters 
bis in die letzten sechziger Jahre des L Jahrhunderts reichte. Die 

Erblindung des Ibn 'Abbäs erfolgte »..♦.£ .i>l ^j,; er starb 68 — 70.^) 
Die letzten Momente des Hut. haben die Literaturhistoriker 
mit verschiedenen Anekdoten ausgeschmückt, welche beweisen, dass 
sich an Hut. namentlich die Vorstellung des frivolen Spötters und 
schlechten Muhammedaners angeknüpft hatte, der noch auf seinem 
Sterbebette, statt sich durch Busse und Bekehrung auf Alläh's 
Richterspruch vorzubereiten, die Einrichtungen der Religion ver- 
höhnt. 

Seine Sterbescene ist in den zum 88. Gedicht angeführten 
Parallelstellen nach allerhand Berichten weitläufig geschildert. Von 
den verschiedenen Antworten, die man ihn auf die Aufforderung, 
ein letztes Wort zu sagen, ^) geben lässt , athmet eine jede seinen 
vom Islam abgewendeten Sinn. Auf die wiederholte Einrede 
seiner Umgebung, dass die von ihm erwähnten Verfügungen sein 
Seelenheil nicht befördern, trägt er ihr unverdrossen auf, Compli- 
mente an einzelne Dichter zu bestellen wegen schöner Verszeüen, 
durch welche sie ihrem Stamm Ehre gemacht, recitirt Gedichte 
über die Schwierigkeit der poetischen Kunst, seufzt über das 
Schicksal der Gedichte im Munde imverständiger Recitatoren u. s. w. 
Der Bericht im Agäni ist das Resultat der Zusammenfassung ver- 
schiedener Relationen.*) von welchen jede einzelne die Erweiterung 



1) Z. 24 = Diwan 20, 10-, Z. 25. 26 vgl. 1, 19. 20. In diesen. Versen 
wird Ibn 'Abbäs mit seiner Kunja Abu-1-' Abbäs (Kut. Ma'ärif 59, 8) angeredet. 

2) Tahdib 353, 5 und 354, 4. 

3) Vgl. die letzte Stunde des Achtal, Ag. VII, 180, 19 0_A:a.=> LJ 

4) II, 59, 21 öU^Jt ^^A OÜ^-5 JJ" i?'''^ *-*H-^ "^-r^-^^ ÄijiJi5\JÜj 
CJ .(A_o» iA-S>l» ;cÄ3»>i J, U^ Ji\ ,^» 'w« ^üA.jt„*_:> .lX_s^ Li>ca*Aj 



Goldzihei', Der Diu-än des Garical h. Aas Al-Hutefa. 33 

eines einfachem Kerns, wie ihn die Erzählung im Diwan bietet'), 
darzustellen scheint. Unverhohlene Opposition gegen den Islam 
zeigt die letztwillige Verfügung über sein Vermögen. Darüber sind 
zweierlei Berichte im Umlaufe. Nach dem einen (Diwan 1. c. Mejd.) 
verfügt er, dass ihn nur seine männlichen Hinterbliebenen beerben 
sollen, die weiblichen aber von aller Erbschaft ausgeschlossen seien. 
Dies war das altheidnische arabische Erbgesetz -j , dem gegenüber 
Muhammed den Weibern weitgehende Erbberechtigung einräumte. 
Nach dem andern Berichte soll er verfügt haben , dass die weib- 
lichen Hinterbliebenen je das doppelte des Erbtheiles der männ- 
lichen erhalten sollen — .SCsJ] Jä.5> ^Joa (^AJ^ ^^ ^JLiSli 
(Ag. 60, 19) — als sollte hier der Wortlaut des koranischen Ge- 
setzes 4, 12 ^A^ijSlI Ji.5> yUA ./aL' verhöhnt werden; denn es 

wird wohl nicht viel gewesen sein , worüber der Betteldichter zu 
verfügen hatte. „Gott hat nicht so befohlen" — sagten ihm die 
Leute — ,Aber ich verfüge so", antwortete er. 3) 

Der rücksichtslose Cyniker, als welcher er sein Dasein hin- 
brachte, war er auch in den letzten Momenten seines Lebens. 

„Sie rütteln mich", so sagt er (Ged. 35) von seinen Söhnen, 
die den seiner Bewegungskraft beraubten Alten zu tragen versuchten, 
„ihren Nacken emporreckend! Sachte doch, ich bin ja (ohnehin) 
dem Zustande nahe, den ihr treulos herbeiführet; das Schicksal 
und die Zeitläufte haben euer Unglück beschleunigt, gebt euch 
denn zufrieden mit dem Unglück , dass ich euer entrathen kann" 
(auch ohne euer Hinzuthun sterbe). „Senket mich hinab in die 
finstere Erde, so wie der Schöpfeimer zwischen den Seilen in den 
Brunnen gesenkt wird". Als es mit ihm vollends zu Ende ging, 
Hess er sich, auf dem Rücken einer Eselin sitzend, umherführen. 
„Kein wahrhaft Edler", meinte er, „stii-bt auf seinem Lager, und 
auch auf dem Esel reitend ist noch kein Edler gestorben. Viel- 
leicht wird Gott mir gnädig sein". So fährte man ihn denn um- 

1) Das Gedicht über die Schwierigkeit der Poesie scheint in seiner 
jetzigen Gestalt ebenfalls Resultat von Erweiterungen zu sein. Wenn man auch 

die Möglichkeit der terminologischen Ausdrücke N^i^^xj , ^J-äj für jene 

alte Zeit gelten Hesse, so wäre es jedenfalls schwieriger, die Kenntniss 

des der Poetik angehörenden Terminus [»-3- (v. 3 b) bereits dem Hut. zuzu- 
muthen. Wie unsere Anm. zum betreffenden Verse zeigt, wird derselbe nicht 
allgemein überliefert. 

2) Robertson Smith, Kinship and marriage 54. 

3) Solche blasphemische Aeusserungen sind im Diwan nicht mitgetheilt. 
Bd. XLVI. 3 



34 Goldziher, Der Dhcän des Ganccd b. Aus Al-Hutefa. 

her, bis er starb. Und das Resultat seines Lebens fasst er in 

folgendem Urtheil zusammen: 

„Niemand ist gemeiner als Hutej'a — er hat seine Kinder ver- 
höhnt, sein Weib hat er verhöhnt — ein so gemeiner Mann 
stirbt nui- auf einem Esel". 

L^.5 ^U Ow^ ^^_^J ^^^ 

VI. Die letzteren Verse sind wohl nicht als Worte des Hut- 
zu betrachten, sie sind das zusammenfassende Urtheil der Nachwelt 
über seine Laufbahn, die aus den zei-streuten biographischen Nach- 
richten bekannt war, über seine Gesinnung, die aus den von ihm 
erhaltenen Dichtungen hervorleuchtet. 

Und dies Urtheil war dem Andenken des Dichters nichts 
weniger als günstig. Das Bild, welches man sich in arabischen 
Kreisen von seinem Charakter gemacht hat, ist aus einem sehr 
interessanten volksthümlichen Zeugnisse ersichtlich. Der Kampf des 
Zejd al-Chejl gegen 'Amir b. al-Tufejl, welchen Hut. im Lager des 
letztem mitmachte und bei dem er in die Gefangenschaft des Zejd 
gerieth, bildet auch eine Episode der Sirat 'Antar (XI, 178 flf. 
der Sähin'schen Ausg., Kairo). Dieselbe lässt nämhch ihren Helden 
'Antar seinem Freunde 'Amir zu Hülfe eilen. Dazu wird er durch 
Hut. (in der Erzählung immer: x^xf-.-<\!t) veranlasst, der, von Zejd 
aus der Gefangenschaft entlassen, dem 'Antar begegnet und ihm 
die Nachricht von den Nöthen des 'Amir überbringt. Die Erzäh- 
lung dieser Episode bietet mehrfache Gelegenheit, den Chai'akter 
des Hut. zu beleuchten. Es ist namentlich seine Feigheit, welche 
man dabei besonders hervortreten lässt-). Als er in die Gefangen- 



1) Das Gedicht ist nur im Ag. 60, 8 u. mitgetbeilt. iLj_«.Jl ist für 
xaj-^J! deminut. vou äs-^ , vgl. Dü-l-rumma TA «.viö : Lx^li oAi» 'xaj-'' 
Ag. IV, 86, 2 ^JLäc ä-xJie: c:;L\.«/ii i4AJ,^i oi.,i;'LE xj5. 

2) p. 187 ^^ S^c ^j^ ^3Uit JyJlä j-^Ä5 ^L^ J^:5-.s ül L^L.5 

^5 (so) Lt^Jlc vi^'.L«» ö .Li Ci*..j5j '^'» J^ÄC v,i>.ijj U! *i>^fijLi> tX^ Q/S» 

O'.jJif .jt_>ix_,<'! vj5^~>w ^NxAal. (A>J>'üi*.i( c>^jLi>5 0|^_:>-^t c^^^Ac L>i 



Goldziher, Der Diwan des Garical h. Ans Al-Hutefo. 35 

Schaft des Zejd geräth, schildert er sich diesem gegenüber selbst 
als einen Menschen, der den Kämpfen immer aus dem Wege geht 
und nichts anderes vorhat, als mit seinen Versen Brod zu er- 
werben ; er klagt darüber , dass es wenige Mäcene gebe , deswegen 
der Markt der Dichtkunst kein ergiebiger sei, und dass ihn nur 
die Noth in das Lager des 'Amir geführt. Ohne Schwierigkeit 
findet er sich, um aus den Krallen des Löwen loszukommen, zu 
der Gemeinheit bereit, gegen seine Freunde ein Higä' zu deklamiren, 
in welchem er sich selbst als einen Ritter bezeichnet, ,der, sobald 
das Feuer des Krieges entbrennt, sagt : Das beste ist die Flucht". ^) 
Als ihn 'Antar dazu drängt, ihm den Weg nach dem Lager des 
Zejd zu weisen, macht er die grössten Schwierigkeiten und will 
sich um keinen Preis dazu hergeben, nochmals in die Nähe eines 
Kampfes zu gerathen. Der Erzähler, der dies Benehmen des Dichters 
mit gutem Humor darstellt, giebt ihm das Bekenntniss in den 
Mund, dass er ein Feigling sei, dem nichts fremdartiger ist als der 
Kampf. 2) Dies ist die Vorstellung, welche von Hut. im Bewusst- 
sein der arabischen Nachwelt lebte. Auch die Literarhistoriker 
sind in seiner Charakterschilderung nicht nachsichtiger. Al-Asma'i 
fällt folgendes Urtheil über ihn: „Er war eine habgierige Bettler- 
seele, zudringlich und gemein, bösartig, mit wenig guten Eigen- 
schaften begabt, von filzigem Charakter, hässlichem Aussehen, ver- 
kommener Erscheinung, zweideutiger Abstammung und schlechten 
religiösen Grundsätzen" (Ag. H 46, 6). Man erklärt ihn für mit- 
schuldig am Sinken des Ansehens der Dichter. 3) Wir haben bereits 
aus der vorangehenden Umschau über die Ziele seiner dichterischen 
Thätigkeit erfahren können, dass Habsucht, die Absicht immerfort 
zu „erwerben", die treibende Kraft seines Lebens war. 

Auch anderen altarabischen Dichtern waren ihre poetischen 
Hervorbringungen nicht in letzter Reihe Erwerbsmittel. Sie rühmten 
in Erwartung reicher Geschenke oder als Gegendienst für dieselben. 
Zuhejr hatte schöne Worte für Harim b. Sinän und dieser wieder 
schöne Geschenke für Zuhejr.*) Die angesehensten Dichter älterer 



1) p. 188, 10 j\.äl\ \J'±, ^Jkj ^Mj ^.=.^lJ ^\j LJLi" ^jJi 



3) Vgl. Ibn al-Kasik fol. 28 r jL_w.Jl ^^ 

4) Ag. IX, 154, 6. 




36 Goldziher, Der Dmän des Garical b. Aus Al-Hutefa. 

Zeit scheuen sieh nicht, dies hinsichtlich ihres eigenen Verfahrens 
oflfen einzugestehen. Al-A'sä rühmt in einem Lobgedicht, dass der 
Held desselben „das Lob für reichlichen Preis erkauft" ; ') dasselbe 
wird in einem dem Hassan zugeschriebenen Gedicht den bei Ohod 
gefallenen Kriegern nachgerühmt,-) und ein Lobdichter des Hisäm 
b. 'Abdalmalik schliesst sein Ruhmesgedicht mit den Worten: „So 
belohne mich denn, wie deinesgleichen meinesgleichen belohnt, und 
du wirst mich gegen die Belohnung nicht undankbar finden". ^) 
Zu *ller Zeit blieb es ein Ruhm „schöne Lobpreisung mit seinem 
Vermögen zu erkaufen",*) und wenn die Dichter die Freigebigkeit 
ihrer Helden rühmend besingen, so ist es zunächst die gegen sie 
selbst geübte Freigebigkeit, die sie im Auge haben. Wir erwarten 
von Al-Hutej'a nicht, dass er darin eine Ausnahme bilde. Wen er 
rühmt, den rühmt er zumeist wegen der Gaben, die er ihm zuge- 
wendet. Er erwähnt seine „Bedürfnisse" jenen, die er rühmt, und 
preist sie, wenn sie nicht zurückhaltend und geizig sind (73, 12). 
Er spricht ziemlich unverhohlen den Grundsatz aus, dass er „sein 
Kameel zum Besuch des Mannes antreibt, der für das Lob seine 
Habe einsetzt", und dass „derjenige des Ruhmes werth ist, der den 
Preis der Rühmungen bezahlt" (7, 36). Selbst für das Lob der 
Sammäsiten hatte er sich 100 Kameele als Honorar ausbedungen, 
zahlbar in dem ersten für die Viehzucht ergiebigen Jahre (s. oben), 
und dass er mit seinem Uebertritt zu den Gegnern Zibrikäns nur 
„mal" zu erreichen wünscht, lässt er in Form einer Anrede an seine 
Frau Umäma (1, 12) ganz unzweideutig durchschimmern. Von 
derselben lässt er sich einen Vorwurf darüber machen, dass sein 
Vermögen alle geworden (27, 2). Nie war er mit den erlangten 
Erfolgen zufrieden. Am Abend seines Lebens fasst er diese Un- 
zufriedenheit in dem Satze zusammen: „Dies ist meine Art: nie 
hat meine Linke einen guten Tag erreicht, und meine Rechte nie 
einen Tag des Gewinnes" (27, 11). Darin war er nicht ärger als 
andere Madih-Dichter, und wenn wir die Zeugnisse seiner Habsucht, 
die er uns in seinen Gedichten selbst an die Hand giebt (vgl. dafür 
auch die Erzählung zu Ged. 65) überblicken, so werden wir es als 
gerechtfertigt betrachten, dass selbst nachsichtige Sammler dem bei 
Ag. II 50,5 v.u. ihm zugeschriebenen Lehrgedicht, in welchem 



2) IHis. 628, 3 ^, lA^^Jl ,.,! .3I.>!'^-J A^-JS^"^! ,-,•- 

3) Abu 'Adi al-'Abali, A^'. X, 109: 

jfcC*^-^ .xi- v_jLiL' _>LäJLj A'iLfi vj^JLi/s <^\is ^äa^ls 

4) Abu Nuwäs in seiner Rühmung des Chasib, Ch. E. 48, 16 



..^.v.s.*.< 



Gohlziher, Der Ditcdn des Gariral h. Aus Al-Hute.'fa. 37 

er dem Sammeln von mal, das er als eitel erklärt, die Gottesfurcht 
(üJli! (3;j.fij) als begehrenswerth entgegensetzt, keinen Platz im Diwäu 
gegönnt haben. ^) 

Worin er es aber anderen Dichtern zuvorthut, ist die andere 
Seite seines habsüchtigen Charakters, dass er nämlich das Higä' 
als Erpressmigsmittel benützt. Wohin er kam, ging ihm dieser 
Ruf voraus, und die armen Medinenser wussten wohl, was sie 
thaten, als sie für ihn ein Vermögen zusammencollectirten, um nur 
seinem Spott zu entgehen. Es ist nicht wenig bemerkenswerth, 
dass er aus demselben Grunde auch von den Vertretern der 
Regierung subventionirt wurde. Von Abu Müsa al-As'ari erhielt 
er tausend Dinare, womit „sein Mund gestopft werden sollte":-) 
er hätte den Statthalter sicherlich angegriffen, wenn ihm nicht 
klingende Argumente^ beigebracht worden wären. Ein anderer Statt- 
halter , Sa'ld b. al-'Asi , soll ihm insgesammt (als Belohnung für 
Ged. 13, 14) zwanzigtausend (Dirham?) zugewendet haben, ^) und 
die Spottgedichte, die wir in seinem Diwan finden, sind vermuth- 
lich zum grossen Theil Repressalien für getäuschte Hoffnungen. 

Er verheimlicht es nicht, dass er auch das Higä' als Mittel 
betrachtet, damit Geld zu erwerben. Es entspricht durchaus seinen 
eigenen Grundsätzen, wenn man ihn (in dem wahrscheinlich urf- 
echten Gedicht 85) gegen 'Omar, der ihm das Produciren von 
Schmähgedichten strenge untersagt, den Vorwurf erheben lässt, 
dass in Folge der Verfügung des Chalifen jetzt, da die Schmähung 
der Geizigen verboten ist, sich jeder Filz in Sicherheit fühlen, seine 
eigene dürftige Familie aber der äussersten Noth ausgesetzt sein 
werde (besonders VV. 3. 8). Denn durch das Higä* war er der 
Erwerber (v.,*^li) seiner Familie (47, 2); wenn ihm das Verfassen 

solcher Gedichte verboten werde , so müsse seine Familie Hungers 
sterben, „denn dies ist mein Erwerb und daraus ziehe ich meinen 

Lebensunterhalt" ^^.*^ >.kA, ^j,^S^a Wp 'ls.j.z^ ^''■^.^ ^»•♦:^ '■^'*^- 

1) Auch Al-Kali führt dies Gedicht unter dem Namen des Hut. an uud 
fügt zu den bei Ag. citirten zwei Versen noch einen dritten hinzu: (Amäli 133 v) 

2) Ag. II, 51 ^c;^j^ c>..J-^^5 vgl. Ibn al Ativ III, 3G, 4 u. OJ>c\.-w 
'Omar soll darin nichts Bedenkliches gefunden haben : 



u:^*^o' 


! ^i.*j ^^z. 


'Omar soll 


^w\^i- xl^x-'S ^, 


NJu/^vi 


a" 


e5^^^. 


3) Ag. 


XVII, 


39, 5. 






4) Ag. 


II, 55 


, 3 V. u 







38 Goldzilier, Der Dhcän des Gavval h. Aus Al-Huteja. 

Die Sorge um seine Familie, die er hier als Entschuldigung 
für die Pflege der Higä'-Dichtung erwähnt (vgl. 47), sowie er sich 
auch auf die Noth seiner „Katä-Küchlein" beruft (12, 15), wenn 
er für eine Ruhmeskaside belohnt werden will, ist ein bezeichnen- 
der Charakterzug des H. So frivol er uns in vielen Beziehungen 
des Lebens immer erscheint, so können wir ihn andererseits als 
zärtlich besorgten Familienvater kennen lernen. Auf seinen Zügen 
finden wir ihn zumeist in Gesellschaft von Weib und Kind. Hat 
er eine Reise vor, die er allein mit Zurücklassung seiner Familie 
zu unternehmen beabsichtigt, so genügt die Erinnerung an seine 
„kleinen Töchter", an die Sehnsucht von Weib und Kind nach ihm, 
ihn von der Reise zurückzuhalten, zu welcher das Reitthier bereits 
gesattelt ist.') Wenn seine Habe ein Unfall trifft, so sind es zu- 
nächst seine Angehörigen, an deren Schicksal er denkt ( yj>. lAäi 
JLac JLä ..,L«jJt).^) Er wacht eifersüchtig auf die moralische Inte- 
giität in seiner Familie. „Ein böses Jahr veranlasste ihn einmal, sich bei 
den B. Mukallad b. Jarbü' niederzulassen. Die Leute dieses Stammes 
nun steckten die Köpfe zusammen und sagten : Dies ist ein Mensch, 
vor dessen Zunge niemand sicher ist. Gehen wir denn zu ihm und 
fragen ihn, was ihm angenehm ist, dass Avir es thun, und was ihm 
lästig ist, dass wir es unterlassen können. Sie verfügten sich denn 
auch zu ihm und sprachen: Abu Mulejka, du hast uns vor 
allen anderen Arabern mit deinem Besuche ausgezeichnet; uns liegt 
es ob, dein Recht zu wahren. Sag' uns nun, was dir lieb und 
was dir unlieb ist". Da antwortet er: „Besucht mich nicht 
zu häufig, dass ihr mir lästig werden könntet; aber vernach- 
lässigt mich auch nicht ganz , damit ihr mir nicht Unbehagen ver- 
ursachet; benützet nicht den Flur meiner Wohnung zu eueren 



1) Vgl. auch den vermuthlich zu Ged. 85 gehörigen, im Diwan fehlenden, 
bei Gr. TA Lx/.o angeführten Vers: 

(anonym Hariri, Comm. 608). In dem der Leidener Hdschr. hinzugefügten 
Nachtrag von Versen, die im Diwan fehlen, heisst es: Kji2^*\ i..^-:i.i^J ;3Js 

S—t^-t ,.. — ■''— iu— * , %.iM/~.\ ^J» 1 f .aA2,J» ^Äa.a,ÄJ ■■^jJ.m^J) iA.^ 

(der letztere Vers mit anderen Laa. Ag. II, 51, 19). 

2) Die beiden Verse Ag. II, 50, 4. 5 fehlen im Diwan; aber sie finden 
sich unter dem Namen des Hut. Sibaw. II, 181, 4. Chiz. III, 301. 312 L.A. TA 



Goldziher, Der Dhoän des Garival b. Atis Al-Hutefa. 39 

Zusammenkünften ; sorgt dafür , dass meine Töchter nicht den 
Gesang euerer Jünglinge hören , denn Gesang ist das Zaubermittel 
der Unzüchtigkeit". Die Leute versammelten nun auch ihre Söhne 
und trugen ihnen strengstens auf nicht zu singen, solange Hut. sich 
im Stamm aufhalte.^) Ihr rücksichtsvolles Verhalten lohnte er mit 
Ged. 45. 

Wir können hier die Nachrichten anschliessen , welche hin- 
sichtlich seiner Familie erhalten sind. Unter seinen Frauen war 
es eine, Namens Umäma (eine Kinänitin, 10, 3), der er in besonderer 
Liebe zugethan gewesen zu sein scheint. Ihren Namen hat er 
an die Spitze mehrerer Kasiden gesetzt (1. 9. 10. 18. 27. 62). 
Auch Hind (6. 11. 33. 79.' 87. 89) und Lejlä (5. 16. 23) finden 
wir in mehreren Gedichten an derselben Stelle; aber wir können 
nicht wissen, ob diese sowie auch Sulejmä (30), Umm Ma'bad (7, 12) 
und Umm Mälik (83) fingirte Namen oder solche von Frauen sind, 
zu denen er in Wirklichkeit, vde zu Umäma, in Beziehung stand. 
Bei seiner Begegnung mit Al-Zibrikän sind mit ihm „seine beiden 
Söhne Aus und Sawäda , seine Töchter und seine Frau" ; -) diese 



1) So wird diese Episode Ag. II, 52 nach Al-Mufaddal erzählt. Bei Kut. 
fol. 59a finden wir dafür folgende Erzählung: .yi _LAi2>üLj '»^la^^\ ^^ 



, oc 



w>y.JL£: eO^ -iCKJ^- Lo ...1 —uaUäJI iJ ^3^-5 **jIäJ XSl^^ ->.L^i5 f,^\ 

XÄ>-w _L*22;JLJ .jli'3 üüiit »^'ij -tlÄii! qLs i^LÄiJt ^cJ''»-ÄJ (cod. \j.x^Mf.'S) 

^^5> ^JJ^s. (.'wiLi Llö vii^iXfl L« s'i i_c. ^_^_j ;t*Aw.j ^ (3lä5 ^-j^j 

^.j (.L^j *_^^ .cLoti! ^LiLlj! ^AJ» ^3 j^jl^j ^j'ww.i s^.i't ^3'^ fJ» ^-^ 
r^J ^^ ^^ ly^ l5^3 e^-^'^^'^ l5^^ ^^J ^J-^-^ 

2) Ag. n, 52, 21. In der durch Sigistäni nach Asma'i (sein Name kommt 
unter den Gewährsmännern der Erzählung im Ag. nicht vor) mitgetheilten Er- 
zählung (bei Hibatalläh, MuchtArät 109): S^. n^!^ öL'«! 3! O^V*^ *'*^-5 
. eJ 0UJ3 ^JJ^} j^'^i «^!>*- It^J'S^-'S 



40 Goldziher, Der Diwan des Garwal h. Aus Al-Hufej'a. 

letztere wird wohl ümäma gewesen sein, deren Name zumeist au 
der Spitze^ von Ka'^iden steht, die auf sein Verhältniss zu Zibrikän 
und den »Sammäsiten Bezug haben. Es ist beachtenswerth, dass in 
der Aufzählung der ihn begleitenden Personen nur seine Söhne mit 
Namen genannt werden; der weibliche Theil seiner Familie wird 
nur als „seine Frau und seine Töchter" erwähnt. Ausser den hier 
genannten Söhnen begegnet uns noch einer mit Namen Ijäs. ') Von 
seinen Töchtern ist uns eine mit Namen bekannt: Mulejka,-) nach 
ihr führt der Dichter die Kunja: xiULn ».j\.^) Er hatte auch gegen 
eine recht widerspänstige Gattin anzukämpfen, welche ihre Stelle 
in Madä'ini's „Galerie widerspänstiger Frauen" (>i' Läii i^uA^ÄJl i-jIä5') 
erhalten hat. Diese muss sein häushches Leben nicht wenig ver- 
bittert haben ; auf seinen Reisen wünschte er natürlich ihre Be- 
gleitung nicht. Ihr Andenken ist in folgendem — im Diwan 
fehlenden — Verse des Dichters aufbewahrt: 

„Ich streife in der Welt umher, wie ich umherstreife, und wenn 
ich heimkehre, sitzt eine böse Sieben in meinem Hause." 

Von seinen übrigen Blutsverwandten können wir noch seinen Bruder 
Al-Chutejl b. Aus, der ebenfalls Dichter war,-'') nennen. 



1) Ay-. XVI, 30, 4. An zwei Söhne ist das vor seinem Tode gesprochene 
Gedicht 35 gerichtet. 

2) Ag. 11,50,2 K.iCxJL>s ^ÄvLjU iüi'uii ».jL/sI . 

3) Vgl. Note zu 58 Anfang. — In jener Recension der Sirat 'Antar, 
welche in der Bejruter Ausgabe derselben vorliegt, stehen (IV, 368 = Kairo 
XI, 188) am Schlüsse des an Zejd al-chejl gerichteten Gedichtes (oben 6) zwei 
in der Kairoer Ausgabe fehlende Verse, in welcher man ihn die Zahl seiner 
Töchter augeben lässt: 



Es braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden, dass das Gedicht, sowie 
die meisten anderen der Sira, freie Fiction ist. Von den in der 'Antarepisode 
angeführten Gedichten des Hut. findet sich keine einzige Zeile weder im Diwan 
noch auch in ajideren dem Hut. zugeschriebenen Stücken. 

4) Der Vers ist von Hut. angeführt Kam. 147, 21; 345, G; 621, 8 (hier 

mit der La. ^j^\), 'Ikd III, 288, 15, G. «.5lj, TA L\*i, «.-C , IJ. 518, 21, 

Chiz. I, 408, 3, 'Ajui I, 473 (mit der LA. C>..ls\), Rasä'il al-Ma'arri fol. 144, 
anonym bei Hariri, Mak.- 527. Ohne Zweifel benutzt Al-Hamadäni diesen 
Vers in seiner basrischen Makäme 62, 2 

5) Tab. I, 1874 ult. ; ihm wird von einigen das Gedicht 34 zugeschrieben, 
vgl. oben 13. 



Goldziher, Der Dhcän des Garual h. Aus Al-Hutefa. 41 

VII. Viel günstiger als über seinen sittlichen Charakter ur- 
theilte die Nachwelt über seinen Werth als Dichter. Al-Farazdak, 
der sich viel mit den Dichtungen des Ilut. beschäftigte — wohl 
deshalb hat man ihn den Räwi desselben genannt (s. oben p. 5) — 
erwähnt sein Lob der B. Kurej" rühmlich ') und stellt seine Kasiden 

neben die der vier Näbiga i^kJ\».xl\\ und des Imru'-ul-Kejs, denen 
er noch die des Muchabbal , eines Zeitgenossen des Hut. , an die 
Seite setzt. ^) Al-Buhturi nennt ihn neben Lebid als vorzüglichen 
Dichter, den zu übertreffen den Ehrgeiz des Poeten bilden könne. ^) 
Zum Ruhme des Farazdak hat ein Zeitgenosse eine Traumerscheinung 
erzählt, in welcher Hut. den Dichter den besten Versküustleru der 
Vergangenheit an die Seite setzt, „sich selbst nicht ausgenommen".*) 
Es galt für einen Ruhm, als dem Hut. ebenbürtig anerkannt zu werden. 
Die späteren Kritiker stellen ihn unter die £.!.*-iJi ^«.^^i — einige 
nennen ihn den grössten Dichter nach Zuhejr — und rühmen seine 
Vielseitigkeit in den verschiedensten Gattungen der Poesie (s. oben). 
Der Verfasser der Gamhara reiht ihn mit einigen der vortrefflichsten 
Dichter seiner Zeit in die sechste Klasse der alten Dichter ein.^j 
Andere räumen ihm unter den .^/!.>eijS^Ai neben Ka'b b. Zuhejr, 
Walid b. Rabi'a und Hassan b. Täbit die Stelle eines der vier 
ausgezeichnetsten Dichter ein.'') Die Sprachgelehrten der besten 
Schule schöpfen aus seinen Gedichten — hierin dem Beispiele des 
Slbawejhi folgend ') — gerne ihre Sawähid. Ein Blick in Guidi's Index 
zur Chizänat al-adab genügt, um uns von der Häufigkeit solcher 
Citate in der philologischen Litteratur zu überzeugen. 

Al-Asma'i, von dem wir soeben ein vernichtendes Urtheil über 
den moralischen Werth des Hut. angeführt haben, fügt diesem Ur- 
theil die Worte hinzu: „Aber während du in den Gedichten anderer 
Dichter jeden beliebigen Fehler leicht nachweisen kannst, wirst du 
bei Al-Hutej'a sobald keinen finden".^) Dies rechnet er ihm aber 



1) Vgl. Commentar zu 10, 25. 

2) Ag. XII, 40, 14 

3) Ämidi 172, 15: <AÄ>.i» (3»-r" r*-^ o^->^^ . 

4) Ag. XXI, 19G unten. 

5) Hommel, Actes du VIeme Congres des Orieutalistes — Semit. Sect. — 392. 

6) Al-Ta'älibi, Ch. E. 128. 

7) Vgl. zu 5, 10; 7, 39; 8, 4. 

. 8 .3t■^*' t% ^J>.^-> 



42 Goldziher, Der Diwan des Garwal b. Aus Al-Hutefa. 

nicht unbedingt als Vorzug an. Denn er schreibt die den Gedichten 
des Hut. nachzurühmende formelle Correctheit dem Mangel an 
Unmittelbarkeit zu, dem gekünstelten Charakter, der mühsamen 
Ausarbeitung, deren Resultat seine Dichtungen sind. „Der von 
Natur begabte Dichter (pj.xl:ij!) giebt seine Rede frei heraus 
(*.>LP!fcC Sc j."^XJi r''-j)) ^^^ ^^^® ^^^ ^^^ Schlechten." '). Die 
Bedächtigkeit in der Composition seiner Gedichte war ein künst- 
lerischer Grundsatz des Hut. „Das beste Gedicht ist das jährige, 
gefeilte" 2) — dies war seine Regel und im Sinne derselben schärft 
er seiner Umgebung unter anderen ernsten und cynischen Grund- 
sätzen in seiner letzten Stunde die Lehre ein „kein Lobgedicht zu 
recitiren, so lange es nicht jährig geworden" (Ged. 88). Diese An- 
schauung theilt unser Dichter mit bedeutenden Vorgängern. „Zuhejr, 
Al-Hutej'a und ihresgleichen" — sagt Al-Asma'i — „sind Sclaven 
der Poesie" (.x^J! «Aa^c). Auch Zuhejr nannte seine besten Kasiden 

Jährige" (cjLli^^).^) 

Wenn wir unsern Dichter in seiner Werkstätte belauschen, so 
werden wir ihn nicht selten bei der Aneignung von Stellen aus 
den Werken seiner Vorgänger ertappen. Die alten arabischen Dichter 
scheinen es nicht sehr streng mit den verschiedenen Arten des 
Plagiates gehalten zu haben. Wäre dem nicht so, so würden sich 
jene, die sich des Plagiates enthalten, dieser Tugend nicht be- 
sonders berühmen. So z. B. brüstet sich Hassan b. Täbit (Diwan 
ed. Tunis 39, 2): 

i^.3^ *^.*^ *^s^^J ^3 [j-älaj \.A sLx/ixi5 öj;*«i ^ 

„ich bestehle die Dichter nicht um das, was sie gesprochen, und 
mein Lied stimmt mit dem ihrigen nicht überein" 
und ein alter Dichter, dessen Worte dem Tarafa zugeschrieben 
werden (ed. Ahlw. App. 16): 

„ich verändere nicht die Gedichte,^) indem ich sie stehle, ich kann 
dessen entrathen; nur schlechte Menschen stehlen". 



1) Al-Sujüti, Muzhii- II, 250 (Ibn Ginni). Auch an Hut. 's Zeitgenossen 
Al-Sammäch wird im "Vergleich zu Lebid die Schwerfälligkeit ^sjhj") getadelt; 
er sei .xJm-W ... «.Ä/« AjA^ Ag. VIII, 102, 4 u. 

2) Ibn al-Fakih al-Hamadäni ed. de Goeje 193 peuult. 'Ja^! rj^-^Ji 

. *?^äJ| -ij,;S^il j,*XCJ5 .^.p» ^ySU 

3) Kut. ed. Rittershausen 19 = Nöldeke, Beiträge 22. 

4) Ueber ö.Lc-! s. Mehren, Rhetorik der Araber 140 unten. 



Goldzilier, Der Dhciin des Garwal b. Aus Al-Hufeja. 43 

Auch Al-A'sä sagt (Gauh. J^^o): »Wie sollte ich denn auf 
meine alten Tage die Reime anderer entlehnen? dies wäre wahrlich 
genug der Schande"; 

Luc ^\ö Jl^ ^.^,y^^*Jl tXxj J, I^äjI J^j>^1^ Li! ^-^^5 

Ein anderer alter Dichter, Sahm b. Usäma, versichert seine Geliebte 
Lejlä, „dass sein Liebesgedicht nicht gemengt (mit Floskeln anderer 

Dichter) und nicht entlehnt ist" J^^^ujCj IL v_^^j.j 1J (Hud. 95, 15). 
Und auch Ibn Harma (st. 90) findet es für nöthig, zu erklären, 
,dass er die Gedichte nicht entlehnt, dass er vielmehr aus eigener 
Kraft vortrefiliche Lobgedichte verfertigen könne" (TA Jn-^s-'J) 0- 

Wenn so hervorragende Dichter ihr Publikum hinsichtlich ihrer 
Originalität in dieser Weise beruhigen müssen, so können wü- fol- 
gern, dass schon in alter Zeit das Plagiiren eine verbreitete Gewohn- 
heit arabischer Poeten gewesen sein wird. Selbst Lebid konnte 
man eines Plagiates bezichtigen (s. Huber 9, 12). 

Allerdings wäre es kaum thunlich, die alten Gähilijja-Dichter 
nach dieser Richtung zu controliren. Leichter wird es, die letzten 
Ausläufer der alten Epoche, die Muchadramin, auf ihre Abhängig- 
keit von den alten Mustern zu beobachten , wenn auch die Zu- 
verlässigkeit einer solchen Beobachtung, in Anbetracht der Unsicher- 
heit der Ueberlieferung und der Häufigkeit interpolirter Stücke, grosse 
Schwierigkeiten hat. Wo sich Nachahmung eines heidnischen Dichters 
zeigt , wird wohl diese Nachahmung nicht immer dem Dichter 
entstammen, in dessen Werke wir derselben begegnen, sondern kann 
zuweilen ein dem Dichter untergeschobenes Product eines späteren 
Räwi sein. Auch der Umstand muss immer in Betracht kommen, 
dass eine ge'wisse typische Phraseologie, welche bei gegebener 
Gelegenheit wiederkehrt, bei verschiedenen Dichtern von einander 
unabhängig gebraucht wird. Aber auch nach Abzug aller dieser 
Umstände können wir uns dennoch Erscheinungen nicht ver- 
schliessen, wie deren eine beispielsweise eine Vergleichung des Stückes 
Näb. 7, 26 — 27 mit zwei Versen aus einem unter dem Namen des 
Muchadram Rabi'a b. Makrüm (Ag. XIX 92, 21 — 23) überlieferten 
Gedichte darbietet: 

Näb.: Cs.j.9ü.fi S,»./o >.S^\ vA>wc v^^_>l, 2a-*-^^ c>.<^-£^ h2-^5 ».- 



1) Vgl. in einem Higä' gegen den Philologen Hammäd, Ag. V, 171, 1 



44 Goldziher, Der Dw:än des Gonccd h. Aus Al-Hutefa. 



^3J-ÜJ i^^j..iLi ^A ^.iJ. L^A>^^^. 



L.;.ai 



Jedocli gerade die Umstände, unter welchen Hammäd die 
letzteren Verse im Namen des Rabi'a recitirte (s. die Einleitung zu 
denselben in Ag. 1. c.) , geben der Möglichkeit Raum , dass der 
kunstfertige Räwi mit Benützung älterer Materialien ein artiges 
Gedichteben gezimmert und an den Namen des Rabi'a geknüpft habe. 

Jedenfalls dürften aber die oben augeführten Aeusserungen 
alter Dichter mindestens geeignet sein, den Gesichtspunkt der Owä.^ 
bei der kritischen Betrachtung der altern arabischen Poesie unserer 
Aufmerksamkeit nahe zu legen. 

Bereits der Scholiast der Dichtungen des Ka'b b. Zuhejr hat 
es erkannt, dass der Dichter mit 12, 14 

*..>1. vAaX^1.5^JwJ i^-^>.:>L=> -X. L^iwi^ Lj'w.> r^^^ iM"-^^ ^^)* 

den Aus b. Hagar bestohlen habe (o./^). Dieser Vers findet sich 



1) 

jl:>' A^ Uii" d^^^"^, vgl. denselben Gedanken Jak. IV, 451, IG ff.; 501, 22 
TA ijjji Addäd 132, 12. 

2) Das ganz unpassende Js..»jiÄ.w>x muss in J»Jt.«.Xi«ilAi verändert werden; 

mit Ax.4.Xv (allerdings zumeist in der I. und IV.) wird nach den Lexicograplien 
das Lesen der religiösen Texte in den jüdischen Synagogen bezeichnet: 

TA s. V. <i>.Lt.«..ii tXij (O-^j^i iS \jjt-*.X:>-\ iil f^J"^[;^ C>j.^j.l\ idji.«.-i:3 : 
jedoch benennen die Derivate dieser Wurzel ebenso häufig die kirchlichen Cere- 
monien christlicher Priester. Jak. II, 679, 15: 



U* 



Der Chalife Al-Mutawakkil untersagt den Christen: ^jJ.>^^x~i^ ^^ U.i-ij ...I 



..]» ua-iwJIa3 ', daher ^.-^a.::- ,.,.>X**j 



ZDMG. XXIX, 639 (vgl. Chiz. ad. II, 173 über Jot*^!). Den Namen äJLx*^ 
führt ein Christ, Ag. X, 99; J«Jt*Äw Name eines Taglibiten, Kam. 524, 11; 



aber auch unter Jluhammedanern (Jot,4..^«--^ ,-v^^ al-Azraki 246, 3; ^x.4-^^4-^ 
^i'wxA.^'1 Fragm. bist. arab. 55 ult. und die im TA angeführten) kommen 
ähnliche Eigennamen vor, welche jedoch von der Grundbedeutung des Wortes 
abgeleitet sind. 



Golchiher, Der Diuxhi des Gariral h. Ans Al-Hutej\f. 45 

in der That fast wörtlich als V. 56 der in Abkarius' Nihäjat al-arab 
128—31 mitgetheilten Kaside des Aus; Ka'b hat im ganzen Verse 
nur die beiden letzten Worte (^3wS 3.L.5\;<vJuj) verändert. Dem 
Imru'-ul-Kejs eigenthümlich ist die gleichzeitige Vergleichung der 
Karawane mit fruchtbeladenen Palmenbäumen und getheerten 
Schiffen,') insofern er nämlich diese beiden Vergleichungsmomente 
nebeneinander erwähnt (Imrk. 20, 4). 2) Ihm scheint Ka'b diese 
Zusammenstellung abgelernt zu haben: 
10, 2: 

15, 4: 

Ebenso ist die erste Hälfte des in Chiz. III 148 angeführten 
Verses : 

wA«.ÄJi ,^Ä-ii [ C^S \^~K.C ^Ji^l iA_)Jv.-.ii 

(Diw. 11, 15) fast wörtlich im Imrk 52, 45 wiederzufinden. Und 
in 12, 11 

JiCi°) i^L^Jlc vjjj.^ i^'i-^; wyjJLw sJiS J*_aJL_v-.Ji._J -.i^UOLJ iAa2.5 

erkennt man den Einfluss von Zuh. 1, 28 (Lbg. 157 V. 4). 

In einem im 'Ikd III 148, 18 (das ganze Kapitel ist für die 
hier berührte Frage sehr lehrreich) angeführten Verse des Ka'b 
gesteht der Dichter selbst ein , dass nicht Alles originell ist , was 



1) Die zweite Vergleichung allein ist überaus häufig: ZDM6. XLIV, 66f. ; 
vgl. 'Abid b. al-abras , M 92 , 3 u. As «.Li anonym. Nicht nur das Kameel, 
sondern auch das Reitpferd wird mit dem Schiffe verglichen, Bisr b. Abi 
Chäzim, M 79 penult. (= Kut. 44 a). Die Vergleichung der Karawane mit 

Palmen, Al-Murakkis, Ag. V, 190, 15 ^..^.L/ä ^^ J.x^>Üf L^JLf Lebid, 93 v. 2, 
vgl. später auch Garir bei Jak. IV, 639, 4 (Malham ist eine palmenreiche Land- 
schaft in Jamäma); Kutejjir, Jak. I, 91.5, 8; Abu Tammam, ibid. II, 137, 4. 

2) Beide Vergleichungen hat auch al-Murakkis Jak. 1,537, 11, später 
A'sä Hamdän angewendet, Ag. V, 147, 22. 23. 

3) Vgl. Zuhejr Mu'all. v. 7 Imrk 4, 5, vgl. Jak. I, 306,4; 'III, 850, 20 
und öfters. 

4) Vgl. Rabi'a b. Makrüm Agr. XIX, 93, 2, IHii. 623, 15, Ad. kät. 44, 11. 12. 

5) ^uaIc öy.S lässt Al-Sanfarä (Lämijja v. 32) auch die ihrer Kinder 
Beraubten ihre Trauerklage rufen. 



46 Goldziher, Der Dhmn des Garioäl h. Aus Al-Hutefa. 

sich in seinen Dichtungen findet, dass vielmehr vieles entlehnt 
und wiederholt ist: 

Diese Erscheinung wird desto häufiger und augenfälliger, je 
weiter wir in der Entwickelungsgeschichte der arabischen Dicht- 
kunst vorwärts kommen. Gerir klagt wohl nicht ohne Grund, dass 
man ihm jeden berühmten Vers stiehlt (Al-Zamachsari As II 282 
oben: TA J^*^ wird dieser Vers von Al-Farazdak citirt). Selbst 
berühmten Dichtern wird zuweilen die xi.** zur Last gelegt. Von 
Al-Kumejt kann Chalaf al-ahmar das Urtheil aussprechen: er sei 

o^it ^.Aii^ yiAL' oiliCxil j^jA^ (Kut. fol. 121b). Es ist mir 
nicht bekannt, ob bereits beobachtet worden ist, dass die höchst eigen- 
thümliche Situation, welche Imru'-ul-Kejs in seiner Mu'allaka V. 17 
(ed. Arn.) schildert, von Al-Farazdak für sich selbst in Anspruch 
genommen wird (ed. Boucher p. 6, 1 -Ji l^^} i $''^-^^-' ^^3 ^^^' 

Al-Gähiz constatirt die Häufigkeit der Plagiate und der um- 
ändernden Verwendung von Ausdrücken und Gedanken der Vorgänger 
auf dem ganzen Gebiete der alten und neueren P9esie.'^) Der poe- 
tische Kädl Abü-1-Hasan 'Ali b. 'Abd al-'Azfz al-Gurgäni rühmt in 
einem Lobgedichte an den vielgepriesenen fürstlichen Schöngeist 
Al-Sähib ibn 'Abbäd dessen Originalität als Dichter, indem er 
zugleich das Talent der Zeitgenossen für die Dichtkunst damit 
kennzeichnet, dass sie, sobald sie sich der poetischen Produetion 
zuwenden, des Plagiats und der Wiederholung nicht entrathen: 

(bei al-Ta'älibi, Ch. R. 90). Zu solcher Beschuldigung haben selbst 
die bestberühmten Schöngeister jener Zeiten Anlass gegeben, und 
dieser wird von ihren Rivalen gerne ausgebeutet. Der Makämendichter 
Al-Hamadäni ist in der Lage, in seinen Rasä'il solche Anklage gegen 
seinen litterarischen Nebenbuhler Al-Chärizmi erheben zu können. 3) 



1) Hier empfiehlt sich die Emeudation in I.Ubo nach .j^l oben 42. 

2) Bei Al-Husri, Zahr al-ädäb III, 3G: ^x^\ j Li-Iäi Jä=>L5\Ji ^3'^'i 

vgl. über den Ausspruch des Gähiz in Betreff" der poetischen Plagiate Schreiner: 
Le Kitäb al-monhädara de Moise b. Ezra (Revue des etudes juives XXII — 
1891 — p 247, Anm 1). 

3) Zu Rasä'il 1C9 ult. notirt Thorbecke (in seinem in der Bibl. der DMG. auf- 
bewahrten collationirten Handexemplar) aus der Pariser Hdschr. Suppl. ar. 1591 
einen in der Ausgabe fehlenden Excurs, welcher mit den Worten beginnt: 



(j'^S _j.P^ Ö^"^"* *.iJÜ5 i^jL/5 v£>.Aji ^„ÄJ .U^il Jl^ C^*jj ^^3 



Goldziher, Der Diirün des Garical b. Aus Al-Hufefa. 47 

Litterarhistoriker und Kritiker ^) haben diese Erscheinung als 
so normal behandelt, dass sie geradezu Theorien über die ver- 
schiedenen Stufen des Plagiates entwickeln^) und Beispiele von Ent- 
lehnungen aufzählen, die sich von Glied zu Glied durch viele 
Generationen forterben.^) Sie zeigen sich sehr nachsichtig gegen 
ge\visse Arten des Plagiates (z. B. ä Lei s. oben) , selbst wenn es 

ganz individuelle, einem bestimmten Dichter eigenthümliche Gedanken 
betrißFt. Man scheint selbst der Voraussetzung Raum gegeben zu 
haben, dass ein wörtliches Zusammentreffen des Gedankens und 
Ausdruckes bei zwei Schriftstellern ein Spiel des Zufalles sein könne. 
Die Kritiker nennen eine solche Erscheinung: ^JLc .sUs^Jl c; »i» 
jw:5^'l; in Ibn al-Atxr al-Gazaii's Al-matal al-sä'ir p. 18 findet man 
Ausführliches darüber. 

So sehr auch Hut. Andere schmäht, die sich der Ausdrücke 
seiner Gedichte bedienen (Schob 76), so hätte er von sich nicht 
verkünden können, was Hassan und Tarafa zu ihrem dichterischen 
Ruhme behaupten. In seinen Dichtungen finden wir in sehr be- 
ti-ächtlicher Anzahl ganze Hemistiche, charakteristische Ausdrücke 
und Wendungen u. a. m., die, so wie sie nun einmal in der 
Ueberliefeining seines Diwans vorliegen, Nachahmungen älterer 
Dichter zu sein scheinen. Statt ausführliche Beispiele für diese Er- 
scheinrmg hier vorzufühi-en , können wir dafür auf unsere Noten 
zum Diwan verweisen, wo wir den Entlehnungen und Reminiscenzen 
besondere Aufmerksamkeit gewidmet haben. Nicht vergebens hat 
sich unser Dichter mit den Werken des Zuhejr und seiner Familie 
gerne beschäftigt. Deutliche Anklänge an Zuhejr sind bei Hut- 
ziemlich häufig (s. Noten zu 1, 2 ; 2, 2; 7, 20; 8, 6; 10, 19). Ka'b 
b. Zuhejr (vgl. zu 16, 4; 77, 7), den der eitle Hut. gebeten hatte. 



;i:Jl D^^y lA -Xc» Ujs» JL*w« ;;nJL« , Der Passus fehlt auch in der am 
Eande von Ibn Hagga al-Hamawi's Chizänat al-adab gelieferten Ausgabe der 
Easail (p. 250 unten). Die Bejriiter Ausgabe v. J. 1890 (mit Commentar) 
ist mir nicht zugänglich. 

1) Eine besondere Spielart der dichterischen Plagiate habe ich in den 
betrefifenden Darstellungen nicht erwähnt gefunden: dieselbe wird von Ibu Rasik 

(st. 370) in seiner 'Umda mit dem Terminus (»IlXXPS bezeichnet. Chiz 11,378. 

2) Vgl. De Sacy's Hariri^ 263. Die brauchbarste Darstellung der oJs.^v 
iü ji-ii findet mau bei Ibn al-Atir, Al-matal al-sä'ir 466 ff. 

3) Im Ke^kül 212 — 213 wird eine solche Plagiatenkette dargestellt, 
■welche vom Uskuf Nagrän ausgehend bis zu Mutanabbi herabreicht. 



48 Goldzlher, Der Diirim des Garical h. Auh Al-Huteja. 

ihn in einem Gedichte rühmend zu erwähnen , sagt es geradezu 
(Ag. XV 147, 21), dass ^niemand unter den Menschen seinen Ge- 
dichten mehr entlehnt habe, als Hutej'a". 

j^;s\ÄXj L/i J.J:./) L^/5 lM^^' tA=>i. (_wLÄJ! j^^ i^f^^-* -^ ti5^>^;^ ^) 

Allerdings weist gerade der Diwan nicht viel Spuren davon auf. 
Auch an Imru-ul-Kejs (10, 3; 13, 4; 19, 4), Al-Näbiga (2, 7; 7, 13; 
11, 14; 77, 23), 'Äntara (7, 33), Tarafa (7, 19) werden wir in den 
unter dem Namen des Hut. überlieferten Gedichten öfter erinnert, 
und diese Liste liesse sich noch beträchtlich vermehren, wenn wir 
leichtere Anklänge an die Ausdrucksweise der Vorgänger unter 
demselben Gesichtspunkte betrachten wollten. Auch der im Diwän 

nicht enthaltene Vers .:-Jl v^I^S (s, oben p. 40) ist einem Vers des 

Kejs b. Zuhejr b. Gadima nachgeahmt (Ag. XV 95, 4 v. u.). Vgl. 
noch Note zu 78, 5. Wörtliche Wiederholungen derselben Aus- 
drücke sind bei Hut. so häufig wie bei anderen alten Dichtern 
(s. Noten zu 5, 34! 36; 9, 19; 12, 15; 16, 20; 20, 3. 15; 23, 14). 
VIII. Die berühmtesten Philologen des II. u. III. Jahrhunderts 
bemühten sich- um die Sammlung der Gedichte des H. Als älteste 
Ueberlieferer seines Diwans kennen wir Hammäd al-räwija (st. 156), 
Al-Mufaddal al-Dabbi (st. 171) und Chälid b. Kultüm.^) Von Al- 
Asma'i wird ausdrücklich berichtet , dass er die Gedichte des H. 
eifrig abgeschrieben habe.^) Das meiste Verdienst um die üeber- 
lieferung des Diwans haben sich Abu 'Amr al-Sejbäni (st. 205 — 13)*) 
und Ibn al-A'räbl (st. 231) erworben. Auf die Recension dieser 



1) Ueber die verschiedenen Laa in diesem Gedichte vgl. Guidi, Sopra il 
libro del Freytag Caabi b. Sohair Carmen etc. (Annuario della Soc. ital. per 
gli Studi Orientali, Bd. II), Sonderabdruck p. 7. Im Diwän des Ka'b 3, 53 

heisst es J».^=\ÄJ1 L« J.i^ . Guidi giebt dem Verse eine andere Beziehung: 
„certo niuu uomo troverai, il quäle possa vantarsi di poesie quanto ce ne 

vantiamo noi" (La. J^.:5^ÄJ). 

2) Sein Sterbejahr lässt sich nicht genau ermitteln; er war Zeit-, wahr- 
scheinlich auch Altersgenosse des c. 207 — 11 gestorbenen Abu 'Ubejda; eine 
polemische Unterredung der beiden Philologen ist A;J:. VI, 33 aufbewahrt. Be- 
denklich ist die Nachricht X, 157, 11, welche ihn mit Tirimmäh und Kumejt 
zusammen bringt. Von Ch. werden erklärende Glossen zum Diwän Hut. citirt; 
Auszüge aus denselben sind bei Hibatalläh (s. unten) erhalten; p. 1-18 (20, 18 

^_^-.JCi^); 119 (8,37 Q_^); 122 (8,25 ^Cß\); 129 (1,21 v_^Ij). 

3) Ag. II, 50, 14. Al-Asma'i sagt: r-yf:*^^ '!^^^ J, KA^Li^dj c>^>.Xi 
5^\-^A2.i ; er überlieferte den Text zuweilen anders als Hammäd (z. B. 20, 3), 
eine willkürliche durch seine pietistischen Neigungen (vgl. Muh. St. II, 402, 

Anm. 5) eingegebene Veränderung hat er an 7, 13 vorgenommen: -J . statt J>». 

4) Ueber dessen Todestag vgl. Ag. III, 182, 7. 



Goldziher, Der Dm-än des Garu-al h. Aus Al-Ifutej'a. 49 

beiden Philologen ist die unserer Ausgabe zu Grunde liegende 
Version zurückgeführt, als deren letzter Gewährsmann Abu Sa'id 
al-Hasan b. al-Husejn al-Sukkari (st. 275) genannt wird, der seinen 
Text von Abu Ga'far Muhammed b. Habib (st. 245) übernahm.*) 
Dieser ist, wie unsere Textgrundlage und die derselben beigegebenen 
Glossen zeigen , in der Ueberlieferung der Gedichte eklektisch vor- 
gegangen, indem er alles von den verschiedenen Philologen als 
dichterisches Werk des H. Tradirte in seinen Text aufnahm , ohne 
jedoch zu unterlassen , bei einzelnen Gedichten und Versen anzu- 
geben, ob die betreffenden Stücke nicht in der Ueberlieferung des 
einen oder des andern der obengenannten Philologen vermisst werden. 
Wie diese Bemerkungen zeigen , wurde der Diwan nicht gleich- 
massig tradirt ; namentlich sind zwischen den Recensionen des Abu 
'Amr und des Ibn al-A'räbi sowohl hinsichtlich des Textbestandes 
selbst, als auch hinsichtlich der Lesarten in den von beiden über- 
lieferten Stücken Verschiedenheiten zu beobachten. Schon der 
früheste der oben erwähnten üeberlieferer interpolirte aus Eigenem 
grosse Stücke in den Bestand der Gedichte des H. Wir erfahren 
dies ausdrücklich in Bezug auf Ged. 11. Hammäd trug dasselbe 
vor Biläl b. Abi Burda in Basra als Lobgedicht des H. an Abu 
Müsä al-As'ari (den Grossvater des Biläl) vor. Darauf bemerkte 
Biläl : „Hat denn H. je den Abu Müsä besungen ? Ich kenne alle 
Gedichte des IL und dies kommt unter denselben nicht vor. Aber 
thut nichts, verbreite es nur unter den Leuten, damit es gangbar 
werde". ^) Jedenfalls eine für die Geschichte dessen, was uns als 
altarabische Poesie überliefert ist , hochbedeutsame Ä.eusserung. 

(Ag. II 51 unten) Auch die Gedichte 50. 51 werden als speciell von 
Hammäd überlieferte bezeichnet. Wie kühn dieser die überkommenen 
Gedichte des H. aus seinem Eigenen vermehrte und erweiterte, kann 
man auch aus den Noten zu 7 Einl., 8, 27 ff., 77, 20 ersehen. — 
In Al-Mufaddal's Hutej'a-Recension waren die Ged. 47. 48. 49 nicht 
aufgenommen. Abu 'Amr hat, wie es scheint, unter allen Ueber- 
lieferern den quantitativ vollständigsten Hutej'a-Text geliefert und 




1) Und zwar, wie aus Comm. zu 90, 2 ersichtlich, bis zu dieser Stella 
durch imlä', von hier bis zum Ende des Diwans (94) hat er aus der Vorlage 
des Lehrers copirt. Ueber Muhammed b. Habib s. Flügel, Grammatische 
Schulen 67. 

2) Anders klingt die Bemerkung des Biläl im Ag. V, 172: „Ich weiss, 
dass du selbst dies Gedicht verfasst und dem Hut. zugeschrieben hast. Denn 
wäre es möglich, dass dieser Dichter zum Ruhme des Abu Müsä (meines Gross- 
vatersj irgend etwas gedichtet hätte, was mir unbekannt geblieben wäre? Aber 
lasse es nur unter den Leuten gangbar werden, verbreite es, damit es bekannt 
werde." Und er gab dem Hammäd auch noch ein Ehrengeschenk dafür. 

Bd. XLVL 4 



50 Goldziher, Der Diwan des Ganml b. Aus Al-Hutefa. 

alles zu seiner Zeit im Namen H.'s Tradirte gesammelt. Dies 
wird ersichtlich, wenn mau alle jene Bestandtheile des Diwans 
ausscheidet, welche sein jüngerer Zeitgenosse Ihn al-A'räbi nicht 
aufnahm, oder vielleicht gar nicht einmal kannte. In der Recension 
des Ibn al-A'räbi fehlen nämlich folgende Stellen des vorliegenden 
Diwans: 15, 1. 2. 5; 16, 20; 22, 17; 40; 56; 59; 61; 68; 71—73; 
78; 85; 89—92; also im Ganzen 134 von 888 Verszeilen. 

Endlich ist als üeberlieferer der Gedichte des H. noch Abu 
Hätim al-Sigistäni (st. 248 — 55), einer der bedeutendsten Schüler 
Äl-Asma'i's, zu nennen. Die von ihm verbreitete Recension zeichnet 
sich dadurch aus, dass Al-Sigistäni, sich hierin namentlich von Abu 
'Amr vortheilhaft unterscheidend, auf die Interpolationen des Hammäd 
ganz unzweideutig hinweist. Al-Sukkari war Schüler des Sigistäni ; 
aber der H.-Text, den jener verbreitete, ist von dem des Sigistäni 
sehr verschieden, sowohl was die Reihenfolge der Gedichte, als auch 
die Verse innerhalb der überlieferten Gedichtstücke , sowie die Les- 
arten in denselben betrifft. Es ist in den bekannten Handschriften- 
sammlungen eine Sigistäni'sche Recension des Diwan Hut. nicht nach- 
weisbar; hingegen ist eine Auswahl von 23 Gedichten nach dieser 
Recension in der Sammlung 4wJ,*ii .Lx^! oLU^/j von Abü'-l-Sa'ädät 
Hibatalläh b. 'Ali b. Muhammed b. Hamza al-'Alawi al-Hasani gen. 
Ibn al-Sagari (geb. 450 , gest. in Bagdad- 542) , ') einer poetischen 
Chrestomathie, welche unsern Apparat zu den altarabischen Gedichten 
in sehr willkommener Weise ergänzt, erhalten. Nach einem in der 
viceköniglichen Bibliothek in Kairo vorhandenen Autograph des 
Verfassers (Adab no. 585, Katalog der arab. Hdschr. IV 320) ist 
dies Buch in Kairo in der Lithographie Muhammed Abu Zejd auf 
Kosten des Hamid Efendi 'Ali 1306 (OB. 1889 no. 2206, Catalogue 
periodique, Brill, no. 739) herausgegeben worden. Diese in unseren 
Noten zum Diwan mit M. bezeichnete Auswahl liefert uns die 
Anhaltspunkte zur vergleichenden Würdigung der Sigistäni'schen 
Recension der Gedichte des H. Da die Muchtärät kaum den vierten 
Theil der Nummern des Diwans enthalten (der Vei'szahl nach etwas 
mehr als ein Drittel, 339 von 888 Vei'sen), so lässt sich wohl aus 
dem Umstände allein, dass die meisten (13) von Ibn al-A'räbi nicht 
überlieferten Stücke in dieser Auswahl fehlen, kein Schluss darauf 
ziehen, dass sich die Recension des Sigistäni an die des Ibn al- 
A'räbi anschlösse, um so weniger, als die bei letzterem fehlenden 
Verse 15, 1. 2. 5; 16, 20 und das von ihm ganz ausgeschlossene 
Ged. 78 in M. theil weise enthalten sind. Wo Abu 'Amr und Ibn 



1) Die JL*! dieses Gelehrten werden in der Chiz. häutig angeführt und 

benutzt. Er war ..-AXAiLiiJt i--A.AfiJ (Aufseher der 'Aliden) in Karch. Ibn al- 
Anbäi'i, der seine Biographie in Nuzhat al-alibbä' (Kairo 1294) 485 ff. mitthoilt, 
war sein Schüler. 



Goldziher, Der Diwan des Cfarwal b. Aus Al-Hutej'a. 51 

al-A'räbl in den Lesarten von einander abweichen, schliesst sich M 
zuweilen an erstem (8, 5 ; 12, 15 : 19, 1) zuweilen an letztern (52, 2 ; 
77, 7. 13) an; oft stimmt M. mit den in den Glossen anonym er- 
wähnten variae lectiones überein (8, 42; 9, 14. 19; 19, 4; 33, 1); 
sehr häufig bietet er von beiden Vorgängern gänzlich verschiedene 
und auch in den überlieferten Varianten nicht vorfindliche Les- 
arten, worüber weitere Einzelheiten aus unseren Noten fortlaufend 
ersichtlich sind. Die Recension des Sigistänl ist demnach als selbst- 
ständige Gestaltung des Hutej'a-Textes zu betrachten. 

Jedenfalls kann von derselben gesagt werden, dass sie sich die 
sorgfältige Ausmerzung aller fremden Elemente aus dem H. Diwan 
zum Ziele gesetzt hat. Sie weist nicht nur auf die Fälschungen 
des Hammäd in unzweideutigen Ausdrücken hin,^) sondern scheidet 
auch dasjenige, was aus den Dichtungen Anderer sich in den Diwan 
hineingeschlichen hatte, gerne aus. Auch an den Namen des Hut. 
hatten sich nämlich manche herrenlose oder bei verschiedenen üeber- 
lieferern unter anderen Namen gehende Gedichte, jedenfalls Verse 
von zweifelhafter Herkunft,^) angeknüpft. Ged. 46 wird zweien 
anderen Dichtern, einem 'Udriten und einem Takifiten, zugeschrieben ; 
für 71 und 75 wird von manchen Philologen Umejja b. Abi-1-Salt 
als Verfasser genannt; 86, 3. 6 werden in der Hamäsa 678 von 
Zijäd al-A'gam, 69, 8 von Al-Azhari im Namen des Achtal über- 
liefert. Was von diesen zweifelhaften Gedichten in den Text des 
Sig. Aufnahme fand, können wir, da uns nur eine Auswahl des- 
selben zu Gebote steht, nicht bestimmen; unter den in M. stehen- 
den Gedichten findet sich nur 75 (M. p. 151). Hingegen bietet 
sich uns ein anderes Zeichen dafür, dass Sig. die fremden Gedichte 
ausschied, in einer Notiz bei Ibn Hagai-, Isäba I 1076. Doi-t werden 
im Namen des Abu Hätim die Verse 8, 46. 47 von Rabi' b. Dabu' 
al-Pazäri citirt ; die Quelle ist ohne Zweifel das Kitäb al-mu'ammarin 
des Abu Hätim. ^) Der genannte Dichter wird zu den „Langlebigen" 

gezählt; derselbe soll zu 'Abdalmalik gesagt haben: XjLx c^*.-«;^ 

Diese Verse waren also in die Sigistäni'sche Rec. des H. keines- 
falls aufgenommen. 

Der Sigist. Rec. ist , wie es den Anschein hat . vor der 
Sukkari'schen nicht der Vorzug gegeben worden. Von Philologen, 
welche sie ihren Hutej'a- Studien zu Grunde legten, kann ich nur 

1) Im Gedicht 7 macht Sig. iu Bezug auf vier Verse, die er gesondert mit- 
theilt, folgende Bemerkung: &.j^!Jl OU.^» '^UiiS ^» ^\JJm.:>^^\ ^Li 

.^ ^y^^\ ^jxJi LplxXT oLol iütJ^I (v 25) o-J^il lÄ^ lAxJ äjLjj 

2) Vgl. Noten zu 7, U. 38. 

3) Muh. Stud. II, 171. 

4* 



52 Goldziher, Der Diwan des Garwal b. Aus Al-Hutefa. 

den modernen Verfasser der ^^j.j.iJi\ ^Äi/s ^JLc X.>.^w5=- (Kairo 1302 
in 2 Bdn.), Muliammed b. Ahmed b. 'Abd al-Kädir al-Amir (st. 1232) 
nennen. Die aus Ged. 8 bei Al-Amir II 186 angeführten 10 Verse 
sind nach der Reihenfolge der Sig. Rec, welche namentlich in den 
ersten Versen von CK wesentlich abweicht, citirt. Als Anfang 
der Kaside gilt dort V. 38 (u. s. w. nach der unten folgenden 
Weise).' Im Ged. 20, 8 hat auch Al-Amir mit M. .^^j^ (II 148). 
Fraglich ist es, ob die den M. beigegebenen Glossen, in welchen 
auch viele variae lectiones mitgetheilt werden , dem Sig. selbst 
angehören, oder ob sie von Hibatalläh compilirt worden sind. 
Viele Anzeichen sprechen dafür, dass denselben für jeden Fall die 
Glossen des Sig. zu seiner Redaction des Diwan zu Grande gelegt 
sind. Keine der eitirten philologischen Autoi'itäten ist jünger als 
Sig. Es werden nämlich folgende Vorgänger angeführt: Hammäd, 
Chälid b. Kultiim (s. oben), Al-Asma'i, Abu 'Amr (141-), Ihn al- 
A'räbi (134*). An einer Stelle (117^0 zu 20, 7) wird Sig. redend 

eingeführt: >_^.:f.xÄj ^^/S^\ v.i>^x.«.^ vA*.i:\x ^j ^^ f*'-''-^ ^^^ ^^^ 
-Jl c>.;v^■I' ^^>^-^ '^^j-=T' o""- ^^^' ^^^^ ^^^ ^' ^^ bethätigt der 
Compilator der Glossen in der Festsetzung der Textlesart sein 
eigenes Urtheil gegenüber dem von Sig. überlieferten Texte (,^» , 

Unserer Ausgabe ist die Recension des Sukkari, welche sämmt- 
liche von Abu 'Amr und Ibn al-A'räbi überlieferten Al-Hutej'a-Stücke 
umfasst, nach zwei, leider jungen, Abschriften zu Grunde gelegt. 
Die eine (C) gehört dem Amin'schen Fonds der Leidener Universitäts- 
bibliothek an (cod. 2027) und ist in der 2. Auflage des Catalogus 
Cod. Arab. Bibl. Lugd. Batav. I 361 näher beschrieben. Die andere 
(K) aus der Sammlung des mit 'Uräbi nach Colombo verbannten 
Mahmud Pascha Sämi al-Bärüdi ist jetzt im Besitze der vicekönigl. 
Bibliothek in Kairo (Adab no. 554), in deren gedrucktem Katalog 
dieselbe IV 169 kurz beschrieben ist. Diese Handschrift ist eine 
moderne Copie vom Jahre 1289 H.; ihre Urschrift gehörte ohne Zweifel 
der Familie des C an, mit dem sie in allen Hauptsachen identisch 
ist. Meinem lieben Freunde, Grafen Landberg, habe ich für die 
Zuvorkommenheit zu danken, mit der er für mich eine collationirte 

Copie dieser Handschrift durch einen kundigen j;Lvw.j in Kairo an- 
fertigen liess, um mich mit derselben zu Neujahr 1891 zu beschenken. 
Auch der höchst dürftige Commentar — aus dem ich eine Auswahl 
aufgenommen habe — ist in beiden Handschriften identisch. Einigen 
Werth düi-fen die im Commentar angegebenen variae lectiones be- 
anspruchen , welche sich hin und wieder in den aus Hut. ander- 
weitig angemerkten Citaten wiedei finden. Der Commentar ist in 
den Handschriften anonym mitgetheilt : so viel ist gewiss , dass 
nicht Al-Sukkari selbst der Verfasser desselben ist; die Glossen 



Goldziher, Der Dhcän des Ganral h. A)is Al-Hutefo. 



53 



dieses Philologen sind, me dies iu einer Marginalbemerkung in C 
fol. 40 b zu 32, 6 ausdrücklich angegeben ist, im Commentar durch 
vorgesetztes ^ besonders ersichtlich gemacht. ^^_c 3,l_a^ ^'l^^\ 



,....<*..:5\j( u. s. w. 



.^J! (so) 
heissen). 



i\ (soll wohl richtig 



L5-- 



In K findet sich dieser Hinweis nicht. 



Auch die Reihenfolge der Gedichte ist in beiden Handschriften 
dieselbe und ich habe sie beibehalten, trotzdem sich gar kein ver- 
nünftiger Gesichtspunkt zeigt, durch welchen diese Anordnung gerecht- 
fertigt wäre. Das leitende Princip scheint gewesen zu sein, die Ge- 
dichte von unbezweifelter Echtheit den bedenklicheren vorauszuseuden 
(Ged. 11 wird als zweifellos echt betrachtet) und innerhalb dieser 
Reihenfolge die grösseren Kasiden den kürzeren Stücken vorangehen 
zu lassen.') Freilich ist dies Princip hin und wieder aus Rück- 
sicht auf inhaltliche Verwandtschaft (wie bei Ged. 4) durchbrochen 
worden. Die Reihenfolge der Sigistäni'schen Recension scheint von 
der Ibn Habib-Sukkari'schen wesentlich verschieden zu sein. Darauf 
lässt wenigstens die Aufeinanderfolge der bei M. ausgewählten 
Stücke schliessen. Es wird erwünscht sein, wenn Avir in der An- 
merkung 2) die Concordanz der beiden Recensionen nach Massgabe des 
in M. erhaltenen Materiales folgen lassen, wobei zugleich die Reihen- 
folge der Verse in M. im Verhältnisse zu CK, sowie die bei Sigistäni 
nicht überlieferten Verse der einzelnen Kasiden ersichtlich werden. 



scheint , die um die Zibrikän- 
als die wichtigsten betrachtet; 

17. 18. 11. 12. 15. 19. 

13. 14 ( -)- ein fremder 
A'ers). 

= CK 16, 1—6. 8—24. 

= „ 77, 2. 1. 3—13. 13a— 10. 

22. 23. 
= „ 12, 1—6. 8. 7. 10. 11. 12. 

14. 15. 

= „ 19, 1—12. 14—29. 

= ., 78, 4 — 12. 14. 

= „ 23, 1—3 (+ ein V.). 4— 
11. 14. 13. 12. 15 
{-\- ein Vers). 

= „ B3, 1—18. 20. 

= „ 15. 1—7. 

= „ 65. 

= „ 58, 5—8. 4. 11. 

= ., 69, 1—8. 

= „ 75, 1—4. 

= „ 52, 1—4. 

= „ 88, 1-4. 

= „ 17. 1—3. 5 — 7. 

= „ 57, 1—3 (+ ein V.). 4. 

(Fortsetzung folgt.) 



1) Der Sammler des Diwans hat, 


wie es 


Bagid'sche 


Episode sich gruppireuden Gedichte 


mit diesen 


beginnt er seine Sammlung. 




2)Ml = 


CK 20. 1. 4. 5. G. 8. 9. 3. 11. 
12. 7. 16. 13. 14. 
18 17. 




,2 = 


„ 47, 1—4. 


M 8 = 


,3 = 


„ 8, 33. 34. 36-45. 48. 
1-5. 9. 6. 7. 10—16. 


„ 9 = 




20. 17—19. 19a. 21. 


„10 = 




22. 25. 24. 26. Statt 






27 — 32 stehen in M 


„ 11 = 




ganz andere Verse, in 


„ 12 = 




denen bei CK nur 28. 


„ 13 = 




31 vorkommen. 




,.4 = 


,. 6, 1—17. 




„ 5 = 


„ 7, 1. 2. 3. 7. 9. 5. 6. 12. 


„14 = 




13 ( + ein fremder V.). 


„ 15 = 




10. 14. 15. 19. 21. 30. 


„16 = 




24. 23. 25 [26.27. 33. 


,. 17 = 




32 Interpol.]. 34. 22. 


.,18 = 




35. 36. 40.38. 39.43. 


„ 19 = 


„6 = 


„ 1, 1. 2a, 3b. 5. 9. 10. 


„20 = 




12. 11. 15 16. 18.19. 


„ 21 = 




20. 22. 21. 23—28. 


„ 22 = 


„ ' = 


„ 9, 1. 3. 4. 5. 7 — 10. 20. 


„ 23 = 



54 Bühler, Ai-oka- Inschriften. 



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58 Bühler, Asoka-lnschriften. 

Anmerkungen. 

1) Möglicherweise ist ehd-siijd die richtige Lesart. 

2) Vielleicht ist dva-ite zu lesen. 

3) Es ist möglich lajüka-kate zu lesen. Aber der scheinbare 
e-Strich ist kürzer wie die gewöhnlichen und wird nur durch einen 
Riss im Steine entstanden sein. 

4) Lies jänapadam. 

Ueber Setzung. 

Der göttergeliebte König Piyadasi spricht also: „Als ich sechs 
und zwanzig Jahre gesalbt war, habe ich dieses Religionsedict 
schreiben lassen. Meine Lajükas ') sind über das Volk gesetzt, 
über viele hundert tausend Seelen. Ich habe sie unabhängig ge- 
macht sowohl in Steuerangelegenheiten als auch im Strafen ^) — 
Wesshalb? „Damit sie ihre Geschäfte ruhig und ohne Furcht ver- 
richten, den Bewohnern der Provinzen Heil und Glück bringen 
und (ihnen) Gnade erweisen." Sie werden wissen was beglückt 
und was Leid vex-ursacht, und sie werden die Bewohner der Pro- 
vinzen in Uebereinstimmung mit dem Gesetze ^) vermahnen — Wie 
so? „Dass sie sich Heil in dieser und in jener Welt gewinnen 
sollen." Die Lajükas aber sind eifrig mir zu dienen *). Auch meine 
(andern) Diener, die meinen Willen kennen, werden (mir) dienen 
und sie werden gleichfalls einige vermahnen, damit die Lajükas 
meine Gunst zu gewinnen trachten ^). 

Denn, wie (ein Mann) sich beruhigt fühlt, wenn er sein 
Kind einer verständigen Wärterin übergeben hat — indem er sich 
sagt: „Die verständige Wärterin trachtet mein Kind gut aufzu- 
ziehen" — gerade so habe ich es zum Heile und Wolile der Be- 
wohner der Provinzen mit meinen Lajükas gemacht, in der Absicht, 
dass sie, ruhig und furchtlos, ihre Geschäfte ohne Entmuthigung 
versehen sollen. Aus diesem Grunde habe ich die Lajükas unab- 
hängig gemacht sowohl in Steuerangelegenheiten als im Strafen. 
Denn Folgendes ist wünschenswerth — Was ? Dass Unparteilichkeit 
in den Amtsgeschäften *>) herrsche und im Strafen. 

Und mein Befehl geht so weit ") : „Gefangenen , denen ihre 
Strafe zuerkannt ist und die zum Tode verurtheilt sind, habe ich 



Bühler, A^oka-Inscliriften. 59 

einen Aufschub von drei Tagen gewährt". Ihre Verwandten werden 
einige (von ihnen) bewegen in sich zu gehen, (und), um das 
Leben dieser (Verurtheilten zu retten) oder um den, welcher 
bald hingerichtet werden soll , zu bewegen , dass er in sich gehe, 
werden sie fromme Gaben geben oder sich Fasten auferlegen *). 
Denn es ist mein Wunsch , dass die (Verurtheilten) so selbst 
während ihrer Gefangenschaft^) das Heil in jener Welt gewinnen 
mögen. Und vei'schiedene fi'omme Bräuche , Selbstbezähmung und 
Freigebigkeit werden sich im Volke mehren. 

Anmerkungen. 

1) In Note 1 zum dritten Felsenedicte habe ich auf Jacobi's 
Entdeckung aufmerksam gemacht, der lajuha-, lajüha oder räjüka 
(Girnär) in dem Prakrit -Worte rajjü „Schreiber" wieder erkannt 
hat. Ich habe die Vermuthung hinzugefügt, dass Lajuka ein alter 
Namen der Schreiberkaste war, die später Divira (Dablr) und Käyastha 
heisst, und dass die Verwaltungsbeamten vorzüglich aus dieser ge- 
nommen wurden, wodurch es sich erklären würde, wesshalb Asoka 
die Gouverneure seiner Provinzen hier kurzweg „die Schreiber" nennt. 
Obschon ich keinen Grund sehe, von dieser Ansicht abzugehen, 
lasse ich das Wort jetzt doch lieber im Texte unübersetzt, weil 
die Uebersetzung dm-ch „Schreiber" zu einem Missverständnisse 
Anlass geben könnte. Betreffs meiner Erklärung von dyatä, welches 
ich für gleichbedeutend mit pratishtJutdh halte, siehe Note 2 zu 
dem Sep. Ed. I. 

2) Ich kann mich nur Kern's Erklärung dieses Satzes an- 
schliessen , welcher annimmt , Piyadasi sage , dass er seine Lajükas 
in ihrer Sphäre unabhängig gemacht und Appellationen gegen ihre 
Entscheidungen aufgehoben habe. Die Richtigkeit dieser Auffassung 
geht aus den weiteren Ausführungen des Königs hervoi', der nach- 
her hinzufügt, er habe es mit den Lajükas ebenso gemacht, wie 
ein Mann, der sein Kind einer verständigen Wärterin anvertraut. 
Gegen Senarts Ansicht, der zufolge Piyadasi sagt, er habe sich 
selbst Processe gegen die Lajükas und ihre Bestrafung vorbehalten, 
spricht der Umstand, dass in den indischen Staaten, wie in allen 
despotisch regierten Ländern des Orients, hohe Beamte, „die über 



ßQ Bühler, Asoha-Inschriften. 

viele hunderttausend Seelen herrschen", nur dem Könige verant- 
wortlich sind. Ein Edict, welches die Bestrafung solcher Männer 
dem Könige vorbehielte, wäre ganz überflüssig gewesen. 

Was die Constructiou betriift, so erkläre ich den Satz folgender- 
massen: TesJiäm yd bhihdro vä dando vä \tatra\ mayd [teshäni] 
svatantratä hritä, und fasse atapatiye d. h. *ätmaiKityam als ein 
Substantiv, das nach der Analogie von ddhipatyam und so weiter 
gebildet ist. Das Wort ahhihdle beziehe ich nicht auf gerichtliche 
Entscheidxmgen oder Klagen, sondern auf die Besteuerung. Äblühri 
bedeutet „für sich nehmen" und abhihära „das Wegnehmen". Ersteres 
kann aber für „Steuern erheben" und letzteres für „Steuererhebung" 
gebraucht werden , vergleiche karam liaratt „er erhebt Steuern", 
nihära {im nirhärä) „Abgabe", udgrahwiam „Steuererhebung" u. s. w. 

3) Dhammayiitena nehme ich mit Kern im Sinne von dliarma- 
yuktyd. 

4) Senarts conjecturelle Aenderung chaghamti ist nicht mög- 
lich, da die früher angenommene Variante chaghamti nicht existirt 
und alle die vier vollständigen Versionen laghamti bieten. Laghainti 
dürfte dem Sanskrit ramghante „sie eilen" entsprechen und durch 
„sie sind eifrig" wiederzugeben sein. 

Ich stimme mit Senart vollständig darin überein, dass patichal 
im Sinne von Sanskrit parichar gefasst werden muss, weil im Pali 
und allen Prakrits p>ati und seine Vertreter oft für pari stehen. 
Den Beweis für die Richtigkeit seiner Behauptung in diesem spe- 
ciellen Falle liefert die Thatsache , dass in der Jaina-MahA,räshtri 
padiyar im Sinne von „dienen" vorkommt, siehe Jacobi, Ausgewählte 
Erzählungen in Mahärä.shtri, Glossar sub voce padiyariya. 

5) Da es keine anderen Fälle giebt, in denen die Endungen 
der Neutra an Feminina auf ä gehängt werden, so kann ich 
chlmmdamndni nicht mit Senart für ein Dvandva-Compositum aus 
chhamda und dnind ansehen. Ich erkläre es mit Burnouf als ein 
Tatpurusha, clihandam jdnantiti chhandqjndh und verbinde es 
mit dem Subjecte pulisdni „die Diener". Als Object muss natür- 
lich aus dem vorhergehenden Satze mam ergänzt werden. Die 
Diener, welche hier gemeint sind, werden die Pativedaka oder 
delafores sein, die Asoka Felsenedict VI zufolge in Uebereinstim- 



Bühler, Asoka- Inschriften. gj 

mung mit den Grundsätzen der brahmanischeu Eäjaniti zur Ueber- 
wachung seiner Beamten , der Pafichs und anderer Corporationen 
in ausgedehnter Weise benutzte. Wenn es heisst, dass diese Diener 
käni „einige" (wie mit Senart abzutheilen ist) vermahnen werden, 
damit die Lajükas die Gunst des Königs zu gewinnen sich be- 
streben , so sind mit den „Einigen" zunächst die Lajükas selber 
gemeint, dann aber auch wohl Unterthanen im Allgemeinen, indem 
Asoka beabsichtigt, dass die Pativedakas den Lajükas bei der Ver- 
breitung des Dharma beistehen und sie dui'ch ihre Hilfe anfeuern sollen. 
Mit mam-älddhayitave vergleiche Idjäladhi, Sep. Ed. L 15 (Dh.). 
Zu Kern's vortrefflicher Erklärung von chaghamtl durch Hindi 
chdh-nä füge ich hinzu, dass sich das Verb chäh in allen tertiären 
Prakrits findet und demnach sicher zu dem alten arischen Sprach- 
gute gehört. 

6) Obschon viyohdla dem Sanskrit cgavalidra entspricht und 
dies sehr oft „Processe, Rechtsstreitigkeiten" bedeutet, so steht doch 
nichts im Wege, dem Worte hier die nicht minder gewöhnliche 
Bedeutung „Geschäfte , Amtsgeschäfte" beizulegen , wie die Ueber- 
setzung abJiihdla durch „Steuerangelegenheiten" räthlich macht. 

7) Ava iie (Dh., A.) oder dvd ite (M. R.) erkläre ich mit 
Kern und Senart durch ydvad itah, und ich sehe dvuti mit Senart 
als Vertreter von Sanskrit dyukti an. Mit Bezug auf tilita oder 
tilita ist zu bemerken, dass tirita im Sanskrit in demselben Sinne 
gebraucht wird, siehe z. B. Manu IX. 233. 

8) Betreffs des Sinnes dieser Stelle kann ich mit meinen Vor- 
gängern nicht übereinstimmen , und ich kann Senart nur in dem 
einen Punkte beipflichten, dass nijhapayisainti und nijhapayitd 
vom Prakrit-Causative von nidliydi (nicht von nikshapayati) abzu- 
leiten sind. Diese Erklärung wird durch den Gebrauch des Wortes 
nijhati, Säulenedict VIT. 2. 8 , im Sinne von nididhydsand voll- 
ständig gerechtfertigt. 

Dagegen kann ich Lassen's Vermuthung über ndtdcdvalidni, 
welche Burnouf, Kern und Senart billigen, nicht annehmen. Die 
Silben sind nicht als ein Compositum aus na -|- atika -j- ava- 
hdni anzusehen , sondern in ndtikd va kdni, d. h. jndtaya era 
kdmschit zu zerlegen. Damit bekommt man drei oft erscheinende 



62 Bühler, A^oka-Inschriften. 

Wörter, die einen guten Sinn geben. Ich kann ferner den 
früheren Erklärungen der Form nijhapayitd nicht beistimmen, 
da dieselben die gut beglaubigte Variante der östlichen Versionen 
nijhapayitave unberücksichtigt lassen. Nijhapayitave ist ohne 
Zweifel einer der Infinitive auf tare , die in Asoka's Inschriften so 
viel vorkommen. Man muss diese vollständig deutliche Form ge- 
brauchen, um das schwierigere nijhapmjitä zu erklären. Dieses 
letztere kann auch unter der Voraussetzung, dass tu für tdya steht, 
als Infinitiv gefasst werden. Und die Zusammenziehung von aya 
zu d kommt im Pali wirklich vor, z. B. in esand für esandya 
(E. Müller, Simplified Pali Grammar, p. 67), gerade wie dieselbe 
für die vedischen Dialecte und die Sprache der späteren Inschriften 
nachweisbar ist. Endlich kann ich der Erklärung von ndsamtam 
durch ndsdntam nicht beistimmen, da ndmntah nicht „der Zeit- 
punkt der Hinrichtung" bedeuten kann, sondern nur ndsasya antak 
„das Ende der Hinrichtung" oder tidso 'nto yasya tad „das was 
mit der Hinrichtung endet". Keine dieser Bedeutungen passt. Ich 
fasse ndsamtam desshalb als Vertreter von ndsyamdnam „den 
welcher bald hingerichtet werden wird". Das Wort ist somit das 
Part. Praes. Pass. mit der Bedeutung der unmittelbaren Zukunft. 
Diese Erklärung ist formell nicht zu beanstanden, da das Passiv in 
allen Prakrits die Endungen des Activs nehmen kann oder muss. 
Nimmt man diese neuen Transliterationen an, so kann man den 
Satz folgendermassen im Sanskrit übersetzen : jhdtaya eva kdmschit 
\^prdptavadhdn\ nididhydsayishyanti \tatha\ teshäm jivandya 
ndsyamdnam vd nididhydsayüum ydratrikam ddnam ddsyanty 
upavdsam vd harishyanti \\ Der allgemeine Sinn ist: „Während 
des Aufschubes von drei Tagen werden die Verwandten den ver- 
urtheilten Verbrecher ermahnen in sich zu gehen und seine Ge- 
danken auf sein Seelenheil zu richten; sie werden auch fromme 
Gaben geben (nicht etwa Bestechungen versuchen) oder fasten , in- 
dem sie hofien, dass das Leben des Vei-urtheilten durch eine göttliche 
Fügung zur Belohnung ihres Dharmamaiigala gerettet werden möge, 
oder dass der Verurtheilte , wenn er wirklich bald hingerichtet 
werden muss , noch sich erweichen lasse und sich das himmlische 
Heil durch aufrichtige Reue erwerbe." Dieser Sinn ist ein ganz 



Bühler, ASoka- Inschriften. ß3 

natürlicher, und diese Auffassung hat den Yortheil, dass nun der 
zwiefache Wunsch des Königs im nächsten Satze seine volle Er- 
klärung findet. Es wii'd nun deutlich, wesshalb Asoka sagt, dass 
die Verurtheilten sich den Himmel gewinnen sollen und dass 
verschiedene fromme Bräuche, Selbstbezähmung und Freigebigkeit 
im Volke sich mehren werden. Gegen die frühere Auffassung, 
welche die frommen Gaben und das Fasten den Verurtheilten selbst 
zuschreibt, ist noch zu erinnern, dass ein zum Tode verurtheilter 
indischer Verbrecher nichts zu geben hat. Seine Habe ward con- 
fiscirt , gerade wie das fmher nach dem englischen Gesetze dem 
felo passirte. Das geschriebene indische Recht erwähnt zwar nicht 
immer, dass Confiscation des Vermögens {sarvasvaharana) mit der 
Todesstrafe verbunden ist. Dass die Sache aber dem Gewohnheits- 
rechte nach so stand , darüber lassen die indischen Erzählungen 
keinen Zweifel. 

9) Nüudhasi pi käiasi , im Sanskrit niruddhe'pi käle , das 
sich in allen Versionen findet, kann nicht geändert werden. Es ist 
aber gleichbedeutend mit nirodhakäle'pi. Gleiche ungenaue Con- 
structionen finden sich im Pali, siehe z. B. Jätaka I. p. 300, 
wo sich wiederholt mäliyächäram oder andchdram chinnadivase für 
andchdracharanadivase findet. Aehnliche idiomatische Wendungen 
finden sich auch im Sanskrit, siehe Speijer, Sanskrit Syntax § 375. 



64 



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6g Bühler, Aeolca- Inschriften. 

Anmerkungen. 

1) Der scheinbare «'-Strich über der letzten Silbe von haphata 
ist nach Fleet, Indian Antiquary, vol. XIII, p. 310 Note, der 
Visarga des Wortes mahddevah in der Zwischenlinie. 

2) Die Lesung avadliäy. ist möglich, aber nicht nothwendig, 
da der Vocal verstümmelt ist. 

3) Möglicher Weise anathdye zu lesen. 

4) Lies cliätummäsisu. 

5) Möglicher Weise jwanikdijäni zu lesen. Aber der schein- 
bare zweite Strich über na ist wahrscheinlich nur ein zufälliger Riss. 

6) Dies sieht wie liamtaviydni aus ; aber das lange i wird wohl 
einem Risse seine Entstehung verdanken. 

7) Die Quantität des dritten Vocales von athami ist nicht sicher. 

8) Möglicher Weise jüüke zu lesen. 

9) Die Striche, welche dadi das Aussehen dubhi geben , sind 
nach Fleet loc. cit. durch Risse entstanden. 

10) Lies patihhogam. 

11) Der (f-Strich von yathd ist nicht sicher. 

lieber Setzung. 

Der göttergeliebte König Piyadasi spricht also : Als ich sechs 
und zwanzig Jahre gesalbt war, verbot ich das Tödten der folgen- 
den Geschöpfe ^), nämlich von Papageien, Staaren -), alunas, Anas 
casarca, Schwänen ^), nandimuhhas *), (jelätas, jatukas ^), ambdka- 
püikds ''), Landschildkröten '), knochenlosen Fischen *), vedaveyakas, 
cjamcjäpuputakas, Samkuja-Fischen, Schildkröten, Stachelschweinen ^°), 
pamnasasas ^^), srimaras ^^^), freigelassenen Bullen, okapindas ^^), 
Rhinocerossen 1*) , Turteltauben^^), Dorftauben ^'5) und allen Vier- 
füsslern , die nicht nutzbar sind ^ ') noch gegessen werden. Weib- 
liche Ziegen, Mutterschafe und Säue, {d. h.) diejenigen, welche 
trächtig oder milchend sind, dürfen nicht geschlachtet werden, noch 
ihre Jungen , {d. h.) einige derselben, die noch nicht sechs Monate 
alt sind ' ^). Das Verschneiden der Hähne ist verboten ; Spreu, die 
lebende Wesen enthält, darf nicht verbrannt werden ^ 9); Wälder 
dürfen nicht ohne Zweck verbrannt werden noch um (lebende 
Wesen) zu schädigen ^•^) ; lebende Thiere dürfen nicht mit lebenden 
Thieren gefüttert werden 2^). Zur Zeit der drei Tertial -Vollmonde 
und des Taisha -Vollmondes dürfen Fische während dreier Tage, 
nämlich am vierzehnten und fünfzehnten (der lichten Monats- 
hälfte und) am ersten (der folgenden dunklen Monats- 
hälfte) weder getödtet noch verkauft werden noch überhaupt an 
den Fastentagen 2^). An denselben Tagen dürfen auch keine der 
anderen Thierarten, die sich in den Elephanten-Gehegen und in den 
Reservationen der Fischer finden, getödtet werden-^). Am achten 
eines (jeden) Halbmonats ^*), am vierzehnten, fünfzehnten, an den 
Tishya- und Punarvasu-Tagen '^^) , an den drei Tei'tial -Vollmonds- 



Bilhler, xX^olca-Inschriften. (59 

tagen und an hohen Festen '-") dürfen Bullen nicht verschnitten 
werden ^^), noch Ziegenböcke, Schafböcke oder Eber; noch darf 
irgend ein anderes Thier verschnitten werden, welches gewöhnlich 
verschnitten wird. An den Tishya- und Punarvasu-Tagen, und den 
Tertial -Vollmondstagen und während der mit den Tertial -Vollmonden 
verbundenen Monatshälften ^*) dürfen Pferde und Ochsen nicht ge- 
zeichnet werden-^). Bis zum sechsundzwanzigsten (Jahrestage) 
meiner Krönung habe ich fünf und zwanzig Freilassungen von 
Gefangenen befohlen ^O). 

Anmerkungen. 

1) Es ist sehr wohl möglich mit Senart das Neutrum juta im 
Sinne von J«^/ aufzufassen und mit „(der Thiere) folgender Arten" 
zu übersetzen, da der Gebrauch des Neutrums des Part, auf ta für 
das Substantivum auf ti in allen indisch-arischen Sprachen gewöhn- 
lich ist. Da juta n. aber auch „Geschöpf bedeutet, so scheint 
es einfacher, diese Erklärung zu wählen. Die östlichen Versionen 
lesen : „gerade der folgenden Geschöpfe". 

2) Die englische Uebersetzung von Senart's Arbeit über diese Edicte, 
Ind. Ant. vol. XVIII, p. 80, gibt, wie auch Prinsep, für sdriica richtig 
den anglo- indischen Ausdruck „Maina", der dem Hindi entlehnt ist. 
Särikä , das in den europäischen Sanskrit - Wörterbüchern ent- 
weder gar nicht oder nicht richtig übersetzt wird, ist, wie Molesworth 
(Maräthi Dict. sub voce) angibt, der Name des indischen Staares, 
und zwar des gemeinen gelbfüssigen Acridotheres tristis Linn. 
(Murray, Avifauna of British India, No. 912), der häufig gezähmt 
und zum Sprechen abgerichtet wird. 

3) Mit dem Ausdruck hamsa sind wahrscheinlich ausser 
Schwänen auch wilde Gänse und grosse Entenarten gemeint, siehe 
Molesworth, Maräthi Dictionary unter dem Worte. Die Vögel, 
welche mir in dem Shikärkhdnä des Palastes von Kolhäpur als 
Hamsas gezeigt wurden, sahen wie türkische Enten aus. 

4) Nach B. W. wird der Nandimuhha im Bhävaprakäsa unter 
den Wasservögeln aufgezählt. 

5) Jatuka bedeutet ohne Zweifel Fledermaus. Aber ich ver- 
stehe nicht, wie die Fledei'maus in den Catalog der verbotenen 
Thiere kommt, da sie weder gegessen noch sonst benutzt werden 
kann. Möglicher Weise ist an den fliegenden Fuchs zu denken, 
der gewöhnlich mit den Sondernameu mänthäla oder mdndkdla 
und vägguda oder 7)ägvada bezeichnet wird. Dieser wird noch 
jetzt von den indischen Ureinwohnern, z. B. den Kätkaris, gegessen, 
und in den Gesetzbüchern wird sein Fleisch speciell verboten, siehe 
Gautama XVII. 34 u. s. w. 

6) Senart verbindet den ersten Theil des Wortes arnbdkipüikd 
oder ambdkapilikd mit amhu „Wasser" und die englische Ueber- 
setzung seiner Artikel (Indian Ant. loc. cit.) gibt „water-ants" (?). 



70 Bühlev, Moka- Inschriften. 

Soviel mir bekannt ist, kennt die Naturgeschichte keine solchen 
Thiere. Die Erklärung , Mutter- Ameise " oder „ Ameisenkönigin", 
(d. h. ambä -\- pipilikä) Aväre wenigstens möglich. Denn die 
Königinnen der weissen Ameisen werden gegessen, weil man sie 
für ein Aphi'odisiacum hält. Im Jahre 1866 musste ich auf 
Befehl des Cantonment Magistrate von Puna die Termitenhaufen 
in meinem Garten zerstören lassen. Bei dieser Gelegenheit kam 
eine Königin zum Vorschein. Meine Diener entwendeten sie, gerade 
als ich Anstalt machte das merkwürdige Thier, das aus einem 
mehr als zoUlangen Eiei'saeke und einem winzigen Ameisenkopfe 
bestand, in Spiritus aufzubevvahi*en. Trotz dieser möglichen Er- 
klärung kann man zweifeln, ob ^'kapilikä, das sich in vier Versionen 
findet, wirklich der Vertreter von pipilikd ist. 

7) Da dndt den Wörterbüchern zufolge eine kleine Schildkröte 
sein soll, so wird die Landschildkröte gemeint sein, die sich häufig 
in den indischen Gärten findet. Schildkröten gehören zu den ess- 
baren fünfzehigen Thieren, siehe Note 10. 

8) Seuart's Vermuthung, dass mit den „knochenlosen Fischen" 
Garneelen gemeint sind, ist sehr wahrscheinlich. Dieselben werden 
auch jetzt von gewissen Classen in Indien gegessen. 

9) Senarts Vermuthung, dass der Samkuja mit dem Sankuchi 
^Flunder" identisch ist, halte ich für wahrscheinlich. 

10) Sayaka und seyaka (R. M.) entspricht natürlich dem 
Sanskrit salyaka. Dieses Thier gehört zu den Fünfzehern, die von 
Ariern gegessen werden dürfen, siehe z. B. Apastamba Dh. Sü. I. 
17. 37, Baudhäyana Dh. Sä. I. 12. 5, Gautama Dh. Sä. XVII. 27, 
Vasishtha Dh. Sä. XIV. 39. Sein Namen wird hier mit kaphata, 
worunter nach Senart's vortrefflicher Erklärung kamatha ') „die 
Wasserschildkröte" zu verstehen ist , ohne Zweifel desshalb eng 
verbunden, weil derselbe auch in den Gesetzbüchern stets unmittel- 
bar neben kaclichhapa steht. 

11) Nach der Analogie von parnami uja „ein Thier das im 
Laube lebt" kann pantnasase d. h. parnasasah „ein Hase oder 
hasenartiges Thier das im Laube lebt" bedeuten und vielleicht auf 
das grosse rothe Eichhorn mit weisser Brust zu beziehen sein, das 
sich in den Wäldern der westlichen Ghäts findet. Es ist ebenso 
gi'oss wie ein Hase und der abgehäutete Körper von dem eines 
Hasen kaum zu unterscheiden. Ich habe es bei Yellapur in Kanara 
geschossen. Sein Fleisch schmeckte gerade wie Hasenfleisch. 

12) tiimale entspricht dem Sanskrit srimara genau. Vägbhata, 
Ashtängahridaya , Sü. I. 49 nennt den srimara unter den zehn 
mahamriga oder Arten des grossen Wildes neben dem Chamara 
oder Yak-Ochsen und dem Rhinoceros. Auch in der Aufzählung 
der wilden Thiere in der Jätakamälä XXVI. 7 (B. W. sub voce 



1) Wegen der L.autveränderuns vergleiche yetaphn für yetamhd , tuphe 
für tumhe. 



Bühler, Awha-Inschriften. 71 

srimara) wird es neben dem Yak genannt. Vielleicht ist es der 
grosse Än-rt*m^-Hirsch. 

13) Senart hat zur Erklärung von okapimda sehr passend die 
Stelle des Mahävagga IV. 17. 7 herbeigezogen, wo es heisst, dass 
die uhhapiiida die Nahrungsmittel der Mönche stehlen. An der 
Identität der beiden Wörter kann man nicht zweifeln und ukka 
wird nur eine prakritische Entstellung von oka sein, vergleiche 
ikka für eka und anderes der Art. Nach der Note zu der Ueber- 
setzung, Sacred Books of the East, vol. XVII, p. 70, erklärt Bud- 
dhaghosha ukkapinda durch hildlamasikacjodhamungusd „Katzen, 
Mäuse (oder Ratten), Iguanen und Munguse (Ichneumon)". Er fasst 
es also in seiner etymologischen Bedeutung ukke d, h. oke pindo 
yeshdin te ,Thiere die ihr Futter im Hause finden — oder sich 
zusammenstehlen". Diese allgemeine Bedeutung passt hier nicht gut. 
weil Katzen, Mäuse und Munguse nicht gegessen werden, und weil 
man erwartet, dass ein bestimmtes Thier genannt wird. Vielleicht 
darf mau annehmen, dass Asoka das einzige essbare unter den von 
Buddhaghosa aufgezählten, das Iguana, meint. Dieses kommt in 
dem Verzeichnisse der erlaubten Fünfzeher vor, siehe die Stelleu 
der Gesetzbücher in Note 10. 

14) Senart's Aenderung palapate für palctsate ist nicht mög- 
lich, weil alle Versionen einstimmig das sa haben und weil die 
Turteltaube durch das nächstfolgende Wort bezeichnet wird. 
Trenckner's Erklärung des entsprechenden Pali parasato (Pali 
Miscellany I. 50) durch „Rhinoceros" passt vortrefflich. Denn das 
Rhinoceros ist einer der essbaren Fünfzeher, siehe die Stellen aus 
den Gesetzbüchern in Note 10. Sodann zeigen die Vorschriften 
über die Todtenopfer. dass das Fleisch dieses Thieres sehr geschätzt 
wurde. Nach Manu III. 272 und den Parallelstellen in der Synopsis 
zu meiner üebersetzung , sättigt das Fleisch des Rhinoceros die 
Manen ,auf eine endlos lange Zeit". 

15) Setakapote, svetakcqyotah , bezeichnet wahrscheinlich die 
weissgraue Art von Turteltauben, die man in Indien häufig findet 
und die gewöhnlich, wie andere Turteltauben, hollo oder Imlld 
genannt wird. Wirklich weisse Tauben kommen nur gezähmt vor 
und werden nur von den Muhammedanern gehalten. 

16) Gdmakapote ist natürlich die schiefergraue Felsentaube, 
die sich in den meisten Dörfern und Städten findet und besonders 
in verfallenen Gebäuden und Brunnen nistet. 

17) PatibJiogam no eti „die nicht nutzbar sind", d. h. deren 
FeU, Haare u. s. w. nicht gebraucht werden. Das folgende na cha 
khddiyati schliesst die Annahme aus, dass sich patibhoga auf das 
Essen bezieht. 

18) Ajakändni ist nicht zu emendiren, sondern in ajakd und 
näni aufzulösen. Ndni ist der Plural des Neutrums vom Demon- 
strativ-Pronomen na und mit der Verachtung gegen die gramma- 
tisch erforderliche Congruenz des Geschlechts, die sich in Asoka's 



72 Bühler, Aioha- Inschriften. 

Inschriften öfter findet, auf die Feminina ajahä, edakä und sühalt 
bezogen. In seiner richtigen Form würde der Satz im Sanskrit 
lauten: ajä edihdsclia sfikaryascha td garhhinyo dhayantyo vä 
avadhyäh. 

Senart's Emendation inyammid für pdyamind ist nicht halt- 
bar. Denn erstlich bieten drei Versionen dieselbe Form. Zweitens 
würde inyamdnä gegen den Gebrauch des Pali sein. Pdyati. nicht 
piyati bedeutet im Pali „säugen", siehe Childers sub voce pibati. 
Es wäre auch ganz unzulässig 'pdyamänd zu schreiben, da in den 
Asoka-Inschriften das Suffix mina wiederholt für mdna auftritt *). 
Mina wird durch den Einfluss des Ictus-Accents aus mina ent- 
standen sein , welches im Rüpnäth Edict 3 in pa[kd]maminena 
und im Bairät Edict Z. 5 [palahalmaminena vorkommt, gerade 
wie das regelrechte mdna aus demselben Grunde für mana ein- 
getreten ist, von welcher letzterer Form sich noch im Felsen- 
Edict XIII. 1. 36 (Kälsi) ein Beispiel findet. Das Zend viana oder 
mna^ das griechische meno und lateinische mini und mina spricht 
für die Alterthümlichkeit der Formen mit kurzem Vocale. 

Die Schlussworte des Satzes sind folgendermassen in's Sanskrit 
zu übersetzen und zu erklären : \tusdm'\ potakdsclia hechit \ha- 
thambhütdJi] dshanmdsikdh [avadhyd iti seshali] \\ Die Verbindung 
des Plurals kdni mit dem Singular i)otake ist dadurch zu erklären, 
dass letzteres als Collectiv gefasst ist. Senart's Ableitung des Wortes 
dsammdsike von dshanmdsam „bis zu sechs Monaten", wird durch 
dkdlika neben dkdlam gerechtfertigt. Das letzte Verbot stimmt 
mit den Lehren der Brahmanen, welche alle verbieten Thiere zu 
opfern, die die Milchzähne noch nicht verloren haben. Einige Gesetz- 
bücher, wie Gautama Dh. Sä. XVII. 31, verbieten es auch, das 
Fleisch solcher jungen Thiere zu essen. 

19) Dies Verbot bezieht sich wahrscheinlich auf den Gebrauch, 
der hie und da noch zu finden ist, die letzte Spreu auf der Dorftenne 
zu verbrennen, um die Schädlinge, wie Mäuse, Kornwürmer u. s. w. 
zu vernichten. 

20) Vihisdye „um (lebende Wesen) zu schädigen" bezieht 
sich wahrscheinlich , wie Senart meint , auf die Jagden , bei denen 
man den Wald niederbrannte, um das Wild herauszutreiben. 

21) Ich folge hier wiederum Senart's Erklärung, die mir die 
natürlichste scheint. Das Verbot bezieht sich auf Fälle, in denen 
heiUge Krokodile und Schlangen oder zahme Tiger und andere 
Raubthiere mit lebendigem Geflügel, Ziegen oder Schafen gefüttert 
wurden. 

22) Chdtummdsi, im Sanskrit clidfunnds? , ist der Vollmond 
eines Tertiais oder einer aus vier Monaten bestehenden Jahreszeit, 
welcher nach einer Rechnung als das Ende nach einer andern als 



1) Falakamaminena Sah. Ed. 4; sampatyyajamine, Sep. Ed. I. IG (Dh.) 
v/'patipädayammehi Sep. Ed. I. 15 (Dh). 



Buhler, A^oJm- Inschriften. 73 

dem Anfange dieser Periode augehörig betrachtet wurde. Die Bil- 
duüg des Wortes ehäturmdsi lehrt Värttika 7 zu Panini V. 1. 94: 
savijnäyäm an „In der Bedeutung eines Terminus technicus tritt 
an rhaturmäsa i) „eine Periode von vier Monaten" das Suffix a, 
■welches in der ersten Stelle Vriddhi erfordert". Pataiijali fügt hinzu: 
clioturshu mdseshu hliavä clidturmdsi i^atirnamdsi „Der Vollmond, 
welcher nach Verlauf von vier Monaten eintritt, heisst clidturmdsi" . 
Die Käsikä (zu dem angegebenen Sütra) wiederholt Patanjalis Worte 
und erklärt, dass die Vollmondstage der Monate Ashädha, Kärttika 
und Phälguna gemeint sind -). Noch deutlicher drückt sich die 
Sumangala Viläsini über die Bedeutung des Terminus, in der Er- 
klärung der Worte Komudiyd chdtumdsiniyd „zur Zeit des Voll- 
mondes des Kärttika, der chätumäsin ist", Digha Nikäya IL 1, aus. 
Es heisst dort : chdtiimdsmiyd ti chdtumdsiyd. Sa lü cliatunnam 
mäsänani 'pariyosdnabliuta chdtumdsi idha pana clidtumdsinUi 
vuchchatl, „Ghdtumdsmiyd bedeutet dasselbe wie cliätamdsiyd. 
Denn dieser (Vollmond des Kärttika) ist das Ende von vier 
Monaten und heisst desshalb chdtumdsi, hier aber clidtumäsini^' ^). 
Hieraus folgt, dass der Sumaügala Viläsini zufolge clidtumdsi- 
chdtumdsmi „an das Ende eines Tertiais fallend" bedeutet. Diese 
Erklärung setzt eine Eintheilung des Jahres in drei Perioden von vier 
Monaten voraus, bei der jeder Monat nach der alten, im nördlichen 
Indien üblichen, purnimdnta Rechnung mit dem Vollmonde endigt. 
Die Eintheilung des Jahres in drei Tertiale oder Jahreszeiten 
von je vier Monaten , welche chaturvidsam oder clidtuvmdsyaui *) 
hiessen . war in der vorhistorischen Zeit und wähi-end der ersten 
fünf oder sechs hundert Jahre der historischen Periode in Indien 
die allerpopulärste ^) und sie ist noch heutigen Tages die einzige, 
welche vom Volke gebraucht wird. Sowohl die Brähmanas und 
die Sütras als auch die kanonischen Schriften der Buddhisten er- 
wähnen diese Eintheilung öfter, welche verschiedenen rehgiösen 
Institutionen zu Grunde liegt. Im brahmanischen Cultus hat die- 
selbe die Einsetzung der Chäturmäsya-Opfer veranlasst, die nach 



1) Dies muss aus Värttika 6 chaturmäsdn nyo yajne tatra bhave er- 
gänzt werden, siehe Maliäbhäshya, vol. II, p. 361 (ed. Kielhorn). 

2) Vergleiche auch Haradatta zu Apastamba Dharma Sütra I, 10. 1. 

3) Im Sanskrit kommt cliähirmäsin vor, hat aber eine andere Bedeutung, 
siehe Värttika 5 zu Pänini V, 1. 94 (Mahäbhäshya loc. cit.). 

4) Siehe B. W. sub voce. Das Wort chäturmäsyam ist nach der Ana- 
logie von trailokyam, traimäsyam, chäturvarnyam, chiduräSramyam u. s. w. 
gebildet, siehe Värttika 1 zu Pänini V. 1, 124 und die Käsikä zu dem Sutra. 
Ich hebe dies hervor, da Senart, Indian Antiquary %^ol. XVIII, p. 76, bezweifelt, 
dass anuchäturamäsam im zweiten Separatedicte „im (Anfange eines) jeden 
Tertiais'' bedeuten kann. Seiner Ansicht nach wäre diese Uebersetzung nur 
für anuchatummäsam möglich. 

5) Andere Eintheilungen des Jahres sind ohne Zweifel ebenso alt, siehe 
Weber, die vedischen Nachrichten von den Nakshatra II, p. 327 ff. Aber keine 
derselben, selbst nicht die in sechs Jahreszeiten, ist so in das Volk gedrungen. Nach 
Hillebrandt, Die Sonneuwendfeste, p. 26 werden die Tertiale auch im Rigveda erwähnt. 



74 Bühler, Asoku-Inschriften. 

Manu IV. 26 „am Ende", nach der Mehrzahl der Autoritäten aber 
„am Anfange einer jeden Jahreszeit" dargebracht werden ^). Die 
Buddhisten veranlasste dieselbe, den vasso auf vier Monate aus- 
zudehnen, siehe Mahävagga III. 2. 2 und III. 14. 11. Die Jaina- 
Mönche, sowie auch die orthodoxen Asketen hielten dieselbe Ruhe- 
zeit ein. Fei'uer wurde diese Eiutheilung in den officielleu Docu- 
menten berücksichtigt und beeinflusste deren Datirung. Asoka's 
zweites Separatedict schreibt die Verlesung „am Tishya-Tage anu- 
clidtummasain'* vor. Die grosse Mehrzahl der alten datirten In- 
schriften aus Mathurä und der Umgebung, die des Satrapen Sodäsa 
(Epigraphia Indica vol. II Nr. II) die der indoskythischen Könige 
Kanishka, Huvishka und Väsudeva (Epigraphia Indica vol. I 
Nr. VII— VIII, vol. II Nr. II, Cunnigham Arch. Surv. Rep. III 
Tafel XIII — XV.), zwei Gupta-Inschriften aus derselben Stadt (Epigr. 
Ind. loc. eit.), die Edicte der Andhra und Abhlra Könige (Burgess, 
Rep. Arch. Surv. W. I., vol. IV, p. 103 ff. und vol. V, p. 73 ff.), 
die alte Prakrit-Landschenkung des Pallava-Königs Sivaskandavarman 
(Ep. Ind. vol. I, p. 1 ft'.) und einige Sanskrit-Inschriften der alten 
Kadamba - Dynastie (Indian Autiquary, vol. VII, p. 37) erwähnen 
sämmtlich die Jahreszeiten, in welchen die Documente verfasst 
wurden. Die erwähnten Jahreszeiten sind stets drei, grishmdh- 
cjimlid „Sommer", varshäh-vasd-vdsu „die Regenzeit" und hemantdh- 
hemantd „Winter", deren Namen häufig als gri , cjri oder gi , va 
und he abgekürzt werden. In den Inschriften aus Mathurä und 
der Nachbarschaft stehen hinter den Namen der drei Jahreszeiten 
Zahlen von 1 — 4, welche die Monate bezeichnen. Mitunter finden 
sich auch directe voll ausgeschriebene Angaben über die Monate. 
So findet sich in meiner Serie II der Mathurä-Inschriften Nr. 4 und 
bei Cunningham Nr. 12 gri (d. h. grishmamdse) 4, in meinen 
Mathurä-Inschriften Serie I Nr. 8 und Serie II Nr. 20 va (d. h. 
varshamdse) 4, bei Cunningham Nr. 20, varshamdse 4, in meinen 
Mathurä-Inschr. Serie I Nr. 21 liemantamdse chaturtth.e 4, eben- 
daselbst Nr. 8 liemantamdse. 4 und bei Cunningham Nr. 20 he 4. 
In den südindischen Inschriften wird jede Jahreszeit in acht Paksha 
oder Halbmonate getheilt und die spätesten, welche sich wirklich 
finden, sind der fünfte (Näsik-Inschriften Nr, 16 und 17, Kanheri- 
Inschriften Nr. 4 und 16), der sechste (Landschenkung des Pallava 
Sivaskandavarman) und der achte (Schenkung des Kadamba Mrige- 



1) Manu sagt rilvante und die Commentare beziehen das folgende 
aclhvaraih auf die Chäturmäsya- Opfer. Ebenso gebraucht Manu IV, 119 
ritvantäsu rätrishu für chaturmäsishu. Unter den in der Synopsis zu meiner 
Uebersetzung angeführten Gesetzbüchern schreibt Baudhäyana die Darbringung 
des Chäturmäsya-Opfer ritumulche vor und gleiche Vorschriften aus den Bräh- 
manas bringt Weber in seiner Abhandlung über die Nakshatra II, 329 ff. bei. 
Der Verfasser des Mänava Dharmasästra gebrauchte ohne Zweifei die pürni- 
mänta Rechnung, wie die Buddhisten, während die anderen Autoren die amanta 
Rechnung benutzt haben 



Bühler, A-sola-Inschr/fte»- 



75 



savarman). Diese Methode der Datirung war vom ersten Jahr- 
hunderte vor Christus bis ins dritte Jahrhundert nach Christus in 
allgemeinem Gebrauche. Das späteste bis jetzt bekannte Beispiel der- 
selben findet sich im Norden in der Math.-Inschr. Serie II No. 39, die 
aus der Regierungszeit des Gupta-Königs Kumäragupta stammt und 
im Gupta- Jahre 113 oder 431/2 p. Chr. Ka\rtt.ikahema\ntamds\e\ 
divase 20 datirt ist. Im Süden kommt sie zuletzt in der erwähnten 
Kadamba-Inschrift vor, die derselben Zeit angehören wird. 

Endlich ist zu bemerken, dass die Eintheilung in drei Jahres- 
zeiten die einzige ist, welche das gemeine Volk der mir bekannten 
Districte Indiens gebraucht. Die Bauern in Gujarät, sowie alle 
nicht gelehrte Leute, sprechen nur von unlidlo {iislmahäla) „Sommer", 
oarsädnä dehddd oder chomdsuni {ehaturmdsam) , Regenzeit", 
Siyälo (ßUakdla) „Winter", die Maräthen von unhdld, pdvasdlä 
{jyrdvyish -f hdla) und lümvdlä (himahdla). Weiter im Norden 
imd im Osten habe ich die Ausdrücke dhüpkdl, baraMikdl und 
sitkdl gehört, welche im Ain-i-Akbari ') als die gebräuchlichsten 
genannt werden, oder Corruptionen davon. 

Für den Anfang dieser drei Jahreszeiten gibt es zwei ver- 
schiedene Ansätze. Die ^ ältesten brahmanischen Autoritäten , die 
Brähmanas und einige Srauta - Sütras beginnen den Sommer mit 
dem Monate Phälguna , andere Sütras mit dem ]\Iouate Chaitra '^). 
Somit ergeben sich die zwei folgenden Schemata: 



Grishmäh 



Phälguna 


( Chaitra 


Chaitra 


1 Vaisäkha 


Vaisäkha 
Jyaishtha 


Jyaishtha 
Ashädha 


Ashädha 


Srävana 


Srävana 


Bhädrapada 


Bhädrapada 

Äsvina 


Asviua 
Kärttika 


Kärttika 


Märgasirsha 


Märgasn-sha 
Pausha 


Pausha 
Mägha 


Mägha 


Phälguna 



Varshäh 



Hemantäh 



Die buddistischen Quellen zeigen dieselbe Verschiedenheit. Hiuen 
Tsiang, Siyuki, vol. II, p. 72 (Beal) behauptet, dass ,das Jahr nach 
der heiligen Lehre des Tathägata in drei Jahreszeiten getheilt wird", 
die heisse, nasse und die kalte, deren Schema mit dem zweiten 
oben gegebenen stimmt. Der Kanon der südlichen Buddhisten kennt 
beide Ordnungen. Denn er schreibt für den vasso eifle „frühere" 
Periode vor, die mit dem Tage nach dem Vollmonde des Ashädha 



1) Gladwin I, p. 260, siehe Cunninghara, Book of ludian Eras p. 3. Vergleiche 
auch noch Grierson, Bihar Peasant Life, § 108.S, und Hillebrandt, Die Sonneu- 
wendfeste, p. 26 f. 

2) Siehe Weber, Nakshatra II, p. .329 f. 



76 Bühler, Asolca- Inschriften. 

beginnt, und eine „spätere", die einen Monat nach dem Vollmonde 
des Äshädha, d. li. am Tage nach dem Vollmonde des Srävana, 
anfängt. Betreifs dieser „späteren" Periode heisst es ferner, dass 
sie mit Kotnudi chätutnäsini endigt, d. h. mit „dem Vollmonde 
des Kärttika, welcher den Schluss des Tertiais bildet"'). Beide 
Stellen setzen, gerade wie die oben citirte aus dem Digha Nikäya, 
den Gebrauch der alten 'pürnimänta Rechnung voraus. 

In den Inschriften der iudoskythischen Periode findet sich keine 
Andeutung darüber, wann die Jahreszeiten begannen. Wenn aber 
die Ergänzung der erwähnten Gupta-Inschrift (Math.-Inschr., Ser. II 
Nr. 39) richtig ist , so begann im fünften Jahrhundert p. Chr. der 
Winter mit Kärttika und war das Schema der Jahreszeiten das 
ältere unter Nr. I gegebene. 

Unter diesen Umständen ist es nicht möglich, die Vollmonde, 
welche Asoka mit dem Ausdrucke ttsii chdtummäsisu meint, mit 
Sicherheit zu bestimmen. Es können entweder die der Monate 
Phälguua, Äshädha und Kärttika oder die des Chaitra, Srävana 
und Märgasirsha sein. Es ist ferner nicht sicher, ob die Tertial- 
Vollraonde als die letzten Tage der betreffenden Perioden gezählt 
wurden , oder ob sie in den Anfang derselben fielen. Da indessen 
die kanonischen Schriften der Buddhisten und die Manusamhitä der 
Zeit des Asoka höchstwahrscheinlich näher stehen als die Brähmanas 
und die Sütras , so ist die erstere Annahme die wahrscheinlichere. 

Der vierte in unserer Stelle genannte Vollmond ist der des 
Taisha oder Pausha, December- Januar. Die Formen tisyam (R.) 
und tisiyam (M.) sind Locative von tist, welches letztere aus tishya 
ohne Vriddhi gebildet ist. Mit der Form tisäyam (D. S, D. M.), 
dem Locative von tisä d. h. tissä, Sanskrit tishya, ist der erste 
Theil der vedischen Composita, tishyä-pürnamäsa zu vergleichen, 
siehe Weber, op. cit. II. p. 326. 

Das Wort dliuväye, welches vor ai^uposatham steht, hat ohne 
Zweifel die Bedeutung des Sanskrit dkruväya „beständig" (siehe 
B. R. W. unter dhruva) d. h. in allen Monaten. Anuposatham 
ist durch anu -\- posatlia aufzulösen, und es ist zu beachten, dass 
Piyadasi für die Fasten- oder Parvan-Tage eine Form gebraucht, die 
zwischen dem Pali xiposatlia und dem Jaina-Prakrit posalia steht. 

Die Gesammtzahl der Tage, an welchen Asoka das Tödten 
und den Verkauf der Fische verbot, beläuft sich auf sechsundfünfzig 
im Jahre. Es sind : 

(1) sechs in jedem der drei Monate, mit welchen eine Jahres- 
zeit begann oder endigte, und im Monate Pausha, nämlich der 
Neumondstag, der Vollmondstag mit den unmittelbar vorhergehenden 
und folgenden beiden Tagen, und der achte einer jeden Hälfte, also 
vierundzwanzig ; 

1) Sacred Books of tlie East, vol. XIII, p. 299 f. und p. 324. In der 
Note zu der zweiten Stelle ist das Wort chäturmäsini unrichtig übersetzt, 
siebe oben die Stelle aus der Sumangala Vilasini. 



Buhle)-, Atsoka-Inschriften. 77 

(2) vier in den andern acht Monaten, nämlich die Neu- und 
Vollmondstage und der achte einer jeden Hälfte, also zweiund- 
dreissig. 

Die Gründe, welche Asoka bewogen sein Verbot für die Posatha- 
Tage und für die um das Ende und den Anfang einer jeden Jahres- 
zeit zu geben, sind leicht verständlich. Die Heiligkeit der vier 
Tage des Mondwechsels bei den Buddhisten und den Jainas ist 
bekannt. Bei den ersteren sind die Uposathas oder Fastentage die 
eigentlichen Sabbathe und werden noch jetzt als solche gehalten. 
Auch bei den Jainas schreibt die Posaha- oder Poshadha-Uegel, 
wie man jetzt sagt, allerlei Observanzen vor. Dasselbe war in alter 
Zeit bei den orthodoxen Hindus der Fall, von denen die heterodoxen 
Sectirer in diesem, wie in anderen Fällen, ihre Regeln im Wesent- 
lichen entlehnt haben. Die brahmanischen Sütras schreiben für die 
beiden Haupttage , den Neu- und Vollmond , die Darbringung von 
Opfern vor, die mit Fasten verbunden waren, und diese Tage könnten 
desshalb ebenso gut Upavasatha- als Parvan-Tage genannt werden. 
Es findet sich ferner in den Gesetzbüchern ^) eine Anzahl von Regeln, 
welche für die Parvan-Tage Enhaltsamkeit , Gebet und Götterver- 
ehrung '), sowie das Vermeiden aller Schädigung selbst der Pflanzen -) 
vorschreibt. Nach den Commentaren sollen sich die meisten dieser 
Regeln nur auf die Neu- und Vollmondstage beziehen. Aber die 
Texte selbst sagen sämmtlich, dass das Gebot der Keuschheit auch 
für den achten Tag einer jeden Monatshälfte gilt, und es ist nicht 
unwahrscheinlich, dass auch die übrigen Regeln in Wirklichkeit 
für die vier Parvan-Tage gemeint sind. Endlich sind alle vier 
Parvan-Tage Ruhetage in den brahmanischen Schulen. Alle Gesetz- 
bücher ^) schreiben vor, dass zu diesen Zeiten das Studium des 
Veda während eines Tages und einer Nacht unterbrochen * werden 
soll , und sie führen einen Vers an , der die üblen Folgen einer 
Uebertretung dieses Gebotes darlegt. Indem Asoka an diesen Tagen 
eine theilweise amuri anordnete, handelte er nicht blos in Ueber- 
einstimmung mit den Grundsätzen der heterodoxen Sectirer, sondern 
auch mit den Vorschriften der orthodoxen Lehi-er^). 

Es ist ebenso leicht verständhch, wesshalb Asoka das Verbot 
für die Tage um das Ende und den Anfang der Jahreszeiten erliess. 
An den Tertial -Vollmonden wurden gleichfalls hohe Feste gefeiert. 



1) Siehe Manu III, 45 und IV, 128, wie auch IV, 150 und 153 und die 
Parallelstellen in der Synopsis zu meiner Uebersetzung. 

2) Vishnu LXXI, 87 sagt: ,,Man soll nicht einmal einen Grasshalm ab- 
schneiden." 

:V) Siehe Manu IV, 113 — 114 und die Parallelstellen in der Synopsis. 

4) Theilweise und zeitweilig gültige Verbote zu tödten kommen noch in 
sehr späten Zeiten vor. So berichten die .Satrumjaya-Inschriften, Epigraphia 
Indica, vol. II, p. 37, dass der Kaiser Akbar auf Bitten des Jinahanisa Süri 
Wasserthiere ein Jahr lang zu schonen gebot, sowie dass er von Hiravijaya 
Süri bewogen wurde, das Tödten aller Thiere auf sechs Monate zu verbieten. 



78 BvhUr, A^oha-hischriften. 

Die orthodoxen Brahmanen, welche drei heilige Feuer unterhielten, 
brachten, wie schon erwähnt, ihre Chäturraäsya-Opfer dar, und die, 
welche nur ein heiliges Feuer hatten, vollzogen entsprechende Riten. 
In den brahmanischeu Schulen wurden sie als Ferialtage gefeiert '). 
Aus der Sumangala Viläsini p. 140 (zu den Worten uparipräsäda- 
varagafo) lässt sich entnehmen, dass wenigstens einer dieser Tage, 
der Vollmondstag des Käi-ttika, ein volksthümliches Fest war. Das 
Nakshatra, die Conjunction, wurde öffentlich ausgenifen, die Häuser 
der Stadt wurden geschmückt und die Bürger feierten das Nakshatra 
durch allerlei Vergnügungen {ncMxhatta - Icilam anubhavatnänena 
janena samähinnam Jioti). Nach dem Dipavansa, XV. 19, verehrten 
die Buddhisten an diesem Tage die Reliquien ihrer Heiligen. Aehn- 
liche volksthümliche Feste wird es auch zur Zeit der beiden andern 
Vollmonde gegeben haben und ich halte es für sehr wahrscheinlich, 
dass das sivitische Fest der Jetztzeit am Kärttika sudi 15, das 
Holi-Fest am Phälguua sudi 15, und der streng beobachtete Brauch, 
Brahmanen am Vollmonde des Kärttika und Ashädha zu beschenken, 
in die fi'ühesten Zeiten zurückgehen oder mit den alten volksthüm- 
lichen Tertialfesten in Verbindung stehen. 

Schwieriger ist es die Frage zu beantworten, wesshalb Asoka's 
Verbot sich auf die drei Tage um den Vollmond des Taisha oder 
Pausha bezieht. Ich möchte indess die Vermuthung wagen, dass 
•dies mit der Feier des Wintersolstizes zusammenhängt, dass viel- 
leicht conventionell am Vollmonde des Pausha gefeiert wurde. Jetzt 
wird es unter dem Namen Makarasamkränti nicht am Tage des 
wirklichen Eintritts der Sonne in das Zeichen des Steinbocks, sondern 
später im Januar gefeiert. 

23) Das Wort nägavana „Elephanten-Park" kommt sowohl im 
Pali als* im Sanskrit vor. So heisst es im Chülahatthipadopamasutta, 
Majjhima Nikäya ed. Trenckner, p. 178: 

Heyyathä pi hruhmana nägavaniko nägavanam paviseyya, 
so passeyya nägavane mahantam dighato cha äyatam tiriyam 
cha vitthatam u. s. w. 

Im Sanskrit findet es sich in Bäna's Harshacharita -). Es war 
ein VoiTecht der indischen Könige, Elephanten zähmen zu lassen und 
der Verkauf von Elephanten war ein königliches Monopol'^). Gewisse 
Wälder wurden ohne Zweifel zu Asoka's Zeiten , wie noch jetzt, 
für die Zucht der Elephanten reservirt und diese sind hier gemeint. 

Das zweite Wort kevatabhoga ist bis jetzt nicht in der Litte- 
ratur nachgewiesen. Sein Sinn ist aber nicht zweifelhaft, da es 
neben nägavana steht und da es seiner Etymologie nach ,das was 
die Fischer benutzen" bedeutet. Gewiss sind besondere Teiche, 
Seen und Theile der Flüsse gemeint, auf welche sich die Gerecht- 



1) Siehe Manu IV, 119 und die ParalleLtellen in der Synopsi.s. 

2) Vergleiche aucli die im B. W. unter nägrn'cina citirte .Stelle. 
:',) Siehe Medhätithi zu Manu YIII, 390. 



BiiJiler, A.<oka- Inschriften. 79 

same der Fischer der verschiedenen Städte und Dörfer erstreckten. 
Solche Reservationen waren ihr bhog, wie man noch jetzt sagen 
würde. 

24) Senart's Erklärung von afliamipahhäye durch iJahshasydsJt- 
tamydm „am achten Tage einer (jede n) Monatshälfte" ist ohne 
Zweifel richtig. Im Jaina Achäräüga-Sütra II. 15. 17 (p. 125 Jacobi) 
findet sich ein ganz analoges Compositum dasmnipakkhena „am 
zehnten Tage der Monatshälfte". Die Stellung der Theile des Com- 
positums ist in nachlässiger Weise umgekehrt, wie in den Prakrit- 
Dialecten oft geschieht; vergleiche z. B. das Desi-Wort ') valayabähu 
„Armband" für hdlmvalaya. Einige Bildungen der Art, wie vCira- 
bdna „ein Harnisch'' haben sich auch in das Sanskrit eingeschlichen, 
dessen Grammatik indess bekanntlich auch in gewissen Wörtern 
die Umstellung der Glieder einer Zusammensetzung erlaubt. 

25) Die Tage eines jeden Monats wurden in der alten Zeit 
sehr gewöhnlich nach dem Nakshatra benannt, mit dem der Mond 
in Conjunction stand, siehe Note 11 zu dem Sep. Ed. I. Da keine 
Beschränkung hinzugefügt ist, werden die Tishya- und Punarvasu- 
Tage eines jeden Monats zu verstehen sein. Beide gehören zu den 
jninya nalcshatra und Tishj^a wird mitunter als ein Beispie] eines 
solchen angeführt. Vielleicht ist es , weil es als das Heiligere 
betrachtet wurde, vor Punarvasu gestellt, das in der Liste der 
Nakshatra vor Tishya steht. Die Schutzgottheit des Letzteren ist 
Brihaspati, die des Ersteren Aditi ^). 

26) Die Ußbersetzung von sudivasa ist nur conjecturell, kann 
aber mit der etymologischen Bedeutung des Wortes sohliana divasa 
vertheidigt. werden. Diese passt wenigstens zur Bezeichnung von 
Festen sehr gut. Ich glaube, dass volksthümliche Feste ähnlich der 
Dasara und der Diväli der Jetztzeit gemeint sind. 

27) Senart's Erklärung von lülalxhiyati durch nirlahskyate 
mit der Bedeutung „wird castinrt" ist ohne Zweifel richtig. Den 
Beweis liefert das Desi -Wort 3) nelachchho oder nelachcliho „ein 
Eunuch". 

28) Nach den Analogien, die sich in den Srauta-Sütren finden, 
kann chdtmnmdsij)ahha „der Halbmonat, der mit dem Tertial -Voll- 
monde verbunden ist" entweder, wie Senart meint, die dunkle Hälfte 
bezeichnen oder die vorausgehende lichte. Denn Kätyäyana gebraucht 
mdgliipahsha für die dunkle Hälfte des Magha und Lätyäyana. 
phälgumpahsha für die lichte Hälfte des Phälguna *). 

29) Nach einer von Weber, Nakshatra II, p. 330 Note 2 citirten 
Stelle und nach Sänkhäyana Grihya-Sütra III. 10, hielten die Brah- 



1) Hemachandra, Desikosha ^'1I, .52. 

2) Siehe Weber, Nakshatra, II, p. 300. 

3) Siehe Hemachandra Desikosha IV, 44 und Päiyalachchhi Vers 235, 
sowie die Note im Glossar zu letzterem Werke. 

4) Siehe die beiden Wörter in B. K. W. und B. W., sowie die Com- 
mentare zu den dort und bei Weber, Nakshatra II, 327 citirten Stellen. 



80 Bühler, Asoha-Inschriften. 

manen den Neumond des Phälguna für die geeignete Zeit zum 
Zeichnen der Kühe. 

30) Es ist nicht nöthig. mit Senart von dem natürhchen Sinne 
der Worte abzugehen und anzunehmen, dass Piyadasi nur bestimmten 
Categorien von Gefangenen die Freiheit schenkte. Denn man darf 
nicht vergessen, dass das alte indische Criminah-echt keine langen 
Freiheitsstrafen vorschreibt. Schwere Verbrechen werden durch 
Todesstrafen, Verstümmelung oder Verbannung, leichtere Vergehen 
meist durch Geldbussen, seltener durch Stockhiebe, Eselreiten oder 
Tonsur geahndet. Es ist desshalb nicht anzunehmen, dass die Ge- 
fängnisse zu Asoka's Zeiten sehr voll waren und dass sie viele zu 
langen Freiheitsstrafen verurtheilte Verbrecher enthielten. Es mag 
auch bemerkt werden , dass die Idee , alle Gefangenen aus Anlass 
von Freudenfesten der Herrscherfamilie freizugeben, echt indisch 
ist. Vor einigen Jahren las ich eine Notiz in dem Bombay Gazette 
Summary, der zufolge ein kleiner Vasallenfürst, wenn ich mich 
recht erinnere, in Bengalen bei der Gebui't eines Sohnes seine 
Gefängnisse ganz entleert hatte. Das Blatt fügte die sarkastische 
Bemerkung hinzu, dass das Gebiet dieses Herrn glücklicherweise 
nicht sehr gross sei. 



Büh lei\ AM:a-InscTiriften. 



81 



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Bd. XLVI. 



32 Bühler, A^oka- Inschriften. 

Anmerkung. 

1) Ein zufällig entstandener Riss verunstaltet den ersten Vocal 
von fäfora und gibt ihm das Aussehen von p^'. 

Ueber Setzung. 
Der göttergeliebte König Piyadasi spricht also : „Als ich zwölf 
Jahre gesalbt war, Hess ich Religionsedicte zum Heil und Wohl 
des Volkes schreiben i) , (damit) das Volk das (gewohnte 
Sündenleben) aufgeben und in dieser und jener Hinsicht ein 
Wachsen im Gesetze erlangen möge 2). (Indem ich denke: 
„Es betrifft) das Heil und Wohl des Volkes", wende ich so 
meine Aufmerksamkeit nicht blos auf meine Verwandten, sondern 
auch auf die, welche nahe oder fern 3) sind; Wesshalb?*) „Damit 
ich einige beglücke". Gleichfalls richte ich meine Aufmerksamkeit 
auf alle Corporationen ^). Ich habe auch alle Secten durch mancherlei 
Ehrenbezeigung geehrt ")• Ich halte aber das für das Wichtigste, 
was ich die freiwillige Annäherung ') (nenne). Als ich sechs und 
zwanzig Jahre gesalbt war, liess ich dieses Religionsedict schreiben. 

Anmerkungen. 
1) Der Singular dhammalipi hat hier nach dem Grundsatze ja^av 
ekavachanam die Bedeutung des Plurals. Zu den Edicten, welche 
Piyadasi hier im Auge hat, gehört das dritte Felsenedict und ebenso 
das vierte. Im Anfange des ersteren heisst es : „Als ich zwölf 
Jahre gesalbt war, ist Folgendes von mir befohlen". Das Ende des 
vierten Edictes ist noch deutlicher: „Der göttergeliebte König Piyadasi 
hat diese Schrift aufzeichnen lassen, als er zwölf Jahre gesalbt war". 
Mit Bezug auf Senart's Bemerkungen zu dieser Stelle im Indian 
Antiquary, vol. XVIII, p. 106 füge ich hinzu, dass meiner Auf- 
fassung nach die Inschriften über die Wandlung der Gesinnungen 
des Königs und die Resultate derselben Folgendes deutlich bezeugen : 

(1) Nach der Eroberung von Kaiinga im neunten Regierungs- 
jahre ward der König von Reue über seine Grausamkeit ergriffen 
und beschloss, hinfort keine Eroberung durch das Schwert zu machen 
(Felsenedict XIII). 

(2) Im elften Jahre begann er Reisen in seinem Reiche zu 
unternehmen, um die wahre Religion durch Befragung der Häupter' 
der verschiedenen Religionsgemeinschaften, der Asketen und der 
Brahmanen, zu erforschen (Felsenedict VIII). 

(3) Im dreizehnten Regierungsjahre bekannte er sich feierlich 
zu den Lehren, die er den Dharnma nennt, d. h. zu den so oft 
aufgezählten Grundsätzen der Moral (Felsenedict IV), und er befahl 
seinen Beamten und Vasallen, dieselben auf ihren jährlichen Touren 
durch ihre Districte im Volke zu verbreiten (Felsenedict III). 

(4) Im vierzehnten Jahre stellte er die Dhammamahämäta, die 
Gesetzesoberen, an (Felsenedict V). 



Bühler, A'^oka- Inschriften. 83 

Alles dies ging seiner Bekehrung zum Buddhismus lange voraus. 
Wie ich in einer neuen Bearbeitung der Edicte von Sahasräm und 
Rüpnäth zeigen werde , trat Asoka erst im neunundzwanzigsten 
Regierungsjahre zum Buddhismus über. 

2) Päpovä oder 'piipova ist von Kern als Vertreter von •prdjpnu- 
ydt und apahata oder apahatd von Senart als das Absolutiv von 
apcihri richtig erklärt. Was das zweite Wort betrifft, so glaube 
ich, dass es eine Transliteration von apahritvä ist, ähnlich wie sich 
Jätaka IV. 46. 23 patiladdha oder nach dem Commentare patiladdhä 
für pratüahdhvd. findet '). Betreffs der Bedeutung von apaliata 
weiche ich von Senart ab. Ich nehme apaliri im Sinne von „ver- 
meiden, aufgeben", in dem es öfter im Sanskrit gebraucht wird. 
Sein Object tarn steht für tad und bezieht sich natürlich auf das, 
was das Volk zu thun pflegte, das sündige Leben. Der ganze Satz 
von se—pdpovd enthält kurz gefasst dasselbe wie das vierte Felsen- 
edict, und am Ende wäre besser der Deutlichkeit wegen ti hinzu- 
gefügt worden. Ich übersetze und erkläre die Worte im Sanskrit 
folgendermassen : Sah [loka itt/arthah] tad [mithat hriydmdnam 
adharmani] apahrltya \^2yarihritya\ tdm tdm dharniavriddlüm 
prdpnuydt. || 

3) Wenn Piyadasi sagt, dass er wegen des Heiles und Wohles 
seines Volkes auf die Verwandten seine Aufmerksamkeit richtet, so 
meint er damit, dass er seine Kinder, Brüder, Schwestern durch 
die Gesetzesoberen überwachen liess, wie er im fünften Felsenedicte 
und im siebenten Säulenedicte ausführlicher darlegt. Unter den 
„Nahen", auf die er seine Aufmerksamkeit richtete, sind die Lajüka 
und andere Beamte zu verstehen (siehe auch Säulenedict IV) unter 
den „Fernen" die Markgrafen , welche die freien Grenzvölker be- 
obachteten, vielleicht auch diese selbst sowie auch die ünterthanen 
seines Freundes , des Yavana-Königs Antiyoka (vergleiche Felsen- 
edict II und XIII. 2). 

4) Senart hat erkannt, dass himam dasselbe bedeutet wie die 
gewöhnlichere Phrase him-ti. Da zwei Versionen kirmnam lesen 
und kimani auch für kimmam stehen kann, so möchte ich glauben, 
dass das Wort aus kimva d. h, kimiva corrumpirt ist, mit der 
gewöhnlichen Nasalirung des Auslautes. 

5) Nikdyd 'Corporationen' bezieht sich wahrscheinlich nicht 
blos auf die verschiedenen Classen von Beamten, wie Senart mit 
Hinweis auf Felsenedict XII meint, sondern auch auf die Kasten 
und Secten , die Felsenedict XIII. 1 gleichfalls nikdyd genannt 
werden. 

6) Vergleiche das am Anfange des Felsenedictes XII Gesagte. 

7) Pachüpagamana-pachu2}agamana, im Sanskrit pratyupa- 
gamana , kann . „die Rückkehr zu", aber auch „die Annäherung an" 



1) Die Form findet sich in einem Halbverse: Samhcqypam etmn pati- 
laddha päpam I achchähitam kamma Icarosi luddam || 

C* 



g4 Bühler, Asoka- Inschriften. 

bedeuten. Letzteres passt hier am besten und „die freiwillige 
Annäherung" bezieht sich hier auf den samaväya, wie das Felsen- 
edict XII sagt, das friedliche Zusammenleben der verschiedenen 
Glaubensgenossenschaften, und besonders auf ihre Bereitwilligkeit, 
sich von einander belehren zu lassen. Die Nothwendigkeit der 
letzteren wird im zwölften Felsenedicte stark betont und es heisst 
dort: „Man soll das Gesetz der Andersdenkenden hören und zu 
hören wünschen. Das ist auch der Wunsch des Göttergeliebten. 
Was denn? Möchten alle Secten vielerlei (Predigt) hören und 
reine Lehre haben " 

Delhi Sivalik. 

Edict VII, 1. 

Devänam-piye Piyadasi läjä hevam ähä[:] ye-atikamtam [11] 

amtalam läjäne husu[,] hevam ichhisu [:] katham-jane [12] 

dhaipmavadhiyä vaäheyä[.] No-chu-jane anulupäyä dhamma- 
vadhiyä [13] 

vadhithä [.] Etam devänam-piye Piyadasi läjä hevam-ähä[:] 
esa-me [14] 

huthä[:] atikamtam-cha amtalara hevam ichhisu läjäne kathain- 
jane [lo] 

anulupäyä dhaipmavadhiyä vadheyä-ti [,] no-cha-jane anulu- 
päyä [16] 

dhaipmavadhiyä vadhithä[;] se-kina-su jane anupatipajeyä^) [,17] 

kina-su jane anulupäyä dhaipmavadhiyä vadheyä-ti [;] kina-su- 
käni [18] 

abhyuipnämayehaip dhaipmavaclhiyä-ti [?] Etam - devänam - piye 
Piyadasi läjä hevam [19] 

ähä[:] esa-me huthä [:] dhaipmasävanäni sävapayämi dhaipmä- 
nusathini [20] 

anus[ä]sämi"^) [;] etaip-jane sutu anupatipajisati abhyuipnami- 
sati [21] 

Edict VII, 2. 

dhaipmavadhiyä - cha bädham vadhisati[.] Etäye-me athäye 
dhammasävanäni säväpitäni dhaipmänusathini vividhäni änapitäni 
yath[ä me puljisä pi 3) bahune*) janasi äyatä ete paliyovadisaniti- 
pi pavithalisamti - pi [.] Laj[ü]kä-pi ^) bahukesu pänasatasahasesu 
äyatä te-pi-me änapita[:] hevaip-cha hevaip-cha paliyovadätha [1] 

janaip dhaipmayu[ta]m '') [.] De[v]änam-piye Piyadasi hevaip- 
ahä [:] etam - eva - me anuvekhamäne dhammathaipbhäni - katäni [,] 



Bühler, Asoha- Inschriften. ,<^5 

* * * * 
dhammamahämätä-katä [:] dhainma[s]ä[van]e'')-kate [.] Devänam-piye 

Piyadasi läjä-hevam ähä[:] magesu-pi-me nigohäni lopäpitäni [:] 

chhäyopagäni hosamti pasumunisänam [;] ambävadikyä lopäpitä [;] 

adhak[o]s[i]kyäni-pi-me-udupänäni [2] 

khänäpäpitäni [;] nimsidhiyä-cha *) käläpitä [;] äpänäni-me bahu- 

* 
käni tata-tata käläpitäni patlbhogäye pasumunisänam [.] La[huke 

diu] ^) esa patibhoge uäma '")[.] Yividhäyä-hi sukhäyanäyä pulimehi- 

pi läjihi mamayä-cha sukhayite loke [.] Imam-chu dhammänupatipati 

anapatipajamtu-ti etadathä-me [3] 

esa-kate[.] Devänam-piye Piyadasi hevam ähä[:] dbammamahä- 
mätä - pi - me t[e] - bahuvidhesu.^^) atbesu änugabikesu viyäpatä - se 
pavajitänam - cheva gihitbänara - cha [:] sava[päsam]desu - pi - cha ' ^) 
viyäpatä-se [.] Samghathasi-pi-me kate ime viyäpatä bobamti-ti [:] 
bemeva bäbbanesu Ajivikesu-pi-me kate [4] 

ime viyäpatä hobamti-ti [;] Nigaiptbesu-pi-me kate ime viyäpatä 
bobamti [;] nänäpäsamdesu-pi-me kate ime viyäpatä hohamti-ti [.] 
Pativisitbam pativisitbam tesu-tesu te-[t]e [majbämätä [.] Dbamma- 
mahämätä-cbu-me etesu-cbeva viyä[pa]-tä savesu-cha aipnesu päsam- 
desu [.] Devänam-piye Piyadasi läjä-bevam äbä [: 5] 

ete-cba amne-cba bahukä mukbä dänavisagasi viyäpatä-se mama- 
cbeva devinam - cba [;] savasi - cba - me olodbanasi te - babuvidbena 
ä[kä]lena ^^) täni täni tutbäyatan[ä]ni pati[pädayamti] bida-cbeva 
äisäsu-cba[.] Dälakänam-pi-cba-me kate amnänam-cba devikumälänam 
ime dänavigesu viyäpatä hohamti-ti [6] 

dhammäpadänatbäye dhammänupatipatiye [.] Esa-bi dbammä- 
padäne dbammapatipati-cba yä-iyam dayä däne Sache sochave madave 
sädba[ve]-cba lokasa hevam vadbisati-ti[.] Devänam-piye [Piyada]s[i] 
läjä-bevam ähä[:] yäni-hi-käni-chi mamiyä sädbaväni katäni tam- 
loke anüpatipamne tam-cha anuvidhiyamti [;] tena vadbitä-cba [7] 

vadbisamti-cha mätäpitisu sususäyä gulusu sususäyä vayomahäla- 
känam anupatipatiyä bäbbanasamanesu kapanavaläkesu äva däsa- 
bhatakesu sampatipatiyä[.] Devänam-piy[e Pijyadasi läjä hevam-äbä[:] 
munisänam-chu yä-iyam dhammavadbi vadhitä duvehi-yeva äkälehi 
dhammaniyamena-cha nijbatiyä-cha[. 8] 

Tata - chu lahu - se dhammaniyame [,] uijhatiyä - va bbuye [.] 
Dbammaniyame-chu-kho esa ye-me iyam-kate imäni-cha imäni ^*j 
jätäni avadbiyäni[,] anmäni-pi-chu baku[käni] dbaipmauiyamäni yäni- 
me katäni[.] Nijbatiyä-va-cbu bbuye munisänam dhammavadbi vadhitä 
avihimsäye bhutänam [9] 



80 Bühler, Aäoha- Inschriften. 

anälambhäye pänänam[.] Se-etäye athäye iyam kate[,] putä- 
papotike chamdamasuliyike hotu-ti[,] tathä-cha anupatipajarntu-ti[.] 
Hevam-hi anupatipajamtam hidata[päla]te äladhe hoti[.] Satavisati- 
vasäbhisitena-me iyam dhammalibi likhäpäpitä-ti [.] Etam devänam- 
piye ähäf:] iyam [10] 

dhammalibi ata athi silätbambhäni-vä siläphalakäni-va tata 
kataviyä ena esa chilathitike siyä [.11] 

Anmerkungea. 

1) Das zweite pa von anupatipqjeyä steht über der Linie. 

2) Es ist möglich anusisämi zu lesen. Aber die unregel- 
mässige Linie über dem «-Striche wird zufällig sein. Anusäsämi 
ist auch die Form, welche sonst vorkommt, z. B. Sep. Ed. II. 6 (8). 

3) Sowohl auf Fleet's Facsimile als auch Cunningham's Ab- 
klatsche sind die Zeichen ya tlia — — i und der Haken von sCi 
schwach sichtbar, während die rechte Hälfte des letzteren Buch- 
stabens ganz deutlich ist. Die vorgeschlagene Ergänzung ist nicht 
zweifelhaft. Denn der leere Raum reicht nur für drei Consonanten 
und die Phrase puUsdni pi-mQ , meine Diener" kommt oben im ersten 
Edicte Z. 7 (D.) und sonst vor. Aus Kern's Analyse dieses Edictes, 
Buddhismus, vol. II, p. 385, schliesse ich, dass ihm dieselbe Er- 
gänzung vorgeschwebt hat. 

4) Bahune ist vielleicht ein Schreibfehler und bahuke zu lesen. 
Oben Säulenedict V. 16, 18 (D. S.) findet sich aber ähnlich punä- 
vasune als Locativ von punävasu. 

5) Die Quantität des zweiten Vocales von lajükä ist nicht 
sicher. 

6) Die letzte Silbe von dhammayutam steht mehr als einen 
Zoll von den übrigen entfernt, weil ein grosser Riss durch den 
Stein geht. 

7) Diese Ergänzung ist die von Senart vorgeschlagene. Der 
Abklatsch zeigt den «-Strich ganz deutlich, und das Facsimile das 
letzte e. 

8) Die Fortsetzung desselben Risses, der die Trennung von 
dhammayu und tavi in Z. 2 verursacht, hat den Steinmetzen ge- 
zwungen, hier nimsl und dlüyd (nicht dhayä ., wie Senart gibt) 
auseinander zu reissen. Es ist nichts verloren gegangen. 

9) Der letzte Buchstabe vor der Lücke ist nicht sa, wie Senart 
liest, sondern la und sowohl auf dem Facsimile als auf dem Ab- 
klatsche ganz deutlich. Zwischen la und esa sind drei oder vier 
Silben zerstört. Zu ergänzen ist desshalb entweder la\]mhe chiC] esa 
oder la\]mke diu khd\ esa. Zu vergleichen ist Felsenedict XIII. 2. 14 
(Kälsi) lahuJcä vu kho sä kiti und unten Z. 9 tata-clm Inhu-se 
dhammoniyame. 

10) Die erste Silbe von ndma steht über der Linie und ist 
als Correctur nachgetragen. 



Binder, Aisoka- Inschriften. g7 

11) Obschon das ta an der Spitze beschädigt ist, tritt doch 
sowohl das Facsimile wie auch der Abklatsch für die Lesart te 
ein. Entweder ist aber dieses oder das se nach viydpatä als über- 
flüssig zu streichen, vergleiche auch den ersten Absatz in Z. 6, wo 
derselbe Pleonasmus vorkommt. 

12 — 13) Die vorgeschlagene Ergänzung gehört Senart. 

14) Lies imdni cha, wie der Sinn erfordert. 

üeber Setzung. 

Der göttergeliebte König Piyadasi spricht also: „Die Könige, 
welche in vergangenen Zeiten lebten, wünschten Folgendes: „Möchten 
die Menschen auf irgend eine Weise ') Wachsthum in der Gesetzes- 
erfüllung erlangen!'' Aber die Menschen erlangten das geziemende 
Wachsthum in der Gesetzeserfüllung nicht. 

Li Bezug auf dies "-) spricht der göttergeliebte König Piyadasi 
also : „Mir kam dieser (Gedanken): Einerseits wünschten die 
Könige der Vergangenheit, dass die Menschen auf irgend eine Weise 
das geziemende Wachsthum in der Gesetzeserfüllung erlangen möchten, 
andererseits erlangten die Menschen das geziemende Wachsthum in 
der Gesetzeserfüllung nicht. Wodurch denn könnten die Menschen 
(bewogen werden das Gesetz zu) befolgen ? Wodurch könnten 
die Menschen das geziemende Wachsthum in der Gesetzeserfüllung 
erlangen ? Wodurch kann ich einige (von ihnen) emporheben ^) 
durch das Wachsthum in der Gesetzeserfüllung?" 

In Bezug auf dies spricht der göttergeliebte König Piyadasi 
also : „Mir kam dieser (Gedanken): Ich will Predigten über das 
Gesetz predigen lassen, ich will Unterweisung im Gesetze ertheilen 
lassen. Wenn die Menschen sie hören, werden sie (das Gesetz) 
befolgen, werden sie sich emporheben *) und '^) gewaltig werden sie 
in der Gesetzeserfüllung wachsen. Zu diesem Zwecke habe ich 
Predigten über das Gesetz predigen und mancherlei Unterweisung 
im Gesetze ertheilen lassen , so dass sogar [meine Diener'] , die 
über viele Menschen herrschen, Unterweisung ertheUen und dieselbe 
ausbreiten werden. Auch die Lajüka '') , die über viele hundert 
tausend Seelen hen-schen, selbst sie sind von mir beordert: Unter- 
weiset ') mein pflichtgetreues Volk so und so." 

Piyadasi, der Göttergeliebte, spricht also: „Indem ich denselben 
Zweck im Auge hatte, habe ich Gesetzessäulen errichtet, habe ich 
Gesetzesobere ernannt, habe ich Predigten über das Gesetz predigen 
lassen" % 

Piyadasi, der Göttergeliebte, spricht also: Ich habe auch be- 
fohlen , Banianenbäume an den Heerstrassen pflanzen zu lassen, 
damit sie den Menschen und Thieren Schatten gewähren; ich habe 
befohlen Mango - Pflanzungen ^) anlegen zu lassen , ich habe auch 
befohlen Halb-Kos für Halb-Kos '°) Brunnen graben zu lassen und 
ich habe Herbergen ^ ') bauen lassen ; ich habe auch befohlen hier 



gg Bühler, Asoka-IuHchriften. 

und dort viele Tränken ^"^j anlegen zu lassen zum Nutzen für Menschen 
und Thiere. [Aber etaas Geringes ist] dies, was man den 
Nutzen nennt. Sowohl frühere Könige als auch ich haben die 
Menschen mit mancheilei Segnungen beglückt. Aber ich habe dies 
gethan, damit die Menschen dem Gesetze Gehorsam leisten." 

Piyadasi, der Göttergeliebte, spricht also: „Meine Gesetzes- 
oberen beschäftigen sich auch mit mancherlei Gnadensachen, sowohl 
denen, welche die Asketen angehen, als auch denen, welche die 
Hausväter angehen, und sie beschäftigen sich auch mit allen Glaubens- 
genossenschaften. Ich habe es so eingerichtet, dass sie mit den 
Angelegenheiten des Saipgha beschäftigt sein werden; gleichfalls 
habe ich es so eingerichtet, dass sie mit den brahmanischen Ajivikas 
beschäftigt sein werden: ich habe es so eingerichtet, dass sie mit 
den Nigamthas beschäftigt sein werden; ich habe es so eingerichtet, 
dass sie mit (allen) den verschiedenen Glaubensgenossenschaften 
beschäftigt sein werden. Verschiedene Beamte (sind) für diese 
und jene, je nach den besonderen Bedürfnissen. Aber meine Gesetzes- 
obereu sind sowohl mit jenen (einzelnen) als auch mit allen 
Glaubensgenossenschaften beschäftigt" ^^). 

Der göttergeliebte König Piyadasi spricht also : „Sowohl diese 
als auch viele andere hohe (Beamte)'^) sind mit der Vertheilung 
der Gaben beschäftigt, sowohl der meinigen wie der der Königinnen, 
und in meinem ganzen Harem [lehren] sie in dieser und jener 
Weise verschiedene Wege zur Befriedigung sowohl hier (in P ä t a - 
liputra) als in der Ferne ^'^). Und ich habe es so eingerichtet, 
dass sie mit der Vertheilung der Gaben meiner Söhne wie auch 
der andern Prinzen^'') beschäftigt sein werden, um edle Thaten 
nach dem Gesetze und den Gehorsam gegen das Gesetz (zu fördern). 
Denn das sind edle Thaten nach dem Gesetze und das ist der 
Gehorsam gegen das Gesetz, wodurch Barmherzigkeit, Freigebigkeit, 
Wahrhaftigkeit, Reinheit, Sanftmuth und Heiligkeit so unter den 
Menschen wachsen" '"). 

Der göttergeliebte König Piyadasi spricht also : „Alle die Werke 
der Heiligkeit, die ich vollbracht habe, haben die Menschen nachgeahmt 
und denen folgen sie nach, und dadurch sind sie gewachsen und 
werden sie noch wachsen in Gehorsam gegen Eltern , in Gehorsam 
gegen Ehrwürdige , in Ehrfurcht gegen die Alten , in geziemendem 
Betragen gegen Brahmaneu und Asketen , gegen die Armen und 
die Elenden, ja gegen Sklaven und Diener." 

Der göttergeliebte König Piyadasi spricht also : „Die Menschen 
haben aber dieses Wachsthum im Gesetze durch zweierlei erlangt, 
durch Verbote nach dem Gesetze und durch tiefes Nachdenken ^^). 
Aber unter diesen beiden*^) sind die Verbote nach dem Gesetze 
etwas Geringes , mehr wirkt das tiefe Nachdenken. Die Verbote 
nach dem Gesetze sind aber fürwahr solche wie), dass ich die 
Tödtung von verschiedenen Arten von Creaturen verboten habe '^^) ; 
es gibt aber auch noch viele andere Verbote, die ich erlassen habe. 



BUltler, Avola-Inschriften. 39 

Aber durch tiefes Nachdenken ist das Wachsthum des Gesetzes 
mehr unter den Menschen gefördert, so dass sie lebende Wesen 
nicht schädigen, so dass sie die Creaturen nicht tödten." 

Diese (Befehle) sind zu folgendem Zwecke gegeben, dass sie 
gelten mögen, so lange meine Söhne und Urgrosssöhne ''^^) regieren, 
so lange Sonne und Mond bestehen und dass die Menschen danach 
handeln mögen. Wenn man so danach handelt, so ist das Heil in 
dieser und in jener Welt gewonnen. Als ich sieben und zwanzig 
Jahre gesalbt war, habe ich dieses Eeligionsedict schreiben lassen." 

In Bezug hierauf sagt der Göttergeliebte: „Dieses Eeligions- 
edict soll dort eingemeisselt werden , wo sich entweder steinerne 
Säulen oder steinerne Tafeln finden, damit es lange Zeit bestehe." 

Anmerkungen. 

1) Da im Vorhergehenden i'chhisu „sie wünschten" steht, ist 
es nicht wohl möglich, katham als Fragewort zu fassen. Es wird 
hier, wie sonst mit häni öfter geschieht, als i^ronomen indefinituni 
gebraucht sein. Auch im Sanskrit wird katliam prakdrärtlie und 
sambliävane gebraucht. 

2) Obschon es nicht absolut unmöglich ist, etcun mit Senart 
als Vertreter von **Vra, d. h. atra zu fassen , so ziehe ich es doch 
vor, es durch etad zu erklären und anzunehmen, dass wir mit einem 
Accusativ der Beziehung zu thun haben. Derselbe erscheint nicht 
selten mit Verben , welche „sprechen, wünschen" u. s. w. bedeuten, 
siehe Delbrück, Altindische Syntax, p. 165 f. 

3) Äbhumndmayeliam ist als Futurum mit conjunctivischer 
Bedeutung zu fassen, siehe Speijer, Sanskrit Syntax, p. 266 f. und 
besonders das Beispiel unter b. Wegen des e für i vergleiche Pali 
paridaliessati^ u. s. w. E. Müller, op. cit. p. 118. 

4) Abhynmnamissati\weYden sich emporheben" kann für obhyun- 
nammissati stehen und als Futurum des Passiv von abliyunnamayaü 
gefasst werden. Indess passt auch das Futurum des Simplex abliyun- 
namati „sich erheben" recht gut. 

5) Hier beginnt der rund um die Säule laufende Theil des 
Edicts VII, den man früher als Edict VIII zu bezeichnen pflegte. 
Um gegen Kern gerecht zu sein muss ich bemerken, dass er, wie 
seine Analyse (Der Buddhismus, vol. II, p. 384) zeigt, die Zusammen- 
gehörigkeit der beiden Theile des Edictes VII unabhängig von 
meinen Angaben, Indian Antiquary, vol. XIII, p. 306 , erkannt hat. 

6) Ueber die Lajüka oder Lajuka siehe oben Edict IV, über 
äyatd, Note 2 zu der üebersetzung von Sep. Ed. I. 

7) Paliyovadätha ist eines der seltenen Beispiele des vedischen 
Conjunctivs, die in den alten Prakrits vorkommen, siehe Pischel in 
Kuhn's Zeitschrift, vol. XXIII, p. 424, E. Müller, Simplified Grammar 
of the Pali Language, p. 108. Wegen dhammayuta „pflichtgetreu", 
d. h. königstreu, siehe Note 5 zu Felsenedict V. 



9Q BiiJder, A«ola- Inschriften. 

8) Etam-eva-me anuvekliamdne kann, wie avijitam hi vijina- 
mane Felsenedict XIII, Z. 36 (Kälsi), als Nominativus absolutus 
gefasst werden. Es ist indess auch möglich, dass Asoka in Wii-k- 
lichkeit anuvekhamänena schreiben wollte \uid ein Fehler vorliegt. 
Unter dhammatliamhhdni „Gesetzessäulen" werden die Säulen zu 
verstehen sein, auf denen nur sechs Edicte eingemeisselt sind. 

9) Ueber den kurzen Vocal der drittletzten Silbe von amhd- 
vaclikyä siehe Note 17 zu dem Edicte der Königin, Indian Antiquary, 
vol. XIX, p. 123. Ich habe dort mit Bezug auf ambävadihä be- 
merkt, dass das kurze a dadurch gerechtfertigt werden kann, dass 
man Hadikä als Repräsentant von raddihä^ d. h. värtikä ansieht. 
In Hadikyd ist das Suffix ya, wie so oft in der Kälsi -Version der 
Felsenedicte und hier in dem unmittelbar folgenden adhakosikyd, 
ohne Bedeutungsveränderung angefügt. Ueber das lange d von 
ambd^ siehe unten Note 21. 

10) Adliakosikydni würde einem Sanskrit drdhakrosikiydni 
entsprechen. Man wird wohl annehmen müssen , dass Asoka den 
Krosa zu 8000 hasta oder V? gcivyäti rechnete, der somit ungefähr 
dem sogenannten Sulidnd Kos zu drei englischen Meilen gleich- 
kommen würde. Die gewöhnlichere Rechnung des Kos zu andert- 
halb oder ein drei Viertel enghschen Meilen passt nicht, weil die 
Brunnen dann zu nahe aneinander kommen würden. 

11) Nimsidlüyd wird für nisidlüyd stehen, wie Pali mahimsa 
für mahisa, und dem Worte nislddiyd , Wohnung" entsprechen, 
welches sich dreimal in dem Compositum vdsanishidiyd in Dasha- 
latha's Inschriften findet, siehe Indian Antiquaiy, vol. XX, p. 364 f. 
Beide Wörter sind Vertreter des Sanskrit nishadyd ,Sitz, Markt- 
halle", aber aus dem Präsensstamme ni'sMd statt aus der Wurzel 
gebildet. Das linguale dha wird durch den Einfluss des ursprüng- 
lichen sha entstanden sein. Die Jainas gebrauchen nahe verwandte 
Formen, nisidhi, nislddlii und nisidhi zur Bezeichnung der Gräber 
ihrer HeUigen, siehe Indian Antiquary, vol. XII, p. 99. Hier sind 
mit nimsüihiyd natürlich die öffentlichen Herbergen oder Serais 
gemeint, die sich an allen Strassen finden und häufig von wohl- 
thätigen Leuten dharmdrtham d. h. um des Verdienstes willen erbaut 
werden. Ushavadäta, der fromme Schwiegersohn des Königs und 
Satrapen Nahapäna, rühmt sich in den Näsik-Inschriften der Er- 
richtung solcher Gebäude, siehe Reports Arch. Surv. Western India, 
vol. IV, p. 99. 

12) Äpdna kann hier natürlich nicht seine gewöhnliche Be- 
deutung „Wirthshaus, Schänke" haben. Es muss, wie Kern, Der 
Buddhismus, vol. II, p. 385, annimmt, einen Ort zum Wassertrinken 
bezeichnen. Wahrscheinlich sind Hütten gemeint, in denen Wasser 
gratis oder gegen Bezahlung verabreicht wird und die sonst mit 
dem Ausdrucke prapa bezeichnet werden. Mitunter steht vor den- 
selben ein Trog aus Backstein oder Cement zum Tränken der Thiere, 
wozu die prcqidpdli gleichfalls das Wasser liefert. 



Bühler, Asoka-Insclirifteii. 9J 

13) Der Samgha ist natürlich der Orden der buddhistischen 
Mönche. Die Ajivikas sind wahrscheinlich, wie Kern annimmt, 
brahmanische und zwar vishnuitische Asketen, siehe meine Be- 
sprechung der Frage im Indian Antiquary, vol. XX, p. 362 flf. Die 
Xigamthas sind, wie schon Lassen erkannt hat, die Jaina-Mönche. 
Ich fasse pativisitham paßvi'si'fham „je nach den besonderen Be- 
düx-fnissen" als gleichbedeutend mit prativisesham. siehe B. W. sub 
voce. Tesu-tesu ,für diese und jene" wird sich sowohl auf ver- 
schiedene Classen von Menschen als auf verschiedene Zwecke be- 
ziehen, für welche die ungenannten Beamten angestellt waren. Zu 
vergleichen ist das Ende des Felsenedictes XII, wo „die Aufseher 
der Frauen, die Vachabhumikas und andere Collegien" erwähnt 
werden. Ueber die Dharmamahämätras , die Gesetzesoberen , habe 
ich in Note 4 zum Felsenedict V gespi'ochen. Ich will hier hinzu- 
fügen, dass Hiuen Tsiang, Siyuki vol. I, p. 176 (Beal), aus späterer 
Zeit von einem Könige von Jälandhara berichtet, dass derselbe von 
dem Herrscher „of Mid-India" zum „sole inspector of the affairs of 
religion throughout the five Indies" ernannt wurde. In dieser Eigen- 
schaft soll er ganz Indien bereist, den Wandel der Mönche erforscht, 
die Tugendhaften belohnt und die Schlechten bestraft haben. Dieser 
Mann scheint also eine Art von Dharmamahämätra für die 
Buddhisten gewesen zu sein. Der Wirkungskreis der Dharma- 
mahämätras des Asoka war natürlich ein viel ausgedehnterer, da 
er sich auf alle Glaubensgenossenschaften, auf die Vertheilung der 
milden Gaben des Hofes und anderes erstreckte. Es ist aber in- 
teressant, dass ähnliche Ideen wie die, welche Asoka leiteten, auch 
später wieder auftauchten. 

14) Miilcha ist entweder im Sinne von Sanskrit mulcha m. 
„Anführer" (B. W. sub voce) gebraucht, oder es steht für mukkhä 
und entspricht Sanskrit mukhyuh „Haupt- oder hohe (Beamte)". 

15) Tutliäyatanäni ist nicht, wie Senart meint, zu emendiren. 
Es entspricht dem Sanskrit tushtydyatandni „Wege oder Mittel zur 
Befriedigung" , und hierunter sind mit Kern , Der Buddhismus, 
vol. II, p. 386, „günstige Gelegenheiten zur Wohlthätigkeit" zu ver- 
stehen, welche dem Geber und dem Empfänger Befi'iedigung ver- 
ursachen. Bei dieser Auffassung ist die Ergänzung ^a/«Q?rt(Za?/a>«^i] 
selbstverständlich. 

16) Devikumäla „Prinz" bedeutet wörtlich „Sohn einer Königin", 
d. h. einer Frau, welche den Titel chvi führt. Da die Söhne des 
Königs vorher speciell genannt sind, so können „die andern Prinzen" 
nur die Söhne der devi betitelten Gemahlinnen der Vorgänger des 
Asoka sein, d. h. seine Brüder und vielleicht seine Oheime väter- 
licherseits. In der Parallelstelle, Felsenedict V, sagt Asoka auch 
wirklich, dass die Gesetzesoberen in den Frauengemächern seiner 
Brüder und Schwestern zu thun haben. 

17) „So unter den Menschen wachsen werden", d. h. in der 
vom Könige gewünschten Weise. 



92 Bühler, Asoka- Inschriften. 

18) Nijhati ist von Senart ohne Zweifel richtig von dem 
Causative mdhyäi abgeleitet und durch „reflexion" übersetzt. Es 
ist zu beachten, dass im Sanskrit nididhydsanä der Bedeutung 
nach genau entspricht und gleichfalls von nidhyäi^ wenn auch mit 
andei-n Suffixen, abgeleitet ist. 

19) Tata , d. h. tatro,^ hat hier, wie oft im Sanskrit, distri- 
butive Bedeutung, und tata diu steht für tayos tu. 

20) Siehe oben Säulenedict V. 

21) In initdpapotike steht der Nominativ des Plurals für den 
Stamm, genau wie oben Z. 2 in ambdvadikyä. In ähnlicher Weise 
wird der Nominativ des Singulars in den Mathurä - Inschriften, 
Epigraphia Indica, vol. I, p. 375, sehr häufig für den Stamm ge- 
braucht und es finden sich auch Beispiele derselben Eigenthümlich- 
keit im Pali , z. B. Jätaka, IV. 184. 18 sakhäbhariyam „die Frau 
eines Freundes" (Acc). 



93 



Das Verliältniss 
des Aegypti sehen zu den semitischen Sprachen. 

Von 

Adolf Erniau. 

In den letzten anderthalb Jahrzehnten ist uns der Bau und 
die Entwicklung des Aegyptischen allmählig näher bekannt geworden 
und wenn auch des Unbekannten hier noch sehr viel ist — fast 
mehr als des Erforschten ') — , so haben wir doch schon ein all- 
gemeines Bild dieser alten Sprache gewonnen, das im Wesentlichen 
als richtig gelten darf. Da nun aber das Bild des ältesten Aegyptisch 
fast mit jedem neuen Zuge, den es gewonnen hat, dem der semi- 
tischen Sprachen ähnlicher geworden ist, so erscheint uns auch jetzt 
die alte Frage nach der Verwandtschaft zwischen diesen beiden 
Idiomen in einem wesentlich anderen Lichte als früher. Angesichts 
der Wichtigkeit dieser Frage glaube ich nichts Unnützes zu thun, 
wenn ich im Folgenden zusammenstelle, was die Aegyptologie heute 
zu ihrer Beantwortung beibringen kann. Ausdrücklich bitte ich 
aber, dies nicht so aufzufassen, als hielte ich die Frage schon auch 
im Einzelnen für erledigt; es wird meines Erachtens noch der 
Arbeit von Jahrzehnten bedürfen, um sie wirklich spruchreif zu 
machen. Ich beabsichtige nichts , als den Semitisten Gelegenheit 
zu einem eigenen vorläufigen Urtheile zu geben — wäre es auch 
nur, damit sie etwaige enthusiastische Combinationen zu controliren 
im Stande sind. 

Die folgende Skizze zerfällt in einen grammatischen und einen 
lexikalischen Theil, denen sich einige allgemeine Bemerkungen an- 
schliessen. Ich brauche wohl kaum darauf hinzuweisen, dass meine 
Competenz für diese Fragen nur soweit geht, als das Aegyptische 



1) Das langsame Fortschreiten dieser Untersuchungen erklärt sieh durch 
die eigenthümlichen Schwierigkeiten der Aufgabe: eine verwickelte Schrift, die 
alle Vokale und oft auch Consonanten unbezeichnet lässt; die Texte zumeist 
schwer verständlichen Inhalts und oft nur in starker Verderbniss handschriftlich 
überliefert ; als einziges äusseres Hilfsmittel das Koptische, eine um drei Jahr- 
tausende jüngere Sprache , die von der alten Conjugation fast nur noch den 
Infinitiv und eine Art Particip bewahrt hat. 



94 Erman, Dan Verhältniss des Aegyptischen zu den semit. Sjyrachen. 

in Frage kommt; ein eigenes ürtheil über die schwierigen Fragen 
der semitischen Grammatik oder über streitige Bedeutungen hebrä- 
ischer Worte steht mir nicht zu. 

Absichtlich habe ich es unterlassen, auch die berberischen und 
ostafrikanischen Sprachen heranzuziehen. Denn wenn auch die nahen 
Beziehungen dieser Sprachen zu den uns hier beschäftigenden Idiomen 
auf der Hand liegen, so wird man doch meines Erachtens gut thun, 
sie zunächst noch bei Seite zu lassen. Sie sind uns ja alle nur 
in ihrer heutigen Gestalt bekannt und wer da weiss, zu welchen 
Irrthümern schon die Yergleichung des Koptischen mit den semi- 
tischen Sprachen (wie sie z. B. einst Benfey vornahm) geführt hat, 
der wird wenig Lust haben, jetzt schon auch diese Sprachen mit 
heranzuziehen, die noch um anderthalb Jahrtausende jünger sind als 
das Koptische. 

Grammatischer Theil. 

Vorbemerkung. 

Die altägyptische Sprache, deren Grammatik die folgende Skizze 
schildert, liegt uns in ihrer ältesten Gestalt hauptsächlich in den 
sogenannten Pyramidentexten i) vor. Es sind dies umfang- 
reiche Sammlungen kleiner religiöser Texte , die zum Heile der 
todten Könige in fünf Pyramiden der 5. und 6. Dynastie an den 
"Wänden niedergeschrieben sind. Diese Niederschrift wird man ge- 
ring gerechnet um 2500 v. Chr. ansetzen müssen; dass die einzelnen 
Texte selbst damals schon einer alten heiligen Litteratur angehörten, 
unterliegt keinem Zweifel, sie sind in jeder Hinsicht alterthümlicher 
als die ältesten uns erhaltenen Denkmäler. Sie gehören in eine für 
uns „vorhistorische" Zeit und man wird ihnen gewiss kein Unrecht 
anthun, wenn man sie bis in das vierte Jahrtausend hinein versetzt. 

Es ist also die Sprache dieser fernen Zeit, auf die sich — so- 
weit nicht das Gegentheil angegeben — die folgende Skizze bezieht.-) 

Lautliches. 

Consonanten und A'okale. 
Ueber den Werth der 24 Consonanten des Aegyptischen und 
die Conventionelle Art, in der wir sie umschreiben, vgl. den unten 
stehenden Aufsatz Steindorff's. 



1) Aufgefunden im Jahre 1880; herausgegeben von Mas per o im „Receuil 
de travaux relatifs ii la philologie egyptienne et assyrienne" seit 1882, die 
Herausgabe ist noch nicht vollendet. Von dem Bekanntwerden dieser uralten 
religiösen Litteratur wird man gewiss einst eine neue Epoche in der Aegyptologie 
datiren; wenn wir mehrere Jahre gebraucht haben, um uns des ganzen Werthes 
dieser „Pyramideute.xte" bewusst zu werden, so liegt das an den Schwierigkeiten, 
die ihr Verständniss noch bietet. 

2) Ich habe mich für dieselbe freundlicher Mittheilungen der Herren Set he 
und Steindorff zu erfreuen gehabt, die ich als solche gekennzeichnet habe. 



Ermav, Das Verhältniss des Aeguptischen zu den semit. Sjn-achen. 95 

Ich bemerke hier noch zum Verständuiss der in dieser Arbeit 
vorkommenden ^Yorte , dass das i in alter Orthographie im Aus- 
laut der Worte oft zur Andeutung einer vokalischen Endung i 
benutzt wird , da wo man später meist das junge Vokalzeichen i 
setzt (z. B. in der Adjectivendung). Auch lo dürfte in bestimmten 
Endungen (z. B. beim Sing, masc.) als Vokal zu fassen sein. 

Wie zuerst Stern am Koptischen nachgewiesen hat'), gilt auch 
für das Aegyptische ebenso wie für die semitischen Sprachen, dass 
im Allgemeinen die Bedeutung des Stammes an seinen Cousonanten 
haftet, während die grammatische Form wesentlich durch die Vokale 
charakterisirt wird. 

Betonung. 

Aus der koptischen Formenlehre ist ersichthch, dass jedes 
ägyptische Wort nur einen Vokal gehabt hat ^) ; daneben existirten 
natürlich Hülfsvokale, aus denen sich dann unter Umständen sekun- 
däre Vokale entwickelt haben (z. B. amün nach SteindorfF aus altem 
^irnon). Tritt ebe Endung an die Form, so verschiebt sich oft 
die Stelle des Vokals und mit ihr der Accent; so hiess es z. B., 
nach dem Koptischen zu urtheilen, einstmals : 

*r6npH „Jahr", plur. *renp6ivet 

*sorfe 3 m. pseudop., *srofte 3 f. 

Mehrere syntaktisch zusammengehörige Worte (Verb und Subjekt, 
Verb und Objekt, die Theile des Genetivs u. a. m.) werden als ein 
lautliches Ganze gesprochen; nur das letzte Wort behält seinen 
Accent und seine volle Vokalisation, die davorliegenden Worte werden 
tonlos und verkürzt^). Z. B. Koptisch: setm-pei-hroio „diese Stimme 
hören" aus sotem „hören", pal „dieser" Tind hrow „Stimme"; neh- 
Jeh „Herr von Elephantine" aus neb „der Herr" und Jeh „Elephan- 
tine". Es steht zu vermuthen, dass dieses Gesetz, das mit Sicher- 
heit bis in das neue Reich zurück zu verfolgen ist, überhaupt der 
ägyptischen Sprache eignet ^) ; der semitische „Status constructus" 
ist nur ein einzelner Fall daraus. 

Pronomina. 

Pronominalsuffixe. 

Sie bezeichnen das Possessivverhältniss beim Nomen und das 
Subjekt (nicht aber das Objekt^)) beim Verbum. Es sind: 



1) Stern, koptische Grammatik § 114. 

2) Diese Formulirung ist wohl Steindorff's Eigenthum. 

3) Erman, Aegypt. Z. XXI, 37 ff. 

4) Mehr oder weniger gilt es ja in allen Sprachen; ich habe sogar wieder- 
holt in Aegypten raed~inet-el-Faijüm gehört, mit Verkürzung des eigentlich 
betonten i und einem durch die Länge der Gruppe entstandenen Nebenaccent 
auf Trie. 

5) Vgl. Erman und Lange, Aeg. Z. XXX, 12. 



96 Erman, Das Verhältniss des Aegyptischen zu den semit. Sprachen. 



Sing. 1. c. -i 


Plur. 1. c. -n Dual. 1. c. ? 


2. m. -h 


2. c. -in 2. c. ? 


f. -/ 




3. m. -f 


8. c. -sn 3. c. snl. 


f. -s 




Die Aehnlichkeit mit 


den semitisclien Pronominalsuffixen liegt 


auf der Hand; nur die 3. 


m. sg. -f stimmt nicht überein. 



Pronomen absolutum'). 

Die alten Formen, deren Gebrauch zum Theil schon in den 
Pyramidentexten ein beschränkter ist, und die später hauptsächlich 
als Objekt des Verbums verwendet werden, sind: 
Sing. 1. c. lol 

2. m. f.w, seltener (dialektisch?) kiv 
f. in und (dialektisch?) tm 

3. m. sw 

f. 6' (die spätere Orthographie vokalisirt die Form si). 

Plur. 1. c. n 

2. c. in 

3. c. sn 

Dual. 3. c. sn (lies snl). 
Man bemerke, dass die Pluralformen dieser Reihe noch denen 
der Suffixe gleich sind. 

Daneben existiren in den Pyramiden Formen, die als Subjekt 
mit stärkerer Betonung verwendet werden : 

1. c. icll. 2. m. twt, 2. f. tmt, 3. m. swt, 3. f. stf^). 
Die semitischen Sprachen haben von dieser Art des Pronomens 
nur noch die 3. Personen (n:-, N'n, pl. C", "") erhalten und es 
ist gewiss kein Zufall, dass auch das Aegyptische gerade die Formen 
der 3. Personen weit länger in lebendigem Gebrauch erhalten hat, 
als die der 1, und 2. 

Das jüngere Pronomen absolutum, das wir im Koptischen finden 
(AwitoK , «TOK u. s. w.) und das man so oft mit dem semitischen 
verglichen hat, ist als wirkliches Pronomen jungen Datums. Wie 
S e t h e nachgewiesen hat ^), haben die Formen 

Sing. 2. m. ntk*) Plur. 2. c. ntfji 

f. ntt 
3. m. ntf 3. c. ntsn 

f. nts 
ursprünglich nur einen ganz beschränkten Gebrauch : wo man beim 
Nomen die, zumeist hervorhebende, Partikel in gebrauchen würde, 



1) Vgl. Erman, Aeg. Z. XXX, 15. 

2) In späteren Texten kommt ein Pronomen st ,,es'' vor, das vielleicht 
zu diesem stt gehört. 

3) Aeg. Z. XXIX, 121. 

4) Sie sind nach dem Koptischen 'ntoh, ''ntof u. s. w. zu sprechen. 



Erman, Das Verhältnhs des Aeguptischen zu den semit. Sprachen. 97 

gebraucht man beim Pronomen diese Formen. Einem hi rmt „der 
Mensch" entspricht syntaktisch ntf\ev'^. 

Wie das jüngere Pronomen 1 sg. imoJc zu erklären ist, stehe 
dahin. Die koptische Form e>noK, die ""rbs anscheinend auch in 
der Vokalisation ähnelt, ist etwa aus ^inwoh entstanden. 

Demonstrativa. 

Die alten Demonstrativa sind 

Sing. m. pw f. tw Plur. m. ipio f. \ptio 

pn tn ipn Iptn 

pfi tfi Ipfi (iptß?). 

Sie enthalten offenbar ein Demonstrativ m. j)- f. t- mit Hinzufügung 
genauerer lokaler Bestimmungen (wie in : cect, cela u. s. w.). — 
Da ijfi rmd 'pn auch in der Bedeutung „hier" vorkommen , so hat 
B rüg seh passend an rib „hier" erinnert. 

Mit den gleichen Endungen ist modificirt ein Demonstrativ ?i-, 
das ursprünglich neutrisch „dieses" bedeutet und in nw, nn, nfi 
vorliegt, die in der späteren Sprache die alten Plurale von pio, pn, 
pfi verdrängen. 

Jüngeren Ursprungs scheint das Demonstrativ pi, ü, ni, das 
den Ursprung des koptischen Artikels und der koptischen Demon- 
strativa bildet. 

Nomina. 

Substantiv a. 

Die Sprache unterscheidet Masculinum und Femininum; 
für CoUectiva und Abstracta wird mit Vorliebe das Femininum 
gewählt. 

Die Endung des Masculinums war u ; sie scheint fiiih verloren 
gegangen zu sein ^). 

Das Femininum endete auf -t. 

Die Vokalisation der gewöhnlichen Substantiva ist uns nur 
aus dem Koptischen bekannt, wo man eine ziemlich grosse Anzahl 
von Bildungsweisen unterscheidet, z. B. 

11 rad. mit mittlerem a {ran Name), e {ni^b Herr), i {pin Maus), 

(son Bruder), o (Jöt Vater), 
II rad. mit dem Vokal hinter dem zweiten Consonanten: pro 

Winter (fem.), 
III rad. mit vorderem e (fenh Flügel), e (erp Wein), o {liomt 

Erz), ö {söpü Schenkel), 
III rad. mit hinterem e {pr(is Decke), i {spir Rippe), o (snof 
Blut), 6 {twQt Statue) u. s. w. 
Dieselben Bildungen liegen meist auch weiblich vor: säte (aus 
*sadet) Feuer, hrere (aus *}p'e;ret) Blume u. s. w. 



1) Dass diese männliche Endung v, in den Pyramiden wirklich noch bei 
beliebigen Substantiven vorkommt, zeigte mir Steindorf f. 

Bd. XLVI. 7 



98 Erman, Das Verliältniss des Aegyi^tischen zu den semit. Sprachen. 

Häufig in ältester Sprache sind die durch das Präfix m- 
von Verben aus gebildeten männlicheu-^ und weiblichen Substantiva 
wie z. B. 

mnhp „Phallus" von nhp „begatten*^, 
mswr „Tränke" von swr „trinken", 

mhit (etwa *viaMet nach dem Kopt.) „Wage" von hi „messen". 
Sie erinnern an die Präfixe der semitischen nomina loci, nomina 
instrumenti und Participien. 

Eine Bildung , die an die semitische „ N i s b e " erinnert , liegt 
in vielen Substantiven vor, die mittelst einer Endung i (später ü 
geschrieben) von andern Substantiven abgeleitet sind: 
ffri „der Horische" von Ilr „Horus", 
idhii „Sumpfbewohner" von idh „Sumpf". 

Vgl. auch die hiermit gewiss zusammenhängende Adjectivendung/. 
Der Plural hat die Endung w, an die beim Femininum noch 
die Femininalendung t tritt: 

S7i „Bruder" : snw (kopt. son : snew), 

mpt „Jahr" mpwt (kopt. rompe: rempoive). 

Der Plui-al masc. wird gern für Abstracta {liiw Zeit) und 
Stoffausdrücke {mw Wasser) gebraucht; doch werden diese Formen 
früh als Singulare verwendet. 

Der Dual wird von paarweisen Dingen gebraucht und ist 
sehr früh erstorben, seine Endung i wird an die Singularendungen 
m. -u, f. -t gehängt ^) , so dass die Endungen m. ui, f. ti entstehen. 

Adj ecti va. 
Neben Adjectiven, die von Verbalstämmen aus nach Art von 
Substantiven gebildet sind {nofr „gut", wer „gross" u. a.), giebt es 
eine sehr häufige Art, die durch eine Endung i von Substantiven 
abgeleitet wird, z. B. 

rs'i „südlich" von rs „Süden", 

mht't „nördlich" von f. mht „Norden". 

Im Koptischen stellt sich die Endung z. Th. als ein betontes 
e dar^). Viele dieser Worte sind später zu Substantiven geworden, 
vgl. hfti „Gegner" (eigentlich „gegenüber befindlich"), kopt. saft 
„Feind". 

Z a h 1 w r t e. 



Die 


Einer sind 


: 














1. 


lo' 










6. 


^Is 




2. 


sn (nach 


dem 


Kopt. 


dualische 


Form) 


7. 


4b 




3. 


hmt 










8. 


hnn 




4. 


fdio 










9. 


psd 




5! 


dwi 










10. 


mt. 




Davon sind 2. 


6. 7. 


8 und 


vielleicht 


9 im 


Semitischen 


ähnlich 



vorhanden (vgl. den lexikalischen Theil). 
1) Nach Steindorff. 



Erman, Das Verhältniss des Aeg optischen zu den sernit. Sprachen. 99 

Die Zehner 20 und 30 hatten besondere Namen ; für 40 — 90 
wurden wie im Semitischen die Plurale der Einer verwendet. 

Die Ordnungszahlen werden durch eine Endung nw gebildet: 
hmtmo „dritter"; für „der erste" verwendet man tpi „am Kopf 
befindlich". 

Verbum. 

Yerbalstämme. 
Das ägyptische Verbum zerfällt je nach Zahl und Art der 
Radikale in verschiedene Klassen. Nach S e t h e sind folgende sicher 
festzustellen : 

II radikalige (sehr häufig): ivn „öffnen", der Stamm bleibt un- 
verändert. 
Ilae geminatae (häufig) : irnn „sein". Eigentlich dreiradikalige 
Verba, deren zweiter und dritter Radikal aber in den meisten 
Formen zusammenfallen. 
Illae infirmae (sehr häufig) : gm „finden", mit einem l als drittem 
Radikal, das indess in der Regel nicht ausgeschrieben wird. 
Einige Formen werden nach Analogie der Ilae geminatae 
gebildet: gmmh. 

III radikalige (sehr häufig) : hbs „kleiden" : der Stamm bleibt 
unverändert. 

Illae geminatae : spdd „bereiten". Eigentlich vierradikalige Verba, 
deren 3. und 4. Consonant aber in den meisten Formen zu- 
sammenfallen. 

IVae infirmae: rmn „tragen", haben in manchen Formen ein lo 
oder i als vierten Radikal (rmnir). Einige Formen bilden 
sie nach Analogie der III ae geminatae : ipss. 

IV radikalige , meist Reduplikation zweiradikaliger Stämme : tlti 
„zertreten (?)". 

V radikalige, z. Th. wohl durch Reduplikation der beiden letzten 
Radikale entstanden : hbsbi. 

Daneben stehen andere Verba, deren Flexion sich bisher in 
keine der obigen Klassen einfügen lässt, wie z. B. kms „sitzen", int 
„bringen", rdi „geben" u. a. m. 

Weitere Bildungskiassen entstehen ferner, ganz wie im Semi- 
tischen, durch die Schwäche einzelner Stammkonsonanten; die Verba 
lae IV , mediae ic, Ilae i, Illae S haben ihre Sonderheiten, die sich 
freilich nur sehr unvollkommen beobachten lassen ^). 

Die Aehnlichkeit dieser ganzen Verhältnisse mit denen des 
semitischen Verbums liegt auf der Hand, und es ist gewiss nicht 
zufällig, dass Verba, die ägjpt. Ilae gem. sind, auch im Semitischen der- 
selben Klasse angehören {hmm : C-n, t7nm : D'^p), während andere, die 
Illae inf. sind, semitisch zu den Illae ' gehören (Si: -"', ivd ^>o_»). 

1) Beispielsweise: das tc der lae tr verschwindet in der Schrift in 
Causativformen ; das ?'-' mancher mediae v: (z. B. mt „sterben") ist nur aus dem 
Koptischen zu erkennen. 

T 



IQQ Erman, Das Verhältniss des Aegyptischen zu den semit. Sprachen. 

Immer stimmt dies jedoch nicht, denn '/• ist Ilrad., während rib"* 
Illae -^ ist. 

Von der eigenthümlichen Modificirung der Verbalstämme, die 
im Semitischen eine so grosse Rolle spielt (den sogenannten „Con- 
jugationen"), ist mit Sicherheit nur ein Fall, das Causativ mit vor- 
gesetztem s- nachzuweisen: äS- „aufsteigen lassen" von 'r, smn 
„feststellen" von mn. Doch liegt- das Verhältniss anscheinend anders 
als in den semitischen Sprachen, denn die Causativform eines ägyp- 
tischen Verbums schliesst sich einer anderen Verbalklasse an als 
das Simplex selbst. So werden sicher die Causativa der gewöhn- 
lichen zweiradikaligen Verba nach Art der Illae inf. flektirt und 
die Causativa der gewöhnlichen dreiradikaligen Verba nach Art der 
vierradikaligen. 

Vielleicht darf man einen Rest einer anderen „Conjugation" in 
einer Reihe alter fünfradikaliger Verben sehen , die sämmtlich mit 
n beginnen : nlimhm, nbdbd, ndfdf u. s. w. 

Genera des Verbums. 

Die einschlägigen Verhältnisse sind sehr schwer zu beurtheilen, 
da die Hauptformen offenbar nur durch die (für uns unsichtbaren) 
Vokale geschieden waren. Es gab vermuthlich ursprünglich: 

1) ein transitives Genus, 

2) ein intransitives Genus, 

3) ein passives Genus, das mit dem intransitiven wenigstens in 
einer Form zusammenfiel. 

Dieses alte Passiv kommt aber nur noch bei einem Theil der 
Formen vor (z. B. fast nur bei nominalem Subjekt) ; es ist zurück- 
gedrängt durch 

4) ein mit der Endung ü (später fto geschrieben) gebildetes Passiv. 

A eitere Flexion. 
Die ältere, der semitischen verwandte Art, das Verb zu flek- 
tiren ^) , liegt nur in dem sogenannten Pseudoparticip vor , einer 
Form, die schon in den Pyi-amidentexten einen etwas einseitigen Ge- 
brauch hat, der sich in der Folgezeit noch mehr und mehr beschränkt. 
Ihre transitive Form starb sehr früh aus, die intransitive und ältere 
passivische erhielt sich dagegen bis in das Koptische , wenn auch 
nur trümmerhaft als eine Art Particip. 
Die Flexionsendungen sind: 
Sing. 3. m. -i, jünger -w Plur. 3. m. -lo Dual. 3, m. -wü 
f. -ü f. -tt f. -tiiw 

2. m. -ü 2. m. -tini 

f. -ü 1. pl. -w'in 

1. c. -Jcw oder kioi 



1) Erman, Aeg. Z. XXVII, 65 ff.; vgl. auch W. M. Müller, Aeg. Z. 
XXIX, 85 ff. 



Erman, DasVerhältniss des Aegypt/scJicn zu den seruit. Sprachen. \Q\ 

Ueber die Bildiing der transitiven Form hat Sethe nur er- 
mittelt, dass sie bei zweiradikaligen mit einer Doppelconsonanz mit 
Vorschlagsvokal begann; die Form war also, vpenn man den un- 
bekannten Vokal mit .- bezeichnet 3. m. ^rJuio, f. ^rh.ti u. s. w. 

Genauer sind vrir über die intransitive und passive Form unter- 
richtet, sie lautet bei den verschiedenen Klassen nach Ausweis des 
Koptischen etwa folgendermassen, wenn man die Endungen der 3. m. 
und 3. f. nach der vermuthlichen späteren Aussprache durch e und 
te wiedergiebt : 

3. m 3. f. (nach Sethe) 

Ilrad. ) . 

-TT ] Vierte mente 

Ilae gem. } 

Illae inf. moste ^rnseite 

III rad. hodbe ^dobfe 
Illae gem. sepdöde ^spodte (?) 

IV rad. henkone kenkonte 

Gewöhnliche Flexion. 

Die gedachte alte Flexion ist ganz bei Seite gedrängt durch 
eine mit den Possessivsuffixen gebildete, die wohl nominalen Ur- 
spi-unges sein dürfte. Sie liegt hauptsächlich in einer Bildung vor, 
bei der die Suffixe unmittelbar an den Stamm gehängt sind. Diese 
Bildung zerfiel ihrerseits in mehrere Formen , die sich aber in der 
vokallosen Schrift nur schwer auseinander halten lassen. 

Genauer bekannt ist uns nur eine dieser Formen (der sogenannte 
Subjunctiv), die etwa folgendermassen lautete ^) : 

Ilrad. kd jbauen" III rad. sdm ^hören" 



Sing. 1. c. 


ekdoi 


s^dmoi 


2. m. 


ekdok 


s^dmok 


f. 


e'kdot 


s^dmot. 


3. m. 


ekdof 


sHmof 


f. 


«kdos 


s^dmos 


Plural 1. c. 


c'kdon 


s^dmon 


2. c. 


e'kdo^n 


s^dm60n 


3. c. 


^kdosen 


s^dmös^n 


bei nominalem Subjekt 


%de romßt 


s<^dme römet 



Die Verba Ilae gem. bildeten wahrscheinlich wennof mit 
Zusammenziehung der beiden gleichen Radikale. Die Verba Illae 
inf. bildeten perjof mit hervortretendem dritten Radikal. 

In einer anderen von Sethe nachgewiesenen Form der gleichen 



1) Erman, Aeg. Z. XXII, 28 ff. Sethe hat jetzt nachgewiesen, dass der 
Vorschlagsvokal e vor der Doppelkonsonanz in diesen und anderen Formen in 
bestimmten orthographischen Systemen durch t bezeichnet wird ; also ikdf für 
ekdof aber sdmf für sedmof. Es sind derartige Schreibungen, die Hommel 
neuerdings für eine dem semitischen Imperfect ähnliche Form in Anspruch 
nehmen wollte. 



102 Erman, Das Verhältniss des Aegyptischen zu den semit. Spirachen. 

Bildung scheint der Vokal nach vorn gerückt zu sein ; sie lautete 

etwa, wenn man den unbekannten Vokal durch ^ bezeichnet: 

II rad. hd^wf 

Ilae gem. tonMf 

r pr^rf 

Illae inf. 1 pr^?«/" 



prAlf 



III rad. sd^mf 

Sie steht u. a. in Fragesätzen , in futurischen Sätzen , nach 
Verben des Wünschens und nach bestimmten Conjunctionen , und 
könnte wohl durch die besondere Betonung derartiger Sätze aus 
der gewöhnlichen Form entstanden sein. 

Andere Bildungen mit gewöhnlicher Flexion sind diejenigen, 
in denen dem Verbalstamm eine Endung -n oder -in ^) angehängt 
wurde : 

3. m. kdnf J/dtnf 

f. kdns kdins 

mit nom. Subj. hdn rmt kdln rmt 

Die Bedeutung von hdinf ist eine emphatische, hdnf bezeichnet 
zuweilen die Vergangenheit. Doch wird diese Bezeichnung der 
Vergangenheit, ebenso wie die oben erwähnte der Zukunft, nur in 
solchen Fällen gebraucht, wo das Zeitverhältniss scharf ausgedrückt 
werden soll. 

Imperativ. 

Der Imperativ hat nach Sethe im Pluralis eine Endung /, 
seltener (jünger?) %o\ bei zweiradikaligen Verben begann er mit 
einer Doppelkonsonanz: sg. nuJ^ pl. hidl. 

P.a r t i c i p i a. 

Von den Participien ist uns nur wenig bekannt. Die wenigen 
sicheren koptischen Formen des aktiven Particips haben Formen 
wie: II rad. loum- „essend", Illrad. /?«/6- „tödtend", die indess ver- 
muthlich verkürzt sind. Ein passives Parti cip ist vermuthlich kopt. 
pres „Teppich", eigentlich „Stratum" (von prs). 

Infinitiv. 
Der Infinitiv hat bei den wichtigsten Verbalklassen folgende 
Gestalt : 

II rad. kod III rad. sodm 

II gem. Umom III gem. sopded 

III inf. miset IV rad. honken 

Die weibliche Form auf t findet sich nur bei den III. inf. so- 
wie bei einigen unregelmässigen Verben. 



1) Aus der Wortstellung ergiebt sich, dass dieses -n und -in unlösbar 
mit dem Stamm verbunden ist und nicht etwa mit dem Subject. 



Ennan, Das Verhältniss des AegyptiscJien zu den serait. Sprachen. 103 

Substantivirtes Verb'). 

Von den oben gedachten Verbalformen der jüngeren Flexion 
(sdmf, sdmnf) aus bildet man nominale Formen , in denen man 
die Substantivendungen m. lo, f. t an den Stamm hängt. Besonders 
beliebt sind davon (ich wähle ein Beispiel Illae inf.): 

1) mrtf „der Umstand, dass er liebt", 
mrtnf „der Umstand, dass er liebte", 

2) intTW ntr „der, welchen der Gott liebt", 
mrrtf „das, was er liebt". 

Die letzteren Formen werden auch im Relativsatz benutzt: 
jpS ti-hcj, didlwtn nl „dieses Weissbrod, das welches ihr mir gebt". 

V e r b a 1 a d j e c t i V ^). 

Man bildet von Formen wie sdmf „er hört" die wunderlichen 
Adjectiva : 

Sing. 3. m. sdmü'fX -3. f. sdmt'is'i 
Plur. 3. c. sdmt'isn 

mit der Bedeutung: ,der (die) welcher höi-t", die meist von der 
Zukunft gebraucht werden. 

Syntaktisches. 
Genetiv. 

Das Genetiwerhältniss wird nur durch die Stellung der 
beiden Nomina bezeichnet, von denen das nomen regens vor das 
nomen rectum tritt : p?* h''ti „das Haus des Füi'sten". Diese Ver- 
bindung ist eigentlich eine so lose, dass die beiden Theile durch 
andere Worte getrennt werden können ; bei besonders häufigen Ver- 
bindungen wird sie aber oft zu einer Art Wortzusammensetzung. 

Eine alte Umschreibung desGenetivs — mittelst eines 
veränderlichen Adjectivums n'i: pr n'i Ii^ti^) — hat den Anlass zu 
den späteren Genetiven mit n gegeben, die die alte Bildung schliess- 
lich verdrängt haben. 

A dj ecti V. 

Das attributive Adjectiv und die alten Demonstrativa stehen 
nach dem Substantiv : rn icr „der grosse Name" , rn pn „dieser 
Name" ; sie richten sich nach ihm in Geschlecht und Zahl. 

Einem Adjectiv wird sehr häufig ein Substantiv angefügt, um 
anzugeben, worauf sich die betreffende Eigenschaft bezieht : nefr-liw 
„schön an Gesicht". 



1) Erman, Aeg. Z. XIX, 54 ff. 

2) Erman, Aeg. Z. XIX, 51 ff.; die Berichtigung der Form verdanke ich 
Herrn Sethe. 

3) Nach Steindorff. 



104 Erman, DasYerhältnüs des Aegyiitischen zu den semit. Sprachen. 

Z a h 1 w r t e. 

Die Zahlworte gelten ursprünglich als Substantiva, denen der 
gezählte Gegenstand in Apposition folgt: fdw qnv nf.rin „jene 4 Götter", 
fdivt Iptw nfrwt „jene 4 Göttinnen" (eig. jene vier, die Götter). 
Später folgen sie dem Nomen, das meist im Pluralis steht : ntrw fdio. 

Wortstellung. 

Das Objekt war, soviel wir wissen, nur durch seine Stellung 
kenntlich; es steht stets hinter dem Verbum und dem Subjekt, 
dagegen vor dem durch die Präposition n ausgedrückten entfernteren 
Objekt: 

rdin stn nh n hkf ,der König gab seinem Diener Gold". 
Verbum Subj. Obj. eutf Obj. 

Sind aber unter diesen Satztheilen Pronomina, so stehen die- 
selben vor den Substantiven, und zwar erhalten dabei die Suffixe 
den Platz vor dem Pronomen absolutum: 

rdin sw stn n bl'f „der König gab es seinem Diener", 
rdln nf sw stn „der König gab es ihm". 

Eine sehr grosse Rolle spielt die Hervorhebung. Das 
gewöhnliche alte Verfahren ist, dass man das hervorzuhebende Wort 
vor den Satz stellt und es innerhalb des Satzes durch ein Pronomen 
ersetzt : 

hstl plis pt „mein Lob es erreichte den Himmel", 

hsti sdm si itl „mein Lob mein Vater hörte es". 

Später leitet man das so hervorgehobene Wort noch durch die 
Partikel Ir, oder, wenn es Subjekt ist, durch In ein: 
h' hstl sdm s'i Itl 
hl hstl phs (oder auch nur ph) pt. 

Unter den häufigen Ellipsen hebe ich als für Semitisten 
interessant hervor die in parallelen Sätzen: 

f7ns hrf r dd mi't, mkhs ddiv grg „wendend sein Gesicht gegen 
den der Wahrheit spricht, (seinen) Hinterkopf (gegen) die die 
Lüge sprechen" 
sowie die in der Vergleichung : 

ndml rk hn' hm ml rh „berathe mit dem Unwissenden wie (mit) 
dem Gelehrten". 

Nominalsätze. 

Unter den Sätzen sind neben den gewöhnlichen Verbalsätzen 
(in denen das Verbum am Anfang steht) die Nominalsätze hervor- 
zuheben. Es sind das ursprünglich die Sätze ohne Verbum, in 
denen das Prädikat durch ein Nomen oder einen präpositionellen 
Ausdruck gebildet wird : rnh nfr „dein Name ist schön", rnk m 
r nh „dein Name ist in jedem Mund". Sekundär (nach Krebs' 
richtiger Bemerkung) , indessen alt , ist der Gebrauch , auch bei 



Erman, DasVerhältnisu des Aeguptischen zu den semit. Sprachen. 105 

verbalem Prädikat einen derartigen Satz zu bilden; das Verb steht 
dann im Pseudoparticip oder im Infinitiv mit einer Präposition: 
hmt '/iHi „die Frau steht" (eigentlich ,die Frau, sie steht"), 
hmt hr mst „die Frau gebiert" (eigentlich „die Frau ist beim 
Gebären"). 



Lexikalischer Tlieil. 

Vorbemerkung. 

Wer in dem vorstehenden Abschnitte gesehen hat, wie sehr 
der Bau des Aegyptischen dem der semitischen Sprachen ähnelt, 
wird vielleicht ein gleiches Resultat auch bei dem lexikalischen Theile 
unserer Frage erwarten. Um so mehr dürfte er daher von der im 
Folgenden gegebenen Liste der Berührungen im Wortschatze ent- 
täuscht sein. Denn Avie umfangreich auch diese Liste ist, an wirk- 
lich schlagenden und einwandfreien Gleichungen enthält sie doch 
nur recht weniges. 

Dass hier das Resultat ein so dürftiges ist, liegt zum Theil 
natürlich an unserer mangelhaften Keuntniss des ägyptischen Wort- 
schatzes. Wir kennen die Bedeutung sehr zahlreicher Worte bislang 
nur ungefähr oder kennen sie auch gar nicht und ebenso oft sind 
wir noch über die genauere lautliche Gestalt eines Wortes — ob 
es ursprünglich ein I-, /.' oder g, ein (J, d, t oder t, ein s oder 5' 
hat — im Unklaren. Und noch mehr wird unsere Aufgabe erschwert 
dui-ch besondere Eigenheiten dieses Wortschatzes; er hat nach- 
weisbar manche der häufigsten Worte sehr frühzeitig durch jüngere 
ersetzt (so z. B. die Seitenstücke zu v'r^ «rechts", yy „Auge", ",.7S 
„Ohr") und er hat ausserdem während seiner langen Geschichte — 
ganz besonders im neuen Reiche — zahlreiche Fremdworte in sich auf- 
genommen. Dieser letztere Umstand ist besonders störend für uns, denn 
er bringt jedes ägyptische Wort, das wir noch nicht bis mindestens 
in das mittlere Reich hinein verfolgen können, in den Verdacht, 
entlehnt zu sein. Und doch wäre es auch unrichtig und unmethodisch, 
wenn wir nun dieses Verdachtes wegen zu unserer Arbeit wirklich 
nur die aus alten Texten zu belegenden Worte heranziehen wollten, 
denn es unterliegt keinem Zweifel, dass gerade die Inschriften der 
allerspätesten Zeit, die der griechisch-römischen Tempel, in ihrem 
uns so fremdartigen Sprachgute vielfach alte, uns sonst unbekannte 
Worte enthalten. Denn, wie dies, wenn ich nicht irre, schon L e p s i u s 
ausgesprochen hat, benutzen diese Inschriften mit Vorliebe uralte 
Worte , die sie , Gott weiss wo , aufgelesen haben '). Wenn daher 
in diesen Inschriften ein hapax legomenon 7111 „Nacht" und ein hapax 



1) So haben sie das dem 0,3 entsprechende ivrh noch mit r, während 
schon in den Pyramidentexten dafür lolh eingetreten ist. 



106 Erman, DasVerliältniss des Aegyptischen zu den semlt. Sprachen. 

legomenon sn}h „erhören" auftreten, so können diese Worte zwar 
späte Entlehnungen von b-b und 'Jivä sein , ebenso gut könnten es 
aber auch alte Ausdrücke sein , die durch Urverwandtschaft zu er- 
klären wären. Eine Entscheidung ist hier im einzelnen Falle kaum 
zu fällen ; ich habe daher im Folgenden jedesmal darauf hingewiesen, 
wenn ein Wort nur aus diesen „späten Texten" belegt ist. 

Endlich liegt noch eine weitere Complication darin, dass auch 
die semitischen Sprachen gewiss vieles aus dem Aegyptischen ent- 
lehnt haben : auch von dritter Seite werden Worte in beide Sprach- 
zweige eingedrungen sein. 

Es musste meine erste Aufgabe sein, diese Lehnworte auszu- 
scheiden; ich habe sie in der Liste durch ein vorgesetztes f (oder 
ein t? wo man an ihrer Natur zweifeln kann) gekennzeichnet. 

Was in der Liste ohne dieses f geblieben ist, wiU von Kennern 
der semitischen Sprachen auf die Wahrscheinlichkeit einer Verwandt- 
schaft hin geprüft werden ; wie sich die Frage vom ägyptologischen 
Standpunkt aus darstellt, habe ich bei jedem Worte angedeutet; 
Gleichungen mit ?? halte ich für unmöglich oder sehr unwahr- 
scheinlich, solche mit ? für möglich, solche ohne Fragezeichen für 
wahrscheinlich '). 

Die grösste Anzahl der hier zusammengestellten Gleichungen 
verdanken wir Heinrich Brugsch, der auch um dieses Gebiet 
sich sehr grosse Verdienste erworben hat ; er hat in seinem Wörter- 
buch und in dem Supplement desselben sehr vieles hierher gehörige 
gesammelt 2). Ich habe von diesen Sammlungen und von den ein- 
schlägigen Mittheilungen meiner Freunde und eigenen Bemerkungen 
aufgenommen, was irgend bei diesen Untersuchungen in Betracht 
kommen kann und habe selbst recht fragwürdigen Einfällen einen 
Platz gegönnt. Fortgeblieben sind nur solche Fremdworte, deren 
Entlehnung schon aus äusseren Gründen auf der Hand liegt und solche 
Vergleichungen, die auf Grund falscher Annahmen über die Lesung 
oder die Bedeutung ägyptischer Worte aufgestellt worden sind^). 

Nicht aufgenommen habe ich auch die ägyptisch-semitisch- 
indogermanischen Urwui'zeln, die Brugsch im Anschluss an Gesenius' 



1) Ich sage absichtlich nicht „sicher", denn selbst Gleichungen wie hmm 
u'-Ti oder */> Ti^'S könnten zuletzt auf Zufall beruhen. Heisst nicht ägypt. die 
Wittwe llir-t und griechisch /,V9f^ ' und wird nicht sogar durch einen seltsamen 
Zufall der Getreidespeicher deutsch und koptisch mit zwei ganz gleichlautenden 
Worten {Scheune und uje-y'iie) bezeichnet? 

2) Manches davon ist gewiss auch schon früher von anderen bemerkt 
worden, doch habe ich mich absichtlich nicht auf die schwierige Ermittelung 
solcher etwaiger Priorität eingelassen und durchweg Brugsch als Quelle citirt. 

3) Es giebt deren nicht wenige z. Th. sehr verlockende und ich warne 
daher Somitisten ausdrücklich vor allen Gleichungen, die ich hier nicht auf- 
genommen habe. 



Erman, DasVerliältniss des Aegyptischen zu den senüt. Sprachen. 107 

ähnliche Ideen aufgestellt hat, und aus denen er auch die Bedeutung 
ägyptischer Worte zu erschliessen gesucht hat. 

Noch bemerke ich, dass ich ägyptischen Substantiven, von deren 
Vokalisation man sich aus dem Koptischen eine ungefähre Vor- 
stellung machen kann, eine solche hergestellte Form (z. B. „etwa 
hwjn'^) beigefügt habe. 

Liste ähnlicher ägyptischer und semitischer Worte. ^) 



/3 Insel: 'N Insel (Bnigsch). 

? üb wünschen : nnx wollen — Brugsch vergleicht das hapax 
legomenon nN" „verlangen nach". 

\ih grünen, siehe lolh. 

i'h (etwa *<o'/0 Mond: n'^_^ Mond. — Nach Mittheilung Sethe's 
existirt auch eine alte Nebenform ic'h, vgl. zu w^h. 

hoho und ho Schakal : a'^'N Schakale (Brugsch). 

? ? iw sein : T-rri, sein. 

ib Herz (etwa *ieb): nb ^_^j Herz. 

?}b (III. inf.): L^"b' dürsten. 

t Ip-t oiTie ein Hohlmaass : !-;e'S desgleichen. — Das sem. Wort 
ist entlehnt, und zwar nicht vor dem neuen Reich, da die hebräische 
Schreibung oifenbar schon ein *o'ipe wiedergiebt. 

'? i/' Schlange: nrcN .x-sl Schlange (Brugsch). — Brugsch 
will auch noch hf „Schlange" heranziehen; if ist ein ganz ver- 
altetes Wort. 

hnn rechts : VI-" cTtv^r! rechte Seite. — Das ägypt. Wort kommt 
nur noch in den Pyramidentexten vor und auch hier wird es schon 
zum Theil durch das spätere tonm ersetzt. Dagegen ist das Derivat 
hnnt „Westen" im Gebrauch geblieben, das dem .».«j „Süden" ent- 
spricht. -) 

? ? hl Partikel, die das Subjekt hervorhebt : -r; .1 siehe. 

?m Partikel der Frage: -,- j^ desgl. — Auch an -- und 
_^ könnte man denken. 



1) In dieser Liste ist die Wahrscheinlichkeit des im einzelnen Falle an- 
genommenen Lautüberganges nicht erörtert. Der Leser findet das nöthige 
Material zur Beurtheilung derselben in der unten (S. 123) gegebenen Zusammen- 
stellung der beobachteten Uebergänge. 

2) Für den Aegypter ist der Süden, von wo der Nil kommt, „vorn" (hnt) 
und in Folge dessen der Westen „rechts"; der Semit, dem der Osten die Haupt- 
himmelsrichtung „vorn" (Q"!.P.) ist, bezeichnet in Folge dessen den Süden als „rechts". 



108 Erman, Das Verhältniss des Aegijptischen zu den sendt. Sprachen. 

t?(*ir??) oeiAe (sprich o'ile) Widder: b^x Widder. — Das 
Sern. Wort ist wohl entlehnt, vgl. die Bemerkung zu dt -soen-. 

? Viiy Raum für Vieh und Soldaten : b-N Zelt, Haus. — Das 
ägypt. Wort ist nur bis in das neue Reich zu verfolgen ; es könnte 
aber wohl einem älteren *ihi entsprechen. 

?{*ihb'?) i-hs-bw lieben: nriN lieben (Brugsch). — Das ägypt. 
Wort ist nui- einmal in einem späten Text belegt. 

? ? ihb ein Ausdruck der Freude ; nriN wünschen , gern thuu 
(Brugsch). 

is^r ein Baum, vermuthlich gleich oci Tamariske: b">pJ< Js^f 
Tamariske (Brugsch). ' 

■^ itrw (etwa '^lofru) Fluss: "iNr — Das sem. Wort ist in einer 
Zeit entlehnt, wo man schon wie iin Kopt. eioop sprach. 

f?'tdml dunkelrothes Leinen: c-N roth sein (Brugsch). — 
Das -i ist gewiss ägypt. Endung; eine Entlehnung möchte man 
ungern annehmen, da khni in den ältesten Texten vorkommt. 

(*idn Ohr), tdn hören oder ähnlich: "JT« ö| Ohr (Steindoi-if 
nach Bi-ugsch). — Das Wort *idn „Ohr" ist in der Sprache nicht 
mehr nachweisbar, doch macht es der Lautwerth idn des Hiero- 
glyphenzeichens des Ohrs wahrscheinlich, dass es einst existirt hat. 
Vgl. zu 'n, mt. 



t ^im Hirt, besonders von Beduinen : 'Z'J Volk (Brugsch). 
t ^wn-t Stock oder ähnlich : ÄiLc grosse Palme (Maspero, Etud. 
egyptol. HI, 235). 

^p fliegen: r|ir fliegen (Brugsch). 

??W. {^^mtU) Nebel, Wolke oder ähnl.: zi'Z'J dunkel sein, 

^ verdunkelt sein (Brugsch). — Das ägypt. Wort scheint ein 
radicales /. zu haben, was die Gleichung unmöglich machen wüi'de. 
? ^n umwenden , 'n wiederum : -yj antworten (Brugsch). — 
Vgl. die Redensart 'n wib-t , Antwort wenden", d. h. „antworten", 
die freilich erst im neuen Reiche zu belegen ist. 

(* *7i Auge) : yy ^xfi. Auge (Steindorö" nach Brugsch). — Das 
ägypt. Wort ist, ähnlich wie *tdn „Ohr" nur noch aus dem tradi- 
tionellen Lautwerth des Hieroglyphenzeichens des Auges zu er- 
schliessen; in der Sprache selbst ist es schon verloren. 

t V ^n als Name eines ägyptischen Kanals und in anderen Orts- 
namen: yy ^^yKS. Quelle (Brugsch). — Das Wort hat das Deut- 
zeichen der Gewässer. 



Erman, Das Verhältniss des Acgyptischcn zu den semit. Sprachen, 109 

? ^nb Name einer Pflanze : n:" ^^c Wein (Brugsch). 

^nh Ziege oder ähnl.: ^wÄc, assyr. 'imelci Ziege (Hommel). 
S- aufsteigen: iibr aufsteigen (Brugsch). 

? ? *r Löwe : ■^'^N Löwe (Brugsch). Das ägypt. Wort ist fast 
nur durch den Lautwerth des Zeichens des Löwens zu belegen. 

? ■? ^r-t Gazelle oder ähnlich : b"^ J^» Steinbock (Brugsch). 

??'rw Name eines Baumes: t^rN Name eines Baumes (Stern). 
? ? ^rt Buch, von solchen aus Haut, aber wohl auch von anderen : 
TIS' Fell (Brugsch). 

'h (etwa * 'alj) ä.uj Feuerbecken : nN ^\ Feuerbecken. 

"" Og 
W 1 

will grünen: p-;' Grünkraut ö-» Blatt. — Die Pyramiden 
haben auch eine vermuthlich dialektische Nebenform lih ; ein 
anderes System der Orthographie, das uns nur in späten Texten 
vorliegt, schrieb noch das alte /•: lorh. 

tfxrJj siehe jvilj. 

? '? irsfi müssig , faul sein : qr^ müde werden. — Nur wahr- 
scheinlich, wenn losfs wirklich, wie man das gewöhnlich annimmt, 
eine Nebenform von wdfi ist. 

losfj breit: <^» weit sein. 

lod befehlen: T''4 ^as, befehlen (Sethe). 

? ?rf/j gehen: Ni:' herausgehen (Brugsch). - — Das ägypt. Wort 
hat meist den Begriff der Richtung auf etwas hin und wohl nie 
den des Herauskommens. 

b - 

??bibi Loch, Höhle: aram, s''3 Höhle, Grube, N^a Thor (nach 
Brugsch). 

? ? bssw Gepard : ^j^ Katze. 

i bin schlecht: ")i-3N elend (noch neuerdings von Lagarde ver- 
th eidigt). — Das ägypt. Wort existirte nach dem Kopt. in dem 
Adjectiv *bdfn (feuiiun) und dem Substantiv *^'bjen (efiinn); aus 
dem letzteren wird das sem. Wort entlehnt sein. 

'}'}b'h üeberschwemmung, Fluth : <^ beständig regnen, pw_»_j 
Wasserguss. — Man müsste annehmen,"'das h sei dem ' assimilirt 
worden, vgl. zu di^, irr. 



110 Erman, Das Verhältniss des Aegyptischen zu den semit. Sjwachen. 

? bw Ort : 3 ^ in (Brugsch). 

??Äw Sohn??: 'S ^^j! Sohn (Brugsch). — Das ägypt. Wort 

kommt nur in zwei späten Texten als Bezeichnung von Verwandten 
eines Königs vor und ist vielleicht beide Male in sii , Bruder" zu 
verbessern. 

■\hnd umwickeln, bnd Binde: r:;3N Gürtel (Brugsch), — Das 
sem. Wort dürfte entlehnt sein und einem ägypt. *bnM entsprechen. 

fbJm-t Thorthurm der Tempel: -nzi Wartthurm (Brugsch). — 
Das sem. Wort mag entlehnt sein. 

??bki trächtige Kuh (auch vom Nilpferd): "ipa Jjj Rinder 
(Brugsch). — Das ägypt. Wort geht auf bki „schwanger sein" zurück. 

bks Morgen (auch der morgende Tag): 'n'pb. Morgen s.Jl_j 
der morgende Tag (Brugsch). 

'i p'l/ leuchten: ;•:■' Hl. erglänzen lassen, leuchten (Brugsch). — 
Nur aus späten Texten belegt. 

?^?i* umwenden: n:E sich wenden. 

'^'^pvT/, pyr Binde, auch von der um den Kopf gewickelten: 
"^NE Turban (Brugsch). — Das ägypt. Wort nur in späten Texten. 

pfi jener (auch für „hier" gebraucht) : nir hier (Brugsch). — 
Wenn auch vielleicht nicht i^fi selbst dem sem. Worte gleich- 
zusetzen ist, so doch gewiss das alte Demonstrativ *p, auf das ^/'s, 
pn und inv zurückgehen. 

t?nmA(5' trennen: abE theilen (Brugsch). — Brugsch führt 
als ägypt. Form pn-gi ohne Beleg an: das kopt. Wort wird ent- 
lehnt sein. Vgl. niupcs'. 

2)rt Früchte (vom Korn und vom Baum): ■'iE Frucht, n'nE 
Frucht bringen (Brugsch). — Das ägypt. Wort geht wohl auf pr 
„herausgehen" zurück, das gerade auch von Pflanzen gebraucht wird. 

t? niupf?" trennen, theilen: v_5-s theilen (nach Brugsch). — Das 
kopt. Wort wird entlehnt sein. Vgl. nuiA(5'. 

? ? phit hölzernes Brett oder ähnlich ; auch von der Hand- 
schelle oder ähnlich: cnE Bleche, "E Schlinge (Brugsch). 

\pjrlü als Verb vom Lotus gesagt: n'^E blühen, sprossen 
(Brugsch). — Das ägypt. Wort ist gewiss entlehnt. 

!?/»•// nuipuj ausbreiten, npHiy Teppich: bns ausbreiten, 
iji!.5 Teppich (Brugsch). — Die ägypt. Form prli \%t nur sehr 

spät belegt, so dass auf ihre Schreibrmg kaum etwas zu geben ist. 
Vermuthlich ist das Wort entlehnt. 



Erman, Das Verhältniss des Aegyptischen zu den semit. Sprachen. \\\ 

?''?ps kochen: btjr kochen. — Das ägypt. Wort wird ur- 
sprünglich fs geschrieben und hat unerklärte Formen wie 2^sf, pfs. 
Einen Zusammenhang zwischen ps und b">r3 kann man nur an- 
nehmen , wenn man an eine Erweiterung des Stammes wie in smh 
bN'72d denken will. 

'} psd (etwa *psi<J) neun: r'dn k.^'S neun. — Nur möglich, 

wenn man den Wechsel von p und t durch eine Analogiebildung 
erklärt. 

i'?2^^'~^ vielleicht Flachs: r-^E Flachs (Brugsch). 

i pfr Faden: b^ns Faden (Brugsch). — Das ägypt. Wort ist 
nicht über das neue Reich hinaus zu verfolgen und vielleicht 
entlehnt. 

? ptr erklären oder ähnlich: "ins (Träume) deuten (Brugsch). — 
Das ägypt. Wort ist nur in der alten Formel ptr sw „erkläi-e es"' 
(d. h. „was ist dasV") nachzuweisen; das von Brugsch auch heran- 
gezogene muuipe „Träume sehen" gehört zu ptr „schauen". 

jJth öfinen: nrp ^Jis öffnen (Brugsch). — Das ägypt. Wort 
ist veraltet. 

rn '2 

111 wer ? was V (das alte Fragewort) : -^7: wer V r\'2 was ? lx 
was? (Brugsch). 

inw Wasser: n"^73 ^'^ Wasser (Brugsch). — Das ägypt. Wort 
ist ein Plural und -w seine Endung; ob zwischen m- und dieser 
Endung noch ein schwacher Consonant gestanden hat, ist nicht zu 
ersehen. 

mwt sterben: m73 cjw/o sterben (Brugsch). — Das ägypt. Wort 
wü-d meist mt geschrieben, doch ist die Existenz des to durch das 
Kopt. gesichert. 

'i'i mwt (etwa *iaaw''t.) Mutter: DN J, Mutter (Brugsch). 

mn bleiben, siehe bei rimi. 

t?Aiine Art und Weise: yiz Art (Brugsch). — Das kopt. 
Wort ist unklarer Herkunft, aber schwerlich entlehnt. 

mny die Erde aufhacken (Art des Pflügens): . L« {ined. j) 
pflügen (Brugsch). — Das ägypt. Wort ist alt. 

? ? mnwy das einzelne Stück beim Zählen von Geweben : n:'3 

zählen, rr.iz Theil, Portion, . x Theil, Zahl (Brugsch). — Das ägypt. 
Wort ist erst seit dem neuen Reich nachweisbar. 

V ? mnh Pflanze , die mit Papyrus und Lotus genannt wird : 
nib73 Melde (Brugsch). 



112 Erman, DasVerhältniss des Aegijptischen zu den semit. Sprachen. 

V '? mrt gemeine Leute, Bauern oder ähnlich : ^/s Menge, Haufen 
(Brugsch). — Das ägypt. Wort ist alt. 

V xioy'Ag^ salzen : nb72 ^^ salzen (Stern , kopt. Gr. S. 4). — 
Das kopt. Wort ist vielleicht mit mrh identisch, das vom Balsa- 
miren gebraucht vrird und auch „beschmutzen" oder ähnliches be- 
deutet. Dagegen hat mnh „Wachs", das Brugsch auch heranzieht, 
wohl nichts mit nV/J zu thun. 

mrJit Oel: ^ ucd ^ ./; salben, ölen (nach Brugsch). 

'^'^msy-t Abend oder ähnlich: ui/JN L^v./) Abend (Brugsch). — 
Vgl. rnsrio. 

? ? Aiiiye kämpfen : aram. Nn?: sehlagen (Brugsch). 

? ? insrw Abend : Ö73N L^«./! Abend (Brugsch). — Vgl. msy-t. 

? (*?ni^ Phallus '? Mann?): ü^n'a Männer (Steindorff). — Das 
ägypt. Wort ist nur noch aus dem Lautwerth des Phalluszeichens 
zu erschliessen ; vgl. Si, \dn. 

'? mdr pressen: ni:^: auspressen. — Dass mdr zu lesen ist, 
zeigte Sethe, Aeg. Z.XXX, 54. 

? md(i Gürtel oder ähnlich : nT?J Gürtel. — Das kopt. S. 
Aj.c's.^ B. xxo'Ts.^ „Gürtel" setzt ein ondh voraus, doch ist auch die 
BedeutuDg von mdk wahrscheinlich richtig. Das Wort ist alt. 

n : 

n (mit Suff, na-) Präposition mit dativischer Bedeutung: b ^3 
dasselbe. 

? ? nSyt Haus oder ähnlich : ni: 1) Weide, 2) Wohnung (Brugsch). 

? ? 7iwd vom Einwickeln des Kindes, mvd-t Windeln : ücib Schleier, 
-C^b verhüllen (Brugsch). 

? nbi-t Flamme oder ähnlich , als Verb nbi : ^>^rib >_^^.g_j 
Flamme (nach Brugsch). — Die Gleichung lässt sich nur halten, 
wenn man ein Umspringen der Consonanten {*nib) annimmt. 

■\{*nbhn?) ni-bhnw bellen: n?: ^^i bellen. — Das ägypt. Wort, 
das nur in einem neuägypt. Text vorkommt, wird wohl entlehnt sein. 

'^'}nb 1) schmelzen, 2) bilden (vom Künstler): nia äj bauen 
(Brugsch). 

nf Athem -p: j^söi, .i^äi blasen (Brugsch). 

t * nfr Art Laute : bn: Art Leier oder Harfe (Brugsch). 

"ilnfr gut, schön: «.äi nützlich sein. 

? ? nfr Bezeichnung der Flamme : ii: Li Feuer (Brugsch). — 



Erman, Das Verhält nisa des Aegt/jitischen zu den semit. Sprachen. J ] 3 

Das ägypt. Wort beisst gewiss eigentlich „der schöne" und ist nur 
poetisch von der Flamme gebraucht. 

iiml und nmnm schlafen oder ähnlich : Di: schlummern ^J 
schlafen (Brugsch). — Die ägypt. Worte sind selten. 

? ? nmi brüllen (auch vom Vieh) : ^U leise reden (Brugsch), 

nn Nacht oder ähnlich: h-;h kUJ Nacht (Brugsch). — Nur 
einmal in einem späten Text. 

nhp begatten: qx: ehebrechen (Brugsch). 

nhvi jauchzen : an: ^.^j brüllen (Brugsch). 

? n/is seltenes Verb des Sprechens (mit einem Götternamen 
verbunden): *in: Zauber "^nr Zauber (Brugsch). 

? ? nJm Kind oder ähnlich : nr: Knabe. Es bliebe zu erklären, 
weshalb dem n hier ein -1 entspräche. 

tis, Aivc Zunge: "T^ib .,L*.J Zunge (Brugsch). 

mp eine Handlung der Nase: qd: blasen (Brugsch). — Das 
ägypt. Wort ist ein spätes Hapax legomenon. 

t ? tism-t ein Edelstein : adb Opal (Brugsch). 

t uoujep Geier: Tii: .^v^j Adler, Geier (Peyron, Lexicon s.v.). — 
Das ägypt. Wort ist nur demotisch als nir nachweisbar. 

nk begatten : ^J^j und t6ü (lyied. j.) dasselbe (nach Brugsch). 

t titr spätes Wort für Natron : nn; Natron (Brugsch). 

'^ ? ndf {? ntf ?) vom Nil, der das Land überschwemmt: rjü: 
triefen (Brugsch). — Bedeutung und Gestalt des ägypt. Wortes 
sind unsicher. 

ndm süss, angenehm : er: *,xj angenehm sein. 

? ndi' schlagen oder ähnlich (vom Zimmermann und Schlächter) : 
^■> von der Bearbeitung des Holzes (Stein dorff). 
nds {? nds?) klein, gering: ij*-.Äi schwach sein. 



t rw-lhio Ad^fioi Löwe : N^nb »^>.i (Brugsch). — Das seltene 
ägypt. Wort ist geschrieben, als bedeute es „bunter Löwe"; das 
sem. mag entlehnt sein. 

? rmn tragen, rmn Arm : "j/CN auf dem Arm tragen, Ni. fest 

sein, .^a\ vertrauen. — Brugsch vergleicht vielmehr zu yizüi ägypt. 
mn „bleiben, fest sein", aber bei dieser Gleichung bleibt das N 
unerklärt und zudem passt die Bedeutung von rmn meines Erachtens 
besser zu yiz^ als die von mn. 

Bd. XLVI. 8 



114 Erman, Das Verhältnis des Aegyptischen zu den semit. Sprachen. 

t rlibw eA^iufe Feuerathem u. ä. : nrrb Flamme, ^_^^J brennen 
(Brugscb). — Nur in einem späten Texte und vermuthlich entlehnt. 

??'/•/?, wissen: rtN'n i^\^ sehen. 

? ? rh Bekannter , Verwandter oder ähnlich : y"! Freund, Mit- 
mensch. — Das ägypt. Wort, das fast nur in einem Titel vor- 
kommt, wird ein Derivat des vorherstehenden Verbums sein. 

rht waschen: yn"! [j^^-, waschen. 

•\?lkh (nur im Demotischen belegt) '\ii\(^2. lecken: p]:b lecken 
(Brugsch). — Das ägypt. Wort könnte aus einem alten *rg oder 
*)-k in der, wie mir Sethe gezeigt hat, oft vorkommenden AVeise, 
durch -h erweitert sein. 

? rdi geben : Llac geben. 

h n 

hs (Illae inf) herabsteigen, herabfallen: (5».^ herabfallen 
(Brugsch). 

t Jibni Ebenholz : Q'^^ir' Ebenholz (Brugsch). — Das sem. Wort 
wird entlehnt sein. 

hmhm brüllen oder ähnlich: TMin brummen, rauschen, ^.^.♦.S' 
brummen (Brugsch). 

? Jims vom Gang furchtsam sich nahender: ^y^*.^ Geräusch 

leiser Schritte, (wU.5> leise schreitender (Brugsch). — Das ägypt. 
Wort ist nur aus Texten des neuen Reichs belegt. 

t hnv) Topf, auch als Name eines Maasses : yTi Maass (Brugsch). — 
Das sem. Wort ist entlehnt. 

?'? o'AooAe schwanger sein: r.^n schwanger werden (Brugsch). — 
Das kopt. Wort sieht nicht wie fremd aus. 

? hd vom Kämpfen des Stieres und ähnlich : J^S- zerbrechen, 
zerstören (Brugsch). 

? hdm zerbrechen oder ähnlich (einen Topf) : *uX^ zerstören, 
ein Haus abbrechen u. ä. (Brugsch). — Das ägypt. Wort ist 
nicht jung. 

t hdvnv Fussbank : ünn Fussbank (Brugsch). — Das ägypt. 
Wort kommt nur in einem Text des neuen Reichs vor und dürfte 
entlehnt sein. 



Erman, Das Verhältviss des Aegti2^tkchen zu den semit. Sprachen. \ 15 

/, n- 
Mp verbergen, verhüllen: nrn decken, verhüllen (Brugsch). 

hbs bekleiden: üian umbinden, j/^^=> bekleiden (Brugsch). 
hf Schlange, siehe zu \f. 

hm Salz: "f^n gesalzen, Vir? sauer sein, \j:2.*.=^ sauer, scharf 

sein, , o.*P* Salzpflanze. 

?? hms (mit s oder mit s?) verwunden oder ähnlich: 072r, 

Gewalttbat, K.«U5=- Tapferkeit (Brugsch). — Das ägypt. Wort ist 
nur aus zwei späten Texten zu belegen. 

t »JUL-x Essig : (jvi.4_:> sauer sein (Lagarde , Nominalbildung 

S. 61). — Das kopt. Wort ist gewiss entlehnt; vgl. auch IimL 

t ? hnyt Wurfspiess : rii'n Wurfspiess (Brugsch). — Das ägypt. 

Wort ist nur im neuen Reich nachweisbar. 

? hnb (Aecker) messen , hnb binden oder ähnlich : bin Strick, 

Messschnur, J^as* Strick (Brugsch). 

t '? hnJi^-t Geschenk (auch von Opfern) : r!~:n Einweihung, Ein- 
weihungsopfer (Brugsch). — Das äg. Wort ist alt. 

^ hng vom Verschliessen des Mundes: p:n oi.Ä3. erwürgen 
(Brugsch). 

hsb rechnen: nc'n Pi. rechnen, ,,^^^5» rechnen (Brugsch). 

hsmn (etwa *hosm^n) Name eines Metalles: b/p;i3n desgleichen 
(Brugsch). — Das ägypt. Wort bezeichnet daneben auch das Natron 
und ist alt. Auffällig wäre, dass das s hier einem -»a entsprechen würde. 

?'?Äfe Zauber: Don Part. Pu. geschickt (vom Zauberer). 

? hcld (Ilae gem.) weiss , hell : nn:£ glänzen , weiss sein L^^^o 
klar, heiter sein. — Das angenommene Umspringen der Consonanten 
findet sich ebenso in lod nii: >o, . 

? ■? Mb beugen , sich neigen oder ähnlich : ,_^^ wölben oder 
^Ips sich krümmen (Bi-ugsch). Vgl. gib. 

"■i his {s? s?) eilen: "::in eilen (Brugsch). — Das ägypt. Wort 
ist aus Dyn. 18 belegt, was für sein Alter spricht. 

¥k scheeren: n"-]: scheeren. — Brugsch vergleicht statt dessen 

pbn glatt sein, vjdi> glätten, was aber in der Bedeutung schlecht 



116 Erman, DasVerhältniss des Aefjyptischen zu den seniit. Sprachen. 

passt, abgesehen davon, dass der Uebergang von b in y sonst nicht 
zu belegen ist. Bei unserer Annahme müsste ¥k auf *¥h zurück- 
gehen, wie z. B. Kopt. -riuxic sicher auf ein *sdmt zurückgeht. 

? ? hh' zusammengezählt oder ähnlich : "^Sn verbunden , ver- 
bündet sein (Bnigsch). — Das ägypt. Wort ist ein hapax legomenon 
von unhestimmtem Alter. 

t (* /?ir) ujiiHp Genosse: 12" Genosse (Stern, kojot. Gramm. 
§ 28). — Das ägypt. Wort ist gewiss entlehnt. 

'??Jjps Schmiede oder ähnlich: 't^^ Ofen (Brugsch). 

'??Jifi sich hinwerfen, neigen oder ähnlich: ysr; und ^jcäz>- 
neigen, beugen (Brugsch). — Das ägypt. Wort ist nur einmal in 
einem späten Text zu belegen. 

Jjfk-i Ufer: C]'" Ufer, iisls* Ufer, Rand (Brugsch). — Das ägypt. 
Wort ist älter als das neue Reich. Die beiden B fehlen ihm in 
der späteren Orthographie. 

? hf Faust: n-rirn die Fäuste, iLJJis^ eine Hand voll (Brugsch). — 
Anstössig sind die dritten Radikale. 

/jm77i (Ilae gem.) warm sein : DTpr warm sein , ^> erhitzen 
(Brugsch). 

? (*hm?) ujiuju. Schwiegervater: cn ^=> Schwiegervater (Stern, 
kopt. Gr. § 28). 

Jjmn (etwa *Jmiun) acht: "rcc .-X^i acht (Brugsch). 

t {^kmr V) ujejüiHp Sauerteig : ,^_4...p> Sauerteig (Stern , kopt. 

Gr. § 28). 

??l/ms (s? s?; etwa *hems) Aehre: "i?2"ir; Sichel (Brugsch). 

hnm einschläfern oder ähnl. : srn träumen, ^JLs> Traum (Brugsch). 

■f hnmt rother Jaspis: r:7:b-N ein Edelstein (Brugsch). — Das 
sem. Wort wird entlehnt sein und etwa einem späteren *hn6me 
entsprechen. 

?? Jjnvis {etwa *Jiolm'^s) Mücke: K^v-^xJ Mücke (Brugsch). — 
Das arab. Wort ist vulgär; Brugsch vergleicht ferner crs „Mücke". 

/md eine Getreideart: riLrn KiaÄs* Weizen (Lepage Renouf, 
Aeg. Z. 1877, 100). — Das ägypt. Wort ist alt, aber selten. 

S. g^iuK, B. sSuiK gürten: nisn Gürtel, r;-i;r; Gürtel, Schurz 
(Brugsch). — Das entsprechende ägypt. Wort ist mir nicht be- 
kannt, es wird */jk oder *Ijk gelautet haben; Brugsch's Herleituug 
aus /jkr „Schmuck" ist kaum möglich. 



Erman, DasVerhältniss des Aegyptischen zu den semit. Sprachen. \\1 

ht Holz, Baum: \v Holz, Baum. 

\ htm Siegel, htm verschliessen : crir, Siegel, nrn ,»Jo> ver- 
siegeln (Brugsch). — Nach freundlicher Mittheilung B a r t h ' s kenn- 
zeichnet sich cnir; als Lehnwort, die Verben werden von ihm ab- 
geleitet sein. Auch das andere sem. Woi't des Siegeins (vgl. clb*") 
ist aus dem Aegyp tischen entlehnt; diese Entlehnungen können 
nicht befremden , wenn man bedenkt , dass die ägypt. Siegelsteine 
(die „Skarabäen") für die ganze damalige Welt das Vorbild der 
Siegel waren. 

? ? hdb tödten : 5::~ j^xi tödten. — Nur die beiden ersten 
Radikale wären ohne grosses Waguiss zu identificiren ; die völlige 



Siche)-es s 

??s Mann: -^'X Mann (Brugsch). — Das ägypt. Wort enthielt 
nach dem Kopt. vermuthhch noch einen zweiten schwachen Con- 
sonannten (si ?) ; gegen die vorgeschlagene Gleichung spricht ausser- 
dem noch das s. 

sib Schakal: izNT _.b Wolf (Steindorff). 

? sicr trinken : N2C trinken, zechen. 

snhm Heuschrecke : a>'bo Heuschrecke (Brugsch). — Eine 
Entlehnung des ägvpt. Wortes ist nicht gut anzunehmen, da s^nJim 
schon für die älteste Sprache belegt ist. Ebenso wenig möchte man 
aber das sem. Wort als entlehnt ansehen, da snhm noch im Kopt. 
(c*.nneg^) sein n und h bewahrt hat. 

y ? sip poliren ; Jo>^ feilen (Brugsch). 

t ssiri Lotus : •)\ZJ1"^ cy'^.y*' ^^^ (Brugsch). — Die sem. Worte 
sind entlehnt zu einer Zeit, als das ägypt. Wort schon wie im 
Kopt. sos^ lautete. 

Sichei-es s 

?? si (Hlae inf.) satt werden: r^'d «.>.^ satt werden. 

? ? fii erkennen : nrd umherschauen (nach Brugsch). 

s'is sechs: w"'d fem. n'd'^::, c>^ sechs, , w.,Jo.s. Sechstel, ^_^wJ»um, 

sechster (Brugsch). — Die sem. Formen gehen auf ein '^sids zuräck, 
das auch der ägypt. zu Grunde liegen wird. 

?? sbi 1) lehren, 2) strafen: :2Z'q richten, im Zusammenhang 
auch für strafen (nach Brugsch). — Vgl. auch spd. 



118 Erman, Das Verhältniss des Aegyptischen zu den semlt. Sprachen. 

spt (etwa *.4potui im Dual) Lippen, Ufer : Z'r.z'^^ Lippen, Ufer, 
iLä^ Lippe. 

'? ? spd beizeiten , ausrüsten : L:tü; richten (Brugsch). — Die 
lautliche Gleichheit ist vollkommen, aber die Bedeutungen stimmen 
schlecht. 

??5'/n leiten: ari legen, in '^'i'^ cib (Ps. 50, 23) vom Weg 
gebraucht, wie sm wSt „den Weg leiten" (Brugsch). 

sn zwei: w^yili . UiS zwei (Brugsch). — Nach dem Kopt. war 
auch das ägypt. Wort Dualis (m. cne^-y f. cn-re). 

snk saugen, säugen: pr saugen (Steindorff). — Das ägypt. 
Wort dürfte das Causativ eines *wnk oder eines *nk sein. 

? '? sr ('? sir ?) vornehmer Beamter : l'i Fürst (Brugsch). — 
Die Gleichung, die schon des b wegen unwahrscheinlich ist, fällt 
ganz, wenn das ägypt. Wort, wie zu vermuthen, sir lautet. 

'? srf warm : '2^:c Sonnengluth , heisser Wind (Brugsch) oder 
q'^b brennen. 

? skr auskehren oder ähnlich: nnc Pi. auskehren, 'u-^^v^« 
auskehren, -^np und finiD Kehricht. — Brugsch vergleicht statt des 
s/rr mit den obigen sem. Worten das Wort s/m „Schmutz" oder 
ähnlich, dessen Alter nicht sicher ist. 

? sdni hören : "'Cili ■f..^..^ hören (auch von Bondi mir mit- 

getheilt). — Wahrscheinlich, wenn man ein Umspringen der Con- 
sonanten {s'dm aus *smd) annehmen will. Vgl. indess auch smh. 

s oder s'? 

? si (?) ein Maass für Korn u. s. w. : nsc ein Getreidemaass 
(Bi-ugsch). 

? siw (etwa '*'^siow?) Schaf: r;b »Li: Stück Kleinvieh (Brugsch). — 
Das ägypt. Wort ist nicht hoch hinauf zu verfolgen und seine Ge- 
stalt ist auch nicht sicher festzustellen. 

? sin Thon (zum Siegeln u. s. w.) : . j^Ld Thon, auch der zum 

Siegeln (Brugsch). 

t? cuio-y&en Gras: *,nri ^>.j Stroh (Stern, kopt. Gr. S. 4). 

sbk Fuss oder ähnl. : pi'C Unterschenkel j».^ Bein (Brugsch). — 
Das seltene ägypt. Wort scheint alt. 

sfh (etwa *safJi) sieben: t'^d ^^.j^ sieben (Brugsch). 



Erman, Dan Verhält niss des Aegyjytischen zu den .setnit. Sprachen. \\Q 

t sft schlachten , sft (etwa ''sef't) Schwert : ^_äx*v Schwert 
(Brugsch). — Das sem. Wort ist entlehnt und zwar nicht vor dem 
neuen Reich, da es das auslautende t schon nicht mehr zeigt. 

'??smi Sahne der Milch: -jpc Fett, ^♦^ geschmolzene Butter 
(Brugsch). 

?'? simi cjucyne Name eines Vogels: ^ic^^v Wachtel (Lagarde, 
Nominalbildung S. 191). 

?'?smh erhören oder ähnlich: rTpir «.♦*« hören (Brugsch). — 

Das ägypt. Wort hat in einem jungen Text anscheinend diese Be- 
deutung. Vgl. zu sdin. 

smh links: rN^ri;, i3U^ linke Seite, Norden. — Das ägypt. 
Wort kann ich nur im neuen Reich in gewählter Sprache nach- 
weisen, was noch nichts gegen sein Alter beweist. 

? ? smsm seltenes Verb des Sprechens oder ähnlich : ^la\ 
murren, brummen (Brugsch). 

? sr-t (etwa *soret) Dorn : r";i Dornen (Steindorff) oder lio 
Dorn (Brugsch). 

t srpd (alias srpt'i) anscheinend eine Wasserpflanze : lE'jC Name 
einer Pflanze (Brugsch). — Das ägypt. Wort ist nur aus späten 
Texten zu belegen. 

? V shd sinken : riTCJ sinken • l*. in Wasser oder Schmutz ver- 
sinken (Brugsch). 

? shr bedecken mit etwas , besonders vom Vergolden : „i^.*« 
vergolden (?) (Brugsch). 

t sk Matte aus Binsen, cor Sack, härenes Gewand : pb grobes 
Gewand (Brugsch). — Das ägypt. Wort ist nur aus späten Texten 
zu belegen. 

s^d schneiden: ;::'n"ii _b.^ schneiden. 

? sw trocken sein: aram. Ni^, arab. Las dürr werden, ver- 
trocknen. 

? sb und slm verschieden sein, mischen : v_jui mischen (Steindorff). 

t {*sbd) si-bd igfiurx- Stock : :33"IJ Stock (Stern , kopt. Gr. 
S. 4). — Das ägypt. Wort kommt im neuen Reich vor, wo es wie 
ein Lehnwort geschrieben wird. 

\?6mrf Bogen: ^^ und ^.ü Pfeile (u. A.) absenden. — Das 
ägypt. Wort ist nicht vor dem neuen Reich nachzuweisen und 
dürfte entlehnt sein. 



] 20 Erman, Das Verhältniss des Aegiqjtischen z'ii den semit. Sprachen. 

?smm Gifte?): ^^L Gift (Brugsch). — Die Bedeutung des 
ägypt. Wortes ist leider nicht ganz gesichert. 

f?sms folgen, dienen: arara, d"r^ dienen (Brugsch). — Das 
äg. Wort ist alt. 

??s7i Kreis: nrcj K>L^ Jahr (Brugsch). 

ändt (etwa *sonclH) Akazie: r'^-ö _U>^ Akazie (Brugsch). — 
Könnte auch wohl entlehnt sein. 

?? srr (llae gem.) klein sein: -iTi: .i/o klein sein. — Wenn 
man den üebergang von ^v in 2£ zugeben will (vgl. sw), so könnte 
man die Form durch Assimilation erklären; vgl. b^h und f/ää. 

? sri-t Frucht, aus der Bier gemacht wird : n'^rd ,j^ Gerste 
(Brugsch). 

f?.shb (heisser) Südwind, lyui^^ verbrennen: ^— J^z^i: Flamme 
(Brugsch). — Das ägypt. Wort nur in späten Texten. 

? sd nähren (insbesondere auch von Säuglingen) : TC (jr^Xi 
Brust (Brugsch). 

k p 

ki hoch sein: "N/. hoch (Brugsch). 

kib Eingeweide , m kib in Mitten von : 3'-^ Eingeweide, 3-^~S 
in Mitten von (Brugsch). 

? fe* {?Ms?) binden: o^l' ^'J>.c Fussfessel (Brugsch). 

Ä;' sich übergeben: Nip iLs sich übergeben (Brugsch). 

t ? kbt (etwa ^keb^t) Krug (auch als Maass für Bier) : np 
Flüssigkeitsmaass (Brugsch). 

?'^kfito Kraft oder ähnlich: ip^ ä^s Kraft (Brugsch). — Nur 
in späten Texten belegt. 

t Jcm' K«).ju Rohr, Binse oder ähnlich : ai2-, Papyrus. 

■f?Jcmh Art Brot: nTpp Mehl, ^li Weizen (Brugsch). — Das 
ägypt. Wort ist sehr alt. 

? ? kmü (auch kmit'i u. ä.) Gestalt oder ähnlich : riT^ip Statue 
(Brugsch). — Das ägypt. Wort nur in späten Texten. 

? knb Ecke (eines Gebäudes u. s. w^) : >_^:> Seite (Brugsch). 

t ? knnl süsses Rohr : n:-^ Rohr (Bnigsch). 

? ? knd wüthend sein : n:]: eifersüchtig sein , ~N:p Eifer- 
sucht, Zorn. 

"ikrl Schloss (einer Thür u. s. w.): n':2 hemmen, verschUessen 
(Brugsch). 



Erman, DasVerhältniss des Aef)i/pfit>-chei) zu den semit. Sprachen. 121 

Irr (etwa "^Jcrör) Frosch: ä,» Frosch (Brugsch). 

hrr Ofeu (des Töpfers u. s. w.) : i-iS Ofen (des Schmelzers u. s. w.), 
^J Ofeu. 

t?(*^TÄ) Kepoe kahl: n-- kahl (Stern, kopt. Gr. S. 4). — 
Gewiss aus dem Sem. entlehnt. 

hrht Topf: rnVj^ Topf (Brugsch). — Das ägypt. Wort ist 
sehr alt ; das sem. Wort ist in spätester Zeit als Lehnwort (s'e^Aa.g^'r) 
auch noch in das Aegyptische aufgenommen. 

k D 
kimw (das iv ist die Schreibung der männlichen Endung ti) 
Garten : D'n^ *.3 Weinberg, Garten (Brugsch). 
kp (etwa *kop): q2 Hand (Brugsch). 
? {*hnn) ki-mn blind oder ähnlich : x^j^ blind sein (Brugsch). 

? ? (3'Aoo-Te Nieren : ri-ibs Nieren (Lagarde, Nominalbildung S. 88). 
t '? KuiAu stehlen , rauhen : n:." stehlen. — Die Herkunft von 
KluAn ist unbekannt; es wird also wohl entlehnt sein. 

f?knm Weinberg?: z^2 ^S Weinberg, Garten (Brugsch). — 
Das ägypt. Wort kommt nur in späteren Texten vor, als Name 
eines Weinbergs. 

? ? ktt klein, elend : "i^j: klein (Brugsch). 

9 - 

? ? giw Stier, giwy-t Kuh : nr^ brüllen (vom Stier) (Brugsch). — 
Die ägypt. Worte sind alt, aher selten. 

'i'^ gib beugen, gib-t Himmelsgewölbe (eine sich über die Erde 
beugende Göttin): map K>jj Gewölbe (Brugsch). Vgl. Mb. 

t g\f Aflfe : qip Affe (Bnigsch). 

t ? i^gs) gS-sS trauernd : tt.j schneiden , z. B. das Haar in der 
Trauer (Brugsch). — Das ägypt. Wort wird mit dem Deutzeichen 
des Haares geschrieben; es ist bisher nur aus dem neuen Reich 
belegt. 

t(*^rr?) (3'AA Brandopfer: b'h'z Brandopfer (Brugsch). — Das 
ägypt. Wort ist wohl entlehnt ; es findet sich nur in späteren Texten, 
die es veimuthlich ungenau krr schreiben. 



122 Erman, DasVerhältnins des Aegyjitischen zu den semit. Sprachen. 

t n 

? ? tyt Eiter oder ähnlich : 'cr'C Lehm, Koth (Brugsch). 

t?<^ (etwa *^rtZ») Handpauke : TT ^j Handpauke (Bnigsch), — 
Dürfte entlehnt sein. 

tf speien: aram. riTi speien, rt'r. das Speien, Js.äj speien 
(Brugsch). — Das ägypt. Wort kommt schon in den Pyramiden- 
texten vor. 

ffn Waise, Kind oder ähnlich : aram. J^t^:: , \Ji.1d kleines Kind 

(Brugsch). — Nur in einem poetisch gehaltenen Text etwa der 
18. Dyn., aber doch wohl alt. 

tmm vollständig sein: c^pn ^'S vollendet sein (Brugsch). 

?tni schliessen (vom Munde): ClCN verschliessen (auch vom 
Munde) (Brugsch). 

t -»e^'A Hügel : J.J Hügel (Stern, kopt. Gr. S. 4). — Das kopt. 
Wort gewiss entlehnt. 

t ? -e'Aoxi Furche : abri Furche (Stern 1. c). — Das kopt, 
Wort gewiss entlehnt. 

'? tr Zeit : -in wiederkehrender Moment --i Jj Mal (Brugsch). 

/. 

i fjof cüoo-yq Papyrus: r|iD Schilf (Brugsch). — Das hebr. 
Wort ist entlehnt. 

d ü 

??d-t {?di't? di-t?) Hand: v o\j Hand. 

7 dii spinnen, weben oder ähnlich, diho Strick oder ähnlich: 
'r>':^T2 Gesponnenes, ^^».Id rollen (Brugsch). 

■\ dni ■sivno Korb: n:;:, rabb. Npi: Korb (Brugsch). — Das 
ägypt. Wort, das nur in einem späten Text vorkommt, ist ungenau 
geschrieben, da es mit d anlauten müsste; die kopt. Form spricht 
für Entlehnung. 

? y dr vertreiben , fortstossen oder ähnlich : \ p entfernen, fort- 

stossen (Brugsch). — Die Bedeutung von dr lässt sich nur sehr 
ungenau angeben. 

t ? dd-t grosses Gefäss : m- Topf (Brugsch). 



Erman, DaaVerhültniss des Aegyittischen zit den semit. Sprachen. 123 

d 

? diS (Ilae gemin.) säen: r-7 - ,; säen. — Möglich, wenn 
man annimmt, dass dem aus -i entstehenden i das folgende r assi- 
milirt ist. Vgl. b^h, .sit. 

t ds überfahren, di ■soi Schiff: -i: Schiff (Brugsch). 

i f_bi (etwa *ieb('t) Kasten. Sarg: -rr Kasten (Brugsch). 

db^ (etwa *dc,bc^) Finger: rriiCN; «.>^;o! Finger (Brugsch). 

j7db^ •luiaifie siegeln: n"2^ Siegel. — Das sem. Wort ist 
entlehnt und zwar in einer Zeit, die schon d (d. h. ::) anstatt des 
ursprünglichen d sprach. 

t dbr -xe^iiip Theil des Tempels: ";-2- Allerheiligstes (Brugsch). — 
Das kopt. Wort sieht fremd aus ; dbr kommt nur einmal in später 
Zeit vor. 

f •sLciAneo Apfel: -''••r rj. — Beide Worte werden einer 

dritten Sprache entlehnt sein. 

dnh (etwa *denh): ^'J^:>- Flügel. — Noch genauer würde 
lautlich ö'uä.o „Arm" passen, doch ist dieses in älterer Zeit nicht 
nachzuweisende Wort wohl entlehnt. 

^ cjt -xoeiTT (sprich do'it) Olive: r-j c>.j: Olive. — Die Wort- 
form von -xoeiT ist gut ägyptisch, das sem. Wort also wohl entlehnt. 

Uebersicht der Lautübergänge. 

In vielleicht verwandten (nicht entlehnten) Worten entspricht 
also — wenn man ganz Problematisches bei Seite lässt — dem 

s ein N {sib 3N", ki ntc), 

-; {wih p-Ti, Mb IS-p , kimw ü^s, bki öJs.j), 

— {hsp nsn), 

- (,i -N). 

i ein ■> (<'/? r,^r, htm '{^'Z""-. vgl. auch dialektisch Hh p"i'), 

"i (dialektisch ic^h für n-:"), 

N (Idn -,7N, /s 'N, hoho Z"'N, 

b (ib =b, ib v-;^S?), 

n (iw n^n?, hl -f-r}, hl j^p?), 

-! {sis ^_^^J). 
* ein V {'p T\-y, ^n -pr, ^n r-,:r?, 'r ri^y, ''nh >jj->^c, db*" r^ilN), 



124 Erman, DasVerliältniss des Aegyptischen zu den semit. H>j)racJien. 
ein 1 (i^h nT^, i'd 'c^-\^, ¥k nip?) '), 

10 ein ^ , {wlh p-|i o,»? w?«'/? <.a^^, dialektisch t«7# m^, iw !T^!n?), 

T ^ (mjcZ mi£ ^aji, , wM?^ r,r:; nwd X2-\h ?). 
^ ein n (^fe 8 <j, 3iü -3?, /«^6' dian, ib nb, iZ» ^^^i?, «a^ aJ<T, 
Mb ü'ip, Ä;n^ ^— -^^^ ^- s. w.), 

j-j ein E {pfi ns, ^r^ "'"12, ^J^/? nrc, .v/j^ etis'!) , */? r]iy; h^J 

rir:r., nhp qx:, ?iÄ/> 7^^'). 
/■ ein c (n/" ns:, /?/"* n-^rcn?, hpo-t qn, </" qin), 

2 (5/5 yad, ir/" n-ic ?). 
m ein ■; (7>« -^72, mw tri^, mwt mi:, hmn rsrrd, i??i?i ■j"?:-', 

7iÄm an:, fcjn?/; nis u. s. w.). 
w ein : {nf ns;, nÄ^:» qN;, nk ^iJ, *n/? o-äc, hng ^ks>, hnn 
■j->7:"', /^w ^TN, *n *fy u. s. w.), 
b {ns 'p^b, /m??i nbn, snhm nrbo, ;?/?i J^äL?). 

r ein "i (rÄi yn^, prt i'hd^ »«»•/?< ^ ./i , ^j^r -ins?, ndr ^:^?, 

b ('r rtby, i*r bdx, mrh r;b':?, Art «bs?, ä»-ä^ rnbp), 
y (rc?i Liic?). 
7? ein r; (hmJwi ■n'cn, hdm ^l\^?, ä*»* -^4.^?, ÄS (Cj-P?), 
N {nhp qN:). 

Ä ein n (Ä5^ ^nn, Ä6'^ 2'Cm, Mp 7\zv\, pth nnc, ?«rÄ^ ^ ./«, 

i'Ä -T', (/vi/? ^L;-> u. a.), 

n ^ (Äw^ oJ.Äi>, 7>irÄ# ^ ^ neben ^ >!), 

y (snhm orbo, s?>«ä yr">b?), 
N (5?/?Ä bniiTii ?). 



Ä ein n ^ C^ nN ^0? 

/mm Dbn ^.L5>, Ä?ic/ nL:n iCliiAs^, rht yn"i (jia=>,), 
;a ö (hnm n:?:;:; |^,US)» 
r (6/A r3"d, ?üä/? 5^3, /?/ yr?), 



1) Auch Brugsch sagt schon: „* ist oftmals im Semitischen ein "1 ' 
(Wb. Suppl. 920), doch führt er meines Wissens keines der obigen Beispiele an. 



Erman, DanVerhältniss des Aeguptischeii zu den semit. Sprachen. J25 

5 ein D {snhn erbe), 

"w , w (>i* "lib lawJ, hsiun b":"cn), 
"i^ ö (<«• bcwS J^i), 

^ ein c ^^ (sis "cc c>.*v, (isd a^ijn ^„a.^^, ?ü^/? ,«.*w. , fj^s 

r; in den Pronominibus und dem Causativpraefix (vgl. 
oben S. 96. 100). 

•v ein •:; ^i, (i^d ::-i-i _b..i;, »z*;^ iriU/:?), 
•d ^_^w {ind-t rrc'ci "jax*. ?), 

i: {sio Niij?, 6T>- ,Ä^?)- 
Ä: ein p {kib 31 p , ätä/ rnbp, /;;* Nip , /fir ä.JJ, a'w^ p:"^, 
sbk pi^ü), 

:i (fe r;N5, M ^^a>?), 

- (/o-r 'ns, h-i Nbn"?). 
(7 ein p (kng ^X:>-). 
t ein n {tf qin, i^?n?/i C^r, ^^A nrc, ^6' -r-:?. miat nr:), 

< kein sicheres Beispiel. 
d ein 'c (s^d niib, dü mi::'':?, nwd ::-,b'?, Jjnd rrcn, rdl iLc?), 

-i {Jidm ^Os.^?, id i'z'^), 

T ö (/<:?n -TN ^.^ÖS). 

(_/ ein :: {db' i'niiN. ?"c/r hj:?:?, tü6? ^>o., /'L^f/ nni:), 
:: {incj-t r!::d), 

T (mf//? HT"?), 

5 (f/wA _IJ.=>, H(/>' j.^ V), 

r (»j^m fis*:, ncls ,j^«i , />*^ "'«iir ?). 



Sclihissbemerkimgeu. 

Wer dem hier Dargelegten gefolgt ist, wird den Eindruck 
gewonnen haben (ich sage absichtlich nicht: die Üeberzeugung), 
dass das Aegyptische mit den semitischen Sprachen verwandt ist. 
Die entgegenstehende Ansicht, wonach das Aegyptische nur eine 
Mischsprache wäre, ein afrikanisches Idiom von semitischen Eroberern 



1 26 Erman, Das Ver/iältniss des Aeg [fptischen zu den semit. Sprachen. 

umgebildet, hat angesichts der Gleichheit des grammatischen Baues 
meines Erachtens wenig Wahrscheinlichkeit. 

Dagegen wird man sich die Frage vorlegen müssen, ob nicht 
etwa diese Verwandte der semitischen Sprachen von Ureinwohnern 
des Nilthaies oder von anderer Seite in grösserer Menge fremdes 
Sprachgut in ihren Wortschatz aufgenommen habe. Lässt sich 
doch, wie wir gesehen haben, nur ein sehr geringer Theil des Wort- 
schatzes mit semitischen Worten identificiren — ich zähle etwa 
75 nicht unwahrscheinliche und 50 allenfalls mögliche Fälle. Die 
grosse Mehrzahl der ägyptischen Worte , und gerade auch der ge- 
bräuchlichsten, wird einen Semitisten fremd anmuthen. 

Man wird daher vielleicht geneigt sein, auf Grund des obigen 
Befundes diese Frage zu bejahen und die meisten ägyptischen Worte 
als „afrikanisch" anzusehen. Und doch möchte ich auch hier vor 
einer vorschnellen Entscheidung warnen und möchte meine Ansicht 
über diese Frage vielmehr ebenso formuliren, wie es seiner Zeit 
Ludwig Stern gethan hat: „die allgemeine Stamm Verwandtschaft 
der beiden Sprachen ist durch weitgehende Lautverschie- 
bungen und Veränderungen verdeckt" '). 

Wir können nämlich in der That noch derartige Fälle stärkster 
lautlicher Veränderung nachweisen. 

Das Aegyptische besitzt in grosser Anzahl Worte , die ein l 
oder ein * enthalten und in noch viel grösserer, geradezu abnormer 
Anzahl solche, die ein ä zum Radikal haben; dabei ist i besondei^s 
als erster Radikal häufig, S dagegen als zweiter und dritter. Diese 
abnorme Häufigkeit der „schwachen Consonanten" muss ihren be- 
sonderen Grund haben — ohne Zweifel den, dass ursprünglich 
verschiedene Consonanten in ihnen zusammengefallen sind. Und in 
der That, wie wenig zahlreich auch noch unsere Sammlung muth- 
maasslich verwandter Worte ist, so haben wir doch darin schon 
gefunden : 

1) 1 oder 2 Fälle, in denen das l einem b entspricht (ab, uJ^i':'), 
3 , in denen es einem N entspricht ("iTN, •'iS, C^'n). o zweifelhafte, 
wo es ein n wiedergiebt (— t; V '~i ? J.P V) und einen sicheren, wo 
es sogar ein n vertritt {^^^Cs.*^). 

2) 4 Fälle, wo i einem -| entspricht (p-i-', nip, cid, ».\j -') 
und 1, wo es ein (j^a vertritt (, ci^£>)- 

3) 3 Fälle, wo * für n steht {m^, •^•^'c, nip V) und einen, wo 
es vielleicht : vertritt. 



1) Stern, kopt. Gr. S. 4. Von den dort als verwandt angeführten Worten 
vermag ich freilich nur die wenigsten als solche anzuerkennen. 

2) Ich habe schon oben angeführt, dass noch im Aegyptischen neben 
wih ,, grünen" ein wrh e.vistirt hat. Herr S e t h e macht mich auf zwei weitere 
Beispiele dieses Lautwechsels aufmerksam: dlt „Hand" (Merenre 683) für drt 
(Pepy I, 187. 613) und ein Verbum di (Teti'259. 2G3 u. ö.) neben dr (ib. 2~71. 
273 u. ö.) in derselben Redensart. 



Ei-Jiian, DasVerhältnüs des Ae{/)/j)tiscJien zu den serait. Sirrachoi. 127 

Demnach werden zunächst die mannigfachen Worte, die semi- 
tisch mit X und "r (und vielleicht auch mit n) anlauten, im Aegyp- 
tischeu zum Theil mit den mit ' anlautenden zusammengefallen 
sein ^) — Verschiebungen, die das Aussehen des Wortschatzes schon 
sehr stark ändern mussten. 

Noch viel fremdartiger aber musste das Aeussere der Sprache 
werden durch das Auftreten des i und ' an Stelle voller alter Conso- 
nanten. Denn in diesem Falle tritt ja an die Stelle des ursprünglichen 
Consonanten nicht ein anderer ihm verwandter und gleichwerthiger, 
sondern er geht ganz verloren ^). Er zersetzt sich und es bleibt 
nichts von ihm zurück als — man erlaube mir das Bild — sein 
leerer Platz : ein Hauch grösserer oder geringerer Stärke, ein i oder 
ein *. Es ist derselbe Vorgang, der sich innerhalb der ägyptischen 
Sprachgeschichte ^) selbst bei so vielen Worten abgespielt hat : 
*jotri(, „Strom" : *joth' *joer joor (eioop), 
*ka)-<'s „begraben" : M'^^s hö'os (kuiuic) *). 

Dass wirklich in diesen Fällen auch ein Hauch zurückbleibt, 
beweist schon die hebräische Umschreibung des eben angeführten 
eioop, das ja durch 'ns'' wiedergegeben wird. 

Demnach wären also vermuthlich all die S und ' des Aegyp- 
tischen nichts als die letzten unkenntlichen Reste älterer voller 
Consonanten und unter Umständen würde auch ein ägyptisches i 
so aufzufassen sein ^). 

Ist dem aber so, so liegt auch auf der Hand, weshalb die 



1) Ueber sis y*iAyw siehe unten. 

2) Ich verstehe leider nichts von Lautphysiologie , hoffe aber , dass die 
obigen Darlegungen auch trotz ihres unwissenschaftlichen Gewandes ver- 
ständlich sind 

3) Und doch wohl auch, wenn auch in geringerem Umfang, innerhalb der 
semitischen. Ich erinnere an den Uebergang von (jto in aramäisches T, der 
gewiss so aufzufassen ist. Sodann übersehe man auch nicht, dass auch dem 
ägyptischen r, h, h, h und d zuweilen y und i< gegenüberzustehen scheinen. 
Vgl. z. B. oben rmn "("'-N?, nhp !r|K: , snhm D"bD , sfh yZ'C, icsh ^^*, 
ndm u"-, nds ry'JiJ. Hier sind die ägyptischen Formen gewiss die ursprüng- 
licheren. 

4) Der Hilfsvokal e wird dem vorhergehenden Consonanten angeglichen, 
selbst wenn dieser lang ist, z. B. löös (KlUlUC) aus *kö'^s *hörs. Es sind 
das die sogenannten gebrochenen Vokale. 

5) Der eine sichere uns vorliegende Fall, v>o i die Stelle eines ver- 
schwundenen T einnimmt {sis für (v-Aav), erklärt sich wohl aus dem Vokal 
dieses Zahlworts. Dieses muss ja einmal *sids gelautet haben (vgl. H'i^C, 

si>v,^) und unter dem Einflüsse dieses i wird das aus *sids zunächst entstandene 

*süs zu siis geworden sein. 



128 Erman, DasVerhältniss des Aegyptischen zu den semlt. Sprachen. 

lexikalische Vergleichung des Aegyptischen und der semitischen 
Sprachen so überaus dürftige Resultate ergeben hat. Denn ins- 
besondere die Zahl der Worte, die ein 8 als letzten oder als mitt- 
leren Consonanten enthalten, ist Legion und wer will nun all diesen 
Worten wie : ii alt, 'ä gross, rs fern, bi Seele, pi fliegen, fi tragen, 
mii sehen u. s. w., 
oder wie: iü eine Pflanze, ilht Horizont, wlcl grün, Mb senden, 

2)id Fuss, mih brennen u. s. w., 
oder wie: ski pflügen, slß erinnern, him schaffen, ^m% wissen, 
xoM suchen u. s. w. 

— wer will diesen noch ansehen, welcher Cousonant hier einmal 
an Stelle des S gestanden hat? Bei dreiradikaligen kann es ja 
noch eher gelingen, aber bei den vielen zweiradikaligen, bei denen 
eigentlich nur noch ein Consonant des alten Wortes vorhanden 
ist, sind der Anhaltspunkte gar zu wenige. Ich halte es sehr wohl 
für möglich, dass du „säen" auf r~iT zurückgeht oder dass si „satt 
werden" mit yy^ identisch ist — aber lässt sich da noch etwas 
beweisen? 1) 

So wäre denn das Aegyptische gegenüber den semitischen 
Sprachen als ein Idiom starker lautlicher Zersetzung und Entartung 
anzusehen ; es spielte neben ihnen etwa die Rolle, die das Englische 
neben dem Deutschen, das Französische neben dem Italienischen spielt. 

Ein solcher lautlicher Verfall würde nun aber gut zu der sehr 
frühen grammatischen Zersetzung passen, die wir an dem 
Aegyptischen beobachten können. Um 2000 v. Chr. verliert das 
Aegyptische schon den freien Gebrauch der Possessivsuffixe und 
sagt '„dies deinige Haus" plyk pr für p)^'^^ „dein Haus". Sehr früh- 
zeitig wird ihm das Perfectum seines Verbums durch eine jüngere 

— vermuthlich nominale — Bildung halb erstickt und auch diese 
muss schon im neuen Reiche allerlei zusammengesetzten Formen 
Platz machen. 

Danach wäre der oben vorgeschlagene Vergleich des Aegyp- 
tischen mit dem Englischen unter den germanischen oder dem 
Französischen unter den romanischen Sprachen auch in gramma- 
tischer Hinsicht zutreffend und hier wie dort könnte es wohl die 
Verpflanzung der Sprache auf ein ursprünglich anderssprachiges 
Gebiet sein, das die schnelle Zersetzung hervorgerufen hätte. Aber 
auch der grosse Unterschied in der Kultur, der zwischen Aegyptern 
und Semiten Jahrtausende lang bestanden hat, wird zur rascheren 



1) An ähnlichen Fällen fehlt es ja auch sonst nicht in der Sprachwissenschaft, 
aber diese sind insofern weniger bedenklich, als dabei nicht, wie in unserem Falle, 
die eine Sprache nur in ihrem Consonantengerippe überliefert ist. Wäre beispiels- 
weise das Französische in der gleichen Weise überliefert wie das Aegyptische, 
so würden wenige den Muth haben *Sa oder *S (chat) zu gatto, *pi oder *p 
(pas) zu passo, *ipi (epee) zu spada und *do oder *d (doux) zu dolce zu 
stellen. 



Erman, Das Verhältniss des Aegyx)tischen zu den semit. Sprachen. 129 

Entwicklung jener Sprache geführt haben ; ein gebildetes Volk, das 
arbeitet, handelt und verwaltet, hat nicht die Müsse, seine Sprache 
so zu pflegen und zu erhalten, wie es ein Nomadenstamm kann, 
der nur Vieh zu hüten und Raubzüge zu machen hat. Aber es 
ist Zeit , diese Betrachtungen zu schliessen , denn wir haben uns 
schon von dem sicheren Boden entfernt und jeder weitere Schritt' 
führt uns tiefer in den Sumpf der Hypothesen hinein. 

Es würde mich freuen, wenn die hier gegebene Darstellung 
Kenner der semitischen Sprachen veranlasste, ihr Urtheil über das 
hier vorgelegte Material an dieser Stelle auszusprechen , damit so 
eine vorläufige Klärung der grossen Frage einträte. Dann aber 
werden wir meines Erachtens gut thun, die Angelegenheit wieder 
auf längere Jahre ruhen zu lassen und uns den Specialarbeiten 
zuzuwenden, durch die allein sie ihrer Lösung näher geführt werden 
kann. Für die semitischen Sprachen bedarf es ja gewiss noch 
mancher langwierigen Vorarbeit, für das Aegyptische wird noch die 
Arbeit von Jahrzehnten nöthig sein, ehe Wörterbuch und Grammatik 
auf den Stand gebracht sein werden, der allein ein sicheres Urtheil 
ermöglicht. 



Bd. XLVI. 



130 



Ist'das Schachspiel im Talmud genannt, 
und unter welchem Namen? 

Von 

Dr. Alexander Kohut. 

Nach dem Bericht in Kiddushin 21b wirft R. Nachman dem 
R. Anan vor, dass eine Halacha nicht richtig aufgefasst ward, 
„weil ihr wohl, als ihr in der Schule Samuels wäret, Iskumdari 
gespielt habet" nrr^bbü^N ■'-in^oipo'^Nn bnvzxii 173 ^n in^in "'D. Raschi 
und Aruch lesen i'-njipDiN (wofür auch Variante ■'"inripo). Raschi 
erklärt unser Wort durch T'DSDD (yjrjq^og = nsaaeia) „Spiel mit 
den Steinen im Brette", welches wieder durch das franz. Tü"bii'T72 
merelles, marelles, Mühlenspiel, Daraenspiel erörtert wird. Ebenso 
erklärt er ■)"'OQDE in Synh. 25 b. Auch das Regensburger Ms. des 
Aruch hat zur Erklärung von -jiDDOD das (aus dem Spätlateinischen 
merallus, Spielmarke, abzuleitende) franz. UJ-'b'n^j (siehe Kohut, Aruch 
Completum VI, 384 und die daselbst angeführte Stelle bei Perles). 
Auch zu Nedarim 25 a erklärt Raschi i'-i-i:ipoN durch D"'DrD"'D 
■jH^ ■j"'pnUJ73UJ , während er zu Shabuoth 29 a es mit yy niDTn 
■j"^ T'pnu:7:;D rniüp wiedergiebt und so ist auch unser Wort er- 
klärt im Ran (daselbst). Auch R. Nathan ben Jechiel^), der diese 
drei Citate anführt, erklärt, gemäss der zweiten Erklärung, das 
fremdsprachliche Wort im Sinne eines Kinderspiels mittels Marken, 
was auch das von R. Nathan angeführte italienische Wort ■'iSi-ii 
[lies •'b"]i"''na] = brincoli, Spielmarken, besagen will. In Nedar, 
und Shabuoth 1. c. passt auch diese Erklärung. Daselbst heisst es 
nämlich , man verwarnt den Schwörenden vor reservatio mentalis, 
denn er könnte dem Kläger gegeben haben 1n:^pDS Spielmarken, 
die er Zuzim nannte. In Kidd. 1. c. jedoch kann nur von einer 
Spielart die Rede sein, welche zur Kurzweil der Männer diente, 
da R. Nachman den Vorwurf erhebt, dass wegen dieses Spieles das 
ernste Halachastudium vernachlässigt wurde. Man kann doch wohl 
nicht annehmen, dass in dem Lehrhaus Samuels emste Gelehrte 
mit Spielmarken sich befasst hätten? Aus diesem Grunde ist die 



l) Aruch Completum I, 197. 



Kolmt, Ist das Schachspiel ha Talmud genannt? 131 

von R. Nathan angeführte Erklärung Rabbi Chananel's D"'3br) "'"n:;! 
n^pmuJ nrr'Ti vorzuziehen. Natürlicherweise ist das Spiel mit 
„kleinen Hunden" in dem Sinne zu nehmen wie in Kethuboth 61b, 
wo neben dem Nerdspiel') das Spiel mit „kleinen Hunden" t<n"i"'"na 
Nn-'"':o-'p , wofür auch -) die L. A. 'nn^iT Nn"n:iDp, angeführt ist. 
Rabbi Nathan (Art. -;:;) fasst die Worte im natürlichen Sinne auf 
als kleine, kurzfüssige (Schooss-)Hunde , mit denen man zu spielen 
pflegt, was wohl, da im Kethuboth 1. c. von Frauenspielen die 
Rede ist, gemeint sein kann ; allein durch die Nebeneinanderstellung 
mit T'UJ"*: , welches eine Art Würfelspiel ist, wird es klar, dass 
das Spiel mit kleinen Hunden auch eine Art Brettspiel, Damen- 
spiel bedeuten müsse. Raschi hat das Zwingende dieses ümstandes 
nicht in Betracht gezogen, da er zu den Worten Nni-'-nra Nbb::"'7:T 
T^'U"-):! Nni^:::"'p bemerkt: "p-npu: pinvui a-'pi □■'nbon npn'C73 
^"■'PP"v::"'N. Er erklärt daher buchstäblich ein Spiel mit kleinen 
Hunden und (hinsichtlich -i^-,:;n-i:) echecs (Schach). Auch Maimo- 
nides zur Mischna VI Absch. HI Synh. erklärt N-^aip ^) durch Nerd 
und 5j~iL;;r, bekanntlich ar. und pers. Name des Schach *), vgl. auch 
seine Bemerkung zu Shabb. XXIII, 2. Auch arabische und türkische 
Autoren haben das Nerd und Schachspiel häufig verwechselt, und 
Würfelspiel mit dem Schachbrett confundiren auch die Erklärer 
der Sanscrittexte , auf die wir weiter verweisen werden. Es ist 
nämlich eine vielfach besprochene und wie es scheint noch nicht 
abgeschlossene Frage, welchem Zeitalter und welchem Volke wir 
das Königsspiel zuweisen sollen. Während Firdüsi 5) es durch einen 
Inder, Gesandten des Königs von Kanüj (Kauyäkubjä) am Hofe des 
grossen Säsänidenkönigs Nüshirvän (529 — 577) einführen lässt, 
sprechen arabische Schriftsteller von einem viel früheren und zwar 
indischen Ursprung des Spieles.*^) Behauptet doch sogar Duncan 
Forbes ') "it Claims an antiquity of 5000 years!" Die Wahrheit 
wird wohl auch hier in der Mitte liegen und es wird gestattet 
sein, dem indischen caturanga ^) ein hohes Alter zuzuweisen. Auf- 
fallend erscheint es jedoch, dass bis jetzt noch wenig anderweitige 
Erwähnungen des Schachspiels in indischen Texten gefunden sind. 
Es ist daher sehr verdienstlich, dass Prof. Weber sich im Jahre 
1872 mit dem Gegenstand in seiner gründlichen Weise befasst 



1) Aruch Completum V, 388 s. v. "l"';2JTi:. 

2) Aruch Art. ^Dp. Ueber die Etymologie sielie unsere Bemerkungen 
im Art. "13 (Aruch Completum II, 345). 

3) Bekanntlich xvßtia, Würfelspiel, s. Aruch Compl. VII, 56. 

4) Aruch Compl. V, 388 und die daselbst angeführte Ansicht des Toss. 
Jomtob. 

5) Ende des Shäh-Nämeh. 

6) Vgl. Hyde, bist. Shahilud (Oxon) 1694, p. 32 ff., 41 ff. 

7) History of Chess etc. p. 33. 

8) Davon ist bekanntlich zu deriviren das pers. shatrang, arab. shitranj, 
span. axedrez, fr. echecs, engl, chess. Vgl. auch Kuzari p. 426 ed. Cassel. 

9* 



132 Kohut, Ist das Schachspiel im Tahnud genannt? 

hatJ) Es kann selbstverständlich nicht unsere Aufgabe sein, den 
auf Grund dreier sämmtlich in bengalischer Schrift vorliegenden 
Quellen constituirten Text, den Prof. Weber eingehend und kritisch 
bespricht, hier auch nur zu berühren. Uns interessirt bloss ein 
am Ende jener Abhandlung^) aus Forbes'^) genannter Schrift citirter 
Passus, wonach eine Meinung dahin geht, dass das Schachspiel "the 
invention of an ancient G r e c i a n sage by name Hermes" war, 
dass es respective und zwar in der Form des Shatranj i Kämil 
"perfect chess", also mit 56 Figuren zu spielen, durch Alexander 
den Grossen und seine Soldaten nach Indien gekommen und 
dort bald darauf durch Sassa, den weisen Minister des Königs 
Kaid, in die mit nur 32 Figuren zu spielende Varietät des Spieles 
umgeformt worden sei." 

Prof. Weber legt zwar dieser Vermuthung kein besonderes 
Gewicht bei, fügt aber doch hinzu, „dass die Entstehung des in- 
dischen Spieles doch vielleicht irgendwie durch eine Bekanntschaft 
mit diesen abendländischen Spielen (ludus latrunculorum) veranlasst 
sein könne. Es wäre dann hier derselbe Fall eingetreten, den wir 
ja noch anderweitig (bei den Fabeln, bei astronomisch-astrologischen 
Vorstellungen etc. etc.) zu beobachten Gelegenheit haben , dass ein 
ursprünglich occidentalisches Gut nach Indien einwandert, dort neue 
Gestalt annimmt und in dieser neuen Gestalt aus Indien wieder 
nach dem Abendlande zurückkehrt." Hen- Prof. Weber erwartet, 
ehe er sich diesbezüglich entscheiden will , neuere Berichte aus 
indischen Quellen und der Päli-Litteratur. 

Wie aber, wenn der Talmud einen Wink zur Unterstützung 
dieser Vermuthung uns gäbe? Ich meine gerade unser fragliches 
Wort "''mripON. Bekanntlich ist Iskander die arabische und per- 
sische Bezeichnung des Namens Alexander.*) Wie nun, wenn 
der Talmud das Schachspiel mit "''injTpDN = Iskan- 
der (Alexander)-Spie] bezeichnet haben wollte? Dass 
sonst im Talmud DTTirODbN stets die Schreibung Alexander's des 
Grossen ist ^), dürfte kein Einwand sein, da ja gerade das Alexander- 
spiel zum Unterschied von dem Namen Alexander — viel- 
leicht unter dem in den Zeiten Samuel's bekannt gewesenen Namen 
Iskanderspiel — absichtlich anders geschrieben worden ist. 
Wenn demnach wegen irgend eines Spieles die Halachastudien ver- 
nachlässigt werden konnten, so kann nur ein solches Spiel gemeint 
sein, welches auch als Spiel Ernst ist, es kann nur Schachspiel 
sein! Auch Delitzsch'') vermuthete in ■'inripoN per Metathesin 

1) Einige Daten übei* das Schachspiel nach indischen Quellen (Monats- 
bericht der königl. Akademie der Wissenschaften in Berlin, 8. Febr. 1872). 

2) Daselbst p. 88. 

,5) History etc. p. 62. 

4) AI wurde nämlich merkwürdigerweise als Artikel genommen und daher 
Alexander in Iskander verstümmelt. 

5) Aruch Completum I, 94. 

6) Orient 1840, S. .53. 



Kohut, Ist das Schachspiel im Talmud genannt? 133 

"ipsinno = tschaturanga , was mir aber gewagt erscheint, da das 
c des Skt. entsprechend dem - = tsch im Talmud mit i:ü wieder- 
gegeben ist ^) und auch das neupersische shatrang etwa aD'nü'>Z5 
transscribirt woi'den wäi'e. Mehr Wahrscheinlichkeit und weniger 
Gezwungenheit hat demnach unsere Annahme, das sicherlich zur 
Zeit Samuels schon vorhanden gewesene Schachspiel mit Iskander- 
Spiel zu benennen nach der Voraussetzung, dass Alexander der 
Grosse der Erfinder oder Vermittler gewesen. Wenn nun R. Chananel 
"^nripCN nicht als Schachspiel erkannt hat , so kommt er doch 
insofern der Sache nahe, als auch das Würfelspiel in dem sogenannten 
Trictrac-Spiel von den Auslegern der Sanscrittexte untereinander 
vermengt wurde. Ich bin nämlich (mit Delitzsch) -) der Meinung, 
dass NP"'"":o"'p Nn"'"''-!i5 „kleine Hunde" eine Bezeichnung von Trictrac- 
Steinen ist, die hundsförmig geformt zu sein pflegten, wie sie ja 
auch bei den Arabern Kiläb heissen, während die der Perser die 
Gestalt von Löwenköpfen hatten, daher denn auch Hyde „Nerdeshir" 
mit trunculus leoninus übersetzen will. Ich bin demnach der Ansicht, 
dass R. Chananel mit dem zur Erklärung von "•^irpos angegebenen 
Ausdruck ü"'3bs "'"^13 „kleine Hunde" eben diese Trictracsteine ge- 
meint habe. Einen schlagenden Beleg für solche Verwechslung der 
Trictracsteine mit den Steinen in der Schachfigur können wir lesen 
bei Weber ^), der den Scholiasten Ananta citirt, wonach er ein im 
12; Jahrhundert von Govardhana gebrauchtes Wort ^äri dahin er- 
klärt: caturaugagutikä iva d.h. wie eine Schachfigur, während 
das Wort nur „wie ein Stein im Trictrac-Spiel", wie Prof. Weber 
erweist, bedeutet. Noch andere Beispiele ähnlicher Verwechslung 
werden aus anderen Werken von Weber angeführt. 

Eine Stelle (aus Häla's Sapta^atakam) möge uns jedoch ge- 
stattet sein näher ins Auge zu fassen, weil sie ein besonderes Licht 
auf rmsere in Rede stehende Ausdrucksweise: C"^3bD ■'-nü oder 
NrT''^:0"'p Nn"'"'"i:i oder 'n^i::"" Nn"'"':D^~, womit Steine im Würfel- 
spiel bezeichnet werden sollen , werfen kann. Die Stelle lautet *) : 

Sunahapaürammi gäme 
hindanti tuha kaeiia sä välä [ 
päsaasäri vva gharam — 
gharena kaiä vi khajjihai |1 

„Dies Mädchen, das deinethalben in dem an Hunden reichen Dorfe 
von Haus zu Haus umherstreift, wie eine „Figur im Würfel- 
spiel", wird gewiss noch einmal gebissen werden." 



1") Vgl. Aruch Completum IV, 70; vgl. auch das. VI, 322. 

2) Orient 1840, p. 52. Irrig ist jedoch seine Bemerkung, dass Xn"'"';0^p 
xvvEi ist, siehe vielmehr unsere Erklärung Aruch Comp. II, 345. 

3) Nachträge zu seiner Abhandlung: über das indische Schachspiel, Monats- 
bericht, 18. Juli 1872, p. 564. 

4) Ibidem p. 566. 



134 



Kohut, Ist das Schachspiel im Talmud genannt': 



Unter den Häusern, bemerkt Weber, sind da offenbar die Felder 
des Brettes, unter dem Dorfe das Würfelbrett selbst, unter den 
Hunden die Steine des Gegners zu verstehen. Und wiederum 
kommt Weber darauf zurück, dass die Entstehung des indischen 
Schachspieles etwa doch durch eine Bekanntschaft mit den abend- 
ländischen Spielen, dem ludus latrunculorum nämlich etc., veranlasst 
sein könne. Bei den Griechen hiessen ja nämlich die Steine dieses 
(Würfel-)Spieles y.vv^q , Hunde , worin S. Birch ') ein Zeugniss des 
ägyptischen Ursprungs des Spieles selbst erkennt, da "some Egyptian 
draughtsmen have the head of the dog or jackal." 

Auch das Regensburger Ms. des Aruch hat im Art. ^-iiripoN 
offenbar mit Bezugnahme auf die Erklärung des R. Chananel 
C'pnu;/: nn^^r: Zi^zb-2 •^ii^n, n^-iN -;i:i 'b '-^r. Dies würde 
stimmen zu Hyde's oben mitgetheilter Ansicht, wonach (bei den 
Persern) die Trictracsteine löwenförmig gestaltet waren. Sei dem, 
wie ihm wolle , so hat R. Chananel offenbar mit seiner Erklärung 
nur künstliche, nicht lebende Hündchen gemeint.-) Vielleicht hat 
auch R. Nathan im Art. "op nur künstliche Hündchen im Sinne, 
wenn er unser Wort erklärt wie folgt: b^o ■^:"'7:- n':::p C^^bs "'S 
■-3 vp-nn;!: und Abr. Zakkuto (im handschriftlichen Werk Ikkare 
Hatalmud) fügt zum Schluss noch hinzu Nrnba '^z ''^"Cii, was auch 
in R. Haschana 4 a mit Bezugnahme auf Nehem. II, 6 von Rabba 
bar Lima im Namen Rab's gesagt wird. Im Artikel bsiü (Aruch 
C. VIII, 26) weise ich nach, dass das sansc. und pers. shagäl, canis 
aureus = Schakal^) gemeint ist. Hiernach fänden wir auch das 
Zeugniss Birch's bestätigt, dass (ägyptische) Schachfiguren Hunde- 
oder Schakal köpfe hatten. 

* * 

Als Resultat unserer Untersuchung können wir daher angeben : 

1) In Ned. 25 a und Shabuoth 29 a heisst nach Aruch und 
Raschi ■^"■.-npCN ("^"""pc) soviel wie Spielmarken. 

2) In Kiddushin 21b nach Raschi Brettspiel, Mühlenspiel, 
nach Aruch (zweite Erklärung) ebenfalls Spielmarken. 

3) Nach R. Chananel (erste Erklärung im Aruch) heisst imripoN 
in Kidd. eine Art Trictrac-Spiel sowie NrT''^ro"'p Nn-'^^i:« (mit den 
Varianten wie oben angegeben) auch in Kethub. 61b und hat 
Aehnlichkeit mit dem Nerdspiel (Würfelspiel). 

4) Unabhängig von all den citirten Erklärungen von 
R. Chananel, Aruch und Raschi wäre aber "'mripCN in Kidd. = 
Schachspiel, zubenannt nach Iskander (Alexander dem Grossen), 
durch den es im Orient bekannt geworden sein soll. 

1) Ilhampsinitus and the game of draughts p. 14. 

2) Nicht so scheint die Ansicht des R. Nathan im Art. ^5 1 1 zu sein. 

3) So auch im Altfranz, jackal, jakal, jachal; Neufranz, chacal ; Ital. 
sciacal. Vgl. Webster, Dictionary, der aber fälschlich verweist auf Hebr. 

brTi:! (Fuchs). 



Kohut, Ist das Schachspiel im Talmud genannt? 135 

5) Da arabische, türkische und Sanscrit- Autoren die Steine im 
Würfelspiel mit den Steinen im Schachbrett oft verwechseln, so 
kann auch R. Chananel mit seiner Erklärung „Spiel mit kleinen 
Hunden", d. h. kleinen Hundfiguren, das Schachspiel gemeint haben, 
obwohl diese Auffassung eine irrige ist. Der Talmud selbst hatte 
aber höchst wahrscheinlich in Kidd. unter ■'-nripON das Schach- 
spiel verstanden ! 

Zu berichtigen ist Maimuni's Erklärung (sowie R. L. Heller's), 
wonach ^"'UJ'TiD , Si^l'p und E'^OEDS Schachspiel bedeuten würde, 
sowie auch die ähnliche Erklärung Raschi's hinsichtlich ^"lUSTiS 
irrig ist. — Borhani Qatiu lässt o.i gegensätzlich zu ^ JaX^ von 
^^:^ • J.J erfunden sein (vgl. Vullers, P. Lex. s. v. jj). 

New York im März 1891. 



136 



Bemerkungen zu Geigers Uebersetzung des Pehlewi- 
Buches Jätkäri Zarerän. 

Von 

Theodor Nöldeke. 

W. Geiger hat sich durch die Uebersetzung des Zarer-Buches ^) 
ein grosses Verdienst erworben. Ich gedenke an einem anderen 
Orte eingehender über diese Schi'ift zu reden, die ich etwa ins 
6. Jahrhundert n. Chr. setze und als eine indirecte Quelle des 
Schähnäme ansehe ^). Hier möchte ich nui* einige Bemerkungen 
über Einzelheiten des Textes oder der Uebersetzung geben. 

Die Uebersetzung Geiger's ist ohne Zweifel durchweg zu- 
verlässig. Ich schliesse das aus den zahlreichen, zum Theil schwierigen, 
Stellen des Originals, die er in Transscription anführt. Wegen 
der unglücklichen Vieldeutigkeit der Pehlewl-Schrift , der Mangel- 
haftigkeit unsrer Sprachkenntniss und der Entstellung des Textes 
in der einzigen Handschrift ^) bleiben allerdings einige Stellen 
dunkel. Wo Geiger nicht weiter kommt, ist mir das in der Regel 
auch nicht möglich gewesen. Nur in Kleinigkeiten kann ich seine 
Lesung oder Uebersetzung verbessern ; diese Verbesserungen gebe 
ich im Folgenden. 

Zuvor bemerke ich aber noch , dass ich bedaure , dass sich 
Geiger nicht zu einer consequenten Umschreibung des Pehlewi 
entschlossen hat. Er konnte wesentlich phonetisch umschreiben*), 
entsprechend seiner wie meiner Auffassung dieser Schrift, oder er 



1) Das Yatkari Zariran und sein Verhältniss zum Säh-name, Sitzgsber. 
d. philos.-philol. u. bist. Class. der k. bayer. Akad. d. W. 1890, 2, 43 ff. 

2) S. Sitzgsber. der Wiener Akad. d. W. 1892. Da lege ich auch dar, 
warum ich lieber Zarer als Zarir schreibe. 

3) Geiger hatte West's Abschrift der Bombayer Hdschr. zur Verfügung 
nebst einer CoUation der Teberäner Copie, die im vorigen Jahrhundert von 
der Bombayer genommen ist, als diese noch nicht so von Würmern beschädigt 
war wie jetzt. 

4) Allerdings wird man auch bei phonetischer Umschrift Rücksicht auf 
die historische Schreibweise nehmen und z. B. manchmal ein t wiedergeben, 
wo zur Zeit der Abfassung der betreffenden Werke schon ein d oder dh ge- 
sproclien wurde. 



Nöldeke, Bemerk, zu Geigers Uehers. des Peldenn-B. Jätkäri Zarerän. 137 

konnte sich ganz an die Schriftzeichen halten. Er hat im All- 
gemeinen letzteres gethan , aber ohne Consequeuz. Eine solche 
Transscription muss m. E. mit hebräischen Buchstaben gemacht 
werden, da die lateinischen Schriftzeichen immer den Eindruck 
machen , als ob man die wirkliche Aussprache wiedergäbe , schon 
weil man da die Vocale einfügt, welche im Original fehlen, während 
man in einzelnen Fällen wiederum Vocale weglässt, die im Ara- 
mäischen gesprochen wurden '). Aber auch bei einer solchen Trans- 
scription muss man die wirkliche Bedeutung der Buchstaben aus- 
drücken, soweit sie irgend zu erkunden ist, nicht die Missgeburten 
moderner Unkunde. Warum soll mau z. B. jetzt noch bei ara- 
mäischen Ideogrammen ]•?; statt n schreiben, also denman für —:■; 
{in „dieser") , maman für n" {ci „was") , lanman für n ;b {amä 
,wir") ^), levatman für nnb {cqyä „bei"), valman für nbi (= ri'riv 
Ol „auf"), nafaimantan für "nrfiüE: {ch'-'estan „selbst")? Ferner 
verweise ich auf Missverständnisse wie sätünd für ":in"'>D ^) {ra- 
rvand „sie gehn") , sekünet für n'^iiDüiD *) (fielet „ihr lasset") , sed- 
künd für rriDn'^*) (hüt „liess"), bidanä für n"iin {müh „Monat") u. s. w. 
Für die Ligatur, die bisher den gelesen worden ist, war das von 
West auf den Inschriften entdeckte ■)"'n {andar „in") zu setzen. 
Auch raun war durch \\iz oder T.iz {ki „wer?") zu ersetzen. 

In persischen Wörtern sind dergleichen Anstösse natürlich viel 
seltner. Doch rechne ich dahin die Wiedergabe der bekannten 
Ligatur- für die Endung et durch 7/en z. B. yedrünt/en {baret 
„traget"). Auch konnte die persische Lautform zuweilen noch 
etwas genauer wiedergegeben werden z. B. vijit für vajft „wählte 
aus", j'ävet , jüvetün für j'ävit , jävltän „ewig", spH oder allenfalls 
sipH für sapet „weiss" u. s. w. In Fällen wie zahcir „Gift", 
puhar „Sohn", liucihartar ^) „schöner" wird allerdings auch im 
Päzend ein a nach li ausgedrückt, wohl zur Bezeichnung eines ganz 
kurzen Vocals , der sich in solchen Fällen leicht eindrängt ; mir 
scheint es aber zweckmässiger, nach neupersischer Weise zcdir u. s. w. 
zu schreiben. Das Wort Js..j^..i> „Grünes, grüne Saat" hat man 
chwid (oder vielmehr ch'-idh) zu sprechen; vgl. Schahn. 344, 452 



1) Z. B. wenn man anSnta schreibt für anäSüthä (NrriJ^N =^ inartum 
l»0^ „Mensch"). 

2) Im Päzend wird eraä geschrieben, wozu das jüdische N"3""X stimmt. 
Wie ist aber das e (aus ah) zu erklären? 

3) J<50 „gehn". An der Stelle (Anm. 31) ist wohl 1;:iP';D zu ver- 
bessern. 

4) pi'a. 

5) Np. r^V^, rt:^'^ ■, rfr^^ (™it ^)'i i™ Schahn. auch mehrfach als 
Eigenname. 



1 38 Nöldeke, Bevierh. zu Geiger'' s TJebers. des Pehlevn-B. Jdthdri Zarerdn. 

(nach der richtigen Lesart von P), 462. io.i^ paen. ; Sa'df, 
Bustän (Graf) 40. 162; Schefer, Chrest. 2, ffl, 16. Das Wort 
scheint früh ungebräuchlich geworden zu sein ; die Wöx'terbücher 
rathen allerlei falsches über seine Aussprache, und die Varianten 
im Schahn. 250, 117. 1372, 1968 haben es zweisUbig i). Dem- 
nach würde ich Anm. 12 nicht ^awlt, sondern )[y'lt schreiben. 

Ich wiederhole, dass Geiger durchaus meine Auffassung der 
Pehlewi-Schrift theilt, die ja die wahrhaft traditionelle ist und sich 
jedem aufdrängt, der mit einiger Kenntniss des Persischen einer- 
seits, des Aramäischen andrerseits grössere Pehlewl-Teste liest. 
Ein neues köstliches Beispiel des kryptographischen Character dieser 
Schrift hebt Geiger noch hervor : der Name des Gesandten Nämckv'äst 
wird hier noNin^:o geschrieben. Kann jemand wirklich meinen, 
dass in der Heldensage ein Hemch'^äst, Sohn des Hazär, vorkäme? 
Und wie sollte das Schahn. , das hier auf unserm Buch beruht, 
zu der Benennung Nämchu'äsii Hazärän gekommen sein, wenn 
die , welche das Pehlewi- Werk ins Np. übersetzten , nicht gewusst 
hätten, dass n^ näm ausgesprochen werde? 

Anm. 1. Der Anfang ist wohl zu übersetzen: „Im Namen 
des Schöpfers Ohrmazd und zur guten Auspizgebung". Murwak- 
dehisnth ist ein Abstract aus einem mit dehim ^S><^ von da 

„geben" gebildeten Bahuwrihi, wie ,ji;^_^0 ^5C>.j „Gutes gebend" 

Schahn. 134, 120 = Vullers, Chrest. Schahn. 42, 203'^); Fird. in 
Schefers's Nassiri Khosrau 302 ult. ; |ji>.Po s0^ä/.v „Löbliches gebend". 
— Die Aussprache Öharmazd ist kaum so richtig wie Ohrmazd 
oder lieber Ohrmizd\ das gewöhnliche ö-^S> , ;/).P Vgiii'^Sag ent- 
steht daraus wie Herbadh aus Ehrpat rCnM"»« der Inschriften. 

Anm. 2. azd mat „ward gewiss" = erfuhr {certior fachis est). 
Hier haben wir das von Kern ZDMG. 23, 220 richtig gedeutete 

1) So auch Sa'di, Gulistäu 10 (Sprenger), wo für vA— Jfc_.^_j etwa 
iAj^^ .0 ( — — ) zu lesen ist. Die Var. vAj ».3*j| , welche Vullei-s vorzieht, 
dürfte eben so wenig Werth haben wie das ganze Verbum ..iA-J»...> „grün 
aufbrauchen". 

2) Von Vullers noch im Lexicon s. v. tj^-^ als „donum bonitatis" auf- 
gefasst mit Vernachlässigung des Metrums und mit der üblichen Verwechslung 

von ..iJj..w-:£^j (eigentlich ..lVXC>.J^j, wie die jüdische Schreibung T'NUJOH 
Qissei Däniäl in Merx, Archiv 1, 400, 13, 18. 402, 4 und das phl. ']^:U5-'NU:mDN 
Minoch. 56, 1 [Andreas] zeigen) „gnädig sein" und ..iA-v.«a.^j , schenken". 



Nöldeke, Bemerlc. zu Geiger'' s JJehev-'i. des PeliUn-t-B .Jätkäri Zarerän. 139 

altpersische azdä = sscr. oddha, das in der Form N^TN auch im 
Biblisch-Aramäischen vorkommt Dan. 2, 5, 8. 

Anm. 5. "jN^^NiECN. Die wahre Form ist durch Wester- 
gaard's Abschrift der Naqsi-Rustem-Inschrift Zeile 6 gesichert; sie 
ist ",Nn"mtCJ<T Wdspuhrahm. So bei dem Armenier Sebeos 3, 6 ^) 
Was2nira7^.an. Vgl, meine Tabari-Uebers. 501 ; Olshausen in den 
Berl. Sitzungsber. 1880, 355; Darmesteter, Et. iran. 2, 139 ff. 
Olshausen's und Darmesteter's Ableitung von tcts „Haus" ist wegen 
des N («) bedenklich. Die Schreiber Hessen das i vorne weg, weil 
sie an eine Zusammensetzung mit asp dachten und jenes etwa für 
ein falsches „und" hielten. 

Anm. 6. Ueber iNrc^JS, oder wie sonst zu lesen sein mag '"), 
kann ich leider auch nichts bestimmtes sagen. Da das Wort 3 mal 
gleich geschrieben wird, darf man es kaum ändern. „Garde" kann 
es nicht gut heissen, denn § 14 f. wird alle Mannschaft aufgeboten, 
nicht bloss eine einzelne Truppe. 

Anm. 7. pesintkän entspräche genauer einem * . L><.>L_^.-^.a_j 
(nicht . iJCL^^Aj). 

Anm. 9. In dem Worte, das Geiger parvartak ("n-n-iD) 
wiedergiebt und ohne Zweifel richtig mit „Schreiben" übersetzt, 
steckt ein bis jetzt nur aus dem Aramäischen bekanntes, aber 
deutlich ü-änische Herkunft bekundendes Wort, nämlich (im Plural) 
••npm-5S oder "j'pn-TiD 3) Esther II, 6, 2 gegen Ende; mandäisch 
Np-ii^s S. R. 1, 127 ult. 129, 1. 144. 344, 10. Daraus ergäbe 
sich also die einfache Aenderung des zweiten ^ (->) in j (i). Ist 
das Wort freilich = »jb^.s, wie Fleischer zu Levy's Targumw. 
2, 574a vermuthet, so ist noch ein N einzuschieben: fr6(t)dätak. 
Doch spricht der Ausfall des n in der mandäischen Form kaum 
dafür, dass zwischen ihm und dem i ein langer Vocal gestanden hat. 

Anm. 10. mohist. Man erwartet masist; s. Minoch. 2, 45, 

198. 4,4 = np. vi>^.vvsix Schahn. lirf, 7 im Reim auf c>>-w-j, 

der freilich die Aussprache ^i:^.w..ix nicht ausschliesst *). Das s 

vor dem t ist sehr auffällig, da das Superlativsuffix ist{a) ist, das 
auch in der genau entsprechenden ap. Form mathista regekecht 
steht 5). 



1) Ich habe mir das früher einmal aus einer handschriftlichen Ueber- 
setzung von Dr. Wenzel notiert. 

2) Für "(23 ist N"', Tr, Tn u. s. w. möglich. 

3) Andere Lesarten "Jl^prilT-lS , T'^pmTlE . 

4) Es steht hier wie auch !v1f, 12 als Epitheton des Königs. 

5) Aw. maziSta ist natürlich ein ganz anderes Wort. 



140 Nöldehe, Bemerk. zuGeiger's Uehers. desPeldevi-B. Jatkari Zarrrcm. 

Anm. 11. leküni bayän. Da der Plural der Anrede ge- 
braucht ist, erwartet man auch für das Nomen einen Plural und 
da hag bekanntlich auf Münzen u. s. w. regelmässig den Königs- 
namen beigesetzt wird, so halte ich die, Geiger weniger wahrschein- 
lich dünkende, Lesung "Nrin für die richtige. m::b drückt L^-^ 
aus, also kann das folgende Wort auch nicht wohl ein Abstract sein. 

Anm. 12. Der Absatz ist sehr gut übersetzt; warum soll 
aber ^jj:^=> hier nicht die gewöhnliche Bedeutung haben? Das 
grüne Korn fressen die Pferde ab, das dürre, also reife, wird ab- 
gebrannt. — Dem von Geiger nachgewiesenen wartah „gefangen" 

entspricht das im Np. nicht seltne öJ.j . 

Anm. 14. In der von Geiger angezogenen Stelle AV 10, 5 
hat anos ch<'ardan allerdings die Bedeutung ^Unsterblichkeit trinken", 
aber hier passt das nicht, da Wistäsp nicht stirbt. .^ö.y.:^ x.iiy 
heisst Schahn. 1, 87, 471 bloss „(zärtliche) Sorge tragen (für ...)" 
(wie . o._j.i> ^, .,0.j.j> a.iAit)^); das liesse sich hier aber auch 
nur sehr gezwungen anbringen. Ich vermuthe eine Entstellung. 

Anm. 15. „Auf Hügeln, Häusern und hohen Bergen lasse 
Feuer anzünden". Wenn das fragliche Wort wirklich „Häuser" 
bedeutete, könnte der Text nicht richtig sein; man erwartet einen 
weiteren Ausdruck für „Höhen". Das angezogene np. .,Lj = »\^ 
wäre „Dach", was für den Sinn auf dasselbe herauskäme; das 
jüdisch-persische "iN^i aber bedeutet „Zelt", und das passt erst 
recht nicht. 

Anm. 16. Die Stelle ist durchaus richtig übersetzt, nur ist 
das erste dar in här zu verbessern also „und diese Sache auf 
euch nehmt". „Diesen Galgen auf euch nehmt" entspräche dem 
christlichen „sein Kreuz auf sich nehmen" (Matth. 10, 38. 16, 24), 
aber das gehört nicht hierher. Das n'?:N {ki) ist wohl zu streichen. 

Anm. 18. Ich komme mit den Worten eben so wenig zurecht 
wie Geiger. Dass R u s t e m hier vorkomme und gar in appellativer 



1) Oder ist vielleicht hier ..ö,yi> wirklich „trinken"? Die Redensart 
könnte eigentlich bedeuten ., Unsterblichkeit zutrinken", also ähnlich wie 
.,0.5..:> . . . Jw_) Schahn. 1629, 2362 und ähnlich öfter im Schahn. Als 
ironische Redensart wäre das hier zulässig, aber das Dill 5 N~in stimmt 
nicht dazu^ 



Nöldele, Bemerk, zu Gei'ger's Uebers. des Pehleici-B. JätkäriZarerdn. 141 

Bedeutung, bezweifle ich; ein Abschreiber mag allerdings an ihn 
gedacht haben ^). iiJL>._iO (nicht ^ysJL>.^) wird von Vullers nach 
Meninsky als indisches Wort in der Bedeutung hasfa parva, 
jaculum angeführt, aber er konnte es in Meninsky 's Quelle nicht 
finden ; man darf es daher kaum zur Erklärung des fraglichen 
Phl. -Wortes verwerthen. Mit Hinzufügung eines einzigen Striches 

liesse sich aus diesem :i3^nc tiN_i._>._^ „Nachtfarbig, Rappe" '^) 
machen, das bei Fird. nicht selten als Bezeichnung des Streitrosses 
steht , aber ich will keineswegs empfehlen , das in den Text zu 
setzen. 

Anm. 19. Für den Nachweis, dass -iTir^ oder ^'^mD „Köcher" 
ist, bin ich Geiger sehr dankbai*. Wir haben hier, abgesehen von 
der Vermehrung um ak, die Grundfoi-m des mehrfach unglücklich 
behandelten syrischen \ß\Ko , JjO;*Ajd ^). Hoffentlich findet sich 
nun auch eine passende Etymologie. 

Anm. 20. Trotz vieler Mühe komme ich auch bei diesem 
Absatz nicht weiter als Geiger. Man könnte daran denken nriDOC 
= iAJl\~j.-j in dem Sinne zu nehmen, wie man sagt . (A-j_j »L 
„einen Weg zurücklegen" Wis u Rämin 186, 10; cXJlXj.,j ^-j^^ 
„sie durchreisten die Wüste" eb. 141 , 1 , aber die Construction 
kommt doch nicht heraus, und dazu ist diese np. Redensart wohl 



1) annCmn (sicher nicht DNnOm")) ist nach West, Pahl. Texte 1, 140 
allerdings die älteste Form des Namens. Ein Pärse im 14. Jahrhundert schreibt 

D^inOTl Gosti Frajän (West) 245 f. 2hm aus tahm wie ^-w aus stahm, 

j, ,0 aus dralim u. s. w. Auf der andern Seite ist zu beachten, dass die Araber 

als Namen des historischen wie des mythischen Helden von jeher nur ^.iL-w . 
gehört und geschrieben haben und dass auch Moses Chor. 2, 8 Rostom hat. 

2) Rustem's Eoss ist nicht schwarz , sondern eigenthümlich seheckig 
(Schahn. 387). 

3) Die ältesten Handschriften wie der Ambrosianus der Pesch. des A. T. 
scheinen es durchweg ohne w. zu haben, aber die Schreibung mit ^ kommt 
doch schon im 7. Jahrhundert vor. Jene Weise deutet auf die Aussprache mit 
e, aber das ist fürs Persische nicht entscheidend. Die Syrer sprachen auch 

nahserthäna mit e vom pers. .x^^.:£AJ , dessen i sicher steht , da es auf .•?/»' 
„Milch", tir, gtr reimt. 



1 42 Nöldeke, Bemerk, za Geiger' s Uebers. des Pehlewi-B. JätkäriZarerän. 

ein Arabismus = %.JaJi. — Sapend(?) hängt vielleicht mit 
.^Ä^vA-^(!), .^Äi>fc>^l „Wasser spritzen" zusammen; diese Verben 
sind übrigens unbelegt. 

Anm. 22. Für „Pfähle" ist „eiserne Pflöcke" zu setzen. yiiLo 
ist Schreib- oder Druckfehler für ^Lj. (sehr beliebt im Schahn.). 

Anm. 23. rr'Nr'^i. Nahe liegt die Identificierung mit jifck^ 
oixeiog „Verwandter" oder „Vertrauter". Die persische Aussprache 
wäre wohl chdnakik = J^i:> . da Nn-'n chänak gelesen wird. 
Vermuthlich hat ein Schreiber die Abstractendung rr» aus Ver- 
sehen für y gesetzt, da später beide i gesprochen wurden. 

Anm. 27. h^wdr bedeutet schwerlich „Kinnbacken", sondern 
einfach „nach unten" wie erwar Bund, 72, 2; diese Bedeutung 
stimmt auch zu der Umgebung im Zand-Pahlavi-Gloss. 10, 1. Für 
:]DNi"i- , das hier unerklärlich zu sein scheint , darf man vielleicht 
CNim = (j*^3,0 oder (j^Lj j» „Pfosten" oder „Thürpfosten" lesen. 
Die Uebersetzung : „reib das stählerne Schwert und den Strahl (?) 
des Pfeils nach unten bis zum Pfosten" erweckt freilich noch nicht 
allzuviel Vertrauen, aber etwas seltsames mag in einem solchen 
Schwurritus wohl bleiben. 

Anm. 29. Dass "jinEN = dem im Schahn. häufigen . • j 

(„Quartier" ; meist Stadttheil , aber auch Einzelwohnung) , halte ich 
für sehr wahrscheinlich ^). Zwar führt das Lexicon auch ^-yJ;.J 
an, doch möchte ich eher annehmen, dass in beiden Fällen das -^ 
auf einem Fehler beruht. 

§. 27. „dann werden viele Mütter sammt vielen Söhnen vaterlos 
werden". Das geht nicht an. Der S. 72 mitgetheilte Text ist 
dadurch zu heilen, dass für i3D "imc nmb geschrieben wird 
"im3 ilsDT 'nms''tN. Das Ganze lautet so: „was mät apepuhr uwas 
pxäir apepit „dann werden viele Mütter söhnelos und viele Söhne 
vaterlos werden". 

Anm. 35. In shnspdr vermuthe ich die Bedeutung „für Geld 
erkauft" ügyvgcovrjTog. Dadurch würde die Verächtlichkeit ver- 
stärkt, denn der gekaufte Sklave-) steht dem im Hause gebornen 
nicht gleich. Jätok wäre wohl Apposition, nicht Genitiv. Aber 
ich gestehe, dass ich spar für „erkauft" nicht vertreten kann. 



1) Ist die Ideutiücation richtig, so ist Darmesteter's Gleichstelluug mit 
aw. i'-erezena (1, .08) unhaltbar; sie ist auch von Seiten der Bedeutung misslicb. 

2) n73D"l ist entstellt aus HS'n für na'l „Junge, Sklave". 



Nöldelc, Bemerk, zu Geiger's Uehers. des Pehlewi-B. JätlcäriZarerän. \ 43 

Anm. 36. Ich bezweifle die Richtigkeit der Verbesserung, da 
r"'2N {ki) schwerlich „wenn auch" heissen kann. So auch nicht 
§ 62, wo ein Concessivsatz nicht am Platz ist ; ich übersetze dort : 
,da du es immer so wünschtest". 

Anm. 37. bunak eigentlich „Gepäck", hier wohl „Lager"; vgl. 
xÄj ^cL> „Wohnung" Schahn. 1455, 199. 

Anm. 45. Was hier sistah oder wasistak ist, bleibt leider 
dunkel. NX.%v^.«^i „zerbrochen" passt nicht, auch wenn es, was der 
Form auf tak angemessener sein möchte, attributiv genommen wird. 
Stände sistak nicht an beiden Stellen, so würde ich loicastak 
„verflucht" vorschlagen („mit verfluchtem Zorngift"). Wenn man, 
wie in der zweiten Stelle, das i auch nach afsufak liest, so ist 
die Construction sonst in Ordnung. An '^-id, oder wie sonst zu 
lesen (es kann ja auch rti^2 , r^i-',-: , n^bti u. s. w. sein) , habe ich 
mich auch vergeblich abgemüht. Die Bedeutung „Wurfspeer" ist 
so gut wie sicher. Nahe liegt, in den ersten beiden Buchstaben 

j zu erkennen. Ein mit j zusammenhängendes Wort ist gewiss 
das in Anm. 46 vorkommende, das Geiger mit „Kampf" übersetzt; 
es ist ,ji,_i „das Fliegen", regelrechtes Nomen actionis zu . yAj.j. 
Damit wird das angebliche (ji,,j „Bewegung" identisch sein. 

Anm. 47. Ich möchte n;'7;nti streichen; ö««e^ „Hoffnung" kann 
nicht wohl schlechtweg für „bange Erwartung" stehn. 

Anm. 48. ch'ast hat Geiger richtig erklärt. Aus unsrer 
Stelle und aus § 63 ergiebt sich also, dass es eigentlich „gediückt" 
heisst und „(mit Füssen) getreten" (s. den jüdischen Text in La- 
garde's Pers. Studien Jes. 5, 5. 7, 25. 11, 15) erst specialisiert ist. 

Vollständig xXa^^jS^^aj (weniger gut iO:.w..<Uj, ^^»..^ J^^-^j , falsch 

OA..w..i^xj u. s. w.) „mit Füssen getreten", woraus sich die weiteren 
Bedeutungen entwickeln. 

Anm. 50. Die Aenderung von "jriD in -nuJiD ') ist nicht 
erlaubt; der Sinn wäre nicht gut, und es müsste nuJiD resp. nribpD"' 
stehn. Der mit m:^ {ki) anhebende Relativsatz bezieht sich deut- 
lich auf N^DlD "(T {an asp). Vermuthlich ist etwas ausgefallen, 
und hiess es ursprünglich etwa: „jenes Ross, das Zarer [zu reiten 



1) Warum sagt Geiger: „plene geschrieben"? Im Phl. wird ja jedes u, o, 
ob kurz oder lang, durch n ausgedrückt. 



1 44 Nöldehe, Bemerk, zu Geiger' s Uebers. des Fehlewi-B. Jätkäri Zarer an. 

pflegte, als er] noch klein war i)". Die Bedeutung „Kind" ist für 
i^O.,5 nicht selten'^); die Anwendung für „Sklave" ist secundär. 

Anm. 52. hamwecht ist ein schöner Fund Geigers. Das 
Uebrige bleibt grossentheils sehr zweifelhaft. ^_.ü^:i- ist wahr- 
scheinlich ein echt arabisches Wort; in der ursprünglichen Be- 
deutung „Brust" findet es siph noch bei den alten Dichtern; s. 
Zuhair 3, 27. 17, 16. Mufadd. 25, 38. Harn. 15 v. 3 ebenso 
wie ^4^ Hudh. 206, 2; Asma'i, Farq 8, 11; Jaq. 2, 154 Es 
darf also nicht wohl im Phl. gesucht werden. 

Anm. 53 f. Der Eber und der Simurg entsprechen ein- 
ander; auch letztere Bezeichnung wird eine ehrende Anrede sein. 
Danach erwartet man allerdings auch in dem ersten Satze (Anm. 52) 
nach ^xbN „o!" eine Anrede und als Object einen Gegenstand ohne 
Beisatz. 

Anm. 54. harnest ist als ein Wort zu lesen; vielleicht ist 
das "^ zu streichen und ganz nach np. Art hämist zu sprechen. Auf 
alle Fälle ist es ein Part. perf. 

Anm. 56. Die Erklärung ist treffend. Die allitterierenden 
gas (»Li ) und gang gehören zusammen. Für „Mann" wäre genauer 
„Mensch" zu setzen. 

Anm. 57. Das Beiwort von icars ist wohl mit hu zusammen- 
gesetzt; weiter komme ich aber auch nicht. 

Anm. 58. Für cölman lies n-n^:. Dies aramäische Wort 
bedeutet ebenso Hals, Nacken wie die persische Lesung gi-iw 
(sscr., aw. griwa, np. i^ß). 

Anm. 63. Zu dem dunkeln Segensspruch habe ich zwar allerlei 
Vermuthungen , aber ein sichres Verständniss hab' ich auch nicht 
erlangt. Das erste Wort ist etwa in ^^n "jio zu verbessern, denn 
es muss doch heissen: „der Pfeil möge von mir ausgehn". Hat 
Wistäsp ihm aber einen ganzen Köcher gegeben, so ist der vor- 
hergehende Satz entstellt. 

Anm. 62. Die Phl.-Form von P, ist -^0") (öfter im Kärnä- 
mak). Aus dem Zeichen für n Hesse sich ja leicht das für D 
machen, aber das Wort bedeutet meines Wissens nur „Diener". 
Lies '^"rl oder lieber gleich "-^n^i. Allerdings ist auch Minoch. 
S. 38, 4 (Andreas = 29, 4 West) rasik für redhak ü5a_j. ge- 
schrieben. 



1) Die Rosse der Heroen brauchen nicht zu altern; vgl. Rustem's Rachs, 

2) Bei Muwaifaq sogar auch „Embryo". 



Nöldel-e, Bemerk. ziiGeiger's Uebers. clesPeMeiui-B. JätMriZarerän. 145 

Anm. 64. ^Einen Pfeil im Köcher zu führeu" gäbe keinen 
zweckmässigen Sinn, und ■ro:in"'i\:2 (aram. N-ir) kann nur „werfen, 
schiessen" sein. Das Verb fehlt in den Listen; die Hagiäbäd-In- 
schrift hat "n-^iU) '). Vielleicht genügt die blosse Verbesserung 
von yn. in '{i2 {ay) „einen Pfeil aus dem Köcher". Es kann aber 
auch etwas ausgefallen sein. 

Anm. Q'o. Für innpo ist überall ^NDTi"':* getikdn zu lesen 
(mit verkrüppeltem d) „Weltzauberer". 

Anm. 70. Es genügt wohl, Zarer vor hain zu setzen. Zu 
den goldnen Schuh vgl. das öfter im Schahn. vorkommende Epi- 
theton der Helden fürstlichen Ranges iji.af' »J^.\ ; s. noch besonders 
Schahn. Ia^., 7. 

Anm. 71. Hemöi/-ijrin, richtiger hamoin. 

Noch bemerke ich, dass die gute Lesung Tab. 1, 677, 10 
nicht mein, sondern des Herausgebers, Barth, Verdienst ist. 

Einige weitere Fragezeichen , die ich mir zu Geiger's Ver- 
muthungen gesetzt habe, hier anzuführen, halte ich für unzweck- 
mässig. Ich fürchte , der Leser hat so schon den Eindruck , dass 
ich auf diesen Seiten gar zu wenig positives gebe. Ich erkläre 
zum Schluss noch ausdrücklich, dass nicht leicht einer das äusserst 
schwierige Unternehmen , an das sich Geiger gewagt hat , so gut 
durchgeführt hätte wie er. 

Strassburg i. E. Februar 1892. 

1) Welches pers. Synonym von ^Xi>ltX.J! auf ^'ji^ ausgeht, kann ich 
nicht finden. 



Nachträge. 

Zu Anm. 5. "in^ECi liest Hörn auf einer Gemme in „Sassan. 
Siegelsteine" (llittheilungen aus d. Orient. Sammlungen der Kgl. 
Museen in Berlin 4) S. 28. 

Zu Anm. 9. -n-nc ebenso (mit r!) im Phl.-Schachbuch (im 
Ganjeshäyagän . . . . by Peshutan, Bombay 1885) S. 1. 



Bd. XL VI. 



146 



Billige Jaina-Drucke. 

Von 
Ernst Leuuiami. 

Mit Vergnügen werden viele Mitglieder der Gesellschaft er- 
fahren, dass nunmehr der Bann gänzlich gehoben ist, welcher während 
eines vollen Jahrzehnts über der Benutzung der indischen Jaina- 
Drucke geschwebt hat. Waren diese in den ersten Paar Jahren 
überhaupt nicht zu beziehen , sondern höchstens durch Privatver- 
mittlung erreichbar, so folgte dann bis zur Gegenwart eine Zeit 
der Theuerung. welche die ganze Collection um etwa 600 Rupien 
auf den indischen und um etwa 1200 Mark auf den europäischen 
Büchermarkt brachte. Mit diesem Jahre nun ist in Indien der 
Preis auf ein Drittel heruntergesetzt ivorden. Damit dürfte dem 
Betrieb der Jaina-Studien eine ausserordentliche Erleichterung in 
Aussicht gestellt sein. Denn was man bisher entweder überhaupt 
entbehren oder in höchst umständlicher Weise aus Berlin oder 
London (vom India Office) leihen musste , wird nun , wie wir 
hoffen, bald jedem Indianisten ohne viele Mühe zugänglich sein. 
Es erwächst ja eben nunmehr auch den mittelgi'ossen Universitäts- 
bibliotheken sowie Gelehrten von bescheideneren Mitteln, als wie sie 
zum Beispiel Gorresio zur Verfügung gestanden haben , mit der 
Gelegenheit auch die Pflicht, mindestens einzelne Stücke aus 
der hochwichtigen Sammlung anzuschaffen. Auf alle Fälle müssen 
da, wo die Publicationen der Päli Text Society und 
sonstige Editionen der buddhistischen Litteratur 
(von Fausböll, Oldenberg, Trenckner, Senart und Andern) Eingang 
gefunden haben, auch von den Jaina- Werken die wichtigsten eine 
Stätte finden. Folgendes sind die Einzelpreise der bekannten Buch- 
handlung von Pnndit Jyeshtharam Muhundjee in Bombay (Kalbadevi 
Road Javairbag Nr. 353) nach den beiden diesjährigen Verkaufs- 
catalogen ("Catalogue of Sanskrit Books" und "Catalogue of Hindu- 
stani, Jaina, Goojarati and Marathi Books"): 



Leuraann, Billige Jaina-Drucke. 



147 



Catalogue of Sanskrit Books p. 57 









Rup. 


As. 








Eui.. 


As. 


Nr. 


1539. 


Äcära 


15 


— 


Nr. 


1551. 


RäjaprainI 


6 


— 




1540. 


Sütrakrta 


15 


— 


^ 


1552. 


Jiväbhigama 


15 


— 




1541. 


Sthäna 


12 


— 


^ 


1553. 


Prajnäparä 


32 


— 




1542. 


Samaväya 


5 


— 


„ 


1554. 


Nirayävali 


2 


— 




1543. 


Bhagavati 


60 


— 


„ 


1555. 


Dasaprakirna 


2 


— 




1544. 


jDätädharm. 


10 


— 


, 


1556. 


Uttarädhyay. 


12 


— 




1545. 


Upäsakadasä 


2 


12 


., 


1557. 


Anuyogadv. 


8 


— 




1546. 


Antakrtadasä 


3 


4 


„ 


1558. 


Nandi 


6 


— 




1547. 


Anuttaröpap. 


5 


— 


^ 


1559. 


Jaina Rämäy. 


1 


8 




1548. 


Prasnavyäk. 


4 


— 


^ 


1560. 


Srlpäla-räsa 


1 


8 




1549. 


Vipäka 


3 


— 


^ 


1561. 


Sräddhadinak. 


1 


— 




1550. 


Aupapätika 


4 


— 


n 


1562. 


Jainatattväd. 'j 


1 5 


5 



Catalogue of Hindustani, Jaiua kc. Books p. 13 

Rup. As. 

Prakarana-i'aträkara, Bd. II— IV ^j je 6 4 

Pravacana-säröddhära 5 — 

Laghuprakarana-samgraha .... 1 4 



1) Ist auch im andern Cat. (p. 13j und zwar hier mit dem Preis von 
R«p. 5 — As. angemerkt. 

2) Bd. I scheint vergrift'en zu sein? 



148 



Zu pp. V — Vn meiner „Biographien von Gewährs- 
männern des Ibn Ishäq". 

Von 
A. Fischer. 

Noch kurz vor seinem zu frühen Tode ersuchte auf meine 
Bitte mein Lehrer Thorbecke Herrn Lic. Dr. Völlers in Kairo 
um die Gefälligkeit , die von mir auf pp. V — VII meiner „Bio- 
graphien" publicirte Einleitung des Tadhib at-tahdih mit der im 

:^\ XJ_fcJL\.i^il Ä.iui^w*.ÄXJLj 'i^^^^S Kjo.xJI <,^ä5Ü! c>w*...^5 I, IH, 7 

verzeichneten Handschrift (= iT) zu collationiren. Der verdiente 
Chef der vicekönigl. Bibliothek hat diesem Ansuchen in liebens- 
würdigster Weise entsprochen, der Ertrag seiner Collation, welcher 
in wenigen , zu meiner Freude nicht sehr erheblichen . Varianten 
besteht, kam mir indessen erst geraume Zeit nach Thorbecke's Tode 
unter dem litterariscben Nachlasse des letzteren zu Gesicht. Es 
sei mir gestattet, diese Varianten hier kurz mitzutheilen. 

„Biographien" VI, Z. 2 : 'iSiy^W auch in iv, das Fragezeichen da- 
hinter ist mithin zu tilgen; >^Jt x*.s i350;t ; Z. 4 Ä'mit tis. bl^cI : Z. 5 
c ■* ^ •• 

!.^wi> „in seiner Hoffnung getäuscht", „entmutigt", „desappointe" ; 

ich gebe dieser Lesart jetzt den Vorzug; Z. 6 mit ü Jf, ; Z, 7 

schlecht ^;^5>L/£i. für ^^1^,; Z. 12 om. KiJLJ!^ ; Z. 13 add. ^>.v.ä>;.J 
hinter vi^^jA^^^vJ! ; Z. 19 gut ^wj^äJl» für (^«J^iui!^ , nach ,j^Jbü, 

noch v^i^l^Ltj, ; Z. 20 om. ^_*.^ JLv.^ ; p. VII, Z. 6 mit B ^ ».^Jj, 
Z. 7 om. -.5 (ich streiche dieses ietzt); Z. 9 ..l^, für .}i .,|» 

Z. 10 schlecht l/üaxaj für uo^iLo; Z. 11 mit B x-Jy; i. e. .s.xJy! 

,das Leben flieht dahin"; Z. 12 gut „Lä.:^^. 

Zum Schluss noch die Bemerkung, dass unter dem mir un- 
verständlich gebliebenen „Zerstörer der Freuden" (diese Ztschr. Bd. 44. 
S. 428, 3. 4) sehr einfach „der Tod" zu verstehen ist. Ich verdanke 
diese Erklärung Herrn Dr. I. G o 1 d z i h e r. 



149 



Anzeigen. 

Barth: Die Nominalbildung in den semitischen Sirrachen. 
II Die Noniina mit äusserer Vermehrung Die gebrochenen 
Plurale. Leipzig. J. C. Hinrichs'sche Bucbhaudlung. 1891. 

Barth behandelt die Ableitung der Nomina mit äusserer Ver- 
mehrung, an die er anhangsweise die Ableitung der gebrochenen 
Plur. anschliesst, ganz nach demselben Princip wie die der schlichten. 
Wie er z. B. ein trans. Nomen qatal vom trans. Perf.-, ein trans. 
qätil qätijl aber vom trans. Impf.-Stamm, die entsprechenden in- 
trans. Nomina dagegen von dem entsprechenden Impf.-, oder Perf.- 
resp. Impf.-Stamm ableiten will, so sollen beispielsweise die trans. 
Nomina mäqtal, mäqtil, maqtül vom entsprechenden Perf.- resp. 
Impf.-Stamm , dagegen die entsprechenden i n t r a n s. Nomina von 
dem entsprechenden Impf.- resp. Perf.-Stamm mit Vorsatz von ma 
sich herleiten'), etc. Meinen princip iellen Widerspruch gegen 
diese Art der Ableitung der Nomina habe ich schon in der Anzeige 
der ersten Hälfte dieser Schrift ''^) begründet und beharre noch bei 
demselben.^) Hervorheben möchte ich nur, dass auch hier, wie 
in der ersten Hälfte *), gelehrt wird , dass der erste kurze , un- 



1) S. §§ 160, 164, 166, 168, 171, 174. 

2) S. Z. f. Völkerpsych. u. Sprachw. 1890, p. 344 ff. 

3) Trotz der versuchten Widerlegung von B. in ZDMG. 1890, p. 692 ff. 
Uebrigens hoffe ich nächstens auf diesen Aufsatz noch zurückzukommen , vgl. 
vorläufig Aug. Müller in ZDMG. 1891, p. 221 ff. Hier will ich nur bemerken, 

dass ich nicht recht verstehe, wie ich durch das vulg.-ägypt. Nomen J.xi 
= iiltarab. JotS, das mit |_V.*S im Zusammenhange stehe, widerlegt sein soll. 

Heisst doch auch das Verbum im Vulg.-Aegypt. nicht fa'al , sondern fiil 
(Spitta § 94 a). Also kann aus dem vulg.-ägypt Adjectiv fi'il nicht geschlossen 
werden, „dass das Adjectiv trotz seiner Herkunft von einem fa'il-Stamm die 
Fähigkeit besessen habe, seinen ersten nicht charakteristischen Vocal um- 
zubilden." Das Adjectiv wie Verb um fi'il gehört eben einer späteren Phase 
des Semitischen an, die nichts mit der früheren und ursprünglicheren, wo beide 
nur fa'il Wessen, zu thun hat. 

4) S. Z. f. Völkerpsych. etc. 1890, p. 350. 



150 Allzeigen. 

betonte Vocal zweisilbiger trans. oder intrans. Nomina ursprüng- 
lich nur a gewesen sein , der schon im Ur semitischen unter 
gleichen Verhältnissen entweder geblieben sein, oder als un- 
wesentlicher Laut theils in die Vocale i und u sich gewan- 
delt, theils mit Vorsatz eines N sich als a, resp. i, u dem Stamm 
vorgesetzt haben soll. Diese Formen mit willkürlich wech- 
selndem ersten Vocal sollen dann auf dem Boden der Einzelsprache 
theils in ganz derselben Bedeutung nebeneinander stehen, theils 
sollen sie sich hier schon je nach der Bedeutung differenzirt 
haben. 1) Dabei soll der Wandel des ersten unwesentlichen Vocals 



1) z. B. soll ein intrans. fä'äl neben sich die Formen fi'ul und fü'al, 
von denen im Ar ab. jetzt J.*? neben J.X5 als Stamminfin. resp. Abstract und 

Adj., JotS als Adj. vorkommen, daneben aber sich für den Plur. fr. differenzirt 
haben soll (s. § 270, Nr. 31; auch §§ 70, 71, 113), ein trans. fa'alat neben sich 
ein fü'alät, von denen im Arab. jetzt die erstere Form von Verbis 1 5 resp. "i 5 

in der Bedeutung eines Abstr. (»1;«^), die letztere eines Plur. fr. stehen soll 
(öLi) (s. § 270, Nr. 12), ein intrans. fä'äl neben sich ein fiTil und fti'äl, von 
denen im Arab. jetzt AljuS i3i~*-J den Sinn eines Concr. , daneben t3w*S 
und S'^^ den Sinn eines Inf. resp, Abstr., JlxS den Sinn eines Abstr., häutiger 

aber den Sinn eines Plur. fr. haben soll (s. § 270, Nr. 33, auch § 88, a), ein 
trans. fä'ul neben sich ein fu'ul, von denen im Arab. noch jetzt beide als Inf. 

resp. Part, vorkommen sollen, daneben aber nur j».*5 als Plur, fr. (s. § 270, 
Nr. 23; auch §§ 82, 122, 123), eine Form fa'älat neben sich ein fi'älat, fu'älat 

und 'äf'älat resp. "if'äiät, von denen z. B. jetzt im Arab. sich ein 's .LaXd und 

OS 

ö.L./i35 in gleichem Sinne finden sollen (s. § 148c), ein trans. fa'iil neben sich 

ein f u'ül sowie 'äf Til, von denen jetzt im Arab. JjtS und J^x5 als partic. Sub- 
stantive, letzteres auch als Inf. und Plur. fr., J^xsi aber als Abstract, und be- 
sonders Plur. fr. vorkommen sollen (s. § 270, Nr. 21, auch §§ 65, 110), endlich 
ein trans. fa'äl und intrans. fa'ilat neben sich ein trans. 'af'äl, und intrans. 

O -- 
'af'ilat entwickelt haben, von denen jetzt im Arab. jL*5 als Inf. und Adj., 

xJL*S als Abstract stehen soll, während S\Jti\, nJLxsI sich zum Plur. fr. diöe- 
renzirt haben sollen, (s. § 264 d, auch §§ 27, 40, 62), etc. etc. Uebrigens kann 
ich nicht recht einsehen, wie so das 5 in JoisSj ^\.xi\, KXxsI zur lautlichen 



Philippi, Barth's NominalhilduiKj in den semitischen Sprachen. 151 

keineswegs ohne Grund geschehen , da er stets entweder einer 
Assimilation oder Dissimilation folge. Auf dies Letztere 
kann man nicht viel geben, da die Assimil. resp. Dissimil. ganz 
willkürlich eintreten , bald stattfinden soll , bald nicht. ') Mit 
dem Begriff aber dieser ursprünglichen Unwesentlichkeit des 
ersten Vocals , einer Erfindung B.'s 2), die er in die semitische 
Grammatik einführen will , und mit der er den vollständig will- 
kürlichen Wechsel desselben erklären zu können glaubt, bedauere 
ich mich schlechterdings nicht befreunden zu können, und zwar um 
so weniger, als nach meiner Meinung eine ursprüngliche Bedeut- 
samkeit auch dieses ersten Vocals nachweisbar ist. Offenbar stellt 
es B. als unbestrittene Thatsache hin, die ganz unabhängig 
von ihrer Erklärung sei, dass die Formen mit gleichem charak- 
teristischen zweiten Vocal bei sehr wechselndem ersten in der 
Bedeutung wesentlich identisch seien. '^) Indess muss ich 
diese Thatsache entschieden bestreiten. Denn die Formen mit dem 
Vocal (( als erstem können sowohl ein Nomen wie ein Verbum be- 
zeichnen, dagegen mit den Vocalen i und u als ersten nur ein 
Nomen.*) Wie also die Formen mit Dehnung des sogenannten 
charakteristischen zweiten Vocals oder aber mit der 
Fem. -Endung der ungedehnten nicht völlig identisch sind mit 
den ungedehnten resp. den ungedehnten Masc.-Formen, sondern 



Stütze der unbetonten, kurzen, offenen ersten Sylbe eingetreten sein soll, um 
so mehr als zwei dieser Formen qiittil und qätilat .... sich wegen der Härte 
als Abstracta nachweislich nur schwer so sollen behauptet haben könneu 

(s. § 264 d). Denn neben ^\jt.i\ kommt ^\jLi im Arab. „in einer stattlichen 
Anzahl von Verben" als Inf. vor (s. § 40), steht J.*5 häufig nicht nur als 
Coucr., sondern auch als Abstr. (d. h. Plur. fr.) (s. § 67) neben J^*s!, und ist 
auch äJIxS (jedenfalls als intr.) neben is.)jist als Abstract nicht selten (s. § 62). 

1) Jedenfalls ist hierbei doch genau auf die linguistische Chrono- 
logie, wie A. Müller sie treffend nennt (vgl. ZDMG. 1891, p. 232 ff.), 
zu achten, und nicht ein specifisches Lautgesetz einer semitischen Einzel- 
sprache schon dem Gemeinsemitischen zuzuschreiben (vgl. B arth p. 238). 
Uebrigens glaube ich jetzt nicht mehr, dass sich im Südsemitischen kurz 
a vor nachfolgendem langen a in i dissimilirt hat (vgl. doch z. B. arab. 

v_;L.i3j ..Lx> etc.), sondern das a in z. B. arab. qittäl, 'iktäl, qitäl etc. etc. 
ist vermuthlich in i nach Analogie des häufigen Inf. der I. qitäl, wo das i 
ursprünglich ist, gewandelt , vgl. auch tiqtäl neben taqtäl , auch in der- 
selben Bedeutung s. B. § 183 a,/?. 

2) Uebrigens ähnlich unabhängig von ihm de Lagarde, vgl. aber 
A. Müller in Theol. Littztg. 1891, p. 347. 

3) S. erstes H. p. X. 

4) S. Z. f. Völkerpsych. etc. 1890, p. 350, .51. 



152 Anzeigen. 

den Begriff des Abstractums mehr hervorheben^), ebenso be- 
zeichnen t und u als erste Vocale mehr die nominale 
Natur des Wortes. Es handelt sich hier allerdings nur um ein 
Eelatives. Denn die Form mit dem ersten Vocal a kann auch 
ein Nomen bezeichnen, ebenso wie die Form mit dem zweiten 
sogenannten charakteristischen kurzen Vocal odei- aber die un- 
gedehnte Masc.-Form auch das Abstractum. Doch mag es nicht 
zufällig sein, dass z. B. im Ar ab. das trans. Nomen mit zwei 
kurzen a-Vocalen wenigstens als Inf. und Partie, sehr selten 
vorkommt, während trans. qijtal (daneben qütäl) als Part.^) und 
trans. qitäl als Inf. 3) sehr gewöhnlich sind, dagegen das intrans. 
Nomen qatal gewöhnlich den Inf. darstellt ^). da es sich als ent- 
sprechendes Verbum nicht findet.») 

Im üebrigen habe ich hauptsächlich, allerdings nicht un- 
wesentliche Einzelheiten an dieser zweiten Hälfte aus- 
zusetzen. 

Zunächst halte ich es nicht für recht consequent, dass Barth, 
der die verstärkten Formen der med. gemin. aus einer Contraction 
der identischen Radicale entstanden**), die Wiederholung des dritten 
Radicals starker Stämme — nicht als das Ursprüngliche fasst, 
sondern aus einer Auflösung des verstärkten letzten 
Radicals hervorgegangen^) sein lässt. So soU z. B. ein 

a r a b. ,^ aus und neben einem ,^i7> entstanden sein ^) etc. So- 
dann sieht er in den Formen iü^.Ä-o, Kx^-h-^ ^tc. eine Neubil- 
dung aus ,.,«.aj etc., wo wegen der Härte des / zwischen den 
beiden heterogenen ?f-Vocalen der letzte Eadical zwischen dem J 
und dem zweiten u superfötativ eingeschaltet worden und anstatt 
des ersten u , das nun in diphtgsch. Verbindung mit dem ;' ge- 
kommen, desswegen ein a eingetreten sei. Den Grund für diese 
Umgestaltung entnimmt er davon, dass diese Formen nur von 
schwachen Stämmen aus gebildet seien und daher aus der 
speciellen lautlichen Schwäche derselben sich erklärten. 9) ludess 

giebt es in der That keine Bildung S^lxi von starken Stämmen? 



1) S. Barth pp. XII u. XIII. 

2) S. Barth §§ 413a, /J, 27c, auch § 7a und dazu p. 486, 87. 

3) S. Barth § 42 a. 

4) S. Barth § 70. 

5) Denn es heisst von qatila das entsprechende Impf. arab. yaqtalu, wo 
der erste Radical kein a hat, sondern mit Gezm versehen ist. 

6) S. Barth § 10 etc. 

7) Ueber die Auflösung des identischen Lautes der med. gemin. 
vgl. übrigens schon Barth § ö2 u. a. m. 

8) S. Barth § 141. 
0) S. Barth § 142. 



Philijypi, Bartli's Nominalbildauf) in den semitischen Sprachen. 153 

Ist nicht ^».4^, vgl. ,3..^3, J^-*.l:>, J.-JUa3 ^) etc., eine solche ? Und 

kann nicht die Bedeutung des Inf. in unserem Falle die Fem.- 
Endung im Arab. bewirkt haben y^) Auch die „offenbare lautliche 
Härte" des /an dieser Stelle zwischen zwei tt's hat — jeden- 
falls das Arab. nicht gefühlt, „da fast neben allen arab. Inf. 
mit der erwähnten Reduplication auch solche ohne ßeduplication 

des dritten Radicals stehen." So ,.,_j.aj, Vj^v^« fy^-^ ®^^- ^ozu 
also diese künstliche Erklärung dieser Formen? 

Weiter müssen wir uns aber ganz entschieden dagegen er- 
klären, dass der kui-ze Vocal des ersten Radicals in offener Sylbe 

im ürsemitischen resp. Arabischen auch mit N (j) soll vor- 
geschlagen sein und dann sich dem folgenden Hauptvocal 
a s s i m i 1 i r t resp. d i s s i m i 1 i r t haben.^) Wohl giebt es in allen 
semit. Sprachen ein euphonisches Präfix N. Das ist ja schon 
immer anerkannt. Es ist übrigens erst auf dem Boden der Einzel- 
sprache entstanden. Arab. ist aus griech. /7/artoi/ ein ^Is^Li 
oder . ^Sii! geworden, Ar am. aus ^Evia ein N'rorx, Hebr. aus 

ynr ein yiir, das man früher bei dem engen Ansehluss des Zisch- 
lautes an die Liquida vermuthlich ohne Schwa mob. zrö^', später 
aber schon neben zrö*' ^'i^lN*) sprach etc. Wie aber aus einem 

gemeinsemit. resp. a r a b. l>».JU, oder j^Ju, resp. Josi oder \,xz 

oi JOS 

ein oJL/«|, resp. J^xji etc. etc. entstanden sein könne . ist uns uu- 
erfindUch. Dass der Vorschlag nicht zur lautlichen Stütze 
der unbetonten, kurzen, offenen ersten Sylbe eingetreten ist, haben 
wir bereits oben gesehen.^) Auch ist er nicht wegen der laut- 
lichen Constellation des urspiünglichen Woi'tbeginns erfolgt. 



\) Vgl. B. § 141. 

2) Vgl. als Inf. ü.A.Jii., ^A^. ^ää/O etc., B. i;§ 95 c; 96 c; auch §114. 2. 

3) S. B. § 148 ff., auch schon Z. f. Vülkerpsych. etc. etc. p. 351. 

4) 5'i"i"N kommt in dem alten Test, nur an zwei Stellen vor: Hl. 31, 22 
jyTaA. Jer. 32, 21; vgl. die Aussprache in dem alten Test, noch stets stayim (O'^P^), 

a c h b i b 1. schon D'TO N und s y r. schon überall jl^^Jt/ neben JNjL, s. übrigens 
ZDMG. 1879, p. 87 ff. 

5) S. diesen Aufsatz p. 150, Anra. 1 am Schluss. 



1 54 Anzeigen. 



H jS 



Wenigstens haben die arab. Abstracta js.^1 und Js.ä5! ^) im 
Wortbeginn keine „Verbindung von einem Labial mit einem Sibi- 
lanten bezw. Zittei'laut, welche zu einer Distraktion in zwei Sylben 
besonders geneigt zu haben scheinen." ^) Nach B. „folgt — vor 
Allem — der euphonische Charakter des i< für diese arab. Fälle 
daraus, dass nur vereinzelte grammatisch entsprechende Formen mit 
diesem Präfix vorkommen und diese sich in ihrer Bedeutung mit 
den schlichten Bildungen ohne ein N genau decken."^) Indess kommen 
nicht auch nur vereinzelt grammatisch entsprechende Formen mit 
dem Präfix n *) oder bald mit dem n-, bald mit dem 7:-Präfix5), 
oder bald mit dem N-, bald mit dem n-Präfix ^) vor ? Und sind die 
mit dem n-Präfix in ihrer Bedeutung nicht den schlichten 
Bildungen gleich?") Trotzdem habe ich nicht gehört, dass B. 
diese n- und '7:-Bildungen mit den „reinen" t- und ??z-Nominibus 
als nur äusserlich zusammengewachsen, r und ?: hier nur eupho- 
nisch vorgesetzt , betrachtet. ^) Auch behauptet er in den u r - 
semitischen Bildungen wesentliches und euphonisches 
Präfix nicht mehr unterscheiden zu können.'^) Uebrigens ist 
eine gemeinsame Bedeutung des N-Präfixes doch noch in 
den meisten Fällen erkennbar. Es eignet ihm die Bedeutung der 
Verstärkung des schlichten Nomens. So in den arab. Beschreibe- 
wörtern J^xsl, welche sich ausser den Adjectiven für Körperfehler 
und Farbenbezeichnung zur E 1 a t i v bedeutung fortentwickelt haben, 
so in den hebr. 3T::t{, "^j-N etc. übrigens n i c h t in der specifisch 

arab. E 1 a t i v bedeutung. Neben jjis! haben sich aber auch arab. 
ein Joii] und J,*M und weiter Jy^xM (Js.Axil) und ^y.xJi\ {Sy-xS]) 
ausgebildet, die ebenfalls nicht die Elativbedeutung angenommen 

1) S. B. p. 457. Anm. 1. 

2) S. B. p. 219. 

3) S. B. a. e. a. O. 

'-• , o O j. o > 

4) S. 3ti.4.j, ^A-p etc., vgl. B. p. 280. 

.5) So nii'in = rr'D.^jZ^ !^;"»"? = "^F.'? etc., s. B. p. 280, 281. 

6) So iCj->.J = Kj .j! etc., s. B. a. a. O. 

7) So JlJL*j = ^li^, 4^H^' ^^ "^^ ^^^■' ^- ^- **• *• *-*• 

8) S. B. § 180 a. 

9) S. B. § 151a. 



Philipp/', BartJi's Xominalbildung in den semitischen Sprachen. 155 

liabeu'), und von den Abstractis S^si etc. intensive Abstract- 

tbrmen Jl^s! etc. die, als die Abstracta im Arab. zu Plur. fr. ver- 
wandt wurden, besonders in dieser Bedeutung passend erschienen. 
Ferner haben wir an der Darstellung der Nomina mit dem 
Präfix t gar Manches auszusetzen. Zunächst will er vier Bil- 
dungen von der Bildung der sogenannten reinen ^Nomina aus- 
scheiden , von denen ich nur mit der Auffassung der ersten 
(weibliche Eigennamen) übereinstimme.-) Auf die zweite 
werden wir noch gleich näher eingehen. Unter 3) bespricht 
er die Bildung der Stämme prim. lo im Arab., „welche stets das 

Präfix j hat, während das » als erster Radical weggefallen ist." 

Dies Präfix j soll nach ihm „nur eine euphonische Substitution 

für das harte ursprüngliche ^ darstellen." Fleischer hat meines 
Erachtens erwiesen, „dass dieses t ursprünglich das Medial-;' der 
VIII. Form von Zeitwörtern mit erstem \ und . ist, welche nach 
Abwerfung der Vorsylbe it zvl secundären Stämmen geworden 
sind". 3) Dies soll aber nach B. nicht haltbar sein. „Denn 1) werden 
aus der VIII. Conjugation sonst niemals Substantive (ausser dem 
Inf.) gebildet." Indess wenn B. auch sonst Recht hätte, so stammt 

doch nach ihm selbst sjJsil „regekecht vom secundären Stamme 

^äj" *), das ist doch .schliesslich von einem Jü'i ; warum sollen 

also die übrigen Formen primae , mit 'S nicht desselben Ursprungs 
sein? Dass aber B. hier keineswegs Recht hat, darüber vergleiche 
weiter unten. 2) „Bliebe es unerklärt, warum diese Derivate der 
\T[II. Conjugation stets den Vocal u in der ersten Sylbe haben". 5) 
Indess zunächst ist es keineswegs der Fall, dass diese Wörter 

stets den Vocal u haben, vergleiche bei ihm selbst^) ;jr-^j, 

1) So u\.L«i, J»J./«!, l\-JL«5 , , w~J./cl etc., wobei übrigens zu beachten, 
dass von diesen Wörtern kein jJL«, J^JU . u\-JLa, ^j^ifi. wohl aber ein iAJi/«f, 

j«J^( in derselben Bedeutung oder einer ähnlichen existirt. 

2) S. B, § 179. 

3) Beitr. I, 143 ff., auch Kl. Schriften I, p. .53 ff. 

4) S. B. p. "277 Anm. 3. 
b) p. 277. 



156 Anzeigen. 

»L5^j und l\x:iu\.j bei Fleischer.^) Könnten sodann nicht »Ls^' und 

5.A12J eine Analogiebildung nach »'l:>, und kms» sein, zumal in solchen 
Bildungen von i"c das u ein Ersatz für das schon ganz ge- 
schwundene » zu sein schien? 3) „Haben eine Reihe dieser Stämme 
gar keine VIII. Conjugation." Entweder können sie aber die 
VIII. Form schon eingebüsst haben, oder sie sind Analogiebildungen 
nach anderen Nominibus mit beginnendem j, die diese noch be- 
sitzen. 4) „Besteht zwischen den Formen »u^-» und »L.>\j ebenso 

zwischen dem Inf. «^ und ^^^S .... offenbar eine enge formale 
Verwandtschaft". Sie beruht jedoch vermuthlich auf einer Analogie- 
bildung oder darauf, dass das ii, in »'l.>\j etc. sich als ein Ersatz 
für » festgesetzt hat oder auf beiden zugleich. 

Demnach wird doch wohl Fleischer mit seiner Ableitung dieser 
Wörter gegenüber dem in den übrigen semitischen Dialecten nicht 
vorkommenden Uebergange von ^ in j bei Barth Recht behalten.-) 

Unter 4) behandelt er endlich noch eine Anzahl von ^Formen, 
„die nur bei ^"z- und ^"c-Stämmen angetroffen werden, und augen- 
scheinlich dadurch entstanden sind, dass das Nordsemitische 

eine Abneigung gegen ein wortbeginnendes w hatte, wie sich das 
ja auch in der Verwandlung der Verba prim. tv in solche prim. / 
kuudgiebt." Indess da der Wortanlaut lo doch nur im Nord- 
semitischen lästig sein soll, wie erklärt B. dann südsemit. 

Ä.iä^j und ^ ^^.J? ^) Und wie ist von einer Wurzel ursprünglich 
'"e im Nordsemitischen ein "j''2^ri, und im Südsemitischen 
ein 'l^JP4^i zu erklären? Sind diese Wöi'ter Analogiebildungen 
nach den i"r? Und wodurch sind diese Analogiebildungen, nament- 
lich im Südsemitischen bewirkt? 

Die grosse Masse der reinen ^-Nomina soll aber vom Grund - 
stamm ausgehen, dem der Vorsatz des t eine verstärkte 
Bedeutung verleihen soll. Daher sie auch und zwar schon in ur- 
semitischer Zeit zum Intensivstamm, nur im Nordsemi- 
tischen und zwar durch Analogiebildungen auch zum Hiphil 
sollen gezogen werden können.*) Der Beweis für diese Behauptung 

1) Beitr. I, p. 147; Kl. Scliriften I, p. 57. 

2) Auch Müller nimmt an dem „Lautwechsel tu für anlautendes 'im'- 
Anstoss, s. Theol. Lit.-Ztg. 1891, p. .348. 

3) S. B. § 182 a und b, Anm. 1. 

4) S. B. § 180 ff. 



Pliilippi, Barth's JVominal/ji'ldiuij in den semitischen Sjji-achen. 157 

beruht nur^) auf den verstärkten Infinitiven der Forin AjiJij 
im Ära b., die dem Grundstamm angehören. ^) Liegt hier indess 
nicht die Vexinuthung nahe, dass der Inf. taqtäl erst auf arabischem 
Boden diese Bedeutung erhalten hat ? Constatirt kann nur 
werden, dass diese ^Bildungen im Ur semitischen theils die 
Bedeutung des unverstärkten Grundstammes ^) , theils des 
Intensiv- resp. Reflexiv-Intens iv- Stammes gehabt haben. 
Schon Stade hat darauf hingewiesen, dass ein ^Nomen auch 
vom einfachen Stamm sich bilden kann.*) In der That ist nicht 
einzusehen, wesshalb nicht ein Nomen durch Vorsatz eines pro- 
nominalen t vor den Grundstamm in etwas anderem Sinn als 
im Yerbum entstanden sein soll.^) Wahrscheinlich entstammen so 

dem Grundstamm ein ^j.1^ = ^jIp, ^lx^j = ^3'^'« ^^C- ^^^ nirir 

= ri:7, bi":.»^ = rr::. etc., ein ^l^j = ^Lä^ etc. ein r-z-r = 



r-r— :, N:£in = N^r; etc. etc. Dagegen aber, dass sie alle vom 
Grundstamm ausgegangen sein sollen, scheint doch die Viel- 
deutigkeit dieser Formen in den einzelnen Dialecten zu sprechen. 
Ausser zum Grund stamm oder zum Intensiv- resp. Intensiv- 
Reflexiv- Stamm, denen sie sich in allen Dialecten anschliessen 
können , stellen sie sich zum Theil im Nordsemitischen zum 
Causativ- Stamm , im Hebräischen auch zum N i p h a 1. *') 
Vom Intensiv- resp. Intensiv- Reflexiv- Stamm können sie 
ursprünglich auch nicht, wo sie nicht vom Grundstamm 
herkommen, ausgegangen sein. Dagegen spricht schon ihre Form. 
Dass sie aber zum Theil einem causativen t entstammen sollen, 
ist nicht erwiesen und erweisbar. ''j Wahrscheinlich sind sie zum 
Theil Bildungen aus dem Reflexiv des Grundstamms, dessen 
Ursprung der Sprache schon unklar geworden, und werden musste, 
und die daher aus verschiedenartigen Gründen, wie •wir noch sehen 



1) Denn dass qatil zu taqtil, ciutül zu taqtül verstärkt sei, ist doch 

nicht durch Jv-AJ. = -J>^^-=^, •^•^^er bl?::.n = ri":.- , vij.JLl-J = ^jJ-S^ 

(s. B. § 180 b) erwiesen. 

•2) S. B. §§ 180a. b, 18.3 a a. 

3) Das erschliessen wir aus hebr. ~*~~ = ""'r; ai'ab. xS>Xi.'J == 
:<.S11a, syr. jboJiil = jfc<*J'*20 etc. etc., s. B. § 180 a. 

4) S. Lehrb. d. hebr. Sprache § 260. 

5) So als Nomen taqtul = Ertödten = Tödter, als Verb um tacitul = 
Sie — tödten = sie tödtet, s. ZDMG. 187.5, pp. 172, 173. 

6) S. B. § 180 c, ß, y. 

7) S. Stade 1. c. § 159b, Anra. 2. 



158 Anzeiffen. 

werden , zu verschiedenen anderen Stämmen , theils schon im Ür- 
semitischen theils auf dem Boden der einzelnen Dialecte, gezogen 
sind.') Indess die Auffassung, dass diese ^Nomina von einem 
Reflexiv des ersten Stammes, also von einem T a p h a 1 (resp. Taphel) 
zum Theil stammen sollen, soll nach B. „schon an dem einfachen 
Umstand scheitern, dass das Semitische eine solche Conjugation 
nicht besessen" haben soll. Aber sind denn das Ar am. böprx 

(rel. ursprünglich bL:;^»??)? und das Ar ab. j^:ü;i! ursprüng- 
liche Bildungen ? Oder aber „eschatologische", auf die Barth glaubt 
sich nicht einlassen zu sollen? Und steht nicht einem arab. 

j^ÄÄJl, dem ganz eine ar am. Bildung bL:~riN entspricht, ein hebr. 
h'i^'p^z (bLi'p') gegenüber, das uns klar zeigt, dass aus ursprünglichem 
naqatal schon im Ur semitischen ein naqtal werden musste, 
statt dessen aber, da der Perf.- und Impf.-Stamm ausgeglichen 
werden sollte ^) , wohl schon gleichfalls im Ursemitischen nach 
Analogie des Impf, ein nqatal (inqatal) eintrat ? •^) 

In der That musste im Ursemitischen aus der ursprünglichsten 
Form des Reflexivs des Grundstamms taqatal ein taqtal*) werden, 
ebenso wie nach B. aus maqatal ein maqtal oder aber aus jaqatal ein 
jaqtal etc. geworden ist. Wenn jetzt im V e rb u m die Form taqtal 
in keinem Dialect mehr vorkommt^), sondern später, vermuthlich 
aber schon im Ursemitischen, eine Analogiebildung nach dem Impf, 
eingetreten ist '"), so leiten sich doch eben alle hei'gehörigen Nominal- 

1) So auch Prätori US in den Beiträgen zur Ass. und vergleichenden 
semitischen Sprachwissenschaft I, p. 38, der aber alle hierhergehörigen Bil- 
dungen vom Reflexiv des Grundstammes ableiten will. Dafür aber, dass ein 
Stamm in die Bedeutung eines anderen übergehen kann, führt B. selbst Beispiele 

an. So stellt .sich z. B. .-X^ »das seiner Form nach aus der I. Conjugation 

gebildet ist", durch den Gebrauch zum II. Stamm, s.Le und JlxId zum IV. etc., 
s. B. § 183 a, /5, Anm. 2, auch ib. «. 

2) Das Perf. lautete aus naqatal schon im Ursemitischen naqtal, das Impf, 
aus yanaqatil schon im Ursemitischen yanqatil; das Perf. naqtal und Impf, 
yanqatil scheinen nur einen verschiedenen Stamm darzubieten, daher das Perf. 
sich dem Impf, in einzelnen Dialecten anglich. 

3) S. ZDMG. 1886, p. 650, Anm. 1. 

4) Eine Taphal- (resp. Taphel-) Conjugation existirt also nicht nur in der 
Sage! S. B. Einl. p. XXI. 

5) Aber vielleicht gehören hierher aus dem Hebr. das Reflexiv mnr 
und das Causat. b5'-in, s. B. § 180 a, Anm. 2. 

6) So in aram. büipPN und arab. JJCü! , sei es nun, dass das t im 
Arab. in ähnlicher Weise eingeschoben, wie das .. in Form XIV und XV 
(so Müller in Casp. arab. Gram.^ § 58, Anm., sei es, dass es nach Analogie 
der mit s beginnenden Wurzeln umgestellt ist, wie Stade nach unserer Meinung 
mit Recht annimmt (s. 1. c. § 161a, Anm.). 



Philippi, Bartli''s Nomiualbildung in den semitischen sprachen. 159 

bildungen von demselben ab. Und gerade weil schon im Ur- 
semitischen sich hier V e r b u m vom Nomen in der Bildung trennten, 
wurde der Ursprung des Nomens verdunkelt und konnte es zu 
den verschiedenen Stämmen aus irgend welchem Grunde gezogen 
werden. Darnach ist übrigens auch das äth. taqatal keine ur- 
sprüngliche Form mehr. Es hätte durchaus von einem ursemit. 
taqatal aus auch im A e t h. taqtal heissen müssen, wie es noch im 
Aeth. tanse'a heisst, das allerdings schon als Quadrilitterum behandelt 
wird. Aus taqtal ist aber im Aeth. ganz so wie in den übrigen 
Dialecten nach Analogie des Impf, ein dem Impf, entsprechender 
Stamm tqatal gebildet, aus welchem nur nicht ein itqatal ('atqatal), 
sondern nach Analogie von II, 1 ; III, 1 ') etc., wo ta bleiben musste, 
wieder mit Einsetzen des a nach dem ;f ein taqatal geworden ist. -) 
Am nächsten stehen nun die hergehörigen ^Nomina in der 
Form dem verbalen Reflexiv des Grundstamraes , jetzt noch im 
Aeth. Daher hier die ^Nomina sich in der Form taqtal noch an 
das Reflexiv des Grundstamraes freilich neben den mit dem jetzigen 
Perf. vollständig harmonirenden Bildungen anschliessen können. 3) 
Allerdings können sich diese Bildungen, da sie jetzt doch schon 
vom Perf. abweichen, auch schon im Aeth. zum Intensivstam m*) 



1) Oder aber nach Prätori us von IV, 2 — 5, s. äth. Gramm. § 39. 

2) So ist auch umgekehrt im Impf, der V. und VI. Form des Ar ab 
nach Analogie des Perf. das a des ersten Rad. wiedereingeführt, z. B. Impf. V: 

JsJCä>o für JJCä>lj nach Jjüü' während im Altarab. nur Wurzeln mit t- und 
und s-Lauten als erstem Radieal in V und VI die rel. ursprüngliche Imperfect- 
form bewahrt und das Refl.-i dem ersten Radieal assimilirt haben, dagegen das 
Perf, hier nach dem Impf, sich haben richten lassen; s. Caspari- Müller 

1. c. S 111, z. B. Impf. V von .5 ö ! .^^Äj == .5^lXj. darnach das Perf. ge- 
s > r V ^ •• V ■• 

bildet J ö'\ für .5'lXj! Hier hat aber das Aeth. verschmäht, entweder wie 

das Arab. nach dem Perf. das Impf. resp. Subj. Impf, (yabiattal, nicht 
yataqattal) oder wie das Hebr. und Ar am. nach dem Impf, das Perf. um- 
zubilden (taqattal, nicht 'itqattal resp. 'atqattal), sondern hat im Perf. wie 
Impf, das Ursprüngliche resp. rel. Ursprüngliche bewahrt (so taqattal 
und yatqattal, s. Prätorius 1. c. § 64), vgl. auch hebr, bL3]5w und ^113);^ 
aus 5l;]2^N Nur in III, 1 und in den Formen von IV (nach Prätorius in 
IV, 1 und in VII) hat im Aeth. das Perf. nach Analogie des Impf, eine 
Umbildung erfahren, 

3) So 'X'^J^y^, "t'^Q'fl e^^ °®^^" 'l''*^^^JP/IX etc., s. B. 
§§ 179, Anm. 2; 183 b. 

4) So '\'(p^y'\ etc., s, B. § 183 b. Prätorius ist aber in vollem 
Rechte (s. Deutsche Lit.-Ztg. 1890, p. 551), wenn er äth. tamjän etc. nicht 
von tatbab etc. trennen will. Barth hat hier wieder die „linguistische Chrono- 



160 Anzeigen. 

stellen. Wie aber schon diese /-Bildungen im Aeth. und stets 
in den übrigen Dialecten, so trennen sich alle übrigen ^Nomina in 
allen Dialecten vom Reflexiv des Grundstammes, zu dem sie eigent- 
lich gehören, und werden anderen Stämmen zugewiesen. Im Ar ab. 
z. B. stellt sich taqtäl jetzt schon zur I. Form, allerdings mit inten- 
siver Bedeutung*), wie ja alle /-Bildungen jetzt meist zum 
Intensiv stamm in allen Dialecten gezogen werden , daneben 
auch zur II., während das parallele ticjtäl jetzt theils zur I., aber 
ohne die intensive Bedeutung , theils zur II. , theils zur III., theils 
zur V. gehört.-) Die Form taqtül aber, die in allen Dialecten auch 
vom Grundstamm ausgehen kann, schliesst sich jetzt im Ar ab. 
an die I. Form an , im H e b r. an das Q a 1 2) oder das Fiel resp. 
Hithpael, oder von Wurzeln i"y resp. ^"y an das Qal resp. Hiphil*), 
im Ära m. ständig an das Pael-Ethpaal ^) etc. Wenn die Abstracta 
resp. Infinitive der abgeleiteten Stämme der verschiedenen 
Dialecte in der letzten Sylbe hier ein ü haben, so ist zu erinnern 
an Formen wie Hebr. qi"^, y^ydi etc., bin?:, "SIE- etc., Ar am. 
bm:, Nais-ir etc. und an alle abgeleiteten Infinitive besonders 

im Ostaram. auf ^^i '^) und Ar ab. jJcäj und J^jLäj.^) Die Form 
taqtilat gehört endlich jetzt im A r a b. von starken Stämmen seltener 
^eben dem häufigen J^jyläj beide sich an das Impf, anschliessend, 



logie" nicht beachtet, übersehen, dass z. B. ein tamajäti erst eine spätere 
Bildung von dem erst späteren Perfectstamm taqatala ist, und dass es keines- 
wegs tamajän statt tamjän vom reflexiven Grundstamm in seiner relativ 
ursprünglichen Form heissen musste. 

1) So ,3^»iJ „dauernd aufhören" etc., s. B. §§ 180 b, 183 a, «. 

2) Ich fasse also ^^Ijo im Zusammenhange der sehr verschiedeneu 
Bedeutungen der Form ^Lääj nicht als Verkürzung von *^Kj auf, vgl. 
B. § 183 a,/?. 

3) So n^ibnn, nTjipn etc. 

4) So nri^n, rTni?on etc. 

5) s. B. § 188 a— d. 

6) das 1 ist nach Nöld. (s. Mand. Gramm, t; 122) wahrscheinlich wohl 
aus 1 entstanden. Uebrigens kann das ' auch als Tondehnung des Aram. 
angesehen werden (s. B. § 101 b). Dann ist der Zusammenhang mit dem arab. 

JJCäj noch deutlicher! 

7) S. B. §§ 101, 102. Dass übrigens diese abgeleiteten Inf. auf li resp. 
H in den verschiedenen Dialecten nur eine Fortbildung des Inf. qütül resp. 
qütül seien, gebe ich Barth gerne zu, s. Prätorius in der Deutschen Litt - 
Ztg. 1890, p. 551. 



Phllippi, Barth''s Nominalbildung in den semitischen Sprachen. \Q\ 

zur II. Form, von Stämmen v"z' zum Theil zur I., wo diese das 
Impf. / haben, zum grösseren Theile zur II., von den Stämmen '!''•: 
resp. ■'"b ausschliesslich zur V., im H e b r. von starken Stämmen 
überhaupt selten und zwar zum Fiel , von Stämmen i"d durchweg 
zum H i p h i 1 , da das H i p h i 1 ihnen in der ersten Sylbe durch- 
aus entspricht ^), von Stämmen y"z' theils zu Fiel-Hithpael, theils zu 
Hiphil, da sie im Vocal der zweiten Sylbe sowohl dem Piel-Hithpa., 
als dem Hiph. gleichen, von Stämmen ri"b sowohl zum Qal, als 
zum Fiel, im Ar am. von starken Stämmen selten und dann zum 
Fael während eine Form taqtil mehrfach entwickelt ist und dann 
aus demselben Grunde, als im Arab. — wenigstens für P a e 1 gilt 
das — fast stets zum Pael-Ethpaal gezogen wird , von Stämmen 
^"z aus demselben Grunde als im Hebr. durchweg zum Aphel, von 
Stämmen f"v entweder zum Ethpaal — die Vermittelung geht auch 
hier vermuthlich durchs Fael — oder zum Aphel 2), von Stämmen 
N"b alle zum Fael, mit Ausnahme derer, die zugleich Nomina 
■)"£ 3-) sin^ 4) etc. etc. 

Mit der Entwickelung der Nisbebildungeu in den verschiedenen 
Dialecten kann ich mich aber auch nicht einverstanden erklären. 
Zunächst setzt er als Grundform der Nisbe nach dem Arab. ein 
tjj an, während es doch unserer Meinung nach entweder nach der 
Schrift iyy^) oder nach der Aussprache iy heissen muss. 
Sodann behauptet er — allerdings nur mit Reserve , dass a e t h. 
mci, äj und a r a m. aj nur eine Analogiebildung nach den 
Nominibus ^"'': resp. ^"h wären, welche in der Nisbe i angenommen 
hätten.^) Wenn sich auch allenfalls das aram. äi so erklären 
Hesse, so blieb doch jedenfalls a e t h. dwi und äi unerklärt. Denn 
es ist schlechterdings nicht einzusehen, wie das Aeth. dazu ge- 
kommen sein sollte, von einem *'fl^^' oder **5^*E^), oder 
i^*E oder rtl^^SS*) etc., neben denen sich noch ein •fl^CIX'i 
"J^Or, {Ü(D, ^0(D^, rhrtCD^), rtlflOr etc. finden, 
die Abtrennung einer Nisbe auf dwi zu machen? Auch wird nur 
bei Wörtern von YY^"y resp. V'y aus einem ayi ein ayye, ein 
frei auslautendes äyi von V -^"b bleibt aber stets ^'') und zieht 



1) Vgl. -prin und nriDin etc. 

2) Uebrigens ist beachtenswerth, dass gerade keine einzige dieser Formen 
von "• " weder im Hebr. noch Aram. existirt und sich zum Hiphil resp. Aphel 
stellt, vgl. übrigens 'T'7pn u. B. §§ 180 c, y, 188 b. 

3) S. oben diese S. 

4) S. B. §§ 189 a— f; 190 a ff. 

5) y = consonantisch i (i). 

6) S. B. § 218c, Anm. l". 

7) S. B. p. 357, Note 1. 

8) S. Dill mann, Gramm, der äth. Sprache § 117 a, «. 

9) Vgl. auch I, 2. 

10) So Z,\^. 

Bd. XLVI. 11 



162 Anzeigen. 

sich nicht zu d ^ zusammen. Allerdings glaube ich auch , dass 
die Nisben in den verschiedenen Dialecten zusammenhängen, nur 
nicht so, wie B. will. Wie äi eine selbständige Endung im 
Semitischen ist, so auch äi. Und wie ein n im Semitischen als 
Endung einem zusammengesetzten an (aus ä -\- n) gegenüber- 
steht, so auch ein i einem zusammengesetzten äi d. i. ä-\-i. 
Da aber im Semitischen das Zusammentreffen zweier Sonanten 
vermieden wird, so hat man hier ä H i entweder diphthongisch 
vereinigt {äi) oder aber durch ein dazwischentretendes i resp. N 
getrennt.') In der That mag wie im Aeth. neben äi ein äwi, 
so im Westaram. neben äi ein d'i gesprochen sein. So ist in der 
babylonischen Punctation des Onkelos z. B. neben ■iy"'h'^, '"ii^'Äri, 
■^ri-irr»!" etc. ein ■^NViir^) etc. punctirt. 

Auch dass in Nisben von Eigennamen ^) auf a r a b. i\ =^ 

hebr. n ■ überall ein unorganisches n inserirt sei, möchte 
ich sehr bezweifeln. Allerdings kann, wie ich eben dargelegt habe, 
im Semitischen, um das Zusammentreffen zweier Sonanten zu ver- 
hindern, unter Umständen ein unorganischer Consonant ein- 
geschoben werden. Aber in dieser Function stehen unseres Erachtens 
nur die schwachen Consonanten N, i, auch ^ und r^, nie aber ein n. 

Wenn z. B. ein arab. iLxÄA^ ursprünglich auf ä ausgelautet hätte, 
so wäre ja auch hier in den mit einer vocalisch beginnenden 
Endung beschwerten Formen zur Meidung des Zusammentreffens 
des d mit dem Flexionsvocal ein unorganisches N eingeschoben, 

und man sähe nicht ein, wesshalb in der Nisbe ( jU^s) plötzlich 

ein n für N eingetreten wäre. In s y r. Wörtern aber wie j^jü^;^ 
etc. wäre gar ohne lautlichen Zwang das n eingeschoben. 
Indess wie in diesen syr. Wörtern nach meiner Meinung „eine 
Cumulirung zweier verwandter Afformative" {n -(- äi) stattgefunden 
hat*), so ist wenigstens der Ursprung des n auch in den parallelen 



1) So lautet z. B. im Arab. der Plur. fr. von i^JLJ ; J'-'U-* si9.ti qä- 

ätil wo nur im Arab. aw für äw in der unbetonten Sylbe gesetzt ist. 
2j S. Merx: Chrestomath. targ. zu Gen. 1, 19. 2.?. 31; 3, 11. 

3) S. B. § 224b. 

4) Es ist zweifelhaft, ob in diesen Wörtern z. B. ^_*_Jß^_«V->N^ o^^^r 
Lki]^V>fv^ gesprochen ward, s. Nöldeke, Kurzgef. syr. Gramm. § 135. Wenn 

I ° 
aber auch die letztere Lesung begründet wäre, so könnte man >_*_» — 

entweder als eine Composition aus dem im Syr. allerdings selteneren Suff. 



Philipjii, BartFs Nomiiialbildiu)g in den semitischen Sirraclien. 163 

arab. und hebr. Nominibus derselbe. In den Nom. propr. auf 

^\— des Arab., wie z. B. iL5>», stand nämlich zum Theil ur- 

o , , o - ■--■, 

sprünglich eine Form auf i — neben der auf i! — . Dass ein ,.,l^. , 

factisch neben i^Ls>.. existirt hat, zeigt das Appellativ JL^^, 

neben il>>„ das z. B. Gauhari in seinem Sihäh ^) als i^„*^L> .-.UC« 

angiebt. Als selbständiges Nom. propr. ist nur die Form auf .\ — 
geschwunden, hat sich aber noch in der Nisbe entweder allein 

oder neben der auf i! ^) erhalten. Im Hebr. ward aber zum 

Theil eine Form auf T resp. n , aus "ji resp. "j..^^ wie z. B. das 
Appellativ n^^N aus l'i'^pN oder aber das Nom. propr. i'^.TO 
aus Ti^^i: resp. das Nom. propr. nbiü aus irjj verkürzt. Ver- 
muthlich 'ist die Form auf i resp. -^ die r e 1. ursprüngliche 
Contextform mit dem Accent auf Antepaenultima, wo als 
der Flexionsvocal abfiel, der Accent aber noch auf der rel. ursprüng- 
lichen Stelle stand, das -p resp. i^r- sich zu i resp. r;^;- verkürzte, 
dagegen die auf -p die rel. ursprüngliche Pausalform mit 
dem Accent auf Paenultima, der natürlich blieb, als der Flexions- 
vocal abfiel.^) Jetzt haben sich die Formen so differenzirt, dass die 
Form auf i selten von Appellativis *) , dagegen häufig von Nom. 
propr. steht, während die Form auf "i die eigentliche Form der 
Appellativa ist, die jetzt auch schon andere Appellativa nach sich 
gezogen hat , die eigentlich auf i ausgehen sollten ^), selten •') aber 



(in -\- äi fassen oder aber als aus an -J- äi entstanden, indem das ä in änäi 
schon verkürzt, da die Endung an hier verkannt wäre, weil die Endung ändi 
jetzt der Regel nach eine andere Bedeutung erhalten (s. B. § 227 b) und man 

P V 

daher hier das an ebenso behandelt hätte wie das an, z. B. in . ^1 vor 

p V ^' 

^-^- nämlich wJw.J s. B. § 22.5 c. 

1) I, p. Ivl . • 

2) So existirt neben ^J^t-J'^ ^^^ l53^"5^ • 

3) So •i'^nN aus :'^N?N, V~2N, "'"^^N, nbd aus ;buj, ^hx, nVlj, 

dagegen V'^^N aus ?'i^?N, f^^N, vgl. auch Prätorius in ZAW. 1883 
p. 20, Anm. 1. 

4) Nur einmal findet sich MTHN Prov. 27, 20, noch im Context; allerdings 
auch schon im Context llliSN Hieb 28, 22; 31, 12; Prov. 15, 11. 

5) So sollte eigentlich jetzt 'in^'l, iVlB aus .Tiiy"1 etc., V'^%'^. , ^^^,1 
statt V^y^ oder li:23>'n stehen. 

6) So findet sich einmal Zach. 12, 11 ']'i1^'^2, noch in Pausa, allerdings 
kommt auch schon jetzt in Pausa 110^12 vor (Jud. 5, 19 ; 1. Reg. 4, 12 ^ 2. Chron. 35,22). 

11* 



j 64 Anzeigen. 

jetzt von Nom. propr. vorkommt. ^) In der Nisbe hat sich hier 
aber naturgemäss stets das n im Inlaut gehalten: ^:^2N, "^rbo etc. 
Nun gebe ich freilich die Möglichkeit zu, dass einige der her- 
gehörigen Nomina urspininglich auf d ausgelautet haben können. 
Diese haben aber in der Nisbe das ?i nach Analogie derer inserirt, 

die ohne Endung jetzt auch schon auf ii — resp. i, ri-^ auslauteten, 
ursprünglich aber auf "ji, "j _ ausgiengeu resp. eine Endung auf 

\ — neben der aufi! — besassen. 

Ebenso muss ich mich gegen die Entstehung der sogenannten 
vocalischen Suffixe zum grössten Theil ablehnend verhalten. 
Die selbständigen vocalischen Afformativa sollen nämlich allesammt 
Secundärbildrmgen nach Analogie der radicalen vocalischen Wort- 
ausgänge der Nomina ult. iv und J sein. Nun kann freilich, wenn 
z. B. im Hebr. die Präpositionen b'' , bN der Regel nach vor 
Substantiven jetzt so gelautet, vor Suffixen aber stets den 
dritten Radical noch bewahrt haben, der Diphthong at als ein Binde- 
mittel zwischen der Präposition und ihi-em Suffix erscheinen, und 
so auch auf andere Präpositionen, denen er als Auslaut nicht ur- 
sprünglich eignete, vor Suffixen aus Analogie übertragen sein. 2) 

Wie aber in arab. i^Sj> , ^^vAJ , ^J^ , oder v^, StÄi, SLcJ, 
oder 'g:.j,.t.c$\A, iLy^x/», *-*J^-^J' ^^c-» ^^^^ P*', l5>^, *^v^^ ^*ß- ^*c- 

das radicale Wesen dieser Endungen für das Bewusstsein schon 
einer früheren Sprachzeit unkenntlich gemacht sein, die Sprache in 
ihnen nicht mehr Radikale, sondern hinter dem Stamme angefügte 
Zusatzelemente, vocalische Suffixe des Nomens gesehen haben und 
die natürliche Folge gewesen sein soll, dass sie nunmehr Analogie- 
bildungen nach ihnen hervorgebracht hätte, welche als selbständige 
Afformativa an Nomina jeden Stammes angefügt wären, ist schlechter- 
dings nicht zu verstehen. Denn dafür, dass „eine frühere Sprach- 
zeit" in Wörtern wie beispielsweise (^t\?. (^Ju, ^b etc. etc. nur 
(A_^ iA_i J. 1 etc. als die zum Worte gehörenden Radicale, 

und . c als eine nicht zum Stamm gehörende Endung an- 
gesehen hätte, hat B. in keiner Weise den Beweis erbracht. Und 



1) Ebenso sind nur umgekehrt beim Nomen mit der Fem. -Endung die 
rel. ursprünglichen Contestformen jetzt die gewöhnlichen Formen fürs Appellativ 
(n^L^J^ aus ribL3)5, riTÜjp , I^bt^p), während im Nora propr. schon häufig die 
rel. ursprüngliche Pausalform sich findet (pb^]? aus ri'^ji > ^bt^]2)- So 
nbyS, riTpn, ri'VZ'D" etc., vgl. übrigens auch rTinT^ und rTnS , s. Stade 
l/c.'§ 308d. 

2) So '^"pnn, T'rinr nach "^"^br, T'br etc. etc. 



Philijypi, Barth's Nominulhildung in den semitischen Sjyrachen. 165 

warum hätte die Sprache der doch schon verkannten radicalen 
Endung ^, ^\ — im Ar ab. stets noch die volle Flexion mit 
Nunation, dagegen aber denselben Endungen als selbständigen Afibr- 
mativen schon die unvollkommene Flexion der sogenannten 
Diptota angefügt V Hat sie darin in der That noch eine Erinnerung 
an die secundäre Entstehung der vocalischen Afformative 
bewahrt, was sie übrigens stellenweise schon vergessen hat? ') Ich 
sehe zumeist die selbständigen Afformative wie „aj ^) , ae, Ja, if, 
a, Ijat , U{h), ijj . ijjat'^, als mit den Nisben auf i, di, dwi resp. 
der Abstract-Collectiv-Plural-Eudung im Hebr.-Aram. auf ai eng 
verwandte Endungen an, die vermuthlich fast alle von der 
Nisbe -Bedeutung ausgehend sich durch die sogenannte n e u - 
frische Bedeutung dieser Endung in den verschiedenen Dialecten 
verschieden difiierenzirt haben. Die Endungen aber auf o, (3t, üt 
sind parallel den Endungen auf äi, ae, et, it zur Bezeichnung des 
Abstractums entstanden. Der Zusammenhang mit der Nisbe ist 
doch noch ganz klar im Ar am. .X^ \ ^). im Aeth. yi'\t//\', 
"Jj^"^-^ etc., im Hebr. r— CN- etc., im Ar am. JlS>ujOQ2iiD*) etc. 

und im Arab. ^,^^ etc., Hebr. n^b-^br etc. Dass jetzt das 

Femininum der Nisbe im Ar am. auf Jfc^ endet, spricht noch nicht 

gegen die Herkunft von aram. NjT'-t aus einer ursprünglichen 

Nisbe auf i. '°) Wenn sich jetzt im Aram. die Endung ^_ fast 
ausschliesslich zur Nisbe diflferenzirt hat, so hat eben in ihm die 
Endung it'-t- eine Bedeutung erhalten, die sich nicht direet als 
Femininum einer Nisbe darstellt, und es ist sehr erklärlich, wenn 
zu dem Fem, kein Masc. mehr existirt, da schon im Aram. der 
Zusammenhang zwischen dem Masc. auf % und dem Fem. auf %t 
verloren gegangen ist. Wenn aber in den selbständigen AflFormativen 

der Regel ^) nach die Endung auf Kj im Gegensatz zur Nisbe 



1) So in -äJlc, ^Pii^ etc. "wJ;;>, Sli/O etc., s. B. p. 380, Anm. 2 

und § 244 a, ß und y. 

2) Die Endung ai an Präpositionen vor Suffixen kann aucli im Hebr.- 
Aram., wie wir schon gesehen, durch Analogie eines radicalen ai er- 
zeugt sein. 

3) S. B. § 246 a. 

4) B. §§ 251—253. 

5) B. § 218b, Anm. 3. 



6) Denn vergl. oben ^.J^^U« etc. 



1Ö6 Anzeigen. 

auf iö auslautet, so beruht das wohl auf rel. ursprünglichen 

Betonungsverhältnissen.') Als sich dann in der Sprache schon 

&.j_ neben iij nach der neuen Betonung des Arab. festsetzte, 

haben sich die Wörter so differenzirt, dass der Regel nach xj 

von Abstracteu stand , deren Zusammenhang mit der Nisbe nicht 
mehr ganz klar war, dagegen isLj als Fem. der Nisbe galt. 

Uebrigens ist es keineswegs „undenkbar, dass eine Reihe von 
Endungen jedesmal aus zwei ganz verschiedenen Ursprüngen un- 
abhängig von einander entstanden seien und doch dieselbe Form 

und Bedeutung erlangt hätten." Ist denn nicht auch z. B. J — 
als radicale Endung und als selbständiges Afformativ 
aus zwei ganz verschiedenen Ursprüngen unabhängig von 
einander entstanden und hat doch dieselbe Form und Be- 
deutung erlangt? Das selbständige Afformativ .1 — hat nach 
B. -) die Bedeutung eines Abstractums, Adjeetivs resp. 
Collectivs. Damit vergleiche aber nur die r a d i c. Endung 
\ — als. Abstractum (.,!J>!, ,-,^-^i, ,-)W^J etc.), als Adjectiv 
C . Lw.> etc.), und als Collectiv (,.,!;==-! Plur. von ...5» und 
j.,i.==-, Q'i-=> Plur. von Q-Jj-^. c)'*-^-^' Plur. von .^A-j etc.)! 

Dazu kommt, dass wenn auch 'A — als radicales und als selbständiges 
Afformativ identisch lauten, doch nicht hier durch die ganze Endung 
in beiden Fällen dasselbe ausgedrückt wird. So haftet z. B. in 

der r a d i c a 1 e n Endung von Wörtern wie t^j etc. die A b s t r a c t - 
Bedeutung an dem langen «, während bei dem selbständigen 
Afformativ auf t! diese Bedeutung in der ganzen Endung, also in 
<-\, liegt. Auch findet sich im Arab. it noch als selbständiges 
Afformativ, während U als radicale Endung nicht vorkommt. 2) 
Die Nisbe ? -f- Fem. t^) musste ja hier ein ?# eingeben. Allerdings 



1) Vergl. w. u. . \V\'ji im Vei-hältniss zu 

2) § 103 a. b. 

3) Gegen B. § 228c Schluss. 

4) Vgl. zu c;.^ÄJ etc. 



PliiUiypi, Borth's Nominalbildung in den semitischen Srprctchen. 167 

ist das Femininum häufiger in der Form af angefügt, da im 
Arab. aus i -{- at ein ä.j resp. iLj werden musste , und diese 

Endung im Arab. beliebter war. Daher die Endung U jetzt nur 
sehr selten ist.^) Ebenso wenig werden wir aber das selbständige 
Afformativ üt im Arab. überall als aus dem Nordsemit, entlehnt 
ansehen, wiewohl wir hier häufig aram. Einfluss beobachten können. 

Aber Adjective wie o,^>.ij>, o^ii>. ^<-^j scheinen uns doch auf 
arab. Boden erwachsen zu sein. Da allerdings jetzt im Arab. 

die Endung gewöhnlich Hj — , nicht mehr o, — lautet, ist das Fem.-^ 

schon ganz in der Endung cj.— verkannt.^) 

Der Satz scheint mir aber ferner kaum annehmbar, dass ver- 
einzelte Fälle keine Analogiebildung hätten hervorbringen können.-*) 

Schliesslich möchte ich noch darauf aufmerksam machen, dass 
B. mit den Lautgesetzen , die doch gleich den Sprachgesetzen 
überhaupt „nicht nach Laune sind , bald wu'ksam , bald ausser 
Kurs" *). ziemlich willkürlich umspringt. 

Einige Male soll sich aus einem Diphthong entstandenes 6 
zu u trüben. °) Barth decretirt: „Diese Nomina können alle nicht 
zum Hophal gehören, weil Causativstämme von ihnen überhaupt 
nicht existiren." Aber kann denn zumal in einer beschränkten 
Litteratur von einem Verbum kein Hophal vorkommen, wenn sich 
nicht ein Hiphil daneben findet ? Und wenn B. auch cp^^" ^), Ip^^ü ') 
nicht als Hiphil anerkennen, sondern sie als Impf. Qäl med. i fassen 
sollte^), so steht doch ein klares Per f. Hophal Ps. 45, 3.^) Die 
Berufung auf bri"' aus rri"' ^") ist auch höchst precär. Es wäre 
denn doch eine einzig dastehende Bildung des Impf. Qal von 
einem ■"•:, während es als ein regelmässiges Hophal auf- 
gefasst werden kann, das allerdings schon, da die entsprechende 
Perf.-Form ganz verloren gegangen ist, metaplastisch fürs Impf. Qal 

1) So z. B. c>^-Ä£ neben Kj -äü . 

2) S. B. § 261 e. 

ö) S. B. § 258 b und dagegen Brugmann: Zum heutigen Stand der 
Sprachwissenschaft p. 95 fF. und besonders p. 96, Anna. 1 ; vgl. übrigens anders 
G. Curtius: Zur Kritik der neuesten Sprachforschung pp. 56 ff., 75 fr., 101 ff. 

4» S. B. p. 462. 

5) So "1Ö1'53 statt "IDT: etc., s. B. § 162 b, Anm. 2. 

6) Jos. 7, 23 bei Tiphchä. 

7) 2. Sam. 15, 24 bei Pasta. 

8) S. ZDMG. 1889 p. 180 ff. 

9) r^-:^^r^- 

10) S. B. a. e. a. O., auch p. 307, Anm. 3. 



168 Anzeigen. 

stets eingetreten ist. Mit vulgärarab. Bildungen wie }.u^y-i 
darf man es, meiner Meinung nach, nicht zusammenstellen. 

In Nn-^jj'-p": etc. soll das o tongedehnt i) sein. Ob aber 
und w a n n je im A r a m. der Ton auf der drittletzten Sylbe ruhte, 
darüber suchen wir vergeblich nach Auskunft. Im Anfang von 
§ 168 c heisst es: „Im stat. emph. müsste iniMasc. , in der Form 
maqtülä, das u in offener Sylbe zum Halbvocal werden." Und in 
einem ursprünglichen rr^pTii": ? 

Schon im Ursemitischen sollen die «'- 1 m p e r f e c t a von Wurzeln 
i"s theils das i ausgestossen, theils es bewahrt haben.-) 
Wenn man aber für das Bleiben des i im Ursemit. sich auf assyr. 
ürid, vulgärarab. yulid 2) etc. beruft*), so sind das alles offen- 
bare Analogiebildungen der «'-Imperf ecte der i"d nach 
den a-Imp erf ecten. A. Müller will die Bildungen 3'i:.";, ^is.j 

j^L vielmehr für Ueberreste einer alten zweiradikaligen Bil- 
dung ansehen.^) Indess , warum kämen denn diese alten zwei- 
radikaligen Bildungen nur beim Imperf. i'') vor, nicht ebensogut auch 
beim Impf a resp. u ? Allerdings ist der Ausfall des i in diesen 
z-Imperfecten unerklärlich, ^) Aber schon in Ztschr. f. Völkerpsych. etc. ^) 
habe ich nachzuweisen versucht, dass bereits in der semit. Grund- 
sprache diese Imperfecta nach Analogie des Imp er. resp. Inf.-') 
gebildet sind '<'), wo das i wegen der Unverträglichkeit von u und 
t abfiel, und die ursprüngliche Imperfect-Bildung ' ') schon ganz ver- 



1) S. B. § lC8c. 

2) S. B. § 172 c; auch § 79 e. 

3) S. Spitta, Gramm, des arab. Viilgärdial. v. A. § 104 a 

4) Vgl. B. § 79 e uud § 172 c, Anm. 1. Möglich wäre freilich, dass 
assyr. ürid aus ursprünglichem iaurid entstanden wäre. 

5) S. ZDMG. 1891, p. 231, Anm 1. Ebenso schon Hommel: die 
Semiten und ihre Bedeutung für die Kulturgesch. p. 66, Anm. 25, der freilich 
auch „jara" herzieht. 

6) Aeth. a in yelad wird wohl Niemand für ursprüngliches a halten. 

7) S. ZDMG. 1891 a. e. a. O. 

8) 1878, p. 264 ff. 

9) Als Inf setze ich jetzt lXjj , nicht wie a. a. O. lAJ» an. 

10) Das Impf. iAXj ist nach dem Imper. (Inf.) iAj gebildet, wie umgekehrt 
in allerdings späterer Zeit die Imper, ]ri, 'i;3 resp. Inf, nP, nffi.-. nach den 

Impf, in:, UJii;! 

11) Die z. B. jjfcj gelautet hat. Vgl. die Unverträglichkeit des i und u 
in Fällen wie J^.t , fts^l die zu J«-:fVj|, ^LäjI werden. 



PJi/l/pp/', Barth's Nomiiinlbildung in den semitischen Sjrrache)/. 169 

dräDgt haben. So scheint mir in der That eine Form wie js,JLj 

als eine Analogiebildung von J^.j, erklärt , obgleich ich keine 
auch nur mögliche Erklärung gegeben habe, auch geben kann, „auf 
welche Weise das w es fertig gebracht hat , nach dem Präfix Ja 
ausgestossen etc. zu werden." Allerdings haben wir damit ein Recht 
ein yaulid als ursprüngliche, wie auch Barth es will, freilich schon 
in allen Dialecten aufgegebene Form anzusetzen. 

Das Femininum der Nomina von Wurzeln n"b soll im Hebr. 
auf n- .- oder n— ausgehen.^) „Das ^ muss im Hebr. künstlich 
geschärft werden, um sich zwischen i — a halten zu können "^j, andern- 
falls wird es von der Endung n , verdrängt." Das ist eine recht 
mechanische Anschauung, die der Willkür freien Spielraum 
lässt. Meines Erachtens liegen in Formen wie z. B. n'r'z rel. ursprüng- 
liche Contextformen von Formen wie "'rii vor, wo der Ton rel, 
ursprünglich auf dem langen i lag, das daher sich in seiner Länge er- 
halten, und zur Meidung des Hiatus ein consonantisches i aus sich 
herausgesetzt hat ^) , während Formen wie nV:. rel. ursprüngliche 
Pausalformen darstellen'^), wo der Ton rel. ursprünglich die dem 
i folgende Sylbe traf, das daher sich naturgemäss in kurzes sonantisches 
und kurzes consonantisches ^' zerlegte. ■^) Allerdings sollen in anderen 
Consonanten, wo der Vocal auch nur durch secundäre Schärfung 
der Sylbe vor der Verkürzung geschützt sein soll, diese Schärfung 
Betonungs- Ursachen gehabt haben.'') Das kann doch nur 
so verstanden werden, dass man Formen, wie "|i-iXT, ursprünglich 
mit dem Ton auf der Antepaenultima, also linrT , gesprochen und 



1) s. B. § 189 e a. E. und § 247 a, auch ib. Anm. 1. 

2) Oder „um dieser Contraktion zu T")-^^ zu entgehen." 

3) Also z. B. ri;;'32. 

4) Vgl. diese Arbeit p. 166, auch ib. Anm. 1. 

5) Also z. B. p^3 2. Uebrigens kann auch eine Form wie ^Vj erst 
eine secundäre Form von einer Form wie nVs sein, zu einer Zeit entstanden, 
wo man nur noch 5^ als Radical empfand und „sich gewöhnte, dem Ti—rr 
des Masc. n~^ die in jedem dritten Worte des Hebr. vertretene Feminin- 
endung ri-^ einfach differenzirend entgegenzusetzen." S. A. Müller 1. c. p. 234. 
Freilich verstehe ich nicht recht, wie A. Müller sich davon keine rechte 
Vorstellung machen kann, „wie es zugehen soll, wenn bei der zweiten Art" — 
d. h. bei n,> — „das j von der Endung 71^^ verdrängt wird." Warum kann 
denn nicht hier "^ im späteren Hebr. ausgefallen sein, als es zwischen dem 
schon indifferenten Schwa mobile und ä stand (n^b^j? Das lange i in "^22 
muss aber immer, wie wir annahmen, durch den Ton, der ursprünglich auf dem 
i lag, erzeugt sein, sonst hätten wir stets ein n^p3, "212 erwartet, vgl. 

6) S. B. § 196 b. 



170 Anzeigen. 

unter dem Tongewicht die Sylbe geschärft habe. Indess hat der 
Ton rel. ursprünglich höchstens auf der Paenultima') gelegen, 
wofür man das Qämes derselben resp. das Dag. forte in derselben ^) 
anführen kann. Also sind diese Betonungsursachen höchst precär. 
Im Hebr. ist an der Regel nach zu 6n getrübt. Doch soll 
sich noch ohne Grund 1^^?) ^^-^^".--i ^^-"iVh "i'^P. finden. 3) 
Indess stehen ycns, D^:":":, ni:~^7: nur im stat. abs. des Sing, 
resp. Plur. *); es kann also aus "den Formen selbst nicht gesehen 
werden, ob das a von "j^^ ursprünglich kurz oder lang war. Aber 
nach Analogie von "j^;]:, *^:;"^), inb^r , l^lj^, welche theils im stat. 
constr. Sing, kurz a vor dem n^'), theils im stat. constr. 
Plur. resp. vor schweren Suff. Schwa mob. vor dem n') haben, 
werden wir doch auch in den besagten Formen ursprünglich 
ein an ansetzen. 

„Im Ar am. muss die Endung als •|^;-, .—- erscheinen." Aller- 
dings soll sich die Trübung des ä zu o auch hier, freilich nur in 
geringerem Masse, als im Hebr. finden, zumeist in den palästi- 
nischen und den benachbarten aram. Dialecten."") Doch sollen 
auch vereinzelte Fälle die östlichen und nördlichen Dialecte haben. 
Jedenfalls soll ganz verschieden von diesem aus an getrübten Suffix 
das diminutive Cm sein.'*) Indess sollte hier wirklich, z. B. im 

syi'. JjQaQqj (in ganz sporadisch zu 6n getrübt sein ? Oder werden 

wir nicht vielmehr annehmen müssen , dass hier die Endung ^ 
vielleicht == aun^'^) die eigentlich eine andere Bedeutung hatte 
als die Endung an, doch sporadisch in die Bedeutung von an über- 
gegangen ist, im Heb r. aber diese Endung, wo sie äusserlich mit 

1) Oder wenn man die ursprüngliche Flexionsendung hinzurechnet, auf 
der Antepaenult.: .p3T, vgl. Prätorius: in Stades ZAW. 1883, p. 20, 
Anm. 1, auch Litbi. für Orient. Philol. 1884, p. 200. 

2) Vgl. 1T1?N im Verhältniss zu IIT'HE. 

3) S. B. § 194 b. 

4) Die Beispiele in Mühlau-Volck: Ges. Handwörterbuch 11 s. v. 

5) Nur T*?'? hat bestimmt aramäisirend an für hebr. ön. 

6) 12"» "I-t") 1üV>?'> !?"]?» s. Olshausen, Lehrbuch der hebr. 
Sprache, pp." 403, 404. 

7) 1. Chron. 28, 10: rrirnb^'; Crr^rn^l]^, s. Olsh. 1. c. p. 404. Also 
ist nicht in,"0 etc. für "jinb'C gesetzt, „weil die Aufeinanderfolge zweier 
trüber Laute möglichst vermieden" werden sollte. 

8) Vgl. auch noch "jT in Onkelos, z. B. in "pS" Gen. 24, 10 ff., und 
Merx, Chrestom. targ. im Lexicon s. v. 

9) S. B. § 194 c und § 212 a. 

10) Vgl. arab. J>~vlä , 



Philipp/, Barth'' s Nominalbildung in den semitischen Sprachen. \1\ 

dem aus an getrübten 6n zusammenfiel, schon fast ganz die 
Bedeutung von 6n = an. endlich in den aram. Dialecten, die 
dem Hebr. geographisch nahe standen, häufiger die Bedeutung 
von an = hebr. 6n annahm? 

Höchst auffallend ist auch seine Erklärung von Pluralen, wie 

^'üü von ÄjJü. Das Lj soll hier lautlicher Ersatz für , c 

... .. v_^ 

sein.*) Wenn noch ein Lxj dastünde! Für den Vei'lust eines mit 

Kesr gesprochenen Hamz hat er aber keinen Beweis beigebracht.. 
Und wozu dieser Ersatz ? Barth meint : Im vorliegenden Fall 
wäre das alleinherrschende viersilbige Schema ä-ä-i-ü aufgehoben 
und ein dreisilbiges a-d-in eingetreten. Diese Auflösung der Endung 
hätte das Arab. nur dadurch vermeiden können , dass es in der 
Endung statt U ein a eintreten Hesse. Aber durch den ganz un- 
motivirten Ausfall des j hätte es doch nur wieder ein dreisilbiges 

Schema ä-d-ä erlangt. Der eigentliche Grund für diese höchst 
eigenthümliche Erklärung bestehe darin, dass alle solche Fälle, wie 
z. B. üLüj, nur bei schwachen Stämmen, nie bei starken Stämmen 
vorkämen. Freilich hat nun das substantivirte Fem. der Form 



von starken Perf.-Stämmen auf «* jetzt stets den Plur. JoLxs. 
Aber das zugehörige Masc. in adjectivischem Sinne kann den Flui-. 
'ut5 haben ^), und es ist doch höchst wahrscheinlich , dass die 
substantivirten Fem. dieser Formation von Wurzeln ■'"b den Plur. 
nach den verwandten Plur. des Masc. von starken wie z. B. -i!;5>, 
gebildet haben, um hier auch den dritten Radikal im Plur. ei'- 
scheinen zu lassen. 3) Nach der Analogie von ÜLäj geht aber auch 
der Plur. Ij!j>.>, \JJs6 etc. von Kj!lX=>j üj'Jü etc. 

Dass aber das ^ — in Pluralen wie i^»^ vom Sing. tCj-Xs 



1) S. B. p. 476. 

2) So z. B. Q.J;5> plur. ^\:=^ s. B. § 270, 34 b. 

.3j Der sonst schon abfiel, so ^LfiJ für -Jläj. Auch mag das S resp. s 

nach ä zu schwach erschienen sein, s. Fleischer, Beiträge V p. 79 oder 
Kleinere Schriften I, p. 291. 



172 Anzeigen. 

nach Analogie von ^ in Plur.-Formen wie LjUj mit Vernachlässigung 
des j gebildet sei , ist doch eine unerhörte Annahme B a r t h ' s. ') 

Wie beim Plur. z. B. »Lili „die Endung zum Stamme hinzugezählt 
und dann das Wort als Quadriliterura behandelt" ist, so ist die 
Endung bei Pluralen wie ^^"^ ^^ ^^^ Plur. des Triliterums un- 
verändert angesetzt und es lautet der Plur. von ^yJi> — i^^^J 
wie der von -L=> — tf^^•^^• ^^^ haben in Bezug auf Formen 
wie ^jLÄj und wie ^*,^i nicht den allermindesten Grund von der 
Darstellung Fleischer's'-) abzugehen. 

Noch gar manchen Widerspruch könnte ich gegen manche 
Stelle des Buches erheben , wie ich übrigens auch umgekehrt mit 
Manchem mich einverstanden resp. von Manchem mich überzeugt 
erklären könnte, doch eile ich zum Schlüsse der Anzeige, indem 
ich nur noch dem Verfasser meinen Dank für die mannigfache An- 
regung und Belehrung ausspreche , die ich auch dort gefunden 
habe, wo ich ihm glaubte widersprechen zu müssen.^) 

Rostock, im Jan. 1892. Philippi. 



1) S. B. p. 476. 

2) a. e. a. O. 

3) Von Schreib- resp. Druckfehlern beachte: 
p. 244, Z. 11 lies § 163 e statt § 63 e. 

p. 255, Z. 3 lies ni72bri73 statt ni72br;/2. 

p. 255, Z. 14 lies jb^QOJ» statt Jfc\Qo|» . 

p. 302, Z. 4 lies § 180 c, y statt § 180 b, y. 

p. 305, Note 2 lies Mesa statt Mnsa. 

p. 325, Z. 8 von unten im Text lies i'h statt ^"y. 

p. 359, Z. 4 lies tliCi'X^ ^**" tliCi'^^- 

p. 363, Z. 8 von unten im Text lies Zach. 12, 11 statt 17, 11. 

p. 434, Z. 2 u. 3 lies no. 3 u. 4 statt no. 2 u. 3. 

C- o - O - - 

p. 439, Note 1 lies -xij statt ^ . 

p. 471, Z. 9 von unten lies ^^CD^J" statt C^QX''^', ib. lies d^ J^^ 

statt Ö^^f*. 

Einige Druckfehler hat B. schon selbst in den ,, Nachträgen und Ver- 
besserungen" p. 484 11". corrigiert, andere, die sich ganz von selbst verstehen, 
habe ich in diese Liste nicht aufgenommen. 



173 



Der Diwan des Garwal b. Aus Al-Hntej'a. 

Beai-beitet von 

IgnsLz (xoldziher. 

(Fortsetzung.) 

Abkürzungen und Citate. 

Adkät.: Ibn Kutejba: Adab al-Kätib ed. Kairo 1300. 

Amidi: Kitäb al-muwäzana bejna Abi Tammäm wal-Buhturi ed. Stambul 1287. 

As.: Al-Zamachsari: Asäs al-baläga, 2 Bde., ed. Kairo 1299. 

Bht: Hamäsa des Bulituri, Leidener Hschr. Warner nr. 889. 

Briefe des Abä-l-'Ald' al-Ma'arri: Leidener Hschr. Warner nr. 1049 (Catalog, 

2. Auflage I, 190). 
C: (Siehe Einleitung p. 52). Diesem und anderen Zeichen nachgesetztes 

gl = Glosse. 
Chlz.: 'Abd al-Kädir b. 'Omar al-Baj^dädi : Chizänat al-adab , 4 Bde., ed. Bu- 

läk 1299. 
ChR.: Chams rasail, ed. Stambul 1301. 

Dam.: Al-Damiri: Hajät al-hajwän, 2 Bde., ed. Büläk 1284. 
Del.: Nöldeke-JIüUer: Delectus veterum carminum arabicorum, Berl. 1890. 
Gäh. Hajir.: Al-Gähiz: Kitäb al-hajwän, Hschr. der Kais. Hofbibliotbek in 

\Vien, N. F. nr. 151. 
Gaz.: Al-Hamdäni: Gazirat al-'arab ed. D. H. Müller. 
(riiih. : Gamharat ai'är al-'arab (s. Hommel in den Actes du sixieme Congres 

international des Orientalistes, Leide, 1885. Section semitique 387 ff.). 
Hamd.: Badi' al-zamän al-Hamadäni; Ras. (Rasä'il ed. Stambul 1298) Mali. 

(Makämät ed. Bejrüt 1889). 
Hu-sri: Abu Ishäk Ibrahim al-Husri: Zahr al-ädäb nach der Marginalausgabe 

zu Ibn 'Abdi rabbihi : Al-'ikd al-farid, 3 Bde., ed. Buläk 1293. 
HMiuj.: Muhammed al-Amir: Häsija 'alä Mugni-1-labib , 2 Bde., Kairo 1302. 
Ihn Hagga (al-Hamawi): Chizänat al-adab ed. Kairo 1304. 
IJ: Ibn Ja'is: Commentar zu Zamachsari's Mufassal ed. G. Jahn. 
IS: Ibn al-Sikkit: Kitäb al-alfäz , Leidener Hschr. Warner nr. 597 (Catalogus 

2. Aufl. I, 34). Bei Textverschiedenheiten zwischen dieser Hschr. und 

dem Pariser Exemplar (Bibl.nation. Suppl. ar. nr. 1359^'^) desselben Werkes 

(letzteres stellt die Ueberlieferung des Ibn Kejsän dar, während jene die Ke- 

cension des Tebrizi bietet) bezeichnet l die Leidener, p die Pai-iser Hschr. 
Thtibüs: Ichtijär al-din al-Husejni: Asäs al-iktibäs, Stambul 1298. 
K: (s. Einleitung p. 52). 
Kali: Amäli al-Käli (Hschr. der Bibl. nation. Paris, Suppl. ar. 1935, vgl. Ahl- 

wardt, Six poets p. XXII). 

Bd. XLVL 12 



174 Goldziher, Der Divxm des Garwal b. Aus Al-Hutefa. 

Kenn.: Al-JIubarrad: Kamil ed. Wright. 

Kud.: Kudäma b. Ga'far: Nakd al-si'r ed. Stambul 1302. 

Kut.: Ibn Kutejba: Kitäb al-si'r wal-su'arä, Hschr. der kais. Hofbibliothek in 

Wien, N. F. no. 391. 
M. : (s. Einleitung p. 50). 

Mejd.: Al-Mejdäni: Ma^ma' al-amtäl, 2 Bde., ed. Büläk 1284. 
Ras. : Ibn al-Rasik : Al-'umda fi mahäsin al-si'r (Hscbr. der Leipziger Univ.- 

Bibl. Eef. nr.' 328). 
;SSK: Mnhibb al-din: Sarh Sawähid al-Kassäf ed. Kairo 1281. 
Tiräz: Al-Chafägi: Tiräz al-magälis ed. Kairo 1284. 
'Unwän: Nur al-din 'Ali ibn Abi 'Imräu: 'Unwän al-murkisät wal - mutribät 

ed. Kairo 1286. 
v: In der Handschrift selbst angegebene Variaute zur Textlesart. 
Wuhü^: Al-Asma'i Kitäb al-wuhüs ed. R. Geyer. 
Die Lexica (G ^= Al-Gauhari, LA = Lisän al-'arab, TA = Tag al-'arüs) 

sind mit den allgemein gebräuchlichen Abbreviaturen citirt. 



Nachfolgende Arbeit war bereits über die ersten Anfange fortgeschritten, 
als mir bekannt wurde , dass sich im Nachlasse des verewigten Thorbecke 
Vorarbeiten zu einer Ausgabe des Kxxia.<Oi .-ji^J'-^ vorfiöden (s. jetzt ZDMG. 
XLV p. 474 nr. 53). Auf mein Ansuchen wurde mir seitens der Bibliotheks- 
verwaltung unserer Gesellschaft das werthvolle Material bereitwilligst zur Ver- 
fügung gestellt. Es ist meine Pflicht, an dieser Stelle mit dankbarer Pietät 
des Nutzens zu gedenken , den mir der Einblick in die Vorarbeit des grossen 
Arabisten gewährt hat. Zunächst bot mir die Mitbenutzung seiner Abschrift 
des C die Gewähr für die Sicherheit meiner eigenen. Aus den Randbemerkungen 
Th.'s konnte ich ferner meine für den Apparat der Lesarten^) angestellten 
Sammlungen vervollständigen; dies gilt namentlich für die erste Hälfte des TA, 
soweit dieser Thesaurus zu Lebzeiten Th.'s erschienen war. Auf den 'Unwän 
al-murkisät wurde ich erst durch seinen Hinweis aufmerksam; auch die Citate 
aus Ibn Ja'is sind seinen Notizen entnommen. An einigen Stellen meiner 
Noten , wo ich nicht in der Lage war , den Citateu selbst nachzugehen , habe 
ich die Randbemerkung des Verewigten wörtlich mit vorgesetztem „Th" auf- 
bewahrt. Auch den Diwan des Ka'b b. Zuhejr habe ich gelegentlich eines 
Aufenthaltes in Halle, Juni 1891, in Thorbecke's von Socin's Abschrift ge- 
nommenen Copie (ZDMG. 1. c. 473 nr. 47) einsehen können. 

Die Verwaltung des Legatum Warnerianum in Leiden hat mir mit be- 
kannter Liberalität die ihrer Obhut anvertrauten Schätze zugänglich gemacht. 
Dr. Van Vloten hat mich überdies dadurch verpflichtet, dass er stets bereit 
war, meinen häufigen Anfragen hinsichtlich der Laa. in dortigen Hschrr. zu 
entsprechen. — Auch anderen Fachgenossen danke ich für die Bereitwilligkeit, 
die sie mir in der Förderung dieser Arbeit bethätigt haben. Prof. Hommel 
war so freundlich, mir seinen Gamhara-Apparat zu Gedieht 10 zu überlassen. 
Dr. Geyer hat mir aus seinen reichhaltigen Sammlungen über altarabische 
Poesie die Hutej'a-Stellen mehrerer Werke (Al-Käli, Ras., HMug., SSK, LA) 
zur Verfügung gestellt. Graf Landberg endlich hat mir die Möglichkeit 
geboten, die Kairoer Handschrift unseres Diwans (oben p. 52) gehörig in Be- 
tracht zu ziehen. 



1) In den Anmerkungen habe ich Citate aus den Originalwörterbüchern 
nur dann vermerkt, wenn aus denselben Variae lectiones zu holen sind. 



Goldziher, Der Dhoän des GariL-al b. Aus Al-Hutefa. 175 

I. 

LJ-ü w_& ^ (^-j o^xÜI ;ji^4.=> x-Ai^^U-c ^3>_a.^i.^_j ^x-^Ä^-^^j ö! 2 



Äw_j --in.»- 



w^iJL K^jAüJI i;jj'L*J5 üJ.Iiit^ i^A** Ä-cU:?- _>-^3 ^^^X^'^li Ä.L'l^| 



.1*a2.j! ö-kil. tXi^JU i}.-i-^«..Ji ,*-^^5 -♦J ^c^i oü^.iai! lÄP lXj-j 

ö--i— "5 sjv._p JSwj.j L-aJC^ \i.J ^r^J^J" ^V^5 '^"^' c>^.*a:2J^ oi-xAi^^ 
iöj.x>o» c^.jSI jj^^ Ij^l:?. &^Jl o^Las 1J>! ^^c^l! v-Äji^^ q,»^ ^äLj 

^>^:>-j ^.jwcJ! cJs>> (^>AAiJi ««^jS^vas ■ oi^j^ 
'^^U^J! ^3 ^] (^i ^u^.s> *\ j^js\5 ws.li=- -i^'uAO j^l Uj-'i ^^\ 
L*.ÄÄ£0 jj-^-^5 ._;i.i>. L^Äc >»-«.ÄJ *.i is— 3 Q._Ä>^_£ 'i'L_>._j>( (•j'*--^^'' ^^' ** 



12* 



II wj 



176 Goldziher, Der Diwan des Garioal b. Aus Al-IIutefa. 

-~^ ^ j^ • y ■ V j^ • LJ -> • > • ^ 

wiJ ^c^^:i ,*— '3 ''=yj^^' (*~^ ^-;.-*-*-J tl:S\S j_^*i=4.S jJ-^J^ ^-^H (*-'3 

^-laji c>.^Jl A-ä.s Q■^iJ5 *^' f*-&^^^ l5'^'— ^ ^^^ Qj^^-^^:^3 

*.^S,wäj "li ^^j v^oAJI 2;'i-^J1 i>.A^5 iAp»L ^3^•^^* ^3 r)^-^/-^-:^ r)^-^*<-"^^ 
.Äi! La A-^ Ll_> rYJ-^ lV'--' xJi-i.-/« *L-^JLj x_L_?, L/»! ,..\ 



L_X_I ^^^ j^Äi! .^Uili' f»^jläj ^ rr^>-^ rj^ ^A:^/« ^.,1 J^J-J 



14 uJ 



Goldziher, Der Dhrän des Garical b. Aus AI-Huf efa, ]77 

■>>V^! ^wÄÄj'l ^dxjtjt» *.iJLAw.5>l ^Ic ^iXiisL^v/s» ^i>.A:ac ,«.iÄlixä==- 

J:^tJwc^SI ^U jt;jC4-< Lxi/ IjlXc jU J^ix !ÄP l*j1. 
ULii^ (I^Ä^ ^jj. J^S! ^j.J' Kjäi4.j ^^^_^-'« j^^T- ^Jlc !.3j 

^ Kixlaü U j^Äi;Cvw.i dj~^. Nxxlirl ^Lil» ^.^'L_i._Ji_il U5=lP f^5-^j./5 
L.>.x*^it Ni»J ^3j.i^ c>.4.i i'_;xi: xäJü^J /*-^^_j» j'— r' 1>^-^H rr-^ 

'uicXil ilsLAJl wÄJ^J i^j.xvo ^/c. ^^--t:^ ^ JJ»"^!. OÜ^S! ^? *4.S i'L' 
LPj.4.-<r>i. W.Z-J Lr^ ii/ii. f^,t^i i^Ä^ UJ^_ä_£ \y\ ^ys.^ J.iU lÄP 

_JaJI ci^xäj j-i^xil ^13^! c>>*-^ftj Q^-5 ^^'j;*J' ^^-^'5 -ti.xi> »,.xJ! e5ULj 

_j.Ja_jl_j (var. 5JJ^.-ci.*j!) sJ»JUC>^'l j^tV^-5 (•^'->»^'3 i?^L'*'"^ xäI*/* 

.^^.^i! ^iUJ!. ^sLxJ! ^ J.x^l J.Ä£ yl^U 'e5'l-*'' l5'' 

■ - ^ - ^ " ■ , L> • > ( • -' 



178 Goldziher, Der Diwan des Garioal b. Aus Al-Hutej'a. 

^•XJ^a ^Xi^ j.L^Jb ^^JCj -._J^ j»i.^i! j_^i2ii 0^_:_5 ^X4.;S\il xj c>.b>> 

l^.ji Jo^,j 'u-^_..iX5 l.x2*Jl i^lX^^ *i^*5 j.x^ ^ l5^-^' U^=-^' LtL-^^ 
L^*.^Ä5 .c*^*^^ vi:^jS^5 .£->^^> •^(f*~ ^^ >c:^.s=^il is.Ä^^ 



Ag. II, 62, 4ff. : vv. 1 — 3; voran geht v. 24 dieses Gedichtes. 
■ — In einer Einleitung wird als Anlass des Gedichtes der als be- 
kannt vorauszusetzende Conflict des Dichters mit Al-Zibrikän weit- 
läufig erzählt; vgl. unsere Einleitung p. 24 Anm. 4. 

1 sX^s^] das Suif. masc. wird als ^^j^a ^^ erklärt. Ag. 

2 Vgl. Zuh. Del. 107, 9. 'Ant. Mu'all. v. 13. Bisr b. Abi 
Chäzim, IS 170: 

j,1l\_^ L_ä_§53 ^^_iL_i' ^;-J V^;-^ l5^-^ (i^xx^As^j j^Jui 

j.L.^Äii \u^^\j^ 1?-^"-^ Q-^H f»-^' Q-H"-^-^-^^ ö-.iX/5 -^^^-^'3 

Muf. 7, 3 ^\yi ^•^■^^^ l5^^- ^^ -*■" 6y^^^ Al-x4L'sä TA ^>», 
(_^.c^ Ag. VIII, 79, 9. 'Unwän 18, 1. De Sacy Chrest. 2 151 v. 2. 
A^. V, 148, 4. Al-Achtal 13, 1. — oLiilii J^:^ Zuh. Del. 107, 10. 
Al-A'sä, Jak III 913, 20. — ^j^i] Ag. ^Su». — Der zweite Hv. ist 
nachgeahmt von Du-1-rumma V. 19 Smend: ,_^>Li: ^•J^>^j5 J.» o^Üi^ ^.. 

5 ^>oJS] K ^xxil . — K gsl^j, . — Lxxs^] MKv L^ . 
K J^i.^,^ . — TA jc^! : 8j^,U «i5^i^ (^i o^_5.J! ^5^^^:.«^ 



Goldziher, Der Div:än des Garical h. Aus Al-Huteja. 179 

LA A^I: -ti;^! g.JC_Ä.j .... ^J.3b'. — Vgl. Ka'b 6, 13. 
LA ^P. TA ^^^^ ^)^\ ^^-^Ihs. — c^-Lx_J> K] C. LA 
ci^I*^. — Co mm. Z. 2 C. 'i^i^]] . — ^-ij LA, TA ^^^iP, 

7 3Lx.:p>j] K ,LÄ.i^u. zum Ausdruck vgl. Hud. 81 , 7. Zuh. 
Del. 106, 4. Fleischer Kl. Sehr. I, 426. 

8 i.'u.>!] G. TA ^occ: tU>(, K ^lx^I. — Comm. Z. 8 
oVj Ko.>. — Z. 11 b;^Lil] C s^L^. — Z. 12 ^^J^\] C ^i. 

9 M LLi^L. 

10 Vgl. 8, 33, Lebid, Chälidi 26 v. 3 'A:xj\ ^Jli. 'Abdallah 
b. Gadl, 'Il>d III, 78, 15 ^|^*J| .^As. ^. JüiJ. 

11 Bekri 850, 3 ''"l.:^-. Gaz. 175, 23 LjiJLcl !l-> 
Chiz. : jS J . . . j...iJu i>.IiP . i^iys» \A*^äi ii^ii.j ä.xxIij<\J1 ^Xc \.a\ xJ^s^ 



KiwL-^ ^iS ^J. 2. Hv. vgl. 6, 9; 9, 9. 

12 -^J'lJ LUL>i..*>-^i] M. Mat. sä'ir 370 ^^Ul ^^ \j ^ji^oü. 
Bekri 850, 4 J „..i^^ju. Im Mat. sind vv. 10. 12 hintereinander 
angeführt mit folgender kritischen Bemerkung: ._*-^/a ^^'^\ o^x>.Ju5 

V*-«^^ ^ ^''-^ jJ-^^ Q^ >-r*^'j*^J U^r^J^ uf^^' '>-i>^->-''^ '^^^ -^W-^' v3- 
K^s'l5_j.5>5 vgl. Hätim ed. Hassoun 35, 4 = Ag. XVI, 102, 13. 

13 M. (^jL:fö K j^jL>u. — 3j»LAv] M. L/i^Ä/i. 
16 ^«^äIic] MKv ^.jäso. — 1--^] M. L.PÖ, 



180 Goldziher, Der Dnvän des Ganoal h. Aus Al-Hutefa. 

18 1. Hv. M. -d^}^ ^ ^ r-^^^^ 1-4^ a-^' ^^^- ■^' ^^• 

47, 2. — ^li] CK c^i. 

19 M. I^^^^, vgl. 20, 15 ; 63, 1. — Zu den iu diesem sowie v. 20 
vorkommenden Redensarten vgl. IS. 28 ^yXki\ Ki-i>L> ^^j ^^ ^'ws, 

Ljt ^^.* J 'bi! U-Jti", v_jfcj"^i U.iLi' iL/SiX); £i.>o^! ^x (^3^ ^^>» 
dazu Tebr. LjU .jj.xj^ÄÄ4.i( »J»L.M.^i! *.P Oj.J^U KJl^^'lj ^LAJ^i'LJ ^>^*j 

;^x*Xi! ^^Jic ^^*aÄj ^.,1 j.i>^'^ U:>-3 ^.v.^^^ ^ysCI Ui', vgl. auch 
AcMal 189, 2. — ^U!] 'Ikd III, 144 ^^^J\. 

20 Vgl. 'Ürwa23,l ^L UjULj J. Mgl. hat hier eine 
für das altarabische Stämmeleben sehr lehrreiche Note von Chälid 
b. Kultüm über die Ausdrücke: ^_^jlLi/i 'i:>. .a^LXx *U, ^^i\.K2.A o„ 

21 Vgl. 6, 9; 89,18. _,l>oti!] AdKät. 67 penult. oUxÜ. — 
Bei SSK folgt v. 20 nach 22. 

22 ^J^S|J TA ._..iö: (_^Jj!, TA ^J! = CK. — ^1...^.^] 
'Ikd 1. c. ^^L.^. — Vgl. 'Abid b. al-abras (M 106, 1) 

Abu 'Adi al-'Absami, Kud. 86 

Al-Kumejt, Ag. XV, 127, 21 oÜÖ^! ^-th *^ L^V'^- ^^^ ParaUele 
wird bei SSK 267. Näb. 28, 3. 4 {J^^xl\ ^^S) beigebracht. — 
Dieser V. des llut. hat Anlass zu der zweifellos apokryphen Nach- 
bildung bei Ag. II, 58, 7 v. u. geboten (Untei-redung des Dichters 
mit Ihn 'Abbäs, Einleitung p. 31): 



Goldziher, Der Dhvän des Goriral b. Aus AI-Huf ej'a. 181 

23 ixlU damit wird Koran 52, 21 ^pLäIT; erklärt. 

•24 Vgl. 20,3, dieser V. geht Ag. v. 1 voraus. — \.^^Xi] 
Ag. MKv. ülii. 

25 LA, TA ,lX.5>, (J^.:>: »^>A-j<\wJ j_^fclai! O^Ij ^ \J Oi^.:> 
mit folg. Comm. : ^ o^l:^ ^^O^^J 'iJ.^i\ ^iJ\A=> jL>^^il q./:. 
_Ai2.;^Oi Jt. Gaz. 175, 25 s^lXj^ö Oj.Iai! O^j ,^/a io ^^:^1^=> als 
Sähid zu o^ mit Anführung der La. ,^iii! . M. ebenso , nur = C 
c>.Ii> . — p.Aa> ^■J'^Lü] Mgl. twxz.i; iij ,L£ . — • wAixil] Gaz. Li^ijt. 

27 J^] Kv. ;Jl>. 

28 x^Liz^ ,*♦, vgl. 47, 2. Acht. 145, 2. — K .J^. 






J! oW-^ s.SfcÄJ .\j^.^j _».:> ^.j-_j._äJ) lXanwJC 



S.:>wJ ,«-^>--l ij5vJJ c+S.» 1J>..J L^iJ ^-f^-5 '^^.-^-J ^J— f-J ^-j^ 



^S,_» 0».>J (jc^'s-j J! ,-,|_^-''5 ^^Ui»! \>..ii s.:>-j3 ,«.:v^■^^ 

iC, ,.,X» !^X^.KM^ Xa5»wa3 ^lac^ is.Jl iAj-J ^xjkjS iJ>.J''ij NJ».J. ä.^Äx 






182 Goldziher, Der Diwan des Garwal h. Aus Al-Hutefa. 

bA*>.S (ji^5>. bS» ^_v^>:Ji *-^_;ÄJ "^ ry-*-^->^ 0^^'4 ,<.Iiä>!^ -S^L^ .jIiAjw^C. 

^L»^ ^_5^L--^5 CT-' 'V^ '-''^^ '^^^^ o'^-^ O^ ^■^ ^'^ ^-^"^ 
8 b-jü iji>wAÄ>Cj wAci Lo \.:>.jl\-w-1.5 LäJj.£s- (jwuÄJ! *A^^ ö! (j;.i.ä Cx*Äj 

-jÖ ,.yX> 8,jJ»| j.^Z>- Ls.PLJ' (^^3», ^..♦.♦ÄJ *.J^ Xi CjIiAÄj! I.^i -ÄJiAcj 

^j.xä.4.^W ^_kXÄX JvcLäJl Joi:f.s w^Iäs s.5'u> j^^^^l u>s.-ii 'l^ O^ 

ۥ. ., s~ o- --o2 

oi— t^-isi l— * ^1 tL>j._ii L-Ä^ J Lcj , c-^-'ftJ io*«.ä;.j ci^ju\.5 

^^*.JLä5 -.>*^SJ^ ^av^ c:/.juX.5 OÜ i»-^-^ '^'-J'i ^ i^i 



Goldziher, Der Diicän des Garwal h. Aus Al-Hutefa. 183 



»-asI^I c>^i.s» ^^»^ N^^^i^ l£^*^ ^^5*^^ J^^ r^ 



LJ?' 



<! ^ 



> : 



8>>U.J »t ».Af. , ^•i^" ^^^ Q4.J ^ÄJ'wJ o,13 ^V.x^Ji CjL\.i' u^.-^ • 12 
OÜlX/! &.sJ» Xx^-./i3 wj-i^ ÜJ> \SJi Uäj'wJ *.:S\j, .^CäjV Lslaaäj LPAj« 

^aÜ *i .aC US ^XaJ ».ilÄj! ..^ 






v^i^ »^-^i J.AÄJ uX-'i. s3>*äj w* tX*j o^Vi .»i J.AÄJ5 s.j^s w*.i- 

«JlXj q./« ^jj ^SI^ ♦! '^ajU./! f^iJ uX.jtww i3^ J, ^.i ^_i>Lsj 1(5 

er'' (^T? j"-^'''^3 [*-r'^ ^*^ -' J- r^j-^^ öj^jj ^j ^i>'L5 ;3>flj 
^^].£ .js^'äj" ^^ ti5^c _fcÄJ *~gJLi (^■g-^ ».iiXj 

^J K-*-jL\iL'! ^_j.^iki5 pli^ÄAv^j ::^ U5' p'ua^lAv.j ^ ^Pjc ^,t l\j_~j 



184 Goldzilier, Der Dhcän des Garwcd h. Aus Al-Hutefa. 

yo**.j Qlft^-> ^jl;/«.iJi_; ' '^j-^» i5 '^^[j-'«^! e^^:^ cr^ ^"'^ oLL <.it 

öj.Jj.J bl l.l^ ^^^ LjLLJ^J! ^j ^.•c y^ ^^\ Q^j-e^i ^-r^-^j L^-iU 

Ä,Jb:Ä5 ,.,iiX,j.i! ^JLc .^c .-r^ ^^^ tA*£ ^_^"» (_^>.^! y<^JLX*S .4.£i 'lAJ 
0>>'^ L? > LT- . . ^ . . . ^ 

^.♦>. ujlLji^J! ^j .^& i^\ -i.£ sy.i».i Lji ^'lx q_^^j ^,5 *"S L-H^ 

J'wXJ xii! 

21 »j>h (j^wÄÜ *.i.-ij (-,1 ^.-«.rj |C^- Ui.^^ NXi5 Jl U^jJC^/! y5I ^\ 

,.^£ .1>Cj! Jw^äs O.V.? cXä ^^ÄJ >_^AXi.il L;j>'lP .^IJI Jjt^ tL^ ,.J 
cj y ■ , i_^ *" ^ ', ^ ■• . •• j ■ > ^^-^ 

..L5' pLÜ j.,U s-JLx^Jf J, y^J> ^^/a ^>jjU ^j; 'C>-^ U3 ,J.ili5 
iJ^j. c>.x>Ji »jSij» i-Jj-v.!. i.;;^^ü ^5)^ »^UaJ! J.:>-J! s^sij 

23 »,^'l** Jy^Jii5 i'Aij ^5 J^'^L^ 33'-> (»-•H»-' ^-*-^-J ^^'— « '-^ '^-^' o'^ 

^ '\JJ>''^$> VL»-^ l•5-^^" O ^'^•^^' ^ ^_^)^5 ^L:?* J*:^^-^^ iS'^-^y J-" 



Golclziher, Der Dia-dn des Garvxd h. Aus Al-Huteja. 185 

^'wi^Ü, Jcj^w^iL ,U^j! kis lA^ i^LJb l\j.> Üu5 OJ.JÄJ5, 

>.xaJ ..yX •ii'i sjLX ..Li lö! L\:>i^ c^*-^ .LAi=.i?jl_5 
s.jw.^ ..<,M^<i! ^xi! *5>^) uS' xius. ._Ä,S JV..JI.J , ^Jl.^.:>^S *^ 2.^ 

1 C ^^^JL.A, K 0^1.^, vgl. Gaz. 175, 12. Die beiden Orts- 
namen sind auch Näb. 8, 13 nebeneinander gestellt. Wuh. 132 
wird der Vers als Beleg für p ö pl. .-^Lc.ö angeführt xmd statt 
XJ.4.JL-P ^jI äJ^,ö \i überliefert. — TA ^^^ mit schlechtem Text. 

•2 Erster Hv. = Zuh. 1-5, 14 b (Lbg. 106), vgl. Imrk. 63, 10. 
Zu der im Comm. angegebenen Vaiüante, mit welcher der Vers auch 
bei Gab. Hajw. 353 v citii't ist, vgl. Zuh. 15, 8 (Lbg. 104 unten). — 

.C^^lj- I^ Hud. 204, 9 '^Jui ^ ^Jj r'J^'^^ ?^^-"'- — K. . . ■ <Cx5 . . .1^ 

y.^^. — 8SK. 79 xj'-o v_iw^ als Sähid für den Sprachgebrauch in 

Sure 7, 93 Läü ^s^; als zweiter Hv. wird 7, 30b dazu gestellt; 
im Comm. wird als vorangehender Vers 7, 22 angeführt. 

3 As. ^Äs : \h.A^ ,.,\S. — K. <^,^] C. !o...ij. Zu beachten, 
dass die Juden hier als Verkäufer von Kleiderzeug unter den Arabern 
angeführt werden; sonst werden sie (schon in vorislamischer Zeit) 
gewöhnlich mit dem Weinhandel in Verbindung gebracht. TA 

oi.-.i^ 'Adi b. Zejd: (jjO^J! .=^Jii\ L^uo ib. ^:;^> Al-A'sä : 

Al-Murakkis, Jak. II, 180, 5 Lj^ci^j ^^j.j ^a ^lj^j ^^■^^, vgl. Ag. 
XII, 124, 3 (WädM-kurä). Tab. III, 381 o^.^j ^.,Ü0. Auch die Zu- 
bereitung des Kühl wird den Juden zugeschrieben: .-A*il ^^^^^ 
J^^*Ji iwxij , As. j.;_v-. — K. ^j'Lt, i^jws. 



186 Goldziher, Der Diwan des Garwal h. Aus Al-Hufefa, 

5 L^J Ag. II, 43, 3 = Jak. III, 609, 7 i^J^ . 

6 o^.i.-5] Ag. c>..^j-J. — ^^J'iJ Jäk. ^c. — K. oJ^^_5 — 

7 (^Ji;^] IDur. 7 ult. sUi'. Näb. 15, 5 s ics\Jt . . , (^a;». 

Die La. (^oL>L« wird für Näb. bei Bekri 642, 8 u. nach Ibn al- 
A'räbl angeführt. Die im Comm, nach Al-Kelbi mitgetheilte Er- 
klärung ist mit einigen Varianten und Zusätzen im wesentlichen 
identisch mit Jak. 1. c. 7 ;^ii A.:> . L^^ bis Schluss des Artikels. 

Vgl. auch Mejd. II, 234 zu dem Sprichw. :äc .^^ «.Ä/ch für :.ä.c 

(Mejd.) haben CK sowie Bekrl 1. c. Z. 6, 4 u. und Jak. im Texte 

des Kelbi und im Gedichte immer .Xc — Comm. Z. 4 .Li' L+i 1 

K ^,L<.r. 

8 = Bekrl 731, 20. 

1) c^x.c;xi>] Add. 66, 9 ^jL- Dieser Vers dient Kudäma 87 
als Beispiel für die poetische Härte (wJ^iiä+it : ■^^^J■^\ -^-^.J o' j-^3 
a.j AAai L« *_;^i> ^^J! i^xJLä. ^>otj5 ä.JL5>1 ^^Jt ^.cL^JS, Comm. 
L^_k.*.Jlvw!] Dieser Vers wird As oi.;?. von Hut. angeführt. Der Vers 
des 'Urwa findet sich nicht in Ed. Nöldeke. — K = Kud. i^x^\^^i . 

10 0^! ^ii Gegens. ^.j^\p\ ^i^ 5, 32 , vgl. Zuh. 6, 3. App. 
Zuh. 24. Harn. 321 V. 2. Muf. 24, 12. Ag. III, 9, 18 Qü-l-isba'): 

^-oJUj ^^Jj./8 ^5 ^JÜI x.*.Ö^,_5 L^IiÄjS^j u^-vx-i ^-Jjr-^ j-^^3^ "^J-^ 
IHis. 231, 3 u. Ü^.>o(3i UxLiÄj. Singul. Näb. 15, 2 ^J\j Lc^ ^i, 

11 K iL^.*-L; zur Phrase vgl. Kit. charäg 63, 12 u. vi>^..A.i» 

1*2 J>jt.j o!ö vgl. 12, 12 Ibn Ben-i (TA ^y) hat die La. 

J.J! oLVi' : — xsläJ! o.ü ^JLc iAPL.^; ii.A-^La^! ic>.>jJ jjtjJ q-j! .3^5 
o.io j.^3 XÄä.i^i o.lö zswJLao^^ ^^-^i^ lAi» ^JLc c>.älac iöl LiäiLj 
L^ftib. Zu^Ji oü vgl. Ham. 379 v. 2. Hud. 74, 6. Ag. XI, 128, 15. 



Goldziher, Der Dhcän des Garzoal h. Aus Al-Hutefa. 187 

Tab. I, 2014, 7. Chiz. IV, 457 ff. und das Sprichw. ^.^\^^\Z ^L ^ 
Mejd. II, 162. — «^\xj] TA «^.xi. — .\] TA ., LA^y; j:>^L. 

14 Co mm. K i.^Vjw. 

15. 16 LA, TA ^y Chiz. III, 389 fehlt 15b, 16a. — S^ 
LA, TA ij5^Ä£. — \JLs] bei allen dreien: *..^jl5 . 

18 Chiz. ib. . . . J>.A>.i ^s . , . UOj-5^ C>\j:i\ . . . mit folgender 
Erklärung 390: ^X-^JLx:» i*._^Jl.^.j |^.,»0^:>;j q-jÄÜ :t^j.P cO i3j-äj 

v«jLi2<'J! . Hurmuzän wird auch vom zeitgenössischen Dichter 
Al-Muchabbal erwähnt in der an seinen bei der 'irakischen Armee 
stehenden Sohn gerichteten Kaside, Ag. XII, 41, 3 o^X:>- ^..»^ö^'S.j 
;cJi ...L/e..^i!, vgl. Jak. I, 906, 11. Der zur Zeit 'Otmän's blühende 
Dabi' al-Burgumi bezeichnet grossen Reichtum figürlich als „Krone 
H.'s", Kut. fol. 67a unten: 

Unter den Namen alter persischer Könige, in Verbindung mit denen 
von wohlverwahrtem alten Wein die Rede zu sein pflegt (wie z. B, 

im Allgemeinen alter persischer Wein : j,_j.ä^ J! 3»^! q'« &.a^ 'ls Hj.^'i 
Ag. XXI, 74, 8, 'Antar 21, 20, aus der Zeit des Säbür und Sirin Ag. 
XIV 91, 1 oder J5...w«.i> <^\.X^ TA ,.^^^=^,\ und besonders häufig 
aus der Zeit des Kisrä — K. Sahinsäh, TA »j..ü Al-A'sä — o^.äxc 
oUä ..j , c.^ ;^I;M Ag. V, 103, 4 u., vgl. Achtal 155, 3 -.^^ uj|.^ 

(^..v^y , Farazd. 66, 3 <^y>*>S ^X:^ ^a i,^.<\fi) wird auch Hurmuzän 
genannt in einem Weingedicht des Chalifen Walldll: v_j!„^ ...^ 
^^■-A.^\ V'j:-^ i^ C5r^ :^*.,^)S Ibn Badrün 209, 9. Damit wird 
aber nicht der von den Arabern besiegte persische Feldherr, sondern 
einer der alten Sasanidenkönige (Ormizd) gemeint sein. 

19 iuJl] CK iuJl. -]*Ji] K^xi!. 

20 Der Ruhm ein Gebäude, vgl. 4,24; 6,9.14: 16,21; 
58, 8. 12. Muh. Stud. I, 42. 



188 Goldziher, Der Divän des Garical h. Aus Al-Huteja. 

22 Vgl. zu 5, 37. — ^»ö] TA ib. ^^ . — ^zx^^vj'] ib. As^.}^: 
xÄ^j . — C m m. K o^/.Jt r'^^')^ • 

23 ^U] LA ^z^: ^L^. — _5,i] LA j^L> ^iJ. — NJ] ib. U^ 
mit folgender Bemerkung: -6^ ^l.*~^\ ^a\^\ jLc^! ^.jI ^[.Si 
-SL^ii» ,ÄAjLy L.jjLi.t^ L.giLAf:. VisLA J^j^l j^/5 ,<->^I:i'i. 

24 K j.^.s ^^j (sie) ^5^j. 
20. 27 LS 46L 

26 Vgl. 5,36.— t^li] Tebr. Kam. 189,5 L.ä.^. — ^^i?J] 
ib. und Amidi 18, 16 x.jj.jz->. — ^5._^J!] Ämidi k«jL..^^J!. 
Der Vers wird von Tebr. zu IS 231 citirt mit der Bemerkung: 
s.L*;c*-! ».äXJj j,5Li:s^ ^.jLwv.iUJ S^äj ^^ ebenso in dem V. des Sä'ida 
b. Gu'ejja in der Schilderung einer Hyäne: 

i3_5_j.i ö-*-t^ i-^*ii U^^T^ U*^)* ^'^ '^ l')^"^ ^"f 

Comm. J^i Ja.>..Li LPAJL:?- ^.,! .Aj^-j 1^*%* Q-^^ Q-r^^jS^Jb Ji^L 

27 Tebr. ib. ^^S\. — ^L-Ii-c] C j. Comm. ^L^^JU] C. 
(jco , Bei Al-Ta'älibi (Fikh al-luga XXIV § 14) findet man einen 
Abschnitt •^\ ^»♦^o^^ ^s. nsLa:?^! J>.>^A.iftJV Q<.ü.i( i3[j.:>i ^*-:^JjJ' ^ 
ed. Dahdäh (Paris 1861) p. 143. 

28 Vgl. 89, 12. — .Äsl As ^i\ \io. 



HL 

._j._*-j! ^f^j^c 'i_ä.Aw "^3)3 l5^ ~? ,_fc-iJi-.v« Q._^JLS .'^(A—l ^-*-^ 



vd^'U^v^JS ^A »^Lc Ja.*-A« nÄaj 0!J!j..^ib Oi..<\Jl (_v:D^;5\iL 



Goldziher, Der Dhcän des Garwal h. Alis Al-Huteja. 139 






JjLäJt ^Xc s:>.i 



L, r,y 'u-.^JCJs^Ls ö! yi'i 



, , Ali sw:> . c>^■iJ^-> ^^ (•-•^'-? LiÄjtiiis „^LJ^Jl A-x-J Ä~«-J ->53 



.^-■w-c oüJlj kJ^L.<JI A-x-j LzJ'iy £l._^-;J! ^ ..^ Kj^L-j^uj 9 
-^ •■ , , >. ■ - ■ " ■ c> 5 * ■ 

XÄjJ-J^ 'Li^tj *Jj-^ '4-^5 Aj.J '^* K..XOy^ ^ j.^S> JJ>L? ^J''-^ 
AXJ i^u_>^.Äjt ^ .Av 0!J V-4.JL Lll^u^» UJVäJ Li>JAj _>*^_*_J _SLS 



^.jAAi:ol L^3j.^o Ja^i^s^^ ^.,1 '^ 'iS±z>- j^-A-5 ^^'1 U^Jl^ ^s 11 




0^3 - 



f.-^ Ol ^-^ -^^^^ 

il^Jl ^/«'Jajt, xs,j XEu*^ ö-aJI^ ^-^-^ /*^^3 ^^ Aa2.äj Lg.j j.>U.j 
Bd. XL VI. 13 



190 Goldziher, Der Diioän des Garwal b. Aus Al-Hutefa. 



.4-»«t» J^Avl^ .*i2r>!_5 ,iA5 ^3 



o»..^ Käjjä/Xsj Jaxiü jj*^Äi>l >j5j.s .t 

'er. „ ' % «[5,, 

JLX.J *J c>-Ji-J 






'^3ÄxAJ i^ s-i^i i^^x-u lA^ vAs iJLi 



^^1 a^j^' Aj^\^I Ö^Ai> Niiy ayj::^VäAaj ..^^A-^iJÜ! ^-»^^^ 



1 a. vgl. Muh. Stud. II, 7. — jj^^j C. Oj^j Gelegentlich sei 

hier die in Volksbüchern häufige Redensart verzeichnet : üiAa;Jl L.*.j.il 
^5;3 l5^'^ öl^^CJt Üs-Äsl^ 03J^i>bi! ^L>..:^ Öw-aoJJ! Sirat 'Antar 
XXIII, 59; XXIV, 80; XXVH, 94, Sü-at Sejf IV, 67 |^JL>-LJlj 

(^J>i» öLXsl Li .Xsl i^JÖ JotJ^ . . . . L3jLXi>bS| ^i>~> ,*"sJ^^ LsLxliil 

Oj.;. Zuweilen auch umgekehrt, 'Antar XIV, 95 LÜAiXJl U-ii! ^' 



Goldziher, Der Diwan des Garwal b. Aus Al-Hutefa. 191 

^[^:>- ö'-Xs! t^NÜ >AxJ lsJCs! Ujj^ ^i . . . ^»^3 iJ^->'» i^^-^r" ö^a^äJI 
j«^J^i>^S5 ^jU . Sejf ibid. 63 ^^.^ ÖL>.Iail ^U£^S1 ^^JLc (so) lj^1d% 

2 kA*:^Oc5'] Zur Vergleichung Zuh. 3, 3. 'Adi b. Zejd kg. 
II, 40, 25. Hassan, IHis 620, 14. Mudarris, Jak. IV, 375, 18. 
Abu Duwäd ib. 523, 19. Muzähim TA „^j; iüoU^if ^Ux^. 
Gern- TA ^ß, 

3 C »bli. — i^i4^\ vgl. Hassan in Del. 98, 3. 

4 Vgl. Imrk. 59, 8. Zuh. 1, 32 (Lbg. 158, v. 4). Hut. 34, 7; 
79, 11. 

5 K s-\^\xj^, 

7 C i_..^j ..rfiiwj . Auch Jäk. s. v. kennt nur i^o..^^ = K. 
1) Co mm. L^:i'lj1 C UjLr.j. 

12—15 Jak. I, 578, 15 ff. — 12 Anonym citlrt bei Kutrub 
ed. Geyer 633. ^.ii.xxl] , vgl. Ka'b 12, 16 (Beschreibung eines 



'Urwa 13, 2 und dazu Nöldeke p. 79 A. 3. Wuhüs 69. 'Adi b. 
Zejd TA Jlc, Umejja al-Hudali TA -Sy^, Achtal 151, 1. — 
^J^J Bekri 824,20 ^=^j. 

Vi K l^. 

15 K im Text und Comm. ^:^Xj. 

17 K vJ^. 

18 Bekri 277, 21 sLäl?^ KJlJ accusativisch. 

19 K ^1:>. — Für das Bild vgl. Note zu 79, 7, 

20 K ^^. 

21 Vgl Näb. 23, 18 ^^i j^^.4.c L.^A.£ Jl.^JLs. Farazd. 

204, 3 (Boucher p. 189) ^i! L^iii' o^.4.^J! oi-^J! 531 cj^:;=VjjL 
Dü-1-rumma, As. cAa:?: 

v.^:fUl:5^/« J't^J'-j' li- »-J->w_5 *-*-^ ccX.A2.Ä/i ^>.x3.j1 ^•♦•^3 c>..«^^*' 

13* 



192 Goldzilier, Der Diicän des Garwal b. Aus Al-Huteja. 

Abu Du'ejb, TA y^xs: ^.si\A^i! Oj-^c ./«isj ^\ Ji. 'Omar b. Abi 

Rabi'a sagt (As. J.Ji_s): ^lX-ä-cL-s ^w>._Ai_i! 0^_*._ii J.ää*^1 löl; 
aus der spätem Poesie Abu Tammäm Ag. XV, 101, 1. — Hamad., 
Ras. 69, 13 ^^\ Oj.*c ^a ^'D\, vgl. Nöldeke ZDMG XLIII, 548 
(jüd. "inurn -nwy). 

22 >_^ä*^ vgl. bei Huber, Meisir 28. 

23 b) Vgl. die Anwendung derselben Redensart in Bezug auf 
Medina in den in Muh. Stud. II, 37, A. 6, 243 angeführten Hadit- 
Stellen. Es scheint dies eine bei den alten Arabern gangbare 
Vergleichung zu sein, welche auch im Iladit benutzt wird. Dass 
unser Dichter das letztere zum Gegenstand eines iktibäs gemacht 
habe, ist nicht gut denkbar. 

IV. 

1 Lüsxxj 3'^r*-!5 ^■-^. ^ jf.^ ^'^^ ^Ä>>^J -'-U^^3 |j^^ '^^ ^J!^ 

jix 1l\^ Uif^ 

o-Jisi i^wÄJ oix. j:>\.i j.$ e5^-^' U^" "^•^'^ ^.^.ilLjüol (*^J'i-^'i 6^äÄ*«? 

j..:?\.o 1-X.JCj ^3 \«Ä/)^ ^i>'LJ L>'o 131 
4 L/i^.^J ^.ä.h\ ^-^=^ Ui>|.s^ L.^*? oo'l:?- [J^^ olJJ' o^ÄXs 



1 Vgl. 5, 26; 89, 13. — ^i. ^JLc] Ag. II, 62, 9 ^ 

2 jwAs] Kam. 343 j^/to. — K ^ij. — e?''*-''! ^^'^^^- '^'■^ (*^®^' 
vom Verf. richtig gestellt). 



Goldziher, Der Diu-än des Gariral h. Aus Al-Hutefa. 193 
V. 

i^Lc ö.IjÜ 'r^Lj s-IjUj ..L* bl ,-)»^^ O""^ ii5^^äui ij^r^-j» 

XJLjb.J! o-sl? ^Vjb J.^^L^! ^iLJ). ö>^ LPA=>1» AlLü J.^'.äJ' 

^j;yc;ij! p J.J1I3 iJJ^ L.j-w.^Li' J! SL>.Iiij! ȀP i.:pJ! ^.:5^J! ^^5 Aj _j 
l^^4.'^=>>^ i«^0»iAi> i-t^^"--^* J'-P i^iJ^-^l^ r)W:t-^j'' y^LÄiC! J. ^Laä: 

>- LT" (-^ > • • r -^ .. .. 



194 Goldzilier, Der Dhcän des Garioal b. Aus Al-Hutefa. 



-i L_^_Ä_y -_;„j._xi» 



.i>wÄJ Q-*-J <:6j.&JS^}\ ^S> 



„i>! o-iU c>.-^--J ^^Ä5 s ^Jl *_f_;C_Ä_.^_^ iA_Ä_i. 



^j.j- ^:^ ci^äif' o^cj 'l.-'L 






iwv.j ^i Lj.ÄAi j^,bS ».♦/=lXx '^-e-J^Ä^^ j^^^^ L$=jc=>53 J^J^St ^/o ^iyüi 



Goldziher, Der Dhcän des Garwal b. Aus Al-Hutej'a. 195 

■^, . ■ ^ • 

„5L_Ä_«._i! 5,.S^^J ,.,1 u-Ä (A^IS-I — x> *. ä i * s 

_ü'ji.«j1 (^;.>Vj L« ^p> 'u2 js*-? £-^' ^.J'^! (^i_:p.-5 

^i ^ii^ ^^ iL^i! ^r ^S3 ^:;^ ^;> ^a; jy,^>j! j;? 

^i=.ix! J.J3 L-;J 'l_*_x i^j L:f;^l xJ'_«.Jl ^*_55l^J! 

..asI»"^! A—i-E wV.Ä.5 B„a3 ! *-*-■? ^-il-C L_Ä_Ii_£ 

.i>wÄj ,.^/o^,^A::iijÖA.x.5\j l\ A_x_>._it •A-:S\_4.Ji v_J.JjJ>Lj 



196 Goldziher, Der Diwan des Gariml h. Aus Al-Hutefa. 

Die vv. 3. 28 werden als Beispiele für den Reimfehler ^Lx-Ci! 
angeführt (LA «.x^). 

1 = Bekri 580,16 TA Jij von A'sä citirt mit La. .^a 

•S CT __ 

JUi ^\j^\. Häufiger Kasidenanfang z. B. Tufejl, Jak. I, 99, 11 

TA ^^S' Hassan, IHis. 620, 12. Ibn Mukbü TA J^j, ^X^, Kutejjir 
Jak. I, 71, 15 vgl. TA ^ä, ^^5^, ^JkX^.— j._j_j] Muzhir II, 167 ult. ^ »o. 



2 Vgl. das Bild bei Al-Musajjab b. 'Alas TA J^_^ , ^ 

und Einleitung S. 47. "" 

3 tLkr] LA ^i, ^x^: „Lx^. — ä^>.] Gaz. 176, 13 k/,>, 
allerdings wird auch 3,:>.» unter den Orten angeführt: U/i^^-kj JJuj, 
vgl. Imrk Mu'all. v. 33. Näb. App. 26, 30. — jjs,L.l\] LA ^^^.i;: 
^LSI. — ^Ü] IS jiiixi! v^ü 378: ^jJ! y§>, ^^Jt ^^xx, 

[p.-h^ij] ^.:?Vi J^^ _j.^3 [P- + !;iJ J*•^J jiJ^] \j^ .^^. j^ 

[P. + ^C^^S] ^Jj^Jt ^Lä ,^>^^ ^J^.^ ^yi ^yA 
jXjJi\^ sLj:oi\ SL-X c>~ft~ii;3 ^-^^5 O^^-^"^ '^'^■^^ ^ ^'^^ KJ*"^ 

^_.^JLj ^^_.j,- ^J^J^Lfti! Ki.x^i' ^.^.^.^ i-t^-e-^ gr-^-*-^ C^3 
Vgl. Sakt al-zand II, 177 v. 2, 197 v. 5 ^uli g^JÜI ^5 l^j^Ü ^J',k 
dazu Schol. ^.^yliCJÜ ^.«-i ^.^Ux^^ J<^J| ^,LoJ ^! ^.:5>UJ! ; sehr aus- 
führlich werden die kalendarischen Bezeichnungen ^'J i i^ und 
jji 0^ behandelt im Schol. ib. 172 v. 2. — K .^^,^. 

5 K o»<A.5^. 

9 Anonym As. Ä>J. — 9. 10 IS 489. — J.>J] U I, 42, 3 
c>^xJ, (77,3 J.>p IS, Wulms 414 ^S^,:.)^. — »jJ-LJ] U an 



Goldziher, Der Dhvchi des Garical b. Aus AI-Huf ejfa. 197 

beiden Stellen: »o.:>'ü; mit unsenn Text übereinstimmend G. 
-:^Ui3S»; LA »Äa^o. 

10. 11. 14 Opp. Wright 51. — ^j.i-\] Sib.II, 88,4, G. TA 
^..J (0.^3) IJ 773, 7 ^Sj-ii K, ISp. ^ÄJV,^i1, Adkat 114 
^—XS^.^U. — ^] Opp. Sib. G. Adkät. o^L_j. — C gl.: 
OJ^aäU ^^J^ ü5o! LVJC5> ci^xJ! l53j3 ^uJlxit (j:axJ Li5.> Js.5 

>!wj^ diese La. (aber o^^ja^Jü) führt auch TA ^J au. Tb. notirt: 
,Ibn Ginni, Chasä'is IV fol. \Q9^ sagt, dass Al-A.sma'i gelesen haben 
soll JS:^-" Dass dies ^j" ^ (|/ ^^) sein soll , ist aus den Nach- 
richten im Muzhir ersichtlich. II, 181 unten: ^.jl_> ^.jI ^LJs» 
i^ixIajS^Ji ^^jt.;^ t^lxit ^j _»^...-c ^jI -.!.£ ^x^AS^l Li jU.vv>..:fV^ii 
^^' ^U iJ^Lü: ^w ^Aj\ ^^' ^\ *'i;J| ^Äj^^^ij* &J».s i^äs 

^ jt-ill L\J^ ü5sÄx;<\Aaj J. \iJI. ci^i! •-♦-•& jj! \i Jw.ft.5 x_>^J! 
' iXjL.i^l , dieselbe Bemerkung wird ISp diesem Verse hinzu- 
gefügt. — ib. p. 187 oJoävw ^ \-Ju ^^wAii^J! ^ ^yj>. ^j! ^üü 

j^l.5'5^ ^-J^J^J ^Lj (j:I >!ö" ^„s-yÄlwJ -;.j ^ blX^Ls . Dieser Tashif 
ist in der Auffassung jener Grammatiker begründet, welche Verbal - 
adjective wie ^j. .j*SS für unmöglich halten, Al-Bataljüsi zu Adkat 22 
unten: WO^») q:^ '^^^ O-"'^"^ '^■^^ l5^ J^^-^ (^J^ ^^3 

11 >^.>s.jÄi] Opp. ^s<j.ja. — u>.ty^3-] C ^, 

1() C im T. und Comm. Li». — c>oi^^] K (iiA_x_*._>t. — - 

Co mm. ^J^:>] C ,::pJ.i>. — c^^h] ^ i y^- • 



198 Goldziher, Der Diioän des Garu-al b. Aus Al-Hutefa. 

18 Vgl. 8, 32; 11, 15 und einen anonymen Vers bei Ta'lab 
ed. Schiaparelli v. 47 .>: ^^ ^..^.^A^ ^.j^ ^s Farazd., Kam. 481, 7. 

- ^.] K i:^. 

19 G '^.Ai\. — C ^U^J!. 

20 ^L^.Ji] vgl. Chiz. IV, 148 (^.^_^.1J!) ^ j,jj ^A ^^ 

24 Vgl. zu 3,11, K j.!Äi ^jä. 

20 Vgl. 4, 1. 

27 'Alkama b. Hauda, vgl. Ged. 28, Ibn Dur. 157, 6. Zur 

Sache vgl. Zuh. 14, 34 (Lbg. 101, v. 2) Uil \^.^, ^\^, Muf. 

20, 49 >_^; j.wl^ e^J^ii- ^^^ ^^- *^^^ Asma'l vgl. 18, 2; 36, 3; 

der aus Zubejr angeführte Vers ist 17, 12 (Lbg. 149, v. 2) und 
dieselbe Wendung 9, 28 (Lbg. 133, v. 2) und bei anderen alten 
Dichtern: Tarafa 8, 13. Lebid 39, 19. Walld b. 'Okba, Kam. 
466 ult. Jezid b. al-Tatrijja, Kut. fol. 87 a: 

'Amr b. al-Itnäba bei IS 363: 

^^..XAVO »t ^^^lA^^iiS^J* y5<JtX/i Vi>.Ail.>-^ 0>LÄV«:>- W4.^J -Jj.i»| 

Tebr: ^x ^Lw.i^l ^JLc ^U^ö ^xii iCäb:^!!! ^\y^^\ oi*ii 
Joe! Li! Aj-ÜJ üivJ^ *.<-^! l-*_5 /*i^_5 j*!;-*^ /*^'^3 '*^5^3 j-^^ ^e*^^ 

!a>! ,^^5 ^» J^^jLc oiLc^j ^xi; ^L:>^i ^^^ ^i> "y^ ^ic ^^iu 

^^:.^ ^x .L..;^ ^-^--.■^, vgl- Ibn Harma, Ag. IV, 109, 18 jL> 
oixJl ^JLc, vom Rosse, G. TA j Jvj , als Gegensatz Hud. 256, 6. 

28 LA ;t>..i: : . . .^j» Lzki LjUa^Ü . . , ^\yl\ . — Vgl. G. oÜLc, 
TA j.^, IS 62 A'sä: ä^äLi-cij! ioLjt ^^!^! ^.P, Sibaw. I, 77 ult. 
Achtal 145, 5 ^il ^^^^.:^J! KjUÜ .^9\yi\ . In einem dem Kusajj 
b. Kiläb zugeschriebenen Gedicht wird Hätim genannt „der Hundert- 
geber" ^Ul\ ^J>^ ^^'^^ f'^^i ^^i 'Ajni IV, 565. Chiz. IV, 554; 



Goldziher, Der Dncän des Garwal b. Aus Al-Hutefa. 199 

Umejja b. Abi-1-Salt, IHis 532, 3 ;^.1\ ^aaJ! ^P» vgl. unten 
40, 12; 89, 14. 

•29 C LiÄ/.j Muhit: ^A>o ^L^ ^A ^j:oß\ ^i^ i^ . . . Kf^IxÜ^ 
j^ouJt. — Für sÜJs.A vgl. IS 61 J.^i cxJc./^ Jo^! i,i>.4.Jac löLs 

83 Vgl. zu 2, 10. 

:U N^^^i] TA ^c^: ^;o«'^ vgl. 2, 27. 28. 

87 Vgl. 2, 16. ^x.w.^ _^^> (vgl. 16, 18) liegt dieselbe 
Auffassung des Hasab zu Grunde, wie dem synonymen Ausdruck 
^jS\^J5 ^.vw.-=ü! Muh. Stud. I, 41 A. 3. Vgl. den budejl. Dichter 
bei Chiz. II, 319, 3 
-»..i^s-c:.«! v_^Aw.=^>» ^;».*I1_5 «*.).==- v-j/s l^^/saxJ £..«.j! tXäxj 5j^-'«5 c>-ä.*>- 

Der Gegensatz, Ham. 633 v. 3 .1 »._^ ^ ^js\il i3 i^i^lj^=>]^ 

Miskin, Ag. XVm, 71, 13 

v_^.Mi<.aJ) O^j.?-^ c;.\-<xJ) Q.A.*,A«»| ^-^aJ .^.-w— VW iJ»i-4_-<l »w). 

vgl. Muf. 12, 23 oUäO ^^jAiLit (jii*J» . In dieselbe Reihe gehört 
die Redensart ^:^\^ O^^^ Tar. 15, 1 und in dem Trauergedicht 
der Schwester dieses Dichters auf denselben bei Muzhir II, 243, 4 u. 
Man sagt auch ^»-MJiil y,A-w>-<^'i (As. ^.=>.) , J^xl\ u,A_w.^t (Kumejt 
bei IJa'Is I, 632, 23, Variante zu j^Jl oj^.wJ! vgl. 6, 5). Bemerkens- 
werth ist noch als Gegens. zu altem Hasab (vgl. oben 2, 22) 
v.Ji-^J._>' v«^*-vv^;> d. h. nur auf muhammedanische Zeiten zurück- 
zuführender H, (As. ^Jü>). 



200 Goldziher, Der Dhcän des Garical h. Aus Al-Hutefa. 

VI. 

8 0^3 ü;,^._x_^ Lf'^J^^-? L^^-^-H Vjl?-^ 3^ '^5^ O-^ Lf^^ ^-^^ 

t^^^! CT* »^^ ^ j^^ L/^3 ^Xxib i^^.;;; Ui!^ j^iXjl JväJU f^jAfli! 

6 Uj>. j^/1» x-J! Li^ Q.-* lX.:^'^! \j>» *.?._»i_\.>o j^o'otj q.a! ^ÄvCij! j^us 

7 LX:$\ii^ &.Ii.wä^l s'l:> ^"^^ q^3 Lpül IlN-xj-j U^L_>! ^.^j.^».^j 

10 \^3S % I^.^lX-/ :i L.«JÜi ^^^^ Uj l»j4* ^;^J^ ^Ixh ^^iiS' ^.,5, 






15 «_XJLs» r»)^ /*r^ W?^'' ö,_fc^! Jt -3u^ Js.Ä5 lX*^ e->Ls! <I>.'5 q..«.: 



Goldziher, Der Diwan des Gariral h. Aus Al-I£utej\i. 201 

'\^»cX.53 slX.;-> «As *^jw.w.=>! 

Ag. II, 51: vv. 9—11; ib. 60 ff.: vv. 1. 4—11. 14. Kam. 339: 
vv. 4—11. Ta-lab ed. Schiap. 17: vv. 8. 9. Kud. 24: vv. 4. 5. 
7—10. 17. Ilusri III, 222: vv. 7—10. 14. 27. Kali 108^: vv. 4 
—11. 13—17. 

1 Anonym citirt As. ^vJL_j. — I^lX:^^] Ag. M. \ys.^\S> . — 
^ . . . ^^\ Ag. LJ ^^,jUX.wl^ !^^i ^^j>, auch Mv. hat ^.,U;:^1^ 

für O^LjL. 

2 Vgl. Ihn His. Guidi 21. — Ui»j] K '^jou. Tiräz 208 
ist dieser V. dem Ma'arri zugeschrieben. 

:5 Tebr. Ham. 633 penult. Gawäl. 24, 4. M. Comm. y^L»^ 3^ 

^s.£kxjL ^>t .A-J" 0.._5 0_-c iJ ^j^j*^^ -.j..4-i! ^-^ X.4.xAvl *.] 

5 ,*J>Lj!] LA jAc: ^'f. Zu j^5 ^^^...sv.^! vgl. Note 5, 37. 

() ,*._^>u^,] Kall ^^,j^;o. — U] CK. Ag. Kali ^ö^. Für 

den Ausdruck ö^\ »J vgl. Muh. St. I, 229 A. 1. Im Lobgedicht 
des Abu 'Adi al-'Abali an Hisäm b. 'Abdalmalik, Ag. X, 109 unten: 

Das (v.A.s^Ji ,3 des Kall ist offenbar Corruptel. 

7 K A^U^. 

S Chiz. II, 119. 

(Th Jbn Ginni, Chasais IV, 181'"). Bei Kud. ist 9 b und 
10 b mit einander verwechselt. — ^»J^iwii nur LA Aäc, CK UvAä^^. 



202 Goldziher, Der Diwan des Gariral b. Aus Al-Hutefa. 

10 Vgl. 78, 3, Al-A'sä (Cod. Amin 302 Leiden) Ged. 5 fol. 6 a 
^Ä J5 LPjJ^Xj ^ LjLLlxj . TA Ö.P : x*.xl ^J^Xj ^ ^jS ^j Imrk. 
App. 41. Kam. 399, 15. Derselbe Gedanke ist auch im Koran 2, 266 
ausgedrückt: ^♦ij|*jCjLi5juo \J'h.^ bS und im Sprichw. ^.^A^' A^t 
K_«..x.A^i Mejd. II, 201 vgl. Adkät 65, 14. TA ^^ Gerir: 

^^ w '^, .__y9 ^ijLla& ^ L_x. Beispiele aus der spätem Poesie 

(z. B. j.LjU ^Ju ^LLxJ! ^^Aj ^^S» u. Aehnl.) bei Ibn Hagga 233. 
Auch vom Undank wird .lX_5" gebraucht Ag. II, 25, 5. Hud. 
148, 21. — Ag. 61, 6 hat die Laa. unseres Textes, ib. 51, 3 u. 
sowie Husri, Kud., Kam. die Varianten des Coram. 

11 j:_>] Ag. 61, 7 j^. - J^i] M.^e^lJ. - ^-Cc^L>I] 
Sibaw. II, 322, 3 ^^\. 

12 Vgl. 9, 14. — Al-Chansä' rühmt von Sachr: ^j^^^ j^^ 
\ö2 Ag. XIII, 140, 17. — M. "l^3-. — j.xj] MKv o.^. 

13 ^..^iLa] MKv ^.^äx. — Zur Erklärung des letzten Wortes 
TA ^^U 'Adi b. Zejd ^_Si\ oJJüis, Gegens. Ag. XVI, 144, 6 u. 
j*_j0^1 ^:^x2 0^_xJ! ^A^ ^!. . G. r.ä^. Al-Ba'it: ^„'S ^^^ 

14 Vgl. unten 19, 16. IHis 519, 3. As. ^.^. Aus: ^^^^C^a 
^ß\ ^ ^L^ i^^Jl ^. — i] Hus. j. 

15 tUsi] Kall tUoi. — ^*w« .... jfLÄsl] MKv j^s ^,u J^ 
*3Ci -*^: der 2. Hv. bei M. j^I^ Lxj ^t L..I*j! 5,..^:I ^L 
Kgl schiebt zwischen v. 15 und 16 einen sonst nicht über- 
lieferten Vers ein: 

16 tA.g.il] K o.|l. MKv Kali (als La, des Asma'i) j^ll wahi'schein- 
lich mit Voraussetzung des nach 15 eingeschobenen Verses, um 



Goldziher, Der Diwan des Garv:al b. Aus Al-Huteja. 203 
die Wiederholung des ßeimwoi-tes (tLlijt) zu vermeiden. Co mm. 

17 ^^'JoüV] Hus. 0Ä_*_,,. MKv ^^ Jvs.. — tLvLsl] 

Kud., Kali, Hus. i^uoi vgl. zu v. 15. — ^^ÄJb] MKäli -äJü. — 

Vgl. 8, 25. 

VII. 

J-_:>^_;^*_il iÜw^:> w^i^-^r^ü! ^x*-i> ö„=> Jw^J ^^Jic j_^>^>^5 ^.-^\ 1 

'^ , O ■•> > ^ l_f v^v ^ LT • ^ ^ ^^ •• 

iA.w->va ^j ^Lc v.iiA.JwJ (jr-^.-'i lA-ou -i>^-^ ^^^j' q-^ ^'-^'^ (^^' '-^' - 
'uiliJ sSfcJLJl» >~i>;Xc ^-«-ii ,•*-!<••'' L\.>ci-^.«.3» \^S^i ^j^.xJS *.J Söt i3_»-ÄH 

JvA-ci.j ^J u< ^jS^vJ! ou0.j! ^'ui^j 4Jt.^ö (j^Lail o^s ci^äjj! !^^ 3 
L.4->;v^> cwliiü! o«.s.i» '-c-ii'-s r-^ cjwJCj! !3i 3j.jb twXj^S vJs^äj.^Si 

J...*^ /t^ Lf'Ai ^i^,^^ ^♦^j Üi^ ^.O oylSi c-^^'^ ^^"^^^ 4 
jj (^( /-^^' ^-J^^J L5^'^ O.Iii !31 L^t'up- Q,/S w.i>~v.*J q'J" i3>ÄJ 

vXg-*..«J5 ijiiLäj! vJü-S xJLc» c>.J>3 c:.oJ .^i» ^J'^-J ,-)5 k.Jj w*.*i^ i-ii <) 

(A*:2.i^ *.i ,/i3wi ij. -.«j ^.^-^.w^ ^j'^ S-'"^'^'' o^^-^^j' ^-^ ^.A.:^-«;.^ 7 



204 Goldziher, Der Diwan des Gai'ical h. Aus Al-Hutefa. 

10 oV-JLj r^-Ä~i5 ic^-^ CJvA/Oj ^i-^:=- <c>.X2.x.'S (^i_5>.Jl j3 j^xi oL l^JLs 

.- Aä^j J^^XjLj »l\J1 ^^jL^ qI^ U» Ui^^ if^^ _5>Aj15 OlXCS^! if^^-^ 

, o - o_- . ' - -= ^ - - 5 ^ . o , ,, o£ 

n; Alibis XA5w>üiji (•_»•«-! ^lSj c^-^^ (*■■S^^•^■^ ^^.yJ^lL) j«.äi! c^^jL L/i löl 

18 Aawjj *J U-jÜ ^j^^^oi^l^ Lxx:^\jto \_5_»_i J>.^JÜLj .L_*JlJ c:jLj !3i 

1!) JA^ä^it SLlfÜ OA/l.LS -l3y„w.J L-Ä-Pfc-X ^i;^XjL*J __j.>^,»» sLsJI^, 

20 »Aa2.:<^/i iA-äJI ^a ^^£y.JL<! xi^ü -_ft_X_JV j.L_x;_j! su>o1 i_>^!:^_j 

22 Axj! ^i c!:JLi jj.iJl J, ^c ^\ Ua-^£ z-^^*^*^ ^-'^d CJ.-Ii-J qI^. 

5:^^ t--^ ^'^-^"^ -^'-'^^ vi^-^^-^' ^r^5.-' a-^^ e'>:'' ^->-^ o^-^ 

^ ; O -^ • l5,> -^ ^. ■ -i^ l5 ■ ••l5,> -' 

27 J^AzyaJl ^sL«j.jl/ ^j.Ji-J! ^^S 'LP^Li* ^^Li J^Jt [^^ J.> ^l^t 

2« Aaää^Ü ^'-^Ji (3^-A-Ai ^^»Jka.5 ^JLc i>i.JwÄfii ^Ic c>— 5»i vL>>.-5^— J ,..L 

2;> JA.4~4.iS ,,£^j^Xj\ ^ --oLaa^J! .J,a3 '--ir'"*^ .IJ— A3 J^fc^wJ OaJ-aO ..S». 



Goldziher, Der Diirnn des Garv:ol b. Aus Al-HuteJ'a. 205 

^A:>» w,i;^'..f^ ,.,x .'v.xäils' oJwi' Aj-j , c-b 'lPA^L .L-j^^I ^LId^! 

o\.?AP o^ vi>v.x+^ ^^^^> -PjLs 
cX._:i ^*_J^*_j ^_X! (^■'»■iJ» Oi-XJ L^iwT ^L_;^ j^_v« UijüCjl L_yo iJ5 31 
Aa:=*-«.j! £^L*Jw-j vl:^>- i3^i ^'S ^-Jl^ ^ä).i> ^kl\ ,}^^Ji\ ^\^J^ 32 

vj^ Jwftx» ^j:,wJ .^wv^Äxj >^^A^! ,«.'» wxäl^ ..-Axil jj-c^5 L-jLii! --«*.4.j» 34 
j^aJ» rj.£>J '^^A—ä—- ?s._Ii_i bA_-Cis_- Jl.t w.^L Jj-^*-^ U*^:^''' <— jLiil 

«.Lii^-Jl A*i2Jt*i!; sLÄ-iX/c» c\j5?,^Li/!. »iA;«:^?^./« «./::^^x juä^ifj 

^ AÄiJ'» r-»jj' tj«' — ■♦— ^ O""^' ii>*>jvi uP.^a/i3 ^^^.^ö '-w:>-».xj! o^'t; 1^.5 35 

-N-i-S^^/; ,-A.i 3»^^^j! .J ♦_Lx,.j» iJ^ £_^il Jj^c ^äaj '^S ,J.^Ail jj^.j 37 
A;^J! vL—X-?! ;_iLPw-5 J^JL_z_J nJCJ^.^ w^J [j\ ö^>~-X->:^ ^— JikAwO 3S 



3 A-j-^ ^j'wäas *A_i — ) ^5 * — I. KsJu^ -Aj.j -.-j ,.^./) 5./«! 



A*^^ fV-:^ i' C)^ O'^' ^ (V-^ Lf^^ ^^^'' CT"""^ ^' 



cl &_ 



A_i Vj— = ^5 ^•5^AA*Jt ^ ^»^,j «^v^w Ljuä>oJt J.J.AJ! .^PLJl j.^ 43 



206 Goldziher, Der Diwan des Garical h. Aus Al-Hutefa. 

Ag. II, 61: vv. 1. 8. 19. 21. 26. 39 (wie es scheint als zu 
Ged. 6 gehörig betrachtet). Kud. 25., Husri III, 222 : vv. 36—39. 
'Ajnl IV, 439: vv. 1. 2. 24 — 38. SSK 36—40. Abu Hätim al- 
Sigistänl scheidet vv. 26. 27. 32. 33 als von Hammäd inter- 
polirt aus. 

1 Ag. o.%. — M. ■i.iL.^=> L<ci.j<^i! j^f.^^ vgl. gsvijCi ^^a^ijiP 
Imrk. Mu'all. v. 30 (Arn.). 

2 'Ajni jTJI. — M. ^wv.:>Vx. 

'i Zwischen 3 — 4 hat Kv. einen Vers eingeschoben, welcher 
mit dem auch in K an seiner Stelle überlieferten v. 7 nach der 
La. in M. identisch ist. 

J^ks 'c^l^J-. - Vgl. 8,34. 



- NJ-L.<il Ag. 'Js. — MK S-^J. 



Der Anfang des Verses ist Entlehnung aus 

Näb. 23, 6 nach dem ursprünglichen, durch muhammedanische 
Bedenken noch nicht veränderten Text bei Nöldeke ZDMG. XLI, 
708 A. 1. Mit der Form jj wird der Vers citirt: Addäd 31, 3 u. 
Jak. in, 554, 18; der Comm. zu unserer St. sagt (um die heid- 
nische Beziehung möglichst abzulehnen): x>..<v.JI O^iL Noch weiter 
geht Al-Asma'i (Comm. M.), indem er auch hier ^j liest mit der 
Motivirung ^Xj^ ^^\ G^ .,^. Eine ähnliche Veränderung hat man 
auch anTarafa4, 56 (= Mu'all. v. 58 Arnold) vorgenommen, indem 
man den heidnischen Schwur ^i5\A>» iß *iSJ^,. verändert hat. Mit 
dieser in Ahlwardfs Apparat nicht verzeichneten Variante erscheint 
der Vers im 'Ikd III, 346, 11. — ooj.i>.j M. ^4^5. — Nach 13 



4 


^>,^i ^^^jy 


5 


M. 

c . 


^. 


7 


M. 


xSy.5. \^'d:i.X.l\ 


8 


^>- 


äj] M. o-äj. 


1) 
1-2 


M. 

: M. 


'^.^S. - M. 

LT;*'*.? . 


n 


; K 


xJlJ^. - I 



Goldziher, Der Diwan (Us Garical h. Aus Al-Hutej'a. 207 

folgt in M. folgender in CK fehlender, auch bei Gäli., Hajw. 76'' 
von Hut. citirter Vers (= LA, TA ^ii?) 

Comm. .Iii:>;.j (^ÄJ! v«jbLjC_]! ^-A «JuJaJl^ ^-^^^ l5"'*""*^ Lä^-.^^ 
Li.Ä-juXot x-i":^' v_jXjCJI ,3-t j.? L\äwwj^ u\.ä-M...j ^_X_5> &._^JUCJ? 
Derselbe ist auch Mejd. I, 22 in dem Sprichw. ^«J^l5CJ^ «.iib *Li !3! 
von Hut. angeführt mit folgendem Text: ;^\ Jj Lo lAxj L^Xi.L> bSI 
wahrscheinlich als Anfang einer Kaside vorausgesetzt. — Auch in 
einem an den Kädi Abü-1-Tajjib Tähir in Bagdad gerichteten Briefe 
des Abü-l-'Alä' wird ohne Nennung des Dichters v. 13 mit dem 
bei M. darauffolgenden Verse angeführt , mit folgenden Varianten : 

14. 15 Kam. 218, 18; 493, 14. Die beiden Verse werden 
im Gaz. 175, 15ff. von Näb. citirt. — ^^J] Kam., Dam. 1,212,8, 

M. viiJi>. — JvxUu lo.J\] Kam., Gaz. ^J^Ji^ J.aJÜL — ^_>a;5:v^] 

Kam., Gaz., M. ^ ^ . — ^_>J^ 1 ,1 Gaz. v.^^.i'o''. 

ÖJ _ ■ ^J ■ -- 

19 Wuh. 264 c:jjy._i,l_5 anonym. — OA-x.ft^J! ^l:^\ vgl. 
Tarafa Mu'aU. v. 39. 

20 Der 2. Hv. (vgl. 23, 8) = Zuh. 3, 11 (Lbg. 182 v. 1), 
vgl. Tar. Mu'aU. v. 38 J«w*ajs:u lXäJI ^^/> l5j-^-^ K.5l.:^x und die 
Redensart: oIAa^js^w« *i^Jii^ c^-^/o IHis 740, 5; Furcht vor der 
Peitsche, Al-Muchabbal, Muf. 11, 29, vgl. Ka'b 3, 44 

Rabi'a b. Makrüm, Ag. XIX, 93, 5 

•21 Kam. 238, 9. — M. .^ ^^j oi..j^.lD ^^x, (^].> jLi> ^^?. 
i;.J! J^asäJI ^j-^. — ^,L_i] Ag. i3L — L_^_>] Ag. Lx'sj. — 

14* 



208 Goldziher, Der Diwan des Garwcd b. Aus Al-Hutefa. 

'j.^i:\ ^] Ag. ^j.^^\ w. Kam. ^_^J| ^. — Vgl. As. TA ^j£> 
Ihn Kaswa: 

Ag. ^xiÜC^j. 

22 Kam. 423, 12. M. ^JÜib. — M. j^5. — Vgl. zu 2, 2. 

23 Vgl. 80, 2. — ^j] C ^Jj. — ^cjj M. 3j. — Das 
zweite Hem. =: Tar. Mu'all. v. 52. App. 5, 3. 

24 Ta'lab ed. Schiap. m-. 26. — K, TA ^i^ von Ibn Barri 
c>^_*._i._j, M. c>^-»— i_>.-j , 'Unwän 20, 7 ^i:^_4._i_Ji_j : ^Jü vgl. 
Ag. XXI, 77, 16 L_.^L_A_i ^_x ^Sj..S^\ J-i_^ u.i-.w(^ ^},^^. 
S. zu 10, 12. 

25 .^i^] K u^>;. 

26 M. olÜ^ (so). — Ag., M. ^Ikll^. — \.^^:\] Ag., M. 

27 Vgl. zu 77, 4. — J.^] M. ii>. — M. .vi^xili! . 

30 Kam. 493, 16, Gaz. 175, 21. — K jL^X. — Vgl. zu 2, 2. 

32 c:x'._i-^»l K vi>s..ä.:i-. — Dasselbe Bild: „als ob die Berge 
dui-cb das „äl" in ein Oberkleid gebullt wären" Lebid, Mu'all. v. 53 
(Arnold). 

33 CK am Ende des Gedicbtes nachgetragen, die Nachahmung 
von 'Ant. Mu'all. v. 18 ist nicht zu verkennen; von demselben 
Verse abhängig ist auch Ka'b 10, 4 

M. L5=wÄ>.£ J^'i^;^". 

34 ^.w.-^j,l M. jJkj. — M. ^.^-^j. 



35 Lp,..Ä/i: , c.^si'öl Ta'lab ed. Schiap. nr. 87 '^^'^\ , -.x.j. 

J ^ ^^^^ • J — ^ ■- y O > 

36 -J4.J L/cl ,.;j1 M. -lixj a.>'w« Ji , SSK , c.iü.. . . ,»ij . 
Kud. ^1:1*-! .... — o».j] M., Hus., Y^vA. Jaxj . SSK o.j . — 
j^^.J(] Kud. ^^IXJL 



Golchihcr, Der Diwan des Garwal l. Aus Al-Hufefa. 209 

87 3.<-^]!] Hus. ^^J\. 

38 Vgl. Hariri Mak^ 267, 6. 'ünwän 20, 9. — VI— ---^] 
M. j^kA vgl. Ag. X, 109, 7 O^xA J^^äx oJl^ Jöu , Hud. 92, 53; 
112, 2. Acht 143, 5. 

39 (vgl. unten 15, 7) = Näb. App. 15. G. Li-c Ta'lab 
ed. Schiap. nr. 54. Gab. Hajw. 263^. — Vgl. Imrk. 16, 1. 'Ikd 
IlL 78,^6 ü<Ülx s:».j:d ^5 ^.-i^ji! . — Dieser Vers dient vielfach als 
Sähid: Sibaw. I, 396, 6 ff. Mufass. 113, 4 u. IJ 246, 16; 597, 18; 
950 ult. Chiz. m, 215. 'Ajni IV, 439. Nach 'Ikd III, 127 soll 
'Abdallah der Sohn 'Omar's von diesem Verse gesagt haben , dass 
er auf Niemand Anwendung finden könne , als auf den Propheten. 
Tb: Alfijja 300, S. Kass. 98 und Isläh al-mantik fol. 103^' ^\J^3<:\ 
iPAiys j,xi> ^^"3 ^-^y^ j^ ^iS-^J -3^ i^^ ^'^^ ^ ^'^j j-^ ^)^ <^ij 

■ y^ -A'^s. r->A-«-J tJ-J^l\ tÄP ^5 JyJ c>.xJ ^y^^ lÄP» J->» '^ Ä-i--' 

40 M. ^i ^^<L^id !^wJ ^^_xJ! jJijuj ,.,_^ S,^t c>N_jL 
Der Vers erinnert an Näb. 5, 47 ^Xi ..»>3 ,^aJ1 i^'wlic ^y-^^J ^•. 
A'sä Lobged. Muh. v. 15 (Thorbecke, Morgenl. Forsch. 256) 

liAi ^jüw* r^;^'^ ^'w-:i£ 1/^:^3 ^^-^3 ^— ^J 1-* oJJA/o *.] 
Suwejd b. Kurä' Ag. XI, 130, 3 i^i ^\3 .J^^j ^i '^j^\ ^'^j ^.,1, 
Jäk. III, 604, 17, vgl. Ag. II, 58, 6 ein im Diwan fehlendes Ged. 

42 Ist aus Zuh. 3, 30 (Lbg. 185 v. 3) mit geringfügiger 
Veränderung; ein anderer Gegensatz dieser Ai't ist *i ik*-^^ r»^' 
ULb ^^^.<j, Eu'ba, TA oiJLl^. 

43 Vgl. 16, 14. — M. 2. Hv. VjL-i-'S S o^^^-^:-^^ '^\'-^ 



210 Goldziher, Der Diimn des Gancal b. Aus Al-Hutefa. 

VIII. 



j1 V^i. 



r^3 r^-^^" a--? ^'^^ ^^-J a-^ ^*-'-' a-? ^*^ a^ ^-""^ l5^^ ^^ 
i^j.p L^^s j^*5> KcU:^ ^3u=>^S5 f*~-^-^ ^3^«-j (*~i^-^^ o'* r^-i?-^' 

^i .}^i ^-j^J\ ^.i>! ^ %lhj t!5^Jjj ;jr.xA]| ^jlbj J^x^^ ^_^^].L 



Goldziher, Der Diwan des Gariml h. Aus Al-Hütefa. 211 

s^)^ vJ>w<J» ^^-*J ijiN^wlc («.^o ^(ÄJ! ^,js:v«Ji» U.Jl-*^^ «öi ^^ l53'"* 






*.:>^» 



^^^ ^^ e,^^'-? ,-^^^5 '--t-->5 o^*:^ o-^ o^^^ a^*^ 



iliAc?- «„♦JCwj >,iA.x;<"o cy5oV=> ^-r-^--3 La.v*»J>- <»jCi *^^^ *I5 



" T"'^'' t-i 



«Ä« ^ä ^^>*>»:s^ ^ JLix <_Äwv.l OwL>j ^j^ö "^ 






212 Goldziher, Der Diudn des Garwal h. Aua Al-Hutcja. 



i^ ^_jC_ii^l 



'^ S^ 



K.-^^o^' 






LA,X^^^ ) ^^Xa. J 



r^:^^' a- 



! K.^^lx 






ro" 



o,^3 









J^^ii 



,! ^..i 



C)'3 



iii ^LS^o ^_».. 



27 iL*i2Äj5 ^_x_x ^/c^_x_x J.I2J ^^^ 

29 i^_^i 0^3 ^^S ._*_LxJ^. ^\.:>^ ^^L^ CT^^^^-^^^ ^^'^' 

30 i..x.^o!. X^xäjS^J! ;5.L2JwJ<"ü' J*_J-_> Ja*^ J^>-^-? OA^^^S 






33 itytj 



'j*-' V 



^ iAi *'w<i »i^XÄS 



Ü' , WP K/S^i 



^5. 



Goldzilier, Der Ditcän des Garv:al h. Aus Al-Hutefa. 213 
iwä/ \i (j^-i^-J j.,o>A:>Jt -Y^ oü'. x>^JUi O^J ^.♦j! 'l — * !öl s'' 






o^ i^^-« ^>^ o^ o^^ ^^*^ c/ 'L-^*^ u-L a^ J^^--^ ^^ ^:i-^ 



wJ,..ä;ö .j5 *.jjiLj i^^^ü'» 'A_>L . ^^^•♦~? üw-^Ls^ij »A-J.l^ iwit_j,U 






}».ÄW.i.4^t (vV5fc5>.>.^L 



dj>J! aA-j J. ^^l\ O^» »IaJ» Sil ^tA_i_il »A.i>-j. 42 



214 Goldziher, Der Diwan des Garwal h. Aus Al-Hutefa. 













^y_^;äif ^x^it ^i ^^1 g^^-5J^ O^--^^' o'"^^ 
ilÄi ?.j ir--s^ 1^-;^-^=* ^-**"? I f -^^ C"^' Ä-i-oiIäj! iJ ^3»-^' 

Kam. 345 : vv. 16. 20. 18. 3. 6. 7. 8. 10. Bht. 299 : vv. 37. 40. 43. 
44. 46. 50. Ras. 46 a: vv. 11— 13. 15. 16. 'AjnilV, 417: vv. 1 —4. 6—8. 

1 ^yi J^,] M. ^^- i>-r^ • ~ C m m. Z. 5 O^^j] K Oj^j . 

B ^^j ^Lfvi] Jak. IV, 205, 8 ^^x;üL^i. 

4 Sib. I, 379, 4 

iLi>^t3 äO^J5 ^^-vjJ^ !<"*■— O-?'^^ C^J^ '^'^ (*■'' 
vgl. V. 9, — Bei Jäk. 1. c. schliesst sich daran noch ein in unseren 
Hschrr. fehlender Vers; nach Fleischer's Conjectur: 

(4 a) iV^:^\ j^X5>Ls jIJ^5 oUj ß ^^h^i SL>.^J! ^is. jsA>i 

5 0-^%] G. ^it : o^.i>L Add. 52 ult., 53, 6. As., TA ^S\ 
^^'S\^ ebenso (Th) Isläh 125"^ mit folgender Erklärung: ,Aj.j 



Goldziher, Der Diu-dn de^ Garwal b. Aus Al-Hutefa. 215 

i^'u^xSuS s'lÄ^ ^^Xj j*J ^iSÜ l\xj J»i'Lj '-0 J i^-jl^^J s>J^ J**^ J^^ 5-^i 
Jy^^ - Jll^ c>oLs. — ->i^J'] Isläh, AcW. Ras. 172^-, G. As. 

il , c^y' TA , Abü-l-'Alä , Risälat al-malä'ika (Leidener Hschi*. 

Amin 131) 2 a ^'J^SI M. ^'ü^äi . Abu 'Ubejda bei Add. 1. c. ^iXi'. 
6 M. Jlk7\ (J^S\ ..S L4.J. . — Der zweite Hv. ist wörtlich = 
Zuhejr 1, 39 b (Lbg. 160 v. 3). 



M. J^x5> ..-jJOJ'! ,.,1 



S '^3] Kam, Jj:^ . — ^] Kam. Chiz. III, 55 j . 

9 Vgl. zu V. 4. — U.^^] 'Ajni, Bejd. I, 339. SSK 7. Mugni 
11, 186. M. ^.S' L:>. Die im Comm. angeführten Varianten sind 
auch bei 'Ajni beigebracht. — ^^yCj.] CK. ^.^j.,ü^-i M. Mugni 
^.,_y.Xj3, welche La. bei SSK bezüglich Sure 4,140; 7,124 als 
Sähid für *Ufi::*-bS! <-j[f^ *\^ angeführt wird. — Die Zuhejrstelle 
Mu'all. V. 14. 

10 £lJc<^'! M. Comm. ^^^A^-j ^c'-^y^ si^«.*:, o» A=> . 

1-2— 11 IS 6. — 12 \j^j^] Ras. M. ^!Äj \.sü^. — SWl\ 
IS ojo. 

_*.i>i] Ras. JotAS . — ^j'^] 





13 K. 0.^ 


^. Ras. 


M. ^^.. 


Ras. 


M. J>A*5 . 








11 IS ^, 


,r, ^^Ä^-J» M. 


dem 


i Comm. ^ 


W5^. 


r'a-r 



^PA^^ scheint Schreibfehler zu sein, 
^! Jefw« ^^^.ou lPA:>w«: IJ 1192, 1 
beginnt: ^/.i^^ ^a Us . — w^s] M. ^j-ö . — -^Ix^j»] LI .ix.^^ 
ausdrücklich I als Beleg für die Bedeutung von \tJ^\ Koran 38, 5. — 

17 VgL 64, 2. — ^_5.u>c^;ujl] M. ^^1^^JUJ\ . 

18 Vgl. 20, 8. — Kam. 342, 18. G. ..v-l. M. Comm. 'w^LJ> 

19 ^^^^ ^- 'Unwän 20, 11 ^l:\. — K i;.äiv«. — Bei 
M. folgt nach 19 ein in CK. fehlender Vers: 



216 Goldziher, Der Diu- in des Gariml b. Aus Al-Hutefa. 

(in der Ausg. lJ»i). 

20 yj^j] Add. 108, 11, TA Lx^; L:fvj. Dieser Vers wird 
TA ^_^a:2£ als metrisches Beispiel für ^^a.>::iü1 >^^;V? angeführt. 

•22 ^^iJ3\ ^U vgl. Ag. III, 122, 9 

"^j.^ iAj\Iö ^JJ^S! ^j.^\ ^, 1^ lXäs '%^:>- IJJb ^h ^.,t 

Ag.X, 109, 8 u. XII, 79, 12 ^^Si\ (»J^>) ^A:?-; vgl. Kam. 205, 6 
^]^! ».j! (Jes. 43, 27). 

24 M. hat als ersten Hv. ^JCxJic j^.j ^S^j^jAc ..,(. . 

26 j:^i\ M ^3C^^. 

27 if. Von hier bis v. 32, womit bei M. die lyaside schliesst, 
ist die Ueb erlief er ung des Textes sehr schwankend. M. hat au 
Stelle derselben folgende 4 (bzw. 6) Verse : 

30") ii^Axj! XX4..V-S r:T"^^^ «^"^ '■•''' ^*^;^*^ '— S~^ Oj-cJ» ,.J l_4_L_5 

32*) iL_*:a_Lj| »y !öl ^J Ui^>UtIj ^)^_5JV ^.jL->L_v. (^-/S j^Ai^^b 

28 ^i] K L^j. 




1) Ausg. L\.JU2X.*3. 2) = C 28. 3) Ausg. ^^J5J>L Es ist die 

jazixnsche Lanze gemeint (Schwarzlose 220); die liamzirte Form stellt des 
Metrums wegen für .r-^h^- 4j = C 31. 



Goldziher, Der Diwün des Garurd b. Aus Al-Hutefa. 217 

•20 Vgl. 12, 4; 40, 15flF. Zahlenmässige Schilderung der 
Tugenden oder Fehler im Ruhm oder im Higä' Imrk 36 , 1 ff. 
Tarafa 4, 56. Lebid, Huber 34, 19 L*j^i mi> Muf. 19, 2 ff., 
Abü-1-Aswad al-Du'ali, Ag. XI, 117, 7; vgl. Ag. II, 104, 10. 19 

worauf die Aufzählung folgt (im gegenseitigen Higä' des Hakam 
mit Ibn Mejjäda); Ag. XV, 63, 20 ;^.1\ ^j t vJi.J^Li> ^J. 

82 Vgl. zu 5, 18. — K ^.Jlj. 

33 Vgl. 1, 10. M. :<A^\ ^ijä )i\, 

U Vgl. Dirär b. al-Chattub, IHis 529, 10 ^^J^ L^s ^M '^J^ 
^}\ s.*c jj^j.^ iS'^-^ ^•?- Kutejjir, Harn. 567 v. 3 ^.:>>._5 ö 13t 
^Aäi'u jJIüt e?'»^:^^. — Hud. 91, o S.xi5> ij^-*-^ O^' 

37 ^J CK ^.^. - 

3S v^-^''] ^ach KM. — C hat ^LäAj5. 

40 xJ] M. ^j: das. folgende Glosse: <._^.$3 \ä^*.1\ ^^s j^t 

-^ ■ y ■• ->•• • ^ •■ \_/ . 

41 M. ^o.^J. Bht. 2. Hv. x*jLi ^ .A^J^. 

4-2 LA „AP. M., Bht. jA^iL — ^\jj\] Bht. ^L^ÄJ!. — 
In K fehlt dieser V. ^ 

43 M. i\y^ ^^,j ^V^ sL^. 

44 K i;_Ä_L> . M. ^^ J ^x.i dazu Gl. = C. — l^^.x^] 
LA ^c;;.lic . M., Bht. ^^^.ixLx^ jJxjSi . Comm. M. Z\^j ^ÄJl ^Lx J!^ 
wLcXj (^l\J! Ai^-i!^ J^J^'^.^ \-i\*^ ^"^^^ dj^i'*-^^ ^i^iÄ^3 (ji-i^^ 

{jiDj4-*-^W ^A2.4.i! ^iS.iÄi'3 äAiil. 

45 ^V..^Jul M. ot^J'j. 

46 Anonym Al-Anbäri Asrär al-'arabijja ed. Seybold 56, 13. 
Kämüs. TA ^^S. TA ^j^ von Rabi'. — ^.^.i ] Ibn Hag. I, 1076 
(vgl. Einl. 51) ^^_^. — ^ ^iU:0w5 vgl. Tab. I, 1925. — ^^j] 



218 Goldziher, Der Diwan des Garval h. Aus Al-Hutefa. 

IX. 

MS Z^K^ ^. , tf'sJ , J^ §A? «AxJ 'i^^\ ^J> ^1 






'uPlyJ u>.a*/:2 w/! lXju ^5--^> i^"^' i35 J-J-*=- oA^ii cX.JiJ 

L5>U L^J ^ J^-:! ^XL ^ i" äj;-> ^lJL:; L_^ 



.^♦^JÜ ^^.j^iJl>JC>;5 J^X' <A*J Ui ,4 



...A iüwÄäJü .._».Xj 



XJ. 



.^Jj iU^'l (*^^''3 r"^-* c)^ r*"^j'^ o^*^ (*^ "^^^ 



büwÄJ ...i '-i.^X^ 



13 'LPwXij> Lt^IiAiiX £-->^^jtJi Jlc (^^ ^\ ö^^^j LX:>.^ji (j:Ä.H» 



Goldziher, Der Dhvdn des Garwal b. Alis Al-Hutefa. 219 

i^Pi.gJ o_A^ 'l^^ L.g.j j«j] ^.^^ L_g.J2JL.Aj> v.LiA.J_j L/v 

LJ=LJC.Ä./s ^JLa-XJ L^P^Li! Laj.j ,.«SS1 äUi ^.l>..:>3..£l iil 



1 ^Ayl -JLc] MKv. ^'läj. 

2 Vgl. IHis. 529, 9 '.^:^i ^i\Jl ^xii ^J j.JiJt ,^-/.j ^. 

3 LP'Öi] M. LPJo. 

-t ^^^c ^c] MKv. v^i' ^A.. 

5 M o-^i*^! ^_;*^/ J-i5. — Lg.>*.Jtj] MKv. 'u.g.>.>u. j . 
(j 1? J^.:>^^ Vgl. 'Adi b. Zejd, kg. II, 25, 19; ^.äj J.:>^J 
Acht, bei As. •t^^o. 

7 Vgl. 89, 5. Hud. 2, 3. Näb. 17, 11 ff. — M. U^'^j. 

8 M. u=?U.^. 

10 Gauh. ^xj . Zu 3 .w:5- vgl. 69, 6. — Nach diesem Verse 
wird Kv. Vers 20 M. eingeschoben. 

12 ^^jji] C j;^J!. 

13 M. 'L5>Lxi^. 

14 Vgl. 6, 12. — xM. ^^*I.jV ; oU] AI. ^L — ^l^^.] M. ^Ju^^"! . 

15 L^5>LA=] M. UJJ Ji . 

16 Vgl. Näb. 17, 32. 



220 Goldziher, Der Dhvchi des Garv-al b. Aus Al-Huteja. 

17 O-Aisl M o.xas. 

19 Comm. sXh.J, und zwar in Bezug auf die Wiederkehr des 
den Vers 16 schliessenden Wortes: LpL^x;./». — M u?.^:>ü./e . Die 
vv. 19. 20 kehren fast wörtlich 74, 4. 5 mit \J-[^kA wieder. Zur 
Vermeidung des itä' vgl. die Worte des Abu Bekr al-Chärizmi 
an 'Adud al-daula zum Ruhme der Büjiden ChR 92 

vgl. zu V. 10. 

21 La^xJ»] C (jM-^ij . M. schliesst mit einem in C fehlenden Vers: 

X. 

^S^^i> v_Ä:^I:tj L.i.x.^ "^j^^^^ ^L-*v ^\ i;_/»L^i ii^_jL_J 

ölXxxaJ'I &.J.iJ|^ Q^xv ?Jt4,>3 j,4.x«.iU, ^A.i:2ii o^xÄJ 

:iL^3 ^L^? v^Ij! ^^^ Jp. ujlI^ Sil «Lx^-äJi ^^.L).^.j- 

A^j 'lzjwJ» LiÄc ,«.äj,l !ö! L.^it-^» Ä-'ii^ (^» '4^^ ^^'^ ''^j^?^ ^ 

^.c.SSi L^-JtvLl) ^J*^^-I5 vü^Jui:) K/5».*!/« 3^...:s:\.A3 vJ:Jj^--äJ! qI 
o>.xxj ^.:>^ ^^-^j^'^ ''^^'' o---^-^-' ^r^*'' e5^ ^''•-3^^ ^^ ^y 



Goldziher, Der Dhcän des Garval b. Aus Al-Huteja. 221 

^Vc_>^jt3 ^J^_^^\ ^...i._K_'^ L_^_x.i ^.,^.A.i- v^-^^ Js.^Ji i 

i •• '' o • •• - v ^ v • ^ ... . 

^S"iL<il ^jCixj ^5 (j^^-.vJI OJ..+.AO j*^-ii L_j.-<.>LiJ._*,.j J-.^5 9 

JvÄJ» K.LJÜ 'l?A>-1_5 i3'>-*^' i^'läjÜU LiJiIiÄj (•1^'^! JvJ^jj ä,*j..vxj! ä.|^.^jl 
wP.xAM Sw\.^ ^-y/« iMJ^'- Ot"^^ *-^:^ -:^ CT^ rT'*"**^^ ä.jw*v.*j! 'i^jS\y^J\ 

wi>;.il=>dj ^» L-ü.j'uAv !3I 

Bd. XLVI. 15 



222 Goldziher, Der Diwan des Garwal h. Aus Al-Hutefa. 

xjJi^ &.5iA3til ^^JS* &.^x>.A« L^cXs*!^ o'^'^^ CT^ ^^laüj! üJu^mJi\ 

13 ^U;:*.; ili ^*..>.ijiJ! L«~P-^^ (_5*^^^ ~^-^J ^^'^^ 3uX.s^3 

ü^J^ä^ xJliÄäj ^*a:^\ ^!;^>;j l^:>-j ^^ o^^--^'^ ''*■■^•^•*' ^>->^^:^' 

V_jUa>to!» 'lP-^jOS lAxC C .>*ö L_2.Jl lXj.J »uXjlJi &-C.AW OU2,S-'b)l 

• > > ^ C^ ^ ■■^" -' ^ ^ 

.U:<Ü! OiAaj<U L^-i" Jj"bSI 0!.Ä/i2j q:^ ^^-^i LPj>.xai L^c^-v^ 

-oSj o-c- -> , , > > 

^.^1 äÄ-iJ L^>*^>Lr J! i^Lxkl 1 L^xii (^> 
16 ^Slä-o J.ä>o A-x-J üol\.5>5 q. xJCj^L.^ U-Jk-^-iJi ^_x^^3 






Goldziher, Der Dnvän des Gariml b. Aus Al-lfutefa. 223 

8.X! ^Cw^J ^•y^\ >Aj^.J *-ji«^Jl ^^\» qÖäXj qC-ÄJ ^-«JiJ! ->LS=ÜI 

^S^L.A2i.il ^ il~»^j ^}^ Q~^5 *-i^^! 'ö (^jb' j^^ i3^-i l5v~^ ^^ 

L*.y o^A^ ^^ ^j ^lij- ^1 Jus ^\ 

^Ljti l.uX^ a-^-^ (*i^»^3 xIl.^.J (^lA^Jl J, |*.^J5~L|5 24 

ü.^j ^.J>\ ^i ^^^ üt ^H^j ^4j ^^J^ K.>j..^i' 

i -o j-oS-, o- = =.,05 > 

bSuLxJl y5>w.Ä^ V*-^)' uij.Äxi L_ji^>l. LÄ.Äjt^ ii$wLi_^S 27 

Dies Gedicht ist in die Gamhara aufgeuommen worden (Ein- 
leitung p. 41). 

1 Anonym bei As. ^Li , wo der 2. Hv. ^lj.i> J,Lj "^Lxi* ^tj . 
— ^aLj] Gmh. Q^J. 

2 ^L^] Gmh.^/U3. 

3 Unverkennbare Reminiscenz an Imrk 20, 2. 



224 Goldziher, Der Diwan des Garwal h. Aus Al-Hutefa. 

6 Bekri 384, 7 ^j}>. — K Lj\._>L_3C_^ . — Bekrl: _5lX_x_j_5 
^Lx^J! . . . oLo2^ Gmh. .^Jl^ks^ L5'-^•^■'3 • 

8 C .wsL-^^ Gmh. ^jL^Läi. — Vgl. 33, 3. 6. 

9 Vgl. 77, 5, Ka'b 28, 8 ulii! ^.-^j ^ ^^.^\ ^j.^.^ S\ 
(Zu 0^5 ^^j^ ist bei Ka'b 20, 12 synonym (^^.iJ! iUjiy) Näb. 19, 9 

die letzten Worte auch Lebid, Chäl. 111 v. 4; Rabl'a b. Makrüm 
(As. JsJCi) i3^-ii j-^^-^J ; i^- u^-^-^ , vjiilc sind noch ähnliche Verse 
zu finden. 

10 C ^S-3. — ^süJ] Gmh. ^kXS. 

11. 12 IS 518 als Sähid für j- — ^^^.i^] einige Codd. 
C4mh. ^^i^. — i^jj IS sij. — u.]j5] IS, LA, TA Jy. L-^^. — 
^l^v-i] SO auch ISp, während ISl ^L^_.>. TebrizI: gia-x-J ^-^^-,3 

^c!^! J^-*-i») u^^^-^-^' -'^»J ^irf:^^ ^^^:^ i_5^-^' ^c!^i5 J^xij ^xav.J1 
ij^ixJl. — Ä.5c\*JtJ K iovA*iL — Zu der Vergleichung in v. 12 
vgl. Tar. 4, 32 ^iuJi ^>.A..r ^ä-iXx. Ka'b 28, 11: 



,,o£ 



und den in unserer Note zu 22, 17 anzuführenden Vers des 'ütejba 
b. Mirdäs. — Vgl. auch 7, 24. 

13 Gmh. ^^^ '^y^j- — (*^'] ^^^- /•*• 
1() Vgl. Tar. 4, 30 (Mu'aU. v. 32). — C »/Uj. 

17 K ^U. — Co mm. IHis. 174, 16 vgl. zu 31, 1. 

18 saL^a] Gmh. ^L^. 

19 Wörtlich nach Zuh. 11, 16 (Lbg. 190 ult.) vgl. Tar. 4, 37. 
— LpU] Gmh. \J>\^. — ^Ji ^^jXj] Gmh. ^T^x5:j_5 ':^^j.^^i. 

20 ^Jl^] Gmh. ^:^. — xj,1\] Gmh. ^cjjj. 



Goldziher, Der Difän des Garvcd h. Aus Al-Huteja. 225 

22 biL»**i] Grmh. ^l:5^ö : der Vers fehlt übrigens in den meisten 
Hschrr. der Gmh. 

25 ^,'c^j vgl. 24, 3. Al-Murakkis, Ag. V, 193, 2 ^^'^i 
^A^ ^.o ^.,LwJ, A'sä Bähila, TA _^U = M. 10, 1. — t^^l] 
Gmh. ^jk^\, 

26 iÜ8^->] Gmh. ä^Äc. — ly«ty] Gmh. I^ijis. 

27 In einigen Gmh. -Hschrr. tD\.äxj. 

28 ^1 i^^j] Gmh. 3L.i^Jl 3j-5 i^J. 

29 Ag. II, 56, 8 als v. 2 eines von dem vorliegenden ver- 
schiedenen Gedichtes (mit der Var. ^i>.] e=^}^)- 

Zu diesem Gedicht gehört wohl auch der im Diwan fehlende 
bei LA ^^i Kam. 348, 5, Ag. ib. Z. 9 von Hut. citii-te Vers : 

(Fortsetzung folgt.) 



226 



Die semitischen Lehnwörter im Altarmenischen. 

Von 

H. Hübschmann. 

Im Folgenden soll das bisher gefundene Material an semitischen 
Lehnwörtern im Altarmenischen neu geprüft, nach der Herkunft 
der Wörter in zwei Abtheilungen (syrische und arabische Lehnw.) 
zerlegt und auf seine lautlichen Eigenthümlichkeiten hin untersucht 
werden. Bei der Eintheilung in zwei Classen machen die nicht 
seltenen Wörter Schwierigkeit, die zwar im Syrischen und Arabischen 
vorkommen, in diesen aber nicht echt, sondern entlehnt sind oder 
zu sein scheinen, ohne dass wir wissen, woher sie überhaupt stammen 
und auf welchem Wege — ob durch syrische und arabische Ver- 
mittelung oder nicht — sie zu den Armeniern gekommen sind. 
Am wahrscheinlichsten ist hier in vielen Fällen die Annahme, dass 
sie aus dem Persischen stammen oder doch durch das Persische 
hindurch gegangen sind, da ja sowohl die Armenier wie die 
Aramäer und Araber nachweislich viele Wörter aus dem Persischen 
entlehnt haben. Bei einigen älteren Wörtern kann es zudem 
zweifelhaft sein, ob die Armenier sie direct aus dem Griechischen 
oder indirect durch Vermittelung der Syrer bekommen haben (in 
letzterem Falle gehören sie zu den syrischen Lehnwörtern), und 
bei manchen moderneren Wörtern fragt es sich, ob sie direct aus 
dem Arabischen genommen oder indirect durch Vermittelung des 
arabisirten Neupersischen (später auch des Türkischen) ins Arme- 
nische gekommen sind. Ich habe diese letzteren, wenn der 
arabische Ursprung sicher stand, unter die arab. Lehnwörter ge- 
stellt. Ebenso aber auch einige fremde Wörter, die in ai'abischem 
Gewände ins Armenische eingedrungen sind. Auf Manches wird 
bei einer späteren Behandlung der persischen und griechischen 
Lehnwörter zurückzukommen sein. 

Die Litteratur bis 1877 findet man gesammelt bei de Lagarde, 
Armenische Studien i), Göttingen 1877. Dazu Verf. Armeniaca II 



1) Vgl. auch desselben Verf. Gesammelte Abhandlungen, Leipzig 1866, 
bes. p. 1 ff. : Persische , armenische und indische Wörter im Syrischen. Ich 
verweise auf beide Schriften ausdrücklich, um nicht immer wieder citiren zu 
müssen. 



Hübschmann, Die semitischen Lehmrörter im Altarmenischen. 227 

und m, ZDMG. 35, 654—664; 36, 115—134 und Patkanean, 
Materialien zum armen. Wörterbuche I und II, Petersburg 1882 
und 1884 (russisch)^). 

Den aramäischen Theil dieser Arbeit hat N ö 1 d e k e durch- 
gesehen. Was von früheren Angaben abweicht, beruht auf seiner 
Autorität. Die assyrischen Angaben verdanke ich Herrn Dr. Jensen. 

I. Die syrischen Lehnwörter. 

Nachdem die Armenier längst schon die Nachbarn der Aramäer 
gewesen waren (vgl. Kiepert, Alte Geogr. p. 79), kamen sie in 
Folge der Annahme des Christenthumes im vierten Jahrhundert in 
nähere Beziehungen zu denselben wie auch zu den Griechen. An 
syrischen imd griechischen Bildungsstätten (Edessa u. s. w.) studirte 
die lernbegierige und glaubenseifrige armenische Geistlichkeit ^) ; 
Syrer und Griechen kamen nach Armenien und verkündeten dort 
das Christenthum, und zahkeiche Werke wurden vom fünften bis 
zum dreizehnten Jahrhundert aus dem Syrischen ^) und Griechischen 
ins Armenische übersetzt. In Folge des Einflusses, den somit die 
Syrer auf die Armenier ausgeübt haben, ist eine Anzahl syrischer 
Wörter ins Armenische gekommen, und zwar sowohl solche, die der 
Umgangssprache wie auch solche, die nur der gelehrten Bücher- 
sprache angehören *). 

Dass der aramäische Dialect, aus dem die Armenier jene 
Wörter aufnahmen , der eigentlich syrische , die Sprache Edessa's 
und der syrischen Litteratur, war, unterliegt keinem Zweifel. Was 
die Zeit der Entlehnung betrifft, so ist die grosse Mehrzahl dieser 
Wörter, da sie in den ältesten armenischen Werken vorkommen, im 
fünften Jahrhundert und früher ins Armenische übergegangen, so 
dass nur für die wenigen spät bezeugten Wörter ^) die Möglichkeit 
einer späteren Entlehnung vorliegt. Was aber die Form der Lehn- 
wörter betrifft, so fällt auf, dass die einen im Auslaut ein -ai/, dem 



1) Dort finden sich die Zusammenstellungen von arm. t'ap'ut, x^b, 
kavat, hesar, manSur, maSaray und k'min mit den entsprechenden arabischen 
Wörtern. 

2) Vgl. Koriun's Lebensbeschreibung des heiligen Masthoths (oder 
Mesrop). 

3) Aus dem Syrischen z. B. Ephrem's Werke, Eusebius Kirchen- 
geschichte, Brief des Ab gar (vgl. Dashian, Wiener Ztschr. 4, p. 17 ff.) u. s. w. 
im 5. Jahrhundert; Michael d. Syrer im 13. Jahrhundert. 

4) Solche sind: aden Eden, at'uPayk' Buchstaben, t'arahatay, t^arSis, 
t'ohevboli, k'ah^ar Fladen, wohl auch: gacliS Haufen, gzat^ Schaffell, ;fari 
Schwert, harkuray Schiff, susp'ay , Corporale, Sv/p'ay Augensalbe. Bei 
manchen schwer zu entscheiden. 

ö) Diese sind: cut'or Thymian (13. Jahrb.), manisak Veilchen (12. Jahrb.), 
susmay Sesam (11. Jahrb.), k'usnay Erve (13. Jahrb.), gurba Strumpf (wohl 
nicht vor dem 12. Jahrb.), tarmal Beutel (nach dem 8. Jahrb.), Swp'ay 
Augensalbe (nach dem 8. Jahrh.) , Susp'ay Corporale (14. Jahrh.) , Sukay 
Markt (12. Jahrb.), ma^^at' Packnadel (Leben der Väter?, sonst nach dem 
12. Jahrb.). 



228 Hübschmann, Die semitischen Lehniförter im Altarmenischen. 

§jv. ä des Status emphaticus entsprechend^), haben, die andern nicht, 
und es fragt sich demgemäss, ob die syrischen Wörter theils im 
stat. emph. (mit <^7), theils im stat. absol. (ohne ä) herübergenommen 
worden sind. Man hat mit Nöldeke anzunehmen, dass wenn 
nicht sämmthchen so doch fast allen diesen Lehnwörtern die 
syrische Form im stat. emph. zu Grunde liegt. Im eigentlichen 
Syrischen waren die Substantiva zu der Zeit, die hier in Betracht 
kommt, d. h. so hoch irgend die syrische Litteratur hinaufgeht, 
schon durchweg so mit dieser Endung -ä verwachsen, dass sie als 
Hauptform galt, deren eigentliche Bedeutung nicht mehr gefühlt 
wurde , sodass man dieses -ä nicht mehr als Artikel bezeichnen 
darf, was es ja ursprünglich und in andern Dialecten noch damals 
war. Das Armenische behielt nun bei der Aufnahme das -ä 
entweder bei oder warf es einfach ab ^). Dass die armenischen 
Wörter ohne ä nicht etwa auf den, für viele derselben gar nicht 
mehr gebräuchlichen, stat. absol. zurückgehen, zeigt u. A. die Be- 
handlung der Wörter auf -Ti&ä und -e&ä (vgl. arm. gaXut^ = syr. 
gäluß-a) ^), die im stat. absol. nur auf -ü , resp. -« ausgehen (syr. 
gälü), während an den stat. constr. (auf -üd-, syr. gäluö-) als Vor- 
bild der armenischen Formen doch überhaupt nicht zu denken ist *). 
Der Vocalismus kann bei dieser Frage nicht den Ausschlag geben, da 
er willkürlicher ist und theils auf den stat. emphat. (vgl. ;^arZ> = 
syr. harbä, stat. absol. hereiv; mak's = syr. maisä, stat. abs. 
mey^es), theils auf den stat. absol. {terev = syr. teref, stat. emphat. 
tarpa) weist. Es soll ja übrigens auch zugegeben werden, dass 
einzelne etwa in sehr alter Zeit entlehnte Wörter auf den syi'. 
stat. abs. zurückgeführt werden können oder müssen, wie z. B. 
das eben erwähnte arm. terev Blatt, das der absol. Form teref weit 
näher steht als der emphat. tarioü. 

Im Besonderen nun entsprechen sich in der Regel in den 
Lehnwörtern folgende Buchstaben, resp. Laute : 

n 



3 
^1 u 



syr. 


n 


:x 


-I 


n 


^ 


arm. 


pb 


9-8 


T.d 


^ b 


^z 


syr. 






^(imAulaut) 


b 


73 


arm. 


in t 


j'^ 


■f'^' 


r^l 


iT m 



1) Arm. ausl. -ay nimmt wohl schon früh den Lautwerth -a an, so dass 
im späteren Armenisch -ay für a nur graphisch ist. lieber die ursprüngliche 
Bedeutung von arm. -ay für syr. -ä, griech. « ist anderswo zu handeln. 

2) Wie das Neupers. S. Nöldeke, Pers. Stud. II, 35. 

3) Ferner xf^inut^ = syr. hänU&ä. 

4) Vgl. auch gzat^ = syr. gezzed'ä , stat. absol. gezzä; sabat' == syr. 
Sabbe&ü, stat. absol. sabbä; urbat' = syr. 'erüw^d'ü , stat. abs. eriiicä- 
maga^at' = syr. meyalUd-ä, stat. abs. meyallä; SXPay = sjt. seSaltä , stat. 
abs. etwa seSlä. 



Hühsclimaiin, Die semitischen Lelimcörter im Altar^nenisclien. 229 
syv. ' t 1 i: ; p : -; I ttj 



arm. 



u s u^p, i/ip' 5-c(=ts)j Lj k n V jj, 



arm. /3- t' ; a i u ' 0, u aoder — 

Zu beachten ist dabei, dass das Armenische weder Doppel- 
consonanten noch die Spiranten lo, y, ö, f, & hat und demgemäss 
s\T. bb und lo durch b, syr. ;' durch g, syr. r)" durch d, syr. 2>p 
und /' durch p', syr. i)- durch t' u. s. w. wiedergiebt. Sonst kommen 
noch — von einzelnen Unregelmässigkeiten, wie sie bei Fremdwörtern 
überall vorkommen , abgesehen — folgende Abweichungen von der 
regelmässigen Lautentsprechung vor. 

Für die tönende Spirans 2 ^= lo tritt statt des tönenden Ver- 
schlusslautes b auch der Halbvocal v ein, vgl. kak^ov, hasiv, savik, 
Silin, k'aiii. Dazu stimmt, dass für die tonlose Spirans s = /" statt 
der tonlosen Aspirate p^ in zwei Fällen gleichfalls v erscheint: 
helev, terev. Für n = /* erscheint neben dem regelrechten y auch 
h in haiiv, h in kacin, k' in k'ak'ar ; für :: = / erscheint i, aber 
für tt einmal t' in mayat' = syr. mphattä ; für 2 = ^' , das im 
Anlaut regelmässig sowie inlautend in ak'sork', mak's, k'ank'ar, 
k'rk'imi und in dem syr. Namen brk'iioy Laz. Pharp. p. 72 (syr. 
h-l'/lsö^) durch k' vertreten ist, erscheint k in kaskarayk\ karkehan, 
karmir , kupr ^) , mask und einigen andern wohl nicht aus dem 
Syrischen stammenden Wörtern. Syr. b = ^ ist statt durch 1 aus- 
nahmsweise'-) vertreten durch l in lumay^ y^uragul, yarbal- und tannal 
(neben dem aber auch tarmaXah erscheint) ; syr. z = f = arm, 
2J' oder v durch p in kupr und 6par ; syr. i: = * durch arm. c = ts^), 
aber ss durch e in kacin = syr. hassmä und cir = syr. sessä; 
unregelmässig durch f in t'rtur ; syr. p = g durch arm. k, aber 
qq durch A:' in kak'av = syi*. qa'qqewänä. Wegen der Vertretung 
von syr. e durch arm. a vgl. aden, basir, gadis, gzat^, kaskarayk\ 
hasiv, viagaXat, mayat, iabaf. savik , k'ank'^ar, während es in 
andern Fällen durch e ersetzt wird oder ohne Ersatz bleibt. Auf- 
fällig ist die Vertretung von syr. e = urspr. i durch arm. i in 
cic = syr. sessä '*). Beachtet man das armenische Vocalgesetz, nach 



1) karkehan und km-mir kommen wahrscheinlich aus dem Persischen, 
Inq^r hat auch auffälliges p für p' oder v. 

2) Die Drucke haben freilich das X der ältesten Handschriften oft durch 
l ersetzt. 

3) Vgl. ausser den unten angeführten Wörtern auch die Namen 0~puiil — 
nL(3- = syr. mNn^ Wiener Ztschr. 4, p. 183, puinr^ta-ui*li Ephrem, 
Vened. 1836, Bd 3, p. 117 = syr. "ilf'Tin Bardaisan, ifö'ph'li = syr. Nfisimn. 

4) Zwischen e und T ist im Syr. kein Unterschied. Nöldeke (Drucknote). 



230 Hübschmcmn, Die semitischen Lehmvörter im Altarnienischen. 

welchem z und u in nicht letzter Silbe ausfallen müssen, so kann 
man auch gzai^ auf älteres *gizai', cnclay auf *cmcXai/ zurück- 
führen, denen gegenüber die historischen syrischen Formen gezze&ä, 
sesselu, eine jüngere Sprachstufe repräsentiren würden. Sollte man 
aber in der That annehmen, dass diese armenischen Wörter auf 
die syrischen Urformen (arm. gzat = *gizzaf = ursyr. gi'z- 
zat u. s. w.) zurückgingen '? Ich kann mich dazu nicht entschliessen. 
Man beachte den starken Vocalausfall in Wörtern wie sltay = 
syr. sesaltä und andere Unregelmässigkeiten im Vocalismus. 

Noch eine Eigenthümlichkeit in der Lautvertretung muss hier 
berührt werden. Während die syrischen Doppelconsonanten im 
Armenischen zu einfachen Consonanten reduzirt werden müssen, da, 
wie oben bemerkt, die armenische Sprache Verdoppelung der Con- 
sonanten überhaupt nicht kennt, und demgemäss syr. bb durch arm. 
b, syr. pp durch p\ p , syr. qq durch k\ syr. tt durch t, syr. zz 
durch z {gzat), syr. ss durch c {Jcacin, cir), syr. U durch /, syr. 
nn durch n vertreten wird, erscheint in sechs Wörtern der syr. 
Doppelconsonant durch n 4" einfachen Consonant ersetzt. So in 
fangar- Kaufmann = syr. taggärä (aus tangärä); manga'i Sichel 
= syr. maggelä (aus *mangelä) ; angan Mörser = syr. aggänü ; 
X'iy'or Apfel = syr. hazzürä (aus *hanzürä); cnclMy Cymbel = 
syr. sesselci; k'-ank'ar Talent = syr. kakkerü. Von diesen Wörtern 
dürfte syr. hazzürä Lehnwort aus dem Armen, sein und käme dann 
nicht weiter in Betracht, da arm. nj = ndz im Syr. natürlich 
über nz zu zz werden musste. Aber die übrigen Wörter sind nicht 
aus dem Armenischen entlehnt und ihr Doppelconsonant lässt sich, 
wenigstens was syr. sesselä aus Nbiibi:, hebr. C-^bitbi: „die Becken" 
und syr. kakkerü = hebr. kikkär betrifft, nicht aus ursprünghchem 
n -\- Consonant erklären. Ist aber arm. k^ank'ar nicht die Urform 
von syr. kakkerü, so wird auch arm. mangal nicht auf die Ur- 
form von syr. maggelä, obwohl sie in der That ja *mangelü war, 
zurückgehen. Andrerseits zeigt das Armenische sonst nirgends 
die Neigung unter irgend welchen Umständen ein „unorganisches" 
n einzuschieben.^) Ist etwa anzunehmen, dass die genannten Wörter 
aus einem syr. Dialect stammen, der gg zu ng , ss zu ns, kk zu 
nk differenzirt hatte, ähnlich wie das Mandäische gg zu ng {tangärä 
aus taggärä) und andere semitische Sprachen cid zu nd, ss zu ns, 
bb zu nb (Fränkel, Aram. Fremdw. p. 136 Anm.) differenzirte ? 
Ich wage nicht zu entscheiden. 

Es folgt nun das Verzeichniss der bisher erkannten syrischen 
Lehn- und Fremdwörter im Armenischen. Eingeklammert sind die 
Zusammenstellungen, die ich nicht für richtig halte sowie diejenigen, 
bei welchen zu vermuthen ist, dass das armenische Wort nicht aus 



1) Wie Wiener Ztschr. f. d. Kunde des Morgenl. 5,269 mit Unrecht 
angenommen wird. 



Hülsclnnann, Die semitisclien Lehmcörter im Altarmenischen. 231 

dem Semitischen stammt. Für die Zeitangaben bei den armen. 
Schiiftstellern , besonders bei der Uebersetzungslitteratur , kann ich 
nicht überall garantiren. Hier ist noch sehr viel unsicher. Die 
citirten alt- und neutestam entlichen Stellen gehören dem fünften 
Jahrhundert an bis auf diejenigen aus der Apocalypse, die nicht 
vor dem achten Jahrhundert übersetzt worden ist. Unter Wb ver- 
stehe ich das gi'osse Wörterbuch der Mechitharisten , Venedig 
1836 — 1837, unter C das armen. -ital. des Ciahciak {Cayca-/) 
Venedig 1837. Den Moses v. Chorene citire ich nach der Aus- 
gabe Venedig 1865, wenn nicht, wie bei der Geographie, andere 
Ausgaben genannt sind. Die allgemeinen Citate (ohne Seiten- 
angabe) beinihen auf Wb. 

1) uiptrjuj abekay (Stamm abelayi-) Mönch: syr. i<b^nN 
aiollä Anachoret, arab. Jy^j^ (aus dem Syi'.). 

abekay ist häufig in der Litteratur . vgl. Faustus v. Byz., 
Vened. 1832, p. 271; Joh. Mandakuni p. 102 (5. Jhd.); Moses 
KaAank. I, p. 129; Aristakes v. Last. p. 27, etc. Im Syrischen 
ist a nicht „hart" (Verschlusslaut), sondern „weich" (Spirans). Syr. 
axcllä sollte im Annen, zu ahikay oder nach armen. Gesetzen zu 
abekay oder abkay werden ; für i oder e ist aber e eingetreten 
wie einigemal vor k, vgl. ukek Mark, Gehirn (der Gen. ukkoy setzt 
einen Stamm *ukiko- voraus); gen. saveki (neben regelm. iavki) 
vom nom. Savik Pfad. Dagegen sap^ikay = syr. sappllä. 



2) uin-nLO-uij u agu(jay-h^ (nom. pl., acc. -ay-s) Canäle, Röhren 
(der Wasserleitung) : syr. n:*i5N ayöyä Wasserleitung = gr. äyioyoq. 

agugayk^ bei Steph. v. Siunik 8. Jhd., Vahram 13. Jhd., 
Canones bis zum 8. Jhd. — Zu w für o vgl. -^^uiini-l;- halue = gr. 
Cikövi Joh. 19, 39; uu/nLiio. spung = üTioyyog; tumar neben 
toraar = Toudoiov u. s. w. 



3) uirj.t^ aden, uir^^hi adm {der Garten) Edai: syr. "y 'f (?en. 

Die Form adin von de Lagarde aus Ephrem 5. Jhd., belegt, 
aden aus Philo 5. Jhd. {y adenay), von Wb durch adenabuk-^ 
im Paradies entspringend, adenayin, adenahan (Wb II p. 1041) 
paradiesisch. Danach scheint aden (mit e) am besten bezeugt (aus 
adina- wäre adna- geworden), und dies deckt sich vollkommen 
mit syr, 'eJew, da e häufig durch arm. a (s. p. 229) wiedergegeben 
wird. — Daneben br^hrS edem aus griech. 'Edia Gen. 2, 8, wovon 
auch edemabuk^, edemakan, edemayin^ edemean etc. 



232 Hühsclimann, Die semitischen Lehmvörter im Altarmenischen. 

4) ui(J-nL(3-uij D athit'ay-h^ (acc. -ciys, gen. ayic) Buchstaben: 
syr. NmnN äß-üß-ä Buchstabe. 

Schon Wb weist auf syr. „ui(3-nL(3-ui Buchstabe", übersetzt 
aber ccq&qov , articulus; C: distinzione di suono o di pronunzia 
deir abici, prosodia delle lettere d' alfabeto; Bedrossian (New 
dictionary) : elements, letters, chai-acters, aiphabet. Das Wort findet 
sich bei Mos. Chor. (5. Jhd.), p. 247 und Laz. Pharp. (5. Jhd.) ed. 
Venez. 1873, p. 41 und 42 an bisher nur ungenau übersetzten, nicht 
verstandenen Stellen, die man aber nicht übergehen sollte, wenn man 
die Berichte über die Erfindung des armenischen Alphabetes ver- 
werthen wül. Syr. äß-vä&ä plur. von ä&ä ist hier nicht heranzuziehen. 

5) [uiLffi^ amic eine Zukost (Faust. Byz. p. 208, Z. 2: 
Früchte, Aepfel, Gurken und Amic, Z. 10: Früchte und Amic; 
EAise 5. Jhd.: mit dem Ami^ von Wildpret), dazu amcaher 
oifJOTTOiog (Chrysost. Matth. 3, 17; 5. Jhd.): syr. y'72N, arab. 



Vgl. de Lagarde, Ges. Abb. p. 12 — 13, Die Wörter kommen 
direct von einem mittelpers. *mmc , das zu np. ämey^tan mischen, 
Cimez, ämcy u. s. w. gehören wird.] 

6) uiLTrjufii amlan ein Kleid oder Mantel (nur Josua 7, 21; 
EAise, Vened. 1859, p. 174, Z. 7 v.u.): syr. n'äN ämellä „yjiXri\ 

Nur Umschrift des syr. Wortes oder eines daher stammenden 
griech. Accus, äfikav? 

7) [m*iiuia. anag (2'-a-Stamm und o-St.) Zinn, cmageay zinnern 
(AT, Agathangelos 5. Jhd. etc., vgl. Wb): syr, n^IN änyä (stat. 
absol. änay), hebr. änäy Blei, arab. üoiuk Blei, assyr. anäku Zinn, 
sumer. m-ig-gi, na-ag-ga, an-na, em (sumer. Grdf. an{a)g), skr. 
näga Blei, Zinn. 

Herkunft so unsicher wie die von arm. oslci Gold: finnisch 
vaski Kupfer, Erz.] 

8) [uAiui'iinLlu ananuy = ijdvoöfiov Minze (nur Matth, 23, 23 ; 
Luc, 11, 42 und Medic. Schriften (13. — 15. Jhd.): syr. nJ's: nän^ä 
(für na'neä), arab. «.jLxi na'na' Minze, Das armen. Wort ist wohl 
angelehnt an pers. 8U..iröLJ nüneywäh (= Brotwürze, ywäh = skr. 



Hübschmann, Die semitischen Lehmcörter im Ältarmenischen. 233 

sväda Wohlgeschmack?), auch iy.3>fciJ nCmüyeh = Ammi, du Gange 
vavoZya. Ueber Ammi xind Minze vgl. Low, Aram. Pflanzennamen 
p. 259 ff. Beachte phl. nänä nfmükspram Minze als Brotwürze 
(Bundeh. p. 66, Z. 21). — De Lagarde stellt das pers. Wort zu 
arm. mananiy., das aber „Senf bedeutet,] 

9) ui*uii.ui*ii angan (nur Numeri 11,8: sie stampften es 
1/ angani „im Mörser") d-vta : syr. n::in aggänä ein grosses Gefäss, 

Trog etc. ; hebr. -(^N , arab. i>^\j>.\ und *.i'i.:fül (Pränkel p. 68), 
assyr. agannu. '^ ^ 

Arm. ui[j-uj*iini|J3- aganöt' (Jesaias 22, 24) ist nur Umschrift 
eines griechischen *a'/ava)ß- = hebr. ri:.".N Jes. 22, 24. 



10) [uiujnuuiLr aprsam (oder aprasam, aprsad, aprasad) 
Balsam (Strauch und Harz) bei Steph. v. Siunik 8. Jhd. und in 
einigen spätem Schriften : syr. apursüinä und pursämä (pursemä ?), 
mandäisch pursemä. — Persisch?] 



11) ujpunnp ah'sor-7c^ xmd. ak'sor-cm-k^ Yerhanrwmg, ak'sor-el 
verbannen (Mos. Choi". und später) : syr. N"'-n02N (mit e oder a, 
h oder y'}) oder direct = griech. kiooia. 

12) [puicjjuil^ bazmak (^*-a-St.) Xvyvog Lampe (AT 5. Jhd., etc., 
vgl. Wb) : syi-. ND72T72 mazmeyä , das schwerlich semitisch ist. — 
Wohl persisch.] 

13) [puicfml/ bazak (e'-a-St.) Becher (Matth. 10, 42 ; Marc. 7, 4 ; 
Agath. p. 373 ff.), davon bazakel TiOTi^etv: jüdisch -T!! etwa: bazak 
oder '^■'Ti etwa: bazik, das besser bezeugt zu sein scheint. — Wohl 
persisch. Vgl. zd. bajina Gefäss (KZ. 25,567), skr. bhäjana Gefäss.] 



14) puiu[in basir tadelnswerth , basrel tadeln (Mos. Chor. 
p. 41, Z. 16; p. 96, Z. 14, etc.), basr-an-k^ §LaßoXt], alria: syr. 
"i""D2 besh- verächtlich. 

15) [ptprj- berd Burg, Schloss (Faust. Byz. p. 205, 206 etc.) 
schwerlich = syr. N^^73 merdä.'\ 



234 Hübschmann, Die semitischen Lehmvörter im Altarmenischen. 

16) [p[ip bib (l-a-St.) Pupille (alt und häufig) klingt nur 
zufällig an hebr. rin|i bäwä , sjt, Npü bätv&ä an. Vgl. pers. 
^y<;.o babak.] 

17) pnuO-[i'ii bucin Docht (nur Basil. Hexam. 5. Jhd.) : syr. 
N3"'i£in büsinä cfXouog (aus dem Persischen). Vgl. pehL bücinä 
(Justi, Bundeh. p. 90, Phl. Paz. Gl. p. 4, Z. 1) Gurke = syr. Nritia 
und Nöldeke, ZDMG. 29, p. 650. 

18) ii-uir^[i2_ (^ac^^y (gen. gadit) Haufen (Garben, nur Buch 
Ruth 3, 7 = OTOißtj und Tonak. 8. Jhd. und später): syr. gedisä 
(hebr. gäd'iS). 

19) cLuinnu/?- gahit (i'-St.) Auswanderung (Philo und Ephrem 
5. Jhd. : syr. Nntbs gälüd-ä, hebr. nib't Wegführung ins Exil, Aus- 
wanderer. 

Nach den obliq. Casus (gen. gctkti etc.) wird später auch ein 
nom. acc. gakt^ gebildet = Auswanderung, die Auswanderer, Flücht- 
linge. Von gakuf- abgeleitet: goKtakan der sich geflüchtet hat, Flücht- 
ling (1 Maccab. 6, 53, pl. avaßwCousvoi; Faust. Byz. p. 170, 
Z. 2 v.u., Vardan, Vened. 1862, p" 146); gaXfel fliehen (2 Kön. 
4, 4 : ccvaxMQSiv). 

20) c^cfui/S- gzaf (gen. gzat'u) Schaffell (mit Wolle), Vliess 
(Buch der Richter 6 , 37 — 40 : noxog und EAise , Richter) : syr. 
NnT5 gezze&ä. 

21) i^ni.p gub (gen. gbi und gboy) Grube, '/.ccxxog , (pgiccQ, 
(AT, OflFenb. Job. 9, 1—3; Mos. Ka^ank. I, p. 95): syr. Nm5 gubbä. 



22) CLnuniiiUM gurpay ^1 sprich: gurba Strumpf: syr. Nllia 
etwa gorbä, aus pers, görab , görüb , woher auch arab. v^^ fc_> 
türk. iw»! msj. corab Strumpf, Socke. 

Wb belegt das Wort nur aus Mast. (5. — 13. Jhd.) und Jakob 
von der Krimm (15. Jhd.), Wegen /> für b modernarmenisch, vgl. 
unten die Bemerkungen zu den arab. Lehnwörtern. 

23) [(|.ui<^^'5C dahic (i-a-St., gen. dahci) Scherge, Polizei- 
soldat, Henker (Matth. 5, 25; Luc. 12, 58; Marc. 6, 27: vnr]QeTf]g, 



Hübschmann, Die semitischen Lehmcörter im Altarmenischen. 235 

TigccxTcog, anexovXccTioQ; Faust. Byz. 16, Z. 20): syi*. N'^iim dahsä 
(stat. abs. etwa dehei). 

Letzteres gewiss nicht echt syrisch, daher wohl beide anders- 
woher stammend. Ueber syr. s für (pers.) c vgl. Fränkel p. 95. — 
Im Arm. vgl. noch dahcapet agxtfidyuooq Genes. 39, 1.] 



24) rj.uiji dar (St, daru-) Generation, Zeitalter (AT, Agath., 
Mos. V. Chor. p. 11, Z. 6 u. 24, u. s. w.) : syi-. NTT därä (abs. dar). 



25) [f^m j^t^\t'^ dargio (oder darguc?) Sänfte, Tragbett, Trag- 
bahre: aram. d:.^! etwa, dai-gas Bett, syr. dargüstä Sänfte, Wiege. 

Im Armenischen ist nicht zu entscheiden, ob der Vocal der 
Endsilbe t oder u war, da das Wort nur in Compos. vorkommt: 
dargcaJcal auf Sänften, Tragbahren getragen (Cyrillus v. Jerus. 
5. Jhd.) und dargcajev = dargic-ähnlich , -förmig (Joh. d. Mönch 
13. Jhd., Oskiphorik des Mos. Erznk. 14. Jhd., von Lrui'^(i'5C 
Bett und ["nno. Sack (?) gesagt). Die aram. Wörter sind nicht echt 
semitisch, daher wohl mit dem armen, anderswoher entlehnt.] 



26) ify]ui^ dhlat (Var, dUat\ dglat^) Tigi'is (Mos. Chor. 
Geogr. p. 611-613; ed. Patkan. p. 21; ed. Soukry p. 31, 37, 38; 
PseudocaUisth. p. 90, 91, 123; Sebeos ed. Patk. p. 81, 6 v. u. 
{deklaty. {dglat), Thom. Artsruni, Konstant, p. 104; ed. Patkan. p. 94 
syr. nbpn deqlaO- , bei Plinius Diglito , talm. phl. nbai (Bundeh. 
p. 51, Z. 12, 17), arab. nJL>o. Vgl. Kiepert, Alte Geogr. p. 79. 

27) qnjtJiP zoigk' (gen. zugic) das Paar {Csvyog Luc. 2, 24 etc.), 
adj. zoi'g doppelt, gleich, adv. gleich, zugleich (Faust. Byz. p. 237) : 
syi-. zaugä = gr. L.svyog, das in alle aram. Dialecte übergegangen 
ist, daher auch arab. zaii) Paar (Fränkel p. 106). 

Von zoig- kommt zugel verbinden, zusammenfügen (Matth. 
19, 6 zugeac = ovv^C^v^^), 2) gleichstellen, pass. gleichkommen 
(Hiob 28, 17 zugesci: iocüß-rtOerai); häufig ist auch zoi'g als erstes 
Glied von Compos. (gelehrter Bildung): zugativ lüKQLß-^oq gleich 
an Zahl, gleichviel etc. Zu zoig- = syr. zaug- vgl. arm. yoink' 
Griechen = altp. yaunä "looveg. Das arm. Wort dürfte in sehr 
alter Zeit entlehnt sein. — Aus dem Griech. stammt aniC zom 
Schiffbrücke (Sebeos 7. Jhd., ed. Patkanean p. 31, 5 v. u.) = 
gr. 'Qsvyua (vulg. Csvfxa). 



236 Hübsclwiann, Die semitischen Lehnivörter im Altarmenischen. 

28) cm u^ Uli zo2yai/ (St. zopayi-) Ev. Joh. 19,29; Ebräer 
Brief 9, 19 etc. voawnog: syr. Ndit zöpä (Low, Aram. Pfl. p. 134). 



29) [qni_u/nuil| zuarak (e-a-St.) junger Stier Exod. 28, 1, 14 
{fjiQöyä()iov, uöoyog) etc.: syr. N3^:2TN ezwarhä Stier. 

Letzteres sicher nicht echt syrisch; aus dem Armenischen 
entlehnt '?] 

30) [f^i'^njcL engoi'z Nuss (Gen. 43, 11), davon enguzi Nuss- 
baum, adj. aus Nussbaumholz (Gen. 30, 37): hebr. Ti^N (aus 'igöz 
de Lag.), georg. nigozi, osset. ängözä D, üngüz T, yidghah oyuzah, 
pers. -Ji kurd. gutz, goviz, arab. jauz, türk. jevz. 

Vgl. de Lagard, Ges. Abb. 25; Tomaschek, Pamir Dial. 58 
und Bezzenb. Btr. 7, 202; Verf. Etymol. und Lautl. d. osset. 
Spr. p. 124. — Nach Hehn kommen Nüsse, Mandeln und Kastanien 
aus dem nördlichen Kleinasien , daher stammen die hier genannten 
Wörter vielleicht aus dem Armenischen oder einer andern klein- 
asiatischen Sprache. — Wb zieht die Lesart enhoiz vor, doch ist 
zu beachten, dass Tenues und Mediä nach Nasalen in den arm. 
Handschriften und Drucken häufig wechseln. — Arm. engoiz ist 
nach den vocalischen Lautgesetzen auf älteres Hngoiz (aus ingauz-? 
vgl. osset. äiigözä aus *angauz-) zurückzuführen.] 

31) (3-uhia-uin f-angar Kaufmann (Sebeos 7. Jhd. ; ed. Pat- 
kanean p. 104, Z. 5 v. u., wo tankangar in fangar zu verbessern 
ist; Thomas Artsruni 10. Jhd., ed. Patkanean, p. 99, Z. 22; 
Vardan 13. Jhd., Vened. 1862, p. 63), xdm]Xog Sirach 26,28: 
syr. N'iIJn taggärä, mandäisch tangärä, arab. täjtr (aus dem Aram., 
vgl. Fränkel p. 181), assyr. tamkaru, tamgaru. 

Fremdwort. Gebräuchlich ist das pers. vacarakan. 



32) (3-uinui<^uimuij taruliatay (gen.) bei Gregor v. Narek 
10. Jhd., (nom.) bei Vardan 13. Jhd., tarhatay Ephrem I, p, 225, 
Z. 11 (5. Jhd.), Mos. Chor. p. 101, Z. 5 v. u. Name eines Götzen: 
syr. Nny-in tara&a = 'ATÜQyariq JeQXETuj. 



33) ß-uina.diiiii fargman (i-a-St.) Dolmetscher (Gen. 42, 
23 u. s. w.) : syr. n;";::!-!!! targemCmä, assyr. turgumannu, targumannu. 



Hühschmann, Die semitischen Lehmcörier im Altarmenischen. 237 

Davon t'^argmanel übersetzen, targmanin Uebersetzer, targ- 
anui-iun Uebersetzung (alt und häufig). 



34) l^-iiinjhjt^ariis (gen, ^'ar-w«' Ezechiel 1, 15), t'arsis (gen. 
t'arssay, Var. farssay Hohelied 5, 14) ein Edelstein: hebr. a-iüiin 
fnr.sts, gr. &c(g<jig. 

o5) (3-n<^ U. pn<^ t'oli ev boli oder to'/^ ev hoy^ (Ephrem 
0. Jhd. ; Thomas Artsruni 10. Jhd.; Vardan 13. Jhd.): syr. ma i mn 
töh ve tcöh. 

36) (^nß-nt-n trtuT (gen. trtroy) Raupe (Arnos 4,9; Deute- 

ronom. 28, 42; Joel 1, 4; 2, 25; Greg. Arsar. 7. Jhd.; Mech. Gos 
12. Jhd. Vened. 1854, p. 128): syr. N"ni:-ii: sarsürä eine Heu- 
schreckenart ? 

Form und Bedeutung stimmen nicht recht. 



37) jni-i/uj I hmiaii (St. lumayi-) Xstitov , etwa: Pfennig 
(Marc. 12, 42; Luc. 21, 2): syi-. N73ib lumä (aus *numa von lat. 
nummus). 

Dazu [ni-t/ujiuii^n[u lumayap'oy xEOuariOTy'jg Joh. 2, 14. 



38) [uui*iini-(3- yamif, auch hanut (gen. yant^i, ^-Stamm) 
Werkstatt , Laden (Agath. , Ephrem , Eusebios 5, Jhd. etc.) : syr. 
Nm:n hänü&ä, arab. o^its- hünüt (aus dem Aram.). 



39) ]uuinuii^ni-^yaragul ccTTccxTjg (nur Levit. 11, 22) eine 
Art Heuschrecke : syi". Nbsnn Jiargelö, arab. |J^:>.s> harjal locusta 
(s. Dozy), ii.JL>,s> harjala agmen locustarum. 

Pers. yarjal ungeflügelte Heuschrecke ist sicher aus dem Arab. 
entlehnt, also ein Fehler des pers. Lexicons für harjal. 



40) [uuinp yarb (2-St.) Schwert (nach Wb bei Philo, Genes. 
5. Jhd., Dionysius Thrax und einigen grammat. und lexical. Werken 
des 13., 14. und 17. Jhd.): syi'. Nlinn harbä. 

Griech. ä'(>;r7; (= ksl. srüpu) gehört nicht dazu, vgl. Bezz. Btg. 1, 

p. 287. 

Bd. XLVI. 16 



238 Hübsclimann, Die semitischen Lelmu-örter im Altarmenischen. 

41) [uuinpujj_tj_ yarhal-el = Givicit,uv durchsieben Luc, 
22,31, später: versuchen, beunruhigen, verwirren, von ;^ar^a^ Sieb, 
das im Altarm. nicht belegt ist: aram. Nbl'ny ^arbdlü, arab. ^3w■?-^ 
yirhrd Sieb. 

42) [[uririL^io^i yXunpi (oder y?Mjun, ye^npun bei Mech. 
Gos 12. Jhd. p. 67 ; gen. pl. yjLunjnac bei Basil. v. Cäsarea 5. Jhd., 
Vened. 1830, p. 152, Z. 24, nom. pl. ylenjoinh bei demselben) 
Puri^urschnecke : jüd. aram. "jiTbn, syr. NriT-ibn etwa /^fesöwö, arab. 

-^ iJi5> halazün (schwerlich semitischer Herkunft).] 



43) [uiinn ymor (o-St.) Sauerteig Matth. 13, 33 u. s. w 
ymor-el säuern: S3'r. N^"»?2n hemlrü, arab. _*..♦,:> yatnlr. — ? 

Man erwartet ymlr oder yamlr anstatt ymor. 



44) [[u*üÄnn ynjor (= yndzw) Apfel (Hohelied 2, 5 u. s. w.): 
syr. NniTti liazznnl (aus *hanzüra). 

Da die andern semitischen Sprachen den Apfel anders nennen, 
kann das syr. Wort aus dem Armenischen entlehnt sein. — Gemäss 
dem Wechsel von Tenuis und Media nach Nasalen wird auch yncor 
(= yntsor) geschrieben, doch ist wohl yndzor oder yendzor ge- 
sprochen worden, eine Annahme, gegen die das moderne poln. arm. 
yendzer (Wiener Zeitschr. I, 299) nicht spricht, da altes -ndz in 
diesem Dialect erhalten bleibt, vgl. ebenda II, p. 127.] 

45) [[unj yoy (i- und o-St.) Widder, Schafbock (Gen. 15, 9; 
31, 10; 32, 14 etc.) „w^ohl als ii~ (kö2/) in das talmudische über- 
gegangen" Lg. — ? 

Dazu nach Wb yot/ak Kapital (= Widderkopf: 'fi aLL 
tLi [uni juninij Wb) und yoyanal losschiessen auf etwas (vom Adler 
gesagt): nnujl^u CLfunj Deuteron. 28, 49; Levond, Paris 1857, 
p. 29.] 

46) [(unni|- yory (o-St.) Sack (Luc. 10, 13; Jakob v. Nisibis, 
Paustus V. Byz. 5. Jhd.): s}i-. Nj-n3 '/uryö , arab. ^^i> yurj 
Mantelsack (daher auch kurd. yurj). 



Hübschraann, Die semitischen Lehnwörter im Altarmeimchen. 239 

Aus dem Persischen; vgl. np. afgh. yurjln, balü^i hurjin, 
hörjin, osset. '^urjin (pl. yorjentä) u. s. w. Mantelsack, Sattel- 
tasclie ? Es gab wohl ein mittelpers. *yu:ary. Zu dem aus- 
laut. g vgl. pers. ärab. sarj Sattel = osset. sary, afgh. sary, aram. 
N:i-C aus einem mittelpers. *sary. — Neben *ywary scheint noch 
ein mittelpers. kurz „Sack" existirt zu haben, s. u. Nr. 133.] 



47) ct-\ia-r^ij cnclay (= tsntslay, i-^i) Cymbel (1 Könige 
18, 6; 1 Korinther 13, 1 etc.): syr. Nbi;]w sesselä. 

48) o-n/3-nn cof-or (o-St.) Thymian, Quendel (von AVb nur 
aus Schriftstellern des 13. (Vardan) und späterer Jhd. belegt): sp\ 
J^^rs: saß-rä (se&i-ä?), arab. Jölo saHar „satureia". 

Als Var. führt Wb an: cot-orin, cotrin ^ cotorun. — Vgl. 
Low, Aram. Pflanz, p. 325. 



49) o-nif com Fasten (Jacob v. Nisibis, Ephrem 5. Jhd., 
1 Maccab. 3, 47 etc.): syr. NlCilt saumä (auch sömä, stat. absol. 
und constr. nur sövi), hehr. ni::. 



50) o-nuin crar (g. crari) Bündel (Gen. 42, 27; 1 Könige 
25, 29 etc.), ci-arel einwickeln, einschlagen : syr. N-nx serärü, hebr. 
-i'"^^ Bündel, Päckchen. 

51) Ljm(^uuij kat'say oder katsay («'-St.) Kessel, Kochtopf 
(Exod. 16, 3, von Lg. auch aus Ezechiel 24, 3; Micha 3, 3, Prediger 
7, 7 belegt): syr. NO~p qaösä (aus y.a8og, das selbst = hebr. nn 
had Eimer ist). 

Im Armen, ist t^ für d {*kadsay) durch Einfluss des unmittel- 
bar folgenden tonlosen s eingetreten. 



52) [L|um^uin kapar (o-St. und ?-a-St.) Blei (Exod. 15. 10 u. s. w.), 
kajjareay bleiern (Steph. Aso/. 11. Jhd., Paris 1859, p. 135 u. s. w.): 
syr. N-liN aioörä, hebr. r-ri' 'öfered' , arab. pers. abnr (aus dem 
Aram.) — ? 

Man erwartet ahar für syr. awürä. Zusammenhang daher 
höchst unwahrscheinlich. — Wie zu beurtheUen balüci abtar hvaena: 



240 Hübschmann, Die semitischen Lehnwörter im Altar manischen. 

pers. haftär (Dames, Vocab. p. 39) ; arm. hasharay : gr. idyccga ? 
Wechsel von anlaut. p mit v im Aramäischen s. bei Fränkel 
p. 95, 150, 151.] 



53) ljuiujuin'5Cp kaparc-k^ (i-St. und i-a-St.) Köcher Gen. 
27, 3 u. s. w. : syr. Np'7t:p , Np^-'tJp qeterqä? 

Das armenische Wort stammt nicht aus dem Syrischen, das 
syrische wohl aus dem Pei'sischen, vgl. phl. ^Tiro Köcher, diese 
Ztschr. 46, 141. 

54) Ijuiul^uinmi D kaskaray-k'' Rost (Leviticus 2, 7; 7, 9; 
11, 35; 2 Könige 6, 19; 2 Chronica 4 , 16 u. s. w. ; ia%aQa, 
yVTQÖTiovg ^tragbarer Heerd mit Füssen", noSiartjo): syr. NiDDD 
kaskp'ä Korb (zum Tragen). 

Die Zusammenstellung erinnert an die Gleichung arab. ..^jLi' 
Kohlenpfanne ^ gr. xavoiv geflochtener Korb, die Fränkel p. 26 
ablehnt. Doch vgl. i[ui*ljri.uiLj vandak io^dga Exod. 30, 8 und 
OTivQtg Apostelgesch. 9, 25 (ursp. Gitter, Netzwerk). — Wie ver- 
hält sich dazu griech. haxccga = vulg. arm. £i^ul^uin_uij ^ ulpinLuij 
(vulg. arm. Wb, Venedig 1869), talmud. NbsoN (Lg.)? 



55) l^uiuinL katu (g. pl. katuoc) Katze (Philo 5. Jhd. ; Mech. 
Gos 12. Jhd., Vened. 1854, p. 81): syr. rcp qatü {qaäU, oder 
qäfü?) , georg. kcUa, tusch katu u s. w. Vgl. meine Etym. d. 
osset. Sprach, p. 122. 

Die Syrer haben das Wort selbst entlehnt, so dass die Armenier 
es auch anderswoher bezogen haben könnten. Herkunft des Wortes 
dunkel. 

56) ri|uinljtr<^ui^i karkehan (gen.-i) ein rother Edelstein, 
civd-gai (Exod. 28, 18; Ezechiel 10, 9 etc.): syr. n:-;3^3 karkednä 
= y.cioyriSövioQ. 

Daher auch Freitags arab. Ck)S S karkand gemma similis 
rubino seu carbunculo. — de Lag. : ,arab. kerkouhen bei Plempius 
165 amethystus ", vgl. karkuhan Amethyst bei Dozy. — Das 
armen. Wort stimmt besser zur arabischen Form mit h, beide 
werden aus dem Persischen (das altes Ö zu h oder y macht) ge- 
nommen sein.] 



Hübsclimann, Die semitischen Lehmvörter im Altar raenischen. 241 

57) Ijuinl^HLnun karhuray (^'-St.) Schiflf, Boot (Hesjch. 
V. Jerus. übers, von Stepk v. Siunik, 8. Jhd. ; Ephrem 5. Jhd.): 
syr. Nmp'ip qarqürä, arab. , ÜSi qiirqür = gr. y.egxovgo<^. 



58) [Ijuifuffip Jcarmir (o-St.) 1) adj. roth (Math. 27, 28 etc.), 
2) subst. Scharlach (Beere, Farbe, Gewand), xoxxivov, 2 Chronica 
2, 7,14; 3,14: hebr. b^7:i3 Jcarm'd Carmoisinfarbe und die damit 
gefärbten Zeuge. 

Jcarm'd ist im Hebr. ein spätes, nicht originales Wort, das 
nur 2 Chronica 2, 6, 13; 3, 14 vorkommt, wo auch die arm. 
Uebersetzung karmir bietet. Beide Worte dürften aus dem Per- 
sischen stammen.] 

59) ljuni^\i kacin (o- und z'-a-St.) Axt, Beil (1 Könige 13, 20 
a'Siv7/): syr. N^-nn hasslnü, assyr. hasinnu, arab. -.yxxsi> Axt 
(Fränkel p. 86). 

Faust. Byz. p. 22 1. Z. kacneav instr. von einem Nom. kacni. 
— Armen, k für h. c für ss nur hier 



60) l^ujDuiL kak^av (w-St.) 1) Rebhuhn (Jeremias 17, 11; 
Mos. Chor. 5. Jhd., Mech. Gos. 12. Jhd. p. 115, 2) Tanz (Chrysost. 
Yened. 1862, Bd. I p. QQ, Z. 20), kak'avel tanzen (2 Könige 6, 16; 
Matth. 11, 17; 14, 6): syr. 5<3pp qaqq^ivä (? kommt kaum vor), 
nachweisbar nur N:npp qaqqewänä Rebhuhn, gr. y.axy.aßr,, pers. 
kahg, bal. kahg, kavjg etc. 

Woher stammt das Wort? 



61) IjfrrjU keXev (o-St.) Schale, Rinde (Hohelied 4, 3), davon 
kelevel schälen (Genes. 30 , 37) : syi-. Nsbp qeläfü , verb. q^laf 
(Haut, Rinde) abziehen. 

62) [l\u\tv knit (gen. knk'-oy) Siegel (Exodus 28, 11,36 etc.) : 
ass}T. kunukku? 

Man sollte vielleicht k^nuk erwarten, das immerhin zu knuk' 
und schliesslich zu knik^ (vgl. assyi". duppu = elamit. dqn = 
altpers. dipi Inschrift = skr. Upi Schrift, Inschrift) hätte werden 



242 Hübschmann, Die semitischen Lehnicörter im Altarmenischen. 

können. Aber durch wessen Vermittelung wäre das assyrische 
Wort zu den Armeniern gekommen? Oder sollten sie es in Ur- 
zeiten direct von den Assyrern, ihren Herren, bekommen haben? 
Wenn nur die Armenier damals schon in Armenien gesessen hätten!] 



63) l^ni-nhuz (i- und o-St.) Wiesel, Marder, Katze (Cyrillus 
von Jerus., Chrysostomus 5. Jhd., Joh. der Mamik. 7. Jhd., Yardan 
13. Jhd.): syr. iSTip qüzä Wiesel, kurd. a-vy' Marder. 

Vgl. Hehn, Kulturpflanzen^, p. 403. — Syr. qüzä ist kaum 
echt semitisch, daher armen. Jaiz auch anderswoher stammen kann. 



64) IjnLum kup- (o-St. und consonant. Stamm) Erdpech 
(Gen. 11, 3: äG(pa?aog u. s. w.) : syi*. N'^cis kufrä ^ arab. Jcufr 
(aus dem Aramäischen, Fränkel p. 150), hebr. "z'z höfer, assyr. 
kupru. 

Man sollte im Armen, h^up'^r oder h'ur (aus h^uvr) erwarten. 



65) ^uijhi- hasiv Rechnung, Abrechnrmg (Luc. 12, 58), 
Beisteuer (gen. liasui 1 Korinther 16, 1, "koyia) davon liasuim 
rechne, zähle, halte für (Leviticus 27, 23; Mos. Chor. p. 9, Z. 4; 
16, Z. 21): syr. n'wr; hesaio zählte, rechnete; has-seio meinte, dachte; 
D'i'vDm hes'iw gerechnet, geachtet (für). 



^oQ) "^tff- lieg (i- und o-St.) Buchstabiren, Silbe, <^ttj-(7*imij 
hegenay («-St.) Silbe, Silben, Alphabet, "^ht^h^JiBg-el Gv)laßLL,uv 
(Wb): syr. N:in Jieyä „las", Nr:ir! heyyänä das Lesen, Buchstabiren; 
arab. sX^^9 hijä Buchstabiren, Silbe. 

Die armen. Wörter finden sich bei Schriftstellern alter und 
neuerer Zeit. Vgl. Laz. Pharp. Vened. 1873, p. 41, Z. 15, 21; 
Mos. Chor. p. 246, Z. 4. Doch ist die genaue Bedeutung der- 
selben nicht aus allen vom Wb angeführten Stellen zu ersehen. 
Arm. hegenay aus *hegeanay aus *hegianay deckt sich lautlich 
ganz mit syr. lieyyänä. 

67) \<,h^\ih\\\M lietanos (i'-a-St.) Heide {k&vr/.ög Matth. 
18, 17; 'E?dr/vtg Griechin Marc. 7, 26), pl. hetanosU die Heiden 
(t« id^vtj Matth. 4, 15; 6, 31; 10, 5; Faust. Byz. 195, Z. 16, 
17, etc.) stammt aus dem Griech. imd ist nicht = syi*. Oirrn, 



Hühsclwiann, Die semitischen Lehmrörter im Altarmenischen. 243 

das nur eine Transscription von griech. s&vog ist und in der 
Sprache nicht vorkam. 

h vorgeschlagen wie in haliip Aloe = crAo'?/. Das Wort ver- 
räth ebenso wie ekeleci = hx'/.hjaia, poXotay = nXareia die 
Neigung des Armenischen zur Svarabhakti bei Nasalen und Liquiden.] 



68) 1^^ Jet- (= dzet^) aaiov Oel (Matth. 25, 3), klaia 
Olive (Micha 6, 15): syr. Nn-'T zaitä , stat. absol. und constr. Z('i9 
(hebr. nn), für das man im Armen, zcuf oder zi't^ erwarten sollte. 
Vgl. arab. zm't (aus dem Aram. , Fränkel p. 147), osset. georg. 
zefi\ thusch zef. 

Der Oelbaum (arm. dziteni, durch Suff, etil von dzH'' ab- 
geleitet) ist nach Hahn, Kulturpflanzen ^ p. 88 ein Gewächs des 
südlichen Vorderasiens, dessen Kultur mehr nach Asien hinein ver- 
schwindet. Daher ist Armenien schwerlich die Heimath desselben ^) 
und dzH schwerlich echt armenisch , sondern stammt trotz der 
lautlichen Differenz aus dem Semitischen oder aus einer fremden 
(kleinasiatischen) Sprache. (Nach dieser Ztschr. 46, 123 stammt 
r'- von ägypt doit Olive.) Das gewöhnliche Wort für Oel ist im 
Armen, hi-n ?'hA {eiiX) = gr. i?Miov? 

69) L/uit^un|ui[?- magalaf^ («'-St.) Pergament (Jesaias34,4 etc.), 
davon magalateay pergamenten (Offenb. Joh. 6 , 14) : syr. NnV^'Ja 
meyalle&ä, hebr. meyillä^ arab. majalla (aus dem Aram., Fränkel 
p.^247). ° 

70) Lrui[uui/3- maxat- (o-St.) Packnadel (Leben d. Väter; 
Martin 14. Jhd., Oskiphorik nach d. 12. Jhd.): syr. Ntiff: mehattä 
Nadel, mehat saqqa. Packnadel. 

71) Suiui^uir^mangaX («-a-St.) Sichel (Marc. 4, 29; Deu- 
teron. 16, 9 u. s. w.): syr. Nbi?: maggelä (= *mangelä), hebr. 
luaggcd, arab. J^_:s;\_jL>! minjal (aus aram. maggelä, vgl. Fränkel 
p. 133), pärsi mangCd ZDMG. 36, p. 71. 



1) Wenn auch, wie angegeben -wird, in den wärmeren Gegenden der 
Oelbaum gedeiht. Nach Mos. Geog. p. 610 gab es Oelbäume in der Provinz 
Uti. Arzruni, die ökonomische Lage der Armenier in der Türkei, übersetzt 
von Amirchanajanz, St. Petersburg 1879, p. 13, erwähnt Oelbaum und 
Olive nicht unter den wichtigeren Produeten Armeniens. 



244 Hübschmann, Die semitischen Lehnwörter im Altarmenischen. 

72) i/ui*ii|i2Liil| manisak (gen. -saki und -iki) Veilchen (Nerses 
V. Lambron 12. Jhd. ; Mech. Gos (p. 34) 12. Jhd.; Mecb. Heratzi 
(p. 69) 12. Jhd.; Mast. jahk. 14. Jhd.): syr. NDiiJ-ii^i meniskü. 

Neben manisalc steht manuiak , das bei Philo , Agathang. 
(5. Jhd.), Mos. Chor. Geogr. ed. Patk. 22, Z. 11, Steph. v. Siunik 
(8. Jhd.), Thomas Artsruni (10. Jhd.) u. s. w. vorkommt und pers. 
banafia, arab. hanafsa) und rnanafsa) , türk. menef.se u. s. w. 
entspricht. Das Wort ist wohl urspr. persisch und dürfte im alten 
Pehlewi etwa vanaßak (bei Justi, Bundeh. p. 66, Z. 17 vanavsak) 
gelautet haben, das im armen. Munde zu vanauiak, resp. tnanau- 
iak hätte werden sollen (vgl. kausik = p. kafs u. s. w.). Dafür 
ist unregelmässig raanusak eingetreten, vgl. unten suser aus *safser. 
Das syrische Wort muss dann auch aus dem Persischen stammen. 
Auffällig ist hier l wie dort u (ü) für das pers. af. 



73) Lrui2uiniin masaray (Philo Sermones, ed. Aucher 1822, 
p. ^^\ Mos. Chor. p. 237, Z. 7: vxasarayakan axt) eine Krank- 
heit: syr. N^i23'?3 7näsrä kQvainsXag. 

Wb übersetzt masaray durch cfß-iöig, C schwankt zwischen 
Auszehrung und Hautkrankheit, bei Philo erscheint masaray = 
voGog (f&iviüÖr]q (neben utic = ig7it]vujÖt]g) , Mos. Chor, spricht 
dabei von '<^[7i_o~nL^ = Abzehrung. Dagegen sagt Mechithar 
Heratzi (12. Jhd., lieber die Fieber, Vened. 1832, p. 72): der 
Geschwulst {aitoc = attoic?), der ma,saray und auf griechisch 
riistujjel (= kovainü^ag) heisst. 

74) Su.i'fh via.sk (abgezogenes und zubereitetes) Fell (Leviticus 
11, 32 u. s. w. öegua): syr. NDiüW 7ne.skä, arab. rnask, assyr. 
rnaskic. 

Dazu maskeXen ledern Marc. 1, 6 etc. 



75) [lTuihi^ inarg Wiese, Aue (1 Maccab. 9, 42 'ilog; Basil. 
V. Caesarea 5. Jhd., Steph. v. Siunik 8. Jhd. etc.): syr. N5'n73 
margä Wiese, arab. mar) pratum, schon von den Arabern (Fränkel 
p. 129) als pers. bezeichnet. Vgl. pers. mary „genus graminis 
quod bestiae pascentes libenter vorant" (Vullers), maryzdr Ort, wo 
mary wächst, Wiese, kurd. mirk prairie, mergha G. (Justi-Jaba 
Dict.). Zu Grunde liegt wohl ein altiran. inarya, das ich auch 
im Avesta, Vd. 2, 26 vermuthe: liaüra mareyä avastaya „dort 
lege Wiesen an".] 



Hübschmann, Die semitischen Lehmrörter im Altarmenischen. 245 

76) t/uiDU mak^s Zoll (Römerbrief 1 3, 7; ?«aÄ;'5afor Zöllner 
Matth. 5, 46): syr. ND=i'3 maysä , hebr. Dr», arab. y«^^ ?«aÄ'6? 
(aus dem Aram., Fränkel p. 283), assyr. maksu. 

11) [i/a-|ui<^nui mglaliot nach Schimmel, Kahm riechend, 
muffig (Geopon. 13. Jhd., Vened. 1877, p. 100, Z. 10 v. u., 
Arakhel v. Tebriz 17. Jhd.), mgl-il schimmelig werden gehört 
wegen der abweichenden Bedeutung schwerlich zu: syr. Nbj73 miiylä 
Eiter, Wundsaft, auch Saft aus den Olivenkernen; arab. majl 
Wasser unter den Schwielen der Haut.] 



78) [iTtpfr^iiuii meh^enay ., menh^enay , menk^anay (Faust. 
Byz. p. 123. Z. 1 u. s. w.) kommt trotz der Endung -m/ nicht 
aus dem Syrischen, zumal hier nüyane erscheint, sondern ist = 
gr. ^Viyavr,. uccyyavov , ^ayyavda. Vgl. arab. manjcmiq, lat. 
maclnna und manganum.'] 



79) ifniiiilui2l^(^^[j\ m?Mva.s('{-i(' gen. pl.) = syr. malvase 
Zodiacalbilder. Nur Umschreibung des syr. Wortes. Vgl. Wiener 
Ztschr. 4, p. 191/2. 

80) juiLTnin yciinoir (^'-a-St.) Toayekacfog (Hiob 39, 1), ogv'^ 
(■? Deuteronom. 14, 5), Mos. Chor.: syr. Nnr:r;^ yaliviUrä , hebr. 
^rcw yahnvr, arab. _j.*.5^j yahnür. 

Man erwartet im Armen, u für oi. 



81) \imh-naiu\i nacr-aci (EAise 5. Jhd., Vened. 1859, p. 21), 
7irtcar-ari (ebenda p. 123 und 140) Nazarener: syr. N-'ii:: nasräyä, 
mand. näsöräyä.^ arab. JL^ai nasräni, pl. nasärä Christen. 

Sonst *üuiqniLntn[i nazöreci ]SaL,aQrjv6g Marc. 1, 24; ISa- 
QüjQcüoq Matth. 2, 23. Die Endung -aci, -eci ist armenisch. 

82) ["liM nis (ohne obliq. Casus) nota, punctum, siguum 
(Mos. Chor., Ephrem 5. Jhd., Joh. Mamik. 7. Jhd., Greg. Lusav., 
Sarakan): syr. N'c;'^: ntsä Ziel (aus dem Persischen?). 

Aus dem Persischen oder Syrischen? Vgl. arm. n.san Zeichen 
= pers. nisänJ] 



246 Hübschmcmn, Die semitücTien Lehnwörter im Altarmenischen. 

83) 2_"'P"'P- *«^«^' (^f-St.) Sabbat Matth. 12, 8 etc.: syr. 
^l^ry^d sahheß-ä, hebr. ry6 sahh<l& , daher gi*. odßßarov u. s. w., 
mit Dissimilation von hh: paz. .sanbad (Shik. Gum. Vij. p. 267), 
pars. sanhaS und ianba, äthiop. sanbat u. s. w. Vgl. Nöldeke, 
Pers. Stud. II, p. 37. 

84) i^iiinfiLn samrit Samariter (Jacob v. Nisibis 5. Jhd.), 
davon samrtaci dt. (1 Maccab. 3, 10; Euseb. Chron. 5. Jhd.; Anan. 
Shirak. p. 22) , samrtutitm Samariterthum (als Secte , Cyrillus 
V. Jerus. 5. Jhd.) ist Mischform aus syr. üamräyä und griech. 

Vgl. uun/uinuin[7 samar-aci ^auafjairr/g Matth. 10, 5 von 

85) r2"iLri|inLn sajnp^ur (oder sap^ur, 0-St.) Bratspiess (Mos. 
Chor. p. 227, Z. 14; Thom. Artsr. 10. Jhd., St. Petersb. 1887, 
p. 66, Z. 13) gehört kaum zu -nE?:D (pl.) , das einmal an einer 
Targumstelle vorkommt und schwerlich semitisch ist. Seine Be- 
deutung ist unklar, jedenfalls nicht „Bratspiesse".] 



86) 2^11-jir^.savü (i-a-St.) Pfad, Weg, zQißog Matth. 3, 3; 
Fussstapfe, Spur, 'i^vog 2. Brief a. d. Korinther 12, 18; Faust. 
Byz. 23, Z. 6 V. u. : syr. Nb"'!'^ sewllä, arab. sab'd. 



87) 1U"^^^"'J icip'iXay (auch sap-iulay, gen. sapHXay und 
sap'ilayi) Sapphir GUJicpeiQog (Exod. 28, 18; 39, 11; Offenb. Job. 
21, 19; Exod. 24, 10; Hiob 28, 16): syr. ab^tO sappllä, hebr. ^^ED. 

Nur hier i- für c. Wb giebt als Nominativ auch sapHk an, 
wohl wegen des Genitivs i-tap'ilay und (spätei-) sap'ü.i. 



88) 2_^'^"^"'J •^^i''^'"^ (auch sep'oray , ^*-St.) Trompete 
(Agath. , Jakob v. Nisib. 5. Jhd.): syr. N-iiE''0 siförä, hebr. izr::; 
vgl pers. •.-».x-i; slpör ? = arab. ,_j-*-ii . 

Wb führt auch den Nomin. sep'or, sip^ar, gen. sep'oray an. 



89) 2JL^'"J -^'^'^^y («-St.) Kette (Marc. 5, 3 u. s. w.): syr. 
N nb ttj ""d 'Sesaltä. 



Hübschraann, Die .'semitischen Lehnwörter im Altarmenischen. 247 

Die armen. Form deckt sich nicht ganz mit der syrischen, 
auch wenn man als ursprüngliche Form *mt'ay aus *.sisltay 
erschliesst. Doch vgl. talmud. Nnb-'dTC. 



90) inJ-^l"'! ^ukay Strasse, Markt (Oskiph. nach dem 12. Jhd.; 
Matth. von Urha 12. Jhd.; Bas. Mask. 14. Jhd.): syr. Npi"iJ süqä 
(phl. sühä Pahl. Paz. Gloss. p. 214), arab. ö»-w snq (aus dem 
Aram., Fränkel p. 187). 

91) 2""- 2"''^' ^t^-'^o.n (i'-a-St.) Lilie (Matth. 6, 28 etc.): hebr. 
y::^:: sösän, syr. NrrüJid ,s5sa7ine&ä, pl. sösanne {ö besser bezeugt 

als ü), arab. .y^^^. Vgl. gr. oovüov Lilie, de Lagarde, Ges. 
Abh. p. 227. 

Aegyptischen Ursprungs. Vgl. Brugsch, Hieroglyph. Wb 4, 
1314/15; Erman, diese Ztschr. 46, 117. 



92) 2JiL2Lfiuj iusmay (^*-St.) Sesam (Nerses Shnorh. 12. Jhd.; 
Sanahneci 11. Jhd.; Bzsk. 13 — 15. Jhd.): syr. n'';;üic susmä. 

93) 2i'^2i^'"J ^'^^'^P^fi'y oder suspay («'-St.) corporale und 
pui-ificatorium (Mast. jahk. 14. Jhd.): syr. f^S'iTd sü.seppü. 



94) [ttil'/iuii iup'ay Augensalbe als Variante für arm. del 
■/.oXlvgiov, Offenb. Joh. 3, 18, angeführt von Jakob jahk. (14. Jhd.)- 
syr. NE-'ä seyöfd, woher arab. oljv*« (Fränkel p. 262). 

Es müsste eine Nebenform syr. net-' von der Wurzel qi'C; 
angezetzt werden? Das armen. Wort kommt sonst nicht vor.] 



95) 2i*/"'n iipcir Schminke, spar -im, spirim schminke mich 
(Ezechiel 23, 40, Chrysost. 5. Jhd. u. s. w.): syr. iEl; .sefar 
war schön, sufrä Schönheit, sapplr schön. 

spirim beruht auf Conjectur. Joh. Chrysost. Bd. I, Vened. 
1862, p. 66, 22 (zu 1 Timoth. 8): |7 f/nj'/u "f"'P^'7^"5 ^^^^• 
[i f/njf/" ?"f^^7^"• -^s fragt sich also, ob nicht auch hier 
sparicis zu lesen ist. 



248 Hübschiuann, Die semitischen Lehmcörter im Altarmenischen. 

96) ni_ppui(3- urbaf (u-St) Freitag (Matth. 27, 62 u. s. w.): 
syr. Nnm^y ^erüweß-ä, arab. 'm^^^c (aus dem Aram., Fränkel p. 277). 

97) \<miruiXi caman (o-St.) Kümmel Matth. 23, 23; Jesaias 
28, 25, 27, 28): syr. N3T?:d kammönä , hebr. kammön, punisch 
ya^iäv, arab. kammiin, gr. xvfiivov, lat. cuminum, d. Küm- 
mel etc. (Low, Aram. Pflanz, p. 206). 

Das arm. Wort kann seines Anlauts wegen nicht direct aus 
dem Syr. genommen sein.] 

98) [u^uMm-uuilj paijusak (i'-a-St.) Beutel (Micha 6, 11; 
Job. Kathol. 10. Jhd. ; Erznk. 13. — 14. Jhd.), payuasik (Sebeos, 
St. Petersb. 1879, p. 147, 5 v. u. für payrasik der Ausg. von 
Constantinopel p. 231, Z. 1), payuasik (Ananias Shirak. ed. Patkan. 
p. 29, 2), apavasik neben payusak (Chrysost. 5. Jhd.): syr. 5^dtie, 
lies ^^D^^z payüsag oder paivasag ; pers. payüza (?), paivaza (de Lag. 
Ges. Abb. 74); georg. pavasaki (aus dem Armen.). 

Pers. Ursprungs.] 



99) [upiu^Ljun paijkay (2 -St.) Papagei gehört nicht un- 
mittelbar zu arab. Li..j babayä oder babyä, da es schon bei Philo 
und Pseudocallisth. (5. Jhd.) vorkommt. Kann es zunächst aus 
dem Syrischen stammen? Vgl. im syr. Pseudocallisth. 211,9 
einmal NDD für yjiTTaxoi (für N5Ss ?). Ist der Name mit dem Thier 
auf dem Seeweg über Babylonien nach Syrien u. s. w. gekommen ? 
(Nöldeke).] 

100) ujnrjninuij i^oXotay (^■-St.) Strasse (Faust. Byz. p. 16, 
Z. 6—7, u. s. w.): N"'::bD plötlä , gr. TiXarsla, lat. p)l<^i^(^, got. 
plapja, deutsch Platz etc. 

Aus dem Griech. oder Syr.? 



101) umuil/ prak («-a-St.) 1) Gehölz, Gebüsch (Philo, Thom. 
Artsr.) ; 2) pl. prak-U = Tiga^Eig {rcuv änoaTolcov) (Chrysost. 
Job. 2; Job. d. Philos. 8. Jhd. etc.), vgl. praksautfoik u. s. w. 
== TiQci'iEig avTwv (Ephrem, Vened. 1833, Bd. 3, p. 117/118) 



Hübschmanii, Die semitischen Lelmu-örter im Altarmenischen. 249 

apokryph. Apostelgeschichten; 3) prah-k^ Kapitel, Abschnitt (David 
d. Philos. Venedig. 1833, passim, 5, Jhd.), letzteres: jüdisch p-^c, 
Np^E päreq , perqä Abschnitt (eines Buches) , syr. ^^»ej-^'« Stück 
(Zeug). 

102) uuipui saha alt, Greis (nach Wb nur einmal bei Euseb. 

Kirchengesch. 5. Jhd., Vened. 1877, p. 499, Z. 16 v. u.), im griech. 
Text TigeoßvTr/g): syr. Nno säwä. 

Für saba könnte auch sahay geschrieben werden. 



103) uuit^nLn sakur (i'-a-St.) Streitaxt (Faust. Byz. p. 232), 
dazu sakravor mit Axt bewaffnet (ebenda p. 118, Z. 17 ; p. 204, 232), 
daneben auch sakr (Mos. Chor.): aram. N''"npD, daher arab. ,^iL>o 
süqür (Fränkel p. 84); lat. secüris'} 



104) [uumiuiui sapat und sapafak Kasten, Korb (.Jesaias 
3, 26; Laz. Pharp. 5. Jhd.; Mos. KaAank. p. 144, Z. 7 v. u.; 
174, Z, 2): syi-. n::ed seffO (oder saftä'^). arab. J^ä^« Korb. 

S. Fränkel in Kuhn's Litteraturblatt 1 , 416 führt die Worte 
mit Hülfe von pers. sabacl^ arab. »Äx*., sabaöa auf ein älteres 
pers. sapat zurück, das auch vom Armen, entlehnt wurde.] 



105) uuiinui*uuij satanay («"-St.) Satan, Matth. 4 , 8 (o 
ßolog). 4, 10 {^cixava Voc.) etc.: syr. Nrrio sätänä. 



106) uuii[in[7Lr sap-r-em scheere (die Haare des Kopfes) 
(Philo 5. Jhd., Steph. v. Siunik 8. Jhd., Aristakes v. Lastiv. 
11. Jhd.): syr. -!ED soppar rasirte. 



107) [utrjui'ii se)Mn (o-St.) Tisch, Altar (alt und häufig) 
kann das hebr. ^nbu; sulhän Tisch nicht sein.] 

108) utnAi setn Achse des Wagens (Sirach 36, 5 ä'^MV, 
Philo; Steph. v. Siunik): syr. N:nD sarnä (stat. abs. sran, sren?). 

Vgl. srnak ctiojv , Xvyog. Vulg. auch lisern = sern, aber 



250 Hübsclimann, Die semitischen Lehnwörter im Altarmenischen. 

litterarisch h'sern (bei Wb nur pl. Isrunh'. Isruns) = y.vi^ftr/, ö(f6v- 
dvlog. — Armen, r für sonstiges r ist durch das folgende n 
bedingt. 

109) u[ip stk' (o-St.) Luftzug, Lüftchen, Wind (Agath. Vened. 
1862, p. 204; Eznik, Vened. 1826, p. 92; 5. Jhd.): syr. Np'f ^^?<^ 
Wind, arab. ziq Wind (aus dem Aram., Fränkel p. 285), assyr. ztqu. 

s in sik ist unregelmässig für z eingetreten, ebenso k' für k. 
Vielleicht geht armen, si/c' mit arab. v_äaao slq Wind auf eine 
aram. Form mit anlaut. s zurück. 

110) unL[T^i suin (oder sevin) Wurfspiess, Lanze (Jesaias 2, 4 
= ^ißvv7]; Mos. Chor. p. 73, Z. 7 v. u.): syr. N^-^iiD etwa: sü- 
ivlnä. Woher stammend? 

Arm. Silin ist nach arm. Vocalgesetz aus *suvin oder ^sivin 
entstanden. Vgl. pers. zöpin (Fird. I, p. 337, 3 u. s. w.; wie 
ausgesprochen? züb'm'^ de Lagarde, Ges. Abh. p. 68), arab. pers. 
^^xj»j, von den Gilanern gebraucht, gr. L,ißvvr} , Gißvvi]^ öiyvv?], 
lat. sibma. — In Compos. erscheint sun- (aus s-v-n), z. B. sunavor 
„mit Wurfspiess bewaffnet" Faust. Byz. 118, Z. 17. 



111) unLufcrn suser (^'-a-St.) Schwert (Jesaias 2, 4 u. s. w., 
alt und häufig) aus syr. NliOSD safserä aus gr. aa/uxpr/Qa aus 
dem Persischen, wo im Pahl. safser (Haug, Pahl. Paz. Gloss. p. 10 
und 213; diese Ztschr. 43, 38 Anm.), im Neup. samser (schon 
Jätkär i Zar. p. 54 ; Mätikän i ^atrang p. 5 , Z. 1 ; Pehl. Vend. 
p. 171, Z. 2 V. u.) vorliegt. Zu u für af vgl. oben 7nanusak 
unter manisah. — De Lagarde, Ges. Abh. p. 72 — 73. 

112) uu^ trfjui'iifi spelani (e'-o-St.) Umschlag, Pflaster (Jesaias 
1, 6 u. s. w.): syr. «"»rboON esplmyä, gr. on'/.rjviov Verband. 

Aus dem Griech. oder Syr.? 

113) ui ui n lTui |_ #ar?Ha/ (auch tarmalah, tarmaXak) Beutel, 
Sack (Altes Wb 13.— 14. Jhd., Tonak. 8. Jhd. und später, Oskiphor. 
nach d. 12. Jhd., Erznk. Matth. 13.— 14. Jhd.): syr. Nb?:n:: tarmäld. 

114) uifc-fili terev (o-St.) Blatt (Marc. 11, 18 u. s. w.): syr. 
Nsiii: tarpU^ stat. abs. feref. 



Hühsehma im. Die semitischen Lehnwörter im Altarmenischen. 251 

Fr. Müller (Armeniaca VI. Nr. 64) stellt arm. tei-ev jetzt zu 
skr. darhlid Grasbüschel, Buschgras, ahd. zurha Rasenstück, d. Torf, 
wogegen die Bedeutung spricht. 

115) ^^} i^ay ('>-St.) junges Kind, Knäblein , Jüngling; 
jung, unmündig (Römerbrief 2, 20 vt]niog u. s. w.): syr. Nib:: 
talyä, stat. abs. xb:: tele jung. 

116) [nLmppnL'n[7 rabbimi {Marc. 10, 51), nuippnL'ii[i rabbuni 
(Joh. 20, 16j, nuipni-'lifi rabuni ist nicht = jüd. "'rinn rabböni, 
ribbörü sondern direct = gr. oaßßovvi (Var. Qccßßovi) = 8i- 
Säoy.ala Marc. 10. 51 zu setzen, vgl. ii-uipp[7 rabbi = gaßßi 
Marc. 11, 21. 

Davon später (10. — 13. Jhd.) rabun dottore, maestro , rabu- 
nabar da maestro ; rabunakan dottorale, rabunai^et capo dei dottori, 
rabunaran residenza dei dottori, rabunel insegnare.] 



117) [tjhtj rer (o-St.) Motte (Matth. 6, 19 u. s. w.) passt 

lautlich weder (als Lehnw.) zu hebr. CD, S}t. ncc, arab. fj^»^ 
noch (als Originalw. oder Lehnw.) zu gr. arjg Motte , obwohl die 
Wörter ähnlich klingen. 

Griech. otjg , gen. ösog setzt einen Stamm urgriech. «es voraus, 
der , wenn original , auf vorgriech. sves , hjes , ti/es u. ähnl. {syes 
nach G. Meyer, Alb. Stud. III, 41) zuräckgehen müsste. Die Flexion 
g. iiriTÖg, pl. Ohreg ist Analogiebildung nach den zahlreichen Subst. 
auf -?;e, rixog wie xg-r^g xgijTog u. s. w. Kühner-Blass, Ausf. Gram, 
d. griech. Spr. I, p. 471 — 472. Zu jenen vorgriech. Formen stimmt 
aber der arm. Stamm reco- auch dann nicht, wenn man mit 
Bartholomae (Stud. z. idg. Spraehg. IL p. 11) annimmt, dass arm. 
c auf urspr. 1) sy = gr. h im Anlaut, 2) k'y (nach Barth. = gr. 
xt). 3) h's =■ gr. §, 4) hli oder sich = gr. x, 6/. zurückgeht.] 



118) ij\\(j eic (o-St.) Pflock (Agath. Philo u. s. w.) : syr. 
i<i:i sessü. 

Dazu ccem infigo. Dass auch nanuiip rcun-h'- (Leviticus 
19, 27; 3 Maccab. 4, 6; Faust. Byz. 253, Z. 1) = aiGorj (kopt. 
jicöi de Lag.) dazu gehöre (,die Haare in Pflöcken nebeneinander 
gelegt" de Lag.), glaube ich nicht. 



252 Hühsclwiann, Die semitischen Lehnvörter im Altarmenischen. 

119) i/ito-t^iiuij p^ecjeiiay ^ i/ecjanay Baute, nijyavov (Luc. 
11, 42 ; Mech. Gos. Fabeln p. 49) : syr. Nr^'iö, arab. ^^^j<i aus griech. 
TiViyciVov. Vgl. Low, Aram. Pflanz, p. 372. 



120) ifinlihiT p^rk-em befreie, errette, erlöse, heile (Matth. 
9, 21, 22; 14, 36; Marc. 5, 28; 6, 56 u. s. w.): syr. p^s 2W^<1 
erlösen, päröqä Erlöser, purqänä Erlösung. 

Armen, p'rk-an-h' Lösegeld Matth. 20, 28; Exod. 21, 30; 
Faust. Byz. 197, Z. 10 v. u., u. s. w. ist eine ebenso echt armen. 
Bildung wie p'rkic Erlöser u. s w. von p'rk-el. 



121) pui<^ui*imjj Ualianay (/-St.) Priester (Matth. 12, 4—5; 
Marc. 2, 26; Luc. 10, 31; Joh. 18, 15 u. s. w.): syr. nshd kühnä, 



hebr. "nb, arab. ,-^^^ . 



122) uuirjuip k'alak' (i'-a-St.) Stadt (Matth. 2, 23; 10, 14, 
15, 23; 21, 17; 23, 24 u. s. w.): syr. nid'hd karxä (stat. abs. 
wohl kera^) ? 

Stimmt lautlich nicht ganz. Aus dem Armen, entlehnt: georg. 
k'alaUi, osset. U'alak^ tusch k^alik''. 



123) puinri-truii hahleuy («'-St.) Chaldäer, Sterndeuter, Astro- 
log (Daniel 2, 2, 4, 5, Philo, Euseb. Chron. u. s. w.) : syr. N-^nbD 
Xalddyä (auch = Sterndeuter) = gr. Xal8alog Daniel 2, 2 flg. 

Dazu k'aldeut-iun Faust. Byz. p. 252, Z. 10—11. — Damit 
urspr. identisch ouii_rj_fc-uij k'avdeay (e'-St.) Wahrsager (Faust. Byz. 
165, Z. 5; 166, Z. 3, 6, 29; Eznik; Philo; Uavdeut'mn Elis. 
14, Z. 10), so auffällig auch v für l ist. — Davon sind natürlich die 
(uuirjui[ip ;^«Ai!«-Ä;' = XäldoL (Faust. Byz. 179, E^ise 72 und 97) 
im Nordwesten Armeniens zu trennen. 



124) uui*iipuin k'ank'ar (o-St) Talent (als Summe) (Matth. 
18, 24 u. s. w.): syr. N"i33 kakkerü, hebr. kikkär. 



Hübschmann, Die semitischen Lehnwörter im Altarmenischen. 253 

125) nmnn^Jc'aroz Herold, Botschafter, Verkündiger (1 Timoth. 
2, 7: /iriQv"^, Faust. Byz. 15, Z. 1 u. s. w.), davon k'arozel ver- 
kündigen, predigen, xijqvögsiv (Matth. 3, 1; 4, 17; 11, 1; Marc. 
1, 14; 5, 20 u. s. w.): syr. N-i"i3 kürözä von gr. x7jQVGoeiv. 

Schon Daniel 3, 4: i^'i'z häröz Herold; 5, 29: rns öffentlich 
ausrufen. 

126) [jjuinuil;-u hartes (instr. k^artisiv 2. Johannesbrief 13 ; 
daneben k'artez; harttn , gen. k'arteni; hart, gen. k'arti , bei 
Philo, Sevei-ian. u. s. w. 5. Jhd. und später) Papier, wohl nicht 
aus syi-. N0"':2-ir) -/^artlsä oder lartesä = arab. y^Ll^-s, sondern 
direct aus griech. (6) yaQxriq [nicht aus '/dQxaiq^\ 



127) puipu;n hahar (^-a-St.) Fladen, Xdyavov, von Wb nur 
aus dem AT belegt: Exod. 29, 2; Levit. 2, 4; Num. 6, 15, 19; 
2 Könige 6, 19; 1 Chron. 23, 29: syr. Nr^-iinn hähurtä (pl. häh- 
rüß-a) , das in der syr. Bibelübers. ebenfalls Exod. 29, 2 ; Levit. 
2, 4; Num. 6, 19 vorkommt. 

Also nur gelehrtes Fremdwort. Der armen. Bibelübersetzer 
hat hier tä als syr. Endung einfach abgeschnitten. 



128) \unuiumi hrsamn (instr. k'rsamamb , Var. k'isamn) Erve 
(nach Wb nur im alten Wörterb. des 13.— 14. Jhd. = öüoßoq und 
bei Euseb. Kirchengesch. 5. Jhd. Venedig 1877, p. 158, Z. 17 v. u. : 
oooßoig juiv ^^irfgaTTOVreg to'iq ä&kioig ruJv aiöoicov roi'g 
noQOVg): arab. iJ>^S karsatma, jüd. mischna-hebr. nii'C'ir, np. 
karsana, du Gange y.aoatva. 

Aus dem Persischen? Vgl. Low, Aram. Pflanz, p. 105 und 
228. — Identisch mit dem spätem husnay, siehe Nr. 130.] 



129)jAjujn hnar («'-«-St.) Laute (Genes. 4,21 u. s. w.) : syr. 
N'"i:d kennärä, hebr. kinnör, gr. xivvQa. 

Vgl. (fuuin jnar Zither, x^(?^^i (Nahum 3, 8)? 

130) DnL2*i.iuij husnay (gen. -ayi) eine Hülsenfrucht, nur 
Geop. 13. Jhd. (zwischen haklay Bohne, siserii Erbse und ospi 
Bd. XLVI. 17 



254 HübscJimann, Die semitischen LeTinvörter im AltarmeniscJien. 
Linse genannt) : syr. Nria-D humä Linsenwicke, Erve ; pers. Ä-C^y, 
ü^^Ä^i', arab. ^k^S' = \i.^S^ vgl. Nr. 128. 

Vgl. de Lagarde, Ges. Abh. p. 59 ; Low, Aram. Pflanz, p. 228. 



131) pnLu[i(3-uij Ichisitay Mönchskapuze (Euagrius 5. Jhd., 
Steph. Orbel. 13. Jhd., altes Wörterb. des 13.— 14. Jhd., Oskiphor. 
nach d. 12. Jhd. u. s. w.): syr. Nrr^Dn^ kosl&ä. 



132) pni-nuii U^uray («-St.) Schmelzofen (Cyrillus v. Jerus. 
5. Jhd., Chrysost. Jesaias 5. Jhd.; Thom. Ai-tsr. 10. Jhd., Ignat. 
12. Jhd.): syr. NiiD hürä, pers. 8.j.i fornax. 



133) rpni-nÄ Ic'urj (= k'^urdz, gen. -i) Sack = grobes 
Kleid und Beutel (Faust. Byz. p. 25, Z. 22, AT, Ephrem 5. Jhd.u. s.w.): 
syr. NnTliD kurzd-ä, NnD'niD kurs&ä, arab. y^ kurz (nicht 
semitisch vgl. Fränkel p. 82). 

S}T. Tli^, CniD sind nicht nachweisbar. De Lag. lässt das 
syr. Wort aus dem Armenischen entlehnt sein. Stammen beide 
Wörter aus dem Persischen "PI 



134) unL-niT k'urm {i'-a-St.) Götzenpriester (Agath. 5. Jhd., 
Zenob Glak, Vened. 1832, p. 25, Z. 9, 20, Michael d. Syr. 
13. Jhd. u. s. w.): syr. N'1721d kumrä (nicht kurma). 



135) uppm-tT k'7'kum (o-St.) Crocus, Safran (Hohelied 4, 14; 
Mos. Chor. Geog. ed. Patkan. p. 25 u. s. w.) : syr. N723mD kurkemü, 
hebr. nb"]? (Hohelied 4, 14), arab. kurkum, np. karkum (1. kurkum, 
de Lag. Ges. Abh. 58) ; skr. kuhkmna crocus sativus. 



136) po; = uuiLi Ä:'attÄ (i'-St.) Ziegenbock (ati Gen. 15, 9; 
Xifiagog Num. 29, 22 u. s. w.): syr. N"ä::D kewsä, arab. ^jix^.i', 
hebr. "iina. 

Vgl. Fränkel p. 109. Ist in vorhistorischer Zeit das arabische 
Wort mit der Sache zu den Aramäern gekommen? 



Hübschmann, Die semitischen Lehnvörter im Altarmenischen. 255 

Von kirchlichen Ausdrücken finden sich hier die für Priester, 
Götzenpriester, Mönch, Eden, Satan, Fasten, Nazarener, Samariter, 
Sabbat, Corporale und Mönchskapuze; von Pflanzen- und Thier- 
namen die für Yssop , Thymian , Olive (= Oel) , Veilchen , Lilie, 
Sesam, Erve, Crocus wie auch das Wort für Blatt: Raupe, Heu- 
schrecke, Katze, Wiesel, Rebhuhn, Toays'Aaffog , Ziegenbock sowie 
das Wort für Fell und Schaffell ; von Ausdrücken der Schreib- und 
Lesekunst die für Buchstaben, Silbe, Pergament ; von Waffennamen 
die für Schwert {'/arb und sioser) , Streitaxt und Wurfspiess ; von 
Namen häuslicher Instrumente und Geräthe die für Axt, Packnadel, 
Pflock , Sichel, Sieb, dazu das Verbum scheeren ; Kessel, Rost ; von 
musikalischen Instrumenten die für Cymbel, Trompete, Laute ; von 
Ausdrücken des Handels und Verkehrs die für Kaufmann, Pfennig, 
Talent, Rechnung u. s. w. 

II. Die arabischen Lehnwörter. 
Armenien, räumlich von Arabien getrennt, trat erst im 7. Jahr- 
hundert unserer Zeitrechnung in directe Beziehungen zu den Arabern 
in Folge der arabischen Eroberung. Seit dieser Zeit sind die 
Armenier mit kurzen Unterbrechungen Unterthanen niuhamme- 
danischer Fürsten (der Araber , Seldschucken , Mongolen , Osmanen, 
Perser) geblieben und sind es grossentheils noch heute. Daher 
könnte man wohl erwarten, dass ihre Sprache ebenso von arabischen 
Worten durchsetzt wäre wie etwa die Sprache der Perser und 
Türken, ihrer Nachbarn und Herren. Dies ist aber nicht der Fall 
und zwar deshalb, weil die Armenier den Islam nicht angenommen 
sondern trotz aller Verfolgungen treu und zäh am Christenthum 
und christlicher Bildung festgehalten haben, so dass das Armenische 
noch fast ganz frei von arabischen Wörtern ist zu einer Zeit, wo 
die Sprache der muhammedanischen Perser schon zahllose Lehn- 
wörter aus dem Arabischen aufgenommen hat. Sebeos (7. Jhd.) 
hat meines Wissens noch kein arabisches Wort, von Eigennamen 
natürlich abgesehen; bei Levond (um 800) finde ich ausser Eigen- 
namen und Titeln {ainirahnu77imk^ = Chalifen) nur die Wörter 
huraik'^ = Koranleser (plur.) und p^urkan = Koran als termini 
techn. für specifisch ai'abische Dinge ; bei Schriftstellern des 9. — 11. Jhd. 
scheinen nach Ausweis des Wörterbuches nur ganz wenige arabische 
Wörter vorzukommen, von den Namen und Titeln wieder abgesehen; 
erst seit dem 12. Jahrhundert treten sie etwas häufiger in der 
Litteratur auf, wie sich aus der unten folgenden Liste ergiebt. 
Freilich gehören nicht alle diese Wörter der lebendigen Sprache 
an; einige, wie die astronomischen Wörter, werden überhaupt nicht 
als armenische sondern als arabische Bezeichnungen der betreffenden 
Dinge genannt und sind daher auch nicht als armenisch anzusehen ; 
manche andere sind nur gelegentlich gebrauchte, der gelehrten 
Sprache angehörige Fremdwörter, die sich nicht in der Volks- 
sprache eingebürgert haben. Am häufigsten finden sich die arabischen 

17* 



256 Hübschmann, Die semitischen Lehmvörter im Altarmenischen. 



Wörter natürlich in derjenigen Litteratur, die aus arabischen Quellen 
geflossen ist, in den medicinischen Werken, wie z. B. in dem des 
Mechithar Heratzi über die Fieber vom Jahr 1184 (Venedig 1832, 
vgl. Vorwort des Verf. „ich habe die Litteratur der Araber, Perser 
und Griechen studirt" und die p. 23 genannten arabischen Autoritäten : 
„Ibn Sinay, Mahamad ihn Zaqariay" u. s. w.) und in den 
Geoponica (Girk' Vastakoc, alte Uebersetzung aus dem Arabischen, 
Venedig 1877), die nach der Ansicht der Mechitharisten (vgl. Vor- 
rede p. 15) im 13. Jhd. in das Armenische übersetzt wurden. 
Beide Werke sind vulgär-armenisch geschrieben und werden bei 
näherer Untersuchung noch eine grössere Zahl Fremdwörter, darunter 
viele arabische liefern. 

Ergiebt sich somit, dass die arabischen Lehn- und Fremd- 
wörter erst im Vulgär- oder Modern-Armenischen häufiger sind, 
dass sie dagegen im Altarmeuischen selten sind und um so seltener 
werden, in je ältere Zeit wir zurückgehen, so versteht es sich von 
selbst, dass in der ältesten armenischen Litleratui-, der des 5. und 
6. Jahrhunderts, sich solche — direct aus dem Arabischen entlehnte — 
Wörter überhaupt nicht finden können. Wo solche dennoch vor- 
zuliegen scheinen, sind drei Möglichkeiten zu constatiren: 1) das 
betreffende Wort oder die Stelle, in der es sich findet, ist ein- 
geschoben, und Interpolationen sind in der armenischen Litteratur 
häufig genug; 2) das betr. Werk gehört einer späteren Zeit an, 
und die Ansichten über die Abfassungszeit vieler armenischer 
Schriften, besonders aus der üebersetzungslitteratur, schwanken noch 
um Jahrhunderte ; 3) das betr. Wort ist nicht direct entlehnt, sondern 
durch Vermittelung anderer Völker zu den Armenier gekommen 
(wie es bei arabischen Producten der Fall sein kann), oder auch 
Araber und Armenier haben das Wort aus einer andern Sprache 
aufgenommen. Unter einem dieser Gesichtspuncte sind in der 
folgenden Liste die Wörter balasan Balsam , tap'ut Bahre , hava- 
tutiun Kuppelei, maXap und mlak zu betrachen. 

Für die Lautlehre ergiebt sich aus den arabischen Lehnwörtern, 
dass sich im Allgemeinen folgende arab. und arm. Laute , resp. 
Buchstaben entsprechen : 



J 

t 

1 





's-; 


CJ 


ö 


S 


Z 


Z 


L> 


ö 


arm. 


" 


t,t' 


t' 


J 


h 


X 


d 


Z 




) 


Ü* 


lA 


U^ 


U^ 


h 


Jp 


£ 


arm 


z 


s 


s 


s 


d? 


t' 


— 


~ 




^ 


ö 


^ 


^ 


r 


O 


8 


3 


arm. 


P'(f) 


k 


k'im 

Anlaut 


1 


m 


n 


h 


V 



Dazu arab. a, a, z, l, u, 



arm. a, a, i, i, u, u (o). 



Hülschmann, Die semitischen Lehnicörter im Altarmenischen. 257 

Beachtenswert]! ist dabei die Vertretung 1) von arab, ^jj durch 
arm. h = k, vgl. akrharhay, halday, zik, kamas, karuray, kavat, 
klay, klayeh, kuraik', mkrad, salak, sncluk, p'urkan und 2) von 
arab. l und 11 durch arm. j /, nicht n X , vgl. balasan, zohal, 
lubia, lovias , x^^^^y klay, klayek, mtyr^al, salak, salay, balyam. 
Ersteres beweist, dass arm. Ij k auch noch nach dem 12. Jhd. 
den Werth einer gutturalen Tenuis {k) hatte und in der Volks- 
sprache noch nicht zur Media {g) geworden war, während damals 
die altarm. i), t durch die modern-arm. Lautverschiebung zu h, d, 
die altarm. b, d zu p, t geworden waren (daher für neu ent- 
lehntes arab. bädmjcin modern-arm. patincan geschrieben aber 
badhvjan gesprochen wird); letzteres zeigt, dass das altarm. n 
schon zur frühesten Araberzeit seinen ursprünglichen Lautwerth 
/ (= griech.-syr. l) aufgegeben und auf dem Wege zur späteren 
Aussprache y war, in Folge dessen eben arab. / durch arm. ^ 
umschrieben wurde ^), während in älterer Zeit zur Wiedergabe von 
fremden (griech.-syr.) l im Armenischen fast nur n verwendet wurde. 

Ich lasse nun die Liste der arab. Lehnwörter folgen. 

1) uiquiu^ azap, sprich azab (vulg. und modern) noch nicht ver- 
heirathet: arab. (^;c ^azab, auch pers , türk., kurdisch. 

Echt arm. ainuri. 

2) ui(3-hjuin aVyar bei C. = i[iiinuiLrfcrn_nLL| giunco odorato, 

das durch arab. at'yar (= .:>C>\ idyir) und (3-[7uj'li[i Sl^vph; 

(=: i^\A ^^'S juncus odoratus) und ^uifuptrn saybär (offenbar = 
pers. säy -f- bar) erklärt wird. 

Also nur Transscription eines arab. Wortes. 



3) uil^nl|uirT<^uij akrkarhay tivqs&qov (Mechithar Heratzl 



1) Auch in den zahlreichen von arm. Historikern erwähnten arabischen 
Namen wird arab. Z gleichfalls durch arm. i wiedergegeben (vgl. Abdlmelih, 
Levond p. 52flf.), nur SaXman finde ich bei Levond p. 83 noch mit n 
geschrieben, dagegen bei Matth. v. Urha Salman (p. 6C, 71) mit 1 _ 



258 Hübsclimann, Die semitischen Lehmvörter im Altarmenischen. 

12. Jhd.) = arab. Ljs>._ä j.6Ls. 'äqir qarhä pp-ethrum aus syr. 
Nnnp "ipy 'äqa7' qarhä (Low, Aramäische Pflanzennamen p. 298). 



4) ui'jCu^uinuin acparar , sprich ajh-arar , Taschenspieler (in 
Sammelschriften nach dem 12. Jhd.): arab. «^.^..^^c. 'ajab Wunder, 
wunderbar + arm. arar machend. 

5) uiLTfinuij amiray Emir (Thom. Artsr. 10. Jhd. u. s. w.): 
arab. ^a\ amlr. Vgl. aTuir al mwnni-k^ (Levond, Paris 1857, 
p. 19; 8. Jhd.) = ^^^,kAl.J\ ^t. 

Davon amiray akan (Gregor Magistr. 11. Jhd.), aviirayapet-em 
(Thom. Artsr.), amirapet (Steph. Orb. 13. Jhd.), amiracucanei 
(Steph. Aso^. 11. Jhd.), amirutHun (Vardan 13. Jhd.), amirayuViun 
(Michael d. Syr., Jerusalem 1870, p. 408; 13. Jhd.). Oder ist 
amiray zunächst = syr. NT^'ON (schon um d. Jahr 700)? 



6) puipnLii[7'5C hahunic (Mech. Heratzi p. 69, Z. 2), upi_ 

ujnLii[7'5C Wb, sprich Äa^wm; Chamille : arab. .«^^Jj-J^J bähiinaj, pers. 
bäbüna (Low, Aram. Pflanz, p. 326). 



7) puijujuui*!! balasan Balsam bei Mos. Chor. Geogr. 7. Jhd.): 
arab. . L.«a^JIj balasän, gotisch balsan (Marc. 14, 4, 5 u. s. w. = 
fjiVQOv). Vgl. aprsam = Balsam (s. o.) und baXsamon, baXsamos = 
ßdlaafiov, ßaXücx^iog (bei Agath., Chrysost., Basil. Hex. 5. Jhd.). 

Die Stelle in der Geogr. des Mos. Chor, lautet nach der Aus- 
gabe, Venedig 1865, p. 612 und Patkanean, Text p. 22: Wohl- 
riechende Oele sind dort (in Ariabia felix) imd Blumen 1 6 : liali, 
jap'u, maXap, ^alsk, k^t^i, aXxuna, x'^^'^'^'i ^'^'j(i^^^^ nardos, balasa% 
ban , yasmik , naran , vard , manusak , marzgoi , während diese 
Namen bei Soukry, Venedig 1881, p. 39 folgendermassen lauten: 
Xalami, jabrik, tna'kad., lasuk, k''edi, huna/Jiunar, y/itar, bu^tak, 
nardin, yasmik., nran, marzigos. Eine Deutung der einzelnen 
Wörter versucht Patkanean, Uebers. p. 56 — 57 Anm. Zum 
Theil sind sie persisch. Was arabischen Ursprungs ist, ist durch 
persische Vermittelung zugekommen, oder — wahrscheinlicher — 
später interpolirt worden. 

8) nuil/juij baklay grosse Bohne, Saubohne (Mechith. Gos 

Fabeln, Venedig 1854, p. 44,45, 12. Jhd.; Tönak. 8. Jhd. und 
später): arab. JlsLj häqilä Bohne; auch pers., kurd. balüöl u. s. w. 



Hühschmann, Die semitisclien Lehnwörter im Altarmenischen. 259 

9) ujuipuipuii u') i)alc'^arayk\ sprich hak'arai/k'' (plur.) Zug- 
thiere, Rinder (Ners. Lambr. 12. Jhd.): arab. b-äj öa^ara Rind, syr. 
haqrä Heerde, hebr. büqür Rindvieh, Rinderheerde. 



9^) [pni_[uinuil| huytak eine Blume Arabiens (Mos. Chor. Geogr. 
ed. Patk. 22,10; Vened. 612,26) hat mit arab. ^Xi^ i>uxta() 
„decoctum" = np. pux^a aus phl. *pu'/talc gekocht, nichts zu thun.] 



10) ri HLfLuii duray „sorta di veste" (Ners. Lambr. 12. Jhd., 
Erznk. 13. — 14. Jhd.): arab. xcLo durraa vestimentum quod non- 
nisi e lana conficitur. 

Nach Erznk. kamen duray (und ritdä = arab. Slo. Mantel) 
aus Persien. 



11) qui^miuj zanap, sprich zcmah Schwanz (daher zänäb i 
Vinnin Drachenschwanz, Name eines Gestirnes) bei Vardan (13. Jhd.) : 
arab. >,_^ö Öanab Schwanz und .-..xäj tinntn Drache. 



12) q__[i j_ zil die hellste Saite eines Instrumentes, der Sopran 
(gegen bamh tiefste Saite, Bass) bei Erznk. (18. — 14. Jhd.) und 
Oskiphor. (nach dem 12. Jhd.) = arabisirtes pers. zlr (älter zer 
unten), wie bainb = pers. baiimi, arab. (Lehnw.) bamm. 

13) q_[ilj zik Rand, Saum (nur Vardan 13. Jhd.) = arab. 



14) t^''>"'[_ zohal Saturn = arab. J.-5> ; ; LrnL2^uin[i 
must'ari =^ ar. ^,'Ji.^ Jupiter; tu'lT" iams = ar. ,ji*.^ Sonne; 
t/uinb-[u mare'x = ar. ü^,.a Mars; cm'*>n"'J zoliray = ar. '■iJ>\ 
Venus; omuin|iin otarit: ar. O.Llac Merkur und nuiL/uin yamar = 

ar. 4.ä Mond sind in Vardans Geogr. (14. Jhd.), vgl. St. Martin, 
Memoires II, p. 410, 455 die fremden Namen für die Planeten. 

1) Dieses Wort gehört zwischen Nr. 54 und 55. 



260 Hühsclimann, Die semitischen Lehnwörter im Altarmenischen. 

Nach Wb sollen sie auch bei Ananias v. Shirak (7. Jhd.) 
vorkommen ; ich kann sie aber in Patkaneans Ausgabe des Ananias, 
St. Petersb. 1877 nicht finden. Aber wo sie auch vorkommen, 
sind sie nur gelehrte Umschriften der arab. Namen, Ebenso 
ß-ni-nuiiui tivraya (Geop. p. 11, 4; 25,7) = arab. ü-i ß-urayyä 
Plejaden. 

15) qnuiiuin zunar (Chrysost. Apostelg., aus welcher Zeit? 
vor und nach dem 11. Jhd.?): gr. ^wvap^ov = arab. pers. zunnär, 
syr. N^:iT, n^:t. 

16) qni-nuH^iI;- zurap^e , zurap^ay Giraffe (Mich. d. Syr. 
13. Jhd.): arab. *i! • zwräfa, syr. ND'iiT. 



17) ^uiu Vas (/-St.) Trinkschale, Becher (Mos. KaAank. I, 
185, 10. Jhd.; Vardan 13. Jhd.): arab. y*LL> tfis Trinkschale (kurd, 

täs, bal. täs), auch ^.^ tass und kmJo fassa, daher ital. franz. d. 
tazza, fasse, Tasse, alle aus pers. tasf. 



18) [ß-uiifinj-in Vap'Xit (o-St.) Bahre (nach Wb einmal bei 
PseudocaUisth. 5. Jhd.): arab. o^jui' täbüt Kasten, Sarg aus aram. 
Nnin-n (hebr. rrin) aus ägypt. 'iht ZDMG. 46, 123. 

Vgl. Bezz. Btrg. I, 289, wonach die semitischen Wörter ,nicht 
im Gebrauch des gewöhnlichen Lebens" waren. Das Wort wird 
auch im Persischen vorhanden gewesen sein und ist von dort zu 
den Armeniern gekommen.] 

19) (J-nJnLu Vrmus oder Vrmuz fava d'Egitto (Medic. 
Schriften 13.— 15. Jhd.; Geop. p. 22, 1, 2, 5; 13. Jhd.): arab. ^^^j* 
turmtis , gr. &iQ^og Peigbohne, Lupine (Low, Aram. Pflanz, 
p. 394). 

20) |_ni^[iuju lovias kleine Bohne (Mech. Gos p. 46, 47; 
12. Jhd.), |nm(fiui luhia (Med. Schriften 13.— 15. Jhd.): arab. 
i^LxjJ (aus aram. N-'mb Fränkel p. 145), pers. lübiyä, Inviyä (aus 
dem Arab.), gr. Xoßoi. 



Hübschmann, Die semitischen Lehnwörter im Altarmenischen. 261 

21) [[uu'p X*^^ Betrug, xahel betrügen (altes und häufiges 

Wort) stimmt nach Form und Bedeutung zu altai'ab. .^A.i> ohne dass 
man an Entlehnung denken kann, üebereinstimmung also rein zufällig.] 



22) [uuimiui y^alat „arab. = sbaglio", davon ]ual^U^yaltü 
oder rmi^^^yaltü sbagliare (Ners. v. Lambr. 12. Jhd.) : arab. 
Jali yalat. 

23) [unuiiuin ^umar traurig (Oskiphor. nach d. 12. Jhd.), 
'/iimainit iun Tranvigkeit, Katzenjammer: arab. ui> 7W??z<7r Katzen- 
jammer. 

24) Ijuit/uiu harnas Kleid, mazekamas Ziegenhaarkleid (Leben 
der Väter, aus verschiedenen Jhd.) nicht = arab. qumüs Sachen, 
Zeug, eher = arab. ^j^*^ qamis Kamisol, lat. camisia. 



25) l^ui^ni_jiuij Uaruray («-St.) Uringlas (Mechith. Heratzi 
12. Jhd.): arab. i!,^.Ls qärürä Glas, Uringlas. 

26) IjuiLuiin kavat Kuppler (Ners. Shnorh. und Lambron. 
12. Jhd.): arab. olj.ä qavväd. Dazu L|uiLUimnL/3-[7L.'ii kavatut'mn, 
nach Wb Kuppelei bei Chrysost. Matth. (Vened. 1826), Bd. II, 
p. 569, Z. 12 (aus dem 5. Jhd.!). 

Die Stelle lautet: ll ujj^i<uii^ l|uiLunnnL(3-t-ui'ii rmhiu U. 
nnno~u uj*liuiL/o(?-ni./3-fc"uiii nnno-t*li , im Original aber (s. Joh. 

Chrysost. ed. Migne, Bd. 7, 1. Theil, p. 426, Z. 13 v. u. des grieeh. 
Textes) steht: Toaavrv/v /iis?.6T7]V dvaia^wriaq nowvfxevai, so 
dass also dem lj-uii_uiinni.(3-[ii.'ii im Original Nichts entspricht. 
Zudem ist dort zwar von der Frechheit und Schamlosigkeit der 
Frauen die Rede, aber nicht von Kuppelei. Also ist das Wort 
entweder später eingeschoben oder es ist anders zu lesen. 



27) l^juij klay Burg (Ners. Shnorh., Matth. v. Urha 12. Jhd., 
Gesch. d. Georg. 12. oder 13. Jhd.): arab. ^*JLi qal'a; balufci kilät, 



262 Hübschmann, Die semitischen Lehmvörter im Altarmenischen. 

osset. qalle, yale, u. s. w. Daher Hromhlay „ßömerburg" = arab. qaVat 
an-üm, türk. Büm qal'esi. Bei Carriere, Reliquaire arm. (von 1293) 
p. 22 Horomklay und umschrieben p. 20 : klay hromayokan. 



28) I^juijtlj Mayek, klayeak Zinn (Mach. Airiv. 13. Jhd.): 
arab. -*JLi qal% türk. qalai, bal. kaUil, osset. kala u. s. w. 

29) IjHLruuij D kuraik' (g. k^urayuf) Leser des Korans (plur.) 
bei Levond p. 146, Z. 9, 15 (8. Jhd.), Steph. AsoA. Paris 1859, 
p. 133, letzte Zeile (11. Jhd.): arab. :&Ls qurrä (plur. von ^,ÜJ). 

30) -«^t^Lu^ oder -«^t-^nLuj = Äe;M^ Kammerherr (Yardan 
13. Jhd.; L. Alishan, Shirak, Vened. 1881, p. 17, 20, 22): arab. 
^^^^J>.\J>■ häjtb (liejib). 

31) •<>fc"uuin hesar Belagerung (Malakia d. Mönch 13. Jhd.) 
oder [uuuin ysar (Vardan p. 114, Z. 4 v. u.), y^sarel belagern 
(Thomas v. Metsoph, Paris 1860, p. 14, 72): arab. 'u^a^- hisär 
Belagerung. 

32) •<>nLiiuin^nLiiuin Imnalliunar , Var. dhunaXhunarj 
aXyuna^ alkuna (Mos. Chor. Geogr. Vened. 612,25 s. oben Nr. 7): 
arab. puL.s=05 . pj duhn al hinnä Hennaöl. 

33) iTiu-^n viahr (gen. mahri) Heirathsgut des Mannes 
(Mechithar, Rechtsb. 12. Jhd., echt armenisch tuair): arab. viahr, 
syr. mahrä. 

Die Mitgift der Frau heisst ii\n.nivL.u^ proigk^ {gen. prugac-) = 
gr. TiQoi^. 



34) [i/ujnujuj inakap ein aus Arabien kommendes Oel oder 
Gewächs: arab. v«j!!^.« maläb, gr. fx.aX6ßa&oov , lat. malohathruin, 
skr. tamülapattra (= Tamäla-Blatt) — ? . 

Sehr unsicher. Das Wort findet sich nur bei Mos. Chor. Geogr. 
ed. Patk. p. 22, 9; Venedig 612, 25, während Soukry ?/iaAat^ liest. 
Man erwartet für arab. inaläh im älteren Armenisch liui^ujp, im 
12. Jhd. lTu/juiu^ . Siehe oben Nr. 7.J 



Hübschmann, Die semitischen Lehmvörter iin Altarmenischen. 263 

35) liuiiipujn mamhar Kauzel (Grigor TAay, Klage über die 
Einnahme von Jerusalem i. J. 1187): arab. ,^kA minbar. 

36) t/uijinui*ii maitaii, sprich maidan Rennplatz, ßiugplatz 
(Leben d. Väter, Chrystost. Apostelg. vor imd nach dem 11. Jhd. ?): 
arab. .,|Jy./! maidän. 



37) Ju/ii2"'-P maoiim- Diplom (Steph. Orbel. Paris 1859, 
Bd. II, p. 138; 13. Jhd.): arab. ^^äx mansür Patent, Diplom. 



38) ihujuinmi maiaray Gartenbeet (Geop. 13. Jhd.): arab. 
3,Lxi-4 masära (vgl. Fränkel p. 129). 

39) ^^_.p[*{^ rnzhiV (auch mzkit\ mzgit^) Moschee (Ners. 
Shnorh. 12. Jhd.; Matth. v. Urha 12. Jhd.; Mich. d. Syr Jerus. 1870, 
p. 405, 475, 13. Jhd. u. s. w.): arab. A:^.*^^ masjid. 

Am nächsten steht der armenischen Form np. mazgit (Nöldeke, 
pers. Stud. II, 37). Vgl. auch syr. masgedü, mazgedä. 



40) ifß-^uuij^ mt^ycd (mt'yal) ein Gewicht (Leben d. Väter, 

Geop. 13. Jhd.): arab. ^{Ji^A miß-qal Gewicht von l^'g Drachmen, 
Geldstück u. s. w. 

Vgl. auch Ananias von Shirak, ed. Patkan. p. 29, Anm. 2. 



41) Shnmux mkrat, sprich mhrad'} (instr. -av) Scheere 
(Heüigenleb. imd Gandz. nach dem 12. Jhd.): arab. ^oLiw vn'qräd. 



42) jniAmiui yunap , sprich hunab „giuggiola" (Mech Gos 
12. Jhd., p. 19: jriLiJLu u^[i; Leben d. Väter; Medic. Schriften 

13. — 15. Jhd.): arab. ^_j'wLc Judendom (Low, Aram. Pflanz, p. 285). 



43) *ijujj^?ia^ Hufeisen (Vardan, 13. Jhd.): arab. Joü na'l. 



264 Hubschmann, Die semitischen Lehmvörter im Altarmenischen. 

44) \mt2_nas Bahre (Mast, bis 12. oder 13. Jhd.; Heiligenleb., 
Gandz.. Oskiphor. nach dem 12. Jhd.): arab. jjioü na^s. 



45) "linujuji nopay , sprich noha (instr. nobayov) Periode, 
regelmässige Wiederkehr (des Fiebers) bei Mechith. Heratzi p. 95 ff., 
12. Jhd.: arab. ä.j ^j nauba, modern nvba. 



46) *iinLu[uuM nus^ay , wovon nusyayin „exemplare, regola, 
modello" (Greg. Narek. 10. Jhd., Ners. Shnorh. 12. Jhd.), Recept 
(vgl. Anhang zu Mechithar Heratzi, Vened. 1832, p. 144): arab. 
?.j3..w.i nusya. 

47) riii\iii\\ salak («-a-St.) Sack (Geop. 13. Jhd., Erznk. 
13._14. Jhd., Martin. Pol. 14. Jhd.): arab. ö^^ .va/^ Futter- 
sack, Bettelsack. 

Das Wort findet sich auch 4 Könige 4, 39 und 2 Maccab. 9, 8, 
wo das Griech. Ijuäriov und cfOQsJov bietet. Ist es hier ein 
anderes Wort? C nimmt die Bedeutungen an: Schulter, Rücken; 
Sack; Trage, und für das Verbum salakel: auf den Rücken nehmen, 
tragen. Kommt es aber schon im AT vor, so muss es dort aus 
dem Aramäischen oder Persischen stammen. Vgl. Fränkel, der 
p. 82 fremden Ursprung für arab. salläq vermuthet. 



48) 1 uilTui lT samam kleine wohlriechende Melone (Mech. Go§ 
p. 58, 12. Jhd.): arab. ,U.ii sammäm. 



49) luinuic iu'P"'"i ^arab Fruchtsaft, Syrup (Medic. Sehr. 
13.— 15. Jhd.; Ners. Shnorh. 12. Jhd.; Vardan 13. Jhd.): arab. 
\^\,^ iarüb; auch np. kurd. afgh. bal. 



50) yrn-iTnun sumi'ay wilder Fenchel (nicht bei Wb, nur 
bei C) : arab. ».♦.ü sumra, syr. sumrä (Geop. ed. Lagarde) und samrä. 



51) ib aus .sib- in jwihriJbley, Var. .sabley (Oskiphor. nach 
d. 12. Jhd.) Alaun: pers. arab. ^_^ .sab Alaun. 

Zu sib vgl. Wb. s. V. uf ui rn_t r^ Alaun. 



Hübschmann, Die semitischen Lehnwörter im Altarmenischen. 265 

52) [nr^n ^ciylhoiz (t-a-St.) Traube (Hohelied 1, 13 ; Offenb. 
Job. 14, 18; Epbreui, Philo u. s. w.) passt lautlich nicht zu arab. 
jiji;.£ 'anqüd Traube.] 

53) ujuiinuiLr pal?Mm, sprich balyam (Mechithar Heratzi, 
p. 80 u. s. w., 12. Jhd.): arab. ^ib balyam = cpleyfxa. 

54) iiiUJiji[i*ii'X"ui^i patincan, sprich badinjan, baden)an 
„melanzana" (Medic. Sehr. 13. — 15. Jhd., Vardan 13. Jhd., Mechithar 
Heratzi 12. Jhd.): arab. pers. türk. |.,l^öj>.j bädinjän Solanum 
melongena (Low, Aram. Pflanz, p. 188). 



55) u^npt;- prh^e, sprich brlcä Wasserbehälter, Bassin (Geop. 
13. Jhd.): arab. »S .i birka. 



56) onLuiu| juap, sprich jvab Antwort (Erznk. aibub.): arab. 
<^\y>- javüb. 

hl) tuui-^^uili ralian (Yn\g. rehan, rihan, reihan) Basilienkraut 
(Calend., aus verschieden Zeiten): arab. . L;5s.j raihän, rehän. 

58) n-uij ray Fahne, Zeichen (Grigor TAay 12. Jhd., Chrysost. 
Jesaias und 1 Timoth. 8 (Vened. 1862, p. 66, 24): arab. «^jI 
räya Fahne. 

Ein arab. Lehnwort ist bei Chrysost. Jesaias und in den Paulus- 
briefen, die im 5. Jhd. übersetzt sein sollen, nicht zu erwarten. An der 
citirten Stelle steht: utliri.l^'li qujnn hlt/ii rm/j d U cruiuuhiuil 

Lr[rli(3-ui^uin(?)j uilin. utr(J-Ut(?-f7uj|_ ll ui'lirLf^'li ujtnlit- 
(3-tru/i , das aber im Griechischen ganz und gar fehlt. Es ist nur 
Glosse zu dem unmittelbar vorangehendem: uAitl ^^uhjrifc-nAj/li 
u^ui'5CnL'5Cb-ujj_p = gr. t^sl rä no/.VTelri iuciTia. Und ge- 
hört diese Glosse ins 5. Jhd.? 



59) n.iuinjili]^'^ ratinec, sprich radi'näj Harz (Geop. 13. Jhd.): 
arab. ^Xf.'S\. rätlnaj aus gr. QfjTivr/ = arm. rutmh^i reiin{A.T.). 



2QQ Hühschmann, Die semitischen Lehnwörter im Altarmenischen. 

60) [n-ni-Jp rumh Lanze (Matth. v. Urha 12. Jhd.) passt 

lautlich nicht zu arab. ^^ rumh, aram. rumhä. 

Vgl. rmhavor Sogvcfogog (Chrysost. Joh. II; 5. Jhd.) und 
rmbak'ar nergoßolog (Ezechiel 13, 11, 13) Wurfmaschine und 
Stein zum Werfen.] 

61) n-ni-u^ rup, sprich ruh Viertel, vierte Theil (Basil. Mask. 
14. Jhd.): arab. ^ rub\ 

62) n.nLi[i runLui rw/>', rup, sprich ruh dick eingekochter 
süsser Saft (Geop. 13. Jhd., Med. Schriften 13.— 15. Jhd.): arab. 
UJ rubb. 



63) uui|un salaj/ Korb (Oskiphor. nach d. 12. Jhd.): arab. 
a^jLw salla, syr. Nbo salin, hebr. bD. 

64) uuil^n. sah- (vgl. Mech. Gos (12. Jhd.) Fabehi, p. 102: 
es kamen der sakr und der hokamal (Taucher) und beichteten: 

wir haben Mäuse und Frösche gejagt und verzehrt): arab. ^ü^ 
saqr Falke. Vgl. mittell. sacer , ital. sagro , franz. sacre, mhd. 
sackers, mittelgr. oäxge, kurd. sakkar u. s. w. bei H e h n , Kulturpfl.^ 
p. 537. Sonst im Armen, baze und sahen (pers.) gebraucht. 

Für uml^n-ni-p xogaxeg Zephanja 2, 14 wird uitj-n-uiLp = 

Raben zu lesen sein. 

65) uuju^n. sapr , sprich sabr der bittere Saft der Aloe 
(Geop. 13. Jhd., Medic. Schriften 13.— 15. Jhd., Oskiphor. nach d. 
12. Jhd.): arab. >.vo sabr Aloesaft (Low, Aram. Pflanz, p. 426). 



66) uuiinuiui satap , sprich sadab Raute (Geop. 13. Jhd.) 
vulg. für i^frn-fliuii p'egenay (Luc, 11, 42) = 7ii]yciV0V: arab. 

uj!l\-w sadäb (wofür auch sadüb), pers. sadäb (VuUers falsch 
sudäb) oder sazüb. 



Hühschmann, Die semitischen Lehnvörter im Altarmenischen. 267 

67) uuinuimui'ii saratan Sternbild d. Krebses (Fremdwort 
bei Erznk. 13. — 14. Jlid.): arab. ,.,Lb.^ saratän, syr. n:i:"iö sartönä. 



68) uuii/ipuij sap'ray Galle (Medic. Schriften 13. — 15. .Jhd., 
Oskiphor. nach d. 12. Jhd.): arab. \ A/o safrü. 

69) uiir^ni.1^ snduh Kästchen (Mos. Ka/lank. 10. Jhd. ; Michael 
d. Syr. ; Geop. 1 3. Jhd. u. s. w.) : arab. o»iAÄ>o sandüq, eleganter sunclüq ; 
vgl. russ. sunduhü, tat. sandeh, karelisch sunduc/a (Ahlqvist, 
Culturwörter 115). Auch in den Balkansprachen, s. Miklosich, 
türk. Elena. II, p. 50. 

70) unn^iouiti sornjan (nur bei C) hermodactylus : arab. 
L5^ü,j.wv sürinjän (Low, Aram. Pflanz, p. 174). 



'1) i^ni_nl^ui*u p^urhan der Koran (Levond p. 83, 10): arab. 
furqCm. 

72) uuiphllT k'ak'iim (nur bei C) armellino : arab. pers. türk. 
JiJi qüqum, kurd. hah'un (Justi, Gram. 68), phl. ^Js (Justi, 
Bundeh. Wb 199). 

Vgl. Faust. Byz. p. 263 : l|'lifj-Lrfcr*li[i kngm-em Hermelinpelz 
von *kngum Hermelin (für kagum'?). Dies würde natürlich nicht 
aus dem Arabischen stammen. 



'3) jJiff"^ k^mrn Hinterhalt (Matth. v. Urha 12. Jhd.): arab. 



,.yx*y kamin. 



74) um-ifunß- k'umait' rothbraun (Geop. 13. Jhd.): arab. 
■^>»-.j*5 kumai'i. 

75) unun_ui(3- k-arat' (k'urut-) Lauch (Geop. 13. Jhd., Medic. 

Schriften 13. — 15. Jhd.): arab. oLi kurräd-, syr. kart-ü&d (Low, 
Aram. Pflanz, p. 226). 



268 Hübschmann, Die semitischen Lehmoörter im Altarmenischen. 

In Betreff der Verschiebung von altarm. h, d zu^^, t und von 
p, t zu h, d ist zu beachten, dass sie zu schriftlichem Ausdruck 
nur bei neu entlehnten Worten kommt, dass dagegen bei schon 
in älterer Zeit vorhandenen Wörtern und Namen die historische 
Orthographie auch bei veränderter Aussprache bestehen bleibt. Wo 
also ein Schriftsteller des 12. oder 13. Jhd. der historischen Schreib- 
weise folgt, schreibt er füi* Abu Bekr mit Levond (p. 19) uipnu- 
pui Dp oder pnLpuipp (Vardan p. 68) , während er phonetisch 
priLu^uipp bupah^r'^) (Mich. Syr. p. 391, sprich huhaUr) schreiben 
muss, vgl. Alatin für Aladin, Zapü für Zabel = Isabelle (Vardan 
p. 144, 141, Mich. d. Syr. p. 515), ISalahatin, Sep''etmivLr Salaliadin, 
Sefedin (Mich. d. Syr. 476 ff.), Paltoin für Balduin (Vardan 110 fi^, 
Mich. d. Syr. 445), Perdran für Berlran (Vardan 114, 115), brints, 
brindz = Prinz (Mich. d. Syr. 492, 514, 524) u. s. w. Freilich 
braucht nicht überall, wo t für d u. s. w. erscheint, eine Laut- 
verschiebung vorzuliegen; von den zahlreichen Fehlern und Will- 
kürlichkeiten der Ueberlieferung und der Verschiendenheit des 
Lautsystems ^) abgesehen , verfährt das Armenische bei der Ueber- 
nahme von Fremdwörtern gelegentlich auch einmal etwas freier. 
So wird schon im neuen und alten Testament und auch später 
immer der Name David durch Davit'' wiedergegeben; ebenso 
Muhammed schon bei Sebeos und auch später immer durch 
Mahnet; Valid bei Levond (p. 54, 149) durch Vlit\ Ahmad bei 
Thom. Artsruni durch Ahmat u. s. w. Dies ist zu beachten für 
Wörter wie kavat Kuppler = arab. qavväd. Das Wort könnte 
modern-arm. sein und wäre dui-ch kavad zu umschreiben , doch 
könnte es auch vor der Lautverschiebung entlehnt sein und hätte 
dann sein auslautendes t für d auf dieselbe Weise wie Mahntet 
und Ahmat erhalten. 



1) Bei Kirakos (p. 34) cousequenter aptqjak'r. Auffällig ist, dass für 
arab. Abu- bei Thomas Artsr. immer apu- erscheint, nur einmal Abut'urab 
(p. 103) im Anscbluss an Levond p. 83, während Vardan abu- sehreibt. Schon 
auf einer Inschrift vom Jahre 1034 (Brosset, Ruines d'Ani I, p. 20) erscheint 
Aplyarip geschrieben für Ablyarib. 

2) Das Armenische kann manche arab. Laute nicht, andere nur unvoll- 
kommen (wie die Spiranten d", f durch Aspiraten th, ^5Ä) wiedergeben. 



269 



Beiträge zur indischen Rechtsgeschicbte. ^) 

Von 

J. Jolly. 

4. Die Dharmasästrahaudschriften des India Office. 

Der neue Band des Katalogs der Sanskrithss. des India Office 
von Professor Eggeling ^) ist wie seine beiden Vorgänger eine 
eminente Leistung und bringt eine Menge neuer Aufschlüsse nament- 
lich für das gesammte Dharmasästra , auf das ich mich im Nach- 
stehenden beschränken wUl, wie die dahin gehörigen Werke auch 
den Haupttheil der hier bearbeiteten Hss., 558 von 679, ausmachen. 
Die glänzende Sammlung Colebrooke's hat hier eine ihrer würdige 
Bearbeitung gefunden. Die aus allen bisher minder bekannten 
Werken gegebenen Auszüge enthalten in knappster Form alles 
Wissenswerthe , namentlich Kapitelüberschriften , Citate , die genea- 
logischen Einleitungen, Schreibernotizen u. s. w. Nicht ganz unbe- 
deutend ist der Zuwachs an von den Verfassern selbst datirten 
Werken, ein gutes Stück weiter helfen die Citate ; die genealogischen 
Angaben sind oft auch für die Geschichtsforschung wichtig. Aus 
langjähriger Benützung dieser Sammlung glaube ich ungefähr die 
Summe von Arbeit ermessen zu können , die in diesem epoche- 
machenden Werke steckt. Ich gehe nun auf einige Einzelheiten, meist 
chronologischer Natur, ein. 

Aus dem für verschiedene Literaturgebiete lehrreichen I. Ab- 
schnitt über „Rhetoric and Poetics (alarakärasästra)" hebe ich zunächst 
als für die Rechtsgeschichte wichtig No. 1224 Anantasarman's 
Commentar zu Bhänudatta's Rasamanjari von 1635 n. Chr. 
hervor. Der Verfasser bezeichnet sich in der Einleitung als einen 
Schützling des Candrabhänu, Sohnes des Virasiinhadeva, Sohnes des 
Madhukarasäha, Sohnes des Pratäpavararudra, Nachkommen des Kä- 
siräja, dessen Geschlecht in Benares herrschte. Dieser Stammbaum 
stimmt genau zu demjenigen des Gönners des Mitramisra, des Ver- 



1) Fortsetzung zu XLIV, 339 ff. 

2) Catalogue of the Sanskrit Manuscripts in the Library of tlie India 
Office. Part in. London 1891. 

Bd. XLVI. 18 



270 Jolhj, Beiträge zur indisclien Rechtsfjeschichte. 

fassers der Viramitrodayas (1471 und 1288), nur dass dort sowohl 
anstatt des Candrabhänu als vor Pratäparudra noch mehrere andere 
Fürsten aus dieser „Bundela''-Dynastie genannt werden. Virasimha- 
deva hat Bühler mit dem Bundela Birsinh Deo, dem Zeitgenossen 
Akbar's und seiner beiden Nachfolger, identificirt und die Abfassung 
des Viramitrodaya danach in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts 
gesetzt'). Die Abfassung des vorliegenden Werkes im J. 1635 
durch den Schützling eines jüngeren Sohnes des Virasimha bietet 
hierzu eine wenn auch unnöthige, doch erwähnenswerthe Bestätigung. 
— 1237 ff. Das Kämasütra nebst der dazu gehörigen, hier 
ziemlich reich vertretenen Literatur ist, wie zuerst Bühler in seiner 
Anzeige meiner Tagore Lectures gezeigt hat, für die Erklärung der 
acht vivähäh und verwandte Fragen von grosser Wichtigkeit. Von 
Commentaren des Kämasütra liegt hier nur der nach Aufrecht 
ziemlich werthlose , moderne Commentar von Bhäskara vor. Der 
von Peterson und Eäj. Mitra besprochene gute Commentar Jaya- 
mangalatlkä ist 1891 von Pandit Durgäprasäd in Jeypur edirt. 
Die erste Grujope der Hss. aus dem Gebiet des Dharma um- 
fasst die , Original Institutes of Law", von denen einige wie 1323 
Budhasmriti und 1368 Saptar shisammatasmriti in ex- 
tenso, die meisten anderen kleineren Smritis auszugsweise mit- 
getheilt werden; ausserdem wird das oft, z. B. bei der Paräsara- 
smriti, höchst verwickelte Verhältniss zwischen den verschiedenen 
gedruckten und ungedruckten Eecensionen je einer Smriti mit höchst 
dankenswerther Genauigkeit dargelegt. Neben den Smritis finden 
sich hier auch die dazu gehörigen Commentare und Commentare 
von Commentaren besprochen, so 1282 Lakshmivy äkhyäna, 
der Commentar der La kshmldevl P äy agunde zur Mitäksharä. 
Ein übrigens die bisherigen Schätzungen bestätigender Beitrag zur 
Bestimmung der Lebenszeit dieser gelehrten Schriftstellerin, die mit 
der viel früheren gleichnamigen Verfasserin des Vivädacandra (1500 f.) 
nicht verwechselt werden darf, ist aus 1507 Dharmasästra- 
samgraha von Bälasarman Päyagunde, dem Sohne der 
Lakshmldevi, zu gewinnen. War Bälasarman, der wohl mit 
dem am Schluss von 1282 als Sohn der Verfasserin genannten 
Bälakrishna (1 . "bälakiishnajananiO) identisch ist, bei Abfassung des 
genannten Werkes (im Jahre 1800) 80 Jahre alt, so mag seine 
Mutter um 1700 geboren sein und ihren umfänglichen Commentar 
zur Mitäksharä um 1750 vollendet haben. Da sie emphatisch als 
„die Mutter des B." bezeichnet wird, so muss letzterer zu jener 
Zeit schon berühmt und kann also nicht mehr ganz jung gewesen 



1) Digest» 22. 

2) Als Xachfolger des Birsinh Deo sind sonst nui- Jajhär Singh (Jujhära- 
siinha) und dessen Bruder und Nachfolger Pahär Singh bekannt. Vgl. Gazetteer 
N. W. Provinces I, 19 ff., wo die Genealogie der Vorfahren Birsinh's einschliess- 
lich ihrer Abstammung von den Königen von Benares wie oben gegeben wird. 



Jollij, Beiträge zur indischen RecJdsgeschiehte. 271 

sein. — 1284, 1285. Die zwei von E. markirten falschen Lesarten 
in der Einleitung zu Aparärka's Commentar zu Y ä j n a v a 1 k y a : 
samsritihe und savilepe sind nach einer mir voi'liegenden guten 
Hs. des Deccan College in samsritiho und sa vipule zu verbessern. 
— 1288. Der früher unbekannte Commentar zu Yäjöavalkya, 
welchen Mitramisra im Auftrag seines Gönners Virasimha (s. o.) 
unter dem Namen Vira mitr o day a verfasst hat, ist schon in 
Petersens II. Report pp. 49 — 53 besprochen, wo auch die Varianten 
zu Stenzler's Text mitgetheilt sind , so weit sie aus der fragmen- 
tarischen Hs. entnommen werden konnten. Die Namensgleichheit 
mit dem längst bekannten Viramitrodaya des Mitramisra erklärt E. 
aus der Zusammengehörigkeit beider Werke als „a series of legal 
works , bearing the title of Viramitrodaya" ; sie kann aber auch 
darauf beruhen, dass beide, wie aus den hier edirten Einleitungen 
hervorgeht, von Virasiinha veranlasst wurden. Der Titel enthält 
otfenbar eine Huldigung des Verfassers an seinen Protector und ist 
etwa in virasiinha - mitramisra - candrodaya aufzulösen. Uebrigens 
wird der Commentar zu Yäjnavalkya genauer als sriviraC^simha")- 
mitrodayäkhyäne sriyäjnavalkyavyäkhyüne bezeichnet, und die mir 
bekannten Citate aus dem „Viramitrodaya" scheinen alle auf die 
Rechtsencyclopädie dieses Namens zu gehen. — 1301, 1342, 1731. 
Ausser den drei hier analysirten Werken hat Nandapandita 
oder Vinäyakapandita noch eine ganze Reihe anderer verfasst. Aus 
dem p. 394 wiedergegebenen Verzeichniss derselben von Mandlik 
hat E. den Commentar Bälabhüshä mit Recht gestrichen; andrer- 
seits fehlen darin die Pratitäksharä u. a. Werke , die jetzt in Auf- 
recht's C. C. unter Nandapandita vollständig aufgezählt sind. Die 
literarische Thätigkeit Nandapandita's fällt etwa zwischen 1599, das 
Datum seines Mädhavänanda i), und 1622, das Datum seiner Vaija- 
yanti, die Verweisungen auf mindestens drei frühere Werke von 
ihm enthält. Das schon von Colebrooke -) erwähnte Citat aus der 
Pratitäksharä findet sich in dem Commentar zu Vishnu 15, 9 
. . . upapädito'smäbhih savistaram mitäksharätikäyäm pratitäksha- 
räyäm (p. 43 meiner Ausgabe). Zur Bestätigung meiner früheren 
Vermuthung, dass die Pratitäksharä niemals vollendet worden ist, 
erwähne ich, dass die von Bühler dem India Office geschenkte Hs. 
derselben (s. diese Zeitschr. XLII, 546) ebenso nur einen Theil des 
I. adhyäya enthält wie die alte Hs. dieses Werkes, die ich in Be- 
nares bei Dhundhiräj , dem verstorbenen Bibliothekar des Sanskrit 
College, einem directen Nachkommen des Nandapandita, gesehen 
habe. 

Die zweite Abtheilung, „Genex'al Digests of Law", eröffnet 
1373 — 77 die Smriticandrikä von D e van n abha tt a, für 
deren Abfassungszeit die von E. nachgewiesenen Citate bei Hemädri, 



1) Mandlik's Hindu Law LXXII, uote 3. 

2) Preface to Two Treatises, wiederabgedruckt in Essays ed. Cowell I, 486. 

18* 



272 Jolly, Beiträge zur indisclien Rechtsgeschichte. 

der sogar die abweichenden Ansichten jüngerer Autoren erwähnt, 
wichtig sind und die Smriticandrikä etwas höher hinauf als bis- 
her ^) zu rücken gestatten. Die Smriticandrikä ihrerseits ist an 
Citaten aus mittelalterlichen Werken sehr arm , E. fand in den in 
1373 beschriebenen Abschnitten nur einen Commentar von Deva- 
svämin und ein Apastambabhäshya citirt. Bei erneuter Durchsicht 
der guten Burnell'schen Hs. 325 ff. des I. 0., die auch den um- 
fänglichen sräddhakända enthält, kann ich ausser jenen beiden 
Werken nur noch ein Bhäshya zu Manu — vielleicht der stets als 
Bhäshya bezeichnete älteste Commentar von Medhätithi — ferner 
einen prosaischen Bhäshyärthasamgraha und Amarasimha citirt 
finden. Hierzu kommen jedoch aus dem däyabhäga des vyavahära- 
kända die schon von Burneil ^) und Räjkumär Sarvädhikäri ^) be- 
merkten Citate aus Dhäresvara (Bhoja), Visvarüpa, Vijnänesvara 
und Aparärka. Das entscheidende Citat aus Apararka findet sich 
I. 0. 326 Burnell fol. 237 a: yat punar aparärkenoktam. Da 
Aparärka bekanntlich in das 12. Jahrhundert, Hemädri zwischen 
1260 und 1309 zu setzen ist, so muss die Smriticandrikä schon 
um 1200 geschrieben sein. — 1376 — 1384. Betreffs des soeben 
erwähnten Hemädri contrastirt E. meine Bemerkung (Tag. Lect. 17), 
dass der noch nicht publicirte Abschnitt über bürgerliches Recht 
weit kürzer sei als die anderen Theile des Caturvargacintämani, 
mit der übrigens sehr kurzen Inhaltsangabe dieses Werkes bei 
Bhandarkar , Early Hist. of the Deco. 89 , welche keine Unter- 
abtheilung über vyavahära enthalte. Da damals der Pariseshakhanda 
des Caturvargacintämani in der Bibl. Ind. noch nicht erschienen 
war, so konnte ich nur aus der von mir auch ausdrücklich citirten 
Abhandlung Bhäü Däji's über Hemädri ^) schöpfen. Dort wird ge- 
sagt, dass „the subject ^of vyavahära is treated of briefly and inci- 
dentally", dass in dem Sräddhacapitel des Pariseshakhanda die Aus- 
drücke däya, riktha, samvibhäga definirt und die Lehre vom Besitz 
bei Brahmanen u. a. Leuten und vom Stridhana kurz erörtert, und 
dass diese Dinge möglicherweise in anderen, nicht mehr erhaltenen 
Theilen des Werkes ausführlich behandelt seien. Die von Bhäü 
Däjl angezogenen vermögensrechtlichen Definitionen sind jetzt ge- 
druckt in dem prakshepyadravyanirüpaiiaprakaranam p. 524 ff., wo 
auch Yäjnavalkya 2, 143, Manu 9, 217, Närada I, 44 ff. u. a. Smriti- 
stellen über vyavahära citirt wei'den. Hiernach ist in dem Catur- 
vargacintämani der vyavahäi'a, resp. däyabhäga, in der That nur 
gelegentlich der Lehre von den »Sräddhas, aber auch nicht so aus- 
führlich wie in anderen Darstellungen der Sräddhas, z. B. der im 
Madanapärijäta enthaltenen, behandelt. — 1385, 1386. Spricht 



1) S. meine Tagore Lectures 21. 

2) Tanjore Catalogue 134. 

3) Tagore Lectures 389. 

4) Journ. Bomb. Br. R. A. S. IX, f.Sff. 



Jolly, Beiträge zur indischen Rechtsgeschichte. 273 

schon der Umstand, dass Lakshmidhara's Kalpataru nach 
E. in den hier vorliegenden Theilen nur Citate aus den Smntis 
und Puränas enthält, für das hohe Alter dieses Werkes, so muss 
die spätere Grenze für die Abfassung desselben noch erheblich 
früher als an den Anfang des 14. Jahrhunderts gerückt werden, 
da der Kalpataru nicht nur bei Hemädri ^) , sondern auch in dem 
spätestens um 1200 verfassten Smrityarthasära (s. u.) citirt wird. 
Es ist daher der Zeit nach sehr wohl möglich, dass der König 
Govindacandra , als dessen sämdhivigrahika Lakshmidhara in den 
Hss. bezeichnet wird, der bekannte Govindacandra von Kanyakubja 
(Canouj) war. Die bis jetzt bekannten Urkunden dieses Herrschers 
reichen von 1105 bis 1143 -). Nach Colebrooke wäre allerdings 
der Govindacandra, auf dessen Befehl Lakshmidhara ,a treatise on 
administrative justice" schrieb, ein König von Benares und zugleich 
Patron des Verfassers des Govindcirnava gewesen, was aber deshalb 
nicht angeht, weil der Govindärnava frühestens gegen Ende des 
14. Jahrhunderts geschrieben und daher auch der Fürst, nach dem 
er seinen Namen trägt, in diese spätere Zeit zu setzen ist (s. u. 1566). 
Ueber die von ihm dem India Office zum Geschenk gemachten Hss. 
von 3 Kändas von Lakshmidhara's Smritikalpadruma (s. diese 
Zeitschr. XLII, 549) gab mir Bühler auf Befragen nähere Aus- 
kunft. Danach ist 1. dieses Werk offenbar mit dem Kalpataru 
identisch (vgl. den dritten Namen Kalpavriksha , unter dem es im 
Smrityarthasära citirt wird) ; 2. werden auch in diesen Abschnitten 
nur Smritis u. dgl. alte Werke citirt, ausserdem Medhätithi (9. Jahrb.), 
der auch in Peterson's I. Report p. 109 als im Kalpataru citirt 
erwähnt wird. Lakshmidhara seinerseits wird in späteren Werken 
sehr viel citirt, was auch für die Identificirung seines Patrons mit 
dem mächtigen Herrscher von Canouj sprechen dürfte. 

1387—1393. 1398—1403. 1500, 1501, 1621, 1730. Die 
hier mitgetheilten Daten und Auszüge aus den Hauptwerken der 
Mithiläschule sind nicht nur für die Zeitbestimmung dieser Werke 
selbst, sondern auch für eine der dunkelsten Perioden in der Ge- 
schichte von Nepal bedeutsam. Zur theilweisen Ergänzung derselben 
erlaube ich mir zunächst aus zwei mir gehörigen Hss. des Vyava- 
häracintämani den Schluss des vorletzten , resp. letzten Ab- 
schnitts herzusetzen : iti mahäräjädhiräjasridarpanäräyanätmajamahä- 
räjädhiräjasrihridayanariiyanätmaja (v. 1. ^änuja^) ^mahäräjädhiräja- 
-riharinärayanaviracite vyavahäracintämanau kriyäpädah (nirnaya- 
pddah) I Nach "harinäräyanä** ist hier^ wohl das Wort ''parishadä 
ausgefallen, gemäss dem Schluss des 8üdräcäracintämani bei Räj. 



1) Dänakhaucla 348, 401, s. Aufrecht C. C. s. y. Kalpataru. 

2) Kielhorn, Ind. Ant. XVIII, 14 — 21, 56—59; Hörnle ibid. XIX, 249 ff.; 
Führer, Journ. Beng. As. Soc. LVI, 1, 106 — 123. Führer in Monum. Anti- 
quities 185, 188 (vgl. Cunningham, Arch. Surv. I, 96), 203 erwähnt drei noch 
spätere Inschriften, die aber noch nicht publicirt sind. 



274 Jolly, Beitriuje zur indischen Reclitsgeschichte. 

Mitra, Not. VI, 22: iti . . . barinäräyanaj) ari shadä . . . sriväca- 
spatimisrena viracitah südräcäracintämanih samäptali. Somit lebte 
auch nach dieser Notiz V ä c a s p a t i m i s r a am Hofe des Königs 
Harinäraräyana von Mithilä , aber der Hridayanäräyana in dem 
Stammbaum dieses Herrschers bei R. Sarvädhikäri Tag. Lect. 399 
ist nicht „purely imaginary" und wird in dem bei Eäj. Mitra V, 202 
überlieferten Stammbaum nur aus Verseheu übersprungen sein : 
Harasimha 

I ■ 
Darpanäräyaiia 



Candrasimha Hridayanäräyana 

. I 
Harinäräyana 
Nur ist vielleicht Hridayanäräyana nicht der Bruder des Candra- 
simha, sondern die gleiche Person unter anderem Namen. Von 
Candesvara, dem Minister des Harasimha, war schon früher bekannt, 
dass er 1314 am Ufer der Vägvati, also in Nepal, einer Anzahl 
Brahmanen sein eigenes Gewicht in Gold schenkte ^). Jetzt erfahren 
wir aus der Vorrede zu dem Krityacintämani und Ratnäkara u. a., 
dass Harasimha der Kärnätakadynastie angehörte (kärnätavamso- 
dbhavah) , dass er oder sein Minister Nepal eroberte (nepäläkhila- 
bhümipälajayinä) und Mithilä, Nepal und Karnäta beherrschte, und 
dass Candesvara die Vaügäh (Bengalen) , Kämarüpäh (Assamesen), 
Cinäh (Chinesen), Lätäh (in Guzerat und Nordkonkan, s. Ind. Ant. 
XIII, 324), Karnätäh (auf dem Hochplateau des Dekhau) besiegt 
habe. E. (p. 413 , andex'S p. 454) combinirt jene Schenkung des 
Candesvara von 1314 mit Recht mit dem traditionellen Datum 1324 
der Eroberung Nepals durch Harasimha von Ajodhyä oder Sinu'äon 
im Terai. Wahrscheinlich darf man aber noch weiter gehen und 
den kärnätavamsa, dem Harasimha angehörte, mit der Kärnätaka- 
dynastie identificiren , die bis auf Harasimha, den angeblichen Be- 
gründer der Süiyavamsidynastie , in Nepal geherrscht haben soll. 
Auch in der von Pischel mitgetheilten Genealogie der Hs. 6 der 
DMG. ^) und in einer nepalesischen Inschrift von 1659 ^) erscheint 
Harasimhadeva nicht als der Begründer einer neuen Dynastie. 
Ueber den Werth der nepalesischen Tradition über die 10 Könige 
aus zwei fremden Dynastien, die während des kurzen Interregnums 
von etwa 70 Jahren (1302 — 1372) über Nepal geherrscht haben 
sollen , sprechen sich sowohl Bendali *) als Bhagwänläl Indräji ^) 



1) Räj. Mitra, Not. V, 152; Eäjkumär Sarvädhikäri, Tag. Lect. 319 ff.; 
Dinanätha's Ausgabe des Vivädaratuäkara, Eiuleit, vgl. meine Anzeige Wiener 
Z. f. d. K. d. M. IV, 72. 

2) Katalog S. 8. 

.3) Ind. Ant. IX, 188. 

4) Cat. of Manuscripts Cambr. XIV. 

5) Some Considerations ou the History of Nepal, Ind. Ant. XIU, 418. 



Jolly, Beiträge, zur indischen Reclitsgescliiclüe. 275 

sehr skeptisch aus. Vielleicht liegt die Lösung des Räthsels darin, 
dass die Vorfahren Harasimha's von Nänyadeva ab nur in der 
Grenzstadt Simräon ansässig waren ^) und erst Harasiniha Nepal 
eroberte, nach der Tradition durch die Mohammedaner aus seiner 
Heimath vertrieben. Dass die Namen der Nachfolger Harasimha's 
in den nepalesischen Quellen ganz anders lauten als in dem obigen 
Stammbaum, ist vielleicht aus dem Verlust Nepals seitens seiner 
Nachkommen oder aus einer Theilung in eine nepalesische und Mi- 
thilälinie zu erklären. Auch in Mithilä kann die Macht der Nach- 
kommen Harasimha's keine sehr grosse gewesen sein, da Väcaspati- 
misra, der seinen Cintümani (um 1400) als Client des Königs Hari- 
närcäyana von Mithilä verfasste, seinen D v a i t a n i r n a y a im Auftrag 
der Königin Jayä schrieb , deren Gemahl Bhairava einer anderen 
Herrscherdynastie in Mithilä angehörte. Wenigstens liegt es nahe, 
diesen Bhairava mit dem gleichnamigen, als mithiläprithivisvara be- 
zeichneten Patron des Juristen Vardhamäna von Bilvapancaka 
zu identificiren , der die 1485 f. besprochenen Rechtswerke verfasst 
hat und schon von Raghunandana (um 1500) citirt wird, auch 
einen Väcaspati als seinen Guru nennt. Was den Inhalt der beiden 
juristischen Werke Väcaspatimisra's betrifft, so möchte ich eine 
Umkehrung der von E. gegebenen Charakterisirung desselben vor- 
schlagen; der Vivädacintämani handelt von den 18 Rechtsmaterien, 
vivädapadäni, also von Jurisprudence", während der Vyavahäracintä- 
mani das Gerichtsverfahren, Zeugenverhör, Gottesurtheile u. s. w., 
also „civil procedure", behandelt. 

1394f. Madanapärij ata von Visvesvara. Aus den Ci- 
taten hat E. das relative Alter der verschiedenen Werke des Visve- 
svara festgestellt. Für das absolute Alter ist das Datum im Ma- 
danavinoda massgebend, dessen Beziehung auf Samvat 1231 statt 
1431 bei R. Sarvädhikäri a. a. 0. 390 nicht nur unnöthig, sondern 
ganz unannehmbar ist, weil der beigefügte Wochentag ein Montag 
sein muss, was nur auf den 8. Jan. 1375 passt 2). — 1396. In 
der werthvollen Zusammenstellung der Citate in N r i s i m h a ' s oder 
Narasimha's Prayogapärijäta — darunter auch eines aus Hara- 
datta's Comraentar zu Apastamba, der demnach früher als bisher 
anzusetzen ist — bleibt das Paräsaramädhavlyam (c. 1350 — 60) 
das jüngste genau datirbare Werk, da der hier citirte Nrisimha- 
prasäda als ein metrisches Werk nicht mit der gleichnamigen En- 
cyclopädie des Dalapati identisch sein kann. Ich halte daher mit 



1) Nach einer im Gazetteer of India- berichteten Tradition wurde Hari 
Singh Deo (Harisimhadeva) 1322 durch die Mohammedaner aus Simräon ver- 
trieben, das von Nänaupä Deva (Nänyadeva?) 1097 gegründet und von seinen 
sechs Nachfolgern ruhmvoll beherrscht worden war. 

2) Vgl. die Berechnung in Bühler's Manu LXXV, note 2, womit auch die 
unabhängig davon von einem indischen Jyotishi vorgenommene Berechnung in 
Bhandarkar's Report for 1883 — 84, p. 87 übereinstimmt. 

3) Tag. Lect. 21, note 2. 



276 Jolly, Beiträge zur indischen JiechtsgescJüchte. 

Rücksicht auf das von Räj. Mitra beschriebene Ms. von 1437/38 
und auf ein anderes von mir in Benares gesehenes Ms. des Prayoga- 
pärijäta ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert daran fest, dass dieses 
Werk dem Beginn des 15. Jahrhunderts (oder der Zeit um 1400) 
angehört. Ob der in der Einleitung zu dem Nrisimhaprasäda von 
Dalapati citirte Prayogapärijäta ') mit unserem Werk identisch ist, 
muss zweifelhaft bleiben, da jetzt mehrere Werke dieses Namens 
nachgewiesen sind '^). — 1405 — 1488. Massgebend für die Datirung 
eines an und für sich und für die Datirung der ganzen bengalischen 
Schule so wichtigen Autors wie Raghunandana ist die unter 
1430 publicirte handschriftliche Bemerkung Colebrooke's , wonach 
Raghunandana in seinem Jyotistattva auf das Säkajahr 1421 hin- 
weist, dieses Werk also 1498/99 oder etwas später geschrieben sein 
muss. Colebrooke's frühere, auf die Gleichzeitigkeit mit Caitanya 
o-estützte Annahme , dass Raghunandana „must have flourished at 
the beginning of the sixteenth Century" ^) , wird hierdurch voll- 
kommen bestätigt. — 1439—1468. Von den Mayükhas des 
Nllakaiitha ^sind ausser den hier als gedruckt angegebenen auch 
der Samaya-, Sräddha-, Niti- und Säntimayükha in Indien gedruckt 
(Benares 1879/80). Die Ausgabe des Samayamayükha bietet in 
sl, 4 der Benai-esausgabe für 1441 nänaushadhistadvanigäyunasthair 
. . . samaprabham |1 die bessere Lesart nänaushadhais tad vanigä- 
panasthair ... Samara smritam || Die interessante ^ historische Ein- 
leitung findet sich in diesen Drucken im Sänti- und Sräddhamayükha, 
fast durchweg die Lesarten bietend, die E. in seinem mit einer 
sorgfältigen Variantenausgabe versehenen Neudruck der Einleitung 
in den Text gesetzt hat; so lautet der Name der Dynastie auch 
hier überall Sengara *) (aus sringivara), nicht Saügara, nur ^ für Vi- 
tharäjah steht Vidharäjah. Auf die Einleitung folgt im Sräddha- 
mayükha der 1442 gedruckte Vers , mit der richtigen Lesart girä- 
magocaram. Am Schluss des Nitimayükha fehlt wie in 1445 der von 
der Lage von Bhareha handelnde Vers. Der Säntimayükha enthält 
die beiden unter 1462 gedruckten Verse in einer theilweise ab- 
weichenden Version, die aber E.'s Emendationen durchaus bestätigt. 
Der Radschah von Bhareh (Bhareha) ist noch jetzt das Haupt der 
Sengar-Radschputen ^). — 1467. Der Identificirung des mohamme- 
danischen Herrschers (samastayavanädhisvara) Nijämasäha, als dessen 



1) 1. c. 18. 

2) Aufrecht C. C. s. v. Prayogapärijäta. 

3) Pref. to Transl. of Two Treat. am Ende. Hierauf, nicht wie E. an- 
nimmt auf der nach den Citaten vorgenommenen Fixirung des Datums bei 
Aufrecht Bodl. 707 (zwischen 1430 und 1C12) beruhte meine eigene Angabe, 
dass Raghunandana „in the early part of the sixteenth Century" gelebt habe. 

4) Vgl. auch die Seügaras von Madrupattana bei Simon, Vedische Schulen 
1, 39 und namentlich den mit Bisukhdeo = Viiokadeva beginnenden Stamm- 
baum der Sengars bei Atkinson, Gazetteer of the N. W. Provinces IV, 27-5. 

5) Gazetteer of the N. W. Provinces IV, 413. 



Jolly, Beiträge zur indischen Rechtsgeschichte. 211 

Minister Dalapati bezeichnet wird, mit dem Begründer der Nizäm- 
Shäh-Dynastie von Ahmednagar (1489 — 1508) kann ich nur bei- 
stimmen, vgl. meine Tag. Lact. 18 f. Die jetzt in dem Katalog 
der Hss. des Sanskrit College in Benares p. 150 verzeichnete Hs. 
des iS^risimhaprasäda von 1512/13 scheint diejenige zu sein, die 
mir dort von dem Bibliothekar gezeigt wurde. Sie enthält alle 
12 Säras, während 1467 nur aus 6 Säras besteht. Eine mir ge- 
hörige Abschrift des hier fehlenden Vyavahärasära aus der Benareshs. 
schliesst ebenso wie hier der Ahnikasära. — 1475 — 1480. Als 
einen Teil des Smritikaustubha von Anantadeva betrachte 
ich unbedenklich auch 1542 Dattakadidhiti, von der mir eine 
in Calcutta 1879 gedruckte, mit 1542 genau übereinstimmende 
Ausgabe vorliegt. Danach ist am Schluss säri katham in sä riktham 
zu ändern. Auch in der Dattakadidhiti werden nur relativ alte 
Werke citirt, so Vijüänesvara und Mitäksharä (5, 6, 17), Aparärka 
(29), iladanapärijäta (30), Madhävlya und Suddhiviveka (31). Ueber 
die Tithididhiti, die der Sarnvatsaradidhiti noch vorausgegangen sein 
dürfte (vgl. 1475, sl. 20 tithididhitir uktä präk und die Einleitung 
zur tithididhiti), ist jetzt Räj. Mitra Not. IX, 293 zu vergleichen, wo 
die interessante Genealogie der Vorfahren von Anantadeva's Patron 
Bäjabahäduracandra ebenfalls gedruckt ist. Die Ansicht Wilson's 
(bei Hall, Ind. 185), dass diese Monddynastie (candravamsa) nach 
Orissa gehöre, ist offenbar unrichtig, denn ich finde in Hunter's 
Orissa keine Genealogie mit irgendwie ähnlichen Namen erwähnt, 
auch scheint die Bekämpfung der präücah in der Dattakadidhiti 
eher für eine Dynastie des Westens zu sprechen. Der Name von 
Anantadeva's Protector wird mehrfach auch Räjabähäduracandra 
geschrieben, was an den modernen Titel Räo Bahädur erinnert. 
Bühler ') theilte jedoch mir auf eine Anfrage freundlichst mit, dass 
er die obige Namensform Bäja*^ für die richtige und für eine Sanskri- 
tisirung eines persischen oder hybriden Bäz Bahädur Cand hält. 
Kurz nachher kam mir das umfassende Werk von Führer über 
„The Monumental Antiquities in the N. W. Provinces and Oudh" 
(AUahabad 1891) zu, und ich halte es nach den dort j). 48 f. vor- 
liegenden Angaben über die alte Dynastie von Kumäon, welche 
dieses nordwestliche Gebirgsland bis 1790 beherrscht hat, für un- 
zweifelhaft, dass Anantadeva's Patron mit dem König Bäz Bahädur 
Candra von Kumäon identisch ist, dessen Schenkungsurkunden von 
1644 und 1664 datiren, und der als Erbauer eines noch vorhan- 
denen Tempels an dem See Bhim Tai gilt. Diese Zeitbestimmung 
entspricht ungefähr der bisherigen Annahme, namentlich aber stimmt 
der Stammbaum dieser „Chand" -Dynastie , so weit er aus ihren 
Schenkungsurkunden erkennbar ist, mit der Genealogie des candra- 
vamsa im Kaustubha genau überein. So liegen Schenkungsurkunden 



1) Vgl. West u. Bühler, Digest^ 24, wo der Samskärakaustubha in die 
lämliehe Zeit wie der Nirnayasindhu (1611/12) gesetzt wird. 



278 Jolhj, Beiträge zur indischen Reclitsgeschichte. 

vor : von Juänacandra, dem Begründer der Dynastie (?), datirt säke 
1320, 1341: von Kalyänacandra , datirt säke"^1362, 1383 (ausser- 
dem drei von späteren Königen dieses Namens); von Rudracandra, 
datirt säke 1519; (von Lakshmanacandra keine); von Srimallacandra, 
datirt säke 1538; (von Nilacandra, dem Vater des Bäz Bahädur 
Candra, keine). Hierzu stimmen auch die Angaben im Gazetteer 
of India^ s. v. Kumäun, wonach die Chand Rajäs allmählich alle 
kleineren Fürsten des Landes unterwarfen, hierauf Räjä Kalyiin 
Chand 1563 seine Residenz nach Almora verlegte und sein Sohn 
Rudra Chand 1587 dem Kaiser Akbar huldigte. Die Zuverlässig- 
keit der genealogischen Einleitungen zeigt sich hier wieder im gün- 
stigsten Lichte. 

1488f. Smritisära von H arinätha. Da in der hier vor- 
liegenden Hs. des vivädapariccheda das erste Drittel fehlt, so sei 
erwähnt, dass in einer mir gehörigen Hs. dieses Werkes aus Benares 
auch in dem ersten Drittel desselben keine Citate aus anderen 
Werken vorkommen als aus den hier als citirt hervorgehobenen 
Compilationen und Autoren. Von diesen gehören der Kalpataru 
(s. 0.) und Haläyudha (No. 1640) der ersten Hälfte des 12. Jahr- 
hunderts an ^) , Srikara wird sogar schon in der Mitäksharä und 
im Smrityarthasära citirt, und Bälarüpa ist auch ein alter Autor, 
während Pärijäta ein vielen Compilationen gemeinsamer Name ist. 
Von den im äcärapariccheda citirten Werken ist die nach Aufrecht 
auch im Kälädarsa citirte Smritimanjüshä hervorzuheben ; der Kälä- 
darsa (No. 1655) muss nach E. vor der Mitte des 14. Jahrhunderts 
geschrieben sein, da er in dem Kälamädhava citirt wird. Dass 
Harinätha kein junger Autor ist, ergiebt sich auch aus der L. S. 363 
d. h. 1472/73 datirten Hs. bei Räj. Mitra Not. V, 232 und aus 
den Citaten bei Väcaspatimisra -) (um 1400). 

Works on Civil Law (Vyavahära). 1499, 1511. Die Abfassungs- 
zeit des berühmten Däyabhäga von Jimütavähana ist leider 
noch immer nicht sicher fixirt , da natürlich an einen Zusammen- 
hang des letzteren mit dem mythischen Helden von briharsha's 
Nägänanda heutzutage nicht mehr gedacht werden kann. Bis über 
das 15. Jahrhundert hinabzugehen, verbieten der bei Raj. Mitra 
Not. V, Plate II facsimilirte Schluss einer alten Hs. von Jimüta- 
vähana's Dharmaratna mit dem Datum sk. 1417 und die Citate 
bei Raghunandana. Der Däyabhäga und höchstwahrscheinlich auch 
die Vyavahäramätrikä hat einen Teil des Dharmaratna gebildet, in 
dem gewiss wie in allen anderen Werken dieser Ai't das ganze 
Recht und Gerichtsverfahren behandelt war. — 1507 — 1510. Das 
Hauptinteresse dieser für Colebrooke (kulaburukasäheba oder kola- 
brükasäheba) verfassten Compilationen besteht darin, dass sie Cole- 



1) Die Aera des Lakshmanaseua von Bengalen, dessen Oberrichter Ha 
läyvidha war, beginnt am 19. Oktober 1119. Kielhorn, Ind. Ant. XIX, 6. 

2) Aufrecht, Cat. Bodl. No. G48. 



Jolly, Beiträge zur indischen llechtsgeschiclite. 279 

brooke's eifriges Bestreben zeigen, für den von ihm übersetzten, 
aber für unzulänglich erachteten „Digest" von Jagannätha einen ge- 
eigneten Ersatz zu schaffen. Vgl. Colebrooke's Essays ed. Cowell 
I, 478. Die prasasti geht hier auf die ostindische Compagnie (sri- 
kompani vijayate). Den Ausdruck vyavahäramätrikäm abhidhäya 
460 a beziehe ich auf die eigene vyavahäramätvikä des Verfassers, 
die hier ebenso vorausging oder vorausgehen sollte vfie in ähnlichen 
Compilationen . vgl. z. B. die Auszüge aus dem Vidhänapärijäta 
p. 436 b. 

Works ou Sacred Law (Acära). 1543 — 1548. Das zugleich 
eine bez. Kritik der Smriticandrikä enthaltende Citat aus Srldhara's 
Smrityarthasära bei Hemädri steht Paris. 1360 und gestattet, 
wenn oben das Alter der Smriticandrikä richig bestimmt ist, Sri- 
dhara in das 12. Jahrhundert zu setzen, oder doch mindestens um 
1200, falls — denn ich kann jene Stelle im Sräddhakända der 
Smriticandrikä nicht finden — ein anderes Werk dieses Namens 
gemeint wäre. — 1550. Hiernach ist auch Go vindar äj a' s 
Smritim anj ari spätestens in das 12. Jahrhundert zu setzen, da 
sich Sridhara auf govindaräjamatam beruft. Dieser Govindaräja ist 
ohne Zweifel der berühmte Commentator der Mauusmriti, da er in 
seinem Commentar die Smritimafijari als sein eigenes W^erk citirt. 
Vgl., auch über die Berechnung des Datums in 1550, Bühlei-'s Manu, 
Introd. CXXVII. — 1566. Govindärnava von Nrisiipha, 
dem Minister eines Königs G ovindacandra von Benares. Auch dieses, 
wegen der Citate aus Mädhaväcärya and Visvesvara frühestens gegen 
das Ende des 14. Jahrhunders verfasste Werk enthält ein Citat aus 
Govindaräja, woraus hervorgeht, dass Govindaräja's Commentar zu 
Manu nicht, wie R. Sarvädhikäri wilP), dem viel späteren Govin- 
dacandra von Benares zulieb „was stamped with his name". Ueber 
Colebrooke's Verwechslung des Patrons von Nrisimha, welche er 

— ich weiss nicht aus welchem Grunde — als einen Västava- 
Käyastha bezeichnet, mH dem Patron des Lakshmidhara s. o. 1385. 

— 1650. Von dem Südrakamaläkara liegt mir eine litho- 
graphirte Ausgabe von 1883 vor. 

Ich breche hiermit diese den gewöhnlichen Umfang einer An- 
zeige schon weit überschreitenden Bemerkungen ab mit dem Wunsche, 
dass auch der höchst bedeutsame Zuwachs, den die Dharmasästrahss. 
des India Office in den Sammlungen von Bühler -) vmd Burnell er- 
fahren haben, in gleich mustergültiger Weise wie die alte Samm- 
lung bearbeitet werden möchte. 

Würzburg, September 1891. 



1) Tag. Lect. 401. 

2) Vgl. diese Zeitschr. XLII, 53C1 



280 



Beiträge zur Erklärung der Pehlewi-Siegelinschriften. 

Von 

Ferdinand Justi. 

Die Entzifferung der in Pehlewisprache verfassten Siegel- 
inschriften der Sasanidenzeit hatte seit den Bemühungen Thomas' 
und Mordtmann's keine erheblichen Fortschritte gemacht, obwohl 
gelegentlich viele Berichtigungen irriger Erklärungen bekannt ge- 
macht worden wai-en. Der hauptsächlichste Grund für die Un- 
sicherheit, die den älteren Versuchen anhaftet, lag in der mangel- 
haften Kenntniss des Pehlewi und in der Unbekanntschaft mit der 
grossen Menge von Personennamen der sasanidischen Zeit, welche doch 
in byzantinischen, syrischen und armenischen Werken reichlich oft 
vorkommen. So erklären sich Irrthümer wie „ein unfreier Mann 
aus dem Lande" . . . statt des richtigen: „Mardbüd der Magier" 
(Zeitschr. 18, 35 no. 108). Durch die inzwischen erfolgte Ver- 
öffentlichung zahlreicher Pehlewiwerke durch gelehrte Parsis, durch 
West, Nöldeke, Geiger, Barthelemy, und durch die meisterliche 
Tabari-Uebersetzung Nöldeke's hatte unsere sehr dürftige Kenntniss 
des Pehlewi wenigstens soweit zugenommen, dass man bei neuen 
Entzifferungsversuchen auf Erfolg hoffen durfte. Der Verf. dieser 
Zeilen hatte sich längere Zeit mit einem solchen Versuche getragen, 
als zwei Schriften des Herrn Dr. Paul Hörn, der sich bereits durch 
mehrere Arbeiten auf dem Gebiet des Persischen vortheilhaft be- 
kannt gemacht hatte, erschienen, deren erste die Berliner Gemmen 
behandelt ^) , während die andere , durch besondere Umstände ein 
Jahr früher herausgekommene, die zuerst von Thomas bekannt ge- 
machten Siegel des British Museum entziffert. Beide Abhandlungen, 
auf ein reiches und zuverlässiges Material begründet, haben die 
Erklärung der Aufschriften jener merkwürdigen Gebilde persischer 
Kleinkunst auf sichere Füsse gestellt, und die meisten Lesungen 
sind unumstösslich. Der Verf. dieser Zeilen, welcher im Ganzen 



1) Sasanidische Siegelsteine hrsg. von Paul Hörn und Georg Steindorff. 
Mit 6 Tafeln Abbildungen und einer Schrifttafel von Julius Euting (Mittheilungen 
aus den oriental. Sammlungen, Heft IV). Berlin, W. Spemann 1891. 4". 



Justi, Beiträge zur ErUärung der Pehleid-Siegelinschriften. 281 

zu denselben Ergebnissen wie Herr Dr. Hörn gelangt ist, erlaubt 
sich in möglichster Kürze dasjenige, was er anders lesen zu müssen 
glaubt, anzuführen und sodann einige Verbesserungen von Legenden 
hinzuzufügen, welche Herr Dr. Hörn keinen Anlass hatte zu be- 
sprechen. Die im Folgenden angezogenen Schriften zur sasanidischen 
Gemmenkunde sind ausser dem in der Note genannten Buche die 
Artikel von Thomas im Journal of the R. Asiatic Society XIII, 
1852. von Mordtmann in der Zeitschrift XVm. XXIX. XXXI, und 
von Hörn das. XLIV ^). 

1. Zu den Siegelsteinen des British Museum 
bei Thomas. 

no. 1 liest H. 44 , 658 no. 569 Ätürfarnbag Saciu zi Ätür- 
farnbagän; richtiger ist zu lesen Atürfröbag Sacin zi Ätürpatbäc; 
das ö im ersten Namen ist wichtig, weil es die irrige, durch die 
Unbestimmtheit der Pehlewischrift hervorgerufene Lesung fröbag 
für farnbag als alt erweist; das letzte Wort ist ein Beleg für das 
von Deinon (s. Müller, Fragm. histor. gr. II, 92 no. 14) als persisch 
überlieferte Wort 7iOTißaL,ig, worüber man vgl. de Lagarde, Gesamm. 
Abhandl. 194; Hoffmann, Syr. Märt. 282. Der Name bedeutet , der 
welcher dem heiligen Feuer Darün-brote darbringt'. 

no. 3 liest H. 44, 669, no. 628 yezte aiti (Gott ist); richtig: 
yazt-i Itap (anlaut. i wird im Pehlewi wie im Hebräischen, Ara- 
bischen u. s. w. "'N geschrieben), d. i. Yazd Sohn des Itap; letzteres 
ist der Name einer persischen Familie, Atrwsnasp Itapean ist ein 
persischer Feldherr gegen die aufständischen Armenier, Lazarus 
Pharp. 223, 11; auch Tapean, 226, 23. Yazd (Izates) kommt öfter 
als Eigenname vor. 

no. 5 liest H. 44, 653, no. 511 Yäküp-e sum sappir (guter 
Name, Ruf) ; die beiden letzten Worte finden sich wirklich auf den 
Gemmen H. S. S. 30 ; hier steht aber deutlich yüm sapir (guter 
Tag, pers. beh röz oder rözi beh), wie auch no. 37, H. 44, 669, 
no. 577 und Mordtmann 18, no. 168 (s. unten). 

no. 6 liest H. 44, 673 no. 716 Ganjmand-i magü-i Mitr-ätur- 
juvänasp, es ist aber zu lesen Yö^mand (Yözmand)i magü-i Mitn- 
Atün-güsnasp ; Yozmand ein persischer Name bei Laz. Pharp. 205, 15 ; 
gusnasp ein überaus häufiger Name. Es empfiehlt sich stets Mitn 
und Atün zu transscribiren , weil wirklich n statt r geschrieben 
steht ; da in den Inschriften das Zeichen für r verwendet wird , so 
ist es zwar wahrscheinlich, dass auch das n der Buchschrift r ge- 
sprochen wurde, doch ist die Beibehaltung des Unterschiedes schon 
deshalb wichtig, weil alsdann die Siegel mit n für r als in Buch- 
schrift verfasste sogleich zu erkennen sind; auch sollte man ä£ät 
transscribiren, nicht äzäd, weil z sein eigenes Zeichen hat. 



1) Die Namen sind im Folgenden abgekürzt H. , M. und Th. ; H. S. S. 
bedeutet das in der vorigen Anmerkung genannte Werk. 



282 Justi, Beiträge zur ErJdärung der Pelileid-Siegelinschriften. 

no. 10, von Mordtmanu und Hörn nicht angeführt, Amäwante 
zi Dätairike ; awest. amawaiit (stark) ; der Vatername bedeutet : dem 
Gesetz gehorsam, von air (er) ursprünglich Arier, Held, dann der 
arischen Religion zugethan; vgl. airikpat (Herr der Helden, Ganje- 
shayigan ed. Peshutan D. Behramji Sanjana 1, 1). 

no. 15, von Mordtmann und Hörn nicht angeführt, Pabän Ta- 
müräf; s. Hom S. S. 39, Z. 13. 

no. 16 liest H. 44, 657, no. 539 Farnuke, richtig ist Marzüki, 
d. i. arab. ö^;--* ; <ias altpers. Farnük ist pehl. Fai'u;^v. 

no. 44 liest H. 44, 665, no. 503 Zemaköe, richtig: Rapakoe ; 
das zweite Zeichen ist ein p wie auf dem Siegel bei Mordtmann, 
DMG. 31, no. 1, wo parvart zu lesen ist, nicht ein Punkt, wie 
Hom Seite 663 no. 567 meint; Rapakoe ermnert an den skythi- 
schen Namen 'Fa7iax^}]g, C. I. Gr. H, 132, no. 2067, über welchen 
Müllenhoff gehandelt hat, Monatsber. der Berl. Akad. 2. Aug. 1866, 
S. 557. 

no. 52 , von Mordtmann und Hörn nicht angeführt , Ätünböö 
baneh (bareh, Sohn) Päkdät (awest. as^chawadäta). 

no. 55 liest H. 44. 663, no. 583 Sum zenän, richtig ist Samtäi, 
syrisch samtä, der Sohn des Yazdin, ein Christ, welcher nach Ta- 
bari 1060, 17 (\JLu.jm der Handschriften hat Nöldeke nach dem 
syrischen in i.k*^ emendirt) den Siroes zum Brudermord reizte, 
s. Nöldeke's Tabari S. 358. 383. 

no. 59 liest H. 44, 654, no. 484 Mitr-sähek Anakdukht. 
Yezdän (letzteres später hinzu gravirt); die Lesung Anakdukht ist 
unmöglich; der Name des Mörders des armenischen Königs Chosrow 
(ao. 239), Anak, kann nur „der böse" (pehl. anäk , neupers. näk) 
bedeuten, und es ist zu vermuthen, dass die Armenier, denen wir 
ausschliesslich die Berichte über den Mord verdanken (Agathangelos 
10, 15; Mose 2, 74; Tschamtschean I, 366, 1), den wirkHchen 
Namen durch einen Sehimpfnamen ersetzt haben, wie denn der Name 
Anäk niemals sonst vorkommt ; es kann daher eine Frau sich nicht 
^Tochter des Bösen" genannt haben; es scheint, dass Zär-du;^ti zu 
lesen ist, was ein Synonym des armen. Frauennamens Zar-uhi sein 
würde (Mose 1, 29). 

no. 62 liest H. 44, 660, no. 619 Samüde, richtig: Samarde, 
abgekürzt aus Sahmarde, älter Sähmarte. 

no. 63, von Hörn nicht angeführt, ist zu lesen: Mäi-i Mitn-warcen 
baneh (bareh, Sohn) ; Mai heisst bei Firdusi der Bruder des Königs 
JamhOr von Kaschmir (ed. Mohl 6,402, 2910), vielleicht awest. *Mäya, 
wovon mäyava, yt. 13, 123; warcen ist awest. werezena, Schutz- 
gemeinschaft ^) ; der Name bedeutet daher „zur mithrischen Werezena 

1) Das np. berzeu, das Darmesteter zu werezena gestellt hat, scheint die 
Präposition her, pehl. apar (avar) zu enthalten, s. Nöldeke oben S. 142; das 
hier besprochene maskaparzln (Haremzelt) findet sich als maskapercan bei Sebeos 
42, 11, maskapacean und maskavarzan bei Faust, Byz. 55, 1.3. 189, 25. 



Justi, Beiträge zur ErMärung der Pehleu-i-Siegelinschriften. 283 

gehörig". Etwas Aehnliches scheint der Name Mitr-sariän in der Auf- 
schrift no. 81, bei Mordtmann 18, no. 104 Perößdü;/t-i Mitr-sariän- 
zad, Perözdu/t, Tochter des Mitrsariän oder richtiger: geboren in 
der Familie Mitr - sari , deren Haupt Mithra ist ; Hern S. S. 32, 
Z. 11 liest ungenau Mitrsarlrän. 

no. 75, von Mordtmann und Horu nicht angeführt, Dätwehlh, 
gut-sein nach dem Gesetz, von Dätweb, West, Pahl. Texts 1, 244. 

no. 84 liest H. 44, 664, no. 607 Humandi, richtig Hu-pandi 
(mit gutem Rath versehen). 

2. Zu den von Mordtmann in Bd. 18. 29. 31 veröffent- 
lichten Siegeln. 

18, 5 (Taf. 1) zu lesen: Peröc-Hörmazde zi Maruiän, Sohn des 
Märöe, mit arab. Aussprache märwaih, Assemani Bibl. or. III, 143 a, 
no. 9. 155 b, note, Z. 6. 500 b, 38. 

18, 10 (T. 1) ist das erste Wort wid, über welches Hörn, 
S. S. 27 Vermuthungen äussert, Besitzthum, Eigenthum, awest. 
waedha; so ist auch no. 33 zu lesen; das übrige ist von Hörn, 
S. S. 27 richtig gelesen; das letzte Wort magüpat las zuerst Nöl- 
deke, Kärnämak 59. 

18, 19 (T. 4) Nektare (e ist nicht geschrieben, wie in Neki- 
farnäi bei Thomas no. 45), d. i. der schönere, schön vor anderen. 

18, 24 (T. 5) Afröräi, d. i. Pheroras, wie der Bruder des 
Herodes hiess, syr. Pharoroi, pers. Farru;/-rüi. 

18, 25 (T. 2) Züsake zi Marak-sädeh-i nimröci , Z. Sohn des 
M. (d. i. der rein in seinen Rechnungen ist; falsche Rechnungen 
sind nach Wend. 1, 20 eine Patyäreh Ahriman's), aus Nimroz. 

18, 26 (T. 3) Tirdat zi Gad-per5((^) ; letzterer Name ist pers. 
;^urrah-peröz und findet sich bei West, Pahl. Texts III, XIX. 

18, 33 (T. 4) wid Piisi, Eigenthum des Püs (s. no. 10), nicht 
...famai, wie Hörn S. S. 24, Z. 12 liest. 

18, 48 (T. 3) Hümitri ap(astän). 

18, 49 (T. 4) ist am Anfang und Schluss unvollständig: ...dü;^t 
Arkaröe rast . . .; vollständig ist die verwandte Legende bei Mordt- 
mann DMG. 31, no. 1: Arta;/satr-dü;^t Arkari parvart, vgl. Hörn, 
44, 663, no. 567. 

18, 56 (T. 1) Arda;/satre-i Narsehe. 

18, 70 (T. 1) (A)rtasir-i Atase zi Minöci(h)r-yazd sahpühri- 
ädüri, d. i. wahrscheinlich: Ardaschir - Atasch Sohn des u. s. w. 
solche mehrfache Namen finden sich mehrmals auf Siegeln , z. B. 
Bäp-ätün Mitn-büt-bag. Zu bemerken ist, dass zu Anfang das a 
fehlt (vom Zeichner vergessen?) und dass das erste s die in der 
Buchschrift übliche Form zeigt, während die beiden anderen s die 
alterthümlichere Gestalt haben. 

18, 74 (T. 2) Martbüt zi magü zi Gurtln, M. der Magier, 



284 Justi, Beiträge zur ErTclärung der PeldeiriSiegelinschriften. 

Sohn des Gurdin; der letztere Name ist von Gurd (Held) abgeleitet 
wie Tahmin, Bütln, Bäpin u. dgl, 

18, 84 (T. 3, im Text Seite 30 ist durch Versehen eine andere 
Legende angegeben) Artake zi Rew; Rew ist eine Abkürzung von 
Eewniz (Sohn des Kai Käüs) : Rew heisst u. a. ein Sohn des Königs 
Mirian (Mihrän) von Georgien, 265 — 342, Brosset, Mem. Acad. 
St. Petersb. VI, 4, 1840^ 326b, 12. 

18, 86 (T. 3) S. Ohanmazd-i magu-i Mitn-ätunbözän ; das s 
ist die Abkürzung einer Formel, welche dem untersiegelten Namen 
vorangeht, wahrscheinlich sinä;i;;t bäyed (l^äyed sinä;^t, pehl. apäyet) 
man soll ersehen (die Richtigkeit durch die Namensunterschrift) ; 
ätünbözän ist patronymisch von Ätünböi (Thomas no. 52), mit 
Mithra zusammengesetzt; das Zeichen s gleicht dem Zeichen a, 
deutlicher ist es bei no. 92 und unten zu DMG. 29, no. 30. 31, no. 16. 

18, 92 (T. 3) S. Admit-i Atünpätän . afzün snum d.i. ,zu er- 
sehen: Admit, Sohn des Ädharbäd; Vermehrung der Freude (oder 
Befriedigung sei ihm)"; dieser Admit ist wahrscheinlich der Enkel 
des Admit, Sohnes des Aschawahist und Vaters des Atünpät, wel- 
cher im Dinkart I, p. III, bei West, Pahl. Texts II, 399 erwähnt 
wird; das Wort admit im appellativen Sinne „Hoffnung" steht auf 
der Gemme bei Mordtmann DMG. 31, no. 3: admit-i wal yazdati, 
Hoffnung auf die Gottheit; vgl. unten zu DMG. 29, no. 30. 

18, 95 (T. 5) Mitr-mesake (bei Hörn, S. S. 29 masiki) d. i. 
seine Wohnstätte von Mithra habend oder: in dessen Hause Mithra 
geehrt wird ; mes awest. maetha (wie pehl. gas altpers. gäthu, pehl. 
ras neupers. räh), ähnlich wie in nordostiranischen Ortsnamen ;fus- 
methan Istachri 299, 12. Rämethana 307, 3, Tabari 2, 1195, 3 u. s. w. 
mit dem leise gezischten th (o) bei Tabari Kasmähan (ä steht 
für e) 2, 1267, 11; vgl. Aturmehan DMG. 31, 30, und Mesaki 
bei Ibn Athir 8, 375, 19. 

18, 100 (T. 4) Muzd-Mitn— rästihe— zi Ädürzat, Muzd(i)-Mihr, 
(Tochter, der Stein zeigt eine vor dem Feuer betende Frau) des 
Adürzäd; der Ausdrack rästihe (Richtigkeit, nämlich wird bezeugt 
durch den untersiegelten Namen) ist, wie mehrfach vorkommt, 
zwischen beide Namen gesetzt, z. B. Hern, S. S. 27, no. 9; beide 
Legenden könnte man_ als Mutaqärib scandiren. 

18, 101 (T. 5) Ata;/s-i gusnaspe apastän w(al) y(azdän) ; der 
nach dem heiligen Feuer gegebene Name lautet gewöhnlich Adhar- 
gusnasp; Äta_;/s ist eine verstärkte Aussprache von ätas. 

18, 102 (T. 3) Saft, afzün; d. i. dick, vielleicht verkürzt aus 
Saftälü (Aprikose, in der Erotik auch „Kuss") und weiblicher Name. 

18, 105 (T. 4) Wariti, d. i. Läufer. Postbote; Wand hiess 
ein Vorfahr des Ibn al-Munajjim, eines Freundes des Chalifen al- 
Moktafi billahi (902—907), Ibn Challikän X, 51, 20 (de Slane 
4, 85); neupers. barid. 

18, 110 (T. 2) Bäpm-i magü-i Mehatün-Güsuasp , Bäpin der 



Justi, Beiträge zur Erklärung der Fehleivi-SiegelinscTiriften. 285 

Magier, Sohn des Mäh-ädhar Gusnasp; mäh, wie nicht selten, ver- 
kürzt; von Hörn, S. S. 37 nicht erkannt. 

18, 112 (T. 4) Yazdin; so hiess ein persischer Christ, Oheim 
des heil. Pethiön {-\- 430), Assemani III, 397 a, 29; ein Steuer- 
director unter Chusrau II und Parteigänger des Kawädh, Assemani 
III, 91b, 5. Tabari 1060, 17, 'Isoöe/j,, 'Eodui bei Theophanes 
492. 501; ferner ein Mönch, Assemani III, 141a, 22; endlich ein 
Statthalter des Chusrau II in Armenien, Sebeos 43, 31. 70, 20 
(yazden). 

18, 116 (T. 3) Sem sapir (pers. nämweh) ; ebenso no. 165 (T. 4). 

18, 118 (T. 2) Baräeaki räd (das ä steht unterhalb) dapiwer 
(undeutlich) , Baräzak der Räd (Redner , ein Magiertitel) , Schreiber 
(Kanzler, sonst auch dapir, neupers. dabir) ; awest. baräza (glänzend) ; 
dieser Name muss von Baräzeh, welches in arabischen Werken vor- 
kommt, verschieden sein, denn dies steht für Waräzeh, z. B. Tabari 
614, 5, und müsste im Pehlewi Warä^ak geschrieben sein (neupers. 
Guräzeh) ; unrichtig Hörn S. S. 41 zu no. 51. 

18, 124 (T. 3) scheint apas(t)ä(n w)ar yazt(än) zu sein; nach 
der Abbildung ist die Gemme beschädigt. 

18, 127 (T. 2) Spirh, ein Name der von Spithra (worüber zu 
vgl. Nöldeke, Pers. Stud. 36) oder richtiger als Kürzung von Spithra- 
dates ebenso abgeleitet ist wie armen. Mana-cirh von Manus-^ithra ; 
im Neupers. mit Umstellung spih(i)r (Himmel, eigentl. das helle). 

18, 132 (T. 6) Dätizd (aus Dät-yazd); diese kürzere Schreibung 
findet sich auch in dem Patronymicum Dätizdäne, 18, 150 (T. 3); 
da die echt persische Bildung des Namens Yazd-dät lautet, so ist 
unser Name auf syrische Weise gebildet, wie Joj!^/ >^<y^ vgl. 
unten no. 145. 

18, 133 (T. 3) yüm sapir, s. oben zu Thomas no. 5. 

18, 135 (T, 4) rästihe. Parsümä; durch die etwas undeutliche 
Form des p ist Mordtmann zu einer unrichtigen Lesung verleitet 
worden, während er doch selbst den Namen richtig liest und erklärt 
18, S. 23; die Siegelsteine mit diesem Namen müssen daher Nesto- 
rianem angehört haben, die sich nach dem Bischof Bar-sümä von 
Nisibin (435 — 489) genannt haben; irrig nimmt Herr Dr. Horb, 
S. S. 41 einen Zusammenhang an mit pers. Barsom (Namen der 
heiligen Zweige beim Opfergebet). 

18, 136 (T. 2) hat Mordtmann richtig ;/varcüi entziffert, aber nicht 
erklärt; abgekürzt aus ;^var-cät oder ;^var-iithr (awest. hvareCithra) 
und ein Beispiel für die Abkürzung componirter Namen unter Bei- 
behaltung des Anlautes des zweiten Wortes , wie bei Din - dowai 
(syr.) aus Din-dät, Hoffmann, Syr. Märt. 65. 216; Nöldeke, Pers. 
Stud. 19. Hörn, S. S. 26, Z. 21 liest unrichtig ;^var;/üi, die Zeichen 
für y und c sind deutlich verschieden. 

'l8, 144 (T. 5) Mar Gadeh (syrisch in Pehlewischrift, die Dar- 
stellung zeigt einen Pnester mit einem Kreuz). 

Bd. XLVI. 19 



286 Justi, Beiträge zur Erlclärung der Pehleici-Siegelinschriften. 

18, 145 (T. 1) (Dä)t öharmazde; dieselbe Legende bei Hörn, 
S. S. 25. 26. 29; gebildet wie Dätizd (oben 18, 132). 

18, 146 (T. 5) Mazdake; da abgesehen von MaL.ccy.r/g, Satrapen 
von Aegypten (Arrian 3, 1, 2), kein weiterer Mazdak ausser dem 
„Ketzer" bekannt, aucb kaum anzunehmen ist, dass nach Ausrottung 
der Secte und Lehre Mazdak's ein Perser seinen Namen geführt 
hätte, so ist nicht unwahrscheinlich, dass das Siegel dem Sectirer 
angehört hat. 

18, 148 (T. 4) zu den Vermuthungen Mordtmann's über den 
ganz deutlich geschriebenen Namen Mail/ oder' Mali;/ könnte mau 
hinzufügen den nabatäischen Namen in-'b;2. Levy, DMG. 14, 368. 450. 

18, 150, s. oben no. 132. 

18, 153 Afd-Täi, Diener des Tai (einer Gottheit); afd für das 
nabatäische 'awd, arab. 'abd. 

18, 160 (T. 4) gewiss nur ein undeutliches rästihe. 

18, 162 (T. 4) Mitre . raste. 

18, 165 wie no. 116. 

18, 166 Mitr. 

18, 168 yüm zi sapir, vgl. oben Thomas no. 5. 

Band 29, S. 199 ff. 

29, 8 scheint nicht rad (Destür) , sondern: ri (ich) Buj/tar-i 
Baöiän zu sein, wie no. 33. 

29, 10 Wädböc-i magu. 

29, 20 Hömak-i Nariyazdän, ersterer Name Koseform von Hörn 
(Haoma), letzterer von Hörn S. S. 31 erklärt. 

29, 26 wahrscheinlich yüm sapir. 

29, 30 S. Admit-i Mazätiän Apänzät; dieser letzte Name ist 
von Hörn S. S. 33 zu no. 26 erkannt; über das s sehe man oben 
zu DMG. 18, no. 86. 

Band 31, S. 582 ff. 

31, 3 admit sar yazdati, d. i. Hoffnung auf die Gottheit; 
admit ist auch Personenname, s. oben zu DMG. 18, no. 92, und 
soeben 29, 30. 

31, 10 bäte raste d. i. es soll richtig sein; das e an beiden 
Wörtern wird irrig i gelesen; das wirkliche i, z. B. der Idäfet, ist 
ein nach links offener Haken, das e aber stets ein nach unten 
offener Bogen, in der Buchschrift ein Strich. 

31, 11 Süd bat, Nutzen sei. 

31, 12 Mitrü^an dapiwer (letzteres undeutlich); der Name ist 
derselbe wie armen. Mehiüzan oder Merüzan, alt^ers.Mi&QoßoiCävtjg; 
s. Hom, S. S. 27, Z. 28. 

31, 16 S. Öhanmazd d. i. zu A\'issen (s. oben zu DMG. 18, 86): 
Ormizd (in Buchschrift). 

31, 21 Sädagin, mane apast(än) wal Mitre wardet (neupers. 
gerded), S., dessen Vertrauen zu Mithra sich wendet; der Name 



Justi, Beiträge zur Erldärung der Pehlevn-Siegelinschriften. 287 

ist mit Affix in von sädah, einfach, aufrichtig, abgeleitet, wie fezegln 
von fezeh, namegln von nam. 

31, 27 Ätür-Säm künäi bareh (das letzte Wort ist auf der 
Lithographie barän , Mordtmann liest bagän , es dürfte aber die 
Ligatur eh und an vom Zeichner verwechselt sein) ; künäi , älter 
künäk , neupers. kunä, der Macher, z. B. im Dinkart cap. 120, 3 
(III, 134, 14) von Ürmazd als Macher (Verfertiger) der Welt. 

31, 28 dürfte der Name Oharm (verkürzt aus Oharmazd) zu 
lesen sein; s. zu Hörn, S. S. 25 no. 5. 

31, 29 Murtädbütä magü-I Anähit-panähän. M. die Magierin 
(Tochter eines Magiers Namens) Anähitpanäh. Murtäd ist awest. 
Ameretät, das Schluss-a ist Zeichen des Feminin's; vgl. Hörn, 
S. S. 25', Z. 3. 40, zu no. 47. 

31. 30 von Mordtmann im Ganzen richtig gelesen; die Formel 
oder der Wahlspruch ist yüm sapir taft, guter Tag (Glück) ist 
erglänzt. 

3. Bemerkungen zu Herrn Dr. Horn's Abhandlung in 
der Zeitschrift XLIV, 650. 

Einiges wurde bereits bei den Siegeln des British Museum 
erwähnt. 

44, 654, no. 474 ist zu lesen: Asp-rangi, Ross-ähnlich, feurig 
wie ein Ross ; rang wie in Bäz-rang (schnell wie ein Falke), Birang, 
Naurang u. s. w. 

44, 655, no. 500 ist zu lesen Bööede, d. i. er (Mithra oder 
der Ized) erlöset; so heisst ein Bischof von Charbaglä ao. 485 Bö- 
zedh, er (Jesus) erlöset, Guidi, DMG. 43, 397, 11. 

44, 655, no. 513 statt Oj;^ür wahrscheinlich Warahran zu lesen. 

44, 656, no. 519 statt Mähätür zu lesen Mähbut. 

44, 662, no. 727 a zu lesen Manuie Tirikän, M., Sohn des 
Tirik; letzteres ist die Koseform von Tiran oder Tiridates; Manuce, 
abgekürzt aus Manuscithra oder Mauucirh (armen. Manacirh), heisst 
ein kurdischer Emir von Ani, f HIO, Samuel von Ani 457. 
Tschamtschean 2, 995, 40; bei Ibn Athir 10, 247 a, 23 Manüdjihr. 

44, 671, no. 496 Mähdät. 

44, 671, no. 561 sicher nicht Mähweh; es scheint vielmehr 
Mahinbag ... zu lesen; vgl. Mahlndädh, Vater des Jezdegerd, 
Jaqut 4, 445, 23. 

4. Bemerkungen zu Herrn Dr. Horn's Sasauidischen 
Siegelsteinen. 

Seite 24, Z. 32 lies Wahist-bahi-(i) sätän, W. (dem das beste 
Theil zugefallen ist), Sohn desSchäd. 

S. 25, no. 5 ist zu lesen At(ün)-mitn-i magü-i Wisätän, Adhar- 
mihr der Magier, Sohn des Gusäd ; Abbreviaturen finden sich mehr- 
fach, s. oben zu DMG. 31, 28, zu Hörn S. S. 32, 1. 

19* 



288 Justi, Beiträge zur Erklärung der PeMevi-Siegelinschriften. 

S. 25 , penult. ist das aus Masudi angeführte Bahmäsf nui* 
falsche Lesart für Tahmäsf. 

S. 27 , Note 1 : der Name auf dem Siegel bei Layard ist 
richtig als Parsandat gelesen von Schrader, Monatsber. der Berl. 
Akad. März 1879, 290. Menant, Eecherches sur la glypt. II, 221. 

S. 28 ist Herr Dr. Hörn im Irrthum, wenn er annimmt, dass 
die hohen Staatsbeamten mit dem Bildniss des Königs gesiegelt 
hätten, ja dass es wahrscheinlich sei , selbst die Namen Sapor und 
Kawädh möchten nicht die des Beamten, sondern des Königs sein; 
ohne Zweifel hat Steindorff S. 1 Recht, wenn er hier Bildnisse der 
Beamten sieht; dass sich die letzteren nach dem regierenden 
Könige nannten oder von ihren Eltern benannt wurden, ist eine 
Sitte , die sich schon im ägyptischen Alterthum findet (Chufu-an;^ , 
Amenhotep) und bis auf unsere Zeit fortdauert; die zahlreichen 
Gemmen mit dem Namen des Sapor dürften aus der Zeit des ersten 
und noch mehr des zweiten Königs dieses Namens herrühren, wie 
die des Grossmobed Kawädh (Mordtmann DM6. 18, no. 8) aus den 
Tagen des gleichnamigen Herrschers. 

S. 30, unten: die Lesung Thomas' soll nicht neupers. kün, 
sondern kun beh (thue Gutes) sein. 

S. 31 , 30. Das als unsicher bezeichnete Sädbahr findet sich 
wirklich im Mujmil, Jour. asiat. IV, 1, 417, 17. 

S. 32, 1. Warah saspi müsste eine Abbreviatur von Warahrän 
gusaspi (wisnaspi) sein; andere Abbreviaturen s. oben zu S. 25, no. 5. 

S. 35, 13. Artak(i) ist kein weiblicher Name, denn es führen 
ihn mehrere armenische Fürsten bei Elisäus, Lazarus Pharp. u. a., 
Ardaq ein Bischof, Guidi, DMG. 43, 396, 15. 

S. 35, no. 35 dürfte Mär-Todi der Name eines Geistlichen 
sein ; armen. Thodik heisst der Abt des Klosters Innaknean in Taron, 
ao. 601, Tschamtschean 2, 307, 16. 

S. 36, 15^ und 41, 22. Die Aufschiiften der hier erwähnten 
Gemmen sind Ser-i Ra . . . (beschädigt), und Seräi, von ser, satt, 
zufrieden. 

S. 37, no. 38. Das unsichere Wort ist sicher panähi. 

S. 33. Die Zeile 4 angeführte Gemme (Mordtmann DMG. 18, 
no. 134) ist offenbar dieselbe wie die Zeile 9 genannte. 

S. 34. Die zu no. 32 erwähnten Steine bei Mordtmann DMG. 29, 
no. 7 und 33 sind allerdings schwierig; no. 7 scheint vorn ri, li 
(ich) zu enthalten, und hinter dem ganz dunklen Namen (Art?) 
steht daplwer (Schreiber) ; no. 33 zeigt ebenfaUs vorn das r , dann 
folgt Perö^ ;^idewe (wahrscheinlich nur in der Zeichnung unrichtig) 
bareh zi Narsehe; dagegen lautet die ähnliche Aufschrift no. 17 
Daperöze ;^idewe bareh Gundfrize (oder Zi Nadfrize), wie Mordtmann 
richtig entziffert, wenn auch unrichtig erläutert hat; man könnte 
mit dem ersten Namen den Dä(d)-firüz, Sohn des Jusnas (Gusnasp) 



Justi, Beitrüge zur ErHärung der Pehleifi-SiegelinscJirifte 



289 



vergleichen, welcher zur Zeit der Stiftung des Islam Statthalter von 
Bahrain und 'Oman war, Hamzah 138, 12. 143, 10, von Belädhori 
85. 10 Fairüz bin Jusnas (bei Qodäma, Däfairüz, de Goeje zu 
Belädhori) genannt wird. 

S. 40, no. 47 (Taf. III, 5) kann nicht wohl anders gelesen 
werden als ;fväp afzä. Schlaf mehrend (als Amulet'?). 

S. 41 no. 48 Pärsömi (Barsümä, also ein Nestorianer) nikzad 
(schön geboren); rästihe; wehümitrihe (gute Freundschaft). 

S. 41, Z. 20. Das unmögliche Shirtashöp in West's Bundehesch 
ist mit einer leichten Bessening der Pehlem-Zeichen in Ser-gusnasp 
zu emendiren. 

Zum Schluss möge eine Bemerkung über das von Mordtmauu 
Tag gelesene und als Name in der Bedeutiuig „Held" aufgefasste 
Wort gestattet sein. Herr Dr. Hörn S. S. 29 liest tab und stellt 
es mit semit. r:: {"Z'Xl) zusammen, auf Inschriften oft s::b „zum 
Guten", es würde daher ähnlich wie sapir ein auf dem Siegel, das 
zugleich Amulet war, ausgedrückter Wunsch sein; epigraphisch ist 
dagegen zu erinnern, dass 1) das Zeichen, welches b sein soll, 
vielmehr g sein muss , weil es zwar wie b aus einem Haken be- 
steht, der aber klein ist, während das b vor den übiigen Buch- 
staben hervoiTagt; 2) in einigen von Herrn Dr. Hom, S. S. 29 
angefühlten Aufschriften weder g noch b, sondern das bedeutungs- 
lose aus einem unten offenen Bogen bestehende Zeichen steht, 
welches man häufig an Namen findet und i, besser e liest ; dies ist 
der Fall bei den von ihm angeführten Gemmen bei Mordtmann, 
Bd. 18, no. 71 Mitrate, eine Abkürzung von Mithradat (ähnlich 
wie Aspäthä im Buch Esther), no. 94. Rad stite und 29, 18 Yaz- 
date. Fei'ner hätte die Gemme 18 , no. 90 gar nicht angeführt 
werden dürfen, weil hier weder t noch g oder b sich findet und 
H. die Abkürzung w(al) y(azdän , nämlich apastän , Vertrauen auf 
Gott) für t(a)b angesehen hat, indem er w für ein umgedrehtes t 
hielt; ganz das gleiche gilt von 18, no. 121. 3) dass ein b mit 
einiger Wahrscheinlichkeit 18, no. 139 gelesen werden könnte, weil 
es wii'klich ziemlich gross ist ; aber auch dieses Zeichen muss ein 
g sein, weil dieselbe Legende no. 88 und 109 deutlich g zeigt. 
So wird auch auf den noch übrigen Steinen nur g zu lesen sein, 
nämlich Thomas no. 2 rästihe. Tag, und Hom, S. S. no. 15 Zö- 
paki Tag (nicht Schapaki). Der Name hat bei Mordtmann 29, no. 11 
noch das Schluss-e : rästihe Tage. Es ist ferner unwahrscheinlich, 
dass auf einem Siegel neben der Bekräftigung rästih (Richtigkeit, 
nämlich wird der Urkunde zuerkannt) noch eine zweite solche 
Formel stehen sollte. Endlich muss die Belehrung, welche Herr 
Dr. Hom von HeiTn Dr. Andreas erbalten hat, dass im Pehlewi- 
Päzend - Farhang tab stehe , auf einem Irrthum beruhen ; in der 
Pariser Handschrift steht ganz deutlich tag mit dem kleinen Haken, 
dem noch zur Beseitigung jeden Zweifels ein doppelter Punkt über- 



290 Justi, Beiträge zur ErJdärung der Pekleici- Siegelinschriften. 

geschrieben ist, der das g bezeichnet zum Unterschied von d, wo 
ein kleines Dach über dem Zeichen steht; so ist das Wort auch 
von Anquetil gelesen worden, und auch die Ausgabe des Farhang 
von Behramji D. Sohrabji Merjiran (Bombay 1869) Seite 30, Z. 9 
und 46, Z. 10 erklärt tag durch sakti, pehlewän, tuwängeri und 
;^ajür; im Arda-wiraf-nämeh daher tag-dilirhä, festen, starken 
Herzens; auch tagik, superl. tagiktum, im Zend-pehlewi Farhang, 
awest. tanjistem , ist eine Ableitung von tak , in der Pehlewi- 
grammatik von Peshotun D. Behramjee Sunjana S. 415 zwar un- 
richtig für semitisch erklärt (syr. tagif) , aber richtig übersetzt 
durch zöräwar, quwwätdär, pehlewän. Nach diesem kann es keinem 
Zweifel unterliegen, dass tag (Held, eigentlich schnell, hurtig) 
ein Eigenname sein kann und in den angeführten Aufschriften sein 
muss. 



291 



Arisches 11/) 

Von 

Cbr. Bartliolomae. 

VI. Ai. jädrsmin RV. 5. 44. 8. 

Man findet verschiedenfach die Behauptung ausgesprochen, 
dass eine formale Neuschöpfung nur auf dem Wege der Propor- 
tionsbildung erfolgen könne. Das ist gewiss irrig. Ich verweise 
dem gegenüber auch auf die obige interessante Form, welche auf- 
fallender Weise weder bei L a n m a n noch bei Whitney vermerkt 
ist. jädrsmin ist zweifellos ein pronominal gebildeter Loc. Sing. 
zu j adr s-^qualis". Man wird sich aber ganz vergeblich bemühen, 
aus Pronominalformen und aus Casus von jädis- eine Gleichung 
zusammenzustellen, bei der jädrsmin das vierte Glied wäre. Die 
Bildung ist ausschliesslich deshalb erfolgt, weil das Wort als zur 
Gruppe der Pronomina gehörig empfunden wurde. 

Streicht man den „Stamm" ab, so bleibt -min als das locativ- 
bezeichnende Element übrig. Eher sollte man doch -smin er- 
warten. Wie kam man auf -min? Dazu dürfte man allerdings 
auf dem Wege der Proportionsbildung gelangt sein. Die Gegen- 
überstellung der pronominalen Nom. und Loc. Sing, und Plur. führte 
zur Abtrennung von -min; cf. je : j e - s u = j ä s : j ä s - m i n. An 
einen historischen Zusammenhang mit den germanischen und slavo- 
baltischen s-losen Pronominalformen (s. übrigens Brugmann, 
Grundriss II, s. 784 f.) ist nicht zu denken. 

VlI. Ai. dabhanti RV. 7. 32. 12. 

Den in meinen Beiträgen zur Flexionslehre, S. 5 ff. besprochenen 
Conjunctivformen mit -nti: karanti, gamanti, nasanti und 
vasanti stellt sich als fünfte dabhanti zur Seite: eine 3. Plur. 
Konj. des Aorists. Ein Präsens *däbhati, nach der 1. Klasse, 



1) S. diese Zeitschrift XLIII, S. 6641 



292 Bartholomae, Arisches IL 

gibt es nicht, wenigstens nicht in der älteren Sprache.') Es wird 
dies vielmehr nach der 5. Klasse formirt ; cf. d a b h n u h i , av. 
debenaotä. dajbhat, 3. Sg. ist im KV. ächter Conjunctiv: 
1. 178. 2, 7. 56. 15, 10. 108. 4; an den beiden ersten Stellen 
steht es nach der Negation, s. Delbrück, Syntax, S. 315. Die 
3. Plur. dabhan ist im RV. und AV. 16 mal bezeugt; 15 mal 
geht mä vorher (9 mal im AV.): also ist dabhan Aoristinjunctiv ; 
s. Verf., a. o., s. 158 ff. An der letzten Stelle RV. 1. 178. 5 
folgt dabhan auf nä; es scheint in futurischem Sinn gebraucht 
zu sein. 

Die selbe Bedeutung hat auch dabhanti in dem schon an- 
geführten Vers, nä dabhanti tarn ripö besagt „dem sollen die 
Feinde wohl keinen Schaden thun"; vgl. dazu 6. 28. 3. 

Neben der 3. Plur. Aor. dabhan kommt zweimal dabhür 
voi". Dass - a n und - u r im Aorist der gleichen Wurzel neben 
einander stehen, findet sich noch einige Male ; cf j a m a n — a j a m u r , 
ataksan (RV. 2. 31, 7; Delbrück, Tempüslehre, S. 86) — ta- 
ksur (2. 19. 8 „sie haben dir jetzt ein Lied gezimmert"). S. 
noch Verf., a. 0., S. 159 N. 

Vin. Av. barozdahum. 

In dieser Zeitschrift XLIII, S. 667 habe ich die aind. Wörter 
b ä r g a h a m und bargahje besprochen. Letzteres wurde ge- 
deutet als „die beiden Erhöhungen", d. i, entweder die beiden 
Brustwarzen oder die Schwellungen auf beiden Seiten der Brust. 
Das obige avestische Wort, das im Zendpehleviglossar unter den 
Körpertheilen in der Bedeutung „the upper part of the body" auf- 
geführt wird, dient zur Bestätigung, b a r o z d^ enthält ar. b h a r z h - 
mit einer Dentalerweiterung. Wegen des o zwischen r und zd 
s. J7warözdüm J. 29. 1. 

IX. Av. süsuiam Jt. 8. 11 2), 10. 55, 74. 

In meinem Handbuch, S. 193 habe ich in Anschluss an 
Geldner, Kuhns Zeitschrift XXV, S. 178 suiam in den Text 
gesetzt. Das ist falsch, die Form steht fest; es ist eine Optativ- 
form des reduplicirten Perfects wie das gleich folgende gagmiam. 
Die Erklärung ist aber doch nicht ganz einfach. Das av. s in 
saT:ia u. s. w. entspricht ap. s i j — asijavam etc. — und ai. 
kj in kjavati. Die indische 1. Sing. Opt. Perf. Act. wäre nun 
'Mcukjujäm. Das müsste aber im Avestischen als *kusuiam 
erscheinen. Es liegt hier eine ganz ähnliche Neugestaltung vor. 



1) Das zweimal im RV. bezeugte dabhäti — 6. 28, 3, 10. 165. 3; 
beide Male 7., 8. und 9. Silbe der Tristubhzeile ! — beweist für das Vorhanden- 
sein eines thematischen Präsens so wenig als etwa vävrdhäti für das eines 
thematischen Perfects. S. Verf., Studien II, S. 159. 

2) Hier hat die Neuausgabe sus*^. 



Bartlwlomoc, Arisches II. 293 

wie in ai. lii li h i d e , wofür * s i Ic h i d e zu erwarten wäre ; cf. Ve r f. , 
Studien II, S. 47. Im Handbuch, S. 44 nahm ich an, dass s da, 
wo es ar. lii vertritt — Beispiele bei Verf., diese Zeitschrift XLIII, 
S. 670 — , als mouillirter s-Laut gesprochen wurde. Ist das richtig, 
so stellt sich süsuiam als eine gemeine Nachbildung nach *tü- 
tuiam (überliefert ist tütuiä) und ähnliche Formen dar. Dass 
av. hisidiäj) h in der Reduplikationssilbe hat, nicht s, ist ein 
Zeichen hoher Alterthümlichkeit ; s. Verf. , Studien II, S. 59. 

X. A V. k u f) s u Q a n a -. 
Stellen bei Justi. 

Was ich im altir. Verbum, S. 77 zum anlautenden k bemerkt 
habe, ist werthlos. Das Wort gehört als Medialparticip dem re- 
duplicirten Präsens oder Perfekt an. Erstere hatten in der Redup- 
likationssilbe ursprachlich den Vokal i, letztere e. In beiden Fällen 
musste der reduplicirende Konsonant palatalisirt werden. Und 
wenn auch späterhin, in der arischen Periode, der Reduplikations- 
vokal i, a (idg. e) bei u -Wurzeln zumeist durch u ersetzt wurde, 
so bleibt gleichwohl k zu erwarten. Denn die Palatalisirung ist 
älter als jene Vokaländeruug, und „Rückverwandlung der Palatalis 
in die Gutturalis", von der wohl früher da und dort die Rede war, 
gibt es nicht, kuljsn- ist im arischen Sprachschatz die einzige 
reduplicirte Form mit anlautender Gutturalis. 

Zweifellos beruht das Wort auf Neubildung. Es lässt sich 
aber nicht sicher bestimmen, wann sie voi'genommen wurde. Die 
Frage ist, ob das t) altes k vertritt oder ob es eine junge Ent- 
wicklung darstellt; s. Verf. , Brugmann-Streitberg's Forschungen I, 
S. 185 f. Im erstem Fall kann die Bildung nach Mustern wie 
^tutu*', tutru*^ u. s. w. (s. oben IX) vollzogen worden sein, zu 
einer Zeit als statt Ij noch k gesprochen wurde. Andernfalls Hesse 
sich kuljsnu- nur als Nachbildung nach *tu|?ru*' und ähnlichen 
— belegt ist tu|>ruie — fassen, worin sich Tenuis und Spirans 
folgen. Natürlich ist diese zweite Erklärung auch für den erst- 
bezeichneten Fall zulässig. Ein Entscheid ist nicht zu treffen, da 
eine halbwegs überzeugende Anknüpfung des avestischen Ijsnu'' an 
verwandtsprachliche Wörter noch nicht geglückt ist. S. Verf., 



XL Av. hushafa J. 57. 17. 

Dass das f des Wortes arisches p g. wiedergiebt, hat Jackson, 
Am. Journ. of Philol. X, 1 richtig erkannt. Aber die Form ist 
noch nicht ganz richtig erklärt, h u ° ist Nom. Sing, des Part. Act. 
vom reduplicirten Perfect. Im Indischen haben wir susupvän. 
Die Differenz in der Wurzelsilbe hat nichts Auffallendes; s. Verf., 
Beiträge, S. 122. Und auch der Ausgang -a, der auf einen n-Stamm 
hinzuweisen scheint, hat seine Analogien: s. ebd. Das daselbst an- 



294 Bartholomae, Arisches II. 

gefülirte k i k i ]? w a J. 43. 2 will freilich Geldner, Kuhn's Zeitsclir. 
XXX, S. 323 als Instr. Sing., nicht als Nom. gefasst wissen. Aus 
seiner Uebersetzung der Strophe S. 317 ist jedoch nicht zu er- 
sehen, wie lii^ genommen werden soll; das Wort ist vergessen. 
Ich verbinde Ici^ mit Zeile 4, wodurch man der Nothwendigkeit, 
mit G e 1 d n e r ein „und" zu ergänzen, überhoben wird. Also „kennen 
lernend" — d. i. theilhaftig werdend ; cf. 1 v i d - 4) im Petersburger 
Wörterbuch — „durch deinen heiligsten Geist, o Mazdah, die Ereuden') 
. . . , welche du verleihst". 

Die Stelle J. 57. 17 besagt einfach: „Welcher später nicht 
mehr geschlafen hat, nachdem die beiden Geister die Geschöpfe 
geschaffen hatten". Dass ein Part. Pei-f. Act. anstatt einer finiten 
Verbalform steht, kommt auch sonst vor; man vergleiche J. 48. 2: 
ja t^em vidy-ä ahurä mit J. 31. 2 : j a |? ä . . a h u r 5 v a e d ä. 

XII. Av. suwra V. 2. 7, 18, 30. 

An der erstangeführten Stelle wird erzählt, dass Jima von 
Ahuramazdah als Zeichen der Macht suwram zaranaenim 
astramka zarani ö.paesim erhalten habe. Die letzten Ueber- 
setzer der Stelle stimmen darin überein, dass sie suwra mit „Ring" 
■wiedergeben :Bang, Darmestete r, Jackson; s. Am. Or. Society's 
Proc. 1889, S. CXXIV. Dagegen gehen sie in der Uebersetzung von 
astra auseinander: „Schwert" — „Dolch" — „Stab". Eine Etymologie 
von suwra ist bei keinem der drei Gelehrten versucht worden "-'). 

Ich verkenne die Gründe, die man für die Uebersetzung von 
suwra durch „Ring" angeführt hat, keineswegs. Es scheint mir 
aber doch von Nutzen zu sein, auf das von Tomaschek, Sitzungs- 
bericht d. Wiener Ak., phil.-hist. Kl. XCVI, S. 801 aus den Pamir- 
dialecten angeführte Wort surb „Pfeil" aufmerksam zu machen. 
Von Seiten der Lautlehre ist jedenfalls gegen die Gleichung av. 
suwra = pam. (sighni) surb nichts einzuwenden. Die Umstellung 
der Inlautsgruppe Labialis + r ist im Moderniranischen ganz geläufig. 
S. noch warf = av. vafra- „Schnee"^); Tomaschek, a. 0., 



1) Das bedeutet mäiah- — auch nach der a- und a-Declination flectirt 
— überall; ai. mäjas-. "Auch A. 3. 4. Pischel, Ved. Studien I, S. 205 
liest hier gegen die Neuausgabe (!) striö.maia und übersetzt das: „in Frauen 
bestehende (Geschenke)". Die Bedeutung könnte allenfalls ein indisches *strT- 
mäjäs haben (das Feminin wäre "maj Ts). Die Entwickelung von maja-zum 
„Suffix" ist indisch und kaum sehr alt. Im Veda lässt sich die Grundbedeutung 
„Stoff, Material" noch wohl erkennen. Der Bogen des ludra ist von schöner 
Arbeit (siikrtam) und aus schönem Material (sümäjam): RV. 8. 66. 11. 
Kann man in sümäjam mäj a- als Suffix bezeichnen? 

2) Osthoff's Zusammenstellung des Wortes mit ahd. scüfla, nhd. 
schaufei etc. (Morph. Untersuchungen IV, S. 160f.) stützt sich auf Wester- 
gaard's irrige Schreibung sufra und auf Justi's Uebersetzung „Pflug". 

3) Jt. 5. Gl hat die Neuausgabe vifrö. päuruö jö vifrö nauäzo 
ist doch wohl indisch *pärvö jö viprö nävägäs. Vgl. arm. navaz und 
Hübschmann, diese Zeitschrift XXXV, S. 662. 



Bartholomae, Ari>ic]ies II. 295 

S. 755. — Dass der Pfeil ebensogut Hoheitszeichen sein kann 
als der Ring, wird nicht bestritten werden können. 

Tomaschek verweist zu s u r b auf neupers. s u r u b , u s r u b 
,6^1". Aber Blei lässt sich doch weder zur Spitze noch zum Schaft 
eines Pfeiles verwenden. Eben deshalb wohl erinnert Geiger, 
diese Zeitschrift XXXVII, S. 130 an das avestische isunam.. 
srui.staiam Jt. 10. 129'), d. i. Pfeile mit hörnernem Schaft 
(Justi) oder mit hörnerner Spitze (Geld n er). Vermuthlich dachte 
er an pehl. s r ü b o „Hörn". Aber das b hinter ü bedeutet kein b ; 
cf. Hörn, diese Zeitschrift XLIII, S. 32, Note 1. 

Die Stelle V. 2. 30 ist noch nicht klar. Vielleicht schafft die 
Neuausgabe Rath. varefs^a hat Geldner unter Pis chel's Bei- 
fall in vare sa^a geändert (s. diese Zeitschrift XXXVI, S. 138). 
Aber in V. 2. 28 soll nach Pischel dafür vare suta gestanden 
haben. Ausserdem findet es sich V. 2. 38 f., 41 f. Ein „gramma- 
tisches Unding" an sich ist das Wort nicht. Es kann Loc. Plur. 
eines p-Stammes sein (cf. Verf., Beiträge, S. 67 Note)-) oder eines 
pas- Stammes (Verf., Studien I, S. 79), oder auch 2. Sing, des 
Imp. im Medium aus einer p -Wurzel.^) Keine dieser beiden Formen 
passt aber für alle Stellen. V. 2. 28, 39 und 41 f. geht nur ein 
Lokativ an. Die Aenderung varaesy,a liegt ja nahe; doch wird 
sonst nur von dem Vara, nicht von den Vara gesprochen. V. 2. 30 
verlangt eine 2. Sing, des Imperativs ; V. 2. 38 eine 3. Sing, des 
Präteiitums. Hier ist also die üeb erliefer ung — aiwika te hö 
(so K. 2) varefsTja.. — gewiss falsch. Wenn V. 2. 30 varefs;i.a 
correct ist, so erwartet man hier ein *varefta oder auch *va- 
refsta (s-Aorist). 

XIII. Altpers. )7adaj^'. 
Gegen meinen Herstellungsversuch zu Bh. 4. 49 in meinen 
Beiträgen, S. 165 — ich schlug )7adajä zu lesen vor — wendet 
sich Bang, diese Zeitschrift XLIII, S. 531 mit der Bemerkung: 
„Mehrere leicht zu findende Gründe sprechen dagegen". Warum 
hat er sie denn nicht mitgetheilt? Wenn er etwa an der „Secundär"- 
endung des Conjunctivs Anstoss nimmt, so verweise ich ihn auf 
givä Bh. 4. 56, 75. Das ist ebenfalls ein Conjunctiv und be- 
deutet: „(und) du sollst (lange) leben". Der Imperativ passt gar 
nicht. An der Parallelstelle 4. 80 steht der mit dem Conjunctiv 
gleichbedeutende Injunctiv nikatüv „er soll zerstören". Durch 
die herkömmliche Bezeichnung der tu-Formen als Imperative darf 
man sich nicht irre führen lassen*). Imperativformen giebt es nur 
für die 2. Sing, beider Genera. — |7adajätij. manä. kartam 



1) Geiger: sruTsti-. Der Grund der Aenderung ist mir nicht deutlich. 

2) Was ist varafa Jt. 19. 3 der Neuausgabe ? Gehörtes mit fraorepo 
zusammen? Also f = ar. pu? 

3) S. auch de Harlez^ diese Zeitschrift XXXVI, S. 633 ff. 

4) "Vgl. dazu J. Darmesteter, Etudes Ir. II, S. 13 f. Note. 



296 Bartholomae, Arisches II. 

statt jjadajä.tja. manä.kartam zu lesen, wie Bang in der 
veriiTten Note 2 auf S. 532 vorschlägt, geht schon deswegen nicht 
an , weil damit die Lücke nicht ausgefüllt wii*d ; denn dann fiele 
ja auch der Worttheiler noch weg. Siehe übrigens noch Verf., 
Studien II, S. 94. 

Die andere Stelle mit |? a d a j "^ , NRa. 56 ff. hat neuerdings 
zwei verschiedene Erklärungen gefunden. Fr. Müller, Wiener Zeit- 
schrift III, S. 146 will statt j^adaja vielmehr |:'aaja lesen = ar. 
*sansaias. Aber ar. s a n s - wird doch sonst überall nach der 
1., nicht nach der 10. Präsensclasse flectirt. Ebensowenig kann 
ich Thumb 's Verbindung vonj^adaja mit got. hatjau billigen, 
Kuhns Zeitschrift XXXII, S. 123 ff.; s. übrigens Bersu, Die 
Gutturalen, S. 170. Zu gastä, woran er hauptsächlich Anstoss 
zu nehmen scheint, s. bal. gandag und Verf., diese Zeitschrift 
XLIV, S. 552; vielleicht ist auch pamird. ganda dazu zu stellen, 
s. Tomas chek, a. 0., S. 778. — Spiegel bietet überall anderes; 
s. Keilinschriften 2, S. 57, 121, 222, vergl. Grammatik, S. 520. 

Ich sehe nach Allem keine hinreichende Veranlassung, von 
meiner in Bezzenberger's Beiträgen X, S. 269 ff. vorgeschlagenen 
Interpretation der Stelle abzugehen. Fr. Müller will a. 0., S 147 
das letzte Wort stanava (mä sf = ,stiehl nicht"), Bang, diese 
Zeitschrift XLIII, S. 530 stakava (mä st^ = „sei nicht gewalt- 
thätig") lesen. Ich bleibe bei dem Hergebrachten ; s. auch Darme- 
steter, Etudes Ir. II, S. 1 35 f. F r. M ü 1 1 e r ' s Behauptung , dass 
der Stamm staru- blos ^streuen" bedeuten könne, ist mehr als 
kühn. Bang verweist auf die susische Wiedergabe des Wortes 
mit appantainti, welches „ohne Frage mit appantoikkimas 
= ap. z u r a ,Gewalt' verwandt" ist. Dieses altp. Wort bedeutet 
aber in der That ,Ränke, Verrath" ; cf. Verf , a. 0. XV, S. 43 N., 
XVII, S. 346. Ein Synonymon des ai. hvarati^) „von der 
geraden Richtung abbiegen" würde ganz gut passen. Statt starava 
(sataraya) wäre wahrscheinlich richtiger staruva (satar^va) 
zu schreiben gewesen, d. i. der Aussprache nach = *starva. Solche 
Fehler kommen in der gleichen Inschrift noch öfter vor ; s. V e r f . , 
a. 0. X, S. 270 und rmten No. XV. *staruva (starva) aber 
wäre ar. *stri;ias; cf. ai. türvati — av. taur^a^, ai. gür- 
vati, av. nishaurTjaiti, ai. givati und andere „thematische" 
Tj-Präsentien. Deren Wurzel scheint normal auf der Tiefstufe, aber 
mit langem i- und r -Vokal gestanden zu haben. 



XIV. Altpers.: Bh. 1. 70ff 
Die Stelle :adam.hamataf)saij.. jaj^ä. gaumäta.hja. 
magüs. vi|?am. tjäm. amä^am. naij. p aräbara wird von 



1) Mit ai. hväras, ap. zura etc. gehört auch av. vT-zbäris „Ver- 
renkung, Verkrümmung" zusammen. Ich bitte, dies Wort a. O. XVII, S. 113 
und 125 nachzutragen. 



Bartholomae, Arisches II. 297 

Fr. Müller, Wiener Zeitschrift III, S. 147 so übersetzt: ,ich be- 
mühte mich . , 1) , auf dass Gaumata der Mager unsern Klan nicht 
beraubte". Dagegen erlaube ich mir folgende Einwendungen zu 
erheben. 

1) parä bar*^ bedeutet nicht „berauben"; s. Verf., Bezzen- 
berger's Beiträge XIV, S. 244 f. 

2) ja}>ä hat nirgend finalen Sinn, = „damit, auf dass". Die 
einzige Stelle, die bei Spiegel, Keüinschriften^, S. 237, Vergl. 
Grammatik, S. 534 dafür angeführt wird, NRa. 42, ist am ent- 
scheidenden Ort zerstört. Es heisst dort: patikaram. didij. 
tjaij. manä. gä|>um. baratij. ä. ^snäsähidis. ada- 
taij . azdä. bavätij . pärsahjä. martijahjä. düraj . 
arstis. parägmatä. adataij. azdä. bavätij. pärsa. 
martija. düraj. hakä. pärsä. hamaram.^) patijagatä; 
d. i. „(Wenn du denkst: Wie viel Länder waren das, die Darius 
der König besass ?) , so schau dir das Bild derer an , die meinen 
Thron tragen ; d a n n wirst du sie (die Länder) kennen lernen, dann 
wird dir kund werden, weithin ist des Persers Lanze gekommen. 
Dann wird dir kund werden, weit von Persien hat der Perser 
Schlachten geschlagen" ^). Es liegt mit Rücksicht auf das zweimal 
folgende adataij viel näher, die angedeutete Lücke mit ad als, 
wie bisher geschehen, mit ja]? auszufüllen, von syntactischen Gründen 
ganz abgesehen. Auch die Bedeutung „da, weil" für ja|7ä ist un- 
sicher; denn die Stelle Bh. 4, 63, die man als Beleg anführt, ist 
wieder am entscheidenden Punkt zerstört*). ja)?ä bedeutet 1. „wie", 
modal, = velut; 2. „wie", temporal, =postquam; 3. „wie 
wenn"; man vergleiche dazu das lat. velut im Sinne von velut si 
und unten. 

3) Wenn aber auch die beiden ersten Einwendungen nicht für 
stichhaltig angesehen werden sollten, so bleibt Fr. Müll er 's Ueber- 
setzung immer noch falsch. Denn ein Dutzend Zeilen weiter oben 
mrd uns ja bereits die glücklich vollzogene Tödtung des Gaumata 
und seiner Genossen gemeldet. Von der Seite drohte also dem 
Hause des Darius keine Gefahr mehr. 

Die richtige Uebersetzung der Stelle hat sich an die von 
J. Oppert, Le peuple et la langue des Medes, S. 121 gegebene 



1) Zur Etymologie und Bedeutung des ap. taijs- s. Fr. Müller, a. 0. IV, 
S. 311, Verf., Studien II, S. 22. 

2) Wohl Versehen für hamaranam, wie sonst überall. 

3) Fr. Müller's neue Erklärung des Wortes patijagatä, a. O. III, 
S. 148 ist nichts weniger als das. S. Hübschmanu, Kuhns Zeitschr. XXIII, 

S. 397, Verf., Handbuch, § 298 und Index, S. 247. Ebd. S. 150 will 

Fr. Müller für adataij adaij lesen. Dem gegenüber bitte ich, die Stelle 
Bh. 4. 82 in Rawlinson's lithographirten Tafeln einzusehen und seine Be- 
merkung dazu im Journal of the Roy. As. Soc. XII (Old Series), S. XI. 

4) Es scheint mir so gut wie sicher, dass vielmehr tj a zu lesen ist. In 
Zeile 65 wird es wiederholt: tjamaij. hja etc. 



298 Bartholomae, Arisches II. 

anzuschliessen : j a ]? ä ist „ c o m m e s i " : „wie wenn Gaumata der 
Mager unser Haus nicht zerstört hätte". Man vergleiche zu dieser 
Bedeutung die indischen bei Delbrück, Syntax, S. 350 angeführten 
Sätze mit jäthä und aus dem Avesta V. 18. 38: ,der tödtet 
meine Frucht so, wie wenn (j a )j a) ein vierbeiniger Wolf das Kind 
aus dem Mutterleibe herausrisse" (niz dar edair iä|D). Ich mll 
noch darauf hinweisen , dass das altpers. p a r ä b a r a nicht uoth- 
wendig in pari a b a r a getheilt werden muss ; es kann auch den 
Injunktiv bara (oder auch bar, Aorist; cf. Jt. 14. 55) enthalten. 

XV. Ap. drajahjä Bh. 1. 15, J. 14. 
In der Aufzählung der beherrschten Länder und Völkerschaften 
führt Darius zweimal tj aij . dr aj ah j ä auf; an der zweiten Stelle 
werden sie als Jouier bestimmt und den jaunä . tjaij . uskahjä 
gegenübergestellt. Spiegel übersetzt (in beiden Auflagen) einmal 
„die am Meere" und das andere Mal „die der Inseln". Ersteres ist 
jedenfalls falsch; es sind sicher die Insel-Ionier gemeint, tj aij . dra- 
jahja besagt aber streng genommen nicht „die des Meeres", 
sondern „die im Meere", drajahjä ist ein weiterer singularer 
Locativ mit postfigirtem ä. Die übrigen sind: dastajä, düva- 
rajä, uzmajä (s. Verf., Bezzenberger's Beiträge XV, S. 21, 
XVII, S. 343)1); ufrätauvä, dahjauvä, gä|?avä (ebd. XIII, 
S. 69); apijä (neben api«; ebd. XIV, S. 244 f.) ; mäh ja (ebd. IX, 
S. 309f.); vil?ijä (Oppert, Le peuple . ., S. 194f.)-). 



1) Man hat hier -ajä als Dualausgaug genommen und an av. -aia ange- 
schlossen. Aber die avest. Formen auf -aiä sind Genetive; man vergleiche 
die Gathastellen mit asaiä, ranaia, sarediaia, haljtaia; aia, jaiä. Der 
Locativ geht auf -aiö aus: zastaiö, uböiö (J. 41. 2); dem würde aber im 
Altpersischen entweder -aja oder -ajauv entsprechen, je nachdem -ö aus ari- 
schem -as oder -au hervorgegangen ist, was sich nicht ermitteln lässt. Die 
Differenz: -a im Gen., -ö im Loc. Dual, geht durch alle Stammclassen durch. 
Aus dem Gathadialect führe ich noch auf : ahua, mainiua, asaoljsaianta, 
aber al^huö J. 41. 2. 

Zu den einzelnen Formen bemerke ich noch: In der Bedeutung „Haus" 
od. dgl. wird auch im Avesta duar- im Singular gebraucht. Der Dual dväräu 
oder dvSre (nach der ä-Declination) ist im Veda „das Thor"; s. Delbrück, 
Aind. Syntax, S. 97. Ueber dnare V. 3. 29 — so in beiden Ausgaben; 
Justi's Angabe beruht auf einem Irrthum — ist vorläufig, ehe die Neuausgabe 
erschienen ist, nichts zu sagen. — Wegen manä dastajä akünaus Bh. 4. 35 
kann man freilich auf J. 30. 8: asäi daden zastaiö und 44. 14 asäi.. 
diam zastaiö verweisen, um die herkömmliche Erklärung von dastajä als 
Dualform zu unterstützen. Man vergleiche aber die vedischen Stellen mit haste 
und hästajös, z. B. 1. 55. 8, 72. 1, 114. 5, 176. 3, 9. 18. 4, 89. 6, 
10. 97. 11; ein Unterschied in der Bedeutung ist da kaum festzustellen. 
S. auch giibhastäu — gäbhastjös. 

2) = av. vTsia Vsp. 12. 5; s. Caland, Kuhu's Zeitschr. XXXI, S. 263. 



Bartholomae, Arisches II. 299 

Dass den fjaunä) tj aij . draj ahjä die j aunä . tj aij . us- 
kahjä gegenüber stehen, macht mich an meiner Erklärung von 
draj ahjä als Lokativ nicht irre. Nach jaunä.tjaij.uska- 
hj ä . utä . tj aij . draj ah j i wird fortgefahren: uta. dahjäva. 
tjä. parauvaij. Es muss zugegeben werden, dass die Lesung 
des letzten Wortes nicht sicher ist: correct wäre parüvaij = ai. 
pürve. Aber das ist jedenfalls sicher, dass das Wort kein Gen. 
Sing, sein kann Wir haben also Wechsel im Ausdruck: die des 
Festlandes, die im Meere, die im Osten. 

Bei der vorgeschlagenen Fassung von draj ahjä haben wir 
es nicht nöthig, eine Umbildung des alten s-Stammes nach der 
a-Deklination anzunehmen. Ausser dem Locativ ist noch der Acc. 
Sing, des Wortes überliefert: draja Szb. 10 und NRa. 28 f., wo 
taradraja fälschlich statt tara. draja im Felsen eingemeisselt 
ist; der Worttheiler dazwischen ist vergessen. Auch sonst zeigt 
ja die Lischrift manchen Verstoss gegen die strengen Regeln der 
Orthographie ; s. oben zu XIY. Auf d r a j a m , wie Bh. 5. 24 ge- 
lesen wird, ist nichts zu geben. 

XVL Av. paiti pednaepe ra-phaiä, Jt. 5. 81. 

Geldner, Kuhn's Zeitschrift XXV, S. 392 übersetzt „auf 
einer Insel der Rangha" und sieht in pe eine „Dittographie des 
vorangehenden paiti". J. Darmesteter, Sacr. Books of the 
East XXIII, S. 73 meint zu ped^^ „perhaps an affluent of the 
Rangha" und verweist auf Jt. 13. 19, 19 — soll wohl heissen 
12. 18, 19 — , 15. 27. 

Es ist bemerkenswerth , dass drei Handschriften, und gei'ade 
die besten Fl, Pt 1 und El, paitipe dijaepe abtheilen. So 
lese ich und nehme an, dass e beide Male fälschlich für e ge- 
schrieben ist. Der gleiche Fehler findet sich noch öfter. Vgl. z. B. 
Jt. 10. 48, wo die Xeuausgabe te hamere]?e bietet, während 
Westergaard hamere|>e schrieb. S. ferner J. 23. 1, Vsp. 3. 5, 
15. 1, 19, 1 u. s. w. 1). 

Ich komme somit auf die Deutung : (aind.) pratipe dvipe 
rasäjäs. An der Zusammenstellung von d^aepa- mit aind. 
dvipä- „Insel, Sandbank im Fluss" zu rütteln, sehe ich keinen 
Grund. Die genaue Bedeutung des avestischen Wortes lässt sich 
nicht ermitteln, p aitip a- ist 'entgegengesetzt' und zwar der Strö- 
mung oder Brandung^). Zur Bedeutung von ra|9ha cf. Geldner. 
a. 0., S. 526 f., Geiger, Ostiranische Kultur, S. 34 ff. Also etwa 
„auf einer (der) umflutheten Klippe (Insel) des Meeres". 



1) Die Formen wie pu|?re, pai ti.veret e J. 23. 1 u. s. w. sind natür- 
lich Neubildungen nach der pronominalen Deklination, sie fungireu als Nomi- 
native und Accusative. In meinem Handbuch, § 238 sind sie nicht aufgeführt. 
Doch siehe § 264. 

2) S. paitiäpem und J. Schmidt, Pluralbildungeu, 8. 390. 



300 BartJwlomae, Arisches II. 

XVII. Av. meretö beretaka V. 2. 3 f. 

Spiegel und alle spätem üebersetzer nehmen die beiden 
Worte als Nominative: „als Verkündiger und Träger" (so Justi). 
In der That sind es Infinitive. 

nöi|) dato ahmi nöi|) kistö va.^ b^ daenaiä besagt: 
,Ich bin nicht geschickt noch kundig, den Glauben zu lehren und 
zu verbreiten". 

Vorher hiess es visa|9ha me . . m^ b° d° und unten folgt 
jezi me . . . nöif) vi^ise m'' b^ d^. Zur Construction von 
visaite (so!, Med.) mit dem Infinitiv s. J. 8. 4 : visaite (Pt 4) 
framrüite und Geldner, Kuhns Zeitschrift XXX, S. 533. 
Allerdings steht weiter unten visäi (visäne) . . |7rätäka 
haretäka aiwiäl)stäka. Das beweist aber keineswegs die 
Unrichtigkeit meiner Erklärung, vis^ wird eben verschieden con- 
struirt.^) Man beachte wohl die Differenz in der Wurzelsilbe bei 
h a r e t a und bei meretö, b e r e t a. Zudem kann man doch 
meretö nicht als Nomen agentis nehmen. 

Der Form nach sind beide Infinitive Locative aus t i - Stämmen. 
Zu meretö cf. garö — gairis u. a. Im übrigen s. Verf., 
Bezzenberger's Beiträge XV, S. 241 f. 2) 

Ein zweiter Infinitiv gleich meretö ist wahrscheinlich b e r e t ö 
V. 2. 24: parö zimö aeta|3hä danheus ai9ha|) beretö 
västrem, d. i. „vor dem Winter trug dies Land Weide", wörtlich 
„vor dem Winter war es (die Eigenschaft) dieses Landes — eius 
regionis erat — Weide zu tragen". Der locativische Infinitiv 
bildet das syntaktische Subject des Satzes. Das gleiche gilt von 
dem accusativischen Infinitiv hairian Jt. 13. 50; s. Verf., a. 0., 
S. 243, XVI, S. 275 f., XVII, S. 347"! " Es liegt in diesem Gebrauch 
der Beweis, dass jene Wörter nur als „Infinitive", nicht mehr als 
Casusformen empfunden wurden. 

Ueber einen dritten gleichartigen Infinitiv s. unten No. XXII. 

XVm. Av. siete Jt. 10. 38. 
Zu den avestischen 3. Flui'., welche den arischen auf -at, 
-ati, -ata und -atai entsprechen — s. Verf., Beiträge, S. 12 f., 
13 Note — kommt noch siete, wie die Neuausgabe an der an- 
geführten Stelle schreibt. Die handschriftliche Gewähr dafür ist 
freilich sehr schwach. Weit besser ist s i e i t i beglaubigt. Ver- 
muthlich hat sich Geldner, dies aufzunehmen, dadurch abhalten 
lassen, dass sonst im Activ sieinti, mit dem Nasal belegt ist. 
Aber anderseits ist auch in Anschlag zu bringen, dass sonst Medial- 
formen zu unserm Verbum nicht vorkommen. Ich halte es daher 
für gerathener sieiti, wie fast alle Handschriften haben, zu be- 



1) Zur Etymologie von visaite, vTuTse cf. Geld n er, a. O. XXVII, 
S. 227. Ich nehme visaite als Inchoativ zu ai. vindati. vIsäi V. 2. 4 
ist imperativiseher Infinitiv. 

2} Wegen peretö J. 5t. 12 s. Verf. , Jdg. Forschungen I, S. 191. 



Bartholomae, Arisches II. 301 

lasseu. Die Erklärung bietet keinerlei Schwierigkeit. In manchen 
Fällen ist -ati ja ganz regulär; cf. ai. dädhati = av. dadaiti, 
ai. s ä s a t i , t ä k s a t i u. s. w. Auch gegen a o g a i t i , wie W e s t e r - 
gaard und Spiegel schreiben, wäre an sich nichts einzuwenden; 
es wäre = ar. *äugati. Aber die Neuausgabe bietet zu Jt. 8. 
51, 53 aogaite, und es verdient diese Lesung den Vorzug, da 
das Verb sonst stets medial flektirt wird. 

In der interpolirten Stelle zu Jt. 14. 48 hat die Neuausgabe 
sieiti; das ist entweder = ai ksijäti — das aber erst im 
Atharvaveda auftritt — oder ebenfalls Pluralform; correcter wäre 
freilich der Dual; doch kommt der Plural des Verbs, auf dua- 
lisches Subject bezogen, auch noch anderwärts vor; siehe besonders 
Jt. 11). 44: te meväsem |7angaifiute spen taska m ainius 
a |3 r a s k a , womit unsere Stelle : jim sieiti däitiötema^) 
jasnaska vahmaska viel Aehnlichkeit hat. Es spricht das für 
die Fassung von sieiti als Plural. Die Worte verej^ragnö 
ahuradätö dätahe jim sieiti . . sollen wohl besagen „der 
gottgeschaffene Sieg fällt dem Gerechten (cf. däj^a- der Gatha's) 
zu, bei welchem vorhanden sind . ." (cf. jeng ä.saeiti J. 43. 3). 

Spiegel, Vergleich. Grammatik, S. 401 f. führt eine Anzahl 
von Stellen auf, da eine singulare aiti-Form mit einem plura- 
lischen Subject verbunden ist. Es sind das die Formen und Stellen: 
V. 13. 2 aogaiti; ist Plural, cf. oben; — V. 2. 32 visäxi ai eiti; 
Wes tergaar d schreibt richtig *^ieinte; — V. 18. 56, 59 
merenkaiti; Westergaard liest mit K 1 etc. ''kante; — 
Jt. 10. 3 dadaiti; ist Plural, cf. Verf., Ar. Forschungen II, S.6P); 
— V. 8. 42 gasaiti; — V. 6. 21 frij^ieitika puietika. 
Für die letzten beiden Stellen trifft Spiegel 's Angabe zu. Es 
ist aber nicht viel Verlass darauf. Die Mehrzahl der Ritualvor- 
schriften stammt aus verhältnissmässig junger Zeit. 

XIX. Ai. sikatä „Sand". 
Soviel ich sehe, ist eine Anknüpfung des Worts an andere 
indische oder arische Wörter noch von keiner Seite versucht worden. 
Die iranischen Wörter für „Sand" sind: np. reg, bal. rek, rel), 
kurd. rik, rih etc. Sie setzen ein altiranisches * r a i k "^ voraus 3). 
Ich verbinde dies mit dem indischen Wort auf einer arischen 
Grundlage * s r a i k <> — * s r i k ". Für bal. rek etc. bedarf es 
keiner weitern Erläuterung. Wohl aber für sikatä. Ich halte 
es für ein Lehnwort aus einem der indoarischen Volksdialecte, wie 
solche uns ja schon im Rgveda, wo sikatä noch nicht vorkommt, 



1) So die Neuausgabe hier. Solls der Dual sein? Pt 1 und zwei andere 
Handschriften haben **temö, wie ohne Varianten zu Jt. 8. 56 an ganz ähn- 
licher Stelle gelesen wird. 

2j Wenn nicht stumpfsinnige Wiederholung. 

3) Was ist raekö Jt. 17. 20? Der Text der Neuausgabe wirft all& 
früheren Uebersetzungen der Stelle über den Haufen. 

Bd XLVI. 20 



302 Bartholomae, Arisches II. 

gar nicht selten begegnen: cf. vonBradke, diese Zeitschrift XL, 
S. 657 ff. Wegen des Wandels von anlautendem sr zu s vergleiche 
man z. B. pali savö „flowing" — ai. sravas; sötö „stream" — ai. 
srötas; suti „oozing" — ai. srutis; prakr.. sattharö ^Lager" 
— ai. srastaras u. s. w. 

Geiger, Etymologie des Balutsi, S. 39 hat die iranischen 
Wörter an ai. r i n ä k t i anschliesseu wollen. Diese Etymologie 
würde natürlich mit obigem nicht vereinbar sein. Ich sehe aber 
die Zusammenstellung fertiger Wörter mit fester Bedeutung aus 
verschiedenen Dialecten für werthvoller und nutzbringender an als 
die Ableitung eines Wortes aus irgend welcher Verbalwurzel , zu- 
mal wenn es eine so concrete Bedeutung hat. 

XX. Av. vi^arezda^ant- J. 9. 30. 

Ar. Forschungen, S. 12, Handbuch, S. 237, Beiträge, 
S. 107 und Studien I, S. 15 habe ich das Wort für ein Part. 
Perf. Act., wie die indischen auf tävant- (Whitney, Grammar^, 
§ 959 f.) erklärt. Demgegenüber versichert Pischel, Gott. Gel. 
Anzeigen 1890, S. 539, „ich müsse erst die Erklärung der Stelle, 
geben , die mir die richtige scheine ; bis dahin sei meine Behaup- 
tung werthlos". Warum Pischel die Stelle so schwierig findet, 
weiss ich natürlich nicht. Nach meinem Dafürhalten ist ihr Sinn 
vollkommen klar. Ebenso der syntaktische Bau. Es kann sich 
also nur um die Uebersetzung der einzelnen Wörter handeln. Wie 
ich aber diese gefasst wissen wollte, habe ich im Glossar meines 
Handbuchs angegeben, wo S. 182 die Stelle abgedruckt ist. Ich 
behaupte wohl nicht zu viel , wenn ich sage : das hätte Pischel 
wissen können. 

Dass das av. viijarezda^atö nichts anderes vertreten kann 
als arisches *^iijrO oder *^iTjarddhaQatö, bedarf für den 
Kenner arischer Lautlehre keines Beweises. Ebenso wenig, dass 
das Wort eine ij a n t - Bildung aus einem ta- Stamm darstellt. 
Den Ausweg, a i^ als Missschreibung für i ^ zu nehmen — Verf., 
ar. Forschungen II , S. 98 — und somit das Wort auf einen t i - 
Stamm — cf. ai. vivrddhis — zurückzuführen, halte ich bei 
der nahezu einstimmigen üeberlieferung für unzulässig. Wir dürften 
bestimmt erwarten, das i in einer der zahlreichen Handschriften 
vorzufinden. Uebrigens ist ja auch der gewöhnliche Schreibfehler 
für iij oder iij nicht a^, sondern blosses ^. — Das ta-Particip 
(— ai. vjjddhä-) ist Jt. 13. 81 und J. 45. 3 bezeugt. Es wird 
von Geldner mit „erhaben", bezw. „gewaltig" übersetzt; cf. Kuhn's 
Zeitschrift XXV, S. 546, Bezzenberger's Beiträge XIV, S. 1. Letztere 
Bedeutung habe ich, Handbuch, S. 237 auch für viigarezda^ant- 
vorgeschlagen. Dass 'gewaltig' genau trifft, glaube ich jetzt aller- 
dings nicht mekr. Das ist zu allgemein. Geldner, Metrik, S. 135 
hatte das Wort mit „übermüthig" wiedergegeben, ohne jedoch seine 



Bartholomae, Arisches II. 303 

UebersetzuDg zu begründen. Uebertragen wir einmal die Worte 
paiti gad:ahe vi ^ar ez da^atö . . kehrpem ins Indische: 
prati *ghadasja^) vivrddhavatah..krpam. Ich glaube, 
Niemand würde das anders übei'setzeu als : „Wider den Leib des 
gross (oder mächtig) gewordenen Mörders". Und das passt auch 
völlig für die Avestastelle. 

Nunmehr hat P i s c h e 1 das Wort. Ich werde mich gern 
eines Bessern belehren lassen. 

XXI. Av. maremnem Jt. 16. 17. 

Den Aenderungsvorschlag , den Geldner, Studien I, S. 123 
gemacht hat — nämlich marem = ai. smaräm — , wird er 
jetzt gewiss nicht mehr aufrecht erhalten wollen. Ist die Ueber- 
lieferung richtig, so liegt in dem Wort das selbe „Suffix" vor wie 
in den bei Whitney, Grammar^, § 1224 c verzeichneten indischen 
Wörtern: mna-. Die Bedeutung hat schon Geldner richtig be- 
stimmt. äj)raTia duraefrakätö wäre indisch doch wohl 
atharvä düreprakäntah (vgl. dazu Verf., Bezzenberger's 
Beiträge X, S. 278 f.). Ist dür'* als Eigenname zu nehmen? 

XXII. Av. va]7waesö Jt. 13. 20. 

Geldner bemerkt dazu in der Neuausgabe: „Vielleicht 
V 1 ]? w a e s ö ". Da aber gleich darnach j? w a e s ä folgt , so wäre 
ein V 1 }> w " doch kaum in das von den besten Handschriften be- 
zeugte va|7w° geändert worden. Das umgekehrte lag entschieden 
näher. v%}7waesö ist wörtlich „einer der den Heerden (v q. )? w a) 
nachstellt (isö)". Zur Bedeutung von isö cf. Jt. 10. 45: „und 
deren Pfade beschirmend, dem (statt denen) die Eidbrüchigen nach- 
stellen (isenti)". vaf^w^' ist also ungefähr synonym mit va- 
z5.va}7wia- Jt. 11. 5, das Geldner, Studien I, S. 116 „die 
Heerden forttreibend" übersetzt. 

Der Passus wäre also wiederzugeben: „Wenn dir, o Spitama 
Zarathustra, in dieser irdischen Welt ein Heerden- (Strauch-) Dieb 
in den Weg tritt, und wenn du wegen fürchterlicher Schrecknisse 
und Gefahren Angst hast für dein Leben, o Zarathustra, dann . . . ". 

1? w a e s ä ist Nom. Plur. Ntr. Davon hängen die voranstehen- 
den Gen. Plur. und der folgende Gen. Sing, ab: „Wenn Angst 
(besteht) seitens der Gefahren . . für das Leben". 



1) Ueber av. gada- hat Geldner, Studien I, S. 166 ff. gehandelt, nach 
meiner Ansicht in nicht zutreffender Weise. Die Erklärung von gaesus, die 
dabei den Ausgangspunkt bildet, ist sicher falsch. Ich bemerke übrigens, dass 
gadotus Jt. 11. 6 von Geldner selber, ebd. S. 116 mit „Räuberbauden" 
übersetzt wird. Wo gada- weder „Krankheit" noch „Keule" bedeutet, mag es 
ar. *ghada- oder *ghadha- vertreten, aus ghan- mit dem „Wurzeldeter- 
miuativ" d oder dh; so J. 9. 10, 21, 30, Jt, 11. 5, 13. 136, Aog. 80; Jt. 11. 6. 

20* 



304 Bartholomae, Arisches IL 

pa)>cim ist nicht ganz so einfach, als es erscheint. Als Gen. 
Plur. bedarf p a]? a m keiner Erläuterung. Als solcher fungirt es 
J. 42. 1, Jt. 11. 4 und (angeblich) V. 19. 29. An den übrigen 
Stellen: J. 31. 9, Jt. 13. 20, 14. 44 und N. 1. 8 = Fr. 5. 2 soll 
es Acc. Sing. sein. Vgl. dazu Jackson, Am. Or. Soc.'s Proc. 
1889, S. CXXV. In N. 1. 8 pa};am hästäitim ist pO viel- 
leicht trotz paj^aiä liästätaiä Fr. 5. 1 Gen. Plur., abhängig 
vom folgenden Wort. An den andern Stellen aber sehe ich p a |> a m 
für einen Loc. Sing. an. Da av. pa}?^ auch feminin gebraucht 
wird — s. auch ap. pa|7im tjäm rästäm NRa. 58 f. — , so 
kann man pa)7^m mit ai. usäm, usram, ksapäm, dösäm 
zusammenstellen; vgl. Verf., Bezzenbergers Beiträge XV, s. 202, 
208, 210. Also ai. usri: usräm = av. pai|)l (J. 50. 4): 
pajjam^). Es scheinen aber im Avesta auch Loc. Sing, aus femi- 
ninen i-Stämmen auf -Am vorzukommen, und so Hesse sich pa|7am 
mit Rücksicht auf ap. paJMm auch an diese anschliessen. Als 
Beleg citire ich Jt. 15. 40: jap nmänö.paitim vindäma . . 
j5 nö huber et ajm barä|) und Jt. 13. 18: j ö v o h u.b e r e t a m 
baraiti mi|7rem jim vouru.gaoi ao itim. Man kann frei- 
lich auf Jt. 13. 18: jö.nä.his huberetä barä|) verweisen, 
wo man huberetä als Acc. Plur. Fem. nimmt; cf. Bh. 1, 21, 
4. 66: avam ubartam abaram. Man vergleiche aber auch 
Jt. 10. 112: jaj^a huberetö baraiti pa|?anä gafrä 
gaoiaotee, d. i. ,wo ■ — vgl. J. 10. 3, 4 — er wohl pflegt die 
weiten Thäler, damit sie zur Weide dienen", huberetö ist Loc. 
Sing, zu hubereitis; vgl. dazu oben No. XVII. Die Verbindung 
huberetö oder huberetam baraiti lässt sich vergleichen mit 
solchen wie staomaine stüid:i J. 9. 2, apaiatee jasöis 
Jt. 1. 24, fra^äza vazaiti V. 3. 31 (Verf., Bezzenberger's 
Beiträge XV, S. 222). Man kann die Formen sonach als Infinitive 
bezeichnen. Ganz ähnlich ist Jt. 10. 110: kahmäi äsnamki|) 
frazaintim ha|7r a.g ata niganäni; ha" ist wie huberetam 
und huberetö Locativ. Siehe übrigens auch Jt. 13. 48: tft 
d a n h ä n ö h a ]? r a.g a t ä (so zu lesen) nigagnente, womit 
wieder Jt. 13. 18: ..huberetä. .zu vergleichen ist 2). Was die 
Bildung jener tam-Locative anlangt, so nehme ich an, dass die 
Formen aus tä-Locativen hervorgewachsen sind in Anlehnung an 
solche auf -am = ar. - ä, m , oder anders ausgedrückt : ar. * b h r t ä m 
sehe ich für eine Mischbildung aus *bhytä und *bhrtiäm an. 



1) Justi's Locativ pai)?e Jt. 17. 58 ist Fehler statt pai)?ie ^ ai. 
pätje. — Dagegen scheint pi|?e Jt 10. 84, wofür Geldner, Kuhn's Zeit- 
schrift XXV, S. 524 pai|'i lesen wollte, ein Infinitiv wie ä.höij^öi und 
kä]7e zu sein; s. Verf., ebd. XXVIII, S. 22. Sind dua pij?e ha kirn na 
„zwei zu (gegenseitigem) Schutz verbundene Männer", d.i. zwei Blutsgenossen? 
2) Ebenfalls Infinitiv; korrekt wäre "tau, Loc. Sing. Vgl. huidäta Jt. 
17. 8 und vTdätS V. 13. 49. 



Bartholomae, Arisches II. 305 

Die oben übersetzte Stelle Jt. 13. 20: jase.}?wä . . pa|7am 
g a s ä i t i . . wäre also wörtlich so wiederzugeben : „wenn zu dir 
. . auf dem Wege kommt . . ". — In Jt. 14. 44 übersetze ich: 
„vier Federn sollst du verteilen auf dem Weg (d. i. auf der freien 
Strecke zwischen den beiden Heeren) nach beiden Seiten", a tj i = 
gd. aibi kommt auch sonst mit dem Locativ verbunden vor. — 
In J. 31. 9 steht hia|) ahiäi dada pa|>am, d. i. wörtlich „als 
du es ihr in den Weg stelltest", wofür man dem Sinn nach dann 
allerdings mit Jackson sagen kann: „when thou for her laidst 
open the way". 

Mit V. 19. 29: pa|?am zr^ö.dätanam gasaiti jaska 
dr^aite jaska asaone ist grammatisch nicht viel anzufangen. 
Das Beiwort z r *^ bestimmt p a j? *^ als Gen. Plur. Aber einen Genitiv 
des Ziels (Spiegel) giebt es doch nicht ^). Auch Geldner' s 
Uebersetzung, Kuhns Zeitschrift XXVII, S. 578 halte ich für un- 
richtig. Aus dem Vergleich mit Minochirad, ed. Andreas, S. 11, 
Z. 12 f., ed. West, II, 115 ergiebt sich, dass der Relativsatz 
jaska . . . als Bestimmung des Wegs zu nehmen ist , den jede 
Seele nach dem Tode bis zur Richterbrücke einschliesslich zu macheu 
hat. p a 1? a m z r ° ist also singularisch zu übersetzen ; wahrschein- 
lich sind die folgenden Worte noch hereinzuziehen, also „auf dem 
in der Ewigkeit geschaffenen Weg, der für den Ungläubigen sowohl 
wie für den Gläubigen bestimmt ist, gelangt (die Seele) zur Richter- 
brücke". Das ganze Stück im 19. Fargard, das von den letzten 
Dingen handelt, ist von Leuten zusammengestöppelt worden, die 
mit der Grammatik auf sehr gespanntem Fusse standen. 

XXIII. Av. vispema-. 

Die Neuausgabe bietet jetzt zu Jt. 10. 5: vispemäi at9uhe 
astqaite, d. i. „für jedwedes irdische Wesen", vispema- ist 
ein weiterer m a - Superlativ , zusammenzustellen mit den bei 
Whitney, Grammar^, § 474 verzeichneten. Das Avesta hat von 
solchen Bildungen noch : antema- r= ai. antamä-^), apema- 
= ai. a p a m ä - , a o m a - (?) Fr. 9. 2 — ai. avamä-, upema- 
= ai. upamä-, madema- (got. midumai) — ai. madh- 
j a m ä -. 

XXIV. A i. ä d g a - 'Rohrstab, Stengel'. 

In Kuhn's Zeitschrift XXVII, S. 352 habe ich die Gleichung 
aufgestellt: idg. zg, ar. zg = aind. dg. S. auch Brugmann, 
Grundriss I, S. 450, Verf., Studien I, S. 4 ff. Als einziges Bei- 
spiel wurde dort madgüs, madguräs gegeben. Ein zweites 
erkenne ich jetzt in dem oben angeführten Wort. Ich verbinde es 



1) Wegen temafahö duaranti bei Hiibschmaun, Zur Casuslehre, 
). 280 s. Verf., diese Zeitschrfft XXXVI, S. 583. 

2) Fehlt bei Whitney. 



306 



Bartholomae, Arisches II. 



mit arm. ost, got. asts, gr. u'C.og, welche ein idg. *ozdos 
voraussetzen, und mit gr. öGyoq, welches auf idg. *ozghos 
beruht. Danach führe ich ai. ädgas auf idg. *ozgos zurück. 
Die Diiferenz g — d im Suffix oder Wurzeldeterminativ ist nicht ohne 
Analogien. Vgl. gr. layccgöi — got. lats (Verf., Studien II, 
S. 147), gr. bliyoq — got. leitils (Per Persson, Wurzel- 
erweiterung und Wurzelvariation, S. 15), gr. MQvyr} — ai. röditi 
(ebd., S. 13, 41) u. a. 

Hübschmann, diese Zeitschrift XXXVIII, S. 423 stellt ai. 
madgüs mit neupers. mag zusammen. Damit wird die eben 
vorgeschlagene Etymologie des indischen Wortes keineswegs wider- 
legt. Es ist richtig , dass mag ein älteres * m a d: g ^ voraussetzt. 
Dies kann aber gar wohl aus uriranischem * m a z g " hervorgegangen 
sein. Das avestische m a z g a - 'Mark' lautet im Neupersischen 
magz. Man vergleiche aber die verschiedene Vertretung der alt- 
iranischen Gruppe rz und die Bemerkungen hiezu bei Verf. , diese 
Zeitschrift XLIII, S. 551. Es scheint, dass bereits im Altiranischen 
uriranisches z und s mit d: und ]> dialektisch in einer ganzen Reihe 
verschiedener Stellungen zusammengefallen sind. 



Indiees zu Band XLIII, S. 664—670 und XLTI, S. 291—306. 
I. Wörterverzeichniss. 



1. Indisch. 



a. Alt indisch. 

Seite 

ataksan 292 

ädga- 305 f. 

antamä- 305 

apamä- 305 

apipita 665 

ajamur 292 

avamä- 305 



apäkjä- ') 
äpsas . . 
äsru- . . 
äjus . . 
ijänä- . 
upamä- . 
urüki 
usati- 
usam . . 



670 

668 

668 

669 

665 f. 

305 

670 

668 

304 



usräm, "n 

karanti . 

ksapäm . 

ksijäti 

gäbhastäu, 

gamanti 

gardabhä 

kikhide 

kjavati 

givati 

jnrvati 

täksati 

taksur 

-tävant- 

tnrvati 

dadhati 



usra 667 f. dabhanti 



JOS 



Seite 

304 
291 
304 
301 
298 
291 
667 
293 
292 
296 
296 
301 
292 
302 
296 
301 
291 



1) So zu lesen! 



Bartlwlomae, Arisches II. 



307 



Seite 

dadhat, »an, »äti, «ur . 292 

didhaja, "jat; .... 665 

didhima 665 

didhjatas. "^änas, °je . . 665 

düdhi- 665 

dössm 304 

dväre, «räu 298 

dvipä- 299 

nasanti 291 

nivgsane (asi) .... ^^% 

päkä-, «kjä- .... 667 

pipatu. pipate .... 665 

pipäna-, pipänä- . . . 665 

pipjänä 664 

pratikjä 670 

pratipä- 299 

prasav? (asi) .... ^'6^ 

bargaha- 667 

bargahjä- 667 

madgüs, ^guräs . . . 305 f. 

madhjamä- 305 

-mäja- 294 

-mnd- 303 

jaman 292 

jädrsmiu 291 

räsabha- 667 

röditi 306 

vällabba- 667 

vasanti 291 

vävrdhäti 292 

väsrä- 668 



vidjä . . 
vipipänä- 
vivrddbis 

o 

vivjakti . 
virä-, vlrjä- 
vrddhä- . 
vrsanjäntl- 
sasvakai . 
^äsati . . 
sapätnT . 
sikatä 
sudhi- 



susupvän 
sümäjam . 
sthülabhä- 
srag- . . 
srambh- . 
srastaras . 
sravas 
sriv-, sru- 
srutis . 
srötas 
hasrä . . 
hvarati . 
bväras 



b. Mittelindisch. 



pa. savo . , 
suti . . 
sötö . , 

pr. sattbarö 



2. Iranisch. 



a. Avestisch. 

aogaite 301 

aoma- 305 

adaste 670 

adä|?a- 665 

apaiatee jasöis. . . . 304 

apasa 670 

apätjtara- 670 

apama- 305 

apas 670 

afnataubantem . . . , 669 

aphijö 298 

antema- 305 



aiaos . 
aiä 
a\ji 

asaotjsaiantä 
asö, asiö 
ah^ä . . . 
ä.höijjöi . 
erezulidäi 
erezusam 
asaiä . 
isenti . 
upema- 
uböiö . 



Seite 

670 
665 
302 
670 
667 
302 
668 
664 
301 
669 
301 
665 
293 
294 
667 
668 
668 
302 
302 
668 
302 
302 
668 
296 
296 



302 
302 
302 
302 



669 

298 

305 

298 

670 

298 

304 

670 

669 f. 

298 

303 

305 

298 



308 



Bartholomae, Arisches II. 



Seite 

kä|7e 304 

kutjsn^ana 293 

gaesus 303 

gaa^a- 303 

gaöötus 303 

garö 301 

kilhj7wä 294 

tu)7ruie 293 

tutuiä 293 

dai^iaf) ...... 665 

daidiantö 665 

dadaiti 301 

dadäiti 301 

dä)7a- 665, 301 

debenaotä 292 

didas 665 

didaia 665 

did:äiti 665 

didä^ 665 

diäiä|) 665 

duzdäh- 665 

d^aepe 299 

dqare 29« 

)7wae^ä 303 

)7war5zdüm 292 

DäTjäzö 294 

nishaur^aiti .... 296 

nizdaredairiä|) . . . . 298 

paiti.verete . . . . . 299 

paitipe 299 

paitisa 670 

paitisö 670 

paij)i 304 

paij?e 304 

pa|>am 304 f. 

peretö 300 

ped^aepe 299 

pij?? 304 

pipiüsi- 666 

pu)jre 299 

barezata, "ahi . . . . 667 

barozdahum .... 292 

bereta-ka 300 

beretö 300 

berezö 666 

fraTjäza vazaiti . . . . 304 



Seite 

fraso 670 

mainiijä 298 

iaad:ema- 305 

mäiah- 294 

maremnera 303 

mazga- 306 

meretö 300 

jaiä 298 

vafra- 294 

varafa 295 

varefsTi.a 295 

vazö.va]?wia- .... 303 

vourusas-ka 670 

vohu.beretam . . . . 304 

va))waes5 303 

vifrö 294 

vitjarezdai}atö .... 302 f. 

viiiise 300 

visaite 300 

visäi ........ 300 

vispema- 305 

visia 298 

vizbäris 296 

raekö 301 

raT9ha 299 

ränaiä 298 

sarediaiä 298 

sasa|?ä 670 

suwra 294 

staomaine stüid:i . . . 304 

striö.maiä (!) .... 294 

sr^i.staifi,m 295 

säiti .' 670 

säistem 670 

sä 670 

sutem 670 

susaiti 670 

süsuiam 292 f. 

sieite, sieiti .... 300 f. 

zastaiö 298 

zraia 668 f. 

halitaiä 298 

haj^ra.gata, «tä ... 304 

hapsnai.apnö.lja^ö . . . 668 f. 

hamereJ7e 299 

hasa 670 



Bartholomae, Arisches II. 



309 



hisi^iä|) 
hudänus 
hudilh- 
huberetä, ^tö 
huberetam 



Seite 

293 
665 
665 
304 
304 



hushafa 293 

hairian 300 

b. Alt persisch. 

apijä 298 

asnaij &QQ 

ufratauvä 298 

.... 298 

.... 296 

.... 298 

.... 295 

.... 297 

.... 299 

.... 298 



uzmaja .... 

gastä 

gä}7avä .... 

glvä 

taljs- 

taradraja .... 
dastajä .... 

dahjauvä 298 

düvarajä 298 



drajam 
drajabjä 



parä bar- 
patijagatä 
parauvaij 
nikatöv . 
mäbjä 
jaj'ä . 
vijnjä . 
starava . 
hamaram 

c. Mittel- und N 

pehl. sitibo . . 
np. asrub, surub 

mat3z 
bal. gandag 

surb 
pam. ganda 
warf 



Seite 

299 

298 

295 

297 f. 

297 

299 

295 

298 

297 

298 

296 

297 

r a n i s c h. 

295 
295 
306 
296 
294 
296 
294 



II. Stellenverzeichniss, 
1. Altindisch. 









Seite 




Seite 


a. R g V e c 


a. 


2. 31. 7 


292 


9. 18. 4 


298 




Seite 


3.27. 5 


QQ& 


89. 6 


298 


1.35. 1 


&QQ 


33. 10 


664 f. 


10. 70. 6 


668 


55. 8 


298 


4. 53. 3, 6 


666 


75. 4 


Q&Q 


62. 11 


668 


5.32. 10 


668 


85.37 666,668 


72. 1 


298 


44. 8 


291 


97. 11 


298 


92. 4 


667 f. 


80. 6 


667 


108. 4 


292 


114. 5 


298 


6. 28. 3 


292 


165. 3 


292 


123.10,11 667 


64. 2 


667 






124. 4 


667 


71. 2 


666 


b. Sonstige 


Texte. 


127. 7 


668 


7.32. 12 


291 


AV. (j. 72. 2 


667 


176. 3 


298 


56. 15 


292 


11. 8. 14 


667 


178. 2, 5 


292 


8.1. 34 


667 


YS. 23. 28 


667 


186. 5 


666 


QQ,. 11 


294 


Nir. 2. 27 


664 






2. Altiranisch. 






a. Avest 




9 


304 f. 


40. 9 


665 




43. 2 


294 


50. 4 


304 


J. 29. 1 


292 


3 


301 


51. 12 


300 


m. 8 


298 


45. 3 


302 


41. 2 


298 


31. 2 


294 


48. 2 


294 







320 Bariholomae, Arisches II. 





Seite 




Seite 




Seite 


J. 8. 4 


300 


20 


303 f. 


12. 5 


298 


9. 2 


304 


48 


304 


15. 1 


299 


10, 21, 




50 


300 


19. 1 


299 


30 


303 


81 


302 


A. 3. 4 


294 


30 


302 


136 


303 


N. 1. 8 


304 


10. 3 f. 


304 


11. 44 


304 f. 


Fr. 5. 2 


304 


23. 1 


299 


48 


301 


9. 2 


305 


42. 1 


304 


15. 27 


299 


Aog. 80 


303 


57. 17 


293 f. 


40 


304 






Jt. 1. 24 


304 


16. 17 


303 


b. Keilinschi 


riften. 


5. 61 


304 


17. 20 


301 


Bh.l. 15 


298 


81 


291 


58 


304 


21 


304 


8. 11 


292 


19. 3 


295 


70 ff. 


296 f. 


14 


669 


44 


301 


2. 11 f. 


666 


51, 53 




V. 2. 3 f. 


300 


4. 35 


298 


56 


301 


7,18,30 294 


49, 56, 




10. 3 


301 


28, 30f 


., 


75 


' 295 


5 


305 


41 f. 


295 


63 


297 


38 


300 


32 


301 


&& 


304 


45 


303 


3. 29 


298 


80 


295 


48 


299 


31 


304 


82 


297 


55, 74 


292 


Ü. 21 


301 


5.24 


299 


84 


304 


8. 42 


301 


NRa. 2 8 f. 


299 


110,112 304 


13. 2 


301 


42 


297 


129 


295 


15. 8 


666 


56 ff 


296 


11. 4 


304 


18. 38 


297 


58 f. 


304 


5 f. 


303 


56, 59 


301 


J. 14 


298 


12. 18 f. 


299 


19. 29 


304 f. 


Szb. 10 


299 


13. 18 


304 


Vsp. 3. 5 


299 







31 



Päli manne (Skr. manye, Pänini I, 4, 106). 

Von 
R. Otto Frauke. 

In den Gott. Gel. Anz. 1891, No. 24, S. 951 sprach ich die 
Ansicht aus, dass selbst in der sogenannten volkssprachlichen Lite- 
ratur Pänini's Lehren der richtigen Auffassung sprachlicher Er- 
scheinungen den oftmals einzig gangbaren Weg bahnten. Unter 
den vielen Belegen, die sich für diese Behauptung erbringen Hessen, 
will ich hier nur einen hervorheben, und auch diesen nicht in erster 
Linie, um meine Worte zu bekräftigen, sondern um den Fall selbst 
aufzuklären. — Pän. giebt 1, 4, 106 die Regel: iwaliäse ca manyo- 
^apade manyater uttama ekavac ca = Auch wenn der Sinn 
ein ironischer ist und die Wurzel man dabei steht, 
(wird die zweite Person gebraucht , sc. vom Hauptverbum) , man 
tritt dann in die erste Person (die in der grammatischen 
Terminologie „die letzte" heisst) und zwar des Singular. Die 
Beispiele dazu heissen in der Kägikä: ehi, manye, odanam bho- 
ksyasa iti, na lii hhohsyase; und ehi manye rathena ydsyasi, 
na hl ydsyasi. Auch in dem Sütra Pänini's 8, 1, 46 spielt das 
„ehi onanye, das eine Ironie ausdrückt" noch einmal eine Rolle. — 
Die Kä9. fügt zu I, 4, 106 noch die Bemerkung hinzu, dass man 
statt des manye eigentlich die 2. Person und statt der 2. Person 
des Hauptverbums die 1. Person erwarten würde. Das erste Bei- 
spiel hat daher offenbar folgende Bedeutung : „Komm , du sollst 
Reis essen", die Worte sind aber nur ironisch gemeint. In Wirk- 
lichkeit erhält der Gefoppte nichts zu essen. Das drückt auch die 
KäQ. deutlich aus. Ihr Verfasser sowohl wie Pänini meinten nun, 
es läge in letzter Linie der Gedanke zu Grunde: „Komm, indem 
du dir einbildest : 'Ich werde Reis essen'". Es geht uns aber weiter 
nichts an, wie sich die Grammatiker die Genesis dieser Phrase ge- 
dacht haben. Wir haben als Hauptsache hervorzuheben, dass 
manye elliptisch in ironisch gemeinten Sätzen vor- 
kommt. Das auffordernde ehi ist selbstverständlich nicht unlös- 
lich damit verbunden, und ebensowenig braucht das Hauptverbum 



312 Franke, Päli inamie. 

immer auf die 2. Person beschränkt zu sein ; manye seinerseits 
ist natürlich als parenthetische 1. Person zu fassen = „ich denke". 
Das P. VV. nun führt für den ironischen Gebrauch kein Beispiel 
aus der Literatur an, ebensowenig das Skr. -Wörterbuch in kürz. 
Fass. Aber das Päli bietet ein solches. Es folgen aus diesem 
einzigen Umstände drei Regeln: 1) dass Pänini nicht gleich gelogen 
zu haben braucht, wenn ein Punkt seiner Lehre im Sanskrit noch 
nicht bestätigt ist, 2) dass wir Aufklärungen über manche seiner 
Sütras auch aus anderen, sogenannten volkssprachlichen, Dialekten 
holen können (wofür ich auch schon an anderem Orte Belege ge- 
geben habe) , und 3) dass auch die Präkrit - Forschung auf eine 
Kenntniss Pänini's nicht verzichten darf. Tevijjasutta § 36 steht 
der Satz : idha kJio pana Väsettha tevijjä brähmanä usiditvä sam- 
sidanti, samsiditvä visädam vd j^dpunanti, suhkhataram m a n n e 
jpataranti. Rhys Davids (S. B. E. XI, S. 185) übersetzt den letzten 
Theil desselben, ungefähr nach derselben Methode wie die indischen 
Grammatiker verkehrter Weise meinen, dass im Grunde, aber 
nicht in der Praxis, zu übersetzen wäre: „and so sinking they 
are arriving only at despair, thinking the while that they are 
Crossing over into some happier land." Ich übersetze , wörtlicher 
und zugleich der von den Grammatikern vorgeschriebenen Praxis 
nach richtiger: „und so sinkend gerathen sie nur in Verzweiflung 
und setzen, denke ich (d. h. „fürwahr", in ironischem Sinne) in 
ein glücklicheres Land hinüber." Den Brahmanen gegenüber, die 
auf ihre dreifache Wissenschaft so stolz waren {tevijjd) und deren 
Widerlegung dieses ganze Sutta gilt, ist eine derartige Ironie ausser- 
ordentlich gut am Platze. (Vgl. auch Speijei', Skr.-Synt., § 500.) 

Ein anderes Beispiel, das ich notirt habe, steht Mahävagga I, 
7, 2. Dort wird die Geschichte des Yasa erzählt und seine Welt- 
entsagung bekanntlich in derselben Weise motivirt wie die des 
Buddha selbst. Er erwacht Nachts und sieht die ekelerregende 
Gruppe der schlafenden Weiber. Atha kho Yaso . . . iMpibujjhüvä 
addasa sakam parijanam supantam . . . hatthappattani susänam 
manne: Da sah Yasa erwachend sein Gefolge schlafend . . ., gleich- 
sam (oder fürwahr) einen mit Händen zu fassenden Kirchhof. Dieses 
Beispiel ist etwas anderer Art und fällt nicht mit unter Pänini's 
Regel. Natürlich kann das parenthetische manye auch noch anderen 
als ironischen Sinn ausdrücken und thut es thatsächlich z. B. im 
Mahäbhär. Immerhin steckt hier ein gewisser bitterer Humor in 
dem Wort, der der Ironie im Wesen nahe verwandt ist. 



Franle, Inf. cum Instr. im Pdli. 313 

Infinitivus cum Instrumentali im Päli. 

Im Valäbassajätaka, das Ed. Müller seiner Päli Grammar als 
Uebungsstück beigegeben und mit Uebersetzung und Anmerkungen ver- 
sehen hat, kommt der Satz vor: amlieli! imlayitum vattati (S. 129) 
= es ziemt uns zu fliehen. Zu den mancherlei Fehlern , die sich 
Müller bei der Erklärung dieses kleinen Textes zu Schulden kommen 
lässt. gehört auch der. dass er in diesem amlielii einen (dann also 
sporadisch erhaltenen) Dativ erblickt (S. 139). Einen solchen hier 
anzunehmen liegt kein Grund vor, und um das zu beweisen, muss 
ich eine im Päli häufige Constructionsweise besprechen , zu deren 
Erörterung ich sonst keinen Anlass genommen haben würde, da sie 
sehr wahrscheinlich anderen Gelehrten ebensogut aufgefallen ist wie 
mir und da zudem ein verwandter, wenn auch nicht in allen Fällen 
genau entsprechender Gebrauch sich im Sanskr. findet. (Vgl. Speijer, 
Sanskrit - Syntax , § 387 fi'.) Es ist im Päli sehr gewöhnlich, dass 
das Subject eines von einem anderen Verbum abhängigen Infinitivs 
in den Instrumental tritt, als ob der Infinitiv passivische 
Form und Bedeutung hätte. 

Ganz analog dem eben angeführten Beispiel ist z. B. der Satz 
in den Ten Jät. S. 2, Z. 5 v. u. : idäni mayd attano agunam 
pariyesitum vattati = Jetzt geziemt es mir, meinen Untugenden 
nachzuforschen. Ebenda S. 14, Z. 2.: ajja mayä . . . ^JCiynjetum 
vattati = es ziemt mir, mich einzulassen mit. — Mahävagga I, 
76, 4: anujdnämi vyattena bliikkhunä patihalena anu- 
säsitum = ich verordne , dass ein kluger tüchtiger Mönch (den 
Eintretenden) belehre. Und so noch oftmals sonst in Verbindung 
mit anujändmi Z. B. ebenda 11, 15, 5. Suttavibh. I, 10, 21. 
Für das Sanskrit vgl. Mahäbhärata. Böhtlingk, Chrestom. S. 42, Z. 20: 
na yuktam hhavatdliam anTtenopacaritum = es schickt sich 
nicht, dass ich von dir belogen werde. Hier macht der dem In- 
finitiv zugefügte Nominativ des Objectes die Sachlage noch viel 
verwickelter. Im Uebrigen ist der passivisch gebrauchte Infinitiv 
bei cakya bekannt genug. So, ohne Instr. des Subjects, im Mahä- 
bhär. z. B. na M sd . . . cakyd drastum. — Der Vollständigkeit 
wegen muss ich aber hinzufügen , dass in der That statt des In- 
strumentals in diesen Fällen auch der Gen. (der ja den Dativ ver- 
tritt) im Päli vorkommen kann. Mahävagga II, 26, 1 : anujdndmi 
catimnam pdtiviohkham uddisitum := ich erlaube vieren (d. h. 
wenn vier beisammen sind) , das Pätimokkha vorzutragen ; oder 
Mahäv. IV, 5, 2 : anujdndmi . . . catimnam annamannam pavdretum. 
Desgleichen mit kappati, ebenda II, 30, 1 : kappati nu klio amhd- 
kam uposatho kdtum = schickt es sich für uns, den Uposatha- 
Tag zu feiern ? 

Der passenden Gelegenheit wegen will ich gleich noch zwei 
Beispiele von auffälligem Infinitivgebrauch anschliessen. Mahäv. I, 
78 , 2 : abhabbo (skr. abhavya) . . . Jivitum = er ist nicht im 



314 Franke, Dvandvas im Sing. masc. und fem. 

Stande zu leben, wo hhavya eine Bedeutung aufweist, die im Skr. 
nur von den Grammatikern und Lexikographen gelehrt wird. — 
Da der Dativ von Abstrakten und Nomina actionis im Päli, wie 
im Veda und Avesta (vgl. Yasna 9 , 26 : dräjaiahe aiwi^äitis ca 
= um zu erhalten die Gebote) auch als Infinitiv gebraucht werden 
kann, so ist eine andere Phrase ganz analog: Mahäv. I, 78, 3: 
abliahho haritattdya = unfähig grün zu werden. Bei alam habe 
ich mir noch einen passivischen Infinitiv notirt Mahäv. I, 27, 7: 
saddhivihdriho alam ■pandmetiiin = der Kamerad ist geeignet ent- 
lassen zu werden. 



Singularische Dvandvas mit dem Geschlecht des 
letzten Gliedes. 

In seiner Abhandlung über das interessante neuentdeckte 
Mingai-Mscr. (Wiener Z. V, 103 fi^.) nennt Bühler das darin vor- 
kommende Dvandva-Compositum Nandopanando ,Nanda und üpa- 
nanda" ein falsches Compositum. Das regte mich an, einige Worte 
über eine Erscheinung zu veröffentlichen, für die ich schon vorher 
verschiedene Belege gesammelt hatte und erst noch weitere Be- 
stätigungen vor der Veröffentlichung zu sammeln fortgefahren haben 
würde, wenn nicht Bühler jenes Nandopanando hervorgehoben und 
als falsch bezeichnet hätte. Bei dem notorisch feinen Sprachgefühl 
dieses Gelehrten ist das verwerfende Urtheil cum grano salis auf- 
zufassen. Gewiss ist ein solches Dvandva falsch nach den gramma- 
tischen Regeln, denn nach diesen soll ein Dvandva entweder im 
Dual, resp. Plural, stehen, wenn es das Geschlecht des letzten 
Gliedes beibehält, oder singularische Form haben, dann aber das 
Genus des zweiten Gliedes durch das Neutrum ersetzen. Nicht 
falsch aber ist jenes problematische Compositum, wenn man sich 
auf den Standpunkt stellt, ohne Rücksicht auf grammatische Regeln 
alle Erscheinungen in der Sprache für richtig zu halten, die die- 
selbe, .sei es auch nur in bestimmten Gegenden, hervorzubringen 
beliebt hat. Und dass die indische Sprache derartige Composita 
wie das incriminirte Nandopanando thatsächlich hervorgebracht 
hat, dafür scheint mir die Häufigkeit zu sprechen, mit der sie im 
Päli vorkommen. Wenn man von jetzt an vielleicht mehr darauf 
achten sollte, wird man sicherlich im Päli noch viel mehr finden, 
als ich bisher beibringen kann , und auch in andei'en Dialekten 
möglicherweise wenigstens Proben davon aufspüi-en. Dass der 
Dialekt des Mingai-Ms. ein Beispiel dafür ergeben hat, ist bei der 
Mischung von Präkrit und Sanskrit, die derselbe repräsentirt (und 
die ich, wie auch in vielen anderen Fällen von Dialektmischung 
für organisch, nicht für blos literarisch, halte), sehr verständlich, 
weil eben im ältesten Präkrit, dem Päli, diese Erscheinung gang 



Franhe, Dvandvas im Sing. masc. und fem. 315 

und gäbe ist. Dass sie sich hier noch in einem Dialekt der Gupta- 
Zeit findet, mag als einer von den vielen Belegen für die Stetigkeit 
der organischen, nicht durch künstliche Improvisationen unter- 
brochenen Sprachentwickelung in Indien Zeugniss ablegen. 

Und will man einen BUck in die Werkstatt der Sprache selbst 
werfen und hinter der auffälligen Erscheinungsform dieser Art von 
Composita die logischen Prozesse erkennen, denen sie ihr Dasein 
verdankt, so wird man auch damber nicht in Verlegenheit sein, 
wenn man die Gedanken über das Wesen der Composition billigen 
sollte, die ich in den Gott. Gel. Anz. 1891, S. 963 fi". ausgesprochen 
habe. Der Grundgedanke meiner Theorie war, dass die Composita 
hervorgehen aus Zusammenschmelzung ursprünglich selbständiger 
Satztheile. So konnte auch Xando Upanando einfach aneinander 
gerückt und als ein Ganzes betrachtet werden, ohne dass weitere 
formelle Aenderungen am letzten Gliede vorgenommen wurden, 
(üeber das Schwinden der Casus-Endung am ersten Gliede s. a. a. 0. 
S. 964). Nando Upanando in einfacher anreihender Nebeneinander- 
stellung kann recht gut Nauda und Upananda bezeichnen, warum 
soll nicht auch mit Verschmelzung jSandopanando dasselbe be- 
deuten können , ohne dass die Dual-Endung hinten antritt ? Dass 
aber die Neutral-Endung antreten kann, gehört in eine ganz 
andere Kategorie von Erscheinungen, denn sie substantivirt erst 
wieder ein dm'ch secundäre Beziehung auf einen draussen stehenden, 
dazu zu denkenden Begriff adjectivisch gewordenes Dvandva. S. a. a. 0. 
S. 969. Derartige Samähära-Dvandvas können also den geschlech- 
tigen Singular- Dvandvas nicht im Geringsten als unerreichtes Ideal 
entgegengehalten werden. 

■ Ich gehe jetzt an die Aufzählung meiner Beispiele. 

Mahävagga I, 9, 1 : 50 . . . dhammavinayo. I, 19, 1: Idhha- 
sakkäro = Gewinn und Ehre , das dazugehörige Verb ist abki- 
vaddhissati, also Singular. I, 20, 12; VI, 15, 8: iddhänubhävo 
aus iddlii -j- anubhäva (VI, 15, 8 und sonst mit Demonstr. eso). 
V, 13, 2 : Avanti-daklchinäpatho appablukkhuko Jioti = Avanti 
und der Dekkhan wiesen nur wenige Mönche auf. Cullavagga V, 
2, 5 : na angardgamukhardgo kdfabbo, aus angaräga -\- muklia- 
rdga, Schminken des Körpers und Schminken des Gesichts. Man 
könnte vielleicht, um auf andere Weise aus der Verlegenheit zu 
kommen, hier das Auftreten alter Duale (-0 = -au) erkennen 
wollen. Ich halte den soeben citirten Singular des Verbs abhi- 
vaddhissati und hoti entgegen. Auch der braucht, wirft man mir 
möglicherweise ein, nichts zu beweisen, da Verba im Singular neben 
Subjecten in der Mehrzahl vorkommen. Ich will auch dieses Ar- 
gument noch gelten lassen. ISIun verweise ich aber auf Mahävagga V, 
1, 26: ce pi . . ägaccheyya bhusä vdtavutthi = wenn ein grosser 
Wind und Regen kommt, bhusä ist fem. , also kann auch vdta- 
vutthi nur fem., nicht neutr. sein. 

Dhammapada 387: ahoratfim = Tag und Nacht, Acc. fem. 



316 Franke, Instr. auf -ä von a-Stä7nmen im Fäll. 

Unter allen Umständen abgeschnitten ist der Ausweg nicht, dieses 
als ein neutr. zu fassen, aber es wäre kaum ein kleineres Wagniss, 
statt des dann zu erwartenden -rätra ein sonst nirgends belegtes 
neutr. -rätri anzunehmen. — Auf die Aufzählung einer Reihe von 
weniger sicheren Beispielen kann ich verzichten. 

Freilich kann man nun auch , wenn man ganz spitzfindig sein 
will, alle diese Composita als Tatpurusa's auffassen, in denen das 
erste Glied einen Instrum. repräsentirt = begleitet von. Wer 
ferner liegende Erklärungen vorzieht, mag die zunächst liegende 
meinetwegen bei Seite schieben und, wie Lessing sich ausdrücken 
würde, Maschinen in Bewegung setzen, um einen Strohhalm aufzu- 
heben. Ich halte diese Bildungsweise für Dvandva - Coiuposition. 



Instrumental auf -ä von a-Stämmen im Päli. 

Ich habe schon einige Male an anderen Stellen Gelegenheit 
genommen, meine vom Hergebrachten etwas abweichenden An- 
schauungen über die Dialektgruppirung im alten Indien darzulegen. 
Das punctum saliens dabei ist die' Annahme gesonderter Ab- 
trennung des späteren Päli -Volkes von den übrigen Indo- Ariern 
und die Besiedelung des Indus-Thaies durch dasselbe, während das 
Sanskrit -Volk in der Ganges - Niederung eine eigene Sprache und 
Cultur entwickelte. Ich will hier nur das Gerippe meiner Beweis- 
führung noch einmal skizziren. 

1) Dass das Penjäb einstmals die Heimath der Indo -Arier 
war, steht fest. 2) Es ist a priori zweifellos, dass von da aus ein 
Theil auch den Indus hinab bis an das Meer zog und das Indus- 
Land bis an die Wüste colonisirte, da dieser Weg mindestens nicht 
mehr Hindernisse bot als der zum Ganges, und da hier sogar der 
Flusslauf die natürliche Richtung wies. 3) Ein arisches Volk, das' 
auf diesem Gebiete wohnte, war durch die grosse Wüste im Osten 
von den ehemaligen Stammesbrüdern am Ganges getrennt und die 
Sprachen beider Complexe mussten naturnothwendig im Laufe der 
Jahrhunderte verschieden werden. 4) Wir haben in den brahma- 
nischen Werken Angaben darüber, dass diese Verschiedenheit that- 
sächlich bestand und den Brahmanen zum Bewusstsein kam. 
5) Gewisse Erscheinungen schliessen die Möglichkeit aus , dass 
Sanskrit und Päli einem und demselben Lande angehörten. 6) Eine 
ganze Reihe von Gründen spricht weiter dafür, dass das Päli in 
diesen westlichen Gebieten heimisch war. 7) Das Päli war also 
die Sprache der besonderen Gruppe des indisch-arischen Volkes, die 
vom Penjab aus den Indus entlang nach Süden zog. 

Es ergiebt sich daraus einmal, dass wir im Päli sehr wahr- 
scheinlich noch viele Aufklärungen für den Rgveda werden holen 



Franke, Instr. auf -ä von a-Stämmen im Päli. 317 

können, die das Sanskrit uns nicht bietet, und dass das Päli also 
von diesem Gesichtspunkt aus eine principiell erhöhte Bedeutung 
gewinnt. Auf der anderen Seite müssen wir darauf gefasst sein, 
im Päli hier und da noch auf bisher unbeachtete Erscheinungen zu 
stossen, zu denen sich Analogien nur im Rgveda finden. Dazu ge- 
hört auch die Casus-Bildung, die ich im Folgenden zu erörtern 
habe. Zunächst machte mich das häufige Vorkommen des angeb- 
lichen Ablativs hattha (von hasta) stutzig, statt dessen ich den 
Instr. erwartet haben würde. Z. B. Fausb. Jät. I, 7. Z. 3 sahaithd 
mäpitd = von eigener Hand gemacht. Ebenda S. 9 , Z. 4 : so- 
hattha hitum = mit eigener Hand zu machen. Mahäparinibb., 
Journ. Roy. As. Soc, N. S. YH. S. 63, und sonst: sahatthä san- 
tappesum. Suttavibh. I, 4: sahatthä santappetvd samjyavdretvd. 
Pätim. VI, 16 sahatthd hdretahbdm =^ er darf sie mit eigener 
Hand tragen. Pätim. VII, 41 : sahatthd . . dadeyya. Pätim. VIII, 1 : 
sahatthd patiggahetvd khädeyija = mit eigener Hand in Empfang 
nehmend möge er essen. Ebenso VIII, 3. Pätim. IX, 55 steht 
aber hatthetia: na sdmisena hatthena pdniyatlidlalcam pati- 
gyaliessdmi. 

Ich habe absichtlich eine grössere Anzahl Beispiele gegeben, 
um zu zeigen, dass hier nicht eine sporadische Verirrung 
in die Sphäre des Ablativs vorliegen kann. Diese Häufigkeit des 
scheinbaren Ablativs mit instrumentaler Bedeutung gab mir zu 
denken. Einen Beweis für meine schon früher vorhandenen Skrupel 
giebt Bezz. Beitr. XVI, S. 35. Aufklärung brachte mir der Avesta. 
Yasna 43 , 4 steht z. B. tä zastd = mit der Hand. Und hier 
waren keine Bedenken möglich, denn im Avestischen ist der Instr. 
auf d von a-Stämmen allseitig anerkannt. Warum sollte nun also 
eine Erscheinung im Päli, die in der Form und im Sinne genau 
damit übereinstimmt, nicht auch im Wesen identisch sein? Ich 
achtete darum bei meiner Leetüre auf gleiche Formen, und ich 
habe genug Analogien mit zweifellos sicherer Instrumentalbedeutung 
gefunden, um persönlich von der Existenz- solcher Instrumentale im 
Päli überzeugt zu sein und mich für berechtigt zu halten, dieselbe 
zu behaupten und die Belege dafür zu veröfi'entlichen. 

Zunächst hebe ich zwei solche Instrumentale hervor, die von 
saha abhängig sind, und die ich Bezz. Beitr. XVI, S. 28 noch nicht 
verstand: Mahäpar. S. 252 (Journ. Roy. As. Soc. VIII) saha parini- 
bhdnd mahdbhümicälo ahosi = gleichzeitig mit dem Nirväna fand 
ein grosses Erdbeben .statt; saha parinibhdnd Brahma Sahampati 
imam gdtham abhdsi. Ebenso Trenckner, Päli Mise. S. 12 : saha 
patisandhigahand = bei der Empfängniss. 

Mahävagga I. 17, 1 : Sakko . . . abhikkantav an nd kevalakappam 
vanasandam obhdsetvd := Indra , das ganze Waldesdickicht mit 
herrlichem Schein erleuchtet habend. Auch hier ist der In- 
strumental ganz zweifellos. — Mahävagga 6, 14, 7: acchakailjiyd 
attho hott = klarer Reisschleim ist nöthig. artha wird mit dem 

Bd. XLVI. 21 



31 g Franke, Instr. auf -« von a-Stämmen im Päli. 

Instr. verbunden. Nun könnte man allerdings karijiyä auch als 
einen Instr. zu hariji auffassen. Das ist aber bisher nicht im Päli 
belegt, und auch im Skr. heisst das entsprechende Wort käiijikam 
(von welchem das a.a. 0. stehende Icanjiya bekanntlich ebensogut 
ein Aequivalent ist, wie das unmittelbar darauf folgende kanjikam ; 
-lya wechselt im Päli sehr häufig mit -ika); känji findet sich im 
Sanskr. nur bei einem Scholiasten zum AK. im (^ikdr. in der 
gleichen Bedeutung. — Dhammapada V. 280 : älasiyä upeto = mit 
Lässigkeit begabt, d. h. lässig. Die Lässigkeit heisst dlasiyam, 
Skr. dlasyam. Ein dlasi giebt's nicht. Allerdings haben hier zwei 
Handschriften dlasiyam, das Childers auch (s. v. upeti) adoptirt. 

— Mihndap. S. 28, Z. 5 v. u. : panditavddd sallapissasi = wenn 
du in der Art eines Gelehrten discutiren willst. Weniger sicher 
sind die Fälle , in denen auch der Ablativ logisch erklärlich sein 
würde, wenn auch nicht mit derselben Leichtigkeit wie der Instrum. 
Z. B. CuUav. IV, 14, 29: davä me etam vuttam , ravd me etam 
viUtam = das habe ich im Spass gesagt; uttarimamissadhammd., 
passim. 

Von den vielen Fällen, wo die Grammatik sowohl den Instr. 
wie den Abi. erlaubt, z. B. in Verbindung mit den Verben der 
Trennung und Befreiung, femer bei Angabe des Grundes und der 
Beendigung einer bestimmten Frist, mögen ebenfalls eine Anzahl 
Formen auf -d thatsächlich Instrumentale sein und hierher gehören 

— das lässt sich aber nicht erweisen. In den Kreis dieser Er- 
scheinungen gehört z. B. munceyya pdpakammd, Dhamm. 127, 
abhhd mutto va candimd, 172 ; ddrupattassa kdrand CuUav. I, 8, 2; 
yad idam. cakkhusamphassapaccayd uppajjati Mahäv. I, 21, 2; 
yonisomanasikdrd yomsosammappadlidnd anuttard vimutti anu- 
ppattd Mahäv. I, 13, 1 = durch philosophisches Nachdenken und 
durch philosophische rechte Uebung habe ich die höchste Erlösung 
erlangt; mattdsukliapariccdgd piasse ce vipulam sukliam = wenn 
man sieht, dass ein grosses Glück zu erreichen ist durch Aufgabe 
eines kleinen, Dhamm. 290 ; kdyassa bhedd = nach dem Zerfallen 
des Leibes, passim. 

Die instrumentalen oder möglicherweise instrumentalen Ad- 
verbien auf d endlich lohnt es gar nicht alle anzuführen. Sie 
können erstarrtes Erbe aus der rgvedischen Vergangenheit sein, und 
hier kommt es doch nur auf den lebendigen Instr. an. Es gehört 
davon z. B. hierher uccd oben. 

Schliesslich bleibt aber noch zu erwähnen, dass solche Instru- 
mentale auf d auch von femininen a - Stämmen gebildet werden. 
Da derartige Formen auch im Rgveda sich finden, bieten sie dem 
Verständniss keine Schwierigkeiten und knüpfen wiederum in einem 
neuen Punkte das Päli direct an die Rgveda-Sprache an. cariyd 
ist fem., wie caryd im Sanskr. Dhamm. 388 nun lesen wir 
sama cariyd samo/ao ti vuccati = wegen des ruhigen Lebens 
heisst man'Samana (dieselbe Volksetymologie, die ich aus einem 



Franke, Instr. auf -ä von a- Stämmen im Pali, 319 

anderen Verse in Gott. Gel. Anz. 1891, S. 983 als Beweis für die 
locale Trennung von Skr. und Päli anführte). Ebenda V. 270 : 
ahimsd sabbapdnänam ariyo ti pavuccati = wegen Nicht- 
verletzung irgend eines Wesens heisst man Ariya. Mahävagga I, 11, 1 : 
assavanatd dhammassa pariliäyanti = sie gehen zu Grunde in 
Folge des Nichthörens der Lehre, assavanatd ist der Instr. eines 
^(f-Abstractes, nicht Abi. einer <ra-Bildung, weil man dann tt er- 
warten müsste. Desgleichen liegt wohl Instr. vor in apatipucchd 
katam lioti, Cullav. 1,2. Die Bedeutung ist: (Das Tajjaniya- Verfahren) 
wird vorgenommen mit Nichtbefragung (des Inculpaten). patipucchd 
ist bei Child. wie Skr. prccJid nur als fem. angegeben. — saddhd aus 
Glauben, Majjh. I, S. iöl. — Endlich vielleicht Milindap. S. 36, 
Z. 5 V. u. : Yathd mahdrdja parittakam senam mahati send bhan- 
jeyya, tato rdjd anriamamiam anusdreyya anupeseyya, tdya 
saddhltn parittakd send mahatim senam bhanjeyya = wie 
wenn, o grosser König, ein grosses Heer ein kleines Heer besiegt 
hat und der König „ruft sich dann jeden möglichen Bundesgenossen 
vor das Gedächtniss und verstärkt sein schwaches Heer" (Davids' 
Uebersetzung dieser schwierigen Stelle; ich übersetze, mehr dem 
Bilde entsprechend und grammatisch richtiger: „Der König lässt 
einen Soldaten hinter dem anderen folgen und sie sich gegenseitig 
treiben" oder: „und sendet die einen hinter den anderen her", 
anusdrayati und amtpresayafi) und besiegt dann mit diesem 
kleinen Heere das grosse Heer". Davids dagegen übersetzt „and 
by that means the small army might in its turn break up 
the large one". Ich verkenne nicht, dass der Parallelismus zum 
vorangehenden parittakam senam mahati send für Davids* Auf- 
fassung sprechen könnte. Anderseits aber erscheint mir dessen 
Uebersetzung „by that means" für tdya saddhim ebenfalls gewagt. 
Ich muss dem Urtheil der Leser die Entscheidung des Falles über- 



1) Kurz vor der Correctur dieses Artikels bin ich auf eine Bemerkung 
Fausböll's gestossen, die sich ebenfalls auf die hier behandelte Erscheinung be- 
zieht und die ich daher hier zu erwähnen mich für verpflichtet halte , wenn 
auch des vorzüglichen dänischen Gelehrten Worte mich im Zweifel darüber 
lassen , ob seine Erklärung dieselbe ist wie die meine. S. B. E. X , S. XI 
sagt er: „the shorter Vedic plurals and the instrumental singular of nouns, as 
viniÄ;Mayä , lakkhawä for vini^Mayäni , lakkhariäni , mantä , parinfiä , vinayä, 
läbhakamyä for mantäya" etc. Zudem bezieht sich diese Notiz Fausböll's 
lediglich auf das Erscheinen solcher Formen im Suttanipäta als auf eine be- 
archaistische Eigenthümlichkeit dieses Werkes. 



320 



Zur Südarabischen Alterthumskunde. 

^'on 

Dr. J. H. Mordtmanu. 

I. 

Im XLIV. Bande dieser Zeitschrift S. 190 ff. und S. 200 ver- 
suchte ich ein durch Neschwäu und Hamdäni uns aufbewahrtes 
Musnad aus Jerim zu deuten und sprach dabei die Vermuthung 
aus, dass der darin vorkommende Ausdruck ü.jL« „unser Oekonom" 
aus einem echten Texte entlehnt sei und eine Transscription des 
Wortes ■]-i"'73 darstelle, welches durch die Bronzetafel No. 1 bei 
Oslander als sabäisch bezeugt ist. Die Analogie zwischen dem 
Musnad von Jerlm und der Bronzetafel geht aber weiter, als ich 
damals ahnte. 

Der Text der Tafel lautet nach der Englischen Ausgabe 
(PI. III No. 4): 

-172 I i:n I innNi | an'^n 1 

p722>'i I wnny^iJT | mn 2 

p72bN I ■\12-12'^t:: | -ri-pn ; 3 

nn 1 :;n I p:D7: | -p-n | n 4 

n:3 I DbNä7:n | r^nnpi [ 5 

I np7:bN I i72r;iDnn | n 6 

13 I inaT i v2-rit'ö 1 an:: 7 

nn'i:3 | n-in | pn | •i-'it \ ■; 8 

ciira 1 ü^i-i I nnübnn 1 n 9 

I 3i3n7:ä I p I n-i:7:y ! 10 

I a-n---i I a-isTn | p 11 

Die Lithographie bei Oslander hat Z. 6: n-^-oba , Z. 8 f.: pnna; 
im Texte selbst steht einmal (S. 161) lan-ia, im Commentar 
(S. 167) dagegen prin-i, wozu in der Note bemerkt wird, dass 
dies die Lesart von Playfair sei, während die Photographie anrinn 
wahrscheinlich machen soll, ohne jedoch eine Entscheidung zu er- 
möglichen. 



Mordtmann, Zur Südarabischen Alterthumskunde. 321 

Oslander übersetzte (S. 169): 

„Rijjäbm und seine Brüder, die Söhne des Martad und ihr 

Stamm, der von 'Amrän, haben beschenkt ihren Almakah, 

den (Herra) von Hirrän mit , darum , dass er sie erhört 

hat den Bitten gemäss, darum, dass sie unversehrt erhalten Alma- 
kah, (die Sammlung?) ihres Niederlegens, was in demselben 

acht von Gold in Im Jahre (?) des 'Arakarib 

des Sohnes Samahkarib des Sohnes der Htafarm , der von Taurm". 

Halevy in seinen Etudes Sabeennes S. 128 übersetzt denselben 
Text wie folgt: 

Riyäbm et ses fr^res , (des) Benou-Martadm , et leur peuple 
(vassal) de 'Amrän, ont voue ä leur patron Elmaqqahou de HiiTän 
cette tablette, parcequ'il les a gracieusement exauces. Puisse 
Elmaqqahou les favoriser en consideration (echange) de leur don, 
qui a la valeur (mot ä mot: dans lequel il y a la valeur) de 
huit barim d'or, en poids juste. Dans l'annee de 'Ammikarib, fils 
de Samhikarib. fils de Hatfarm, de Tatwarm". 

Die Worte -7:r;rE\:; | ::-:: sollen also ,zum Entgelt für ihr 
Geschenk" bedeuten, wie schon Levy in seinen Zusätzen zur Osiander'- 
schen Arbeit (ZDMG. 19. 166) vorschlug, indem er a-i:: mit v_j,/i5 
und den Bedeutungsübergang von ribn perfcn'are zu T\~r\, qbri 

^pro, locd^ verglich. Halevy dagegen setzt z"i]C = v_j.-o. Wie 
misslich diese Etymologie ist, leuchtet ein; überdies hat sich a""^ 
in der ihm beigelegten Bedeutung in keinem andern Texte wieder- 
gefunden. 

Dann aber wird -"n schwerlich das Zahlwort für 8 sein können. 
^Achtzig" ist '-^'Mb. (Derenbourg Etudes s. l'Epigraphie du Temen 
lere serie No. 13 Z. 6; Glaser 799 in dieser Zeitschr. Bd. 43, 
S. 660 letzte Zeile), und daher -r:n Hai. 661,2 wohl = ,8" 
(D. H. Müller, Siegfried Langer's Reiseberr. S. 51A.)i). 

Ich glaube den vorliegenden Text so übersetzen zu dürfen: 
,R. und seine Bmder, die Söhne Martad, und ihr Stamm der 
von 'Amrän haben dem Ahnaqah von Hirrän, ihrem Herrn, das 
Musnad (die Tafel) geweiht, weil er sie auf Bitten erhört hat, 
indem er sie errettete im Herbste der Theuerung bei ihnen, in 
welchem das Einkaufen von einem Tumn (Achtel) Weizen statt- 
fand mit einem Goldstück in guten (annehmbaren) Balatmünzen, 
(nämlich) , im Jahre des 'Ammikarib , b. Sumuhkarib b. Hizfar 
dat Taur". 

Unbequem sind nur die Worte i72finE"c; | 3^S, die ich 

■»^Äö;!; l-jL-o fasse. Sirdh bedeutete im Himjarischen den Schnitt 



l) Wo auch die minäischen Formen für 80 angeführt sind. 



322 Mordtmann, Zur Südarabischen Alterthurnskunde. 

des Getreides und der Monat September hiess darnach oL>aJi 5O, 
wie aus einer von D. H. Müller ZDMG. 30, 705 mitgetheilten 
Stelle des Neschwän hervorgeht und dadurch bestätigt wird, dass 
das Wort noch heute im Jemen die Späternte bis December be- 
zeichnet (Glaser, Die Sternkunde der südarabischen Kabylen S.A. 
aus dem XCI. Bd. der Sitzber. der kais. Ak. d. Wiss. IL Abth. 
1885 , S. 1). Man erhebt — nach meinen Erkundigungen — 
noch heutzutage den Zehnten nach den Erntezeiten der verschiedenen 
Bodenprodukte als \^\.^\ ,t^_y> ,Ui^! , «.Ji^v^^J^ f**!^'* » >wÄii> ,*^».^ 
v_Ji_*-AiJ! und (jr ^JÜI ft^»^. In der Inschrift Glaser 158 lesen 
wir Z. If.: 

. . nN I n73iä72T I -1-1DN1 | rinN I bD I "nr | nn 
I a^b?:i I n'iMi j Nrm ] -j^pn | r:r!n:x"Ni | i72[n 
„und Frühling und . . . und ö^b?: und Saft der Früchte und . . . 
auf all den Ländereien und Feldern und Gütern ihrer , . . und 

ihrer Stämme im Sommer (iä^i) , Frühling (lsj) und Spätherbst 

(^-jL>o) und a^b73''. 

i72rinE\:: leite ich von ^^X^ ab; allerdings kommt in den In- 
schriften das Vb. nsd in der Bedtg. „eine Schenkung geloben", 
sowie einmal mit der Gottheit als Subject Dr'"ii: rs'i vor, und es 
liegt nahe dies Vb. auch hier wieder zu finden. Allein eine Aus- 
drucksweise wie „er errettete sie im Herbste, da er sie erhielt" 
wäre eine unerträgliche Tautologie; dagegen scheint die Auffassung: 
„im Herbste, da sie gelobten" wohl denkbar. 

.Ls, .üOa! im Sinne von „Getreidevorrath kaufen" ist im Ara- 
bischen sehr häufig. 

mn I ■)7:r fasse ich als ^j .«♦j „ein Achtel Weizen", burr 

iu der Bedeutung „Weizen" scheint speciell jemenisch statt des 

sonst üblichen xL>L> oder ^\^i zu sein, bei Niebuhr Beschreibung 
c 

von Arabien S. 88 „bur-Waizen", Bird im Journal of the Royal 
Geogr. Soc. 1834 S. 201: „wheat and barley, called ^ (baiT) and 
(schair)", Glaser in Petermann's Mitth. 1884, 173: burr = 



Korn, S. 179: burr feines jemenisches Korn unsrem Weizen ähnlich. 
.^_i tumn hiess ein Maass in Qairwan = 6 mudd, s. EI-Mu- 
qaddasi 240, citirt Journ. As. VIII 7 S. 154. Hunter, an account 
of the British Settlement of Aden S. 74 führt an: „thuman" or 



Mordtmann, Zar Sildarabischen Altevthamshunde. 323 

„Payali — a rueasure used in selling small quantities of gvain. It 
is equal to four Bombay seers, or 5^^ Ibs. avok du poid" 
C'i- I cr-jbnn. Hai. 49, 3 ff. kommt vor: 

was Müller, diese Ztschr. 29, 612, mit ,tausend erhaben geprägte, 
blanke , Haiili - Münzen , erhaben geprägt" übersetzt. Da vertiefte 
Münzen (mit dem quadratum incusum , oder ähnlich) um die Zeit 
jener Inschrift kaum im Curse waren und schwerlich je im Jemen 
geprägt worden sind, so eiTegt diese Deutung Bedenken. Ebenso 
steht es mit Halevy's Erklärung „en poids juste" mot ä mot eu 
pierres acceptables'', da man doch Gold nicht mit Steinen wiegt, 

wennschon Steingewichte noch heute bei den v_;w>L>ol , den kleinen 
Gewerbetreibenden, in San'ä im Gebrauche sind. Die Bedeutungen 
„Stein, Palast", welche einige Ableitungen von Jab im Ar. haben, 
stammen vom lat. platea , bezw. palatium , sind also nicht zu ver- 
wenden. Vorläufig müssen wir uns damit begnügen, dass ::bn, 
r'S'ZZ in den Inschriften eine Münzgattung bezeichnet wie auch 
durch Hai. 152 und durch Vergleich von No. 21 der Sab. Denk- 
mäler bestätigt wird. In letzterem Texte heisst es a. E. : 

„sie sollen bestrafen mit 5 a-in oder 50 Peitschenhieben". 

Die angebHche Inschrift von Jerim und die früher aus dem 
Qämüs s. V. CS.XC angeführte Stelle, sowie eine analoge Erzählung 
vom Hungerkönig 'Alhän Nahfän (s. D. H. Müller ZDMG. 30, 695; 
Südar. Stud. 22 ; Langer's KBeiT. 54) beruhen nicht lediglich auf 
müssiger Erfindung der einheimischen Lexicographen und Archäo- 
logen. In den Jemenischen Chroniken, sowie bei den neueren 
Reisenden werden oft Hungerjahre im Jemen erwähnt. Zu Anfang 
des vorigen Jhdts. vernichteten mehrere Jahre hintereinander Heu- 
schrecken die Ernte, so dass die Einwohner von San'ä sich schliess- 
hch nur noch von Heuschrecken nährten (Niebuhr Beschr. XLIVj. 
Als Cruttenden San'ä besuchte, starben dort täglich eine grosse Anzahl 
Menschen aus Mangel an Brod. Noch jetzt ist die türkische Ver- 
waltung genöthigt den Bedarf der Armee im Jemen an Brotkoru 
aus dem Auslande einzuführen, da der Ertrag des Landes nicht 
genügt. Ma^oudi, Les prairies d'or III 417 sagt, dass der Monat 
Safar ,devait son nom aux foires dites safariyeh qui se tenaient 
dans le Temen; les Arabes venaient s'y approvisionner , et ceux 
qui ne s'y rendaient pas, s'exposaient ä mourir de faim". 

Unsere Inschrift, zu der sich aus andern Texten vielleicht 
weitere Belege hinzufügen Hessen, führt uns in noch ältere Zeiten 
zurück: der Autor des Periplus (§ 24 und 28) erwähnt unter dem 
Import von Muza (in der Tihäma) und Kane (Husn Ghuräb) Ge- 
treide und Weizen aus Aegypten. 



324 



Armeniaca. 

Von 

H. Htibsclimann. 

1) auiinuiii.nij_ jatagov. 

Paz. jädahgö, bekannt aus W e s t , Mainyo-i-Khard Gloss. 
p. 112 und Geiger, Aogemad. Gloss. p. 102, bedeutet nach 
der Tadition „Vermittler" und entspricht einem Pehleviwort, das 
West a. a. 0. sowie im Gloss. and Index p. 180 durch dätögüb 
umschreibt und durch , Recht sprechend" übersetzt. Darmesteter 
in den Etudes iraniennes 11, p. 155 — 157 bespricht jäcZafi^ö ein- 
gehend und kommt zu dem Resultat: jädangö bedeutet: der, 
welcher für die Armen Sammlungen veranstaltet, und geht zurück 
auf ein phl. jätak-göh = altp. *yätagauba = celui qui dit la 
part = qui peche de donner part (cf. zd. yüta ,Antheil an Gütern" 
und altp. gaiibataiy „nennt sich", np. guftan „sagen"). Im An- 
schluss an Darmesteter erklärt West in seiner Abhandlung : 
Les Textes du Mainyo-i-Khard (Extrait du Museon, Louvain 1883) 
p. 10 Jädangö durch „exhortant ä l'execution de bonnes oeuvres 
en faveur d'autrui", will aber dafür yedatö-göb oder dädoh-göb 
lesen , deren ursprünglicher Sinn : von den Jazatas sprechend oder 
von guten Werken sprechend gewesen sei.') Anders urtheilt wieder 
Fr. Müller in den „Beiträgen zur Kritik und Erklärung des 
Mlnöig-Chrat", Wien 1892, p. 6 — 7. Er hält jädangö für 
eine „unsinnige Form", für die auf Grund der ihr entsprechenden 
Pehleviform ein einem neupers. *iahräna entsprechendes Wort mit 
der Bedeutung "städtisches (höfliches) Gebahren" zu lesen sei. 

Aber Müller und West sind im Unrecht gegen Darmesteter 
und die Tradition, wie ich im Folgenden zeigen will. 

Zunächst ist daran festzuhalten, dass jädavgö ursprüngHch 
„interceder, mediator" d. h. Vermittler, Fürsprecher, Anwalt, Be- 
schützer bedeutet. Im Aogemad. § 9 — 10 heisst es: sie führen 
die Seele über die Cinvatbrücke ; möge der Amshaspand Vahman 
}ädangö für die Seele des Verstorbenen sein (und sie vor Ormuzd 
imd die Amshaspands bringen). Hier passt nur eine Bedeutung 
wie Fürsprecher, Beschützer etc. Ebenso an den andern Stellen. 



1) Aehnlich Pahlavi Texts III (0.\ford 1885) p. 44. Anm. 1. 



Hübschmann, Armeniaca. 325 

Vgl. M. iKh. Cap. 15,20: (ein guter Herrscher ist der), welcher 
den Armen Beistand und jädangö-l (Schutz) gewährt; M. iKh. 
Cap. 33, 11 : (ein schlechter Führer ist der), welcher dem Unter- 
gebenen (? phl. aiak'?) nicht Helfer und jädarigö ist; Ai-dä-Viräf 
Cap. 15,18: die Seelen der dätögfibän (= jädaugöbiin , West, 
Gl. 180) und der Friedensstifter. Unklar ist die Bedeutung von 
jöduvgd nur M. iKh. 2.69, weil in dem kurzen Satze noch ein 
dunkles Wort vorkommt. Die weitere Fi-age ist die, ob das Wort 
richtig gelesen ist oder ob es anders gelesen werden muss. Darüber 
hat das Pehlevi zu entscheiden. In dem von Andreas (Kiel 
1882) herausgegebenen Pehlevi Mainyo-i-Khard Cap. 2,69 (p. 8, 
Z. 7) steht für jädaiigd: jätiulnak, Cap. 33, 11 (p. 35, Z. 7) 
dagegen: jäfakgübu , im Ardä-Viräf Cap. 15, 18: jätägäbän, bei 
Spiegel, Pehlevi Jasna 27 fp. 120, Z. 9 v. u.j und Js. 61 (p. 220, 
Z. 8): jdtakgühlh = Fürbitte (Haug, Ahuna-vairya-Formel p. 10 — 11). 
D. h. im Pehlevi lautete das Wort jötahgüb oder jätögüb und 
M.-i-Kh. 2,69 ist ebenfalls für das falsche jötuänak: jütakgnb 
zu lesen. Für die wirkliche Aussprache des Wortes ist zweierlei 
zu beachten: 1) dass die Zeichengruppe üb immer als ar (resp. ov) 
oder UV zu sprechen ist (vgl. phl. yusrüb = Chosrav; phl. 
tübän = paz. tuän , np. tuvön ,im Stande"); 2) dass im ersten 
Glied von Compositis mehrfach eia -ak. geschrieben wird, wo 
in der wirklichen Aussprache ein -k nicht nachweisbar ist (vgl. 
phl. anöiak-rübün West, Gl. und Index p. 59 = paz. anö.i- 
ruän Geiger, Aogemad. p. 23, 10; np. anöiarvän Nöldeke, 
Tabari p. 136, arm. anibs fvvan Sebeos ed. Patk. p. 28, 
Z. 1 ; p. 30 , Z. 1). Dies angewandt auf phl. jätakgüb ergiebt 
eine Ansprache jätagav (oder jätagtiv). Fragt man nun, wie 
das Wort im armenischen Munde lauten müsste, so weist die 
Analogie von phl. yusrüb „Chosrau" = armen, yosrov auf ein 
armenisches jatagov für mittelpers. jätagav. In der That findet 

sich im Altarmenischen (schon des 5. Jhd.) ein oiiiumii^nij_jatagov^) 
mit der Bedeutung: Vertheidiger . Fürsprecher, Anwalt (schweizer. 
Fürsprech), Beschützer, Gönner (vgl. Faustus v. Byz. p. 69, 10: 
)atagov amenain zrkelor Anwalt aller Unterdrückten, nach 
E m i n : mediateur des opprimes), das, aus dem Persischen entlehnt, 
die Existenz eines phl. jätagav, geschrieben jätakgüb = Für- 
sprecher, Beschützer, Vermittler sicher verbürgt. Aus jätagaw aber 
musste im Pazend jädagö werden, wie also für das überlieferte 
jädarigö mit leichter CoiTectur zu lesen ist. Die bei den Parsen 
geltende Bedeutung des Wortes (s. o.) sehe ich natürlich als die 
jüngere, abgeleitete an. Dagegen führe ich mit Darmestete r 
phl. jätagav auf ein altpers. *yätagauba ^Antheil-sprecher" zurück. 

1) Davon abgeleitet jatagov-ut'iun Vertheidigung , Fürsprache wie im 
Pehl. jö.tagav-ih Fürsprache, Fürbitte. 



326 HilbscJimann, Armemaco. 

2) u'f7[f- (tzd. 

In meinen „Armenischen Studien" p. 16 habe ich vermuthet, 
dass armen, azd Nachricht, Kunde (vgl. azd arnel Nachricht geben, 
melden Faust. Byz. p. 203 : azd eXev mna es ward ihm gemeldet, 
berichtet Luc. 8, 20, vgl. 1 Corinth. 1, 11; Gen. 27, 42; Sebeos 
p. 44) aus dem Persischen (vgl. altp. käraliyü naiy azdä abava 
dem Volke war nicht Kunde geworden, das Volk hatte nicht er- 
fahren oder wusste nicht) entlehnt sei. Diese Vermuthung ist für 
mich zur Gewissheit geworden, seitdem auch im Pehlevi azd auf- 
getaucht ist^), vgl. Geigers's Jätkär i Zariran p. 48: Arjäsp 
azd viat A. wurde benachrichtigt oder A. erfuhr. 



3) <^nni[uinmujl^ hrovartah. 

Arm. hrovartak Brief, Schreiben, (königlicher) Erlass (Faust. Byz. 
p. 245; Sebeos p. 37 u.s.w.) ist mit seinem anlau.tenden hr (vgl. hraman 
Befehl = p. farmän) und auslautendem Suff, ak mir längst der Ent- 
lehnung aus dem Persischen verdächtig gewesen. Hier müsste es 
(im Pehlevi) fravartak lauten. Ich finde dieses Pehleviwort zuerst 
in Salem ann's Mittelpers. Studien, p. 222 und 232, wo freilich 
Salemann das richtig überlieferte fravartak'^) „Brief" in ^ja>*- 
vänak verderbt hat, dann aber auch iu G e i g e r ' s Jätkär i Zarirän 
p. 48, Anm. 9, wo phl. '^n'n'nD „Schreiben, Brief nur ungenau 
als parvartak statt fravartak umschrieben wird. In dem inzwischen 
von Nöldeke (diese Ztschr. 46, p. 139) herangezogenen ara- 
mäischen Worte "ppmil-: (plur.) wäre also - in n zu ändern. 
Denn die Pehleviform kann dem Armenischen nach nicht anders 
als fravartak gelautet haben ^). 



4) i[uiuuinLnuiLjui*ii vaspurakan und ufru^nu'*^ sepuh. 

Dass die höchste Adelsclasse im Sasanidenreiche , speciell die 
Mitglieder der sieben vornehmsten Familien mit dem persischen 
Worte väspuhrakUn bezeichnet worden sind, hat Nöldeke sicher 
nachgewiesen, so dass Form und Bedeutung dieses Wortes jetzt 
ausser Zweifel stehen. Nöldeke fand zunächst im Pahl. Paz. Gl. 
ed. Haug 9, 1 ; ed. Salemann 73, 4 ; 89, 5 die Gleichung vaspnr = 



1) Vgl. Nöldeke, diese Ztschr. 46, p. 139. 

2) Vgl. phl. Mätlkän i catrang p. 1, Z. 8; Glossar p. 14 (der Bombayer 
Ausgabe von 1885). 

3) Die obigen Gleichungen: phl. azd = armen, azd, phl. fravartak 
= armen, hrovartak hat unabhängig von mir auch Dr. Stackeiberg (briefl. 
Mittheilung vom 27. April 18P2) gefunden. 



Hübschmann, Arnieniaca. 327 

harbltä „Sohn des Hauses", die aramäische Bezeichnung für den 
höchsten Adel nach den Vasallenfüi-sten des Grosskönigs in der 
Häjiäbäd-Inschrift , und wies auch sogleich das Wort in einem 
svi-ischen gnostischen Liede aus dem Anfang des 3. Jhd. in der 
Bedeutung „Magnat" nach (Tabari p. 501). Dazu kam weiter: 
1 ) im Kämämak (Bezzenb. Btrg. 4 , 39 und 62) üspuhrakün die 
Vomehmen, das dui'ch Zusatz eines einfachen Striches in das rich- 
tige väspuhrakän zu ändern ist; 2) das ebenfalls in vüspuhrakän 
(resp. paz. väspuliragän) zu änderade väspihirgOn in West's Mainyo- 
i-khard Cap. 1, 7 (vgl. das Glossar p. 213; Olshausen in den 
Berl. Sitzungsb. von 1880, p. 856; West, Pahlavi Texts III, p. 4 
von 1885; Fr. Müller, Btrg. zur Krit. und Erkl. des Minöig 
Chrat p. 2; 1892); 3) inschriftlich vüspuhrakcin ,the nobles" in 
der Inschrift von Naqs i Rustam , Z. 6 (ed. West 1881, p. 7); 

4) paz. väspuhragäni nobility u. s. w., West. Shik. Gum. Vij. p. 271; 

5) äspxihrakCm die Vomehmen (lies väspuhrakän) in Geiger's 
Jätkär i Zarirän p. 47 (1890); 6) auf einer Gemme: v{a)spuhr 
„der Magnat" (Hörn, Sas. Siegelsteine, Berlin 1891, p. 28); 
7j vüspuhrakünl altö = is ennobled und vüspuhrakcmihä pre- 
ponderantly West, Pahl. Texts IV, p. 324 und 375 (1892); 8) bei 
Sebeos ed. Patk. p. 48 der persische Titel: vaspurakan hamarakar 
= der Rechnungsführer (Steuereinnehmer) der Väspuhrakän ^) , vgl. 
phl. andarzpat i väspuhrakän (Bezzenb. Btr. 4, 62), neben dem die 
Armenier auch einen andarzpat der Magier (movan anderjapet 
Laz. Pharp. etc.) kennen ; 9) der Name der an Persien angrenzenden 
grossen armenischen Provinz Vaspurakan (Mos. Chor, etc.), östlich 
vom Van-See, den schon Justi, Bundeh. p. 262 mit dem vaspur 
des Glossars in Verbindung gebracht hat. 

Aus diesem Material ergiebt sich, dass der Vocal der ersten 
Silbe imseres Wortes a oder wahrscheinlicher ä war und daher 
die sonst so ansprechende Combination ^) von phl. väspuhr- (= aram. 
barbitä) mit zd. visö pui^ra „Sohn des Hauses" (= phl. vispus) 
an der Differenz der Vocal e scheitert 3). 

Aber noch eine andere hierher gehörige Combination scheitert 
an den Lautverhältnissen , ich meine die von Herrn M a r r mehr- 
fach*) befürwortete Gleichsetzung von armen, sepuh'^) mit zd. vlsö- 
pu&ra. Aus letzterem hätte im Altpersischen werden müssen 
viß^apu&ra , für das im Pehlevi vispus (s. o.) oder vispuhr g e - 



1) König Chosrov sendet den Vaspurakan hamarakar nach Armenien 
mit grossen Schätzen, um die Grossen für sich zu gewinnen, p. 48. „Sie 
nahmen den königlichen Schatz , der im Hause des Hamarakar war , der aus 
den Steuern dieses Landes (Ispahan) gesammelt war", p. 58. 

2) Olshausen, Berl. Sitzungsber. 1880, 355; Darmesteter, Etud. 
Ir. II, 139—142. 

3) Vgl. Nöldeke, diese Ztschr. 46, 139. 

4) Zuletzt im Hantes amsoreay 1892, p. 164 — 165. 

5) Sepuh sind die Mitglieder eines fürstlichen Hauses im Unterschied 
vom tanuter dem ..Haus-herrn" d. i. dem Majoratsherrn. 



328 Hübschmann, Anneniaca. 



schrieben worden wäi-e. Wäre vispuhr ins Armenische über- 
gegangen, so wäre nach dem Muster von arm. sapuh = phl. 
.säJipukr zunächst vispxth daraus entstanden, das im historischen 
Armenischen aber als vspuh (resp. vespuh) vorliegen würde , vgl. 
arm. vcar = phl. vicär-; arm. vci'r = phl. viclr; arm. Vstam 
aus pers. Vistahn ^) etc. Ein Abfall eines anlautenden v oder vi 
kommt im Armenischen überhaupt nicht vor. Also aus vispuhr 
wäre im Armen, vspjuh, aber nicht sepuh geworden. Nun meine 
ich aber gar nicht, dass jenes phl. vispuhr wirklich so gesprochen 
wäre, sondern glaube (und werde darauf zurückkommen), dass es 
in älterer Zeit vi&puhr ^ später vihpuhr gelautet hätte, woraus 
sich armen. se2nih noch weniger herleiten lässt. 



•5) Jun buiuitn'5Cui*li maskapei'can. 

In Geiger's Jätkär i Zarirän p. 55, § 25 kommt zum ersten 
Mal im Pehlevi ein Wort 7T-EN3-72 für ^Zelt" vor, das den 
Armenisten längst bekannt ist. Es findet sich zweimal bei Faustus 
v. Byzanz (ed. Venez. 55 und 189) und zweimal bei Sebeos (ed. 
Patkan. p. 27 und 42). Die Stellen lauten 1) F.B. p. 55: der 
Perserkönig N er seh nahm seine Ti'uppen sammt Tross etc. mit 
zahllosen Waaren und den eigenen Zelten (inaskapacencmk^) und 
allen Frauen sammt der Königin; 2) F.B. p. 189: sie erbeuteten 
die Schätze des Perserkönigs und nahmen die Königin sammt den 
andern Frauen gefangen. Und der Heerführer MuseK bemächtigte 
sich des ganzen Zeltes {mashavarzan) und befahl, alle Vornehmen, 
etwa 600 Mann, zu schinden etc.; 3) Seb. 27: sie bemächtigten 
sich des ganzen Lagers sammt den königlichen Schätzen und nahmen 
die Königin {bambisn) und das Lager (?) und erbeuteten das Zelt 
{masapercan) , den ganzen Wagen (desjmk'^), den goldnen, viele 
Talente werthen, der mit Edelsteinen und Perlen verziert war und 
bei ihnen (den Persern) „Wagen der Herrlichkeit" {despak p^arac) 
hiess ; 4) Seb. 42 : Und es geschah, als sie in das Lager eingetreten 
und in die Nähe des königlichen Zeltes {maskapercan) gekommen 
waren, da kam ihm der Befehl entgegen — mit wenig Mannen 
vor den König zu kommen ; er aber willigte nicht ein , sondern 
kam mit seinen Truppen nahe an die Thür des königlichen Zeltes 
(•/oran) etc. Es liegen also fünf Varianten des Wortes vor: bei 
Faustus maskapacen- (im Nominativ also maskapacm oder -pacean) 
und maskavarzan ; bei Sebeos : masapercan und maskapercan und 
die phl. Form -p--E5«r'C7: , in der aber wohl auch c für z 



1) Im Fehl, wird meist V für anlautendes vi geschrieben; die Armenier 
werfen i und u in nicht-letzter Silbe aus. Daher irrt Hörn, KZ. 32, p. 581. 

2) Arm. despak (aus dem Pers.V) wird als Sänfte oder Kutsche, Wagen 
erklärt. Die Fr.iuen des Perserkönigs aber fuhren in Wagen (Tabari 137/8). 



Hübschmann, Armeniaca. 329 

und l in ä coiTigirt werden kann , in welchem Falle die urspr. 
Pehleviform maskäparcän gewesen wäre. Es war die Bezeichnung 
für das Zelt des Perserköniges. 



6) i[ui7 [u vaiy. 

Arm. va,sx {i-^i) Wucher (Joh. Mandak. p. 63 ff., Arist. Last. 
p. 111 etc.) ist aus dem Persischen entlehnt: phl. vay^,s interest 
(of money), increase, aber auch: sunrise, growing (Ganjeshäyagän, 
Bombay 1885, Glossar p. 19: West, Pehl. Texts IV, 138); zd. 
vaysa Wachsen, Zunehmen, Aufgang (der Sonne). Umstellung von 
pars. %s zu i'/ ist im Armenischen Regel. 



7) cjni-n ziir. 

Arm. zur heisst ungerecht {ääixog Exod. 23, 7), unverdient, 
falsch, eitel, unnütz; als adv. umsonst (6tx>~ Galater 3, 4), ver- 
gebens, unrecht, ohne Grund, und ist aus dem Persischen entlehnt : 

np. zur falsch. Lüge, nach V uliers allerdings arabisch, in 
Wahrheit das Original zu arab. zär falsum, mendacium etc.; phl. 
zur a lie, falsehood , untruth (Gloss. and Ind. 151), vgl. ebenda 
zür-gukäs'ili false evidence, perjiuy; paz. zur {=^ phl. zur) a lie 
(Shi'k. Gum. Vij. p. 275); zd. zura in zuröjata vd. 7,5 (Spiegel) 
= phl. zür-zat, pavan adinälh, also: nicht nach Recht, mit Un- 
recht getödtet, in den Jasts Bezeichnung des Syävarsan-, des 
Siyävui Firdusis, der, der Verläumdung zum Opfer fallend, ohne 
Schuld , also mit Unrecht getödtet wurde ; altpers. zm^a (sprich 
züra) Beb. IV, XIII: nai'y draujana äham^ naii/ zTirakara äham 
ich war kein Lügner, kein Unrecht- thuer, und weiter hin: naiy — 
züra akünavam ich that kein Unrecht („Gewalt" passt hier dem 
Sinne nach nicht). Das Wort ist zu unterscheiden von zd. zävare 
{zavare) Kraft, Macht = phl. paz. zör, np. zör Kraft, Macht, arm. 
zaur Heeresmacht. 



330 



Bemerkungen zum neuarabischeü Tartuffe. 

Von 

Albert Socin. 

a. Allgemeines. 

Im 45. Bande unserer Zeitschrift S. 36 — 96 findet sich ein 
Artikel von Völlers; in demselben werden uns die Transscription 
und einige Erläuterungen des Lustspiels es - seh matlüf vorgelegt. 
Schon während der Correctur, die ich theilweise zu besorgen hatte, 

.'. gewann ich grosses Interesse für diese Arbeit. Völlers hat S. 40 
mit Recht hervorgehoben, dass ein Commentar zu diesem „arabischen 
Tartuffe" zu einem ganzen Bande anschwellen würde. Ich bin weit 
davon entfernt, diese Arbeit des Commentators nun etwa selbst zu 
übernehmen — diese Aufgabe kann bloss im Orient gelöst werden; 

10 ich möchte nur einige Bemerkungen zur Transscription liefern. 
Die Transscription, die Völlers bietet, erleichtert das Verständniss 
des arabischen Textes wesentlich; ohne dieselbe würden noch viel 
mehr Stellen, sowohl was Aussprache als Sinn betrifft, dunkel 
bleiben, als jetzt thatsächlich der Fall ist. Aber unser gelehrter 

15 Freund hätte sicher der Wissenschaft einen noch grösseren Dienst 
erwiesen, wenn er der Transscription auch noch eine deutsche 
üebersetzung beigefügt hätte; ihm selber war ja der Sinn der 
Verse klar, sonst hätte er sie nicht transscribiren können, oder er 
legte wenigstens einen bestimmten Sinn hinein. Als „Uebungsstück 

20 für Beflissene des Neuarabischen", wie Völlers meint, möchte der 
.seh matlüf doch zu schwierig sein ; er setzt unseres Erachtens zum 
mindesten voraus, dass der Leser die Prosatexte Spitta's schon 
durchstudirt habe, ja in der ägypto-arabischen Grammatik ordentlich 
bewandert sei. Die Arbeit steht uns überhaupt höher; sie gehört 

25 zu den schätzenswerthen Transscriptionstexten , deren man zur ein- 
gehenden wissenschaftlichen Bearbeitung der arabischen Volksdialekte, 
besonders was die Fragen der Vocal Verhältnisse betrifft, kaum je 
genug haben kann. Ob nun etwa gar noch erwünscht gewesen 
wäre , den Text auch in arabischen Lettern abzudrucken , dies 

30 zu entscheiden bleibe Andern überlassen , die weniger an Trans- 
scriptionstexte gewöhnt sind, als der Schreiber dieser Zeilen. 



Socii), ße7nerkungea zum neuarabischen Tartuffe. 331 

Ganz abgesehen von diesen nebensächlichen Desideraten bleibt 
die Thatsache bestehen, dass Völlers mit seiner Arbeit einen sehr 
geschickten Griff gethan hat; die Leetüre des Stückes kann auch 
vom culturhistorischen Standpunkt aus angelegentlich empfohlen 
werden. Der Bearbeiter der Moliere'schen Lustspiele — ich er- 5 
laube mir gleich von allen den vieren (S. 39) zu reden, die nvm 
vorliegen — hat seine Aufgabe in der That trefflich gelöst: die 
Uebertragung des Tartufle in einen muslimischen Scheinheiligen ist 
stellenweise brillant; meines Erachtens ist freilich dieses Stück das « 
beste der Sammlung. Aussei'ordentlich anerkennenswerth bei einem 10 
, gebildeten" Aegypter ist auch der Umstand , dass er es gewagt 
hat. das herkömmliche Hocharabische beinahe ganz auf der Seite 
liegen zu lassen und sich der Volkssprache zu bedienen; das 
ist für den, welcher mit Spitta's beherzigenswerthen Worten S. XIVff. 
der Grammatik einverstanden ist, hocherfreulich. Ein Riss, ein 15 
gewaltsamer Bruch mit dem Hocharabischen muss meines Erachtens 
fi-üher oder später doch einmal erfolgen ; dass dann auch manches 
alte mit weggefegt wird, liegt in der Natur der Dinge. Völlers 
hat sich in dieser Beziehung ZDMG. 41, 369 scharf gegen Spitta 
ausgesprochen ; so sehr ich aber seinen Conservativismus begreife 20 
und achte, so frage ich mich doch immer wieder: Für wen sollen 
denn die modernen Schriftsteller schreiben , als für's Volk ? und 
diesem ist das hergebrachte Hocharabisch eben doch unverständlich 
und fremd. Deshalb ziehe ich gerade naturwüchsige Werke, wie das 
vorliegende in der That eines ist, den sich in den alten Geleisen 25 
des Hocharabischen bewegenden vor im Vertrauen darauf, dass 
sich, wenn einmal die arabische Literatur wirklich eine Renaissance 
erleben sollte, das WerthvoUe aus den alten Classikern dennoch er- 
halten bleiben wird. Ich behalte mir übrigens vor, anderswo auf 
diese Frage eingehender zurückzukommen. 30 

Im seh matlüf sind namentlich die zahlreichen, augenscheinlich 
der gewöhnlichsten Volkssprache entnommenen Redewendungen und 
Wörter , unter denen eine Menge uns bisher unbekannter quadri- 
literaler Stämme auffallen, ganz besonders hervorzuheben; sie bilden 
die Hauptschwierigkeit für das Verständniss, da Dozy's Supplement 35 
den Leser dabei häufig im Stich lässt. Zahlreich finden sich Be- 
lege für Wortbedeutungen, die wir bis jetzt nur aus Bocthor kennen, 
öfter auch Wörter, die in der Geschichte von Bäsim vorkommen. 
Hoffentlich wird Völlers in dem Wörterbuch des ägyptischen Dialekts, 
an welchem er eifrig sammelt , uns auch die zahlreichen Räthsel 4o 
lösen, die sich in diesen vier Lustspielen finden; die daraus zu 
holende Ausbeute für das Lexikon ist beträchtlich, wie ein Blick 
auf die zahlreichen Fragezeichen am Rande meines Exemplars be- 
weist. — Uebrigens ist Mohammed el-Wanäi in seiner Schreibweise, 
besonders was vulgäre Wortformen betrifft, durchaus nicht gleich- 45 
massig verfahren ; nur wird unten zu untersuchen sein , ob nicht 
einige auffallende Inconsequenzen, wie z. B. dass er einmal für Hand 



332 Soci'n, Bemerkungen zum neuarahischen Tartuffe. 

l\j , das andere Mal 0^\ , ein drittes Mal sogar j>| schreibt , doch 

auf gewissen, nur nicht ganz durchgeführten Principien beruhen; 

vgl. dazu S. 344. 

Ebenfalls sehr zu loben ist, dass sich Mohammed Bey nicht 
:> sklavisch an seine Vorlage gehalten , sondern dieselbe in vielfacher 
Beziehung frei reproducirt hat. Freilich beeinträchtigt dies 
für uns bisweilen das Verständniss ; einzelne Stellen werden dem 
Leser zwar klar, wenn er das französische Original zu Hilfe nimmt, 
andere aber , die frei übertragen sind , wiederum nicht , und auch 
10 aus diesem Grunde wäre eine Uebersetzung wünschenswerth. Bis- 
weilen sind grössere Dialoge stark gekürzt; an einigen Stellen aber 
sind auch einzelne Verse, ja sogar kleine Scenen selbständig hinzu- 
gefügt, weniger im ieli matlüf , als in den anderen Lustspielen. 
Im Ganzen hat sich Molifere natürlich eine gewisse Vergröberuug 
i:. gefallen lassen müssen; selten ist dieselbe so stark wie z. B. in der 
L Scene des 5. Actes der Femmes savantes, wo die Verse 

Votre gräce et votre air sont les biens, les richesses 
Qui vous ont attire mes voeux et mes tendresses; 
C'est de ces seuls tresors que je suis amoureux 

20 im Arabischen (S. \^^) charakteristischer Weise folgendermassen 
wiedergegeben sind: 

^J^A*^\ ^"^-.-IS OJ—J-iS^ j.X^Jj\*, (^^.^♦^J! [»Sj-Ä-Ü^ (jii-^-xJ i^=^y^\* 

„Und dein weisses Gesicht, dein lanzengerader Wuchs, dein Münd- 
-'5 chen und dein süsser zuckriger Speichel, deine ebenmässigen (lies 
wohl ^3^L*J0 Backen nebst der schmächtigen Taille sind dasjenige, 
was meinen Sinn gefangen genommen und mich liebeskrank ge- 
macht hat." 

Natürlich hat sich der Bearbeiter nicht in die Zeit Molifei'e's 
30 versetzt ; er schreckt deshalb nicht davor zurück , in der 4. Sceue 
des 3. Actes der Ecole des femmes das 

il m'est dans la pensee 
Venue tout maintenant une idee pressee 

zu übersetzen mit 

,ich habe jetzt nur ein Geschäft, da das Dampfschiff eben einge- 
laufen ist". 

Ganz vortrefflich ist andererseits in der 7. Scene des 2. Actes 
der Femmes savantes (S. 1a) dargestellt, wie die gelehrte Dame 



Socin, Bemerktmgeu zum neuarabischen Tartufe. 333 

gegen den Willen ihres Mannes ihre geschickte Köchin fortschickt 
aus dem Grunde: 

X.Jj^JiJJ C>^\yS.\\ J, ^!^j^ ^3 l^_yyK^ ^..^^üaXJ. ^y;<\kl\ .M*^ f,iS 

„Wie oft vernachlässigt sie das Grammatisch - Arabische und fehlt 
gegen Sibawaih und lässt, was die Sprachregeln betrifft, Niftaweih 5 
ausser Acht" ! 

Neben diesen Stellen finden sich andere, bei denen der Be- 
arbeiter entweder doch zu sehr an der Vorlage hängt oder diese 
wohl auch geradezu missverstanden hat. Zu den ersteren ist zu 
rechnen, dass er z. B. in der 8. Scene des 3. Actes der Femmes ic 
savantes (S. IfC) das französische „ötes les gants" mit 

wiedergiebt ; Glacehandschuhe (vgl. Almkvist, Kleine Beiträge S. 330) 
mögen ja jetzt allerdings bei den hohen ägyptischen Damen auch 
Mode sein, sie sind aber hier fiii- uns stöi-end , gerade wie der ib 
„balcon" (S. I^.o , 4. Scene des 2. Actes der Ecole des femmes, 
arabisch einmal ...j^Xj, dann S. f.1 ryy^ geschrieben), auf dem 

das muslimische Mädchen ihren Geliebten erwartet. Zu den in 
Folge mangelhaften Verständnisses missglückten Stellen rechne ich 
z. B. V. 540 ^) des matlüf; das französische ,oui, c'est un beau l'c 
museau" durfte kaum mit 

1) Leider sind weder im arabischen Druck noch beim Transscriptionstext 
die Verse gezählt; letzterem sind nur Verweisungen auf die Seitenzahlen der 
beiden arabischen Ausgaben (wovon unten) beigefügt. Es schien mir passender, 
die Verse durchgängig mit Zahlen zu versehen; zur Erleichterung seien hier 
die Zahlen beigefügt, die jeder der 1921 Verse (im Arabischen eigentlich Halb- 
verse), der am Anfang der Seiten des Transscriptionstestes steht, auf diese Weise 
erhalten hat: 



S. 42 


— 


V. 


17. 


S. 


58 - 


- V. 


663. 


S. 


74 


— V. 


1291, 


S. 43 


— 


V. 


59. 


s. 


59 - 


- V. 


699, 


s. 


75 


— V, 


1331b. 


S. 44 


— 


V. 


103. 


s. 


60 - 


- V. 


736. 


S. 


76 


— V. 


1368. 


S. 45 


— 


V. 


144. 


s. 


61 - 


- V. 


769. 


s. 


77 


— V. 


1410, 


S. 46 


— 


V. 


179. 


s. 


62 - 


- V. 


809. 


S. 


78 


— V. 


1455. 


S. 47 


— 


V. 


220. 


s. 


63 - 


- V. 


845, 


S. 


79 


— V. 


1497. 


S. 48 


— 


V. 


257, 


s. 


64 - 


- V. 


880, 


s. 


80 


— V. 


1531. 


S. 49 


— 


V. 


296. 


s. 


65 - 


- V. 


919, 


s. 


81 


— V. 


1563. 


S. 50 


— 


V. 


343, 


s. 


66 - 


- V. 


966, 


S. 


82 


— V. 


1609. 


S. 51 


— 


V. 


385. 


s. 


67 - 


- V. 


1009. 


S. 


83 


— V. 


1647. 


S. 52 


— 


V. 


415. 


s. 


68 - 


- V. 


1052. 


s. 


84 


— V. 


1691. 


S. 53 


— 


V. 


457. 


s. 


69 - 


- V, 


1093. 


s. 


85 


— V. 


1731. 


S. 54 


— 


V. 


504. 


s. 


70 - 


- V. 


1127. 


s. 


86 


— V. 


1773. 


S. 55 


— 


V. 


543. 


s. 


71 - 


- V. 


1165. 


S. 


87 


— V. 


1807. 


S. 56 


— 


V. 


579. 


s. 


72 - 


- V. 


1207. 


s. 


88 


— V. 


1848. 


S. 57 


— 


V. 


619. 


s. 


73 - 


- V. 


1249. 


s. 


89 


— V, 


1887. 



Für meinen eigenen Gebrauch habe ich diese Zählung auch bei den anderen 
drei Lustspielen durchgeführt; natürlich habe ich Prosatexte (Briefe) sowie etwa 

Bd. XLVL 22 



334 Soein, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 

„aber freilieb seine Nase ist lang'" wiedergegeben werden. Ebenso 
kann in der 4. Scene des 1. Actes des matlvf V. 249 bloss so 
verstanden werden, dass die brave Anise (respective Elmire) in Folge 
eines Schnupfens keinen Schlaf findet, was in dem 

f) des chaleurs l'empechaient de pouvoir sommeiller 

doch kaum liegt. 

Eine Stelle, die mir unbegreiflich ist, bietet auch V. 546, wo 
das französische 

De quoi vous plaignez-vous ? je ue vous parle pas 
10 mit 

mir nicht wiedergegeben zu sein scheint. Ob Völlers mit der An- 
gabe (S. 90), dass awa Lärm, Unruhe bedeute, Recht hat, wage 
ich nicht zu entscheiden ; jedenfalls ist die Parallelstelle Y. 386 der 
15 Femmes savantes (S. if) 

zu beachten, wo aber meines Erachtens — im Französischen findet 
sich nichts Entsprechendes — ebenfalls das gerade Gegentheil von 
Unruhe am Platze wäre. Doch wird von solchen einzelnen Wort- 

20 erklärungen weiter unten die Rede sein. 

Die Unverständlichkeit einiger Stellen rührt nun leider davon 
her, dass in der Transscription Druckfehler stehen gebheben sind; 
gerade weil dieselben in solchen Transscriptionstexten — das Ori- 
ginal werden ja nur Wenige besitzen — doppelt störend sind, 

25 mögen sie aufgezählt werden , besonders da ich selbst nach dem 
oben Bemerkten nicht von jeder Verschuldung an denselben frei- 
zusprechen bin. Da jedoch unten ein zusammenhängendes Ver- 
zeichniss von Emendationen folgen soll, erlaube ich mir dann auch 
diese Liste dort einzureihen. 

30 Eine genaue Vergleichung des mir zunächst zu Gebote stehenden 

Cairenser Druckes mit dem Transscriptionstexte ergiebt für den 
letzteren auch eine lange Reihe anderer Lesarten. Nach S. 39 
hat Völlers zunächst bloss die erste Auflage des seh matlüf vor 
sich gehabt 0; die zweite Auflage erschien, als seine Arbeit zur Ab- 

35 Sendung bereit lag. Sie konnte noch eben für einzelne wenige Les- 
arten, sowie für Verweise auf die Seitenzahlen verwendet werden. 



einmal eiu mehr oder weniger ausserhalb des Zusammenhangs stehendes Lied- 
chen (S. 1.1 d. ar. T.) nicht mitgezählt. Die Femmes savantes bestehen nach 
meiner Zählung aus 1595, die Ecole des maris aus 1022, die Ecole des femmes 
aus 1304 Versen. 

1) Diese ist, wie mir Völlers letzten Sommer mündlich mittheilte, jetzt 
gänzlich vergrilien. 



Socin, Bemerhmgen z%im neuarahischen Tartuffe. 335 

Ich selbst besitze die zweite Auflage und bin zunäclist von dieser 
ausgegangen; die erste Auflage erhielt ich durch die Güte Gold- 
ziher's, der sie mir, als ich ihm von meiner Arbeit sprach, in freund- 
lichster Weise zur Verfügung stellte. Im Allgemeinen sind in beiden 
Ausgaben des matlüf, sowie den übrigen Lustspielen die Druck- 5 
fehler sehr zahlreich ; sehr oft sind Punkte abgesprungen oder fehler- 
haft gesetzt. Im Grossen aber bietet, was den matlüf betriift, die 
zweite Auflage eine Reihe leichterer Lesarten; ob sie auch die 
richtigeren sind, wird sich unten ergeben. An einer Anzahl Stellen 
weicht freilich die Transscription auch von dem Text der ersten lo 
Auflage aus unerklärlichen Gründen ab. Ich möchte meine Collation 
dem allgemeinen Gebrauche nicht vorenthalten und lasse sie daher 
unten im .Yerzeichniss" folgen. Eine Anzahl dieser Lesarten ist 
ziemlich irrelevant : bei andern muss der Sinn der Phrase entscheiden, 
ob die eine oder die andere derselben besser ist. Wo nicht ausdrück- i5 
lieh die beiden Ausgaben unterschieden werden, enthalten sie beide 
die betreffende Lesart. In einer Anzahl von Fällen ist der Grund 
dieser abweichenden Lesarten erst dann ersichtlich, wenn man den 
Text als einen metrischen betrachtet. Dies ist nun zunächst 
zu untersuchen. 20 

b. Der Reim, das Metrum und die Caesur. 
Völlers hat den seh inatlüf durchweg nach den Sprachregeln 
der gewöhnlichen Prosa transscribirt ; unbestreitbar hat er uns 
die paar, namentlich gegen das Ende des Stückes hin auftretenden 
classischen Sprachformen (vgl. S. 38) natürlicher Weise abgerechnet, i.". 
durchaus eine Probe der gäng und gäben Umgangssprache 
geliefert. Weiterhin wird zwar noch von einer Reihe von Fällen 
die Rede sein , in denen der Verfasser des Stückes ungebräuch- 
lichere Formen angewendet hat, und in denen Völlers nach meiner 
Ansicht, meist der Volkssprache zuliebe, von dem, was der Ver- 30 
fasser gewollt hat, abgewichen ist, also die Einwirkung der 
Schriftsprache unterschätzt hat. Ausdrücklich sei jedoch betont, 
dass wir dies Völlers nicht als Fehler anrechnen; sein Trans- 
scriptionstext behält auch so , wie er jetzt vorliegt , seinen vollen 
Werth. Andrerseits aber ist die Frage gestattet, ob der arabische a:. 
Schriftsteller sich die Aussprache mancher Stelle, ja einzelner Worte 
gerade s gedacht hat, wie sie uns jetzt in der Transscription vor- 
liegen. So wie Lieder im Allgemeinen für den Gesangsvortrag 
bestimmt sind, so werden ja Dramen in der Regel zur Declamation, 
nicht zur blossen Leetüre geschrieben. Wenn nun auch Mohammed 10 
el-Wanäi wohl kaum hat erwarten dürfen die von ihm übertragenen 
Moliere'schen Lustspiele schon demnächst auf das Repertoire einer 
arabischen Volksbühne gesetzt zu sehen , so hat er beim Nieder- 
schreiben sich doch wohl eine Vorstellung davon gemacht, wie 
seine Verse vorgetragen werden könnten: damit hängt j a ir> 
auch zusammen , dass er dafür den Ton der Volkssprache gewählt 



336 Socin, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuff'e. 

hat. Bei der Unvollkommenlieit der arabischen Schrift ist es jedoch 
sehr schwierig, das Lautbild, das sich der Verfasser vorstellte, zu 
reproduciren und zu fixiren; schon die blosse Volkssprache an und 
für sich mit ihren vielen örtlichen, ja persönlichen Nuancen ist ja 
5 ein wahrer Proteus. Wie oft habe ich mit Prym über die Auf- 
fassung einzelner Laute und Formen disputirt, die \vir im Orient 
gemeinschaftlich durch Transscription zu fixiren suchten! 

In sprachlichem Interesse also legte ich mir obige Frage 
vor: ich suchte den Vollers'schen Text zunächst mit meiner eigenen 

10 Auffassung des Aegypto- Arabischen in Einklang zu bringen. 

Bei der Correctur fiel mir sofort die äussere Form des )Stückes 
auf; sehr bald bemerkte ich, dass die Verse ein bestimmtes Metrum 
haben. Mit dem Metrum stehen natürlich aber auch die Reime 
im engsten Zusammenhang; von diesen mag hier zunächst die Rede 

lö sein. Im Grossen hat der Bearbeiter auch in dieser Beziehung 
durchaus das französische Original nachgeahmt. Jedenfalls ist in 
den riwäjät das Princip des altarabischen Reimes, der nur am Ende 
jedes zweiten Halbverses eintritt, durchaus fallen gelassen. Dich- 
tungen, in denen jeder Vers einen Reim hat, kennt ja schon das 

20 Altarabische; Dichtungen, in denen je zwei Vershälften unter ein- 
ander reimen und in denen der Reim fortwährend wechselt, weist 
die Volksliteratur, z. B. in den Stücken der bani hiläl auf. lieber 
derartige Vorbilder ist aber Mohammed el-Wanäi um ein gutes 
Stück hinausgegangen, indem er einfach das französische Original 

L'5 nachahmte. Unter diesen Umständen kann auch von Vershälften 
im Sinne des Altarabischen nicht mehr die Rede sein. Nur in 
einem Stück ist er hinter seiner Vorlage zurückgeblieben: den 
Wechsel männlicher und weiblicher Reime konnte er nicht nach- 
bilden. Mit verschwindenden Ausnahmen sind seine Reime alle 

30 männlich; nur im Anfang des seh matlüf hat er einigemal weib- 
liche Reime , respective katalektische Verse , die dann also zwei 
Silben weniger haben, als die französischen (mit stummem e am 
Schluss). Zu diesen Versen sind zu rechnen 31, 32; 39 — 46; 
49 — 52 ; 59 , 60 ; 65 , QQ. In den anderen Lustspielen kommen 

3.5 derartige Reime, so viel ich mich erinnere, nicht vor. 

Im Ganzen sind seine Reime durchaus regelrecht; die auf- 
fallendsten Einzelheiten mögen unten im Zusammenhang der Emen- 
dationen ihre Stelle finden. Bisweilen sind die in der Transscription 
anzubringenden Aenderungen sehr leichte; ob V. 419 und 420, wo 

•10 jetzt kidä und ze'i-di steht , entweder hklü und zeiji-dä oder Iddi 
und zeiji-dl zu lesen ist, mag dem Leser überlassen werden, ebenso 
V. 431 und 432. Natürlich sind ebenso zu verwerfen Reime, wie 
V. 992 dih auf das kide von V. 991; vgl V. 1509 und 1510. 
In gewissen Fällen mag der Zusatz eines h im Reime anzunehmen 

4.5 sein; so bietet die Transscription richtig V. 165 dawüh (Heilmittel, 
ohne Suffix) im Reim zu iläli (s. u.) ; V. 1549 hajüh (Scham, Be- 
scheidenheit) im Reim mit /na'^äk (mit ihm) ; so vielleicht auch 



Socni, BemerJcungen zum neuarahisclien Tarhiffe. 337 

V. 1801. Richtiger wäre das Wort salä (Gebet) im Reim mit 
mväh V. 293 mit h zu schreiben , da dieses h (wenigstens in ge- 
wissen Gegenden) lautbar ist ; wahrscheinlich sind die obigen Wörter 
Analogiebildungen dazu. V. 1791 steht im Reim zu täh (er hat 
geirrt) nijöh (seine Absicht) , dabei ist die gewöhnliche Feminin- ."i 
endung als elif mak.mra behandelt. — Nicht ganz selten scheinen 
die Vocale e und l zu reimen, vgl. das o^^äJ^J im Reime mit 
^.:s^^=>- (von s\s>) Les femmes savantes V. 368. Für 6v" (Sache) ist 
die ebenfalls gebräuchliche Form nI im Reim zu jihtisi \ . 343 
und iiftlii V. 1452 zu setzen. k 

Völlers hat nun durch den ganzen Transscriptionstext in höchst 
dankenswerther Weise unsere deutsche Interpunction durchzuführen 
gesucht; er kommt dadurch dem Verständniss wesentlich entgegen. 
Prym und ich haben bei unseren Transscriptionstexten ein ähnliches 
System befolgt; vielleicht hat Völlers nur etwas zu viel Zeichen i. 
gesetzt ; doch mag das Zuviel besser sein als das Zuwenig. Einiger- 
massen befi'emdlich ist, dass am Schluss der Verse die Interpunction 
so spärlich ist ; Völlers mag sie hier für selbstverständlich gehalten 
haben. Nach meiner Ansicht wirkt aber die Interpunction inner- 
halb von Versen überhaupt leicht irreführend ; sie beeinträchtigt 2( 
den Eindruck, den principiell jeder Vers machen muss, nämlich 
dass die Worte desselben noch in viel höherem Grade ein zu- 
sammenhängendes Ganzes bilden , als ein prosaischer Satz. 
Die Interpunction mag in Versen höchstens bei der Caesur in 
Frage kommen. Ganz dasselbe gilt von den von Völlers angewandten a; 
Strichen zwischen einzelnen Wörtern: sie sind allerdings für das 
Verständniss besonders derjenigen Leser, die den Originaldruck 
nicht vor sich haben, ausserordentlich nützlich, ja geradezu unent- 
behrlich ; sonst würde man die Verse nur schwer in die einzelnen 
Worte zerlegen können. Man hat sich nur immer wieder daran ;;( 
zu erinnern , dass diese Striche keine Bindestriche, sondern de 
facto Trennungsstriche sind, wie wir dies schon Der neu-ara- 
mäische Dialekt des Tür 'Abdin 1 , S. XXX scharf ausgespi'ochen 
haben ; ebenso Kurdische Texte a XII , 1 5 ff. Ausgehend von 
diesem Standpunkt setze ich im Folgenden den Trennungsstrich ss 
beim arabischen Artikel und bei Präfixen, die in der arabischen 
Schrift schon unmittelbar mit dem folgenden Worte verbunden sind, 
nicht: Völlers hat ihn in diesen Fällen dem Leser zulieb gesetzt. 
Für mich ist also zunächst jeder Vers ein zusammenhängendes, 
wenn auch theilbares Ganze, z. B. V. 5 4(j 

kutrelkalämmalösgnafjalläbinä '). 



1) lieber den Charakter dieses hinter los eingeschobenen , mit einem 
Ringelchen bezeichneten Zwisclienvokals wird später gehandelt werden. 



338 Socin, Bemerhungen zum neuarabischen Tartuffe. 

Gegen diese Anschauung kann nun der Einwand erhoben 
werden, dass ja bisweilen inmitten eines Verses die Rede auf andere 
Personen übergehe und so die Einheit des Verses durchbrochen seL 
Derartige Uebergänge naitten im Verse sind jedoch in vielen Dramen 

:. vorhanden; man denke an Sophokles, wo ja oft, wie auch beim 
natürlichen Sprechen, die Gegenrede, häufig die Antwort auf eine 
Frage oder die Weiterführung des Gedankens durch eine andere 
Person sich ganz unmittelbar an das Vorhergehende anschliesst. 
Auch in den französischen Dramen, vor Allem auch im Tartuflfe, 

10 ist dies häufig — und so nun auch in der arabischen Bearbeitung. 
Auch zwei durch den Reim verbundene Verse gehören ja der 
Natur der Sache nach eng zusammen und werden dadurch, dass 
sie zwei verschiedenen Personen in den Mund gelegt sind, zunächst 
durchaus nicht auseinandergerissen. Wenn allerdings, wie es S. Ift*, 

löZ. .10 — 11 und 18 der rmüjät vorkommt, zwei Verse (mit dem 
Reime ab) durch einen eingeschobenen Prosatext (die Dame liest 
dazwischen einen Brief) von einander getrennt sind, so ist eben 
das ursprüngliche Verhältniss der Zusammengehörigkeit stark be- 
einträchtigt. Dies ist jedoch nur ausnahmsweise der Fall; häufig 

üo läuft der Gedanke des ersten Verses in dem zweiten weiter , doch 
nur seltener so, dass der zweite erst ein nothwendiges Complement 
des ersten — ■ sei es das Verbum oder Object — bringt, sondern so, 
dass er den ersten Satz durch einen parallelen ergänzt oder auch 
die Rede in engem Anschluss an das Vorhergehende weiterführt. 

ti) So bildet nun also doch jeder Vers auch insofern ein Ganzes, 
als er einen Gedanken, einen abgeschlossenen Satz enthält. 

Ein unvollständiger Vers kommt im seh matlilf bloss einmal 
vor, nämlich S. 60, Z. 2 der Transscription. Wenn man aber die 
bloss nach der zweiten Auflage eingesetzten und eingeklammerten 

30 Woi-te adlnl get Z. 4 streicht, so erhält man den vollständigen Vers : 

t'ä ja nebih u-bess§ mä-lik 'äuzä eh. 

Dem entsprechend habe ich bei der Zählung (S. 333) diesen Vers 
auch bloss als einen berücksichtigt, wie überhaupt jeden dieser 
getheilten Verse. 

35 Untersucht man nun das Versmass näher, so leuchtet sofort 

ein, dass Mohammed el-Wanäi in allen Dramen, die er bearbeitet 
hat , auch das Metrum des Originals , den Alexandriner, an- 
gewendet hat. Ein Blick auf die erste Seite des Textes genügt, 
um zu zeigen , dass eine Reihe von Versen , nämlich V. 3 , 6, 

40 13 — 16, regelrecht die zwölf Silben, sowie auch im Grossen und 
Ganzen den Tonfall jenes Versmasses aufweisen. Allerdings ent- 
halten nach der Transscription manche Verse mehr, manche auch 
weniger als zwölf Silben ; die Untersuchung wird ergeben , ob 
eine solche Verminderung oder Vermehrung der Silbenzahl über- 

4.-. haupt anzunehmen ist oder nicht. 

Mit dem Metrum hat der Verfasser nach meiner Ansicht aber 



Socin, Bemerkungen zum neuarabischen Tartufe. 339 

auch die Caesur übernommen; diese Frage mag jetzt schon er- 
ledigt werden, bevor der Beweis erbracht wird, dass wirklich der 
Alexandriner in allen Versen durchgeht. Ob der Bearbeiter der 
Moli^i-e'schen Stücke die Regeln der Caesur gekannt hat oder nicht, 
ist hierbei ziemlich gleichgiltig : ein zwölfsilbiges Versmass ist über- 5 
haupt zu lang, als dass es ohne Caesur denkbar wäre. Man kann 
auch nicht behaupten, dass sich für jeden einzelnen Vers die Caesur 
nachweisen lasse. Nach reiflicher Ueberlegung halte ich mich aber 
für berechtigt, folgende zwei Hauptarten von Caesur im seh. matlüf 
anzunehmen : lo 

1) Die Caesur ( | ) in der Mitte des Verses, also nach der 
sechsten Silbe. Hier ist im Transscriptionstext in vielen Fällen 
ein Einschnitt, ein Absatz des Gedankens durch ein Komma be- 
zeichnet, z. B. 

V. 92 wisül Sala-ddugri | sawämak tikrahüh. i5 

Bloss als Unterarten dieser Caesur betrachte ich diejenige, welche 
nicht absolut in die Mitte des Verses fällt, sondern entweder a) nach 
der fünften oder b) nach der siebenten Silbe eintritt, z. B. 
a V. 945 läkin zahar-li | ja meliha bilhiläf. 

Diese Art ist relativ selten; viel häufiger tritt die Caesur b) ein, 20 
besonders wenn die siebente Silbe aus einem Consonanten mit einem 
ganz kurzen , Zwischenvokal " (s. unten) besteht. Beispiele dafür 
sind zwar im jetzigen Transscriptionstexte schwer zu finden, da 
diese , Zwischenvokale ", wie unten bewiesen werden wird, nicht 
regelmässig bezeichnet sind; vgl. jedoch 25 

V. 2 dölä gamä'a-lkullg | mä fihumse her. 
(wobei bloss Verbindungselif beim Artikel angenommen ist) und 
V. 166 jemüt iatil-elkufrg | mä ji'raf dawäh. 

2) Die Doppelcaesur, die zunächst nach der vierten und achten 
Silbe eintritt, vgl. V. 1, wo in der Transscription mit Recht Kom- 30 
mata stehen : 

jalla bina | neruh jawäm | ja Ka'b el-Her. 

Die Fi-age, ob auch diese Caesuren sich verschieben können, möchte 
ich vorläufig bei Seite lassen. Es ist möglich, dass es auch eine 
Caesur giebt. die bloss nach der vierten oder bloss nach der achten 33 
Silbe eintritt; doch möchte diese sehr selten sein. Eine be- 
sondere Berücksichtigung scheinen mir die Verse zu beanspruchen, 
welche das Relativwort elli an der Stelle der fünften und sechsten 
Silbe enthalten. In manchen dieser Verse kann man einfach Doppel- 
caesur annehmen, so z. B. 40 

V. 1289 iggauwizi j billi aäül | ana "aleh 
(heirathe den, von dem ich es dir befehle) vgl. (nach emendirtem 
Text) V. 844. Doch sind die Fälle mit elli überaus zahlreich, in 



340 Soci'n, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 

welchen man nur durch Annahme einer Verschiebung die Caesur 
auft-echt erhalten könnte, wie z. B. 

V. 547 jibäa-lkaläm | elli simi'to | mus kaläm 

(sind denn die Worte, die ich gehört habe, keine Worte?) vgl. V. 104. 

5 Ich vermuthe, dass in allen diesen Versen das Eelativwort zum 
ersten Verstheil gehört und die Caesur in der Mitte des Verses 
zu suchen ist; man vergleiche ausser den obigen Versen V. 527 
(1. kafart und 'cussaJük): V. 1175; V. 1237 (1- -^er'e); V. 1714; 
V. 1807: V. 1874 (1. awämr-); sodann auch V. 391; 614 (1- a^äk- 

10 tili) ■. 1563 (vgl. das „ Verzeichniss " am Schluss der Abhandlung). 
Es dürfte auch für die Grammatik nicht ohne Belang sein, dass 
elli sich dem „übergeordneten" Worte eng anschliesst. 

Kehren wir von dieser Abschweifung wieder zu der Frage 
nach dem metrischen Aufbau der Verse zurück. Dieselbe 

15 ist deshalb von grosser Wichtigkeit, weil von vornherein anzunehmen 
ist, dass die Sprache der Poesie — und darunter sind ja eben 
Verse in einem bestimmten Metrum zu verstehen — sich mit der 
der Prosa nicht deckt. Dies zu beweisen, bildet den Kernpunkt 
meiner Studie. 

20 Man wird auch hier sofort die Einwendung erheben: Ist an- 

zunehmen, dass Mohammed el-Wanäi's fi-anzösische Bildung (S. 37) 
soweit reichte, dass er in die Gesetze der französischen Metrik, 
speciell des Alexandriners, überhaupt eingeweiht war? Ferner: 
Kann man voraussetzen, dass er auch das Arabische in eine ent- 

25 sprechende metrische Form zu bringen verstand? Ich habe im 
Orient recht schlimme Erfahrungen in Bezug auf die Kenntniss der 
Metrik gemacht : ich erinnere mich , wie Prym und ich unseren 
Cairenser Schech, mit welchem wir den Diwän der Hudail lasen, 
in beständige Verlegenheit brachten, sobald wir ihn über die Metra 

30 ausfragten. Völlers theilte mir jedoch im letzten Sommer mit, 
dass es mit der Kenntniss der altarabischen Metrik nicht bei allen 
so schlimm stehe. Meine Räwis aus dem Negd freilich dictirten 
mir die Gedichte natürlich durchgängig mit prosaischem Ton- 
fall; die Metrik kam nicht zur Geltung. Da jetzt über diesen 

35 Gegenstand Sachau in einer Weise gehandelt hat, mit der ich fast 
durchweg einverstanden bin ^) , kann ich mir weitere Erörterungen 
ersparen: in solche werde ich mich bei der Herausgabe meines 
Negddiwäns binnen Kurzem einzulassen haben. Hauptsächlich bin 
ich Sachau dafür dankbar, dass er scharf betont hat, wie überall, 

40 auch bei Volksgedichten, die Frage des Metrums im Vordergrund 
steht; dies gilt meiner Ansicht nach durchweg auch für die vor- 
liegenden riwäjät. 



1) Arabische Volkslieder aus Mesopotamien. Aus den Abhandlungen der 
Königl. Preuss. Akademie der Wissenschaften in Berlin vom Jahre 1889; bes. 
S. 15 des Separatabdrucks. 



Socin, Bemerkungen zum neuarabüchen Tartuffe. 341 

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Verse des matlüf 
nach Ansicht des Dichters mit prosaischem Tonfall zu lesen 
sind, wie im französischen Original; dies hindert jedoch nicht, dass 
die Verse metrisch aufgebaut sind. Hat nun der Bearbeiter etwa 
bloss die Silben gezählt und jedem Verse zwölf beliebig kurze oder 5 
lange Silben gegeben? Er konnte ja sogar, wenn er sich nicht 
streng an das Metrum band, auch Verse bringen, die weniger, oder 
auch solche, die mehr als zwölf Silben hatten. Solche überlange 
Verse kommen in der That vor: in V, 1531 

min-haii-mä-äälü, kaläm wanä akeddibo lo 

ist vielleicht ana überflüssig und einfach tcakeddibo zu lesen ; doch 
kann auch auf andere Weise geholfen werden (s. Verzeicbniss). 
Sicher überlang ist V. 996 der Ecole des femmes (S. ffA) 

(ich bin zu dir gekommen und gegangen etwa zweimal nach dir is 
zu fragen) da man schwerlich 'alek jigl marttn lesen darf; aber 
„ungefähr zweimal" hat auch keinen rechten Sinn, demnach ist jigl 
auszuwerfen. Solche Fälle sind jedoch überaus selten, und wir 
werden sehen, wie leicht sich alle Verse, die mehr als zwölf Silben 
aufweisen, auf zwölfsilbige reduciren lassen. Auch elfsilbigeao 
sind im Transscriptionstexte häufig, z. B. 

V. 8 min taht anorik kulluhum sämi" muti' 
(unter deinem Befehl stehen alle, gehorchen und sind folgsam), 
vgl. V. 4. Die Möglichkeit ist zunächst nicht ganz abzuweisen, 
dass die Verse einfach mit prosaischem Tonfall so zu lesen sind, 25 
wie sie jetzt dastehen. Aber daneben läuft jedenfalls, wie in anderen 
Sprachen, ein poetischer Tonfall einher, und mit diesem stehen 
die Reime in engster Verbindung; hetna V. 4 kann sonst mit 
Sittina kaum reimen. 

Unter allen Umständen muss die Schlusssilbe des Verses, so 
die hauptsächlich die Reimsilbe ist, durchgängig den metrischen 
Ton haben ; in der Regel hat sie auch den Wortton oder wenigstens, 
wie z. B. V. 15 und 16, einen Nebenton. Von diesem Schluss- 
iambus aus sind wir nun berechtigt, weiter nach vorn zu gehen, 
wobei wir kaum annehmen dürfen, dass irgendwo zwei stark be- 35 
tonte Silben neben einander stehen können. Da sich nun aber fast 
durchgängig auch in den den beiden letzten Silben vorausgehenden 
Wörtern, meist mit geringen Verschiebungen des Wortaccentes, ein 
jambischer Rhythmus herausstellt, so ergiebt sich das Schema 

XzX-iX^X-iX-iX-i, 40 

das schon in Vers 1 (abgesehen von einem weiter unten zu nennenden 
Fehler) recht hübsch zur Geltung kommt, nämlich: 
jalla bina, nernb Sawam, ja Kä'b el-Hör. 
Bei anderen Versen ist dieses Metrum allerdings weniger leicht 



342 Socm, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 

herauszubringen. In Uebereinstimmung mit dem, was ich bereits in 
meinen Kurdischen Sammlungen^) auseinandergesetzt habe, ist jedoch 
auch hier zu beobachten, dass der metrische Ictus fast durchweg 
auf eine ihrer Natur nach lange Silbe fällt. In dieser Beziehung 

f> wäre also Mohammed el-Wanäi von der Metrik seines französischen 
Vorbildes, bei welchem auf die Quantität der Silben keine Rück- 
sicht genommen ist, abgewichen. Indem er also das arabische 
Princip, wonach der metrische Ictus bloss auf lange Silben fallen 
darf, auch für seine Alexandriner beibehielt, hätte er eine glück- 

10 liehe Vereinigung der französischen und der arabischen Principien 
in der Metrik erzielt. 

Wir haben also hier die Silben , welche im starken , wie auch 
diejenigen, die im schwachen Takttheil stehen, zu untersuchen; ich 
ziehe es vor, die letzteren zuerst zu behandeln. 

15 c. Die im schwachen Takttheil stehenden Silben und 
die kürzesten Vokale. 

Die* nicht vom metrischen Ictus getroffenen Silben können, 
abgesehen von einer unten zu erwähnenden Ausnahme, kurz oder 
lang sein; im Ganzen sind hier die kurzen Silben häufiger als 

20 die langen. Es kann sogar gefragt werden, ob der Dichter nicht 
unmittelbar vor dem Tone stehende offene Silben mit langem Vokal 
als kurz betrachten kann, oder ob nicht die Gemination eines Con- 
sonanten unter denselben Tonverhältnissen bisweilen in Wegfall 
kommt; die Schreibung in der Transscription selbst schwankt ja 

2.-. z. B. zwischen izol (wie?) V. 717 und izzei V. 1576. Nach meiner 
Beobachtung kommen derartige Kürzungen in der Volkssprache viel 
häufiger vor, als man gewöhnlich voraussetzt. Was lange Vokale 
betrifft, so sei zu Spitta § 29b bemerkt, dass das von ihm an- 
geführte girän für .,1«^:=^ (Nachbarn) in der That in L'ecole des 

:;o maris V. 634 (S. Ivf", Z. 4) steht. Die Verkürzvmg ist besonders 
beliebt in mehr als zweisilbigen Wörtern. In den Pluralformen 
JyJLjts z. B. ist das « deswegen schwer zu hören, weil der Gegen- 
ton auf die erste Silbe fällt (vgl. Kurdische Sammlungen a, S. LH). 
Daraus erklären sich die auch in der Transscription nach der Vor- 

35 läge gegebenen Fälle wie V. 1768 maivägir für ,x>j.ai des Textes 
(vgl. S. 95); ferner V. 550 el-lakäklm j^^^vXLH, wofür in der 
Ecole des femmes V. 1131 (S. X'^f) steht 

»iAxL.>^J! v_iji.JCJl5 ^^''SSj\ -j^ 

Hier ist das « sicher betont, während mir das Metrum von V. 550 
40 vorläufig noch unklar ist. Der Bedeutung nach muss das Wort 



1) St. Petersburg 1890. a. Die Texte, S. XLIIi 



Soci'n, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 343 

Plural von einem vorauszusetzenden K._>*L_^_j sein (vgl. Dozy, S.) 
etwa = Faust, mit der man drein schlägt. Vgl. X.a/«1^j „geballte 

Faust" bei Almkvist, kleine Beiträge in Actes du huitifeme Congrfes 
intern., Sect. or. 1. fasc. Leide 1891, p. 380. Auch das Metrum von 
Ecole des femmes V. 684 (S. rio) 5 



S^J 



U^^ 



i>»,>.>.x.Cv.J ) iN ; 



ist mir nicht ganz klar; am liebsten würde ich hier transscribiren 

wmezzil es-sbabik | gami'an bessg lih 
(und wozu lässt er denn auch alle Fenster[läden ?] herab'?). Eben- 
daselbst V. 1008 (S. r^A) steht u>.x>.>.i (Stöcke). Sehr merkwürdig lo 
sind die beiden Beispiele mit .^j^k^A (Verrückte) L'ecole des maris 
V. 89 (S. loi) 

(alle jungen Leute, welche so sind, sind toll). Ist mdganin (ich 
verweise auf das, was unten über die vorletzte Silbe bemerkt ist) u> 
oder emganm zu lesen ? Dazu kommt der Vers L'ecole des femmes 

818 (S. rn) 

(im Narrenhaus werden sie ihn einsperren). Man darf doch nicht 
lesen : 20 

fi Sislet el-megnin | jerühu jirbutüh? 

Viel augenfälliger sind die Kürzungen, die bei der vor- 
letzten Silbe jedes Verses eintreten, wofür sich vielfache Ana- 
logien in anderen Sprachen bieten. Ein Blick auf irgend eine Seite 
des Textes genügt , um zu zeigen , dass diese vorletzte Silbe 25 
unter allen Umständen bei den männlichen Reimen kurz sein muss. 
Dies bildet eine wesentliche Stütze für den jambischen Aufbau der 
Verse. Von diesem Princip aus ist die Transscription in zahlreichen 
Fällen zu verbessern; V. 782 ist z. B. nur die Form barPt, nicht 
die dem Leser zur Verfügung gestellte Form harret möglich ; ebenso 30 
für marra (Frau), eine Sprachform, an die ich überhaupt nicht 
recht glaube (vgl. Transsc. V. 354 mar[;r']d) bloss maixi V. 522 ; 708. 
In V. 1454 ist statt Baddüm (Beil) iadüni (vgl. Dozy, S.) zu 
setzen. Richtig steht V. 1818 lumün (Galeere) mit kurzem u für 
das aus Dozy S. und Fleischer, Studien bekannte ..l^i. Einzelne 35 
Emendationen von Längen werden in dem unten folgenden „Ver- 
zeichniss" aufgeführt werden. Für die Richtigkeit unserer Behaup- 
tung bietet die Schreibweise Mohammed el-Wanäi's bisweilen An- 
haltspunkte. Allerdings ist er nicht immer consequent: wenn er 
in dem oben angeführten Vers aus der Ecole des 



344 Socin, Bemerhungen zum neuarahisclien Tartuffe. 

hat drucken lassen, hätte er es auch seh matlüf V. 451 thun 
sollen, wo aber .-.^^jL^^JI steht. Dagegen hat er am Versende 
V. 137 und 348 J^^^k^ (es giebt nicht); V. 618 ^_^^.;äJl (und die 
Regel), was in der Transscription richtig mit ianün wiedergegeben 
5 ist; V. 1263 ebenso in der Mitte des Verses. Gerade am Versende 
ist an mehr als einer Stelle für das Wort Hand bloss ol gesetzt 
z. B. V. 186 (Transscr. ideli), V. 994 (Transscr. idek\ ein ander Mal 
J^j z. B. V. 268 (Transscr. jeddek)^ nur selten j^l z. B. V. 012 
(Transscr. idel"). Man vergleiche d\ Mufassal Ivt*', 1 ; Schiaparelli's 

10 Vocabulista S. 320. Die Nominalformen ,:j^x_JL_a3 und J»_^.*i=.; 
kommen zwar schon in den classischen Wörterbüchern vor; heute 
sind jedoch wohl bloss die /«'«'/- Formen gebräuchlich (vgl. V. 335 
säh'h); jene braucht der Dichter im Reim V. 72; 1085 (allerdings 
salih auch im Innern des Verses V, 533); V. 539. Sehr merk- 

15 würdig ist die Form ^iXA.Äc J, (an deinen Augen) L'ecole des 
femmes V. 922 (S. rfö), ^xÄ*il L'ecole des maris V. 368 (S. \T), 
auch ausserhalb des Reimes einmal (ibid. V. 1167, S. C;*'o). Nach 
der Analogie moghrebinischer Dialekte ist dies eine wirklich in 
der Sprache vorkommende Verkürzung. 

20 V. 1 hat der arabische Text eine bessere Lesart, als die Traus- 

scription; es steht nämlich statt Ka'b et- Her xi> s,^xS ^ was kd^helih- 
zu lesen ist. Dies führt uns auf das Princip der Ergänzung 
kürzester Vokale zum Behuf der Herstellung des Metrums. 
Der Dichter hat solche kurze Vokale in viel grösserer Zahl, als sie 

25 der Transscriptionstext bietet, angenommen; die Gründe zu dieser 
unserer Annahme müssen hier im Einzelnen aufgeführt werden. 
Was Spitta § 21 über solche „Zwischenvokale" sagt, bedarf mehr- 
fach einer Ergänzung, besonders auch in Hinsicht auf den vor- 
liegenden Text. 

30 Zunächst werden die Fälle unterschieden werden müssen, bei 

denen diese Vokale gar keine Einsatzvokale, sondern ursprüngKch 
in der Sprache vorhandene Auslaute sind, die unter gegebenen 
Verhältnissen lautbar werden. Ich denke hierbei an Wörter wie 
se (.ye), das seinen Endvokal ja so oft eingebüsst hat. Derselbe ist 

35 sogar als langer Vokal wieder herzustellen in V. 134 

horrs tasija mä | 'alehä se maläm 
(edel , fromm , ganz ohne Tadel) , wo in der Transscription dem 
L^ des arabischen Textes nicht gefolgt, sondern 



Sociit, Bemerkuntjen zum neuarabischen Tartivffe. 345 

Uilfhäi gesetzt ist; vgl. V. 1026, wo nach dem e^ y^ ^ des 
Textes mä Im si mel'ih zu lesen ist; ferner flsi, arab. Text ^A^ 
Transscr. flsi. Auch wo unbetontes .si zu lesen ist. hat Mohammed 
el-Wanäi oft ^^ gesetzt, z. B. V. 615 

win kan abujä ma | ridisi wimtanä' 5 

(und wenn mein Vater nicht einwilligt und sich wehrt) , wo der 



l5 
^^ »,9 L« mä hü si; bisweilen hat die Transscription richtig den 

Vokal, trotzdem der arab. Text blosses ^ aufweist, z. B. V. 2 
mä fihihnse her. In anderen Fällen scheint der vokalische Aus- lo 
laut im arab. Text anders angedeutet. So ist z. B. V. 110 zu lesen: 

fl häSSinä billah | 'algkum mvisi 'gb, 
wo die Transscription mus , der arabische Text jedoch ^ii..xi (also 
müS) mit » bietet, gewiss nicht zufällig. 

Die Frage, ob etwa auch früher vorhandene Flexionsendungen i5 
in diesen kurzen Vokalen erhalten sind, wollen wir nicht berühren, 
sondern uns mit Spitta durchweg auf den Boden der Volkssprache 
stellen, in der diese nicht vorhanden sind. Eine Ausnahme bilden 
augenscheinlich die schon bei Spitta Gr. § 77 e hervorgehobenen 
altherkömmlichen Redensarten. V. 490 und 1026 ist die Form 20 
locdUihi richtig; V. 230 und 893 ist lillähi statt lilläh der Trans- 
scription zu lesen, V. 414 sogar bi-ön-alLähi. Dagegen gebraucht 
der Dichter solche Worte auch ohne die Endung, natürlich am 
leichtesten vor vokalischem Anlaut z. B. V. 417, aber auch vor 
consonantischem kommt loallüh statt wallähi der Transscription 25 
vor z. B. V. 110; 667; 870; 1278; 1283; ebenso billah statt hillähi 
V. 851; 1099; 1169. Ob das h im Auslaut dieses Wortes noch 
stets als lautbar anzusehen ist, wird später zu untersuchen sein. 

Hier ist auch der Ort, an welchem die Frage nach dem Vor- 
kommen der Nunation aufgeworfen werden muss ; zur Nunation an vgl. 30 
Spitta Gr. § 77 f. V. 887 wird metrisch vollständig, wenn statt haiiia 
einfach Jiailiatan gelesen wird, wie V. 279 mit Recht geschrieben 
ist. Die Form .-yj^j^c- ist V. 1159 richtig mit gasban umschrieben; 
so wäre nach dem Metrum aber auch die Form L^^i des arab. 
Textes V. 764 zu umschreiben gewesen; ^_>.Aii gasb steht richtig 35 
V. 1286 und wohl auch V. 1117. 

Einem poetischen Texte gegenüber ist wohl schärfer, als es 
bei Spitta Gr. § 16a geschieht, zu betonen, dass die „Swa mobile", 
dort Halbvokale genannt, nicht nur aus vollen Vokalen entstanden, 
sondern im Metrum auch als volle, silbenbildende Vokale gelten 40 
können, je nachdem der Dichter sie braucht. Der Transscriptions- 



346 Socin, Bemerhungen zum neuarahisclien Tartuffe. 

text des seh matlüf bietet nun z. B. V. 35 hvmijis (schön), V. 273 
swejä (etwas) ; an beiden Stellen ist aber nach dem Metrum die 
vollere Deminutivform kuwaijis und huweijä (wie ich lieber schreibe) 
zu lesen. Die Nominalformen mit kurzem Vokal der ersten und 

5 langem Vokal der zweiten Silbe passen zu gut ins jambische Metrum, 
als dass man hier Ausfall des Vokals der ersten Silbe erwarten 
könnte. Wenn daher in V. 257 das i von dirä^hä eingeklammert 
ist, so will ja dies auf die Volksaussprache drä'^ hinweisen; diese 
ist hier aber ebensowenig am Platze als V. 1623. Dagegen macht 

10 sich bei den fä^«7- Formen — es handelt sich hauptsächlich um 
diese — eine zweifache Möglichkeit bemerklich. In allen Fällen, 
wo an den dritten ßadical ein Vokal antritt, kann der Vokal des 
zweiten verloren gehen ; diese Regel wird auch in der Transscription 
beinahe durchgängig befolgt. Hierbei fällt jedoch auf, dass Völlers 

15 von der in seinem Lehrbuch der ägypto-arabischen Umgangssprache 
§ 44, la (vgl. Spitta, Gr. S. 130) gegebenen Regel abgewichen 
ist, wonach sich bei solchem Ausfall der Vocal der ersten Silbe 
verkürzt. Nach zahlreichen Beispielen, die sich in meinen eigenen 
Aufzeichnungen über den ägyptischen Dialekt finden (ebenso in 

20 A. Koch's Notizen, die durch Zufall in meine Hände gelangt sind), 
geht in der That jene Kürzung nicht in dem Umfang durch, wie 
die Grammatiken es darstellen, weil der kurze Vokal beim zweiten 
Radical theilweise wirklich noch vorhanden ist: anderntheils findet 
die Verkürzung nicht statt, weil der Ausfall des Vokals gewisser- 

25 massen von der Sprache noch nicht als vollgiltig anerkannt ist. 
Völlers selbst führt § 48 seines Lehrbuches die Plurale gälj'm, 
sätrin u. s. w. auf, die ihm Hartmann in der Deutschen Literatur- 
zeitung 1891, Sp. 1022 höchstens als Inconsequenz, nicht aber als 
fehlerhafte Formen anzurechnen berechtigt war. Es ist somit auch 

30 zu billigen, dass in der Transscription die Formen fctla, fcHln u. a. 
sehr häufig sind. Wenn freilich das Metrum in Berücksichtigung 
gezogen wird, reducirt sich die Zahl der Verkürzungen ganz be- 
trächtlich ; vor Allem sind diese Formen im Versausgang (vgl. S. 343) 
gänzlich unbrauchbar. Man lese daher V. 35 und 36 fcdiha — iüriha; 

35 V. 401—402 tanija—fänija; V. 471—472 ülnra—fähira; V. 821 
—822 näwija—däMja; V. 1322—1323 bärula—gämida: V. 1427 
—1428 hädira—ciMra; V. 1467—1468 färiya—baliga; V. 1471 
— 1472 näfi'a — däfi'a; so auch ausserhalb des Reimes z. B. V. 1057 
und 1058: da-lfägirä und wal'dsild- So muss nun auch V. 29 sühija 

40 für sühja; V. 393 sOliibl für sälibl stehen. Dagegen ist die verkürzte 
Form hätri V. 1078 anzunehmen und V. 557 sogar ahrelkaläm 
statt äMr-el-kalcmi zu sprechen. Die Form ^äuz (wollend) ist V. 411, 
1379, 1695 natüi-lich zweisilbig. Bei den mittelvokaligen Stämmen 
müssen sonst mehrfach Contractionen angenommen werden, während 

45 die Transscription volle Formen bietet, vgl. Spitta, Gr. § 105 e. 
So ist z. B. V. 7 iidifa (das '[a«n] ist Druckfehler) zweisilbig, ebenso 
V. 1247 und 1262 sü'ßa, V. 1298 hü'ifa (lies läkinne, s. u.). 



Socvi, Bemerl-ungeyi zum neuarafnschen Tarttiffe. 347 

V. 363 der Ecole des femmes (S. r.!*") 

•^ • •• •• ^ •• <^ ^ 

ist zu lesen : 

wedi sabih faida | 'azime-mgerrebä 
(und dies ist sicher ein grosses und erprobtes Mittel). Nach dem 5 
Metrum muss auch das Wort tüicula V. 1351 zweisilbig gelesen 
werden. Die Frage , ob man etwa diese Form voll auszusprechen 
und ausnahmsweise Versfüsse wie X X -^ anzunehmen hätte, kann 
erst später behandelt werden. Umgekehrt muss V. 917 raihin 
statt räinn gelesen werden. — Wenn an ein Wort, das die Feminin- lo 
endung hat. ein vokalisches Suffix antritt, so geht in der Regel 
der Vokal der Femininendung in der Volkssprache verloren, vgl. 
Spitta, Gr. § 78 d. Darnach ist z. B. V. 1750 rlhio (sein Wohl- 
geruch) richtig. Nach metrischer Emendation muss jedoch V. 242 
slretö statt slrto , ebenso V. 326 im Reim mit haslreto V. 325, i5 
V. 421 t<Tati; V. 475 süfeto (welches Wort mir der Bedeutung 
nach nicht ganz klar ist), V. 662 sä^afi u. s. w. gelesen werden. 
Auch ist es nicht sicher, ob bei ult. /r7-Stämmen und bei femininen 
Nisben das lange I, das die Transscription aufweist (Spitta führt 
§ 77 die Formen nicht an), auch von unserem Dichter angenommen 20 
ist: denn V. 261 (Transscription ^aflto) weist der arab. Text mit sJUäc 
(sein Wohlbefinden) eher auf 'afjetö ; V. 1216 ist sicher zurrijetö, 
V. 1264 Mnnljeto , V. 1825 und 1826 'arbljetl und mähijett zu 
lesen. Formen wie nähltl für nähijeti (meine Heimath) kommen 
aber in der Volkssprache laut meinen Notizen entschieden vor; in 25 
Südpalästina habe ich einmal krlt ylt gehört, wobei krlt stat. constr. 
von harja ist; vgl. Landberg, Proverbes S. 386 bälädltah. Steht 
das jet nach langem ä und vor einem vokalischen Anlaut, so ist 
der Ausfall des e möglich, vgl. V. 648 hikaif es -seh Hibüb : 
V. 1783 galt el-addb statt hikäjet und (jäjet der Transscription, so 
vgl. sogar get für äjU bei Völlers in ZDMG. 41 , S. 377. Dass 
Les femmes savantes V. 303 mit (ar. Text o^-x^ hundert) zu lesen 
ist, versteht sich von selbst. 

Auch beim Verbum kommen oft Formen vor. wo die Volks- 
sprache kurze Vokale einbüsst, z. B. beim dritten Stamm mit vo- 35 
kaiischen Affixen, vgl. Spitta Gr. § 99 ; im Metrum ist jedoch z. B. 
V. 1185 und 1186 tesäliho und n,-tsämiho (im Reime!), V. 433 
nawet andsibö statt der contrahirten Formen zu lesen. 

Wir kommen nun zu einer andern Art von Vokallauten, welche 
Spitta Gr. § 21 als Zwischenvokale bezeichnet und behandelt. Bei- 40 
nahe jeder Vers des Transscriptionstextes legt für das Vorhanden- 
sein derartiger Laute Zeugniss ab. und es entsteht bloss die Frage, 
ob wir sie, in Verbindung mit unserer Ansicht von dem metrischen 
Aufbau des vorliegenden Textes, an den Stellen, wo sie jetzt stehen, 
überall anzuerkennen, beziehentlich ob wir mehr oder weniger der- a:^ 



348 Socin, Bemerkungen zum neuarahischen Tartuffe. 

selben anzunehmen haben, als unser Text bietet. Ich kann jedoch 
auch im Allgemeinen meine schweren Bedenken gegen den Namen 
und die Auffassung solcher „ Zwischenvokale " nicht ganz unter- 
drücken, so sehr ich begreife, wie man vom rein praktischen Stand- 
.-. punkt aus zu jenen Anschauungen über dieselben gelangen kann. 
Wenn eine Silbe, um nach unserer gewöhnlichen Ausdrucksweise 
zu sprechen , mit zwei Consonanten schliesst , so ist in sehr vielen 
Fällen in der That eine Nebensilbe neben der Hauptsilbe vorhanden, 
vgl. Sievers, Grundzüge der Phonetik^, S. 183. Es ist hier nicht 

10 der Ort, diesen Gegenstand, bei welchem auch Guyard's Anschauung 
im Journal asiatique 1876, I, S. 433 (Metrique p. 21) zu berück- 
sichtigen wäre, eingehender zu behandeln; genug: diese Nebensilbe, 
die also durchaus zu dem betreffenden Worte gehört, wird natürlich 
dann am deutlichsten vernehmbar sein, wenn als Anlaut des folgenden 

1.5 Wortes wieder ein Consonant oder auch bloss ein Stimmeinsatz vor 
einem Vokal folgt, während wir, wenn mit der sogenannten Doppel- 
consonanz der Redetheil schliesst, die Nebensilbe, die jedoch in der 
That stetig vorhanden ist, weniger zu berücksichtigen pflegen. 
Die Thatsache, dass bei Verschiebungen des Worttones im ägyp- 

20 tischen Dialekt solche Nebensilben nicht bloss einen Nebenton, 
sondern sogar den Hauptton erhalten können (Spitta, Gr. § 21g, 
25 c) beweist deutlich genug, dass man es mit wirklichen ursprüng- 
lichen Silben zu thun hat, die übrigens im ägyptischen Dialekt 
doch wohl etwas deutlicher klingen, als in anderen; schon im Alt- 

25 arabischen sind sie zu beobachten. Ich bezeichne diese Vokale mit 
einem untergesetzten Ringelchen; natürlich kann man vom sprach- 
geschichtlichen Standpunkt aus dieselben nicht immer von Vokalen 
trennen, die wir als aus ursprünglich vollen Vokalen reducirt an- 
zusehen hätten , wie in V. 2 flliumse h'r. Bevor ein reicheres 

30 Material vorliegt, ist auch nicht zu entscheiden, ob nicht etwa auch 
hier aus volleren reducirte Vokale mit unterlaufen. 

Es ist nun nicht auffällig, dass eine solche Sübe vom Dichter 
bald als mehr oder weniger voUe, im Metrum zählende gefasst 
werden kann , bald auch wieder nicht. Im Allgemeinen aber ist 

35 das erstere viel häufiger. Darnach ist nun V. 1 ka'be her zu emen- 
diren; dagegen steht V. 5 mit Recht naf , weil hier in der That, 
vielleicht wegen der Caesur (S. 339) der thatsächlich vorhandene kleine 
Schlussvokal im Metrum nicht gerechnet ist. Es ist freilich ganz 
unmöglich , durch den ganzen Transscriptionstext hindurch sämmt- 

40 liehe Steilen anzuführen, in welchen solche Vokale für das Metrum 
als silbenbildend zu rechnen sind. Aus der Emendationsprobe einer 
Seite des Textes, die am Schluss der Abhandlung folgt, mag der 
Leser über unsere Anschauung urtheilen. Von Einzelheiten sei nur 

bemerkt, dass auch bei den jJls Formen von ult. wäw und ja der 
45 Nebenvokal lautbar ist, z. B. V. 141 (wo der Text el-helu hat): 
win fät 'algha-lhe'lwg | tirmis bil'ojlin; 



Socin, Bemerkungen zum neuarahischen Tartuffe. 349 

denn nur so erhält man für den dritten metrischen Ictus die nöthige 
Länge (wie V. 1 7 1 7 in ebdfw - anü. statt et - ^afu ana) ; ebenso 
V. 153; 875 hitafwe; V. 336 'ateh elMzje welli. — Dagegen 
möchten wohl die Formen von Stämmen mediae geminatae eine 
besondere Betrachtung verdienen, da bei diesen auch Formen vor- 5 
kommen, bei denen jene Vokale nicht gerechnet sind. Die Trans- 
scription bietet zwar ganz richtig V. 2 hiille mä, V. 923 aztinne 
iazdak , V. 286 ü-tegisse nabdo (lies utgisse) , V. 219 ja sitte 
Blhänä, V. 591 es-sekke fl, V. 708 helbette mä. In zahlreichen 
Fällen steht jedoch der Vokal nicht, ist aber dem Metrum zu- lo 
lieb einzusetzen: V. 63 elhaii hijeddo, wo ich lieber elhdlle bldo 
lesen möchte, vgl. V. 269 walhdiie ßniäl, ebenso V. 765 und 904 
icehaiie nabbe zau^ ; V. 89 esserre barra; V. 145 walgüle fl; 
V. 237 iccdwisse rädid; V. 271 wizunne rägil; V. 294 (360) wlhiisse 
fi; V. 995 ja sitte laulä, V. 1432 ^winhadde xoitlau^ ; V. 1433 15 
wabille .wsi. V. 1434 ist 'alhadde iöm zu lesen, da die vorletzte 
Silbe des Verses eine Kürze sein muss. — Fälle , in denen kein 
Vokal zu setzen ist, sind geradezu selten. So ist z. B. V. 554 zu lesen 
and kuhnd - thaddit , wo der Text anä kullimä athaddit hat; 
V. 406 vielleicht " ' 20 

da wäd sugaijar lä bud ni'raf nihtinö 
(man könnte freilich auch .saglr lesen). Sehr hart wäre, wenn 
V. 735 wirklich, wie es den Anschein hat, futkum (ich habe euch 
gelassen) statt futtukum gelesen wei'den müsste. Man erwartet 
solche Formen ohne Vokal bei Wörtern zu treffen , bei denen die 25 
Schärfung überhaupt einer etymologischen Begründung entbehrt. 
Ich habe jedoch noch keinen Fall für had (einer) gefunden, es ist 
überall hadde zu lesen; dieses steht richtig V. 776 und 800; so 
wahrscheinlich auch V. 89 und 176 (s. u.); darnach ist es auch 
V. 1019 einzusetzen, wo zu lesen ist 30 

matgibs sira lihäddg ja sämi ba3ä 
(erzähle niemand weiter davon, 0. S.). — Selbst bei bes (genug) 
giebt es kaum Fälle ohne Schärfung und Vokal : besse steht richtig 
V. 862; so ist auch V. 27, 35, 270 zu lesen, und darnach wohl 
auch V. 97, wo man noch am ehesten in Zweifel sein könnte. 35 

Im Transscriptionstext ist ebenfalls verkannt, dass statt lükin, 
was übrigens in einzehien Fällen z. B. V. 167, 473, 505 wirklich 
vorkommt, sehr oft dem Metrum zuliebe die vollere hocharabische (?) 
Form läkinne gelesen werden muss. Uebrigens hat der arabische Text 
an einzelnen 'stellen richtig das iedd z. B. V. 1134, 1296, 1298. 40 
Vorläufig seien folgende Verse namhaft gemacht: V. 91, V. 135 
(Ifikmnahä), 349, 951, 1115, 1155, 1191, 1211, 1401, 1402. 
1457, 1806. Auch V. 699 möchte dazu zu zählen sein. 

Eine Schärfang ähnlicher Art ist latent vorhanden in einigen 

auf e ausgehenden Wörtern, z. B. ze ^j (wie). Dass ze in der That 45 



350 Soein, Bemerkungen zum neuarahischen Tartuffe. 

gehört wird, ist nicht zu leugnen; vor Vokalen kommt zunächst 
im Auslaut ein j wieder zum Vorschein, z. B. zPjak. Bereits Spitta 
§ 17 b: 85, No. 30 bietet aber daneben die Form zejjalc und diese 
Form entspricht mehr meiner Lautauffassung: in meinen Trans- 

5 Scriptionen findet sich das Wort meistens zcejjak geschrieben, sowie 
auch zcejji-di. Die Form zaiak hat zwar auch Cadri ^) z. B. S. 242 ; 
er meint aber doch wohl zajj'ak, beziehentlich zaijak. Dagegen 
findet sich in der Transscription meist zej z. B. V. 564 zej-el-matar, 
vgl. V. 1372, welche Form mif immerhin noch berechtigter scheint 

10 als zei, das z. B. V. 1781 in zei-l-matt^aha steht; für letzteres 
würde ich unbedingt zeijilmaP setzen. V. 672 steht richtig izzeij, 
nur dass zur Vervollständigung des Metrums noch ein nachklingender 
Vokal (also izzeiji) hinzuzufügen ist ; Cadri schreibt S. 262 izzaiyhä. 
Ebenso möchte die Form hau (mein Bruder) V. 1848 in haiji zu 

15 verwandeln sein. V. 1668 passt die Form se (Sache) nicht ins 

Metrum ; der arabische Text hat ^ ; darnach ist sejji (oder seiji) 
zu lesen. V, 524 deutet der arabische Text durch die Schreibung 
t ^^ an, dass bei se elli der Hiatus mittelst eines Halbvokals ver- 
mieden werden soll: üej-elU. 

20 Es giebt ferner auch auf l auslautende Wörter, bei welchen 

am Schlüsse ein j latent ist, z. B. sdbi (Knabe) ; dass dieses Wort 
mit einem Suffix der 3. Pers. masc. Sing, nach dem Metrum nicht 
sabili, sondern sabijo lautet, beweist deutlich V. 829. Auch statt 
hall-l-bal (freien Gemüthes) ist V. 588 halij-elbäl zu sprechen. Die 

2.1 Form gi (von pL>) ist jedenfalls V. 840 nach dem arabischen Text 

der zweiten Auflage :> (die erste hat &.=>.) zweisilbig zu lesen, 
ebenso V. 1705, obwohl im arabischen Text kein sedd steht. 

Von den auf eine Doppelconsonanz auslautenden Silben sind 
wir somit zu den einfach geschlossenen Silben mit langem Vokal 

30 übergegangen. Spitta beschränkt § 21 und 23 die „Zwischenvokale" 
nach derartigen Silben auf ein sehr bescheidenes Mass; im Trans- 
scriptionstext stehen sie beinahe bloss hinter der 1. Pers. Sing. Perf. 
von ult. ja und ähnlichen Verben. Da in denselben der lange 
Vokal e ja aus aj entstanden ist, so würden diese Formen also 

35 beinahe noch unter die eben besprochenen Fälle untergebracht 
werden können. So steht V. 349 iarete (ich habe gelesen), V. 433 
nawHe, V. 693 hakete, V. 1479 itgammeti ; aus metrischen Rück- 
sichten sind jedoch die auslautenden Vokale an diesen Stellen zu 
streichen. Unbestreitbar kommen aber nach einfach geschlossenen 



1) Nouveau guide de conversation fran9aise et arabe. Caire 18G8; von 
Almkvist, Kleine Beiträge S. 265 mit Recht als brauchbar hervorgehoben. 



Socin, Bemerkungen zum neuurahischen Tartaffe. 351 

Silben mit langem Vokal derartige „Zwischenvokale" vor. Theoretisch 
ist von vorahereiu anzunehmen, dass sie von demselben Standpunkte 
aus zu erklären sind, wie die nach Doppelconsonanz, als Reste von 
zum Wort gehörigen, bloss in der Verbindung hörbarer werdenden 
Nebensilben ; ja die Vermuthung liegt hier noch näher, dass wir es 5 
mit Vokalen, die aus volleren reducirt sind, zu thun haben. In 
der Volkssprache machen sich diese Vokale meist kaum bemerkbar. 
Cadri fügt sie bisweilen ein, z. B. p. 146 cikränina, unsere Mit- 
schüler; p. 152 diounina, unsere Schulden; p. 174 amwalouhum, 
ihre Reichthümer ; vgl. auch sultOnekin im Dialekt des oberen Zwei- lo 
Stromlands ZDMG. 36, S. 29, Z. 2. Uebrigens erklärt Völlers selbst 
in seinem Lehrbuch das l von na]i{ä)rihä als aus einem solchen 
Halb- oder Zwischenvokale entstanden. Dagegen sind sie, wie z. B. 
aus den Proben, welche Wetzstein hin und wieder gegeben hat 
(z. B. ZDMG. 22, S. 132 und 133) in Gedichten aus der Steppe ir. 
und Centralarabien viel häufiger, als man es nach den Trans- 
scription stexten Wallin's (ZDMG. 5, 1 ff.) vermuthen könnte. Wie 
meine Sammlung von derartigen Gedichten schlagend beweist, hat 
Wetzstein durchaus Recht: das Metrum kann in solchen Gedichten 
nur durch Annahme derartiger Vokale hergestellt werden. Dies ist 20 
nun aber ebenso der Fall in den riwüjät Mohammed el-Wanäi's; 
Formen wie V. 4 betma statt hetnä, V. 45 benena st. benna fallen 
übrigens unter die von Spitta § 21 f. gegebene Regel; vgl. V. 119 
und 120 giränena statt g/rannä; natürlich ebenso V. 107 giräne 
dagget statt girän dagget. Darnach ist V. 19 und 20 zu lesen: 25 

wekmäng häddämä | wetithäki ma'i, 

jalläh Sawämg | min bet ibni itla'i. 
Uebrigens ist nicht ganz ausgeschlossen , dass in V. 20 der 
Vokal an einer andern Stelle zuzusetzen und zu lesen wäre: 

jalläh sawäm min betg | 'ibni itlaSi. so 

Aehnlich steht es mit 

V. 316 delli jeBülo tör wa-n-näs ti'Silo. 
Hier würde ich lieber ivannäse als töre lesen, um zwei gleich lange 
Vershälften mit Caesur in der Mitte zu erhalten. 

d. Die im starken Takttheil stehenden Silben. 35 
Nachdem wir nun sämmtliche Arten von kurzen Silben be- 
sprochen haben, kehren wir zu den langen Silben zurück; es liegt 
uns also ob, den oben (S. 342) ausgesprochenen Satz zu begründen, 
dass der metrische Ictus durchgehend bloss auf lange Silben fallen 
kann. Diese Silben zerfallen in offene und geschlossene: zu 40 
den letzteren gehören auch die Silben mit langem Vokal und con- 
sonantischem Auslaut, soweit dieselben überhaupt noch vorkommen. 
Für die gewöhnliche Prosa wird viel zu wenig beachtet, dass 
in einer am Wortende stehenden offenen Silbe die Länge des Vokals 

23* 



352 Socin, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 

nur schwer als solche empfunden wird, so lange diese Silbe keinen 
Ton hat. Man hört bei ^zi und Lü (ihr, uns) hinten oft ein be- 
tontes ä ; gewöhnlich rückt der Ton vor und das a wird verkürzt, 
vgl. Spitta, Gr. § 79 a; daher V. 1 hinä , V. 117 linä. Dagegen 
r, steht richtig ivalä (und nicht) V. 11, wo lä zu betonen ist. 
Uebrigens beginnt selbst bei diesem Worte der Ton nach vorn zu 
rücken, vgl. Spitta's hikäjcit S. 488, 14 wala lahme wala gtrha. 
Mit der Imale eines auslautenden , ursprünglich langen ä ist sicher 
die Enttonung verbunden , wie aus Spitta's Regeln § 13c deutlich 

Kl hervorgeht. Virtuell liegt einem solchen ä jedoch stets noch ä zu 
Grunde ; man betrachte das Paradigma iifä mit Suffixen Spitta, 
Gr. § 78 b. Darnach wird nun auch überall, wo ein solches ä vom 
metrischen Ictus getroffen wird, ä zu schreiben sein, vor Allem am 
Schluss der Verse z. B. V. 3 bis 6 sittinä hetenä , jallä bind, 

\:, wala hänä ; aber ebensogut auch im Innern derselben z. B. V. 1 
bind. In Bezug auf diese auslautenden Vokale kommt es also bei 
Gedichten durchaus auf den metrischen Ictus an, ob ihre Länge 
zu Tage tritt; hattd V. 14 ist richtig; es muss aber auch V, 4 so 
lauten, wo jetzt hatta steht. V. 3 ist besonders instructiv; es muss, 

•20 wie aus dem Folgenden hervorgeht, gelesen werden : 

hüwa garä hägä hänä ja sittinä, 

während im jetzigen Transscriptionstext alle Schlusssilben der Worte 

keine Längezeichen haben. Stillschweigend ist bisweilen unsere 

obige Annahme befolgt ; denn bloss daraus erklärt sich, dass barra 

20 V. 4 neben d'tinä V. 34 mit ä steht, ebenso bei andern Vokalen 
z. B. V. 13 /-lii, hümiü u. s. w. neben tithäki ma'i, V. 20 ibni 
itla'i. Auch in dieser Beziehung muss dem Leser überlassen werden, 
die unzähligen Vei'änderungen von kurzen in lange Vokale vorzu- 
nehmen, die sich aus dem Metrum ergeben ; doch mögen hier noch 

:)o einige allgemeine Fälle, die in sprachlicher Beziehung wichtig sind, 
hervorgehoben werden. 

Vor Allem kann die F e m i n i n e n d u n g , ob sie nun. im 
Transsci'iptionstext mit a oder mit ä bezeichnet ist, als ä gelesen 
werden (vgl. oben V. 3); wenn der Ton auf sie fällt, wird sie ja 

35 so wie so lang, vgl. Spitta, Gr. § 109 c. So steht ja auch V. 43 
säktä Iah (lies sdkitdlah). Zur Seltenheit kommt etwa einmal auch 
im arabischen Text Jude statt Ä.jl.Aa£ (Stock) V. 1138 und 1746 
vor. Das vereinzelte zebzäbä der Transscription V. 350 ist dagegen 
wohl bloss Druckfehler. Zur Länge des fem. a ist vor Allem auch 

40 Sachau, Arabische Volkslieder S. 38 zu vergleichen. Die Fälle 
sind so häufig, dass sie nicht einzeln aufgeführt werden können; 
bloss einige der ersten Seiten seien hier namhaft gemacht: V. 15 
maij'd, V. 19 hdddämd , V. 116 fedäioijd, V. 139 sebbd. Nach 
dem, was bereits gesagt worden ist, wird auch begi'eiflich, dass ein 

45 Unterschied zwischen der gewöhnlichen Femininendung und ali'f 
maksüra (natürlich inclusive inamdüda) nicht mehr vorhanden ist; 



Soci'n, Bemerkungen zum neuarahischen Tartnffe. 353 

diesem Umstand trägt sogar der arabische Druck Rechnung, indem 
z. B. V. 269 mdsharä (Scherz) mit gard (es passirte) reimt, was 
dann nicht ^.z>. sondern ».q:- geschrieben ist. So auch V. 244 
'«.sv7 (Abendessen ^.^isc !) im Keim mit ihtam {K^y:.z>\ !) er schämte 
sich (vgl. Landberg, Proverbes et dictons S. 196, 8). Einiges Be- -, 
denken erregt V. 809 und 810 der Ecole des maris (S. Ivi): 

(Wahrlich, o Schwester, dein Zustand macht mir Kummer; aber 
Thaten wie dies sind unstatthaft.) Soll hier , wo natürlich , die 
Richtigkeit der Uebersetzung vorausgesetzt, ^Ä*i zu lesen ist, etwa lo 

mumhini damit reimen , und ein Fall der in Syrien so gebräuch- 
lichen Femininendung auf i angenommen werden, die ja nach van 
Berchem's neueren Bemerkungen (Journal asiatique 8 Serie, t. 14 
[1889] p. 106) doch auch in Aegypten bisweilen vorkommt? 

In Bezug auf die vokalischen Auslaute zeigen die Singulare i., 
des Pronomen personale die auffallende, bei Spitta Gr. § 32a 
nicht erwähnte Erscheinung, dass ihre vokalischen Auslaute sämmt- 
lich als lang gebraucht werden können. Absichtlich versage ich 
mir , hier Vermuthungen über diese Thatsache zu äussern ; sie hat 
bekanntlich vielfach ihre Analogien in den arabischen Dialekten -20 
Nordafrikas. Was das Pronomen der 2. Pers. masc. betrifft, so hat 
da, wo das a in Folge des metrischen Ictus lang sein muss, häufig 
auch der arabische Text die Form uXi!, z. B. V. 732, 749, 831, 
1208, 1377, 1388, 1520; freilich steht auch bisweilen c>o^ , wo 
äntä zu lesen ist, z. B. V. 397, 795, 837. Umgekehrt wird änta im 25 
arabischen Text meist ^^^\ geschrieben, z. B. V. 25, 39, 43, 458, 
673, 685, 733, 1231, 1517, selten ■^\, z.B. V. 808, 835, 1230. 
Die vorliegende Liste erhebt nicht den Anspruch darauf, vollständig 
zu sein; aber es liegt doch nahe, dass der Verfasser wirklich 
in manchen Fällen die beiden Formen je nach Bedürfniss gebraucht 30 
habe, üebrigens verhält es sich mit den Formen der 2. Pers. fem. 
Sing, ähnlich: V. 671 und 1023 hat die Transscription richtig Hl-, 
V. 414 muss ebenfalls inti (st. inti) gelesen werden; der arabische 

Text bietet ^jS. Dagegen hat er V. 467 ^^1 \^9, wo hüvmnti 

mit unbetontem i zu lesen ist. — Das Pronomen der I. Pers. Sing. .'.5 
war im jambischen Metmm bloss in der Form anä (der alten 
Pausalform s. Wright's Arabic Grammar § 89 , Rem. b) zu ge- 
brauchen; in der That ist auch immer so zu lesen, auch wo die 
Transscription aiiä bietet, z. B. V. 7, 681, 687, 1499. Üebrigens 
bietet die Transscription selbst V. 1499 in Zusammenhang mit lo 4o 
die zweifellos hinten betonte Form anü ; dass diese auch im Reim 



354 Socin, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 

vorkommen kann, ist selbstvei'ständlich ; nur ist die Schreibung «öt^ 
im Reim mit &ä^ (Jahr) in L'ecole des femmes V. 774 (S. ^\^) auf- 
fällig, vgl. jedoch Wright, 1. 1. 

Etwas verwickelter liegt die Sache beim Pronomen der 3. Pers. 

r> masc. Sing. Im ägyptischen Dialekt kommen, wie Spitta zunächst 
richtig angiebt, die Formen hün)a und kü, vor. Es ist vielleicht 
geradezu anzunehmen , dass die beiden Formen nicht ganz gleich- 
bedeutend sind, sondern dass mit der längeren Form ein gewisser 
Nachdruck der Bedeutung verknüpft ist. So heisst es z. B. Les 

10 femmes savantes V. 512 (S. ü) von der Frau 

Dass sie Ordnung schaffe im Haus, das ist die wahre Weisheit. 
Für Im bietet der arabische Text in der Regel ^ die Transscription 
freilich stets hmoa. So ist nun statt desselben Im zu lesen V. 815, 

u. 1333, 1740, wahrscheinlich auch V. 1623. Als Jambus wird man 
statt des schweren waliwa der Transscription (also loahwa) lieber 
wahü lesen, z. B. V. 209 (der Vers muss noch sonst emendirt 
werden), 332, 823, 1047, 1522; nur V. 392 muss man das schrift- 
arabische fdhioa als richtig gelten lassen. Auch als Fragewort 

:;o (s. Völlers, Lehrbuch, S. 150) kommt Im (statt hüwa der Trans- 
scription, arab. T. y$) vor V. 675, 815, 847, 1529, 1675, wahr- 
scheinlich auch V. 17 (wie V. 30). Als gewöhnliches Pronomen 
findet sich huwd V. 1469, als Fragewort vor vokalischem Anlaut 
(z. B. hUwcintä) V. 689, 767, 881, 1119; in V. 1299 muss Con- 

2ö traction hergestellt werden: hüwdnnahär , wie auch V. 993. In 

allen diesen Beispielen bietet der arabische Text t».P; nur V. 16 
in hüwanä und V. 1202 huwdrrabb steht bloss y9> . Dagegen lese 
man huwä vor consonantischem Anlaut V. 3, 93, 329, 611, 723, 

759, 1795; überall hat der arabische Text |^^. Dies kann doch 

30 kaum auf Zufall beruhen ! Auch bei dem fem. Pronomen lässt 

sich Aehnliches nachweisen ; man setze statt lüyä der Transscription 

V. 255, 1525 bloss hl, arab. Text ^5^; in Bezug auf die harte 

Contraction hilma^isä V. 472 kann man schwanken. Dagegen passt 

auch hier loahl besser ins Metrum als das wahja der Transscription 

:;.-. V. 139, 234, 1051, 1423; wahyä ist etwas schwer. Wiederum 

ist statt hlyä der Transscription nach dem Metrum hiya zu lesen 

V. 871, 1252, wo der arabische Text \^$ bietet. — Das wichtige 

Resultat der Untei'suchung besteht also darin, dass der arabische 

Text sicher die Formen mit langem Auslaut bei den Pronomina 

40 der 2. und 3. Person anerkennt. 



Socin, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 355 

Ueber die vom Ictus getroffenen Silben mit langem Vocal im 
Inlaut ist nichts weiter zu bemerken ; wir können daher zur Be- 
sprechung der vom metrischen Ictus getroffenen langen Silbe 
mit einfachem consonantischen Auslaut übergehen. 

Wenn das Princip , dass ein Vers ein einheitliches Lautganzes 5 
bildet, richtig ist, so wird anzunehmen sein, dass anlautende Vokale 
mit auslautenden Consonanten, selbst wenn diese einen kurzen Vokal 
vor sich haben, neue Silbenverbindungen eingehen, so dass bei- 
spielsweise die Silben in V. 162 — 164 folgendermassen abzutheilen 
wären : lo 

jig li sä däl Sei bei ha zin we jig si lö. 
wl 'äl li mü lä dis sa lä wa jäs si jäm. 
mä häd dg zg jo fi bi ju ten na. si mäm. is 

Es könnte bloss die Frage erhoben werden, ob der Kehlkopf- 
verschluss — wir wollen der Kürze wegen ihn hamz nennen — 
vor rdädi nicht von der Sprache gewahrt wird. In der That finden 
sich zahlreiche Beispiele dafür, dass eine auf einen einfachen Con- 
sonanten ausgehende , vor anlautendem Vokal stehende Silbe vom i'o 
metrischen Ictus getroffen wird und folglich als lang zu betrachten 
ist; z. B. V. 88 it-ühid emin; V. 62i jMm- abüki; V. 221 ahsdn 
anä; V. 1029 a'allhn abüja (hier liegt wohl zwischen den beiden 
Worten die Caesur, vgl. V. 70); V. 1415 und 1418 huntis ahüi\ 
N . hl iä''id ü-mithakkim (wo ü für v:e steht), und häufig beim 25 
Artikel z. B. V. 1031 el-umür; V. 863 'anel-addb; V. 148 bÜ 
-izdr, V. 188 äßab el-auiüt. 

Wir bescheiden uns vorläufig damit, zu constatiren, dass in 
allen diesen Beispielen der auslautende Consonant nicht zum fol- 
genden Vokal hinübergezogen ist. Principiell ist nicht unmöglich, 30 
dass auf derartig© geschlossene und folglich als lang zu betrachtende 
Silben ein Vokal folgt, ohne dass Kehlkopfverschluss dazwischen 
tritt. Ueber das hamza ben ben haben \nx weiter unten noch zu 
sprechen : immerhin ist zu vermuthen, dass doch bisweilen ein wirk- 
licher Verschluss eintritt und das Zeichen ' stehen sollte. .S5 

Was die geschlossenen Silben im Inlaut betrifft, so be- 
schränken wir uns auf folgende Bemerkungen : Die Lesart .siffitl 
V. 14 (meine Lippe) mit geschärftem f wird durch das Metrum 
durchaus bestätigt; darnach ist aber auch V. 258 waddem elmvkl 
(und das schwarze Blut) statt loa-d-dem-lisund und V. 1614 devimak 40 
zu schreiben. Während V. 1163 im Versausgang ^edl (meine Hand) 
statt jeddi zu lesen ist, haben wir V. 9 die Form jedde anzu- 
nehmen. Bisweilen muss der zweite Stamm des Verbums gelesen 
werden statt des ersten ; so ist ja kassar (zerbrechen) sehr gebräuch- 
lich vgl. V. 789, 1676; darnach ist zu lesen: 4.5 



356 Sochi, Bemerhungen zum 7ieuarahischen Tartuffe. 

V. 1138 ja rgtg kassart el'asäja di 'algh. 
(Transscr, kasart, o hätte ich doch diesen Stock auf ihm zer- 
brochen.) Andere Fälle werden im , Verzeichnisse namhaft gemacht 
wei'den. Von principiellen Fragen mag noch erwähnt werden, dass 
r. nach Spitta Gr. § 102 e sich das hamz gewisser Verba im Imper- 
fectum des ersten Stammes hält; bestätigt wird dies durch die 

Form tümurlh (arab. Text ^J,/8LJ; 1. Aufl. ohne hamz), welche V. 9 

für tumurlh zu setzen ist. Nicht ganz so sicher ist mir, dass 

V. 1056 die Form ji'zik (von ;^öi) mit Spitta 1. 1. statt des 

10 jizik des Transscriptionstextes zu setzen ist; der arabische Text 

(2. Aufl.) hat tiXjöfcj, was doch wohl, wie V. 369 in der That ge- 
schehen ist, mit jüzzk wiederzugeben ist ; merkwürdig freilich ist, 
dass die 1. Auflage V. 1056 i^jjLj bietet. V. 87 steht übrigens 
auch jisia'manü mit hamz. 
15 Beim Pronomen fällt vor Allem auf, dass das Metrum die 

Schärfung des m in hüma (Plur. sie) bestätigt. Spitta giebt sie 

nicht; dagegen hat Dulac ^) oft ^; ebenso Bäsim le forgeron S. f 

d. äg. Textes. So ist nun der zweite Theil von V. 858 zu lesen: 

wahümmä filkiss 

20 (während sie in den Kleidern sind); vgl. V. 1600 ähümmä. Ausser- 
halb des Tones ist aber huma beizubehalten z. B. V. 24 : 

humelli känu 'ällimiik mä eddibnk 
(haben dir die, welche dich erzogen, keinen Anstand beigebracht?). 
Eine principielle Erörterung erfordern einige zusammengesetzte 

25 Wörter, nämlich LjU ^|. (so hat der arab. Text der riwäjät) und 
LJ. Was das erstere be^trifft, so ist Spitta (Gr. § 83 b 10) zuzu- 
geben, dass eine Form waja (mit) in der That existirt ; die Doppelung 
des j, beziehentlich der Diphthong ai wird eben schwer vernehm- 
lich, sobald der Ton von der ersten Silbe durch Anhängung eines 

30 Suffixes wegrückt, ja selbst in der Verbindung mit einem Nomen, 
auf das dann natürlich der Hauptton oder der Satzton fällt. So 
kann man sich also die Form wajdh sehr wohl denken; in meinen 
Transscriptionen sowohl des ägyptischen als anderer Dialecte (be- 
sonders des Negd) steht jedoch auch in solchen Fällen stets waijäh 

35 und auch sonst fast stets wajja oder wujja. Auch Dulac 1. 1. 

schreibt Li, und van Berchem (Journal asiatique 8 Serie t. X, p. 107) 



1) Quatres contes arabes en dialecte cairote in den Memoires de la 
Mission archeologique fran^aise au Caire. Paris 1884, 80, Note 1; 61, Note 4. 



Socin, Bemerkungen zum neuarabücJwn Tartuffe. 357 

wehrt sich ausdrücklieh für die „ursprüngliche Doppelung" ') Auch 
Kremer, Mittelsyrien und Damascus Wien 1853, S. 145 bietet 
we ejjdh. Im seJj matlüf ist meist waf'ja zu lesen z. B. A^1007: 

wutnik fi'äl-elmekrp | waija-lbäsbasä 
(unterlass betrügerisches Thun und Klatscherei). Ebenso V. 841, 5 
1604, 1712. 

Aehnlich steht es mit ^I, „oder"; wenn Spitta Gr. § 88, 3 
nur die Formen u-eilla und die contrahirte lodla zulässt, Völlers 
in seinem Lehrbuch § 61, 3 gar bloss die letztere Form anführt, 
so wird damit der Verwechslung mit v}ala „und nicht, weder — lu 
noch" Thür und Thor geöffnet. Das Wort für „oder" habe ich in 
Aegypten und anderswo stets mit iccilla oder ^oiUa transscribirt, 
so auch A. Koch; Cadri 406; ferner Wetzstein in der Z. f. Ethno- 
graphie V. 299 loilla: Landberg, Proverbes et dictons I. 176. 
Auch in diesem Falle leugne ich durchaus nicht, dass durch die i5 
Enttonung des Wortes etwa auch einmal die Schärfung des / bei- 
nahe unhörbar werden kann und kann mich daher auch z. B. V. 6 
und 1220, wo der metrische Ictus auf lä fällt, mit der Schreibung 
vxilä einverstanden erklären. Viel zahlreicher aber sind die Fälle, 
wo statt vmlä der Transscription, trotzdem der arabische Text hier 20 
allerdings kein Zeichen der Doppelung aufweist, lodlla z. B. V. 584, 
636, 733, 1276; andere, in denen roailla (Cadi-i S. 408) zu lesen 
ist. Z.B.V. 42, 96, 1174, 1217, 1418. Oefter kann man schwanken, 
ob man die Form ua illa oder lodlla lesen soll; falls letztere, 
müsste dann in den betreffenden Versen einer der oben besprochenen 25 
Vokale eingefügt werden, z. B.: 

V. 429 a) hallih hüwä sälih | wa'illa mittisi. 

b) hallihg hüwa sälih | walla mittiJi 

V. 940 a) au nezget essetän | wa'illa äblasä. 

b) essetäng | wälla .... 30 

Ebenso z. B. V. 1148 und 1450. Wenn Caesur anzunehmen ist. 
ist die Form a wenigstens bei V. 429 vorzuziehen. 

Das Wort L4J kommt wie schon Spitta Gr. § 88, 5 angiebt, 
in verschiedenen Bedeutungen vor; in der Bedeutung „bis" ist es 
mit Dozy S. auf i» 1\ zurückzuführen; richtig wird es dort mit 35 
^jj> zusammengestellt. Wenn Spitta an Stelle c) für ^^ auch 
die Bedeutung „damit, auf dass" annimmt, so ist darauf hinzu- 
weisen, dass man in den angeführten Beispielen mit einem U.J in 
der Bedeutung von ^;j>- (Spitta ebds. No. 6) auskommt; es be- 
deutet eben „[warte] bis" oder „dass das und das geschieht." So 40 



1) Völlers, Lehrbuch S. 131 giebt wo/a neben v^aija. 



358 Socin, BemerTcungen zum neuarahisclien Tartuffe. 

kann Ui ebensogut in selbständigen Sätzen stehen, wie e*-^ , 
dessen Selbständigkeit ja soweit geht, dass im Dialekt von Marokko 
eine Erzählung mit hta hän ,es war einmal" beginnen kann. Ge- 
rade so wie das bekannte ta (Landberg, Proverbes et dictons 

ö S. 356) wird nun auch ui gebraucht, z. B. V. 830 und 831, wo 
beidemal lammäsüf „[warte] ich will doch sehen" steht. Durch 
diese beiden Verse wird übi-igens bewiesen, dass das betreffende 
Wort in dieser Bedeutung wirklich den Ton auf der ersten Silbe 
tragen und somit ein geschärftes m haben kann , denn es ist 

10 zu lesen: 

weräh jesälli lammäsüf in kän rigi'. 
uhrug baSä-ntä min hänä lama asüf. 

An zweiter Stelle würde aber (obwohl Idmma mit mm nicht 
selten ist, z. B. V. 736, 830, 1125) doch vorzuziehen sein, im 
15 Verse bloss ein m zu schreiben; ebenso V. 1698 und nicht minder 
V. 87 und 88: 



Crri-^j .... 

„und wer kann ihn für zuverlässig halten, bis er einen zuverlässigen 
Mann herbringt, damit er sich für ihn verbürgt." Man könnte ebensogut 
20 übersetzen : [Wir wollen warten] er soll einen . . . bringen. — 
Es scheint nun übrigens noch ein anderes Ui zu geben , von dem 
es nicht ganz feststeht, ob es mit diesem aus U J! entstandenen 
identisch ist, z. B. V. 435: 

wesüglik gh lammä tehüssi bgngnä^ 

2.T wo man allerdings (mit Spitta) übersetzen könnte : und was hast 
du zu schaffen , dass du dich zwischen uns drängst ? Dieses L^.] , 
von dem man auf derselben Seite V. 430 , 442 , 460 noch mehr 
Beispiele findet, scheint aber ursprünglich die Bedeutung zu haben : 
das und das darf doch nicht geschehen z. B. V. 430 (nach 

30 Völlers) : 

hüwantä igganninte, lammä ähod fisi? 
„bist du verrückt" (andere Lesart: „bin ich verrückt"; vgl. „Ver- 
zeichniss"), „dass ich einen Gelehrten heirathen sollte?" = „ich soll 
doch nicht etwa . . ." (vgl. Spitta, Contes arabes modernes 1883, 

35 II, 5). Ist es blosser Zufall, dass mir kein Beispiel vorgekommen 

ist, wo Ui in dieser Bedeutung den Ton auf der ersten Silbe hat ? 

Es klingt dieses Ui übrigens merkwürdig an das syrische Umä, 

daUraä an; vgl. Nöldeke, Mandäische Grammatik S. 209, Anm. 5. 

Schliesslich bleibt noch eine Art Ui übrig, V. 542: 

40 wegäuwizllni gäsbe lima sämmimü 



Socin, Bemerhungen zum neuarabischen Tartuffe. 359 

(und [wenn] sie mich verheiratheten dem zu Trotze, was sie fest 
beschlossen hatten). Nach dem metrischen Ictus wäre hier Umma 

zu lesen. Dies steht vei-einzelt ; denn das L<J in der Phrase bei 
Dulac, Contes S. 76, Z. 6 

(Qu'avait-elle fait pour que tu la tues?) möchte eher auf U J! 
zurückzuführen sein. Ist in dem obigen Umma die Doppelung 
ebenso „tirmativ", wie man sie bei riTrr Gesenius-Kautzsch , Gi*. ^^ 
S. 68 erklärt? (vgl. oben S. 356 humma mit ir^rn). Dann würde 
aber doch wohl auch das. was Fleischer Kleine Schriften I, S. 456 lo 

über die Conjunction uj sagt, eine andere Gestalt gewinnen , und 
man hätte sich eher wieder zur Ewaldschen Erklärung des altar. 
lamma zu bekehren. Ohne auf diese principielle etymologische 
Frage hier eingehen zu wollen, möchte ich doch noch anführen, is 
dass mir ein Negdier (ich citire Text und Uebersetzung nicht 
aus dem Gedächtniss, sondern aus schriftlichen Notizen) gesagt hat: 
JlCnnhinü: ruht lälmösü ib^dt-ll hat ,weun du nach Mosul ge- 
gangen bist, so schicke mir einen Brief." Hier wäre üäminnih 

doch wohl ,^\ w< Ji = ui5^it L^J- Vgl. übrigens die Ansicht 20 

Nöldekes in Gott. Gel. Anz. 1881. S. 311. Auch dass Humbert, 

Guide de la conversation arabe Paris 1838, S. 261 neben UJ 

für Syrien eine Form Jt ^j angiebt, ist merkwürdig; ich glaube, 

dies ist = j . j L^j . wobei J relativ zu fassen wäre. 

Es bleiben noch einige merkwürdige Fälle übrig, in denec, 25 
nach meiner Ansicht bloss unter dem Gewicht des Gegentones, 
eine kurze offene Silbe metrisch lang gebraucht wird. Dazu sind 
vor Allem (vgl. oben S. 342) einige dreisilbige hinten betonte 
Wörter zu rechnen; wir müssen hier auch noch einmal auf das 
oben (S. 343) besprochene ^^k^^ka zurückgreifen. Ein sicheres 30 
Beispiel ist V. 766: 

döl-äglab-il-'ussa:g küUak maganin 
(die meisten Verliebten sind total verrückt). In V. 453 ziehe ich 
vor, weil die vorletzte Silbe nicht lang sein darf, ebenso zu lesen. 

Merkwürdig ist, dass das bei Dozy S. aus Bocthor aufgeführte ys 
^^L*^ hier mit Ton auf der ersten und letzten Silbe wiederkehrt 

V. 639: 

bukra jegiblik sirde gi'äsi 'ans 



360 Socin, Bemerhungen zum neuarabischen Tartufe. 

(morgen wird er dir einen übermüthigen Affen als Bräutigam 
bringen; zu oLxji- mit ^jo vgl. Völlers in ZDMG. 41, 400: 
^vix*:s- am besten erklärt bei Sabbäg oo, Z. 13ff. ; vgl. Bäsim ed. 
Landberg fr, 21 ^JÄx:5-! = plui gros bonnet S. 59). 

5 Am auffallendsten ist dbalmt Väter V. 497 : 

basä 'alä da nafde hükm-el-äbahät 
(nun ist also die Gewalt der Väter abgescbüttelt). Bestätigt wird 
es durch Les femmes savantes V. 1021 (S. Ifi*'): 

10 (was hat es für einen Zweck, den Befehl der Väter vorzuziehen V), 
wie dadurch, dass im Singular ab mit Zusatzvokal (also abhe) ge- 
lesen werden muss V. 1263 (Transscription el-ah): 
wutrük sanün el-äbbg jöm wetäSatö 
(lass einmal den Befehl des Vaters und ihm zu gehorchen), bestätigt 

15 durch L'ecole des femmes V. 1226 (S. r^v): 

X^J |j<vO ».xl i^x^+J 'w/O 'w^bil» 

(und warum wird nur der Befehl des Vaters nicht befolgt?) 
Uebrigens hat auch Wetzstein in ZDMG. 22, S. 78, Z. 6, 

^iJ'bi drucken lassen. 

20 In einem Verse wie 67 ist nun allerdings die metrische 

Emendation schwierig. Ich würde mit grösserer Sicherheit emendiren 

wallähi äbujä-bädan mä jimkinö 
wenn nicht das äbädän in V. 754 bisher noch ungelöste Schwierig- 
keiten bei-eitete. Es kommen nämlich hier die Fragen der Ver- 

25 kürzung zweier aufeinanderfolgenden kurzen Silben in Betracht, die 
z. B. V. 1525 auch die Lesung hi hdsalet hindern: darüber wird 
weiter unten zu reden sein. 

Silben mit langem Vokal und einfachem Schluss- 
consonant kommen natürlich zunächst namentlich in Pausa, d. h. 

30 am Schluss der Verse zahlreich vor, wie ein einziger Blick auf die 
Reime beweist. Solche Silben und zwar ohne deutliche Nebensilben 
sind aber auch im Innern der Verse durchaus nicht selten, der 
Vokal derselben wird dann oft verkürzt. Spitta § 23 a hat jedoch 
unzweifelhaft Recht, wenn er die Verkürzung des Vokals in solchen 

35 Silben auf die Fälle beschränkt, wo consonantisch anlautende Suffixe 
oder sinnverbundene, mit einem Consonanten beginnende Wörter 
folgen. Was sinnverbundene Wörter sind, lässt sich freilich oft 
schwer ermitteln, wie ja auch die Transscription oft schwankt; 
V. 1211 steht mä-a'ls (lies ma'U) mo^üh (ich will nicht mit ihm 

40 leben) unmittelbar neben loaHs baläli (und [dass] ich ohne ihn 



Socin, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 361 

lebe) ; der arabische Text hat beide Male ^i;-^! . Aber nach meinen 
Erfahrungen ist auch nicht erwiesen, dass die Schreibweise V. 789 
kam riuraja (einige Spiegel) richtig und die durch den Pausalton 
eingeführte Verlängerung des Wortes kern auch für solche Fälle 
schon durchgedrungen ist ; zum Ueberfluss hat der arabische Text 5 
^. Ganz ebenso steht es mit ^>^ (wer?), was ich hier nicht 
verfolgen will. Unter diese Rubrik fallen femer Wörter wie müs, 
von dem bereits S. 345 die Rede war; wir haben gesehen, dass es 
unrichtig ist, überall mvJi anzusetzen, da Fälle, wo miim gelesen 
werden muss, sogar vorkommen, wo selbst der arabische Text be- lo 
reits .J;^ hat. 

Auch in Bezug auf das Fragewort es müsste wohl consequent durch- 
gegriffen werden; ^ij\ steht richtig V. 671, wo demnach zu lesen ist: 
md'raf ei jekün (ich weiss nicht, was geschehen soll). Aber gewöhnlich 
hat der arabische Text , i^jl das nur gelegentlich mit ev transscribirt is 
ist (vgl. V. 849), in der Regel aber mit e-s auch vor Consonanten, 
z. B. V. 81. Vielfach wird die Verkürzung davon abhängen, ob 
der Redende langsamer oder schneller spricht, oft auch von leisen 
Nuancen der Bedeutung : so werden Differenzen wie halul-lik (ich 
sage dir) V. 173 gegen vmud-U (und ich sage mir) begreiflich. 20 
Wo aber der Text selber die Form J Ws bietet, darf wohl kaum, 
wie es V. 277 geschehen ist nd-li, sondern muss iul-li geschrieben 
werden, ebenso V. 1173; ferner nach '^j^ ^ V. 1169 nicht iüm- 
binä, sondern iihn-bind. — Vor dem antretenden * ist die Ver- 
kürzung besonders häufig (vgl. Wetzstein in ZDMG. 22, 180, An- 25 
merk. 1) ; so lese man V. 394 : ma tgibse strtö (berichte nicht 
von ihm , rede nicht von ihm) ; die 2. Auflage hat richtig 
, i;^^ü' w« ; das ci.>-5\j der ersten, wonach tigls der Transscr., ist 
Druckfehler; die ganze Phrase mit i...».^j L/i kommt wieder vor 
in L'ecole des maris V. 803 (S. Ivl). V. 754 hat der arabische 30 
Text für das nefüt^ der Transscription J;:,JJ6: so allerdings auch 
für das richtige tefutüs der Transscription V. 746 ^J;,^:^'J , wohl 
nur, weil der Setzer bereits V. 754 im Auge hatte. Richtig ist 
wiederum V. 263 lahrin, wo schon der arabische Text ^^..-^^ 

statt .«j.i>"^S aufweist ; gerade dieses Wort kommt häufig vor, 35 



B. V. 767 lahra (im arab. Text s.j^i). Ebenso V. 689, 1483 



(jirsi, arab. Text .ü.i statt ^ Jj^ ^ ; aber dann doch auch wohl 



362 Socin, Bemerkungen zum nmiarabischen Tartuffe. 

V. 1476 tahdls (willst du nehmen? fem.), wo der arabische Text 
,jiouX.^j hat. Das ^j;^t:o.A (ich bin nicht zufrieden) V. 1053 
ist mit mardüs statt mit märdits zu umschreiben. In den späteren 
Stücken finden sich Fälle wie ,JjJjXa (wir haben nicht) Les femmes 
5 savantes V. 765 (S. Ilf) und .^iU^s^i (wir sind nicht) ebds. V. 760. 

Am meisten schwankt die Transscription bei derartigen aus- 
lautenden langen Vokalen, die in Folge der Wortverbindung in 
geschlossene Silben zu stehen kommen ; da ist die Verkürzung 
häufig dem Leser überlassen, wie in der arabischen Schrift. So 

10 steht V. 366 fl-d-däfiäb, allerdings ausnahmsweise, denn die rich- 
tige Lautschreibüng , z. B. fi-l-manäm V. 490 ist gewöhnlicher; 
auf derselben Seite (50) aber V. 352 fiattä 'l-meslfi: V. 363 
waJä-l-Jn'dä' (neben V. 353 waja-n-nifäi). In Folge davon, dass 
oft Süben contrahirt werden müssen, wie unten gezeigt werden 

15 wird, und daher die Wörter viel enger zu verbinden sind, als es 
jetzt nach dem Transscriptionstext scheint, sind auch die Fälle 
dieser Verkürzungen, auf die wir hier ein für aUemal aufmerksam 
machen, zahlreicher, z. B. V. 347 md-btifiM statt mä he-tiliki; 
V. 353 %elbi-rrijä statt ielhl er-njä; V. 374 telaii-hjütulium statt 

20 telä%l bijütfium. 

e. Silbencontr actio n. 

Wenn uns die Behandlung der verschiedenen Arten von Süben 
vielfach gezeigt hat, dass im metrischen Text Vokale zuzusetzen 
sind, so wird uns die folgende Betrachtung lehren, dass öfter auch 

25 Silben ausfallen oder in andere aufgehen. 

Da der metrische Ictus nur auf eine lange Silbe fallen kann, 
so ist von vornherein anzunehmen, dass im jambischen Vers zwei 
aufeinanderfolgende kurze Silben Veränderungen über sich ergehen 
lassen müssen. Es kann ja stets wieder behauptet werden, der 

30 Dichter habe Versfüsse der Form - - ' statt X - beabsichtigt ; 
es ist dies aber ziemlich unwahrscheinlich. Zudem liegen für die 
meisten der hier aufzuführenden Contractionen thatsächliche Ana- 
logien in 4er Volkssprache vor. 

Im starken Verb um werden die Perfectformen, die vokalische 

3.-) Affixe haben, fast dm-chgängig in zweisilbige Formen zusammen- 
gezogen, ob sie i- oder a- Vokal haben, während sonst in der Volks- 
sprache, wie Spitta Gr. § 94 a richtig angiebt, bloss bei den Verben 
mit ^'- Vokal die Contraction eintritt. Darnach ist jedenfalls V. 132 
zielet minetnldm (sie ist die Welt satt) statt zi'ilet zu lesen, aber 

40 ebensogut V. 383 : 

balgu bikutr-elhelmg | wal'elm-essaraf 
statt balacjü. In einzelnen moghrebinischen Dialekten hört man ja 
auch die Form ketbet (sie schrieb) ; ja auch in Nordsyrien ist der 



Socin. Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 363 

Vokal des zweiten Radicals oft schwer vernehmbar. Im Mauwäl 
No. 36 p. 194 von Tantavy's Traite de la langue arabe vulgaii-e 

Leipzic 1848 ist nach dem Metrum ^.jij zu lesen, wie ja ähnliche 
Formen schon in alten Versen vorkommen, vgl. Gawäliki's Almu'ar- 
rab S. 2, Anm. zu S. 10, 5 des arab. Textes. 5 

Wenn an eine einfache fa^al-Yovm. im Zusammenhang der Rede 
ein anlautender Vokal antritt, kann die Verkürzung ebenfalls statt- 
finden; wenn man V. 1242 nicht taradelioäläd (--^ -^) lesen 
will, muss man sich zu tardehcäläd (er hat den Jungen Verstössen) 
verstehen. So auch halaq oder halq (er hat geschaffen) V. 938, 1888. lo 
Dieselbe Erscheinung zeigt sich bei den Nominalformen, obwohl 
auch hier die contrahirte oder die beiden kurzen Silben meist im 
schwachen Takttheil stehen, z.B. /^arÄ-^T (Bewegung), V. 954, 1544: 
sübkä (Netz), V. 180; neben letzterem kommt die in der Volks- 
sprache fast dui-chweg contrahirte Form iäbkitb V. 735 vor. i5 
Ebenso gehört hierher däglö (seine Täuschung) V. 1897; sävkel- 
hawd (Liebesnetz) V. 595; habr-eh (was giebts?) V. 1625 ; habrel- 
masüm (die verwünschte Sache) V. 772; von Interesse ist uhdldi 
•Imd^sarä (meine Heimath ist el-M.), da das Vorkommen des Tones 
auf der contrahirten Silbe ein starkes Gewicht in die Wagschale 20 
der Contraction legt. Obwohl in meinen Transscriptionen stets 
hasab (Gemässheit) steht, würde ich doch V. 1480 hasb-el'usül 
lesen. Ein Versehen liegt wohl V. 635 in bädid-en-naitvara vor, 

da im Arabischen wohl an ^jo das „Verschwenden von unnützem 
sarkastischem Gerede" zu denken ist. Von Pluralformen sind wohl 25 
zu contrahiren sändät (Documente) V. 1567; gamlät V. 698 in 
der Transscription gamalat geschrieben ; der Vers 

ist wohl zu übersetzen : und ob es noch Schöne giebt oder keine 
mehr? Das Wort o^SUc:- (fem. von J^v.*:?-?) für „schöne Weiber" so 
kommt ebenso in L'ecole des femmes V. 545 (S. Hl) vor. Ebenso 
vielleicht auch /wSm (Arme) V. 306, 1227; 'umrä (Emire) V. 476; 
Formen, die in den moghrebinischen Dialekten sehr gewöhnlich sind. 
Sehi- selten sind nach dem Metrum zweisilbige Formen zu 
setzen, wo der Transscriptionstext einsilbige bietet; so ist in V. 63 35 
die Form batal (tapferer Mann), welche richtig V. 337 steht, ein- 
fach einzusetzen; V. 119 und 120 verlangt der Reim und der Sinn 
die Formen ivihis (vgl. V. 491) und 'afis (Tantavy S. XX mal- 
propre) statt wahi und 'afs. Ob säkäl (unnützer Zank) V. 1107 

bloss dem Reim zu Liebe für 3,jL;i (Dozy S. : Landberg , Prov. et 4o 



364 Sociu, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 

dictons S. 114 hat xljüi) steht und ob nedl V. 1012 nicht zwei- 
silbig zu lesen ist — der Vers würde lauten: 

'assän fadihat-ennedel-dibn-ezzini — 
(um diesen elenden Hurensohn zu blamiren) wollen wir dahin- 

r. gestellt sein lassen ^) ; für einen gewissen Wechsel der zweivokaligen 
und der einvokaligen Formen sprechen solche Beispiele immerhin. 
So würde ich auch vor der Annahme, dass ^arbljeü (mein Wagen) 
V. 1825 für '■arabijetl zu setzen ist, nicht zurückschrecken, vgl. 
'aröa92' (Kutscher)Vollers , Lehrbuch S. 122; wie ich auch nochmals 

10 auf mwjnln S. 343 verweise; auch im obigen gamlät V. 698 ist 
ja ein kurzer Vokal ausgefallen, der ursprünglich lang war. 

Viel sicherer ist die Contraction zweier Silben beim fünften 
Stamm des Verbums, wo die Auslassung des Vokals des t-Präfixes 
ja uralt ist. So passt V. 1206 nur miUkeffü, nicht mutaheffil 

i:> ins Metrum, weil bloss durch die Auslassung des Vokals eine lange 
Silbe gewonnen wird; ebenso V. 1836 bloss lüejäkaifdl statt des 
wltakaffal der Transscription. Auch V. 1839 ist nach dem arab. 
Text (^.^'jji) statt mesarrah im Metrum wohl messarrdb zu 
lesen, obwohl bloss die zweite Form in der Bedeutung ,s'en aller" 

20 retourner chez soi (vgl. Cuche s'en aller; Belot, Dict. fran^ais-arabe 
unter retirer; Landberg, Proverbes et dictons S. 383; Journal 
asiatique, 8. Serie t. 10 S. 328), als gebräuchlich angegeben wird. 
Auch die Verwandlung von mittifiün (übereinkommend, Plur.) in 
mitfiiln V. 1536 ist nicht zu umgehen und hat ihre Analogien. 

2ü Sachau hat S. 34 seiner arabischen Volkslieder (s. S. 340) 

richtig bemerkt, dass nach wa {we), bi und li die kurzen Vokale 
oifener Silben ausfallen können. In der That kommt dies nament- 
lich bei we auch in unserem Texte vor, z. B. V 504 werdlt statt 
we-ridlt\ V. 1300 wa^malü statt ioe-'amalti\ V. 948 loatrakt statt 

30 ire-taralct; V. 1632 wektabti statt we-katabti\ V. 296 weüühu- 
hmn (und ihre Herzen) statt we-lulübuhmn. Aber es dürfte doch 
jener Regel eine viel grössere Ausdehnung zu geben und das Princip 
anzunehmen sein , dass kurze anlautende Silben nach anderen 
vokalischen Auslauten ihren Vokal leicht einbüssen; denn Fälle wie 

■äi> mdsmi'ti (statt mä smii'ti) V. 750 sind von den eben besprochenen 
nicht zu trennen. Unter diese Regel fallen dann auch wieder die 
oben genannten Partikeln selbst. So bietet die Transscription richtig 
V. 1255 tifsidu-lnä, V. 1390 baiä-lnä (besser ba%a-lnii) , V. 328 
tlaffatu-'lnü. Dann müsste aber auch durchgegriffen und z. B. die 

40 zweite Vershälfte 331 gelesen werden : lahu-hna-lkum '•ahld (sind 
wir eure Sklaven?) statt lafmwa ihna Lukum ^abld so gut als 
Völlers V. 1086 ifdü-lhuvi schreibt, (was übrigens nicht ins Metrum 



l) Völlers bemerkt, säkäl (Streit) sei richtig. 



Socin, Bemerkungen zum neiuirabischen Tartuffe. 365 

Am allergewöhulichsten ist der Ausfall, wenn der Vokal der 
zweiten Silbe bereits ^kein seinem Charakter nach deutlich zu unter- 
scheidender, sondern Swä mobile ist. Dies ist schon z. B. in den fünften 
Formen regelmässig der Fall; man sagt: jitkeddirü (V. 1022) statt 
jetekecUiru u. s. w. Auf derselben Stufe steht izd-tkellimte & 
V. 1711; ebenso muss natürlich V. 203 izd-ikellim gelesen werden 
(statt izä tekellim). Am häufigsten tritt dieser Fall bei den in 
offener Silbe stehenden Präfixen je und be des Imperfectums ein ; 
doch kann keine allgemeine Regel in Betreff der Beibehaltung 
des Swä aufgestellt werden. V. 475 hat z. B. die Transscription lo 
hatta - tnauicar , während nach dem Metrum hattä tenduwm% 
V. 1865 Trscr. nrnci ti'gissihö , wo nmci-tgQsihä gelesen werden 
muss. Bei auslautenden Längen tritt wohl stets Verkürzung ein, 
z. B. V. 730 ^anti (oder ^ndh')-tsiifi; bei der Femininendung ver- 
steht sich dies von selbst, vgl. V. 1356 'mUrä-tdillmd ; der Fall 1 5 
ist deshalb interessant, weil zwei ^Laute aufeinanderstossen , wie 
auch in uttull V. 147. Auch der Vokal des Imperfectpräfixes fällt 
leicht aus, z. B. V. 347 md-btihkl. Zur grossen Seltenheit kommt 
der Ausfall eines e auch nach consonantischem Auslaut vor, vgl. 
V. 861 walldh in tehün ^arjdne (wahrhaftig auch wenn du nackt 20 
wärest). Ich schlage jedoch vor, statt telcün: hunt zu lesen, was 
auch grammaticalisch im Bedingungssatz vorzuziehen ist. 

Zu den Swä mobile gehört auch das in offener Silbe stehende 
e des Participialpräfixes , z. B. V. 238 semmä-mbapraha; das e 
in der ersten Silbe von Deminutivformen (vgl. S. 346, 2) z. B. V. 707 25 
hiisöra-sßaijira; das i von bijnt (Häuser) z. B. V. 374: 

elli teläsi-bjutuhüm zej-elharäm 
(deren Häuser du wie ein Heiligthum anzusehen hast). Schon etwas 
voller ist das a von kaläm; dennoch ist V. 1172b zu lesen: 
jeiidu-hldm heür (sie machen viel Gerede). :?o 

Während bis jetzt immer noch die Möglichkeit offen gelassen 
ist, es könnte statt X ^ als metrische Licenz der Fuss - - ' ange- 
nommen werden, haben wir nun schon Beispiele gefunden, wo der 
schwache Takttheil eine Länge und eine Kürze oder, was viel 
häufiger ist, eine Kürze und eine Länge enthalten würde. Bei 35 
diesen wird man sich viel schwerer dazu entschliessen können, die 
Zusammenziehung in eine Silbe zu umgehen, und wenn sie hier 
angenommen werden muss, so wird sie auch bei zwei aufeinander- 
folgenden Kürzen nicht abgewiesen wei'den können. Im Folgenden 
halten wir die ursprünglichen Füsse --^, ^-~ , --- und die Fälle, 40 
wo ein vollerer Vokal oder ein Swä steht, nicht mehr auseinander. 
So ist nun im Halbvers V. 256 (vgl. 1249) xm-lüjä Mfet eUazäb 
(und sie empfand Pein), in weJii ,säft-el {scliaftel'}) zu emendiren ; 
ebenso V. 1874 hlja-l-mvmnir, elli, in lüjdd' awUmr-elU \ V. 1578 
jähod el-amüna, jäkd-el'amdna. Als Beispiele der Verkürzung von 45 
Präpositionen seien angeführt: 



366 Socin, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 

V. 198: wetäset-essurbä | bhaläö jekübbahä 

(und den Napf mit Suppe schüttet er die Kehle hinab), wo ä wohl 
wegen der Caesur beizubehalten ist. Vgl. V. 1318, 1622. Im 
Verse 1040, dessen ersten Theil ich in emendirter Form hinsetze: 
5 ähö abnjä gä binefso lihaddins 

(siehe, mein Vater kommt eben selber zu uns) muss entweder 
bnefsij lihad^ oder binefso-lhdcP gelesen werden. Dass fi ganz 
wie bi beliandelt werden kann, ist nicht wunderbar, sobald man sich 
in Erinnerung ruft, wie eng verwandt diese beiden Präpositionen 

10 besonders in der Volkssprache sind. Formen wie fa-ardukum 
V. 454 und oft (wo a übrigens wegen des folgenden '■ain einge- 
treten ist und neben welchem gelegentlich im Metrum auch die 
volle Form fi 'arddk.. V. 1537, gelesen werden muss gegen fa'drdik 
V. 31) bilden den Uebergang zu V. 1103 ana-fard-errasid. 

15 Im Folgenden mögen nun einige Fälle vorgeführt werden, wo 

bei diesen Zusamraenziehungen einzelne Consonanten stärkere Ver- 
änderungen erleiden; es handelt sich hierbei um die bekannten 
liamz. Im, wäw und ja. 

Bei wäw kommt hauptsächlich die Conjunction in Betracht; sie 

20 lautet nur noch selten ua, wie in der Contraction ivdhjät-ennäbl 
V. 394. Spitta Gr. § 170. — Spitta bemerkt (Gr. § 87), dass es 
jedenfalls unrichtig sei, die Conjunction bloss u zn sprechen und zu 
umschreiben; dies bedarf jedoch meines Dafürhaltens, selbst was 
den ägyptischen Dialekt betrifft, einiger Einschränkung. Bedenken 

25 erregt schon seine im Uebrigen richtige Bemerkung § 21a, dass 
vor wg kein „Zwischenvokal" eintrete etc. Völlers führt in seinem 
Lehrbuch § 61 auch bereits ü (in Klammern) neben tre auf In 
der Transscription steht u in folgenden Fällen (wo indessen in anderen 
Transscriptionen ägyptischer Texte fast durchgängig we steht) : 

30 1) vor anlautendem m z. B. V. 55 ü-rnln, V. 82 ü-malbüso, 
V. 364 ü-marra, 2) vor b z. B. V. 190 it-binto (gegen V. 1632 
ice-binti), V. 738 ü-bess, V. 1897 ü-bän; V. 1226 steht webidcd, 
dagegen V. 1747 ü-bidrd, 3) vor lo z. B. V. 511 ü-waffarl, 
V. 1900 ü-wäJnd, 4) vor f z. B. V. 1765 R-fl. In obigen Lauten 

35 finden wir im Ganzen die aus der hebräischen Grammatik wohl be- 
kannten .,})mna'pU'' wieder. Sonst kommen wohl auch noch vereinzelte 
Formen mit ü vor, z. B. V. 4 ü-nutruh, V. 1767 U-tinhimii. In 
allen diesen Beispielen ist die Conj. zunächst unbetont, und 
es ist mir sehr fraglich, ob sie überhaupt mit einem Längezeichen 

40 zu versehen ist, wie dies in der Transscription meistens geschehen 
ist In meinen Transscriptionen habe ich öfter u in solchen 
Fällen als allerkürzesten Vokal über die Zeile geschrieben. Uebrigens 
ist der Wechsel zwischen u und roe (d. h. i) von lautphysio- 
logischem Standpunkt aus ein sehr geringer. In vielen Dialekten 

45 und besonders nach A Koch's (in meinem Besitz befindlichen) Trans- 
scriptionen auch im ägyptischen giebt es übrigens auch noch die 



Socin, Bemerkutioeti zum neuarabischen Tartuffe. 367 

Zwischenform lou (vgl. Guyard im Journal asiatique 8. Serie, t. 7., 
p. 421). Es ist nicht zu leugnen, dass die Copula auch den Ton 
haben kann ; dann ist sie natürlich als lang zu betrachten ; viel- 
leicht liegt sogar dann bisweilen eine absichtliche Betonung dem 
Sinne nach \ox, z. B. V. 1661, wo überall statt üufte ive-ra'ft: ^ 
iufi-ilraet stehen muss. Das ü schliesst sich hier schon an das 
vorhergehende Wort an! V. 1499 ist zu lesen: 

ez-zembg 'ändi | n'ana-lo ärtikib 
(der Fehler liegt an mir, und ich nehme ihn auf mich). Auch 
V. 720 weiss ich keine andere Abhilfe als lo 

gerik jebill-essöäg | n-jisfi-lgalil 
([ich finde] keinen Andern, der meine Sehnsucht stillt und meinen 
brennenden Durst löscht). In den beiden letzten Fällen ist wohl 
Caesur vor it anzunehmen. 

^Gerade wie im Hebräischen i copulativum nun auch noch vor einem lö 
mit Swä mobile versehenen Consonanten in u übergeht, verhält es 
sich nach unserem Transscriptionstext auch im Arabischen; vgl. 
V. 22 ä-teijdggari, ü-teSdbbahi; V. 33 ü-m^ eddihä ; V. 178 
ü-tegd'ga'i,Y.%0\ ü-temduicuil und oft. Auch dieses u ist in der 
Regel unbetont und um so mehr, entgegen der Transscription, für 20 
kurz zu halten, da der kurze Vokal des folgenden Consonanten, 
wenn man nicht auch hier wieder einen Fuss -- - annehmen will, 
einfach ausfällt. Man beachte nur die eben angeführten Beispiele, 
in denen allerdings bei einigen auslautenden Silben das Längezeichen 
hinzugefügt worden ist. Dass loe mit anlautendem je zusammen 25 
in lol verschmilzt, ist allbekannt und durch viele Beispiele zu be- 
legen, z. B. V. 479 wlr'td, Y. 360 icilmss; V. 365 wUid, V. 62 
witcdW; lies darnach auch V. 512 wlsäiniliik statt U-jesdrnhih. (V. 290 
blnaliat mit Ton auf bl ist auffallend.) Dagegen contrahirt der 
Dichter das tve nicht, wenn das Präfix des Imperfects mit dem .io 
ersten Radical des Verbums eine geschlossene Silbe bildet. 
Es ist ja möglich, dass man in der Volkssprache wl'iaiak (und er 
liebt dich) wie V. 1400 steht, sagen kann; das Metrum verlangt 
jedenfalls ioeji'.saidh\ ebenso V. 1836 wejttkaffal (vgl. S. 365, 3) 
statt wUakaffal, wie ja auch in der Transscription richtig steht: 3,5 
xce-jidmano V. 88 ; v;e-jikrah und toe-jikniz (siehe „Verzeichniss") 
V. 366. 

Schon oben wurde gesagt, dass die Conj. nach meinen Be- 
obachtungen oft äusserst kurz ist; man getraut sich nicht zu ent- 
scheiden, ob sie dann noch halbvokalisch oder vokalisch lautet. 40 
Sachau bemerkt (Arabische Volkslieder S. 33, II) mit Recht, dass 
sie zuweilen mit zur folgenden Silbe gei-echnet werde; dies rührt 
eben daher, dass sie in der Aussprache thatsächlich beinahe ver- 
loren geht. In Bezug auf einzelne semitische Dialekte ist diese 
Erscheinung längst bekannt, z. B. für den neusyrischen Dialekt von 45 
Urmi ; wenn die Copula auch dort in Versen nicht als silbenbildend 

24* 



368 Socin, Bemerlungen zum neuarahischen Tartuffe. 

gezählt wird (Nöldeke, Grammatik der neusyrischen Sprache, S, 56), 
so kommt dies eben, wie man aus meinen Transscriptionen (in den 
Neuaramäischen Dialekten von ürmia bis Mosul) ersehen kann, daher, 
dass sie auch in der gewöhnlichen Prosa sehr häufig nicht mehr 
5 ausgesprochen wird. Ob der Verfasser des seh. matlüf sich die 
Copula stets noch gesprochen gedacht hat, lässt sich nicht ent- 
scheiden; jedenfalls muss man aber das e derselben in vielen Fällen 
streichen; man vergleiche 

V. 819 biswes 'alä mahläk | wrä'i hätir 'abük 
10 (langsam, piano, nimm doch Rücksicht auf deinen Vater), 

V. 1644 kuUäk 'alih da bissimal wda biljemin 
(alle, der eine links, der andere rechts gegen ihn). Ebenso V. 1762 
und häufig im Versanfang z. B. V. 1810 wlau innahihn; V. 844, 
1092, 1744; V. 333 muss imu'rdf, dagegen V. 335 we-nfrof 
15 gelesen werden. Schon oben ist bemerkt, dass in der Regel, wenn 
eine offene Silbe auf we folgt, eher der Ausfall des kurzen 
Vokals dieser Silbe anzunehmen ist, z. B. V. 945 ivetrakte (statt 
we-tardkte) im Versanfang; ebenso V. 920 ivi'rifte; V. 484 imdm 
wa^mito\ Y. 12 rriardd wa'zäh. 
yo Es bleibt nun noch die Frage zu beantworten, wie die nicht 

silbenbildende Conj. im Innern eines Verses nach vokalischem 
Auslaut zu sprechen ist. Man wird annehmen können, dass sie 
nach auslautendem u und o einfach unhörbar wird, vgl. 

V. 1810 welau innahüm | jitgärbadü | (we)-jitgärrabum 
25 (auch wenn sie Mühseligkeiten ertragen und in die Fremde ziehen 

mussten), 
V. 1215 Ijallih wahäb-lak küUg | mälo (we)-tirkitö 
(lass ihn ! er hat dir all seine Habe und seinen Nachlass geschenkt). 
Ebenso V. 1079, 1361; darnach würde ich auch V. 1850 lieber 
30 lesen : 

'ä,wid tigi filhabsg | gänbo (we)-titribit 

(auch du wirst neben ihm ins Gefängniss kommen und gefesselt 
werden) als Jiabs ganbö im-titribif. 

Nach auslautendem ^" kann die Aussprache nicht bestimmt werden; 
35 vielleicht hört man hinter / ein ganz kurzes ti : z. B. 
V. 345 'ämil linä 'aSil | sawl u-sätir keblr 
(du zeigst uns den sehr weisen und den gewaltig gescheiten), 
vgl. V. 456, 694 ; dagegen würde nach Obigem statt 
läkin hat kürsi we-ta'äla, us'üd ma'i 
40 (aber hole einen Stuhl und komm', setze dich zu mir) in V. 878 
einfach yürsij-utd:Cd-xii''ud zu lesen sein. Auch wie die Copula 
nach auslautendem a oder ä zu sprechen ist, wissen wir nicht 
genau, z. B. 

V. 656 Soli haläsik | ja bihänä wSällisi 



Socin, Bemerkungen zum nenarabischen Tartuffe. 369 

(so sprich nur zu Ende, o Bihana, und spotte). Tgl. V. 455 ^alijä 
intünpurl; und sogar V. 1135 la häiihi wla-hüicä. Ich würde jetzt 
auch V. 488 statt färsä ü-meviedclidä lieber färiid-imnemeddidä 
schreiben; ebenso V. 33. Natürlich kommen Fälle vor, wo die 
volle Form stehen bleibt, z. B. 5 

V. 410 illä ma'i kilma ] welä-tit'ähhari 
(ich muss mit dir sprechen, so bleibe nicht zurück). Hier hat 
wieder die Caesur eingewirkt. 

Dafür, dass auslautendes a mit lo eine gewisse diphthongische 
Verbindung eingeht, spricht der Umstand, dass man sich denselben lo 
Fall bei j kaum anders vorstellen kann. Das in offener Silbe stehende 
Präfix ja geht ja in sehr vielen Dialekten schon einfach in i über, 
■vvie auch in Aegypten bihül „er sagt" (Spitta § 105 b) gesprochen 
wird. Es ist deshalb nicht auffällig, dass nach auslautendem / ein- 
fach Contraction erfolgt; vgl. V. 624 abüki-^üi'-lo (dein Vater lebt) 15 
statt abnJa' je'ii-lo: V. 1602b üdllli-lizzidak (das ist, was dir 
schmeckt) statt Jeliz^. Jedoch wissen wir nicht, wie es mit ja nach 
auslautendem o steht; nach dem Metrum muss Contraction statt- 
rinden, z. B. 

V. 100 eljöm basufo j-gir ketir 'assittinä (sie!) 20 

(ich sehe, dass er heute sehr eifersüchtig auf unsere Herrin ist). 
V. 848 a wird dalli jesüfo jeiid eher in dalll-süfo jeiül als in 
dalli jesüfo-jinl (bez. ^sUfoiiid) zu contrahiren sein. Am häufigsten 
sind die Fälle mit vorausgehendem a, ä; bei schnellem Sprechen 
im gewöhnlichen Umgang hört man z. B. lä jekün ( . ^jL» 'S) 25 
nach meiner Erinnerung zweisilbig. Ob nun laikün oder lajknn 
zu transscribiren sei, ist hier nicht zu untersuchen ; vorläufig stehe 
j\ vgl. V. 222. So ist nun V. 186 mä-je%üblo im Metrum in 
maßclbilo zu verwandeln ; Y . 191 mä-jekü.sliä in majhü.sek/r ; ebenso 
V. 218, 490. 858, 1220, 1771, 1784, 1840. Die Contraction 30 
tritt seltener im starken Takttheil ein, doch siehe V. 1168 
dkd ze möjrul; vgl. V. 1241, 1561. Vgl. Snouck, Mekkanische 
Sprichwörter S. 29 maiqid ^ meqid. In den späteren Lustspielen 
wird diese Zusammenziehung übrigens durch Schreibungen wie Les 
femmes savantes V. 331 (S. 91) Ju^^^;<:^^a (er liebt mich nicht, 35 
lies viajhibbenis) geradezu sanctionirt. Natürlich kommen auch 
hier uncontrahirte Formen wie V. 197 lammd jedtbbahö vor. 
Andrerseits kann auf die bereits oben S. 347, 29 besprochenen Formen, 
wo die Mittelsilben von Wörtern wie Jukajeto in hikatto (seine 
Geschichte) contrahirt werden müssen, vei-wiesen werden. Auch bei 40 
jowxs Formen, die übrigens im Text stets Jolxs geschrieben werden, 
muss eine ähnliche Contraction angenommen werden, denn das 
Metrum von V. 752 kann nur hergestellt werden, indem man 
'■amciilo (seine Handlungen) dreisilbig liest, ebenso Les femmes sa- 
vantes V. 45 (S. aI) 45 



370 Socin, J3emer7cungen zum neuarahisclien Tortuffe. 

(aber die Handlungen, die ich bei den Weibern finde). Darnach 
ist dann auch der oben (S. 359, 33) schon angeführte Vers seh 
matläf 453 zu verbessern. 

5 Eine der schwierigsten Fragen in Betreff des vorhegenden 

Textes betrifft die Erhaltung und den Ausfall des Kehlkopf- 

verschlusses; es muss hierbei überhaupt untersucht werden, in 

welchen Fällen ein Hiatus zwischen zwei Vokalen anzunehmen ist. 

Bevor wir von der Waslirung sprechen, ist darauf hinzuweisen, 

10 dass in gewissen Fällen das hamz als Radikal gänzlich ausfällt. 
Mit Recht bemerkt Spitta Gr. § 102 a, dass die verkürzten Formen 
hal und liad in der Volkssprache häufiger sind, als die vollen 'akal 
und 'ahad. Das Perfectum kal habe ich nun zwar in den riwäjät 
nirgends gefunden ; dagegen kommen von had zahlreiche Beispiele 

15 vor, vgl. V. 1563. In V. 1562 ist ahad gegen das Metrum stehen 

geblieben, was vielleicht daher rührt, dass die erste Ausgabe »LX.i>i 
bietet, also das Participium fordert ; die zweite Ausgabe hat » J».i>t , 
während sie sonst had schreibt ; das Perfectum ist dem Sinne nach 
vorzuziehen. Sehr auffallend ist V. 1362 die Schreibung des ara- 

20 bischen Textes beider Auflagen (^iA^J L* , was die Transscription 
gegen das Metrum mit mä-tähod-ie wiedergiebt. Nach dem, was 
wir früher besprochen haben, ist jedoch aus tahodie mit kurzem a 
t^hodtie mit Swä mobile und schliesslich in Verbindung mit mo : 
mathodhe geworden, und es ist nur die Frage, ob diese Form 

25 nicht auch in V. 1476, wo der arabische Text ebenfalls in seinem 

i^:Jv.^vj den ersten Radikal ganz auslässt , anzunehmen , statt des 

tähdis der Transscr. also tJjodii zu sprechen ist. Wenn man von 

dem Princip auszugehen hat, dass namentlich unbetonte offene, mit 

hamz anlautende Silben leicht wegfallen (vgl. Wetzstein in ZDMG. 

30 22, 171), so ist darnach möglicher Weise auch V. 328 zu emen- 
diren, wo das ahäli (Plural von ahl) durchaus nicht ins Metrum 
passt : 

wallähi-tläffatü-lnä-lhäli walbilÄd 

(vor uns beugen sich ['?] die Leute und die Ländei'). 

35 Zu Spitta's Regeln in Betreff des hamz Gr. § 5a möchte ich, 

was den vorliegenden Text sowohl, als auch sonst die Volkssprache 
betrifft, zunächst vor Allem betonen, dass eine gewisse Tradition 
in Betreff der Waslirung aus der classischen Sprache her sich 
immer noch fühlbar macht. Dies zeigt sich vor Allem, wie aus 

40 Spitta's eigenen Angaben a. a. 0. und § 37 hervorgeht, beim 
Artikel. Die Transscription enthält eine grosse Anzahl von el, 
bei denen der Vokal e nach Spitta hinter Vokalen ausfallen müsste; 
nach Ausweis des Metrums ist er in der That zu tilgen. Mau 
beachte V. 2 (jamcfa-lkülle; V. 163 idädi - ssalä ; V. 353, 434, 



Sociii, Bemerkungen zum neiiar ethischen Tartuffe. 371 

461, 472, 799 u. a. Auch bei Allah ist dies ganz gewöhnlich 
z. B. V. 565 rU/j^ baid-llah (statt rRJn haia 'alläh), obwohl zu- 
zugeben ist, dass alläh in der Volkssprache gern in seiner vollen 
Aussprache bewahrt wird. Bei dem vielgebrauchten midllah habe 
ich dies zwar nie gehört: weder V. 519 (wo der arabische Text 5 

sogar >s.Jü \..^\, bietet) noch Y. 177 passt insä-alläh der Trans- 
scription ins Metrum, mag man diese Worte in der Volkssprache 
bisweilen auch noch so gedehnt aussprechen. Auch elU (welcher) 
hat Verbindungsalif z. B. V. 24 humä-lli; humä-elli passt nicht 
ins Metrum und die Interpunction wäre besser unterblieben (vgl. lo 
S. 340). Bloss nach Pausa bleibt el stehen z. B. 
V. 883 ja sittinä, el-hämdu lillähi-razim. 
V. 1243 jikfä basä | el-wä;te rah | 'alä-ssala 
(es ist genug, die Zeit ist schon vorbei, zum Gebet). 

V. 1387 wana hakgt§ | eUi jibri diramitak 15 

(und ich habe gesagt, was dich von allem Vorwurf befreit). 
V. 285 ammä anä eljöm | elli aBdih ma'ö 
(aber ich, am Tage, den ich mit ihm zubringe). 

Ganz ähnlich steht es bei den Imperativen des ersten Stammes. 
Die Transscription hat V. 537 richtig loutruki; darnach lese man 20 
V. 779 7cn'l statt ice-ü'i ; V. 409 c jalld-hdari {statt JallO, ihdarl), 
vgl. V. 173, 808, 836 (V. 878 taTd-uit'id statt ta'ä'la). Die'Con- 
traction ist durchaus die Begel; aber allerdings finden sich Aus- 
nahmen, z. B. V. 20 ibni ftla^i; interessant ist V. 788 

wibsi-dhuli sa'ä | wesä'a ührugi 25 

(und eine Weile gehe ein und eine Weile mache Ausflüchte), 
wo bloss in der ersten Vershälfte (wie V. 784) zusammengezogen 
werden muss. Vgl. V. 1272 und 1282, wo sogar xoe'isrif zu lesen 

ist; V. 1851 steht im arabischen Text ausdrücklich J^ol. mit 

hmnz für wudhul der Transscr. Häufiger sind die Fälle, wo der 30 
Vokal nach einer Pausa erhalten ist. Damach ist ganz begreiflich 
V. 554 teiül-h \ nshutl: V. 1655 Jd loelijä \ fsma'i ; ebenso 
V. 202(?), 557, 835, 1023, 1352, und besonders V. 23 bess PS 
yarä \ ihrds (was ist geschehen ? Schweige !), wo mit dem Imperativ 
eine andere Person zu reden beginnt. Darnach kann sogar vor 35 
einem solchen Imperativ ein Hilfsvokal eintreten, wie V. 536 a richtig 
steht: sikitte ihki-ntä (ich schweige, rede du!). 

Auch im Perfect des VII., VIII. und X. Verbalstammes ist 
Waslirung anzunehmen; so bietet die Transscription richtig V. 251 
lamma 'nialab, vgl. 1252, 1564; ebenso ist aber auch z. B. V. 150 ^o 
elli-nfasdd statt elli infasad zu lesen und darnach auch V. 417, 
427, 563 und andere Stellen zu verbessern. Ebenso beim achten 



372 Socin, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 

Stamm; die Transscription hat V. 973 loelä -htaravi-, darnach lese 
man V. 481 minha-itand statt minkä iitana; femer V. 803, 1790 
und 407 (beim Nomen verbi). Es giebt jedoch in der That einige 
Beispiele, bei denen der Hiatus vorkommt, z. B. V. 1402 ba.süfo 

r. mialdh; V. 1073 küllo iftirä vgl. V. 327, 692. AuffälUg ist mir, 
dass ich diese Form bisher bloss nach dem Singularsuffix der dritten 
Person masc. Sing, gefunden habe; von diesem wird erst weiter 
unten die Rede sein. — Für die X. Form vgl. V. 1098, der zu 
lesen ist: 

10 'assän ma ant-ibni | kidii-stahtärti bi 

(weil du mein Sohn bist, hast du mich so verächtlich behandelt). — 
Sehr stark ist das Vorschlags - ^* des fünften Stammes geworden 
(vgl. Spitta § 91, 5); es wird oft bewahrt, ob eine Pausa davor 
eintritt oder nicht; vgl. V. 620 in kein hklä , iggduwizii: doch 

15 habe ich nur in Fällen von Pausa eine Nebensilbe davor beobachtet ; 
vgl. V. 1711 (zugleich Beispiel für eine Form ohne Vorschlags-2*) 

läktn 'izä -tkeUimt§, itkellim bilütf. 
V. 1275 ist ja Selbe, ttiauwa zu lesen, wie V. 1501 ium besse, 
itgessis. Beispiele ohne Pausa: V. 1479 walläM ügarnrnet, we ; 

20 ebenso 1251 und vielleicht auch 541 (wenn man nicht ivahli vor- 
zieht. Dagegen muss das i in V. 773 BlMnä iddebbiri (arab. 
Text ,c.JöO fallen, ebenso beim zweiten Stamm des vierlautigen 
Verbums V. 233 anlsä - ssalbatet (statt issalbatet der Transscr.). 
Andrerseits hat der arabische Text V. 1052 vi>^JiXj| ^U , wonach 

25 sich das metrisch richtige welCi ithelUmet statt des xoela-tkellimet 
der Transscription ergiebt. 

Von Nominalformen mit Verbindungsalif kommen (ausser den 
obigen Nomina verbi) nur ibn und ism in Betracht ; bei beiden ist 
die Beibehaltung des i Regel. Darnach ist V. 1703 we-ismak-eh 

30 (statt loismak), V, 1089 sogar ktdle ism (statt kull ism) zu lesen; 
nur V. 1718 wird ja Jiältard-smak angenommen werden müssen. 
Für ibn habe ich kein Beispiel der Contraction gefunden; richtig 
hat die Transscription V. 183 sufte ibnahä; V. 159 'omri ibni, 
darnach ist V. 1441 auch we'ibne ädam (statt wibn-ädam), V. 1087 

zhja ibni statt jabni zu lesen; jedoch libni V. 46 und bi'bn V. 1268. 

Wie nach dem Vorhergehenden beim Verbindimgsalif die alten 

Regeln wenigstens theilweise nachwirken, so kann man auch noch 

von einem Trennungsalif im alten Sinne reden, obwohl hier die 

Ausnahmen und Licenzen etwas stärker vertreten sind. In der 

40 Poesie und also auch im seh matlüf wird der Hiatus durchaus 
nicht unbedingt gemieden; so steht 

V. 155 ammä anä mä-li | hänä illä-ssuknt 
(ich habe hier nichts als zu schweigen). Es entsteht bloss die 
Frage, ob in solchen Fällen ein wirkliches hamz oder ein hamza 



Socin, Bemerkuwjen zum neiharahischen 'Tartuffe. 373 

hr-n heti (Spitta, Gr. § 2a, 1) anzunehmen ist. Ich glaube, dass 
man mit Spitta für die meisten Fälle das letztere, das heisst den 
ruhigen Uebergang eines Vokals zum andern ohne Kehlkopf- 
verschluss annehmen muss; dann ist aber überhaupt kein hamz 
mehr vorhanden (vgl. S. 355). Ob nach der Mitte eines Verses 5 
bei der Caesur vielleicht der Kehlkopfverschluss wirklich eintritt, 
z. B.: 

V. 710 min käng jikrahni | 'ana, abki 'algh 

(soll ich weinen über den, der nichts von mir wissen will), ist nicht 
zu entscheiden. Vgl. V. 717. Sonst wird wohl im Innern des Verses lo 
keine Zeit für den Kehlkopfverschluss vorhanden sein. 

Es scheint nun, dass zunächst gewisse vokalische Anlaute — 
vom Kehlkopfverschluss ganz abgesehen — zu fest, für das Wort 
und seine Form zu wesentlich sind, um einer Waslirung zu ver- 
fallen. Vor ebendenselben Anlauten können aber auch die Neben- 15 
Silben im Metrum als voll gerechnet werden ; ob dies geschieht oder 
ob sich der anlautende Vokal an den Schlussconsonanten des vor- 
hergehenden Wortes anfügt, wird wesentlich davon abhängen, ob 
der Sprechende dem ersten Worte seine ganze Selbständigkeit, be- 
ziehentlich seinen vollen Ton wahren will oder nicht. Doch kann 20 
auch unter Umständen beabsichtigt sein, die Betonung des zweiten 
Wortes zu halten. Ich denke hierbei an Fälle wie den dem V. 378 
entnommenen Satz fen-ahl-elhelm , der möglicher Weise ftn-alil-el- 
helrn, möglicher Weise aber auch fm-dhl-elhehi betont werden 
könnte ; wird jedoch gelesen (wie es dort ins Metrum passt) : {we) 25 
fene dhl-elhelme , so ist der Ton beiden Wörtern gewahrt. Viel- 
fach mögen auch kleinere oder gi-össere Pausen den unmittelbaren 
Anschluss vokalischer Anlaute an den vorhergehenden Consonanten 
verhindern, und schliesslich mag öfter auch bloss die Rücksicht auf 
das Metrum bestimmend gewesen sein. Im Transscriptionstext sind 30 
vor anlautenden Vokalen jene Nebensilbenvokale vielfach da gesetzt, 
wo sie nach dem Metrum nicht stehen sollten, besonders nach der 
ersten und zweiten Pers. Perf. z. B. hunte amüt. Wie in diesem 
Verse muss e gestrichen werden V. 277, 503, 527, 571 (vgl. das 
Verzeichniss),'572, 610, 687, 744, 745, 895, 900, 905, 962, 1197. 35 
Beizubehalten ist e z. B. in V. 287 '■idimte ahli, ebenso V. 303, 
546, 573, 675, 859. In zahlreichen Fällen ist e jedoch beizufügen, 
z. B. V. 1133 iäsete dnicä' statt iästt-amvä^ 

Zu jenen anlautenden Vokalen, vor welchen also auslautende 
aller Art stehen können, gehört vor Allem das Präfix a der ersten 40 
Person Imperf. Sing. z. B. 

V. 532 tanni asül-lak wansahak hattä amut 

(beständig sage ich dir und rathe ich dir , bis ich sterbe) , vgl, 
V. 500; nach lY. 427, 568, 854, 899, 943, 1212; nach a V. 748, 
1140, auch nach and (ich) V. 233, 449, 710, 854, 1140; doch« 
kommt bei diesem Worte bereits Verschleifung vor, während die 



374 Sociri, Bemerkungen zum neiuirahischen Tartuffe. 

Transscription die vollen Formen bietet, z. B. V. 605 anähnil, 
V. 637 andfalo; ebenso V. 1741, 1753. Nach den Negationen 
ist der Hiatus etwas häufiger, als die Verschleifung z. B. ma aldar.s 
(ich kann nicht) V. 499, 738, 801, jedoch Y. 582 ma'.dari; V. 30 
5 mä ardds (ich will nicht) neben V. 401 ma^rafs (ich weiss nicht, 
arab. Text ^JJi^^)\ V. 1747 mä alaf (ich stehe nicht), V. 946 

mä almf (ich fürchte nicht); V. 11 maiud (ich sitze nicht) statt 
lä aiud, s. Verzeichniss ; V. 582 roalä azld (und ich füge nichts 
bei) neben V. 719 vjelanzur (und ich sehe nicht). Bei diesen Ver- 

10 Schleifungen ist jedoch fraglich , welches a eigentlich das Ueber- 
gewicht hat ; ich vermuthe , dass wir hier nicht Waslirung im alt- 
arabischen Sinne annehmen dürfen , sondern dass vor jenem an- 
lautenden a das auslautende des Pronomens und der kurzen 
Partikeln elidirt wird, wie dies z. B. in V. 1091 bei wägib '■alej 

1,5 -ahdd' (es ziemt sich für mich, mich zu unterwerfen) so gut als 
sicher ist. Für das Pronomen der ersten Person Sing, wird ja auch 

die Form .T angeführt, s. Lane. So dürfen wir auch das ein- 
fache a, das auf die übrigens in der Volkssprache ziemlich seltene 
Bekräftigungspartikel La folgt, z. B. V. 175 lomallas (ich will 

20 reissen), V. 529 lahkl (ich will reden), V. 54 lagdah (ich werde 
zürnen; so ist das v^^^Aui^ des Textes zu lesen statt lä gadab) als 
Präfix betrachten, nicht als Auslaut der Partikel; ebenso V. 1761 
hid-ästannä (so warte ich) , und so auch Idmm-asüf V. 830 (vgl. 
S. 358), neben der vollen Form lamma V. 413, 1698, 1747. 

•25 Vor diesem a kommt nun auch der Nebensilbenvokal nicht 

selten vor, z. B. V. 286 ahihhe dshut (ich will lieber schweigen), 
vgl. V. 1226, 1555, 1750." 

Ebenso stark ist das Präfix a des vierten Stammes z. B. V. 161 
rahbi arsalö und darnach auch V. 1181 käne aznab vgl. V. 1032. 

30 Bei den Admh-ativformen ist die Waslirung selten ; man lese daher 
V. 230 lilldhi mä ahläk | we'ählä mälfazak 
(o Gott, wie süss bist du, und wie süss deine Sprache), ebenso 
V. 893, doch ausnahmsweise V. 877 mahlü, wobei dann wohl eben- 
falls das a von mä elidirt worden ist. 

3,5 Im Folgenden werden hauptsächlich Beispiele angeführt, in 

denen vor anlautendem Vokal der Nebensilbenvokal erhalten ist. 
So ist V. 793 läkinne anfa' (aber das nützlichste) zu lesen, vgl. 
V. 600, 708: auch ein ursprünghcher (vgl. S. 344, 34ff.) Vokal ist 
vor Elativen bisweilen erhalten, z. B. V. 676 flse äbsan; ferner vor 

40 afäl-Formen z. B. V. 68 külk dgrädo, vgl. 494, 1733; vor ein- 
silbigen Nomina und Partikeln z. B. V. 644 ba'de akl, V. 378 
fPne ahl, vgl. 617, 1603 läkinne ahl: V. 8 tahte amro: ebenso 
310, 955; ebenso V. 1722 wassitte ummak; vor au (oder) z. B. 



Socin, Bemerkungen zum neuarahischen Tartuffe. 375 

V. 26 bessfi au; ebenso 109, 1422; vor in und inn z. B. V. 491 
Mute in; V. 1500 lä büdde inno vgl. 216, 318, 939, 1681; 
V. 970 walhdsi-e illa; vor eh z B. V. 747 besse eh, vor anderen 
Wörtern wie z. B. V. 420 ft xouste ihwäti. Bei V. 1526 fHe 
intä und el-^asre nnscdllh hat vielleicht die Caesur, bei Ibn^- Edhem 5 
das Hocharabische eingewirkt. 

Wir wenden uns nun zu den Ausnahmen, d. h. zu den Fällen, 
bei denen der Hiatus gegen die Regel aufgegeben ist. 

Der Ausfall des hamz nach dem Artikel (Spitta , Gr. § 37) 
ist, wie schon oben S. 355, 26 angedeutet ist, relativ selten; eines lo 
der interessantesten Beispiele findet sich im Anfang von V. 984, wo 
mit dem zweiten arabischen Druck .L^ lasrär statt el-asrär der 
Transscription zu lesen ist. In Bezug auf den Ausfall nach »^ j 
(Spitta, Gr. § 83b) und , schwankt der Gebrauch; labük V. 23 
ist richtig, es muss jedoch V. 1161, 1763 auch lagl statt U-agl i:^ 
{lagl steht V. 1366, UaglY. 1244 richtig); V. 503 lahmed gelesen 
werden statt li-Alivied (V. 652 sogar für lü Ahmed); dagegen 
muss V. 498 li-ahkäm bleiben; V. 38 möchte lazwäguhum besser 
sein als li-azwäghum. V. 350 muss bi-ahl beibehalten werden, 
vgl. 473; V. 252 kann bd'dahd-ssaUä bi-angar oder ba^dahün) 
issdlla (vgl. aber S. 372, 12), V. 1518 muss bahwan statt biahv-an 
gelesen werden: be-inn V. 468 muss stehen bleiben, aber V. 626 
in binn contrahirt werden. Beiläufig bemerkt hat es den Anschein, 
als ob der Anlaut dieser Partikel ganz besonders schwach wäre. 
Die Transscription selber weist Fälle auf wie V. 357 huwo. ^nhü; i;r> 
V. 745 ist mtü-m, V. 697 teiüf) , in. vgl. 1375, 1446, V. 725 
ifhami, mnik; V. 677 'irifnä, innik zu verschleifen ; darnach 
würden obige Fälle mit Nebensilbenvokal (s. o. Z. 1) wie auch V. 464 
Mä in iidir eine Ausnahme bilden. Dass neben win V. 60, 615 
auch we-in V. 979, 1886 (und fain V. 1977) zu lesen ist, macht s» 
uns daran nicht irre. Auch der Anlaut von illa wird gelegentlich 
einmal waslirt z. B. V. 169 tifloM-lla, vgl. V. 254, 1225; man 
denke an walla S. 357, 7 0". 

Auch der Anlaut des Pronomens der zweiten Person ist, wie 
Spitta § 32b richtig bemerkt, besonders schwach, daher V. 548 35 
rühi-ntä statt rüJv, intä zu schreiben ist, vgl. V. 1119 hüwantä, 
V. 1208 dantä , 275 icintü , V. 458 illantä. Darnach möchte in 
V. 1734 

welli katabto intä. ähljä higgito 

(und da ist, was du geschrieben hast, sein Rechtstitel) doch eher 4o 
hatabto-ntä , als int-äh'ijä zu emendiren sein; Sicherheit giebt es 
hier nicht. Auch bei ana ist dies zu beobachten; zwar kommt 
Y. 502 räji anü vor; aber neben huioä anö (vielleicht mit be- 
sonderem Ton auf der Fragepartikel) V. 16 hüicanu; das von Spitta 
angeführte dana, (aus da und ana, lies im Metrum danä statt 45 
düna der Transscription) findet sich V. 451. — Von Einzelheiten 



376 Socin, Bemerhungen zum neuarabischen Tartuffe. 

ist weniger V. 411 ja abuja (gegen Spitta § 5 a, aber wie V. 1143 
ja ahi), als die zweisilbige Form ^J^.JS^o (o meine Schwester 1) Les 
femmes savantes V. 1 merkwürdig. 

Eine gewisse Sonderstellung nimmt auch hier die Conj. we mit 

5 ihrem stark reducirten Vokal ein ; vor einem u -Vokal kann sich 
we schwer halten, z. B. V. 642 louhto; V. 106 muss nach dem 
Metrum widüd gelesen werden statt we-nläd. Allerdings ist ja 
üläd ursprünglich eine Form afäl (vgl. S. 374,40); vor diesen kommt 
we vor, z. B. V. 983 loe-amscdi, V. 376 we-ashüb, vgl. 351; eben- 

10 falls vor af'al z. B. V. 107 we-äglab, und selbst vor ahl z. B. 
V. 350 (doch könnte sowohl hier als V. 375 nach dem vor der 
Partikel stehenden Worte eine Nebensilbe anzunehmen sein); V. 264 
ist we-ahlidmm sicher. Auch vor dem a der ersten Person Sg. 
Imperf. ist we häufiger, als in der Transscription angenommen ist; 

15 augenscheinlich ist das Metrum für die Contraction massgebend. 
V. 351 steht richtig we-a'raf; we muss aber auch gesetzt werden 
z. B. V. 46 we-az'-al, 617 we-atba\ 618 loe-atruh, 949 we-a'tarif, 
1091 we-amtisil (und darnach wohl auch 1092 we-aktihil) , 1114 
loe-atrudo, 1116 we-akrimo^ 1143 we-a'mä. V. 353 ist dagegen 

20 loakrah statt we-akrah zu lesen ; Beispiele von richtiger Contraction 
sind V. 265 loadrab, 529 waksifak, 532 wansahak, 617 xoafide^ 
1113 — 1115 v)azhado , wagdab , wahgizo. V. 1120 ist va^addil 
richtig (vgl. 1116); dagegen muss V. 1092 loa'affar zweisilbig 
gelesen werden. 

25 Am Schlüsse dieses Abschnittes muss nun auf die bereits oben 

S. 374, 13 angeregte Frage noch näher eingetreten werden, ob beim 
Zusammentreffen zweier Vokale stets der zweite nicht auch bis- 
weilen der erste Elision erleidet. Wie soll man z. B. V. 27 
jü besse mälik-üskuti, ü'i tintasi 

so (He! was hast du nur? hüte dich zu reden!) lesen? Wahrschein- 
lich fällt das i von uskuti einfach aus, obwohl ein üskuüuH mög- 
iich wäre. Sehr auffällig ist, dass bisweilen das Suffis der ersten 
P. Sing, vor einem folgenden vokalischen Anlaut auszufallen scheint ; 
z. B. V. 1857 bard-aiid statt bardi\ der arabische Text hat hier 

35 (2. Aufl.) c*^.',, hei V. 1643 tüUomr asüf hat die zweite Auflage 
,(:;.♦£, die erste .♦£. Auch das ja umm V. 1789 ist auffällig; 

der arabische Text hat J uj. Im Deutschen sagen wir wohl: 
„0 Mutter!" aber im Arabischen ist ja ummi doch das gewöhn- 
liche. Ferner bietet der arabische Text -»jJv oder ^joI. (und da 
40 bin ich), wo toädin statt wädlni ins Metrum passt, z. B. 
V. 976 wädin-atit-el-jörn | bifümmi afähhimik 
(da bin ich nun heute gekommen, um dir mündlich zu berichten). 
Selbst vor Consonanten steht es, z. B. V. 872, wo man lesen kann 



Socin, Bemerkungen zum neuaraLischen Tartuffe. 377 

ahä(?) get wädin räha wljällitküm sawa 
(da kommt sie ; ich gehe nun und lasse (?) euch beieinander) , wo 
ich aber lieber das \ von 9\ streichen und dann gemäss dem 
*X;»;>.l.i> des arabischen Textes lesen möchte: 

hl get wädin rähä | wljalletuküm sawd. 5 

In dem oben angeführten Verse 976 liegt zugleich ein Beispiel für 
die Elision des Nominalsuffixes / vor; wir haben hifutmn-afdhliimih 
zu lesen. Ebenso V. 220 Usul-Ahmed (statt lis'tdi). In V. 1002 
würde ich lieber lesen: 

illä anil bilhilmg | 3äzd-ahsin 'ilgk lo 

(aber ich will in Gnade dir wohlthun) als hillphn iazd'i ahshi, 
und vielleicht auch V. 975 via^-zafir-a''dllimik einem ma^-zafrrl- 
'allimtk vorziehen. Häufiger ist der Ausfall beim Verbalsuffix z. B. 
V. 408 hallin-arüh (lass mich gehen); V. 217 halUn-an-dstännd 

(lass mich warten, nach dem arabischen Text c^Ä.:>; Imllild der i5 
Transscription ist Druckfehler). Der Ausfall des i hat — ganz ab- 
gesehen vom Aramäischen — seine Analogien ; der Negdier sagt 
gän er kam zu mir; äs^ün (mit deutschem ^ für ^) gebt mir zu 
trinken; der Beduine d^aban er schlug mich, s. Wetzstein in 
ZDMG. 22, 184 u. öfter. Aber auch die Pausalformeu Sit. und l'o 
..^j./i3 Mufassal Hi^, 4 ff . sind heranzuziehen, wie man sich überhaupt 
daran gewöhnen muss , Pausalformen öfter nicht als secundäre 
Nebenformen, sondern als mit den vollen Formen gleichberechtigte 
Sprachformen aufzufassen. 

Auch bei elU liegt die Vermuthung nahe, dass es vor einem 25 
anlautenden festen Vokal sein i verlieren kann, da eine Form ell^ 
el für das Pronomen relativum vielfach zu belegen ist. Dadurch 
würde sich erklären, dass V. 1817 elli ahhar als dreisilbig, V. 589 
ein a'rafo als viersilbig zu lesen sind. 

Wir haben nun die schwachen Consonanten loäw, ja und hamz 30 
behandelt; es bleibt noch hä übrig. Spitta Gr. § 2, No. 23 bietet 
eine Anzahl Beispiele, in welchen h im Auslaut eingebüsst wird. 
Im Transscriptionstext findet sich so jallä V. 1 neben jallah V. 20. 
So ist nun auch V. 1538 jaUa-niisih statt jalläh, miiiih des Traus- 
scriptionstextes zu setzen, etoa steht V. 1799; darnach wird anan 35 
auch V. 465 eiwä-shuü statt eiwah, uskutl verbinden dürfen, und 
so auch V. 18 walla- Imasükln statt wallähi , el-masäkin (vgl. 
S. 545, 25); ebenso V. 765. — Das Wort ^^äi kommt V. 1189 im 
Reime als fiilh mit h, V, 1731 ebenfalls im Reime als fiit ohne h 
vor; darnach lese man V. 1626 (statt fii'i, Allah) 40 



378 Socin, Bemerkungen zum neuarabisclien Tartuffe. 

V. 1626 habär gedid min-elfisi-lla jiSta'd 
(giebt's was Neues von [unserem] Gelehrten ? Gott straf ihn !). — 
Das Pronomen suffixum der 3. Pers. masc. Sing, schreibt Spitta in 
seinen Transscriptionen durchgängig oh oder uh, vgl. Gr. § 33 b 
5 und darnach auch Völlers. In den Göttinger Gelehrten Anzeigen 
1884, S. 171 habe ich die Bemerkung gemacht, dass ich in Aegypten 
das h nie gehört habe. Für meine Ansicht sprechen 1), dass auch 
Mohammed el-Wanäi gelegentlich einmal ».i statt ^j schreibt und 
zwar vor vokalischem Anlaut, z. B. Les femmes savantes V. 90 

(und ich würde Ahmed nicht lieben und wäre nicht von Liebe 
zu ihm erfasst) ; 2) Fälle wie V. 626, wo btnno-ntahi-lo-lamre 
(dass seine Sache vollendet ist) zu lesen ist und Waslirung eintritt; 
ebenso lo-lagr (er hat Lohn) statt loh el-agr ; die Transscription hat 

15 selbst solche Verbindungen z. B. V. 243 b akctl wahdo l-'aia (er 
hat das Abendessen allein verzehrt) vgl. V. 250. Jedoch machen 
mich die schon oben (S. 372) berührten Fälle von Hiatus nach o 
vor Verbindungsalif doch etwas stutzig, vgl. besonders 
V. 327 mä lo-'tibÄr fibiim ) welä lo i'tisad, 

20 wo einmal das i des Inf. des achten Stammes waslirt ist, das andere 
Mal nicht. Die Beispiele mit Hiatus nach Suffix o sind auch sonst 
zahlreich (vgl. S. 372, 4j ; sogar vor u kann sich o halten, z. B. V. 371 
bt'no üben, so dass ich die Möglichkeit gerne zugebe, dass in diesen 
Fällen noch ein h lautbar wird, z. B. V. 72, 81, 190, 191, 192, 

25 281, 364 (vor der Caesur), 484, 670, 890. — Was die Form ^.^s 
betrifft, so bietet die Transscription meist flh auch vor Consonanten 
z. B. V. 402, 405; vor Vokalen oft bloss fi z. B. V. 1712 fl eh 
(arab. Text x^} a^-^^-s); ich vermuthe, dass wie in V. 1567 flh 
mjlab steht, auch sonst vor Vokalen doch bisweilen das h lautbar 

30 wird, z. B. 

V. 387 jirdn min-el-ma'käl | bimä fth-elkifäf 

(sie begnügen sich mit dem, was von Speise nothwendig ist) statt 
fi-l-Tcifäf der Transscription, was nicht ins Metrum passt. 

Dagegen ist doch wohl sonst in manchen Fällen ein h vor 

35 consonantischem Anlaut nicht mehr lautbar. Die Transscription 
bietet V. 751 für b »j (was ist das?) dcdä, dagegen V. 734 dehcU; 
Völlers, Lehrbuch § 10 bietet dedi und dehdt, ebenso Uh und le 
warum ? Nach meinen Notizen würde ich (mit Spitta § 88 b) 
wenigstens vor Consonanten die Form ohne h vorziehen, z. B. 

40 V. 769, 1569. 

Bloss weil hier von ö die Rede ist, mag darauf hingewiesen 
werden, dass im arabischen Druck die beiden Punkte auf der Feminin- 
endung fehlen, ausser wenn et d. h. die Verbindungsform zu lesen 



Socin, Bemerk-umjea zum neuarabischen Tartuffe. 379 

ist. So ist vorzuziehen V. 34 (Transscr. Mga, aiab. Text )^=^^s>) 

dimä lihägat bgtghä merettiba 
(sie hält immer in Ordnung, was ihr Hauswesen erfordert). Auch 
in V. 256 hat der arabische Text zweimal kLJ (auch das erste 
Mal steht kein Artikel vor diesem Worte), so dass zu lesen wäre: 5 

di Iglet-embäreh | känet lelet hibsb 
(die gestrige Nacht war eine trübe Nacht). Aber es wäre in der 
That auch leU hibah möglich (vgl. ZDMG. 45, S. 96); denn in 
Les femmes savantes V. 546 (S. !..) steht (ohne Punkte auf ») 

(und mein Leben hier ist ein trübes Leben geworden). — Dagegen 
ist V. 77 schon dem Metrum zuliebe zu lesen: 

walhittet-el-3uftän§ küUähä ruää' 
(und sein Kaftan bestand ganz aus Fetzen). Das Wort \J^:>- Stück 
(zu Dozy S. vgl. Tantavy, Traite S. XI; Journal asiatique 8. Serie 1.5 
V, 6 ; Bäsim v 1 ; f f , 6) ist h i e r augenscheinlich gebraucht, um 
eine gewisse Verächtlichkeit des Gegenstandes auszudrücken. In 
der Beschreibung des modern-ägyptischen Stutzers L'ecole des maris 
V. 25 (S. IfA) ist 

\^y^^. c>.>^^ c?j"^ \j^'-*T*^^ U^•^■''3 20 

zu übersetzen: und ziehe ein geplättetes Hemde und ein Paar (euro- 
päische) Hosen an ! Es kommt aber auch vor. wenn etwas Hübsches 
bezeichnet werden soll, wie in der zweiten der oben aus Bäsim 
angeführten Stellen ; mit vorgesetztem Artikel und ebeafalls mit 

den Punkten auf » bei Dulac, S. 68 c>«-«>^'! iüLs^o! Anm. 7. Aehn- 25 
lieh, nur wieder in despectirlichem Sinn steht V. 561 wakdfat- 
ennakbä (und dies Stück Pech), wo ebenfalls nach dem arab. Text 
xsuaüil das Verbindungs-^ nicht ausgelassen werden darf. 

f. Verschiedenes. 

Es bleibt noch übrig, einzelne Wörter hervorzuheben, bei denen so 
Mohammed el - Wanäi verschiedene Formen zu Gebote standen , die 
er nach Belieben benutzte , je nachdem das Metrum es erforderte. 
So bietet der arabische Text einige Male statt des vulgären elU 
(AJ5) die hocharabische Form ^j^\ ; dann passt auch ellazi regel- 
mässig ins Metrum z. B. ;!5 

V. 154 tistähili es billazi jehilli-bik 
(ein Vers, dessen Sinn mir nicht ganz klar ist); ebenso V. 1489, 
sowie natürlich V. 760 im Reim zu rühi-ggauioizl. Auch V. 1011 



380 Sociv, Bemerhungen zum neuarahisehen Tartufe. 

hat es der arabische Text, dagegen V. 1854 doch wohl mit Un- 
recht. 

Im arabischen Text ist Tesdid relativ selten gesetzt; so sind 
z. B. die beiden Aussprachen sld und seijid nicht unterschieden. 
.5 Mohammed el-Wanäi braucht die Formen, wie es ihm passt, ohne 
Bedeutungsunterschied (Völlers, Lehrbuch, S. 114; Dulac, Coutes 
S. 109, Anm. 1; Hartmann bei Nöldeke, Das arabische Märchen 
vom Doctor und Garkoch S. 12). V. 1756 bietet die Transscription 
richtig seijidr, ebenso V. 90, 211, wo aber nur die andere Form 
10 ins Metrum passt; umgekehrt z. B. V. 1713, 1737; V. 1262 muss 
sogar sidnd-nnäbl gelesen werden. 

Bisweilen hat der arabische Text die Form xi^!; die Trans- 
scription setzt stets (natürlich ausser in V. 1835) alluh dafür; 
das Metrum beweist jedoch, dass der Dichter hier wirklich el'ürdi 
15 gesprochen haben will, z. B. 

V. 657 fauwüdtg ämri lil'ilah rabb-el'ibäd 
(ich stelle meine Sache Gott auheim, dem Gebieter der Menschen); 
ebenso V. 390; 165. 

Ob von raä sehen der vierte oder der zweite Stamm beab- 
20 sichtigt ist, ergiebt sich ebenfalls bloss aus dem Metrum; IV ist 
V. 1343 aurlnä richtig; II V. 71, 1327, 1842; V. 1835 ist viel- 
leicht Jewarrm statt jewarrini nach dem arab. Text q.j^^j (vgl. 
S. 377) zu lesen. Sicher IV statt II der Transscription muss 
V. 1013, 1354, 1411 gesetzt werden, wahrscheinlich auch V. 1110, 
25 1367. 

VoUers weist S. 40 selbst darauf hin, dass Mohammed el-Wanai 
V. 807 die syrische Form hön (hier) statt des ägyptischen hänä 
gebraucht habe. Nun passt aber die letztere an einer Reihe von 
Stellen nicht ins Metrum. Man könnte ja z. B. zur Noth 
30 V. 1086 lammä jigi abujä hänä, fiha faräg 

(wenn mein Vater hierher kommt, so giebt's was zu sehen) hnä 
lesen, ebenso V. 1342, es liegt jedoch nahe, an diesen Stellen ein- 
fach hön einzusetzen; in V. 177 kann baid-nialläli hänä oder ba^oä, 
insälla hon gelesen werden. 
35 Die Präposition . a kann zunächst, zwischen auslautendem und 

anlautendem Vokal stehend, ihren eigenen Vokal verlieren: dies ist 
in manchen Dialekten des Arabischen zu beobachten; Beispiele da- 
von finden sich V. 1483 jtgi-mn-esiöiaru; ferner V. 414, 479, 
1484, 1727. Doch scheint die Verkürzung noch weiter zu gehen; 
40 zwar kann V. 729 der l&cole des femmes (S. riv) 

(ist es noch nicht genug an schmählicher Behandlung von Seiten 
des Hurensohnes?) noch zur Noth basd - mm'bn - elharam gelesen 



Sociii, Bemerkungen zum veuarabischen Tartuffe. 381 

werden; aber L'ecole des maris V. 85 (S. |ol) 

(hüte dich nur zur Thüre hinauszugehen) weist auf die Aussprache 
milhäh statt minelbüb; ebenso Les femmes savantes V. 473 und 
475 (S. 1a) ,Ux.L« j.X<L«. Les femmes savantes V. 776 (S. ur) steht 5 

LT--^ s^ t> ^^lXs! L_^ ^ix> ^j^ü ^o*j v-^'^ l5-^^ '^^ a-"^- 

(aber ich will einige Leute zurechtweisen, solche die ihre Gedanken 
auf keine Grundlage bauten) ; hier ist sicher melU zu lesen , und 
so ist auch ielj matlnf V. 156 (arabischer Text J^La) statt mäläli 
der Transscr. zu emendiren und zu übersetzen: abgesondert von lo 
den Häusern und denen, die in den Häusern sind. 

Die in den Texten Spitta's so gewöhnliche Form mi^ä (mit) 
bietet die Transscription — nach meiner Ueberzeugung mit Recht — 
selten; ich halte ma'ähum (V. 125) für richtiger, ebenso V. 548 
hahkl inaUl-rüh'i. Aber auch an anderen Stellen ist die zweisilbige i5 
Form statt der einsilbigen zu setzen, z. B. V. 794 (arab. Text 
ot/s); V. 719 hat allerdings der arabische Text bloss «.^. 

Die Präposition ,\,c kommt neben der Form ^ald bekanntlich 
auch verkürzt als 'al vor. Die vollständige Form ist ziemlich 
selten, erscheint aber gelegentlich vor Consonanten, wie vor Vokalen -'o 
z. B. V. 463 'ala rägil, vgl. V. 685, 1521, 1438; auch 'all .kln 
V. 461, 864, 1198, 1756; vor Vokalen V. 311 'ald aJili, V. 888 
'ala inn, vgl. V. 91. Vor Vokalen kommt öfter auch 'a/ vor, 
z. B. V. 219 'al-uUi (Transscr. 'ala ulf), V. 1436 '«Me (Transscr. 
'■ala-eh). Aber '«/ tritt häufig auch vor Consonanten ein (die Trans- -'.-> 
scription hat auch hier gewöhnlich 'ala) ; bei den meisten Sonnen - 
buchstaben findet dann sicher Assimilation statt, wie Völlers, Lehr- 
buch § 60, 6 ganz richtig sagt und woran die Bemerkung Hartmann's 
Deutscht Literaturzeitung 1891, Sp. 1022 nicht das Allermindeste 
ändert. Es ist also zu lesen ^asMn V. 1012 , 1098 (arab. Text so 
^.jL^JLc), 1012, 1110, 1865 (vgl. Spitta, Contes VIII, 2); 'assiffinä 

V. 100, 'azzimmitl V. 1692, 1733; 'annaü V. 1766; ob 'aldn 
oder 'addä V. 111, 456, 1805 zu sprechen ist, weiss ich nicht; 
ebenso wenig, wie weit bei anderen Consonanten Assimilation statt- 
findet, beziehentlich 'aZ in 'a verkürzt wird. V. 1839 ist zunächst 35 
also 'aZ/m, V. 1858 'alhidliii, V. 323 '■al-iadduhum zu lesen, wie 
V. 876 ^al iadde mä-, vgl. bJ^aäÜ/« J.C Les femmes savantes V. 311 
dreisilbig. Im Mosuldialekt sagt man ^ahali (für Jj J^c) , vgl. 
meine Sprichw. u. Redensarten No. 185; ZDMG. 36, 9, 19, was 
Sachau , Die arabischen Volkslieder S. 36 , No. VII verkannt hat. lo 
Hartmann, Sprachführer S. 67 giebt an, dass neben '^ala hulcra in 
Bd. XLVI. 2f> 



382 Socin, Bemerl'ungen zum neuarabischen Tartuffe. 

Syrien auch '■abbul^ira (Morgens) gesagt werde; icli würde lieber 
'abukra schreiben. 

Vor dem Artikel kann ,^U: seine volle Form behalten, z. B. 
V. 92 'ald-dducjri; ebenso V. I36, 385, 524, 531, (1802?), 1818; 
:, es kann aber nun auch in der Form 'al auftreten (Spitta, Gr. § 10 b, 
Völlers, Lehrbuch § 60, 6) und dann vor dem / des Artikels oder 
vor dem Sonnenbuchstaben, in den das l des Artikels übergegangen 
ist, sein l einbüssen. Völlers (1. 1.) meint im ersteren Falle ein 
'■all annehmen zu müssen; in der Transscription steht aber z. B. 

10 1434 •al-liaäd 'öni (*j.c <j^^\ J^c, lies ^alhadde '■6m). Meistens 
hat der Transscriptionstext ^ala gegen das Metrum; so ist z. B. 
V. 105 'albah, V. 413 'allmbar , V. 1348 'almahälik, V. 1608 
^alivasat, V. 1651 ^cdhasad zu lesen. In den späteren riwäjüt 
wird durch die arabische Schreibung auf diese Formen hingewiesen, 

15 z. B. Les femmes savantes V. 29 (S. aI) 

(auf, Mädchen, frage nach bequemem Leben), was zu transscri- 
biren ist 

kümi-s'ali ja binte | 'al'ais-elhani; 
'20 vgl. ^^^ V. 151, ^^U V. 155 (S. Af). 

Am häufigsten ist die Assimilation vor den Sonnenbuchstaben, 
vgl. V. 228 'assaläme, V. 1770 'atta'ab. V. 195 und 262 bietet 
die Transscription 'as-sufra, wo dem Metrum nach gerade die volle 
Form 'alassufra berechtigt ist. Viel häufiger aber hat die Trans- 
L'."> scription die vollere Form, während das Metrum die Contraction 
erfordert, z. B. V. 527, 897, 1399 'assahlh, V. 627 'assaraf, 
V. 846 'addu'äf, V. 384 'attaraf, V. 1648 ' ' attatßbm , V. 1921 
'addaiüäm, V. 567 'annäs. In den späteren riwäjät stehen dann 

Formen wie J\*^;s. Les femmes savantes V. 85 (S. k\). ^it dem 

.io Relativwort verbunden, finden sich folgende Formen: 

Vers Arabischer Text Transscription Emendation nach d. Metr. 

1807 JJU 'alli 'alli 

1802 ^Ü! ,J^ 'alli 'alelli 

1473 X^ ^U 'alalli 'alli. 

3:, g. I.Akt; 5. Scene, ZDMG. 45, S. 47 nach dem Metrum 
transscribirt. 

227 G. ahlan nesibi 1 sidi sälmän-essahi, 

Sl. elhämdu lilla ] 'assaläma ja ahi. 

G. alld jebärik fik | linä wejihfazak, 

40 230 lillähi ms ahlik i weähla malfazak. 



Socin, Bemerkungen zum neuarahi^chen Tartuffe. 333 

Gr. wintiim kamän j fi tnl gijäb \ izeijukum, 

ijäk teknnü birawsfi kiUluküm. 
B. sitti anisä-ssälbatet jabl-erasä, 

bätet bitnl-ellgl \ wehi mesäuwesä. 
235 G. wassgh abn matlnf | 

B. bihgr fi külli-si, 

jimsi wejitheddif | bigibbä mismisi. 

walwissfi rädid | walhudnd metähtaba, 

welö zxinnd bedä ] seminä-mbatrahä. 
G. meskine ja matlnf | 
B. wesitti-tgällibet, 

240 bätet 'alä fars-el'ajä witiällibet, 

wegä-rasä winsal | wehi mä däietö, 

Sat'-erajä bilhgl | weiät'et siretö. 
Ct. wesghgns matlnf | 
B. akäl wahdö-l'asä, 

mä bessg hässimhä | weis bess-ihtasä 
245 illä samat färhä | 'alä äelbö kidä 

warbaj sufäs | min-elkebir | meiäddida. 
G. meskine ja matlnf | 
B. wefät-ellel sawäm, 

wesitna mä tedllsg') | Öh tib-el-manam. 

subnä min-ennezlä | wetisdah fi sarär, 
250 battä Sadgnä-llgl | wegä ba'dö-nnahar. 

G. wesghgnä matlnf | 
B. akäl lammä-nSaläb, 

webä'daha-ssallä | bi'ängar miu 'enäb, 

webät jesahliar tiile lglä=') lissabah, 

welä sihi-llä fgne | hatta-lwäSt§ rah. 
255 G. mesking ja matlnf \ 

B. wehi säft-erazäb, 

di lelät-embäreh | känet lelät-hibäb. 

gähä-lhakim fasäd | dirä'hä märratgn. 

waddemm-eliswid säle | minha öSSatgn. 
G. wesehenä matlnf | ; 

B. sibih zeij-elhadid, 

260 wekiillg jöm | fi äklitö | 'an jdm jezid. 

laglin jewäfFar "äfjetö 'and-elmabit, 

sirib 'ala-ssufra | telät irtäl nebit. 
G. meskinf? ja matlnf | 
B. ähüm lahria bilhgr, 

we'äkluhüm bukrä | jeknn min lähmg tgr, 
265 wallähi lätla* fÖBg | wädrab mäswarä, 

waSnl lisitti 'älkaläm-elli garä. 



1) Wohl besser als -wesittina ma-tdu3e. 

2) Veimuthlieh statt tül-ellelä. 



25* 



384 Socm, Bemerkungen zum neuarabischen Tortuffe. 

h. Verzeichniss der Druckfehler, Lesarten und haupt- 
sächlichsten Emendationen zum , neuar abis chen 
Tartuffe". 

S.41, V. 1 1. ka'he hPr s. S. 348, Z. 25. 

V. 3 s. S. 352, Z. 21. 

V. 7 1. säfa (,'" ist Druckfehler), s. S. 346, Z. 46. 

V. 9 \. jedde s. S. 375, Z. 42; 1. tu'murih S. 356, Z. 7. 
Uebi-igens ist mir der Sinn von 9 b und 10 nicht ganz klar. 

V. 11 Ar. Text j^xsl U, 1. darnach malüd, s. S. 374, Z. 7. 
10 S.42, V. 18 1. walla-hnasükln s. S. 377, Z. 37. 

V. 19. 20 s. S. 351, Z. 26. 27. 

V. 24 1. hum-elU s. S. 356, Z. 22. 

V. 27 s. S. 349, Z. 32, 376, Z. 29. 

V. 31flF. Zu den Reimen vgl. S. 336, Z. 33. 
1.5 . V. 34 1. Uhägat s. S. 379, Z. 12. 

V. 54 1. lagdab s. S. 374, Z. 20. 

V. 55 » vor min fehlt in der 2. Aufl.; so nach dem Metrum 
richtig. 

S. 43 V. 59 Die 2. Aufl. hat Ja^iL«, was wegen des Parallelismus 
20 mit täW vorzuziehen ist. 

V. 63 1. batal s. S. 363, Z. 36. 

V. 67 Zum Metrum s. S. 360, Z. 20. 

V. 74 ^ vor ji'mil fehlt in der 2. Aufl., mit Recht. 

V. 77 1. welhütat-ehuftdne s. S. 379, Z. 13. 
L'.-, V. 79 und 80; wegen S. 372, Z. 12 ist zu bemerken, dass 

im arabischen Druck cj.-^itj und OjaX,j kein Vorschlags- 
alif haben; so richtig nach dem Metrum. 
V. 87 b und 88 vgl. S. 358, Z. 17. 

V. 94. Die 2. Aufl. hat .-x^; das Metrum verlangt /ö^h/j;, 
.•;o beziehentlich jönn-in. 

S. 44, V. 103, Anm. 1. Auch die 2. Aufl. hat ^♦ääj; dieses Wort, 
das nach dem Metrum nicht für eine 7. Form zu halten, 
sondern wohl jenalmir zu lesen ist, kommt auch L'ecole 
des femmes V. 1057/8 (S. tf.) wieder vor: 

(Ich fürchte, o Anise! wir könnten ins Gerede kommen, 
und die Leute könnten aufmerksam und die Sache öffent- 
lich bekannt werden.) Ich vermuthe , dass der Bearbeiter 
an unserer Stelle den Vers 
40 Ce n'est pas lui tout seul qui b 1 ä m e ces visites 

hat wiedergeben wollen. An beiden Stellen dürfte füj- 



Socin, Benierhutigen zum neuavabischen Tartuffe. 385 

nakmar also die Bedeutung , tadelnd reden" herauskommen. 

Vielleicht ist das Wort geradezu mit nahwar s. V. 521 ' 

= se moquer nach Dulac, Contes S. 70, N. 1 identisch. 
V. 110. Zum Metrum vgl. S. 347, Z. 12. 
V. 112 lies ma'-6iirb statt ma-^surb (Druckfehler). 5 

V. 119, 120 1. toiht'^- und 'aßs s. S. 363, Z. 38. 
V. 134 1. 'aleha ie s. S. 334, Z. 36. 
V. 136 1. withassaret statt xoithassaret (Druckfehler). 
V. 138 ^araii passt nicht ins Metrum; es muss statt dessen 

eine zweisilbige Wortform gelesen werden. lo 

V. 139. Der arabische Text hat ^*_i^ö' statt taht\ Sinn und 

Metrum ex-f ordern tehihh. 
V. 141 1. helwe s. S. 348, Z. 46. 

5.45, V. 154 1. hülazl s. S. 379, Z. 36. 

V. 156 1. mein s. S. 381, Z. 9. i5 

V. 163. Der arabische Text hat ,Jl*j., 1. nn'alUm. Vgl. 
S. 355, Z. 14. 

V. 178.' In der 1. Aufl. ist .,>.>v,l.i> (darnach die Transscr.) 
Druckfehler für . j..«lx> der 2. Aufl.. wie Sinn und Metrum 
verlangen. ^ 

V. 177. Vgl. S. 371, Z. 6; 380, Z. 33. 

5.46, V. 184. Die 2. Aufl. hat ^as statt sahh:, der Sinn dieser 

Verse ist mir jedoch trotz der Angabe ^^s! gute Stimmung 

ZDMG. 45, S. 90 nicht recht klar. 
V. 187. Für ^ämü-lo hat der arabische Text bloss ^JU.c 25 

was in der Form ^ümlö auch allein ins Metrum passt; der 

Sinn ist: er macht ihn (oder sich?). 
V. 195 1. 'ald-ssufrd s. S. 382, Z. 23. 
V. 203. Die 1. Aufl. hat e^^>.^jj, die 2. ^>,^,^\ b, 

dem Sinne nach passend. 30 

V. 205. Das Wort tahät scheint mir hier bloss die Stand- 

haftigkeit, das Festhalten an den Grundsätzen zu bezeichnen, 

nicht wie Bd. 45, S. 90 gesagt ist, das lästige, aufdringliche 

Benehmen. V. 1752 kommt der sühib-tabät allerdings wieder 

und ist Uebersetzung des berühmten : (Ce Monsieur Loyal) 35 

porte un air bien deloyal. 
V. 208. Der arab. Text hat ^\.*js.l für U-s-sarräf ^qv Transscr. 
V. 209. Nach Metrum und Sinn schlage ich vor zu lesen 

x*jC^3i statt we-hukmo\ vgl. S. 354, Z. 17. 

V. 212. Der Vers dürfte doch wohl zu übersetzen sein: 40 
möchte er doch über ihn zornig werden und ihn aus 



386 Socin, Bemerkungen zum neuarahücJien Tartuffe. 

unserem Hause jagen. Die Voraussetzung von miv betend 
ist eine starke Licenz. 
V. 217 1. hallin- s. S. 377, Z. 14. Die 1. Aufl. hat ,j,A^ (sie). 
S. 47, V. 230 s. S. 345, Z. 21, 374, Z. 31. 

Y. 242 ar. T. io^-^-* ciotliä» J^^^Jb -otil «.Lai ist mir nicht 
recht verständlich : wahrscheinhch ist zu übersetzen : die 
trostlose Lage brach ihre Kraft und sie dachte nicht daran 
(ans Essen): dann wäre nach S. 383, Z. 14 zu transscribiren 
(vgl. auch S. 347, Z. 15, S. 363, Z. 6). 
gat'-el'aja bilhel | weSatSet siretö. 
Im franz. Text steht bloss 

Tant la douleur de tete etait encor cruelle. 

V. 244 s. S. 353, Z. 3. 

Y. 250 1. Saddenä statt iaddenä (Druckfehler). Vgl. Bern. 

zu Y. 285.' ' 
V. 256 s. S. 379, Z. 6. 
S. 48, Y. 258 vgl. S. 355, Z. 39. walten ist gegen das Metrum. 

Ich vermuthe den Dual von Ks. „zwei Okken". 
Y. 261 s. S. 347, Z. 21. 
Y. 275 1. ^ardo statt 'ardo (Druckfehler). 
V. 285. Statt aiaddih ist nach dem Metrum der erste 

Stamm zu lesen aldth, so dann vielleicht auch V. 250, 

obwohl der zweite auch gesichert ist, z. B. L'ecole des 

femmes Y. 60; L'ecole des maris Y. 158. 
S. 49, Y. 297. Im arabischen Text steht allerdings |*.ii^3, wie ein 

Wort; es ist nach dem Sinn aber wehü-lulium zu lesen. 
V. 299. Die 2. Aufl. hat i-^süX^ statt tMilh, dem Sinne 

nach besser. 
Y. 301. Der arab. Text hat »Jwü statt be-jindah; he fehlt 

besser, vgl. Spitta § 201a. 
Y 304 1. fidl. 

Y. 308. Vielleicht liest man statt we-manjam besser u-mnaijim. 
Y. 318. Der arab. Text hat ^ä^U statt wisgä\ letzteres 

ist wohl in der That besser; vgl. Y. 557. 
V. 328 vgl. S. 370, Z. 33. 
V. 331 vgl. S. 364, Z. 40. 
Y. 336. Die 2. Aufl. hat ^j^\ »^ statt '-ala-l-lnzj; nach 

Sinn und Metrum richtig. Vgl. S. 349, Z. 3. 
S. 50, Y. 354. In der 2. Aufl. fehlt ^s>, richtig nach dem Metrum. 
I Y. 366. Nach handschriftlicher Mittheilung von Völlers ist 

jikniz statt juknuz zu lesen. 



Socin, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 387 

V. 370. Ich verruuthe. dass statt lo wegen des Metrums 

die hocharabische Form lahü zu lesen ist. 
V. 374 1. zej statt zPJ (Druckfehler). — Zum Metrum vgl. 

S. 365, Z. 27. 
S. 51, V. 387 8. S. 378, Z. 31. s 

V. 394 s. S. 361, Z. 21: die 2. Auti. hat .^^ statt iott; 

ersteres ist wohl vorzuziehen. 
V. 395. Ich möchte Imlas statt liallas lesen, vgl. Belot, 

Dictionnaire fran9ais-arabe unter linir. 
V. 398. Die 2. Aufl. hat .J^ü' statt tiidar; der Sinn ver- lo 

langt das Verbum ^^Xi. das nach V. 915 und 916 mit 

Ac construirt wird. 
V. 406 1. du statt dö (Druckfehler) Vgl. S. 349, Z. 21. 
S. 52, V. 416. Die 2. Aufl. hat ^" ^ \yi\ , was doch wohl 

Fehler ist. 15 

V. 430. Die 1. Aufl. hat .■^\ y? (sie), die 2. J!_j.P statt 

hüwantä der Transscr. Vgl. V. 441 : auch das Pronomen 

der 2. Person ist möglich, s. S. 358, Z. 31. 
V. 444 und 450. In der 2. Aufl. fehlt jTi ; für das Metrum 

ist dies gleichgiltig ; denn man kann V. 444 /f? in hunt m 

bithazzar oder in hunte hit^ lesen: V. 450 muss man 

dann hdmi lesen. 
V. 453. Zum Metrum s. S. 359, Z. 33, S. 369, Z. 41. 
V. 455. ^:^jj. hat nach ZDMG. 45, S. 92 die Bedeutung 

„rauh anfahren"; nach Dulac, Contes S. 102 bedeutet es 25 

„jem. drängen, etwas zu thun, pressiren." 
S. 53, V. 457. Der arab. Druck hat Aj:-jt statt za'aL der Artikel 

wird vom Metrum erfordert. 
V. 468. Die 2. Aufl. hat dasselbe wie in V. 1339. 
V. 475, vgl. S. 347, Z. 16. ao 

V. 497. Zum Metrum, vgl. S. 360, Z. 5. 
S. 54, V. 515. fi fehlt im arabischen Text und ist nach Sinn und 

Metrum zu streichen; 1. teiüfi-Üier. 
V. 518. Der arab. Text hat ,^yü. statt v-telül. Die 1. 

Pers. Plur. gefällt mir besser. 35 

V. 519 und 520. 'eddä mit Schärfung ist am Schluss des 

Verses unmöglich; deshalb habe ich auch Bedenken, die 

ZDMG. 45, S. 93 von Völlers angegebene Bedeutung dieses 

"Wortes anzunehmen. Noch unmöglicher scheint mir. dass 

damit meddido reimen kann. Ich verstehe den Sinn der beiden 40 

Verse nicht, sjjs..«^ bei einer Hochzeit kehrt L'ecole des 

maris V. 893 (S. Ia!*-) wieder. 



388 Sociii, Beinerhungeii zum neuarabischen Tartiiffe. 

V. 525 1. muslimä statt mit.f (Druckfehler). 
V. 534 1. da-s- statt das- (Druckfehler). 
S.55, V. 540 s. S. 333, Z. 20. 
V. 550 s. S. 342, Z. 36. 
:> V. 555, ll fehlt im arabischen Text. 

V. 556, jü fehlt in der 2. Aufl. 
V. 561, wa am Anfang des Verses fehlt mit Recht in der 

2. Aufl. Vgl. S. 379, Z. 26. 
V. 571. Nach alül füge mit der 2. Aufl. isl ein, 1. 
10 weküntg ähki-lö | waSnl-lo besse eh. 

V. 574 1. mit der 2. Aufl. (uJlc) 'aleja statt ^alena. 
S. 56, V. 579. Die 2. Aufl. hat b:;*j»- das » -»j. der 1. Aufl. 
ist bloss Druckfehler; Sinn und Reim verlangen w/^azztzo. 
■s. muss Les femmes savantes V. 254 (S. av) und L'ecole 
15 des maris V. 604 (S. Ivl) etwa bedeuten: mit jemand nichts 

zu thuu haben wollen. 
V. 588 1. halij-elbdl nach S. 350, Z. 24. 
V. 589 1. ell-ä'rafo nach S. 377, Z. 25. 

V. 600, Der arab. Text hat ^\.i>i (sie); darnach wäre 
20 welä ahd-erradl vorzuziehen. 

V. 604 1. nach Metrum und Sinn 

'ämla 'alä 'andi | baSä-nti wäzzämän. 
Der arabische Text hat (J,c; mit dem Suffix der 1. Pers. 
hat er fast immer lxJLc. 

25 V. 613. Anm. 1. Bloss die Lesart der 2. Aufl. passt ins 

Metrum ; ich glaube übrigens , sie bedeutet einfach : und 
was kann er dafür? vgl. Landberg, Proverbes et dictons, 
S. 382. 
V. 615, vgl. S. 345, Z. 5. 

3oS.57, V. 632. Nach dem Metrum ist wahrscheinlich j_iU-ii.j i^" 
lesen. 
V. 635 s. S. 363, Z. 22. 
V. 638. Vielleicht ist zu lesen: 

täw'i abnki | ähsan melli ni'milö. 
3.-, V. 639 s. S. 359, Z. 38. 

V. 643. Das ^ von wlkerkibü fehlt im arabischen Text, 

wohl mit Recht. 
V. 645. Die 2. Aufl. hat \yi.^,s.^i^ (was wohl Druckfehler 
ist) und *i3-j3 ?,idXi juzruium; in der 1. Aufl. steht beim 



Sociii, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 389 

letzten Wort der Punkt in der Mitte oberhalb der beiden ^ . 
Trotz der Worterklärungen ZDMG. 45 , S. 92 ist mir die 
Liste dieser fellahischen Unanständigkeiten (V. 645 — 646) 
noch nicht ganz verständlich. 

5.58, V. 657 vgl. S. 380, Z. 16. 5 
V. 671 vgl. S. 361, Z. 13. 

V. 698 vgl. S. 363, Z. 26. 

5.59, V. 720 vgl. S. 367, Z. 10. 

V. 725 1. eh statt eh (Druckfehler). 

5.60, V. 737 1. m statt ta'ä neben ta'a V. 738. lo 
V. 746 1. tithän^ statt tithüinP ; und ha^duhum statt ha^dP 

(Druckfehler). 
V. 752 vgl. S. 369, Z. 43. 
V. 754 1. bardo-n-hasdl ma-nfütse dbdan. 
V. 757 1. da-lgäda'^ statt el-gädä^ ; arab. Text pLXrpJi tj. i5 
V. 760 1. bälaz} s. S. 379, Z. 38. 
V. 764 1. tjasban mit dem Metrum; der arab. Text hat La-aj-c-j 

s. S. 345, Z. 35. 
V. 765. Nach hai? hat der arab. Text noch a/i, sodass 

zu lesen ist: 20 

wallä-nsimi'tu-lhäSSe | minni wäljaäin. 
S. 61, V. 769 1. mä hüsi s. S. 345 ; der arab. Text hat ^^^ U. 
V. 787 1. sä'ätp; der arab. Text hat oUL« statt oUl.w.i! . 
V. 807 b ^ii^jt intä fehlt im arab. Text und ist w^egen des 

Metrums zu streichen. 2.5 

3.62, V. 822. Die 1. Ausgabe hat »^\o ^ »J> ^ÄäJt, die 2. 

&>^1j» j, ^/äJI; der Artikel von dähijä (sie) wird zu 

streichen, vpahrscheinlich aber tewoäU-rrägil zu lesen sein, 
V. 829 1. sabljö, s. S. 350, Z. 23. 

V. 830, 831, s. S. 358, Z. 5. 30 

V. 837. Die Conjectur lölehä nehme ich, wenn auch mit 

einigen Bedenken an. 

V. 840. Die 2. Aufl. hat J^>, s. S. 350, Z. 25. Wie der 
Reim zu lesen ist, weiss ich nicht recht; der arab. Text 
hat yü^! . Ob wirklich imis im Reim mit \oela-nhimi%s 35 
beabsichtigt ist? 
S. 63, V. 860. Die 2. Vershälfte ist vielleicht zu lesen: 
inehlnfa^m-llddd. 



390 Socin, Bemerhungen zivm neiiarabischen Tarttiffe. 

V. 861 s. die Conjectur S. 365, Z. 20. 

V. 865 b. Die 2. Aufl. hat ^^^\ ^.^\ _^g>\ , 

V. 872 s. S. 376, Z. 43. 

V. 874. Der arab. Text hat statt 'alejä: U-Jl£, was vor- 
zuziehen ist. 

V. 879. Statt izä der Transscr. hat die 1. Auflage (^it , 

die 2. richtig (^j|, lies izzejji (wie?), vgl. S. 349, Z. 45. 

S. 64, V. 880. Die Transscr. folgt der 1. Aufl.; doch ist es schwer, 

den Vers ins Metrum zu biingen ; die 2. Aufl. hat 

V. 881. Der arab. Text hat nach du'ü das Woit ^^S , 
was auch das Metrum erfordert. 

V. 886 1. Uardi statt hi'ardi (Druckfehler). 

V. 891 1. maisidi statt maisidi (Druckfehler). 

V. 896. In der 2. Aufl. fehlt ^; vielleicht ist azid eMail) 
zu lesen. 

Zeile 8 von unten ist nach der 2. Ausg. ,A. Matlüf!" 
ganz zu streichen. In der 1. Aufl. ist ».av^J! fehlerhaft 
vom auf die Zeile gesetzt; OjJbOa steht in der Mitte der 
Zeile als Person, die das nun Folgende (V. 913 amnia etc.) 
zu sprechen hat. 
S. 65, V. 920. Der arab. Text hat p'uJt; aber statt elmä'e würde 
ich vorziehen geradezu elmäje zu lesen. Nach meiner An- 
sicht ist mOj, müje^ möi, möje geradezu auf dem ange- 
deuteten Wege entstanden ; die Sprache hat die Nebensilbe 
als Femininendung aufgefasst (vgl. Völlers, Lehrbuch S. 116); 
an eine Deminutivbildung habe ich (entgegen Spitta Gr. 
§ 45 g) nie geglaubt. 

V. 929 1. ninbest't statt tinbesit (Druckfehlei-). 

V. 935 ^ihno hutif zu lesen widerstrebt dem Metrum; ich 
vermuthe : min 'dllemo hatf. 

V. 938 1. Jjalq-el vgl. S. 363, Z. 10. 
S.66, V. 975 s. S. 377, Z. 12. 

V. 981. Der arab. Text hat _^L>o «>!, was abgesehen vom 
Metrum besser ist als ma' essaläh, weil ''effä indeterm. ist. 

V. 984 1. lasi'är, s. S. 375, Z. 12. 

V. 991. Da der arab. Text ^_^L^J U hat, ist im Metrum 
läkm ma-thdffse (mit langem e) zu lesen. 

V. 1002 s. Sr 377, Z. 8. 



Sociii, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 391 

5.67. V. 1012 s. S. 364, Z. 1. 

V. 1013 1. lürlh s. S. 380, Z. 24. 

V. 1036 1. hön statt hänä s. S. 380, Z. 30. 

V. 1039. In der 2. Aufl. fehlt ^^j, was in der That für 

den Sinn, wie auch für das Metrum entbehrlich ist. h 

V. 1040 vgl. S. 366, Z. 5. 
V. 1048. Der arab. Text hat -f^^^'J , 1- nach dem Metrum 

tehir statt itkaijar. 

5.68, V. 1056 1. wejüzlk s. S. 356, Z. 8 ff. 

V. 1057. Unter keinen Umständen passt helli'let (arab. Druck lo 
,^i,S^) ins Metrum; wie zu lesen ist, wage ich nicht 
zu entscheiden. Der Sinn ist wahrscheinlich : die Unzüch- 
tige, auch wenn sie Lärm macht , ist stets dieselbe. 
Anise hat ja eben ihrem Mann die Sache nicht mittheilen 
wollen. Zur Bedeutung s. Dozy Suppl. nach Bocthor und i.') 

xJ^b» Lärm, Bäsim n, H. 
V. 1081. Vor rägü steht im arab. Text noch JI, was das 
Metrum erheischt ; allerdings muss änt gelesen werden : 
hüwänt 'ärif in kunt-anä rägil barl. 
V. 1092 1. wa'affar zweisilbig s. S. 376, Z. 23. 20 

S. 69, V. 1096 ff. stimmen nicht zum französischen Text; dazu hat 
die 2. Aufl. statt V. 1096 als von Clalbun gesprochen die 
Worte : 

und hernach von Y. 1097: >)Lv.; und oü.5^ statt waflal. 2.5 
V. 1098 ist ein freier Zusatz des Bearbeiters. Wenn aber 
nun Matlüf in dem folgenden Verse 1099 Rücksicht darauf 
nimmt, dass Galbün seinen Sohn Sämi hat schlagen wollen, 
so stimmt dies bloss zum französischen Text, wo Orgon zu 
Damis sagt: 30 

Si tu dis un seul mot, je te romprai le bras, 
aber nicht zum arabischen, wo Sämi droht, dem Matlüf 
den Kopf zu spalten. 
V. 1114 1. xüa(jdah statt wmjdah (Druckfehler). 

S.70, V. 1130 1. mit der 2. Aufl. (.,i "^JLc) 'aüja in statt '«/« 35 
inne. 
V. 1136. Die 2. Aufl. hat j^UiJ statt titnihi, allerdings 
wohl ohne Unterschied der Bedeutung; nur scheint mir 
dieselbe nicht bloss (vgl. ZDMG. 45 , S. 96) „sich fügen, 
nachgeben" zu sein, sondern zunächst ,sich von der Appel- 40 



392 Socin, Bemerkungen zu7u neuarabi^clien Tartuffe. 

lation ans Ehrgefühl (denn das ist die nahwa auch noch 
V. 611) leiten lassen," daher kommt die Bedeutung bei 
Cuche : se montrer brave , courageux ä l'egard de qqn. 
Secundär heisst es überhaupt, ,sich umstimmen lassen", es 
Ycird z. B. L'ecole des femmes V. 1137 (S. fr^f-) noch mit 
min construirt: 

^*.i>.i>^^^ ^^S ^^s- ^_»:J5 ^^^_ o-4.j.^ ^j-. 3'wi*J5 Lo 'u 

Vgl. j^,;CÄj auch Les femmes savantes V. 108 (S. a!*") 

und V. 1407 (S. ii^o), -^v>Li:j wieder L'ecole des femmes 

V. 760 (S. riA). Vgl. Dozy S. 
V. 1138 1. kcissart s. S. 856, Z. 1. 
V. 1155. Die 2. Aufl. hat ti<oi.Ai statt zögtak. Man lese 

dann läkinne martak. Rühren etwa derartige Aenderuugen 

vom Setzer der 2. Aufl. her? 
S. 71, V. 1183 1. e^ statt el (Druckfehler). 

V. 1185. Der arab. Text hat ...m.^:>-^(, statt wala ahsan 

und Sfcjl statt ahük ; loalahsan und ahiih sind nach Meti"um 

und Sinn richtig. 
V. 1195. Die 2. Aufl. hat ^zib statt balaghü: das Sufi". 

der 3, Pers. Plur. ist vorzuziehen. 
S. 72, V. 1208. Nach der 1. Aufl. ^j y<^j.A:-> ist hadirtak 

daljia zu lesen; die 2. Aufl. hat (i5o..>.^2=> (s. Völlers in 

ZDMG. 45, 91). 
V. 1217. Im Reim mit tama' ist -wohl so/ia^ zu lesen. 
V. 1223. Die 2. Aufl. hat ^^\ ^, die 1. j^j\ ^. 
V. 1228. Die 2. Aufl. scheint mir eine bessere Lesart zu 

haben, nämlich: 

Die Lesart der 1. Aufl. ist gegen das Metrum. 
V. 1231. Die 2. Aufl. hat statt JäJwd: -^.a, 1. ma^a. 
V. 1234. Die 1. Aufl. hat allei'dings Jüt sAjs^J '>-* (sie), 

die 2. statt dieser Woi'te bloss ^j■^Ai>i J! , vvas füi- das 

Metrum wenigstens leichter ist. — Nach Metrum und Sinn 

ist jidl („fluchen") statt jidda'i zu lesen. 
V. 1242 L tard-el s. S. 363, Z. 8. 
V. 1244, In der 2. Aufl. fehlt mit Recht ^u*i , das gegen 

Sinn und Metrum verstösst. 



Socin, Bemerkungen zum neuarabisclien Tartuffe. 393 

S. 73, V. 1277. Wenn man die Lesart der 1. Aufl. beibehält, wird 
man am besten hinntjetak lesen, wie dies ja auch V. 1264 
im Reim nötbiCT ist. Die 2. Aufl. hat ,.,u^ ,.,x , ^j ^kj.k:"' 
das n statt des t im ersten Wort ist wohl bloss Druck- 
fehler , da iyjÄ^» (Belot : compassion, tendresse) gut passt. . 
Aber w^ ist eine gute Lesart. 
V. 1280. Die 2. Aufl. hat j:-^=^ statt in m allali, im Hin- 
blick auf V. 1279 eine Verbesserung. 
V. 1287 'aija (arab. Text .vv£) passt jedenfalls nicht ins 
Metrum, 1. 'cijü. 
S.74, V. 1298 1. löldnne Jjäfa s. S. 346, Z. 47, S. 349, Z. 40. 
V. 1303. Die 2. Aufl. hat statt ^.,j^ (sie) der 1. bloss ^^l/. 

doch wohl richtiger. 
V. 1328. Die 2. Aufl. hat statt tekeddibnä: j^J^kS. 
S. 75, V. 1349. Das ^L"! .j der 2. Ausg. gefällt mir besser, als 
das i^Jüw-j der 1. Für tdhilüh der Transscr. hat die 1. 
Aufl. akJLi> (Druckfehler), die 2. 8^i>o, also wohl den zweiten 
Stamm. Die 2. Aufl. hat wie hier die Formen auf um 
nicht, z. B. V. 1350, 1809, 1810. 
V. 1351. Vgl. S. 347, Z. 6; S. 371, Z. 29. 
V. 1362 1. ma-thodse s. S. 370, Z. 19. 
S. 76, V. 1396. Der Vers ist wohl folgendermassen zu lesen: 
win küntg fi-mhalläk | agi wa'ätba'äk. 
Ich dachte zuerst an 

win künt§ fi mahällak | ägi wätba'ak, 
was mir aber schon wegen der Caesur weniger gefällt. 
Auch hätte man dann ägi lesen müssen. Im arab. Text 
des seh matlüf kommt die vielfach zu belegende Form 
^_>\v^j, von Völlers V. 1079 und 1122 richtig mit ( um- 
schrieben , in der That vor ; an den beiden augeführten 
Stellen fällt jedoch der metrische Ictus nicht auf die Silbe 
mit dem Präfix; es kommt dies aber in den andern rmajat 
vor, z. B. L'ecole des femmes V. 560 (S. rif) 

*.PA-Iä ^c^;^:^5 r^-''~^" '-i" 

V. 1400 1. irnji-icßak s. S. 367, Z. 32. 
S. 77, V. 1430. Das , von xcafalihimik fehlt im arab. Druck; 
gleichgiltige Aenderung. 
V. 1454 1. waräk statt warräk (Druckfehler). 



394 Socin, Bemerkungen ztim neuarabischen Tartuffe. 

S. 78, V. 1463. Aus Rücksicht auf das Metrum ist die Lesart der 
2. Aufl. vorzuziehen 

>> • u» 

V. 1486. Die 2. Aufl. hat ^ ».? U ^^\ ^i; eine gleich- 
giltige Aenderung. Vgl. S. 345, Z. 1. 
V. 1490. Die 1. Aufl. hat: Ji.xh\ U |o ^a J^Lj» ; die 2. 
ijij.lii>l La tJ> .yA J^sl» . Ich möchte aus der 1. Aufl. das 
uJ beibehalten (dann fällt ^ aus s. S. 364, Z. 26); aus der 
2. Aufl. ,ji,».i2)! aufnehmen. 
S. 80, V. 1531. Wenn man anä nicht auswerfen will, was das 
einfachste wäre, s. S. 341, Z. 10, müsste man lesen: 
min häi mä Sälü-kläm 1 wana akeddibö. 
V. 1535 1. wallähi statt walldM (Druckfehler). 
V. 1536 1. mitfiiln s. S. 364, Z. 23. 
V. 1537 1. 'ardak statt ^ardak (Druckfehler). 
V. 1542 1. im Reim ll statt lljä (s. S. 336), dagegen 
würde V. 1548 doch lijä-lhurüg dem li-el-harüg vorzu- 
ziehen sein. 
V. 1560. Die 2. Ausg. hat kjz statt mä: vielleicht vulgärer. 
I V. 1562 1. hadö statt almdo s. S. 370, Z. 15. 

S.81, V. 1563. Die 1. Aufl. hat ^LJLäj, die 2. ^J^J^^sü statt 
naialnäs. Sl. sagt: willst du (es) uns nicht sagen. 

V. 1575. Die 2. Aufl. hat {j£>^\ das Metrum erfordert den 
2. Stamm, 
j V. 1584. Die 2. Aufl. hat »S^^^Li statt bilhabüsa; eine 

gleichgiltige Aenderung. 
V. 1587. Die 2. Aufl. hat l.» i^IAj. statt ha^de mä, trotz 

V. 1585 vielleicht besser. 
V. 1607. Die 2. Aufl. hat JaJLiit ijalat- der Artikel fehlt 
) besser. 

S. 82, V. 1616. Der arab. Text hat ^S nach mä; nach dem 
Metrum richtig. 
V. 1619. Der arab. Text hat J nach laiaüas-, nach dem 
Metrum richtig. 
.5 V. 1638. Die 2. Ausg. hat ilxz\ statt il^, gleichwerthig. 

V. 1643 vgl. S. 376, Z. 35. 

V. 1645. Nach dem Metrum wird man wohl lesen müssen: 
u-S^ daJd-el^' {dahl wohl als Infin.). 



Socin, Bemerkungen zum ueuarabischen lartuff'e. 395 

V. 1646. Der arab. Text hat ci^^L^^^; ich bin nicht ganz 
sicher, ob dies mit lä-hü-intt richtig umschrieben ist. 
S. 83, V. 1651. Die 2. Aufl, hat ^j^i statt hatta. Im Reim mit 
tt'rtifi' ist wiii' (vgl. Spitta . Gr. § 104 a) statt loaia' zu 
vokalisiren. 5 

V. 1652 äho bardihd passt nicht ins Metrum; wenn man 
nicht bardhä (was nicht schön klingt) lesen will, muss 
emendirt werden wie V. 1654: dt bardthä. 

V. 1656. Der arab. Text hat \^i\ ui statt arnm-aiül; 
im Metmm ist doch wohl izzei maiül zu lesen. lo 

V. 1662. Das letzte (fünfte) ^^^1^3 ^^iX^ (vgl. S. 367, Z. 5) 
fehlt in der 1. Aufl.; ich habe es nach der 2. Aufl. bei 
der Cori'eetur in den Text gesetzt. 

V. 1666 jaqaza geht schwer ins Metrum; die 2. Aufl. hat 
^Luil J. ^ j.jLaxJ',^ ^-♦._j^.5> ^^Ai^j^'o, was vorzuziehen ist. 15 

V. 1668 1. ieije s. S. 350, Z. 15. 

V. 1678. Völlers hat bereits das ^laäi^ des arab. Textes 

mit Recht iatM transscribirt ; so muss nun auch wamazza' 

für p lA^ gelesen werden. 

V. 1684. Die 2. Aufl. hat ^xiC*Jl v^x^^^^-j^ statt ice-danne 20 
bi-s-sikhm ; gleich vverthig. 
S. 84, V. 1706. Der arab. Text hat v,:>.^Jtj statt di-l-ivalt: bloss 
die Deminutivform passt ins Metrum vgl. S. 337, Z. 7. 
V". 1712. Der Reim ''onf-lutf ist beinahe der einzige schlechte 
Reim, der sich in den riwajät findet. So passend der 25 
Sinn von v_ä>L£ ist, so halte ich es doch für einen Druck- 
fehler und schlage vor , ^upf zu lesen. Nach Berggren 

unter contre (sie) bedeutet 'oeutf (was allerdings ^I^c 

ist) contre-temps ; dies passt vortrefflich. 
V. 1726. Die 2. Aufl. hat ^ statt mus. 30 

S. 85, V. 1735 ja ahl passt nicht ins Metrum: vielleicht ist ja 

haijt wie V. 1848 zu lesen. 
V. 1739. Die 2. Aufl. hat 3yo^u statt el-usrd; gleich- 

werthig. 
V. 1746. Der arab. Druck hat LjUax: ^ (sie) ohne den 35 

Artikel. 
V. 1747. Die 2. Aufl. hat J^aüj! statt aiaf: gleichwerthig. 



396 Socm, Bemerlcungen zum -»euarabtschen Tartuffe. 

V. 1749. Die 2. Aufl. hat ^».j, was (l.Pers.) eben so gut, 

wenn nicht besser, als jerRh ist. 
V. 1760. Die 1. Aufl. hat ^äXj, die 2. läJCj; nach dem 

Metrum ist jikfä statt jekeffi zu lesen; vgl. V. 1178. 

5 V. 1764. Die l.Aufl. hat ä-^ixc, die 2. ^xc^. Schon dieses 

> j 

Schwanken beweist, dass in diesem Wort der Schlüssel zur 
Herstellung des Metrums liegt. Ich schlage die Form 
'ast (zehn) vor, die man nach meiner Erinnerung gelegent- 
lich in Syrien hört; also u-m'<7ja ^asf-mfär \ . 

10 S. 86, V. 1776. Die 2. Aufl. hat ».jJ^j^, was wohl besser ist, 
also ^eoio. 
V. 1794. Die 2. Aufl. hat \j> statt Jiakavi. Die Lesart da 

ist einfacher. 
V. 1798. Die 1. Aufl. hat in der That ^Jl:>vJ {lagUn), die 
15 2. Lü ,Jkc {'aimn). 

5.87, V. 1817 1. ell-ahbar s. S. 377, Z. 28, oder hat man wassähb- 

elli ahhär zu lesen? 
y. 1824 1. nach dem Metrum u-tdll statt u-tedaijai. 
V. 1827. Die 1. Aufl. hat ^S\ für adini , vgl. S. 376, 
20 Z. 39, die 2. einfach Li!. 

V. 1835 1. vielleicht 'arse \jürln, s. S. 380, Z. 21. 
V. 1836 1. wejitkaffal, s. S. 364, Z. 16, 367, Z. 34. 
V. 1838 1. ^alejä statt alejä (Druckfehler); hernach 'alej- 
asdi luhum. 
25 V. 1839 1. 'alfgn (?) kidä räih | u-messarrab 3awäm. 

V. 1840. Die 2. Aufl. hat LjL*x statt gaib-lak; gleich- 
werthig. 

5.88. V. 1848. Der arab. Text hat in der That »^äjI; dies ist 

jedoch wohl ein Versehen; die Form muss die 2. Pers. 
30 Imperat. ohne Suffix sein. Es wird zu lesen sein : 

ittaii-nnar. 
V. 1860 1. zejö statt zei. 
V. 1862. Der arab. Text hat J.iü ^U ,lXäj; 'alä gehört 

nach Sinn und Metrum in den Text. 

35 V. 1868. Die 2. Aufl. hat ausdrücklich Sc>.1d» ; das Metrum 

erfordert den 2. Stamm. 



Socin, Bemerkungen zum neuarabischen Tartuffe. 397 

V. 1875. Die 2. Aufl. hat statt läzim Ül, was mir besser 

gefällt. 

V. 1879. Die 2. Aufl. hat ^>^^\ -*.) Üt statt anä 'ala- 

l-hdsil; gleich vverthig. 

S. 89, V. 1899. Die 2. Aufl. hat ausdrücklich ^ß statt a?«ro; 5 

ich würde dmirCi lesen. 
V. 1904. Die 2. Aufl. hat xlajy ^-^ Jv>.^o». 
V. 1905. Die 2. Aufl. hat iJ^.^^,, was weit passender ist, 

als das tesergino der 1. 
V. 1920. Es ist von Interesse, dass hier, wo man nach dem lo 

Metrum bennä statt benpia lesen muss, der arab. Text 

w-Lo hat. 



Im Vorhergehenden glaube ich bewiesen zu haben , erstlich, 
dass in den Riwäjät Mohammed el-Wanäi's ein Metrum zu er- 
kennen ist und zwar der zwölfsilbige Alexandriner ; auch Caesuren i.-, 
sind vorhanden. Dies ist Völlers entgangen; er hat das ganze 
Drama als einen gereimten Prosatext transscribirt. Es war nun 
zweitens mein Bestreben , zu zeigen , was für Veränderungen und 
Emendationen in Folge des metrischen Tonfalls im vorliegenden 
Transscriptionstext anzubringen sind; dazu musste in manchem -jo 
Punkt auf die beiden Auflagen des arabischen Textes und ihre 
Lesarten zurückgegriff'en, theilweise aber auch die andern Riwäjät 
desselben Verfassers berücksichtigt werden. Hauptsächlich lag mir 
daran . zu zeigen , dass beinahe alle der vorgeschlagenen Emen- 
dationen vom Boden der Volkssprache aus leicht und ver- 25 
ständlich sind; wäre dies nicht der Fall, hätte sich der Dichter viel- 
mehr willkürliche Licenzen gestattet, so hätte es sich allerdings 
nicht verlohnt, so viele Zeit und Mühe auf diese Arbeit zu ver- 
wenden. Im Grunde lassen sich die Emendationen ja auf einige 
wenige allgemeine Sätze , betreffend die Quantität der Silben und 30 
die Contraction zweier Silben in eine zurückführen. Ausserdem 
wünschte ich bei dieser Gelegenheit einige allgemeine, aber auch 
fundamentale Fragen in Betreff des heutigen Arabischen, die bisher 
nicht genügend behandelt worden sind, zu berühren, und wenn 
nicht zu lösen, so doch auf ihre Wichtigkeit aufmerksam zu machen. 35 
Ferner suchte ich zu bestimmen , welcher Sprachschattirung inner- 
halb der Grenzen des heutigen Aegypto-Arabischeu sich Mohammed 
el-Wanäi bei der Abfassung seiner Dramen bedient hat; das Re- 
sultat ist, dass er die Volkssprache in einer Form benutzt hat die 
noch etwas ,v u 1 g ä r e r" ist , als die , welche uns in den bis- 4o 
herigen prosaischen Transscriptionstexten geboten und auf welche 
namentlich Spitta's Grammatik gebaut ist: besonders die Contrac- 
Bd. XL VI. 2G 



398 Socin, Bemerhimgen zum neitarahischen Tartuffe. 

tionen der Wörter und Satzglieder sind stärker , als wir sie aus 
den Büchern Spitta's und Völlers' kennen lernen. Dies hängt zwar, 
wie oben angedeutet, damit zusammen, dass ein jeder Vers ein 
Lautganzes bildet, vor Allem aber aucb damit, dass wir Dramen 

.') vor uns haben, bei denen der Vortrag, sagen wir geradezu die 
Aufführung, ins Auge gefasst ist. Meine nächste Absicht war, wie 
ich schon oben gesagt habe, nicht einen Commentar zu dem Stücke 
zu liefern, sondern bloss den Text so festzustellen, wie ihn der 
Autor sich gedacht haben mag ; dies musste versucht werden, um 

10 den Weg zur grammatikalischen und lexikalischen Ausnutzung zu 
bahnen. Die Ausbeute ist nicht gering, und ich möchte nur den 
Wunsch aussprechen, dass manche Fachgenossen den .seh matlüf 
ernstlich studiren möchten , denn die darauf verwendete Mühe lohnt 
sich. In diesem Sinn fühle ich mich Völlers zum wärmsten Dank 

15 dafür verpflichtet, dass er uns das Stück in Transscription vorgelegt 
hat: ohne deren Hilfe wäre ich in vielen Fällen rathlos gewesen. 



399 



x4.n zeigen. 

Die Sahosprache von Leo Rein /'s ck. 2 Bände. Wien 
1889 — 1890. 310 und 492 SS. 

In dieser Zeitschrift hat Eeinisch im Jahre 1878 einen kurzen 
Abriss der Grammatik der Sahosprache gegeben, der in knapper 
Form und klarer Weise den Bau dieser Sprache beschreibt und be- 
leuchtet. Die kurze Skizze beruht auf Sammlungen und Forschungen, 
die R. auf seiner Reise in den Jahren 1875 — 76 in den nordöst- 
lichen Grenzländern Abessiniens gemacht hat. Fast gleichzeitig 
erschien eine kleine Schrift „Die Sprache der Irob-Saho in Abes- 
sinien" ^) in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie der Wissen- 
schaften, welche einen Sahodialekt behandelt, der von den Irob, 
einem an der südwestlichen Abdachung von Hamasien sesshaften 
Stamme, gesprochen wird. Die Saho gehören zu dem niederkuschi- 
tischen Zweig der abessinischen Chamiten und „nomadisiren von 
Arqiqo südlich von Massaua bis Irafale und landeinwärts bis Halay 
in Abessinien". Während aber die eigentlichen Saho vor etwa 
zweihundert .Jahren vom Christenthum zum Islam übergetreten sind, 
halten die Irob noch heute am Christenthum fest und gelten als 
mit den Saho nicht stammverwandt. 

Noch während seines Aufenthaltes in Massaua im Herbst 1875 
konnte Reinisch die Afarsprache erlernen und eine Reihe von Texten 
sammeln. Die Afar oder Dankali sind die südlichen Nachbarn der 
Saho und weiden bis zur Bucht von Zeila; im Süden grenzen 
sie an die Somali. Das Afar ist in grammatischer und lexikalischer 
Beziehung mit dem Saho aufs engste verwandt und als Saho- 
dialekt, nicht als besondere Sprache anzusehen. Diesen Dialekt 
erlernte R. von Biläl-Nugüz, dem blinden König der Buru-'Afar, 
der nach Massaua in der Hoffnung gekommen war, dass ihm ein 
europäischer Arzt zu seinem Augenlichte wieder verhelfen möchte. 
Biläl-Nugüz, wie es scheint ein alter Sünder, dictirte eine Anzahl 



1) Vgl. Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften Ud. CX. 
;. 89 ff. 



400 Anzeigen. 

meist sehr lasciver Texte, welche 'Abdallah Dasamoyta ins Saho 
übersetzte *). 

'Abdallah ibn 'All war Reinisch's Diener auf seinen beiden 
Reisen in den Jahren 1875 — 76 und 1879 — 80. Er stammt aus 
der vornehmen Pamüie Sidin 'Umar's vom Stamme der Dasamo 
und musste wegen eines Vergehens aus seiner Heimath flüchten. 
In Massaua trat er im November 1875 in Reinisch's Dienst und 
bewährte sich durch seine Treue und Zuverlässigkeit wie durch 
geistige Begabung und gute Fähigkeiten. Ausser Saho , welches 
er in allen Dialekten beherrschte, sprach er auch geläufig Arabisch, 
Amharisch sowie Tigre und Tigray. Seiner geistigen Gewandtheit 
wegen wurde derselbe bereits im englisch-abessinischen Feldzug 
von den Engländern und später von Munziger-Fascha zu politischen 
Missionen an den abessinischen Hof verwendet. 

Die zahlreichen und sorgfältig stilisirten Sahotexte, welche im 
ersten Bande der „Sahosprache" veröffentlicht sind, gehen wohl auf 
diesen klassischen Gewährsmann zurück. Sie zerfallen in neun Ab- 
schnitte und enthalten geschichtliche Ueberlieferungen der Saho,, 
deren Sitten und Gebräuche mit Erzählungen zur Beleuchtung 
derselben, Märchen, Sagen, Thierfabeln und Anekdoten, endlich 
Lieder, Sprichwörter und Räthsel. 

Aus dieser kurzen Uebersicht wird man den Werth dieser 
eigenartigen Liter aturproducte erkennen . die in ethnographischer 
Beziehung ein vollständigeres und schärferes Bild von dem Saho- 
volke gewähren , als es je ein Reisender zu liefern vermöchte , ein 
Bild, das um so echter und charakteristischer ist, als dasselbe sich 
aus den naiven Schilderungen des Volkes selbst ergiebt und weder 
durch künstliche Ausschmückungen noch durch absichtliche Ent- 
stellungen von seiner ürsprünglichkeit einbüsste. Es ist meine 
Absicht nicht, das reiche Material, welches in Reinisch's Publi- 
cationen vorliegt, vom Standpunkte der Ethnographie und der ver- 
gleichenden Sagenforschung zu prüfen und zu beleuchten — aber 
die Aufmerksamkeit der Ethnographen darauf zu lenken und sie 
zur Erforschung dieses Materials anzuspornen, halte ich für eine 
wissenschaftliche Pflicht. Es finden sich in den Literaturproducten 
dieser Völker Niederschläge von alten Sagen über den glücklichen 
Zustand der Urzeit, wie historische Ueberlieferungen über den Ur- 
sprung des Sahovolkes und seiner sieben Stämme. Sitten und 
Gesetze wie die Charaktereigenthümlichkeiten des Volkes sind aus 
den Erzählungen viel deutlicher und schärfer zu erkennen als aus 
Beschreibungen von Reisenden. Die Thiergeschichten und Fabeln 
zeigen oft eine feine Beobachtungsgabe , und aus den Anekdoten 
und Sprichwörtern sind Scharfsinn und ernste Lebensweisheit er- 



1) Vgl. die Afar-Sprache 1— III, Wien 1885 — 1887 (aus den Sitzungs- 
berichten Bd. XCl — XCIV) und die nach Reinisch' Anleitung angefertigte 
Grammatica di lingua Afar von Giovanni Colizza. 



Müller, ReiniscJis Sahosjjrache. 401 

kennbar. Die Lieder endlich zeichnen sich durch einen gewissen 
Formensinn aus. 

Aus dem Abschnitte der „geschichtlichen Ueberlieferungen" 
will ich No. 6 „Wie Adulis unterging" anführen, welches in der 
schlichten sich dem Texte möglichst anschliessenden Uebersetzung 
Reinisch's eine gute Stilprobe bietet: 

„Einst war Adulis eine grosse Stadt .... In Aduhs lebte 
ein Zauberpriester. Zu dem kam Moses, genannt der Prophet Yula^), 
auf seiner Flotte. Der erzählte ihm: „Das Schitfsvolk hat mich 
schlecht behandelt". Da machte jener einen Zauber, und die Flotte 
strandete. Da ertranken alle Soldaten im Meere, Moses aber be- 
tx-übte sich darüber. Da Moses traurig war, wurden auch die 
Engel traurig und darüber ward auch Gott betmbt. Und da Gott 
betrübt war, so liess er durch Erdbeben vom Adulisthale aufwärts 
und von Afta und Abbomale abwärts die Orte untergehen". 

Diese Sage ist doppelt merkwürdig: erstens weil die Zer- 
störung von Adulis vulkanischen Ursachen zugeschrieben wird, was 
mit einer Vermuthung Rüppell's ^) übereinstimmt, der also sagt: 
„Es wird den Leser befremden, dass die Ruinen von Adulis .... 
so weit von der Meeresküste entfernt liegen. Was dies betrifft, 
so wüsste ich, ausser der Annahme einer Erhebung der Küste 
durch vulkanische Kraft, keinen genügenden Grund dafür 
anzuführen". Zweitens erinnert die Erzählung an die alte jüdische 
Sage von dem Aufenthalte Moses in Abessinien. 

Eine andere Geschichte aus dem Abschnitte „Märchen und 
Sagen" (No. 3 S. 109) hat die Ueberschrift „der Mann, der Gott 
tödten wollte". Die Vorgeschichte dieser Erzählung ist nicht un- 
interessant und für 'Abdallah Dasamoyta charakteristisch. Bei all 
seiner Ergebenheit und Treue für Reinisch und trotz seines dienst- 
fertigen Eifers Reinisch's Wünsche zu erfüllen, konnte er sich dessen 
Bestreben , die Sprachen der ostafrikanischen Völker zu erforschen, 
nicht recht erklären und hielt das ganze Gebahren Reinisch's in 
dieser Beziehung für eine Auflehnung gegen die von Gott für die 
verschiedenen Völker und Sprachen gesetzten Grenzen oder für 
eine Verirrung des Geistes, für eine Art fixer Idee. Wiederholt 
suchte er dieser Sache auf den Gnind zu kommen und die ge- 
heimen Motive zu erkennen, die Reinisch bei diesen Forschungen 
leiteten. Im Anschluss an ein solches Gespräch erzählte er die 
oben bezeichnete Geschichte, die ich hier in abgekürzter Form 
wiedergebe : 

„Ein Mann, der wegen eines Streites mit seinem Bruder mit 
sich und der Welt zerfallen war, zog aus um Gott zu tödten". 
Er begegnete Gott und dieser fragte ihn: „Wohin gehst du?" Der 
Mann antwortete: „Ich gehe aus, um Gott zu tödten\ Gott gab 



1) Der Beiname Moses Nabi Yula ist eine Verstümmlung von ^1 c^ ' 

2) Reise in Abyssinien I, 267. ' 



402 Anzeigen. 

sich dem Manne zu erkennen und fragte ihn um sein Begehren. 
Da sprach der Mann zu Gott: „Ich wünsche mir sonst nichts als 
jegliche Sprache zu kennen, die du gebildet hast". Gott verlieh 
ihm die Gabe jede Sprache zu verstehen. Auf dem Wege legte 
er sich unter einem Baume schlafen und hörte zwei Adler mit 
einander sprechen , die eine Kiste Gold verbargen. Er forderte 
von ihnen und erhielt die Kiste mit Gold, wurde ein reicher Mann 
und heirathete eine schöne Frau. Nachts hörte er, wie der Bock 
zur Ziege sprach: „Unser Herr schläft jetzt mit seinem Weibe, 
komm' also, damit ich auch mit dir schlafe". Der Mann verstand 
das Gespräch und lachte. Die Frau wollte durchaus wissen, warum 
er gelacht habe. Da sagte der Mann : „Da ich sterben muss, sobald 
ich es dir gesagt habe, so bereite mir das Todtenmahl". Das hörte 
der Hund des Mannes und erzählte es seinem Kameraden. Der 
aber sagte: „Dein Herr ist thöricht, er soll nur die Frau laufen 
lassen und ihr das Geheimniss nicht preisgeben". 

Diese Erzählung ist eine Variante der Erzählung vom Ochsen, 
dem Esel und dem Bauer in Tausend und einer Nacht (1 , 7 bei 
Weil und 1, 27 ed. Breslau). Verwandt damit ist die Fabel in 
Prinz und Derwisch Pforte 24 (vgl. jetzt N. Weisslowits Prinz und 
Derwisch S. 120ff.)i). 

Der Abschnitt „Sitten und Gebräuche der Saho" unterscheidet 
sich stilistisch scharf von den im Ganzen etwas breitspurigen Er- 
zählungen. Die knappe , präcise Fassung lässt vermuthen , dass 
hier zum Theil in der Ueberlieferung des Volkes lebende Gesetze 
nach einer alten Formulirung wiedergegeben sind. Um den Lesern 
einen Begriff von der Sache und dem Stile zu geben, setze ich 
den ersten Abschnitt hierher: 

„Jene Saho, welche dem Gesetze Mina's folgen, erwählen neben 
dem Häuptling noch sieben Friedensrichter. Diese wissen was 
schlecht und gut ist und richten nach dem bestehenden Gesetz. 

Darnach hat wer einen Backenstreich erhalten, Anrecht auf 
fünf Kleider, wem ein Zahn ausgeschlagen wird, der erhält deren fünf 
und fünfzig, auch der, dem ein Auge ausgeschlagen worden ist und 
wer einen Schlag auf den Kopf erhalten hat, so dass ein Knochen zum 
Vorschein kommt: dem Blut vergossen wurde, erhält einen jungen 
Ziegenbock , ein Maass Honig , zwei Scheffel Mehl und ein Gefäss 
Butter; wer jemandes Braut oder Weib entehrt hat, zahlt diesem 
fünf und fünfzig Kleider, auch wer mit Sandalen jemand geschlagen 
hat ; wer einen mit dem Stocke schlägt , zahlt ihm zehn Kleider. 

Diese Sitten haben die Dasamo , Mina's Nachkommen ; sieben 
Friedensrichter sind es, die sie regieren". 



1) Gegen die Annalime, dass diese Fabel muhammedanischen Ursprungs 
sei, sprechen am Schlüsse die Worte des Hahnes: „Sieh, ich besitze zehn 
Frauen, die ich alle nach meinem Willen lenke und dein Herr hat nur eine 
und kann sie nicht beherrschen!" Bei der in den muhammedan. Ländern 
üblichen Polygamie passt dieser Schluss schlecht. 



Müller, Reinisclls Sahosprache. 403 

Die Lieder (S. 286—298) entHalten Proben von Kriegs-, Lob-, 
Trauer- und Spottliedern. Sie haben vielfach fortlaufenden, aber 
auch abwechselnden Reim und wie ich sicher zu erkennen glaube, 
auch ein Metrum, allerdings das primitivste, die Silbenzählung und 
sogar Spuren eines Strophenbaues. Hier einige Proben: 

2. Lied der Dasamo auf ihre Heimath. 

Haygye, hay^ye, Holaho. holaho ! 

Ilafälo märgytä! geliebtes Irafale! 

gübbet tauä läy lä, Auf dem Markt giebt es Wasser 

ülaü bähä lä lä, und korntragende Rinder 

gnba-1 sümä bäde-lä, und unten das wogende Meer 

kuddumd haläy lä, und hüpfende Adlerrocheu. 

Ilafalö ni bald ! Irafale unser Land ! 

häqqe el-lä mä-hayna Da giebt es keine Beamten 

gibre el-lä mä-zayna und keine Zöllner. 

Die ersten zwei Verse sind der Anruf an das Land und haben 
je 6, die weiteren je 7 Silben. Die zweite Strophe beginnt: 

Schönes Wongabo 
"Wongabo unser Land. 

Darauf folgen die Verse zu je 6 oder 7 Silben. Die Strophe schliesst 
mit dem Refrain: 

Da giebt es keine Beamten 

und keine Zöllner. 

Die dritte Strophe beginnt mit dem Annif: 

schönes Hade, 
Hade unser Land! 

Darauf folgen die Verse zu je 6 oder 7 Silben und zum Schluss 
der Refrain. 

Die vierte Strophe ist ohne Anruf und ohne Refrain, die 
beide wohl nur weggelassen worden sind. Sie besteht aus 6 Versen, 
von denen die zwei ersten je 8 , die 4 letzten je 9 Silben zählen. 

Das Lied vom Dichter Falakobe auf den Stamm Mina's (S. 290 
No. 6) hat 10 Verse zu je 8 Silben mit Ausnahme des zweiten 
Verses, der nur vier Silben zählt: 

Minä yani nabä alg Mina's grosser Stamm 

mängö häl lä hat gar manche Züge : 

gäri sötäl mulühä lä einige haben die gezogenen Säbel, 

gäri dakäni bü'ä lä andere des Elephauten Gebrüll 
etc. u. s. w. 

Das Metrum ist aber leicht hei'gestellt, wenn wir im zweiten Verse 
mängö häl lä wiederholen. Der Vers hat dann 8 Silben und klingt 
durch die Wiederholung viel poetischer. 



404 Anseigen. 

Ein anderes Gedicht Falakobe's auf sich selbst bietet ebenfalls 
metrische Schwierigkeiten (S. 291 No. 8) : 

Fälaköbä ang' igida Falakobe ist wie ein Lump : 

mi-yährusa er ackert nicht, 

ml-yängida er handelt nicht, 

mar'ä-d qädi yamgigida bei Hochzeiten gleicht er dem Qädi 

redo-d nugnzü yamigida und im Festsaale dem König, 

takhä-kö inki qülmantd kä gidä Ein Bissen Folenta ist seine Kost. 

Die Verse 1, 4 und 5, wo nugüzü (= n'güzü) zweisilbig ist, haben 
je 8 Silben. Vers 2 und 3 haben allerdings je 4 Silben, sie bilden 
aber, wie der Reim beweist, nur einen Vers von 8 Silben. Der 
letzte Vers ist unverhältnissmässig lang und könnte nur durch Weg- 
lassung der allerdings entbehrlichen Worte hö inkl auf 8 Silben 
reducirt werden. 

Ein Spottlied einer jungen Frau auf ihren impotenten Gatten 
(S. 296 No. 19) von abwechselnd 6 und 4 Silben: 

Egidä lä numa Ein Jahr besitzt er die Frau 

yafgärö wä und entjungfert sie nicht; 

azä lä-kö azä einer Kalbin rother Kühe 

yazbärö wä wird er nicht Herr 

und ein den Gesang nachahmendes Hirtenlied (S. 294 No. 16, 1): 
Hglä-li-lä lä lä Hat wohl der Starke Kühe? 

hilä-lilä lä, la! Der Starke hat Kühe, ja Kühe! 

mögen die Frohen aus den Liedern abschliessen. 

Wie Reinisch durch seine Publication über das Bilin ^) und 
Chamir ^) eine sichere Grundlage für das Verständniss der Agan- 
sprachen wie des hochkuschitischen Sprachzweiges überhaupt ge- 
schaffen hat, für welchen noch insbesondere seine Arbeiten über 
die anthropologisch und hnguistisch so merkwürdigen Kunama '), 
sowie über das Kafa und Nuba von Wichtigkeit sind: so hat er 
durch seine umfassenden und man möchte fast sagen erschöpfenden 
Studien über die Saho und Afar eine sichere Basis für die Er- 
foi-schung des niederkuschitischen Sprachzweiges gelegt, die er wohl 
durch die in Vorbereitung befindliche Abhandlung über die Bedauvi- 
sprache erweitern und vertiefen wird. 

Bilin und Saho sind und bleiben die beiden Hauptrepräsen- 
tanten der hoch- und niederkuschitischen Sprachen, von denen die 
ersteren von ackerbautreibenden , die Hochländer Abessiniens be- 



1) Die Bilinsprache, 2 Bände, Wien 1885 — 1887. Die Bilinsprache in 
Nordost-Afrika, Wien 1882 (Sitzungsberichte der Kais. Akad. d. Wiss. Bd. XCIX). 
Vgl. meine Anzeige in Kuhn's Literatur-Blatt Bd. I, S. 434 ff. 

2) Die Chamir- Sprache in Abessinien I u. II, Wien 1884 (Sitzungs- 
berichte Bd. CV). 

3) Die Kunama-Sprache in Nordost-Afrika I— IV, Wien 1881 — 1891. 



Müller, ReiaiscK's Sahosprache. 405 

wohnenden Völkern, letztei-e von an den Gestaden und Niederungen 
des Rothen Meeres nomadisirenden Stammgruppen gesprochen werden. 
Während der grammatische Bau des Bilin äusserst schwierig, ver- 
wickelt und räthselhaft ist, zeigt die Sahosprache eine sehr einfache 
und durchsichtige Construction , die von Reinisch in der schon an- 
geführten Skizze mit einer Klarheit und Fasslichkeit beschrieben 
worden ist, welche alle Arbeiten dieses Forschers auszeichnen. 

Dass die Sahosprache mit den übrigen chamitischen Sprachen 
viele charakteiistische Merkmale gemein hat, die zum Theil auch 
den semitischen Sprachen eigenthümlich sind (z. B. die Bildung des 
Causativs durch präfigirtes s, des Reflexivs durch t und des Caus.- 
Eefl. durch st etc.) setze ich als bekannt voraus. Eine besonders 
merkwürdige Erscheinung im Saho ist der Gebrauch des Vocal- 
wechsels zum Ausdruck der Tempora und Modi. So z. B. vom 
Hilfsverbum a „sein" , ä (ich bin) , P (i<;h wai") , o (ich will sein), 
worauf der ganze Ausbau des Verbums beruht: 
a-leh-e „ich sage" e-leh-e „ich sagte" a-lali-o „ich will sagen" 
din-a „ich schlafe" din-e „ich schlief" din-o „ich will schlafen". 
Zu beachten ist auch der innere Vocalwechsel in der Wurzel: 

dah, leh ; läk, lik ; gar, gur ; daw, diy etc., 

welche stark an ähnliche Vocalübergänge im Semitischen erinnert : 

qäm, qüm; qäl, qül; sär, sir etc. 

In gleicher Weise werden die zahlreichen dreiradicaligen ent- 
lehnten sem. Verba behandelt : 

gamad, gomud; hakam, hkum; faday, fdiy etc. 

Nimmt man dazu die Pronomina personalia aiiu ich , atu du, 
nanu wii", atin ihr und die Verbalpräfixe a, ta, ya, na, tan, ijan 
und die zahlreichen sem. Lehnwörter, von denen es in den Saho- 
texten wimmelt, so wird man sich nicht wundern, dass nach den 
ersten Sahoproben, die nach Europa gekommen waren, es für eine 
semitische Sprache erklärt wurde. 

Aber trotz vieler Aehnlichkeit im grammatischen Baue mit 
den sem. Sprachen zeigen die abess.-cham. Sprachen andererseits 
auch so scharfe und einschneidende Differenzen, dass diese gewaltige 
Kluft nur durch eine Trennung von vielen Jahrtausenden ausgefüllt 
werden kann. Schon lautlich fehlt in den abess.-cham. Sprachen 
eine Reihe von Consonanten , die für die sem. Sprachgruppe cha- 
rakteristisch ist. Das Gesetz der Dreiradicaligkeit und die damit 
aufs engste zusammenhängende Mannigfaltigkeit in der Bildung des 
Nomens hatte seine umgestaltende Wirksamkeit noch nicht begonnen. 
Die logische Gliederung des Satzes ist auch vollkommen verschieden. 
Es darf aber nicht vmbetont bleiben, dass in sehr wichtigen Punkten, 
wie z. B. in Bezug auf die Laute und die syutactische Entwicklung 
das Altägyptische dem Sem. näher steht als dem Abessinisch- 
Chamitischen. Selbst in Bezug auf die Dreiradicaligkeit zeigt das 



406 Anzeigen. 

Aegyptische eine grössere Anzahl solcher scheinbar ursprünglicher 
Wurzeln als die südlichen Dialekte. Diese Thatsachen gehören 
meines Erachtens zu den grössten Räthseln der Sprachforschung 
und bedürfen einer eindringlichen Untersuchung. 

Dasselbe, was hier von der grammatischen Entwicklung gesagt 
wird, gilt auch von dem Sprachschatz. In dem Sahowörterbuche 
wird jedes Wort dui'ch eine Reihe von Stellen belegt, etj^mologisch 
erläutert und mit den verwandten cham. und sem. Sprachen ver- 
glichen. Zu bedauern ist, dass der Verf., um Raum zu sparen, 
bei vielen Artikeln auf das Afar- und Bilinwörterbuch verweist, 
anstatt hier in abschliessender Weise die Zusammenstellungen zu 
geben. Bei einer eingehenden Prüfung des Sprachmaterials fällt 
es auf, dass eigentlich altchamitisches Sprachgut nur in geringer 
Menge vorhanden ist, und dass selbst dort, wo die einsilbige Wurzel 
auf altchamitische Abstammung hinzudeuten scheint, bei genauerer 
Untersuchung eine sem. Radix zum Vorschein kommt. 

Die Wandlungen, welche dieser Sprachstoff durchgemacht hat, 
erstrecken sich durch viele Jahrtausende. Die Einflüsse des Geez 
wie der Dialekte desselben, des Amharischen und Tigre und be- 
sonders des Arabischen sind verhältnissmässig noch frisch und jung. 
Diese kräftigen und lebendigen Wurzeln verdrängten das alte ab- 
genutzte Sprachgut. 

Man ist von vornherein geneigt anzunehmen, dass der Sprach- 
schatz viele Berührungen mit dem Altägj^ptischen ergeben würde, 
und in der That finden sich eine Menge Wörter, wo das Aegyptische 
verglichen werden kann und von Reinisch auch verglichen worden 
ist — aber in den meisten und sichersten Fällen sind es Wörter, 
die auch in den semitischen Sprachen vorkommen. Ihre Existenz 
im Altägyptischen und Chara.-Abessinischen beweist also für die 
Urzeit gar nichts. 

Von den sechzig Fällen, in denen Reinisch auf das Aegyptische 
verweist, will ich hier einige herausgreifen : 

barak auf die Knie fallen (""li y5.j ägypt. barak). 

däb , täh und täb zurückkehren, vergelten (*^i.j mn , ar,:: 
äg. dab, kopt. -Tuit). 

foräs Matte, Matratze (^ji-Ls äg 

fasar erläutern (,.w.5 "lüD, ^.rz 



ras, kopt. 


npF 


>«,). 


, p'atar). 






; ^i' ^-^v, 


äg. 


qa 



garay begegnen (Af. id. G. cj)^p; La Nip , äg. qara). 

Man vei-gleiche ferner s. v. "an, 'anan, hahhu, hafas, hol, 
karkar, kathn, katamä, luhdn, sahaf, tamam, yabas etc. 

Sichere Vergleichungen aus dem Aegyptischen , die im Semi- 
tischen nicht nachweisbar sind, sind vielleicht nur: 

ada Rücken (äg. 'at). 

W7«' spalten (äg. ma^). 



Müller, KeiniscWs Sahosprache. 407 

ma^ offen, ehrlich handeln, gut sein (äg. ma*^, kopt. xiivi, Aie). 

nah gross, mächtig (äg. nah, grosser Herr). 

üattu Wohlgeruch (äg. sati, kopt. ci-oi, cri odor). 

Im Gegensätze zu diesen wenigen und unsicheren Berührungen 
mit dem Altägyptischen sind die Lehnwörter aus den sem. Sprachen 
äusserst zahlreich und sicher zu bestimmen. Eeinisch hat mit 
grossem Sammelfleiss und Spürsinn die entsprechenden Wörter auch 
dort gefunden, wo sie nicht an der Oberfläche lagen. 

Bevor der Versuch gemacht wird, aus den cham.-abessiuischen 
Dialekten die Ursprache zu reconstruiren, ist es nöthig, die fremden 
grammatischen und lexicalischen Elemente auszuscheiden und da- 
durch das sicher Chamitische kenntlich zu machen. Die Analyse 
ist in grammatischer Beziehung leichter zu bewerkstelligen als in 
lexicalischer. Wenn z. B. der innere Plural im Bilin und Saho 
wie in anderen Dialekten auftritt, so kann kein Zweifel obwalten, 
dass diese gramm. Erscheinung aus den südsemitischen Sprachen, 
dem Aethiopischen und Arabischen, herübergenommen worden ist. 
Schwieriger gestaltet sich die Behandlung des Sprachstoffes, weil 
durch die verschiedenen Sprachschichten, welche sich im Laufe der 
Jahrtausende über einander legten , der ursprüngliche Kern nicht 
mehr oder sehr schwer zu ermitteln ist. Es gilt daher erst die 
Hülle zu untersuchen, die Schichten auseinanderzuhalten und die 
Gesetze festzustellen, welche bei der successiven Bildung die Wirk- 
samkeit der verschiedenen Elemente beherrschten. Um an den Kern 
zu gelangen , muss der Versuch von der Peripherie ausgehen , und 
hierin können Semitisten vielleicht etwas beitragen, das dunkle 
Problem zu lösen. Es kann natürlich nicht die Aufgabe einer An- 
zeige sein, die semitischen Elemente in der abess.-chamit. Sprache 
erschöpfend zu behandeln — aber einige Andeutungen, wie an die 
Lösung dieser Probleme heranzutreten ist, möchte ich noch geben. 
Aus den Hunderten von arabischen Lehnwörtern, welche die 
Sahotexte enthalten, lassen sich eine Reihe von Thatsachen feststellen, 
die an und für sich interessant sind und vielleicht auch für die 
ältere Zeit einige Aufschlüsse gewähren. Die südsemitischen Sprachen 
haben bekanntlich neben dem h ■ Laut auch den Kehllaut h (^) 
welcher, wie Spuren im Assyrischen und Hebräischen beweisen, 
auch der semitischen Ursprache eigenthümlich gewesen zu sein 
scheint. Dagegen fehlt dieser Laut in den chamitischen Sprachen 
und musste in Lehnwörtern durch k ersetzt werden. Daher hadain 

(= ^3^==-) hak (= -:.j_i>), halaq (= (J-^^^)' hliliq {== (J-i^i*), 
ladim (= *j'i.i>), kawin (= ..yjLi>), Myäna (= KJl_x.3>), rohtä 
(= KAii>0, ralds (= ^;^j^i> ), s^k (== >^x^). Demnach darf z. B. 
Imwär „Junges vom Thiere" (vom Elephanten) im Saho, vom Esel 
im Bilin nicht mit r5^(^ | und .U-i>, sondern mit arab. .U_> 



408 Anzeigen. 

,Kameelsfüllen" zusammengestellt werden. Thatsüchlich bietet das 
Tigi-e die Form ^^(^ hierfüi-. 

Ebenso unzweifelhaft ist akera im Sähe, Biiin und Afar nichts 

anders als Arab. ».3-1 . Dagegen kann eterö nicht gleich ^^.3- 
sein, welches kater lauten müsste. Ich vermuthe vielmehr hierin 
arab. jjl. Einzelne Ausnahmen scheinen allerdings vorzukommen. 
So kommt neben bakil auch bahü (= J^^) vor und bahas 
„schwach sein" scheint, wie Reinisch annimmt, mit (jM..:i^j zusammen- 
zuhängen. 

Dasselbe, was vom sem. h gesagt wurde, gilt auch von andern 
nur den semitischen oder besonders den südsem. Sprachen eigen- 
thümlichen Lauten z. B. vom s, welches bald durch einfaches s 
bald durch s ausgedrückt wird, weil ein adaequater Laut im Abess.- 
Cham. eben nicht vorhanden ist '). 

In der Wiedergabe des Ghain (ö ) ist das Saho sehr schwankend. 
Man vergleiche z. B. alaf verdecken (o^-Jls^), qasab (^^^ii) und 

magrib (o.i/s). Gleiche Beobachtungen lassen sich auch über 

Ji», cj^, ö etc. machen. 

In vielen Fällen ist es schwer zu entscheiden aus welcher 
südsem. Sprache, ob aus dem Arabischen oder dem Aethiopischen, 
eine Wurzel entlehnt wurde und wir können nur durch Beobachtung 
gewisser lautlicher Eigenthümlichkeiten zu einem sicheren Schluss ge- 
langen. So können die Wurzeln aöa?/ (^f^p^ c^^)t f^^^y iA,^^\ 
\jS} , nafay , nakay , zanay , raday , salay , sakay , waqay aus 
beiden Sprachen entlehnt sein, aber die Erhaltung des y am Ende 
der Wurzel weist uns mit ziemlicher Sicherheit auf das Aethiopische. 

Eine eigenthümliche Behandlung erfahren die einsilbigen 

Lehnwörter im Saho: Aus ^1 wird amtr oder amre aus J.-Aoi 
asüe, aus »äc mire oder 'ds^-e, aus J^äc ^dqele, aus ^ duhre, 



1) Vgl. 'uisCd = .3».-o5, 'dSre und 'äsre = .->.2-£, qasab = i_>_Ai^, 
riSäs = ij>^Lo , . subhe = a-^*o , sadaf = v__JA>o , sifir = .ä./o . caheh 
^„^-l o ete. Demnach erklärt sich das Wort naSib „Antheil" als arab. 



Müller, ReiniscKs Sahosprache. 409 

aus iw',0 darih , aus ■xx,«j>. (juma'df , aus ^^ nasre , ^„^j^ nishä, 
«Lo 5^y^r, -:S\*. sfAe)- und sihre. Dass hierin kein Zufall waltet, 

sondern das Bestreben, die Consonanten durch Vocale von einander 
zu sondern, beweist am besten das Wort ^'%Ji , welches Isildm 
gesprochen und geschrieben wird. 

Zum Schluss möchte ich noch einige ^Yörter erklären, für die 
Reinisch zum Theil eine andere, zum Theil aber gar keine Ety- 
mologie gegeben hat, und diese Erklärung der wohlwollenden 
Prüfung des Verf. unterbreiten: 

'a/e Nebenform 'äle „Sache", „Ursache" (arab. Sic). 

azi/alab „Hase". Sollte hier nicht arab. >.^*.JLjiji „Fuchs" vor- 
liegen ? 

gäla „Kameel" ist vielleicht aus Gamal verstümmelt. 

haraf „gierig, gefrässig sein" kann schon aus dem oben S. 407 an- 
geführten Grunde nicht mit ^^ etc. verglichen, muss vielmehr 
mit arab. ^o.> zusammengestellt werden. Daher hirfe „die Gier" = 
^o.=>, hirif „gierig" = ^j>äj^.=> etc. 

gaylab „Vieh treiben" (arab. ^^a.L>). 

hodur in der Verbindung (jami hodür „ein Mann, der die 
Dämonen kennt", ist mit arab. , .jü^s- zusammen zu stellen. Vgl. 

auch Koran Sure 23, Vers 100 ^.^:<^ .^i v_J, ^Sj ^j-^^* . 

ndsä „Amnestie, Nachsicht einer Strafe" (arab. \.^). 

kiiräy „Zorn, Aerger" ist vielleicht aus arab. ^J' entstanden. 

harag „ziehen" etc. (arab. ^.z»-). 

del „lang, hoch, weit, entfernt" (arab. joj_b). 

dilo „Hüfte. Lende" (vgl. arab. .^I^^ „Rippe"?). 

sdharä „das Ausland, Fremdland- (arab. ^,.^^a3 die wüste 
Küstenebene vom Standpunkt der Bergbewohner). 

Ich könnte wohl noch nach der Uebung mancher Kritiker 
auch allerlei kleine Versehen und Druckfehler verzeichnen. Das 
scheint mir aber für verständige Leser überflüssig. 

Ich habe mich bei dieser Anzeige grösstentheils auf das Saho 
beschränkt, weil es mir vergönnt war, unter Leitung meines hoch- 



410 Anzeigen. 

verehrten Collegen fast alle gedruckten Sahotexte zu lesen, während 
ich von den übrigen Publicationen Reinisch's nur einzelne Bruch- 
stücke lesen und prüfen konnte. Arbeiten meines eigentlichen 
Faches haben mich verhindert, tiefer in diese schwierigen Studien 
einzudringen. Aber gerade die wiederholten Versuche diese wohl- 
geordneten und commentirten Texte zu verstehen und die Schwierig- 
keiten, die sich einer gründlichen Beherrschung derselben entgegen- 
stellten , haben mich die grossartigen und epochalen Leistungen 
Reinisch's nach ihrem wahren Werthe schätzen gelehrt. Welcher 
Aufwand von geistiger und physischer Kraft gehörte dazu, von 
Eingeborenen im Laufe von anderthalb Jahren ein so reiches und 
so verlässliches Material zu sammeln! 

Das erste Erforderniss, das die Wenigsten mitbringen und mit 
dem R. wie kaum ein anderer begabt ist, ist ein feines Ohr, um 
die verschiedenartigsten Laute aufzufassen. Viele Stunden täglich 
mit den Eingeborenen zu verkehren, ihre Dictate in verschiedenen 
Dialecten nachzuschreiben, grammatisch und lexicographisch zu 
ordnen und in das Verständniss derselben einzudringen setzt eine 
Arbeitskraft und Spannkraft der Nerven voraus, die ans ünglaub- 
liGhe grenzt. 

Mit dem Sammeln dieses Materials, das allein ein Menschen- 
leben ausfüllen könnte, war aber nur der Anfang gemacht. Es 
galt nun dasselbe wissenschaftlich zu bearbeiten und sprach- 
vergleichend zu verwerthen. Der Sammelarbeit folgten 15 Jahre 
schwerer und aufopfernder Forsch er arbeit. Dazu kam das Gefühl 
der Vereinsamung und des mangelnden Verständnisses von Seiten 
mancher Fachgenossen, wie sie jede neue bahnbrechende Forschung 
zu begleiten pflegen. Ohne jede Anregung und Ermunterung, oft 
durch nörgelnde und klügerseinwoUende Kritik verletzt aber nicht 
entmuthigt'), hielt der Forscher standhaft aus und bereicherte mit 
jedem Jahre die Sprachwissenschaft mit neuen Gaben. Das ge- 
sammelte Material ist noch nicht erschöpft — wir dürfen noch 
Weiteres erwarten. 

Reinisch gehört zu den wenigen Gelehrten , die bei ihren 
Specialforschungen den Zusammenhang mit den grossen Fragen 
der Wissenschaft nie aus den Augen verlieren. Er sammelte und 
bearbeitete den fremden Sprachstoff um dadurch das Problem der 
menschlichen Sprache überhaupt lösen zu helfen. Aus dem Sprach- 
materiale , das er in Afrika gesammelt , schickt er sich nun 
an mit sprachvergleichender Methode die Resultate für die all- 
gemeine Sprachwissenschaft zu ziehen. Seine Untersuchung über 
das Zahlwort -) macht den Anfang und zeigt in welcher souveränen 



1) Es soll aber ausdrücklich hervorgehoben werden, dass Forscher vom 
Eange eines Dillmann , von der Gabelentz und Halevy die grosse Bedeutung 
von Reinisch's Arbeiten wiederholt in gebührender Weise anerkannt haben. 

2) Das Zahlwort Vier und Neun in den chamitisch-semitischen Sprachen. 
Wien 1890 (Sitzungsberichte Bd. CXXI). 



Nestle, Qames. 411 

Weise er die afrikanischen Sprachen beheiTScht und wie er die 
leisesten Spuren zu verfolgen und scharfsinnige Schlüsse zu ziehen 
im Stande ist. Er will aber auch über das Rothe tNIeer eine 
Brücke schlagen und die alte Verbindung zwischen Semiten und 
Chamiten wieder herstellen. Die Kluft von vielen Jahrtausenden 
ist jedoch nicht leicht auszufüllen, Mittelglieder fehlen und der Ver- 
such, diese Kluft zu überbrücken, ist ein grosses schweres Wagniss. — 
Möge neben Scharfsicht auch Vorsicht sein Leitstern sein ! 

Bevor ich schliesse , möchte ich mir noch eine Bemerkung 
erlauben. Die Grenzgebiete zwischen Egypten und Abessinien, der 
Tummelplatz der abessinisch-chamitischen Völker, deren Sprachen 
Reinisch mit so zäher Ausdauer und grossem Erfolge erforscht hat, 
stehen jetzt unter italienischem Einflüsse, sie liegen, wie man sich 
diplomatisch auszudiücken pflegt, in der Machtsphäre Italiens. Der 
stolze Name der „Erythräischen Colonie" legt auch Verpflichtungen 
auf. Italien liegt es ob die wissenschaftliche Erforschung jener Gebiete 
fortzusetzen und den semitischen und chamitischen Dialecten Abessi- 
niens volle Aufmerksamkeit zu widmen. Abgesehen von den 
Arbeiten des ausgezeichneten Orientalisten Ignazio Guidi über 
Amharisch haben aber italienische Gelehrte so gut wie gar nichts 
in dieser Richtung gethan. Es ist Sache der italienischen Regierung 
und der gelehrten Körperschaften diese Unterlassung bald gut 
zu machen. 

Wien, December 1891. D. H. Müller. 



Qames. 

Von 

E. Nestle. 



J. Derenbourg habe in dem (mir hier nicht zugänglichen) Jahr- 
gang 13 (1879) der Revue Critique die Zeichen für Qames und 
Pathach aus Verstümmelungen des N abgeleitet, berichtet Renan 
im Rapport annuel des Journal asiatique für 1879 (S. 49) mit 
Anerkennung (manifere . . des plus ingenieuses), während Grätz es in 
seiner Monatsschrift 1881, 403 mit Recht „befremdend" findet. Die 
sogenannten babylonischen Vokalzeichen stammen allerdings, 
wie schon Pinsker für ä, u, i sah, Grätz a. a. 0. für ä (= z') 
ergänzte, und G. F. Moore (Am. Or. Soc. Proc. Oct. 1888 p. XXXVII f.), 
wie es scheint ohne Pinsker und Grätz zu kennen, durch den Hin- 
weis auf das Arabische erhärtete , aus den Consonanten - Zeichen 
N, -, ■' und V. Das tiberiensische System dagegen ruht, wie 
das syrische , auf der Verwendung des Punktes und der Linie als 
Unterscheidungszeichen. Dabei ist nun klar, dass das Zeichen 



412 Nestle, Qames. 

für Qames gar niclits anderes ist als eine Combination 
desCholem-Punktes und derPathach-Linie. In unsern 
Drucken sieht das Zeichen allerdings nicht mehr so aus, daher 
Ewald lehrte (Gr." S. 86) „ - wurde durch einen neuen Strich nach 
unten zu ~^' verlängert, zum Unterschiede von ä und ä"; man darf 
aber nur z. B. die Handschriften-Facsimiles ansehen, welche die 
Palaeographical Society veröffentlichte , und man wird davon über- 
zeugt sein. Zudem wird es durch alte Zeugnisse ausdrücklich be- 
stätigt. In dem von J. Derenbourg veröffentlichten Manuel du 
Lecteur (J. As. Nov. Dec. 1870 S. 363) heisst es vom rtir^ip: es 
bestehe aus Linie und Punkt unter dem Buchstaben ip N^m 
m^n nnn m:i3i. Noch deutlicher sagt Ibn Esra (bei W. Bacher, 
Abraham ibn Esra als Grammatiker S. 63) : Das grosse Kamez 
entsteht aus ö und a, daher sein Zeichen: ein Strich 
mit einem Punkt darunter; sein Name weist auf Z u - 
sammenziehung des Mundes hin. In diesem Namen hat Stade 
(Gramm. § 35 a) mit Recht einen Beweis dafür gefunden „dass die 
Erfinder des Punktationssystems das ^^ schon dunkel als ä oder 
sprachen". Der deutlichste Beweis liegt, meine ich, eben im 
Zeichen selbst, und da ich in den gewöhnlichen Lehrbüchern 
nirgends darauf hingewiesen fand, erlaube ich mir das hervorzuheben 
und anzufügen, dass schon Pelhcan 1503 nach Nigri's Vorgang in 
seinem modus legendi hebr. Qames als a suevicum beschreibt 
quod inter a darum et o medium profertur, possetque nostris 
litteris taliter scribi ä. Hermann Fischer, der von mir 
darauf aufmerksam gemacht, in Nigri's und Pellican's Beschreibung 
den bis jetzt ältesten Beleg für schwäbisch o = mhd. ä fand 
(Germania 37, 107 — 109), meinte, Pellicau könnte diese Bezeichnung 
selbständig erfunden haben; nach dem Vorstehenden hat ihn viel- 
leicht das hebräische Zeichen und dessen Ursprung darauf ge- 
bracht. — Schade, dass nun Mörike's hübsche Zeichnung und 
poetische Verherrlichung des Qames etwas von ihrer Berechtigung 
verliert. 

Zum Schluss sei gefragt, ob am Ende nicht auch das ~^ mit 
seinen 2 Punkten neben einander und einem dritten unter ihnen 
auf einer Combination von Zere und Chireq beruht. Ibn Esra a. a. 0. 
erklärt es zwar anders , indem er seinerseits sowohl das Zere als 
das Schureq so (aus 6 und i) entstehen lässt; manche Erscheinungen 
der tiberiensischen Vokalisation Hessen sich aber aus solcher Auf- 
fassung des Segol erklären. 



413 



Beiträge zur indischen Rechtsgeschichte. 

Von 

J. JoUy. 

5. Zur Geschichte der Kinder ehe n. 

Die bekannte strafrechtliche Bül von 1891 , welche die Ab- 
schaffung der Kinderehen in Indien bezweckt, hat dort eine überaus 
lebhafte Diskussion hervorgerufen , an der sich auch eine Reihe 
indischer Sanskritisten eifrig betheüigt haben. Zugänglich sind mir 
die kleine, aber inhaltreiche Schrift von Professor Bhandarkar 
,A Note on the Age of Marriage" (Poona 1891) und eine Udväha- 
samayamimämsä von Pandit Rämamisra Sästri, dem bekannten 
Lehrer der Philosophie in Benares (Benares 1890); auch gehören 
in diese Reihe die beiden schon früher erschienenen Broschüren 
von Raghunäth Räo über , Hindu Law on Marriage" und „Hindu 
Remarriages" (Madras 1884/85). Wähi'end in diesen Schriften die 
Kinderehe als eine in den richtig verstandenen Vorschriften des 
Brahmanismus keineswegs begründete Einrichtung zu erweisen ver- 
sucht wird, verfolgen andere Aesserungen indischer Sanskritisten, 
die mir aber nur aus polemischen Anführungen in den erwähnten 
Schriften bekannt sind , die entgegengesetzte Tendenz. Auch in 
England ist eine Apologie der Kinderehe erschienen in Gestalt der 
bemerkenswerthen Broschüre von F. Pincott „Social Reform by 
Authority in India" (London 1892). Das von den indischen Sans- 
kritisten benutzte Material ist in erster Linie dem Dharmasästra 
entnommen, ausserdem dem Rigveda. den Grihyasütras, dem Mahä- 
bhärata, den Puränas und einigen medizinischen Werken. 

Da die Frage, ob die indische Kinderehe eine durch die Religion 
geheiligte Institution ist oder nicht, auch für die indische Alter- 
thumskunde ein erhebliches Interesse hat, so soll hier eine erneute 
Prüfung derselben versucht werden. Betreffs des hierbei voran- 
zustellenden Dharmasästi'a finde ich allerdings keinen Grund von 
dem principiellen Standpunkt abzugehen, zu dem ich auf Grund 
eines sehr beschränkten Materials schon vor Jahren gelangt bin '). 



1) Sitzuugsber. d. k. b. Akad. d. Wiss. 187G, I, 424—428. 
Bd. XLVI. 27 



414 Jolly, Beiträge zur indischen Rechtsgeschichte. 

Die Smrititexte , theils in den vollständig erhaltenen Werken 
theils in den Smriticitaten der späteren Autoren vorliegend , lassen 
sich nach ihrem Inhalt in drei Gruppen eintheilen : 1) Texte, welche 
die Verheirathung vor dem Eintritt der Pubertät anordnen: Gaut. 18, 
20—23; Vas. 17, 67—71; Baudh. 4, 1, 11 — 14; Manu 9, 88—93; 
Yäjri. 1, 63, 64; Vishim 24, 38—41; När. 12, 20—27; Paräs. 7, 
7 — 10; Samvarta 65 — 68 etc. Häufig wird dafür der Ausdruck 
nagnikä gebraucht, der jedoch auch wörtlich als „eia noch nackt 
gehendes Mädchen" gefasst werden kann, zumal da Gautama dafür 
sagt : präg vägväsahpai'ipatteh, und dieses Alter von dem allgemeinen 
Termin präg ritoh unterscheidet. Die Smriticandrikä giebt beide 
Erklärungen ^). Ist kein Vater da, so müssen andere Verwandte u. s. w. 
als kanyäpradäh für die Verheirathung des Mädchens sorgen. Die 
Nichterfüllung dieser Pflicht zieht nicht nur die schwersten Folgen 
im Jenseits nach sich, sondern hat auch die Wirkung, dass der 
Vater dadurch aller Rechte über seine Tochter verlustig geht und 
sie nach drei Jahren, oder schon nach drei Katamenien, selbst einen 
Gatten wählen darf (svayamvara). Auch braucht der Gatte in 
diesem Falle ihrem Vater kein sulkam zu geben, während ihr aller- 
dings auch nicht gestattet ist, ihren Schmuck mitzunehmen und 
sie sogar nach einer strengeren Auffassung zur vrishall wird, die 
Jeder rauben und Niemand heirathen kann, ohne aus der Kaste ge- 
stossen zu werden. 

2) Bestimmtere Angaben über das Heirathsalter finden sich 
namentlich an folgenden Stellen. Manu 9, 94 bestimmt acht Jahre 
als das Minimum, zwölf Jahre (das Alter der Reife) als das Maximum, 
je nach dem Alter des Bräutigams. Brihaspati setzt hierfür 10 und 
7 Jahre ein : trimsadvarsho dasäbdäm tu bhäryäm vindeta nagni- 
käm I ekavimsativarsho vä saptavarshäm aväpnuyät || Ein ähnliches 
Schwanken zwischen dem 12. und 10. Jahre als obere Grenze zeigt 
sich einerseits in einem Text des Samvarta nach einem India Office 
Ms. (Eggeling III, No. 1367), des Yama und Paräsara nach anderen 
Quellen (präpte dvädase varshe) , andrerseits bei Ai'igiras : tasmät 
samvatsare präpte dasame kanyakä budhaih | pradätavyä prayatnena. 
Sieben Jahre als die untere Grenze bestimmt auch eine anonyme 
Smriti bei Raghunandana u. A. : saptasamvatsaräd ürdhvam vivähah 
särvavarnikah | Das Alter von acht Jahren empfiehlt Daksha : 
vivähayed ashtavarshäm evam dharmo na hiyate ; ähnlich Sam- 
varta 66: viväho 'shtamavarshäyäh kanyäyäs tu prasasyate. Am 
weitesten herab gehen drei ohne Nennung der Autoren citirte Texte : 
shadabdamadhyenodvähyä kanyä varshadvayam tatah, ashtama- 



1) Smritic. I. O. Ms. B. 327. nagnikä ca puräne darsitä | yävan na 
lajjayängäui kanyä purushasamnidhau | youyädiny avagüheta tävad bhavati na- 
gnikä II samgrahakäro 'pi | yävac celam na grihnäti yävat kridati päiniubhih 
yävad dosharn na jänäti tävad bhavati nagnikä || amaras tu yävad ritudarjanain 
tävan nagnikety äha |j 



Jolhj, Beitrüge zur indischen RechtsQeschichte. 415 

vavshaparyanto garbhapaücamaprabhritah | kanyäviväha ucitah kälali 
und janmato garbhädhänäd vä pancamäbdät paraip subham | ku- 
märinäm tathfi dänam : also 6 und 8 , ja 5 , oder vielmehr 4 , und 
8 Jahre sollen die Grenzen bilden. 

3) Gegen alle diese Texte lassen sich nicht mehr als eine oder 
zwei Stellen beibringen , die in einem der Kinderehe ungünstigen 
Sinne gedeutet werden können. Närada 12, 25—27 bestimmt, dass 
die Mädchen bei Eintritt der Mannbarkeit ihre Verwandten davon 
in Kenntniss setzen sollen, die, wenn sie dann nicht für ihre Ver- 
heirathung sorgen, einem bhmnahan gleichgeachtet werden, und 
dass daher der Vater seine Tochter „nach erlangter Reife" pravritte 
rajasi verheirathen soll. Die Lesart pravritte rajasi passt ganz gut 
in den Zusammenhang, und ich habe sie daher in meiner Ausgabe 
des Närada in den Text eingesetzt, obschon mehrere Hss. ato pra- 
vritte (atho prakrite , atho prakritte) lesen , d. h. ato 'pravritte. 
Diese letztere Lesart, nach der also der Vater seine Tochter schon 
vor Eintritt der Pubertät verheirathen soll , halte ich jedoch jetzt 
für die richtige, 1) weil die gute alte nepalesische Hs. , die ich 
leider nur noch für die Vorrede zu meiner Edition benutzen konnte, 
dafür apravritte rajasy atah liest, 2) weil die nämliche Hs. noch 
zwei weitere, auch anderswo vorkommende Texte über die Ver- 
heirathung unerwachsener Mädchen (avyafijanopetäm arajäm apayo- 
dharäm) nach 12, 28 einfügt^), 3) weil auch ein gleichlautender 
Text, der aus dem Mahäbhärata citirt wird, die Lesart ato 'pra- 
vritte bietet. — Die viel benützte ^) Stelle Manu 9, 89, die es für 
besser erklärt, selbst eine ritumati bis zu ihrem Tode im Eltern- 
hause bleiben zu lassen, als sie an einen unwürdigen Freier zu ver- 
heirathen, steht nur scheinbar in stai'kem Widerspruch zu der 
Parallelstelle Baudh. 4, 1, 11, wonach selbst eine Ehe mit einem 
unwürdigen Freier dem dauernden Aufenthalt im Vaterhause vor- 
zuziehen ist. In Wirklichkeit bezweckt die Manustelle, wie der 
Commentator Räghavänanda mit Hinweis auf Yäjn. 1, 64 bemerkt, 
nur die Wahl eines guten (utkrishta) Bräutigams einzuschärfen, 
ebenso wie der vorhergehende Vers 88, der einem utkrishta selbst 
eine apräptä zu geben räth. Bliebe die Tochter wirklich nach er- 
langter Reife im Vaterhause, so dürfte sie zum svayamvara schreiten, 
und der Vater verlöre alle Autorität über sie (90, 93). Hier mag 
auch die beachtenswerthe , allerdings allen anderen Commentaren 
und den bisherigen Uebersetzungen widersprechende Erklärung des 
dharme sidati satvarah || in 94 bei Rämacandra Erwähnung finden, 
wonach diese Worte ein Verbot der Verheirathung nach Eintritt 
der Reife enthalten sollen: dharme sidati sati rajodarsane samu- 
pägate sati. 



1) Vgl. meine Ausgabe in der Bibl. Ind. Pref. p. 1 1 und p. 171 dei 
üebersetzung. 

2) Bhandarkar p. 3, Eämamisra p. 36, Hopkins, Ruling Gaste p. 343 etc 



416 Jolly, Beiträge zur indischen RechtsgeschicJite. 

Wenden wii- uns nun überhaupt von den Smritis zu den 
Commentatoren , zunächst zu denjenigen des Yäjnavalkya, so be- 
merkt die Mitäksharä zu Yajn. 1, 63, 64: aprayacchan bhrüna- 
hatyäm ritäv ritäv äpnoti. Ebenso äussert sich Aparärka (Deccan 
College-Hs.), der überdies den etwa aus M. 9, 89 zu entnehmenden 
Einwand widerlegt, wobei er die Aussprüche des Kasyapa und 
Samvarta über Kinderehen citirt: yat tu manuvacanam j kämam 
(9, 89) ... II iti tad gunavadvarasambhave gunahinäyädätavyety evarp- 
param | na tu kanyartudarsanam adosha ity evamartham | tathä 
mativacanäntaravirodhah | tathä ca kasyapah . . . Aehnlich spricht 
sich Mädhava in seinem Commentar zu Paräsara p. 481 aus. 

Die nämliche Auffassung vertreten auch die Commentatoren 
Manu's, wie z. B. ihre Erklärung des Ausdrucks apräptäm 9, 88 
zeigt, den Kullüka, Näräyana und Rämacandra auf eine noch nicht 
Achtjährige (vgl. 9, 94) beziehen, Räghavänanda auf eine noch nicht 
Zehnjährige (kanyä). Nur Medhätithi, der älteste Commentator, 
scheint eine Sonderstellung einzunehmen. Er ist gegen das frühe 
Alter von acht Jahren, sagt Hopkins'), indem er (zu 9, 88) be- 
stimmt erklärt, dass in einem solchen Falle die Braut geradezu 
von ihrem Vater verkauft würde. Bhandarkar weist gleich zu 
Anfang seiner Schrift auf die Bemerkung Medhätithi's zu 9 , 89 
hin : präg ritoh kanyäyä na dänam. Diese letzte Stelle ist besonders 
auffallend, allein ich kann als Herausgeber der drei ersten adhyäya 
von Medhätithi's Manubhäshya aus Erfahrung versichern, dass 
Mandlik's Ausgabe, aber auch die meisten Hss. höchst unzuverlässig 
sind, und obschon obige Lesart auch in meinen Hss. steht, so könnte 
doch kanyäyä na dänam leicht verschrieben sein, z. B. für kanyäyäh 
pradänam, wie in dem oft citirten Text Gaut. 18, 21 pradänam 
präg ritoh. Jedenfalls sagt Medhätithi zu 9 , 93 : vayo'nantara- 
präptau vedayituh pituli svämyaip nästi, und auch seine Glosse zu 
9, 88 lässt ihn nicht als Gegner, sondern als Anhänger der Kinder- 
ehen erscheinen. Ein kurzer Auszug aus dieser Glosse findet sich 
in Bühler's Manu-Uebersetzung , Bühler hat mir aber auf eine An- 
frage freundlichst seine Reconstruction und Interpretation der ganzen 
schwierigen und in Mandlik's Ausgabe wie in den Hss. stark cor- 
rupten Stelle mitgetheilt, wonach Medhätithi zwei Erklärungen der 
Manustelle angiebt: 1) ein weniger als acht Jahre altes Mädchen 
darf verheirathet werden, 2) ein achtjähriges Mädchen darf ver- 
heirathet werden, auch wenn sie noch nicht erwachsen ist. Medhä- 
tithi bevorzugt die letztere Erklärung, weil nach der anderen 
Auffassung der Verkauf der Töchter gestattet wäre, was den Be- 
stimmungen des 3. adhy. widersprechen würde. Vielleicht ist noch 
eine nur wenig abweichende Emendation der Corruptelen möglich, 
wobei die wichtige Bemerkung über das Heirathsalter: sä cäshtavarshä 



1) a. a. O. Vgl. auch The Ordinances of Manu von Burneil -Hopkins, 
p. 259. 



Jolhj, Beiträge zur indischen Reclitsgeschichte. 417 

shadvarshä vä zu der von Medhätithi angenommenen Erklärung 
gehören würde. Jedenfalls werden in der Glosse die drei denk- 
baren Motive für viväha mit einer apräptä : käma (räga), dharma 
und artha erörtert, und Medhätithi, hier wie an anderen Stellen 
(z. B. 3, 31, 51, 52; 9, 98) gegen die Kaufehe polemisirend, wendet 
sich gegen die dhanärthinah. die ihre Töchter im frühesten Alter 
um Geld verheirathen , nur zu dem Zweck, um zu zeigen, dass 
auch artha das Motiv bei viväha mit einer apräptä abgeben könne. 
Die Pubertät tritt nach seiner Glosse zu 9, 91 erst mit zwölf Jahren 
ein: ritudarsanarn ca dvädasavarshänäm. 

Von systematischen Rechtswerken der späteren Zeit erwähne 
ich zuerst die berühmte südindische Smriticandrikä, welche in dem 
Kapitel über kanyädänakäläh nach Anführung der obigen Texte 
von Yama, Gautama, Samvarta u. s. w. zu dem Ergebniss gelangt: 
evam ca yävad rajodarsanam na bhavati tävat kanyodväho na vi- 
ruddha ity uktam bhavati. Raghunandana , die erste Autorität in 
Bengalen , citirt in seinem Udvähatattva (p. 62) mit Beifall die 
obigen Texte des Aiigiras, Yama u. s. w. und bezieht in der Manu- 
stelle über die apräptä (9, 94) diesen Ausdruck auf eine weniger 
als Achtjährige (ashtavarshanyünäpi), indem er das normale Heiraths- 
alter mit sieben Jahren beginnen lässt. Der dem Nordwesten an- 
gehörige Madanapärijäta (pp. 147 if.) citirt die Texte ebenfalls und 
verlegt das kanyädänam in rajodarsanocitasamayät pürvakäle. In 
ähnlichem Sinne äussern sich die massgebenden Autoritäten der 
Bombay Presidency. Nilakantha (Samskäram. p. 70) bemerkt, dass 
der viväha vor dem Eintritt der Pubertät stattzufinden hat, und 
wird mit M. 9 , 89 durch den Hinweis auf die darin gebrauchten 
Ausdrücke api und kämam fertig: yat tu manuh (9. 89) . . . iti 
tad apisabdät kämasabdäc ca na svärthaparam kimtu gunavate däna- 
prasamsärtham. Weiterhin erwähnt Nilakantha das Alter von fünf 
Jahren als die Minimalgrenze : ye upanayane käläh pancamavarshä- 
dayah. Der oben erwähnte Text, auf den sich diese Bestimmung 
gi-ündet, wird mit Beifall auch von Anantadeva citirt, der trotz 
seiner nördlichen Heimath in Kumäon am Himalaya ') jetzt in 
Bombay als eine grosse Autorität gilt ; doch hält Anantadeva das 
Alter von 6 — 8 Jahren für das geeignetste (prasastatarab kälah 
Saraskäi'akaust. f. 197 b). Kamaläkara's Nirnayasindhu (Par. 3, Pürv., 
f. 30 b) stellt den nämlichen Text an die Spitze aller Texte über 
das Heirathsalter und erklärt zehn Jahre für die Maximalgrenze: 
dasavarshäd ürdhvara viväho nishiddhah. Der Dharmasindhusära 
(Par. 3, Pürv., f 52b) schreibt sogar eine Busse für die Ver- 
heirathung eines schon erwachsenen Mädchens vor: der Vater soll 
eine gewisse Anzahl Kühe geben, entsprechend der Anzahl der ritu 
seit dem Eintritt der Pubertät, oder ein Mahl für die Brahmanen: 



1) Cf. No. 4 meiner „Beiträge". 



418 Jolly, Beiträge zur indischen Reclitsgescliichte. 

das Mädchen soll fasten etc. , der Bräutigam soll ein Homaopfer 
darbringen. 

Für die Anschauungsweise der Smritis wie der späteren Rechts- 
werke bezeichnend ist der Ausdruck svaväsini oder suväsini, der 
nach der gewöhnlichsten Erklärung *) und nach seiner etymologischen 
Grundbedeutung „eine A^erheirathete, aber noch bei ihren Angehörigen 
Wohnende" bedeutet. Der eheliche Verkehr mit einer solchen ist, 
wenn sie auch schon auf den Namen einer patni Anspruch hat, 
verboten nach dem öfter (z. B. Nirnayasindhu 3, Pürv. 2 b) citirten 
Spruch : präg rajodarsanät patnim neyäd gatvä pataty adhah j 
vyarthikärena sukrasya brahmahatyäm aväpnuyät || Das eheliche 
Zusammenleben beginnt erst mit der G arbhädhänaceremonie , die 
daher weit mehr dem europäischen Begriff der Hochzeit entspricht 
als der viväha. Dieser wichtige Akt, von dem es heisst: garbhä- 
dhänasyäkaranät tasyäm jätas tu dushyati, steht in den Smritis an 
der Spitze aller samskära. Die genaueste Angabe über das Alter, 
in dem er vollzogen werden soll, bietet ein dem Asvaläyana zu- 
geschriebener Spruch : garbhädhänam dvijah kuryäd ritau prathama 
eva hi | caturthadivasäd ürdhvara puträrthi divase same || Ich gebe 
Bhandarkar vollkommen zu , dass dieser Text sich bei Asvaläyana 
nicht findet und anscheinend in keinem anderen Werk als dem 
Samskärakaustubha citirt wird. Allein die Verlegung des garbhä- 
dhänam in die Zeit des Eintritts der Pubertät findet sich ganz 
ebenso bei Vishnu 27, 1 garbhasya spashtatäjuäne nishekakarma 
und Saiikha 2 , 1 garbhasj^a sphutatäjüäne nishekah parikirtitah 
Unter garbha ist hier offenbar, wie Nandapandita bemerkt, ritu zu 
verstehen, die für die Zeugung günstigen Tage-), bei deren erst- 
maligem Eintritt die Nisheka- oder Garbhädhänaceremonie (nisheko 
garbhädhänäkhyam karma) vollzogen werden soll. Daher citirt Nanda- 
pandita hier auch die viel benutzte Stelle aus dem Asvaläyana- 
grihyaparisishta : athartumatyäh präjäpatyam ritau prathame 
Andere Smrititexte sprechen allerdings nur von dem ritu im All- 
gemeinen, ohne Bezugnahme auf den prathamartu; so sagt Yäjiia- 
valkya 1, 11 garbhädhänam ritau, und Harita: caturtharäträv api 
garbhädhänam icchauti caturthe 'hani snätäyäm yugmäsu ca garbhä- 
dhänam tadupetam. Allein diese Texte können auf eine wieder- 
holte Vollziehung des Garbhädhäna bezogen werden, von der auch 
in den Grihyasütras die Rede ist (s. u.) ; der Ausspruch des Devala : 
sakric ca san.iskritä näri sarvagarbheshu samskritä | drückt schwer- 
lich die allgemeine Meinung der Smritiautoren aus, besonders beim 
Fehlen männlicher Nachkommenschaft mochte eine öftere Wieder- 



1) parinitä pitrigrihe sthita svaväsini Mit. zu Yäjn. 1, 105; üdbä pitri- 
grihasthä kanyä svaväsini Nand. zu Vishnu 67 , 39 ; svaväsini dattä vä stri 
pitrignhasthä sveshu jfiätishu vasatiti När. zu M. 3, 114 u. s. w. 

2) Ebenso, nicht mit „monatliche Reinigung", ist ritu Y. 1, 11 und an 
ähnlichen Stellen zu übersetzen. 



Jolly, Beitrüge zur indischen Rechtsgeschichte. 419 

holuDg des Garbhädhäna am Platze scheinen. Bei den späteren 
Autoren scheint sich über diese Frage eine entschiedene Meinungs- 
differenz entwickelt zu haben, analog dem schon von Stenzler (zu 
Asv. 1, 13. 7, Pär. 1. 15, 3) bemerkten Schulgegensatz über die 
Frage, ob bei den folgenden samskära die Mutter oder das Kind 
geweiht werden soll. So sagt Nandapandita a. a. 0. idam ca 
kshetrasamskäratvät sakrit käryam, und Raghunandana Sarn- 
skärat. 325 bemerkt ganz allgemein: garbhädhänapumsavanasiman- 
tonnayanäni sakrid eva kartavyäni; auch Anantadeva äussert 
sich ähnhch. Andere Werke wie namentlich die Mitäksharä (zu 
Y. 1, 11, ebenso Aparärka ibid.) und die ihr folgenden Compilationen 
wie z. B. Nilakantha's Samskäramayükha 9 f. Hessen dagegen die 
Regel über einmalige Vollziehung der samskära für das Garbhä- 
dhäna nicht gelten. Dass die der ersteren Ansicht huldigenden 
Autoren für den prathamartu waren, dürfte obige Aeusserung des 
Nandapandita beweisen. Aber auch bei wiederholter Vollziehung 
des Garbhädhäna sollte wahrscheinlich der prathamartu den Anfang 
machen, da sonst die Befürchtung, bei Versäumung der rechtzeitigen 
Verheirathung einer Tochter bei jedem ihrer ritu die Sünde der 
bhrünahatyä auf sich zu laden keinen Sinn hätte ; ein Gleiches gilt 
von denjenigen Smritistellen, in denen von dem ritu im Allgemeinen 
die Rede ist. Jedenfalls waren daher auch diese Autoren mindestens 
der Ansicht des Väcaspati (citii-t bei Bhandarkar p. 32), dass der 
prathamartu der geeignetste Zeitpunkt (sreyän) sei. Hierfür spricht 
auch das von einem indischen Vertheidiger der Kinderehe bei- 
gebrachte Argument, dass in verschiedenen Nibandhas der Abschnitt 
über Garbhädhäna mit den Worten: atha garbhädhänam , tatra 
prathamaraj odarsane oder ähnlich beginnt. Im Madanapärijäta 
steht allerdings, wie jetzt die gedruckte Ausgabe in der Bibl. Ind. 
p. 346 zeigt, prathamam ritukälä, wie in dem von Bhandarkar 
benutzten Ms. Dagegen ist das obige tatra prathamaraj o darsane 
gedruckt im Nirnayasindhu (3 , f. 1). EndHch kommt zumal für 
die der Gegenwart so nahe stehenden Nibandhas die moderne Praxis 
in Betracht. Mehrfach wird behauptet, dass im westlichen Indien 
auf die Vollziehung des Garbhädhäna nur wenig Werth gelegt 
werde. Bhandai'kar beruft sich hierfür auch auf den in den Ni- 
bandhas angeführten Text : akritvä gäm dvije dattvä kuryät pumsa- 
vanam patih. Hiermit steht die merkwürdige Stelle bei Alberuni 
II, 156 in Einklang, wonach zu seiner Zeit die Brahmanen die 
Garbhädhänaceremonie zu unterlassen und mit dem Pumsavana zu 
verbinden pflegten. In ganz Bengalen wird dagegen das Garbhä- 
dhäna regelmässig vollzogen, wie sogar von dem Privy Council 
officiell anerkannt ist '). Darüber dass es beim prathamartu statt- 
zufinden hat. scheint kein Dissens zu bestehen. 

Einen deutlichen Fingerzeig für die üebereinstimmung zwischen 



1) Pincott p. 17, 



420 JoUy, Beiträge zur indischen RecTitsgeschichte. 

dem Smritirecht und der moderuen Sitte in Betreff der Kinderehen 
bildet auch die akshatayoni-punarbhii ^), welche genau den als Kinder 
verwittweten Bräuten der Gegenwart entspricht. 

Weit eher als dem Dharmasästra lassen sich der Grihj^alitteratur 
Gesichtspunkte zu Ungunsten der Kinderehen entnehmen. Zwar ist 
an den wenigen Stellen der Grihyasütras , die überhaupt auf das 
Heirathsalter Bezug nehmen, nur von der nagnikä die Rede : Mäna- 
vagri 1. 7 (nach einer freundlichen Mittheilung Bühler's aus einer 
ihm gehörigen Hs.) bandhumatim kanyäm asamsrishtamaithunäm 
upayacchet samänavarnäm asamänapravaram yaviyasim n a g n i k ä m 
sreshthäm ; Gobhilagri. 3, 4, 6 nagnikä tu sreshthä ; Hiranya- 
kesigri. 1 , 19, 2 sajätäm n a g n i k ä m brahmacärinim asago träm , 
wahrscheinlich auch im Apastambiyagrihya und in Gobhilaputra's 
Grihyasamgraha. Bei Hiranyakesin will allerdings Bhandarkar 
sajätänagnikäm d h. sajäta-anagnikäm lesen, 1) weil letztere Lesart 
in drei der von Kirste für seine Ausgabe benutzten, sowie in vielen 
in Puna befindlichen Hss. , darunter ein sehr altes Ms., wirklich 
steht, 2) weil auf nagnikäm das Beiwort brahmacärinim folgt, 
während eine nagnikä per se auch brahmacärini ist, 3) weil der 
Commentator Mätridatta nagnikä mit maithunärhä erklärt, was nur 
auf eine anagnikä passe. Hiergegen hat mir Professor Kirste auf 
Befragen freundlichst sein Festhalten an der Lesart nagnikäm er- 
klärt — trotzdem dass die Variante sajätänagnikäm (sajätägnyagäm) 
sich auch in der neuerdings von ihm untersuchten wichtigen 
Granthahs. findet ^) — weil 1) die Analogie der anderen Adjektive 
in obigem Sütra für die Trennung von sajätäm und nagnikäm 
spricht, 2) für die Empfehlung der Wahl eines „nicht mehr nackt 
gehenden" Mädchens gar kein Anlass vorlag, 3) der Commentator 
Mätridatta zweifellos nagnikäm gelesen hat. Auch die obigen 
Parallelstellen sprechen entschieden für letztere Lesart, zumal da 
das Beiwort asamsrishtamaithunäm im Mänavagrihya ebenso neben 
nagnikäm steht wie brahmacärinim bei Hiranyakesin. Im Apastam- 
biyagri. conjicire ich für das sinnlose rätäm (ratisiläm im Comni.) 
das an der Parallelstelle im Kämasütra p. 193 (s. u.) sich findende 
räkäm. Gobhilaputra spricht scheinbar von der anagnikä ; denn 
sein bez. Text lautet bei Bhandarkar p. 4 sowohl als in Bloomfield's 
Ausgabe von Gobhilaputra's Grihyasaingraha ^) 2, 17: nagnikäm tu 
vadet kanyäm yävan nartumati bhavet | ntumatl tv anagnikä täiii 
prayacchet tv anagnikäm (oder prayacched anagnikäm) |1 Allein es 
ist unmöglich, diesen Text mit ibid. 20 tasmäd avyanjanopetäm 
arajäm apayodharäm | abhuktäm caiva somädyair dadyäd duhitaraiii 
pitä jl — denn so ist mit dem in der alten nepalesischen Hs. des 
Närada (Pref. p. 11 meiner Ausgabe) und anderswo vorkommenden 



1) Vishnu 15, 8; M. 9, 176; Y. 2, 130; När. 12, 46, etc. 

2) Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien, 124, 4 (1891). 

3) ZÜMG. 35, 544. 



Jolhj, Beiträge zur indischen JRecJdsr/eschicJde. 421 

sonst identischen Text anstatt des sinnlosen somädyaili kanyakäm 
tu prasasyate offenbar zu lesen — in Einklang zu bringen. Daher 
vermuthe ich, dass in 2, 17 statt prayacchet tv anagnikäm viehnehr 
zu lesen ist prayacchet tu nagnikäm, umsomehr da durch die An- 
nahme dieser Lesart zugleich der Widerspruch zwischen Gobhilaputra 
und seinem angeblichen Vater Gobhila, der a. a. 0. nagnikä tu 
sreshthä sagt, beseitigt wird. Uebrigens sollte auch an letzterer 
Stelle wahrscheinlich die nagnikä nicht nur als „die beste" empfohlen 
werden, sondern die ursprüngliche Lesart lautete nagnikäins tu 
sreshthän (er heirathe) eine nagnikä und sreshthä', wie in der 
Parallelstelle im Mänavagi-ihya. Knauer hält das nagnikä tu sreshthä 
bei Gobhila für einen späteren Zusatz, würde aber zu diesem Lt- 
theil schwerlich gelangt sein, wenn ihm die obigen Parallelstellen 
schon vorgelegen hätten. 

Obschon die Grihyalitteratui' die Nagnikäregel mit den Smritis 
gemein hat , so fehlt es doch nicht an deutlichen Anzeichen , dass 
die Ceremonien des viväha vielmehr auf erwachsene Bräute Bezug 
haben , wie bisher von europäischen Gelehrten auch allgemein an- 
genommen worden ist, zuletzt von Knauer zu Gobh. 3, 4, 6. Eines 
dieser Anzeichen, das Keuschheitsgebot für die ersten drei, sechs 
oder zwölf Nächte oder für das erste Jahr nach der Hochzeit und 
die daran anschhesseuden Vorschriften über das Beilager hat Bhan- 
darkar eingehend erörtert. Für eine nagnikä passen diese Be- 
stimmungen nicht. Die Bezeichnung der Ceremonien des vierten 
Tages nach der Hochzeit als caturthlkarma , woraus die moderne 
cauthi ^) entstanden zu sein scheint , hängt offenbar mit dem er- 
wähnten, drei Nächte dauernden brahmacaryam zusammen. Heut- 
zutage endigt freilich nicht mehr das caturthlkarma mit dem Bei- 
lager, und diese moderne Sitte scheint schon in den Grihyasütras 
bezeugt zu sein, wenn Gobhila 2, 5, 7 das trirätrara, nachdem er 
es 2, 3, 15 selbst vorgeschrieben hat, nur als die Ansicht Einiger 
gelten lässt, der er als seine eigene Ansicht gegenüberstellt : yadä 
ritumati bhavaty uparatasonitä tadä sambhavakälah. Die letztere 
Vorschrift bieten u. a. auch das Khädii'a, Päraskara und Sänkhäyana 
Grihyasütra. Die bei diesem Anlass zu vollziehende Ceremonie ent- 
spricht dem Garbhädhäna der Gesetzbücher und der Gegenwart und 
wird auch ausdrücklich mit diesem Namen bezeichnet, so im Kätha- 
kagrihya und in einem interessanten, in Stenzler's Ausgabe fehlenden 
Kapitel des Päraskara, das Speijer herausgegeben hat -) : atha garbhä- 
dhänarn striyäh pushpavatyäs caturahäd ürdhvam etc. Es ist jedoch 
Knauer a. a. 0. zuzugeben, dass das doppeldeutige ritumati bei 
Gobhüa (und in dem Sütra des Päraskara bei Speijer p. 19: athar- 
tumatini jäyäm adhigacchet) nicht nothwendig auf den prathamartu, 
den Eintritt der Pubertät, bezogen zu werden braucht, sondern auch 

1) Colebrooke's Essays ed. Cowell I, 235, Anm. 1. 

2) Speijer, Jätakarmä (1872), p. 18. 



422 Jolly, Beiträge zur indischen RecTitsgeschichte. 

auf einen späteren ritu gehen kann. Ferner wird in den Grihyas 
des Apastamba 3, 8, 10 — 13 und Hiranyakesin 1, 24, 4 — 8; 25, 4 
sowie im Kausikasütra 35, 5if. und 79, 1 if . (ed. Bloomfield) das 
den vivälia beendigende Beilager von dem Garbhädhäna deutlich 
unterschieden, wie eine ähnliche Ansicht auch der von Hiranyakesin 
1, 25, 4 citirte Bädaräyana äussert: yac cädau yac cartau, nur 
dass hiernach das upagamanam oder garbhädhänam bei jedem ritu 
zu wiederholen ist. Bemerkenswerth ist auch eine Aeusserung in 
dem Commentar zu Asvaläyana 1, 7, 2, welche dem trirätram der 
Grihyasütras die Sitte der Vaidehas gegenüberstellt, der zufolge das 
Beilager sofort nach dem viväha stattfindet. Dass auf das garbhä- 
dhänam in den Grihyasütras theilweise noch wenig Werth gelegt 
wird, scheint aus Asv. 1, 13, 1 f hervorzugehen. 

Als eine zweite sichere Spur der Verheirathung schon er- 
wachsener Mädchen dürfte die feierliche Heimführung der Braut in 
das Haus des Bräutigams zu betrachten sein, die in den Grihya- 
sütras anscheinend keineswegs eine blosse Komödie ist wie nach 
der modernen Sitte, wo die Braut sogleich nach Beendigung der 
Feier in ihr Elternhaus zurückkehrt ^), um dort zu bleiben, bis sie 
erwachsen ist, als suäsin -), was ich unbedenklich mit der oben er- 
wähnten suväsini oder svaväsini der Gesetzbücher identificire Dass 
die meisten Grihyasütras die feierlich in das Haus des Gatten ge- 
leitete junge Frau dort auch bleiben lassen, dürfte aus der Besorgung 
des Hausfeuers durch die Frau vom Hochzeitstage ab (Asv. 1, 9, 1), 
aus dem mit der Heimführung (uduhya) beginnenden ehelichen Zu- 
sammenleben (Pär. 1, 11, 7), aus dem Verbot, während der ersten 
zehn Tage das Haus zu verlassen (Sänkh. 1, 17, 10), und ähnlichen 
Vorschriften zu schliessen sein. 

Drittens kann auf die ebenfalls offenbar auf erwachsene Bräute 
berechneten Mantras hingewiesen werden. Dem hierbei naheliegenden 
Einwand, dass man nicht wissen kann, ob die Verfasser der Grihya- 
sütras noch ein rechtes Verständniss für den Inhalt der Mantras 
hatten, kann damit begegnet werden, dass dieselben durchweg, 
namentlich im Kausikasütra, zu den einzelnen Ceremonien beim 
viväha vorzüglich passen und daher der Verdacht einer bereits ein- 
getretenen Unverständlichkeit kaum aufkommen kann. 

Als eine werthvolle Ergänzung zu den Dharma- sowohl als zu 
den Grihyasütras sind die Angaben des kürzlich in Indien edirten 
Kämasütra ^) über viväha und strldharmäh zu betrachten. So weit 
geht die Uebereinstimmung dieses alten Sütrawerkes mit den Grihya- 
sütras, dass z. B. das letzte Sütra auf p. 193 f. des Kämasütra: 
suptäm rudatim nishkräntäm varane parivarjayet etc. fast durchweg 



1) Vgl. z. B. Bhose, The Hindoos as they are, p. 80. 

2) Grierson, Behar Peasant Life, p. 361. 

3) Srivätsyäyanapranitam Kämasiitram , ed. Panditadurgäprasäda , Jeypur 
1891, mit dem Commentar Jayamaiigalä von Yasodhara. 



JoUy, Beiträge zur indischen Rechtsgeschiclite. 423 

mit Apast. Gri. 1,3, 10 — 13 identisch ist. Auf die lakshanäni 
wird der gleiche Werth gelegt wie in den Grihyas: daivanimitta- 
sakunopasrutinäm änulomyena kanyäm varayed dadyäc ca || 193, 
wie überhaupt der Hergang bei dem varanam beiderseits der gleiche 
ist. Auf die Hochzeit folgt auch hier trirätram adhahsayyä brahma- 
caryam kshäralavanavarjam ähärah 198. Den Ausdruck \njane 198 
erklärt der Commentar mit kautukagrihe, wie auch die Paddhatis zu 
der Parallelstelle Kaus. 76, 10 von dem kautukagriha sprechen u. s. w. 
So hat das Kämasütra nun auch einerseits das Gebot über viväha 
mit einer ünerwachsenen : räkäm . . . varjayet 193 (räkäni jätara- 
jasam C.) mit den Grihyas gemein, andrerseits ist aber an ver- 
schiedenen Stellen des kanyäsarnprayuktakam adhikaranam und des 
Commentars dazu von erwachsenen Bräuten die Rede: so z. B. 198 
(C.) kanyä dvividhä samsargayogyä itarä ca ; 199 na tu brahma- 
caryam ativarteta; 200 dipäloke nigädhayauvanäyäh , C. vigädha- 
yauvanäpy anyasubhalakshanayogäd üdhä (also wenn sie die sonstigen 
lakshanäni hat, darf man auch eine Erwachsene heirathen) : 207 — 232 
passim der Abschnitt über die Gändharvaehe und die drei anderen 
Eheformen, welche nach einer erfolglosen Werbung eintreten sollen: 
yä tu vriyamänä na labhyate tatra gändharvädayas catväro vivähäh C. 
Eine lebendige und erschöpfende Schilderung der aus diesem inter- 
essanten Abschnitt zu erschliessenden socialen Eini'ichtungeh hat 
Peterson in seinem vor der Asiatic Society in Bombay am 29. Juli 
1891 gelesenen Vortrag über „Courtship in ancient India" gegeben. 

Aus Susruta (10, 13) und Yägbhata (ed. Kunte, Bomb. 1891, 
p. 191) hat Bhandarkar die bemerkenswerthe Auffassung nach- 
gewiesen, dass ein mit einer noch nicht Sechzehnjährigen erzeugtes 
Kind nicht lebensfähig ist '). Beachtung dürfte auch die Beschreibung 
einer dem Garbhädhäna entsprechenden Ceremonie bei Susruta (ed. 
Jibän., Sär. 6 f.) und Vägbhata (182 f) verdienen, welche als putriya 
vidhi bezeichnet wird ; diese Ceremonie kann bei jedem ritu voll- 
zogen werden. In Varähamihira's Brihatsamhitä findet sich 68, 107 
die von Hopkins, Ruling Gaste 341 beigebrachte Stelle, der zufolge 
erst eine vimsativarshä auf mänonmäna Anspruch hat. 

Von der poetischen Litteratur kommt besonders das Mahäbhä- 
rata in Betracht, betreffs dessen ich irn Allgemeinen auf Hopkins 
a. a. 0. 341 — 343 verweisen kann. ,Sakuntalä, Subhadrä, Mäla- 
vikä, Damayanti, Krishnä", bemerkt Hopkins, auch die dramatische 
Literatur einschliessend, „are no babies of eight or ten." Professor 
Holtzmann in Freiburg macht mich ausserdem auf Karna's Mutter 
Kunti, auf Sävitri, Ambä, Santa, Devayäni nebst Sarmishtha, Su- 
kanyä und Satyavati aufmerksam und bemerkt, dass „im alten 



1) Ein Zusammenhang dieser Lehre mit der oben besprochenen Kegel 
der Smritis, dass der svayainvara erst drei Jahre nach dem Eintritt der Mann- 
barkeit eintreten dürfe, d. h. im Alter von 12 -|- 3 = 15 Jahren (Bhandarkar 
p. 21), ist jedoch nicht zu erweisen. 



424 Jolhj, Beiträge zur indischen Reclitsgeschidite. 

Mahäbhärata sich nicht die leiseste Spur der Kinderebe vorfindet". 
Andrerseits begegnet 13, 44, 19 die Nagnikäregel : trimsadvarsbo 
dasavarsbäm bhäryäm vindeta nagnikäm ^). Auch tritt der epische 
svayaipvara nur unter den in den Gesetzbüchern angegebenen Voraus- 
setzungen ein: Damayanti z. B. ist präptajauvanä, Sävitri ist yauva- 
nasthä und ayäcyamänä varaih, obschon der pradänakäla gekommen 
ist. Ueberdies beschränkt sich der epische svayamvara auf Fürsten- 
töchter nach Mahäbh. 1, 189, 7, Bhäg. Pur. 9." 20. 15 (Pischel, 
Holtzmann). Im Rämäyanasära heirathet Sita mit sechs Jahren -). 
Die Legenden von Mandodari u. a. unverheiratheten Fürstentöchtern, 
die Raghunäth Räo und Rämamisra aus dem Bhägavatapuräna und 
Mahäbhärata anführen, um zu zeigen, dass auch bei Frauen ein 
Analogon zu dem Stande des naishthika brahmacärin existire, ge- 
hören in das Kapitel der Nonnenorden und beweisen nichts gegen 
die Kinderehe. Im Pancatantra 3, 214 ed. Kosegarten findet sich 
wieder der obige Text vyaüjanais tu . . . = Grihyas. 2, 19, När. 
Pref. 11 und dann die Empfehlung des Alters von acht Jahren 
für den viväha: tasmäd vivähayet kanyäm yävad ritumati bhavet 
vivähas cäshtavarshäyäh kanyäyäs tu prasasyate || (== Samvarta 68). 
Aehnlich Paiic. ed. Bühler 4, 67—70. 

Ihre sicherste Stütze hat die Annahme einer den europäischen 
Anschauungen mehr entsprechenden Fixirung des Heirathsalters im 
indischen Alterthum stets im Veda gefunden , da die vedischen 
Hochzeitssprüche offenbar auf erwachsene Bräute Bezug haben. Für 
besonders bezeichnend für die Aenderung der Sitten in dieser Hin- 
sicht halte ich den bekannten Text Rv. 10, 85, 40 f., wo Soma, 
Gandharva und Agni als die drei ersten Männer der Braut genannt 
werden , die dann von Agni ihrem Gatten übergeben wird. Auch 
in der späteren Literatur kommt diese metaphorische Bezeichnung 
des Eintritts der Pubertät mehrfach vor, aber Närada und Gobhila- 
putra (s. 0.) erblicken darin vielmehr den Grund, sie schon vorher 
zu verheirathen, weil sie dann jene drei Männer noch nicht gehabt 
hat (abhuktapürväin somädyaih). Dass sonst das Hochzeitsritual 
des Veda mit dem späteren im Allgemeinen übereinstimmt, ist be- 
kannt. Eine weitere üebereiustimmung mit der späteren Sitte hat 
Pischel im sva3^atnvara der Süryä nachgewiesen ^). Aus dem obigen 
Text über die Uebergabe der Braut an den Bräutigam durch Agni, 
die Gottheit des rajas, ist vielleicht zu schliessen, dass der viväha, 
wenn auch nicht vor, doch uumittelbar nach dem Eintritt der 
Pubertät stattfand. Pincott p. 16 zieht den nämlichen Schluss aus 



1) Dies ist offenbar der Mahabhäratatext, der im Nirnayasindhu und sonst 
mit der falschen Lesart shodasäbdäin citirt wird. Bhandarkar ändert vin- 
deta nagnikäm in vinded anagnikäm , da eine Sechzehnjährige keine naguikä 
sein kann. Bei Raghunandana 2, G8 findet sich aber die Lesart shodasavarshäm, 
die offenbar direkt aus dem obigen daiavarshiim entsanden ist. 

2) Kaj. Mitra, Not. 7, 58-, Hopkins, 110 note. 

3) Pischel und Geldner, Yedische Studien, 1, 16 ff. 



Jolly, Beitrüge zur indischen Rechtsgeschichte. 425 

Rv. 10, 85, 29, ohne anzugeben, wie er diesen Text übersetzt. 
Das schwierige nilalohitäm ibid. 28, das Weber auf das befleckte Braut- 
hemd bezogen hat ^), könnte ebenfalls auf den Eintritt der Pubertät 
bezogen und von dem väsali einer malavadväsäh d. h. rajasvalä 
(T. S. 2, 5, 1, 6 ff.; Apast. Gri. 3, 8, 12; Hirauy. Gri. 1, 24, 7, etc.) 
verstanden werden. Doch wüsste ich aus den Grihyasütras nichts 
zur Begründung dieser Auffassung anzuführen , wenn nicht etwa 
das vadhüväsah oder vädhüyam hierher zu ziehen ist, das verschenkt 
oder weggeworfen werden soll. Darin scheint mir Pincott jeden- 
falls Recht zu haben , dass das garbhädhänam schon im Veda vor- 
kommt, namentlich in 10, 162 (garbhasamädhänam) , nur hat es 
noch nicht die Bedeutung eines „second-marriage". 

Versuchen wir schliesslich den Gang der geschichtlichen Ent- 
wicklung festzustellen — denn mit Raghunäth Räo anzunehmen, 
dass die Smritis mit den Vedas in der Fixirtmg des H eirathsalters 
völlig übereinstimmen, ja dass ein wirklicher Gegensatz zwischen 
diesen beiden Quellen des Rechts überhaupt undenkbar sei, werden 
europäische Sanskritisten schwerlich geneigt sein — so ergiebt sich 
etwa Folgendes. Der viväha ist im Veda noch die eigentliche 
Hochzeit, der als Verlobung das varanam vorausgeht. Das garbhä- 
dhänam besteht schon, aber wohl nur als eine die Erzielung männ- 
licher Nachkommenschaft bezweckende Ceremonie , die bei einem 
beliebigen ritu stattfinden kann. Vielleicht gilt als der geeignetste 
Zeitpunkt für den viväha der prathamartu, die Zeit gleich üach 
dem Eintritt der Pubertät. Die Verfrühung des viväha erscheint 
wie andere Forderungen des Brahmanismus zuerst in der Rechts- 
literatur durchgeführt, doch wird auch diese Entwicklung stufen- 
weise erfolgt sein; der allgemeine Termin präg ritoh, das Alter 
von acht und das Alter von vier bis fünf Jahren scheinen als 
Etappen vorzuliegen. Der viväha sank dadurch zur Verlobung 
herab, wenn auch das varanam daneben sich erhielt; das garbhä- 
dhänam wurde zur zweiten und eigentlichen Hochzeit, wenn auch 
der viväha der rechtlich bindende Akt blieb. Die alte , schon 
vedische Sitte des svayamvara und die Gändharvaehe konnten nicht 
ganz ignorirt werden, wurden aber möglichst eingeschränkt. Die 
Forderung des pradänam präg ritoh wurde frühe zu einem Gemein- 
gut der Sanskritliteratur, so dass sie schon in einige der ältesten 
Grihyasütras Eingang fand, obschon diese Werke im Allgemeinen 
an der vedischen Auffassung des viväha festhalten und sonstige 
Spuren der Kinderehe in denselben zweifelhaft bleiben. Einen ähn- 
lichen Zwiespalt zwischen der alten und der modernen Auffassung 
des viväha zeigen auch das Mahäbhärata und das an charakteristischen 
Details besonders reiche Kämasütra. Auch speciellen Lokal- und 



1) Ind. Stud. 5, 187. Ebenso Zimmer, Altind. Leben 314. Säyana scheint 
mir nicht gegen obige, theilweise schon von Haas a. a. O. 274 vertretene Auf- 
fassung zu sprechen, wohl aber gegen Pincott's Deutung von 29. 



426 Jolly, Beiträge zur indischen Rechtsgeschichte. 

Kastengebräucben ist Rechnung zu tragen; so kommen späte 
Heirathen noch heutzutage bei vornehmen Radschputenfamilien vor, 
entsprechend dem svayamvara und der Gändharvaehe der Räjanya- 
kaste in den Epen und Smritis. Die ganz überwiegende Majorität 
bilden aber heutzutage Heirathen vor erreichtem zwölften Lebens- 
jahr, und 28 Procent der Mädchen werden nach statistischen An- 
gaben schon vor ihrem vierten Jahre verheirathet. Wann die 
neuere Auffassung des viväha zur Herschaft gelangt ist, lässt sich 
nicht bestimmen ; doch zeigt die bekannte Nachricht des Megasthenes ') 
über siebenjährige Bräute, oder nach einer weniger gutbezeugten 
Version über sechsjährige Mütter, in Indien, dass in der griechischen 
Epoche die Vorschriften der Smritis schon weitreichende Anerkennung 
gefunden hatten. 



1) Müller, Fragm. bist. Graec. 2, 419, 420. 



427 



Die Käthaka-Handschrift des Daväräm Jotsi in Qrinagar 
und ihre Accente. 

Von 
Dr. L. T. S c li r o e d e r. 

Im XLY. Bande dieser Zeitschrift habe ich die Accentuation 
der Wiener Käthaka-Handschrift erörtert und einige allgemeinere 
Bemerkungen daran geknüpft. Inzwischen ist mir die Käthaka- 
Handschrift des Pandit Da3'äräm Jotsi in Qrinagar näher bekannt 
geworden, und da dieselbe hinsichtlich der bei den Katha's üblichen 
Arten der Accentuation ein neues , nicht uninteressantes Moment 
erkennen lässt, will ich meinen damaligen Mittheilungen hier einige 
ergänzende Worte folgen lassen. 

Zunächst ein paar Worte über die Handschrift, um welche 
es sich handelt. 

Es ist dasselbe Manuscript, dessen bereits Bühler in dem 
bekannten Report über seine Reise in Kaschmir p. 36 Erwähnung 
gethan und das er daselbst infolge eines Versehens als dem Pandit 
Dämodar Jotsi gehörig bezeichnet. Der Besitzer heisst jedoch, wie 
mir Bühl er schon vor Jahr und Tag berichtigend mitgetheilt 
und wie auch M. A. St ein 's Nachrichten bestätigen, Pandit Da- 
yäräm Jotsi. Herr Dr. M. A. Stein am Oriental College in 
Labore hat die grosse Freundlichkeit gehabt, bei Gelegenheit eines 
Besuchs in Kaschmir dieses Ms. in meinem Interesse von dem 
Besitzer zu entleihen und mir zur Benutzung zuzusenden. Es war 
dies nicht ganz leicht zu bewerkstelligen, da der Pandit sich nur 
sehr ungern von seinem Ms. trennte ; um so mehr habe ich Ur- 
sache Hen-n Dr. Stein dankbar zu sein. 

Das Ms. trägt die offenbar erst neuerdings gemachte Auf- 
schrift : ^T^»^fT^>^ 'tf^Tf7TTTf^¥Wtf?Tft^TTTTTT^x^f^^1^TTT- 
?T^ ^W^^'n^TR^irt^^ ^^ff ?;^ y*d<**i: dasselbe ist leider 
nicht datirt, dürfte aber seinem Aussehen nach höchstens ca. 100 
Jahre alt sein. Der Besitzer, übrigens nach Stein's Mittheilungeu, 



428 ^'- Schroeder, Die Käthala-Handschrift des Daydräm Jotsi. 

ein recht geriebener alter Herr, behandelt das Ms. als eine Art 
Familienschatz und giebt an, dasselbe von seinem Vater geerbt zu 
haben. Von welchem älteren Ms. dasselbe copirt worden, liess 
sich leider nicht constatiren , obgleich Dr. Stein sich alle Mühe 
gegeben hat diesen Punkt aufzuhellen, um auf diese Weise älteren 
und vielleicht vollständigeren Mss. des Käthaka auf die Spur zu 
kommen. Das ziemlich grosse Format und der sonstige Charakter 
des Papiers stimmt einigermassen zu dem des Bei'liner Codex und 
auch die Art der Schrift erinnert mich an das erwähnte, ursprüng- 
lich Chambers gehörige Ms. 

Das Ms. des Dayäräm Jotsi , soviel ich davon in Händen ge- 
habt, enthält auf 117 losen Blättern zunächst den Anfang von 
Cap. 1, sodann Cap. 7 — 18 vom 1. Buche des Käthaka (der sogen. 
Ithimikä, die mit Cap. 18 ihren Abschluss findet), doch fehlt der 
Anfang von Cap. 7. Das Ms. bricht ganz plötzlich mitten im Anfang 

von 1, 3 mit den Worten »TTfT'fT'^'ft ^Wf ab und fährt völlig 
unvermittelt in 7, 3 a. A. wieder fort mit den Worten *MMl«4ft 
^T^H II ^f^'T^'RfTf fIT'l. u. s. w. Diese Blätter tragen fort- 
laufend, ohne Lücke, die Pagina-Zahlen von 1 — 117; ausserdem 
aber lag dem Ms. noch ein mit der Zahl 32 bezeichnetes Blatt 
bei, welches die letzten Zeilen von Cap. 6 desselben Buches ent- 
hält, — augenscheinlich das letzte Blatt eines kleineren, besonders 
paginirten Ms. , das jedenfalls Cap. 6 , wahrscheinlich auch die 
übrigen Capitel des Anfangs der Ithimikä enthält oder enthalten 
haben muss. Dass dieses Ms. . in welchem das erwähnte Blatt 32 
den Abschluss bildete, ursprünglich vom ersten Anfang der Samhitä 
an Cap. 1 — 6 enthielt (also das ersterwähnte Ms. so ergänzte, dass 
damit die Ithimikä vollständig vor'ag), lässt sich darum vermuthen, 
weil nach einer ungefähren Berechnung , die ich angestellt , Cap. 
1 — 6 wohl auf 32 dieser Blätter Platz gehabt, resp. dieselben 
gerade ausgefüllt haben könnten ; und weiter drängt sich die Ver- 
muthung auf, dass das erste jener 117 Blätter, welches den Anfang 
von Cap. 1 enthält, ursprünglich eben zu dem zweiten Ms. der 32 
Blätter gehörte, resp. dessen Anfang bildete und nur irrthümlicher- 
weise für den Anfang von Cap. 7 genommen , in einen falschen 
Zusammenhang gebracht wurde, während dafür der wirkliche An- 
fang von Cap. 7 sammt fast allen Blättern des zweiten Ms. in 
Fortfall gekommen ist. Es hätte also eine Verwechselung der An- 
fangsblätter der beiden Mss. stattgefunden. Dass aber mindestens 
Cap. 6 im Ms. des Dayäräm Jotsi ui-sprünglich vollständig vorlag und 
wohl noch vorliegt, ergiebt sich aus dem Umstände, dass die von 
Bühl er angeordnete, jetzt dem Deccan College in Poona gehörige Ab- 
schrift des Dayäräm'schen Ms. Käthaka I, 7 — 17 und I, 6 (besonders) 
enthält. Diese Angabe, welche zuerst Bühler im Report App. I p. I 
Xo. 10 gemacht, ist späterhin auch von Shridhar R. Bhan- 



i\ Scliroeder, Die KüfhalM-Handschrift des Dayurüm Jotsi. 429 

darkar, der die Mss. des Deecan College revidirt hat, in seinem 
Catalogue of the Coli, of Mss. in the Deecan College p. 73 No. 10 genau 
ebenso wiederholt. Da in dem mir zugesandten Ms. nur das letzte 
Blatt des Cap. 6 sich vorfand, so ist zu vermuthen, dass der 
Pandit die übrigen dieses Cap. enthaltenden Blätter zurückbehalten 
hat, wenn dieselben nicht inzwischen abhanden gekommen sein 
sollten, was im Ganzen bei der Hochschätzung, mit welcher Dayäräm 
Jotsi das Ms. behandelte, nicht wahrscheinlich sein dürfte. 

Während also die Abschrift des Deecan College das Cap. 6 
vollständig enthält, von welchem mir nur die letzten Zeilen zu 
Gesichte gekommen sind, habe ich dafür in der von mir angefertigten 
Copie Cap. 18 vollständig, welches wiederum in jener nach den 
übereinstimmenden Angaben von Bühler und Bhandarkar fehlt. 
Aus welchem Grunde es daselbst weggelassen, bin ich nicht im 
Stande mit Bestimmtheit anzugeben. Da mir aber Bühler schreibt, 
dass seine Copie von Dayäräm Jotsi selbst angefertigt worden, so 
vermuthe ich. dass der Besitzer aus irgend welchem Grunde eben 
nicht Alles hat absehreiben wollen. Wie es scheint, wollte er 
weder Bühler noch Stein seinen Text vollständig ausliefern, viel- 
leicht um sich wenigstens einen Theil seines „Familienschatzes" 
persönlich vorzubehalten. Doch könnte die Weglassung im ersteren 
Falle auch einfach auf Bequemlichkeit zurückzuführen sein. 

Was mich besonders auf das Ms. des Dayäräm Jotsi gespannt 
sein Hess, war der Umstand, dass Bühler über dasselbe im Report 
p. 36 bemerkte: ,The Pandit's Ms. shows traces of accents, and 
is in this respect superior to the Berlin Ms. The System of 
accentuation seems to have been the complicated one used by the 
Mäiträyaniyas and Päippalädas". Bei der Dm'chsicht des Ms. sah 
ich, dass dasselbe allerdings Accentzeichen enthält, dass sich solche 
aber nur bei den mit dem echten Svarita versehenen Sylben vor- 
finden, während die Udätta Sylben durchweg unbezeichnet geblieben 
sind, ebenso wie auch alle übrigen Sylben, so dass also von der 
Anwendung des ganzen eomplicirten Systems der Mäiträyaniyas 
nicht mit irgendwelcher Bestimmtheit gesprochen werden kann. 
Interessant aber ist es, dass das zur Bezeichnung des echten Svarita 
in dem Ms. des Dayäräm Jotsi gebrauchte Zeichen in der That 
genau dasselbe ist, welches sich in allen alten Mss. der Mäiträyani 
Samhitä bei den mit echtem Svarita versehenen Sylben angewendet 
findet, — eme kleine Curve, ein geschweiftes Häkchen unter der 
Sylbe, wie dies durch meine Ausgabe der Mäitr. Samhitä allgemein 
bekannt sein dürfte. Es kommt dasselbe in dem Käthaka-Ms. des 
Day^äräm Jotsi im Ganzen 75 Mal vor und zwar zur Bezeichnung 
des Jätya, Kshäipra und Abhinihita, also aller Formen des echten, 
nicht secundären Svarita. mit Ausnahme des Pra9lishta, für welchen 
verhältnissmässig seltenen Accent sich in dem vorliegenden Text 
zufälligerweise kein Beispiel findet (ebensowenig wie in dem Wiener 
Käthaka-Ms.). 



430 '>-'• Scliroeder, Die Käthaka- Handschrift des Dayäräm Jotsi. 

Ich erlaube mir hier die wichtigsten Fälle aufzuführen. 

So finden wir das betreffende Zeichen bei Sylben mit dem 
Jätya-Svarita z. B. fol. IIb unten ^W^Tlt ^TflT^T^T^t TT: 
fol. 13 a ^W!^:: fol. 35b. 36 a, 39 a, 46 b, 47 a, 50a, 71a 
^\'^H^\ fol. 36a, 71a ^^; 50b ^WW: 115b ^^-R: 41a 
■^^'\ tj^t^^t^t: ^Ttf^: 42 a W^.\ 47 a und b ^T^SIT^^T^: 
50 b ^^T:; 54 a ^^^^; 65 a ^W T^T: 67 a TT^^T^: 
95 b ^^: 104 a %'TT^: 105 a ^^T^: ^^H^TT^: TffTT^^Tii: 

^(2n^: 105 b l^fT'STT^: tJT^T^ ^T^T^T^ ^: f^(5IT^ ^ 
IT^TWT^ "^'- ^^n^IT^: 110b ^5^: lllb ^^: 115a ^t^^ 
'T'tR: 116 b ^Wr u. Ö. 

Bei Sylben mit dem Kshaipra Svarita : fol. 5 a ^T^ 3T5fT 
fl^^m: 29 b ^^TTT'T:; 37 a ^Wm^ und ^^^fi:: 42 b ^«RTTf!:; 
52 a ^II52T^^^5T,: 55 b ^T: 95 b ^f^^f^ : lila ^WH' 
^:^^>a^T u. ö. 

Bei Sylben mit dem Abhinihita: fol. 36 b ^ ^^^'^t^^- 
^f^: 38 a und b, 39 a und 46 a ^ ^; 41b % -S^^m^T^^: 
44 b und 48 a ^^t ^ftVTT: ^Tf^:: 47 a ^ iW^: 110b 

Für beide mir bisher bekannte Mss. des Käthaka, das Berliner 
wie das Wiener , war es charakteristisch , dass der echte oder 
primäre Svarita in ihnen ein besonderes Zeichen erhielt; dasselbe 
finden wir nun auch in dem Ms. des Pandit Dayäräm Jotsi. Aber 
merkwürdigerweise ist in jedem der 3 Mss. das betreffende Svarita- 
Zeichen ein anderes^), so dass wir schon jetzt, wo wir doch nur 
3 Mss. des Käthaka kennen , von 3 verschiedeneu Accentuatious- 
arteu dieser Schule sprechen dürfen, die freilich nicht principiell, 



1) Vgl. ZDMG. Bd. XLV p. 434 imd 435. 



V. Schroeder, Die Käthaha- Handschrift des Dayäräm Jotsi. 431 

aber doch in den angewandten Zeichen sich von einander unter- 
scheiden. 

Das in dem Ms. des Dayäräm Jotsi erscheinende Zeichen ist 
aus dem Grunde besonders beachtenswerth, weil es mit dem Zeichen 
des echten Svai'ita in der Schule der Mäiträyanija's identisch ist 
und somit für die von mir seit Jahren behauptete und durch eine 
ganze Reihe wichtiger Momente erhärtete sehr nahe Beziehung 
zwischen den Katha's und den Mäiträyaniya's ein neues wichtiges 
Zeugniss ablegt. Zu bedauern aber bleibt, dass uns auch in 
diesem Falle nur Reste der Accentuation vorliegen. Wenn uns ein 
günstiges Geschick doch wenigstens einen Codex des Käthaka 
bescheeren wollte, der vollständig accentuirt wäre! Aussicht dazu 
ist aber für jetzt leider noch keine vorhanden. 



432 



Die Namen des arabischen Propheten Muhammed 
und Ahmed. 



(xiistaT Rösch, 

evang. Pfarrer in Hermaringen in Württ. 

Nach den Traditionen, welche sieh um die Wiege des Propheten 
des Islam gesammelt haben, hat der Grossvater dem neugeborenen 
Enkel bei der 'Aqiqah oder Enthaarungsfeier auf einen ihm im 
Traum zugekommenen göttlichen Befehl hin den Namen Muhammed, 
oder aber zur Erhaltung des Andenkens eines im Knabenalter ver- 
storbenen und von ihm schmerzlich betrauerten Sohnes dessen 
Namen Qotham gegeben, denselben jedoch nachträglich auf die Er- 
zählung der Mutter Aminah hin, der Engel des Herrn habe ihr 
im Traum befohlen, das Kind Muhammed zu heissen, durch den 
letzteren Namen ersetzt '). 

Dichtung und Wahrheit aus dem Leben des Propheten, urtheilt 
man über diese Erzählungen unter der unwillküi'lichen Einwirkung 
der Traumgesichte des Grossvaters und der Mutter auf den kri- 
tischen Instinkt. Ob aber bloss das Beiwerk der Traumgesiebte 
Dichtung ist. das ohnedem von einer andern Tradition mit dem 
der arabischen Bedeutung des Verbalstammes des Namens Muhammed 
entnommenen etymologischen Motiv für die Wahl dieses Namens 
ersetzt wird, der Grossvater habe den Festgästen auf ihre Frage, 
warum er für das Kind nicht den Namen eines Familiengliedes ge- 
wählt habe, erwidert: Ich will, dass Gott der Allerhöchste den 
im Himmel verherrliche, welchen er auf Erden geschaffen hat-)? 
Sprenger hat die Vermuthung aufgestellt und Hirscht'eld hat ihm 
beigepflichtet (ob auch noch andere Gelehrte, hat der Verfasser 
dieser Skizze auf seinem Patmos nicht erfahren) , dass schon der 
Kern der Ueberlieferung , die apriorische Wahl des Namens Mu- 



1) A.Sprenger, Das Leben und die Lehre des Jlohammad. Berlin 18G1 ff. 
Bd. I, S. 15.0. — L. Krehl, Das Leben des Muhammed. Leipzig 1884, S. 1. 

2) Jean Gagnier, La vie de Mahomet etc. Amsterdam 1732. T. I, 
p. 8.3—84. 



Rösch, Die Namen des arah. Prophete7i Muhammed u. Ahmed. 433 

hammed für den Neugeborenen, Dichtung sei, welcher als Wahrheit 
die aposteriorische erst von dem Propheten selbst gegenüberstehen 
dürfte 1). 

Eine irrelevante Nebensache ist die Person des Namengebers, 
mit der der Schreiber dieses die Auseinandersetzung seiner Meinung 
über die Sprenger'sche Aufstellung 7ai beginnen sich erlaubt. Sie 
wird durch die Differenz der Tradition in der Bestimmung des 
Zeit Verhältnisses zwischen dem Tode des Vaters Abd- Allah und der 
Geburt des Sohnes zweifelhaft Neben der Angabe über den Tod 
des Vaters in der Fremde schon vor der Gebart des Kindes oder 
wenigstens wenige Wochen darnach ^) geht nämlich die andere her, 
welche den Vater die Geburt seines Sohnes nicht bloss kurze Zeit 
in der Fremde, sondern etwa zwei Jahre in der Heimath überleben 
und die Lieblichkeit des Kindes in einem, allerdings andererseits 
dem Grossvater in den Mund gelegten ^), Dankgebet preisen lässt *). 
Im letzteren Falle würde der Vater und nicht der Grossvater dem 
Kinde den Namen gewählt und gegeben haben. Sei dem übrigens, 
wie ihm wolle, die Hauptfrage ist: ob der Namengeber dem Kinde 
überhaupt den Namen Muhammed gegeben haben könne. 

Ein rückhaltsloses Ja auf diese Frage wird durch den mit 
anderen arabisch-heidnischen Namen im Genetiv stehenden und den 
Nominativ Moa^isÖog oder MoautÖr/g voraussetzenden Namen eines 
Finanzbeamten Qai^oauiÖov auf einer palmyrenischen Inschrift aus 
dem Jahre 114 v. Chr.^) geboten. Renan und Ernst Oslander 
haben diese Inschrift als Beweis gegen Sprengers Behauptuno- der 
Ungewöhnlichkeit des Namens Muhammed vor dem Islam gebraucht*'). 
Sprenger hat darauf erwidert, es könne in dem Moa/iisdov irgend 
ein anderes arabisches Wort griechisch eingekleidet sein, wenn aber 
wirklich Muhammed , so sei dadurch bloss die von den muhamme- 
danischen Gelehrten selbst zusammengetragene Zahl der Männer mit 
diesem Namen vor dem Auftreten des Propheten um einen vermehrt^). 
Diese Erwiderung ist jedoch insolange nicht triftig, als Sprenger 
nicht ein näher liegendes arabisches Substrat, als Muhammed, für 
den Genetiv Moauiöov nachweist. Das von ihm vorgeschlagene J^^xx 
ist es nicht, da er dessen Eigenschaft als Eigenname nicht mit Bei- 
spielen belegt hat ^). Aber auch abgesehen von dieser palmyrenischen 
Inschrift, deren Oaifioafiäöov schliesslich auch ebenso gut auf 

1) Sprenger a. a. 0. S. 156 — 162. Hartwig Hirschfeld, Jüdische Ele- 
mente im Koran. Erste Ausgabe: Berlin 1878, S. 70 — 77. 

2) Sprenger S. 138—39. W. Muir, The life of Mahomet and history of 
Islam to the era of Hegira. London 1858 — 61. Vol. I, p. 11. Gagnier p. 84. 

3) Sprenger S. 143—44. 

4) Ma9oudi, Les prairies d'or. Texte et traduetion par Barbier de Mey- 
nard et Pavet de Courteille. Paris 1861 etc. T. IV, p. 130 — 31. 

5) Böckh, Corpus Inscript. Graec. 4500. 

6) Sprenger S. 581. 

7) Ebendaselbst. 

8) Ebendaselbst. 



434 Rösch, Die Namen des arah. Propheten Muhammed u. Ahmed. 

die arabische Grundform iA*5>! ^^j als auf die Js.*.:^?^^ ^xj" zurück- 
gehen könnte, ist die Möglichkeit, dass der Prophet schon als Kind 
Muhammed genannt worden ist, durch die vorislamischen Beispiele 
dieses Namens bei Sprenger ^) und Muir ^) erwiesen. 

Dieser Möglichkeit des Kindesnamens Muhammed tritt nun 
aber sofort dadui'ch eine zweite an die Seite, dass alle auf den 
Namen des Propheten bezüglichen Traditionen zwischen den Formen 
Muhammed und Ahmed schwanken ^), so namenthch auch die über 
den Traum der Mutter Aminah vom Namen des Neugeborenen *). 
Beide Namensformen sind zwar bekanntlich nur formell verschieden, 
materiell aber identisch, da sie beide Verbaladjektive eines und 
desselben Verbums sind und sich von einander nur als Positiv und 
Elativ unterscheiden, allein aus dieser engen Verwandtschaft der- 
selben darf keineswegs der Schluss gezogen werden, sie seien blosse, 
beliebig und zufällig wechselnde Namenvarianten einer und derselben 
Person, sondern sie sind vielmehr als spezifisch verschiedene Eigen- 
namen zu betrachten, was Sprenger mit den Namen einer Reihe 
von Brüdern beweist, welche sammt und sonders von einem Verbum 
abgeleitet sind ^). Wie Muhammed , so ist der Name Ahmed aber 
auch geschichtlich zulässig, denn es ist wenigstens ein Ahmed 
dreissig oder vierzig Jahre vor dem Propheten nachweisbar *'). Wo- 
her hat aber Hirschfeld das Recht , die Möglichkeit für Ahmed in 
die Wirklichkeit zu verwandeln und von dem Propheten kurzweg 
zu sagen: „des Propheten eigentlicher und Jugendname ist Ahmad"? '') 

Eine dritte Möglichkeit für den Kindesnamen des Propheten 
erwächst endlich aus der eingangs erwähnten Sage, der Grossvater 
habe dem Enkel zuerst den Namen seines verstorbenen Sohnes 
Qotham gegeben. Den historischen Klang kann man dieser Tradition 
so wenig absprechen, als man deren Zusatz von der nachträglichen 
Abänderung dieses Namens in Muhammed auf den Traum der 
Mutter hin für geschichtlich nehmen wird. 

Welcher von diesen drei möglichen Namen ist nun der wirk- 
liche Kindesname des Propheten gewesen? Wenn Qotham nicht, 
gar keiner, lautet die Antwort Sprenger's, denn die Namen Mu- 
hammed und Ahmed soll der Prophet erst nach oder ganz kurz 
vor der Flucht nach Medinah angenommen haben, um seine Würde 
und Berechtigung als Messias vor den arabischen Juden und Christen 
zu beweisen **). Liess doch die Beharrlichkeit der Juden von Medinah 



1) Sprenger S. 161. 

2) Muir p. 16 — 17, Anm. 

3) Sprenger S. 161. 

4) Muir p. 16, Anm. 

5) Sprenger S. 158, Anm. 2. 

6) Sprenger S. 158. Muir p. 16, Anm. 

7) Hirschfeld S. 70, Anm. 2. 

8) Sprenger S. 156 — 157. 



Bosch, Die Adamen des arab. Propheten Muhammed it. Ahmed. 435 

bei der Messiashoffnung der Väter ^) und die ebionitische Richtung 
der arabischen Christen , welche das wenigstens priucipielle Zu- 
geständniss der Möglichkeit einer neuen Incamation des in Mose 
wie in Christo dagewesenen „wahren Propheten" involvirte "') , den 
Versuch der Mühe werth erscheinen , beiden mit einem „Ich bin's" 
entgegen zu treten. 

Gehen wir auf die von Sprenger hierfür beigebrachten tra- 
ditionellen Belege näher ein , so ist der wichtigste der von dem 
Propheten in Medinah erhobene Anspruch , Muhammed , Ahmed, 
Khätim, Häschii', Mähi und 'Aqib zu sein , wie seine ausführlichste 
Foiinulirung heisst '^). Die vier Prädikate nach Muhammed und 
Ahmed tragen nun einen so entschieden christologisch-messianischen 
Charakter, dass man nicht umhin kann, einen solchen auch für die 
Namen Muhammed und Ahmed vorauszusetzen. Khätim, der Siegel- 
ring, dürfte nämlich ein wenn auch nicht aus dem Wort Jesu im 
Ev. Job. 6, 27: „denselbigen (des Menschen Sohn) hat Gott der 
Vater versiegelt" geflossener, so doch in ihm durchscheinender und 
gar leicht verständlicher Messiasname sein , den im dritten christ- 
lichen Jahrhundert schon Mäni für sich in Anspruch genommen 
hat, wie Kessler *) meint, um den Abschluss der fortlaufenden Pro- 
phetie mit seiner Person zu constatiren, und Häschir, der Ver- 
sammler (der Todten am jüngsten Gericht), Mähi, der ^ Austilger 
(der Sünden , wenigstens nach der einen Exegese) und 'Aqib , der 
Letzte, lassen sich vollends nur als christologisch-messianische Prä- 
dikate verstehen Sind nun Muhammed und Ahmed ebenfalls 
Messiasprädikate, so könnten der Grossvater oder Vater des Propheten- 
kindes nur dann das eine oder andere zu dessen Namen gewählt 
haben, wenn sie einer der hervorragenden Familien des Stammes 
Qoreisch angehört hätten , so dass sie im Fall ihres Bekenntnisses 
zum arabischen Monotheismus oder Haniphentum, einem Niederschlag 
des im Exil begonnenen und in die Manichäer, Zabier und Mandäer 
ausgelaufenen Synkretismus der jüdischen und christlichen Gnosis 
mit dem babylonischen Heidenthum °) , dem Beispiel derjenigen 
Araber hätten folgen können, von denen die Ueberlieferung erzählt, 
da die Araber von den Bibelleuten und ihren eigenen (haniphischen) 
Wahrsagern gehört hätten, dass ein Prophet unter ihnen aufstehen 
würde, welcher den Namen Muhammed führen würde, so hätten 
einige Väter ihre Söhne Muhammed genannt in der Hoffnung, dass 
sie zu dieser Würde auserkoren werden würden *>) , allein zu den 



1) Qorän 2, 83. Sprenger Bd. II, S. 524. 

2) G. Rösch, Die Jesusmythen des Islam: Theol. Stud. u. Krit. 1876. 
417—19. 

3) Sprenger Bd. I, S. 156. Muir p. 17, Anm. Maijoudi T. IV, p. 120. 

4) Konrad Kessler, Mani. Berlin 1889. Bd. I, S. 318, 354— .05, 372, 
9, 386. 

5) Kessler, Bd. I. S. XVII. S. 8, Anm. 3. S. 313. 

6) Sprenger S. 161. 



436 Rösch, Die Namen des arah. Propheten Muljammed v. Ahmed. 

vornehmen bat eben die Familie des Propheten nicht gehört, was 
daraus hervorgeht, dass die Mekkaner ein Aergeruiss daran nahmen, 
dass die göttliche Offenbarung einem unbedeutenden Manne anver- 
traut worden sein sollte ^). Also könnte sich der Prophet die 
beiden Namen erst selbst beigelegt haben , womit die Angabe Ibn 
Sa'ad's trefflieh stimmen würde: „Der Prophet legte sich vor uns 
(den Gewährsmännern dieser Tradition) verschiedene Namen bei," 
und die Sage erklärt wäre, der Prophet habe sich einmal auf dem 
Markt von Medinah die Anrede mit seiner Kunjah oder seinem 
Beinamen Abü-1-Qäsim verbeten und dafür die Anrede mit seinem 
Namen verlangt -), wenn die beiden Namen Muhammed und Ahmed 
wirklich, wie die andern vier, ursprüngliche Messiasprädikate wären. 

"Wie können sie das aber sein, wenn der eine dieser materiell 
identischen Namen schon fünf Jahrhunderte vor dem Islam in rein 
heidnischen Verhältnissen inschriftlich vorkommt, wenn ferner der 
Grossvater und Vater des Propheten keine Monotheisten, sondern 
wie alle seine Vorfahren Heiden, also von jüdischen und christlichen 
Ideen unberührt, waren, wie eine gegentheilige Tradition eben auch 
behauptet ^) , und man andererseits keinen genügenden Grund hat, 
die Möglichkeit ihrer Wahl des Namens Muhammed oder Ahmed 
für das Kind zu bestreiten? 

Dies führt uns auf die Frage nach der Bedeutung der beiden 
Namen. 

Die von Muhammed finden wir von dem Propheten selbst in 
seiner traditionellen Antithese angegeben : „Sie schmähen mich als 
den Gescholtenen und fluchen mir als dem Gescholtenen, und ich 
bin der Gepriesene (Muhammed)"^). Der Verbalstamm hmd, von 
welchem Muhammed das Part. pass. II ist, hat übrigens allein im 
Arabischen, wo er ohnedem nur selten vorkommt, die Bedeutung 
des Lobens und Preisens, im Palästinisch-Syrischen hat er die des 
Begehrens . was d'Herbelot ^) , den Grafen Boulainvilliers ^') und 
Sprenger ') veranlasst hat , dem Namen die Bedeutung „der Er- 
sehnte" unterzulegen. Man steht jedoch mit Muhammed auf ara- 
bischem Boden, was wohl der dem Verfasser von Eb. Nestle mit- 
getheilte Umstand am sichersten beweist, dass bei syrischen Autoren 
der Name einmal auch statt mit Dolath mit Teth vorkommt , eine 
unbegreifliche Variante, wenn der Name syrischen Ursprungs wäre. 
Ausserdem wäre „der Ersehnte" als Antithese zu „dem Gescholtenen" 
nicht pointirt genug. Was ist nun das Subject zu dem Prädikat 



1) Qor.än 43, 30. 

2) Sprenger S. 157. 

3) Ma90udi T. III, p. 208. 

4) Sprenger S. 1.57. 

5) d'Herbelot, Orientalische Bibliothek. Deutsche Bearbeitung. 
1785 flf. Bd. III, S. 440, Sp. 2 — S. 441, Sp. 1. 

6) Gagnier T. I, p. XIX. 

7) Sprenger S. 159. 



Rösch, Die Namen des arah. Propheten Muhammed u. Ahmed. 437 

„der Gepriesene" ? Nach allen muslimischen Auslegern der Namens- 
träger. Welche Rücksicht könnte aber im heidnischen Alterthum 
einen Araber zu dieser anspruchsvollen Namensvvahl für seinen Sohn 
bewogen haben? Etwa die, ein Omen der Vortrefflichkeit des 
künlilLigen Mannes zu schaffen? Eine Möglichkeit bei vornehmen 
Familien, aber nicht bei der des Propheten. Also dürfte sich eine 
andere Vermuthuog, das Subject zu Muhammed werde nicht sowohl 
der Namensträger selbst, als vielmehr ein Gottesname sein, dringend 
empfehlen. Als solcher böte sich im Falle des Monotheismus der 
Naraengeber x411äh an, im Falle ihres Heidenthums aber irgend ein 
Götzenname, etwa Hobal, denn vor dessen Bild in der Ka'abah soll 
der Grossvater den neugeborenen Enkel dargestellt und für dessen 
Gebm-t gedankt haben ^). Die Unterdrückung des göttlichen Subjects 
bei isnädischen Namen passivischer Art wäre der Regel entsprechend. 

Von der Elativform Ahmed wird genau dasselbe gelten. 

Beide Namensformen, iMuhammed wie Ahmed, eigneten sich 
nun vermöge ihrer Bedeutungen „der Gepriesene" und „der höher 
oder am höchsten Gepriesene" für den Propheten vortrefflich zu 
der Rechtfertigung seines Anspruchs auf die Messiaswürde. Sie 
Hessen sich von ihm oder seinen haniphischen, jüdischen und christ- 
lichen Einhelfern ^) , deren Eingreifen in die Offenbarungen des 
Propheten apriorische Wahrscheinlichkeit hat , als Messiasprädikate 
in der Bibel finden. Das musste als eine durchschlagende Empfehlung 
erscheinen. Der wenigstens den Namen Ahmed Jesu in den Mund 
legende Qoränspruch heisst : „'Isä, der Sohn Marjams, sprach : ihr 
Kinder Israel , fürwahr ich bin ein Gesandter Gottes zu euch , die 
Offenbarung vor mir in der Thorah bestätigend und gute Botschaft 
über einen Gesandten bringend , der nach mir kommen wird und 
dessen Name Ahmed ist ^). Die auf beide Namen Bezug nehmende 
Tradition des Ibn 'Abbäs aber lautet bei Sprenger: „Der Prophet 
sagte : mein Name im Qorän ist derselbe wie in der Thorah, näm- 
lich Muhammed, und mein Name im Evangelium ist Ahmed ■*)." 

Beschäftigen wir uns zuerst mit dem Namen Muhammed „in 
der Thorah" , d. h. nicht etwa bloss „im Pentateuch" , sondern „im 
Alten Testament" überhaupt, so hat sich Sprenger von Deutsch, 
dessen Wegzeiger vermuthlich d'Heibelot gewesen ist ^) , belehren 
lassen, seine alttestamentliche Quelle werde Haggai 2, 7 sein: iwsni 
D";i;~~b:r n~52n, was die Vulgata übersetzt: et veniet desideratus 
cunctis gentibus. Ein feiner Einfall, denn die Deutung des "ijn '- auf 
den Messias ist die gangbarste geworden'^) und die Gemeinsamkeit der 

1) Spreuger S. 143 — 44. Muir p. 15 — 16, Anm. weiss nach Yäqidi nur 
von einem Dankgebet vor Gott. 

2) Sprenger Bd. II, S. 349—89. G. Rösch, S. 419—20. 

3) Qorän 61, 6. 

4) Sprenger Bd. I, S. 1.58. 

5) d'Herbelot, Orient. Bibl. Bd. III. S. 441, Sp. 1. 

6) Hengstenberg, Christologie des Alten Testaments: Zweite Ausgabe. 
Berlin 18.54 ff. Bd. 111, 1. S. 226. 



438 Rösch, Die Namen des arab. Propheten Muhammed u. Ahmed. 

"Wurzel hamd füx- das arabische und hebräische Wort leugnet selbst- 
verständlich Niemand. Eine Abzweigung von dieser Combination 
ist der Versuch Hirschfeld's, sie mit der Heranziehung der Anrede 
Damel's von einem Engel in Dan. 9, 23: {".rx ri-i"- ^3, und 
10, 11 und 19: ni-;?:- 'd^N, zu ersetzen i) Er kann sich jedoch 
mit dem von Deutsch nicht messen, weil der Prophet im Qorän 
sich* um Daniel nicht kümmert und also auch kein Epitheton von 
ihm entlehnt haben kann. Aber auch die Combination von Deutsch 
erweist sich nicht als probehaltig, da, abgesehen davon, dass Mu- 
hammed arabisch und nicht palästinisch-syrisch ist, also keinen 
hebräischen Hintergrund hat, gerade die Septuaginta und die von 
ihnen abhängige Peschittho eine Ausnahme von der beliebten Deutung 
des ijT 'n bei Haggai auf den Messias machen, zwei Uebersetzungen, 
welche als Provenienzen der beiden comnierciellen und religiösen 
Verkehrsziele Arabiens, Aegyptens und Syi-iens, jedenfalls einen 
massgebenden Einfluss auf das religiöse Denken der arabischen 
Juden und Christen gehabt haben werden. 

Sucht man dagegen einen anderweitigen Beleg für das Vor- 
kommen „des Gepriesenen" in der Thorah , so tritt einem zunächst 
Ps. 118, 26 entgegen: , Gelobt sei, der da kommt im Namen des 
Herrn". Eine Stelle, deren frühe Anwendung auf den Messias durch 
Matth. 23, 39 und Luc. 13, 35 verbürgt ist: „Ich sage euch: ihr 
werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis dass ihr spi'echen 
werdet: gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn", 
und deren Popularität in dem christlichen Syrien, der Bezugs- 
quelle der christlichen Kenntnisse des Propheten, durch die Gruft- 
inschrift gewährleistet ist: Evloyi]^ivog 6 kg-/6u8vog ^v ovo- 
fiari y.vQiov Ssog y.vgiog y.ai InUfctvBV tj/acv ^). Auf das 
ei'?.0'}'r//iih>og der Septuaginta in der besagten Psalmstelle konnte 
der Name Muhammed von den Schriftgelehrten in der Umgebung 
des Propheten immerhin bezogen werden, und die koptisch-memphi- 
tische Uebersetzung des Psalters würde durch ihre Uebertragung 
des sv'Aoyr/juivog mit einem Compositum von cjuioy, loben, hierzu 
eine Parallele bieten 3). Gegen diese Appellation an Ps. 118, 26 
kann man jedoch einwenden, der Prophet oder seine Einhelfer 
würden , wenn sie den Namen Muhammed in einer Psalmstelle ge- 
sucht hätten, nicht von einem Vorkommen desselben „in der Thorah", 
sondern „in dem Zabür Dawüd" gesprochen haben, denn so heisst 
der Psalter im Qorän ^). Ferner , dass die syrische Uebersetzung 

das hebräische -1^|; mit ^•^^, die arabische in allen ihren vor- 



1) Birschfeld S. 71. 

2) W. H. Waddingtoii, Inscriptions grecques et latines de la Syrie. Xo. 2661 a. 

3) M. G. Schwartze, Psalterium in dialectum copticae linguae memphiticam 
translatum. Leipzig 1843. S. 188. La Croze , Lexifon aegyptiaco - latinum. 
Oxonii 1775. S. 91. 

4) Qorän 4. 17. 21. Sprenger Bd. II, S. 298. 



Rösch, Die Namen des arah. Propheten Muhammed u. Ahmed. 439 

handeneu Bearbeitungen mit ^6 ,'l^x und die äthiop. mit (Tt'ü^yi^)» 
also mit „Gesegnet sei" und nicht mit „Gepriesen sei" wiedergeben. 
Mögen aber diese Momente auch noch so schwer gegen Ps. 118, 26 
in das Gewicht fallen, die Lobpreisung des Messias ,in der Thorah", 
d. h. im Alten Testament von den fünf Büchern Mosis an, steht fest. 
Wenden wir uns der Aufklärung des Namens Ahmed „im 
Evangelium" zu, so sind die muslimischen Ausleger in der Beziehung 
der Qoränstelle über diesen Namen auf die Verheissung des Paraklets 
im Johannesevangelium einig -). Diese Beziehung muss alt sein, 
denn sie wird schon Waraqah , dem Vetter Khadigah's , in den 
Mund gelegt ^). Die Verheissung des Paraklets kannten nun die 
arabischen Juden und Christen zur Zeit des Propheten, nach der 
Anführung von Ev. Joh. 15, 23 — 16, 1 bei Ibn Ishäq (gestorben 
151 H = 773 — 74 n. Chr.) zu urtheilen, noch nicht in einer voll- 
ständigen und schriftlichen Uebersetzung, sondern nur in einer durch 
einen jüdischen Kanal ihnen zugekommenen Tradition, wie Joh. 
Gildemeister aus dem weder arabischen, noch syrischen, sondern 
chaldäischen Tröster \J^^\Xa bei Ibn Ishäq gegen Sprenger'') scharf- 
sinnig geschlossen hat ^). Wenn nun jüdischerseits der johanneische 
Paraklet mit dem chaldäischen N:?2n:u, „unser Tröster", wieder- 
gegeben wurde, so konnte das nur darum geschehen, um die Ver- 
heissung zu dem Beweis zu gebrauchen, dass Jesus nicht der wahre 
!Messias gewesen sei , sondern selbst diesen als einen erst noch zu 
erwartenden Gottesboten nach ihm angekündigt habe, denn Cn:72 
ist nach Schöttgen einer der vielen jüdischen Messiasnamen ^). Eine 
Exegese, bei welcher dann die Person des Paraklets, der Heilige 
Geist, entweder ignorirt oder unter dem Schutz von Jes. 57, 16 
als in dem Messias verkörpert gedacht wurde ''). Das hohe Alter 
und normative Ansehen dieser jüdischen Exegese der Verheissung 
des Paraklets erhellt daraus, dass auch schon Mäni, und zwar schon 
nach den Acta disputationis Archelai, deren nach Kessler aramäisches, 
nach Nöldeke aber griechisches Original der ersten Hälfte des vierten 
Jahrhunderts angehört **) , zur Rechtfertigung seines messianischen 
Anspruchs adoptirt und sich den Paraklet genannt hat '^). Konnte 
aber eine jüdische Reflexion über Jesus dem Propheten für seine 



1) Psalterium aethiopice. Basel. A. Dillmann, Lexicon linguae aetliiopicae. 
Leipzig 1865. Sab voce. 

2) Sprenger Bd. I, S. 158 
.3) Sprenger S. 127. 

4) Ebendaselbst S. 131. 

5) Jo. Gildemeister, De evangeliis in Arabicum e simplici syriaca trans- 
latis commentatio aeademica. Bonn 1805. S. 30 — 31, Anm. 

6) Christiani Schoettgenii Horae hebraicae et talmudicae. T. II, pag. 18, 
Ko. 32. 

7) Ebend. pag. 9, No. 7. 

8) Kessler Bd. I, 106—71. Nöldeke, ZDMG. Jahrg. 1889. S. 537—38. 

9) Kessler S. 119. 318. 354—56. 



440 Rösch, Die Namen des arah. Propheten Mithammed u. Ahmed. 

Zwecke willkommener sein, als diese? Denn usurpirte er einmal 
die Messiaswürde , so hatte er ja in der jüdischen Deutung des 
Paraklets eine treffliche Handhabe für seine Anmassung, und konnte 
er sie auf Grund von Ps. 118, 26 im Einzelnen oder auf Grund 
der messianischen Weissagungen im Ganzen mit seinem Namen 
Muhammed biblisch rechtfertigen, so durfte er als der von seinem 
Vorgänger Jesus in der Verheissung des Paraklets angekündigte 
künftige höhere Gesandte Gottes „nach dem Evangelium" sich auch 
noch den schon vor ihm, wenn auch selten, gebräuchlichen elativen 
Parallelnamen eines Ahmed oder höher als Jesus Gepriesenen an- 
eignen. Hierzu mag ihn die griechische Gelehrsamkeit seiner Lehrer 

inspirirt haben, welche den JAAj3;3 der Peschittho sicher so ge- 
wiss als die späteren Ausleger im Islam ^) in dem profanen nsgi- 
x'Avrog statt in dem biblischen naoaxkriTOQ gesucht haben werden, 
um es mit Ahmed auszugleichen , und das schwerlich mit absicht- 
lichem Betrug, sondern eher in naiver Selbsttäuschung, zu der ihnen 
die Aussprache des Eta als Jota den Anlass gegeben haben kann. 

Der Name Ahmed blieb übrigens stets auf das theoretische 
Gebiet beschränkt, davon dass er als Wechselname für Muhammed 
in das praktische Leben eingedrungen sei, haben wir nur in dem 
eingangs erwähnten Schwanken der Ueberlieferung über den Kindes- 
namen des Propheten zwischen Muhammed und Ahmed eine irre- 
führende Spur, welche nur aus der Vermengung von Theorie und 
Praxis des Propheten erklärlich ist, denn in der nüchternen Wirk- 
lichkeit hiess der Prophet nie anders als Muhammed, der Sohn des 
'Abd- Allah. So wui'de er von den heidnischen Qoreischiten genannt, 
indem sie seine Anmassung, in dem Friedensinstrument, sich den 
Gesandten Gottes nennen zu wollen , zurückwiesen , und zu diesem 
Namen bequemte er sich endlich diesen gegenüber selbst, wie die 
Tradition erzählt -). Würden die Feinde ihn Muhammed genannt 
haben, wenn er sich selbst erst den Juden, Christen und Haniphen 
gegenüber diesen Namen gewählt hätte? '0 Mwaiiue& , o vioq 
tuv 'AuTiTüv'/My., heisst er endlich in dem griechischen Text des 
von ihm dem Sinaikloster ausgestellten Schutzbriefes ^) , also in 
einer zeitgenössischen Urkunde. 

Also ist Muhammed der Name gewesen, den der Prophet als 
Kind , gleichgiltig von wem , empfangen , aber als Mann für den 
Zweck der Usurpation der Messiaswürde verwerthet und mit dem 
Synonymum Ahmed theoretisch combinirt hat. 



1) d'Herbdot S. 441, Sp. 2. Gagnier J. I, p. XX. Sprenger S. 158. 
Muir Vol. I, p. 16; II, p. 313. 

2) Sprenger ISd. 11, S. 399—400. 

3j Michael Eneman, Eesa i Orienten 1711 — 12. Utgifven af K. U. Ny- 
lander. Upsala (ohne Jahreszahl). Sonare delen Sinai haifön och Palestina. S. 69. 



441 



Ueber einige bis jetzt nicht erkannte Münzen aus der 
letzten Omeijadenzeit. 



0. Tan Yloten. 

In den grösseren Catalogen arabischer Münzen findet man aus 
den Jahren 127—135 H. eine Gruppe verzeichnet, welche man 
wegen ihrer besonderen Inschriften Abu Moslim oder wenigstens 
der Abbasidischen Partei zuschreiben zu müssen gemeint hat. 

Cf. Tiesenhausen, Monnaies des Khalifes orientaux Petersb 1873, 
p. 63 seqq., 281. Stickel, Handbuch zur morgenl. Münzkunde 
p. 20, 40. Lavoix, Catalogue des Monn. Musulm. de la Biblioth. 
Nat. p. 132, 489 (Partisans Abbasides). Stanley Lane Poole Cat. 
of the Orient, coins of the Brit. Mus. I, 33, IX, 37 (Abu Moslim). 
Der von Stanley Lane Poole angefertigte Catalog der Guthrie'schen 
Sammlung war mir leider nicht zugänglich. 

Es sind von diesen Münzen, so viel mir bekannt, bis jetzt 
17 verschiedene publicirt mit folgenden Prägeorten und Jahres- 
zahlen : 

Kufa 128, Djaij (Alt-Ispahäu) 127, 128. 129, Mähi (wahrsch. 
Hamadhäni)) 129, Hamadhan 129, Taimara (bei Ispahän) 128, Reij 

129, 131, Djordjän 130, Bäm Hormoz 128, Istachr 129, Balch 

130, 131, Merw 131, 133, 134. 

Allein die erste (Kufa 128) hat die Inschrift xii ^H ^JC^ ^. 
die anderen führen sämmtlich den an die Aussprüche der Haschimiten 
erinnernden Qoranvers 

cfv «-^ -^ y • ■■ r 

die aus Merw ausserdem noch den Namen Abu Moslim's f.\j xS U/> 
^S^^^ j.i\ ,ax^! oder A^a ^j .jU.:>.j! ^^^). 



1) So die Xumismatiker , ich weiss nicht aus welchem Grunde. Ob der 
Name ^S>Oo vielleicht aus .-.i-J^, uc^^ (Ibn Faqih 114, Istakhri 29, 34, 88) 
abgekürzt ist? 



442 ^'f"i Vloten, Münzen aus der letzten Oiiieijadenzeit. 

Nur diese drei und die beiden in Balch geprägten gehören 
der Abbasidischen Partei oder wenn man will dem Abu Muslim zu, 
die übrigen haben mit der Abbasidischen Da'wa meiner Ansicht 
nach nichts gemein. 

Die, welche den Namen Abu Moslim's tragen, können wir 
also gänzlich übergehen ; sie gehören zu der bekannten Gruppe, 
welche der Abbasidengeneral bis 136 und nach ihm auch sein 
Nachfolger Chälid ihn Ibrahim (cf. Tiesenh. No. 695) in Merw 
prägen liess. 

Wichtig aber ist eine andere Art in Merw geprägter Münzen, 
die ich oben nicht verzeichnet habe, aus den Jahren 131—33. Es 
sind dies Lavoix No. 561, 562 (= Tiesenh. 652), 583. Bei den- 
selben wird entweder die Haschimitische Legende vermisst, oder es 
tritt gar (wie bei Lavoix 583, Merw 133) die Omeijadische wieder 
auf. Es ist dies um so merkwürdiger, da aus den Jahren 131 
und 133, wie wir sahen, auch auf Befehl Abu Moslim's angefertigte 
Münzen existiren, welche die Inschrift ^JS >.JÜL//,t bS J^ä tragen. 

Ich habe in meinem Opkomst der Abbasiden die Thatsache 
ans Licht gebracht, dass die Partei der Abbasiden in Merw in 
gewisser Hinsicht von ihren Jemenischen Bundesgenossen abhängig 
war. Wir wissen z. B., dass sich Abu Moslim nicht mit dem Titel 
Emir, welcher dem Haupte der Jemeniten, Ali ibn al Kirmäni, zu- 
kam, sondern mit Salär (Obrist) begrüssen liess ^). 

Zu dieser Lage stimmt es durchaus, dass sich beide Parteien 
eigene Münzen prägen Hessen , und ich stehe nicht an , die beiden 
Dirheme aus den Jahren 131, 132 der Jemenischen zuzuschreiben. 

Sehr schwer aber ist es auszumachen, was es mit mit der 
Omeijadischen Inschrift von 133 für eine Bewandtniss hat. 

Ende Moharrem 132 liess Abu Moslim nebst den beiden Söhnen 
al-Kirmäni's eine grosse Zahl Jemenischer Häupter aus dem Wege 
räumen -), und damit wurde wahrscheinlich das Ende dieser Partei 
herbeigeführt. Leider herrscht nun über die Vorfälle in Merw 
seit diesem Jahre ein grosses Dunkel. Jedenfalls wird keine Omeija- 
dische Erhebung erwähnt weder in diesem noch in den folgenden 
Jahi-en. Dennoch scheint es angesichts der genannten Münzen am 
rathsamsten zu sein , mit Hofrath Stickel 3) anzunehmen , dass es 
noch Omeijadische Parteiführer zu bekämpfen gab, oder dass selbst 
nach dem an den Söhnen al Kirmäni's verübten Meuchelmorde der 
Bund zwischen Schi'a und Jemeniten unverändert fortbestand. 

Sehr interessant ist der Dirhem Kufa 128 mit der Legende 



1) Opk. d. Abb. p. 120, Aum. 1. Mit .^lw^i5 UjI Lj wird Abu Moslim 
igesprochen in der Anekdote Zalir al-Adäb (Jqd III) 356. 

2) Ibn Khallikän (Wüstenf.) No. 382, p. 74. 

3) S. ZDMG. XLIII, 692. 



van V loten, Münzen aus der letzten Ornei Jadenzeit. 443 

^l '% i*->^^ ^. ^^iß ^^^ dazu kam, diese Münze dem Hause des 
Propheten oder den Abbasiden zuzuschreiben , ist unbegreiflich. 
Der Spruch : „Nur Allah die Entscheidung" ist natürlich charidjitisch, 
und es kann deshalb keinem Zweifel unterliegen, dass diese Münze 
von dem Charidjitenhaupte ad-Dhahhäq ihn Qais herrührt, dessen 
Anhänger nach den Angaben Tabari's ') von Ende 127 bis 129 
Kufa inne hatten. 

Was die übrigen Münzen betrifft, so gehören diese nicht den 
Abbasiden und noch viel weniger Abu Moslim an, denn es stimmt 
sowohl Datirung als Inschrift und Ausgabestelle zu der Annahme, 
dass wir hier von dem Dja'fariden Abdallah ihn Mo'äwia (ihn Abdallah 
ihn Dja'far ihn abi Tälib) gemünztes Geld vor uns haben. 

Wir wissen, dass dieser Rebell Moharrem 127 zu Kufa die 
Fahne des Aufruhrs erhob und aus dieser Stadt nach Madäin ver- 
trieben wurde. Seine Herrschaft muss im Jahre 130 H. ein Ende 
genommen haben , in dies Jahr setzt wenigstens Tabari die end- 
giltige Vertreibung seiner Anhänger aus Fars und Kirman, und 
als Abdallah durch Kirmän und Sidjistän nach Herät gelangt, 
findet er daselbst schon einen Befehlshaber von der Secte Abu 
Moslim's; Herät aber kann nicht vor Ende 129 den Anhängern der 
Abbasiden zugefallen sein ^). 

Zu dem von Abdallah beherrschten Gebiete wird von den 
Historikern gerechnet: nicht nur Holwän, al-Mähäni (Nehäwend und 
Dinäwer) und Hamadhän , sondern auch Qumis, Ispahän, Reij und 
Fars mit Istachr und Schiräz ^) und, wie aus Tabari H, 1978 
folgt, theilweise auch Chuzistän. 

Diese Angaben werden durch unsere Münzen aufs Wünschens- 
wertheste bestätigt. Es geht aus ihnen als wahrscheinlich hervor, 
dass schon 127 Iräq von Abdallah's Parteigängern verlassen war 
und sich der Aufstand in Jahresfrist bis nach Chuzistän (Räm- 
hormoz) ausbreitete. Während der Dja'faride, wie uns berichtet 
wird , in Ispahän residirte *) , scheint sich ihm auch das fernere 
Qumis mit Djordjän unterworfen zu haben. Aus der Münze Reij 
131 ist ersichtlich, dass selbst in diesem Jahre und nach AbdaUah's 
Tode seine Partei sich in Medien behauptete, wenn man nicht 
annehmen will , dass dieses Geldstück schon von dem Abbasiden- 
general Qahtaba ihn Schabib, welcher in demselben Jahre die Stadt 
besetzt haben soll ^), herrührte. 

Der Umstand , dass Qümis und Djordjän den Haschimiten zu- 
gefallen waren, ehe noch der Aufstand in Chorasän zum Ausbruch 



1) cf. Tab. II, 1900 (21), 194C (9). 

2) cf. Opk. d. Abbas. p. 111, 127, 146. 

3) Tab. II, 1880, 1976. 

4) Ibid. 1976 (12). 

5) Tab. III, 3. 



444 ^'f"* Vlotev, Alünzen aus der letzten Omeijadenzeit. 

gekommen war'), wirft, scheint es, mit einem Male Licht auf ein 
bis jetzt unerklärtes Ereigniss in der Geschichte der Abbasidischen 
Da'wa. Ich meine den räthselhaften Zug Abu Moslim's nach Qümis 
(od. Djordjän) in dem kritischen Zeitpunkte, als ihm von Solaiman 
ihn Kathir die Leitung in der Chorasanischen Sache verweigert wurde 
(cf. Opk. der Abbas. p. 82 seqq). 

Schon früher habe ich in den beiden sehr verschiedenen Be- 
richten über diese Reise nebst einer mehr oder weniger officiellen 
Redaction, die Ueberreste einer dem historischen Verlaufe näher 
kommenden auszuscheiden versucht. 

Aus letzterer erhellte, dass Abu Moshm in den Städten, die er 
auf seiner Reise durchzog, die Schi'a zu sich rief, aber bei Abiwerd 
von A9im ihn Qais, dem Befehlshaber der Regierung, auf's Haupt 
geschlagen, oder wenigstens in seinem Unternehmen gehemmt wurde. 

Es kommt mir jetzt sehr wahrscheinlich vor, dass er mit 
dieser Expedition keinen anderen Zweck haben konnte, als sich 
den Aufständischen in Djordjän und Qümis anzuschliessen. So allein 
ist die Truppensammluüg auf dem Wege von Merw bis Abiwerd 
meines Erachtens erklärlich, nicht wenn man etwa mit der officiellen 
Redaction annehmen wollte, „dass der Imäm Abu Moslim entbot, 
um sich mit ihm über die Chorasanischen Angelegenheiten zu be- 
sprechen und ihm seinen Befehl in Betreff der offenen Empörung 
mitzutheilen". Solche Faseleien der Berichterstatter, welche über 
die Geheimnisse der Da'wa nur von Abbasidischer Seite aufgeklärt 
wurden , sind offenbar ohne jeden Halt. 

October 1891. 



1 ) Die Münze von Djordjän datirt zwar von 130, und der ,,'^fc£:Ail^l.^Jö) " 
war 29. Kamadhän 120, aber das beweist natürlich nichts gegen die Annahme, 
dass diese Stadt schon früher abgefallen war. 



445 



Ein lustiges Wagenrennen in Altindien, 
RV. 10, 102. 

Von 

P. V. Bradke. 

Das Lied von Herrn und Frau Mudgala mit ihrem sonder- 
baren Wagen und dem Stier davor, EV. 10, 102, ist ein Spottlied, 
und zwar persönliche Satire auf die Heldin und den Helden des 
höhnisch hohen Gesanges, auf ihr Fuhrwerk und ihr Gespann, ihr 
Geschick und Ungeschick. Das Lied beginnt mit einem Gebet zu 
Indra, dessen Beistand der Dichter für das absonderliche Gefährt 
erfleht; der 3. Vers bittet Indra um die Abwehr feindlicher An- 
schläge; der letzte (12.) dankt dem Gott durch eine Lobpreisung, 
welche die Summe der gespendeten Hülfe nicht ohne Ironie ver- 
kündet. Diese drei Verse heben sich von den übrigen auch durch 
ihr abweichendes Versmass ab. Ist im 1. Verse bittweise der 
Wagen genannt, welcher beim Wettrennen mitwirken soll, so wird 
im 2. Vers Frau Mudgala als Wagenfahrer und die siegreiche 
Indrawaffe, womit der angerufene Gott seine Verehrer ausstattet, 
dem Hörer vorgestellt, — Frau Mudgala auf nicht durchaus vor- 
theilhafte Weise. Der 4. und 5. Vers schildern den Stier, mit dem 
Mudgala so grossen Kampfpreis gewonnen habe. Mit dem 6. Verse 
kommen wir zur eigentlichen Wettfahrt. Der Stier ist für Mudgala, 
dem die eigenthümliche Haartracht Rudras, Püshans, der Vasishtha 
zugeschrieben wird, angespannt; seine Frau macht den Wagenlenker 
und ruft laut dem Thiere zu, das nun wilden und unsauberen 
Laufes mit dem schweren Wagen davonläuft. Der ist denn auch 
bald festgefahren: der 7. Vers zeigt uns Mudgala in eifrig 
täppischem Hantieren am Wagen herum, wobei er ein Stück vom 
Rade abschlägt. Doch weiss er sich zu helfen; er spannt sich 
selbst als zweiten Stier daran, und Indra hilft dem Tapfern: Stier 
und Mann und Mann und Stier setzen den Wagen mit gemeinsamen 
Kräften in Gang. Jetzt wirft Mudgala das abgeschlagene Holz- 
stück, das er sich mit einem Strick angebunden hatte, weg, V. 9. 
Mit diesem Holzstück spielt der Dichter: es ist ihm Indras Waffe, 
die den Preis gewinnt, der Genosse des Stieres — mit ihm hat 
Bd. XL VI. 29 



446 ^'- Bradlce, Ein lustiges Wageiirennen in Altindien. 

Mudgala zusammen mit dem Stier den Wagen frei gemacht. Mud- 
gala steigt auf den Wagen zur Gattin, und mit vieler Anstrengung 
und ludras Hülfe gewinnt ihr Wagen den Preis. — Es ist ein Ge- 
legenheitsgedicht, Spottverse, die an Ort und Stelle ein Jeder gleich 
verstand, und die vielen Beifall gefunden haben müssen — sonst 
wären sie schwerlich bis auf uns gekommen. Anderorts und später 
wurden dem Spottlied, das seiner Zeit eine gewisse, und nicht un- 
berechtigte, Berühmtheit gehabt haben mag, erläuternde Worte 
vorausgeschickt und, je nach Bedarf, zwischen den einzelnen Versen 
eingeschaltet ; kurze Notizen über die im Verse apostrophirte Person, 
über Veränderungen in der Situation etc. haben wohl von Anfang 
an nicht gefehlt. Wir können uns an diesem Liede die Entstehung 
derjenigen Poesie veranschaulichen, welche Oldenberg Äkhyäna- 
Hymnen benannt hat. Nicht als ob es zu den ersten Anfängen 
jener Poesie hinauf führte, — die gehören wohl einer älteren Zeit 
als unser Rigveda an, und der Mudgala- Hymnus ist im Rigveda 
eines der jüngeren Lieder ; doch werden wir schwerlich fehl greifen, 
wenn wir uns die frühesten „Äkhyäna-Hymnen" ähnlich wie dieses 
Lied entstanden denken, Gelegenheitsgedichte, die unmittelbar aus 
der Situation heraus erwuchsen und verstanden wurden , seis dass 
der Dichter die Thaten und Schicksale seiner Zeitgenossen , seis 
dass er auch, den Lebenden zu Glimpf und Schimpf, deren Vor- 
fahren, oder was ihnen sonst von alter Zeit her gehörte, besang. 
Ich habe einmal in anderem Zusammenhang darauf hingewiesen, 
dass in Liedern wie RV. 3, 33 die Keime der epischen Poesie liegen 
möchten ^) ; die dort ausgesprochenen Gedanken würden sich jetzt, 
insbesondere nach Oldeubergs Untersuchungen über die Äkhyäna- 
Dichtung "-), mit erheblich grösserer Bestimmtheit formuliren lassen. 
Litterarisch fixirt war zunächst allein der Vers. Allmählich, da sich 
aus dem Gelegenheitsgedicht mit einigen einleitenden Worten und 
orientirenden Notizen eine besondere Art der Dichtung entwickelte, 
mag wohl hin und wieder auch die Prosa-Einkleidung von Anfang 
an mehr oder minder schulmässig mit überliefert worden sein ; doch 
blieb sie das fluctuirende Element, leichter umzuformen und zu er- 
setzen als die schwierige gebundene Rede. Für ein Lied wie den 
Mudgala-Hymnus ist an frühe Redaction der prosaischen Notizen 
nicht zu denken. Bei einem Gelegenheitsgedicht und gar bei einem 
Spottlied wäre sie schon an sich wenig wahrscheinlich ; so lange 
der Spott verstanden wurde, hat sichs auch der Sänger schwerlich 
nehmen lassen, aus eignen und fremden Mitteln neuen Ulk hinzuzu- 
thun. Ausserdem war der Anlass zum Gedicht ein ziemlich gleich- 
gültiger, und die handelnden Personen scheinen in der indischen 
Geschichte keine Rolle gespielt zu haben. So haben wir von vorn- 
herein nicht viel Hoffnung, in der späteren Litteratur zuverlässige 

1) Vgl. ZDMG. ;5C, 474 f. 

2) ZDMG. 37, 54 ff. 39, 52 ff. 



V. Bradke, Ein lustiges Wagenrennen in Altindien. 447 

Kunde von Herrn und Frau Mudgala und ihrer Wettfahrt zu finden ; 
die Erläuterungen zum Liede mögen mit der Zeit an Ausführlich- 
keit gewonnen haben, gewiss nicht an Treue ^). Ich kann es hier 
nicht unternehmen, den Mudgala und dem ferneren Schicksal dieser 
Geschichte nachzuspüren. Soweit ich das Material übersehe, ist es 
von zweifelhafter Beschaffenheit , und die Untersuchung würde in 
grösserem Zusammenhang geführt werden müssen. Im Epos finden 
wir IndrasPnä Nürüyayü ^) als Mudgalas Gattin beiläufig und wie 
sprüchwörtlich genannt MBh. 3, 10 093, cf. 4, 651. Hariv. 6713; 
das sieht nicht vertrauenerweckend aus. Soviel scheint sich mir 
auch aus der nachrigvedischen Litteratur mit einiger Sicherheit zu 
ergeben, dass mudgala, mäudi/alya ■wirkliche tarnen waren; ob das 
Wort nach der Art seiner Ableitung etwa dem römischen Fabius ^) 
gleichzusetzen, oder richtiger als Nebenform von vHiwZ(/ara „Hammer" *) 
zu betrachten ist, weiss ich nicht zu sagen. Der Mudgala des 
Mudgala-Hymnus ist augenscheinlich nicht erst von seinem Sänger 
so benannt worden. Die Stellung des druglianä, der „Holzkeule", 
im Mittelpunkt der Handlung legt die Annahme besonders nahe, 
der Dichter habe mit dem Namen seines Helden, den er als 
„Hammer", mudgara, aufgefasst hätte, spielen wollen; und diese 
Annahme wii-d durch die, offenbar beabsichtigte, Gegenüberstellung 
von mudgalänl und indrascnü im 2. Verse, von der „Frau 
Hammer" und der Indrawaffe, die den Preis gewinnt, bestätigt '•). 

Es ist besonders Pischels Verdienst, die Rolle, welche das 
Wageurennen im Veda spielt , schärfer hervorgehoben zu haben. *^) 
Ueber die Interpretation im Einzelnen werden die Ansichten oft 
genug verschieden sein ; mir liegt es hier nur daran , einen Punkt 
kurz zu besprechen. Pischel und Geldner ziehen des Beispiels halber 
gern den moderen Renn-Sport heran. Das ist irre leitend und hat 
Pischel irre geführt: die vorderasiatischen und besonders die 
homerischen Zustände liegen den vedischen näher, und geben einen 
sichereren Massstab für deren Beurtheilung '). Wenn Pischel sagt, 
Dadhikrävan sei „keine Gottheit, sondern ein ganz gewöhnliches 
Pferd, nicht ein Streitross des Trasadasyu, wie Ludwig 4, 79'») 
meint , sondern ein ausgezeichnetes Rennpferd" •') ; so ist der be- 
hauptende Theil des Satzes richtiger als die Verneinung. Dadhikrävan 



1) Vgl. dazu Roth, Erläiiteniugen zu Nir. 9, 23. Oldeubero- ZDMG 
39, 78 2. 

2) S. u. zu V. 2; vgl. PW. N. I. 

3) S. das PW., dazu Zimmer, AiL. 240. 

4) Vgl. Koth, Erläuterungen zu Nir. 9, 23. 24, und Ludwig zu 974. 

5) S. u. bes. zu V. 2 und 9, und vgl. Roth a. O. 

6) Pischel und Geldner, Vedische Studien I, s. das Register bes. s. 
Wettrennen, Sport; doch vgl. auch Ludwig VI 226. 

7) Vgl. dazu Victor Hehn , Kulturpflanzen u. Hausthiere ^, bes. S. 30 f. 

8) zu N. 75 (1008), RV. 4, 38. 

9) Ved. Stud. 124. 

29* 



448 '<■• Bradke, Ein lustiges Wofjenrennen in Altindien. 

war, wie schon homerische Analogien nahe legen, ein berühmtes 
Streit- und Rennpferd, das der Sage nach einst Götter dem Püi-u- 
Könige Trasadasyu geschenkt hatten ^), und ist in unserem Rigveda 
bereits eine halb mythologisirte Erscheinung; ich habe nichts ge- 
funden, was darauf hinwiese dass Dadhikrävan ein Rennpferd im 
modernen Sinn gewesen wäre. Wettkampf und Kampf stehen 
einander im Veda erheblich näher als jetzt ; die Ausdrücke sind 
beiden gemeinsam oder gehen doch leicht in einander über, und 
können, wenn sie deutlich nur fürs Eine oder nur fürs Andere 
gelten, im Preisliede ganz wohl neben einander stehen, dem späten 
Philologen scheinbar dasselbe bezeichnend '^). Am Meisten erfahren 
wir über Dadhikrävan aus dem uns nicht vollständig überlieferten 
Liede RV. 4, 38 ^), und da ist das ßoss, ein Göttergeschenk welches 
König Trasadasyu seinen Püru gegeben hat, nur noch eine glänzende 
Erinnerung *). Darin , dass die Lieder auf Dadhikrävan sich be- 
sonders aufs Wettrennen beziehen und bei Wettkämpfen recitirt 
wurden , mag Pischel ^) recht haben. Im Wettrennen spielte die 
Schnelligkeit des Rosses doch noch eine grössere Rolle als im 
Kampf, wo die Tapferkeit des wagenfahrenden Mannes voranstand ; 
bei 4, 38 habe ich den Eindruck , als ob darin der Sieg eines 
Nachkommen des Trasadasyu mit einem Renner, dessen Herkunft 
man auf Dadhikrävan zurückführte, gefeiert würde ^). 

Dieses Lied und vielleicht dieser Sieg, die damals allbekannt 
gewesen sein mögen, hat dem Dichter augenscheinlich vorgeschwebt, 
da er seine Satire auf die Mudgala und deren Sieg ersann ; die 



1) Vgl. u. zu V. 9. 

2) So will Pischel, Ved. Stud. 227, ^J/'tanrT&M KV. 7, 5C, 23 wegen der 
Umgebung des Wortes auf den Wettkampf deuten: „Die Worte sänitä vcljam 
ärvä sind Sportausdrücke und pHanäsu wird daher nicht vom ernsten Kampfe 
gesagt sein." Zugestanden, dass s. v. a. nur vom „Sport" gebraucht werden 
konnte; so würde doch nichts auch nur Erstaunliches darin liegen, wenn der 
Sänger die Maruts sowohl wegen ihrer Hülfe im Kampf als auch im Wettkampf 
gepriesen hätte, marüdbhir ugräh prtanäsu sülhä auf den Wettkampf zu 
beziehen, wäre mindestens gezwungen, besonders da V. 22 (vgl. prtanäsu d) 
und wohl auch 24 vom ernsten Kampf handeln; weit eher könnte auch das 
s. V. a. des 4. Päda auf den Kampf gehen, doch ist es, wie wir sahen, keines- 
wegs nothwendig, für Beides dieselbe Situation anzusetzen. Vgl. zur Stelle auch 
m. Schrift über Dyäus Asura, S. 66. 

3) Vgl. Ludwig zu 75, und unten zu V. 2. 9. 

4) Vgl. bes. V. 1 utO hl väm dätra sänti pürvä yd 2yürübhyas trasd- 
dasyur nitöce , womit der Tenor des Liedes übereinstimmt; vgl. dazu auch 
Oldenberg, ZDMG. 42, bes. S. 219. 

5) Vgl. Ved. Stud 124. 

6) Vgl. ausser V. 1 auch vicvah pürüh 3; ähnlich 39 , 2. In den 
übrigen Liedern auf Dadhikrävan überwiegt das mythologische oder wenigstens 
mythologisirende Moment; es sind 4, 39. 40. 3, 20. 7, 44. 41, 6. 10, 101, 1. 
— Aus 4, 38, 6 oder 7, 44, 4 lässt sich nicht mit Pischel S. 124 entnehmen, 
dass Dadhikrävan oder überhaupt die Pferde im vedischen Indien auch allein, 
und ohne den Wagen, wettgelaufen sind. 



V. Bradke, Ein lustiges Wagenrennen in Altindien. 449 

Satire parodirt zum Theil den Dadliikrävan-Hymnus '). Es spricht 
von der Bedeutung des Wettrennens in der vedischen Zeit , dass 
die älteste Personal-Satire, die wir auf indischem Boden kennen, 
sich auf eine Wettfahrt bezieht; doch halte ich es für keineswegs 
unmöglich, dass noch einer oder der andere Hymnus, dessen Er- 
klärung schwankt, von satirischer Art sei.^) Das Mudgala-Lied schil- 
dert, wörtlich verstanden , etwa ein Bauernrennen so , wie es sich 
dem Auge eines Mannes darstellen mochte, welcher in den „höheren 
Kreisen" zu verkehren gewohnt wai-, — vielleicht zur vertrauten 
Umgebung eines Kleinkönigs gehörte. Die lustige Figur des „Clown", 
des Bauernburschen mit seiner Tölpelhaftigkeit und seinem Mutter- 
witz ist eine der frühesten Gestalten, die von der komischen 
Phantasie des „Kulturmenschen" geformt wurden: in unserer Zeit 
ist sie fast verschwunden, und an ihre Stelle hat sich breit die 
ärgerlichere Erscheinung des Halbgebildeten hingesetzt, soweit sie 
noch nicht herrschend geworden ist. Sobald in einem Volk der 
Unterschied der Bildung den Besitzern der höheren Kultur zum 
Bewusstsein kommt , sind die Bedingungen zur Schöpfung der 
Clown-Figur gegeben ; einerlei ob der Gegensatz Stadt und Land, 
oder Adel und Bauer heisst. Bleiben wir bei den Worten des 
Mudgala-Hymnus stehen, so sind die Mudgala eben lustige Figuren 
dieser Art; die Komik würde auf dem Contrast beruhen, den ihre 
Tölpelhaftigkeit und das Kümmerliche ihres Aufzugs zum ritter- 
lichen Kampfspiel bilden. Ich glaube aber nicht, dass Mudgala 
in Wirklichkeit ein Bauernbursch gewesen ist. Der poetische Auf- 



1) Dass die beiden Lieder in einer gewissen Beziehung zu einander 
stellen, hat schon Ludwig erkannt, s. Bd. II N. 1008, IV zu N. 75, 2; dass 
der Anfang von 4, 38 fehlt, 1 X. 75 und a. 0. Der Dichter des Mudgala- 
Hymnus hat den Anfang noch gekannt. Es Hesse sich auch daran denken, 
dass unser Sänger nicht sowohl das Lied 4, 38, sondern dessen Vorlage paro- 
dirt habe; doch ist die Parodie augenscheinlich ziemlich jung, und schliesst 
sich in den ersten Versen recht eng an 4, 38 an, s. u. bes. zu V. 2. 9. Dazu 
kommt noch ein formales Moment. Grassmann, Uebers., Anm. zu 928,2, macht 
darauf aufmerksam, dass in unserem Liede (10, 102) ausser dem gekünstelten 
Ausdruck auch „der Gebrauch von sma mit dem Präs. im Sinne des Imper- 
fects (in Vers 2, 4, 6) auf ein spätes Alter schliessea" lasse; das Präsens mit 
sma wechselt mit Imperfect und Aorist ab, vgl. dazu auch Delbrück, AiTempus- 
lehre 74. Und sma spielt grade im Hymnus 4, 38 (V. 4 — 6, 8 — 9) eine grosse 
Rolle, das Präsens mit und ohne sma, bes., den Vers beginnend, utä sma, 
im üblichen vedischen Gebrauch, s. Grassmann, WB. s. v. ; vgl. auch 40, 3. 4. 
4, 38 ist augenscheinlich das älteste unter den uns erhaltenen Liedern auf 
Dadhikrävan, auch der Verlust des Anfangs könnte darauf hinweisen; andrer- 
seits ist es auch wieder nicht hervorragend alterthümlich , Trasadasyu ist für 
den Dichter ein Heros der Vergangenheit. Nehmen wir Alles zusammen, so ist 
der Mudgala-Hymnus vom Dadhikrävan-Liede 4, 38 wohl direct beeinflusst. 
Doch scheint der Dichter von 10, 102 auch andere Lieder oder deren Vor- 
lagen verwandt zu haben; so wohl RV. 2, 31, 1. 2. bes. für 10, 102, 7, s. u. 
zum Verse , und cf. mithüdrcä 2,31,5 u. zu V. 1 ; vgl. auch die Vers- 
anfänge ädha smä 2, 31, 2 und utd syä etc. 3 — 6 mit utä sma 4, 38 cf. 40. 

2) S die nachträgliche Bemerkung S. 46.'). 



450 ^'- iii'O'dke, Ein lustiges Wagenrennen in Altindien. 

wand ist dafür zu gross; was hätte den talentvollen Dichter dazu 
bewegen soUen , an Personen , welche seinen Kreisen fern standen, 
die schwierige und hoch geehrte Kunst des Gesanges zu ver- 
schwenden, seis auch um sich über sie lustig zu machen. Es 
handelt sich im Liede wohl um einen Edelmann, der mitten unter 
den modernen Wagen und feinen Rossen mit schwerfälligem alt- 
modischem Gefährt und einem derben Gaul ') am Rennen theilnahm; 
die Frau muss auf irgend eine, sonst nicht übliche Art mitgewirkt 
haben, mag auch die Wagenlenkerin ihres Gemahls gewesen sein. 
Dem Manne wird ein Unglück oder Ungeschick zugestossen sein, 
dem er auf eine Weise abgeholfen hätte, die sich mit der feineren 
Sitte nicht vertrug, — sehr möglich, dass er eine Strecke lang 
selbst am Wagen mitgezogen hat. Der Preis, den Mudgala gewann, 
ist vom Dichter ironisch übertrieben ; es mag selbst einer der ge- 
ringeren Preise gewesen sein, aber doch wohl ein höherer, als nach 
der Meinung unseres Poeten dem Gespann und seinem Lenker 
eigentlich zukam. Von den Wechselfällen eines alten Wettrennens 
können wir uns nach der Schilderung des Wagenrennens zu Ehren 
des Patroklos im drei und zwanzigsten Buch der Ilias ein Bild 
machen; und ein Poet und Höfling ist leicht verletzt, seis als 
Höfling, seis als Poet, seis für sich oder seinen Gönner. — 
Die burleske Schilderung des Aufzuges der Familie Mudgala wird 
durch ein Moment, das ich in der Uebersetzung nicht habe wieder- 
geben können, vollends grotesk : durch die mythologische Form der 
Satire ^). Fast unwillkürlich schweifen unsere Gedanken von der 
vedischen Rennbaha hinüber zur Insel der Phaeaken , auch wir 
lauschen dem Gesänge des Demodokos 

au(f- "Agsog (fikorr/Tog ivcrufävov r' 'A(foo8iri}q. 
Hier wie dort singt der Dichter menschliche Schwachheit in 
mythischer Hülle. Der griechische Dichter steht der mythologischen 
Form innerlich frei gegenüber. Er behandelt sie wie ein Gewand, 
das uns auch schmücken soll; und aus dem heroischen Verse in 
seiner gemessenen Bewegung schaut uns leichte frivole Grazie wie 
aus altitalienischen Novellen fein und neckisch an. Der vedische 
Dichter ist in der mythologischen Form befangen, sie sitzt an ihm 
wie seine Haut ; sein Können zeigt sich darin, wie er sich in dieser 
Hülle bewegt. — 

Der Hymnus RV. 10, 102 ist öfters behandelt worden. Auf 
den mythologischen Gehalt des Liedes hat Roth schon in den Er- 
läuterungen zu Nir. 9, 23. 24 hingewiesen; Bergaigne , Religion 
Vedique II 280 ff., deutet den Hymnus mythologisch aus, und 
nimmt für einige Worte , die in diesem Liede sonst anders als an 
den übrigen Stellen erklärt wurden, mit Recht die gewöhnliche Be- 



1) Doch vgl. u. S. 451». 

2) Vgl. unten bes. zu V. 



V. Bradke, Ein lustiges Wagenrennen in Altindien. 451 

deutung in Anspruch. Grassmann sieht in RV. 10, 102 ein 
Triiimphlied nach der Schlacht, an die Siegesfeier scheine sich ein 
Wettlauf angeschlossen zu haben; auch macht er auf die verhält- 
nissmässig späte Entstehung des Hymnus ') aufmerksam. Ludwig 
hat auf die Beziehungen unseres Hymnus zum Dadhikrävan-Liede 
hingewiesen ; auch durfte sich Oldenberg auf seine Bemerkungen 
zu RV. 10, 102 beziehen, als er das Lied in die Reihe der 
„Äkhyäna-Hymnen" stellte -). Und Pischel sah, dass das Dadhikrävan- 
und das Mudgala-Lied auf Wettrennen zu beziehen sind ^). Die 
einzelnen Elemente, aus denen unser Lied besteht, waren, ausser 
dem komischen Moment das sie zu einem Ganzen zusammenschliesst, 
von den einzelnen Erklärern erkannt worden; es würde genügen, 
sie unter diesem Gesichtspunkt zusammenzufassen, wenn unsere Er- 
kenntniss nicht , im Kleinen wie im Grossen, andere Wege ginge *). 



2)fU te räiliam mithuhrtam indrö avatu dhrshnuyä \ 
asminn cvjau puruhüta (^raväyie dhanahhahsheshu no ava \\ 

1. Deinem wunderlichen Wagen helfe Indra wacker vorwärts: 
in diesem hoch zu rühmenden Wettkampf hilf uns, du vielgerufener 
Gott, zu den Genüssen, die der Kampfpreis bietet. 

dt sma vdtö vahati vcisö asyäJi ädhiraiham yäd djayat 

sahäsram 
rathir abhün mudgaldnl gävishtäu bhdre hrtäm vi aced 

indrasend \\ 

2. Der Wind fuhr ihr Gewand empor, als siegreich sie die 
tausend gewann, die wir auf ihrem Wagen sehn. Wagenfahrer 
war Frau Mudgala im Streit, da wo's die Kühe galt; im Kampf 
den Preis zog Indras Waffe ein. 

antär yaccha jighämsatah väjram mdräbhidäsatah \ 

düsasya vä viagkavunn ariasya vä sanutär yavayä vadhdm \\ 

3. Halt, Indra, ab den Donnerkeil des Mannes, der uns nach- 
stellt und uns morden will ; lass fern uns sein, o Maghavan, die 
Waffe seis des Däsa seis des Ariers. 

udnö hraddm apibaj Jdrkrskänah ktitam sma trrnlidd 

abhimätim eti | 
prd mushkdbhärah grdva icchdtnänah ajirdm bähü 

abharat sishäsan 11 



1) S. o. S. 449 1. 

2) S. o. a. ü., cf. S. 446-, und ZDMG. 39, 78. 82. 

3) s. o. S. 447 f. Pischel, Ved. Stud. 124 1, hält auch in RV. 10, 102 die 
Schilderung des Wettrennens für ernst gemeint, das Lied für alt. Ob auf 
Grund von AV. 20, 127, 2 ein wirkliches Büöelrennen für KV. 10, 102 (vgl. 
o. S 450) anzusetzen ist, Hesse sich erst nach der genauen Begründung der 
Ansicht mit Sicherheit beurtheilen ; irgend Wesentliches in meiner Auffassung 
des Hymnus würde dadurch nicht berührt werden. 

4) S. auch die nachträgliche Bemerkung S. 465. 



452 ^'- Bradke, Ein lustiges Wagenrennen in Altindien. 

4. Gierig trank er einen See voll Wasser, die Stirn den Fei